Sie sind auf Seite 1von 9

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich moechte sie alle zuerste begruessen und den Organisatoren zu bedanken fuer
die Einladung und die Gelegenheit ueber das Thema “Die Role der
Zivilgeselschaft in Demokratisierungsprozessen in Bosnien – Herzegowina” zu
spraechen. Ich muss schon am Anfang sagen, dasss im diesen Bereich man
kaum wissenschaftlische Beitraege finden kann, besonderes im Bosnien. Seit
sieben Jahren beschaeftige ich meine kleinichkeit mit diesem Thema und heute
wird, natuerlich, nicht moeglich alle Ergebnisse dieser Forschungsarbeit zu
praesentieren. Ich versuche in der naechsten 20 Minuten paar Informationen
geben, die, hofe mich, als Grund fuer die weitere Disskussion dienen koennen.

In BiH kam es ab 1989 zur Wiederherstellung von traditionellen Formen sowie


zur Einführung neuer Formen bürgerlichen Engagements. Für verschiedene
Formen des Vereinswesens aus der Zeit des Sozialismus bedeutete dieses Jahr
das endgültige Ende. Eine große Zahl dieser Organisationen verschwand aus
dem gesellschaftlichen Bereich. In den Kriegsjahren von 1992 bis 1995, mit
dem Ankunft von internationalen Nichtregierungsorganisationen (NRO) und
anderen internationalen Organisationen, hält auch die Idee von der
Zivilgesellschaft in BiH Einzug. Mit dem Dayton-Abkommen vom 14.12.1995
wurde der Krieg in BiH formell beendet. In diesem Abkommen, wie auch in
anderen späteren internationalen oder nationalen Akten, wird der Aufbau der
Zivilgesellschaft in BiH als eines der strategischen Ziele festgelegt.

Nach Angaben der „Agentur der lokalen Demokratie Tuzla“ registrierte man ab
1992 bis 2001 in Bosnien-Herzegowina 8.000 NRO, wie auch ca. 30.000
Projekten und Initiativen in den verschiedenen Gesellschaftsbereichen –
Demokratisierung, Menschenrechte, Frauenrechte, Jugendproblematik,
interkulturelle Kommunikation, politische Ausbildung, Ökologie). Heute ist die
Zahl geschaetzt auf 10 000 Organisationen. Obwohl die
Nichtregierungsorganisationen in den entwickelten Demokratien erst eine der
funktionalen Komponenten der Zivilgesellschaft neben Bürgerinitiativen,
unabhängigen Medien und kritischer Öffentlichkeit darstellen, in Bosnien-
Herzegowina sind sie ihre ausgeprägteste Komponente. Deshalb, die folgende
analyse ist ueberwiegend orientiert auf das Phenomen des
Nichtregierungssektors in BiH.

Im Hinblick auf die Bedeutung, die man dem Aufbau der Nichtregierungsektors
innerhalb der Transformationsprozessen zumisst, drängen sich die folgenden
Fragen in den Vordergrund:
 Welche Funktionen hat der Nichtregierungsektor in dem aktuelen
Gesellschaftskontext?
 Welche Probleme sind bei der Entwicklung von Akteuren in dem
Nichtregierungsektor vorhanden?
 Welche strategischen Korrekturen sind in einem breiteren
Entwicklungskonzept für den Nichtregierungssektor notwendig, um eine
weitere Entwicklungsperspektive für die Zivilgesellschaft in BiH zu
eröffnen?

Mit Blick auf BiH muss es also darum gehen, die spezifischen Funktionen und
Probleme einer Zivilgesellschaft/ zu identifizieren, um die Frage zu
beantworten, welche Bedeutung der Zivilgesellschaft für die Etablierung und
Konsolidierung der Demokratie zukommt.

Die Funktionen des Zivilsektors in Bosnien-Herzegowina

Funktionen der Kontrolle und Korrektur

Diese Funktion bezieht sich vor allem auf die Kontrolle der staatlichen und
anderer Institutionen. Besonders in den letzten vier Jahren wächst die Zahl der
NRO, die sich ausschließlich mit der Arbeit von Behörden beschäftigen. Einige
Theoretiker haben sie als „politische NRO“ bezeichnet. Ihr Ziel ist natürlich
nicht die Eroberung der Macht, sondern vor allem die Kontrolle von Behörden.
Die bekanntesten sind die Bürgerforen, die meistens auf dem lokalen Ebene
aktiv sind. So ein Forum wurde in Tuzla schon im Jahre 1993 gegründet. Die
Bürgerforen sind heute in ueber 50 Gemeinden aktiv, aber nur teilweise
vernetzt. Sie beobachten die Arbeit von Behörden in der Gemeinde und
versuchen dann durch die Organisation von Öffentlichkeit, durch
Medienmitteilungen, Posterkampagnen und Ähnliches, die Bürger „für“ oder
„gegen“ bestimmte Entscheidungen der Behörden zu animieren, manchmal wird
auch um Korrekturvorschläge gebeten. Es handelt sich meistens um die
Behandlung von alltäglichen Bürgerproblemen.

Ähnliche Aktivitäten unternehmen auch die Organisationen auf einem höheren


Niveau, z.B. die Jugendorganisationen, die sich mit sozialen Fragen und dem
Schutz von Bürgerrechten beschäftigen, ökologische Vereine und andere
Organisationen.

Par Beispiele: Das „Zentrum für Zivilinitiativen“ (CCI), eine NRO mit
Zweigstellen in zehn Gemeinden, führte im Juni 2003 das „Projekt zur
Beobachtung und Kritik der Arbeit der Kantonalparlamenten in 8 von 10
Kantonen in der FBiH.“ durch. In der Zwischenzeit schlossen sich diesem
Projekt 286 NRO im BiH. In 7 Kantonalparlamenten wurde die „Kommission
für Zusammenarbeit mit dem Zivilsektor“ gegründet. Dies ist ein Novum im
ganzen Land.

Die wichtigste Kontrollfunktion ist die Kontrolle der Wahlen. Mit dieser Praxis
fing man bei den allgemeinen Wahlen 1998 an. Auf Initiative vom CCI gründete
man das spezialisierte Netz „Oko“ („Auge“) mit 310 Mitgliedern im ganzen
Land. Im Oktober 2002 wurden in 2.600 Wahlbüros 9.000 vorher ausgebildete,
freiwillige Beobachter eingesetzt. Die späteren Analysen des Wahlvorgangs,
gemacht auf Grund ihrer Beobachtungen, dienten als Basismaterial für die
Initiative zur Veränderung des Wahlgesetzes.Seit 1989. gegen 10 000 Buerger in
BiH waren als Wahleneobachter angagiert.

Funktion der Partizipation

Die Funktion entwickelte sich als Verlängerung der Kontrollfunktion. Diese


Funktion realisiert sich z.B. durch direkte Teilnahme von Vertretern des
Zivilsektors an der Gestaltung der Gesetzesvorschläge und anderer Vorschriften
und Entscheidungen. Die NRO versuchen verschiedene Anträge über politische
Parteien, einzelne Parlamentarier und andere Kanäle bei den
Entscheidungsinstanzen einzureichen. Auf diese Weise erarbeitete man für BiH
und für den Zivilsektor selbst sehr wichtige gesetzliche Regelungen, wie z.B.
das Staatsgesetz über Stiftungen und Bürgervereine, die Veränderung von
Gesetzen über die lokale Selbstverwaltung, das Gesetz über Referenden, das
Gesetz über Bürgerinitiativen und das Gesetz über Zivilopfer des Krieges usw.
In der laetzten 10 Jahren die Nichtregierungsorganisationen haben gegen 250
Gesetztenderungen initiert.

In BiH konnte man zuerst von der Partizipation der NRO-Vertreter sprechen. In
diesem Sinne stellt die gesetzliche Wiedereinführung von Referenden und
Bürgerinitiativen einen wichtigen Fortschritt in dem Demokratisierungsprozess
dar. Diese Instrumente sollten eine breitere Teilnahme von Bürgern an
zivilgesellschaftlichen Prozessen ermöglichen. Partnerschaften zwischen dem
Zivilsektor und dem Staat entwickeln sich zumeist in zwei Formen, entweder
suchen die Regierungsbehörden nach Sponsoren, Mitsponsoren oder
Mitimplementatoren für bestimmte Projekte im Zivilsektor oder die
Organisationen des Zivilsektors bieten den Behörden die Zusammenarbeit an.

Die vom jeweiligen Staatsbudget finanzielle Unabhängigkeit der NRO


ermöglicht eine Gleichstellung in der partnerschaftlichen Beziehung. Leider
fehlt hier die notwendige Koordination, so dass das Durcheinander, die
Verschwendung von Finanzen und anderer Kapazitäten immer noch eine
problematische Erscheinung ist. Nur auf dem Gebiet des Wiederaufbaus in BiH
gibt es eine gewisse Koordination. Aber an diesem Aufgabenbereich sind
meistens ausländische Agenturen und Organisationen beteiligt, die in den
Gesellschaftsraum über höhere Staatsinstanzen kommen, so dass der
authentische lokale Zivilsektor von diesen Aktivitäten ausgeschlossen ist.

Die Dienstleistung-substituierende Funktion

Diese Funktionen manifestiert sich am deutlichsten in den Arbeitsfeldern, wo


sich die Organisationen mit sozialen Fragen beschäftigen, wie die Problemen
von Flüchtlingen, Rentnern, Kriegsveteranenveteranen, Jugendlichen, Frauen
usw. . In diesen Bereichen bietet man verschiedene Arten von Dienstleistungen
an, die früher der Staat übernahm. Die Liste von Dienstleistungen umfast

 Rechtshilfe und Rechtsschutz;


 Unterbringung, Transport, technische Dienstleistungen für bedrohte
Bevölkerungsgruppen;
 Psychosoziale Hilfe und Arbeit mit traumatisierten Personen;
 Frauen- und Kinderschutz und Schutz der Kriegsopfer;
 Schulung und Unterstützung der Kleinunternehmer;
 Beratungshilfe für Landwirte;
 Minenräumung usw.

Gegen 70% aller NGO-s in Bosnien sind aktiv in diesem Bereich.

Probleme des Zivilsektors in Bosnien-Herzegowina

Die Ethnopolitisierung von Gesellschaftsstrukturen

Die Ethnopolitisierung ist das allgemeine Problem der bosnisch-


herzegowinischen Gesellschaft, ihrer staatlich-politischen und ökonomischen
Sphäre und des Zivilsektors.Ein Autor aus Bosnien sagte: „Alles, von der
Begrüßung, vom Dialekt, den man spricht, bis hin zur Zeitung in der
Manteltasche, wird aus Positionen der omnipräsenten, mystifizierten
Ethnie/Nation beurteilt und kommentiert. Sich in solch einer Situation als
Bürger des Staates BiH zu erklären, kommt einem nationalen Verrat gleich“.

Im Bereich des Zivilsektors sind vor allem die ethnisch politisierten


Institutionen problematisch. Dazu gehören sowohl staatliche als auch
ökonomische, kulturelle, sportliche Organisationen. Einige Autoren sind der
Meinung, dass die multiethnische, auf Bürgerinteressen begründete Programmen
des Zivilsektors mit der monodimensionalen Ethnopolitik von staatlichen und
anderen Gesellschaftsinstitutionen unvereinbar ist. In dieser Situation gebe es oft
weder ein Verständnis noch die Möglichkeit für partnerschaftliche Verhältnisse
mit den staatlischen Institutionen. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden oder
anderen staatlischen Institutionen bedeutet manschmal, was aber wirklich ein
Absurd ist, ein ständiges Zählen von Bosnaken, Serben oder Kroaten, die in die
Programmaktivitäten eingeschlossen sind.

Gajo Sekulic von der Universität Sarajevo ist der Meinung, dass eine
Zusammenarbeit oder Partnerschaft der nationalistischen Eliten und des
Zivilsektors unmöglich ist was eine logische Folge der Nichtkomplementarität
des ethnopolitischen und des bürgerlichen Konzepts der Gesellschaft darstellt.
Die Initiative der Zivilgesellschaft zu überlassen würde für die
etnonationalistische Elite mindestens “gefaehrlich”, das bedroecht ihre
politiscge Positionen grundsetzlich. Einen Handlungsraum den bürgerlichen
Initiativen zu geben, bedeutet die Moeglichkeit der oeffentlichen Kontrolle der
Ökonomie und Politik zu eroeffnen.Die Etnonationalisten versuchen, so meint
Sekulic, das liberal-demokratische Konzept zu redefinieren, indem die ethnische
Kolektivitaeten egsietieren und handeln dort, wo normalerweise das Individuum
existiert und handelt.

Die Erfahrungen der Aktivisten der NRO bestätigen teilweisediese These. Die
Bürger zeigen das große Anfangsmisstrauen bei Begegnungen mit Programmen
des Zivilsektors. Das Problem manifestiert sich aber in den Städten und in der
Peripherie auf unterschiedliche Weise. Fuer die größeren urbanen Zentren, wo
die ethnische Mischung der Bevölkerung größer ist, ist zugleich characteristisch
größer Mobilität der Buerger. Paar Forschungen bestaetigen deutlich, dass von
den urbanen Zentren zur Peripherie der Einfluss des Zivilsektors abnimmt.

Legitimitätskrise der Zivilinitiativen

Nichtregierungssektor koennte nicht ohne finanzielle Unterstuetzung der


auslaendischen Sposoren funktionieren. Die Analyse des NROSEktors im
Kanton Tuzla, von Juni 2006. zeigen dass 85% finanzen, fuer 300
Nichtregierungsorgansationen kommen von auslaendischen Sponsoren. Wie
hoch die finanzielle Unterstuetzung ist, leider ist unmoeglich zu schaetzen. Die
ausländische Förderung ist von der Erfüllung bestimmter Kriterien abhängig.
Diese Kriterien bestimmen die Sponsoren direkt oder sie engagieren für diese
Zwecke Vermittlungsorganisationen und Agenturen. Were gut, bei der
Festlegung dieser Kriterien die lokalen Kenner des Zivilsektors konsultieren und
angagieren. Am besten wäre es, sich auf bestimmte Forschungsergebnisse
stützen. Leider, oft setzten die Vermittlungsorganisationen diese Kriterien
jedoch ohne gründliche Vorbereitungen fest. Die Untersuchung der Interessen
und Bedürfnisse von Bürgern fehlt wie auch eine einheitliche
Entwicklungsstrategie der Zivilgesellschaft in BiH. Praktisch, man bestimmt die
Prioritäten auf Grund von oberflächlichen Einschätzungen und dadurch
entstehen weitere Probleme.
Die lokalen NRO richten sich bei der Arbeitsplanung nach diesen externen
Kriterien. So rückt der wirkliche Zustand in ihrem Arbeitsfeld an die zweite
Position oder wird sogar total vernachlässigt. Anders gesagt, die Zivilinitiativen
sind in dem Raum zwischen ausländischen Sponsoren und dem lokalen
Zivilsektor disloziert. Der Bürger ist hier lediglich der Benutzer der Angebote
im Rahmen schon definierter Projekten. Wenn die Initiativen außerhalb des
authentischen Sozialraumes platziert sind, dann entsteht das Problem der
Legitimität von Zivilinitiativen in BiH. Die Angebote der Organisationen
kommen dann „von oben“, aus Sphären, die weit entfernt von den Bürgern und
ihren eigentlichen Interessen und Bedürfnissen sind.

Das alles verursacht weitere Problemen. Das ist das problem der

„Projektomanie“ und das Problem der „Zivilkolonisierung“

Im Jargon von Beschäftigten im Zivilsektor bezeichnet der Begriff


„Projektomanie“ eine unkritische Einstellung von NRO gegenüber Projekten,
auf die sich ihre gesamte Aktivität richtet. Die Arbeit dieser Organisationen
kann man beschreiben als einen Kampf um Projekte bei deren Ausarbeitung die
Kriterien der Sponsoren die Hauptrolle spielen.

Einige Authoren nennen diese Erscheinung „die Besessenheit vom Projekten“.


Diese Autoren meinen, dass die ausländischen Sponsoren „ ...keinen Willen
zeigen, den lokalen Organisationen langfristige Projekte zu überlassen, sie
immer wieder zwingen in immer kürzeren Zeitdistanzen neue Projekte zu
konzipieren und neue ‚Applikationen‘ zu schicken. Danach kommt die Phase
endloser Berichte und Evaluierungen, dan folgen wieder Hunderte Seiten neuer
Applikationsmuster, dann kommen wieder die Berichte ...“ Ein Teil des
Zivilsektors zog in Büros um, in die virtuelle Welt von Projekten, die in einem
künstlichen Raum zwischen Applikatoren und Sponsoren funktioniert. Zugleich,
in so ein Kreis, die lokalen Behoerde moechten sich nicht einmischen aus
obengennanten Gruenden.

Dieser Teil von Organisationen stellen nur das Surrogat der Zivilgesellschaft
dar, ... und es ist nicht nur das Problem, dass ihre Projekte keine Legitimität
haben, die aus der Basis kommen sollte. Es ist das Problem, dass ein getrenntes,
geschlossenes Segment des Zivilsektors entstanden ist, das die Entwicklung der
authentischen Zivilität in BiH bedrohen kann.

Das Phänomen der Projektomanie hat sicherlich seine Ursache in der Tatsache,
dass die Arbeitsplätze in den NRO, besonders in den ausländischen, für
bosnisch-herzegowinische Verhältnisse sehr gut bezahlt sind. Dies gilt auch für
einige lokale Tochterorganisationen aber vor allem für fremde Arbeitskräfte,
Expertenteams usw. Leider war es nicht möglich genaue Zahlenangaben darüber
zu bekommen, die das in einem breiteren Kontext bestätigen könnten.

Die Kritik dieses Phänomens kulminiert bei einigen Autoren in der Feststellung,
dass ein Teil des Zivilsektors in BiH seitens international Agierender
„kolonisiert“ ist. Es ist interessant, dass davon auch ausländische Autoren
sprechen. Paul Stubss definiert diese „Kolonisierung“ als „Asymmetrie,
gegründet auf der ungleichen Verteilung von symbolischer und finanzieller
Macht zwischen zwei Kategorien von Akteuren innerhalb des Zivilsektors in
BiH“. Diese Asymmetrie, behauptet Stubss führe zur Stärkung „ ... der
Domination von internationalen Teilnehmern, ihrer Systeme, Voraussetzungen,
Bedeutungen und Handlungen ... was mindestens ungeeignet für den
spezifischen sozio-politischen und sozio-kulturellen Kontext von bestimmten
Gesellschaften sein kann und direkt oder indirekt erniedrigend oder sogar
beleidigend für lokale Teilnehmer sein könnte“.Im Zivilsektor in BiH wird
dieses Problem als „Zivilkolonisierung“ bezeichnet.

Die Bedeutung des Zivilsektors im Demokratisierungsprozess von BiH

Das Fehlen von umfangreichen Untersuchungen mit den entsprechenden


empirischen Daten erschwert die Einschätzung von messbaren
Leistungseffekten im Bereich des Zivilsektors in BiH. Aber wie man sehen
konnte, gibt es jetzt ein ziemlich klares Bild von der Struktur, den Funktionen
des Zivilsektors wie auch eine Übersicht den wichtigsten Probleme, die die
weitere Entwicklung dieses Bereich beeinflussen. Gerade in dem
Spannungsverhältnis der genannten Funktionen und angeführten Probleme kann
man die Bedeutung des Zivilsektors für die Demokratisierungsprozesse der
bosnisch-herzegowinischen Gesellschaft erkennen.

Die Organisationen des Zivilsektors sind die gesellschaftlichen Akteure, das


zivilgesellschaftliche Engagement der Buerger initieren und organisieren. Für
die Zukunft von BiH und die demokratische Entwicklung ist dies von enormer
Bedeutung. Bosnien – Herzegowina egsistiert als eine interssante staatlische
Struktur. Ihr geselschaftlisches Raum bestecht aus drei etnischer
“Geselschaften” wie auch aus drei etnischen “Offentlichkeiten”. Das heist dass
Bosnien – Herzegowina egsistiert nicht als Gemeinschaft. Ich moechte sagen,
dass als Gemeinschaft Bosnien Herzegowina kann wiedergeboren warden nur
durch die Zivilgesellschaft. Natuerlich, die Entwicklung von demokratischen
Institutionen und einer staatlischen Struktur von “oben” ist sehr wichtig, aber
wir haben keine Zeit dass heute zu bespraechen. Aber, nur die autentische
Zivilgesellschaftlische strukturen koennen die die notwendige Entiwicklung der
politischen, oekonomischen und sozialen Gemeinschaft gegerieren. Hier haben
die Buergern von Bosnien Herzegowina die Moeglichkeit, ihre individuelle
Interessen arikulieren oder reartikulieren unabhaengig von die ihren etnischen
Zugehoerigkeit. So enstanden die Verhaeltnisse die ueberschritten die etnische
Graenze zwischen Buergern und ihren Grupen, Organisationen usw. Diese
Prozese sind erkentbar geworden. Z.B., in der laetzten vier Jahren ist die
Vernetztung der NGO-s immer intensiever – momentan sprich man von 60
Naetze der Jugendorganisationen, Frauenorganisationen, Oekologischen
initiativen usw. Die Tatsache ist, dass neben all den hier aufgezählten
Problemen, nunmehr ein Bereich des gesellschaftlichen Lebens vorhanden ist,
wo der Bürger/das Individuum seine Einstellung und sein Interesse außerhalb
seiner ethnischen Zugehörigkeit äußern kann, ist ein so wichtiger Fakt, ohne den
der Demokratisierungsprozess schwer vorstellbar wäre.

Das politische System von BiH ist auf ethnischen Prinzipien aufgebaut. Ohne
die korrigierende Bevollmächtigung, die die internationale Gemeinschaft dem
Hohen Vertreter nach dem Dayton-Abkommen eingeräumt hat, könnten die
Regierungs- und Behördeninstitutionen in BiH nicht die gesetzgebende
Grundlage des Staates sichern. Die multiethnischen politischen Parteien
schafften es in der Nachkriegszeit nur kurzfristig die Initiative in den staatlichen
Institutionen übernehmen, d.h. in der Zeit von 2000 bis 2002. Mit anderen
Worten, die einzigen organisierten Gesellschaftskräfte, die die Entitätsgrenzen,
die ethnischen Grenzen überwinden wollen, indem sie Programme für den
ganzen Staat entwickeln, sind die Zivilgesellschaftlische Strukturen und
Akteueren. Neben all den genannten Problemen ist die Existenz ihrer
Aktivitäten, basierend auf multiethnischen Prinzipien im ganzen Staat, ein
Faktum und ein Beweis dafür, dass so etwas in diesem Land möglich ist und
dass diese Art des bürgerlichen Organisierens ihre Perspektive hat.

Auf lokalem Niveau, besonders in größeren urbanen Zentren, zeigt die


kontrollierende und korrigierende Funktion und Partizipation eine
wahrnehmbare Wirkung. Ein großer Erfolg ist die Veränderung des
Wahlgesetzes. Demnächst sollen die Bürgermeister im ganzen Land zum ersten
Mal direkt von den Bürgern gewählt werden. Die Kandidaten werden nicht nur
von den Parteien vorschlagen, sondern auch von den Bürgergruppen.Dies ist ein
wichtiger Schritt zur Entwicklung der lokalen Demokratie in BiH. Das
Beobachtungsnetz „Oko“ bereitet gegenwärtig eine Kampagne für weitere
Veränderungen des Wahlgesetzes vor. Danach sollen auch die drei Mitglieder
des Staatspräsidiums direkt gewählt werden. Es handelt sich hierbei um
schwierige Anfangsschritte der Demokratie, aber deren Erfolge kann man nicht
als zu gering bewerten.

Der Zivilsektor ist der gesellschaftliche Kern, der versucht in der Praxis
bestimmte, allgemein demokratische Werte, Erfahrungen und Prinzipien
durchzusetzen: Multiethnizität und interethnische Toleranz, mehrheitliche
Entscheidungsfällung gegenüber dem nationalen Konsens, das Kriterium der
Qualifikation bei dem ethnischen Kriterium zur Auswahl von Machtträgern usw.
Die Förderung dieser Werte und Prinzipien entwickelt sich durch
Schulungsmaßnahmen im Bereich des Zivilsektors, wie auch durch mediale
Versuche eine breitere Öffentlichkeit damit bekannt zu machen.

Die aktive Zivilöffentlichkeit, wie schon dargelegt wurde, ist fast ausschließlich
mit dem Zivilsektor zu verbunden. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass
diese Öffentlichkeit keine Bedeutung in der Domäne Demokratie hat. Aber die
angeführten Erfolge des Zivilsektors sprechen dafür, dass auch diese relativ
kleine „kritische Masse“ fähig ist, Veränderungen zu bewirken. Übrigens, eine
massenhafte Teilnahme von Bürger an den Aktivitäten ist oft nicht die
Voraussetzung für den Erfolg. Die Zivilgesellschaft umfasst das ganze Spektrum
von Akteuren, von Organisationen und massiven Gesellschaftsbewegungen bis
hin zu am Rande stehenden Gesellschaftsgruppen und Einzelnen.

Das Verhältnis zwischen Staatsstrukturen und Zivilsektor wird charakterisiert


durch ein gewisses Unverständnis und die Obstruktion durch ethnifizierte
Staatstrukturen, die nicht die notwendigen formell-juristischen und
ökonomischen Arbeits- und Entwicklungsbedingungen für die NRO sichern
wollen. Diese Situation verändert sich langsam im Bereich der Sozialarbeit. Die
Gesellschaft in der Nachkriegszeit ist so stark mit sozialen Problemen
beschäftigt, dass sie der Staat nicht allein lösen kann. Die Programme von NRO
im Bereich der Sozialdienste zeigen erste Erfolge in der Entwicklung einer
Partnerschaft zwischen dem Staat und Zivilsektor. So kommt die Rolle des
Zivilsektors in der Transformation des Systems der sozialen Politik immer mehr
zum Ausdruck.

Die Bedeutung des Zivilsektors in dem allgemeinen gesellschaftlichen Kontext


in BiH darf man nicht überschätzen aber auch nicht unterschätzen. Ohne
Entwicklung anderer Sphären, des politischen Systems, der Ökonomie und
unabhängiger Medien kann der Zivilsektor allein die positive Richtung hin zu
den Demokratisierungsprozessen nicht bewältigen.