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W i a r d Popkes

Der Brief des Jakobus

T h H K 14
Theologischer Handkommentar
zum Neuen Testament

In neuer Bearbeitung unter Mitwirkung von

Reimund Bieringer, Hermann Binder, Ingo Broer, Christfried Böttrich, Reinhard Feldmeier, Jörg Frey,
Walter Grundmann f» Klaus Haacker, Günter Haufe, Harald Hegermann, Jens Herzer, Gottfried Holtz f,
Traugott Holtz, Ulrich B. Müller, Peter Pilhofer, Petr Pokorny, Wiard Popkes, Eckart Reinmuth,Gottfried Schule,
T h o m a s Söding, Werner Vogler t , Wolfgang Weiß und Wolfgang Wiefel t

herausgegeben von

Erich Fascher t> J o a c h i m R o h d e , U d o Schnelle u n d Christian W o l f f

14

Der Brief des Jakobus


von W i a r d Popkes
Der Brief des Jakobus

von

Wiard Popkes

EVANGELISCHE VERLAGSANSTALT
Leipzig
Meinen Studenten

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

T h e o l o g i s c h e r H a n d k o m m e n t a r z u m N e u e n T e s t a m e n t / in neuer
B e a r b . unter M i t w . v o n H e r m a n n B i n d e r ... H r s g . v o n E r i c h Fascher
L e i p z i g : E v a n g . Verl.-Anst.

1 4 . P o p k e s , W i a r d : D e r B r i e f des J a k o b u s . - 2 0 0 1

Popkes, Wiard:
D e r B r i e f des J a k o b u s / v o n W i a r d P o p k e s . - L e i p z i g : E v a n g . Verl.-Anst.,
2001
( T h e o l o g i s c h e r H a n d k o m m e n t a r z u m N e u e n T e s t a m e n t ; 14)
ISBN 3-374-01813-0

© 2 0 0 1 b y Evangelische Verlagsanstalt G m b H , L e i p z i g
Printed in G e r m a n y • H 6 6 8 6
D a s W e r k ist einschließlich all seiner Teile urheberrechtlich geschützt.
Gesamtherstellung: Druckerei Böhlau, Leipzig

I S B N 3-374-01813-0
Vorwort

Jakobus hat es seinen Auslegern nie leicht gemacht. Das zeigt die Geschichte der
Interpretation mit ihren unterschiedlichen Positionen. Obwohl alle Kommentatoren
(nur) über dasselbe Material verfügen, sind die Fragen über die geschichtliche Pla­
zierung und theologische Bewertung, über Verfasser, Adressaten, Form, Absicht,
Hintergrund, kanonsgeschichtliche Stellung und über diverse Relationen (zu Jesus,
Paulus, IPetr, zum Judentum, zur Weisheitstradition u. a.), von vielen Detailfragen
gar nicht zu reden, bis auf den heutigen Tag strittig. Deswegen sind hier Sorgfalt und
Besinnung hinsichtlich der Methoden besonders angebracht. Ein Kommentar (der
notgedrungen immer auch eine Kommentierung anderer Auslegungen in Geschichte
und Gegenwart sein wird) zum Jakobusbrief kann m. E . nicht einfach fertige Ergeb­
nisse präsentieren. Vielmehr sollte er die Leserschaft mit hineinnehmen in das Ge­
spräch über die exegetischen Möglichkeiten des Textes, die methodischen Ansätze
und die Bewertung des Materials aus Umwelt und Vorgeschichte. Es braucht Arbeit,
bis sich die eigene Sicht herauskristallisiert, so etwa könnte Jakobus es gemeint
haben, wobei auch die Grenzen des Erkennens auftauchen; denn Jakobus läßt man­
ches im Unklaren. Vordringlich erschien mir, Gedankengang und Arbeitsweise des
Jak zu erfassen und dabei die Prämissen der eigenen Interpretation transparent wer­
den zu lassen. Die Einführung ist deshalb relativ ausführlich ausgefallen; sie enthält
immer wieder auch Uberblicke zur Forschung, besonders zur neueren, die nicht nur
zahlreich, sondern auch reichhaltig ist. Die einzelnen Abschnitte orientieren einlei­
tend über generelle Aspekte; zudem nötigt der Text auch zwischendurch verschie­
dentlich dazu, im Vor- bzw. Rückblick Gedankengänge zu beleuchten und nicht
lediglich die einzelnen Verse durchzumustern. Solche Ausführungen wollen die Vers-
Auslegung entlasten und stützen. Der Leser gewinnt dabei zugleich einen Einblick in
die Arbeit des Kommentators und dessen Ringen mit dem Text.
Solch ein Verfahren entspricht dem Stil und Anliegen gerade dieses Briefes. Jako­
bus ruft zu Geduld und Ausdauer; das sollte sich auch auf seine Ausleger übertragen.
Er verwickelt seine Leserschaft ins Gespräch und nötigt sie zum eigenen Beurteilen;
nicht selten stellt er Fragen. Viele schon haben es unternommen, die Gedankengän­
ge sorgsam zu analysieren und sich ihre Meinung zu bilden. Als Interpret sitzt man
gewissermaßen an einem großen Runden Tisch mit ihnen und versucht, sich am
Gespräch über das rechte Verständnis zu beteiligen; als Schwierigstes erweist sich
dabei immer wieder die Verständigung über die Prinzipien und Prämissen der Jak-
Auslegung. Der eigene Standpunkt kann nur induktiv aus der intensiven Beschäfti­
gung mit dem Text selbst und im argumentativen Gespräch mit anderen Auslegern
gefunden werden.
VI Vorwort

Aus den dargelegten Gründen folgt der Kommentar nicht immer ganz den Ge­
pflogenheiten dieser Reihe. Ich danke dem Verlag und den Herausgebern des T h H K
nicht nur für ihre hilfreichen Einzelhinweise, ihre Geduld und Mühewaltung, son­
dern auch dafür, daß sie den Kommentar trotzdem aufgenommen haben. Die Leser­
innen und Leser kann ich diesbezüglich nur um Nachsicht bitten.
Wem ich bei dem genannten argumentativen Gespräch besonders zu Dank ver­
pflichtet bin, wird der informierte Leser unschwer erkennen. Namentlich erwähnen
möchte ich, auch wegen des literarischen Austausches, Hubert Frankemölle, Franz
Mußner und Christoph Burchard; letzterer ließ mir noch vor der Drucklegung das
Typoskript seines Kommentars ( H N T ) zukommen. Z u danken habe ich für den
Austausch ferner Richard Bauckham, Ralph Martin, Karl-Wilhelm Niebuhr, Fran­
c i s Vouga, Peter Müller, Petra von Gemünden, Donald Verseput, Rudolf Hoppe,
Klaus Haacker, Thomas Söding, David Hellholm, Ernst Baasland, Joachim Moltha-
gen und Moises Mayordomo-Marin. Gelernt habe ich ebenfalls aus der Diskussion
nach Vorträgen, speziell in Oslo 1996 und Oxford 1998. Viele haben mir durch
Hinweise und Materialbeschaffung geholfen: Klaus Wachtel, Ronald Deering, Chris
Church, Alan Tuttle, Martin Rothkegel, Andre Heinze, Lars Heinrich, T h o m a s
Nißlmüller, Rainer Mansel, Christoph Stenschke, Matthias Walter, Carsten Claußen,
Thomas Reichert, Enno Edzard Popkes und Olaf Petzel, der zudem Korrektur las.
Steffi Eggers hat in unermüdlicher Treue das Manuskript in den Computer übertra­
gen. Dank gebührt gleichfalls meinen Kollegen vom Theologischen Seminar für ihr
Interesse und ihre Unterstützung.
Freude hat mir die Beschäftigung mit Jakobus immer bereitet, auch wenn der Text
manche Fragen unbeantwortet läßt. Es lohnt sich, auf diesen besonderen Zeugen des
Neuen Testaments zu hören. Ich hoffe, daß sich bei der Lektüre etwas von dieser
Freude und von der inhaltlichen Zielsetzung des Briefes überträgt.

Im Herbst 2000 Wiard Popkes


Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen XI

Literatur XVIII

Einleitung
§ 1 Prolegomena 1
1. Situation der Forschung 1
2. Methodologie und Kriterien 1
3. Fehlende Themen 3
4. Ausgangspunkt der Analyse 6
§ 2 Die text- und kanonsgeschichtliche Rezeption 7
1. Textüberlieferung 7
2. Kanonsgeschichte 9
§ 3 Die kommunikative Gestalt 11
1. Anrede an kollektive Größe 11
2. Probleme durch menschliches So-Sein 13
3. Gepflegte Sprache 13
§ 4 Inhaltliche Schwerpunkte und Situation der Adressaten 16
1. Themenbereiche 16
2. Situation der Adressaten 17
3. Schichtenübergreifendes Spannungsgefälle 18
4. Selbstverständnis der Adressaten 21
5. Grundlinien der Theologie des Jakobus 22
§ 5 Traditionen 27
1. Altes Testament und jüdische Tradition 27
2. Weisheitstradition 29
3. Jesus-Überlieferung 32
4. Beziehungen zu Paulus 36
5. Beziehungen zum 1. Petrusbrief 39
6. Weitere innerneutestamentliche Berührungen 40
7. Frühchristliche Schriften 40
8. Sachlich-situativer Vergleich 42
§ 6 Die kompositorische Gestalt 44
1. Gattungsbestimmung 45
VIII Inhalt

2. Rhetorische Analyse 47
3. Analysen von Jakobus 1 49
4. Thematische Einteilungen 51
5. Didaktische Strukturvorschläge 52
6. Einheitliches Thema 53
7. Textbegriff 54
8. Ergebnisse zur Kompositionsfrage 56

§ 7 Die Abfassungsverhältnisse 59
1. Entwicklung des Frühchristentums 59
2. Schriften des frühen 2. Jahrhunderts 60
3. Diaspora-Brief 61
4. Verfasserfrage 64
5. Entstehungsphasen 68
6. Ergebnis 69

Auslegung
I. Präskript 1,1 70
IL Die rechte innere Einstellung 1,2-15 74
1. Texteingrenzung 74
2. Textüberlieferung 75
3. Text- und Kommunikationsstruktur 75
4. Traditionselemente 76
5. Redaktion und Intention 78
Vorbemerkungen zu 1,2-4 (Aufbau, Sinnlinien, Signale) 79
Auslegung V. 2-8 79
Vorbemerkungen zu 1,9-11 (Konstruktion, Interpretationsprobleme). . 93
Auslegung V. 9-11 94
Ergänzende Notizen zu 1,9-11 (Akzente, Intention) 99
Auslegung V. 12-15 99

III. Der Umgang mit dem Wort Gottes 1,16-27 110


1. Texteingrenzung 110
2. Text Überlieferung 111
3. Text-und Kommunikationsstruktur 112
4. Traditionselemente 114
5. Redaktion und Intention 117
Auslegung V. 16-21 119
Vorbemerkungen zu 1,22-25 (Argumentation und Begrifflichkeit). . 129
Auslegung V. 21-24 132
»Vollkommenes Gesetz der Freiheit« 138
Auslegung V. 25-27 143

IV. Glaube, Liebe, Taten und was dabei zu beachten ist 2,1-26 152
1. Texteingrenzung 152
Inhalt IX

2. Textüberlieferung 153
3. Text- und Kommunikationsstruktur 154
4. Traditionselemente 155
5. Redaktion und Intention 157
Auslegung V. 1-7 158
Vorbemerkungen zu 2,8-13 (Gedankenfuhrung und Hintergrund) . 1 7 1
Auslegung V. 8-13 173
Vorbemerkungen zu 2,14-26 (Gedankengang und Hintergrund) . . . 182
Auslegung V. 14-17 190
Die crux interpretum 2,18 196
Auslegung V. 18-26 198
Ergänzende Notizen zu 2,14-26 (Glaube, Rechtfertigung;
Rezeption, Fehlentwicklungen) 211
V. Verantwortliche Leiterschaft im Umgang mit dem Wort 3,1-12 215
1. Texteingrenzung 215
2. Textüberlieferung 216
3. Text- und Kommunikationsstruktur 216
4. Traditionselemente 217
5. Redaktion und Intention 218
6. Inhalt und kontextuelle Funktion 218
Auslegung V. 1-12 219
VI. Das Verhältnis zur Welt 3,13-5,6 238
1. Texteingrenzung 238
2. Textüberlieferung 238
3. Text- und Kommunikationsstruktur 239
4. Traditionselemente 240
5. Redaktion und Intention 243

A) Weisheit, Streit und ihre Herkunft 3,13-4,3 244


Vorbemerkung zu 3,13-18 (Charakter und Position) 244
Auslegung V. 1 3 - 1 8 . . 245
Vorbemerkungen zu 4,1-3 (Charakter, Aufbau, Tradition und
Realitätsbezug) 258
Auslegung V. 1-3 262
B) Freundschaft mit Gott oder mit der Welt 4,4-12 266
Auslegung V. 4 267
Vorbemerkungen zu 4,5-6 (Schriftgebrauch, Syntax und Intention) 269
Auslegung V. 5-10 271
Ergänzende Bemerkung zu 4,7-10 (>Umkehr<) 280
Auslegung V. 11-12 280
C) An besonders Gefährdete 4,13-5,6 284
Vorbemerkungen zu 4,13-17 (Kontextuelle Relation, Struktur,
Intention) 284
X Inhalt

Auslegung V. 13-17 287


Vorbemerkungen zu 5,1-6 (Eigenart, Interpretationsansätze) 297
Auslegung V. 1-6 302
Ergänzende Notizen zu 4,13-5,6 (Adressaten, Akzente, Intention) . . 312
VII.Geduld, Gebet und anderes zum Umgang untereinander 5,7-20 314
1. Texteingrenzung 314
2. Textüberlieferung 315
3. Text- und Kommunikationsstruktur 316
4. Traditionselemente 317
5. Redaktion und Intention 319
Auslegung V. 7-12 320
Vorbemerkungen zu 5,13-17 (Gedankengang, Akzente) 337
Auslegung V. 13-17 339
Abkürzungen

1. Kanonische Schriften: Altes und Neues Testament


Gen = Genesis ( 1 . Buch Mose) Jon = Jona
Ex = Exodus (2. Buch Mose) Mi = Micha
Lev = Leviticus ( 3 . B u c h M o s e ) Nah = Nahum
Num = N u m e r i (4. B u c h M o s e ) Hab = Habakuk
Dtn = Deuteronomium Zeph = Zephanja
(5. Buch Mose) Hag = Haggai
Jos = Josua Sach = Sacharja
Ri = Richter Mal = Maleachi
Ruth = Ruth Mt = Matthäusevangelium
lSam = 1. S a m u e l Mk = Markusevangelium
2Sam = 2. Samuel Lk = Lukasevangelium
lKön = 1. K ö n i g e Joh = Johannesevangelium
2Kön = 2. Könige Apg = Apostelgeschichte
IChr = 1. C h r o n i k Rom = Römerbrief
2Chr = 2. Chronik IKor = 1. K o r i n t h e r b r i e f
Esr = Esra 2Kor = 2 . Korintherbrief
Neh = Nehemia Gal = Galaterbrief
Est = Esther Eph = Epheserbrief
Hi = Hiob Phil = Philipperbrief
Ps = Psalmen Kol = Kolosserbrief
Prov = Proverbia lThess = 1. T h e s s a l o n i c h e r b r i e f
(Sprüche Salomos) 2Thess = 2. Thessalonicherbrief
Koh = Kohelet (Prediger S a l o m o ) lTim = 1. T i m o t h e u s b r i e f
Cant = Canticum 2Tim = 2. Timotheusbrief
(Hoheslied Salomos) Tit = Titusbrief
Jes = Jesaja Phlm = Philemonbrief
Jer = Jeremia Hebr = Hebräerbrief
Thr = Threni Jak = Jakobusbrief
(Klagelieder J e r e m i a s ) IPetr = 1. Petrusbrief
Ez = Ezechiel 2Petr = 2 . Petrusbrief
Dan = Daniel ljoh = 1. J o h a n n e s b r i e f
Hos = Hosea 2Joh = 2. Johannesbrief
Joel = Joel 3Joh = 3. Johannesbrief
Am = Arnos Jud = Judasbrief
Ob = Obadja Apk = A p o k a l y p s e des J o h a n n e s
XII Abkürzungen

2. Außerkanonische Schriften
a) A p o k r y p h e n d e s A l t e n u n d N e u e n T e s t a m e n t s

ActAndr = Andreasakten IMakk = 1. M a k k a b ä e r b u c h


ActAndrMatth = Andreas- und Matthiasak­ 2Makk = 2. Makkabäerbuch
ten 3Makk = 3. M a k k a b ä e r b u c h
Actjoh = Johannesakten 4Makk = 4. Makkabäerbuch
ActPhil = Philippusakten Martjes = M a r t y r i u m des Jesaja
ActPl = Paulusakten MartPl = M a r t y r i u m des Paulus
ActPIThecl = Paulus- u n d Theclaakten MartPt = M a r t y r i u m des Petrus
ActPt = Petrusakten MartPtPl = M a r t y r i u m d e s Petrus u n d
ActPtPl = Petrus- u n d P a u l u s a k t e n Paulus
ActThom = Thomasakten OdSal = Oden Salomos
ApkAbr = A p o k a l y p s e des A b r a h a m OrMan = Oratio Manassis
ApkElias = A p o k a l y p s e des Elia Parjer = Paralipomena Jeremiae
ApkEsr = A p o k a l y p s e des E s r a ProtEyJak = P r o t e v a n g e l i u m des J a k o ­
ApkMos = A p o k a l y p s e des M o s e bus
ApkPt = A p o k a l y p s e des Petrus PsClemHom = Pseudo-Clementinische
Arist = Aristeasbrief Homilien
Ascjes = Ascensio Jesaiae PsClemRec = Pseudo-Clementinische
AssMos = Assumptio Mosis Recognitionen
grBar = A p o k a l y p s e des B a r u c h PsSal = Psalmen Salomos
(griechisch) Sib = O r a c u l a Sibyllina
syrBar = A p o k a l y p s e des B a r u c h Sir = J e s u s Sirach
(syrisch) TestAbr = Testament Abrahams
Dam = Damaskusschrift TestHiob = Testament Hiobs
Epjer = Epistula Jeremiae TestXII = T e s t a m e n t e der 1 2 Patri­
3Esr = 3. B u c h E s r a archen
4Esr = 4. Buch Esra TestRub = Testament Rubens
EvHebr = Hebräerevangelium TestSim = Testament Simeons
EvNaz = Nazoräerevangelium TestLev = T e s t a m e n t Levis
EvPhil = Philippusevangelium Testjud = Testament Judas
EvPt = Petrusevangelium Testlss = T e s t a m e n t Issaschars
EvThom = Thomasevangelium TestSeb = Testament Sebulons
äthHen = Äthiopisches Henoch­ TestDan = Testament D a n s
buch TestNaph = Testament Naphthalis
grHen = Griechisches H e n o c h b u c h TestGad = Testament G a d s
slavHen = Slavisches H e n o c h b u c h TestAss = T e s t a m e n t Assers
jdt = Buch Judith Testjos = Testament Josephs
JosAs = Joseph und Aseneth TestBenj = Testament Benjamins
Jub = Jubiläenbuch Tob = T o b i a s bzw. T o b i t
KgmPt = K e r y g m a Petri Visjes = V i s i o Jesaiae
LAB = Liber Antiquitatum Bibli- VitAd = V i t a A d a e et Evae
carum (Pseudo-Philo) Weish = Weisheit S a l o m o s

b) Judaica

Aboth = Pirqe A b o t h Bab = Baba


AbodZ = Aboda Zara BabB = Baba Batra
AggBeresch = A g g a d a t Bereschit BabM = Baba Mezia
Arakh = Mischnatraktat Arakhin BabQ = Baba Q a m m a
Abkürzungen XIII

Bar = Baraita Ebr = D e Ebrietate


Bek = Bekorot Flacc = In F l a c c u m
Ber = Berakot Fug = D e F u g a et I n v e n t i o n e
Bik = Bikkurium Gig = D e Gigantibus
CantR = Canticum Rabba Her = Quis Rerum Divinarum
Chag = Chagiga H e r e s sit
Chul = Chullin Imm = Q u o d D e u s sit I m m u t a -
DeutR = Deuteronomium Rabba bilis
Ed = Edujot Jos = D e Josepho
EkaR = Eka Rabbati LegAll = L e g u m Allegoriae
Erub = Erubim LegGai = Legatio ad G a i u m
ExodR = Exodus Rabba Migr = D e Migratione Abrahami
GenR = Genesis Rabba Mut = D e Mutatione N o m i n u m
Git = Gittin OpMund = D e Opificio M u n d i
Hör = Horajot Plant = D e Plantatione
Jad = Jadajim PostC = D e Posteritate C a i n i
Jeb = Jebamot Praem = D e Praemiis et Poenis
Joseph = Josephus Prob = Q u o d O m n i s Probus
Am = Antiquitates Judaicae L i b e r sit
Ap = Contra Apionem QuaestEx = Q u a e s t i o n e s in E x o d u m
Bell = D e Bello J u d a i c o QuaestGen = Q u a e s t i o n e s in G e n e s i m
Vit = Vita SacrAbCain = D e Sacrificiis Abelis et
Ket = Ketubbot Caini
Kil = Kiljajim Sobr = D e Sobrietate
LevR = Leviticus R a b b a Somn = D e Somniis
Maas = Maasrot SpecLeg = D e Specialibus Legibus
Mak = Makschirin Virt = D e Virtutibus
Mech = M i d r a s c h Mechiltha zu E x VitCont = D e Vita Contemplativa
Meg = Megilla VitMos = D e Vita Mosis
Men = Menachot PsPhokyl = Pseudo-Phokylides
Mid = Middot IQ = Höhle 1 von Q u m r a n
Midr = Midrasch lQDta = 1. D e u t e r o n o m i u m -
MidrQoh = M i d r a s c h zu Q o h e l e t Handschrift
Miq = Miqvaot lQDtb = 2. Deuteronomium-
MQ = M o e d qatan Handschrift
MS = Maaser Scheni lQGenApoc = Genesisapokryphon
Ned = Nedarim 1QH = Hodajoth (Dankpsalmen)
Neg = Negaim IQJesa = 1. Jesajahandschrift
Pes = Pesachim lQJesb = 2 . Jesajahandschrift:
PesiktKah = Pesikta K a h a n a 1QM = M i l c h a m a h (Kriegsrolle)
PesiktRab = Pesikta R a b b a t i lQpHab = Habakuk-Kommentar
Philo = Philo v o n A l e x a n d r i a lQpMich = F r a g m e n t aus M i c h a -
Abr = D e Abrahamo Kommentar
Aet = D e Aeternitate M u n d i lQpZeph = Zephanja-Kommentar
Agric = D e Agricultura 1QS = Gemeinderegel
Cher = D e Cherubim IQSa = A n h a n g zur G e m e i n d e r .
ConfLing = D e Confusione Linguarum lQSb = Segenssprüche
Congr = D e Congressu Eruditionis 4QExa = Exodushandschrift
Gratia 4Qflor = Florilegium
Decal = D e Decalogo 4Qpatr = Patriarchensegen
Det = Q u o d D e t e r i u s Potiori 4QpJes = K o m m e n t a r e z u Einzel­
insidiari soleat s t ü c k e n des J e s a j a b u c h e s
XIV Abkürzungen

4QpNah = Nahum-Kommentar SifrNum = Sifre N u m e r i


4QpHos = K o m m e n t a r zu 2 S t ü c k e n Soph = Sopherim
aus H o s e a Sot = Sota
4QpPs37 = K o m m e n t a r zu P s a l m 3 7 Taan = Taanit
4Qtest = Testimonia bTal = babylonischer T a l m u d
4QTestLev = T e s t a m e n t u m Levis jTal = jerusalemer T a l m u d
Qid = Qidduschin Tanch = Tanchuma
QohR = Qohelet Rabba Targ = Targum
Sanh = Sanhedrin Targjerusch = Targum Jeruschalami
Schab = Schabbat Teh = Tehorot
Schebi = Schebiit Tem = Temura
Schebu = Schebuot Ter = Terumot
Scheq = Scheqalim Tos = Tosefta
SifrDt = Sifre D e u t e r o n o m i u m WajRab = Wajikra R a b b a
SifrLev = Sifra Leviticus Zeb = Zebachim

3. Apostolische Väter
Barn = Barnabasbrief IgnPhd = B r i e f des Ignatius an die
lClem = 1. C l e m e n s b r i e f Philadelphier
2Clem = 2. Clemensbrief IgnPol = B r i e f des Ignatius a n Poly­
Did = Didache karp
Diog = Diognetbrief IgnRom = B r i e f des Ignatius a n die
Herrn = H i r t des H e r m a s Römer
HermM = Hermas, Mandata IgnSm = B r i e f des Ignatius an die
HermS = Hermas, Similitudines Smyrnäer
HermV = Hermas, Visiones IgnTr = B r i e f des Ignatius an die
IgnEph = B r i e f des I g n a t i u s an Trallianer
Epheser MartPol = M a r t y r i u m des Polykarp
IgnMg = B r i e f des Ignatius an die Pap = Papias
die Polyk = B r i e f des Polykarp
Magnesier

4. Antike Schriftsteller und Kirchenväter


AchTat = Achilles T a t i u s CorpHerm = Corpus Hermeticum
AelArist = Aelius Aristides Cratin = Cratinus
Aesch = Aeschylus Cypr = Cyprianus
AmmMarc = A m m i a n u s Marcellinus Cyr = Cyrillus
AnthPal = A n t h o l o g i a Palatina Demosth = Demosthenes
Aristoph = Aristophanes Didask = Syrische D i d a s k a l i a
Aristot = Aristoteles Dig = Digesten
Artemid = Artemidor DioCass = D i o Cassius
Äthan = Athanasius DioChrys = Dio Chrysostomus
Athen = Athenaeus Or = Orationes
Aug = Augustinus DiodSic = D i o d o r u s Siculus
Caes = Caesar DiogLaert = D i o g e n e s Laertius
CAF = Comicorum Atticorum DionHal = Dionysius von Halicar-
Fragmenta nass
Cat = Cato Epic = Epictet
Cic = Cicero Diss = Dissertationes
ClemAl = Clemens Alexandrinus Ench = Enchiridion
Abkürzungen XV
Epiph = Epiphanius Isoer = Isocrates
Eur = Euripides Just = Justin Martyr
Euseb = Eusebius von Caesarea Apol = Apologia
HE = H i s t o r i a Ecclesiastica Dial = Dialogus
Euthal = Euthalius Lact = Lactantius
HermTrismeg = Hermes Trismegistos Lib = Libianus
Herod = Herodot Liv = Livius
Hier = Hieronymus Luc = Lucianus
Hippoer = Hippocrates Philops = P h i l o p s e u d e s sive Piscator
Hippol = Hippolytus VerHist = Verae H i s t o r i a e
Horat = Horatius Mar = Marcion
Inst = Instutiones NHC = N a g H a m m a d i Codices
Iren = Irenaus Nicandr = Nicandrus
Haer = Adversus Haereses

5. Inschriften, Papyri, Quellen


CC = Corpus Christianorum PER = Papyrus aus der S a m m ­
CIG = Corpus Inscriptionum l u n g des Erzherzogs R a i ­
Graecarum ner (nicht i m C o r p u s ed.
CIJ = Corpus Inscriptionum Wessely, 1 8 9 5 )
Judaicarum PFay = F a y u m T o w n s a n d their
ConstAp = Constitutiones Apostolo- Papyri, ed. B . Grenfell, A .
rum Hunt, D . Hogarth (1900)
CSCO = Corpus Scriptorum Chri­ PFlor = Papyri Fiorentini, ed. G .
stianorum Orientalium Vitelli u n d D . C o m p a r e t -
CSEC = C o r p u s Scriptorum Eccle- ti ( 1 9 0 6 ff.)
sicasticorum Latinorum PGrenf = N e w Classical Fragments,
Dessau = Inscriptiones L a t i n a e ed. B . Grenfell u n d A .
selectae, ed. H . D e s s a u , Hunt (1897)
1892-1916 PGM = Papyri G r a e c a e M a g i c a e ,
DittOr = O r i e n t i s G r a e c i Inscrip­ ed. K . P r e i s e n d a n z ( 1 9 2 8
tiones selectae, ed. W. ff.)
D i t t e n b e r g e r ( 1 9 0 3 ff.) PLeid = Papyri G r a e c i M u s e i anti-
DittSyll = Sylloge Inscriptionum quarii p u b l i c i L u g d u m i -
G r a e c a r u m , ed. W. D i t ­ Batavi, ed. C . L e e r m a n n s
tenberger ( 1 9 1 5 ff.) ( 1 9 4 3 ff.)
GCS = D i e griechischen christ­ PLond = G r e e k Papyri in the B r i ­
lichen Schriftsteller der tish M u s e u m , ed. F.
ersten drei J a h r h u n d e r t e K e n y o n u . a. ( 1 8 9 3 ff.)
IG = Inscriptiones G r a e c a e POxy = T h e O x y r h y n c h u s Papyri,
InscPerg = D i e Inschriften v o n Per- ed. B . Grenfell u n d A .
g a m o n , ed. M . Frankel H u n t ( 1 8 9 8 ff.)
(1900) PTebt = T h e T e b t u n i s Papyri, ed.
InscPriene = D i e Inschriften v o n Prie- B . Grenfell, A . H u n t u. a.
ne, ed. F. Hiller v o n G a e r - ( 1 9 0 2 ff.)
tringen ( 1 9 0 6 )
Abkürzungen

6. Andere Ablürzungen
a. a. O . = a m angegebenen Ort Fragm. = Fragment
Abb. = Abbildung Fut. = Futurum
Abk. = Abkürzung Gen. = Genitiv
Abs. = Absatz gest. = gestorben
Abt. = Abteilung ggf- = gegebenenfalls
A.c.1. = A c c u s a t i v c u m Infinitivo griech. = griechisch
Adj. = Adjektiv H. = Heft
Adv. = Adverb hapleg = hapax legomenon
Akk. = Akkusativ hebr. = hebräisch
akt. = aktiv Hg- = Herausgeber
Anm. = Anmerkung hg. von = herausgegeben von
Aor. = Aorist hl. = heilig
apokr. = apokryph Hs. = Handschrift
App. = textkritischer A p p a r a t Hss. = Handschriften
arab. = arabisch i.J. = im Jahre
aram. = aramäisch Imp. = Imperativ
Art. = Artikel Impf. = Imperfekt
AT = Altes T e s t a m e n t Ind. = Indikativ
ad. = alttestamentlich Inf. = Infinitiv
Aufl. = Auflage Jh. = Jahrhundert
Ausg. = Ausgabe joh. = johanneisch
Bd. = Band jüd. = jüdisch
bearb. = bearbeitet Kap. = Kapitel
bes. = besonders kath. = katholisch
betr. = betreffend Komps. = Kompositum
bzw. = beziehungsweise Konj. = Konjunktiv
ca. = circa LA = Lesart
Cod. = Codex lat. = lateinisch
ders. = derselbe lk. = lukanisch
dgl. = dergleichen, desgleichen luth. = lutherisch
d. Gr. = der G r o ß e LXX = Septuaginta
d. h. = d a s heißt MA = Mittelalter
d. i. = d a s ist Maj. = Majuskel
Diss. = Dissertation mk. = markinisch
ebd. = ebenda mas. = masoretisch
Ed(s). = Editor(s) masch. = maschinenschriftlich
ed. = edited mask. = maskulinisch
EH = Ergänzungsheft m . a. W. = m i t anderen W o r t e n
Ev. = Evangelium m. E. = meines Erachtens
evang. = evangelisch Min. = Minuskel
evtl. = eventuel Ms. = Manuskript
Exk. = Exkurs Mss. = Manuskripte
f. = folgende Seite, folgender mt. = matthäisch
Vers, folgendes J a h r MT = Masoretischer Text
ff. = folgende Seiten (Verse, Nachdr. = Nachdruck
Jahre) n. Chr. = nach Christus
FB = Forschungsbericht Neudr. = Neudruck
FS = Festschrift Neutr. = Neutrum
Forts. = Fortsetzung N.F. = N e u e Folge
Abkürzungen XVII

nhd. = neuhochdeutsch Supl. = Superlativ


Nom. = Nominativ Suppl. = Supplement
NT = Neues Testament syn. = synoptisch
ntl. = neutestamentlich Synon. = Synonyma
o. ä. = o d e r ähnlich s. v. = sub voce
Obj. = Objekt s. Z . = seiner Z e i t
o. g. = oben genannt teilw. = teilweise
o.J. = ohne Jahr termtech = t e r m i n u s technicus
P = Papyrus theol. = theologisch
pal. = palästinisch trans. = transitiv
par. = parallel u. a. = u n d andere,
Par(r) = Parallele(n) unter anderem
Part. = Partizip u. E . = unseres E r a c h t e n s
pass. = passivisch übers. = übersetzt
patr. = patristisch Übers. = Übersetzung
paul. = paulinisch u. ö . = u n d öfter
Perf. = Perfekt usw. = u n d s o weiter
Pers. = Person u. U . = unter U m s t ä n d e n
Plur. = Plural V. Vers(e)
p. m. = prima manus v. Chr. = vor C h r i s t u s
Präp. = Präposition vgl. = vergleiche
Präs. = Präsens v.l. = varia lectio
Präshist = Präsens h i s t o r i c u m Vulg. = Vulgata
prot. = protestantisch WB = Wörterbuch
ref. = reformiert Z. = Zeile
Reg. = Register z. B . = z u m Beispiel
röm. = römisch z. S t . = zur Stelle
S. = Seite z.T. = z u m Teil
s. = siehe z. W. = zum Wort
sc. = scilicet z. Z t . = zur Z e i t
Schol. = Scholien
%• = Singular S a m m e l w e r k e u n d Zeitschriften s i n d n a c h
S. 0 . = siehe o b e n S . Schwertner, Internationales A b k ü r z u n g s v e r ­
sog. = sogenannt zeichnis für T h e o l o g i e u n d G r e n z g e b i e t e ,
Sp. = Spalte B e r l i n / N e w York 1 9 7 4 , a b g e k ü r z t .
s. u. = siehe u n t e n
Literatur

D e r praktischen B e n u t z b a r k e i t w e g e n ist die Literatur o h n e U n t e r t e i l u n g e n (nach K o m m e n t a r e n ,


Aufsätzen usw., a b g e s e h e n v o n Q u e l l e n u n d Hilfsmitteln) d u r c h g e h e n d alphabetisch aufgeführt.
Artikel aus N a c h s c h l a g e w e r k e n erscheinen d a g e g e n nur i m Text, nicht i m Lit.-Verzeichnis. D i e
n o t w e n d i g e n A n g a b e n zu d e n A b k ü r z u n g e n finden sich bei Siegfried Schwertner, Internationales
A b k ü r z u n g s v e r z e i c h n i s für T h e o l o g i e u n d G r e n z g e b i e t e , B e r l i n ( d e G r u y t e r ) , 2 . Aufl. 1 9 9 2 .
N a c h s c h l a g e w e r k e i m S i n n v o n Q u e l l e n u n d Hilfsmitteln w e r d e n i m F o l g e n d e n nur insofern
extra aufgeführt, als sie (oder ihre B e a r b e i t u n g ) neueren D a t u m s s i n d bzw. bei Schwertner nicht
g e n a n n t w e r d e n . In der Regel w i r d nur n a c h Verfassername zitiert. B e i m e h r e r e n T i t e l n eines
A u t o r s erfolgt die K e n n z e i c h n u n g i m Literatur-Verzeichnis m i t Hilfe eines Stichwortes in Fett­
d r u c k (z. B . A d a m s o n , E p i s t l e ) . D a s s e l b e gilt für abgekürzt zitierte W e r k e (z. B . B a u e r - A . ) .

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VII/1 1903, VIII/1 1907, VIII/2 1928, IX 1916.
ders., G e s c h i c h t e des neutestamentlichen K a n o n s , E r l a n g e n u n d L e i p z i g (Deichert) III 1 8 8 8 , 1/2
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Zimmermann, Alfred F., D i e urchristlichen Lehrer ( W U N T II 12) T ü b i n g e n ( M o h r ) 1 9 8 4 .
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in: ders., D a s N e u e T e s t a m e n t - Q u e l l e christlicher T h e o l o g i e u n d G l a u b e n s p r a x i s . Aufsätze
z u m N e u e n T e s t a m e n t u n d seiner A u s l e g u n g , Stuttgart ( K B W ) 1 9 8 6 , 2 9 3 - 3 2 3 .
Einleitung
§ 1 Prolegomena

1. Situation der Forschung

Eine Einleitung zum Jakobusbrief bedarf einer eigenen Einführung. Wie kommt es,
1
daß die Erforschung von Abfassungsverhältnissen, Gattung, kirchengeschichtlicher
Plazierung, traditionsgeschichtlicher Einordnung, vorausgesetzter Situation, theologi­
scher Beurteilung, Stellung im Kanon u. a. m. bereits über die Jahrhunderte zu unter­
schiedlichen Ergebnissen geführt hat, obwohl die verfügbaren Angaben und Materia­
2
lien sich nicht geändert haben? Der Brief selbst liefert nur wenige Anhaltspunkte für
die Beantwortung; und das wenige ist oft mehrdeutig. Erst spät äußern sich andere
Autoren in der Alten Kirche über Jak; und auch das gibt wenig her. Andere mögliche
Querverbindungen zu biblischen und antiken Dokumenten unterliegen bereits wie­
der der Polyvalenz. Die Kargheit der Anhaltspunkte zeigt in der Interpretation nicht
selten eine Überstrapazierung der einzelnen Daten, und verständlicherweise geraten
die jeweils favorisierten Ansätze deshalb leicht miteinander in Konflikt. Es verbietet
sich jedoch, die Fragen einfach als unbeantwortbar beiseite zu schieben. Denn eine
Auslegung des Briefes ist ohne zumindest einige Vorentscheidungen nicht denkbar -
etwa in bezug auf die Art der Relation zur Jesus- bzw. Paulus-Tradition oder auf die
Gedankenführung bzw. Struktur. Man muß dabei wohl oder übel mit einer gewissen
Unschärferelation und mit Plausibilitätsmargen leben. Soweit irgend möglich, müs­
sen solche Entscheidungen auf induktivem Wege vom Text her erarbeitet werden.

2. Methodologie und Kriterien

Die Unterschiedlichkeit der Ergebnisse ruft nach der Klärung der Methodologie und
der Kriterien. Interpretationsmethoden werden üblicherweise von einem literarischen
Anwendungsgebiet auf ein anderes übertragen. Dazu gehören auch die klassischen
3
Einleitungsfragen nach Art des Journalismus: Wer, wann, wo, womit usw.? Bei den
Paulusbriefen etwa läßt der Befund viel eher eine Antwort zu. Z u den übertragenen
Methoden zählen aber auch manche andere, darunter: Gattungsmodelle (von Par-

1
Z u r F o r s c h u n g s g e s c h i c h t e vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 ; K l e i n 15 ff.; K o n r a d t , T h e o l o g i e ; M ä r z 4 4 ff.;
C h u r c h ; Penner, R e s e a r c h ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 3 ff.; J o h n s o n , A n c B 1 2 4 ff., W r i t i n g s 4 5 3 ff.; J o n e s ; Pear-
s o n ; B . W e i ß ; Wessel; P o p k e s , A d r e s s a t e n 9 ff.
2
F a y 3 9 7 f. - J a k geriet allenfalls n e b e n b e i in d e n S o g d e r D e b a t t e n a u f g r u n d n e u e r T e x t f u n d e ; z u Q u m r a n
vgl. V e r s e p u t , W i s d o m ; D . L . B e c k ; G e r t n e r , T e r m s , M i d r a s h i m ; W a r d , C o n c e r n , J a m e s ; J a c o b s ; z u g n o s t i -
s c h e n S c h r i f t e n : S c h a m m b e r g e r ; z u N a g H a m m a d i : ( i n d i r e k t ) H a r t i n , S e r m o n , S a y i n g s , wise.
3 S o z. B . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 5 ff.
2 Einleitung

4 5 6 7
änese über Epistolographie bis hin zur Rhetorik ), Weisen einer Re-lecture , Wi­
8 9
derspiegelungstheorien oder religionsgeschichtliche Kategorisierungen . Solche Re-
applikation bewährter Verfahren ist verständlich, aber auch kritikbedürftig. Je weni­
ger nämlich ein Dokument selbst hergibt, desto näher liegt die Versuchung zur
Anwendung externer Modelle und damit auch die Verfremdungsgefahr. Die Ge­
schichte der Jak-Forschung ist geradezu voll von aus der Not geborenen Versuchen,
10
immer wieder irgendwo anders den archimedischen Hebelpunkt zu finden. Natür­
lich spielen dabei auch allgemeinere Einschätzungen und Präferenzen hinsichtlich der
Frühzeit des Christentums eine Rolle; so z. B. in bezug auf das Überwiegen des
jüdisch-palästinischen oder des hellenistisch-römischen Einflusses, auf das Einwirken
11 12
des Jesus-Gutes oder die Kontroversen in der Paulus-Rezeption ; ebenso in bezug
13
auf die generelle Beurteilung von Pseudonymität. Erkenntnistheoretisch unterliegt
auch die Behandlung von Einleitungsaspekten der Frage nach dem leitenden Inter­
14 15
esse - etwa Apologetik , innere Stimmigkeit der Ergebnisse oder theologische
16
Werturteile u. a. - All dieses in Rechnung gestellt, bleibt als Aufgabe die Erhebung
der Kriterien bei der Einschätzung einzelner Einleitungsaspekte. Hier gilt es vor allem
17
zu unterscheiden zwischen externen Modellen und internem Befund, ebenso zwi­
schen strengen formalen Gesichtspunkten (z. B. Anrede, Numeruswechsel, rhetori-

4
S o vor allem Dibelius, T h R 1 9 3 1 , Formgeschichte 2 3 8 ff, Geschichte 1 4 0 ff, K E K passim; kritisch dazu:
B l a n k ; K ü r z d ö r f e r ; P o p k e s , P a r ä n e s e (speziell 3 0 ff.); vgl. S c h n a c k e n b u r g , P a r ä n e s e ; P a u l s e n , P a r ä n e s e ; S t r e ­
cker, T R E 2 1 , L i t e r a t u r g e s c h i c h t e 1 0 6 ff.; S t a c h o w i a k ; Q u i n n , P a s t o r a l , O b s e r v a t i o n s ; d e J o n g e ; P e r d u e ,
3
Paraenesis, Character, S e m e i a 50; T h o m a s Schmeller: L T h K VII (1998), 1 3 7 3 f. E i n P a r ä n e s e - F o r -
s c h u n g s p r o j e k t u n t e r d e r L e i t u n g v o n T r o e l s E n g b e r g - P e d e r s e n u n d J a m e s S t a r r läuft 2 0 0 0 / 2 0 0 1 in S k a n ­
d i n a v i e n ; e i n e P u b l i k a t i o n d e r B e i t r ä g e ist g e p l a n t .
5
B e s o n d e r s F r a n c i s ; vgl. W h i t e , A N R W , L i g h t ; S t o w e r s , D i a t r i b e , Letter.
6
V g l . T h u r e n ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 ; W a t s o n , J a m e s 2 , J a m e s 3; D a v i d s , A N R W ; W u e l l n e r ; E l l i o t t , E p i s t ­
le; W a c h o b , V o i c e 5 2 ff.
7
S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K (z. B . 8 5 ) in b e z u g a u f Sir; s. a l l e r d i n g s a u c h e b d . 6 4 1 . A n d e r s H a h n / M ü l l e r , T h R
1998, 53.
8
A m e h e s t e n g e s c h i e h t d a s bei S c h l ü s s e n in b e z u g a u f S p r a c h - u n d S o z i a l n i v e a u . V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n
5 3 ff.; J o h n s o n , W o r l d ; M a l h e r b e , E b e n e . K a u m h i n g e g e n s i n d S p u r e n e t w a z u m V e r h ä l t n i s z w i s c h e n
Frauen u n d M ä n n e r n verfolgt worden.
9
D a s betrifft v o r a l l e m d i e E s c h a t o l o g i e ; d a z u B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , A N R W 1 9 8 8 ; Penner, E p i s t l e p a s s i m ,
besonders 121-213; Chester 16-20.
1 0
B e k a n n t ist d i e A n s i c h t , J a k sei e i n e s e k u n d ä r v e r c h r i s t l i c h t e j ü d i s c h e Schrift: S p i t t a , speziell in d e r Z u s p i t ­
z u n g d u r c h M e y e r , z u g r u n d e liege in a l l e g o r i s c h e r F o r m e i n e M a h n u n g d e s P a t r i a r c h e n J a k o b a n s e i n e 1 2
S ö h n e . D a z u s. K ü r z d ö r f e r .
1 1
N a h e b e i m i r d i s c h e n J e s u s s e h e n J a k etwa: M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f ; S c h l a t t e r , Brief; Penner, E p i s t l e ; B a u c k ­
h a m , W i s d o m ; B e r n h e i m ; D e p p e ; H a r t i n , S a y i n g s ; J o h n s o n , A n c B 8 9 ff.; W a c h o b / J o h n s o n ; vgl. n o c h
Cummins; Moulton.
1 2
V g l . d a z u s o u n t e r s c h i e d l i c h e A n s ä t z e w i e z. B . H e n g e l , P o l e m i k ; J o h n s o n , A n c B 5 8 ff. 1 5 6 ; Walker.
1 3
D a z u etwa Mußner, Jakobusbrief; Cargal, N a m e .
1 4
Vgl. Neudörfer.
1 5
Vgl. Frankemölle, Netz; Tsuji; Konradt, Existenz 3 6 - 3 9 .
1 6
D i e F r a g e ist s p ä t e s t e n s seit d e r R e f o r m a t i o n s z e i t u n t e r d e r Ü b e r s c h r i f t » P a u l u s u n d J a k o b u s « bzw. » G l a u ­
b e u n d W e r k e « virulent; vgl. e t w a E i c h r o d t , J a k o b u s , P a u l u s ; Fay; L a c k m a n n ; L a u t e n s c h l a g e r ; L o d g e ; L o h -
se, G l a u b e ; L ü h r m a n n ; M a r x s e n ; N i c o l ; Powell; C h a d w i c k ; S c h l a t t e r , G l a u b e ; S c h r ä g e , E t h i k ; S c h u l z ; Ver-
s e p u t , Puzzle. - In j ü n g e r e r Z e i t trat d i e F r a g e » a r m u n d r e i c h « ( m i t e n t s c h i e d e n m e h r S y m p a t h i e für J a k )
h i n z u : vgl. A h r e n s ; B o g g o n ; C o u n t r y m a n ; M a i e r , R e i c h ; M a y n a r d - R e i d ; N o a c k ; P a t t e r s o n ; S o u c e k ;
W r i g h t , D i s c o u r s e ; G r i m m ; Tiller; W h e e l e r . - V g l . i n s g e s a m t n o c h Preisker; V i a .
1 7
D a z u s. P o p k e s , C o m p o s i t i o n , 9 2 .
Prolegomena 3
18
sehe Fragen) und der Rekonstruktion von Themen auf einer Meta-Ebene. Desglei­
chen spielt die Unterscheidung zwischen einer synchronen und einer diachronen
Betrachtungsweise eine Rolle: Was steuert die Komposition mehr, die Denkart des
19
Verfassers oder die übernommene Tradition? Unvermeidbar zieht eine Entschei­
20
dung auf einem Feld Konsequenzen für andere Bereiche mit s i c h , so etwa bei der
Kombination »Verfasser - Ort - Datum - Relation zu Paulus« in der Alternative zwi­
schen »der Herrnbruder Jak - Jerusalem - vor 62 - zumindest zeitgleich mit Paulus«
und »Pseudonymus - irgendwo im Mittelmeerraum - gegen Ende des l . J h . s -
bereits auf die Paulus-Rezeption reagierend«. Das verständliche Verlangen nach »kla­
21
ren« Antworten scheint im ersten Fall viel eher befriedigt, während im zweiten Fall
die Ungewißheit zunimmt; aber das liegt in der Natur der Sache.
Man kann, wie es häufig geschieht, an die Aufgabe der Charakterisierung des Jak so
herangehen, daß man zunächst dessen Schwerpunkte und Interessen herausstellt.
22
Vielfach verweist man für die Erhebung des »geistigen O r t e s « auf die Nähe zur Her­
23
renwort-Tradition, zur jüd. Weisheit und zu anderen frühchristlichen Schriften
24
(IPetr, Paulus, l C l e m u. a.). Das ethische Interesse bei Jak (bzw. auch sein M i l i e u )
25 26
wird betont, speziell das sozial-ethische . Theologisch treten seine Theozentrik
27 28
und Eschatologie ins Zentrum, dazu noch spezielle Motive wie »Vollendung«
29 3 0
oder das Interesse am » R e d e n « und natürlich »Glaube und Werke« . Solche Ent­
würfe haben ihre Vorteile, unterliegen aber auch der Gefahr, zu schnell zu wissen,
worum es bei Jak geht. Es empfiehlt sich daher, zunächst eine gewisse Distanz zu
wahren und eine ungewohnte Perspektive einzunehmen.

3. Fehlende Themen

Für die Bewertung des Befundes bei Jak ist eine Negativliste dessen, was auffälliger-
31
weise ganz bzw. weitgehend fehlt (obwohl es in den Metaphern teilweise vor­
kommt), nützlich.

1 8
S o e t w a K l e i n : d i e M o t i v e » Z i e l « u n d » W e g « s e i e n für J a k e n t s c h e i d e n d , a u c h s t r u k t u r e l l .
1 9
D i e s e F r a g e läßt s i c h b e s o n d e r s e i n d r ü c k l i c h a n J a k 1 d e m o n s t r i e r e n ; V. 2 ff. u n d 13 ff. v e r w e n d e n j e w e i l s
d i e V o k a b e l J t e i o a a u o g bzw. Jteiod^ü), freilich m i t u n t e r s c h i e d l i c h e m s e m a n t i s c h e n G e h a l t ; e b e n s o ist in
b e i d e n F ä l l e n d e r E i n f l u ß v o n Sir ( 2 bzw. 15) s p ü r b a r . V g l . d a z u F r a n k e m ö l l e , T h e m a ; v o n L i p s , 4 1 2 ff.
2 0
Ä h n l i c h e S k i z z e bei Fay, 4 0 1 m i t A n m . 20.
2 1
Vgl. Hahn/Müller, T h R 1998, 60.
2 2
Z . B . Laws, C o m m e n t a r y 2-6 ( T h e environment), 6-26 ( T h e setting).
2 3
S o e n t w i r f t F r a n k e m ö l l e , Ö T K , s e i n e I n t e r p r e t a t i o n p r i m ä r v o n d e r S i r - R e z e p t i o n her. V g l . B a a s l a n d , S t T h
1982; Bauckham, Wisdom.
2 4
So Dibelius, K E K 5 8 - 6 6 (Armenfrömmigkeit usw.).
2 5
V g l . M u ß n e r , M o t i v a t i o n ; G e n c h 8 1 ff; L a w s , B a s i s ; M a s t o n ; S c h a w e ; S t a g g .
2 6
S o etwa Maynard-Reid; Ahrens.
2 7
Z . B . Penner, E p i s t l e ; C h e s t e r 16 ff.
2 8
S o Klein.
2 9
Vgl. etwa Baker.
3 0
D i e k l a s s i s c h e P e r s p e k t i v e d e r r e f o r m a t o r i s c h b e s t i m m t e n A u s l e g u n g ; z. B . L o h s e , G l a u b e ; L a u t e n s c h l a g e r ;
Walker.
3 1
V g l . d a z u a u c h N i e b u h r , T e m p e l . - D a s A c h t e n a u f D e f i z i t e ist als n ü t z l i c h e s h e u r i s t i s c h e s I n s t r u m e n t ver­
wertbar; vgl. d a z u W. P o p k e s , T h e M i s s i o n o f J a m e s in H i s T i m e , in: C h i l t o n / N e u s n e r , H i s Brothers Keeper.
4 Einleitung

1. Es fehlt der familiär-häusliche Bereich (vgl. dagegen IKor, IThess, Kol-Eph,


IPetr, Pastoralbriefe). Die Beziehung der Geschlechter zueinander kommt nur for-
melhaft-gesetzesbezogen in den Blick (Ehebruch: 2,10 f.; vgl. 4,4). Das Verhältnis
unterschiedlicher Generationen zueinander (vgl. IPetr 5; IJoh 2; Pastoralbriefe) fin-
det gar keine Erwähnung. Frauen und Kinder erscheinen lediglich als Objekte der
Fürsorge (1,27; 2,15 f.); nur die biblische Figur Rahab wird als agierende positiv
erwähnt, obschon die Bezeichnung JTOQVT] nicht ausgespart wird (2,25). 2,15 ist die
einzige Stelle mit »Schwester« (&öeXqpr|), während »Frau« (yvvr\) fehlt. Zwar wird in
1,14 f. die Begierde (emGuuia) als Verführerin (s. die Verben in V. 14) und sub spe-
cie Empfängnis/Gebären dargestellt, dies aber rein metaphorisch. Man darf daraus
nicht ohne weiteres schließen, daß f|8ovr| und £m6uu£iv in 4,1-3 (primär) auf sexuel-
le Begierde zu deuten sei. Die Welt des Jak ist vorwiegend maskulin. Die Anrede
döekpoi (15x) mag »Schwestern« nicht ausschließen wollen; aber die relativ häufige
Verwendung von »Mann« (&vr|Q, 6X, allerdings nie als Vokativ bzw. im Plural) schafft
eine maskuline Gesamtorientierung. Desgleichen weisen die wenigen Angaben über
kirchliche Funktionsträger auf Männer (3,1 f.: Lehrer und »vollkommener Mann«;
vgl. auch 5,14: Älteste).
2. Christliche, speziell ekklesiologische Interna werden allenfalls kurz berührt; so in
der Nennung der Funktionsträger an den genannten Stellen 3,1 und 5,14. Die Zu-
sammenkunft der »Gemeinde« (exxXnoLa nur 5,14; in 2,2 öwaycoyri) wird in 2,2 f.
15 f. erwähnt; aber außer der möglicherweise liturgischen Formel »geht hin im Frie-
den« (2,16) erfahren wir nichts über die Art der Gottesdienste. Der Terminus
32
Gonoxeia (1,26 f.) besagt kaum mehr als »Religion«. Theologisches Formelgut ent-
hält 2,19 (»ein Gott«) und wohl auch 2,1 (»unser Herr Jesus Christus [der Herr] der
33
Herrlichkeit«). Verglichen mit anderen ntl. Briefen, ist das wenig. Nichts wird
gesagt über Apostel, Hirten, Charismen usw.; nur 5,10 erwähnt Propheten (welche?)
als Vorbilder der Ausdauer. Es fehlen hymnische oder ähnliche Texte. Soteriologische
Angaben erfolgen spärlich (ocp^eiv nur 1,21; 2,14; 4,12; 5,15.20). A m auffälligsten
ist das nur zweifache Vorkommen von »Jesus Christus« (1,1; 2,1). Pneuma erscheint
(neben 2,26, dort anscheinend anthropologisch) nur in der umstrittenen Stelle 4,5.
Nicht behandelt wird schließlich auch das theologische Problem einer »zweiten
34
Buße« wie es in Hebr 6,4-6 u. a.; Herrn (vgl. IJoh 5,16) anzutreffen i s t . Die Ten-
denz des Jak ist eher gegenteilig.
3. Praktisch vollständig schweigt sich Jak über das Judentum und dessen religiöse
35
Praxis a u s . Nichts verlautet von Israel, Israeliten, Juden (und abgeleiteten Termini),
36
Mose, Jerusalem, Tempel und dessen Kult, Priester, Hohepriester, Beschneidung ,

3 2
S. d a z u i m K o m m e n t a r .
3 3
S. d a z u i m K o m m e n t a r .
3 4
V g l . J ü r g e n B e c k e r : T R E 7 ( 1 9 8 1 , 4 4 6 - 4 5 1 ) , 4 5 1 ; z u H e r r n : G u s t a v A d o l f B e n r a t h : e b d . ( 4 5 2 - 4 7 3 ) , 4 5 2 f.
Hans-Friedrich Weiß, D e r Brief an die Hebräer ( K E K X I I I , 15. Aufl.), G ö t t i n g e n ( V & R ) 1 9 9 1 , 3 4 7 - 3 5 1
» E x k u r s : Z u r F r a g e d e r A b l e h n u n g einer z w e i t e n f x e x d v o i a i m H e b r « ( 3 5 0 f. a u c h z u H e r r n ) .
3 5
V g l . L a w s , C o m m e n t a r y 4 . 1 5 . 3 6 ; vgl. M a r s h a l l , C h a r a c t e r 1 - 1 0 9 . 2 4 8 ; L ü d e m a n n 2 0 1 ; P r a t s c h e r 2 0 9 - 2 1 3 .
G r a v e s d a g e g e n v e r s t e h t J a k e i n f a c h als » r e p r e s e n t a t i v e o f J u d a i s t i c C h r i s t i a n i t y ( 8 3 - 1 0 7 ) ; W e s s e l 2 0 9 n e n n t
J a k » t h e m o s t J e w i s h w r i t i n g in t h e N e w T e s t a m e n t « ; T o w n s e n d , E p i s t l e x x x i , a r g u m e n t i e r t : » N o w h e r e are
J e w i s h p r a c t i c e s d e f e n d e d , t h e y are s i m p l y a s s u m e d « .
3 6
A n d e r s A l l i s o n 1 6 5 f. z u 1,21 m i t B e z u g a u f I P e t r 3 , 2 1 u n d V e r w e i s a u f ältere L i t e r a t u r .
Prolegomena 5

Sabbat, Reinheits- und Speisetora (1,27 ist viel zu allgemein), Fasten, jüdische Grup­
pen, Passa oder andere Feste; Warnung vor dem Götzendienst, auch nichts von der
Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Die Verwendung des Wortes owaycoyri
(2,2) besagt für sich nichts Gegenteiliges. Die Adressierung an die »12 Stämme in der
Diaspora« (1,1) nimmt selbstverständlich auf Israel als Gottesvolk Bezug, überträgt
jedoch eine Tradition auf eine neue christliche Situation. Nur metaphorisch verwen­
det werden »Erstlingsgabe« (1,18) und »Reinheit« (1,27; 4,8). Im Vergleich gerade
37
mit dem MtEv, das in mancher Tendenz Jak nahesteht , ist die umfangreiche Fehl­
anzeige umso auffälliger; und das angesichts besonders der Parallelität beim Eidesver­
bot (5,12/Mt 5,34-37; vgl. 23,16-22), das bei Jak zudem keinen Hinweis auf Jerusa­
lem (so M t 5,35) oder den Tempel, das Tempelgold oder gar den Altar und das Opfer
(so M t 23,16 ff.) enthält. Etwas anders ist die Lage in 2,14-26 im Vergleich zu R o m
und Gal; auch Jak bezieht die Debatte über die Rechtfertigung aus Glauben auf die
alttestamentlich-jüdische Tradition (Abraham, Rahab), läßt aber auch hier das für
Paulus dabei wesentliche Streitthema »Beschneidung« unerwähnt. Anzufügen ist
noch die Erwähnung einiger anderer atl. Gestalten (Hiob, 5,11; Elia, 5,17 f.). - Das
Fehlen »der Teile der Tora, die sich auf den Tempelkult, die rituelle Reinheit, die vor­
3 8
geschriebenen Abgaben und bestimmte Speisevorschriften bezogen sind« , läßt sich
teilweise aus der Diasporasituation der Adressaten (wie in anderen Fällen vergleich­
3
barer jüdischer Schriften) ^ erklären; in seiner Breite und Massivität geht der Nega­
tivbefund jedoch über das übliche Maß hinaus.
40
4. Keinerlei Rolle spielen Staat (Rom, Kaiser, I m p e r i u m ) , Behörden, Obrigkeit
(vgl. dagegen etwa R o m 13,1 ff.; IPetr 2,13 ff), lokale Einrichtungen, Steuern, Zoll,
1
Militär^ usw.; desgleichen »Völker«, Griechen, Barbaren und dgl. Nichts wird sicht­
bar an Verfolgungen seitens des Staates oder an Übergriffen seitens der Nachbar­
schaft. Einzig »die Reichen« bedrängen die Christen und »schleppen sie vor Gericht«
(2,6). Gesellschaftliche Strukturen sind nur in sozialethischer Hinsicht relevant (2,2-
4; 4,13-17; 5,1-6). Ebenfalls fehlen Angaben über die Sklaverei; der Wortstamm
bovX- erscheint nur 1,1 im übertragenen Sinn, dgl. eXevBeo- in 1,25; 2,12; olxerng
kommt gar nicht vor, ebenso die Stämme öiaxov- und i m a x o - ; xuoiog wird nur für
Gott bzw. Christus verwendet, iJjtoxdaaa) nur in Beziehung auf Gott (4,7). Dieser
Befund ist gerade im Vergleich mit IPetr auffällig.
5. Bis auf die Notiz über das »Zittern der Dämonen« (2,19) und das »Fliehen des
Diabolos« (4,7) bleibt der Bereich der überirdischen »Mächte und Gewalten« (vgl. Kol
42
1,16; Eph 6,12 und dgl.) ungenannt; beide Stellen betonen die Unterlegenheit die­
ser Wesenheiten. Das Adjektiv »dämonisch« steht in 3,15 neben »irdisch und psy­
chisch«; angezeigt wird damit die »Welt« (»nicht von oben«) in ihrer Gefährlichkeit.

37 V g l . S h e p h e r d .
3 8
Niebuhr, Tempel 447.
3 9
S . a l l e r d i n g s a u c h d e n B e f u n d d e s A r i s t e a s - B r i e f e s , a u f d e n D e l l i n g 9 ff. B e z u g n i m m t .
4 0
N . A . B e c k 1 6 1 f. m e i n t zwar, a u c h in J a k v e r b o r g e n e a n t i - r ö m i s c h e B o t s c h a f t e n e n t d e c k e n z u k ö n n e n , u n d
z w a r in d e r K r i t i k a n d e n R e i c h e n ( 1 , 1 0 ; 2 , 1 - 7 ; 5 , 1 - 6 ) . A b e r d i e s e A n g a b e n s i n d z u w e n i g spezifisch.
4 1
A b g e s e h e n v o n d e r M e t a p h o r i k in 4 , 1 ff.
4 2
M a i e r , I n w i e f e r n 8 9 f., m e i n t d a z u i m Z u s a m m e n h a n g v o n 1 , 1 3 - 1 8 , J a k b e t o n e d i e S e l b s t v e r a n t w o r t l i c h ­
keit d e s M e n s c h e n ; d e s h a l b e r w ä h n e J a k bei der E n t s t e h u n g d e r S ü n d e d e n T e u f e l n i c h t .
6 Einleitung

'Äyye^og bezeichnet irdische Boten (2,25); »Himmel« ist in 5,12 traditionelle reli­
giöse Referenzgröße, in 5,18 ein meteorologischer Begriff (englisch eher »sky« als
»heaven« ). Die »Hölle« wird nur einmal bei der Charakterisierung der Zunge er­
wähnt (3,6: »entzündet durch die Gehenna«). Die Welt des Jak ist also primär eine
diesseitige. Der Befund entspricht dem Fehlen »übernatürlicher« Gaben (s. o. 3.2).
Damit korrespondiert wiederum die Absenz apokalyptischer Symbolik oder Be­
schreibungen. Zwar ist von Parousia und Gericht die Rede (5,7 f. bzw. 2,12; 3,1; 4,
11 f.; 5,9) und sogar vom »Lebenskranz« (1,12). Aber es fehlen Termini wie »Men­
schensohn in den Wolken«, »letzte Posaune« oder dgl., ebenso der Hinweis auf escha-
tologische Schrecken oder Irrlehrer, Falschpropheten, Antichristen, Verführer usw.
Sogar die Totenerweckung ist allenfalls nur in 5,15 impliziert. Die religiöse Welt des
4
Jak ist nüchtern und unmythisch. ^
Bei aller Reichhaltigkeit der Thematik bietet Jak also gewissermaßen eine einge­
schränkte Welt dar. Wichtige Lebensbereiche fehlen, weil sie ihm teils in Hinsicht auf
44
sein Kommunikationsziel und damit auch auf seine Beurteilung der Lage der
Adressaten nicht relevant erscheinen, teils weil sie in seinem Kommunikationsrah­
men traditionell keine Rolle spielten (vgl. u. zu »Diasporabrief«), teils weil sich die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend entwickelt hatten. Besondere
Zurückhaltung ist bei der Einschätzung der Relation zum Judentum zu wahren.

4. Ausgangspunkt der Analyse

Die Sachlage und die Forschungsgeschichte nötigen dazu, den Ausgangspunkt bei der
Analyse der Einleitungsfragen sorgfältig zu wählen. Es empfiehlt sich nicht, bei um­
4
strittenen Aspekten einzusetzen. Dazu gehören Gattung, Struktur, Verfasserschaft ^,
46
Datierung, Lokalisierung ; ebenso auch die Relation zu Paulus und zur Weisheits­
tradition. Weder für externe kompositorische »Baupläne« noch für Zeitbezüge noch
für theologische Ortsbestimmungen Ist die Informationslage ausreichend klar, um
darauf aufbauen zu können. Anzusetzen ist vielmehr bei internen Gesichtspunkten
4
der Kommunikation zwischen Jak und seinen Adressaten. ? Eine Kommunikation
wendet sich in bestimmter Weise (Anrede, Aussagen, Fragen, Imperative und dgl.) an
die Leser bzw. Hörer und spricht sie auf bestimmte Punkte (Themen) an, und das mit
48
einer Intention (zu bestärken, verändern, weiterzuführen, korrigieren usw.); dabei
beruft sie sich auf Material (und ggf. auch auf Formen), die den Adressaten zumin­
dest so weit bekannt sein sollten, daß sie plausibel wirken.

4 3
Frankemölle, Ö T K 127: Innerweltlichkeit.
4 4
V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 5 , z u r A u s w a h l a u s Sir; V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 6 .
4 5
B e i d e r » H e r k u n f t « setzt B u r c h a r d , H N T , a n ( E i n l e i t u n g , 2 . 1 Verfasser, 2 . 2 A d r e s s a t e n , 2 . 3 Z e i t u n d O r t ,
2.4 Integrität).
4 6
D a z u zählt n i c h t zuletzt d a s i m m e r w i e d e r r e k l a m i e r t e p a l ä s t i n i s c h e K o l o r i t ; vgl. e t w a Peter H . D a v i d s ,
P a l e s t i n i a n T r a d i t i o n s in the E p i s t l e o f J a m e s , in: C h i l t o n / E v a n s 3 3 - 5 7 .
4
? Ähnlich Tsuji 12.
4 8
V g l . » T h e m a / R h e m a « bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K z. B . 1 4 0 f.; H a a c k e r , J u s t i f i c a t i o n .
D i e text- u n d k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e Rezeption 7

Für Jak heißt das konkret, (nach einem Blick auf die text- und kanonsgeschichtli­
che Rezeption) die kommunikative Gestalt, also den Anrede-Charakter, ernst zu neh­
men und die sprachlichen Mittel zu beachten. Im Anschluß daran sind die inhalt­
lichen Schwerpunkte zu erfassen und dabei zugleich die sachliche Zielsetzung, eben­
4 9
so die Denk-, Sprach- und Überzeugungswelt des J a k . Im Spiegelbild kann von
dorther auf die Probleme und Situation bei den Adressaten geschlossen werden. Die
Kommunikation zwischen Jak und seinen Adressaten bezieht sich auf Vorgaben,
deren Herkunft, Art und Verarbeitung soweit möglich zu analysieren sind (Tradition
und Redaktion). Diese Beobachtungen ermöglichen wenigstens bis zu einem gewis­
sen Grad die Erfassung der Komposition und der Argumentationsweise des Briefes.
Danach erst sind die Abfassungsverhältnisse näher zu besehen, und zwar im Vergleich
mit zeitgenössischen Entwicklungen und Tendenzen. Die Verfasserfrage steht am
Schluß der Untersuchungen.

§ 2 Die text- und kanonsgeschichtliche Rezeption


1. Textüberlieferung

Die Geschichte der Textüberlieferung ist weithin die gleiche wie bei ähnlichen Schrif­
ten des NT.
1. Die erhaltene handschriftliche Bezeugung des griechischen Textes reicht bis ins
3. J h . zurück50 p20, p23; aus dem 3./4. stammt plOO, aus dem 4. folgen K und B,
:

aus dem 5. J h . A, C , 048, 0166, 0173 und aus dem 5.16. p54. Nicht alle diese Hss.
bieten den vollständigen Text. Der wegen seiner Abweichungen interessante Papyrus
p74 datiert erst aus dem 7. Jh.51 Die lateinischen Hss.52 entstammen dem 7. (1 = 67),
7.-11. (t = x) und dem 9. J h . (ff = 6653). Die koptische Bezeugung setzt im 4. J h .

4 9
Sein »semantisches Universum«.
5 0
N ä h e r e A n g a b e n in E d i t i o C r i t i c a M a i o r I V / T e i l 2 B e g l e i t e n d e M a t e r i a l i e n ; ferner in: K u r t A l a n d ( H g . ) ,
T e x t u n d T e x t w e r t d e r g r i e c h i s c h e n H a n d s c h r i f t e n d e s N e u e n T e s t a m e n t s . I. D i e K a t h o l i s c h e n B r i e f e , B d .
1; 2 . 1 - 2 ; 3 , B e r l i n ( d e G r u y t e r ) 1 9 8 7 . E i n e u m f a n g r e i c h e D a r l e g u n g z u T e x t u n d K a n o n bietet M e y e r 8-
1 0 8 . V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 5 3 - 5 5 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 7 ( a u c h z u p 2 0 ) ; M a y o r cclxxx ff. - T h i e d e h a t
v e r s u c h t , d i e T h e s e v o n J . O ' C a l l a g h a n z u e r n e u e r n , d a s F r a g m e n t 8 a u s d e r 7. Q u m r a n - H ö h l e ( 7 Q 0 8 , J .
M a i e r , Q u m r a n - E s s e n e r I 3 2 4 ) m i t J a k 1 , 2 3 - 2 4 z u identifizieren u n d s o m i t d e n B r i e f a u f d i e Z e i t v o r 6 0 ,
ja vor 5 0 zu datieren. K u r t A l a n d , N e u e neutestamentliche Papyri III: N T S 2 0 ( 1 9 7 3 / 7 4 ) , 3 5 7 - 3 8 1 , bes.
3 6 3 - 3 7 0 , h a t t e d i e T h e s e j e d o c h bereits als n i c h t s t i c h h a l t i g e r w i e s e n . Z u m e i n e n ist d i e I d e n t i f i z i e r u n g d e r
Konfiguration von 6-7 B u c h s t a b e n völlig unsicher ( C . H . Roberts nennt fünf andere Identifikationsmög­
l i c h k e i t e n a u s d e r L X X ) ; z u m a n d e r e n w ü r d e d i e E i n o r d n u n g ntl. S c h r i f t e n in d i e s e Z e i t , L o k a l i t ä t u n d d i e ­
s e n » S i t z i m L e b e n « e r h e b l i c h e P r o b l e m e bereiten. E s g i b t k e i n e n f r ü h e n B e l e g für J a k ; s o a u c h H a h n / M ü l ­
ler, T h R 1 9 9 8 , 1 6 .
5 1
Z u s a m m e n s t e l l u n g bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 5 4 .
5 2
H o r t xxvii: » o m i t t e d b y early L a t i n v e r s i o n « . V g l . K u r t A l a n d ( H g . ) , D i e alten U b e r s e t z u n g e n d e s N e u e n
T e s t a m e n t s , d i e K i r c h e n v ä t e r z i t a t e u n d L e k t i o n a r e . D e r g e g e n w ä r t i g e S t a n d ihrer E r f o r s c h u n g u n d ihre
B e d e u t u n g für d i e g r i e c h i s c h e T e x t g e s c h i c h t e ( A N T V ) , B e r l i n ( d e G r u y t e r ) 1 9 7 2 , d o r t b e s o n d e r s d i e B e i ­
träge: B o n i f a t i u s Fischer, D a s N e u e T e s t a m e n t in l a t e i n i s c h e r S p r a c h e 1-92 ( 7 3 - 7 8 zu den Katholischen
B r i e f e n ) ; W a l t e r T h i e l e , P r o b l e m e d e r Versio L a t i n a in d e n K a t h o l i s c h e n B r i e f e n , 9 3 - 1 1 9 .
5 3
C o r b e y H a n d s c h r i f t ; d a z u M a y o r cclxxxiii u n d 3 - 2 7 (einschl. T e x t ) .
8 Einleitung

(achmimisch)54 ein, ebenso die sahidischen Hss. zu Jak (sa 15.33 usw.)55. Die syri­
sche Übersetzung ist seit dem 5. J h . verfolgbar (Peschitta).56
2. Die Zitation durch Kirchenschrifisteller ist vor Origenes (gest. 253/4) nicht klar
nachweisbar.57 Origenes führt Jak 1,13.17; 2,26; 3,15; 4,7.10; 5,13.16 an.58 Aus dem
3. Jh. ist ferner Dionysius Alexandrinus zu nennen (1,13). Mehrfach ist das 4. Jh. ver­
treten; häufiger zitieren dabei Athanasius Alexandrinus (Jak 1,12.15.17.18.20; 2,19;
5,13) und Didymus Alexandrinus (Jak 1,1.2-6.8.12.13.15.16.17.20.24-25.27; 2,15.
16.19.23.24.26; 3,1.2.3.15.17; 4,7.8.12; 5,4.16.19.20). Aus späterer Zeit finden sich
mehrere Zitate bei Johannes Chrysostomos (5. Jh.), Hesychius Hierosolymitanus (5.),
Maximus Confessor (7.), Photius (9.), besonders aber bei Cyrillus Alexandrinus (5.).
3. Bei der Textrekonstruktion stößt man zwar wiederholt auf Varianten; insgesamt
bietet sie jedoch keine großen Probleme. Die 2 6 7 2 7 . Auflage der Nestle-Aland-Aus-
gabe registriert an folgenden Stellen Revisionen gegenüber der 25. Auflage: in 1,22
(Abfolge zweier Wörter); 1,26 (zweimal avxovlkavxov); 4,8 (unterschiedliche Futur­
formen); 4,12 (vofxo08xr]g mit bzw. ohne Artikel); 4,14 (mit/ohne t o nach em-
axaoOe); 5,4 (djteoTeQniievog/dqpvaxeQiifxevog und zwei verschiedene Perfektendun­
gen); 5,14 (mit/ohne auxöv); 5,16 (Simplex oder Kompositum); 5,20 (yivcooxexco/
yivobaxexe). Sinn oder Klarheit der Aussagen werden davon nicht wesentlich berührt.
Die überwiegende Zahl der Varianten dient einer »Aufhellung« des Textes seitens der
Abschreiber, vor allem auf dem Weg von: (a) Wortumstellungen; (b) Auslassung, Ein­
fügung oder Ersetzung von Wörtern; (c) Korrektur des Stils und des Sinnes. In aller
Regel lassen sie sich leicht als solche erkennen (s. dazu die speziellen Einleitungen zu
den Abschnitten und die Versexegese). Besonders weitgehend sind die Veränderungen
59
in p74, so etwa in 1,27; 2,11.12; 3,5; 5 , 1 9 . Aufs Ganze gesehen ist die Texttradition
des Jak zwar nicht so breit wie etwa bei den Evangelien oder den Paulinen, aber zumeist
in sich klar und relativ früh. - An einigen Stellen jedoch zeigen sich Probleme, die auch
60
zu Konjekturen führten, wie der Apparat der Editio Critica Maior zeigt. Das ist der
Fall in 1,17 (Wortbestand, Abfolge, Fälle); 1,27 (Wortbestand, Sinn); 2,18 (Wortfolge,
Satzteile); 3,3 (Wortbestandsauflösung, Satzform); 3,6 (Syntax); 4,2 (Sinnanstößig­
keit); 4 , 5 f (Wortbestand, Herkunft); 5,11 (Wortlaut, Sinn); 5,12 (Wortbestandsauflö­
sung). Obwohl die Uberlieferung des Textes kaum Fragen zuläßt, erheben sich doch
Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen im jakText. Textgeschichtlich sind die Proble­
me nicht zu lösen; wohl aber ergeben sich daraus Hinweise darauf, die Arbeitsweise
und evtl. auch Traditionsverarbeitung des Jak zu befragen.

5 4
Vgl. K u r t u n d Barbara A l a n d , D e r Text des N e u e n Testaments, Stuttgart ( D t . Bibelgesellschaft) 1 9 8 2 , 2 0 6 -
2 1 1 , speziell 2 1 0 .
5 5
Editio Critica Maior B 29.
5 6
D a z u bei A l a n d , Ü b e r s e t z u n g e n (s. A n m . 5 2 ) : Pierre P r i g e n t , L e s c i t a t i o n s d e s Peres grecs 436-454, Her­
m a n n J o s e f F r e d e , D i e Z i t a t e d e s N e u e n T e s t a m e n t s bei d e n l a t e i n i s c h e n K i r c h e n v ä t e r n 455-478;
A l a n d , T e x t 1 9 9 - 2 0 6 , speziell 2 0 2 f. V o n d e r V e t u s S y r a existieren n u r d i e vier E v a n g e l i e n ( e b d . 1 9 9 - 2 0 2 ) .
Z u r » p a l ä s t i n i s c h - s y r i s c h e n V e r s i o n « e b d . 2 0 4 - 2 0 6 : w a h r s c h e i n l i c h 6. J h . ( 2 0 6 ) . - Z u r a l t a r m e n i s c h e n Ver­
s i o n s. B u r c h a r d , U b e r s e t z u n g .
5 7
E i n z e l h e i t e n bei d e r » k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e n R e z e p t i o n « (s. u. § 2 , 2 ) .
5 8
A n g a b e n n a c h E C M B 2 6 , 1 6 - 2 7 . R . E . B r o w n ( 7 4 3 ) redet v o n 2 4 Z i t a t i o n e n .
5 9
Vgl. Mußner, Jakobusbrief 54.
6 0
H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 1 5 f.
D i e text- u n d k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e Rezeption 9

2. Kanonsgeschichte

61
Die kanonsgeschichtliche Rezeption des Jak verlief zögerlich.
1. Es ist umstritten, wann die Rezeption überhaupt einsetzt. Als Belege kommen
6 2 63
nicht in Betracht: lClem, Herrn, Barn, Did, J u d und d g l . , weil die Beziehungen
mehrdeutig sind, eine literarische Abhängigkeit von Jak nicht nachweisbar ist und
64
diese Schriften jedenfalls nicht Jak als Autorität voraussetzen. Auch für den Zeit­
raum ca. 150-200 finden sich keine deutlichen, unzweideutigen Spuren. Jak fehlt im
Kanon Muratori (Ende 2. Jh.). Anklänge könnte evtl. Irenaus (178 Bischof von Lyon)
65
bieten. Neben Adv haer. V 1,1 (factores sermonum facti initium facturae; vgl.
Jak 1,22.18) und »lex libertatis« (IV 34,4/56,4) kommt noch IV 13,4/27,2 infrage
(»Abraham selbst glaubte ohne Beschneidung und Sabbat-Beachtung Gott, und es
wurde jenem zur Gerechtigkeit zugewiesen, und er wurde Freund Gottes genannt«).
66
Das könnte evtl. eine Kenntnis des Jak implizieren ; freilich erklärte Irenaus nur
6 7
IPetr und IJoh für kanonisch, nicht J a k . Der Befund bleibt also uneindeutig. Auch
Tertullian (gest. ca. 222/223) bringt das Abraham-Beispiel, aber weniger deutlich.
Wenig aussagekräftig ist auch der ohnehin magere Befund bei Hippolyt von Rom
6 8
(gest. ca. 23 5 ) . Die Bezeugung in der lateinischen Kirche bleibt spärlich bis nicht­
existent, bis hin zu Cyprian (gest. 258) und Laktanz (gest. ca. 320). Das ändert sich
69 70
erst bei Augustinus (gest. 430) und Hieronymus (gest. 420). - Clemens Alexan­
7 1
drinus (gest. vor 215) zitiert Jak nie, obwohl er laut Eusebius ( H E VI 1 4 , l ) die
Katholischen Briefe ausgelegt hat. Freilich ist diese Notiz zu wenig genau, um den
Beweis für eine Kenntnis des Jak tragen zu können. Die angeblichen Anspielungen
72
bleiben ebenfalls mehrdeutig: Abraham als Freund Gottes (mehrfach) , Nächsten­
73
liebe und ß a o d i x o g (Strom 6,825), Eidesverbot (Strom V 1 4 . 9 9 ) .
2. »Origenes ist für uns der erste, der Jac namentlich zitiert und ... der sich über den
74
Brief und seine Geltung ausspricht.« Wichtiger als die textlichen Übernahmen

6 1
V g l . i n s g e s a m t M e y e r 8 - 1 0 8 ; B r o o k s ; L a w s , C o m m e n t a r y 2 0 - 2 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 3 ff
6 2
D i e A n g a b e in J u d 1 ( » J u d a s , J e s u C h r i s t i D i e n e r , B r u d e r d e s J a k o b u s « ) o r i e n t i e r t s i c h a n d e r P e r s o n d e s J a k
( z i e m l i c h sicher d e s H e r r e n b r u d e r s ) , b e s a g t a b e r n i c h t s ü b e r ein S c h r e i b e n d e s s e l b e n . A n d e r s D i b e l i u s ,
K E K 5 2 . - E b e n s o d a r f m a n keinesfalls d a v o n a u s g e h e n , d a ß I P e t r d e n J a k v o r a u s s e t z e ; d a s V e r h ä l t n i s
bedarf vielmehr der sorgfältigen Klärung.
6 3
A l s o d i e S c h r i f t e n bis ca. 1 5 0 ; s. d a z u u. § 5 , 7 .
6 4
G e g e n M e y e r ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 3 6 . 3 8 ; u. a. B r o o k s notiert: k e i n e sichere B e z e u g u n g v o r d e m A n f a n g
d e s 3 . J h . s ( 4 7 ) , w o h i n er a u c h p 2 3 d a t i e r t ( 4 2 ) , w ä h r e n d d i e B e z e u g u n g d u r c h C l e m A l fraglich sei ( 4 3 f.).
E i n e ä h n l i c h e Z u r ü c k h a l t u n g w i e g e g e n ü b e r J a k sei a b e r a u c h bei I P e t r u n d I J o h z u registrieren ( 4 8 ff.).
6 5
Ausführlich dazu Meyer 9-13.
6 6
S o f e r n n i c h t B e z u g n a h m e a u f a l l g e m e i n e T r a d i t i o n vorliegt; s o D i b e l i u s , K E K 5 2 . K r i t i s c h z u r ü c k h a l t e n d
auch Laws, C o m m e n t a r y 2 1 .
6 7
K ü m m e l 4 3 3 f.; H o r t xxvi f.; M e t z g e r , K a n o n 1 5 1 - 1 5 3 .
6 8
M e y e r 14 notiert: Z u J a k 1,1 u n d 5,1 d e n D a n i e l - K o m m e n t a r 3 , 6 bzw. 4 , 1 2 ; vgl. M e t z g e r , K a n o n 1 4 7 -
149.
6 9
D i e » d i r e k t e n Ä u ß e r u n g e n « A u g u s t i n s ü b e r J a k bei B e r g a u e r 1 5 - 2 1 .
7 0
A b e r n o c h bei H i e r o n y m u s h e i ß t es: » m a n c h e h a l t e n i h n für u n e c h t « ; s. d a z u M e y e r 3 1 f.
7 1
V g l . M e y e r 4 2 - 4 8 ; Z a h n , F o r s c h u n g e n I I I 1 5 0 - 1 5 3 ; H o r t xxvii; M e t z g e r , K a n o n 1 3 1 - 1 3 5 ; M u ß n e r , J a k o ­
b u s b r i e f 3 9 , d o r t a u c h z u P h o t i u s ( B i b l i o t h . c o d . 1 0 9 ) ; C a s s i o d o r u s ( D e instit. div. l i t t . 8 ) .
7 2
P a e d a g I I I 1 2 , 4 ; 4 2 , 3 ; S t r o m II 2 0 , 2 ; 1 0 3 , 2 ; I V 1 0 5 , 3 ; 1 0 6 , 1 . V g l . D i b e l i u s , K E K 5 2 .
7 3
M e y e r 4 4 m e i n t d a z u : w o h l eher a u s l C l e m bzw. M t .
10 Einleitung

(u. a.: »Werke des Glaubens; irdische Weisheit; dem Teufel widerstehen; Psalmen sin-
gen«)/^ sind die kanonischen Werturteile. Der Brief gilt ihm als »im Umlauf befind-
7 7 7 78
lich« ^; er zitiert ihn als »Schrift« und bezeichnet Jak als Apostel . Zwar zeigt Ori-
79
genes eine gewisse Zurückhaltung bei der Identifizierung des Verfassers ; entschei-
dend ist aber, daß Jak »ein Apostel und seine Schrift eine apostolische und daher
80
autoritative und inspirierte i s t « . Der Einfluß des Origenes wirkte sich auf das Anse-
hen des Jak im griechischen Osten überaus förderlich aus.
3. Man hat vermutet, daß Origenes seine Jak-Kenntnisse in Palästina gewann. Frei-
81
lich ist der Befund bei Hegesippus (gest. ca. 180) negativ. Deutliche Spuren zeigt
82
dagegen PsClemAlex Ad virgines, evtl. aus dem 3. J h . , aus Palästina/Syrien. Neben
mehreren nicht sehr spezifischen Anklängen treten I 11,10 (Jak 1,5) und besonders
8
I 11,4 (Jak 3,1 f.) hervor, zumal die Einleitung hier heißt »quod dicit [Scriptura]« 3.
4. Noch bei Eusebius von Caesarea (gest. 339) mischen sich unterschiedliche Töne.
Er beendet seinen Bericht über Jakobus (und dessen Tod) mit den Worten: »der der
Verfasser des ersten der katholischen Briefe genannt wird. Doch man sollte wissen, daß
einige ihn für unecht halten. Nicht viele der Alten haben ihn (wie auch Jud) erwähnt.
Dennoch wissen wir, daß diese - wie auch die anderen - öffentlich in den meisten Kir-
chen verlesen wurden« ( H E II 23,25). Seine ntl. Kanonsliste (III 25) bezeichnet die
Evangelien und Apg, die Briefe des Paulus und den des Petrus, danach die Apk als aner-
kannte Schriften. »Aber unter den umstrittenen (Schriften), die jedoch der Mehrheit
84
geläufig sind, gibt es den Brief des Jakobus, wie er genannt wird« ( 2 5 , 3 ) .

7 4
Meyer 3 8 (insgesamt 3 8 - 4 2 zu Origenes); Metzger, K a n o n 1 3 5 - 1 4 1 .
7 5
S . d i e S t e l l e n a n g a b e n in § 2 , 1 . 2 .
7 6
J o h - K o m m e n t a r z u 8 , 3 4 : q)EQOU£vn, nicht w i e d e r z u g e b e n m i t »fälschlich s o g e n a n n t « , M e y e r 3 9 .
7 7
P s s - K o m m e n t a r 1 1 8 , 1 5 3 , vgl. 3 0 , 6 ; J o h - K o m m e n t a r 3 , 3 1 , vgl. 1,8.
7 8
Pss-Kommentar 65,4; Joh-Kommentar 3,31.
7 9
D a z u M e y e r 4 0 - 4 2 ; M e i n e r t z 1 0 6 - 1 1 2 ; a n d e r s v e r h ä l t es s i c h b e i m J u d a s - B r i e f u n d bei d e r B e z e i c h n u n g
» H e r r e n b r u d e r J u d a s « n a c h M t 1 3 , 5 5 (zitiert bei M e y e r 4 0 A n m . 6 ) . » U b e r d e s s e n B r ü d e r J o s e p h u n d
S i m o n b e k e n n t er n i c h t s z u w i s s e n , ü b e r d e n ältesten dieser B r ü d e r J a c o b u s s a g t er nur, d a ß er d e r v o n P a u -
lus G a l 1,19 g e n a n n t e sei« ( e b d . 4 0 ; vgl. D i b e l i u s , K E K 5 2 ; M e t z g e r , K a n o n 1 3 8 ) . D e r T i t e l » B r u d e r d e s
H e r r n « ist i h m a l l e r d i n g s w e g e n d e r f o r t d a u e r n d e n V i r g i n i t ä t M a r i a s s u s p e k t ( M e y e r 4 1 ; z u m P r o b l e m
» J u n g f r ä u l i c h k e i t M a r i e n s / A p o s t o l i z i t ä t d e s J a k o b u s « N ä h e r e s bei M e i n e r t z , 1 1 0 - 1 1 2 ) .
8 0
M e y e r 4 1 ; vgl. a u c h o. § 2 , 1 . 2 z u D i o n y s i u s v. A l e x a n d r i e n , d e s O r i g e n e s S c h ü l e r .
8 1
M e y e r 3 0 f.; M e i n e r t z 1 1 3 - 1 2 5 ; Z a h n , F o r s c h u n g e n V I , 2 2 8 - 2 7 3 ; d o r t 2 2 8 - 2 5 0 Z u s a m m e n s t e l l u n g d e r
» s i c h e r e n F r a g m e n t e « , 2 6 1 ff. z u E p i p h a n i u s , » w o er v o n J k d e m G e r e c h t e n u n d a n d e r e n A n v e r w a n d t e n
J e s u h a n d e l t « , 2 6 5 z u J a k 5 , 1 6 - 1 8 : » M i t t e n in d e r [bei E p i p h a n i u s ] in a l l e m W e s e n t l i c h e n n a c h H e g .
w i e d e r e r z ä h l t e n G e s c h i c h t e d e s J k findet s i c h a u c h d i e E r z ä h l u n g v o n e i n e m G e b e t d e s J a k u m l a n g e
e r s e h n t e n R e g e n « ; es sei aber, s o m e i n t Z a h n , w e n i g e r w a h r s c h e i n l i c h , d a ß sie a u s J a k 5 e r w a c h s e n sei, »als
d a ß sie z u d e n alten T r a d i t i o n e n v o n J e r u s a l e m g e h ö r t , d e r e n H e g . viele g e s a m m e l t h a t « .
8 2
M u ß n e r 3 9 ; M e y e r 3 3 f. ( d o r t 3 3 A n m . 8 eine k r i t i s c h e N o t i z z u D i b e l i u s , K E K , 5 1 ) . - L t . I n d e x bei F r a n z
X a v e r F u n k ( n e u h g . v o n F r a n z D i e k a m p ) , Patres A p o s t o l i c i I I , T ü b i n g e n ( L a u p p ) 1 9 1 3 , w e r d e n e r w ä h n t :
J a k 1 , 5 . 2 6 . 2 7 ; 2 , 1 . 8 . 1 7 f f ; 3 , 1 . 2 . 1 5 ; 4 , 6 . D i e D a t i e r u n g (vor o d e r n a c h O r i g e n e s ? ) ist u m s t r i t t e n ; vgl. F r a n -
k e m ö l l e , Ö T K 9 7 f. M e i n e r t z 1 2 7 f. m e i n t ( m i t H a r n a c k ) : A n f a n g d e s 3 . J h . s .
8 3
I n I 1 1 , 1 heißt es: »laudetur Deus, q u i largiter o p i t u l a t u r o m n i b u s , q u i omnibus dat nec reprobat«; in I 1 1 , 4 :
» n e q u e a t t e n d u n t a d it, q u o d d i c i t [ S c r i p t u r a ] : Ne multi inter vos sint doctores, fratres, n e q u e o m n e s sitis p r o -
p h e t a e . Qui in verbis. suis non praevaricatur, hic homo perfectus est, potens domare et subigere totum corpus
suum«.
8 4
V g l . d a r ü b e r h i n a u s s e i n e A n g a b e n » S c h r i f t « ( P s a l m e n - K o m m e n t a r z u 1 0 0 , 5 ) u n d » d e r heilige A p o s t e l «
( e b d . z u 5 6 , 2 ) , lt. M e y e r 3 2 ; vgl. M e t z g e r , K a n o n 1 9 4 ff.
Die kommunikative Gestalt 11
8
5. Die weitere Rezeptionsgeschichte braucht hier nicht verfolgt zu werden. 5 Der
Brief setzte sich nur langsam durch, zumal im Westen.86 Die Frage, warum er erst so
87
spät auf der Bühne der Geschichte auftaucht und sich nur mühsam durchsetzt, ist
schwer zu beantworten. Wie alt ist er wirklich? Schadete ihm etwa das Fehlen eines
klaren apostolischen »Merkzeichens« 88 oder die »Beschlagnahme« durch häretische
8
Judenchristen ^? Oder geriet er längere Zeit »in die Verborgenheit«, weil er - als nicht
genügend deutlich und christlich - erst einmal von IPetr und l C l e m verdrängt wur­
d e ^ ? Oder schadete ihm der anscheinend antipaulinische Duktus?9i Alle Hypothe­
sen solcher Art in Richtung auf die Devise »früh entstanden/spät wiederentdeckt«
beruhen auf Vermutungen. Die Quellenlage spricht eine andere Sprache: späte Be­
zeugung, zurückhaltende Rezeption, Zweifel. Das deutet prinzipiell eher auf ein spä­
tes Entstehungsdatum. Die Gründe für eine Frühansetzung samt Erklärung des lan­
gen Nicht-Auftauchens müßten gewichtig sein, um den Beweis tragen zu können.

§ 3 Die kommunikative Gestalt

1. Anrede an kollektive Größe

»Das einzige formale Charakteristikum des Briefes als ganzen ist die direkte persönli­
1
che und persönlich gestaltete Anrede an die Adressaten.«^ Jak wendet sich überwie­
gend an eine kollektive Größe (2. Pers. Plur.), die er immer wieder als »Brüder«
(15mal, oft ergänzt durch »meine« oder gar »meine geliebten« anspricht. Einzelfälle
sind in der Regel partitiv auf das Kollektiv (wie 1,5: »jemand von euch«; oder 2,2:
»wenn jemand in eure Versammlung kommt«) bzw. auf die Gesamtheit (wie 1,13:
»keiner«; 1,19: »jeder Mensch«) bezogen. Jak kann sich auch bestimmten Gruppen

85 S . d a z u K ü m m e l 4 4 1 ff.; M e i n e r t z 1 3 1 - 2 1 5 ; P a u l s e n , J a k o b u s b r i e f 4 9 2 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 7 ff. ( d o r t


1 0 1 - 1 0 5 i n s b e s o n d e r e z u r G e s c h i c h t e bis B e d a V e n e r a b i i i s , u n d zwar a u f d e r G r u n d l a g e d e r D i s s e r t a t i o n
v o n M a t t h i a s K a r s t e n ) ; M e t z g e r , K a n o n 2 1 9 ff. - W i c h t i g w u r d e n s p ä t e r n a t ü r l i c h L u t h e r s k r i t i s c h e Ä u ß e ­
r u n g e n u n d ihre R e z e p t i o n ( A n g a b e n bei K ü m m e l 3 5 8 . 3 6 0 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 4 2 - 4 7 ) ; E i c h h o l z , J a k o ­
b u s 1 0 - 2 2 , skizziert d a s V e r s t ä n d n i s bei L u t h e r , bei d e n S c h w e i z e r R e f o r m a t o r e n s o w i e bei S . K i e r k e g a a r d
u n d D . B o n h o e f f e r . Z u K i e r k e g a a r d s. a u c h B a u c k h a m , W i s d o m 1 5 9 - 1 7 4 . Z u L u t h e r u. a. h i n s i c h t l i c h
» G e s e t z « s. F r a n k e m ö l l e , G e s e t z 1 8 9 ff. E r s t e k r i t i s c h e B e d e n k e n (zur V e r f a s s e r s c h a f t ) ä u ß e r t e E r a s m u s v o n
R o t t e r d a m ; eine an L u t h e r erinnernde Polemik gegen den Brief selbst (»nichts v o n G o t t , C h r i s t u s , der G n a ­
d e , v o m F r i e d e n « f i n d e t s i c h bei L u t h e r s K o n t r a h e n t C a j e t a n d e V i o ( M e i n e r t z 2 1 6 - 2 1 9 ) , d e r a u c h a n
2
anderen Schriften des N T Zweifel anmeldete (Robert Bauer: L T h K II 8 7 6 ) .
86 V g l . M e i n e r t z 1 3 1 ff.
8 7
B u r c h a r d , H N T (Einl. 7.3) weist zu Recht d a r a u f hin, d a ß »merkwürdigerweise« die Schriften v o n N a g
H a m m a d i k e i n e S p u r d e s J a k zeigen, o b s c h o n d e r N a m e d o r t m i t d e m s o g . A p o k r y p h o n u n d zwei A p o k a ­
l y p s e n v e r b u n d e n ist.
8 8
S o M e y e r 5 3 . A u c h M e i n e r t z 3 1 3 f. a r g u m e n t i e r t : Z w a r sei d i e a u s d r ü c k l i c h e B e z e u g u n g relativ s p ä t , a b e r
S p u r e n r e i c h t e n bis in d i e älteste Z e i t z u r ü c k ( d a z u 5 5 ff.); G r ü n d e für d a s » Z u r ü c k t r e t e n « seien: d e r p r a k ­
tische Inhalt, die A d r e s s i e r u n g an Judenchristen, der W i d e r s p r u c h zu Paulus u n d die geteilten Ansichten
ü b e r d e n Verfasser.
8 9
S o Z a h n , E i n l e i t u n g I 8 8 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 4 2 .
9 0
S o M e y e r 3 0 7 , unter der A n n a h m e , d a ß J a k von diesen benutzt wurde.
9 1
A b e r g e r a d e d i e s findet s i c h in d e r älteren R e z e p t i o n s g e s c h i c h t e als P r o b l e m n i c h t notiert!
9
2 T h o m a s , A n f e c h t u n g 1 9 0 f. V g l . B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 4 9 ff.; W u e l l n e r 5 - 1 1 .
12 Einleitung

zuwenden (wie 4,13 ff.; 5,1 ff) und ebenso Einzelne ansprechen (2,18-22). Er kehrt
jedoch immer wieder zum »Ihr« als primärer Bezugsgröße zurück. Sich selbst bringt
der Verfasser, abgesehen vom Präskript, nur ganz nebenbei (3,1 f.: »wir als Lehrer«)
ins Spiel; es fehlen autobiographische oder sonstige narrative Partien.93 _ Der Autor
leistet durchgehend nichts anderes als Überzeugungsarbeit an seinen Adressaten.
94
Dazu verwendet er viele Imperative , ebenso rhetorische Fragend (z. B. 2,2-4.5),
Casus (z. B. 1,5 f.), Urteile (z. B. 1,7 f.), sentenzenhafte Sprüche (wie 1,12.17.27; 2,13
96 9
u.a.) und viele N e g a t i o n e n (so 1,6.7.13.16.20.22 usw.). ? Jak arbeitet im Direkt­
verfahren, indem er belehrt (z. B. 2,8 ff), ins Unrecht setzt (so 2,2-7), Anweisungen
erteilt (z. B. 2,12), Warnungen ausspricht (wie 1,16) oder zum Beweis auffordert
(2,18; 3,13). Er kommt ohne Umschweife zur Sache; selten finden sich etwas länge­
re Argumentationsstücke (wie 2,8-13 oder 3,1-12). Jak bevorzugt die lectio brevis; er
98
verfaßt keine Abhandlungen oder Traktate über Topoi". Der Stil ist knapp bis zur
100
Abruptheit, fast staccato s o z u s a g e n . - Das Werben um Konsens kann schnell in
Anklagen übergehen (z. B. 2,4 f.6 f.); die Zuwendung hin zu den »geliebten Brüdern«
(1,16.19; 2,5) kann der scharfen Invektive »ihr Ehebrecher!« (4,4) und den damit ver­
bundenen Vorhaltungen (4,1-10) weichen. Die Tonart nimmt sogar etwa im Verlauf
1 0 1
von Kap. 3 an Schärfe z u , um erst ab 5,7 wieder milder zu werden. Durchgehend
ist Jak daran gelegen, die Adressaten dafür zu gewinnen, daß sie das »Ziel« (vgl.
102
1,4.12) erreichen, bzw. sie davor zu bewahren, es zu verlieren (vgl. die Umkehrter-

9 3
V g l . B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , 1 1 9 f.: H o r t a t i o m i t E i n s c h l ä g e n v o n A r g u m e n t a t i o , a b e r k e i n e N a r r a t i o .
9 4
D i e Z a h l variiert j e n a c h E i n s c h ä t z u n g , o b n i c h t eher ein I n d i k a t i v vorliegt; »seit J ü l i c h e r , E i n l e i t u n g 1 7 0 ,
w i r d s t e r e o t y p d i e Z a h l v o n 5 4 I m p e r a t i v e n a n g e g e b e n « ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 6 ) ; einige Z a h l e n bei P o p k e s ,
A d r e s s a t e n 11 A n m . 1 1 ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 1 : 5 8 m a l . F r a n k e m ö l l e selbst zählt 4 7 u n d h e b t d e r e n
u n g l e i c h m ä ß i g e V e r t e i l u n g hervor: v o r a l l e m i m P r o l o g ( 8 m a l ) , E p i l o g ( 1 2 m a l ) u n d in 4 , 7 - 1 2 (1 l m a l ) .
9 5
L t . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 6 : 2 3 - 2 4 , d a z u ein fingierter D i a l o g in 2 , 1 8 .
9 6
E i n e L i s t e bietet M a y o r c c x x x i v f.
9 7
J a k setzt d i e N e g a t i o n e n als M i t t e l g e g e n d i e v o n i h m w a h r g e n o m m e n e n N e g a t i v z u s t ä n d e ein (so 3 , 1 0 b ) ;
d a h e r der A u s d r u c k » K o n t r a n e g a t i o n « ( P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 2 7 ) u n d generell d i e B e z e i c h n u n g d e s J a k als
» K o r r e k t u r s c h r e i b e n « ( e b d . 1 2 6 - 1 2 8 ) ; vgl. d i e k r i t i s c h e W ü r d i g u n g bei K l e i n 2 7 f.
9 8
D i b e l i u s , K E K , u n t e r s c h e i d e t drei s o g . A b h a n d l u n g e n ( 2 , 1 - 1 3 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ) v o n d e n ü b r i g e n » S p r u c h ­
r e i h e n « . A b e r w a s d e c k t d e r A u s d r u c k a b ? N i r g e n d w o h a n d e l t J a k eine T h e m a t i k a u c h n u r e i n i g e r m a ß e n
a u s f ü h r l i c h , u m f a n g r e i c h o d e r v o l l s t ä n d i g a b . B e i D i b e l i u s d i e n t d e r A u s d r u c k eher z u r D i f f e r e n z i e r u n g
g e g e n ü b e r d e n n a c h seiner M e i n u n g recht u n v e r b u n d e n e n S p r u c h g r u p p e n .
9 9
K r i t i s c h z u J o h n s o n , A n c B 1 2 f.; er m e i n t , g e w i s s e E i n h e i t e n seien » i n t e r n a l l y u n i f i e d « u n d k ö n n t e n » t o p i -
cally« definiert w e r d e n ; m a n e r k e n n e sie leicht als »essays«; d a z u zählten: 2 , 1 - 1 1 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ; 3 , 1 3 -
4 , 1 0 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 ; 5 , 7 - 1 1 ; 5 , 1 3 - 1 8 . D i e T e x t e s i n d also teilweise d i e s e l b e n w i e bei D i b e l i u s . A l s F a l l s t u d i e vgl.
J o h n s o n , N o v T 1 9 8 3 ; er w e n d e t sich g e g e n d a s a t o m i s i e r e n d e V e r f a h r e n v o n D i b e l i u s ( 3 2 8 ff.) u n d
b e t r a c h t e t 3 , 1 3 - 4 , 1 0 »as a s i n g l e literary u n i t , n a m e l y as a call to c o n v e r s i o n w h i c h e m p l o y s t h e H e l l e n i s t i c
topos o n e n v y (jieoL (pOövou)« ( 3 3 2 ) , w i e er e t w a bei A r i s t o t e l e s , P l u t a r c h o d e r D i o C h r y s , a b e r a u c h in d e r
j ü d . W e i s h e i t s l i t e r a t u r (Sir 14; W e i s h 2; P h i l o , P o s t C 1 4 0 ff., J o s 5 ff.; T e s t X I I ) a n z u t r e f f e n sei. N e u e r e L i t e ­
ratur bei J o h n s o n , N o v T 1 9 8 3 , 3 3 4 A n m . 3 3 , n e b e n B r a d l e y ( a l l g e m e i n z u T o p o s ; s. d a z u n o c h B a e u m e r )
speziell E . M i l o b e n s k i , D e r N e i d in d e r g r i e c h i s c h e n P h i l o s o p h i e ( K l a s s i s c h - P h i l o l o g i s c h e S t u d i e n 2 9 ) ,
W i e s b a d e n (Harrasowitz) 1 9 6 4 . D a s Topos-Verfahren überfordert j e d o c h die j a k Texte nicht unerheblich,
s o w o h l s t r u k t u r e l l ( Z u s a m m e n h a n g ) als a u c h t h e m a t i s c h ( z u m Fall v o n 3 , 1 3 - 4 , 1 0 vgl. i m K o m m e n t a r ) .
100 M a y o r cclix faßt z u s a m m e n : J a k » v e r s c h w e n d e t k e i n e W ö r t e r ; er b e n u t z t k e i n e U m s c h r e i b u n g ; zeitweise,
w i e in 2 , 1 , w i r d er s o g a r a u s Ü b e r v e r d i c h t u n g ( o v e r - c o n d e n s a t i o n ) o b s k u r « . N a c h seiner B e o b a c h t u n g
(cclv) ü b e r s c h r e i t e n n u r zwei S ä t z e vier Z e i l e n : 2 , 2 - 4 u n d 4 , 1 3 - 1 5 .
!0! B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 5 .
1 0 2
D a r i n ist K l e i n (s. b e s o n d e r s 4 3 ff.) b e i z u p f l i c h t e n .
Die kommunikative Gestalt 13

minologie in 4,7-10; 5,19 f.). Seine Rolle ist weniger die des Lehrers (trotz 3,1) als die
des Erziehers und Mahnrufers, teilweise bis hin zu prophetischen Zügen (so
besonders in 4,1-5,6). Er verfolgt eine direktive Seelsorge, nicht eine des Abwägens
1 0
oder im Stil von »einen guten Rat geben« 3 .

2. Probleme durch menschliches So-Sein

Die Adressaten werden auf das hin angesprochen, was sie primär durch ihr menschliches
104
So-Sein in Probleme bringen mag, mehr noch als durch äußere U m s t ä n d e . Die
Kommunikation bezieht sich vor allem auf die anthropologischen und sozialethischen
10
Aspekte der Theologie. Positiv geht es um die »Vollendung« (so bereits 1 , 4 ) 5 , das Aus­
reifen bis zum eschatologischen Ziel. Dazu bedarf es des Durchhaltens (1,3.12), der
Standhaftigkeit (5,7). Mehr noch aber ist das Wissen um die Gefährdung aus einem
selbst heraus vonnöten (1,5 ff. 13 ff. 16 usw.). Den Menschen gefährden vor allem
Gespaltenheit nach innen und außen (1,8; 3,9-12; 4,4.8), Begierde, Haben-Wollen
(1,13-15; 4,1 ff.13 ff), Konsequenzlosigkeit (1,22 ff), Vorteilnahme (2,1 ff), Rück-
sichts- und Gedankenlosigkeit (4,1-5,6), aber auch Selbsttäuschung (1,7.26 u. a.), Irr­
tumsfähigkeit (1,16), bis hin zum theologischen Selbstbetrug (2,14 ff). Auswirkung
hat diese Problematik besonders im sozio-ekklesialen Bereich, speziell in der Behand­
lung von Niedrigen/Armen und Hohen/Reichen (1,27; 2,2-7.15 f.; 5,1-6); ebenso im
kommunikativen Bereich (1,19-25; 3,1 ff); und das alles mit unmittelbaren Auswir­
kungen auf das Miteinander als Christen (3,1 ff; 4,1 ff; 5,8 f.). Die kommunikative
Zielsetzung besteht in der handlungsorientierten Beeinflussung von Menschen, die
man auf bestimmte Wertvorstellungen, Konsens-Grundlagen und Erfahrungen anspre­
chen kann.

3. Gepflegte Sprache

Jak benutzt als Kommunikationsmittel eine nach Stil und Vokabular recht gepflegte
1 107
Sprache. ^ Sie wird nicht ganz ohne Blick auf die Empfänger gewählt worden s e i n .
1. Der Wortschatz (560 Vokabeln, bei einem Wortbestand von 1735) liegt im Ver­
gleich mit im Umfang ähnlichen ntl. Schriften (IPetr: 545/1669; ITim: 541/1586)

1 0 3
A n d e r s Berger, F o r m g e s c h i c h t e 1 4 7 , d e r d i e » P a r ä n e s e i m J a k o b u s b r i e f « d e n » s y m b u l e u t i s c h e n G a t t u n g e n «
( 1 1 7 ff.) z u r e c h n e t .
104 Y g j C r a n f i e l d 1 8 4 : J a k b e t o n e d i e » s i n c e r i t y « u n d s p r e c h e a d h o m i n e m .
1 0
5 V g l . K l e i n 4 3 ff. ( » d a s v o l l k o m m e n e W e r k als Z i e l . . . « ) .
106 D a r a u f i s t i m m e r w i e d e r h i n g e w i e s e n w o r d e n ; vgl. z. B . D i b e l i u s , K E K 5 3 ff.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 6 - 3 0
(s. a b e r a u c h d i e E i n s c h r ä n k u n g 2 3 8 ) ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 73ff.; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 9 - 3 6 6 1 ; G i e -
ger; W i f s t r a n d ; K ü m m e l 3 6 2 ; Wessel 7 0 - 1 1 2 (literary c h a r a c t e r ) ; d i e k o m p l e t t e s t e D a r s t e l l u n g b i e t e t
4
i m m e r n o c h M a y o r ccxiv ff. L a r s R y d b e c k , R G G I, 1 4 2 4 - 1 4 2 6 w e i s t u. a. a u f d i e stilistische N ä h e d e r
K a t h o l . B r i e f e z u d e n A p o s t . V ä t e r n h i n . - S t a t i s t s c h e A n g a b e n in d e r R e g e l n a c h M o r g e n t h a l e r .
1 0
? V g l . M a l h e r b e , E b e n e , b e s o n d e r s 2 1 2 f.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 3 9 f. 8 9 ; K ü m m e l 3 6 2 ; V i e l h a u e r 5 6 8 f. Ä h n ­
liches ist e t w a bei L k - A p g u n d H e b r z u b e o b a c h t e n , Z e u g e n d e r s e l b e n s o z i o - e k k l e s i o l o g i s c h e n Entwick­
lung. Sato 7 1 (mit A n m 4 1 ) vermerkt, die Leserschaft des J a k repräsentiere nur eine b e s t i m m t e Sozial­
schicht; e i n e » A n r e d e a n d i e A r m e n in der K i r c h e o d e r a n d e r e G r u p p e n i n n n e r h a l b u n d a u ß e r h a l b d e r K i r ­
c h e läßt s i c h k a u m f i n d e n « .
14 Einleitung

im üblichen Bereich. Dasselbe gilt für die Anzahl der Vokabeln, die erstmals bei Jak
108
vorkommen ( 1 0 - 1 2 ; IPetr 18; I T i m 19) oder die sonst nur außerhalb der L X X
(16; IPetr 31; I T i m 57) bzw. nur in der L X X (12; IPetr 26; I T i m 10) belegt sind.
1 1 0
Die Zahl der ntl. Hapaxlegomena liegt bei 34109 (IPetr 5 5 ; I T i m 7 4 m ) . _ Auf-
112
fälliger schon ist stilistisch die Vorliebe für zusammengesetzte Adjektive (wie döi-
1
dxQixog, a x a t ä o T a x o g ^ und Verbkomposita (so fehlt z. B. einfaches eQXOum ge
114
genüber cur-, ela-, e|-, £Jt-, jraQ8QXOum) ; ebenso für den Gebrauch des Gen. von
Abstrakta statt eines Adjektivs (z. B. »Hörer der Vergeßlichkeit« 1,25; »Welt der
Ungerechtigkeit« 3,6) und für sog. technische Ausdrücke (speziell in 1,17c; 3,6a).
11
Prägend ist eine reiche Metaphorik ^; Bildgeber sind vor allem die Bereiche: »Wind,
Meer, Schiffahrt, Nautik, Astronomie« (1,6.17; 3,4), »Landwirtschaft, Pflanzen,
Wald, Wasser« (1,10 £18; 3,5.12.17 f.; 5,7.17 f.), »alltägliches Leben« (1,23 f. 26;
3,2 f.; 5,2f.), »öffentliches Leben« (1,12; 4,1; vgl. 5,3), »Sexualität, Zeugung, Schwan-
gerschaft, Geburt« (1,14 f. 18; 4,4), »Gift, Motten, Rost« (3,8; 5,2 f.). Grammatika-
lisch ist zu vermerken: eine Vorliebe für Aoriste (Imperfekt nur 2,22; auch der gno-
mische Aor. erscheint: 1,11, evtl. 1,24), ebenso für das Medium. Es fehlen genitivus
116
absolutus und A. c. I., was Zufall sein k a n n .
117 118
2. Syntaktisch und stilistisch auffällig sind: kurze Satz-Passagen , Nicht-Ver-
119
bindungen (Asyndeta) sowohl in der Aufzählung (z. B. 3,15.17; 4,2) als auch in

1 0 8
M o r g e n t h a l e r , S t a t i s t i k 1 7 5 , n e n n t 1 2 W ö r t e r , d i e L i s t e 1 7 7 n u r 10: d v e t a o g , dvefxi^EöGai, d j t o o x i a a u e i ,
öaiuervixböng, 6ii|nJxos, O o n o x ö g , nokiioiikayyy^ rcooowjToXnujrceiv, yahyaymyzly; XQUooöaxTukog
M a y o r ccxlvi zählt 13 H a p a x l e g o m e n a ( m i t d j t e i Q a o x o g ) ; z u d e m f ä n d e n sich f ü n f weitere V o k a b e l n w e d e r
in d e r L X X n o c h s o n s t i m N T : ß p u e i v , evdÄ.iog, evjt£i0r|g, Ecprifieoeog, >caxr|(peia (Wessel 1 1 5 z ä h l t n o c h
O o n o x o g h i n z u ) . B e i M a y o r ccxlvi f. a u c h d i e W ö r t e r , d i e z w a r in d e r L X X , a b e r s o n s t n i c h t i m N T v o r -
kommen.
1 0 9
S o a u c h V i e l h a u e r 5 6 8 ; M a y o r k o m m t a u f 4 2 (ccxlvi f.); H a l s o n ( 3 0 8 f.) z ä h l t s o g a r 6 7 ntl. H a p a x l e g o m e -
na; v o n d i e s e n w ü r d e n 5 2 a u s d e r L X X u n d d o r t ü b e r w i e g e n d ( 3 4 ) a u s d e n W e i s h e i t s s c h r i f t e n s t a m m e n .
D a r ü b e r h i n a u s seien 19 d e r 2 1 W ö r t e r , d i e s o n s t n u r n o c h in einer w e i t e r e n ntl. S c h r i f t v o r k o m m e n , e b e n -
falls in der W e i s h e i t s l i t e r a t u r z u h a u s e (vgl. a u c h F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 6 , z u r » g e i s t i g e n u n d s p r a c h l i c h e n
H e i m a t « d e s J a k ) . E i n z e l b e o b a c h t u n g e n n o t i e r t M a y o r ccxlvii f., s o z. B . , d a ß i m N T n u r J a k v o n » W a l d «
rede. D i b e l i u s , K E K 5 4 , w a r n t v o r I r r e f ü h r u n g e n a u f g r u n d v o n Z u f ä l l i g k e i t e n s o l c h e r Register.
1 1 0
O t t o K n o c h , D e r E r s t e u n d Z w e i t e Petrusbrief. D e r J u d a s b r i e f ( R N T ) , R e g e n s b u r g ( P u s t e t ) 1 9 9 0 , 16.
1 1 1
H e i n r i c h J u l i u s H o l t z m a n n , L e h r b u c h d e r h i s t o r i s c h - k r i t i s c h e n E i n l e i t u n g in d a s N e u e T e s t a m e n t , F r e i -
burg (Mohr) 1 8 8 6 , 3 1 7 .
1 1 2
V i e l e B e o b a c h t u n g e n h a t m a n d a z u ü b e r d i e Z e i t notiert. A u s f ü h r l i c h z. B . Schlatter, B r i e f 7 7 - 8 4 ( s p r a c h -
liche M e r k m a l e ) ; D i b e l i u s , K E K 5 3 - 5 7 ( S p r a c h e u n d Stil); M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 7 - 3 0 ( W o r t s c h a t z ,
G r a m m a t i k u n d Stil, r h e t o r i s c h e E l e m e n t e ) ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 3 - 7 9 ( S p r a c h e ) ; M a y o r ccvi-cclvii
( G r a m m a t i k u n d Stil).
1 1 3
M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 8 , stellt d e r e n 2 3 z u s a m m e n .
1 1 4
K e i n V e r b ist j e d o c h m i t zwei P r ä p o s i t i o n e n z u s a m m e n g e s e t z t : M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 8 .
1 1 5
A u f s t e l l u n g e n bei M a y o r ccxlvii, ccxlix f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 7 ; vgl. D i a z ; Spencer. - V g l . o. § 1,3 z u d e n feh-
l e n d e n S a c h b e r e i c h e n , die j e d o c h in der M e t a p h o r i k a u f t a u c h e n .
1 1 6
V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 8 ; Wessel 1 1 4 f. D g l . fehlt der O p t a t i v , allerdings ist d a s in vielen ntl. Schriften
e b e n s o der Fall; vgl. M a y o r ccxliii.
1 1 7
G i e g e r gliedert d i e »figures o f s p e e c h « in »figures involving (I) r e s e m b l a n c e , (II) c h a n g e , (III) a m p l i f i c a t i o n ,
(IV) c o n d e n s a t i o n « . III etwa ist w i e d e r u m unterteilt in » b y m e a n s o f repetition, e x p a n s i o n , d e s c r i p t i o n « , I V in
» b y m e a n s o f Omission, d i s c o n t i n u a t i o n « . Als Beispiele i m einzelnen seien g e n a n n t , u n d zwar für » e x p a n s i o n « :
P l e o n a s m u s , H y p e r b o l e , Periphrasis, K l i m a x bzw. A n a b a s i s , E p e x e g e s e .
1 1 8
Wessel 114: es finden sich n u r drei p e r i o d i s c h e Sätze, n ä m l i c h 2 , 2 - 4 ; 2 , 1 5 - 1 6 ; 4 , 1 3 - 1 5 .
1 1 9
Liste bei M a y o r ccliv.
Die kommunikative Gestalt 15
120
der Antithese (z. B. 1,19; 2,13); viele Lautangleichungen (Paronomasia) , Wort­
spiele (z. B. 1,1 f. x«tQ8iv - xotQdv, 2,20 EQywv -ctQyy]), Alliterationen (nicht nur 121

die beliebte Jt-Alliteration zu Anfang 1,2; auch in 1,17; teilweise in 4,13 f.; ferner mit
8 in 1,6; 3,8; mit X in 1,4; 3,4, u. a.) und gleiche Endungen (z. B. 2,19; 5,5.6);
122
Wiederaufnahmen (sog. flashbacks ; so besonders öii|ruxos, 1,8; 4,8; »Gesetz der
Freiheit« 1,25; 2,12; »zeigen/aus/Werke« 2,18; 3,13; xaXcog Jtoietv 2,8.19, dazu etli­
che Termini wie moxig, ooqpia, dXr|0eia, JtXovaiog, xajteiv-); Oppositionen (wie in
123
1,4-6: vollkommen/mangeln, glauben/zweifeln) -
12
3. An rhetorischen Mitteln ist di^ Diatribe ^ zu erwähnen. Dazu zählen Appellfi­
1 2
guren bzw. pragmatische Figuren 5 . Neben rhetorischen Fragen und der Metapher-
Verwendung (s. o.) rechnen dazu: Einwände möglicher Kontrahenten (2,8.14.18;
12
4,5; vg. 1 , 1 3 ) 6 , harsche Anreden (2,20; 4,4.8), Vergleiche (1,6.10 f. 23 f.; 3,3 f.5. 7.
11 f.; 4,14; 5,7), Exempla (2,21-23.25; 5,11.17 f.), Personifikationen (1,15; 2,13;
4,1; 5,4), Ironie (2,19).
4. Schwieriger ist der semitische Spracheinfluß einzuschätzen. Fr. Mußner fuhrt
127
dazu a u f : Parallelismus membrorum (z. B. 1,9), semitisierende Syntax (darunter
»konjunktionslose Hypotaxe statt eines Konditionalsatzes«: 2,18; 4,7.8.10), »Biblizis-
men« (jtoinTfig \öyov 1,22; Jtpoooojtov taxußdveiv 2,1.9), abstrakte Ausdrucksweise
(z. B. »Hörer der Vergeßlichkeit« 1,25), Stellung des Pronomens (nach Art der Suffi­
xe), Einzeltermini (Synagoge, Gehenna), Wiederholung des Pronomens (in 2,6), eine
Einzelwendung (»Leben retten« 1,21; 5,20), imperativische Partizipien und Passivum
divinum. Diese Präsentation ist differenziert zu beurteilen. Sicher ist Jak von »bibli­
scher« Sprache (LXX) mit beeinflußt, ebenso von frühchristlicher Tradition. Natür­
lich entstammen einzelne Wörter und Wendungen dem AT. Eine andere Frage ist,
wie deutlich der Einfluß ist (beim Parallelismus membrorum etwa ist er es m. E.
weniger) und inwieweit nicht auch ähnlicher Stil in der hellenistischen Koine vor­
kommt. Aufs Ganze gesehen, tritt die semitische Prägung deutlich hinter der griechi­
128 129
schen z u r ü c k . Die diversen Stilmittel wie Alliteration, Paronomasie u s w . wollen
Jak gerade als griechisches Schreiben erkennen lassen.

1 2 0
A u f s t e l l u n g bei M a y o r ccl-ccliii; vgl. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 6 .
1 2 1
Einzelheiten bei M a y o r ccliif.
2 2
1 Baasland, A N R W 1988, 3658.
1 2 3
Vgl. Frankemölle, Netz. Vgl. auch unten § 6,8.4.
1 2 4
V g l . d a z u die N o t i z e n bei D i b e l i u s , K E K 5 6 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 9 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 6 ; Gieger;
C h u r c h 4 5 - 9 1 (speziell z u J . H . R o p e s ) , generell B u l t m a n n ; Schmeller, D i a t r i b e ; S i d e b o t t o m 1 ff.
125 Vgl_ W i l h e l m Egger, M e t h o d e n l e h r e z u m N e u e n T e s t a m e n t . E i n f ü h r u n g in linguistische u n d historisch-kriti­
sche M e t h o d e n , F r e i b u r g ( H e r d e r ) 1 9 8 7 , 1 3 3 - 1 4 6 ( p r a g m a t i s c h e A n a l y s e ) .
1 2 6
S o läßt sich 2 , 1 4 ff. als D i a t r i b e bezeichnen (Heiligenthal 3 3 ff.).
i^Mußner, Jakobusbrief 30-32.
1 2 8
J a k ist a u c h k e i n e Ü b e r s e t z u n g eines a r a m ä i s c h e n O r i g i n a l s ; d i e s e früher e r ö r t e r t e F r a g e (s. M a y o r cclx-
cclxviii) w i r d h e u t e nicht m e h r gestellt.
1 2 9
Evtl. s o g a r H e x a m e t e r in 1,17; 4 , 5 .
16 Einleitung

§ 4 Inhaltliche Schwerpunkte und Situation der Adressaten

1. Themenbereiche

Jak schneidet eine Fülle von Themenbereichen an: Glaube, Anfechtung, Ausharren,
Vollkommenheit, Werke, Gebet, Zweifel, Gottes Wesen, Armut, Niedrigkeit, Reich­
tum, Leben, Begierden, Theodizee, Sünde, Tod, Reden, Tun, Gottes Wort, Seelenret­
tung, Religion, Reinheit, Sozialverhalten, Gesetz, Freiheit, Gericht, Barmherzigkeit,
Rechtfertigung, Lehren, Lenkungsfähigkeit, Segen und Fluch, Weisheit, Streit, Frie­
de, Freundschaft mit der Welt bzw. mit Gott, Hochmut, Demut, Umkehr, Verleum­
dung, Geschäftspläne, Luxus, Unrecht, Langmut, Eid, Krankheit, Sündenbekennt­
nis, Rettung aus Verirrung.
1. Die Themen wie ihre Behandlung zeigen, daß Jak sich auf den Umgang mit
Menschen, Gaben, Gütern und Gegebenheiten konzentriert; er schreibt keine Sach­
erörterungen als solche. Die Themen werden primär von der Seelsorge und von der
Ethik her beleuchtet. Jak liefert keine sozio-ökonomischen Analysen, noch äußert er
sich z. B. über die Weisheit in schöpfungstheologischer oder heilsgeschichtlicher Hin­
sicht. Ihn interessiert die Auswirkung auf zwischenmenschliches Verhalten. So wer­
den die Reichen in der Art der atl. Prophetie kritisiert; ihr Verhalten, nicht der Reich­
tum als solcher steht zur Debatte, es sei denn seine Vergänglichkeit (5,2 f.). Das glei­
che gilt für die Armut; im Vordergrund steht der Mensch (vgl. 1,11) in seiner
Beziehung zu Gott, zu sich selbst und zu anderen.
2. Jak ist, wenn man so will, primär Ethiker. !30 Der Wertekodex steht für ihn klar;
er glaubt genau zu wissen, was richtig ist. Seine Vorstellungen entsprechen weithin
den aus der jüdisch-weisheitlichen und prophetischen sowie aus der jesuanischen und
frühchristlichen Tradition überkommenen. Dazu zählen Gerechtigkeit, Barmherzig­
keit, Demut, Friedfertigkeit, Gottvertrauen, aktive Befolgung des Willens Gottes,
Eindeutigkeit, Gemeinschaftssinn, eschatologisches Ziel- und Verantwortungsbe­
wußtsein. Das sind sozusagen konservative Werte. Nirgendwo gewinnt man den Ein­
druck, Jak wolle Neuerungen einführen. Vielmehr sorgt er sich darüber, daß seitens
seiner Adressaten Bewährtes nicht festgehalten wird, daß die Integrität bedroht ist
und daß damit das Erreichen des Ziels infrage gestellt wird. - Jak vertritt eine »Ethik
auf dem Weg«. Der Mensch ist ein geschichtliches Wesen, gerufen hin zum Ziel der
Vollkommenheit, den »Lebenskranz zu empfangen« (1,4.12). Geboren vom gött­
lichen Wort, gilt es, dieses heilbringende Wort zu ergreifen und umzusetzen (1,18.
21 ff.). Die Spanne des Durchhaltens reicht bis zur Parusie des Herrn (5,7 ff.). Der
Mensch - auch und gerade der Christ - ist ein homo faber; ohne Wirken und Werke
ist Leben nicht möglich. Man muß wissen und beachten, wohin man gehört und
1 1
wohin man gelangen will bzw. soll. Weg und Ziel ^ werden von Gott bestimmt; dem
muß man sich ungeteilt widmen. Das größte Problem des Menschen ist dabei sein

1 3 0
V g l . M u ß n e r , M o t i v a t i o n ; B l o n d e l ; A u n e , N a t u r e ; E a s t o n ; T e x t e u n d T h e m e n bei M a s t o n . E x k u r s » W i r t -
s c h a f t s e t h i k « bei B u r c h a r d , H N T 1 9 5 f.
1 3 1
V g l . K l e i n s A n s a t z ; vgl. L a w s , B a s i s : E t h i k d e r I m i t a t i o D e i .
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten 17

Geteilt-Sein: im Inneren (1,8; 4,8), untereinander (4,1 ff.) und auch im Verhältnis
zur Welt bzw. zu Gott (4,4). D e m entspricht ein zumindest praktischer Dualismus.
Der »Welt« steht Gottes Wesen gegenüber; der »Weisheit von oben« die gegenteilige
(3,13-18), dem Leben der Tod (1,12.15). Jak ist vor allem an den soziologischen und
1
anthropologischen Implikationen interessiert. 32 Inmitten verschiedener Umstände
gilt es, Kurs zu halten, eindeutig zu sein.

2. Situation der Adressaten

Spiegelbildlich kann man den jak Ausführungen ein Bild der Situation der Adressaten
entnehmen. Gesellschaftliche Faktoren lassen sich dabei von theologisch-kirchlichen
nicht trennen ^ 3 , weder in der Perspektive des Verfassers noch aus der Sicht der
Adressaten. Wie die einschlägigen Passagen bei Jak (1,9-11.27; 2,1-7.15 f.; 3,9-
12.14-18; 4,1-10.11 f. 13-18; 5,1-6.9) zeigen, verwoben sich Aspekte der sozialen
Stellung und des sozialen Verhaltens mit solchen der theologischen Einschätzung.
1 3
Ekklesiologisch notieren wir eine »Kirche des Wortes« (bzw. »der Wörter«) 4 , die
ans Tun gemahnt werden muß. Man betet (1,5 f.; 4,2 f.; 5,13 ff.), hält Versammlun­
gen (2,2 ff.16), befaßt sich mit Gesetz und Schrift (1,25; 2,8 ff.21 ff; 4,5 f.), glaubt
an den einen Gott (2,19), strebt nach Weisheit (3,13-18); man spricht Friedens- und
Segenswünsche aus (2,16; 3,9 f.), man lehrt (3,1), betet Psalmen (5,13), übt Kran­
kenheilung und Sündenbekenntnis (5,14-16). Geleitet wird die Kirche von einer
zahlenmäßig offenbar unbegrenzten Pluralität von Lehrern (s. zu 3,1). Auch die
Ältesten agieren im Plur.; als ihre Tätigkeit wird freilich lediglich die Krankenheilung
genannt (5,14 f.). Von Taufe und Abendmahl, Priestern und Hirten und dgl. schreibt
Jak direkt nichts. Die Kontroversen (3,14 ff; 4,1 ff. 11 f.) »unter euch« (4,1) könnten
sich u. U. zwar auch auf innerkirchliche Auseinandersetzungen bezogen haben; von
Lehrstreitigkeiten und Irrlehren bzw. Irrlehrern verlautet allerdings nichts direkt
(5,19 meint seelsorgerlich ein »von der Wahrheit abweichen«). Die Konflikte dürften

1 3 2
V g l . a u c h u. § 6 , 8 . 4 . K . W e i ß 1 0 8 e r k e n n t als d a s d e n J a k »zur E i n h e i t z u s a m m e n s c h l i e ß e n d e M o t i v : e i n e
a u s g l ä u b i g e r B i n d u n g a n G o t t e n t s p r i n g e n d e A b s a g e a n alle F o r m e n u n d E r s c h e i n u n g e n d e r S ä k u l a r i t ä t « .
T i l l e r 9 2 0 k e n n z e i c h n e t J a k als e i n e n d e r T e x t e » t h a t d e - e m p h a s i z e t h e g e o g a p h i c c o n t o u r s o f h e a v e n a n d
hell a n d the d e t a i l s o f f u t u r e j u d g m e n t , b u t t h a t a d o p t the d u a l i s t i c d e f i n i t i o n o f reality t h a t is c h a r a c t e r i s -
tic o f a p o c a l y p t i c l i t e r a t u r e « . S . M . V a n Z y l e r k e n n t e i n e n d r e i d i m e n s i o n a l e n D u a l i s m u s , n ä m l i c h d e r
A k t a n t e n , d e s R a u m e s u n d d e r Z e i t . V g l . a u c h W o l m a r a n s , d e r als M o t i v a t i o n s z i e l d i e V e r h e i ß u n g d e s ewi­
gen Lebens der Furcht vor V e r d a m m u n g gegenüberstellt.
1 3 3
Z u m F o l g e n d e n : P o p k e s , A d r e s s a t e n 5 3 - 1 2 4 , m i t B e z u g n a h m e a u f S o u c e k , T r o c m e u. a. V g l . ferner S a t o
7 1 . W a h r s c h e i n l i c h spielt a u c h d i e T r a d i t i o n d e r » G o t t e s f ü r c h t i g e n « e i n e R o l l e (vgl. z u 2 , 1 9 ) ; s. d a z u G ü l ­
zow, S k l a v e r e i 1 2 - 1 5 ; d e r s . , G e g e b e n h e i t e n 1 9 4 ff.; K . G . K u h n / H . S t e g e m a n n , P r o s e l y t e n : P R E S u p p l . I X
1 2 4 6 - 1 2 8 3 ; Bernd Wander, Gottesfürchtige u n d Sympathisanten. Studien z u m heidnischen Umfeld von
Diasporasynagogen ( W U N T 104), T ü b i n g e n (Mohr) 1998; T h o m a s M . Finn, T h e God-Fearers Reconsi-
d e r e d : C B Q 4 7 ( 1 9 8 5 ) , 7 5 - 8 4 ; S . J . D . C o h e n , C r o s s i n g the B o u n d a r i e s a n d B e c o m i n g a J e w : H T h R 8 2
( 1 9 8 9 ) , 1 3 - 3 3 ; N i e b u h r , I d e n t i t ä t , in: J . M e h l h a u s e n ( H g . ) , P l u r a l i s m u s u n d I d e n t i t ä t , G ü t e r s l o h ( M o h n )
1 9 9 5 , 3 4 7 f.
1 3 4
V i e l e s bei d e n A d r e s s a t e n (in d e r S i c h t d e s J a k ) e r i n n e r t a n d i e R e f o r m a t i o n s z e i t (s. P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 5
mit A n m . 131); daher auch das Stichwort »Frühprotestantismus« (ebd. 1 0 4 . 1 1 9 ) . J o h n s o n , Writings 4 5 4 :
a u f d e n K o n t r a s t z w i s c h e n R e d e n u n d T u n w i e s e n a u c h bereits d i e h e l l e n i s t i s c h e n M o r a l i s t e n h i n .
18 Einleitung

daher allgemein im Konkurrenz- und Prestigedenken, das auch den Alltag (Beruf,
Geschäft, Fortkommen) einbezog, zu orten sein.

3. Schichtenübergreifendes Spannungsgefälle

Soziologisch notieren wir ein schichtenübergreifendes Spannungsgefälle.


1. Die angesprochene Gemeinde ist, aufs Ganze gesehen, eher in einer unteren
1
»Mittelschicht« (s. dazu später in 3.2-3) anzusiedeln. 35 Sie unterscheidet sich von
Leuten in Lumpen und solchen in prächtigen Gewändern (2,2-4); »die Armen« müs­
sen ihr besonders anbefohlen (2,5 f.), vor »den Reichen« muß gewarnt werden (2,6
1
f.). Die Mehrheit ist offenbar zu Hilfeleistungen in der L a g e . 3 6 Viele scheinen auf
Besitzzuwachs und Konsum aus zu sein (4,1-3). Ebenso hat es anscheinend Status­
veränderungen um des Glaubens willen gegeben, deren man sich »rühmen« soll, und
zwar für Niedrige wie Reiche (1,9 f.). Sklaven erwähnt Jak nicht, nur einmal (5,4)
Feldarbeiter/Lohnarbeiter. Vom falschen Geschäftsgebaren reden 4,13-17, vom un­
zulässigen Umgang mit Reichtum und Lohnabhängigen 5,1-6. Die Tatsache allein,
daß Jak solche Bereiche einbezieht, weist auf eine Entwicklung zu vermehrtem Wohl­
stand (wenigstens bei einigen) hin, wie sie ähnlich in der Apg und den Pastoralbrie­
1
fen begegnet. 37 Die soziale Spannweite wuchs und damit auch das Spannungspo­
tential. Ahnlich wie L k / A p g ^ plädiert Jak für einen karitativen Besitzausgleich,
nicht für einen asketischen oder kommunitären Besitzverzicht.
2. Die Bezeichnung »auf trebende Mittelschicht« ist primär wirtschaftlich zu verste­
hen. ! 3 9 Rechtlich-ständisch kannte das gesellschaftlich quasi als Pyramide aufgebau­
140
te Imperium Romanum der frühen Kaiserzeit nur zwei Schichten: eine Ober­
schicht (honestiores) und eine Unterschicht (humiliores). Die Unterschicht ist noch
weiter aufgeteilt in die plebs urbana und die plebs rustica - also nach Stadt und Land.
Die Plebs setzt sich zusammen aus ingenui (Freigeborenen), liberti (Freigelassenen)
und servi (Sklaven). Die Oberschicht beginnt beim Stand (ordo) der Dekurionen
141
und führt über den der Ritter und Senatoren zum K a i s e r . Zur Oberschicht zu
gehören, setzte natürlich auch Vermögen voraus; aber auch unter den humiliores gab

135 V g l . S a t o 5 8 - 6 3 ; als G e f a h r s p r i c h t J a k d a s R e i c h w e r d e n a n . J a k s e l b s t g e h ö r e als » L e h r e r « w o h l d e r g l e i c h e n


Sozialschicht an (66 A n m . 2 9 ) .
1 3 6
A u c h w e n n 2 , 1 5 f. d a r a u f zielen sollte, d i e H i l f e a u s d e r » G e m e i n d e k a s s e « z u leisten; s o m e i n e n D r e x h a g e ,
W i r t s c h a f t 1 6 ff. 3 4 , u n d B u r c h a r d , G e m e i n d e 3 2 5 . V g l . n o c h S e l v i d g e .
1 3 7
N ä h e r e s u n d L i t e r a t u r d a z u bei P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 1 ff., speziell 7 8 - 8 1 . W e i t e r e s s. H a h n / M ü l l e r , T h R
1 9 9 8 6 6 f. ( z u T s u j i ) .
1 3 8
D i e F o r m e l bei L k l a u t e t » W o h l t ä t i g k e i t u n d G e n ü g s a m k e i t « ; s o F r i e d r i c h W i l h e l m H o r n , G l a u b e u n d
H a n d e l n in d e r T h e o l o g i e d e s L u k a s ( G T A 2 6 ) , G ö t t i n g e n ( V & R ) 1 9 8 3 , 1 1 9 . - W e l t i n 1 6 5 ff. ( i m K a p i ­
tel ü b e r » d a s A r i s t o k r a t i s c h e « z u r c h r i s t l i c h e n E r f a h r u n g » w i t h e l i t i s m « : J a k w a r n t v o r b e s o n d e r e r A u f ­
m e r k s a m k e i t g e g e n ü b e r d e n R e i c h e n in d e r G e m e i n d e .
1 3 9
V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 8 5 ff.; J u s t i n J . M e g g i t t , Paul, Poverty a n d S u r v i v a l , E d i n b u r g ( C l a r k ) 1 9 9 8 , 4 1 - 7 3
(zur Ö k o n o m i e ) . D e s w e i t e r e n d i e A r b e i t e n v o n J u d g e ; D r e x h a g e , W i r t s c h a f t ; G r i m m ; G r a n t , B ü r g e r 7 8 ff.
(»Arbeit u n d Berufe« ). B u r c h a r d , H N T , E x k u r s » Z u r sozialen L a g e der Adressaten«.
1 4 0
S . d a z u Alföldy, G e s e l l s c h a f t , S o z i a l g e s c h i c h t e .
1 4 1
Vgl. außer Alföldy noch K . Christ, R ö m i s c h e Geschichte. Einführung, Q u e l l e n k u n d e , Bibliographie,
D a r m s t a d t ( W B G ) 1 9 7 3 , 1 9 4 f.; K l o p p e n b o r g , 1 2 7 ff.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 8 5 f. ( f a m i l i a C a e s a r i s ) .
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten 19

es Vermögende. Das System war in gewissem Grad zudem stufenweise durchlässig;


man konnte mit Geschick, Fähigkeiten, Beziehungen, Protektion, Glück und Geld
aufsteigen. Andererseits mußte man sich bemühen, auf der sozialen Leiter nicht abzu­
142
s t e i g e n . Das ganze Bild wird weiter diversifiziert durch konjunkturelle, juristische
(so bei Fragen des Bürgerrechts einer Stadt oder gar Roms) und herkunftsmäßige
143
(Landsmannschaften, Fremdlinge, Beisassen, Reisende u s w . ) . Aspekte und solche
144
der kollektiven »Lebensorganisation« (Familien, H ä u s e r , Sippen).
3. Jak hat ein differenziertes gesellschaftliches Bild vor Augen, wie es vielerorts im
Imperium Romanum anzutreffen war. (a) Soziologisch betrachtet, bewegten sich sei­
ne Adressaten primär in aufstrebenden Kreisen der humiliores, mit einem gewissen
Abstand zu den ganz Armen und mit einer Tendenz hin zu wirtschaftlich erfolgrei­
145
cheren K r e i s e n . (b) Geographisch gesehen, gibt es kaum Hinweise auf eine nähere
Einengung. Aus verschiedenen Gründen wurde Rom als Entstehungsort vorgeschla­
146
g e n . 4,13-17 könnte auf Schiffahrt und Hafennähe anspielen; man hat daraus auf
1 4
Phönizien oder Alexandrien geschlossen. 7 Aber der Text legt nichts fest. Ahnliches
gilt von 5,4 und möglichen Latifundienbesitzern. Palästinisches oder syrisches Kolo­
148
rit erkennen m a n c h e in Wendungen wie »Früh- und Spätregen« (5,7); aber auch
das ist keineswegs sicher und brauchte auch lediglich die Autorperspektive wiederzu­
149
g e b e n . Die Adressierung an »die zwölf Stämme in der Diaspora« (1,1) verweist,
150
sofern sie geographisch zu verstehen ist, auf die weite O i k o u m e n e . (c) Politisch
betrachtet, ist von Verfolgungen seitens der Behörden keine Rede. Bedrückungen

142 V g l K l o p p e n b o r g , b e s o n d e r s 1 3 0 ff., u. a. z u d e n I n s t i t u t i o n e n d e r clientelia u n d a m i c i t i a . » D a s b e d e u t e t ,


d a ß der Wettbewerb nicht zwischen den wirtschaftlich horizontal ausgelegten Schichten, sondern vielmehr
z w i s c h e n d e n vertikal g e o r d n e t e n >Pyramiden< s t a t t f a n d « ( 1 3 2 ) .
143 V g l . d i e P r o b l e m a t i k in I P e t r ; d a z u : J o h n H . Elliott, A H o m e for t h e H o m e l e s s . A S o c i o l o g i c a l E x e g e s i s o f
1 Peter, Its S i t u a t i o n a n d Strategy, P h i l a d e l p h i a ( F o r t r e s s ) 1 9 8 1 ; F e l d m e i e r .
1 4 4
N ä h e r e s in P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 3 .
1 4 5
K l o p p e n b o r g 1 3 5 ff. o r d n e t d i e j a k G e m e i n d e n d e n V e r e i n e n z u , » d i e a u s d e n n i e d r i g e n S c h i c h t e n z u ­
s a m m e n g e s e t z t waren u n d die verschiedene Strategien entwickelt h a b e n , u m sich vor A u s b e u t u n g zu schüt­
z e n « ( 1 3 5 ; N ä h e r e s 1 4 6 ff.). E i n a n d e r e s » V e r h a l t e n s m u s t e r « , t y p i s c h für d a s p a u l i n i s c h e K o r i n t h , stelle
e i n e S i t u a t i o n dar, » w o d i e O b e r s c h i c h t e n u n d U n t e r s c h i c h t e n a n w e s e n d w a r e n u n d w o d u r c h d i e A n w e ­
s e n h e i t d e r O b e r s c h i c h t G e w i n n e v e r s c h i e d e n e r A r t erzielt w u r d e n « ( 1 3 5 ) . E i n e b e s o n d e r e R o l l e s p i e l t e
d a b e i d a s P a t r o n a g e - S y s t e m ( 1 4 2 ff.); S c h u t z v o r k e h r u n g e n d a g e g e n e n t f a l t e J a k in 1 , 1 1 ; 5 , 1 - 1 1 u n d 2 , 1 - 1 3
( 1 5 0 f.). Z u r S a c h e vgl. w e i t e r T h o m a s S c h m e l l e r , H i e r a r c h i e u n d E g a l i t ä t . E i n e s o z i a l g e s c h i c h t l i c h e U n t e r ­
s u c h u n g paulinischer G e m e i n d e n u n d griechisch-römischer Vereine ( S B S 1 6 2 ) , Stuttgart ( K B W ) 1 9 9 5 .
1 4 6
D i e G r ü n d e s i n d s p r a c h g e s c h i c h t l i c h e r A r t u n d w e r d e n a u s d e r N ä h e z u l C l e m , B a r n , H e r r n usw. e r s c h l o s ­
sen. L a w s , C o m m e n t a r y 26; Marshall, Character 2 1 1 - 2 5 0 , Local.
1 4 7
S. d a z u i m K o m m e n t a r z u 4 , 1 3 - 1 7 . - J o h n s o n v e r w e i s t v o r a l l e m a u f 1 , 1 1 ; 3 , 6 ; 3 , 1 1 f.; 4 , 1 3 ; 5 , 4 . 7 .
1 4 8
V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 1 f. F ü r P a l ä s t i n a z. B . : H a d i d i a n ; W i l h e l m M i c h a e l i s , E i n l e i t u n g in d a s
N e u e T e s t a m e n t , B e r n ( H a l l e r ) 3. Aufl. 1 9 6 1 , 2 7 4 - 2 8 2 ; D a v i d s , C o m m e n t a r y 1 8 3 f.; G e y s e r ; Penner, E p i s t ­
le 7 5 ff. 2 6 0 . F ü r G a l i l ä a : E l l i o t t - B i n n s 1 2 5 (zu 5,7: m e h r l ä n d l i c h als s t ä d t i s c h ) . A b w ä g u n g der A r g u m e n t e
bei D e p p e 1 9 1 - 1 9 4 : P a l ä s t i n a b l e i b e zwar »eine g u t e H y p o t h e s e « a b e r d i e B e g r ü n d u n g e n seien n i c h t ü b e r
Zweifel e r h a b e n ( 1 9 4 ) . - F ü r Syrien: N o a c k 2 4 ; S h e p h e r d 5 0 . - F ü r A l e x a n d r i a : S c h n e l l e 4 0 2 ( A n h a l t s p u n k ­
te: » M e e r / W a s s e r « in 1,6; 3 , 7 . 1 2 ; 5 , 7 . 1 8 ; »Schiffe« in 3 , 4 ; » g l o b a l e H a n d e l s b e z i e h u n g e n « in 4 , 1 3 ff).
1 4 9
S . d a z u i m K o m m e n t a r z. S t . ; Penner, E p i s t l e 2 6 3 : D e r T e x t läßt k e i n e » b e w u ß t i n t e n d i e r t e n J e r u s a l e m e r
Beziehungen« erkennen.
1 5 0
H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 5 ; N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e ; T s u j i . W e i t e r e s d a z u u. in § 7 , 3 u n d i m K o m m e n ­
tar z u 1 , 1 . J ü d i s c h e A n w o h n e r g a b es ( a u s u n t e r s c h i e d l i c h e n G r ü n d e n ) u. a. in M e s o p o t a m i e n , Ä g y p t e n ,
K l e i n a s i e n , G r i e c h e n l a n d , Italien, C y r e n a i c a u n d w e i t e r i m W e s t e n . V g l . d i e L i s t e n A p g 2 , 9 - 1 1 ; 6 , 9 ; I P e t r
1 , 1 ; P h i l o L e g G a i 2 8 1 f. B a r c l a y b e f a ß t sich z u e r s t m i t Ä g y p t e n , d a n a c h m i t » a n d e r e n m e d i t e r r a n e n O r t -
20 Einleitung

erfolgen durch »die Reichen«, die sogar »vor Gericht schleppen« (2,6 f.); das ist
jedoch keine staatliche Maßnahme. Dasselbe gilt für das Vorenthalten von Lohn
(5,4). Nur 5,6 erwähnt ein »Töten des Gerechten«; die Angabe ist allerdings inter­
1 5 1
pretationsbedürftig. Pogrome oder auch nur Angriffe seitens böswilliger Nachbarn
oder Kollegen (wie in IPetr 4,3 ff.) werden nicht notiert. Eher schon sind Ubergriffe
untereinander zu beklagen (3,14; 4,1 ff), wobei freilich auch diese Angaben unter­
schiedlich gedeutet werden. Es ist jedoch reine Vermutung und wenig wahrschein­
lich, sie auf Auseinandersetzungen im Zusammenhang des Jüdischen Krieges 66-70
152
zu b e z i e h e n . Das Problem bei den Adressaten sieht Jak gerade in ihrer »Freund­
schaft mit der Welt« (4,4); sie richten sich nach den Maßstäben der Welt, verhalten
sich dementsprechend und erstreben Gewinn und Lust nach Art der Welt.

4. M a n hat versucht, die g e s a m t e K o r r e s p o n d e n z (Autor u n d Adressaten) in e i n e m quasi-sektenhaf-


ten eschatologischen Milieu zu verorten. *53 Ä h n l i c h wie es bei M t der Fall sei, h a b e der j a k Kreis in
1
kritischer N ä h e z u m J u d e n t u m g e s t a n d e n . 5 4 N e b e n einer eschatologischen B a l d - E r w a r t u n g (s.
5,7 ff.) h a b e d e n Kreis ein geradezu jurisdiktionelles G e m e i n s c h a f t s l e b e n geprägt, vergleichbar m i t
1 5 5
d e n Q u m r a n - E s s e n e r n . Speziell w i r d die S z e n e in J a k 2 , 2 - 4 d a h i n g e h e n d a u s g e l e g t : In dieser
1 5 6
» S y n a g o g e « sei m a n z u m Z w e c k der R e c h t s p r e c h u n g z u s a m m e n g e k o m m e n . A l s j ü d i s c h e Sekte
157
h a b e der Kreis a u c h Verfolgungen seitens der J u d e n e r l i t t e n . - G e g e n eine solche Plazierung ist
j e d o c h anzuführen: D i e S z e n e 2 , 2 - 4 handelt nicht v o n J u r i s d i k t i o n ; die E s c h a t o l o g i e ist w e n i g s p e ­
zifisch; j ü d i s c h e T h e m e n fehlen weithin; ein »Erbstreit« über das A T u n d d a s V o l k - G o t t e s - S e i n (wie
bei M t ) ist nicht erkennbar; d a ß »die R e i c h e n « J u d e n seien, legt der Text n i r g e n d w o nahe. D a m i t
verlieren a u c h die A n g a b e n über ein »sektenhaftes M i l i e u « ihre Plausibilität.
5. E i n anderer Versuch der V e r o r t u n g der internen S p a n n u n g e n (speziell in 2 , 1 - 3 , 1 2 ; vgl. 5 , 1 -
6) bezieht diese a u f d e n K o n f l i k t zwischen Wandercharismatikern u n d lokalen F ü h r e r n (z. T . reiche
1 5 8
Patrone der G e m e i n d e ) . Z u r D e b a t t e stehe laut 3 , 1 - 1 2 die Lehrqualifikation; die in 2 , 1 4 - 2 6
159
geforderten »Werke« seien (wie die bei A b r a h a m u n d R e b e c c a ) solche der G a s t f r e u n d s c h a f t , u n d
zwar hier g e g e n ü b e r d e n W a n d e r p r e d i g e r n . Letztere seien a u c h m i t d e n » A r m e n für die Welt« in
2 , 1 - 1 2 identisch; sie dürften nicht hinter d e n L o k a l h o n o r a t i o r e n zurückgestellt w e r d e n . N i c h t also
u m einen sozialen K l a s s e n k o n f l i k t h a n d e l e es sich, s o n d e r n u m d e n zwischen zwei christlichen T r a ­
ditionskreisen (vgl. D i d , M t , E v T h o m ) . D i e A d r e s s a t e n m ü ß t e n nicht nur in Palästina u n d W e s t ­
syrien zu s u c h e n sein; vielmehr ließen sich ähnliche Verhältnisse a u c h a u f die D i a s p o r a , inkl. p a u l

lichkeiten«: C y r e n a i c a , Syrien, A s i a , R o m . - Als D i a s p o r a galt u r s p r ü n g l i c h (seit d e m b a b y l o n i s c h e n Exil)


der O s t e n ; vgl. M a y o r cxxxvii ( m i t H i n w e i s a u f J o s e p h Bell p r o o e m 1,2); g a n z a n d e r s also als in IPetr 1,1
(nördliches u n d mittleres K l e i n a s i e n ) .
1 5 1
S. dazu i m Kommentar.
1 5 2
T o w n s e n d , Z e a l o t r y (etwas z u r ü c k h a l t e n d e r in E p i s t l e xxxiv f.): für die J a h r e vor 6 6 g e b e es bei J a k H i n w e i s e
a u f d e n z u n e h m e n d e n »class warfare« seitens nationalistischer j ü d . G r u p p e n u n d a u f die V e r s u c h u n g für die
christliche G e m e i n d e in J e r u s a l e m , n a c h materieller Sicherheit z u greifen u n d in d i e bewaffnete A u s e i n ­
a n d e r s e t z u n g involviert z u werden; s. 4 , 1 - 4 ; M a r t i n , L i f e - S e t t i n g , W B C lxviii f.: J a k h a b e in diesen T u r b u ­
lenzen z u m F r i e d e n gerufen ( L i f e - S e t t i n g 1 0 0 ) .
!53 W a r d , C o n c e r n ; Penner ( b e s o n d e r s 2 6 9 f.), J o h n s o n , A n c B 8 3 ; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 8 . 6 1 . 6 7 .
1 5 4
V g l . Penner, E p i s t l e 2 6 9 f. ( d o r t A n m . 1 L i t e r a t u r ) .
1 5 5
W a r d , Partiality, C o n c e r n .
1 5 6
D e s h a l b w e r d e a u c h W e r t a u f gleiche K l e i d u n g (wie v o r e i n e m r a b b i n i s c h e n G e r i c h t ) gelegt; v g l .
H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 7 . Z u d e n A u s w i r k u n g e n a u f d e n K o n t e x t in J a k 2 vgl. Penner, E p i s t l e 2 7 0 .
1 5 7
Penner, E p i s t l e 2 7 0 ff.; » d i e R e i c h e n « w ä r e n d e m n a c h »rival J e w i s h g r o u p s « u. ä. ( 2 7 3 ) . A u c h M u ß n e r ,
J a k o b u s b r i e f p a s s i m , sieht die ( a r m e n ) C h r i s t e n v o n (reichen) J u d e n b e d r ü c k t .
1 5 8
Patterson. V g l . bereits ders., T h e G o s p e l o f T h o m a s a n d J e s u s , S o n o m a (Polebridge) 1 9 9 3 , 1 7 8 - 1 8 8 ( z u
2 , 1 - 3 , 1 2 ) . Z u m P h ä n o m e n vgl. T h e i ß e n 7 9 - 1 0 5 ; Schmeller, W a n d e r c h a r i s m a t i k e r .
1 5 9
S o vor allem W a r d , A b r a h a m .
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten 21

M i s s i o n s g e m e i n d e n , ü b e r t r a g e n . - S c h o n der letzte A s p e k t b l e i b t f r a g w ü r d i g ; u n s i c h e r ist z u d e m


d i e I n t e r p r e t a t i o n der » W e r k e « A b r a h a m s (s. z. S t . ) ; 3 , 1 - 1 2 g e h t n i c h t v o n e i n e m Gegensatz
1 6 0
» w i r / i h r « a u s ( w o b e i d e r Verfasser d i e Seite der W a n d e r c h a r i s m a t i k e r vertreten w ü r d e ) ; wenn
l a u t 2 , 2 ein M e n s c h in L u m p e n ( d . h. ein » W a n d e r n d e r « ) » h i n e i n k o m m t « ( a n s c h e i n e n d v o n u n t e r ­
w e g s ) , k a n n m a n d i e s e l b e T e r m i n o l o g i e n i c h t g u t für d e n L o k a l p a t r o n v e r w e n d e n . D i e T h e s e läßt
z u viele F r a g e n u n b e a n t w o r t e t .

4. Selbstverständnis der Adressaten

Das theologische Selbstverständnis der Adressaten scheint ihrem gesellschaftlichen Ver­


halten entsprochen zu haben. Man kann von einem theologischen Reduktionismus
sprechen. Aus ihrer eigenen Perspektive könnte man sie etwa mit folgenden Stich­
161
wörtern charakterisieren :
1. (a) » Weltoffenheit und Liberalität«. Was Jak als Weltliebe tadelt, ist für die Adres­
saten vielleicht so etwas wie Engagement im Beruf, Chancenausnützung, Vorankom­
men im Leben gewesen (4,1 ff. 13-16; 5,1-6). Traditionelle, »gesetzliche« Grenzen
sind durchbrochen; das »Gesetz der Freiheit« (1,25;2,12) gilt auch im Alltag. - (b)
»Aufstieg und Prestige«. Die sozio-ökonomischen Gegebenheiten lassen anscheinend
nur die Wahl zwischen Verelendung und Emporkommen (2,1 ff.). Das Evangelium
setzt positive Lebensenergien frei; der Lebensstandard wird gefördert. Die Orientie­
rung nach »oben« (sozial gesehen) erzeugt eine Erfolgsmentalität (2,2 ff.; 4,1 ff. 13-16;
1 6 2
5 , l - 6 ) , verbunden mit Geltungsanspruch, der sich auch auf kirchliche Befähigun­
gen (wie speziell zum Lehrer-Sein: 3,1 ff.) auswirkt. - (c) »Offene Gesellschaft und
(gesunde) Rivalität«. Nicht nur die römische Gesellschaft bot Aufstiegsmöglichkeiten,
sondern auch die christliche Gemeinde. Die offene Zahl der Lehrer (3,1) etwa begün­
stigt Entfaltungsmöglichkeiten; auch sonst scheint keine Hierarchie das Einbringen
unterschiedlicher Begabungen erschwert zu haben. Konkurrenzdenken, Eifersüchte­
leien, Überheblichkeit und mangelnde Rücksichtnahme bildeten die Kehrseite sol­
cher relativen Chancengleichheit (3,9 f. 14; 4,1 ff.). - (d) »Etablierung und Selbst-
rechtfertigung«. Die Adressaten haben sich in der Welt eingerichtet und wissen das
offenbar auch zu rechtfertigen (1,26;2,8 ff. 14 ff; 3,13 f.). Die Versammlungen sind
anscheinend einladend (2,2-4); man glaubt an den einen Gott (2,19), betet, man ist
fromm, religiös usw. (1,26; 2,16; 3,9 f.; 4,2 f.; 5,13 f f ) . Gewiß, nicht immer versteht
man die Wege Gottes, so daß sich u. U. die Theodizeefrage erhebt (1,13). Muß man
jedoch für jede Geschäftsreise extra den Willen Gottes erfragen (4,13 ff)? Könnte das
nicht evtl. gar nach heidnischer Augurenschau aussehen?

1 6 0
J a k v o t i e r t j e d o c h n i r g e n d s f ü r Besitzverzicht; v o m » U n t e r w e g s - S e i n « ist g e r a d e b e i d e n R e i c h e n d i e R e d e
(1,11; 4,13 f f ) .
1 6 1
S . d a z u P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 2 1 - 1 2 4 . V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 7 f.; R u e g g 2 3 7 : » O n v o i t ainsi s e
d e s s i n e r l ' i m a g e d ' u n e c o m m u n a u t e d e la fin d u p r e m i e r siecle, o u v e r t e a u x p o s s i b i l i t e s q u e l'actualite p o l i -
t i q u e et e c o n o m i q u e offre a u x villes d e p r o v i n c e « .
162 V g l d a s p r o t e s t a n t i s c h e B e r u f s - u n d A r b e i t s e t h o s , speziell i m C a l v i n i s m u s (s. o. z u m S t i c h w o r t » F r ü h p r o ­
testantismus«). M a x Weber, D i e protestantische Ethik. E i n e A u f s a t z s a m m l u n g , hg. von J o h a n n e s Winckel-
m a n n ( S i e b e n s t e r n - T B 5 3 - 5 4 ) , M ü n c h e n / H a m b u r g (Siebenstern) 1 9 6 5 ( = 1 9 2 0 ) ; II Kritiken u n d Antikri­
tiken, G ü t e r s l o h ( M o h n ) 5. Aufl. 1 9 7 8 .
22 Einleitung

2. Es ist diese vermeintliche Normalität der christlichen Existenz, die Jak nicht hin­
zunehmen bereit ist. Einmal aus theologischen Gründen, so daß er fragt: Ist die
Beziehung zu Gott angemessen, lebendig, gott-gemäß (1,16 ff; 2,5 ff. 8-13;3,9f.l4-
18; 4,4 ff.; 5,4.8 f 1 2 ) ? 3 Oder ist sie funktionalisiert worden zugunsten eines Chris­
1 6

tentums des »do it yourself«, das nicht auf Gott hört (2,8 ff.;4,l ff 13-17)? Z u m ande­
ren aus sozial-ethischen Gründen, mit den Fragen: Geraten nicht zu viele unter die
Räder - die vermeintlich Unbrauchbaren, nur Hinderlichen (1,27; 2,2 ff.)? Wird
nicht die Gemeinschaft ausgehölt und mißbraucht (2,14 f.; 3,9 f. 13-18; 4,1 ff; 5,1-
6)? Und ferner aus anthropologisch-eschatologischen Gründen: Wird der Mensch
wieder »ganz«, »ungeteilt«, »integriert«? Wird er sein von Gott gestecktes und ermög­
lichtes Ziel erreichen (1,2 ff.l2;26 f.; 2,12 f. 14 ff.; 3,2.9-12; 5,7 ff.)?

5. Grundlinien der Theologie des Jakobus

1
Die Grundlinien derjak Theologie ^ ergeben folgendes Bild.
1. Jak denkt theozentrisch. Das Wort 6eög gehört zu den geläufigsten Vokabeln bei
16 166
i h m . 5 Oft wird ebenfalls xuQiog verwendet , teilweise auch für Jesus Christus
167
(1,1; 2,1, in beiden Fällen eindeutig abgesetzt) ; manche Stellen können nicht ein­
168 169
deutig zugewiesen w e r d e n , was entsprechend für »Name (des Herrn)« g i l t . Jak
ist anscheinend nicht an einer deutlichen Differenzierung zwischen Gott und Chri­
stus gelegen. Gott wird ferner als Gesetzgeber bezeichnet (2,10 f.; 4,12), und zwar in
enger Verbindung zu »Richter« bzw. Gericht (2,12 f.; 4,9.11 f.; dazu noch 5,9-12).
Zweimal tritt »Vater« zu »Gott« (1,27) bzw. »Herr« (3,9); an beiden Stellen geht es
um die Beziehung zu Gott (6or]Oxeia bzw. et^oyea)), die durch »Vater« eine stärker
persönliche Färbung erhält; speziell ist Gottes Fürsorge für Menschen impliziert.
Daneben wird Gott »Vater der Lichter« genannt (1,17). Das alles sind relativ kon­
ventionelle Aussagen. Wichtig ist für Jak die Verläßlichkeit, Unveränderbarkeit
(1,17) und vor allem die unbezweifelbare Güte Gottes. Gott schenkt, ohne zu be­
schämen oder zu beschimpfen (1,5), allerdings nur dem Beter mit lauteren und ein­
deutigen Vorsätzen (1,6-8; 4,1-3). Z u m Gebet kann ermutigt werden (5,13 ff). Das
Schreien der Benachteiligten erreicht Gottes (des »Herrn Zebaoth«) Ohren (5,4).
Von ihm (»von oben«) kommt Gutes (1,17). Gott ist unversuchbar zu bösen Dingen
und verleitet niemanden zum Fall (1,13). Ebenso ist die »Weisheit von oben« quali­
tativ eindeutig positiv (3,17 f.). Bei Gott gibt es keinerlei Unklarheiten oder Grauzo­
nen (1,17); deshalb darf das Verhältnis zu ihm auch nicht gespalten oder unklar sein

1 6 3
D i e T h e o z e n t r i k b e t o n t b e s o n d e r s F r a n k e m ö l l e , Ö T K p a s s i m ; ein G e g e n s a t z z u r C h r i s t u s - B e z o g e n h e i t sei
darin allerdings nicht zu erblicken.
1 6 4
M a n k a n n bei J a k d u r c h a u s v o n einer T h e o l o g i e s p r e c h e n ; m i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 5 ff.; a n d e r s B u r ­
chard, H N T 18-20.
1 6
5 1 , 1 . 5 . 1 3 . 2 0 . 2 7 ; 2 , 5 . 1 9 . 2 3 ; 3 , 9 ; 4 , 4 . 6 . 7 . 8 . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 7 f., w e i s t z u R e c h t a u c h a u f p a s s i v a d i v i -
na u n d andere implizite E r w ä h n u n g e n hin.
1 6 6
1,7; 3 , 9 ; 4 , 1 0 . 1 5 ; 5 , 4 . 7 . 8 . 1 0 . 1 1 . 1 4 . 1 5 .
J
67 W o h l a u c h 5 , 7 . 8 ( P a r u s i e ) .
168 V g l d i e E x e g e s e v o n 5 , 1 1 . 1 4 .
1 6
9 S. besonders zu 2 , 7 u n d 5,14. Vgl. R u c k - S c h r ö d e r 2 3 2 - 2 3 8 .
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten 23

(1,6-8; 3,8-12; 4,4 ff.; 5,12). Gnade und Hilfe gewährt er dem, der sich ihm in Glau­
ben und Demut nähert (1,6-8; 4,6-10.15; 5,15-18). Der ganze Brief ist ein Plädoyer
für Gottes Eindeutigkeit, Güte und Verläßlichkeit, einschließlich seiner Unbestech­
1 7 0
lichkeit (2,13; 5 , l - 6 ) . Die Gottesdarstellung des Jak trägt insofern apologetische
Züge; die Theodizeefrage kommt expressis verbis 1,13 zu Wort, implizit auch sonst
(so 1,16 f.).
Jak möchte seine Adressaten Gottes gewiß machen, damit alle Gespaltenheit, aller
Zweifel und alles Versagen auf menschlicher Seite überwunden werden. Gottes Ver­
läßlichkeit gründet in seinem Wesen; als »Vater der Lichter« ist er in seiner Unverän-
1 7 1
derlichkeit über die Wechselhaftigkeit der Natur erhaben (1,17) ; mit dem Bösen
hat Gott nichts zu schaffen (1,13; 3,15-18). Der Wille Gottes ist auf Gutes und Heil
aus, sei es als Schöpfer (1,18.21), sei es als Lenker menschlicher Lebensgestaltung
(4,15-17). Seine Güte erweist sich nicht nur im Geben, sondern auch in seiner Barm­
herzigkeit, ist doch Erbarmen der Maßstab im Gericht (2,13). Gottes Herz ist mit
den Niedrigen, Mittellosen, Bedürftigen und Mißhandelten (1,9; 1,27; 2,2 ff. 15 f.;
4,6-10; 5,1-6.14-16), nicht mit den Hochmütigen (1,10 f.; 4,6). Seine Gerechtigkeit
steht menschlichem Zorn fern (1,20); Sanftmut und Friede entsprechen dagegen sei­
nem Wesen (1,21; 3,13.17 f.). Die jak Gotteslehre ist, wie solche Gegensätze zeigen,
durchaus dualistisch angelegt, ohne daß Jak eigens etwas zur Herkunft des Bösen
bringt (vgl. zu 1,13-15; 2,4; 3,6; 5,1-6). Man kann nicht zugleich Freund Gottes und
der Welt sein (4,4); Gottes Weisheit steht in klarem Gegenüber zu der »irdischen,
psychischen, dämonischen«, die zu »Fanatismus, Parteiengeist, Chaos und jederlei
Übel« führt (3,15 f.). Was »Religion« (Oorjöxeia) heißt, hat deswegen klare Kontu­
ren: für die Bedürftigen eintreten und sich von der Welt unbefleckt halten (1,27). -
m
Eine Christologie entfaltet Jak nicht eigens. Sie ist weitgehend Teil der Gotteslehre,
wie die Verbindung in 1,1 und der Gebrauch von »Herr« (s. o.) anzeigen. Der »Herr
Jesus Christus« (sowohl 1,1 als auch 2,1 verwenden die volle Bezeichnung) ist auf
173
jeden Fall Hoheitsfigur - neben Gott und als K y r i o s . Er ist der »Herr der Herr­
174
lichkeit« (2,1; s. im Kommentar zum näheren Verständnis). Seine Parusie steht
bevor (5,8 f.), wobei er zugleich als Richter amtiert (5,9; vgl. im Kommentar). Jak
denkt also offenbar nur an den erhöhten und wiederkehrenden Christus; von seiner
Inkarnation wird ebensowenig etwas ausgeführt wie von seinem Tod oder seiner Auf-
175
erweckung. Die wenigen christologischen Aussagen spiegeln die Einstellung eines
176
Christen, dem Christus als Autorität gegenwärtig etwas bedeutet. - Von einer
Pneumatologie findet man bei Jak so gut wie gar keine Spuren. 2,26 ist doch wohl

170 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 7 f.
171 N ä h e r e s in d e r E x e g e s e v o n 1 , 1 7 , a u c h z u einer g e w i s s e n V e r w a n d t s c h a f t m i t A r i s t o t e l e s ü b e r d e n » u n b e ­
wegten Beweger«.
172 V g l . d e n E x k u r s bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 7 6 - 3 8 7 .
7 3
1 D a s H e r r - S e i n C h r i s t i stellt a u c h F r a n k e m ö l l e h e r a u s : e b d . 3 7 9 ff.
174 D i e Stelle ist s c h o n w e g e n d e r S y n t a x u m s t r i t t e n .
175 U m s t r i t t e n ist d i e F r a g e , o b J a k - a u c h für d i e C h r i s t o l o g i e - W e i s h e i t s t h e o l o g i e ü b e r n i m m t ; s. d a z u u.
§ 5,2 (mit Literatur). Skeptisch Burchard, H N T 155-158.
6
17 Z w a r v e r b u c h t m a n für J a k e i n e R e i h e v o n B e z u g n a h m e n a u f d i e J e s u s - T r a d i t i o n (s. u. § 5 , 3 ) , d i e j e d o c h
n i e als s o l c h e g e k e n n z e i c h n e t w i r d . F a k t i s c h b e t r a c h t e t J a k dieses G u t als A u t o r i t ä t ; d e s s e n u n g e a c h t e t , tritt
d e r i r d i s c h e J e s u s bei J a k n i c h t in E r s c h e i n u n g .
24 Einleitung

anthropologisch zu verstehen, desgleichen 4,5 (der Vers ist allerdings kaum aufklärbar;
s. z. St.). Wörter wie »Charisma« verwendet Jak nicht. - Auch die Soteriologie ist bei Jak
Teil der Gotteslehre; einen christologischen Zusammenhang legt er nicht dar. Heils­
wirksam ist laut 1,18.21 das »Wort der Wahrheit« bzw. das »eingepflanzte Wort«, mit
dem Gott »uns zur Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe« macht und das »die Seelen retten
kann«. Soteriologische Terminologie findet sich auch in 2,14 ff. Teilweise ist dort die
Rettung im Endgericht gemeint (vgl. 2,13), teilweise aber ist anscheinend auch an
einen gegenwärtigen Heilsstand gedacht (vgl. zu 2,23). Dieselbe Ambivalenz findet
sich in 5,15 f im Kontext von Krankenheilung und Sündenvergebung. Unbestritten ist
Gottes Wille auf Heil aus; die zeitliche Komponente (futurisch-eschatologisch oder
gegenwärtig) ist für Jak nicht entscheidend (vgl. auch zu 1,4 »vollkommen und unver­
sehrt sein«; 3,2 »vollkommener Mann«; 5,6 »des Gerechten«), Auf jeden Fall ist die
soteriologische Perspektive wesentlich für die christliche Existenz. Gottes Absicht ist,
daß wir (in Ausdauer und Geduld) das Ziel erreichen, den »Lebenskranz« empfangen
(1,12), das »Reich ererben« (2,5; vgl. 5,7 ff); entsprechend soll der Christ sich gegen­
über gefährdeten Weggenossen geradezu soteriologisch verhalten (5,19 f.: ejuatoecpeiv,
ocp^eiv). Spiegelbildlich zeigen das ebenfalls die Gerichtsaussagen: Barmherzigkeit
wird sich gegen das Gericht durchsetzen (2,13); rechtes Gemeinschaftsverhalten und
eindeutige Rede entheben dem Gericht (5,9.12). Gott kann freilich auch ins Verderben
bringen, nicht nur retten (4,12); das ist gegenüber einem Mißbrauch der Güte Gottes
zu betonen. Die Begrifflichkeit »rechtfertigen/Gerechtigkeit« (2,21.23.24.25) wird im
Kontext der offenbar umstrittenen Auslegung von Gen 15,6 benutzt; Jak greift sie
angesichts der Begründung der Rechtfertigung auf: »nicht aus Glauben ohne Werke«.
Als Interpretamente erscheinen »nützen, retten« (2,14-17) und »Freund Gottes ge­
nannt werden« (2,23). Gerade letzteres, also die uneingefärbte gute Beziehung zu Gott
ist Ausdruck des Heils (vgl. 4,4).
2. Die Eschatologie ist für Jak zwar kein eigenständiges Thema, aber gleichwohl ein
wichtiger Aspekt, und zwar als Zielpunkt des »Menschen auf dem Weg«. Das hat
Auswirkungen auf die Ethik, die entsprechend eine »Ethik auf dem Weg« ist (s. o.
1 . 2 ^ 7 ) ; deswegen spielen Ausdauer und Geduld eine große Rolle (1,3 ff; 5,7 ff). Das
Eschaton umfaßt positive wie kritische Elemente, Vollendung wie Gericht. Verhei­
ßung und Verpflichtung signalisieren »vollkommen und unversehrt« (1,4) und
»Kranz des Lebens« (1,12). Positive Zielangaben enthalten zudem die ocp^eiv-Aussa-
gen (speziell 1,21; 2,14; 4,12; 5,20) und »Erben der ß a ö d e i a (Gottes)« (2,5); Jak
expliziert freilich diese für ihn eher überkommenen Begriffe nicht. Die »Parusie des
Herrn« ist einerseits Motivation zu Ausdauer und Stärkungsmaßnahmen (5,7 f.),
andererseits Warnung vor gemeinschafts-schädigendem Verhalten (5,9). Denn sie ist
mit dem Gericht verbunden (5,9.12). Gottes Gericht wendet sich primär gegen nega­
tives zwischenmenschliches Verhalten (2,12 f.; 3,1; 4,11 f.; 5,3 f.9.12); die Konse­
quenzen für die Ethik liegen auf der Hand, speziell Barmherzigkeit (1,27; 2,2
ff. 13.15f.; 5,4). Das Gericht trifft ebenso die Hochmütigen und Selbstgefälligen
178
(4,7 ff; 5,1-6); Demut und Selbsterniedrigung sind angesagt ( 1 , 9 - 1 1 ; 4,7-10).

1 7 7
D o r t auch Literatur.
7 8
In 1 , 9 - 1 1 ist a l l e r d i n g s n i c h t a n d a s e s c h a t o l o g i s c h e G e r i c h t g e d a c h t ; s. z. St.
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten 25

Angesichts des unbestechlichen Gerichts ohne Ansehen der Person wird zu kritischer
Selbstanalyse gemahnt (1,19 f.22-25.26 f.; 2,1 ff. 14 ff; 3,1 ff. 13-18; 4,1 ff. 11 f 13-
17; 5,9.12), damit man nicht der Selbsttäuschung anheimfällt, nicht zuletzt in der
mißbräuchlichen Rezeption theologischer Werte, darunter Gerechtigkeit Gottes
(1,20), Freiheit (1,15; 2,12), Liebesgebot (2,8 ff), Glaube (2,14-26), Lehrdienst
(3,1 ff.) und Weisheit (3,13-18). Man kann das Ziel verfehlen. Zwar ist Gottes Ver­
heißung (1,12; 2,5) eindeutig, aber der Christ ist vor Verirrung (1,16; 5,19 f.) nicht
gefeit. Falsche Heilssicherheit ist deswegen fehl am Platze. Das von Gott gesetzte
Eschaton als solches ist klar; das Problem bildet der Mensch selbst (vgl. o. § 3,2). Er
muß sich immer wieder am Eschaton orientieren und korrigieren.
3. Die jak Anthropologie ist relational ausgerichtet; der Mensch steht in Beziehung
zu anderen. Jak legt darauf Wert, daß die Beziehungen geklärt sind und bleiben. Das
hat unmittelbare Auswirkungen auf die Ekklesiologie und auf das Verhältnis zu Gott.
Weil Gott und Welt dualistisch zueinander stehen (s. o. § 4,1), muß die Beziehung
des Christen zur Welt von kritischem Abstand bestimmt sein (1,27); man darf nicht
»Freund der Welt« sein (4,4). Der Kosmos begegnet vor allem als Verführer zu unso­
zialem Streben (2,2 ff; 4,1-3.13-17; 5,1-6), speziell zu Reichtum und Prestige. Eben
die Unsozialität bis hin zur Inhumanität macht das Wesen der Welt aus. Orientierung
an der Welt führt zu Streit, Rücksichtslosigkeit, Chaos, Ungerechtigkeit (2,2 ff; 3,6.
19 f. 13-18; 4,1 ff; 4,13-5,6); an solchen Stellen greift Jak sogar zu einer bei ihm sonst
1 7 9
kaum vorhandenen transzendenten Begrifflichkeit (3,6.15; 4 , 7 ) . Kosmos steht
somit für eine Existenz in negativen, schädlichen Beziehungen. Der Christ soll nicht
nur in Demut vor Gott Distanz zur Welt wahren (4,7 ff), sondern auch sein eigenes
Verhalten überprüfen (1,26 f.; 3,1 ff. 13-18; 4,1-3). Die größte Gefährdung geht von
der »Welt in ihm« aus (1,13-15; 3,5 ff; 4,1-3). Gegenüber der Orientierung hin zur
Welt steht die Relation zu Gott; sie kann und soll ungetrübt und eindeutig sein, nicht
»zweigeteilt« (1,8; 4,8). Das Vokabular dafür entstammt teilweise der kultischen Tra­
dition: »rein, heilig« usw. (1,27; 3,17; 4,8), teils der forensischen: »gerecht, unvorein­
genommen, untadelig« usw. (1,20; 2,1.8 ff. 21-25; 3,1 f.; 4,9 f.; 5,9.12). Die Relation
zu Gott, dem Vater, soll gekennzeichnet sein durch Glaube (1,6), Demut (4,7 ff.) und
Gerechtigkeit (5,16); dann steht das Gebet unter der Erhörungs-Verheißung (1,5 ff;
4,1-3; 5,13 ff). Wesentlicher als die individuelle Relation zu Gott (so 1,5-8; 5,13) ist
für Jak die kollektive, also unter Einbeziehung der Mitmenschen und speziell Mit­
christen. Die Menschen sind xaO' ÖUXHOOÖIV Oeoü geschaffen (3,9); diese einzige Stel­
le mit dem Motiv »imago Dei« wendet sich gegen das Verfluchen von Menschen und
stellt zugleich klar, wie die Eulogie Gottes aussehen muß. Wie für IJoh (2,9 ff;
3,14 ff; 4,7 ff.) ist es für Jak unmöglich, daß jemand Gott liebt und die Geschwister
übel behandelt (bis hin zur gleichen Konkretion: Jak 2,15 f.; IJoh 3,17). Ist die Bezie­
hung jedoch in beiderlei Richtung klar, so wird der Mensch ein »Freund Gottes« wie
Abraham (2,23; 4,4). Dann kann Gott zu Recht »Vater« genannt werden (1,27; 3,9).
Die Ekklesiologie kommt bei Jak direkt nur im Kontext von Ethik und Anthropo­
logie zur Sprache. An kirchlichen Interna zeigt er kaum Interesse (s.o. § 1,3.2). Von

179 S. d a z u o . § 1 , 3 . 5 .
26 Einleitung

Bedeutung sind einmal die Beziehungen untereinander, besonders bei unterschied­


lichen Gruppierungen; zum anderen die Verantwortung und Hilfe innerhalb der Kir­
che. Aspekte des Status (1,9-11) und des Wohlstands bzw. Ansehens (2,2fT.15f.)
können sich spalterisch auswirken; das Streben nach Reichtum und Anerkennung
untergräbt die Gemeinschaft und deren Basis (2,4 ff.; 3,13-18; 4,1 ff 13-17; vgl.
5,1-6). Der Friede in der Gemeinde wird gestört (3,13-4,3). Rechtes ekklesiales Ver­
halten dagegen stärkt die Kräfte der Gemeinschaft (5,7 ff); man baut einander auf,
statt gegeneinander zu »seufzen« (5,9); die Wahrhaftigkeit ist unangefochten (3,14;
5,12). Nachdruck wird auf die Hilfe füreinander im Gebet gelegt, speziell im Fall von
physischer Bedürftigkeit (5,14 ff). Gerade darin liegt die Aufgabe der »Presbyter der
Gemeinde«. Solche Gebetshilfe betrifft nicht zuletzt die Bewältigung von Sünden, für
deren Bekennen untereinander in der Gemeinde ein angstfreier Raum sein muß
(5,16). Vordringlichster Dienst in der Gemeinschaft ist geradezu die Hilfe gegenüber
gefährdeten Mitchristen (5,19 f.).
Die anthropologische Erkenntnis, daß der Mensch sich selbst gefährdet, indem er
sich selbst betrügt, schlägt sich auch auf die Ekklesiologie nieder; der Jak-Brief ist aus
diesem Grund vor allem ein Dokument theologischer Seelsorge an der Gemeinde
und ihren Gliedern. Wichtig ist solche Seelsorge besonders gegenüber den in der
Kirche Verantwortlichen. So entwickelt Jak in 3,1 ff. Leitgedanken für die »Lehrer«,
180
prägt doch ihr Wort, ihr Verhalten und Vorbild das Miteinander. Auch hier ist
kritische Selbstanalyse angezeigt und die Frage der persönlichen sowie geistlichen
Integrität (angesichts von Segen und Fluch: 3,9 f.) zu stellen. Davon betroffen ist
auch die Verquickung zwischen Status-Fragen in der Kirche und in der Gesellschaft
(vgl. o. § 4,2; § 4,3.1; § 4,4.1-2). U m Unfriede, Chaos und Parteiengeist zu vermei­
den, müssen die Verantwortlichen nach der Quelle ihrer Weisheit gefragt werden
(3,13-18). Welche Auswirkungen Gottes Weisheit hat und wie Kirche deshalb aus­
sehen soll und kann, ist eindeutig (3,17 f.; der Kontrast folgt in 4,1 ff.). Damit die
christliche Gemeinschaft Kirche des Wortes (vgl. 1,18 ff.) bleiben kann und nicht
zur Kirche der leeren bzw. schädlichen Wörter verkommt (1,22 f.; 2,2 ff. 14 ff;
3,1 ff), ist die Besinnung auf den rechten Umgang mit dem Wort Gottes ekklesio-
logisch essentiell (vgl. o. § 4, 2).

Z u m V e r s t ä n d n i s v o n J a k 3 s. d i e A u s l e g u n g v o n 3 , 1 - 1 2 ( m i t E i n f ü h r u n g P k t . 6 ) u n d 3 , 1 3 - 1 8 ( m i t d e n
V o r b e m e r k u n g e n zu 3 , 1 3 - 1 8 ) .
Traditionen 27

§ 5 Traditionen

Kaum eine Zeile bei Jak ist ohne irgendeinen Traditionsbezug. Ständig finden sich
Gedanken, Motive, Formulierungen, Vokabeln alttestamentlicher, jüdischer, jüdisch­
181 182
hellenistischer, griechischer und frühchristlicher H e r k u n f t . Es findet sich wenig
Neues oder wirklich Originales bei Jak. Daraus ergibt sich eine dreifache Frage: (a)
Was hat Jak übernommen? (b) Woher bezog er das Material? (c) In welcher Weise
lg
arbeitete er es e i n ? 3 - Die augenfälligsten Berührungen bestehen zu einigen mehr
oder minder ausgewiesenen AT-Stellen; zur weisheitlichen und prophetischen Tradi­
tion; zur Jesus-Tradition; zu IPetr, Hebr, Joh; zu Paulus; zu frühchristlichen Schriften
vor und nach 100 n. Chr.; zu diversen hellenistischen Materialien. Es empfiehlt sich,
den Befund differenziert zu registrieren.

1. Altes Testament und jüdische Tradition

184
Altes Testament und jüdische Tradition sind in abgestufter Darbietung vertreten.
1. Dreimal zitiert Jak »die Schrift« (f| ygayr]), zweimal als »redend« (2,23; 4,5),
einmal mit »gemäß« (2,8). Jedesmal folgt ein atl. Satz: Lev 19,18 in Jak 2,8; Gen 15,6
in 2,23; Prov 3,34 in 4,6. Nirgendwo erfolgen Angaben über Fundort oder Autor
(auch nicht »im Gesetz« o. dgl.). Ferner bringt 2,11 die theozentrische Aussage »der
da sagte - sagte auch«; es folgt der Anfang der 2. Dekalogtafel Ex 20,13 f.; Dtn 5,17 f.
Ahnlich ist in 4,11 f. vom »einen Gesetzgeber und Richter« die Rede, aber ohne
Schriftwort. Ebenfalls erwähnt Jak mehrere biblische Personen: 2,21-23 Abraham,
Isaak; 2,25 Rahab; 5,10 »Propheten«; 5,11 Hiob; 5,17 f. Elia. Das meiste Material
findet sich also in Jak 2 und im Schlußabschnitt 5,7-20.
2. Darüber hinaus gibt es eine Anzahl von »biblischen Wendungen« - wie z. B. »in
die Ohren des Herrn Zebaoth« (5,4) oder »das Gras verdorrte« (1,10 f.). Manche For­
1
scher 85 vertreten die Meinung, Lev 19 sei nicht nur in 2,8 zitiert, sondern stehe auch
sonst mehrfach im Hintergrund: Lev 19,12 in 2,7 bzw. in 5,12; V. 13 in 5,4; V. 19 in
2,1.9; V. 16 in 4,11; V. 17b in 5,20; V. 18a in 5,9 (neben V. 18b in 2,8). Auch zu
diversen anderen Stellen des AT hin hat man Verbindungen aufzuzeigen versucht; so

1 8 1
I m w e i t e r e n S i n n s t e h t J a k hier in d e r T r a d i t i o n d e r » h e l l e n i s t i s c h e n M o r a l i s t e n « ; vgl. M a l h e r b e , E x h o r t a -
tion, Moralists; M a l i n a ; M e e k s ; Betz, Lukian; Hartlich; d a z u n o c h Einzelstudien wie A m s t u t z ; A u n e , N a t u -
re; C o l l i n s , A t h e n s ; W e l t i n ; F i o r e ; F i t z g e r a l d , Perjury; G i l l ; H e i l i g e n t h a l ; J o h n s o n , N o v T 1 9 8 3 ; K e n n e d y ;
K o l l m a n n , Schwurverbot; Perdue, Sage.
1 8 2
Dibelius, K E K 3 6 , Geschichte 1 4 1 , spricht (im Z u s a m m e n h a n g von Paränese) von geradezu internationa­
ler T r a d i t i o n . V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 9 ff.; K o n r a d t , T h e o l o g i e ; N e u e r W e t t s t e i n ; Fay; D a v i d s , T r a ­
dition.
183 V g l . P o p k e s , S c r i p t u r e .
1 8 4
M a t e r i a l bei C a n t i n a t , E p i t r e s 1 7 - 2 0 . H a n s o n , U t t e r a n c e s n o t i e r t e 1 9 8 3 ; » N i e m a n d h a t bisher, s o w e i t ich
w e i ß , ein g a n z e s W e r k d e m S c h r i f t g e b r a u c h in J a k g e w i d m e t . . . « ( 1 4 6 ) .
1 8 5
J o h n s o n , L e v i t i c u s , A n c B p a s s i m ; z u r ü c k h a l t e n d e r H a n s o n , U t t e r a n c e s 1 4 7 . J o h n s o n m e i n t , es g e b e e i n e n
cluster effect ä h n l i c h w i e bei P s P h o k y l i d e s 9 - 2 1 ( L e v i t i c u s 3 9 2 f.). A u c h G i e r e i n t e r p r e t i e r t J a k als e i n e n
M i d r a s c h ü b e r L e v 1 9 , m i t b e s o n d e r e m H i n w e i s a u f d a s » k ö n i g l i c h e G e s e t z « ; J a k vertrete » e i n r a d i k a l e s
V e r s t ä n d n i s v o n R e i n h e i t u n d E i n b e z i e h u n g in d i e G e m e i n s c h a f t « ( 1 0 6 ) .
28 Einleitung

186
z. B. in 3,17 f. zu Jes 3 2 , 1 5 - 1 7 . Sogar Midraschim hat man vorgeschlagen (Nähe­
res in § 6,1.2). Die Midrasch-Form bietet sich jedoch aufgrund der Kürze der jak
Aussagen kaum an.
3. Daneben gibt es eine Reihe von nicht aufgezeigten Übernahmen, speziell aus den
deuterokanonischen Schriften des AT (Apokryphen). Mit großer Sicherheit beziehen
sich z. B. Jak 1,2 ff. auf Sir 2 und Jak 1,13-15 auf Sir 15,11 ff; aber Jak läßt davon
nichts erkennen. Weitere Berührungen finden sich etwa zwischen Jak 1,27-2,1 und
1 8 7
Sir 35,12 ff. u. ä . Auch andere primär weisheitliche Literatur (Weish, Test XII
188
u. a.) wird aufgegriffen - aber nie als (heilige) Schrift o. dgl. behandelt. Mögli­
cherweise war der Kanon des Jak ähnlich wie bei Paulus auf die Schriften des hebräi­
schen AT begrenzt, sofern wir angesichts der schmalen Textbasis hier von einem
1 8 9
Kanon reden dürfen.
1 0
4. Nicht anders stellt sich die Lage hinsichtlich der atl. Pseudepigraphen ? und
1
Philos von Alexandrien dar; ebenso der sonstigen jüd. Tradition ^, vor allem also des
192
Bereichs von Haggada, Midrasch, Legende, Typologie, Allegorie, Paraphrasen u s w .
Besonders die atl. Figuren bei Jak scheinen davon geprägt worden zu sein; so etwa
19 194
Abraham in J u b 228-230 und im T a l m u d 3 ; desgleichen Rahab oder E l i a , wie
auch andere Stellen im N T zeigen. So findet sich z. B. die Zeitangabe bei Elia
x 195
»3 li Jahre« nicht im AT, aber in der Tradition, speziell Lk 4,25 f. Der Einfluß der
Pseudepigraphen usw. bei Jak ist spürbar, wird allerdings niemals erkennbar gemacht.
Jede Angabe bedarf zudem der eigenen Nachprüfung, was Jak voraussetzt.
5. Es ist eine alte Streitfrage, in welcher Form Jak das Material rezipierte. Uberwie­
gend nimmt man an, daß dies in eher mündlicher Weise geschah, nicht durch Rück­
196
griff auf Schriften (wie Sir) d i r e k t . Selbst dort, wo die Berührungen recht eng sind
(wie eben bei Sir), ist die Verwendung durch Jak fragmentarisch und auswahlhaft.
Trotzdem kann man nicht sagen, er habe die vielen Stücke - auch säkularer Herkunft
- total amalgamiert und internalisiert, so daß sie gar nicht mehr als Ubernahmen
spürbar wären. Sie hinterlassen vielmehr ständig Spuren; der bekannte stichworthaft
und sprunghaft erscheinende Schreibstil des Jak erklärt sich zum nicht geringen Maß

1 8 6
H a n s o n , Utterances 1 4 7 - 1 5 5 .
1 8 7
S . b e s o n d e r s F r a n k e m ö l l e , T h e m a , Ö T K 8 5 u n d p a s s i m ( d o r t 6 4 1 a l l e r d i n g s a u c h d a s E i n g e s t ä n d n i s , bei
4 , 1 3 ff. k ö n n e e i n e literarische A b h ä n g i g k e i t v o n Sir 3 9 , 1 6 - 3 5 n i c h t b e w i e s e n w e r d e n ) .
188 V g l v o n L i p s ; K ü c h l e r ; Zeller; C o l l i n s , W i s d o m .
189 V g l . P o p k e s , S c r i p t u r e 2 1 8 ; K o c h 3 3 . 4 7 .
1 9 0
Davids, Pseudepigrapha.
1 9 1
V g l . d i e teilweisen B e r ü h r u n g e n e t w a m i t P s P h o k y l i d e s ; d a z u s. B o t t i n i ; v a n d e r H o r s t , P s e u d o - P h o c y l i d e s ,
Sentences; T h o m a s , Phokylides.
1 9 2
H a n s o n , Utterances 1 4 7 - 1 5 5 .
1 9 3
H a n s o n , U t t e r a n c e s 1 4 7 ff.; W a r d , A b r a h a m ; Penner, E p i s t l e 6 3 - 7 0 .
1 9 4
H a n s o n , R a h a b , R e p o r t 5 2 7 , U t t e r e a n c e s 1 5 4 f.; Y o u n g . Z u Elia: J o y n e s ; M . O h l e r , E l i a i m N e u e n T e s t a ­
ment. U n t e r s u c h u n g e n zur B e d e u t u n g des alttestamentlichen Propheten i m frühen C h r i s t e n t u m , Berlin
( d e G r u y t e r ) 1 9 9 7 ; d e r s . , G e s t a l t e n 1 8 4 - 2 0 3 . E i n z i g H i o b w i r d i m N T n a m e n t l i c h n u r hier e r w ä h n t . V g l .
d a z u H a a s ; J o a c h i m J e r e m i a s , T h W N T II 9 3 0 - 9 4 3 ; J a n L a m b r e c h t , E W N T II 2 8 5 - 2 9 0 . D i e S t u d i e v o n
Hainthaler bezieht sich a u f den Inhalt des H i - B u c h e s , nicht a u f die Person.
1 9
5 M a t e r i a l bei S t r . - B . I I I 7 6 1 .
1 9 6
S o D i b e l i u s , K E K 4 3 f.: m i t t e l s P r o p a g a n d a , P r e d i g t usw.; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 3 ; P o p k e s , S c r i p t u r e
2 1 9 ff.
Traditionen 29

auch aus der Verarbeitung von Traditionssplittern, die er aus verschiedenen »Quellen«
(u. a. Florilegien, Sekundärübernahmen, Notizen) erhielt. Man gewinnt den Ein­
druck, Jak habe sich eine Art Zettelkasten angelegt ^ 7 , aus dem er sich dann bedient
1 9 8
- zuweilen auch mit nicht gerade glücklicher H a n d . Jedenfalls geht er mit seinen
Quellen nicht schonend um, sondern benutzt sie ad libitum.
6. Sogar die atl. Zitate könnten auf sekundäre Rezeption zurückgehen. Für die
damalige Zeit war der Zugang zu umfangreicheren Quellentexten alles andere als
1 9 9
selbstverständlich, auch hinsichtlich des A T . Oft mußte man sich mit Exzerpten,
200
Testimonien, Florilegien und anderen Sekundärquellen behelfen. Jak teilt zwei sei­
201
ner ausdrücklich ausgewiesenen Schriftbelege mit Paulus. Bei Gen 1 5 , 6 ist das für
das N T sogar exklusiv der Fall, auch wenn die Nennung von Isaaks Opfer und von
Rahab bei Paulus fehlen. Ebenso ist die Art der Aufnahme von Lev 19,18 als Krone
des Gesetzes, separat (nicht als Teil des Doppelgebotes) und in Kombination mit der
2. Dekalogtafel verwendet, nur diesen beiden gemeinsam (s. z. St.). Das dritte Zitat
(Prov 3,34) teilt Jak mit IPetr 5,5, zudem in einem ähnlichen Sachkontext (s. z. St.).
Es ist somit durchaus möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, daß Jak sein atl. Mate­
rial, das ohnehin polemisch eingesetzt wird, der frühchristlichen Tradition (evtl. sogar
den einschlägigen Schriften) entnahm; er reicherte es dann mit weiteren Facetten der
2 0 2
allgemeinen AT-Rezeption an (wie z. B. über Rahab; vgl. Hebr 11 u. a . ) .

2. Weisheitstradition

Es steht außer Frage, daß Jak stark von der weisheitlichen Tradition des (hellenisti­
schen) Judentums beeinflußt wurde, wie die mancherlei Beziehungen zu Prov, Pss,
2
Weish, Tob, Sir, Test XII, Philo, PsPhokyl u. a. zeigen. °3 Vielfach handelt es sich
dabei um eine praxis-orientierte Ausrichtung. Eine andere Frage ist, ob Jak eine weis­
heitstheologische Linie vertritt und, wenn ja, welche.

197 V g l . D i h l e 2 0 1 z u P l u t a r c h s A r b e i t s w e i s e . - J a k w ä r e d e m n a c h m e h r in d e r g r i e c h i s c h e n B i l d u n g z u h a u s e
als in d e r j ü d . - r a b b i n i s c h e n m i t ihrer B e v o r z u g u n g d e r m ü n d l i c h e n T r a d i t i o n . W i r g e r a t e n d a m i t a l l g e m e i n
a u f d a s T e r r a i n v o n M ü n d l i c h k e i t u n d Schriftlichkeit; s. d a z u B i n d e m a n n 2 1 6 f.; G e r h a r d S e l l i n / F r a n c o i s
V o u g a ( H g . ) , L o g o s u n d B u c h s t a b e . M ü n d l i c h k e i t u n d Schriftlichkeit i m J u d e n t u m u n d C h r i s t e n t u m der
A n t i k e ( T A N Z 2 0 ) , T ü b i n g e n / B a s e l (A. F r a n c k e ) 1 9 9 7 ; J o a n n a D e w e y ( H g . ) , O r a l i t y a n d T e x t u a l i t y in
Early Christian Literature (Semeia 6 5 ) , Atlanta (Scholars) 1995; M a r t i n Hengel, J u d e n t u m u n d Helle­
n i s m u s ( W U N T 1 0 ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) 3 . Aufl. 1 9 8 8 , 1 2 0 ff.
1 9 8
D a s b e o b a c h t e t m a n m . E . g e r a d e a n s c h w i e r i g e n Stellen w i e 1 , 9 - 1 1 ; 3 , 5 f.; 4 , 5 f. (s. d a z u P o p k e s , C o m -
p o s i t i o n 9 9 - 1 0 3 ) ; vgl. z u d e n S t .
199 V g l . a l l g e m e i n K o c h .
200 V g l . J o h n s o n , A n c B 2 8 ; E k k e h a r d M ü h l e n b e r g z u d e n g r i e c h i s c h e n F l o r i l e g i e n : T R E 11 ( 1 9 8 3 ) , 2 1 5 - 2 1 9 ,
u n d F r a n z B r u n h ö l z l z u d e n l a t e i n i s c h e n : e b d . 2 1 9 - 2 2 1 . F ü r Q u m r a n ist 4 Q 1 7 4 ( F l o r i l e g i u m ) u n d 4Q
1 7 5 ( T e s t i m o n i a ) z u registrieren; vgl. M a i e r , Q u m r a n - E s s e n e r II 1 0 2 - 1 1 0 .
2 0 1
V g l . H a h n , G e n e s i s ; M o s i s ; d e s w e i t e r e n n o c h A n d r e a s L i n d e m a n n , D i e S c h r i f t als T r a d i t i o n . B e o b a c h ­
t u n g e n z u d e n b i b l i s c h e n Z i t a t e n i m E r s t e n K o r i n t h e r b r i e f , in: K n u t B a c k h a u s / F . G . U n t e r g a ß m a i r ( H g . ) ,
Schrift u n d Tradition ( F S J o s e f Ernst), Paderborn (Schöningh) 1 9 9 6 , 199-225.
202 V g l . P o p k e s , S c r i p t u r e .
203 S . d a z u d i e Ü b e r s i c h t e n bei H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 - 4 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 1 f. 5 6 1 - 5 7 1 u n d p a s ­
s i m ; B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , A N R W 1 9 8 8 ; K l e i n 2 4 - 2 6 ; K o n r a d t , T h e o l o g i e 6 5 - 7 2 ; M ä r z 5 1 ff.; B u r c h a r d ,
H N T E x k u r s » D i e R o l l e d e r W e i s h e i t « ; ferner: H a l s o n ; K i r k ; B a c k h a u s ; B a u c k h a m , W i s d o m ; B i n d e m a n n ;
B o t t i n i , S e n t e n z e ; C a r p e n t e r ; C h a f f i n ; C o l l i n s , W i s d o m ; Fay; G i l b e r t ; G o w a n ; H a r r i n g t o n ; H a r t i n , wise;
30 Einleitung

2 0 4 2
1. A n g e s t o ß e n w u r d e die F r a g e in neuerer Z e i t n a c h Vorarbeiten v o n H a l s o n , K i r k u. a . ° 5
2 0 6
d u r c h eine g a n z e R e i h e v o n A u t o r e n . U. Lucks A n s a t z k ö n n t e m a n existenz-theologisch n e n n e n .
D a s S c h l ü s s e l m o t i v sei »weise w e r d e n d u r c h die E r f a h r u n g des L e b e n s u n d L e i d e n s « (vgl. J a k 1,2-
4) 207 D C h r i s t / d e r G l a u b e erreiche d u r c h L e i d e n u n d A n f e c h t u n g die V o l l k o m m e n h e i t . W ä h ­
e r

rend m a n n a c h j ü d . Vorstellung d u r c h d a s G e s e t z zur Weisheit g e l a n g e , g e h ö r e n für J a k o b u s G l a u ­


b e u n d Weisheit z u s a m m e n , w o b e i G l a u b e d a s » D u r c h h a l t e n in der A n f e c h t u n g , i m L e i d e n « sei
u n d d a s » L e i d e n als V e r s u c h u n g u n d A n f e c h t u n g « gerade a m G e b o t entstehe, u n d zwar als L e i d e n
2 0 8
dessen, »der trotz seines R e c h t t u n s l e i d e t « . J e s u s h a b e »diesen W e g des G l a u b e n s als nicht zwei­
209
felnden Vertrauens e r ö f f n e t « . — R. Hoppes Sicht ist ähnlich: » I m G l a u b e n teilt sich die v e r b o r g e ­
ne Weisheit G o t t e s m i t , die d e m M e n s c h e n eschatologische Verheißung zuspricht, i m G l a u b e n
2 1 0
m u ß der M e n s c h die Weisheit, welche er e m p f a n g e n hat, aufgreifen u n d j e n e u verwirklichen.«
D i e Weisheit ist d u r c h die E r p r o b u n g des » G l a u b e n s , die zur V o l l k o m m e n h e i t fuhren soll, erreich­
2 1 1
bar« ; zugleich e r m ö g l i c h t sie als G a b e d a s B e s t e h e n der E r p r o b u n g . H o p p e identifiziert z u d e m
212
die Weisheit g e r a d e z u m i t C h r i s t u s als d e m » H e r r n der H e r r l i c h k e i t « . Z u m i n d e s t in der A n n ä ­
h e r u n g treten d a m i t Weisheit, G l a u b e u n d C h r i s t u s in dieselbe Perspektive. - A u c h P. J. Hartin,
der d e n Einfluß v o n Q a u f J a k aufzuweisen b e m ü h t ist (vgl. u. § 5,2.3 ) , m e i n t , J a k identifiziere die
2 1 3
Weisheit m i t J e s u s , der als zur R e c h t e n G o t t e s E r h ö h t e r die R o l l e der Weisheit a u s ü b e . J a k g e h e
darin über Q h i n a u s , w o J e s u s (nur) der B o t e der Weisheit sei, w ä h r e n d M t J e s u s s o g a r in der R o l ­
le der inkarnierten Weisheit sehe. - G a n z a n d e r e W e g e beschreitet W. Bindemann. E r erkennt einen
Konflikt zwischen J a k u n d seinen A d r e s s a t e n u m die Weisheit. Letztere hätten sich als Weisheits­
lehrer verstanden; ihre Weisheit h a b e k o s m i s c h - s p e k u l a t i v e (s. 1,17f.) u n d m a g i s c h e ( 5 , 1 2 ff.) Z ü g e
2 1 4
g e h a b t ; sie sei z u m H e r r s c h a f t s i n s t r u m e n t v e r k o m m e n ( 2 0 0 ) . J a k »ist nicht a n ihren i d e o l o g i ­
schen P r ä m i s s e n interesssiert«, s o n d e r n will » a u f Verhaltensweisen seiner Leser Einfluß n e h m e n «
( 1 9 5 ) . J a k m a c h e deutlich, d a ß die sozialen M i ß s t ä n d e bei d e n A d r e s s a t e n » A u s d r u c k einer frag­
w ü r d i g e n F r ö m m i g k e i t s i n d « ( 2 0 0 ) . O b m a n freilich die G e g n e r p o s i t i o n in dieser W e i s e rekon­
struieren k a n n , ist m . E . zweifelhaft (s. z. S t . ) ; die j a k R e p l i k bliebe z u d e m seltsam blaß.
2 1 5
2 . H. Frankemölle, der J a k weithin als »eine relecture v o n J e s u s S i r a c h « l i e s t , äußert sich h i n ­
216
sichtlich einer W e i s h e i t s - T h e o l o g i e z u r ü c k h a l t e n d e r . F ü r J a k sei Weisheit »nicht als allgemein

H o p p e ; v a n d e r H o r s t , P s e u d o - P h o c y l i d e s ; d e J o n g e ; K ü c h l e r ; v o n L i p s ; L u c k , Weisheit, J a k o b u s b r i e f ,
T h e o l o g i e ; Perdue, S a g e ; Reese; S i m o n ; Verseput, W i s d o m ; Wall; Zeller.
2 0 4
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 6 , notiert, d a ß bereits 1 8 3 2 d i e Parallelen z u Philo d u r c h M . S c h n e c k e n b u r g e r
z u s a m m e n g e s t e l l t w u r d e n , später bestätigt d u r c h C . Siegfried, Philo v o n A l e x a n d r i e n als Ausleger des A l t e n
Testaments, Jena 1875 (Neudruck Aalen 1970).
2 0 5
Ältere L i t e r a t u r bei L u c k , T h e o l o g i e 10; C a r p e n t e r ; s. ferner D i b e l i u s , K E K 3 5 - 4 3 : S i d e b o t t o n 4 f.; B a a s ­
l a n d , S t T h 1 9 8 2 , 1 2 3 f.; K ü c h l e r 5 6 9 ; M u ß n e r , Tauflehre 2 4 8 f.; v o n L i p s , speziell 4 0 9 ff.
2 0 6
Vgl. dazu Mußner, Jakobusbrief 2 5 3 - 2 5 8 ; Klein 24-26; Konradt, Theologie 6 5 - 7 2 ; Frankemölle, Ö T K
5 6 4 ff.; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 ff.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 2 4 ff. - Felder, W i s d o m , v e r k n ü p f t die F a k t o ­
ren Weisheit, G e s e t z u n d »social c o n c e r n « bei J a k . E r versucht, d e n »ethischen P r a g m a t i s m u s « des J a k ver­
ständlich z u m a c h e n . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 3 , finden sein E r g e b n i s nicht ü b e r z e u g e n d .
2 0 7
L u c k , Weisheit 2 5 3 f.
2 0 8
D e r s . , J a k o b u s b r i e f 1 7 1 f.; vgl. T h e o l o g i e 1 4 f. » D i e i m d u r c h h a l t e n d e n G l a u b e n in der E r f a h r u n g des L e i ­
d e n s g e w o n n e n e Weisheit g i b t d e m M e n s c h e n d i e Fähigkeit, in der Welt, d i e d u r c h U n r e c h t g e k e n n z e i c h ­
net ist, n a c h d e m G e b o t G o t t e s z u leben« ( J a k o b u s b r i e f 1 7 2 ) . - F ü r L u c k ist b e s o n d e r s J a k 1,2-4 u n d 3 , 1 3 -
18 wichtig, d a z u a u c h W e i s h 7 , 2 2 - 3 0 u n d Sir 6 , 2 3 - 3 1 . 3 7 ; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 .
2 0 9
D e r s . , J a k o b u s b r i e f 1 7 5 ; vgl. Weisheit 2 5 5 f.; T h e o l o g i e 2 3 .
2 1 0
H o p p e 1 4 7 . V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 f.; K o n r a d t , T h e o l o g i e 6 6 - 6 8 ; K l e i n 2 5 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K
566; Popkes, Adressaten 2 4 .
2 1 1
Hoppe 43.
2 1 2
D e r s . , 7 2 - 8 1 , m i t H i n w e i s a u f I K o r 2 , 8 ( 7 7 ) u n d M t 1 1 , 1 5 f. ( 8 0 f.).
2 1 3
H a r t i n , S a y i n g s 1 3 5 . K r i t i s c h z u H a r t i n s A n s a t z : H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 4 f.
2 1 4
B i n d e m a n n , speziell 1 9 2 - 1 9 9 .
Traditionen 31

menschliches P h ä n o m e n s o n d e r n einzig u n d allein als G a b e G o t t e s « zu verstehen ( Ö T K 5 6 9 ) .


J a k sei ein Vertreter einer »Weisheitstheologie« nicht aber einer Weisheitschristologie ( 5 6 8 ) . A u c h
hier setze sich der theozentrische A n s a t z d u r c h . J a k ü b e r n e h m e nicht d i e T r a d i t i o n (s. Prov 8 - 9 ;
W e i s h 6 - 9 ; Sir 2 4 ) der Personifizierung bzw. H y p o s t a s i e r u n g der Weisheit ( 5 7 0 ) . V o n Sir h a b e J a k
»die s c h ö p f u n g s t h e o l o g i s c h orientierte Weisheitstheologie« rezipiert; er h a b e Sir vor allem des
2 1 7
Aktionsziels w e g e n als Basis g e w ä h l t , u n d dieses sei d a s g e l i n g e n d e » L e b e n des einzelnen u n d der
C h r i s t e n untereinander in der G e m e i n d e « ( 5 7 0 ) . - F ü r R. Bauckham ist J a k ein Weisheitslehrer. E r
218
vertrete keine W e i s h e i t s - C h r i s t o l o g i e , d. h. er identifiziere J e s u s nicht m i t der personifizierten
Weisheit. J a k m a c h t e sich vielmehr J e s u Weisheit zu eigen (die er aus der m ü n d l i c h e n T r a d i t i o n der
J e r u s a l e m e r G e m e i n d e k a n n t e ) . J e s u s selbst lehrte »in der Weise j ü d i s c h e r sapientialer T r a d i t i o n «
( W i s d o m 3 1 ) . B a u c k h a m verknüpft d i e b e i d e n weisheitlichen Einflüsse a u f Jak: z u m einen die j ü d .
paränetische Weisheitstradition (Prov, Sir u. a.) u n d z u m anderen d i e weisheitliche L e h r e J e s u ;
d e n n »in g e w i s s e m S i n n waren sowohl J e s u s wie J a k o b u s j ü d i s c h e Weisheitslehrer« ( 3 0 ) . Bei J a k
k o m m e es d a r a u f a n zu erfassen, wie » J a k o b u s , als ein j ü d i s c h e r Weisheitslehrer, sich d i e Weisheit
J e s u aneignet u n d sie weiterfuhrt« ( 3 1 ) . J a k sei als ein » K o m p e n d i u m « zu lesen, u n d zwar vor allem
v o n A p h o r i s m e n ( 1 0 8 - 1 1 1 ) . Inhaltlich unterscheide sich diese Weisheitslehre nicht v o n der J e s u in
d e n S y n o p t i k e r n ; J a k entfalte einiges nur ausführlicher, vor allem » s p e e c h ethics« ( 1 0 7 ) .
3. Weisheitlichen Einfluß h a t m a n a u c h (wie stellenweise bereits e r k e n n b a r w u r d e ) v o n der
2 1 9
Jesus-Tradition her aufzuzeigen versucht, speziell v o n der L o g i e n q u e l l e h e r , u n d zwar vielfach
a u f der Basis der T h e s e v o n J . M . R o b i n s o n , H . K o e s t e r u n d J . S . K l o p p e n b o r g , w o n a c h d i e älte­
re S c h i c h t ( Q l ) p r i m ä r v o n weisheitlichen E r m a h n u n g e n g e p r ä g t sei, w ä h r e n d Q 2 vor allem d a s
2 2 0 2 2 1
baldige Gericht v e r k ü n d e . Z w a r reflektiere J a k a u c h ü b e r d a s W e s e n der Weisheit ( 3 , 1 3 - 1 8 ) ;
in erster L i n i e vertrete er j e d o c h d i e L i n i e der praktisch-weisheitlichen I n s t r u k t i o n e n für d a s
2 2 2
Leben. M a n c h e F o r m e n seien ähnlich wie in Q, d a r u n t e r S p r u c h g u t , d i d a k t i s c h e E r m a h n u n ­
22
gen, M a k a r i s m e n , Weherufe, V e r g l e i c h e . ^ U m s t r i t t e n ist freilich d a s Verhältnis zur ( G e r i c h t s - )
E s c h a t o l o g i e . W ä h r e n d H a r t i n darin eine j a k E r w e i t e r u n g der Weisheitstradition erblickt, m e i n e n
2 2 4
a n d e r e , d i e E s c h a t o l o g i e b i l d e v i e l m e h r d e n p r i m ä r e n R a h m e n , in d e n d i e sapientialen E l e ­
m e n t e eingezeichnet w ü r d e n . Z u g l e i c h ergibt sich d a r a u s eine R ü c k f r a g e a n d i e V a l e n z der K l o p -
penborgischen Konstruktion.

4. Es ist fraglich, ob es so etwas gab wie eine »einheitliche weisheitliche Theologie«, auf
225
der Jak aufbauen k o n n t e . Gemeinsam ist allen jüdisch-weisheitlichen Ansätzen das
Bemühen, »den Einzelmenschen, Gesellschaft, Geschichte und Kosmos verstehen zu

2 1 7
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 5 7 0 ; J a k d u r c h b r e c h e z u d e m » d i e kultische O r i e n t i e r u n g v o n J e s u s S i r a c h u n d dessen
B i n d u n g der Weisheit a n einen b e s t i m m t e n S t a n d « .
2 1 8
B a u c k h a m , W i s d o m 3 1 , m i t B e z u g a u f seine R e z e n s i o n v o n H a r t i n , Sayings: J T S 4 4 ( 1 9 9 3 ) , 2 9 8 - 3 0 1 .
2 1 9
H o p p e 1 1 9 - 1 2 2 , speziell 1 2 1 f. z u d e n B e r ü h r u n g e n m i t der Q - Ü b e r l i e f e r u n g der m a t t h ä i s c h e n G e m e i n ­
de. K r i t i s c h z u solch e i n e m H i n t e r g r u n d : Penner, Epistle 1 1 6 - 1 2 0 ; B a u c k h a m , W i s d o m 3 1 .
2 2 0
F o r s c h u n g s b e r i c h t b e i C h r i s t o p h e r M . T u c k e t t , Q a n d t h e H i s t o r y o f E a r l y Christianity. S t u d i e s o n Q,
E d i n b u r g h ( C l a r k ) 1 9 9 6 , 6 4 ff.; a u c h zu A . D . J a c o b s o n ( 6 2 ff.). - D a s meist-zitierte W e r k ist J o h n S. K l o p ­
p e n b o r g , T h e F o r m a t i o n o f Q: Trajectories in A n c i e n t W i s d o m C o l l e c t i o n s ( S t u d i e s in A n t i q u i t y a n d
C h r i s t i a n i t y ) , P h i l a d e l p h i a (Fortress) 1 9 8 7 . V g l . z. B . J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a 5 0 4 ; H a r t i n , S e r m o n ,
S a y i n g s , wise. K r i t i s c h d a z u : Penner, Epistle 1 1 6 - 1 2 0 .
2 2 1
V g l . H a r t i n , wise 4 8 8 - 4 9 0 .
2 2 2
H a r t i n , wise 4 9 9 ; J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a 5 0 5 - 5 0 8 .
2 2
3 H a r t i n , wise 4 8 4 - 4 8 8 .
2 2 4
J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a ; Penner, Epistle 1 1 6 - 1 2 1 .
2 2
5 M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 3 , g e g e n v o n L i p s 4 3 7 A n m . 2 1 6 . Z u r V o r g e s c h i c h t e s. Küchler. - L u c k geht z u
stark v o n e i n e m d e m J a k » v o r g e g e b e n e n weisheitlichen H o r i z o n t « a u s ( J a k o b u s b r i e f 1 7 9 ) ; vgl. m e i n e K r i ­
tik: P o p k e s , A d r e s s a t e n 2 6 f. B u r c h a r d , H N T 1 5 7 f.: »Weisheit fehlt i m T h e m a s a m t z u g e h ö r i g e m erstem
H a u p t t e i l ( 1 , 2 - 4 ; 1 , 1 2 - 3 , 1 1 ) ... Z u d e m m u ß sie erbeten w e r d e n , w a s J a k v o n W o r t , G e s e t z , k o m m e n d e m
C h r i s t u s nicht s a g t . . . Weisheit g e h ö r t also nicht zur G r u n d a u s s t a t t u n g des C h r i s t e n u n d spielte bei seiner
32 Einleitung

226
wollen und daraus Handlungsanweisungen abzuleiten«. Bei Jak fällt jedoch bereits
auf (s. o. § 1,3), wie viele Lebensbereiche, die sonst für die weisheitliche Ethik wichtig
227
sind, unerwähnt bleiben, darunter der häuslich-familiäre Bereich, Freundschaft,
Sexualität, Fleiß/Faulheit. Jak rezipiert die praktisch-weisheitliche Tradition zu aus­
228
schnitthart , als daß man den Brief einfach als »Weisheitsschrift« bezeichnen könn-
22
te. ^ Das gilt auch für die fraglos zu registrierenden Formparallelen, ebenso aber auch
für die Rezeption des Jesus-Materials, wobei die Verbindung mit eschatologischen und
anderen Elementen letztlich gegen eine doppelte Q-Rekonstruktion spricht. Fraglos
verwendet Jak weisheitliche Tradition; aber er wendet sich nicht an »meine Kinder«
(o. ä.) im Stil der Weisheit. Er belehrt nicht in der Art der proverbialen Weisheit, son­
230
dern argumentiert, warnt, korrigiert und m a h n t .
5. Die Weisheits-Theologie bei Jak, zumal in 3,13-18, wird man nicht überschätzen
dürfen. Außer der Notiz in 1,5 ist dies der einzige Abschnitt zum Thema. Er betont
den friedlichen Charakter echter Weisheit, die geradezu selbstverständlich als »von
2
oben« kommend bezeichnet wird. 3i Die Weisheit erscheint hier eher als Kraft denn
als Person; eine Identifizierung mit Jesus ist nicht nahegelegt. Sie wird auch nicht
wirklich mit Glaube und Gebot in Verbindung gebracht. Jak geht nicht auf ein »Lei­
den am Gebot« u. dgl. (s. o. § 5,2.1 zu U. Luck) ein, sondern das Problem ist Streit­
sucht und Täuschung (gegenüber der Wahrheit und sich selbst). Weisheit erweist sich
somit für Jak in der gott-gemäßen Gestaltung des Lebens, zumal des gemeinsamen
Lebens (s. im übrigen z. St.).

3. Jesus-Uberlieferung

Die Beziehung des Jak zur Jesus-Uberlieferung ist unverkennbar; sie wird freilich quan­
232
titativ, überlieferungsgeschichtlich und chronologisch unterschiedlich eingeordnet.

1. D e r U m f a n g d e r B e r ü h r u n g e n z u d e n S y n o p t i k e r n ist u n t e r s c h i e d l i c h beurteilt w o r d e n . D . B .
D e p p e hat die Ergebnisse v o n 6 0 Autoren aus den Jahren 1 8 3 3 bis 1 9 8 5 zusammengestellt; insge­
s a m t k o m m e n sie a u f 1 8 4 Parallelen, a b e r n u r g u t 6 der A u t o r e n (also 10 % ) k o n n t e n sich a u f
2 3 3
4 0 Parallelen e i n i g e n , g u t 15 ( = 2 5 % ) a u f 2 5 . I n j ü n g e r e r Z e i t s c h w a n k t der U m f a n g z w i s c h e n

B e k e h r u n g n o c h k e i n e R o l l e ... D i e T h e o l o g i e d e s Briefs ist a l s o als W e i s h e i t s t h e o l o g i e nicht sinnvoll


bezeichnet«.
2 2 6
Frankemölle, Ö T K 8 4 .
2 2 7
Vgl. v o n Lips 4 3 3 ; J a c k s o n - M c C a b e , Diaspora 507.
2 2 8
S . bereits M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 4 9 : d i e Z a h l d e r B e l e g e reicht k e i n e s w e g s a u s , u m » W e i s h e i t « als Z e n t r a l -
b e g r i f F a n z u s e h e n ; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 5 .
2 2 9
J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a 5 0 7 : n u r sehr a l l g e m e i n k a n n m a n v o n » m o r a l e x h o r t a t i o n « r e d e n .
2 3 0
Ähnlich Verseput, W i s d o m 7 0 6 .
2 3 1
B e m e r k e n s w e r t ist d i e N ä h e z u G a l 5 , 2 1 f. » F r u c h t d e s G e i s t e s « . I m ü b r i g e n w e i s t J a k 3 , 1 3 - 1 8 e i n i g e auf­
fällige B e r ü h r u n g e n m i t I K o r 1-2 a u f (vgl. U l r i c h W i l c k e n s , T h W N T V I I 5 2 6 ) . D e r H i n t e r g r u n d ist a l s o
differenziert z u b e t r a c h t e n u n d n i c h t e i n f a c h i n einer g l e i c h s a m b e r e i t l i e g e n d e n W e i s h e i t s t r a d i t i o n z u ver­
orten.
2 3 2
Ü b e r b l i c k u n d L i t e r a t u r bei: H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 4 - 5 7 ; K l e i n 1 9 6 f.; M u ß n e r 4 7 - 5 2 ; H o p p e 1 1 9 -
1 2 2 ; H a r t i n , S a y i n g s 1 3 9 ff., S e r m o n ; D e p p e ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 6 - 1 7 6 .
2 3 3
D e p p e 2 3 1 - 2 5 0 , besonders 2 3 8 .
Traditionen 33

2 3 4
einer relativ i n k l u d i e r e n d e n M a x i m i e r u n g , n ä m l i c h 2 7 Stellen ( M u ß n e r ) bzw. 2 6 ( H a r t i n ) über
2 2
eine A u s w a h l 18 ( H a h n / M ü l l e r ) 3 5 , 16 ( B r o w n ) 3 6 bis hin z u einer stark z u r ü c k h a l t e n d e n M i n i ­
m i e r u n g , die außer e i n e m einzigen e i n d e u t i g e n Fall ( 5 , 1 2 / M t 5 , 3 4 - 3 7 ) n u r w e n i g e wahrscheinli­
2
c h e B e z u g n a h m e n z u l ä ß t 3 7 , n ä m l i c h : in 1,5 u n d 4 , 2 f. ( M t 7 , 7 par.); 2 , 5 ( M t 5,3 par.); 4 , 1 1 f. ( M t
7,1 par.); d a n e b e n n o c h 2 , 8 (via R o m 1 3 , 8 - 1 0 ) . Alles ü b r i g e sei der g e m e i n s a m e n j ü d . T r a d i t i o n
z u z u r e c h n e n . N a c h D e p p e ( 2 3 7 f.) heißen d i e 2 5 häufigst g e n a n n t e n Parr., aufgeführt in der R a n g ­
folge n a c h der A n z a h l ihrer Befürworter:

Jak 5,12 = Mt 5,33-37


1,22-25 7,24-26 L k 6A7-49
1,5 7,7 11,9
2,5 5,3 6,20
5,2 6 , 1 9 f. 12,33b
2,13 5,7 6,36
3,18 5,9 6,43
4 , 1 1 f. 7,1-2a 6,37
3,12 7,16 6,44
2,8 22,39 10,27 Mk 12,31
4,4 6,24 16,13
l,19b-10 5,22a
1,6 21,21 11,23
1,2 5,ll-12a 6,22-23a
5,1 6,24.25b
4 , 2 f. 7,7 11,9
5,10-lla 5.11.12b 6,22.23b
4,10 23,12 I4,ll;18,l4b
4,9 6,21.25b
1,4 5,48
4,4a 12,39a; 16,4a 8,38
1,17 7,11 11,13
4 , 1 3 f. 6,34 12,16-21
5,9b 24,33b 13,29b
5,17 4,25

N i m m t m a n die ( i n s g e s a m t ) z u m e i s t v o r g e s c h l a g e n e n B e r ü h r u n g e n (in der j a k A b f o l g e ) z u s a m ­


m e n , s o ergibt sich f o l g e n d e A u f s t e l l u n g :

Jak 1,2 Freude über Anfechtungen M t 5 , 1 1 f. Lk 6 , 2 2 f.


1,4 Vollkommenheit 5,48 6,36
1,5 bitten/geben 7,7 11,9
1,6 Glaube/Zweifel 21,21 Mk 11,23
1,10 f. Reichtum, wie Gras 6,30 12,18
1,17 Vater, g i b t G u t e s 7,11 11,13
1,19 f. Ärger 5,22
1,22 Täter/Hörer 7,24 6,47
1,23 Nur-Hörer, gleicht... 7,26 6,49

2 3 4
H a r t i n , S a y i n g s 1 4 1 - 1 4 3 , m i t d e m V e r m e r k , n u r d i e »close a s s o c i a t i o n s a n d a l l u s i o n s « seien e i n b e z o g e n ,
d a n e b e n g e b e es » m a n y o t h e r m o r e general echoes o r parallels in t h o u g h t « ( 1 4 3 ) .
235 H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 4 .
2 3 6
R . E . B r o w n 7 3 4 f. T o w n s e n d , E p i s t l e xxix läßt 11 gelten.
2
37 K l e i n 1 9 6 f.
34 Einleitung

Jak 2,5 Gott/die Armen Mt 5,3.5 Lk 6,20


2,6 Widersacher 18,3
2,8 Liebesgebot 2 2 , 3 9 f. 10,27
2,10 ganzes G e s e t z halten 5 , 1 8 f. 16,17
2,11 Mord, Ehebruch 5,21-30
2,13 L o h n der B a r m h e r z i g k e i t 5,7 6,36
2,14-26 Liebeswerke/Heil 25,31-46
2 , 1 5 f. N a c k t e kleiden 2 5 , 3 4 f. 3,11
3,1-12 Zunge/Gefahr 1 2 , 3 6 f.
3,12 Frucht/Pflanze 7,16-18 6 , 4 3 f.
3,18 Friedfertige 5,9
4,4 ungetreue Menschen 12,39 11,29
4,4 zwei H e r r e n d i e n e n 6,24 16,13
4,8 reines H e r z 5,8
4,9 lachen/weinen 6,25
4,10 erniedrigen/erhöhen 5,5; 2 3 , 1 2 14,11; 18,14
4,11 n i c h t richten 7,1 f. 6 , 3 7 f.
4,13-15 nicht i m v o r a u s s o r g e n 6,34
4,17 Gutes tun 12,47
5,1 E l e n d über d i e R e i c h e n 6,24
5,2f. R e i c h t u m , zerfressen 6,19-21 12,33 f.
5,5 Prasser 16,19
5,6 nicht töten 5 , 2 1 f.
5,7 Warten a u f Saat Mk 4,26-29
5,8 nahes E n d e 1,15
5,9a n i c h t g e g e n e i n a n d e r seufze n 5 , 2 2 ; 7,1
5,9 Richter vor der T ü r 24,33 13,29 12,36-38
5,10 P r o p h e t e n als Vorbilder 5 , 1 1 f. 6,23
5,12 nicht s c h w ö r e n 5,33-37
5,17 Elia-Beispiel 4,25
5 , 1 9 f. Irrenden helfen 18,15 17,3

D i e A n k l ä n g e a n d a s M a t e r i a l der B e r g p r e d i g t / F e l d r e d e fallen b e s o n d e r s ins A u g e . D i e restlichen


B e r ü h r u n g e n m i t M k - , M t - u n d L k - G u t spielen d a n e b e n eine eher beiläufige u n d u n t e r g e o r d n e t e
Rolle.
2 8
2 . Traditionsgeschichtliche L i n i e n hat m a n teils eher über Q ^ , teils eher über d e n a l l g e m e i n e n
239 2 4 0
Bereich des . » B e r g p r e d i g t m a t e r i a l s « , teils über die m a t t h ä i s c h e T r a d i t i o n , teils d a g e g e n viel
2 4 1
breiter gestreut in der A u f n a h m e jüd.-christlichen M o t i v g u t s aufzuzeigen versucht. W i e bereits
o b e n in § 5,2.3 notiert w u r d e , unterliegen die Versuche m i t B l i c k a u f eine b e s o n d e r e B e z i e h u n g
zwischen J a k u n d einer speziellen Q - S c h i c h t (sofern es solche ü b e r h a u p t g a b ) bzw. mehreren
S c h i c h t e n B e d e n k e n hinsichtlich der Rekonstruierbarkeit u n d Aufweisbarkeit. G e g e n eine b e s o n ­
dere B e z i e h u n g zur » B e r g p r e d i g t « w u r d e eingewendet, d i e B e r g p r e d i g t sei in der v o r l i e g e n d e n
2 4 2 2 4 3
F o r m erst ein m a t t h . R e d a k t i o n s p r o d u k t D a s ist so j e d o c h zu literarisch-einlinig g e d a c h t ;
a u c h die B e r g p r e d i g t b e r u h t a u f T e i l s a m m l u n g e n , u n d J a k ü b e r n i m m t a u c h lediglich » B e r g p r e d i g t -

2 3 8
S . o. z u H a r t i n u. a.
2 3 9
P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 6 - 1 7 6 , m i t B e z u g a u f v o n C a m p e n h a u s e n , E n t s t e h u n g 1 4 0 f.
2 4 0
S o S h e p h e r d u n d Feliks G r y g l e w i c z , L'Epitre d e St. J a c q u e s et L'fivangile d e St. M a t t h i e u : R T K 8 , 3 ( 1 9 6 1 ) ,
3 3 - 5 5 . V g l . d a s Referat bei D e p p e 1 5 0 - 1 5 8 . S . a u c h H o p p e 1 1 9 - 1 2 2 .
24
1 V g l . K l e i n 1 9 6 ; D i b e l i u s , K E K 4 5 f.
2 4 2
U l r i c h L u z , D a s E v a n g e l i u m n a c h M a t t h ä u s I ( E K K 1 / 1 ) , Z ü r i c h usw. ( B e n z i g e r / N e u k i r c h e n e r ) 1 9 8 5 , 1 8 5 -
1 8 7 ; vgl. K l e i n 1 9 6 f. u n d Penner, E p i s t l e 1 0 4 (kritisch z u H a r t i n ) .
2 4 3
N ä h e r e s : P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 6 1 ff.
Traditionen 35

m a t e r i a l « , d a s in der einen u n d a n d e r e n F o r m in der frühen K i r c h e u m l i e f u n d b e s o n d e r s zur E i n ­


2 4 4
w e i s u n g N e u g e t a u f t e r v e r w e n d e t w o r d e n sein d ü r f t e . D a n e b e n ist n i c h t z u ü b e r s e h e n , d a ß sich
2 4 5
vieles (aus der » B e r g p r e d i g t « ) bei J a k nicht wiederfindet (z. B . die G o l d e n e R e g e l ) . B e i aller
B e h u t s a m k e i t ist j e d o c h d i e N ä h e zwischen d e n b e i d e n Textbereichen n i c h t z u v e r k e n n e n . D a s
2 4 6
betrifft nicht n u r d a s M a t e r i a l , s o n d e r n a u c h d e n w a r n e n d e n u n d k o r r i g i e r e n d e n T o n , w a s
2 4 7
d u r c h d i e a l l g e m e i n e sachlich-situative N ä h e zwischen J a k u n d M a t t h n o c h verstärkt w i r d . - Jak
b e n e n n t diese T r a d i t i o n n i e m a l s als » v o m H e r r n bzw. v o n J e s u s « h e r k o m m e n d (vgl. d a g e g e n I K o r
7 , 1 0 fF.).248 A n s c h e i n e n d liegt i h m d a r a n nichts; evtl. weiß er v o n der H e r k u n f t a u c h weiter nichts.
F ü r ihn ist der sachliche G e h a l t a u s s c h l a g g e b e n d . Aufs G a n z e g e s e h e n , w i r d es zutreffen, d a ß d i e ­
se M a t e r i a l i e n - z u s a m m e n m i t a n d e r e n , spezial sapientialen - in d e n a l l g e m e i n e n Vorrat des
frühchristlichen U n t e r w e i s u n g s g u t e s eingeflossen waren; a u c h in d e n E v a n g e l i e n erhalten sie erst
d u r c h d e n E r z ä h l r a h m e n einen direkten B e z u g z u J e s u s als Lehrer u n d Verkündiger. D i e A n o n y ­
2 4 9
m i t ä t der Stoffe b r a u c h t also nicht z u ü b e r r a s c h e n .
25
3. N a c h A u f f a s s u n g verschiedener Interpreten *) verweist die B e r ü h r u n g m i t d e m J e s u s - G u t a u f
eine b e s o n d e r e sachliche u n d zeitliche N ä h e zwischen J e s u s u n d d e m H e r r n b r u d e r . H i e r sei n o c h
2 5 1 2 5 2
n i c h t »theologisiert« w o r d e n . Vor a l l e m die E t h i k v e r b i n d e d i e b e i d e n . Solche Schlüsse kön­
n e n j e d o c h allenfalls n u r unterstützendes G e w i c h t besitzen; ableiten läßt sich d i e p o s t u l i e r t e N ä h e
d a r a u s nicht, s c h o n gar nicht in c h r o n o l o g i s c h e r H i n s i c h t u n d b e z ü g l i c h der Identifizierung des
Verfassers. I m ü b r i g e n steht die E t h i k bei J a k sehr w o h l i m R a h m e n t h e o l o g i s c h e r E r w ä g u n g e n ,
die - u m i m Bereich der E v a n g e l i e n zu bleiben - d u r c h a u s d e m R e d a k t i o n s s t a d i u m speziell bei M t
entspricht: D i e C h r i s t e n m ü s s e n inzwischen w i e d e r lernen, ihren G l a u b e n in d i e p r a k t i s c h e T a t
umzusetzen.

2 4 4
P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 6 f f , Paränese 1 2 7 ff; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 5 f.
2 4 5
Weiteres b e i P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 8 f.; u. a. der G r u n d s a t z des gleichen M a ß e s , d a s M o t i v der B l i n d h e i t ,
d a s Verhältnis z w i s c h e n M e i s t e r u n d J ü n g e r n , Splitter bzw. B a l k e n i m A u g e , G l e i c h n i s v o m H a u s b a u , fal­
sche P r o p h e t e n , zwei W e g e .
2 4 6
Popkes, Adressaten 1 5 8 .
2 4 7
S. d a z u § 5 , 8 . 3 .
2 4 8
H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 6 , schreiben, b e i P a u l u s sei z u differenzieren: » I n s e i n e n S t e l l u n g n a h m e n z u
G e m e i n d e p r o b l e m e n beruft er sich d a n n u n d w a n n a u f d e n >Herrn< u n d zitiert J e s u s w o r t e . A b e r i n d e n
p a r ä n e t i s c h e n A b s c h n i t t e n seiner Briefe, w o d i e B e r ü h r u n g e n m i t H e r r e n w o r t e n u n v e r k e n n b a r s i n d , liegen
die D i n g e e b e n s o w i e i m J a k . E s h a n d e l t sich u m z u m Teil d e u t l i c h e A n s p i e l u n g e n , o h n e d a ß sie als s o l c h e
k e n n t l i c h g e m a c h t w e r d e n . « M . E . w i r d hier z u einfach v o n » p a r ä n e t i s c h e n A b s c h n i t t e n « g e s p r o c h e n ; a u c h
in I K o r 7 geschieht d o c h Paränese! (vgl. P o p k e s , P a r ä n e s e 1 0 u n d p a s s i m ) . D i e p a r ä n e t i s c h e R e z e p t i o n der
J e s u s - W o r t e ist w a h r s c h e i n l i c h k o m p l i z i e r t e r verlaufen. Vielleicht sollte m a n zeitlich differenzieren; d a n n
w ä r e der B e f u n d v o n 1 K o r 7 früher als der bei J a k e i n z u o r d n e n .
2 4
9 B u r c h a r d , G e m e i n d e 3 2 0 f.; K l e i n 1 9 7 ; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 6 f. V g l . a u c h B a u c k h a m , W i s d o m 9 3 :
» J a m e s ' i n d e b t e d n e s s t o the t r a d i t i o n o f the sayings o f J e s u s s h o u l d n o t b e u n d e r s t o o d i n t e r m s o f allusion,
b u t in t e r m s o f creative a p p r o p r i a t i o n a n d r e - e x p r e s s i o n « (vgl. ä h n l i c h 1 1 1 ) .
2 5 0
S o etwa M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 3 3 0 f.; Kittel, O r t , V ä t e r ; Penner 2 5 9 ff; A d a m s o n , J a m e s 1 6 9 ff; D a v i d s ,
C o m m e n t a r y 2 - 2 2 ; de r s . , J e s u s : d i e C h r i s t e n h a t t e n » t h e b a s i c t e a c h i n g o f J e s u s « m e m o r i e r t ; J a k sei » H a -
l a k h a a u f der G r u n d l a g e der J e s u s t r a d i t i o n « , in w e l c h e r »the oral l a w (the t r a d i t i o n ) is a m p l i f i e d a n d a p p ­
lied t o c o n c r e t e s i t u a t i o n s b y m e a n s o f a r g u m e n t a n d O l d T e s t a m e n t exegesis«; W a c h o b / J o h n s o n . V g l .
Hahn/Müller, T h R 1998, 60-64.
2 5 1
J a k vertrete n o c h eine » a r c h a i s c h e « T h e o l o g i e (vgl. F a y 4 1 2 ) o h n e g r o ß e c h r i s t l i c h - t h e o l o g i s c h e E n t f a l t u n g .
2 2
5 Z u r E s c h a t o l o g i e vgl. e h e s t e r 1 6 - 2 0 ; Kittel, V ä t e r 6 8 ff; B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 .
36 Einleitung

4. Beziehungen zu Paulus

2
Die Beziehungen zu Paulus bzw. zu einer paulinischen Tradition 53 bilden eins der
2
klassischen Themen in der Jakobusforschung. 54 In der Regel wird es theologisch­
inhaltlich unter der Rubrik »Glaube und Werke« behandelt; die relative Chronologie
ist damit eng verknüpft. Über 2,14-26 hinaus hat man Berührungen entdeckt, die
255
jeweils eher traditionsgeschichtlich, theologisch oder sogar persönlich-polemisch
256
interpretiert w e r d e n .

2 5 7
1. D i e Argumentation in 2 , l 4 - 2 6 w e n d e t sich g e g e n e i n e n G l a u b e n o h n e W e r k e (die Q u a l i f i z i e ­
r u n g » n u r allein« b r i n g t e i n z i g J a k 2 , 2 4 ) ; sie ist a n t i t h e t i s c h k o n z i p i e r t . I m N T w i r d n u r hier u n d
in R o m 4 , 3 ; G a l 3 , 6 b e i m T h e m a G l a u b e u n d R e c h t f e r t i g u n g G e n 1 5 , 6 zitiert. D e r J a k - T e x t legt
2 5 8
nahe, d a ß eine gegenteilige Ansicht korrigiert werden s o l l . D a ß d i e s e m i t P a u l u s z u t u n hat, ist
d e s h a l b sehr w a h r s c h e i n l i c h , weil g e r a d e P a u l u s s i c h p r o n o n c i e r t e n t s p r e c h e n d g e ä u ß e r t h a t . D i e
beiden anderen Möglichkeiten - daß Paulus a u f J a k respondiere oder daß beide unabhängig von­
e i n a n d e r t h e o l o g i s i e r e n — w e r d e n d e m l o g i s c h e n G e f ä l l e n i c h t g e r e c h t . D i e relative C h r o n o l o g i e
b e s t i m m t s i c h d u r c h d e n A b s t a n d z w i s c h e n d e n b e i d e n P o s i t i o n e n . I m m e r w i e d e r ist n o t i e r t w o r ­
d e n , d a ß J a k n i c h t v o n d e n » W e r k e n d e s Gesetzes« redet; d i e D i s k u s s i o n h a t s i c h offensichtlich ver­
2 5 9
lagert, w a s a u c h für d e n G l a u b e n s b e g r i f f g i l t . D i e v o n J a k anvisierte P o s i t i o n ist n i c h t d i e g e n u -
i n - p a u l i n i s c h e , s o n d e r n eine vereinseitigte, j a verzerrte. J a k k l a g t d a s ein, w a s bei P a u l u s » d e r in d e r
L i e b e t ä t i g e G l a u b e « ( G a l 5 , 6 ) heißt. D i e H o m o n y m i t ä t d e s W o r t e s » W e r k « bzw. » G l a u b e « b e d e u ­
tet n o c h k e i n e s e m a n t i s c h e Identität; J a k u n d P a u l u s m ü s s e n n i c h t ü b e r d a s s e l b e reden, a u c h w e n n
2 6 0
sie d a s s e l b e W o r t g e b r a u c h e n .
2 6 1
Gegen e i n e s o l c h e A b l e i t u n g h a t m a n v o r a l l e m f o l g e n d e Argumente angeführt. Eine Polemik
2 6 2
w i e d i e s e v o n seiten d e s J a k g e g e n P a u l u s sei für d a s C h r i s t e n t u m i m 1. J h . o h n e P a r a l l e l e ; ein

253 V g l . als Ü b e r b l i c k : H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 7 - 5 9 ; K l e i n 1 9 7 - 2 0 4 . - Z u r s p ä t e r e n P a u l u s - J a k o b u s - R e l a ­
t i o n v g l . L i n d e m a n n , P a u l u s 2 4 0 - 2 5 2 ; L ü d e m a n n II 1 9 4 - 2 0 5 ; S c h e n k e . R e n s b e r g e r h i n g e g e n notiert
nichts dazu.
2 5 4
E s ist d e r m a ß e n verbreitet, d a ß m a n leichter d i e L i t e r a t u r n e n n t , d i e g e g e n d i e D o m i n a n z p r o t e s t i e r t ; s o . z.
B . B a u c k h a m , W i s d o m 1 1 1 (es folgt d e n n o c h e i n A b s c h n i t t » J a m e s a n d P a u l « 1 1 3 - 1 4 0 ; P e n n e r 2 5 7 ( i m
e i n z e l n e n 47-74); z u r ü c k h a l t e n d a u c h J o h n s o n , A n c B 5 8 - 6 5 .
2 5 5
H e n g e l , P o l e m i k , läßt d e n H e r r e n b r u d e r J a k o b u s z w a r in i n d i r e k t e r F o r m , a b e r m a s s i v , p e r s ö n l i c h w i e
t h e o l o g i s c h , g e g e n P a u l u s n o c h z u d e s s e n L e b z e i t e n (ca. 5 8 - 6 2 ) p o l e m i s i e r e n ( 2 5 2 f . ) . S o ziele b e i s p i e l s ­
w e i s e J a k 4 , 1 3 - 1 6 g e g e n » e i n e M e t r o p o l e n u n d P r o v i n z e n u m f a s s e n d e , l a n g f r i s t i g g e p l a n t e >globale< R e i s e s ­
trategie, m i t m o n a t e - , j a j a h r e l a n g e n A u f e n t h a l t e n i n e i n z e l n e n G r o ß s t ä d t e n , m i t d e m Z i e l , H e i d e n u n d
J u d e n z u >gewinnen«< ( 2 5 5 ) , a l s o g e g e n d a s M i s s i o n s w e r k d e s P a u l u s . Ä h n l i c h e s v e r m u t e t H e n g e l e t w a z u m
S c h w u r v e r b o t ( 2 6 0 f.) o d e r z u r K r a n k e n h e i l u n g ( 2 6 1 f.); stets w ü r d e n d e s P a u l u s p e r s ö n l i c h e E i n s t e l l u n g
u n d sein V e r h a l t e n a n g e g r i f f e n . — D i e s e T h e s e n h a b e n m e i n e s W i s s e n s k e i n e n A n k l a n g g e f u n d e n , u n d d a s
m i t R e c h t . V g l . d i e K r i t i k bei K l e i n 2 8 f.; P e n n e r 5 1 - 5 3 .
2
56Vgl. H e i l i g e n t h a l 4 9 ff.
2 5 7
Näheres ( u n d Literatur) i m Vorwort zu 2 , 1 4 - 2 6 .
2 5 8
D i e s ist e i n w i c h t i g e s u n d v i e l f a c h v e r t r e t e n e s A r g u m e n t ; e b e n s o H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 7 f .
2
59 V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 3 5 f. 5 8 .
2 6 0
Hahn/Müller, T h R 1998, 4 1 .
2 6 1
A u s f ü h r l i c h u n l ä n g s t Penner, E p i s t l e 5 3 - 7 4 . - G a n z a n d e r e W e g e b e s c h r e i t e t n e u e r d i n g s H a a c k e r , J u s t i f i -
c a t i o n : J a k 2 , 1 4 ( » d e r G l a u b e rettet«) n e h m e k e i n p a u l i n i s c h e s M o t i v auf, s o n d e r n e i n s y n o p t i s c h e s (z. B .
M k 5 , 3 4 ) . P a u l u s w e n d e s i c h i n R o m 4 g e g e n eine P o s i t i o n w i e i n J a k 2 , u n d zwar a u s j ü d i s c h e r T r a d i t i o n .
J a k kritisiere a l s o viel eher P e t r u s als P a u l u s . S . d a z u i m K o m m e n t a r z u 2 , 1 4 ff.
262 Penner, E p i s t l e 5 3 - 5 5 ; allenfalls für d a s 2 . J h . sei sie d e n k b a r . D a s A r g u m e n t läßt sich a l s o für e i n e S p ä t d a ­
tierung verwenden.
Traditionen 37
2 264
» m i r r o r - r e a d i n g « 6 3 sei a u c h generell u n z u l ä s s i g u n d u n w a h r s c h e i n l i c h . Ferner sei es schwer
2 6 5
vorstellbar, d a ß J a k Paulus o d e r eine p a u l i n i s c h e G r u p p e d e r m a ß e n m i ß v e r s t a n d ; u n d w a r u m
b e s c h r ä n k e sich d a n n die K o n t r o v e r s e a u f nur einen A b s c h n i t t bzw. A s p e k t ? Z u d e m dürfe m a n
266
2 , 1 4 - 2 6 nicht v o m K o n t e x t (speziell 1 , 2 2 - 2 , 2 6 ) i s o l i e r e n . D i e Parallelen seien i m ü b r i g e n gar
2 6 7
nicht s o e i n d e u t i g klar u n d erklärten sich eher a u s g e m e i n s a m e r T r a d i t i o n , wie g e r a d e a u c h d a s
2 6 8
Abraham-Beispiel z e i g e . A u s der S p r a c h e v o n 2 , 1 4 - 2 6 k ö n n e m a n k e i n e S c h l ü s s e für eine P a u ­
269
l u s - T r a d i t i o n ziehen; d i e j a k Begrifflichkeit sei eher g e m e i n - n e u t e s t a m e n t l i c h . Ferner sei zu
beachten, d a ß weite Teile v o n Rom o d e r G a l in J a k gar nicht berücksichtigt w ü r d e n ; bei einer lite­
2 7 0
rarischen A b h ä n g i g k e i t wäre ein anderer T a t b e s t a n d zu e r w a r t e n . E i n e A n a l o g i e zu solch einer
2 7 1
B e n u t z u n g eines Paulustextes finde sich n i r g e n d s . W e d e r die A b h ä n g i g k e i t v o n Paulus n o c h eine
P o l e m i k g e g e n ihn sei s o m i t zu rechtfertigen. - N u n steht u n d fällt d i e P a u l u s - J a k - R e l a t i o n
keineswegs m i t einer literarischen B e n u t z u n g s h y p o t h e s e . O b J a k Paulus-Briefe (Rom, evtl. G a l ,
2 7 2
l-2Kor) kannte u n d , falls j a , wie er sie benutzte (z. B . exzerpierte), ist eine g e s o n d e r t e Frage.
Z u d e m b e s c h r ä n k e n sich die B e r ü h r u n g e n nicht n u r a u f 2 , 1 4 - 2 6 , wie n o c h gezeigt w e r d e n wird.
E n t s c h e i d e n d j e d o c h ist der sachliche Reflex i m S i n n v o n T h e s e (Paulus) u n d A n t i t h e s e ( J a k ) , die
freilich nicht direkt erfolgte, s o n d e r n über die Z w i s c h e n s t u f e einer verwilderten P a u l u s - T r a d i t i o n .
2 7 3
M a n sollte d e s h a l b in der T a t nicht v o n einer ami-paulinischen Polemik r e d e n . E i n i g e der
e r w ä h n t e n G e g e n a r g u m e n t e lassen sich i m ü b r i g e n e b e n s o g u t für eine S p ä t d a t i e r u n g v e r w e n d e n ,
n ä m l i c h : Polemik, M i ß v e r s t ä n d n i s , A u s w a h l , T e r m i n o l o g i e . W e n n e i n g e w e n d e t wird, o h n e eine » a
priori A n n a h m e v o n A n t i - P a u l i n i s m u s in J a k 2 « sei eine R e k o n s t r u k t i o n der notierten P a u l u s - J a k -
2 7 4
R e l a t i o n gar nicht m ö g l i c h , d a n n k a n n m a n d e n V o r w u r f leicht z u r ü c k g e b e n . W i e s o oft in der
J a k - F o r s c h u n g b e r ü h r t m a n d e n Bereich v o n g e w a c h s e n e n U b e r z e u g u n g e n , unter d e n e n die A r g u ­
m e n t a t i o n leicht S c h a d e n n i m m t . Letztlich zählen die Wahrscheinlichkeit u n d D u r c h s i c h t i g k e i t
der B e f u n d d e u t u n g ; u n d diese weisen ( m . E . ) a u f eine R e a k t i o n seitens des J a k g e g e n ü b e r einer sich
paulinisch gebenden Gedankenfront.
275
A u c h theologisch sollte m a n differenziert u r t e i l e n . D a s b e g i n n t bereits d a m i t , in 2 , 1 4 - 2 6
2 7 6
nicht d a s theologische Z e n t r u m des Briefes zu sehen, s o gewiß d a s ein wichtiger A b s c h n i t t i s t .
2 7 7
E b e n s o d a r f 2 , 1 4 - 2 6 nicht v o m K o n t e x t (speziell 2 , 1 - 1 3 ) separiert w e r d e n . D a s übergreifende
2 7 8
Ziel des G l a u b e n s ist für J a k dessen B e w ä h r u n g ( 1 , 3 ; 2 , 1 ff.) in der Praxis, a u c h g e g e n ü b e r fal­
schen t h e o l o g i s c h e n A n s i c h t e n . D i e Rechtfertigungslehre tritt dabei nicht als T h e m a für sich, d a s

2 6 3
Penner, E p i s t l e 5 5 .
264 Y g i g r u n d s ä t z l i c h d a s C a v e a t v o n K l a u s Berger, D i e impliziten G e g n e r . Z u r M e t h o d e d e r E r s c h l i e ß u n g
v o n » G e g n e r n « in n e u t e s t a m e n t l i c h e n T e x t e n , in: D i e t e r L ü h r m a n n / G e o r g Strecker ( H g . ) , K i r c h e ( F S
Günter Bornkamm) Tübingen (Mohr) 1980, 373-400.
2
65 Penner, Epistle 5 6 - 5 8 .
266 Penner, E p i s t l e 5 8 f. D i e s A r g u m e n t ist nicht n e u u n d für die F r a g e einer P l s - K o n t r o v e r s e n u r b e d i n g t rele­
vant. V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 1 .
2 6 7
Penner, E p i s t l e 6 0 ff. V g l . a u c h H a a c k e r , J u s t i f i c a t i o n .
268 Penner, E p i s t l e 6 3 - 6 7 m i t H i n w e i s a u f l C l e m u n d H e b r ( 6 5 ) . Viel eher sei J a k v o n I M a k k 2 , 5 2 beeinflußt
( 6 5 f.); s o etwa a u c h H e i l i g e n t h a l 5 1 ; Berger, A b r a h a m 3 7 4 . S . d a z u i m K o m m e n t a r .
2 6 9
Penner, E p i s t l e 6 6 - 7 0 .
2 7 0
Penner, Epistle 7 1 f. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 3 8 , m e i n t z u d e m , bei einer S p ä t d a t i e r u n g m ü ß t e a u f die P a u ­
lusbriefe direkt B e z u g g e n o m m e n w o r d e n sein (vgl. 2Petr 3 ) . A b e r nicht e i n m a l die A p g e r w ä h n t i r g e n d ­
einen solchen Brief!
2 7 1
Penner, E p i s t l e 7 1 f.
2 7 2
K l e i n 1 9 7 ff.; u n d B i n d e m a n n 2 0 2 ff. halten es für wahrscheinlich, d a ß J a k Rom u n d I K o r k a n n t e ; S a t o
6 7 f.: R o m u n d G a l .
2 7 3
H a h n / M ü l l e r , T h R 1998, 4 L
2 7 4
V g l . Penner, E p i s t l e 7 4 .
2 7 5
Hahn/Müller, T h R 1998, 36-41.
2 7 6
Näheres i m Vorwort zu 2,14-26.
2 7 7
E b e n s o Verseput, Puzzle 1 0 5 .
2 7 8
Z u m G l a u b e n s b e g r i f f s . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 3 5 f.
38 Einleitung

erst errungen werden m ü ß t e , auf, s o n d e r n geradezu als ideologischer Störfaktor i m (praktisch-) theo-
l o g i s c h e n D i s k u r s . D i e D i s k u s s i o n bei J a k ist ekklesiologisch-ethischer, nicht p r i m ä r soteriologi-
2 7
scher N a t u r wie bei P a u l u s ^ _ letzteres w i r d vielmehr bei J a k g e r a d e infrage gestellt. D i e A u s -
g a n g s b e d i n g u n g e n s i n d g a n z unterschiedlich. F ü r Paulus g e h t es u m die Frage n a c h d e m H e i l s w e g
2 8 0
(den d a s G e s e t z n i c h t bietet), für J a k u m die Verbindlichkeit des G l a u b e n s . J a k ist k e i n A n t i -
2 8 1
pauliner. V i e l m e h r b e w e g e n ihn wie Paulus jeweils zugespitzte Fragestellungen. Paulus m ö c h t e
jederlei S e l b s t e r l ö s u n g des M e n s c h e n , J a k m ö c h t e jederlei S e l b s t t ä u s c h u n g des G l a u b e n s a u s -
schließen. B e i d e treffen sich bei der T ä t i g k e i t des G l a u b e n s in der L i e b e , v o n der J a k 2 , 1 ff.
b e k a n n t l i c h h a n d e l t , o b w o h l er d a b e i nicht explizit v o n A g a p e redet, weil er a n s c h e i n e n d einen
M i ß b r a u c h des L i e b e s g e b o t s a u s r ä u m e n will. Paulus will die » R e l i g i o n « n i c h t in » E t h i k « aufgehen
2 8 2
lassen; J a k will j e n e n i c h t v o n dieser g e t r e n n t s e h e n . - Eigenartigerweise tritt, verglichen m i t
2 8 3
Paulus, das T h e m a »sola gratia« g e g e n ü b e r »sola fide« bei J a k völlig z u r ü c k . E s scheint, d a ß d i e -
2 8 4
ser A s p e k t , der b e k a n n t l i c h bereits i m J u d e n t u m d u r c h a u s akzeptiert w a r , viel w e n i g e r z u m
strittigen P a u l u s - E r b e g e h ö r t e . J a k jedenfalls entfaltet seine A k z e n t s e t z u n g nicht in diese R i c h t u n g .

2. Auch in 2,8 ff existieren enge Berührungen hin zu paulinischem Material. Nur


hier und in Rom 13,8-10 (vgl. Gal 5,14) wird Lev 19,18 gewissermaßen als »Krone
des Gesetzes« bezeichnet und unmittelbar mit dem Anfang der 2. Dekalogtafel ver-
bunden (s. z. St.). Man kann die ganze Passage als Auseinandersetzung mit einer sich
paulinisch gebenden Position lesen, die das Liebesgebot ideologisch ausgehöhlt
285
h a t . Hier - nicht in 2,14 ff. - greift Jak das Thema »Gesetz« auf, dargelegt interes-
santerweise speziell an dem einzigartigen Syntagma »Gesetz der Freiheit« (ebenfalls in
1,25). Auch in 2,1-13 äußert sich Jak kritisch gegenüber Fehldeutungen (Näheres
dazu im Kommentar).
Der Abschnitt 3,13-18 kommt den Äußerungen von 1 Kor 2-3 sehr nahe, teilweise
bis in die Terminologie hinein (s. z. St.). Echte, göttliche Weisheit wird der irdischen,
psychischen Zanksucht usw. gegenübergestellt. Möglicherweise bestehen auch hier
traditionsgeschichtliche Beziehungen. Allerdings können einige Berührungen auch
aus allgemeinem frühchristlichem Gut stammen - so etwa der Katalog in 3,17 (vgl.
Gal 5,22 f.), »ungeheuchelt« (3,17), »Frucht der Gerechtigkeit« (3,18), »Erben« (2,5),
286
oder »unversehrt« (1,4; vgl. lThess 5 , 2 3 ) . Immerhin jedoch gibt es eine Reihe
weiterer Kontaktstellen zum Corpus Paulinum hin - so bei »Herr der Herrlichkeit«
(2,1; vgl. IKor 2,8), »Begierde/Tod« (1,13-15; vgl. Rom 6,23; 7,7 ff.); Vorzugsstel-
lung der Armen (2,5; vgl. IKor 1,26-28). - Ähnlichkeiten in Jak 1,2 f. mit Rom 5,3-
5 überschneiden sich mit solchen zu IPetr 1,6 f., zumal in der Form eines klimak-
287
tischen Kettenschlusses. Der Ansatz bei der Anfechtungsthematik bringt jedoch

279 M i t Heiligenthal 5 0 .
2 8 0
Ebenso Hahn/Müller, T h R 1998, 36.
2 8 1
G e g e n L a u t e n s c h l a g e r 1 8 3 , m i t H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 3 6 , unter B e z u g a u f L i n d e m a n n , Paulus 2 4 9 .
282 Verseput, Puzzle 1 0 8 £ , verweist a u f d e n j ü d i s c h e n H i n t e r g r u n d hinsichtlich »to divorce ethics f r o m religion«.
2 8 3
Vgl. Popkes, Adressaten 4 3 ; L ü d e m a n n 2 0 1 .
2 8 4
D a s zeigten nicht zuletzt d i e Q u m r a n - F u n d e ; s. O t t o Betz, R e c h t f e r t i g u n g in Q u m r a n , in: J o h a n n e s Fried-
rich u. a. ( H g . ) , R e c h t f e r t i g u n g ( F S E r n s t K ä s e m a n n ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) u n d G ö t t i n g e n ( V & R ) 1 9 7 6 , 1 7 -
3 6 , speziell 2 7 ; Siegfried Schulz, Z u r R e c h t f e r t i g u n g a u s G n a d e n in Q u m r a n u n d bei Paulus: Z T h K 5 6
( 1 9 5 9 ) , 1 5 5 - 1 8 5 ; vgl. Popkes, Gerechtigkeitstradition 3 f.
2 8 5
D a z u gehören: d i e R e z e p t i o n v o n L e v 1 9 , 1 8 ; » G e s e t z der Freiheit«; » . . . wer das ganze G e s e t z e r f ü l l t . . . « ( 2 , 1 0 ) ,
s. d a z u i m K o m m e n t a r .
2 8 6
V g l . Popkes, Paränese 1 4 0 - 1 4 9 .
2 8 7
D i e s e Stellen s i n d vielfach m i t e i n a n d e r in B e z i e h u n g gesetzt w o r d e n ; z. B . D i b e l i u s , K E K 1 0 4 f.; T h o m a s ,
Anfechtung; Nauck, Freude; D e p p e 6 3 - 6 5 ; Popkes, Adressaten 132.152.
Traditionen 39
weitergehende traditions- und formgeschichtliche Implikationen mit sich (vgl. auch
die Relation zu Sir 2), auf die bei der Behandlung der Komposition zurückzukom­
men ist.
3. Aufs Ganze gesehen, wird man also die Beziehungen zu Paulus nicht auf 2,14-26
und die Thematik »Glaube/Werke« begrenzen und konzentrieren dürfen. Generell ist
anzunehmen, daß, wenn an einer Stelle eine wichtige Verbindung vorliegt, sich auch
anderswo Berührungen ergaben. Dabei darf die überlieferungsgeschichtliche Frage
nicht außer Acht gelassen werden, wie solche Beziehungen zustande kamen, d. h.
sowohl die allgemeine kirchen- und theologiegeschichtliche Entwicklung als auch die
288
intertextuelle Relation sind zu b e s e h e n . Jak behandelt nicht ein isoliertes theologi­
sches Thema (in 2,14-26), sondern schreibt auf dem Hintergrund der Entwicklung
der (paulinischen) Missionskirchen. Möglicherweise gewann er sogar Zugang zu
einigen paulinischen Kerntexten, evtl. freilich nicht auf direktem Weg, sondern
durch mündliche oder schriftliche Vermittlung.

5. Beziehungen zum 1. Petrusbrief

2 8 9
Die Beziehungen zu IPetr betreffen vor allem Jak 1-2 und 5 . So ähneln sich 1,2-4
und IPetr 1,6 f. z. T bis in den Wortlaut; ebenso 4,6-10 und IPetr 5,5 f., einschließ­
lich desselben Zitats. Vgl. ferner zu Jak 1,12: IPetr 1,8 f. (die Gott lieben, sollen das
Ziel des Glaubens erlangen) und IPetr 3,14: 4,14 (selig, wer im Leiden durchhält).
Auch IPetr 1,24 f. bringt Jes 40,6 f., bei Jak verteilt auf 1,10 f. und 18. Das Motiv der
»Geburt« hat IPetr in 2,1 f.; ebenso »Ablegen des Schmutzes« 1,21, vgl. IPetr 1,23-
25; 2,1. Mehrere Motive in Jak 1,26-2,1 (Frömmigkeit, Reinheit gegenüber der Welt,
Gott und Vater, Ansehen der Person) finden sich auch in IPetr (1,3 f. 17.19; 2,5 ff.
11 ff.). Schließlich gibt es Berührungen in Jak 5,7-20 zu IPetr 4,7 ff.: Nähe des
Endes, angemessenes Verhalten, Gebet, Sünden zudecken (einschließlich Anspielung
290
an Prov 10,12), zudem die Wendung »vor allen D i n g e n « und das Motiv »Herzen
stärken« (IPetr 5,10). - Die Frage nach dem Zustandekommen der Berührungen
29
wird traditionell mit der Formel »aus gemeinsamer Tradition« 1 beantwortet. Die
form-prägenden Kräfte sind jedoch auffällig genug, um nach weitergehenden Lösun­
gen Ausschau zu halten. Immerhin betreffen sie jeweils primär den Rahmen der Brie­
2 9 2
fe. Gemeinsame AT-Elemente kommen hinzu, darüber hinaus noch das Problem

2 8 8
S o w e i t m a n m i t einer P a u l u s - J a k o b u s - B e z i e h u n g r e c h n e t , g e h t m a n in d e r R e g e l d a v o n a u s , J a k w e n d e sich
g e g e n e i n e n m i ß v e r s t a n d e n e n , j a d e g e n e r i e r t e n P a u l i n i s m u s ; vgl. z. B . B l o n d e l 1 4 6 f.; L i n d e m a n n , P a u l u s
2 4 3 ff.; L ü d e m a n n 1 9 4 ff; S o u c e k ; T r o c m e .
2 8 9
V g l . Ferris; B o i s m a r d ; B r a u m a n n 4 0 9 f.; L o h s e , G l a u b e 13 ff; Penner, E p i s t l e 7 2 m i t A n m . 1; v o n L i p s 4 2 8
m i t A n m . 1 9 1 ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 3 5 ff 1 4 9 ff
2 9 0
I m N T nur J a k 5,12 u n d IPetr 4,8.
2 9 1
S o z. B . Penner, E p i s t l e 7 2 . O d e r m a n n i m m t e i n e A b h ä n g i g k e i t d e s I P e t r v o n J a k a n , weil I P e t r t h e o l o ­
g i s c h weiter e n t w i c k e l t sei; s o z. B . H e n g e l , P o l e m i k 2 5 1 .
2 9 2
D i e E n t s t e h u n g s g e s c h i c h t e v o n I P e t r ist m i t e i n i g e n F r a g e n b e h a f t e t (vgl. V i e l h a u e r 5 8 4 f.): L i e g t e i n e P r e ­
d i g t a n N e u g e t a u f t e z u g r u n d e ? L a s s e n sich » W a c h s t u m s r i n g e « e r k e n n e n ? W u r d e d i e P r e d i g t d u r c h M a h ­
n u n g e n e r g ä n z t u n d v e r a l l g e m e i n e r t s o w i e d a s G a n z e schließlich i m B l i c k a u f V e r f o l g u n g a k t u a l i s i e r t
(4,12 ff)?
40 Einleitung

der Akolouthie bei Jak, also die Frage nach der Einarbeitung der Teile. Eine Mög-
lichkeit besteht in der Annahme einer Beeinflussung jeweils durch (eine) ntl. Neo-
293
phyten-Unterweisungs-Tradition. Nicht auszuschließen ist freilich auch, daß Jak
den IPetr wenigstens teilweise exzerpierte. Antworten lassen sich jedoch allenfalls in
einer Gesamttheorie der jak Traditionsaufnahme finden.

6. Weitere innerneutestamentliche Berührungen

Einige weitere innerneutestamentliche Berührungen betreffen folgende Bereiche.


1. Sofern Jak 1,18.21 auf dem Hintergrund frühchristlicher Konversions- und
294
Taufaussagen zu deuten i s t , legen sich Berührungen außer mit IPetr vor allem mit
Kol-Eph nahe, nämlich: Wiedergeburt, Erstlingsfrucht (Kol 1,10; Eph 2,15; 4,21-24;
5,26); Ablegen/Annehmen (Kol 3,8). Dazu kommt evtl. noch: Erwählung und Ver-
2
heißung des Reiches (Gottes) für die, die Liebe üben (Jak 2,5.7; Eph 1 , 4 ) . 9 5
2. Mit Hebr verbinden Jak die Motive der Anfechtung (2,18; 3,8 f.; 4,15) und
Vollendung (2,10), die atl. Exempla Abraham/Isaak (11,17-19) und Rahab (11,31),
dazu »Geduld üben« (6,12-15). Die Berührungen sind eher sporadisch und allge-
mein, ohne einen formgeschichtlich deutlicheren Rahmen.
2
3. Gleiches gilt für ljoh. ^ D a ist einmal der Zusammenhang zwischen Weltliebe,
Prahlen (mit seinem Vermögen), Begierde des Fleisches und der Augen (IJoh 2,15-
17; Jak 4,1 ff. 13 ff.), zum anderen das Sich-Verschließen gegenüber der Not des
Bruders (IJoh 3,17; Jak 2,15 f.). Eine eher formgeschichtliche Parallele liegt in der
Schlußanweisung vor: sich um in die Irre Gehende zu kümmern (IJoh 5,16 f.; Jak
297
5,19 f . ) -

7 . Frühchristliche Schriften

Besonders im Hinblick auf gleiche, z. T spät nachweisbare Vokabeln, auf einige For-
mulierungen und auf einige atl. Anspielungen ist der Vergleich mit den frühchrist-
298
lichen Schriften aus der Zeit von ca. 95 bis 150 von Interesse.

2 9 3
V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 3 6 ff.; M u ß n e r , T a u f l e h r e 6 6 .
2 9 4
V g l . B r a u m a n n ; M u ß n e r , T a u f l e h r e ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 4 7 ; s. z. S t .
2 9 5
D i e T r a d i t i o n s g e s c h i c h t e bei d e n M o t i v e n » d a s R e i c h e r b e n « u n d » d i e i h n l i e b e n « ist n o c h weiter g e f ä c h e r t ,
z. T. m i t d e r T a u f t h e o l o g i e v e r k n ü p f t . V g l . G ü n t e r H a u f e , R e i c h G o t t e s bei P a u l u s u n d in d e r J e s u s t r a d i -
tion: N T S 3 1 ( 1 9 8 5 ) , 467-472; K a r l D o n f r i e d , T h e K i n g d o m o f G o d in Paul, in: W. W i l l i s ( H g . ) , T h e
K i n g d o m o f G o d in 2 0 t h - C e n t u r y I n t e r p r e t a t i o n , P e a b o d y 1 9 8 7 , 1 7 5 - 1 9 0 .
2 9 6
Vgl. Popkes, Adressaten 6 7 ; dort a u c h zu Vowinckel. Epistolarisch vergleicht Francis die beiden Schriften.
2 9 7
Vgl. dazu Popkes, Paränese 149.
2 9 8
E i n e n hilfreichen Ü b e r b l i c k z u d e n A p o s t o l . V ä t e r n bietet J o h n s o n , A n c B 2 6 - 4 8 ( m i t L i t e r a t u r ) . V g l .
D i b e l i u s , K E K 4 9 - 5 1 (zu H e r r n ) , 5 1 f. (zu l C l e m ) ; M a y o r lxxiv ff.; Y o u n g ; A m s t u t z 1 1 6 f.; G e y s e r 3;
S c h o e p s 3 4 9 . - V o n d e n bei J a k e i n i g e r m a ß e n auffälligen V o k a b e l n f i n d e n s i c h in d e n A p o s t o l i s c h e n
V ä t e r n ebenfalls: d X a ^ o v E i a , duetQxooXög, d u i a v x o g , d o m X o g / a j t i A o g , dvooÖEV, dqpavi^oo, CUJQIOV, d j t X ö g
xxX, d v i m ö x p i x o g , d x a x a o x a a i a xxX,, ßXaocpn^isa), ö a j i a v d a ) , öiijnjx-, ö i a x p i v ü ) , ö i c d o y - , EJtumju-ayv,
Epig, EpiÖEia, eXeoc, xxX, E i o n v i x ö g , EjtixvYXdvoo, B o n o x E i a , f | ö o v r | , x a x a X a ? i - , x a x a ö u v a a x E o o , xd^iva),
taxujtpög, voue>6£xng, öcpE^og, ö X ö x ^ n o o g , övEiöitoo/övEiöog, j t X a v d ü ) , J t a o o v o i a , j t o a i j i ) f | g xxX, jtEvÖEO),
j t E i o a o u o g , j i Q o o w j t o X n ^ i a ( a b e r n u r l x ) , m x o ö g xxX, ofjg, ox£vd£oo, Q i m o g KTX, x a X a i J t o o o - , x o ö j t o g ,
Traditionen 41

Die wichtigsten Berührungen sind:


Jak 1,2 vielerlei B e d r ä n g n i s s e H e r m S 7,4 (=66,4)
1,3 f. Prüfung, ausharren H e r m V 4,3,4 (=24,4)
1,2-4 vollkommen, Werk IgnSmll,2f.
1,5.17 Gottes Geben H e r m M 2,4 (=27,4); S 2,7 (=51,7)
1,5 f. i m G l a u b e n bitten H e r m M 9,11 (=39,11)
1,5-8 Zweifel H e r m M 9 (=39)
2
1,8; 4 , 8 ÖLOJJ'UXOC; (u. D e r i v a t e ) 9 9 l C l e m 23,2; 2 C l e m 11,2.5; 19,2;
Barn 19,5; D i d 4 , 3 ;
H e r m M 9 (I4x); 10,2 (=40,2); V 4,1,4.9
(=22,4.8); S 6,1,2 ( = 6 1 , 2 ) ; 6,3,5 (=63,5);
9 , 2 1 , 1 f. ( = 9 8 , 1 f.) u. ö.
1,8;3,8.16 dxaxaoxa- H e r m S 6,3,5 (=63,5)
1,12 A u s d a u e r , Ziel lClem 35,4
1,14 Verfuhrung Diog9,l
1,14 f. Begierde, T o d H e r m M 4,1,2 (=29,2)
1,15 Tod gebären JustDial 100
1,21 eingepflanzte G a b e B a r n 1,2; 9 , 9
1,26; 3 , 2 f. zügeln H e r m M 1 2 , 1 , 1 f. ( = 4 4 , 1 f.)
1,27 sich rein halten H e r m M 12,6,5 (=49,5)
Waisen u n d Witwen H e r m S 1,8 ( = 5 0 , 8 )
2,5 A r m e reich H e r m S 2,5 ( = 5 1 , 1 ) ; 9,26,2 (=103,2)
2,6 lästern H e r m S 8,6,4 (=72,4)
xaxaÖDvaoxeiJco H e r m M 12,5,1 (=48,1)
2 , 1 4 ff. B e t o n u n g der W e r k e lClem 30,3; 38,2
2,21-23 Abraham, Freund Gottes l C l e m 10,1; 17,2
2,23 Abraham, G e n 15,6 l C l e m 10,6
2,25 Rahab l C l e m 12,1-7
3,13 Weisheit in g u t e n
W e r k e n zeigen lClem 38,2
3,15 G l a u b e v o n o b e n hat Kraft;
Zweifel ist irdisch H e r m M 9,11 (=39,11)
3,16 F ü h r e r in Eifersucht l C l e m 14,1
4 , 1 ff. Eifersucht, K r i e g usw. l C l e m 3,2-4; 46,5
4 , 5 f. Z i t a t Prov 3 , 3 2 lClem 30,2;
I g n E p h 5,3
»der G e i s t , d e n er in uns
w o h n e n ließ« H e r m M 3,1 ( = 2 8 , 1 ) ; S 5,6,5 ( = 5 8 , 5 )
4,7 Teufel, Furcht, F l u c h t H e r m M 12,2,2-4 (=45,2-4)
H e r m M 1 2 , 6 , 1 - 4 ( = 4 9 , 1 f. 4 )
4,8 H e r z e n reinigen H e r m V 3 , 9 , 8 ( = 1 7 , 8 ) ; 5,7 ( = 2 5 , 7 )
H e r m M 12,5 (=49,5)
E l e n d derer m i t gespaltener Seele l C l e m 2 3 , 2 f . 2 C l e m 1 1 , 2 f. 3 0 0
4 , 8 f. E l e n d der Zweifler H e r m V 3 , 7 , 1 ( = 1 5 , 1 ) ; S 1,3 ( = 5 0 , 3 )
4 , 1 1 f. Heiligung, üble Nachrede l C l e m 30,1-3; 2 C l e m 4,3
H e r m M 2 , 2 f. ( = 2 7 , 2 f.)

a lva
xaJiEivög, x ^ y^y^- N i c h t i n d e n A p o s t o l i s c h e n V ä t e r n k o m m e n vor: djroxuEiv, djroaxiaouxx,
ßoexa), öauxx^ü), ö i a o j t o g d , Eujrooog, emxr|Ö£iog, eoojtoov, Ei)jt£i0f|g, E(pr|[XEQ-, i'jutog, x a x a x a v x - ,
xaxioco, ök)Xi>£o), nagaXkayr).
2 9 9
V o l l s t ä n d i g e L i s t e b e i Kraft. Z u öiojjuxog s. D i b e l i u s , K E K 4 9 A n m . 1; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 5 f.; Seitz,
A n t e c e d e n t s , A f t e r t h o u g h t s ; M a r s h a l l , L o c a l ; Porter.
3 0 0
I n l C l e m 2 3 als Schriftzitat, in 2 C l e m 11 als p r o p h e t i s c h e s W o r t bezeichnet.
42 Einleitung

Jak 4,12 retten/verderben HermS 9,23,4 (=100,4); M 12,6,3 (=49,1)


4,14 »wie D a m p f « lClem 17,6
4,16 H o c h m u t , Prahlerei l C l e m 2 1 , 5 ; H e r m M 6,2,5 (=36,5);
S 8,9,1 (=75,1)
5,5 »fressen« Barn 10,3
5,1-6 A u f r u f an Reiche30i H e r m V 3 , 9 (=17,1)
5,11 noXvon'kayxvoc, (etc.) H e r m V 1,3,2 ( = 3 , 2 ) u. ö.;
J u s t D i a l 55302
5,12 Eid, Wahrhaftigkeit J u s t A p o l I 16
5,19 f. R e t t u n g Irrender 2 C l e m 1 5 , 1 ; 17,1 f.; B a r n 19,10
Prov 10,12 2Clem 16,4

Die Diskussion in der Literatur bewegt sich überwiegend um die Frage einer literari­
schen Abhängigkeit, einmal generell in traditionsgeschichtlicher Hinsicht, zum ande­
ren aber auch mit kanonsgeschichtlicher Relevanz. Die verbreitetste Meinung ist, Jak
habe wie die anderen aus ähnlichen (primär paränetischen) »Strömen« geschöpft,
eine literarische Abhängigkeit in der einen oder anderen Richtung sei nicht aufweis-
bar.303 Dabei bezeuge Jak jedoch ein relativ früheres Stadium, weil die anderen
Schriften die Materialien weiter fortentwickelt hätten.304 Daneben steht die Auffas­
sung, daß l C l e m , Herrn usw. als frühe Bezeugungen des von ihnen benutzten Jak gel­
ten dürfen, also für eine relativ frühe Existenz und Anerkennung des Jak sprechen.305
Das Material reicht dafür aber nicht aus. Die Berührungen sind insgesamt zu wenig
spezifisch, zu sporadisch und formgeschichtlich zu wenig deutlich, als daß man über
eine allgemeine Kenntnis diverser überlieferter Materialien hinausgehen darf. Signifi­
kant bleibt jedoch die Nähe im Motiv- und Sprachbereich; auch Jak scheint hier in
erheblicher Weise zuhause zu sein.306

8. Sachlich-situativer Vergleich

Im sachlich-situativen Vergleich steht Jak Schriften wie dem MtEv, dem Hebr und den
Pastoralbriefen, z. T. auch Lk-Apg nahe. Allgemein betrachtet, treten für die 2. bzw.
3. Generation typische Gefahren zutage, vor allem die Erschlaffung der geistlichen
Spannkraft und das Problem des hier und da wachsenden Wohlstands.3°7
1. Die Pastoralbriefe ringen u. a. darum, wie man bei intendierter Weltoffenheit
und unter sozialen Unterschieden einen christlichen Lebenswandel pflegt. Die H a b ­
gier gilt als besondere Gefahr ( l T i m 6,9 f.; vgl. 3,3; Tit 1,7). Nicht Askese, aber Ge-

3 0 1
Z u » a r m / r e i c h « bei J a k u n d H e r r n s. D i b e l i u s , K E K 5 0 A n m . 1.
302 V g l . d a z u M a y o r 1 6 5 .
303 S o e t w a D i b e l i u s , K E K 4 9 - 5 3 .
304 D i b e l i u s , K E K 5 0 ( A n m . l z u H e r r n ) .
305 S o M e y e r 5 9 - 7 2 .
3 0 6
J a k v e r f o l g t in seiner D i k t i o n - i m V e r g l e i c h z u m b r e i t e n , a u s u f e r n d e n , l ä n g l i c h e n Stil v o n l C l e m , H e r r n
u n d B a r n - e i n e lectio brevior, ä h n l i c h w i e 1 Petr, v e r g l e i c h b a r in g e w i s s e r W e i s e m i t D i d , d i e a b e r viel stär­
ker e i n e A n s a m m l u n g v o n E i n z e l a b s c h n i t t e n ist.
3 0 7
N ä h e r e s : P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 8 flf. G e g e n e i n e n » n e u e n K o n s e n s u s « w e n d e t sich J u s t i n J . M e g g i t t , P a u l ,
Poverty a n d Survival, E d i n b u r g h (Clark) 1 9 9 8 : Paulus u n d seine L e u t e waren a r m .
Traditionen 43

nügsamkeit, Selbstdisziplin, schlichte Frömmigkeit und Sachlichkeit werden gefor­


dert. Ein Problemkonglomerat scheint sich aus der Verbindung zwischen den Fakto­
ren (Irr-)Lehre, Reichtum und Zank/Rivalität ergeben zu haben (vgl.lTim 6,3-10),
wie es sich auch in Jak 3-4 widerzuspiegeln scheint.
2. Auch in Lk-Apg beobachtet man die Gefährdung der Gemeinde durch wach­
senden Wohlstand bei einigen und dessen Rückwirkung auf die Gemeinschaft,308
verbunden mit den Faktoren Macht, Einfluß und Abhängigkeit. Es existieren sozio-
ökonomische Unterschiede und Spannungen. Lk bringt die Lösung - ähnlich wie
Jak - auf die Formel »Wohltätigkeit und Genügsamkeit«309. Nicht Askese, aber Be­
sitzverzicht zwecks Wohltätigkeit wird empfohlen.
10
3. Die Berührungen zwischen Jak und Mß betreffen nicht nur das »Bergpre­
digtmaterial« (s. o.), sondern auch eine ähnliche Lageeinschätzung. Die Christen
müssen ans Tun der Worte Jesu erinnert werden; das ist heilsrelevant (Mt 7,21-29).
Die Motive Gerechtigkeit und Frucht (Jak 3,17 f.) spielen auch bei M t eine wesent­
liche Rollern, desgleichen Barmherzigkeit3i2. Der konsequenzlosen Gemeinde droht
das Gericht. Ekklesiologisch scheint auch M t relativ »ämterlos« zu sein (s. 23,8-
12).3i3 Wie Jak betont M t eine praktische Frömmigkeit und Grundhaltung.
4. Neben den Motiv-Parallelen zwischen Jak und Hebr (s. o.) ist ebenso die gene­
relle Situation ein Vergleichspunkt.314 Der Hebr richtet sich an Christen, die im
Glauben müde und auch welt-zugewandt geworden sind. Das Modell der Wüsten­
wanderung Israels stellt das Versuchungsmotiv heraus. Wie bei Jak soll man Ausdau­
er lernen, damit das Ziel nicht verfehlt wird.
5. Der Vergleich mit den genannten ntl. Schriften stellt Jak in eine allgemeine^
Situation am Ausgang des 1. Jh.s. Typische Probleme der 2.-3. Generation werden
sichtbar: Nachlassen der Spannkraft und der Tätigkeit des Glaubens, Welt-Zuge-
wandtheit, Wohlstand und Prestigedenken, soziale Unterschiede, Gruppenegoismus.
In der einen oder anderen Weise versuchen die Schriften, diesen Problemen zu begeg­
nen. Die Unterschiede zwischen ihnen überwiegen unverkennbar; trotzdem lassen
sich die Gemeinsamkeiten in der Frontstellung nicht übersehen. Jak ist ein Teil einer

3 0 8
L i t e r a t u r bei P o p k e s , A d r e s s a t e n 79-81.
309 M i t H o r n , G l a u b e u n d H a n d e l n (s. o. A n m . 138). D o r t (243) auch zu den theologischen u n d personalen
Spannungen: Gewinrlstreben, verbunden mit »Selbstüberheblichkeit, Selbstrechtfertigung u n d Verachtung
a n d e r e r « . D a s G a n z e ist n i c h t n u r ein w i r t s c h a f t l i c h e s P r o b l e m , s o n d e r n a u c h eins d e s G l a u b e n s u n d d e r
F r ö m m i g k e i t , d a m i t zugleich der E t h i k u n d des Gemeindeverständnisses.
310 C o o p e r ; S h e p h e r d ; H e n g e l , P o l e m i k 251 ( m i t M t sei J a k t h e o l o g i s c h » a m n ä c h s t e n v e r w a n d t « ) .
3 1 1
Vgl. Popkes, Gerechtigkeitstradition.
3 1 2
S . d a s Z i t a t v o n H o s 6,6 in 9,13 und 12,7.
3 1 3
D a s b e z i e h t s i c h lt. 23,8 s o g a r a u f » L e h r e r « . Z u r D i s k u s s s i o n s. H u b e r t F r a n k e m ö l l e , A m t s k r i t i k i m M a t ­
thäus-Evangelium? Bibl 54 (1973), 247-262; S a m u e l Byrskog, Jesus the O n l y T e a c h e r . D i d a c t i c Authority
a n d T r a n s m i s s i o n in A n c i e n t Israel, A n c i e n t J u d a i s m a n d t h e M a t t h e a n C o m m u n i t y ( C B , N T S . 24),
S t o c k h o l m ( A l m q v i s t & W i k s e i l ) 1994; E d u a r d Schweizer, M a t t h ä u s u n d s e i n e G e m e i n d e ( S B S 71), Stutt­
gart ( K B W ) 1974, 159-163; D e n n i s C . Duling, T h e M a t t h e a n B r o t h e r h o o d a n d M a r g i n a l Scribal L e a -
d e r s h i p , in: P h i l i p F. E s l e r ( H g . ) , M o d e l l i n g E a r l y C h r i s t i a n i t y . S o c i a l - s c i e n t i f i c s t u d i e s o n t h e N e w T e s t a ­
m e n t in its c o n t e x t , L o n d o n ( R o u t l e d g e ) 1995; St. H u m p h r i e s - B r o o k s , Indicators o f Social O r g a n i s a t i o n
a n d S t a t u s in M a t t h e w s G o s p e l : S B L . S P 30, Atlanta (Scholars) 1991, 31-49.
3 1 4
N ä h e r e s u n d L i t e r a t u r bei P o p k e s , P a r ä n e s e 111-115.
3 1
5 S. d a z u H a h n / M ü l l e r , T h R 1998, 65-70.
44 Einleitung

allgemeinen Bewegung, die ein Abgleiten zu verhindern und eine rechte praxis pieta-
tis zu fördern sucht.

§ 6 Die kompositorische Gestalt


Die Frage nach Aufbau, Gliederung, Form und Struktur des Jak durchzieht die Ge-
schichte der Forschung von Anfang an.316 Eine Skizzierung dieser Geschichte er-
scheint deshalb angebracht. Immer wieder hat man neue methodische Ansätze ange-
wendet, um Struktur, Argumentationsstrategie, Charakter und Gedankengang zu
definieren.317 Eigenartigerweise ähneln sich die Ergebnisse trotz differenter M e -
thoden in nicht geringem Maße, und zwar vor allem darin, daß man immer wieder
bestimmte Abschnitte (wie z. B. 2,14-26) meint klar herausstellen zu können, wäh-
rend andere Passagen (speziell 1,2 ff.) notorische Problemgebiete bleiben. Die Struk-
turfrage hängt mit der nach der Akolouthie zusammen. Schwierigkeiten bereitet vor
allem die Frage der Kohärenz auf der Ebene der pragmatischen Intention3i8, daneben
auch die der Kohäsion auf semantischer Ebene3i9 weniger die der Konnexität auf )

syntaktischer Ebene.320 £ ) Strukturproblem als ganzes hängt wiederum mit der


a s

Gattungsfrage zusammen; welchem Genre ist Jak zuzuordnen? Welches methodische


Vorgehen ist deswegen angemessen? Eine Reihe von methodischen Überschneidun-
gen ist zudem zu registrieren, etwa zwischen rhetorischen und thematischen Ansät-
zen. Eine wesentliche Rolle spielt schließlich auch das Verhältnis zwischen synchro-
nen und diachronen Aspekten sowie deren Aufnahme in der Bewertung von Inter-
und Intratextualität, in Hinblick sowohl auf die Struktur als ganze als auch auf die
Akolouthie im einzelnen. Was ist der Traditionsübernahme zuzuschreiben, was dem
eigenen Gestaltungsplan des Autors?

1. Gattungsbestimmung
21
Eine klare Gattungsbestimmung^ ist für Jak schwierig, weil nicht genügend deutliche
Parallelen vorhanden sind.

1. D i e v o n M . Dibelius322 v o r allen a n J a k u n d P s l s o k r a t e s D e m o n i c e a aufgezeigte D e f i n i t i o n v o n


»Paränese« bzw. » p a r ä n e t i s c h e Lehrschrift« als einer relativ d i s p a r a t e n S a m m l u n g v o n S p r ü c h e n ,

316 Ü b e r b l i c k b e i H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 9 . 1 6 - 2 4 ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 4 - 3 6 5 9 ; P o p k e s , A d r e s s a t e n
18-23, C o m p o s i t i o n ; Paulsen, Jakobusbrief.
3 1 7
Darunter: inhaltlich-thematische u n d Kriterien (Leitbegriffe, T h e m a - R h e m a , O p p o s i t i o n e n ) , formale
A s p e k t e (aus Epistolographie, Rhetorik, Paränese), Textpragmatik. V g l . d i e grundlegenden Anfragen bei
Wuellner.
3 1 8
V g l . T s u j i 5 1 ff.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K p a s s i m .
3 1 9
S. dazu Frankemölle, Netz.
3 2 0
Z u r D i f f e r e n z i e r u n g s. C o n t e .
3 2 1
V g l . d e n Ü b e r b l i c k bei H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 4 - 2 9 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 4 - 7 0 ; T s u j i 5 - 1 2 ; J o h n s o n ,
A n c B 16-25; Baasland, A N R W 1988, 3 6 4 9 - 3 6 5 4 ; Popkes, Adressaten 10-18; Aune, Environment, Literature.
3 2 2
I m G e f o l g e v o n W e n d l a n d u n d H a r n a c k ; s. D i b e l i u s , K o l o s s e r , K E K , T h R 1 9 3 1 , F o r m g e s c h i c h t e , G e -
s c h i c h t e ; V g l . P a u l s e n , J a k o b u s b r i e f , P a r ä n e s e ; S c h n a c k e n b u r g , P a r ä n e s e ; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 5 f.;
P o p k e s , P a r ä n e s e 3 0 ff.
Die kompositorische Gestalt 45
3 2 3
S p r u c h r e i h e n u n d kleinen A b h a n d l u n g e n , d i e für d i e F o r s c h u n g l a n g e in G e l t u n g s t a n d , hat
3 2 4
z u n e h m e n d e K r i t i k a u f sich g e z o g e n . W e d e r treffen d i e g a t t u n g s g e s c h i c h t l i c h e n V o r a u s s e t z u n ­
gen z u , n o c h p a ß t J a k selber in solch ein S c h e m a . D e r P a r ä n e s e - B e g r i f f hat sich m e r k l i c h a u s g e ­
3 2 5 3 2 6
weitet u n d v e r ä n d e r t . Speziell s i n d » S i t u a t i o n s v e r b o t « u n d » K o n t e x t v e r b o t « weithin a u f g e h o ­
b e n w o r d e n . G e w i ß ist » S i t u a t i o n « für J a k in e i n e m weiteren S i n n z u fassen als etwa bei P a u l u s ; d e s ­
w e g e n b r a u c h e n d i e A u s f ü h r u n g e n j e d o c h n i c h t zeitlos »usuell« (statt »aktuell«) z u sein. M a n k a n n
die B r ü c h e bei J a k a u c h n i c h t einfach d e m G e n r e zuweisen, w i e d a s bei D i b e l i u s geschieht; d i e F r a ­
gen der K o n t e x t u a l i t ä t u n d K o h ä s i o n b e d ü r f e n einer a n d e r e n E r k l ä r u n g .
3 2 7
2 . Seit längerem bereits hat m a n versucht, J a k als Midrasch zu l e s e n (vgl. o. § 5 , 1 . 2 ) . N e b e n ein­
zelnen Stellen w u r d e a u c h der g e s a m t e Brief entsprechend eingestuft. M . G e r t n e r sieht in J a k eine
M i d r a s c h - H o m i l i e über H o s 1 0 , 2 i m A n s c h l u ß an Ps 1 2 , 1 - 5 (bzw. 2 - 6 ) , der selber ein M i d r a s c h über
die Prophetenstelle, sei, u n d zwar m i t den T h e m e n G l a u b e , G l a u b e u n d Werke, Z u n g e , Feindschaft
3 2 8
gegen G o t t , B e d r ü c k u n g der A r m e n . A . Blenker rekurriert a u f d a s H i o b - B u c h , speziell H i 1-32
u n d 4 2 , 7 - 1 2 in Relation zu J a k 1,2-17 u n d 4 , 1 3 - 5 , 1 1 . J a k beziehe seine T h e m a t i k weithin dort­
3 2 9
her. D . L . B e c k findet in l Q S / l Q S a die gleiche T h e m e n f o l g e u n d eine siebenteilige O r d n u n g wie
3 3 0
in J a k . Viel A n k l a n g h a b e n diese Vorschläge nicht gefunden; der N a c h w e i s ist schwer zu führen.
D e r m e t h o d i s c h ähnliche Versuch v o n A . Meyer, J a k sei eine Allegorie, n ä m l i c h ein ursprünglich j ü d .
3 3 1
T e s t a m e n t des J a k o b an seine zwölf S ö h n e , entbehrt ebenfalls der sicheren B a s i s .
332
3. M e h r f a c h hat m a n »Katechismus« o. ä. v o r g e s c h l a g e n . K . Kürzdörfer d e n k t an »das G e n u s
3 3 3
der (gottesdienstlichen) Paraklese« - vorgetragen v o n e i n e m » M a h n r e d n e r « an die G e m e i n d e ähn­
3 3 4
lich wie in Q u m r a n . R . B . H a l s o n versteht die Epistel als S a m m l u n g katechetischen Materials z u m
3 3 5
G e b r a u c h in d e n Kirchen, »hervorgegangen aus einer besonderen >Schule< v o n K a t e c h e t e n « .
J . W a n k e führt J a k a u f ein christliches »Lehrerkollektiv« zurück, das d a m i t » G e m e i n d e p a r ä n e s e «
3 3 6
betreibe. E . L o h s e bezeichnet J a k »als eine A r t H a n d b ü c h l e i n christlicher E t h i k « , »als ein kleines

323 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 4 f. ( m i t L i t e r a t u r ) .
3 2 4
Berger, F o r m g e s c h i c h t e 1 4 7 ; T s u j i 7 - 1 0 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 5 ; P e r d u e / G a m m i e , S e m e i a 5 0 ; H e n g e l ,
P o l e m i k 2 4 8 - 2 5 0 ; P o p k e s , P a r ä n e s e 3 0 ff.; K ü r z d ö r f e r 10; T h o m a s , A n f e c h t u n g 1 8 6 . 1 9 0 ; B a a s l a n d , S t T h
1982, 135 A n m . 2.
325 V g l . T h o m a s , P h o k y l i d e s ; P e r d u e , C h a r a c t e r ; P e r d u e / G a m m i e , S e m e i a 5 0 ; P a u l s e n , Paränese; P o p k e s ,
Reconsidered, Paränese.
3 2 6
Z w e c k s K l a r s t e l l u n g (vgl. K o n r a d t , E x i s t e n z 11 A n m . 6 - 7 ) : V o n » K o n t e x t v e r b o t « redete e r s t m a l s B u r c h a r d ,
Z N W 1 9 8 0 , 2 7 ; d e n a n a l o g e n A u s d r u c k » S i t u a t i o n s v e r b o t « b r a c h t e m e i n e s W i s s e n s i c h in d i e D i s k u s s i o n
( A d r e s s a t e n 3 3 ) . V g l . jetzt a u c h B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 3 . 2 : » m a n k ö n n t e a u c h n o c h e i n Präzisie-
rungsverbot erfinden«.
3 2 7
H a n s o n , Report. Vgl. allgemein Bodendorfer/Millard.
3 2 8
G e r t n e r , M i d r a s h i m ; kritisch d a z u M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 5 8 f. - H e i l g e n t h a l 3 9 b e z e i c h n e t J a k 2 , 2 1 - 2 4 als
M i d r a s c h . P r o c k t e r b e t r a c h t e t J a k 4 , 4 - 6 als M i d r a s c h ü b e r N o a h . J a c o b s b e l e u c h t e t d e n » M i d r a s c h - H i n t e r -
grund« von J a k 2,21-23.
3 2 9
Blenker. D i e T h e m a t i k s t a m m e teilweise aus d e m falschen Verhalten d e r F r e u n d e H i o b s : falsches R i c h t e n ,
G l a u b e u n d W e r k e , falsche B e l e h r u n g anderer, i n n e r e Z e r r i s s e n h e i t .
3 3
° B e c k ; er unterteilt J a k e n t s p r e c h e n d : 1 , 2 - 1 8 ; 1 , 1 9 - 2 7 ; 2 , 1 - 1 3 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ; 3 , 1 3 - 5 , 6 ; 5 , 7 - 2 0 . V g l . d i e
K r i t i k bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 4 7 f.
3 3 1
A u s f ü h r l i c h s t e K r i t i k bei K ü r z d ö r f e r 2 8 - 8 6 ; vgl. T s u j i 1 1 . E i n e M o d i f i k a t i o n des A n s a t z e s v o n M e y e r b i e ­
tet H a r t m a n n : » D e r christliche Verfasser J a k o b u s h a t seine briefliche P a r ä n e s e ... a n d i e in G n 2 9 , 3 2 - 3 5 , 1 8
g e g e b e n e n u n d j e d e m J u d e n sicher geläufigen E r k l ä r u n g e n des N a m e n s der 1 2 S ö h n e a n g e k n ü p f t , i n d e m
er jedesmal d i e I n h a l t s d e u t u n g wie ein Stichwortbenutzt, z u d e m er d a n n ... einiges a u s f ü h r t « ( 6 4 ) . Beispiel
J a k 1 , 2 - 1 8 R ü b e n G e n 2 9 , 3 2 » D e r H e r r h a t angesehen mein Elend« ( 6 4 f.).
3 3 2
V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 5 . Z u m p a s t o r a l e n u n d p r e d i g t h a f t e n C h a r a k t e r des J a k . K ü r z d ö r f e r 1 0
m i t B e z u g a u f M o f f a t t ; vgl. L o n g e n e c k e r , E x e g e s i s 1 8 9 .
3 3 3
V g l . B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , 1 1 9 f.: h o r t a t i o .
3 3 4
K ü r z d ö r f e r 1 0 7 - 1 2 5 . V g l . B o R e i c k e , D i a k o n i e , F e s t f r e u d e u n d Z e l o s in V e r b i n d u n g m i t d e r altkirchlichen
Agapenfeier ( U U A 1951:5), Uppsala (Lundequistska)/Wiesbaden (Harrassowitz) 1 9 5 1 , 3 4 5 .
3 3 5
H a l s o n 3 1 2 f.
3 3
6 Wanke 508-510.
46 Einleitung

E n c h i r i d i o n für d i e F r a g e n des christlichen A l l t a g s « . D i e K a t e c h i s m u s f o r m sei » v o n der späteren


3 3 7
H o m i l e t i s i e r u n g überlieferter Paränese« (wie etwa bei H e r m a s ) z u u n t e r s c h e i d e n .
4 . A n d e r e s c h l a g e n »Traktat« vor; d a m i t w i r d m e i s t e n s ein T h e m a v e r k n ü p f t . F ü r G . S c h u l e ist
3 3 8
J a k ein T r a k t a t ü b e r d i e U n g e s p a l t e n h e i t d e s G l a u b e n s , für L . F. R i v e r a ü b e r »weises V e r h a l t e n
3 3 9
in d e n d e r g r o s s e n P r ü f u n g v o r a u s l a u f e n d e n P r ü f u n g s s i t u a t i o n e n « , für G . S t r e c k e r ein » T r a k t a t
3 4 0
mit paränetischer A b z w e c k u n g « .
3 4 1
5. Mischformen vertreten L . T . J o h n s o n ( » p r o t r e p t i s c h e r D i s k u r s in B r i e f f o r m « ) u n d F. V o u -
3 4 2
ga , d e r K a p . 1 als P a r ä n e s e b e z e i c h n e t , K a p . 2 als D i a t r i b e , K a p . 4 - 5 als p r o p h e t i s c h e s O r a k e l
u n d d e n R e s t als L o g i e n a u s s y n o p t i s c h e r T r a d i t i o n . K . B e r g e r w e i s t J a k d e r p r o t r e p t i s c h e n s y m -
3 4 3
bouleutischen Literatur z u .
6 . V e r s u c h e , J a k g a t t u n g s m ä ß i g i n s g e s a m t d e r Diatribe^ zuzuordnen (so J . H . R o p e s ) , haben
3 4 5
sich n i c h t d u r c h g e s e t z t . Z w a r f i n d e n s i c h Z ü g e der D i a t r i b e (fiktive D i a l o g e , fiktive O p p o n e n ­
ten, diverse F r a g e n a r t e n , S t i l m i t t e l , W e n d u n g e n u s w . ) . A b e r d a s reicht n i c h t a u s für e i n e G a t ­
3 4 6
tungsbestimmung.
3 4 7
7 . S e i t einiger Z e i t g e w i n n t d i e Briefform wieder mehr A n k l a n g . Teils g e h t es d a b e i a l l g e m e i n
u m d i e F r a g e , o b d i e e p i s t o l a r i s c h e n T e i l e i n J a k für e i n e s o l c h e G a t t u n g s b e s t i m m u n g a u s r e i c h e n ,
3 4 8
speziell i m H i n b l i c k a u f d e n S c h l u ß . V o n d e r hellenistischen E p i s t o l o g r a p h i e her ist d i e F r a g e
3 4 9
positiv zu b e a n t w o r t e n . E i n h e i t l i c h e R e g e l n für Briefe existierten in d e r A n t i k e n i c h t . I m m e r h i n
g i b t sich d a s S c h r e i b e n in 1,1 selbst als B r i e f z u e r k e n n e n ; es g e h ö r t e a m e h e s t e n zur G a t t u n g d e r
litterae p u b l i c a e ( H . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 8 ) . D e r e p i s t o l a r i s c h e A n s a t z w i r d s o d a n n e i n m a l in
R i c h t u n g speziell a u f d i e B r i e f e r ö f f n u n g h i n weiter verfolgt, a l s o in H i n b l i c k a u f eine e i n f a c h e o d e r
3 5 0
s o g a r d o p p e l t e G e s t a l t d e r E x p o s i t i o n (F. O . F r a n c i s ) . D e s w e i t e r e n fragt m a n n a c h einer b e ­
3 5 1
s t i m m t e n Tradition aufgrund des Präskripts, nämlich d e m jüdischen D i a s p o r a b r i e f , w o m i t ein

337 L o h s e , G l a u b e 1 1 . 1 6 f . 2 2 .
338 Schille; er e n t w i c k e l t d a s T h e m a a u s 1,2 ff.: »Weil G o t t u n g e s p a l t e n ist ( h a p l o s ) , soll d e r G l a u b e n i c h t
gespalten erscheinen (dipsychos)« (77).
339 R i v e r a 1 4 5 - 1 6 9 .
3 4 0
Strecker, L i t e r a t u r g e s c h i c h t e 7 2 .
4
3 1 Johnson, AncB 24.
4
3 2 V o u g a 16.
3 4
3 Berger, F o r m g e s c h i c h t e 1 4 7 .
3 4 4
D i e D e f i n i t i o n v o n D i a t r i b e hat sich m i t der Zeit verändert; Begriffsgeschichte bei Schindler, D i a t r i b e 1-
5 4 ; d o r t ( 2 0 f.) a u c h K r i t i k a m A n s a t z v o n S t o w e r s , D i a t r i b e . V g l . T s u j i 6 A n m . 1 1 z u B u l t m a n n (»Stil d e r
kynisch-stoischen Volkspredigt«, Stowers (»in der philosophischen Schule verwendeter Diskurs«) u n d
4
S c h i n d l e r (der d i e V i e l f ä l t i g k e i t u n d V a r i a b i l i t ä t b e t o n t ) . D a v i d E . A u n e , D i a t r i b e : R G G II ( 1 9 9 9 ) , 8 3 2
f., e r k e n n t drei A s p e k t e i n d e r n e u e r e n D i s k u s s i o n : ( 1 ) literarisches G e n r e ( S t o w e r s ) o d e r i n f o r m e l l e r li-
tearischer Stil ( S c h i n d l e r ) ? ( 2 ) S o z i a l e r K o n t e x t : p o p u l ä r e m ü n d l i c h e P r e d i g t d u r c h K y n i k e r u n d S t o i k e r
o d e r p r i m ä r i n d e r P h i l o s o p h e n s c h u l e ( S t o w e r s ) ? ( 3 ) B e i Pls u n d J a k Ü b e r n a h m e eines p ä d a g o g i s c h e n Stils,
d e r i m U m f e l d d e r P h i l o s o p h e n s c h u l e n e n t w i c k e l t w u r d e . A u n e definiert: » D i e D . w i r d d u r c h i h r e n d i a l o ­
gischen C h a r a k t e r b e s t i m m t , einschließlich der V e r w e n d u n g imaginärer O p p o n e n t e n , hypothetischer E i n ­
w ä n d e u n d falscher K o n k l u s i o n e n « ( 8 3 2 ) .
4
3 5 D a z u s. C h u r c h 4 5 - 9 1 ; T s u j i 6 f.; F a y 4 0 5 . Z u P a u l W e n d l a n d : P o p k e s , P a r ä n e s e 3 0 .
3 4 6
S c h i n d l e r , D i a t r i b e , ä u ß e r t sich s k e p t i s c h d a r ü b e r , o b D i a t r i b e ü b e r h a u p t (also n i c h t n u r i m Fall v o n J a k )
e i n e G a t t u n g s b e z e i c h n u n g sei ( 3 3 - 5 4 . 9 8 f . ) .
347 V g l . T s u j i 5 f.; N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e , m i t B e z u g a u f T a a t z . F r ü h e r : M a y o r ( d a z u C h u r c h 1 3 - 4 4 ) .
3 4 8
I m m e r h i n existiert e i n P r ä s k r i p t . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 6 , fragt z u R e c h t , »wie der Verfasser selbst sein S c h r e i ­
b e n verstehen wollte« - als » B r i e f a n k o n k r e t e A d r e s s a t e n , d a r ü b e r h i n a u s ... als R u n d b r i e f a n alle C h r i s t e n « .
3 4 9
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 7 - 7 0 ; F r a n c i s ; S t o w e r s , Letter; W h i t e , A N R W , L i g h t ; K l a u s B e r g e r , H e l l e n i s t i s c h e
G a t t u n g e n i m N e u e n T e s t a m e n t : A N R W II 2 5 . 2 ( 1 9 8 4 , 1 0 3 1 - 1 4 3 2 ) , 1 1 3 2 - 1 1 3 8 . 1 3 2 6 - 1 3 6 3 ; Strecker,
L i t e r a t u r g e s c h i c h t e 56ff.; A b r a h a m J . M a l h e r b e , A n c i e n t E p i s t o l o g r a p h y T h e o r i s t s , A t l a n t a 1 9 8 8 ; Penner,
Epistle 1 3 3 - 1 3 9 .
3
50 S . o. § 6 , 3 .
351 T s u j i 5 - 5 0 ; N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e ; V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 f. H o p p e , Q D 1 7 1 - 1 7 5 .
Die kompositorische Gestalt 47
3 5 2
inhaltlich-situativer A s p e k t b e r ü h r t ist. Fazit: I n A n b e t r a c h t d e s e i g e n e n S i g n a l s (in 1 , 1 ) spricht
in d e r T a t viel für d i e B r i e f f o r m . Freilich b l e i b t d i e A n g a b e relativ f o r m a l . D i e d a r a u s evtl. erfol­
genden K o n s e q u e n z e n gehen methodisch über diese Z u o r d n u n g hinaus.

8. Insgesamt bietet die Gattungsfrage nur bedingt Aufschluß über die kompositori­
sche Gestalt des Jak. Von 1,1 her hat »Brief« Priorität, was aber nur eine Rahmenan­
gabe darstellt. Daß Jak Elemente von Paränese, Diatribe, evtl. sogar von Hortatio,
Protreptik und Midrasch enthält, ist unbenommen; aber als Gattungsbezeichnung
sind diese Termini nicht genügend scharf. Dasselbe trifft auf »Traktat« zu; wenn
damit die gedrängte Behandlung eines Themas oder Themenbereiches gemeint ist, so
entspricht das weder der Fülle der inhaltlichen Aspekte bei Jak noch deren argumen­
tativer Durchführung im Anrede-Stil. Jak dürfte einiges aus der frühchristlichen kate­
chetischen Tradition übernommen haben, wie auch der Vergleich mit IPetr und dem
Bergpredigtmaterial zeigt, speziell aus der Unterweisung an Neophyten. Aber er
knüpft daran nur an; eine Gattungsbezeichnung ergibt sich daraus nicht.

2. Rhetorische Analyse

Wie auch bei anderen Teilen des N T hat man die Struktur des Jak von der klassischen
Rhetorik her untersucht.353 Zumeist denkt man dabei an den Aufriß des ganzen
Werks, z. T. aber auch von einzelnen Abschnitten.354 Davon zu unterscheiden ist die
Beobachtung, Jak habe rhetorische Elemente und Stilformen verarbeitet.355 Rhetori­
sche Modelle werden zuweilen auch in Kombination mit epistolarischen verwen­
det. 356 I allgemeinen überschneidet sich der Ansatz zudem mit einer thematischen
m

Analyse. Ein besonderer Schwerpunkt liegt - ähnlich wie im Fall der Epistologra-
phie - bei der Analyse der Eröffnung des Jak.

1. R h e t o r i s c h e S t r u k t u r a n a l y s e n d e s J a k g e h e n m e i s t e n s v o n der b e k a n n t e n Schrittfolge exordium y

3 5 7
propositio, argumentatio undperoratio aus. A l s p e r o r a t i o gilt in d e r R e g e l 5 , 7 - 2 0 , seltener 5 , 7 -
3 5 8
ll. D i e a r g u m e n t a t i o reiche b i s 5 , 6 ; sie k a n n ihrerseits n o c h in c o n f i r m a t i o , t r a n s i t u s u n d c o n -

3 5 2
Z u r F r a g e d e r U r s p r ü n g l i c h k e i t d e s P r ä s k r i p t s s. u . § 7 , 3 .
3 5 3
F o r s c h u n g s g e s c h i c h t e bei: T h u r e n 2 6 7 ff.; K l e i n 3 5 ff.; B i n d e m a n n 1 9 3 ff.; F a y 4 0 3 - 4 0 7 ; W a c h o b , V o i c e
5 2 ff. S a c h - Ü b e r b l i c k bei A n d e r s o n ; k r i t i s c h C l a s s e n . F ü r d a s N T s i n d b e s o n d e r s d i e A r b e i t e n v o n G e o r g e
A . K e n n e d y g r u n d l e g e n d , w i d e r g e s p i e g e l t i n seiner F S : D u a n e F. W a t s o n ( H g . ) , P e r s u a s i v e Artistry. S t u d i e s
in N e w T e s t a m e n t R h e t o r i c ... ( J S N T . S S 5 0 ) , S h e f f i e l d (A.P.) 1 9 9 1 ; p a r a d i g m a t i s c h H a n s D i e t e r B e t z ,
G a l a t i a n s . A C o m m e n t a r y o n P a u l s L e t t e r t o the C h u r c h e s i n G a l a t i a ( H e r m e n e i a ) , P h i l a d e l p h i a ( F o r t r e s s )
1 9 7 8 . F ü r J a k s. W u e l l n e r . V g l . weiter: G e r d S c h u n a c k , N e u e r e l i t e r a t u r k r i t i s c h e I n t e r p r e t a t i o n s v e r f a h r e n
in d e r a n g l o - a m e r i k a n i s c h e n E x e g e s e : V u F 4 1 ( 1 9 9 6 , 2 8 - 5 5 ) , 3 6 - 4 2 ; D e n n i s L . S t a m p s , R h e t o r i c a l C r i t i -
cism o f the N e w Testament: Ancient a n d M o d e r n Evaluations o f A r g u m e n t a t i o n , in Stanley E . Porter/
D a v i d T o m b s , A p p r o a c h e s to t h e N e w T e s t a m e n t ( J S N T . S S 1 2 0 ) , Sheffield (A.R) 1 9 9 5 , 129-169.
354 S o W a t s o n z u J a k 2 u n d 3 .
3 5 5
D i e R h e t o r i k ü b e r s c h n e i d e t sich d a b e i teilweise m i t der D i a t r i b e u n d a n d e r e n S t i l m i t t e l n (s. o. § 3 , 3 ) .
3 5 6
S o z. B . K l e i n 3 3 ff., d e r d i e A r g u m e n t a t i o 2 , 1 - 5 , 6 i n s e c h s M a h n r e d e n m i t e t w a gleicher L ä n g e einteilt.
Vgl. die kritische Rezension d u r c h M a r t i n Karrer: T h L Z 1 2 1 ( 1 9 9 6 ) , 6 6 3 - 6 6 5 .
3 5 7
Z . B . T h u r e n ; K l e i n ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , J a k o b s b r e v e t 1 7 8 (der i m e i g e n t l i c h e n K o m m e n t a r a l l e r d i n g s
eine konventionell-inhaltliche E i n t e i l u n g verfolgt; vgl. a u c h 1 8 1 f. z u einer s t ä r k e r t h e m a t i s c h e n ) .
358 S o K l e i n ; 5 , 7 - 2 0 sei d e r B r i e f s c h l u ß .
48 Einleitung

3 5 9
futatio unterteilt w e r d e n . U n t e r s c h i e d l i c h b e s t i m m t wird d a s e x o r d i u m ; hier schlagen d i e tradi­
tionellen Schwierigkeiten bei J a k zu B u c h e . Z u w e i l e n w i r d s o g a r zwischen e i n e m weiteren u n d
360
e i n e m »eigentlichen« e x o r d i u m d i f f e r e n z i e r t . Ebenfalls überlagern sich z. T. d i e T e r m i n i exor­
3 6 1
d i u m u n d p r o p o s i t i o . A u c h wird d i e A b g r e n z u n g unterschiedlich v o r g e n o m m e n ; d a s e x o r d i u m
3 6 2
(im weiteren S i n n ) reiche bis 1,12 ( W u e i l n e r ) , bis 1,15 ( B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 u n d J a k o b s -
3 6 3
brevet) o d e r bis 1,18 ( T h u r e n ) . A l s p r o p o s i t i o gilt d a n n der R e s t v o n J a k 1. Teilweise geht m a n
j e d o c h sofort zur a r g u m e n t a t i o über (Wuellner: 1 , 1 3 - 5 , 6 ) , sofern m a n nicht bereits a b 1,2 m i t der
p r o p o s i t i o b e g i n n t (Klein: 1 , 2 - 2 7 ) . Ü b e r w i e g e n d läßt m a n die a r g u m e n t a t i o m i t 2 , 1 b e g i n n e n .
2 . E i n s der P r o b l e m e der rhetorischen A n a l y s e zeigt sich in 5>7-20. E i n i g e teilen die Verse in
recapitulatio ( T h u r e n : V 7 - 1 1 ; Wuellner V 7 f.) u n d »eigentliche p e r o r a t i o « (Wuellner: V. 9 - 2 0 )
3 6 4
bzw. c o n q u e s t i o ( T h u r e n , V. 1 2 - 2 0 ) . E s ist j e d o c h zu bezweifeln, d a ß 5 , 7 - 2 0 ü b e r h a u p t als p e r o ­
ratio zu bezeichnen ist. D e n n v o n der peroratio erwartet m a n d o c h eine B ü n d e l u n g u n d Z u s p i t ­
3 6 5
z u n g der A r g u m e n t e , a u c h p s y c h o l o g i s c h abgezielt a u f Z u s t i m m u n g h i n , nicht d a g e g e n eine
recht a b r u p t e G e d a n k e n f o l g e m i t n e u e n T h e m e n wie in 5 , 7 - 2 0 .
66
3. E. Baasland^ erkennt zwei D u r c h g ä n g e i m H a u p t t e i l . E i n m a l 1 , 1 6 - 2 2 als p r o p o s i t i o p r i m a ;
1 , 2 3 - 2 7 amplificatio; 2 , 1 - 3 , 1 2 a r g u m e n t a t i o , confirmatio. Z u m a n d e r e n 3 , 1 3 - 1 8 als p r o p o s i t i o
s e c u n d a ; 4 , 1 - 6 amplificatio; 4 , 7 - 5 , 6 a r g u m e n t a t i o , confutatio. D e r G r u n d ist p r i m ä r inhaltlicher
367
Art; i m zweiten D u r c h g a n g w e r d e J a k in Inhalt u n d Stil harscher, a n g r i f f i g e r . Diese Beobach­
t u n g h a t einiges für sich, ist j e d o c h nicht aus der rhetorischen A n a l y s e entstanden, s o n d e r n a u s
inhaltlichen E r w ä g u n g e n a u f sie übertragen.
4. D.EWatson meint, d a ß s o g a r einzelne A b s c h n i t t e ( 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ) in sich e i n e m »grie­
3 6 8
chisch-römischen A r g u m e n t a t i o n s s c h e m a « der R h e t o r i k f o l g e n . A m Beispiel v o n 2 , 1 - 1 3 heißt
das: p r o p o s i t i o ( V 1), ratio (Beweis v o m e x e m p l u m , V. 2 - 4 ) , confirmatio ( V 5 - 7 ) , exornatio (V. 8-
1 1 , m i t V. 8 als iudicatio u n d V. 9 - 1 1 als weiterer confirmatio), c o n p l e x i o (V. 1 2 f.). In allen Fällen
handele es sich u m eine deliberative R e d e ; sie blicke in die Z u k u n f t u n d intendiere, »der H ö r e r ­
3 6 9
schaft v o n einer b e s t i m m t e n H a n d l u n g s f o l g e a b z u r a t e n « . Kritisch ist d a g e g e n zu vermerken: Bei
allen wertvollen B e o b a c h t u n g e n i m einzelnen bleibt der E i n d r u c k einer S c h e m a t i s i e r u n g , w e n n
A b s c h n i t t a u f A b s c h n i t t nach d e m s e l b e n »pattern« rekonstruiert werden; d a s ist des G u t e n zuviel.
3 7 0
5. L. Thuren u n t e r n i m m t nicht n u r eine rhetorische R e k o n s t r u k t i o n , s o n d e r n geht a u c h der
B e o b a c h t u n g nach, w a r u m diese S t r u k t u r s o schlecht erkennbar sei. »In guter R h e t o r i k dürfen die
taktischen B e w e g u n g e n oft nicht zu klar identifizierbar sein«, z u m a l , w e n n der A u t o r a n n i m m t ,
d a ß die H ö r e r s c h a f t g u t d a m i t b e k a n n t sei ( 2 8 3 ) . D i e G e s c h i c h t e der J a k - I n t e r p r e t a t i o n zeige, » d a ß
3 7 1
die Strategie ein z u h o h e s R i s i k o e i n g i n g « . D i e E m p f ä n g e r h ä t t e n d a s T e x t - A r r a n g e m e n t n u r

359 B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 : 2 , l - 3 , 1 0 a ; 3 , 1 0 b - 1 2 ; 3 , 1 3 - 5 , 6 . E t w a s a n d e r s ders., S t T h 1 9 8 2 : 1 , 1 9 - 3 , 1 2 confir­


matio; 3,13-5,6 confutatio.
360 T h u r e n 2 8 2 : 1 , 1 - 1 8 bzw. 1,1-4; Wuellner: 1 , 2 - 1 2 bzw. 1,2-4.
3 6 1
S o n e n n t K l e i n 3 9 f. 1 , 2 - 2 7 d o p p e l t e p r o p o s i t i o .
3 6 2
S o a u c h m i t E n t s c h i e d e n h e i t v o n L i p s 4 1 4 ff.
3 6 3
B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 unterteilt: 1 , 1 6 - 1 8 transitus, 1 , 1 9 - 2 7 p r o p o s i t i o ; ders., J a k o b s b r e v e t : 1 , 1 6 - 2 2 p r o ­
p o s i t i o ( p r i m a , die p r o p o s i t i o s e c u n d a w ä r e 3 , 1 3 - 1 8 m i t 4 , 1 - 6 als a m p l i f i c a t i o u n d 4 , 7 - 5 , 6 als c o n f u t a t i o ) ,
1,16-27 amplificatio.
3 6 4
A n d e r s Klein, der 5 , 1 2 - 2 0 nicht m e h r rhetorisch, s o n d e r n epistolarisch erklärt; die peroratio u m f a s s e 5 , 7 - 1 1 .
3 6 5
Heinrich L a u s b e r g , H a n d b u c h der literarischen Rhetorik. E i n e G r u n d l e g u n g der Literaturwissenschaft, Stutt­
gart (Franz Steiner), 3 . Aufl. 1 9 9 0 , 2 3 6 - 2 4 0 ( § § 4 3 1 - 4 4 2 ) . Vgl. Popkes, C o m p o s i t i o n 9 5 ; T h u r e n 2 7 3 f.
3 6 6
B a a s l a n d , J a k o b s b r e v e t 1 7 8 . D a s rhetorische G e n u s des J a k b e s t i m m t er ( A N R W 1 9 9 8 , 3 6 - 5 5 ) als »eine
s y m b u l e u t i s c h e R e d e , o d e r besser ... eine weisheitliche L e h r r e d e ( h o r t a t i o ) « .
3 6 7
S o bereits B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 4 f.; e b e n s o K o n r a d t , E x i s t e n z 3 1 3 .
3 6 8
S . die D i a g r a m m e bei W a t s o n , J a m e s 2 , 9 7 . 1 1 8 , m i t » p a t t e r n o f e l a b o r a t i o n « ; ders., J a m e s 3 , 5 1 . 6 4 .
3 6 9
Watson, James 3,53; James 2,100.
3 7 0
T h u r e n 2 8 2 (mit D i a g r a m m ) .
3 7 1
T h u r e n 2 8 4 ; m a n beachte d e n Titel seines Aufsatzes. T h u r e n erwägt z u d e m , o b der B r i e f s e k u n d ä r zwecks
P u b l i k a t i o n h e r a u s g e g e b e n w o r d e n sei. D a s k ö n n t e erklären, w e s h a l b S c h l u ß g r ü ß e u n d a n d e r e spezifische
I n f o r m a t i o n e n ü b e r die A d r e s s a t e n fehlten. - S o l c h e H y p o t h e s e n fuhren letztlich aber z u nichts.
Die kompositorische Gestalt 49

schwer identifizieren k ö n n e n . D i e s e T h e s e läuft m . E . selbst ein h o h e s R i s i k o , n ä m l i c h d e n T e x t zu


überfordern, u m etwas aufzufinden, was er evtl. gar nicht enthielt.

6. Die rhetorische Analyse hat, aufs Ganze gesehen, für die Frage von Aufbau und Kom­
position des Jak nicht viel neue Erkenntnisse gezeitigt. Ihre Strukturierung des Jak
weicht kaum von der nach anderen Methoden ab. Die Erklärung speziell von 5,7-20
läßt zu viele Fragen offen. Der rhetorische Ansatz ist de facto weithin ein Versuch, die
(alten) Probleme von Kap. 1 zu lösen. Festzuhalten ist die Beobachtung gewissermaßen
eines Tonartwechsels im Laufe von Jak 3 (Baasland) - aber das ist eine inhaltliche Frage.

3. Analysen von Jakobus 1

Eine ganze Reihe von Analysen erkennt in Jak 1 eine Disposition oder Exposition des
übrigen Briefes. Demnach reiße Jak die meisten Themen zunächst kurz an, um sie
später weiter auszuführen. Auf diese Weise erkläre sich sowohl das Akolouthie-Pro-
blem in Kap. 1 als auch die Themenfolge danach, darüber hinaus noch die inhaltli­
che Schwerpunktsetzung. Methodisch überlagern sich dabei verschiedene Ansätze.
72
1. A u s der hellenistischen E p i s t o l o g r a p h i e leitet E O. Francis^ e i n e doppelte Brieferöffnung ab:
1,2-11 u n d 1 2 - 2 5 , gefolgt v o n d e m »Scharnier« 1,26 f. D i e b e i d e n E r ö f f n u n g s a u s s a g e n bildeten
die E x p o s i t i o n der b e i d e n H a u p t t e i l e 2 , 1 - 2 6 u n d 3 , 1 - 5 , 6 . S i e enthielten die h a u p t s ä c h l i c h e n
» a r g u m e n t a t i v e n Interessen des Briefes ... in sorgfältig ausbalancierten t h e m a t i s c h e n A u s s a g e n
3 7 3
eingeführt d u r c h technische liturgisch-epistolarische W ö r t e r für » F r e u d e « u n d » S e g e n « . P. H .
3 7 4
D a v i d s folgt d e m i m P r i n z i p , erkennt j e d o c h drei t h e m a t i s c h e H a u p t b l ö c k e : 2 , 1 - 2 6 ( A r m u t
u n d Freigiebigkeit); 3 , 1 - 4 , 1 2 (sauberes R e d e n ) ; 4 , 1 3 - 5 , 6 (Prüfung d u r c h R e i c h t u m ) . Ebenfalls a u f
3 7 5
epistolarischer E b e n e strukturiert T. C . P e n n e r : 1,2-12 Brieferöffnung; 1 , 1 3 - 4 , 5 eigentliches
Briefkorpus; 4 , 6 - 5 , 1 2 A b s c h l u ß des K o r p u s ; 5 , 1 3 - 2 0 Briefschluß. - E s ist m . E . freilich fraglich, o b
die epistolarische Basis, speziell i m S i n n der d o p p e l t e n E r ö f f n u n g , tragfähig ist. D e r P r o b l e m a t i k
v o n J a k 1 werden die Vorschläge nicht wirklich gerecht.
3 7
2 . A u c h M. Tsuji folgt der E i n t e i l u n g ^ 1,2-27 E i n l e i t u n g , 2 , 1 - 5 , 6 H a u p t t e i l , 5 , 7 - 2 0 S c h l u ß ­
teil. D a b e i bilde 5 , 7 - 2 0 eine Inclusio zu 1,2-12 ( m i t d e m M o t i v » V e r s u c h u n g e n u n d G e d u l d « ) , D i e
E i n l e i t u n g h a b e eine D o p p e l s t r u k t u r (V. 2 - 1 2 . 1 3 - 2 7 ) , w o b e i V. 1 3 - 2 7 d a s Vorige amplifiziere. D e r
H a u p t t e i l wird relativ konventionell unterteilt ( 7 3 ff.): 2 , 1 - 2 6 ; 3 , 1 - 4 , 1 2 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 . E r b e h a n d e l e
zwei T h e m e n : » A r m u n d R e i c h « sowie » i n n e r g e m e i n d l i c h e Zwietracht« w o b e i d a s erste T h e m a
zweifach v o r k o m m e (in 2 , 1 - 2 6 u n d 4 , 1 3 - 5 , 6 ) . D i e übergreifende T h e m a t i k sei die O p p o s i t i o n
77
zwischen G o t t u n d Welt. - E i n e detaillierte Feinstruktur erkennt a u c h M. Konradfi . D e r Prolog
1,2-12 fungiere als s u m m a r i s c h e E x p o s i t i o n , w o b e i V. 2 - 4 p r o g r a m m a t i s c h »die G r u n d d i m e n s i o ­
n e n christlicher E t h i k « skizziere u n d V. 5 - 1 1 »dieses G r u n d g e r ü s t « ausgestalte. D a s K o r p u s 1,13-
5,6 u m f a s s e zwei H a u p t t e i l e ( 1 , 1 3 - 3 , 1 1 / 1 2 u n d 3 , 1 2 / 1 3 - 5 , 6 ) , die die E x p o s i t i o n entfalteten. J e d e r

372 V g l . a u c h Stowers, Letter; Penner 1 2 3 f f . 1 2 8 . Z u Francis u n d D a v i d s s. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 0 . 2 6 .


373 Francis 1 1 8 .
3 7 4
D a v i d s , C o m m e n t a r y 2 3 - 2 8 u n d D i a g r a m m ( 2 9 ) . D i e d o p p e l t e E r ö f f n u n g enthalte drei T h e m e n g r u p p e n ,
die i m C o r p u s chiastisch a u f g e n o m m e n w ü r d e n : (a) A n f e c h t u n g (testing) erzeugt F r e u d e ( 1 , 2 - 4 ) u n d
S e g e n ( 1 , 1 2 - 1 8 ) ; (b) Weisheit d u r c h G e b e t ( 1 , 5 - 8 ) u n d : sauberes R e d e n enthält k e i n e n Ä r g e r ( 1 , 1 9 - 2 1 ) ; (c)
A r m u t übertrifft R e i c h t u m ( 1 , 9 - 1 1 ) u n d : G e h o r s a m erfordert Freigiebigkeit ( 1 , 2 2 - 2 5 ) .
375 Penner, E p i s t l e 1 3 3 ff.
376 T s u j i 5 9 ff.; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 2 3 f.
377 K o n r a d t , E x i s t e n z 3 1 1 - 3 1 5 .
50 Einleitung

Teil des K o r p u s w i r d n o c h wieder e i n m a l (thematisch) untergliedert: 1 , 1 3 - 2 5 ( G o t t e s H e i l s h a n ­


deln) u n d 1 , 2 6 - 3 , 1 1 / 1 2 (wahrer G o t t e s d i e n s t ) sowie 3 , 1 2 / 1 3 - 4 , 1 2 u n d 4 , 1 3 - 5 , 6 . A l s E p i l o g folgt
5,7-20.378
3. W Wuellner betrachtet 1,2-4 als eigentliches e x o r d i u m , d e m in V. 5 - 1 1 die narratio u n d V. 12
die p r o p o s i t i o (Aktionsziel, zugleich transitio) folgen. D i e a r g u m e n t a t i o ( 1 , 1 3 - 5 , 6 ) teilt er in sechs
Abschnitte ( 1 , 1 3 - 2 7 ; 2 , 1 - 1 3 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 8 ; 4 , 1 - 1 2 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 ) , weitgehend m i t der Abfolge v o n
379 3 8 0
jeweils » n e g a t i v / p o s i t i v « . - L. 77 Johnson notiert z w a r , daß einige Abschnitte sich leichter the­
matisch definieren ließen als andere (wie 2 , 1 2 f.; 4 , 1 1 f.). E r strukturiert d a n n aber: 1,2-27 E p i t o m e
der E r m a h n u n g ; 2 , 1 - 2 6 Taten des G l a u b e n s ; 3 , 1 - 1 2 Kraft u n d Gefahr der R e d e ; 3 , 1 3 - 4 , 1 0 R u f zur
Konversion; 4 , 1 1 - 5 , 6 Beispiele der A r r o g a n z ; 5 , 7 - 1 1 G e d u l d in Anfechtung; 5 , 1 2 - 2 0 R e d e n in der
Glaubensgemeinschaft. - H. von Lips betrachtet 1,2-12 als s u m m a r i s c h e E x p o s i t i o n , die abschnitts­
381
weise einzelne Briefteile p r ä f i g u r i e r e : (a) 1,2-4 für 1,13-16 (Versuchung); 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ( G l a u b e
u n d Werke); 3 , 1 - 1 2 ( v o l l k o m m e n ) ; ferner (b) 1,5-8 für 1,17-26 ( G a b e , Bitten); 3 , 1 3 - 1 8 (Weisheit);
4 , 1 - 3 (bitten); 5 , 1 3 - 1 8 (beten); 5 , 1 9 f. (Weg); s o d a n n (c) 1,9-11 für 2 , 1 ff. (reich, d e m ü t i g ) ; 4 , 4 - 1 2
(erhöhen, erniedrigen); 4 , 1 3 - 1 7 ( r ü h m e n ) ; 5 , 1 - 6 ( R e i c h t u m ) ; schließlich (d) 1,12 als Inclusio v o n
382
1,2-12 für 5,7 ff. (Ausharren, Seligpreisung). - Ähnlich geht H. Frankemöllevor. Allerdings wird
383
nicht g a n z klar, o b für ihn das e x o r d i u m ( 1 , 2 ff) bis V. 12 oder V 18 r e i c h t ; der Akzent liege
j e d o c h a m A n f a n g , bei der »Vielfalt der A n f e c h t u n g e n « , die i m weiteren Verlauf expliziert w ü r d e n .
Es verweisen d a n n : 1,3 a u f 5 , 7 - 2 0 ( G e b e t , A u s d a u e r ) ; 1,4 ( G r u n d t h e s e ) a u f 1,19-27 ( v o l l k o m m e n e s
Werk) u n d a u f 3 , 1 - 1 2 ( v o l l k o m m e n e r M e n s c h ) ; 1,5 a u f 3 , 1 3 - 1 8 ( v o l l k o m m e n e Weisheit); 1,6-8 a u f
2 , 1 4 - 2 6 ( G l a u b e ) ; 1,9-11 a u f 2 , 1 - 1 3 u n d 4 , 1 3 - 5 , 6 (Solidarität m i t d e n A r m e n ) ; 1,12 a u f 4 , 1 - 1 2
( D e m u t ) . - M. Kleina bezeichnet 1,2-27 als d o p p e l t e p r o p o s i t i o m i t d e n T h e m e n »Ziel« (V. 2 - 1 8 )
u n d »Weg« (V. 1 9 - 2 7 ) . Sie w ü r d e n in der argumentatio ( 2 , 1 - 5 , 6 ) in sechs etwa gleich langen M a h n ­
reden m i t diversen Inhalten für unterschiedliche (!) Personengruppen entfaltet: 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ; 3 . 1 -
1 2 . 1 3 - 1 8 ; 4 , 1 - 1 2 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 ; die Inhaltsangaben bleiben die traditionellen. - Chr. Burchard faßt » 1 , 2 -
3 8 5
11 als s u m m a r i s c h e Exposition< (von L i p s ) « , d. h. als » E r ö f f n u n g : W a s i m B r i e f k o m m t « u n d
gliedert d a s C o r p u s 1 , 1 2 - 5 , 6 in zwei H a u p t t e i l e , n ä m l i c h 1 , 1 2 - 3 , 1 1 ( » M a h n u n g e n an alle: Verlaßt
e u c h a u f die G ü t e eures S c h ö p f e r s u n d werdet T ä t e r des v o l l k o m m e n e n G e s e t z e s der Freiheit«, m i t
d e n A b s c h n i t t e n 1 , 1 2 - 2 5 G r u n d l e g u n g , 1 , 2 6 - 3 , 1 1 E r l ä u t e r u n g e n ) u n d 3 , 1 2 - 5 , 6 (»Schelte der
U n v o l l k o m m e n e n : K e h r t u m « , u n d zwar 3 , 1 2 - 4 , 1 2 an streitsüchtige Besserwisser u n d Weltfreun­
de, 4 , 1 3 - 5 , 6 a n reiche W e l t f r e u n d e ) . D e r B r i e f s c h l u ß 5 , 7 - 2 0 ( » E r m u n t e r u n g . E r i n n e r u n g a n
G r u n d r e g e l n . Verheißung«) w i r d eingeteilt in V. 7 - 1 1 . 1 2 - 1 8 . 1 9 f.

4. Kann man von einem neuen Konsensus^ reden? Die alte Position von M . Dibelius,
Jak sei eine weitgehend plan- und zusammenhanglose Sammlung von Einzelsprü­
chen, wurde durch diese Erkenntnisse zweifellos erschüttert. Die vielen Beobachtun­
gen zeigen eine Fülle von Anhaltspunkten. Dennoch bleiben kritische Anfragen. Im
wesentlichen arbeiten die Vorschläge mit einer Doppelprämisse, nämlich: es gibt eine

3 7 8
I m einzelnen w i r d diese S t r u k t u r v o n K o n r a d t n o c h viel weiter ausgefeilt.
3 7 9
F ü r Wuellner ist J a k eine d i k a n i s c h e R e d e , aber a u c h w e r b e n d .
3 8 0
J o h n s o n A n c B 1 2 ff. E r charakterisiert J a k als »a f o r m o f p r o t r e p t i c d i s c o u r s e in e p i s t o l a r y f o r m « ( 1 5 9 ) .
3 8 1
V o n L i p s 4 1 4 ff.
3 8 2
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 3 5 - 1 3 8 . 1 6 2 . 1 7 5 ff.
3 8 3
D i e Z u o r d n u n g v o n 1 , 1 3 - 1 5 u n d 1 , 1 6 - 1 8 ist m . E . nicht g a n z klar.
3 8
« K l e i n 3 9 f.
3 8 5
B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 3 . 2 . » D a m i t ist nicht b e h a u p t e t , d a ß d i e U n t e r t e i l e des H a u p t t e i l s ihren K o p f
in d e r E x p o s i t i o n regelrecht u n d n u r i h n auslegen o d e r d a ß u m g e k e h r t d i e E x p o s i t i o n n a c h t r ä g l i c h a u s
S t o f f u n d Text des H a u p t t e i l s a b g e z o g e n ist; es ist nicht bestritten, d a ß T h e m e n , d i e e i n e n Unterteil b e s t i m ­
m e n , a u c h a n d e r s w o v o r k o m m e n . « - D i e B e r u f u n g a u f v o n L i p s ist allerdings z u modifizieren; d e n n dieser
betrachtet 1 , 2 - 1 2 »als s u m m a r i s c h e E x p o s i t i o n des J a k o b u s b r i e f s « ( 4 2 2 ) .
3 8 6
So Hahn/Müller, T h R 1998, 24.
Die kompositorische Gestalt 51

Exposition, und diese wird thematisch strukturiert entfaltet. Die Vorschläge bewegen
sich weitestgehend auf synchroner Ebene, auch wenn mit erheblicher Traditionsauf­
38
nahme gerechnet w i r d . ? Zudem fällt auf, daß die Einteilung in Abschnitte kaum
neue Erkenntnisse gegenüber traditionellen, vielfach thematisch bestimmten Ent­
388 8
würfen z e i g t . Ist der Textbegrifjß ^ evtl. doch zu literarisch-statisch, zu architekto­
nisch, zu wenig dynamisch, auch in intertextueller Hinsicht? Stimmt die genannte
Doppelprämisse? Die Divergenzen bei der Themenbestimmung raten zur Zurück­
haltung. Die thematischen Aspekte, so gewiß sie Anhalt im Text haben, stellen eher
bestimmte Perspektiven dar als ein zweifelsfrei erkennbares Strukturkonzept, das Jak
verfolgte. Es scheint, daß in der Forschung ästhetische Gesichtspunkte teilweise die
analytischen überlagern.

4. Thematische Einteilungen

Thematische Einteilungen ohne Expositionsteil finden sich auch sonst in der Litera­
3
tur. ^
1 3
1. E Vouga^ , dem R. M a r t i n ^ weitgehend folgt, erkennt drei Teile: 1,2-19a
(Anfechtungen bestehen); l,19b-3,18 (das Wort verwirklichen; widerstehen); 4 , 1 -
5,20 (die göttliche Providenz bezeugen). Jeder Abschnitt leite sein Thema extra ein
3 3
(1,2-4; 1,19b; 4,1-10). - Vier Abschnitte stellt C - Ä Amphoux heraus ? : 1,1-27
(Anfechtung und Hoffnung); 2,1-26 (in der Synagoge); 3,1-4,10 (tägliches Leben);
4,11-5,20 (Gericht und Errettung). Man erkennt wiederum, wie leicht thematische
Einteilungen, von subjektiven Erwägungen nicht unbeeinflußt, zu unterschiedlichen
Ergebnissen führen.
394
2. T. Cargal bezeichnet seine M e t h o d e als ein »strukturelles semiotisches M o ­
dell«, das zu einer »Diskursanalyse« führe. Jak enthalte vier größere »diskursive Ein­
heiten«, gekennzeichnet durch die »Parallelen zwischen >invertierten< (inverted) und
>gesetzten (posited) Inhalten< ihrer jeweiligen >Einführungen< und >Abschlüsse«<: 1,1-
21 (Thema: das eingepflanzte Wort annnehmen, um vollkommen zu sein); 1,22-2,26
(Werke des Wortes); 3,1-4,12 (eine angemessene Haltung zu sich selbst haben durch
Selbsterniedrigung); 4,11 (sic)-5,20 (den Nächsten zurückbringen). Ausgangspunkt
ist 1,1: die Wiederherstellung der Diaspora (im spirituellen Sinn), wieder aufgenom-

3 8 7
S o e t w a bei F r a n k e m ö l l e u n d v o n L i p s in b e z u g a u f d i e S i r - R e z e p t i o n .
3 8 8
S o g a r d i e E i n t e i l u n g bei D i b e l i u s w e i s t m a n c h e U b e r e i n s t i m m u n g e n d a m i t auf.
3 8 9
Vgl. Wuellners Protest.
3 9 0
E i n e n U b e r b l i c k ü b e r l i n g u i s t i s c h - s t r u k t u r a l e F o r s c h u n g e n u n d ihre S t r u k t u r i e r u n g d e s J a k g i b t P a r i d a e n s
8 6 - 1 2 7 (zu C a r g a l , Terry, E k s t r o m , R o u n t r e e , T o r a k a w a / H i l l , H a r t i n , K o t z e ) .
391 V o u g a 2 0 - 2 3 .
3
92 M a r t i n , W B C ciii-civ.
3 9 3
Amphoux, Bib 1981, N T S 1978/79.
3 9 4
C a r g a l , R e s t o r i n g 1 - 5 6 ( A u f b a u 5 2 f.), zur M e t h o d e ( G r e i m a s i a n s t r u c t u r a l s e m i o t i c s ) 3 1 ff., speziell 3 6 -
3 8 . V g l . d i e k r i t i s c h e R e z e n s i o n d u r c h P. H . D a v i d s : C B Q 5 6 ( 1 9 9 4 ) , 5 8 3 f. ( » a t h e o r y w h i c h o v e r r i d e s
w h a t c a n b e clearly d e m o n s t r a t e d a b o u t the literary s t r u c t u r e o f t h e E p i s t l e « ; » I c h h a b e d e n s t a r k e n Ver­
d a c h t , d a ß e i n z e l n e E r k e n n t n i s s e als n ü t z l i c h g e f u n d e n w e r d e n , d a ß a b e r d a s G e s a m t b i l d v o n J a k v e r w o r ­
fen w e r d e n w i r d « ; d a s B u c h »wirft 2 0 0 0 J a h r e F o r s c h u n g u m « ) .
52 Einleitung

men in 5,19 f. Das spektakulärste Resultat ist, daß 1,2 (indikativisch gelesen) die
39
Meinung der Gegner (!) vertrete, die Jak dann zurückweise. ^

5. Didaktische Strukturvorschläge

Auch auf anderen, stärker didaktischen Wegen wurden Strukturvorschläge erarbei-


tet.396

3 9 7
1. P B. R. Forbes g e h t d a v o n a u s , d a ß der B r i e f in d e n G e m e i n d e n v e r l e s e n w e r d e n sollte. D a z u
war eine E i n t e i l u n g in » h a n d l i c h e kleine A b s c h n i t t e « erforderlich, j e d e r in sich verständlich, die
3 9 8
aber i n s g e s a m t ein » k o h ä r e n t e s u n d integriertes G a n z e s « b i l d e t e n .
E i n e n n e u e n V e r s u c h z u m »oral s t r u c t u r i n g in J a m e s « hat M. A. M. Paridaens u n t e r n o m m e n .
Schlüsselhinweise für solch eine S t r u k t u r seien » W i e d e r h o l u n g ( a n a p h o r a , Parallelen u n d I n k l u ­
3 9 9
s i o n e n ) u n d A n k ü n d i g u n g des z u d i s k u t i e r e n d e n T h e m a s « . W ä h r e n d der W e g , J a k als » M a k r o ­
C h i a s m u s « z u verstehen, nicht weiterführe ( 1 7 5 - 1 8 6 ) , erweise sich d a s E l e m e n t »inclusio« (als eine
A r t » r u d i m e n t ä r e r C h i a s m u s « , 1 8 6 ) , v e r b u n d e n m i t » A n k ü n d i g u n g der T h e m e n « , als nützlich
4 0 0
( 1 8 7 ff.)- E s ergebe sich folgender A u f b a u : D i e Teile 1 , 2 - 2 5 E i n l e i t u n g u n d 5 , 7 - 2 0 C o n c l u s i o
seien jeweils parallel zweigeteilt in A »schwierige S i t u a t i o n « ( 1 , 2 - 1 2 ; 5 , 7 - 1 2 ) u n d B »Verhalten«
( 1 , 1 3 - 1 5 : » s ü n d i g e s Verhalten«; 5 , 1 3 - 1 8 : »Beispiele positiven Verhaltens«, a u s m ü n d e n d in die
» W i e d e r h e r s t e l l u n g d e s S ü n d e r s : 5 , 1 9 - 2 0 ) . D i e » T h e m e n a n k ü n d i g u n g « erfolge in 1 , 2 6 - 2 7 :
» R e d e n , T a t e n , Weltlichkeit« (als B e g i n n des Teiles 1 , 2 6 - 4 , 3 ) . D a v o n w ü r d e z u n ä c h s t (A) in 2 , 1 - 1 1
die »Weltlichkeit: die S ü n d e der B e v o r z u g u n g « behandelt, bevor in 2 , 1 2 eine weitere T h e m e n a n ­
k ü n d i g u n g folge ( » R e d e n , T a t e n « ) , a b g e h a n d e l t als ( B ) » T a t e n der B a r m h e r z i g k e i t « in 2 , 1 3 - 2 6 u n d
als ( C ) » R e d e n u n d Z o r n « in 3 , 1 - 4 , 3 . E i n weiterer Teil ( 4 , 4 - 5 , 6 ) kehre zur »Weltlichkeit« z u r ü c k
(»die S ü n d e des Stolzes«).
D i e s e S t r u k t u r i e r u n g hat (wie andere ähnliche) einen eher architektonisch z u n e n n e n d e n Z u ­
schnitt, stark d a r a n interessiert, T h e m e n g r u p p e n u n d E n t s p r e c h u n g e n zu rekonstruieren. U n k l a r
bleibt, inwiefern sich darin ein a u s g e s p r o c h e n oraler, also a m Vorlesen u n d H ö r e n orientierter
C h a r a k t e r w i d e r s p i e g e l n soll.
2 . R. Obermüller sieht in J a k einen Lehrer, der g e r a d e z u an d e n f ü n f F i n g e r n einer H a n d j e d e n
A b s c h n i t t n a c h d e m S c h e m a »thesenartige S t e l l u n g n a h m e , personelle Beispiele, S i t u a t i o n , t h e o l o ­
4 0 1
gische Reflexion, p r a k t i s c h e S c h l u ß f o l g e r u n g « d u r c h g e h e .
F. Fry u n t e r s u c h t J a k a u f H a u p t - u n d N e b e n t h e m e n hin. E r findet 1 8 E i n h e i t e n m i t j e e i n e m
H a u p t t h e m a . I n s g e s a m t ergebe sich eine D r e i t e i l u n g (A) 1 , 2 - 1 8 , ( B ) 1 , 1 9 - 4 , 1 2 u n d w i e d e r u m (A)
4 , 1 3 - 5 , 1 8 . D e r B-Teil ( 6 0 % des G a n z e n ) , n a c h A u f f o r d e r u n g e n ( 1 ) u n d W a r n u n g e n (2) aufgeteilt,
4 0 2
habe die Struktur 1 - 1 - 2 - 1 - 2 - 1 - 2 - 2 . Alle T h e m e n v o n B ließen sich als »Test« definieren; d a s
G e s a m t t h e m a des Briefes laute » P r ü f u n g u n d B e w ä h r u n g « (bzw. » P r ü f u n g des G l a u b e n s « , 4 3 5 ) .
D i e A - T e i l e stellten d a s T h e m a dar, d a z u n o c h die T e x t - S i t u a t i o n » r e i c h / a r m « ; der B-Teil führe d e n
Test i m einzelnen d u r c h . D e r R a h m e n ( 1 , 1 ) begrüße s o z u s a g e n die T e s t a b s o l v e n t e n bzw. ( 5 , 1 9 f.)

3 9 5
Cargal, Restoring 61-63.
3
96 V g l . B e a s l e y - M u r r a y 1 8 f.
3 9 7
F o r b e s 1 4 8 . A u c h J o h n s o n , A n c B 1 1 - 1 4 , b e t o n t die m ü n d l i c h e K o m m u n i k a t i o n .
3 9 8
F o r b e s 1 4 9 . S o unterteilt er z. B . d i e 53 Verse d e s ersten A b s c h n i t t s ( 1 , 1 - 2 , 2 6 ) in f ü n f » a l m o s t e q u a l sec-
tions o r p a r a g r a p h s « , n ä m l i c h 1,1+2-11.12-21.22-27; 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ( 1 5 0 ) .
3 9 9
Paridaens 1 7 0 .
4 0 0
P a r i d e a n s ' 2 3 5 (tabellarisch).
4 0 1
O b e r m ü l l e r 2 3 5 . S o w i r d z. B . 1,2-17 m i t » G o t t hat allen etwas g e g e b e n « ü b e r s c h r i e b e n u n d in die Verse
2 - 4 . 5 - 1 1 . 1 2 - 1 3 . 1 4 - 1 5 . 1 6 - 1 7 eingeteilt.
402 p 431 T a b e l l a r i s c h e G e s a m t s t r u k t u r : 435. Tabelle 1 enthält » m a j o r t h e m e s « ( 4 2 9 ) , T a b e l l e 2 » s e c o n d a r y
r v

t h e m e s « (433).
D i e kompositorische Gestalt 53

richte d i e D u r c h g e f a l l e n e n auf. - K D . Tollefion m e i n t , J a k v e r f o l g e a u f d e m W e g z u m Z i e l , n ä m ­


lich der christlichen Reife, s i e b e n S c h r i t t e : 1,2-18 K o n f r o n t a t i o n m i t A n f e c h t u n g e n ; 1 , 1 9 - 2 7 G o t t
gefallen; 2 , 1 - 2 6 G l a u b e n d e m o n s t r i e r e n ; 3 , 1 - 1 8 sich k o n t r o l l i e r e n ; 4 , 1 - 1 2 Prioritäten setzen; 4 , 1 3 -
4 0 3
5,6 für d i e E w i g k e i t l e b e n ; 5 , 7 - 2 0 G o t t v e r t r a u e n .

3. Keiner dieser Vorschläge hat größere Resonanz gefunden - zu Recht; dazu sind sie
zu konstruktivistisch. Immerhin jedoch sind die methodischen Ansätze nicht ohne
weiteres von der Hand zu weisen, weil sie versuchen, praktische Umstände zu berück­
sichtigen. Man beobachtet aber auch hier das Bemühen, einen durchkonstruierten
Bauplan aufzudecken. Die Frage jedoch bleibt, ob Jak so etwas enthält.

6. Einheitliches Thema

404
Verschiedentlich hat man versucht, das eine »unifying theme« ( H i e b e r t ) des Jak zu
finden.
4 0 5
1. M. K. Rustler sieht als einheitliches T h e m a »die christliche Lösung der sozia­
len Spannungen«, entfaltet in drei Hauptteilen: 1,2-27 »grundlegend-dogmatisch«;
2,1-3,12 »praktisch-moralisch«; 3,13-5,20 »endgültig-eschatologisch«, wobei jeder
406
Teil in sich als These-Antithese-Synthese aufgebaut s e i . - Das Operieren mit den
Mitteln der inhaltlichen Systematik und dispositionellen Architektonik läßt sich
leicht erkennen und entsprechend kritisieren.
407 4 0 8
2. Bestimmte Stellen hat man als Schlüsselstellen herausgestellt. So dient l , 2 - 4
laut Tielemann als Anzeiger des Doppelthemas »Glaubensschwäche« (ausgeführt in
1,5-2,13) und »Selbstüberhebung« (behandelt in 2,14-3,18: »nicht nur Worte, son­
dern auch Taten!«). Die beiden Hauptteile werden jeweils untergliedert in einen the­
oretischen und einen praktischen Abschnitt (z. B. 1,12-25 und 1,26-2,13) Der Rest
409
umfasse abschließende Ermahnungen (4,1-5,11) und spezielle Fragen ( 5 , 1 2 - 2 0 ) . -
Auch l,19(-26) gilt als Exposition für das Korpus: (a) schnell zum Hören, langsam
zum Reden und zum Zorn; (b) die Zunge zügeln, Waisen und Witwen aufsuchen, (c)

4
° 3 T o l l e f s o n 6 2 ff. A . C a n a b i s s , A N o t e o n J a c o b s « H o m i l y : E v Q 4 7 ( 1 9 7 5 ) , 2 1 9 - 2 2 2 , e r k e n n t i n J a k e i n e
H o m i l i e , d i e sich n a c h e i n a n d e r a n G e m e i n d e l e i t e r , D i a k o n e , Lehrer, W i t w e n bzw. J u n g f r a u e n u n d P ö n i -
t e n t e n richte.
4 0 4
E s l a u t e , s o m e i n t H i e b e r t , U n i f y i n g : »tests o f a living f a i t h « , w o b e i er v o n 1,3 a u s g e h t . V g l . a u c h B r a u ­
m a n n 4 0 3 : » O f f e n b a r b i l d e t also d a s G l ä u b i g w e r d e n , d e r T a g d e s H e r r n u n d d i e B e w ä h r u n g i n d i e s e m
I n t e r i m d e n H i n t e r g r u n d d e s Briefes«; P r e t o r i u s lokalisiert d a s » k o m m u n i k a t i v e Z e n t r u m « d e s Briefs i n
e i n e m » M u s t e r v o n H i n w e i s e n « a u f » s a l v a t i o n a l c o n s e q u e n c e s « , d. h. d i e A u s w i r k u n g v o n T a t e n a u f d i e
e s c h a t o l o g i s c h e E r l ö s u n g . - F a y 4 0 8 ff. ä u ß e r t sich k r i t i s c h z u V e r s u c h e n , » d e n J a k o b u s b r i e f u n t e r ein T h e ­
m a z u stellen u n d m i t H i l f e dieses e x e g e t i s c h e n G e n e r a l s c h l ü s s e l s d e n g e s a m t e n T e x t a u f s c h l i e ß e n z u w o l ­
len«.
4 0 5
R u s t l e r 1 8 . V g l . a u c h S . H . O n g , A S t r a t e g y for a M e t a p h o r i c a l R e a d i n g o f t h e E p i s t l e o f J a m e s , L o n d o n
( U . P. o f A m e r i c a ) 1 9 9 6 : L e b e n als E r p r o b u n g d u r c h G o t t .
4 0 6
Rustler 6 0 .
4 0 7
S . a u c h d i e T h e s e , d e r B r i e f (bzw. sein H a u p t t e i l ) sei e i n e R i n g k o m p o s i t i o n ; s o z. B . d e Vries, brief: u m
2 , 2 0 - 2 5 ; Reese: u m 3 . 1 - 1 8 . Vgl. Burchard, H N T Einleitung 3.2.
4 0 8
A u c h S c h u l e 7 3 ff. g e w i n n t v o n 1,2 ff. her d a s G e s a m t t h e m a bzw. d i e T h e s e d e s Briefes: »Weil G o t t u n g e ­
s p a l t e n ist ( h a p l o s ) , soll d e r G l a u b e n i c h t g e s p a l t e n e r s c h e i n e n ( d i p s y c h o s ) « ( 7 7 ) .
4
09 T i e l e m a n n 6 1 1 .
54 Einleitung

410
sich von der Welt unbefleckt h a l t e n . Die drei Teile würden (wie E. Pfeiffer meint)
entfaltet in 1,20-27 (2,1-13 sei eine »Episode« außerhalb des Schemas), 3,1-12 und
411 4 1 2
3,13-4,13. N u r zwei Mahnungen erkennt C . N o e s g e n in 1,19, nämlich
»schnell zu hören« (ausgeführt in 1,20-2,26) und »langsam zu reden und zum Zorn«
(negativ dargelegt in 3,1-4,12 und weiter in 4,13-5,20). In ähnlicher Weise soll 1,26
4
f. (laut H . J . C l a d d e r ^ ) die Schlüsselfaktoren liefern (drei Anforderungen der Weis­
heit: die Zunge zügeln, Werke der Barmherzigkeit vollbringen, sich von der Welt
unbefleckt halten); sie würden im Hauptteil 2,1-3,14, obschon in umgekehrter Rei­
henfolge, dargelegt: Respekt vor Personen (2,1-11), Werke der Barmherzigkeit (2,12-
26) und Sünden der Zunge (3,1-14). Die gegenteiligen Ansichten würden in 3,15-
4,8a zurückgewiesen, wobei die Abfolge erneut umgekehrt würde; der Rest (4,8b-
5,20) enthalte verschiedene Mahnungen.
414
Als (seelsorgerliches) Aktionsziel des Jak wurde 5,19 f. verstanden : die Zurück­
bringung der Abirrenden. - Gewiß ist jeweils Richtiges gesehen; aber die Tragweite
der Aspekte ist begrenzt. Zudem macht sich allzu leicht ein thematischer Konstrukti­
vismus breit.
3. Versuche wie die dargestellten mögen sich zwar nicht bewährt haben; dennoch
ist die Frage nach dem »unifying theme« legitim und, wie auch die im Vorigen notier­
ten Vorschläge zeigen, keineswegs gering verbreitet. O b man daraus jedoch eine
Struktur ableiten kann, ist eine andere, zweifelhafte Überlegung.

7. Textbegriff

Gegenüber den vielfachen Versuchen, in J a k aus verschiedenen Perspektiven eine


wohldurchdachte, sorgfältig geplante, geradezu durchkalkulierte architektonische
Struktur zu finden, erhebt sich die Frage, ob solch ein Textbegriff letztlich nicht zu sta­
tisch ausfällt.
41
Schon W. Wuellner forderte einen »prozessualen Textbegriff« 5; man kann ihn
auch als dynamischen bezeichnen. Einzubeziehen ist die pragmatische Intention des
416
Verfassers ; ebenso das Wechselspiel zwischen Tradition und Redaktion, also die
Intertextualität; dazu noch die Intratextualität, d. h. Verweise und Rückbezüge im
Text. Einige Probleme (u. a. Jak 1) lassen sich evtl. auf diese Weise eher verständlich
machen.

4 1 0
V g l . R u s t l e r 1 0 f.; bereits Pfeiffer 1 6 7 .
4 1 1
Pfeiffer 1 6 3 ff.
4 1 2
C . N o e s g e n , Geschichte der neutestamentlichen O f f e n b a r u n g . II. Geschichte der Apostolischen Verkündi­
g u n g , M ü n c h e n ( B e c k ) 1 8 9 3 , 9 8 . W e i t e r e s d a z u bei P a r i d a e n s 7 f.
4 1 3
C l a d d e r , A n l a g e 3 7 ff., A u f b a u 3 0 3 ff. Z u 1 , 2 6 f. vgl. a u c h F r a n c i s 1 1 8 - 1 2 1 : d i e d o p p e l t e B r i e f e r ö f f n u n g
w e r d e hier k u r z w i e d e r h o l t . - A u c h für F r a n k e m ö l l e ( Ö T K 3 2 3 - 3 2 5 ) gilt, in R e k u r s a u f Pfeiffer u n d C l a d ­
der, 1 , 1 9 - 2 7 , r h e t o r i s c h g e s e h e n , als P r o p o s i t i o ; vgl. B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 9 .
4 1 4
B r a u m a n n 4 0 4 ; ä h n l i c h K ü r z d ö r f e r 1 0 4 - 1 0 6 ; vgl. C a r g a l 5 0 f.
4 1
5 Wuellner 12.
4 1 6
W u e l l n e r 1 2 ; vgl. F r a n k e m ö l l e , Ö T K p a s s i m .
Die kompositorische Gestalt 55
1. Intratextuell hat m a n a u f s o g . flashbacks, Verbindungswörter, Stichwörter, Q u e r v e r w e i s e u n d
4
dgl. a u f m e r k s a m g e m a c h t . 1 7 S o b e o b a c h t e t R . B . C r o t t y einige k o r r e s p o n d i e r e n d e Passagen —
4 1 8
etwa zwischen 2 , 1 - 2 6 u n d 4 , 1 1 - 5 , 1 1 oder zwischen 1 , 1 9 - 2 7 u n d 5 , 1 2 - 1 8 . E . B a a s l a n d spricht
4 1 9
v o m »Teppich-Muster« mit Wiederholungen und Steigerungen. S o d u r c h z ö g e n Stichwörter
mehrere A b s c h n i t t e ( 0 e 6 g , Jtiaxig, egyov usw.), oft: aber trifft m a n sie n u r zweimal an; s o
fxaxdQiog, G e s e t z der Freiheit, xaAxoc; Jtoietv, a y e vi3v. - B e s o n d e r s auffallend s i n d diese d u r c h
lediglich zwei S i g n a l e hergestellten B e z i e h u n g e n ; etwa die »Leerstelle« betr. »Weisheit« in 1,5 in
b e z u g a u f 3 , 1 3 - 1 8 ; o d e r die t e r m i n o l o g i s c h e W i e d e r a u f n a h m e v o n 1,8 in 4 , 8 o d e r v o n 4 , 9 in 5 , 1 ;
e b e n s o v o n 1,16 in 5 , 1 9 f.; ferner die K o r r e s p o n d e n z zwischen 2 , 1 - 1 3 u n d 2 , 1 4 - 2 6 in b e z u g a u f
C a s u s , Schriftbeleg u n d xaXcbg Jtoetv; desgleichen zwischen 2 , 1 8 u n d 3 , 1 3 . O h n e d a ß m a n gleich
eine ausgefeilte S y s t e m a t i k - etwa i m S c h e m a v o n A n d e u t u n g u n d amplificatio - v e r m u t e n m u ß ,
s i n d diese Textsignale für d e n j a k Textbegriff u n d die G e d a n k e n f ü h r u n g wesentlich. M a n sollte
d a r ü b e r aber nicht vergessen, d a ß J a k vielfach W ö r t e r o d e r M o t i v e nicht wieder aufgreift (z. B .
» Z o r n « 1,19 f. o d e r »Waisen u n d W i t w e n « 1,27). E s empfiehlt sich z u d e m a u c h , seine W o r t w a h l
zu beachten; s o fällt z. B . auf, d a ß » a r m « (jixcoxög) expressis verbis n u r in 2 , 2 - 6 v o r k o m m t , »reich«
d a g e g e n in 1,10 f.; 2 , 5 f.; 5 , 1 .
4 2 0
2 . Beachtenswert ist a u c h die v o n E . B a a s l a n d u. a. notierte zunehmende Schärfe des Tones i m
zweiten Teil des Briefes, etwa a b 3 , 1 3 bis 5,6. N u r hier findet sich z u d e m ein spezialisierter A d r e s ­
satenkreis ( 4 , 1 3 ff; 5,1 ff). M ö g l i c h e r w e i s e b e d a r f die verhandelte M a t e r i e s a m t H i n t e r g r u n d u n d
S i t u a t i o n einer aggressiveren G a n g a r t . Z u m i n d e s t e m o t i o n a l ist der B r i e f nicht völlig i m G l e i c h g e ­
wicht.
3. D i e Textsignale, die eine E i n g r e n z u n g v o n A b s c h n i t t e n erfordern, s i n d seltener u n d weniger
klar, als m a n oft m e i n t . J a k schafft fast überall Übergänge, a u c h w e n n m a n sie »künstlich« n e n n e n
4 2 1
m a g u n d a u c h w e n n in der S a c h e häufig S p r ü n g e zu s p ü r e n s i n d . D a s betrifft etwa d e n U b e r ­
g a n g v o n 1,12 zu 1 , 1 3 - 1 5 . J a k m ö c h t e das T h e m a » A n f e c h t u n g « weiterführen; w a s berechtigt d a z u ,
hier eine Z ä s u r v o r z u n e h m e n ? D e s g l e i c h e n ist es keineswegs klar, zwischen 1,18 u n d 19 zu tren­
nen, z u m a l das Verb in V. 19 e b e n s o g u t Indikativ wie I m p e r a t i v sein k a n n ; u n d w i e s o erfolgt hier
ein » T h e m e n w e c h s e l « , w o d o c h s o e b e n erst in V. 18 \6yoc, eingeführt w u r d e u n d V. 2 1 d a z u in
enger B e z i e h u n g steht? J a , m a n k ö n n t e V. 19 f. s o g a r entbehren; V. 18 w ü r d e in V. 2 1 eine g u t e
F o r t s e t z u n g finden (s. z. S t . ) .

4. Die Komposition des Jak sollte nicht nur synchronisch, sondern ebenfalls diachro­
nisch, intertextuell untersucht werden. Augenfälligerweise bezieht sich Jak (implizit)
immer wieder auf Traditionsteile - wie z. B. in 1,2 ff. 13 ff. auf Sir, dazu noch auf
Stücke wie in IPetr 1 und Rom 5; oder in 1,18.21 evtl. auf Konversionstradition.
Durchgängig gewinnt der Leser den Eindruck, daß Jak solche Tradition recht eigen­
willig und bruchstückhaft verwendet, ohne sich groß um seine Quellen (wie immer
sie aussahen) oder auch um einen glatt fortlaufenden Text zu kümmern. Die Tradi­
tionsanalyse zeigt durchgehend eine Fülle von Anleihen und Anlehnungen aus dem
alttestamentlich-jüdischen, hellenistischen und frühchristlichen Bereich. Jak ver­
wischt dabei nicht die Spuren; die Traditionselemente bleiben einigermaßen erkenn-

4i7Adamson, J a m e s 9 0 - 9 2 ; A m p h o u x , N T S 1 9 7 8 / 7 9 ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 8 f.; Crotty. V g l . a u c h


bereits D i b e l i u s , K E K , o b w o h l es d o r t vor allem u m S t i c h w o r t v e r b i n d u n g e n z w i s c h e n a n g r e n z e n d e n Pas­
s a g e n geht.
4 1 8
C r o t t y 4 5 ff.
4 1 9
B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 8 . F ü r i h n ist 3 , 1 3 - 1 8 ein »Schlüsseltext«. V o m W o r t s c h a t z d o r t ließen sich z u
allen Teilen des Briefes L i n i e n ziehen ( 3 6 5 9 ) .
4 2 0
S. o. § 6 , 2 . 3 . B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 5 .
4 2 1
D a r a u f verweist D i b e l i u s , K E K , i m m e r wieder.
56 Einleitung

bar, obwohl er sie selten erkennbar macht. Sie werden sicher teilweise für die jak
Akolouthie verantwortlich sein. Ein solches Arbeitsverfahren - per »Zettelkasten« -
kann es mit sich bringen, daß Jak Faktoren auch nur mit-rezipiert, ohne ihnen weiter
nachgehen zu wollen (so u. U. in 4,11 xaxaXaAico).

8. Ergebnisse zur Kompositionsfrage

Folgende Punkte zur Kompositionsfrage sollten festgehalten werden.


1. Daß Jak eine weithin kontextlose Kollektion von Einzelteilen sei, dürfte eine
überholte Ansicht sein. Gattungsmäßig ist Jak ein Gebilde sui generis. Die Briefform
ist deutlich; aber daraus ergeben sich keine weitergehenden Schlüsse für die Struktur.
Daß Jak paränetische, diatribische, rhetorische, u. U. sogar midraschhafte Züge ent­
hält, ist unbenommen; aber das gehört zur materia, nicht zur forma. Unbestreitbar ist
ebenfalls die ständige Einarbeitung von Tradition verschiedener Herkunft. Schließ­
lich sollte man sorgfältig die pragmatische Intention registrieren. Die Komposition
ist von Belehrungen, Zurückweisungen, Richtigstellungen, Warnungen, Ratschlägen
usw. durchzogen. Daraus ergibt sich eine dynamische Gestalt.
2. Jede »Ein-teilung« gerät in Gefahr, einen fortlaufenden Text zu zerstückeln. Nur
mit Zurückhaltung und eher aus praktischen Gründen behandelt dieser Kommentar
»Abschnitte«, besser: Textpartien, aber fast mit schlechtem Gewissen; denn häufig
gibt es Uberlagerungen zwischen Textpartien, und das aus verschiedenen Gründen;
so z. B. bei der Relation von 1,13-15 zum Vorigen wie zum Folgenden; desgleichen
bei 1,26 f. Die Zäsur zwischen Kap. 2 und 3 ist einigermaßen deutlich. Viel weniger
klar ist jedoch die Position von 3,1-12 zu bestimmen; denn die Relation zum Fol­
genden ist unverkennbar. Zwischen 3,13 und 5,6 gibt es - trotz 4,11 f. und dem dop­
pelten Anfang in 4,13 und 5,1 - kaum einen Absatz. Daß mit 5,7 eine andere Partie
beginnt, ist durch Anrede und Inhalt nahegelegt.
An zwei Stellen versucht dieser Kommentar, einen kompositorischen Akzent zu set­
zen. Einmal wird 1,16-18 zum Folgenden gezogen, obwohl es Beziehungen zu 1,13-15
422
g i b t . Aber der übliche Neueinsatz mit 1,19 (thematisch, imperativisch) erscheint
ungerechtfertigt, zumal V. 18 und 21 auseinandergerissen würden. Zum zweiten wird
3,1-12 als eine Art Ubergangs- oder Einleitungsabschnitt betrachtet. Die Beziehungen
zum Folgenden sind unübersehbar; aber die Textpartie hat auch ein gewisses eigenes
Recht. Zudem geht Jak alsbald zu einem zweiten, aggressiveren Teil über.
3. Thematische Einteilungen werden dem Text nur bedingt gerecht, denn sie sugge­
rieren allzu leicht, Jak wolle Thema um Thema abarbeiten, und sei es auf dem Weg
der Amplifikation. Dazu ist er nun doch zu wenig systematisch. Selbstverständlich
gibt es bestimmte Schwerpunkte; aber Jak behandelt keine Topoi. Seine Argumenta­
tion ist dialogisch, argumentativ, auch situationsbezogen. In diesem Zusammenhang
ist auch ein Text wie 2,14-26 zu besehen. So wichtig er ist, so wenig läßt Jak selbst
erkennen, daß dies der »Zentralteil«, das »Herzstück« oder dgl. sei. Die argumentati-

4 2 2
M i t B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , Jakobsbrevet. D i e V e r b i n d u n g zu 1,13-15 betont K o n r a d t , Existenz.
Die kompositorische Gestalt 57

ven Zusammenhänge greifen viel weiter und verschlungener aus, etwa in bezug auf
»Glaube« (1,1; 2,1; 5,15) oder auf die analoge Argumentationsfigur in 2,18 und 3,14.
4. Leitende Ideen und charakteristische Denkweisen hat man mit gutem Recht dem
Text entnommen. Dazu gehört generell das Denken in Oppositionen^, im einzelnen
424
wie insgesamt. So hebt die Gegenüberstellung von »Gott und W e l t « einen ganz
wesentlichen Zug hervor. Ebenso hat aber auch das anders geartete Wortpaar »Ziel
4 2
und W e g « 5 sein Recht. Andererseits ist es fraglich, ob man Jak als eine Entfaltung
26
des Themas »Anfechtungen, Tests«^ lesen kann (vgl. z. St.). Gewiß besitzen einige
Fragen bei Jak ein deutliches Gewicht - darunter soziale und ekklesiale Spannungen
und Probleme, theologische Fehlurteile, menschliches Verhalten (nicht zuletzt beim
427
Reden); aber man sollte die Thematik nicht künstlich systematisierend reduzieren.
Daß Jak bestimmte Ziele verfolgt, ist offensichtlich, vor allem: Ausdauer bis zum
Eschaton, Eindeutigkeit des Lebens, Verantwortungsbewußtsein, Friedfertigkeit.
Man mag auch 5,19 f. als Signum seiner eigenen Absicht lesen. Aus dem allen ergibt
sich ein inhaltlich-intentionales Ganzes, aber noch nicht eine Struktur.
5. Es gibt in der Tat einigen Anhalt für die Ansicht, daß Jak zu Anfang einige The­
men anreißt, die er später aufgreifen wird. Aber wird die Exposition wirklich klar?
Schon die Differenzierung zwischen einem »eigentlichen« (1,2-4) und einem »weite­
ren« Exordium (bis wohin?) oder gar die These einer doppelten Eröffnung (F. O.
Francis) zeigen die Sperrigkeit des Textes, der in sich holprig ist und dabei mehrere
diachrone Aspekte aufweist. Was legt wirklich nahe, einen bestimmten »Abschnitt«
428
als die summarische Exposition auszugeben? Auch das »semantische I n v e n t a r « ver­
mittelt nur eine begrenzte Antwort.
6. Jak scheint sich grundsätzlich an einen einzigen Adressatenkreis zu wenden. Zwar
gibt es Schwerpunkte und Spezialisierungen (so 4,13 ff.; 5,1 ff.); Jak kehrt jedoch im­
mer wieder zur Anrede an seine »Brüder« zurück. Eine Aufteilung auf unterschiedli­
42
che Personengruppen ^ legt der Text nicht nahe und damit auch keine kompositori­
sche Zerstückelung.
7. Dieser Kommentar verzichtet aus methodischen Gründen auf einen ausgefeilten
und austarierten Bauplan. Damit ist keinesfalls angedeutet, Jak verfolge keinen inne-

4 2
3 V g l . o. § 3 , 3 . 2 u n d § 4 , 1 . 2 . F r a n k e m ö l l e , N e t z , Ö T K p a s s i m ; W u e l l n e r ; C a r g a l 2 9 2 - 2 3 2 ( L i s t e d e r » o p p o -
sitions o f actions«; Elliott 7 8 notiert »a consistent pattern o f negative assessments a n d positive exhortations«
b e z ü g l i c h d e s p e r s ö n l i c h e n u n d s o z i a l e n V e r h a l t e n s (s. d a z u d i e L i s t e 7 5 - 7 7 ) , d a r u n t e r » c o m p l e t e n e s s a n d
w h o l e n e s s « g e g e n ü b e r » d i v i s i o n a n d f r a g m e n t a t i o n « ( 7 1 ) . E i n e r d e r w i c h t i g s t e n G e g e n s ä t z e sei » p u r i t y a n d
p o l l u t i o n « ( 7 3 ) ; S p e n c e r klassifiziert n a c h » m i s e r i f i c a n d beatific i m a g e s « , d. h. w a s d e r T e u f e l b e w i r k t bzw.
w a s G o t t will, d i e L e s e r w ü r d e n z u r E n t s c h e i d u n g g e r u f e n ; R h o a d s stellt u. a. g e g e n ü b e r : zwei W e g e q u a
V i s i o n fürs L e b e n bzw. » h u m a n c o n d i t i o n « ( n ä m l i c h F r e u n d e G o t t e s o d e r F r e u n d e d e r W e l t ) , leere R e l i ­
gion u n d Transformation (das eingepflanzte Wort der Wahrheit).
4 2 4
S . o . § 6 , 3 . 2 zu Tsuji.
4 2
5 Betont durch Klein.
4 2 6
S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K z u 1,2 ff.; Fry; V o u g a ; M a r t i n , W B C ; D a v i d s , C o m m e n t a r y ; H i e b e r t , U n i f y i n g .
427 V g l . D a v i d s , Perspectives, d e r als S c h w e r p u n k t e n e n n t : L e i d e n s t h e o l o g i e (incl. » h e a l t h o f t h e C o m m u n i t y «
u n d p e i r a s m o s , 98, eschatologische Vorfreude, Armenfrömmigkeit), Glaube-Weisheit-Gebet.
4 2 8
S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 5 3 - 1 6 5 ( » D e r P r o l o g als L i e f e r a n t d e r S t i c h w o r t e u n d d e r S t r u k t u r d e s B r i e f e s « , z u
1 , 2 - 1 8 ) , m i t D i a g r a m m ( 1 6 2 ) ; » D i e eigentliche K o h ä r e n z d e s Briefes liegt bei g l e i c h b l e i b e n d e m A k t i o n s ­
ziel i m s e m a n t i s c h - t h e m a t i s c h e n B e r e i c h « ( 1 6 3 ) ; vgl. B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 9 z u 3 , 1 3 - 1 8 .
4 2 9
S o Dibelius, K E K ; jetzt a u c h wieder Klein.
58 Einleitung

ren Zusammenhang. Gerade die Fülle der verschiedenen intratextuellen Signale


macht eine Systematik (epistolarischer, rhetorischer, thematischer oder sonstiger Art)
schwierig. Die pragmatisch-intentionale, bezugnehmende, korrigierende, orientie­
runggebende Argumentationsweise erzeugt ein eher unruhiges Ganzes mitsamt aller­
lei Quer- und Rückverweisen. Auch thematisch hängen die Aspekte durchaus zusam­
men und lassen sich nicht einfach auf verschiedene Topoi aufteilen. (Die verwende­
ten Überschriften der Abschnitte im Kommentar dienen vornehmlich als Lesehilfen
und Inhaltsangaben). Das Ineinander der Argumentationsaspekte deutet auch auf
eine relativ zusammenhängende Problemkonstellation bei den Adressaten hin.
Das Geflecht der Argumentationsstruktur korrespondiert mit dem der Traditions-
verarbeitungy die auf Schritt und Tritt inhaltlich wie formal spürbar ist. Die Fülle der
Anleihen aus verschiedenen Traditionsbereichen wirkt sich direkt auf die Komposi­
tion aus. Jak ging anscheinend gut vorbereitet an die Abfassung seines Schreibens her­
an. Das Modell eines »Zettelkastens« (s. o. § 5,1.5) mag dabei die Art der Verarbei­
tung der Traditionen erhellen, bis hin zu gelegentlichen Ungereimtheiten im Gedan­
kenfortschritt. Was Jak charakterisiert, ist die große Menge von Bezugnahmen und
Einzelaspekten auf gedrängtem Raum mit ständiger Wirkabsicht im Blick auf die
Adressaten.
8. Traditions- und redaktionsgeschichtlich betrachtet, besteht Jak aus einem Rah­
menteil, der spirituelle Grundfaktoren (darunter Glaube, Wachstum, Anfechtungen,
Ausdauer, Wort Gottes, Frömmigkeit, Fürsorge) anspricht. Hier sind die Parallelen
zu IPetr, Sir und zum Bergpredigtmaterial spürbar. Dieser Rahmenteil bezieht sich
auf so etwas wie eine Einweisung in die christliche Existenz. Jak baut den Rahmen
aus, indem er auf einige (aktuelle) Probleme aufmerksam macht (Weisheitsmangel,
Zwiespältigkeit, Niedrigkeit und Hoheit, Theodizee, Tatenlosigkeit, Murren). Der
Rahmenteil umfaßt zunächst weitgehend Kap. 1 sowie dann 5,7-20. Die Problematik
in Kap. 2 ist thematisch zwar aus verschiedenen Traditionen her nahegelegt (vgl. wie­
der Sir, IPetr ), hat aber ihren Ort in einer sozio-ökonomischen Entwicklung, die
einen Pseudopaulinismus als Hintergrund hat. Ein Übergangsstück (3,1-12) verweist
auf die Verantwortung der leitenden Kräfte in der Kirche hin, um daraufhin die kon­
kreten sozio-ekklesialen Auswüchse (Streit, Hochmut, Habsucht, Nörgelei, Prahlen,
Torheit und Unrecht der Reichen) aufs Korn zu nehmen (3,13-5,6). Der Hinter­
grund in den paulinisch-hellenistischen Missionsgemeinden ist nach wie vor spürbar,
aber allgemeiner und weniger ideologisch-griffig. Der Schlußrahmenteil (5,7-20)
lenkt zu den Themen Ausdauer und praxis pietatis zurück. Dieser Aufriß ist weitge­
hend diachronisch-intertextuell orientiert. Die von Jak behandelten Probleme/The­
men bilden ein Gemisch aus Erfahrung (Tradition) und Aktualität. Ein durchgehen­
des Element ist die pragmatische Intention, nämlich die in mancherlei Hinsicht
gefährdete Kirche wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.
§ 7 Die Abfassungsverhältnisse

D e m Brief selbst ist darüber wenig zu entnehmen; vieles muß indirekt erschlossen wer­
den, und zwar aus dem Text selbst wie auch aus dem Vergleich mit anderen Schriften.
Nicht alle Fragen lassen sich genügend eindeutig beantworten.

1. Entwicklung des Frühchristentums

Auf der heute allgemein akzeptierten Grundlage, daß Jak eine genuin christliche
Schrift ist, bietet eine Verortung der Probleme und Tendenzen, die behandelt werden,
in der theologie-, kirchen- und sozialgeschichtlichen Entwicklung des Frühchristentums
einen allgemeinen Anhalt.
1. Die sachliche Nähe speziell zu Mt, Hebr, Past, Lk-Apg (z. T. auch zu ljoh; s. o.
§ 5,6 und 8) zeigt ein fortgeschrittenes Stadium, etwa in den letzten zwei Jahrzehnten
des 1. Jh.s, evtl. sogar um die Jahrhundertwende. Auch Jak hat eine Kirche vor
Augen, die an die Verpflichtung zum ethischen Tun erinnert werden muß, die durch
Wohlstand und Weltlichkeit gefährdet ist und die an die Grundlagen zurückgeführt
werden muß. Dabei scheint sich eine ähnliche Gemeindestruktur wie bei M t bemerk­
bar zu machen, d. h. wenig ämter-orientiert.430 Die Gemeinde als ganze wird ange­
sprochen; sie ist der Träger der Verantwortung.^ 1 Eine vergleichbare ökonomische
Lage wird eher bei Lk-Apg und in den Past erkennbar. - Damit ist nicht ausgeschlos­
sen, daß es nicht auch bereits früher einige der bei Jak vorkommenden Probleme gab;
so etwa der Kontrast zwischen Streit und Weisheit (IKor). Entscheidend jedoch ist
das allgemeine Bild der Adressaten, das sich uns darbietet.
2. Die relative zeitliche Ansetzung basiert nicht nur auf dem Verhältnis zu Pau-
lus432; allerdings wiegt dieser Faktor beträchtlich. Von allen vorgeschlagenen M ö g ­
lichkeiten bleibt m. E. die wahrscheinlichste, daß Jak eine Position voraussetzt und zu
korrigieren versucht, die paulinische Gedanken einseitig und fälschlicherweise ver­
4
wendet, also eine Art Parolen-Paulinismus. 33 Der zeitliche Abstand zwischen Paulus
und Jak dürfte nicht unerheblich gewesen sein. Jak greift Paulus nicht direkt oder gar
persönlich an; das ist nicht sein Thema. Vielmehr stehen längerfristige theologische
Fehlentwicklungen zur Debatte.
3. Daß Jak bei aller Verwurzelung in der alttestamentlich-jüdischen Tradition
kaum auf spezifisch jüdische Themen Bezug nimmt (s. o. § 1,4), ist, abgesehen von
4
den Diaspora-Gegebenheiten 34, zumindest ein Zeichen dafür, daß sie für seine Kor­
respondenz unerheblich (geworden) sind. Der Befund deutet eher auf ein fortge-

4 3 0
W e n n M t in S y r i e n ( A n t i o c h i e n ) z u l o k a l i s i e r e n ist, e r g ä b e s i c h ein K o n t r a s t z u m m o n a r c h i s c h e n E p i s k o ­
p a t bei I g n a t i u s . M a n k ö n n t e g a r v e r m u t e n , d a ß I g n a t i u s seinerseits d i e s e l b e n P r o b l e m e e b e n v o m e i n e n
starken A m t her zu lösen versuchte.
4 3 1
V g l . o. § 5 , 8 . 3 .
4 3 2
V g l . o. § 5 , 4 . M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 8 - 7 1 ; B i n d e m a n n ; K l e i n u. a.
4 3 3
S o e t w a s s c h e i n t es a u c h bereits l a u t I K o r g e g e b e n z u h a b e n ; vgl. 1 , 1 2 ff.; 5 , 9 ff.; 8 , 1 ff.; w o h l a u c h S c h l a g ­
worte wie 6 , 1 2 / 1 0 , 2 3 ; 7 , 1 .
4 3 4
Niebuhr, Diasporabriefe, Tempel.
60 Einleitung

schrittenes Stadium der hellenistischen Christenheit. Dagegen spricht nicht, daß die
43
Zerstörung von Jerusalem und Tempel im Jahre 70 nicht erwähnt w i r d , 5 deren
Existenz also noch vorauszusetzen seien. Man kann genauso gut argumentieren, daß
auch dieser Faktor unerheblich geworden ist. Auch andere Notizen, die man auf Palä­
436
stina deuten w o l l t e , erweisen sich als nicht schlüssig.
4. Die sachliche Nähe von Jak zur Jesus-Tradition, speziell zum Bergpredigt-Mate­
rial (s. o. § 5,3), ist chronologisch nicht aussagekräftig; Bezugnahmen darauf sind
jederzeit möglich. Die verschiedentlich notierte Affinität zur mt Tradition paßt zu der
auch sonst beobachtbaren Nähe zwischen Jak und Mt. Der Rekurs auf das Jesus-
Material zeigt zudem, daß Jak selbst (im Unterschied zu seinen Adressaten) nicht in
paulinischer Tradition steht. Daß Jak nicht auf Jesus als Urheber verweist, liegt an der
Art des Materials und dessen Verwendung. Das Material wurde offenbar bald Allge­
437
meingut der Unterweisung.
5. Die Verarbeitung von Traditionen als solche besagt im allgemeinen wenig über
die Abfassungsverhältnisse. Immerhin jedoch greift Jak auf die Jesus-Tradition der
Sache nach in ähnlicher Weise wie M t zurück. Die Umstände nötigten dazu, einige
Punkte wieder nachdrücklich klarzustellen, darunter tätige Frömmigkeit und Ge­
richt. Dabei wurde dieses Traditionsgut fortlaufend auch durch weisheitliche
Elemente angereichert, bot doch gerade die Weisheit einen alten Erfahrungsschatz.
Die Ausdifferenzierung der christlichen Lebensgestalturrg erforderte einen solchen
Wachstumsprozeß. Er führt uns in ein weiterentwickeltes Stadium.
6. Schon die Weisheitstradition (bes. Sir) wußte um die Anfechtungen und Gefahr­
dungen auf dem Weg des Frommen. Jesu eigener Weg, beginnend mit Taufe und Ver­
suchung, bot ein sprechendes Modell für die Rezeption solcher Züge, speziell für die
438
Unterweisung der N e o p h y t e n . Jak griff auf diese frühchristliche Tradition zurück,
wie besonders der Vergleich mit IPetr zeigt (s. o. § 5,5). An dieser Stelle interessiert
nur die zeitliche Ansetzung, die wiederum auf ein relativ fortgeschrittenes Stadium
hindeutet.

2. Schriften des frühen 2. Jahrhunderts

4 3 9
Das Verhältnis zwischen Jak und den Schriften des frühen 2. Jh.s (incl. l C l e m ) wird
unterschiedlich bewertet (s. o. § 2,2), auch was die Chronologie betrifft.
1. Auch wenn die Berührungen weder im Blick auf eine literarische Abhängig­
keit - gleich welcher Art (s. o. § 5,7) - noch kanonsgeschichtlich als frühe Bezeugung

4 3 5
A n d e r s M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 0 f.: es b i e t e sich k e i n e p a s s e n d e S i t u a t i o n n a c h 7 0 .
436 y l . o. § 4 , 3 .
g

4 3 7
Ä h n l i c h K l e i n ; vgl. a u c h d i e R e z e p t i o n d e s M a t e r i a l s in d e n A p o s t o l i s c h e n V ä t e r n . S . d a z u H a g n e r
( l C l e m ) ; H e l m u t K ö s t e r , S y n o p t i s c h e Ü b e r l i e f e r u n g bei d e n A p o s t o l i s c h e n V ä t e r n ( T U 6 5 = V / 1 0 ) , B e r ­
lin ( A k a d e m i e ) 1 9 5 7 ; C . N . J e f f o r d , T h e S a y i n g s o f J e s u s in t h e T e a c h i n g o f the T w e l v e A p o s t l e s , L e i d e n
(Brill) 1 9 8 9 .
4 3 8
S. dazu Popkes, Paränese 1 2 7 - 1 2 9 .
4 3 9
V g l . K i t t e l , V ä t e r . Z u r z e i t l i c h e n A n s e t z u n g v o n l C l e m s. n e u e r d i n g s E r l e m a n n , d e r für ein früheres
D a t u m als 9 6 p l ä d i e r t .
Die Abfassungsverhältnisse 61

des Jak (s. o. § 2,2) gewertet werden dürfen, so existiert doch eine gewisse Nähe im
geistigen Milieu. Die Denk- und Sprachwelt, das »semantische Universum«, zeigt star­
ke Ähnlichkeiten. Uber die Anklänge hinaus (s. o. § 5,7) zeigt bereits ein Blick auf
den allgemeinen Wortschatz, wie viele Vokabeln hüben und drüben auftauchen,
wobei nicht einmal der rein statistische Befund ausschlaggebend ist, sondern die all­
440
gemeine Wortwahl. Jak unterscheidet sich darin von thematisch vergleichbaren
441
Briefen wie Kol, Eph oder P a s t .
2. Als besonders auffällig ist immer wieder der Befund bei öripux- notiert wor­
4 4 2 44
d e n . Zwar gibt es gedankliche Vorläufer im AT, bei Philo, in Q u m r a n 3 ; aber die
444
Verbreitung bei den Apostolischen Vätern ist signifikant. O. J . F. S e i t z schlägt als
44
Quelle die Schrift »Eldad und Modad« (s. HermV 2,3,4, =7,4) vor; S. S. Marshall *
446
vermutet eine stadt-römische Lokaltradition, H . Frankemölle eine Wortschöpfung
durch Jak. Bemerkenswert ist zudem (in Jak 4,8) die Kombination mit taXatJtcoQog,
die auch in (inkl. Verb und Nomen) l C l e m 23,3; 2Clem 11,1 f.; HermV 3,7,1
44
(=15,1) und S 1,3 (=50,3) auftaucht. ? Auf jeden Fall ist das Wort in Umlauf und
448
offenbar charakteristisch für eine geistige Situationseinschätzung. Das rückt Jak in
die Zeit kurz vor bzw. nach 100.
3. F. W. Young macht auf eine Einzelheit aufmerksam, die evtl. sogar die Abhän­
gigkeit des Jak von lClem anzeigen könnte. Beide Schreiben - und nur sie - notieren
nämlich, Rahab habe die Boten »auf einem anderen Weg/in die entgegengesetzte
Richtung« gesandt. Angesichts des viel breiteren AT-Gebrauchs bei 1 Clem könnte die
449
Notiz evtl. auf 1 Clem selbst zurückgehen, woher Jak sie übernommen h a b e .
4. In summa: Der Befund bietet keine sicheren Beweise, aber doch kumulative
Annäherungswerte. Vom Denk- und Sprachmilieu her gehört Jak ins späte 1. J h .

3. Diaspora-Brief

Vom Präskript her ist Jak ein »Diaspora-Brief«^, der sich an »die zwölf Stämme in
der Zerstreuung« wendet.

4 4
° V g l . o. § 3 , 3 . 1 .
4 4 1
D o r t k o m m t n o c h der g a n z andere S a t z b a u hinzu: Genitiv-Ketten, lange Sätze, liturgische Elemente.
4 4 2
Z u r L i t e r a t u r s. o. A n m . 2 8 0 . F e r n e r E d u a r d Schweizer, T h W N T I X 6 6 6 .
4 4 3
N ä h e r e s bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 6 ff.; a u c h z u r Z w e i - W e g e - L e h r e .
4 4 4
Seitz, Antecedents, Aiterthoughts.
4 4
5 Marshall, Local.
4 4 6
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 8 , m i t Verweis a u f M a y o r 4 2 .
4 4 7
I n H e r m S V I n i c h t d i r e k t z u s a m m e n ; öia|rux- d o r t in 1,2 ( = 6 1 , 2 ) , xataxutcüQ- in 2 , 7 ; 3 , 1 ( = 6 2 , 7 ; 6 3 , 1 ) .
4 4 8
B e i M t e n t s p r i c h t d e m in e t w a » K l e i n g l a u b e « ; vgl. D a n O . V i a , S e l f - D e c e p t i o n a n d W h o l e n e s s in P a u l a n d
M a t t h e w , M i n n e a p o l i s 1 9 9 0 ; G e r h a r d B a r t h , G l a u b e u n d Z w e i f e l in d e n s y n o p t i s c h e n E v a n g e l i e n : Z T h K
72 (1975), 269-292.
4 4
9 Young 339-345.
4 5 0
D i e B a s i s a r b e i t lieferte T a a t z (deren ntl. V e r g l e i c h s o b j e k t d i e P a u l u s b r i e f e s i n d ) ; d a r a u f a u f b a u e n d : N i e b u h r ,
D i a s p o r a b r i e f e , I d e n t i t ä t , T e m p e l ; T s u j i 1 8 - 5 0 ; V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 ff.; G e n r e 9 9 ff. (der B r i e f w o l l t e
gelesen w e r d e n als ein »>covenantal letter to the D i a s p o r a l d e r T r o s t u n d U n t e r w e i s u n g a n g e s i c h t s d e r H o f f ­
n u n g a u f d i e e r w a r t e t e W i e d e r h e r s t e l l u n g bietet« 1 1 0 ) ; H o p p e , Q D 171-175. - Neuere Forschung zum
T h e m a D i a s p o r a bei R u t g e r s 1 5 - 4 4 ; zur literarischen P r o d u k t i o n in der w e s t l i c h e n D i a s p o r a 2 3 5 - 2 8 4 .
62 Einleitung

1
1. Die Adressierung (1,1) ist in sich sozusagen »trans-real«, weil es ein 12-Stäm-
me-Vblk wie im AT seit Jahrhunderten faktisch nicht mehr gab und weil zumindest
ein Teil Israels (auch nach 70) nicht in der Diaspora, sondern in Palästina lebte.452
Das Präskript setzt zunächst das Doppelsignal »Volk Gottes« (12 Stämme) und »Dia­
4
spora«. Dies lädt zu einer Rekonstruktion im übertragenen Sinn ein 53; mit anderen
Worten: Die Adressierung verzichtet anscheinend absichtlich auf eine klare Angabe
über die Abfassungsverhältnisse. Sie will dagegen etwas über die Kommunikationssi­
tuation besagen: Der Brief geht ins »Ausland«. Damit ist aber nicht impliziert, daß
4 4
die Adressaten ihre Situation mit Empfindungen wie »Heimweh« verbanden. ^
2. In der jüdischen Literatur finden sich mehrere Beispiele von Diasporabriefen: Jer
29,1-23; 2Makk l , l - 1 0 a und l,10b-2,18; Epjer; syrBar 78-86; Parjer 6,19-25; 7,24-
455
34; dazu rabbinische B r i e f e , solche der Elephantine-Kolonie (AP 21 und 30), Bar-
4
Kochba-Briefe; aus dem N T sind Apg 15,23-29 und IPetr zu erwähnen. ^ Die
Funktion der jüd. Diasporabriefe bestand laut I. Taatz hauptsächlich in der Stärkung
der Einheit zwischen Mutterland und Diaspora - durch Information, kultische u. a.
Anweisungen, Ermahnung usw. »So wird die Gemeinschaft des Kultes, des Glaubens
457
und des Gebets gefordert und praktiziert.« I. Taatz unterscheidet zwischen Ge­
meindeschreiben und »prophetisch autorisierte(n) Schreiben«. K.-W. Niebuhr be­
zeichnet (unter der Überschrift »Das Gottesvolk in der Bewährung«) als ein Gat­
tungsmerkmal die Intention, »die Identität der Angeredeten als Glieder des Gottes­
4
volkes zu s t ä r k e n « . ^ M . Tsuji deutet die Anfechtungsthematik im Rahmen von Jak
(1,2-12; 5,7-12) sogar als Gattungsmerkmal (Jer 29,1-23; Epjer; syr Bar 78-86; vgl.
Parjer 6,19-25 sowie IPetr 1,6; 4,12 f . ) . 5 9 4

4
51 V g l . T s u j i 2 2 - 2 5 .
4 5 2
Vgl. syrBar 7 8 - 8 6 »An die neuneinhalb S t ä m m e jenseits des Flusses«. In 7 8 , 4 werden allerdings 12 S t ä m ­
m e e r w ä h n t . - Z u Z a h l e n a n g a b e n s. J . M . G . Barclay, 4 A n m . 1.
4 5 3
V e r w a n d t i m N T ist I P e t r 1 , 1 ; a u c h d o r t ö i a o j t o o d , aber v e r b u n d e n m i t d i r e k t e n g e o g r a p h i s c h e n A n g a b e n
u n d d e m i n t e r p r e t i e r e n d e n W o r t » F r e m d l i n g e « ( e b e n s o 2 , 1 1 , w i e a u c h H e b r 1 1 , 1 3 ) , s. d a z u vgl. o. § 5 , 5 .
4 5 4
T r o m p 1 5 . 2 5 . A n d e r s d a g e g e n W e s s e l 2 0 7 ( u n t e r B e z u g a u f Z a h n ) ; D i a s p o r a s t e h e für e i n e » f r e m d e u n d
f e i n d l i c h e W e l t « . V g l . a u c h C o l l i n s , A t h e n s ; R u t g e r s 19 f f . 4 l f., z u m F o r s c h u n g s s t r e i t ü b e r d a s E m p f i n d e n
d e r D i a s p o r a - J u d e n . » D i e alte u n d n u n e r l e d i g t e > L a c r i m o s a < - I n t e r p r e t a t i o n d e r j ü d i s c h e n G e s c h i c h t e w u r ­
d e d u r c h eine a b g e l ö s t , d i e d i e G e s c h i c h t e d e r j ü d i s c h e n G e m e i n d e n d e r D i a s p o r a als E r f o l g s - S t o r y d a r ­
stellt ... A b e r d a s ist n i c h t d a s e i n z i g m ö g l i c h e S c e n a r i o . . . « ( 4 2 ) .
4 5 5
D a r u n t e r drei B r i e f e v o n G a m a l i e l I; s. S a n h I I b ; p S a n h I 2 , 1 8 d ; T S a n h II 6.
4 5 6
T s u j i 3 2 - 3 4 v e r g l e i c h t n o c h J u d u n d 2 P e t r s o w i e i m E x k u r s A p k ( 3 4 f.) u n d l C l e m ; Polyk; M a r t P o l ( 3 5 f.).
Z u l C l e m usw. vgl. a u c h V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 m i t A n m . 3 6 ( » c o v e n a n t a l d i a s p o r a e p i s t l e s « ) .
4
57 T a a t z 1 0 4 .
4 5 8
N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e 1 7 ( d a f ü r v e r g l e i c h t er d i e drei A u s s a g e z u s a m m e n h ä n g e G o t t e s v e r s t ä n d n i s , G o t ­
tesvolk, Z u k u n f t e r w a r t u n g e n ; es folgt d i e T o r a - P a r ä n e s e . F ü r d i e I n t e n t i o n k o m m e n E p j e r ; 2 M a k k 1-2;
s y r B a r 7 8 - 8 6 u n d Parjer 6 , 1 7 - 2 3 J a k n a h e : 3 2 ) ; e b e n s o T e m p e l 4 5 2 .
4 5 9
T s u j i 2 5 f. Ä h n l i c h V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 f., d e r sich v o r a l l e m a u f v a n U n n i k s S t u d i e ü b e r » d a s S e l b s t ­
v e r s t ä n d n i s d e r j ü d i s c h e n D i a s p o r a « b e r u f t , w o n a c h m a n d a s L e b e n in d e r D i a s p o r a i m a l l g e m e i n e n als
S t r a f e b e u r t e i l t h a b e (van U n n i k 7 9 ) , als v e r l ä n g e r t e s E x i l ( m i t Verweis a u f O . H . S t e c k , Israel u n d d a s
g e w a l t s a m e G e s c h i c k d e s P r o p h e t e n , W M A N T 2 3 , N e u k i r c h e n 1 9 6 7 ) , als » a p a i n f u l e x p e r i e n c e r e q u i r i n g
p e r s e v e r a n c e in t h e h o p e o f G o d ' s u l t i m a t e t r i u m p h o n b e h a l f o f his p e o p l e « ( 7 0 3 ) . D i e D i a s p o r a b r i e f e » n o t
o n l y c o n s o l e d t h e a s s e m b l e d d i a s p o r a c o m m u n i t i e s in t h e m i d s t o f their affliction b u t a l s o a d m o n i s h e d
t h e m r e g a r d i n g their c o v e n a n t r e s p o n s i b i l i t i e s in h o p e o f a n e x p e c t e d r e s t o r a t i o n « ; k o n s t a n t g e b l i e b e n seien
» d e r T o n d e r T r ö s t u n g in A n f e c h t u n g e n u n d d e r A p p e l l a n d i e M o t i v a t i o n s k r a f t d e r Z u k u n f t s h o f f n u n g « .
J a k s e n d e a u f d i e s e m H i n t e r g r u n d ein klares S i g n a l a u s , w i e sein B r i e f z u lesen sei, n ä m l i c h als »ein M i t g l i e d
einer b e s o n d e r e n F a m i l i e v o n T e x t e n , d i e A n w e i s u n g e n a n d a s v e r s t r e u t e G o t t e s v o l k ü b e r m i t t e l n i n E r w a r -
Die Abfassungsverhältnisse 63
Es erheben sich jedoch drei Fragen: (a) Gab es eine feste Tradition samt Tradi­
tionsträgern, oder handelt es sich lediglich um eine gelegentlich auftauchende Kom­
munikationsweise? (b) Wie deutlich lassen sich Formmerkmale erkennen? (c)Wurde
die Existenz in der Diaspora im allgemeinen als Anfechtung, ja Strafe empfunden?
Bei allen Fragen ist Zurückhaltung geboten, zumal beim angeblichen Gattungsmerk­
mal »Anfechtung«. Der Befund in den zitierten Schriften sieht anders aus. Epjer 1 ff.
verweist erst einmal auf den Zusammenhang zwischen Sünde und Exil, dann vor
allem auf den Götzenbild-Kult und mahnt zur Nicht-Assimilation (4-6). SyrBar
informiert und tröstet zugleich hinsichtlich des Unglücks, das auch Gericht sei
(78,4 f.); das jetzige Leiden diene zum Heil (78,6). Und der Brief des Baruch an Jere-
mia (Parjer 6,19-25) ruft zur Freude darüber auf, daß Gott die Zeit der Trauer und
460
des Exils beenden will ( 6 , 1 6 . 2 1 . 2 4 ) . In allen genannten Fällen ist die Exilsthema­
tik ausschlaggebend. Von »Anfechtungen«, über die man sich freuen sollte (so Jak
1,2), ist nicht die Rede. Daß Geduld vonnöten ist, liegt in der Sache selbst. Jak sagt
jedoch nichts über die Zerstörung Jerusalems, über das Exil oder andere Verfolgun­
gen. Der Ausdruck öiaojtOQd selbst besagt (in hellenistischer Zeit) nicht, »daß die
Umgebung der nicht in Judäa wohnenden Juden fundamental feindlich war«; das
Wort wurde »in der Antike nicht mit >Heimweh< verbunden, sondern primär im
46
Kontext des Lobes Gottes verwendet«. 1 Sowohl bei der Beurteilung der Diaspora-
Situation als auch der epistolarischen Formmerkmale ist somit Zurückhaltung ange­
zeigt. Dasselbe gilt für die erste Frage; ein Traditionsträgerkreis ist nicht erkennbar;
anscheinend handelt es sich um eine gelegentlich geübte Praxis, die immer wieder
Nachahmer fand. - Nur im allgemeinen Sinn kann man also Jak als einen Diaspora­
brief bezeichnen, der vom traditionellen Zentrum aus Klärung in der Diaspora schaf­
462
fen will. Er erteilt aber gerade keine kultischen u. a. Weisungen , sondern zielt auf
theologische Differenzierung und praktische Konsequenz.
3. Relevanz scheint die Adressierung an die Diaspora auch für die Absenderangabe
zu haben. Implizit wird als Ursprungsort das Land Israel, genauer noch Jerusalem
signalisiert. Die Selbstbezeichnung »Gottes und des Herrn Jesus Christi Knecht« (Jak
463
1,1) wurzelt in der atlttestamentlich-jüdischen Würdeprädikation eines besonde­
4 6 4
ren Beauftragten Gottes - wie Abraham, Jakob, Mose, J o s u a . Unterstrichen ist also
46
die Autorität, gleichsam »von Gottes (und Christi) G n a d e n « . 5

t u n g göttlicher Treue« ( 7 0 3 ) . A n d e r s die Akzente bei S ö d i n g , D i a s p o r a z u Jak; J a k h a b e »nicht die Entfer­


n u n g v o n J e r u s a l e m v o r A u g e n o d e r d i e i r d i s c h e P i l g e r s c h a f t d e s w a h r e n , n ä m l i c h h i m m l i s c h e n Israel, s o n ­
d e r n d a s L e b e n als M i n d e r h e i t i n v e r s c h i e d e n e n O r t s g e m e i n d e n , d i e n o c h w e n i g K o n t a k t u n t e r e i n a n d e r
h a b e n ... V o n einer B e d r ä n g u n g d e r C h r i s t e n d u r c h d i e p a g a n e M a j o r i t ä t v e r l a u t e t nichts; d i e P r ü f u n g e n ,
die ihnen auferlegt sind, sind die A n f e c h t u n g e n d u r c h ihren eigenen M a n g e l . . . « ( 2 3 1 ) .
4
60Taatz79.
4 6 1
T r o m p 15 u n d 2 5 .
4 6 2
S o etwa auch A p g 15,23-29.
4 6 3
V g l . W a l t e r Z i m m e r l i / J o a c h i m J e r e m i a s , T h W N T V 6 5 3 - 6 7 6 ; T s u j i 4 4 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 2 .
4 6 4
E b e n s o N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e 4 2 2 f.; v g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 0 f. - A n d e r s h i n g e g e n I P e t r 1,1
» A p o s t e l J e s u C h r i s t i « ; 2 P e t r 1,1 k o m b i n i e r t » K n e c h t u n d A p o s t e l J e s u C h r i s t i « . A u c h J u d 1 findet s i c h
» J e s u C h r i s t i ö o i j ^ o g « , d i e f o l g e n d e A n g a b e » B r u d e r d e s J a k o b u s « m u ß n i c h t u n b e d i n g t eine W ü r d e s t e l ­
l u n g des J a k o b u s voraussetzen; sie k ö n n t e auch einfach eine identifizierende Klarstellung bezwecken.
4 6
5 V g l . i m N T : L k 2 , 2 9 ; A p g 2 , 1 8 ; 4 , 2 9 ; 1 6 , 1 7 ; I P e t r 2 , 1 6 ; A p k 7 , 3 , w o » K n e c h t G o t t e s « e b e n f a l l s als E h r e n ­
titel v o r k o m m t .
64 Einleitung

4. Rückwirkungen hat die Diaspora-Angabe auch auf die vorausgesetzte Situation


der Adressaten und die behandelte bzw. gerade nicht behandelte Thematik (vgl. o.
§ 1,4). In Diasporabriefen der jüd. Tradition spielten nämlich, wie Niebuhr heraus­
gestellt hat, »Weisungen aus dem Bereich des Tempelkultes und der auf das Land
Israel bezogenen Gebote ... so gut wie keine Rolle.466 Auch wenn sich aus diesem
Umstand nicht alle Konturen bei Jak erklären lassen, hilft die Kategorisierung als
Diasporabrief auch in dieser Hinsicht zur besseren Erfassung des Gesamtcharakters
des Schreibens.

4. Verfasserfrage

467
Die Verfasserfrage ist ein altes, umstrittenes Poblem. - Nach allgemeiner A n s i c h t
kommt von den verschiedenen Personen mit dem Namen »Jakobus« im N T wohl nur
der Bruder des Herrn als implizierter Autor infrage; aber ist er auch der reale Autor?
1. Nicht in Betracht kommen: (a) des Alphäus Sohn, einer der Zwölf (Mk 3,18);
»der Kleine«, Sohn einer Maria (Mk 15,40; vgl. 16,1); der Vater des Apostels Judas
(Lk 6,16; Apg 1,13) - von diesen ist außer ihren Namen nichts bekannt; ebenso (b)
der Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes, einer der Zwölf (Mk 1,19f; 3,17;
5,37 u. ö.), der laut Apg 12,2 früh (ca. 44) umgebracht wurde. Ganz unwahrschein­
468
lich (c) ist eine Identifizierung von Alphäus' Sohn und Herrenbruder , zumindest
469
fraglich (d) die zwischen »dem Kleinen« und dem Herrenbruder.
470
2. Jakobus, »der Bruder des H e r r n « , wird in Gal 1,19 (vgl. ähnlich M k 6,3 = M t
13,55, hier zusammen mit anderen Namen, dazu Schwestern) so direkt erwähnt. Er
dürfte mit dem Jakobus identisch sein, der bald in Jerusalem eine leitende Rolle
471
übernahm: IKor 15,7; Gal 2,9.12; Apg 12,17; 1 5 , 1 3 ; 21,18; dazu evtl. auch J u d
1,1. Laut dem Bericht bei Josephus (Ant 20,9,1=20,200) ließ ihn der Hohepriester
472
Anonus/Ananus II. i . J . 62 steinigen. Ähnliches erwähnt Hegesippus (bei Euseb,
H E II 2 3 , 4 - 1 8 ) . 4 7 3 Jakobus soll den Beinamen »der Gerechte« getragen haben
(Euseb, H E II 1,2; 23,7), wie auch die Nag Hamadi-Texte zeigen (EvThom 12

4 6 6
Niebuhr, Diasporabriefe 4 4 1 zuTestXII.
4 6 7
S o e t w a K ü m m e l 3 6 3 ; R. E . B r o w n 7 4 1 ; S c h n e l l e 3 9 8 ff; V i e l h a u e r 5 7 8 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 ff.; J o h n ­
s o n , A n c B 8 9 ff.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 5 ff; zu a n d e r e n V o r s c h l ä g e n vgl. T s u j i 3 8 f. V g l . ferner C a r r o l l .
468 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 f.
4 6 9
D a f ü r p l ä d i e r t M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9.
4 7 0
» B r ü d e r « J e s u w e r d e n a u c h M k 3 , 3 1 p a r . ; J o h 7 , 5 ; A p g 1,14; I K o r 9 , 5 e r w ä h n t , d u r c h g e h e n d u n t e r s c h i e d e n
v o n d e n » A p o s t e l n « ( a u c h in G a l 1 , 1 9 ) . V g l . E u g e n R u c k s t u h l , J a k o b u s ( H e r r e n b r u d e r ) : T R E 16 ( 1 9 8 7 ) ,
4 8 5 - 4 8 8 ; A l a n d , E n t w ü r f e 2 3 3 - 2 4 5 ; W i l l i a m R . Farmer, J a m e s the Lord's« Brother, a c c o r d i n g to Paul, in:
C h i l t o n / E v a n s 1 3 3 - 1 5 3 ; Pratscher 1 9 9 ff. (zur V e r w a n d t s c h a f t v o n J a k u n d J e s u s in der S i c h t der A l t e n K i r ­
che); 2 2 0 f. (zur B e z i e h u n g z w i s c h e n B r i e f u n d H e r r e n b r u d e r ) .
4 7 1
D e n in A p g 1 5 , 2 3 ff. e r w ä h n t e n B r i e f verfaßte allerdings d i e g e s a m t e in J e r u s a l e m v e r s a m m e l t e G e m e i n ­
schaft.
4 7 2
Z u d e n T e x t e n s. Painter 1 3 2 - 1 4 3 .
4 7 3
A u s f ü h r l i c h e D a r s t e l l u n g der E u s e b - T e x t e bei Painter 1 0 5 ff.; e b e n s o bei Pratscher 1 7 8 ff. ( » D a s g r o ß k i r c h l i ­
che J a k o b u s b i l d « ) ; M a r t i n , W B C xxxi-lxix. Z u d e n christlichen B e r i c h t e n ü b e r d a s M a r t y r i u m s. H e n g e l ,
H e r r e n b r u d e r 7 5 - 7 9 ; R . B a u c k h a m , F o r W h a t OfFence W a s J a m e s P u t to D e a t h ? , in: C h i l t o n / E v a n s 1 9 9 - 2 3 2
(mit Quellenanalyse); C r a i g A. Evans, Jesus a n d James: Martyrs o f t h e T e m p l e , ebd. 2 3 3 - 2 4 9 ; Jones; z u m Bei­
n a m e n »der G e r e c h t e « H e n g e l , H e r r e n b r u d e r 7 9 - 8 1 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 3 m i t A n m . 6.
Die Abfassungsverhältnisse 65

öixaiog). In der weiteren frühchristlichen Literatur wird die Position des Jakobus teil­
weise stark in den Vordergrund geschoben; so im EvHebr (erster Auferstehungs­
474
z e u g e ) , in EvThom 12 (über alle Apostel hinaus) und bei PsClemens. Jakobus wird
4
zum ersten Bischof Jerusalems. ^ Genannt wird sein Name allerdings primär in
judenchristlichen Kreisen. Damit ist allerdings nicht ein Anti-Paulinismus impli­
476
ziert.
3. In Erwägung gebracht wurde auch die Möglichkeit einer Namensverwechs-
lungAll Demnach hätte jemand, der tatsächlich »Jakobus« hieß (der Name war sehr
gebräuchlich), der aber nicht mehr identifizierbar ist, den Brief verfaßt. Später wurde
dieser Autor fälschlicherweise mit dem Herrenbruder identifiziert. Mit dieser These
versucht man, die Argumente sowohl für Authentizität (u. a. das Fehlen der literari­
schen Charakteristika von Pseudonymität) als auch die für Pseudonymität (besonders
die Datierung in Relation zu Paulus, nach dem Tod des Herrenbruders i. J . 62) ernst­
zunehmen. Die Abfassung fiele dann in die 70er Jahre. Auch die schleppende Akzep­
tanz in der Alten Kirche würde sich so erklären. - Die These hat keine eigene Argu­
mentationsbasis, sondern arbeitet mit dem Prinzip »historischer Plausibilität«. Sie
erklärt freilich weder die Entstehung noch die spätere Umbenennung näher.
4. Die Verfasserangabe in 1,1 hält sich merklich zurück, fast bedeckt. Die Figur des
Jakobus tritt weniger als Person denn als Symbol in Erscheinung. Wahrscheinlich soll
sie Autorität signalisieren; ob das absichtlich so kurz geschieht, ist schwer zu beant­
worten. Waren Person, Position und Autorität dermaßen klar und programmatisch,
daß sich weiteres erübrigte? Braucht die Angabe nicht mehr auszusagen, oder will sie
es nicht? Die übliche Interpretation, daß hier die Stimme »des« Jakobus aus der
Hauptstadt der Heilsgeschichte zu Worte kommen will bzw. soll, dürfte zutreffen;
man sollte jedoch gegenüber einer Überladung der Aussage behutsam sein.
478
5. Die Verfasserangabe wird weithin als fiktional bewertet. Das bedeutet, daß
irgend jemand gemeint hat, im Namen des Herrenbruders eine Botschaft an die
Christenheit in aller Welt ausgehen zu lassen; dazu lieh er sich die Autorität jenes
Namens. Die Intention wäre relativ breit angelegt, nämlich die Kirche zu stärken und
zur Räson zu rufen. Zeitlich kann das kaum vor den letzten Jahren des 1. Jh.s gesche­
hen sein.
6. Die Verfasserangabe wird auch von den Vertretern der Authentizität^ entspre­
chend interpretiert, was die Intention betrifft. Demnach habe sich der Herrenbruder
vor dem Jahr 62 an die Gesamtchristenheit mit derselben (oben genannten) Inten­
tion gewandt. Freilich dürfte solch eine Art »Enzyklika« für die Frühzeit der Kirche
eher eine Auffälligkeit und ein Wagnis gewesen sein als in einer weniger übersicht­
lichen späteren Phase. Es existiert zudem kein Reflex einer solchen jakobeischen, d. h.

4
74 B e i H i e r o n y m u s , V i r l l l 1 2 , 2 .
475 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 f.; H e n g e l , H e r r e n b r u d e r 9 8 ff.
476 P r a t s c h e r K a p . 3; H e n g e l , H e r r e n b r u d e r 9 2 - 9 8 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 5 0 . V g l . a u c h V o o r s t .
477 P a t t e r s o n .
478 V g l . T s u j i 3 9 A n m . 2 1 6 .
479 L i s t e bei T s u j i e b d . , u. a. A d a m s o n , J a m e s 3 - 5 2 ; H a r t i n , S a y i n g s 2 3 3 - 2 4 0 ; S t u l a c 1 3 - 1 7 ; M a y n a r d - R e a d 5 -
1 1 ; M o o 1 7 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 - 8 . 2 3 7 - 2 4 0 ; C a r r o l l ; Powell 3 1 3 ; J o h n s o n , A n c B A18-121 (wahr­
scheinlich).
66 Einleitung

durch Name, Position und Autorität des Herrenbruders untermauerten Aktion in der
4 8 0
neutestamentlichen und frühchristlichen Literatur (inkl. Apg 1 5 ) . Verbunden mit
den bisher gesammelten Gesichtspunkten über die Abfassungsverhältnisse, ist eine
Entstehung im späteren 1. Jh. oder sogar Anfang des 2. Jh.s wahrscheinlicher.

7. E i n e völlig andere L a g e w ü r d e sich ergeben, w e n n d a s Präskript nicht ursprünglich zu d e m D o k u ­


4 8 1
m e n t g e h ö r t hätte. D i e s e bereits 1 8 9 7 d u r c h A . v o n H a r n a c k erörterte H y p o t h e s e wurde 1997
d u r c h S . R . Llewelyn erneut zur D i s k u s s i o n gestellt. D i e A r g u m e n t a t i o n setzt b e i m , s o m e i n t m a n ,
sehr generellen, praktisch s i t u a t i o n s l o s e n C h a r a k t e r einer losen S a m m l u n g paränetischen M a t e r i ­
4 8 2
als e i n . D a r a u s w i r d gefolgert, d a s Präskript sei sehr viel später a n die vor ca. 1 5 0 erstellte S a m m ­
l u n g angefugt w o r d e n ; die S a m m l u n g blieb z u n ä c h s t in Vergessenheit, bis a m E n d e des 2 . J h . s i m
Präskript des J a k o b u s N a m e erschien, w a s zur A u f n a h m e in d e n K a n o n führte. M . D i b e l i u s , der
die a l l g e m e i n e C h a r a k t e r i s i e r u n g des Briefes teilte, betrachtete 1,1 nicht als Interpolation. D i e s p ä ­
te A n e r k e n n u n g sei n a c h seiner A u f f a s s u n g a u f d a s paränetische M a t e r i a l zurückzuführen, d a s i m
4 8 3
L a u f e d e s 2 . J h . s uninteressant w u r d e . Llewelyn n u n will D i b e l i u s ' A r g u m e n t e widerlegen u n d
d a d u r c h H a r n a c k s T h e s e wieder zur G e l t u n g bringen. Z u n ä c h s t h a b e d a s D o k u m e n t d e m n a c h als
ein »essay« o h n e A d r e s s i e r u n g existiert. A h n l i c h wie Q u n d E v T h o m h a b e es als »lose K o m p i l a t i o n
484
v o n S p r ü c h e n in der W e i s h e i t s t r a d i t i o n « i m » o r t h o d o x e n « U m f e l d nicht überleben k ö n n e n ; des
J a k o b u s N a m e sei dieser S a m m l u n g d a n n vorangestellt w o r d e n , u m sie zu erhalten. - D a s H a u p t ­
p r o b l e m dieser D a r s t e l l u n g liegt darin, d a ß sie ausschließlich n a c h inneren Kriterien urteilt. Ä u ß e ­
re A n h a l t s p u n k t e in der Textüberlieferung g i b t es nicht. D e m k ö n n t e m a n entgegenhalten, d a ß
K o p i e n natürlich erst n a c h der k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e n A k z e p t i e r u n g g e m a c h t w u r d e n . B e i Inter­
p o l a t i o n s v e r m u t u n g e n fällt d i e Beweislast i m m e r ihren Vertretern zu. Ihre A r g u m e n t e erweisen
sich j e d o c h als nicht stichhaltig. J a k ist keine situationslose S a m m l u n g ; wie s c h o n D i b e l i u s regis­
trierte, w ü r d e m a n (bei einer Interpolation) eine kräftigere H e r a u s s t e l l u n g des H e r r e n b r u d e r s
485
erwarten; die Ü b e r l e g u n g e n z u m » Ü b e r l e b e n « paränetischen M a t e r i a l s entbehren klarer A n ­
h a l t s p u n k t e . M a n k a n n also d a b e i bleiben, d a s Präskript als z u m u r p r ü n g l i c h e n D o k u m e n t d a z u ­
gehörig anzusehen.

8. Die Debatte über Früh- bzw. Spätdatierung bewegt sich, insgesamt gesehen, um
486
folgende Gesichtspunkte : (a) das Sprachniveau, d. h. das gute Griechisch; (b) das
Gesetzesverständnis; (c) die Relation zu Jesus und (d) zu Paulus; (e) die theologiege-

4 8 0
D i e s e G e g e n p r o b e w i r d m e i s t e n s unterlassen; selbstverständlich h a t e i n a r g u m e n t u m e silentio einen b e ­
grenzten Beweiswert, d e n n o c h sollte m a n d i e F r a g e nicht außer A c h t lassen. D i e a n g e b l i c h e n T e x t ü b e r n a h ­
m e n d u r c h IPetr, l C l e m u. a., d i e als A r g u m e n t e für eine F r ü h d a t i e r u n g a n g e f ü h r t w e r d e n , bilden ein völ­
lig anderes G e n u s , a b g e s e h e n v o n ihrer Fraglichkeit.
4 8 1
H a r n a c k 4 8 5 ff.: D i e A d r e s s a t e n wechseln s t ä n d i g in J a k . A b g e s e h e n v o n 1,1, d e u t e nichts a u f einen B r i e f
( 4 8 7 ) ; der Verfasser der » D i d a s k a l i l e e n , T r o s t r e d e n , Prophetieen, S t r a f p r e d i g t e n usw.« ( 4 8 7 ) , der nicht vor
1 2 0 gelebt h a b e , sei nicht identisch m i t d e m R e d a k t o r , der erst a m E n d e des 2. J h . s gewirkt h a b e . D a s 2 . J h .
h a b e ü b e r h a u p t keinen J a k o b u s b r i e f besessen, m i t a n d e r e n W o r t e n : d a s Präskript sei nicht älter als d a s a u s ­
g e h e n d e 2 . J h . ( 4 8 8 f.). D i e K o m p i l a t i o n sei zwar bereits vor der M i t t e des 2 . J h . s erfolgt; aber sie sei » s o
lange relativ in der V e r b o r g e n h e i t geblieben als sie d e n N a m e n des J a k o b u s n o c h nicht trug« ( 4 8 9 ) . - Z u
H a r n a c k s Position s. d i e D i s k u s s i o n bei M a y o r clxxviii-cxciii; H e n g e l , P o l e m i k 2 5 0 .
4 8 2
Llewelyn 3 8 5 ff. Als B r i e f sei J a k » u n z u s t e l l b a r « ( 3 8 5 ) , ähnlich bereits D e i ß m a n n 2 0 6 .
4 8 3
D i b e l i u s ' A r g u m e n t e : ( 1 ) d i e P a r o n o m a s i e in 1,1.2 xaipeiv - xapdv ( 2 ) d a s Präskript heroisiert d e n Ver­
fasser nicht als B r u d e r d e s H e r r n . — G e g e n e i n Verständnis v o n 1,1 als I n t e r p o l a t i o n a u c h F r a n k e m ö l l e ,
Ö T K 131.
4 8 4
Llewelyn 3 9 3 .
485 V g l , Llewelyn 3 8 9 f. zur F r a g e der F u n k t i o n einer Z u s a t z a n g a b e » H e r r e n b r u d e r « . M a n sollte d i e F u n k t i o n
des Präskripts aber nicht z u stark v o n solch e i n e m Titel a b h ä n g i g m a c h e n .
4 8
6 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 f. 2 3 7 - 2 4 0 ; T s u j i 3 9 - 4 3 ; J o h n s o n , A n c B 1 0 8 - 1 1 1 .
Die Abfassungsverhältnisse 67
schichtliche Position; (f) die kanonsgeschichtliche Rezeption; (g) die kirchen- und
theologiegeschichtliche Situation. Dazu sei folgendes angemerkt. Z u a: Die Einschät­
zung des Sprachniveaus bleibt ambivalent; selbst wenn auch in Palästina das Griechi­
487
sche stärker verbreitet w a r , könnte u. U. ein Übersetzer in Anspruch genommen
488
worden s e i n . Die stilistische Qualität zielt auf jeden Fall auf Akzeptanz im griechi­
489
schen S p r a c h r a u m ; der Wortschatz deutet auf eine spätere Zeit (s. o. § 5,7). Die
Beweislast tragen in diesem Punkt die Vertreter der Authentizität. Z u b: Dasselbe gilt
bei der Frage der Nomos-Observanz. Jak behandelt alle typisch jüdischen Themen
nicht, einschließlich des sog. Ritualgesetzes (s.o. § 1,4). Daß er ein traditioneller N o ­
490
mist i s t , wird im Brief keinesfalls deutlich. Die Aussagen speziell über das »Gesetz
491
der Freiheit« und das Liebesgebot abstrahieren die Thematik eher. Auf Frühdatie­
rung weist kaum etwas. Zu c: Die Relation zum Jesus-Gut ist sachlich-allgemeiner
Art. Überlieferungsgeschichtliche Erwägungen zu Q u s w . (s. o. § 5.3) besagen nichts
für eine Frühansetzung. Jedenfalls wird eine persönliche Nähe zu Jesus nirgends
492
erkennbar. Z u d: Daß Jak paulinische Gedanken voraussetzt, bleibt die wahr­
scheinlichere Lösung (s. o. § 5,4). Der sachliche Abstand (entstellter Paulinismus)
spricht für einen eben solchen auch in der Chronologie. Daß Jak dann auf Paulus-
493
Briefe hätte Bezug nehmen sollen (wie es 2Petr 3,15 f. geschieht) , ist kein Argu­
ment; auch die Apg zeigt nichts davon. Daß Paulus z. Zt. der Apg und Past »längst
494
>domestiziert< und >heimgeholt«< w a r , ist eine unzulässige Verallgemeinerung. Z u e:
Bei Jak fehlen in der Tat »frühkatholische« Merkmale - wie Amtsdenken, Sakramen­
49
talismus und Parusieverzögerung. ^ Tatsächlich ist die theologische Welt des Jak eher
»frühprotestantisch« zu nennen. Aber auch hier darf man die theologiegeschichtliche
Entwicklung nicht verallgemeinern, wie etwa parallele Züge bei M t zeigen. Im übri­
gen sollte man Jak 5,8 f. nicht überinterpretieren, was eine zeitlich verstandene
Naherwartung betrifft (vgl. z. St.). Zu f: Die späte Rezeption des Jak gibt zu denken.
Ist die Argumentation für eine Frühansetzung stringent, »daß das Wissen um Rang
und Rolle dieses Mannes in der Urgemeinde seinen Brief nicht auf die Dauer unter­
496
gehen lassen k o n n t e « ? Es gibt jedoch keine frühen Spuren, weder vom Text her
noch vom Wissen über solch ein Dokument. Solch ein Brief hätte dann doch zu einer
früheren Zeit wieder in Erscheinung treten müssen! Die zögerliche Rezeption deutet

4 8 7
S . d i e E i n s c h r ä n k u n g bei T s u j i 4 1 f., z u J . N . Sevenster, D o Y o u K n o w G r e e k ? H o w m u c h G r e e k c o u l d t h e
first J e w i s h C h r i s t i a n s h a v e k n o w n ? ( N T . S 1 9 ) , L e i d e n (Brill) 1 9 6 8 , u n d z u H e n g e l , P o l e m i k 2 5 1 f. V g l .
weiter M a r t i n H e n g e l , J u d e n t u m u n d H e l l e n i s m u s . S t u d i e n z u ihrer B e g e g n u n g u n t e r b e s o n d e r e r B e r ü c k ­
s i c h t i g u n g P a l ä s t i n a s bis z u r M i t t e d e s 2 . J h . s v. C h r . ( W U N T 1 0 ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) 3 . A u f l . 1 9 8 8 ; d e r s . ,
T h e >Hellenization< o f J u d a e a in t h e First C e n t u r y after C h r i s t . I n C o l l a b o r a t i o n w i t h C h r . M a r k s c h i e s ,
L o n d o n / P h i l a d e l p h i a 1 9 8 9 . A u c h Penner, E p i s t l e 7 4 h ä l t d i e S p r a c h e für ein u n z u r e i c h e n d e s D a t i e r u n g s ­
mittel.
4 8 8
S o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8. K r i t i s c h d a z u F r a n k e m ö l l e , Ö T K 5 3 ; T s u j i 4 3 .
4 8 9
Vgl. Malherbe, Ebene.
4 9 0
S o meinen L u d w i g u n d Lautenschlager.
4 9 1
S . i m K o m m e n t a r b e s o n d e r s z u 2 , 8 ff.
4 9 2
Z u m P r ä s k r i p t vgl. T s u j i 4 0 f.
4 9 3
So meint Mußner, Jakobusbrief 238.
4 9 4
So Mußner, Jakobusbrief 238.
4 9
5 Vgl. Mußner, Jakobusbrief 238.
4 9 6
So Mußner, Jakobusbrief 239.
68 Einleitung

eher auf eine nicht-gefestigte, relativ spät auftauchende Position. Zu g: Das Argu­
ment, es ließe sich »keine kirchen- und theologiegeschichtliche Situation am Ende
497
des 1. Jh.s nennen, in die hinein oder aus der heraus der Brief geschrieben w ä r e « ,
läßt sich m. E. leicht mit dem Blick auf die in verschiedenen frühchristlichen Schrif­
ten (s. o. § 5,4-8; § 7,1-2) sichtbar werdenden Züge entkräften.
Die Beweislast liegt also m. E. in allen Aspekten bei den Vertretern der Frühdatie­
rung. In Umkehrung der zitierten Gegenthese sollte man formulieren: »Es können
also keine überzeugenden Gründe genannt werden«, die für »eine Verfasserschaft
durch den Herrenbruder Jakobus sprechen würden«.

5. Entstehungsphasen

498
Man hat erwogen, ob der Brief in verschiedenen Stufen bzw. Phasen e n t s t a n d . Die
These bezieht sich vor allem auf zwei Aspekte.
1. Traditionsgeschichtlich könnte das eine oder andere »Grundmuster« (pattern)
499
des Briefes auf den Herrenbruder zurückgehen. Dafür könnte der homiletische Stil
sprechen. Eine »Schule« des Jakobus hätte solches Material aufbewahrt und später
zusammengestellt und zur Geltung gebracht.
2. Die These soll zudem die sprachliche Eleganz erklären, und zwar in Anlehnung
an die traditionelle Sekretärshypothese. Speziell könnte so auch das Fortleben einiger
Semitismen plausibel werden.
3. Beide Aspekte sind in sich nicht völlig ohne Basis; denn »Schulen« gab es auch
sonst im Frühchristentum, speziell bei Paulus; und Formulierungshilfe konnte durch­
aus in Anspruch genommen werden. Es ist jedoch zweifelhaft, ob man für den Fall
des Jak wirklich Ansatzpunkte dafür im Text findet. Dann ist solch eine These nicht
mehr als eine eventuelle Hilfskonstruktion, um die Zurückführung auf den Namen
des Autors verständlicher zu machen. Die These ist jedoch zu wenig fundiert.500

4 9 7
Mußner, Jakobusbrief 240, mit besonderem Nachdruck.
4 9 8
Wall 9; D a v i d s , C o m m e n t a r y 1 2 ; M a r t i n , W B C Ixxvi. V g l . d i e k r i t i s c h e A n a l y s e bei T s u j i 4 3 f.; F r a n k e ­
mölle, Ö T K 53.
4 9 9
M i t t o n 9 u n d L o n e c k e r 1 8 9 m e i n e n t r o t z einer z e i t l i c h e n A n s e t z u n g d e s Briefes v o r 6 2 , in J e r u s a l e m h a b e
m a n B e s u c h e r n » s o m e r e c o r d o f J a m e s ' c h a r a c t e r i s t i c t e a c h i n g « a u s g e h ä n d i g t . H a l s o n 3 1 2 f. a r g u m e n t i e r t ,
d e r B r i e f sei » e i n e K o l l e k t i o n k a t e c h e t i s c h e n M a t e r i a l s ... a u s einer b e s o n d e r e n >Schule< v o n K a t e c h e t e n .
D a s v o n dieser S c h u l e a u f b e w a h r t e u n d b e n u t z t e M a t e r i a l w u r d e in d i e F o r m einer Weisheitstradition
g e g o s s e n ... I n d e r g e g e n w ä r t i g e n G e s t a l t w u r d e d e r B r i e f z u s a m m e n g e s t e l l t , n a c h d e m d a s M a t e r i a l m e h r
als e i n e G e n e r a t i o n l a n g b e n u t z t w o r d e n w a r « ; d i e K a t e c h e t e n s c h u l e »is to b e c o n n e c t e d w i t h J a m e s o f J e r u ­
s a l e m « ; n a c h s e i n e m M a r t y r i u m w u r d e n ihre M i t g l i e d e r verstreut. D e r B r i e f sei » n i c h t z u l a n g e n a c h d e r
Verbreitung« des M t zu datieren.
5 0 0
D i e Z w e i - S t u f e n - T h e o r i e h a b e ich s e l b s t f r ü h e r ( P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 8 7 f.) in E r w ä g u n g g e z o g e n , v e r f o l g e
sie j e d o c h n i c h t weiter.
Die Abfassungsverhältnisse 69

6. Ergebnis

Als Ergebnis — nach der m. E. immerhin deutlichen Wahrscheinlichkeit bemessen -


sei zur Frage der Abfassungsverhältnisse festgehalten:
1. Der Brief wurde in fortgeschrittener neutestamentlicher Zeit verfaßt, etwa um
1
die Wende vom 1. zum 2. Jh.^ Das zeigt sich besonders in der sachlichen und sprach­
lichen Nähe zu verschiedenen Schriften aus der Zeit zwischen ca. 85 und dem Anfang
des 2. Jh.s.
2. Das Schreiben greift das »Phänomen« (von einer regelrechten »Tradition« wird
man kaum sprechen können) des Diasporabriefes auf. Hier wendet sich der »Ur­
sprungsort« an die Diaspora zwecks Stärkung, Warnung, Mahnung, Weiterführung
und Korrektur. Allerdings werden dabei keine speziell »palästinischen« Anliegen gel­
tend gemacht. Adressat ist die Christenheit im »Ausland«.
3. Der Brief verwendet Namen, Position und Autorität des Herrenbruders Jako­
bus, ist aber nicht dessen eigenes Produkt, sondern stellt ihn in die Rolle des Verfassers
eines Diasporabriefes; aus der implizierten Verantwortung wendet er sich an die »12
Stämme in der Diaspora«.
4. Die Frage des tatsächlichen Abfassungsortes ist nicht mehr lösbar. Für Palästina
spricht nichts Entscheidendes; das gleiche gilt für Alexandrien.502 Die Nähe zu IPetr,
lClem503 . . könnte evtl. für Rom plädieren lassen; aber auch diese Faktoren sind
u a

nicht genügend klar.

5 0 1
K ü m m e l 3 6 5 : d i e A b f a s s u n g s z e i t »läßt s i c h s c h w e r l i c h g e n a u e r als a u f d a s E n d e d e s 1. J h . s f e s t l e g e n « . V i e l ­
h a u e r 5 8 0 d a t i e r t » z w i s c h e n 8 0 , u n d 1 3 0 « . S c h n e l l e 4 0 2 : E n d e d e s 1. J h . s B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 2 . 3 :
» d i e letzten J a h r z e h n t e d e s 1. J h . s « (vgl. d i e » t r a d i t i o n s g e s c h i c h t l i c h e V e r w a n d t s c h a f t m i t M t u n d I P e t r « ) .
502 y g i o. § 4 , 3 . 3 . B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 2 . 3 : d e r B e f u n d s p r i c h t w e d e r für e i n e l ä n d l i c h e G e g e n d ( P a l ä ­
s t i n a ) n o c h für e i n e H a f e n s t a d t (speziell A l e x a n d r i a ) ; d i e N ä h e z u M t u n d d a s A p o s t e l k o n z i l s a m t F o l g e n
deuten a m ehesten a u f Antiochia.
503 S . o . § 5 , 5 u n d 7.
Auslegung
I. Präskript 1,1

(1) J a k o b u s , G o t t e s u n d des H e r r n J e s u C h r i s t i Diener, den zwölf S t ä m m e n in der


D i a s p o r a - z u m frohen G r u ß .

1 Das Präskript ist einfach aufgebaut. D e m Namen folgt als Apposition eine quasi
titulare Qualifizierung (öoüXog), die auf zwei Genitive (0eoi3 x o d X U Q L O U I n o o i j
X Q I G T O I J ) bezogen ist. Die Adressaten werden kollektiv genannt. Als ihr Ort erscheint
lediglich ev x f j ö i a ö J T O Q Q t . Der Gruß ist kurz und ohne erkennbaren theologischen
1 2
Gehalt (xaiQeiv). Die Identität des »Jakobus« läßt der Text weitestgehend offen.
Der N a m e scheint einen konkreten Verfasser zu bezeichnen, wahrscheinlich den
»Herrenbruder« Jakobus, sei es tatsächlich, sei es fiktional. In Verbindung mit den
»12 Stämmen« könnte auch eine symbolische Relation zum atl. Patriarchen Jakob
mitschwingen.3 Die Selbstbezeichnung »Diener« signalisiert altorientalisch-atl.-jüd.
4 5
Würdeprädikation. Im N T erscheint öoüXog 0eoi3 nur noch Tit 1,1 (für Paulus) ;
geläufiger ist bovXoq X Q L Ö T O D ( 1 T ] Ö O 1 3 ) : Rom 1,1; Phil 1,1; Gal 1,10; 2 Petr 1,1. Jak
6
nennt sich dagegen nicht »Apostel« , welches die in den ntl. Briefen verbreitetste
Absenderbezeichnung ist (Rom 1,1; IKor 1,1; 2Kor 1,1; Gal 1,1; Kol 1,1; Eph 1,1;
1 T i m 1,1; 2 T i m 1,1; Tit 1,1; 1 Petr 1,1; 2Petr 1,1), und zwar überwiegend zusammen
mit »Jesu Christi«. Liegt der Grund für die Absenz von »Apostel« darin, daß »der
Jakobustradition bekannt war, daß der Herrenbruder Jakobus nicht Apostel gewesen
war«?? Das ist nicht auszuschließen. Ebenso fehlt eine sonstige nähere Kennzeich­
nung durch verwandtschaftliche oder kollegiale Beziehungen; insbesondere gilt das
8
für eine Bezeichnung wie »Bruder des Herrn« , die man bei »Jakobus« evtl. erwarten

1
J o h n s o n , A n c B 1 7 0 : » b e m e r k e n s w e r t e i n f a c h u n d >säkular<«. B e r e i t s C a j e t a n d e V i o m e r k t e a n : » p r o f a n o
m o r e « (ebd. 169; M e i n e r t z 2 1 8 A n m . 1).
2
S . d a z u in d e r E i n l e i t u n g § 7, 4.
3
V g l . F r a n k e m ö l l e . Ö T K 1 2 4 . V i e l w e i t e r g e h t b e k a n n t l i c h A r n o l d M e y e r ( 1 7 6 ff.): d e r B r i e f sei u r s p r ü n g ­
lich e i n e j ü d i s c h - h e l l e n i s t i s c h e S c h r i f t g e w e s e n , verfaßt i m N a m e n d e s P a t r i a r c h e n J a k o b als d e s s e n T e s t a ­
m e n t (vgl. G e n 4 9 ; J u b 4 5 , 1 6 ; T e s t X I I ) , s t r u k t u r i e r t als » e i n e A l l e g o r e s e ü b e r J a k o b u n d d i e z w ö l f Stäm­
m e « ( 2 4 0 ff.). V g l . d i e K r i t i k bei K ü r z d ö r f e r 2 8 - 8 6 .
4
V g l . W a l t e r Z i m m e r l i / J o a c h i m J e r e m i a s : T h W N T V 6 5 3 - 6 7 0 ; T s u j i 4 4 f. I m A T z. B . G e n 3 2 , 1 1 ; J o s 1 4 , 7 ;
R i 2 , 8 ; 2 S a m 7 , 4 ; 8 , 2 9 ; Ps 8 9 , 4 . 2 1 ; 1 0 5 , 2 6 . 4 2 ; 1 1 9 , 3 8 . 7 6 ; 1 3 4 , 1 ; 1 4 3 , 1 2 ; J e s 4 1 , 8 ; 4 8 , 2 0 ; E z 2 8 , 2 5 ; D a n
9 , 1 1 ; M a l 4 , 4 ( = 3 , 2 2 ) ; I M a k k 4 , 3 0 , b e s o n d e r s für A b r a h a m , J a k o b , M o s e , J o s u a . A b e r a u c h für d i e P r o ­
pheten: A m 3,7; Jer 4 4 , 4 ; l Q p H a b 2,9; 7 , 5 . D i e griech.-hellenistische Tradition kennt ähnliches: E u r i p Ion
3 0 9 ; D i o C a s s 6 2 , 5 , 2 ; A p u l M e t 1 1 , 1 5 u. a.
5
Vgl. n o c h A p g 1 6 , 1 7 »Diener des höchsten Gottes«.
6
A n d e r s IPetr 1,1, das nächst-verwandte Präskript.
7 S o Frankemölle, Ö T K 129.
8
V g l . B e r n h e i m , b e s o n d e r s 11 ff. S o G a l 1,19; vgl. J u d 1 , 1 ; M k 6 , 3 par. L l e w e l y n 3 8 9 : D i e F u n k t i o n einer
solchen A n g a b e wäre lediglich eine personale Identifizierung gewesen (gegen Dibelius).
1,1 71
könnte; damit korrespondiert die durchgehende Nicht-Kennzeichnung von Jesus-
Tradition im Brief. Auch hier kennen wir die Gründe nicht. Fakt ist, daß sich der
Absender mit dem einen »Titel« »Diener/Knecht/Sklave« begnügt. Die Relation von
»Diener« scheint binitarisch zu sein: zu Gott und zu Jesus Christus. Eine solche K o m ­
bination findet sich auch in den paulinischen Briefen, obschon anders formuliert
(z.B. IKor 1,1; Gal 1,1), vor allem im abschließenden Wunsch der Präskripte (z. B.
9
R o m 1,7; IKor 1,3). F r a n c i s Vouga hat allerdings vorgeschlagen, beides, »Gott und
10
Herr«, hier auf Jesus Christus zu beziehen, weil auch in 1,27 und 3,9 die Titel
zusammenstünden; dann würde Jak Jesus als Gott bezeichnen - eine im N T seltene
Aussage (vgl. Joh 20,28). Dagegen spricht jedoch: »Jak ist ambivalent in seiner Ver­
wendung von kyrioSy ... doch ist er anderswo nicht unsorgfältig bei seiner Bezeich­
11
nung theos, die sich klar auf ho pater bezieht«. Der »Diener« Jakobus stellt sich somit
zu zwei Gestalten in Beziehung, zu einer »himmlischen« und zu einer »geschicht­
lichen«. N i m m t man jedoch 2,1 hinzu, so ist Jesus Christus primär der Kyrios (dort
mit »unser« und »der Herrlichkeit«). D e m entspricht zudem die Selbstbezeichnung
öoDXog unmittelbar. Die verschiedenen Vorkommen von KVQIOC, bei Jak differen­
12
zieren allerdings nicht klar zwischen Gott und C h r i s t u s . Das läge gar nicht in sei­
13
nem Sinn. Die Nähe zu 0eög signalisiert auch in 1,1 eine Hoheitschristologie. Der
Name Jesus Christus steht für Herrschaft. Wir wissen nicht, welche Kyrios-Vorstel-
lungen bei den Adressaten des Jak vorhanden waren. Immerhin ist bekannt, daß der
Titel im 1. J h . allgemein im Vordringen (vom Osten zum Westen) war, nicht nur im
14
religiösen, sondern auch im politischen Bereich (Kaisertum). Die ntl. Verwendung
1
von Kyrios für Jesus hat verschiedene Wurzeln. 5 Deutlich ist jedoch der inhaltliche
16
Akzent, nämlich »die theonome Hoheit des Prädikats« . Jesus Christus besitzt gött­
liche Weisungs- und Gestaltungsmacht. Damit setzt Jak ein theo- und christologi-
17
sches Zeichen über sein Schreiben. Er selbst versteht sich als öoDXoc; dieses Herrn.
Damit signalisiert er für sich selbst zugleich Hoheit und Demut. Er will nichts mehr,
aber auch nichts weniger, als den Willen des Herrn nahebringen. - Und zwar »den
12 Stämmen (in der Diaspora)«. Natürlich ist das von Hause aus eine Bezeichnung
für das gesamte Israel als Gottesvolk, die Nachkommenschaft der 12 Söhne Jakobs

9
A m a u s g e p r ä g t e s t e n in I K o r 8 , 6 . V g l . M a r t i n , W B C 7.
1 0
V g l . V o u g a 3 1 u n d 3 6 , a u c h z u e i n i g e n a l t k i r c h l i c h e n A u s l e g u n g e n . Karrer, P r ü f u n g 1 6 8 f., m e i n t z u R e c h t :
» D a s K e n n z e i c h n e n d e u n s e r e r F o r m e l ist ihre S c h w e b e : 0EÖg m u ß n i c h t a u f J e s u s b e z o g e n w e r d e n , k a n n es
a b e r ... A u c h bei z w e i g l i e d r i g e r A u f l ö s u n g r ü c k t d i e F o r m e l G o t t u n d d e n H e r r n J e s u s , d e n G e s a l b t e n , a u f s
engste z u s a m m e n . «
1 1
Johnson, A n c B 168.
1 2
I n 1,7 ist K y r i o s w o h l G o t t ( w e g e n V 5 ) ; 3 , 9 G o t t ( w e g e n » V a t e r « ) ; 4 , 1 0 G o t t (s. V. 7 f.); 4 , 1 5 eher G o t t
( w e g e n d e r v e r b r e i t e t e n T r a d i t i o n ) ; 5,4 G o t t ( w e g e n » S a b a o t h « ) ; 5 , 7 f. C h r i s t u s ( w e g e n » P a r u s i e « ) ; 5 , 1 0
eher G o t t ( w e g e n d e r atl. T r a d i t i o n ) ; 5 , 1 1 unklar, w o h l G o t t ( w e g e n V. 1 0 ) ; 5 , 1 4 . 1 5 u n k l a r . V g l . i n s g e s a m t
R u c k - S c h r ö d e r 2 3 2 - 2 3 8 (zu J a k ) u n d 1 1 - 6 3 ( F o r s c h u n g s g e s c h i c h t e z u » N a m e G o t t e s « ) .
1 3
Ä h n l i c h F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 9 - 1 3 1 . A l l g e m e i n e r : Karrer, J e s u s C h r i s t u s 3 4 6 .
1 4
H a h n , H o h e i t s t i t e l 6 9 f. V g l . R i c h a r d A . H o r s l e y ( H g . ) P a u l a n d E m p i r e . R e l i g i o n a n d P o w e r in R o m a n
I m p e r i a l Society, H a r r i s b u r g (Trinity) 1 9 9 7 , b e s o n d e r s d i e B e i t r ä g e v o n S . R . F. Price ( R i t u a l s a n d Power,
4 7 ff.) u n d P. Z a n k e r ( T h e P o w e r o f I m a g e s , 7 2 ff.).
1 3
Karrer, J e s u s C h r i s t u s 3 4 0 ff.; 3 4 6 z u » H e r r d e r H e r r l i c h k e i t « .
1 6
K a r r e r 3 4 8 . V g l . 3 4 6 » h o h e C h r i s t o l o g i e als E x p l i k a t i o n d e s M o n o t h e i s m u s « .
17 M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 9 - 1 3 1 .
72 Präskript

(Gen 49,28; Ex 25,3; Jos 4,5; I K o n 18,31; Ez 47,13; Sir 44,23; Ps Sal 17, 26-28; Sib
3,248; syr Bar 77,2; 78,4; Jos Ant 1,221; Apg 7,8). Seit der Zerstörung des Nordrei­
ches i. J . 722 v. Chr. ist »12 Stämme« nur noch eine ideelle Größe; die Hoffnung auf
eine eschatologische Wiederherstellung bleibt aber erhalten: Hos 2,2, Jer 3,18; Ez
18
37,19.24; Sir 30,13 Hs; Ps Sal 11,7; 17,28; syr Bar 7 8 , 7 . Das findet auch bei Jesus
seinen Ausdruck: in der Berufung des Zwölferkreises (Mk 3,14 parr; vgl. IKor 15,5)
und in Worten wie M t 19,28 par., ebenso in Apk 7,5 ff.; 21,12 ff.; vgl. Apg 1,6. Jak
geht also insofern von einer »realisierten Eschatologie« aus, als die 12 Stämme immer­
1
hin einen Ansprechpartner darstellen. 9 Die Näherbestimmung »in der Diaspora« ist
aus der Perspektive Palästinas (Judäas, Jerusalems) formuliert und blickt von dort aus
20
auf das nichtjüdische »Ausland«. Das Nomen öiaojrood kommt im N T außer Joh
21
7,35 und IPetr 1,1 nur hier v o r und ist praktisch überhaupt eine rein biblische
22
Vokabel. In der jüdischen Literatur erscheint es zumeist als Objekt und das in
2
»Kontexten, die Gottes Omnipotenz, Gerechtigkeit und Erbarmen betonen«. 3 Das
Wort wird dort »hauptsächlich verwendet, um Gott zu preisen, der die Macht hat, die
Verstreuten zu sammeln«, nicht »um die bemitleidenswerte Situation der Leute zu
24
beschreiben, die im Ausland l e b e n « . Der Sprachgebrauch in IPetr 1,1 (vgl. 1,17)
2
legt den Akzent dagegen auf die Fremde im Gegensatz zur »himmlischen« Heimat. ^
Jak läßt weder den einen noch den anderen Akzent erkennen. Er verwendet
»12 Stämme in der Diaspora« doch wohl im übertragenen Sinn für Christen. Dem­
26
nach ist die Kirche das wahre, neue, eschatologische I s r a e l . Der Ausdruck
»12 Stämme« ist auf jeden Fall theologisch-ekklesiologisch gefüllt. Fraglich ist, ob
Diaspora »primär eine soziale ... Kategorie« darstellt, d. h. »die Minorität in anders­
2
gläubiger Umwelt« bezeichnen soll ?. Gewiß bedeutete Diaspora faktisch immer
auch Minorität und Bewährung. Aber die Situation im Römischen Reich ist, zumin­
28
dest im Blick auf die jüdischen Erfahrungen, differenziert zu betrachten. In Jak 1,1
29
signalisiert »in der Diaspora« zunächst einmal »im A u s l a n d « , dann aber auch einen
heilsgeschichtlichen Ubergangszustand bis zur Sammlung des Gottesvolks durch sei-

1 8
F e r n e r 1 Q M 2 , 2 f.; 3 , 1 4 f.; l Q S a 1 , 1 5 . 2 9 . V g l . S t r . - B . I V 9 0 2 - 9 0 9 .
1 9
D a r i n st eh t J a k i m N T e i n z i g a r t i g d a ( a u c h I P e t r 1 ist a n d e r s ) , v e r g l e i c h b a r allenfalls m i t d e r A p k .
2 0
Z u » D i a s p o r a b r i e f « s. E i n l e i t u n g § 7, 3 . 2 .
2 1
Vgl. Dieter Sänger: E W N T I 7 4 9 - 7 5 1 . D a s Verb erscheint ebenfalls nur 3x ( A p g 8,1.4; 1 1 , 1 9 ) .
2 2
A n d e r s d a s V e r b ! D a s S u b s t a n t i v s o n s t n u r bei P l u t u n d evtl. bei E p i c (lt. P l u t ) . V g l . S ä n g e r 7 4 9 ; T r o m p 2 1
m i t A n m . 2 8 ; v a n U n n i k , D i a s p o r a 7 4 f. I n d e r L X X ist ö l d O J T O Q d n i e m a l s Ü b e r s e t z u n g v o n n^i: o d e r nbl
als E x i l , V e r b a n n u n g ( S ä n g e r ) .
2 3
T r o m p 2 1 f.
2 4
T r o m p 3 2 . D a s w i r d erst m i t d e r Z e i t i m c h r i s t l i c h e n S p r a c h g e b r a u c h s o ( e b d . ) . A n d e r s M a r t i n , W B C 1 1 :
in A p g 1 1 , 1 9 b e s t e h e e i n e N ä h e z u 0X,tipig.
2 5
V g l . F e l d m e i e r ; S ä n g e r : E W N T I 7 5 0 ; J o h n H . E l l i o t t , A H o m e for t h e H o m e l e s s . A S o c i o l o g i c a l E x e g e s i s
o f 1 Peter, Its S i t u a t i o n a n d Strategy, M i n n e a p o l i s ( F o r t r e s s ) 2 . A u f l . 1 9 9 0 (er v e r s t e h t d i e T e r m i n o l o g i e
w ö r t l i c h - s o z i o l o g i s c h , n i c h t ü b e r t r a g e n - s p i r i t u e l l ) . V g l . a u c h Phil 3 , 2 0 .
2 6
M i t S ä n g e r 7 5 0 . A d r e s s a t ist n i c h t d a s J u d e n t u m , a u c h n i c h t d a s J u d e n c h r i s t e n t u m ; d e n n e i n e D i f f e r e n ­
z i e r u n g z w i s c h e n H e i d e n - u n d J u d e n c h r i s t e n ist bei J a k n i c h t e r k e n n b a r . V g l . M a r t i n , W B C 8 f.
2
? So Frankemölle, Ö T K 127; ähnlich Sänger 7 5 0 .
2 8
B a r c l a y p a s s i m ; T r o m p 2 5 ff. V i e l f a c h i n t e g r i e r t e n sich d i e J u d e n d u r c h a u s in d i e G e s e l l s c h a f t , u n d d a s bei
aller I d e n t i t ä t s w a h r u n g u n d A b g r e n z u n g . » D i a s p o r a « signalisiert d e s w e g e n n i c h t e i n e U n z u f r i e d e n h e i t d a r ­
über, d a ß m a n n i c h t in J u d ä a w o h n t ( T r o m p 3 3 ) .
2 9
B u r c h a r d , H N T z. S t . : hier » O r t s - n i c h t Z u s t a n d s b e s t i m m u n g « .
1,1 73

nen Herrn. So betrachtet, zeigt Jak bereits im Präskript eine eschatologische Perspek­
tive. - Der Schlußgruß xaioeiv bietet zwar eine gute Uberleitung per Paronomasie zu
Xaodv in V. 230, entstammt aber zunächst einmal der griechischen Brieftradition.
Der Infinitiv ist ein Aufruf, sich zu freuen, fröhlich zu sein. Die Form des Präskripts
weist Jak als einen griechischen Verfasser aus, anders als Paulus, der das orientalische
Schema ausbaut.3i Der griechischen Form entspricht die sprachliche Qualität des
Schreibens.

3 0
V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 3 2 , a u c h z u a n g e b l i c h e n Parallelen - Papyr G i e s s e n 2 1 ; I g n E p h 1,1; I g n P h l d 1 0 , 1 -
(so W u e l l n e r 4 0 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 2 f.); »dieses stilistische M i t t e l (ist) n i c h t als >auch s o n s t beliebte
S t i c h w o r t v e r b i n d u n g < ... z u w e r t e n , s o n d e r n als s i n g u l ä r redaktionell zu v e r s t e h e n « . V g l . n o c h T a a t z 1 0 6 f.
3 1
D o r t werden nicht nur Absender u n d Adressaten genannt, sondern der G r u ß wird z u m Segenswunsch. Vgl.
W h i t e , A N R W 1 7 3 4 ; S c h n i d e r / S t e n g e r , S t u d i e n 3 ff.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 1 f.
IL Die rechte innere Einstellung 1,2-15

(2) F ü r j e d e r l e i F r e u d e h a l t e t e s , m e i n e B r ü d e r , w e n n i m m e r i h r i n m a n c h e r l e i A n f e c h t u n g e n
fallt, (3) w i s s e n d , d a ß d a s P r ü f u n g s m i t t e l eures G l a u b e n s A u s d a u e r bewirkt; (4) d i e A u s d a u -
er a b e r s o l l e i n v o l l k o m m e n e s W e r k h a b e n , d a m i t i h r v o l l k o m m e n u n d k o m p l e t t s e i d , a n
n i c h t s M a n g e l l e i d e n d . ( 5 ) W e n n a b e r j e m a n d v o n e u c h M a n g e l a n W e i s h e i t h a t , s o l l er (sie)
erbitten von Gott, der vorbehaltlos allen gibt u n d nicht zu S c h a n d e n bringt, u n d i h m wird
g e g e b e n w e r d e n . (6) E r bitte a b e r i m G l a u b e n , keinerlei B e d e n k e n t r a g e n d . D e n n wer B e d e n -
ken trägt, gleicht d e m G e w o g e des Meeres, das v o m W i n d bewegt u n d hin u n d her geworfen
w i r d . ( 7 ) N i c h t m e i n e j e n e r M e n s c h , d a ß er e t w a s v o m H e r r n e m p f a n g e n w i r d , ( 8 ) e i n M a n n ,
in der Seele gespalten, chaotisch in allen seinen Wegen. (9) E s r ü h m e sich aber der niedrige
B r u d e r ( i n ) l seiner E r h ö h u n g , ( 1 0 ) d e r reiche a b e r (in) seiner E r n i e d r i g u n g , d e n n w i e d i e
B l ü t e d e s G r a s e s w i r d er vergehen. (11) E s g e h t n ä m l i c h d i e S o n n e a u f m i t (ihrer) G l u t , u n d
das G r a s verdorrt, u n d seine B l ü t e verfallt, u n d die Wohlgestalt seines Angesichts vergeht.
E b e n s o w i r d a u c h der Reiche in seinen R e i s e n / U n t e r n e h m u n g e n verwelken. (12) Selig der
M a n n , der d i e A n f e c h t u n g a u s h ä l t ; d e n n , b e w ä h r t g e w o r d e n , w i r d er d e n K r a n z d e s L e b e n s
empfangen, d e n (Gott) verheißen hat denen, die ihn lieben. (13) N i e m a n d , der angefoch-
ten/versucht wird, sage: »Von G o t t werde ich versucht«. D e n n G o t t ist u n v e r s u c h b a r z u b ö s e n
D i n g e n , er s e l b s t a b e r v e r s u c h t n i e m a n d e n . ( 1 4 ) J e d e r w i r d v i e l m e h r v e r s u c h t d u r c h s e i n e
eigene Begierde, gelockt u n d geködert. (15) D a n n gebiert die schwanger gewordene Begier-
de die S ü n d e , die zur V o l l e n d u n g g e k o m m e n e S ü n d e aber b r i n g t d e n T o d z u r Welt.

1. Texteingrenzung

A u s v e r s c h i e d e n e n G r ü n d e n besteht Uneinigkeit darüber, w o die in 1,2 b e g i n n e n d e Passage zu


2
e i n e m vorläufigen A b s c h l u ß k o m m t . D a s epistolographische M o d e l l v o n F. O . F r a n c i s sieht in 1,2-
11 u n d 1 2 - 2 5 eine d o p p e l t e Brieferöffnung. Verbreiteter ist die U n t e r t e i l u n g zwischen V. 2 - 1 2 u n d
V. 13 ff, u n d zwar v o n traditionsgeschichtlichen, inhaltlichen u n d expositionellen G e s i c h t s p u n k t e n
her. 3 Beliebt ist aber a u c h der A b s c h l u ß n a c h V. 18, weil in V. 19 ein neues T h e m a beginne.^ N a c h
rhetorischem M o d e l l bilden 1,2-12. bzw. 1,2-18 das E x o r d i u m . 5 E i n e interessante Variante d a z u
6
schlägt E . B a a s l a n d vor: V. 2 - 1 5 e x o r d i u m , V. 1 6 - 1 8 transitus, V. 1 9 - 2 7 p r o p o s i t i o . G r a m m a t i k a l i -
sche u n d inhaltliche A s p e k t e raten dazu, m i t V. 15 zunächst einmal einzuhalten. D i e Ihr-Anrede, v o n
der V. 2 - 4 b e s t i m m t sind, kehrt erst in V. 16 wieder, w ä h r e n d V. 5 - 1 5 die 3. Pers. S g . verwenden, also
Einzelfälle behandeln, u n d zwar a u c h dort, w o sie v o n der Sache (V. 12) oder v o n der F o r m u l i e r u n g
(V. 13 f.) her kollektive B e d e u t u n g h a b e n . In V. 16 liegt, so betrachtet, ein N e u a n s a t z vor. - D a s
inhaltliche G e r ü s t der V. 2 - 1 5 bildet das Stichwort J i £ i o a o u . ö c ; - J t e i o d ^ e i v - cuteioacrcoc;, das nur
hier v o r k o m m t (V. 2 . 1 2 . 1 3 . 1 4 ) , a u c h w e n n der semantische G e h a l t zu oszillieren scheint. D a s n ä c h -
ste unmittelbare Signal an die Leser bietet V. 16 (direkte A n r e d e ) ; ab hier wird die E i n t e i l u n g aller-
dings n o c h schwieriger (dazu später).
D i e kontextuelle Plazierung v o n V. 5-8 u n d besonders v o n V. 9 - 1 1 ist notorisch schwierig. Ver-
schiedentlich stellt m a n deshalb V. 2 - 4 als eigene Passage heraus; nach d e m rhetorischen M o d e l l gilt

1
D a s ev b e i x a u x ö ö ö a t bezeichnet d e n Inhalt bzw. G e g e n s t a n d d e s R ü h m e n s , d e s h a l b k a n n bei d e r Ü b e r -
s e t z u n g d a s »in« entfallen. W e g e n der I n t e r p r e t a t i o n s s c h w i e r i g k e i t e n v o n V. 9 - 1 1 ist es j e d o c h festgehalten.
2
S. E i n l e i t u n g § 6, 3 . 1 .
3
V o n L i p s 4 1 4 ff. u. a.
4
S . E i n l e i t u n g § 6, 2 - 4 .
5
S . E i n l e i t u n g § 6, 2 .
6
Baasland, Jakobsbrevet und A N R W 1988.
Textüberlieferung 75
7
sie als E x o r d i u m i m engeren S i n n . D i e thematische W i e d e r a u f n a h m e v o n V. 3-4 in V. 12 bildet
j e d o c h eine deutliche K l a m m e r . D a das M o t i v »versuchen« aber in V. 1 3 - 1 5 fortgeführt wird, e m p -
fiehlt es sich, eine Z w i s c h e n p a u s e nicht bereits nach V. 1 2 , s o n d e r n erst n a c h V. 15 einzulegen.

2. Textüberlieferung

G e w i c h t i g e u n d u m s t r i t t e n e P r o b l e m e der Textüberlieferung existieren in 1,2-15 k a u m . M e h r e r e


8
Varianten weisen a u f U n k l a r h e i t e n i m T e x t h i n . - In V. 3 g i b t es Varianten z u ö o x l u m o v V\I(ÜV t f j g
jTLötecog (wortgleich m i t IPetr 1,7). W e n i g e H s s ziehen ö ö x i | x o v (das E r p r o b t e ) vor. D i e A b f o l g e
der letzten drei g e n a n n t e n W ö r t e r w i r d variiert; teilweise w e r d e n a u c h einzelne dieser W ö r t e r
ersetzt o d e r a u s g e l a s s e n . D i e Varianten weisen a u f ein d o p p e l t e s V e r s t ä n d n i s p r o b l e m , n ä m l i c h d i e
B e d e u t u n g des N o m e n s ( ö o x i u i o v ) u n d die R e l a t i o n v o n v\iCbv. — P r i m ä r stilistische G r ü n d e hat
in V. 5 d i e E r s e t z u n g v o n ur| d u r c h o u x . V e r b e s s e r u n g e n m e i n t e m a n a n a i x e i T c o (Plur., V o k a b e l ) ,
xoü ö i ö ö v x o g 9 e o ü (Aor., A b f o l g e , S t r e i c h u n g v o n 0eoi3) v o r n e h m e n z u m ü s s e n . - D i e E i n f ü g u n g
v o n d m o T o r v u n d z.T. v o n ö x i Xr|i|)£Tai (aus V. 7 e n t n o m m e n ) bei bzw. statt öiaxQivö|i£VOc; (z. T .
in d e n Plur. gesetzt) in V. 6 soll der V e r d e u t l i c h u n g d i e n e n , hervorgerufen d u r c h D e u t u n g s p r o b l e -
m e bei ö i a x Q i v e a G a i . - E n t s p r e c h e n d e Varianten erscheinen in V. 7 bei » d a ß er etwas v o m H e r r n
e m p f a n g e « . - In V. 8 soll yäq einen engeren S i n n z u s a m m e n h a n g herstellen. - Ä n d e r u n g e n in der
W o r t f o l g e v o n 6 ddeXqpög (teilweise ausgelassen bzw. o h n e Art.) 6 x a j t e i v ö g e v x(p u x p e i avxov in
V. 9 erstreben w o h l eine glattere, klarere A u s s a g e w e i s e . - U n t e r s c h i e d l i c h e H s s lassen in V. 11 d a s
9
eine o d e r d a s a n d e r e amov a u s , v e r m u t l i c h als S i n n k o r r e k t u r e n . M e h r f a c h verändert w u r d e »in
seinen R e i s e n « ( b e s o n d e r s a n Stelle v o n J t o o e i a i c ; trat: eujtooeiaic; bzw. j t o v T ] Q L a i g bzw. J t a o -
eifieiaig bzw. TaXaiJtcaQiaig), sicher ein H i n w e i s a u f ein S a c h p r o b l e m . - M e h r e r e H s s verallge-
m e i n e r n in V. 1 2 a » M a n n « z u » M e n s c h « . D i e Z e i t f o r m v o n u J t o ^ e v e i ist a n sich offen (Präsens
o d e r F u t u r ) ; einige H s s stellen d i e futurische M ö g l i c h k e i t heraus. - D i e E i n f ü g u n g v o n »der H e r r «
1 0
o d e r » G o t t « (als S u b j . z u »er verhieß«) in V. 1 2 b m ö c h t e eine vermeintliche L ü c k e f ü l l e n . E i n -
zelne Varianten s i n d ö i x a i o g für öoxijioc; u n d vixr]g für ^cafjg. - In V. 13 ersetzen einige H s s (dar-
unter a u c h n) ctJto (von G o t t ) d u r c h u j t ö , w o d u r c h G o t t direkt zur h a n d e l n d e n Person w ü r d e . -
D i e A k z e n t u i e r u n g v o n d j t o x u e i (z. T . ersetzt d u r c h xixxei) in V. 15 leitet sich v o n der B e s t i m -
m u n g des W o r t s t a m m e s her.

3. Text- und Kommunikationsstruktur

J a k o b u s b e g i n n t m i t einer direkten A n r e d e an seine » B r ü d e r « , o h n e j e d e A n g a b e ü b e r Veranlas-


s u n g , M o t i v a t i o n , R e l a t i o n , Vorgeschichte seines S c h r e i b e n s o d e r über d i e S i t u a t i o n a u f ihrer o d e r
seiner Seite. D e r A u t o r will Interpretationsanleitung für b e s t i m m t e L e b e n s l a g e n bieten (V. 2 ) E r
beruft sich dafür a u f d a s W i s s e n der A d r e s s a t e n (V. 3 ) , bevor er eine indirekte A u f f o r d e r u n g (V. 4 a )
anschließt, gefolgt v o n einer A b s i c h t s a n g a b e (V. 4 b ) , der w i e d e r u m eine spezifizierende B e m e r -
k u n g angefügt ist (V. 4 c ) . D i e A u f f o r d e r u n g in V. 4 a ist s a c h b e z o g e n , w ä h r e n d V. 4 b - c wieder in
der 2 . Pers. Plur. gehalten ist. - D i e Passage V. 5-8 spezifiziert die S c h l u ß b e m e r k u n g v o n V. 4 in
einer b e s t i m m t e n R i c h t u n g ( M a n g e l a n Weisheit), b e z o g e n a u f Einzelfällle ( j e m a n d ) , u n d enthält
H a n d l u n g s a n w e i s u n g e n (»er soll bitten« V. 5.6, »er m e i n e nicht« V. 7 ) u n d E r l ä u t e r u n g e n (über
G o t t e s G e b e n , V. 5 b ; d a s Zweifeln, V. 6 b ; d a s W e s e n des g e s p a l t e n e n M e n s c h e n , V. 8 ) . D i e l o g i -
schen V e r k n ü p f u n g e n s i n d recht eng: Stichwortfortführungen ( » b i t t e n « , »zweifeln«), K o n j u n k t i o -

7 Wuellner; v o n L i p s 4 1 6 . V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 3 5ff.1 7 5 ff; T h u r e n 2 8 2 .


8
M e t z g e r , T e x t u a l C o m m e n t a r y 6 7 9 , diskutiert n u r V a r i a n t e n z u jeweils e i n e m V / o r t in V. 3 . 1 2 .
9 Vgl. Mußner, Jakobusbrief 75.
1 0
Metzger, Textual C o m m e n t a r y 6 7 9 .
76 Die rechte innere Einstellung

n e n ( d e V. 5 . 6 , y d o V. 6 b . 7 ) u n d Partizipien (V. 5 b . c . 6 a . b . c ) . D i e k o m m u n i k a t i v e A u s r i c h t u n g ist


klar u n d in sich geschlossen: E r m u t i g u n g (V. 5) u n d K l ä r u n g (V. 6 a ) b e z ü g l i c h des B i t t e n s , K o n t r a ­
s t i e r u n g m i t einer falschen E i n s t e l l u n g (V. 6 b - 8 ) . - O h n e s e m a n t i s c h e K o h ä s i o n u n d fast o h n e syn­
1 1
taktische K o n n e x i o n folgen V. 9 - 1 1 , s o d a ß a u c h die F r a g e der a r g u m e n t a t i v e n K o h ä r e n z s c h w i e ­
rig w i r d . W i e in V. 5-8 findet sich eine A u f f o r d e r u n g (»er soll sich r ü h m e n « , V. 9 ) , b e z o g e n a u f zwei
unterschiedliche M e n s c h e n typen (V. 9 - 1 0 a ) , v o n d e n e n aber n u r der zweite d u r c h Vergleichsbilder
in B e g r ü n d u n g s f o r m (V. 1 0 b . 1 l a . b ) in s e i n e m zukünftigen S c h i c k s a l g e k e n n z e i c h n e t w i r d . A u c h
q u a n t i t a t i v erhält er viel m e h r A u f m e r k s a m k e i t . D i e k o m m u n i k a t i v e F u n k t i o n v o n V. 9 - 1 1 i m
K o n t e x t ist nicht o h n e weiteres erkennbar; der Text w ü r d e a u c h o h n e V. 9 - 1 1 verständlich b l e i b e n
u n d a n s c h e i n e n d a n K o h ä r e n z nicht verlieren. - O h n e Ü b e r g a n g greift der M a k a r i s m u s V. 1 2 a d i e
s e m a n t i s c h e L i n i e v o n V. 2 - 4 wieder (in g e w i s s e m S i n n s o g a r d a s ävr\Q v o n V. 8 ) auf, i m m e r n o c h ,
o b w o h l generalisierend, i m S g . formuliert. V. 1 2 b b r i n g t eine B e g r ü n d u n g i m F u t u r (wie V. 1 0 b .
I I b ) , erläutert d u r c h einen Relativsatz i m A o r i s t (V. 1 2 c ) . O h n e Zweifel bildet V. 12 eine inclusio
z u V . 2 - 4 . D a m i t w i r d die positive K o m m u n i k a t i o n s a u s r i c h t u n g , die k l a r V . 2 - 4 . 5 , aber a u c h V. 6 a . 9
u n d s o g a r V. 1 0 a kennzeichnet, die freilich a u c h w a r n e n d e (V. 6 b - 8 ) u n d d r o h e n d e E l e m e n t e (V.
10b. 11) enthält, vorläufig a b g e s c h l o s s e n . D e r Leser erhält weithin ein klares V e r h a l t e n s m u s t e r
a n g e b o t e n . N u r in V. 9 - 1 1 scheint es nicht seine Wahl, s o n d e r n seine S t e l l u n g z u sein, d i e jeweils
ein b e s t i m m t e s Verhalten als w ü n s c h e n s w e r t erscheinen läßt. W ä h r e n d in V. 2 - 8 . 1 2 g r u n d s ä t z l i c h
j e d e r ( C h r i s t ) a n g e s p r o c h e n ist, fallen V. 9 - 1 1 d u r c h die p e r s o n a l e Differenzierung a u s d e m R a h ­
m e n . - D i e A u s s a g e n V. 1 3 - 1 5 betreffen w i e d e r g r u n d s ä t z l i c h j e d e n . D e r W o r t s t a m m J t e i g a - lie­
fert d e n Ü b e r g a n g , w o b e i die s e m a n t i s c h e K o h ä s i o n d a s größte P r o b l e m darstellt. W i e in V. 7 w i r d
eine falsche M e i n u n g z u r ü c k g e w i e s e n , s o g a r in der F o r m wörtlicher R e d e (V. 1 3 a ) . D i e f o l g e n d e n
B e g r ü n d u n g s t e i l e (V. 1 3 b - l 4 ) s i n d d u r c h ö e (V. 1 3 b . l 4 a . 1 5 b ) , Partizipien (V. I 4 b . l 5 a ) bzw. eine
T e m p o r a l k o n j u n k t i o n ( e i x a V. 1 5 a ) e n g m i t e i n a n d e r v e r w o b e n . A l s S u b j e k t e erscheinen n e b e n
G o t t (V. 1 3 , wie s c h o n V. 5, implizit V. 12) jetzt B e g i e r d e u n d S ü n d e als Personifikationen. V. 1 3 -
15 b i l d e n ein a b g r e n z e n d e s N a c h w o r t zur d a m i t a b g e s c h l o s s e n e n J t e i o a o u o g - T h e m a t i k . W i e in
V. 1 0 b - 1 1 e n d e t a u c h diese Passage i m N e g a t i v e n ( T o d ) ; d a s Verb d j t o x u e i v bildet ein S t i c h w o r t
für die F o r t s e t z u n g (V. 1 8 ) .

4. Traditionselemente

Inhaltlich u n d teilweise s o g a r formal ist eine F ü l l e v o n B e z i e h u n g e n zur jüd.-hellenistischen u n d


zur frühchristlichen T r a d i t i o n erkennbar. G e d a n k e n , V o k a b e l n , W o r t v e r b i n d u n g e n , M o t i v e , Z i t a ­
te, F o r m e n w i e K e t t e n s c h l u ß , M a k a r i s m u s u. a. ergeben V e r b i n d u n g e n speziell zur Weisheitslitera­
tur ( b e s o n d e r s Sir, W e i s h , teilweise P h i l o ) , z u IPetr, R o m u n d d e n S y n o p t i k e r n . (1) A n erster Stel­
1 2
le rangieren die B e z i e h u n g e n z u Sir 2 . D o r t heißt es: W e r G o t t d e m H e r r n d i e n e n will, soll seine
Seele e i g J t e i Q a a ^ ö v vorbereiten ( 2 , 1 ) ^ 3 D e r Eleve w i r d zur G e r a d h e i t u n d T r e u e gerufen, u m für
schwere Z e i t e n ( x a i o ö g ejTaycoYflG? V. 2 ) g e w a p p n e t z u sein, D e m ü t i g u n g e n ( x a j t e i v c o a i g ) e i n g e ­
schlossen (V. 4 f.); » d e n n i m Feuer w i r d G o l d geprüft« ( d o x i j A a ^ e x a i V. 5; vgl. W e i s h 3 , 5 ff.). D e r
H e r r w i r d sich des G e t r e u e n a n n e h m e n (Sir 2 , 6 ) ; der L o h n bleibt nicht a u s (V. 8 ) ; ewige F r e u d e
u n d E r b a r m e n w a r t e n (V. 9 ) . N o c h nie ließ G o t t j e m a n d e n i m S t i c h (V. 10 f.). M a n soll vertrau­
ensvoll zu G o t t beten ( 2 , 6 . 8 . 1 3 ) . E i n dreifaches W e h e (V. 1 2 - 1 4 ) gilt d a g e g e n d e n Z a g h a f t e n u n d
d e m S ü n d e r , »der a u f zwei P f a d e n w a n d e l t « (V. 1 2 ) , d e n U n e n t s c h l o s s e n e n u n d d e n e n o h n e A u s ­
d a u e r (uJTOfxovr|, V. 1 4 ) . » D i e d e n H e r r n lieben« (V. 1 6 ) , »die ihn fürchten« (V. 1 5 . 1 6 . 1 7 ) , halten

1 1
Vgl. Conte.
1 2
V o n L i p s 4 1 7 ff.; F r a n k e m ö l l e , T h e m a u n d Ö T K z. St.; S i m o e n s .
1 3
n e i o a o u o g in S i r 2 , 1 ; 6 , 7 ; 2 7 , 5 . 7 ; 3 6 ( 3 3 ) , 1 ; 4 4 , 2 0 ; J t e i o d ^ e i v 4 , 1 7 ; 1 3 , 1 1 ; 1 8 , 2 3 ; 3 1 ( 3 4 ) , 1 0 ; 3 7 , 2 7 ;
39,4.
Traditionselemente 77
14
seine W e g e u n d d a s G e s e t z . In Sir 1 5 , 1 1 ff. w i r d der a n G o t t gerichtete V o r w u r f zurückgewiesen,
er verleite z u m Abfallen u n d zur V e r i r r u n g . ^ G o t t haßt vielmehr alles S c h ä n d l i c h e ; er läßt u n s die
freie Wahl; weder b e n ö t i g t n o c h gestattet er die S ü n d e (vgl. a u c h Philo D e t 1 1 2 ) . - A n weiteren
B e r ü h r u n g e n m i t der j ü d . Weisheitsliteratur ist z u registrieren: B e w ä h r u n g fuhrt zur A u s d a u e r
(z. B . 4 M a k k 1,10 ff.); o h n e Weisheit ist V o l l k o m m e n h e i t u n m ö g l i c h (Weish 9 , 6 ) ; m a n soll W e i s ­
heit v o n G o t t erbitten (Weish 7 ff.; Sir 3 9 , 6 ) , der d e n B i t t e n d e n nicht verletzt (Sir 1 8 , 1 8 ; 2 0 , 1 4 f.;
4 1 , 2 2 ) ; b e i m B e t e n soll m a n nicht k l e i n m ü t i g sein (Sir 7 , 1 0 ) . D e r H e u c h l e r w a n k t wie ein Schiff
1 6
im S t u r m (Sir 3 2 , 2 ) , w ä h r e n d die T u g e n d der Weisheit d u r c h alle U n b i l d e n trägt (Weish 4 , 1 ff.).
G e w a r n t w i r d vor der G e s p a l t e n h e i t des H e r z e n s (Sir 1,28; 2 , 1 2 ff.) u n d vor D o p p e l z ü n g i g k e i t (Sir
r a
5,9); S e l b s t e r n i e d r i g u n g vor G o t t ist erforderlich (Sir 3 , 1 8 f.). D e r R u h m (xai>x lM' ) des R e i c h e n ,
A n g e s e h e n e n u n d A r m e n ist einzig die F u r c h t G o t t e s (Sir 1 0 , 2 2 ) ; R e i c h t u m vergeht wie ein S c h a t ­
ten (Weish 5,8 f.; vgl. ä t h H e n 9 6 , 4 ff.). G o t t w i r d die Gottesfürchtigen e r h ö h e n u n d ihnen eine
K r o n e g e b e n (Sir 15,1 ff.; W e i s h 5 , 1 5 f.). D i e B e g i e r d e e m p f ä n g t u n d gebiert d e n W a h n ; sie ist der
A n f a n g aller S ü n d e (Philo C h e r 5 7 ; A p o k M o s 1 9 ) . - Alle diese N o t i z e n ergeben eine n a h e z u
lückenlose Parallelität zwischen J a k 1,2-15 u n d der Weisheitstradition. G e r a d e d e s h a l b fällt die
partielle N i c h t - K o n g r u e n z bei J a k 1,10 f. auf. Z w a r redet a u c h Sir 2 v o n E r n i e d r i g u n g u n d G r o ß -
1 5
W e r d e n ? ( 2 , 3 : i v a atJ^nOfjg ejt ecr/axcov oov); aber die schroffe E n t g e g e n s e t z u n g v o n N i e d r i g e n
u n d R e i c h e n ist in Sir d a m i t nicht v e r b u n d e n . Sir k a n n A r m e u n d R e i c h e parallelisieren ( 1 0 , 2 2 ;
1 1 , 1 4 ) oder ihren U n t e r s c h i e d b e t o n e n ( 1 3 , 1 8 ff.). A b e r es findet sich a u c h der M a k a r i s m u s desje­
nigen R e i c h e n , der u n t a d e l i g erfunden wird ( 3 4 [ = 3 1 ] , 8; vgl. 1 3 , 2 4 ; 4 4 , 6 f.), u n d der T a d e l an d e n
A r m e n , der h o c h m ü t i g ist ( 2 5 , 2 ) . A u c h Testjos 10 deckt J a k 1,10 f. nicht völlig a b ; d o r t führt d a s
1 8
W i s s e n , d a ß alles vergehen w i r d (xd J t d v x a J t a Q e X e u o e x a i ) , zur F u r c h t G o t t e s ( 1 0 , 5 f . ) . Der
o h n e h i n schwierige Z u s a m m e n h a n g v o n J a k 1,9-11 w i r d also d u r c h die Weisheitstradition nicht
völlig aufgeklärt. (2) D i e innerntl. Parallelen betreffen vor allem J a k 1 , 2 - 4 . 1 0 f. 12. Z u V. 2 - 4 zei­
1
gen IPetr 1,6 f. u n d R o m 5 , 3 - 5 deutliche B e r ü h r u n g e n . 9 D i e J t o i x d o i J t e i Q a o u o i führen laut
IPetr »jetzt ein wenig, sofern es n ö t i g ist«, zu Trauer. S i e d i e n e n dazu, d a ß x ö ö o x i ^ i i o v ujicov xfjg
moxeoog als n o c h wertvoller d e n n G o l d , geprüft ( d o x i j x d ^ e i v ) i m Feuer, erfunden werde z u m L o b
... bei der O f f e n b a r u n g C h r i s t i . W ä h r e n d sich also der V o r g a n g bis in d e n W o r t l a u t gleicht, diffe­
2 0
riert die E m o t i o n : Trauer, nicht F r e u d e wie bei J a k (s. freilich d a n n IPetr 1,6 i m Vorblick a u f
d e n »letzten K a i r o s , an d e m ihr j u b e l t . . . « ) . R o m 5 spricht v o m R ü h m e n ( x a u x ö c ö B a i ) in B e d r ä n g ­
nissen (OXiipeig), m i t d e m W i s s e n (eidöxeg), d a ß die D r a n g s a l A u s d a u e r ( i m o | i o v f | ) bewirkt
( x a x e Q y d ^ e x a i ) , diese w i e d e r u m B e w ä h r u n g ( ö o x i u r | ) . A u c h hier existieren wörtliche Ü b e r e i n ­
s t i m m u n g e n ; d a z u k o m m e n der Verweis a u f d a s W i s s e n u n d der K e t t e n s c h l u ß . - D i e Parallelen
hier m i t IPetr reichen n o c h über J a k 1,2-4 hinaus: D i e , die G o t t lieben, sollen d a s Ziel des G l a u ­
bens erlangen ( I P e t r 1,9); wer i m L e i d e n durchhält, ist selig zu preisen ( 3 , 1 4 ; 4 , 1 4 ) . - A u c h zu d e n
S y n o p t i k e r n , b e s o n d e r s zur B e r g p r e d i g t , g i b t es Parr.: F r e u d e über A n f e c h t u n g e n ( M t 5 , 1 1 f.); R u f
zur V o l l k o m m e n h e i t ( 5 , 4 8 ) ; Verheißung der G e b e t s e r h ö r u n g ( 7 , 7 ) ; R e i c h t u m vergeht wie G r a s
( 6 , 3 0 ) ; vor Glaubenszweifeln w i r d gewarnt ( M k 1 1 , 2 3 f.; M t 2 1 , 2 1 ) . - Schließlich k ö n n e n einige
weitere Ä h n l i c h k e i t e n (neben R o m 5 , 3 - 5 ) aus d e m C o r p u s P a u l i n u m e r w ä h n t werden: die U n v e r ­
sehrtheit als Lebensziel ( I T h e s s 5 , 2 3 ) ; G o t t w a c h t über d a s M a ß der A n f e c h t u n g e n ( I K o r 1 0 , 1 3 ) ;
die S ü n d e erwächst aus der B e g i e r d e ( R o m 7 , 7 ff.); ihr S o l d ist der T o d ( R o m 6 , 2 3 ) . - A u c h v o m
N T her betrachtet, steht J a k also in einer Tradition, die sich teils k o m p a k t e r , teils verstreuter, aber
i n s g e s a m t recht w e i t g e h e n d a u c h a n d e r s w o wiederfindet.

1 4
Vgl. Frankemölle, T h e m a .
15
H i e r w i r d j e d o c h nicht jceiod^eiv verwendet.
1 6
Ä h n l i c h a u c h Philo M i g r 1 4 8 . V g l . v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 3 m i t A n m . 1 2 .
1 7
V g l . v o n L i p s 4 1 8 . E b d 4 2 0 : D i e O p p o s i t i o n v o n E r n i e d r i g u n g u n d E r h ö h u n g ist selten bei Sir, n ä m l i c h
1 , 2 . 3 . 5 (7); 3 , 1 8 . 2 0 .
1 8
Vgl. v o n Lips 4 2 1 .
1 9
V g l . d a z u B o i s m a r d 1 6 2 - 1 6 6 ; L i n d e m a n n , Paulus 2 4 1 f.
2 0
D i e intendierte freudige R e z e p t i o n der A n f e c h t u n g bei J a k k ö n n t e A n z e i c h e n der gezielten U m k e h r u n g
einer gegenteiligen T r a d i t i o n hier sein; die T r a d i t i o n k e n n t j e d o c h m e h r e r e A s p e k t e (s. u.).
78 D i e rechte innere Einstellung

5. Redaktion und Intention

A n g e s i c h t s der n a h e z u flächendeckenden T r a d i t i o n s v e r b u n d e n h e i t stellt sich d i e F r a g e u m s o d r i n g ­


licher, w o u n d w i e J a k seine eigenen A k z e n t e setzt, welche W i r k l i c h k e i t er vor A u g e n hat u n d w i e
er d a s M a t e r i a l ordnet. W a s m ü ß t e seinen L e s e r n a u f d e m H i n t e r g r u n d ihres W i s s e n s u n g e w ö h n ­
lich u n d b e m e r k e n s w e r t erscheinen? W a s h i n g e g e n d a r f als geläufig gelten? W a s erzeugt b e s o n d e r e
Aufmerksamkeit?
(1) D a ß A n f e c h t u n g e n F r e u d e - u n d n i c h t etwa W a c h s a m k e i t (wie M k 1 4 , 3 8 parr.; I K o r
10,1 ff.) o d e r d i e B i t t e u m ihre A b w e n d u n g ( M t 6 , 1 3 par.) o d e r T r a u e r ( I P e t r 1,6 f.) - a u s l ö s e n ,
2 1
findet sich der S a c h e n a c h a u c h i m T o p o s » F r e u d e i m L e i d e n « o d e r i m Z u s p r u c h M t 5 , 1 1 f. par.
D i e i m N T e r s c h e i n e n d e n u n t e r s c h i e d l i c h e n R e a k t i o n e n w i e a u c h d i e F o r m u l i e r u n g in J a k 1,2-4
legen es aber k e i n e s w e g s n a h e , V. 2 f. e t w a als » n o r m a l e A n t w o r t a u f B e d r ä n g n i s s e « seitens der
22
A d r e s s a t e n u n d V. 1 2 als A u s d r u c k ihrer P o s i t i o n z u betrachten, d i e J a k d u r c h V. 4 infrage s t e l l e .
V i e l m e h r folgt J a k hier einer b e s t i m m t e n L i n i e , d i e G e d a n k e n a u s Sir 2 u n d M t 5 usw. k o m b i ­
niert, e t w a n a c h der D e v i s e : S c h w i e r i g k e i t e n bieten W a c h s t u m s c h a n c e n . - Ebenfalls ist d i e
A n f e c h t u n g g e r a d e der m a n g nichts n e u e s , w i e IPetr 1,7 zeigt. E i n neuer A k z e n t ist h i n g e g e n die
V e r b i n d u n g m i t e o y o v , u n d b e k a n n t l i c h ist g e r a d e d i e B e t o n u n g der T a t / d e s Werkes ein wesentli­
ches A n l i e g e n des J a k ( 1 , 2 2 ff.; 2 , 1 4 ff.). D e r G l a u b e soll ein W e r k » h a b e n « ( 1 , 4 ; 2 , 1 4 . 1 7 . 1 8 , vgl.
a u c h 2 , 1 ) . D i e M o t i v e der V o l l k o m m e n h e i t u n d des e s c h a t o l o g i s c h e n Ziels w i e d e r u m s i n d tradi­
tionell. - J a k unterstreicht also in 1 , 2 - 4 . 1 2 , d a ß m a n P r o b l e m e n nicht ausweichen, s o n d e r n sie
bestehen soll; sie bieten G e l e g e n h e i t , d a ß der G l a u b e zur T a t w i r d u n d d a ß die C h r i s t e n d i e Reife
hin zur e s c h a t o l o g i s c h e n V o l l e n d u n g erlangen.
(2) In V. 5 - 1 1 w e r d e n verschiedene M e r k p o s t e n g e n a n n t , d i e als B e d i n g u n g e n für d a s D u r c h ­
halten u n d d i e E r l a n g u n g des Ziels z u b e a c h t e n sind. Sie als begrüßenswerte Tests, also als JtOLXiAoi
23
j t e i o a a u x H v o n V. 2 , a n z u s e h e n (wie H . F r a n k e m ö l l e a r g u m e n t i e r t ) , geht a n i h r e m Inhalt v o r b e i .
24
Z w a r h e b t sich » m a n n i g f a c h « in V. 2 syntaktisch h e r v o r , u n d d i e Inclusio V. 12 b i n d e t V. 5 - 1 1 in
2 5
die G e s a m t a u s s a g e ein; aber die L o g i k der V. 5 - 1 1 ist anderer A r t als » P r ü f u n g e n « . D e r T r a d i t i o n
e n t s p r e c h e n d , weisen V. 5-8 a u f n o t w e n d i g e V o r a u s s e t z u n g e n für d a s G e l i n g e n des W e g e s u n d a u f
zu v e r m e i d e n d e F e h l e i n s c h ä t z u n g e n (Zweifel, Zerrissenheit), w o b e i J a k d a s N e g a t i v e hervorhebt.
D a s ist j e d o c h etwas anderes als eine B e n e n n u n g der Testbereiche, d i e i m weiteren V e r l a u f des B r i e ­
fes »amplifiziert« w ü r d e n . - In V. 9 - 1 1 s i n d zwar d i e M o t i v e » r ü h m e n « , » E r n i e d r i g u n g u n d E r h ö ­
h u n g « u n d » R e i c h t u m ist v e r g ä n g l i c h « konventionell; aber die b e s o n d e r e D r i n g l i c h k e i t der L a g e ­
2 6
v e r ä n d e r u n g des R e i c h e n geht e b e n s o ü b e r die weisheitliche T r a d i t i o n h i n a u s w i e der I m p e r a t i v
a n zwei gegensätzliche Standesvertreter. A u c h V. 9 - 1 1 k e n n z e i c h n e n V o r a u s s e t z u n g e n für d a s
E r l a n g e n des Ziels, jetzt aber n i c h t a l l g e m e i n g ü l t i g für alle, s o n d e r n für b e s t i m m t e G r u p p e n u n d
ihre R e a k t i o n a u f ihre erfolgte S i t u a t i o n s v e r ä n d e r u n g . Offensichtlich ist diese T h e m a t i k für J a k i m
B l i c k a u f seine A d r e s s a t e n b e s o n d e r s wichtig.
(3) D i e M o t i v e » E n t l a s t u n g G o t t e s angesichts m e n s c h l i c h e r S ü n d e « u n d »die B e g i e r d e e m p ­
fängt u n d gebiert« s o w i e der Z u s a m m e n h a n g zwischen B e g i e r d e , S ü n d e u n d T o d s i n d traditionell.
Inhaltlich fällt j e d o c h in V. 1 3 - 1 5 auf, d a ß der G e d a n k e des j r e i o d ^ e i v m i t G o t t als S u b j e k t zwar
kräftig z u r ü c k g e w i e s e n , aber i m m e r h i n d a d u r c h deutlich zur S p r a c h e g e b r a c h t wird. H i e r i n dürfte
eher ntl. T r a d i t i o n ( M t 6 , 1 3 par.; 1 K o r 1 0 , 1 3 ) als jüd.-weisheitliche zur G e l t u n g k o m m e n . T r o t z
einer gewissen s e m a n t i s c h e n S p a n n u n g k o p p e l t J a k d a m i t d i e S i n n e i n h e i t V. 1 2 - 1 5 a n d i e A u s s a -

2 1
Nauck; T h o m a s , Anfechtung.
2 2
W i e Cargal, Restoring 59-63, meint.
2 3
Frankemölle, Ö T K 137.
2 4
E b d . 1 3 6 betont.
2 5
E s g e h e in V. 5 - 1 1 u m drei P r ü f u n g e n in b e z u g a u f M ä n g e l , s o m e i n t F r a n k e m ö l l e : ( 1 ) M a n g e l an Weisheit
(V. 5 ) ; ( 2 ) M a n g e l a n G l a u b e (V. 6 - 8 ) , ( 3 ) M a n g e l a n richtiger S e l b s t e i n s c h ä t z u n g bei A r m e n u n d R e i c h e n
(V.9-11).
2 6
A n d e r s als Sir 2 b r i n g t J a k keine W e h e r u f e a n die Reichen.
1,2 79

gen v o n V. 2 f. u n d 1 2 . D a s S i g n a l a n die L e s e r in b e z u g a u f d i e » m a n n i g f a c h e n A n f e c h t u n g e n «
heißt also n i c h t n u r » g e r n e akzeptieren, d u r c h s t e h e n u n d d a r a n w a c h s e n « , s o n d e r n a u c h »die S ü n ­
de richtig o r t e n « u n d » I r r t ü m e r v e r m e i d e n « .

Vorbemerkungen zu 1,2-4 (Aufbau, Sinnlinien, Signale)

D i e Passage gliedert sich in zwei H a u p t s ä t z e (V. 2 a . 4 a ) m i t jeweils e i n e m d u r c h eine K o n j u n k t i o n


eingeleiteten N e b e n s a t z (V. 2 b . 4 b ) u n d e i n e m Part. (V. 3 a . 4 c ) , d a s i m ersten Fall d u r c h einen wei­
teren K o n j u n k t i o n a l s a t z (V. 3 b ) ausgeführt w i r d . D i e b e i d e n S a t z g e b i l d e w e r d e n relativ locker
d u r c h ein de m i t e i n a n d e r verknüpft (V. 4 a ) . V. 3 b . 4 a s i n d sachlich u n p e r s ö n l i c h ( 3 . Pers. S g l . ) for­
muliert; alles ü b r i g e bezieht sich direkt a u f die A n g e r e d e t e n . E s ist nicht sofort klar ersichtlich, o b
r\yr\oaoQE 2 7
(V. 2 ) i m p e r a t i v i s c h o d e r indikativisch g e m e i n t i s t . D e r A n f a n g ist literarisch stilisiert
28
(4fache J t - A l l i t e r a t i o n in V. 2 ) ; unter die Stilisierung fallen a u c h d a s b e t o n t vorangestellte »jede«
29
u n d d a s u n g e w ö h n l i c h nachgestellte » v i e l f a c h e « . E i n e n nicht streng d u r c h g e f ü h r t e n K e t t e n ­
schluß b i l d e n in V. 3 - 4 » A u s d a u e r « u n d » v o l l k o m m e n « . D a s s e m a n t i s c h e Inventar ( S i n n l i n i e n ) 3 0
u m f a ß t p r i m ä r W ö r t e r der inneren E i n s t e l l u n g bzw. Beschaffenheit ( F r e u d e , W i s s e n , G l a u b e , A u s ­
dauer, v o l l k o m m e n , m a n g e l n ) . D a z u treten einige T e r m i n i der V e r ä n d e r u n g bzw. P r o d u k t i o n (fal­
len, bewirken, W e r k ) ; b l a ß erscheint d a n e b e n » h a b e n « (V. 4 ) . J a k reißt o h n e j e d e H i n f u h r u n g
3 1
sogleich eine R e i h e v o n T h e m e n a n . W i e die v e r w a n d t e n T e x t e Sir 2 , 1 ff. s o w i e Rom 5, 3 - 5 u n d
1 Petr 1,6 f. (vgl. n o c h M t 5,3 ff.) u n d y i v o b a x o v T e g (V. 3 ) zeigen, setzt J a k offenbar a u c h bei d e n
A d r e s s a t e n eine gewisse K e n n t n i s der M a t e r i e u n d der Z u s a m m e n h ä n g e v o r a u s . D a z u zählen fol­
g e n d e S i g n a l e : der G l ä u b i g e w i r d A n f e c h t u n g e n u n d P r ü f u n g e n ausgesetzt, die der B e w ä h r u n g
u n d A u s d a u e r d i e n e n u n d z u m Ziel fuhren. D i e A n f e c h t u n g e n sollen, a u c h w e n n sie hart erschei­
nen, p o s i t i v a n g e n o m m e n w e r d e n . J a k verweist a u f dieses » W i s s e n « (V. 3 a ) , d a s bereits in der F o r m
eines K e t t e n s c h l u s s e s vorliegt. A u s d e m W i s s e n u m einen b e k a n n t e n V e r ä n d e r u n g s v o r g a n g (V. 3 b -
4 ) sollen die A d r e s s a t e n M u t s c h ö p f e n ; d a s ist die einzige H a n d l u n g s a n w e i s u n g in dieser Passage.
Alles ü b r i g e dient dafür als B a s i s , u n d zwar i m M o d u s der b e w ä h r t e n V e r h e i ß u n g , d i e in V. 3 aller­
d i n g s deutlicher (Indikativ »bewirkt«) ausfällt als in V. 4 ( I m p e r a t i v »soll h a b e n « m i t i v a - S a t z ) . D i e
Ü b e r n a h m e v o n » m a n g e l n « v o n V. 4 c zu V. 5 a ( m a n soll bitten) zeigt, d a ß J a k k e i n e n q u a s i a u t o ­
m a t i s c h e n V o r g a n g i m B l i c k hat. - J a k b e g i n n t also (in V. 2 ) m i t e i n e m p o s i t i v e n , sich a n d i e e m o ­
t i o n a l e Aufnahmebereitschaft: w e n d e n d e n S i g n a l , d a s inhaltlich breit a u s l ä d t , a b e r vieles u n e r -
3 2
l ä u t e r t läßt. D a b e i s p r i c h t er » u n t e r B r ü d e r n « , n i c h t e t w a als L e h r e r (vgl. 3 , 1 f.) a n S c h ü l e r o d e r
a n » K i n d e r « (xexva), w i e in d e r W e i s h e i t s t r a d i t i o n verbreitet (so a u c h S i r 2 , 1 ) . S e i n e K o m m u n i ­
k a t i o n s e b e n e ist d e m n a c h w e n i g e r d i e der P ä d a g o g i k (in d e r d i e T h e m e n ebenfalls z u H a u s e
3 3
s i n d ) als d i e der G l a u b e n s e r f a h r u n g . J a k steht d a r i n d e n ntl. V e r g l e i c h s t e x t e n n ä h e r als der j ü d i ­
schen Weisheit.

2 Jak wendet sich an Adressaten, die er als »meine Brüder« bezeichnet (so auch
2,1.14; 3,1.10.12; 5,12.19); die Bruder-Anrede wird im Brief durchgehalten,
manchmal variiert durch dyajtriTOi (1,16.19; 2,5), daneben bloßes döeAxpoi (4,11a;

2 7
I n der Regel zieht m a n e i n e n I m p . vor; a n d e r s C a r g a l , R e s t o r i n g 5 7 ff.
2 8
I m N T a u c h L k 1,1 f.; A p g 1 , 1 ; I P e t r 1,1 f.6 f.; H e b r 1,1 - also jeweils ( w i e b e i J a k ) a m A n f a n g eines
S c h r e i b e n s ; d a s s e l b e trifft a u f d e n A n f a n g der B e r g p r e d i g t M t 5 , 3 - 6 z u .
2
9 Frankemölle, Ö T K 137.140.
3 0
V g l . die A n g a b e n ( a u c h zur L i t e r a t u r ) bei W i l h e l m Egger, M e t h o d e n l e h r e z u m N e u e n T e s t a m e n t . E i n f ü h ­
r u n g in linguistische u n d historisch-kritische M e t h o d e n , F r e i b u r g ( H e r d e r ) 1 9 8 7 , 9 6 ff.
3 1
Bildlich g e s p r o c h e n : J a k fällt m i t der A n f e c h t u n g s t ü r ins H a u s .
3 2
»Meine Brüder« auch 2,1.14; 3,1.10.12; 5,12.19.
3 3
V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 8 9 ff.
80 Die rechte innere Einstellung

5,7.9.10). Mehrfach begegnet zwar auch avr\Q (1,8.12.20.23; 2,2; 3,2), aber nie in
der Anrede, während döeXqpri nur als logisches Objekt erscheint (2,15). Die Bruder-
Anrede wird aufgrund der allgemeinen Ausrichtung bei Jak (s. Einleitung § 1, 3.1)
vorwiegend wörtlich verstanden worden sein, muß jedoch nicht exkludierend inter­
34
pretiert werden. Die im Frühchristentum - aber auch anderswo - für »Glaubensge­
nossen« u. dgl. geläufige Bezeichnung »Bruder« kann als »Mitchrist« wiedergegeben
35
werden. Sie ist die im N T (u. a. bei Paulus: 113 x) verbreitetste Anrede für
36
Christen; die Kirche fußt dabei auf jüd. Tradition. Trotz der Verbreitung verliert das
Wort nicht den Charakter der familiären Nähe und Verbundenheit. Die andere M ö g ­
lichkeit, nämlich »Kinder« (texva, Texvia, so l j o h 2,1 usw.), die eher der weisheit­
lichen Tradition entsprechen würde (vgl. Sir 2,1 u. a.), wählt Jak nicht. Die konven­
tionelle Anredeform signalisiert als solche in der Kommunikation zwischen Jak und
seinen Adressaten nur den Aspekt der »Mitchristlichkeit«; erst die Beifügung »gelieb­
37
te« (kaum schon »meine« ) unterstreicht ein Näheverhältnis. - Jak beginnt mit
38 39
einem psychologischen A p p e l l , der ein ungeteiltes Gefühl ( j t a o a xotQd) in Zu­
sammenhang mit einem unvorhersehbaren, passiven und gefahrvollen Geschehen
(jT8Qi7tijTT8iv) und vielgestaltigen unliebsamen Situationen (jteioaauoi JtoixiXoi)
bringt. Der Autor appelliert an die innere Einstellung (r\yr\oaoQe) der Adressaten, die
es ihnen ermöglichen soll, schwierige existentielle Widerfahrnisse positiv zu bewälti­
gen, ja als Chance zu benützen. Daß solch ein psychologischer Appell richtig ver­
standen wurde, war in der damaligen hellenistischen Welt nicht selbstverständlich. -
Zwar bildet xagä auch eine Brücke zu xaioeiv (V. 1); das Freuden-Motiv ist jedoch
40
in diesem Zusammenhang traditionell. Gemeint ist etwas Gegenwärtiges (nicht:
a
eschatologische Vor-Freude, so eher IPetr 1). Der übliche Gegensatz zu x Q d lautete
l
Trauer (kv7ix))A Jak wertet x«Qd hoch; er ist damit unabhängig von einer Gleichset­
42
zung mit r|8ovr| (s. 4 , 1 . 3 ) , ebenso von der stoischen Affektenlehre, die erst über den
Umweg der »guten Affekte« (etJJtdOeia) die volkstümliche Positiv-Bewertung der
Freude teilen k a n n . Das an sich profane Wort %a.Qa bezeichnet Freude, Fröhlich-
43

3 4
H a n s F r h . v o n S o d e n : T h W N T I 1 4 6 z u J o s e p h u s , P l a t o ( V o l k s g e n o s s e n ) , X e n o p h o n ( F r e u n d e ) , für M i t ­
g l i e d e r einer r e l i g i ö s e n G e n o s s e n s c h a f t (Papyri, I n s c h r i f t e n u. a . ) ; B a u e r - A . 2 8 - 3 0 , a u c h z u d Ö E k p ö r n g .
3 5
H . v o n S o d e n 1 4 5 f.; J o h a n n e s B e u t l e r : E W N T I 6 7 - 7 2 , d o r t 6 8 z u m A T ( » G l a u b e n s g e n o s s e « ) u n d 7 0 z u
Q u m r a n u n d den Rabbinen, 7 1 zu Bar K o c h b a (Anrede an Soldaten).
3 6
S. Beutler: E W N T I 6 8 .
3 7
S o wechselt etwa auch R o m 7,1.4 oder I K o r 1,10.11 i m selben Gedankenabschnitt von »Brüder« zu »mei­
ne B r ü d e r « ; b e i d e s b l e i b t i m K o n v e n t i o n e l l e n . - F ü r » g e l i e b t e « ist d e r B e f u n d b e i J a k s c h o n d e s h a l b b e m e r ­
k e n s w e r t , weil er d e n W o r t s t a m m äyan- a u ß e r in v o r g e p r ä g t e n F o r m u l i e r u n g e n (so in 1 , 1 2 ; 2 . 5 . 8 ) m e i d e t .
V e r m u t l i c h ist d e s w e g e n a u c j i » g e l i e b t e B r ü d e r « e i n e ü b e r n o m m e n e W e n d u n g .
3 8
Vgl. z u m hellenistischen (stoischen) S y s t e m des Pathos: H a n s C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 5 0 - 3 5 3 ; rheto­
risch: H e i n r i c h L a u s b e r g , H a n d b u c h d e r l i t e r a r i s c h e n R h e t o r i k , S t u t t g a r t ( S t e i n e r ) 3 . A u f l . , 1 9 9 0 , § 2 5 7 .
3 9
V g l . A d a m s o n , E p i s t l e 8 8 f., z u »all j o y « .
4 0
S . o. z u » F r e u d e i m L e i d e n « : N a u c k ; T h o m a s , A n f e c h t u n g ; C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 5 8 f.; K l a u s Berger:
E W N T I I I 1 0 7 9 - 1 0 8 3 . I m N T vgl. M t 5 , 1 1 ; I P e t r 1,6.
4 1
Bauer-A. 1747.
4 2
S o n o c h b e i P l a t o (s. C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 5 1 , 3 6 ff.); A r i s t o t v e r w e n d e t x«QCt k a u m n o c h ( e b d .
352,11.14).
4 3
V g l . C o n z e l m a n n : 3 5 2 , 1 5 ff. A f f e k t e g e l t e n d o r t als F e h l u r t e i l e d e s L o g o s . N i c h t s t o i s c h ist d a r i n P h i l o
(ebd. 3 5 5 f.).
1,2 81

keit, Jubel; es kann auch religiöse Freude (vor Gott, über Gottes Geschenke) bedeu­
44 4
t e n . Jak stellt voran: »jede Freude/alles, was Freude heißt«, d. h. »lauter Freude«. ^
46
Verwandt damit ist das Motiv der »vollkommenen F r e u d e « . 'Hyeoiiai bedeutet hier
(wie oft im N T ) »meinen, glauben, halten für«, bezeichnet also ein geistiges Wertur­
47
teil, eine bestimmte Ansicht über etwas. Das Verb ist aufgrund der Gedankenfüh­
48
rung imperativisch zu verstehen; würde es sich um eine Aussage handeln , müßte
eine Art Beurteilung (zustimmend oder im Widerspruch) folgen. Jak ruft also dazu
e
auf, bestimmte Ereignisse als Anlaß zur positiven Reaktion zu begreifen. 'Oxav heißt
4
»wenn immer« (iterativ), ist also von »falls« (edv) zu unterscheiden. ^ Jak blickt auf
verschiedene, wiederkehrende (nicht nur mögliche) Wechselfälle des Lebens mit
Namen JteiQaouog. Das im Profangriechischen sehr seltene Wort kommt in der jüdi­
schen und frühchristlichen Literatur gehäuft vor50 und bildet dort einen eigenen
theologischen Topos. Wichtigste Referenzpunkte sind im A T die Versuchung in der
Wüste (Ex 17,7; Dtn 6,16; 9,22: Massa = JteiQaouog), im N T die Versuchung Jesu
(Mt 4,1 ff. parr; Hebr 2,18; 4,15) und die letzte Bitte des Vater-Unser (Lk 11,4 par;
Did 8,2).51 Schon in Israel gab es ein »ausgesprochen religiöses« Interesse52 an der
Thematik speziell hinsichtlich der Erprobung des Frommen (Abraham, Hiob usw.),
des leidenden Gerechten, der weisheitlichen Pädagogik (Weish 3,5 u. a.), der Anfein­
dungen durch Satan und auch der Herausforderung Gottes durch das Volk (vgl. 1 Kor
10,1-13; Hebr.). Das Ideal bilden die Standhaften, die Gott die Treue halten. Das
ebenso semantische wie theologische Problem besteht darin, daß JteiQaouog ambiva­
lent ist, d. h. Versuchung (tentatio) wie Erprobung (probatio) umfassen kann. G e ­
meint sein kann einerseits eine harte, aber wohlgemeinte, förderliche Belastung53,
anderseits eine böswillige Verleitung zum Fall (so auch Jak 1,13 ff.). Das logische Sub-

4 4
C o n z e l m a n n : 3 5 3 ff. z u A T , J u d e n t u m u n d a u c h P h i l o . B e i P a u l u s s t e h t x<xod n i e für e i n e p r o f a n e S t i m ­
m u n g ( e b d . 3 5 9 , 1 4 ) . V g l . a u c h d i e V e r w e n d u n g für F e s t - , H o c h z e i t s - , E r n t e f r e u d e in d e r B i b e l .
4
5 B . R e i c k e / G . B e r t r a m : T h W N T V 8 8 5 - 8 9 5 ; B - D - R § 2 7 5 . 2 : p r ä d i k a t i v , m e i s t e n s v o r a n g e s t e l l t ; artikellos:
» j e d e r b e l i e b i g e « ; vgl. 6Xog u n d e x a o x o g . E b e n s o H y o n S u k H w a n g , D i e V e r w e n d u n g d e s W o r t e s Jtäg in
d e n p a u l i n i s c h e n B r i e f e n , D i s s . E r l a n g e n 1 9 8 5 , 1 2 (»>völlig<, >lauter<, >von j e g l i c h e r Art< o d e r >allerlei<... i m
S i n g u l a r ... h e i ß t es >jeder<, >jeder b e l i e b i g e ... a u c h oft >ganz, alle< m i t v e r a l l g e m e i n e r n d e m C h a r a k t e r « ) ;
J o h n s o n , A n c B 1 7 6 f., n i m m t es a d v e r b i a l ( » c o n s i d e r it entirely as j o y « ) ; es s t e h e d e r G e s p a l t e n h e i t in V. 7 -
8 gegenüber.
4 6
J o h 1 5 , 1 1 ; 1 6 , 2 4 ; l j o h 1,4. V g l . d a z u H . C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 6 1 , 1 3 ff. (zu J o h ) , 3 5 5 , 2 6 ff. ( R a b -
binisches).
4 7
B a u e r - A . 6 9 6 . I m N T : A p g 1 5 , 2 2 ; 2 6 , 2 ; 2 K o r 9 , 5 ; P h i l 2 , 3 . 6 . 2 5 ; 3 , 7 . 8 ; l T h e s s 5 , 1 3 u. a.
4 8
S o m e i n t C a r g a l , R e s t o r i n g 6 2 f. 7 5 .
4 9
B e i J a k f i n d e t es s i c h n u r hier. E s s t e h t freilich e d v oft n a h e : E W N T II 1 3 1 5 .
50 V g l . P o p k e s : E W N T I I I 1 5 1 - 1 5 8 ; vgl. G i e l e n : Z N W 1 9 9 8 ; J . B . G i b s o n , T h e T e m p t a t i o n s o f J e s u s in E a r -
ly C h r i s t i a n i t y , S h e f f i e l d (A.P.) 1 9 9 5 . - I n L X X b e s o n d e r s in D t n u n d S i r m i t 5 bzw. 6 B e l e g e n . I m N T
e r s c h e i n t d a s S u b s t a n t i v 2 1 x , d a v o n 7 x in L k - A p g , 4 x i m C o r p u s P a u l i n u m , j e 2 x in I P e t r u n d J a k ; l x in
2Petr. D a s V e r b jteiod^Eiv 3 8 x i m N T , d a v o n 1 7 x in S y n . u n d A p g , 7 x C o r p . P a u l . ; 6 x H e b r ; 4 x J a k . H i n ­
z u k o m m e n 4 x EXJtEipd^Eiv. F a s t v ö l l i g o h n e B e f u n d : J o h , l - 3 J o h , a b e r a u c h Rom, l T h e s s , Phil, E p h , K o l .
B e i d e n A p o s t V ä t e r n : S u b s t a n t i v 4 x , jtEioa l x , d a s V e r b jtEiodcD 5x. B e i P h i l o fehlt J t E i o a o u d g (dgl. b e i
J o s e p h u s ) ; h ä u f i g d a g e g e n Jteloa ( 1 9 x ) , jreiodü) ( 4 3 x ) , JtEiod^ü) n u r 4 x .
5 1
Vgl. Grayston; Popkes, Bitte.
52 H . S e e s e m a n n : T h W N T V I ( 2 3 - 3 7 ) 2 4 , 1 6 .
5 3
F ü r d i e W e i s h e i t s l i t e r a t u r ( a u c h für P h i l o ) steht d e r ( g r i e c h . ) G e d a n k e d e r E r z i e h u n g i m V o r d e r g r u n d : S e e ­
s e m a n n 2 5 f.
82 D i e rechte innere Einstellung

jekt wird oft (wie auch hier) nicht genannt, so daß Herkunft und Abzweckung nicht
(sogleich) zu erkennen sind. In beiden Fällen bleibt das Element der Beanspruchung,
inkl. des Zerbruchsrisikos. Im N T finden sich beide Linien, wobei Jesu Versuchung
überwiegend als satanischer Verfuhrungsversuch, aber auch (so Hebr 2,17 f.; 5,8) als
gbtt-gewollter Lernprozeß des Leidens interpretiert wird. Die letzte Bitte des Vater-
Unser wie auch die Gethsemane-Mahnung M k 14,38 parr. (»betet, damit ihr nicht in
Anfechtung fallt«) lassen die mögliche Erfahrung für jeden Christen deutlich werden.
54 55
»Der Jt8LQaö|i6g trifft ... immer nur die G l ä u b i g e n « , die Kinder G o t t e s . Insofern
ist es ein paradoxes Privileg, gerade wegen des Glaubens zu den Angefochtenen zu
56
gehören. Jak übernimmt diese Linie; Anfechtungen (wohl im Sinn von Erprobun­
gen) sind in der Tat Anlaß zur Freude. Man erkennt daran indirekt seinen Glaubens­
stand, und man erhält die Möglichkeit des geistlichen Wachstums. Daß die Anfech­
tung der Taufe folgt, ist ein urchristlicher Topos.57 D e m Gläubigen ergeht es ebenso
wie seinem Meister Jesus (Mk 1 parr., Hebr 2,18; 4,15) und bereits dem Volk Israel
(IKor 10,1-13). Dasselbe bezeugt IPetr 1,3 ff. Jak kann also auf Neophyten-Erfah-
58
rung zurückgreifen. Das Adj. »vielgestaltig, mannigfaltig« erscheint auch IPetr 1,6
mit »Anfechtungen«; es verweist auf eine große Bandbreite von Realisierungsmög­
lichkeiten (ähnlich wie z. B. bei Krankheiten: M k 1,34 parr.). Jak führt nicht aus,
59
woran man denken soll. Schwerlich sind »Mängelzustände« ä la V. 5 ff. gemeint ,
denn ein Defizit ist kein JteiQaouog, sondern ein Problem bei der Bewältigung von
Anfechtungen. Eher legt sich nahe, daß Jak die Leser an Bekanntes aus der früh­
christlichen Tradition im Sinn z. B. von M t 5,11 f. erinnern möchte (vgl. auch Sir 2),
60
also Verleumdungen, Unrecht usw. (vgl. 2,6 f.; 5,1 f f . ) . Eine solche eher konventio­
nelle Interpretation bietet sich auch angesichts des semantischen Wechsels in 1,13 ff.
an. Gegen eine Beziehung auf V. 5-11 und für ein allgemeines, offenes Verständnis
von »mancherlei Anfechtungen« spricht auch das Verb »fallen«, das ein »in mißliche
61
Umstände geraten« bezeichnet. Daß der Konj. Aor. die Vorzeitigkeit der Handlung
bezeichnen soll, daß Jak also auf die Freude nach bestandenen Anfechtungen abhe-

5 4
K . G . K u h n , J t e i o a o u d g - d u a p t i a - O&Q'E, i m N e u e n T e s t a m e n t u n d d i e d a m i t z u s a m m e n h ä n g e n d e n V o r ­
stellungen: Z T h K 4 9 ( 1 9 5 2 ) 2 0 2 .
5 5
A u c h J e s u s w i r d als » S o h n G o t t e s « a n g e s p r o c h e n ( M t 4 , 3 p a r . ) .
5 6
B u r c h a r d , H N T z. S t . : n i c h t » b e s o n d e r e R e i f e p r ü f u n g e n w i e bei A b r a h a m o d e r J o s e p h « ; d i e A n f e c h t u n g e n
» d u r c h z i e h e n d i e S o n d e r e x i s t e n z , d i e d i e A d r e s s a t e n kraft ihres G l a u b e n s in d e r D i a s p o r a d e r W e l t . . . f ü h ­
ren m ü s s e n « . A u f sie w i r k t » v o n a u ß e n d i e W e l t « ( V e r h ö h n u n g , S c h i k a n e n , A n p a s s u n g s d r u c k ; V e r l o c k u n g
z u E r w e r b , P r e s t i g e , G e n u ß ) ; i n n e n i m C h r i s t e n ist d i e B e g i e r d e a k t i v (sie » k ö d e r t i h n z u r W e l t l i c h k e i t « ) .
J a k » d e n k t d a b e i k e i n e s w e g s a n E x z e s s e (der B r i e f e n t h ä l t k e i n e n L a s t e r k a t a l o g , v o n S e x u a l i t ä t u n d A l k o h o l
ist e r s t a u n l i c h e r w e i s e n i r g e n d s d i e R e d e ) « .
5 7
V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 3 6 ff".
58 I m N T n o c h M k 1 , 3 4 parr.; 2 T i m 3 , 6 ; T i t 3 , 3 ; H e b r 2 , 4 ; 1 3 , 9 ; I P e t r 1,6; 4 , 1 0 . B a u e r - A . 1 3 7 0 f.: »vielfar­
b i g « , a u c h » v i e l d e u t i g « ; L - S - J 1 4 3 0 : a u c h » k o m p l e x , w a n d e l b a r « . W e i t h i n b e k a n n t w a r d i e o x o d JtoixiXr]
A t h e n s (die » b e m a l t e W a n d e l h a l l e « ) , d a s L e h r h a u s d e s Z e n o n ( u m 3 0 0 v. C h r . ) .
5 9
A n d e r s F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 8 7 f. 2 0 9 - 2 1 1 . A u c h d i e s y n t a k t i s c h e P o s i t i o n v o n J t o i x i X o i g d e c k t d a s n i c h t
ab.
6 0
V g l . K l e i n 4 8 f.; z u R e c h t a u c h : » . . . läßt sich d a r a u s n i c h t o h n e weiteres s c h l i e ß e n , d a ß hier v o n Verfol­
g u n g e n d i e R e d e ist«.
6 1
B a u e r - A . 1 3 0 9 . I m N T : u n t e r R ä u b e r fallen ( L k 1 0 , 3 0 ) , in U n t i e f e n ( A p g 2 7 , 4 1 ) . V g l . z. B . H e r o d 1 , 9 6
(unter Gewaltherrschaften geraten).
1,2-3 83
62
b e , ist zwar philologisch möglich*^, legt sich aber vom Gedankengang kaum nahe,
unbenommen des Umstands, daß JteQiJteönxe von der Sache her eine punktuelle Vor­
zeitigkeit gegenüber dem eher durativen f|yr|oaö68 impliziert. Der Akzent liegt gera­
de bei der Bewältigung des Schweren, das man mit Freude akzeptieren soll. 3 Der
Appell von V. 2 wird in V. 3 durch den Rückgriff auf das Wissen der Adressaten abge­
64
stützt. Statt des (aus V. 2) zu erwartenden Wortes »Anfechtungen« erscheint jetzt t ö
öoxiuiov als Subjekt. Der Wortstamm öoxui- ist von der Tradition vorgegeben, wahr­
scheinlich in einer Form wie Sir 2,5a »denn im Feuer wird Gold geprüft, bewährt
65
(öoxuid^exai)«. In IPetr 1,7 ( T Ö Ö O X I U I O V eures Glaubens, wertvoller als durch
Feuer bewährtes Gold) geht es um Vorgang und Ergebnis der Prüfung; öoxiuiov
66
meint dort »Echtheit«. In Rom 5,4 (Ausdauer bewirkt öoxiuV|, diese bewirkt Hoff­
nung) ist die Ausdauer Subjekt in bezug auf öoxui-, also entgegengesetzt zu Jak 1,3.
Während Jak in 1,12 dem traditionellen Gedanken folgt (der »bewährte Mann« als
Ergebnis des Vorgangs), setzt er in V. 3 die aktive Komponente für öoxui- ein. Der
Glaube wird geprüft; nicht eigentlich bewährt er sich (wie in IPetr 1,7). »Des Glau­
67
bens« ist dann genitivus obiectivus: der Glaube ist dem Prüfungsmittel ausgesetzt;
68
er selbst ist passiv. Daß Jak überhaupt vom G l a u b e n redet, kann von der Tradition
her gegeben sein; aber immerhin geschieht es (vgl. später zu 2,1.14 ff.), freilich ohne
jede Erläuterung. Theoretisch denkbar wäre, daß statt von »Glaube« auch von »Lie­
be« oder »Hoffnung« als Objekt der Prüfung die Rede wäre; allerdings fehlen beide
Nomina bei Jak. Einstweilen ist »Glaube« nicht viel mehr als ein von der Tradition
bekanntes Wort ohne große Auswirkung auf den Kontext, nicht viel mehr als ein
Interpretationsfaktor für »Anfechtungen«. »Glaube« steht hier im Kontext des geist­
lichen Reifungsprozesses. Vom Gedankengang her legt sich hier die Ubersetzung von
möTig mit »Vertrauen« nahe. Die geistliche Pädagogik stellt die möxig der Erpro­
bung, dem Test aus. - Die frühchristliche Erfahrung lehrt, daß ein bestimmter Wir­
6
kungsprozeß abläuft: A bewirkt (xaT8QYd^8t8i 9) B, B bewirkt C (so R o m 5,3). Das
Verb xaTeoyci^oum bezeichnet ein Bewirken, Hervorrufen, Vollbringen. Bei Jak wird
über den Wirkungsmechanismus (Ursache, Logik, Vorgang usw.) nichts näher ausge­
führt. Vergleichbare Stellen benutzen teils eher werkhafte Terminologie (Rom 7,15-
20: neben Jtodööeiv und Jtoietv), teils ebenfalls einfach (xaT-)eQydI;eiv (so etwa
2Kor 7,10 f.: Trauer führt zu Tod bzw. Eifer). Jak denkt wahrscheinlich instrumental

6 2
So Mußner, Jakobusbrief 64.
63 E W N T II 1 3 1 6 . D i e d o r t a n g e g e b e n e n ntl. B e l e g e ( M t 5 , 1 1 ; 9 , 1 5 ; M k 4 , 1 5 f . 2 9 - 3 2 ; 8 , 3 8 ; L k 6 , 2 2 ; Rom
2 , 1 4 ; 2 K o r 1 3 , 9 ) s i n d j e d o c h vielfach a u c h bzw. eher i m g l e i c h z e i t i g e n S i n n d e u t b a r (so M t 5 , 1 1 ; M k 4 , 1 5
f.; 8 , 3 8 ; L k 6 , 2 2 ; Rom 2 , 1 4 ; 2 K o r 1 3 , 9 ) .
6 4
E s ist v ö l l i g u n n ö t i g , d a s Part, h i e r als E r s a t z für e i n e n I m p . z u l e s e n ( g e g e n M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 4 : i m p e -
r a t i v i s c h u n d b e g r ü n d e n d ) . J a k b e l e h r t hier n i c h t , s o n d e r n ruft W i s s e n a b .
65 G e r d S c h u n a c k : E W N T I 8 2 5 f.: O f t in d e r W e i s h e i t s t r a d i t i o n (Prov, W e i s h , S i r ) ; z. B . Ps 1 1 , 7 ; P r o v 2 7 , 2 1 ;
Sir 2 , 5 .
66 E W N T 1829.
67 D i b e l i u s , K E K 1 0 1 ; M a r t i n , W B C 1 5 ; E W N T I 8 2 9 . B u r c h a r d , H N T z. S t . : L ä u t e r u n g s m i t t e l .
6 8
B u r c h a r d , H N T z. S t . : IliOTig ist » d a s e x k l u s i v e G o t t e s v e r h ä l t n i s , d a s d i e C h r i s t e n w i e s c h o n d i e atl. F r o m ­
m e n ... a u s d e r W e l t . . . h e r a u s h e b t . . . H e i d e n h a b e n n i c h t e i n e n a n d e r e n G l a u b e n , s o n d e r n k e i n e n « .
69 D a s V e r b f i n d e t s i c h i m N T a u ß e r J a k 1,3 u n d I P e t r 4 , 3 n u r bei P a u l u s ( 2 0 x ) , d a v o n 1 l x in Rom u n d d o r t
w i e d e r u m 6 x in Rom 7 (V. 8.13.15.17.18.20).
84 D i e rechte innere Einstellung

bzw. modal (vgl. eoyov in V. 4). Das »Prüfungsmittel« bewirkt insofern Ausdauer, als
das Vertrauen geläutert wird und wächst. - Auf »Ausdauer« (i>Jtouovf|)70 zielten auch
andere antike Richtungen, besonders Weisheit, Apokalyptik und Stoa. Der Akzent
fiel in der Regel auf die langfristige aktive und passive Widerstandsfähigkeit. Im Blick
auf Belastungen (bis hin zum Martyrium), die Zeitdehnung usw. war die Stärkung
der Person angesagt. Ausdauer wird zur positiven Eigenschaft des Getreuen, From­
men und Gläubigen. Jak unterstreicht die Bedeutung von imouovri in 1,12 und 5,11
durch den zweifachen Makarismus. Im Blick steht der geistlich reife und zur Aktivität
71
fähige Christ (1,12: »die Anfechtung aushalten«). Ausdauer ist kein Ziel in s i c h ,
kein Heroismus und auch mehr als eine Art Zeitüberbrückungstugend (zwischen
dem »schon« und »noch nicht«); i)Jtouovf| meint gereiftes tragfähiges Vertrauen
72
(jtioxtg). Zugleich steht imouovf| bei Jak für »Hoffnung« (etatic;). Dieses Wort fehlt
bei ihm (auch als Verb); in der ntl. Tradition freilich stehen Ausdauer und Hoffnung
73
früh miteinander verbunden (so auch Rom 5, 3 f . ) . Insofern Ausdauer ganz auf das
Ziel der Vollendung hin ausgerichtet ist (V. 4), ist für Jak darin Hoffnung enthalten;
74
Priorität gebührt jedoch der aktiven Konkretion des Durchhaltens. 4 In V. 4a
wird der Kettenschluß zwar bei den Nomina (Ausdauer, vollkommenes Werk), nicht
jedoch beim Verb ( x a T 8 Q y d ^ 8 x a i , so Rom 5,3 f.) fortgesetzt; es ist deshalb auch
unklar, ob die Einleitung von V. 3a (»wissend, daß...«) weiterhin gilt. Der indirekte
7
Imperativ (»soll haben«) ^ impliziert als logisches Subjekt doch wohl die Adressaten;
d. h. es liegt an ihnen, daß die Ausdauer zum gewünschten Ergebnis führt. Die per­
sonale Ausrichtung auf die Adressaten wird im Finalsatz (V. 4b-c) explizit. Jak zielt
auf das Sein (fjxe) der Menschen; das geht über einen bloß sachlichen Wirkungspro­
76 77
zeß h i n a u s . Wahrscheinlich verändert er deshalb die Kettenschluß-Tradition. -
78
Leitendes Stichwort ist xeXeiog , das zudem in V. 4b.c zweifach abgestützt wird

7 0
F r i e d r i c h H a u c k : T h W N T I V 5 8 5 - 5 9 3 . D a s W o r t s t e h t a u c h in Rom 5 , 3 f., n i c h t h i n g e g e n in I P e t r 1 ( d o r t
erst 2 , 2 0 ) .
7 1
D a s ist eher in d e n h e l l e n i s t i s c h e n P h i l o s o p h i e n d e r Fall, w o A t a r a x i e , A p a t h i e u. d g l . z u m a n e r z o g e n e n
H a b i t u s w e r d e n s o l l e n . D e r K o n t e x t d o r t ist d a s G l ü c k l i c h - S e i n in d e r U n a b h ä n g i g k e i t g e g e n ü b e r d e r S i ­
t u a t i o n u n d in d e r B e h e r r s c h u n g d e r L e i d e n s c h a f t e n . V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 0 6 .
7 2
Vgl. auch Hauck: T h W N T I V 5 8 9 , 2 9 - 3 1 .
7 3
D i e D o p p e l t r i a s l T h e s s 1,3 v e r k n ü p f t G l a u b e - L i e b e - H o f f h u n g m i t W e r k - M ü h e - A u s d a u e r . V g l . Ps 2 6 , 1 4 .
7 4
Ä h n l i c h H a u c k : T h W N T I V 5 9 2 ; D i b e l i u s , K E K 1 0 1 ; S c h n i d e r 2 7 ; L a w s , C o m m e n t a r y 5 3 , u. a.
7 5
B u r c h a r d , H N T z. S t . : F o r m a l eher W u n s c h als Befehl.
7 6
V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 2 6 7 f.
7 7
S a t o 7 2 f. n o t i e r t , d a ß d e r erste Teil v o n V. 4 ( » G e d u l d a b e r h a b e ein v o l l k o m m e n e s W e r k ! « ) o h n e Paralle­
le bei Rom 5 u n d I P e t r 1 sei. » V o l l k o m m e n e s W e r k « sei w a h r s c h e i n l i c h » p e r s ö n l i c h e S c h ö p f u n g d e s
A u t o r s « u n d für i h n » e i n S c h l ü s s e l b e g r i f F « .
7 8
B e i J a k n o c h m a l s in 1 , 1 7 ( G a b e v o n G o t t ) : 1 , 2 5 ( G e s e t z d e r F r e i h e i t ) ; 3 , 2 ( M a n n ) ; d a z u d a s V e r b 2 , 2 2
( G l a u b e ) . - V g l . Z m i j e w s k i ; K o n r a d t , E x i s t e n z 2 6 7 - 2 8 5 ; K l e i n 4 3 - 8 1 ; W a l t e r s 1 3 0 f.; d u Plessis (zu J a k :
2 3 3 ff.); F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 9 5 - 4 9 9 ( E x k u r s ) ; H . H ü b n e r : E W N T I I I 8 2 1 - 8 2 4 ; G . D e l l i n g : T h W N T
V I I I 6 8 - 8 5 ; R. N e w t o n Flew, T h e I d e a o f P e r f e c t i o n in C h r i s t i a n T h e o l o g y . A H i s t o r i c a l S t u d y o f t h e
C h r i s t i a n I d e a l for the P r e s e n t L i f e , L o n d o n ( O x f o r d U n i v . Press) 1 9 3 4 . H a r t i n , Perfect, b e t o n t d i e N ä h e
z u M t 5 , 3 - 1 2 . 4 4 - 4 8 : m a n w i r d d u r c h L e i d e n v o l l k o m m e n ; vgl. L u c k , W e i s h e i t ; D a v i d s , P e r s p e c t i v e s 2 7 ff.
( L e i d e n s t h e o l o g i e ) ; G o w a n ( M ä r t y r e r - H i n t e r g r u n d ) ; C r o y ; G a r l a n d . - In d e r g r i e c h . P h i l o s o p h i e ist »voll­
k o m m e n « v e r b u n d e n mit der T u g e n d , ebenfalls mit der Glückseligkeit u n d d a d u r c h mit der Bedürfnislo­
sigkeit: »es fehlt n i c h t s « (vgl. D e l l i n g 7 0 f.). I n d e r a t l . - j ü d . T r a d i t i o n liegt d e r A k z e n t a u f » u n g e t e i l t « , u n d
zwar v o r a l l e m in B e z i e h u n g z u G o t t ( » i h m g a n z g e h ö r e n « u s w . ) , » g e r e c h t « u n d »rein« n a h e s t e h e n d ; vgl.
D e l l i n g 7 3 f.; H ü b n e r 8 2 2 ; K l e i n 5 4 - 6 5 . 8 1 .
1,3-4 85

(öXöxXriQOi, ev firjöevi Xeutöjievoi). Der Wortstamm TEXEI- kommt im N T zwar


9
nicht gerade häufig vor? , er scheint jedoch in der frühchristlichen Unterweisung eine
80
gewisse Rolle gespielt zu h a b e n . Angesprochen wird dabei nicht ein Perfektio-
8 82
nismus !, sondern der geistliche Wachstumsprozeß hin zur »erwachsenen« Reife.
Die Vollkommenheit bewegt sich in Jak 1 zwischen Bewährung (vgl. V. 12) und
8
Nicht-Mangeln an Weisheit (V. 5). Vollkommenheit ist im N T ein Qualitätsbegriff 3;
84
demgegenüber betont öXöx^rjQOc; eher die quantitative Vollständigkeit. Verwandt
ist die Segensformel lThess 5,23: »der Gott des Friedens heilige euch oXoxeXetg, und
OXÖXXTJQOV müsse euer Geist usw. unanstößig in der Parusie unseres Herrn ... be-
85
wahrt werden«. Die Kombination der beiden Wörter xeXeioc; und 6X6xXr|QOc; fin-
86
det sich also auch sonst, u. a. bei P h i l o . Zunächst einmal (V 4a) unterstreicht Jak
87
die Qualität nur des »Werkes« ; die personale Ausrichtung und Ausarbeitung
kommt erst in einem Folgesatz zur Sprache (V. 4b). Der Ausdruck egyov könnte -
neben Jtioxig! - bereits im Blick auf Kap. 2 gewählt sein; Vollkommenheit muß
88
konkrete Verwirklichung s e i n . Der Mensch erscheint bereits hier als homo faber.
89
Nur so erreicht er auch als Person die Reife und Vollständigkeit (V. 4b). Das ist pri-
mär anthropologisch gedacht; erst als Rahmen spielt auch die Eschatologie eine
Rolle ( s . V 12).90 Christsein ist somit ein Reifeprozeß; in Widrigkeiten geschieht
Wachstum, und zwar als Aktivität, ja gerade Produktion (»Werk«). Die Person ist
9
stets auf ihre (ethische) Tätigkeit bezogen. 1 Die Person ist zugleich aber auch mehr

7 9
T e ^ e i o g 19x, xeXeiöü) 2 3 x , xeXetöxr]g u n d xe^eicootg j e 2x, xe^eicog l x . G e w i s s e S c h w e r p u n k t e b i l d e n d a b e i
H e b r , J o h , M t , P a u l u s , K o l u n d a u c h J a k . A u c h in d e r L X X finden sich n i c h t sehr viele Stellen; etwas z a h l -
reicher ist x e t a i ö o ) vertreten. S o g a r d i e W e i s h e i t s s c h r i f t e n e n t h a l t e n n u r relativ w e n i g e B e l e g e (x£>.etog n u r
W e i s h 9 , 6 ; S i r 4 4 , 1 7 ) . B r e i t e s Interesse zeigt d a g e g e n P h i l o (s. D e l l i n g 7 1 f.; K l e i n 5 7 f.; W a l t e r s 1 2 3 ) .
8 0
Vgl. Popkes, Vollkommenheit, Wholeness, Paränese 145.
8 1
M i t K o n r a d t , E x i s t e n z 2 6 9 . B u r c h a r d , H N T : d a s S p r a c h f e l d F o r t s c h r i t t fehlt.
8 2
I K o r 2 , 6 ; 3 , 1 ff.; 1 3 , 1 0 ; 2 K o r 1 3 , 1 1 ; Phil l,6ff; 3 , 9 ff.; K o l 1,28; 2 , 1 0 ; 3 , 1 ff.; E p h 4 , 1 3 ; H e b r 5 , 1 2 - 1 4 ;
vgl. M t 5 , 4 8 ; 1 9 , 2 1 . D e r Z u s t a n d d e s » M i l c h l i n g s « soll ü b e r w u n d e n w e r d e n ( H e b r 5 , 1 2 ; I K o r 3 , 1 ff; vgl.
I P e t r 2 , 2 ) . A n d e r s K l e i n 6 3 , weil bei J a k d a s B i l d v o n d e n v r | j u o i n i c h t v o r k o m m e . - B u r c h a r d , H N T z.
St.: V. 4 zielt » n i c h t a u f G e m e i n s c h a f t s - o d e r W e l t g e s t a l t u n g , s o n d e r n d e n C h a r a k t e r « .
83 W e r n e r Foerster: T h W N T III 7 6 5 ; K l e i n 6 3 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 0 6 ff. - D i e Q u a l i t ä t zeigt sich lt. I K o r
2 , 6 - 1 6 ; H e b r 6 , 1 ff. in tieferer E r k e n n t n i s ; lt. I K o r , 3 , 1 ff i m H a l t e n d e s F r i e d e n s (vgl. J a k 3 , 1 3 ff); lt.
Rom 1 2 , 2 ; Phil 1,10; H e b r 5 , 1 4 d a r i n , d a ß m a n G o t t e s W i l l e n z u p r ü f e n v e r m a g ; lt. H e b r 5 , 1 1 ff. in d e r
F ä h i g k e i t , a n d e r e z u lehren (vgl. J a k 3 , 1 f.).
8 4
Foerster: T h W N T III 7 6 5 f. I m N T n u r n o c h l T h e s s 5 , 2 3 . V g l . A p g 3 , 1 6 (die e i n z i g e Stelle i m N T m i t
o^oxTjQia ): V o l l b e s i t z d e r k ö r p e r l i c h e n F u n k t i o n e n .
8 5
V g l . I K o r 1,8; Phil 1,6: d a s g u t e W e r k v o l l e n d e n ; Phil 1,10: » d a m i t ihr l a u t e r u n d t a d e l l o s s e i d « .
8 6
V g l . F o e r s t e r 7 6 5 f.; K l e i n 6 3 f.; oft m i t JtavxeXrig.
8 7
V g l . B l o n d e l 1 4 6 f.; Z m i j e w s k i 2 9 5 ff: » v o l l k o m m e n « ist ein, w e n n n i c h t s o g a r das t h e o l o g i s c h e S c h l ü s s e l -
w o r t für J a k .
8 8
V g l . d u Plessis 2 3 4 : » A >perfect work< is ... o n e >working perfectly<«; als A m p l i f i k a t i o n v o n i m o u o v r i b e t o -
n e d i e W e n d u n g : » L e t c o n s t a n c y p r o d u c e its füll a n d p r o p e r fruits« ( m i t R o p e s 1 3 7 ) . D e r G l a u b e soll s o
k o n s t a n t in seiner A n w e n d u n g sein, » t h a t it w o r k s o u t p r o p o r t i n a t e results«. Ü b r i g e n s : » D i e W e n d u n g
e o y o v xeXeiov läßt sich - z u m i n d e s t in e t h i s c h e m K o n t e x t - vor d e m J a k o b u s b r i e f n i r g e n d w o n a c h w e i s e n «
(Klein 5 4 mit A n m . 6 6 ) .
8 9
J a k g e h t es u m d i e » G a n z h e i t des C h a r a k t e r s « : d u Plessis 2 3 5 .
9 0
V g l . K l e i n 6 4 . 8 1 : d i e e s c h a t o l o g i s c h e u n d d a m i t a u c h s o t e r i o l o g i s c h e P e r s p e k t i v e ist d e m H e l l e n i s m u s
fremd.
9 1
Vgl. Klein 8 1 , der die ethische K o m p o n e n t e hervorhebt. V o l l k o m m e n h e i t »bezeichnet,... zumindest nicht
in erster L i n i e , d i e G a n z h e i t d e r G o t t e s b e z i e h u n g « . J a k s t e h e hierin d e m H e l l e n i s m u s n ä h e r als d e m A T .
86 D i e rechte innere Einstellung

als das, was sie hervorbringt. Das betont V. 4b durch die Fortführung und Ergänzung
von te^eiog sowie durch das Verb f|te. Die Integrität des Menschen ist das Ziel des
Prozesses; im Blick auf 1,18.21 könnte eine schöpfungstheologische und soteriologi­
sche Perspektive damit verbunden sein, d. h. der Mensch soll (wieder) zu dem wer­
den, wozu er erschaffen wurde; der Referenzpunkt von »vollkommen« ist dann nicht
nur die Ethik (so wichtig sie für Jak ist) sondern letztlich Gott selbst (»vollkommen
92
coram D e o « ) . - V. 4c rundet die Aussage ab und präpariert den Ubergang zu V. 5 f.
Die Erfahrung, daß der Mensch ein fehlerhaftes Mängelwesen ist (vgl. 3,2), darf
nicht als Vorwand der Nachlässigkeit dienen; anthropologisch essentieller Mangel ist
kein unabwendbares Schicksal. Das von Jak implizierte Menschenbild orientiert
sich an der Ganzheit (vgl. im Kontrast 1,8; 4,4.8). Die Formulierung ev u/nöevi
XeiJiöfxevoi schließt dabei eher an die hellenistische Begriffstradition von »vollkom­
men« an als an die atl. (s.o.), insofern als der Gedanke der Vollständigkeit und Voll­
zähligkeit der Positivfaktoren im Vordergrund steht. 93 5 In Anknüpfung an die
generelle Zielsetzung in V. 494 wendet sich Jak real möglichen (ei + Ind.) Einzelfällen
unter den Adressaten (tig tiutov) zu, samt Handlungsanweisungen (aixeiTü)) und Ver­
heißung (öo0r|oeTai).95 Ebenso viel Raum erhält die Charakterisierung des Wesens
Gottes (zwei Partizipien). Drei Elemente treten in V. 5 hervor: Weisheitsmangel, »bit-
ten-erhalten« sowie Gottes Reaktion. Davon wird in V. 6 »bitten« entfaltet, und zwar
im Blick auf die innere Einstellung (möxig) des Bittenden; V. 7 führt »empfangen«
weiter. In V. 5 liegt der Akzent dagegen auf der Charakterisierung Gottes. - Daß als
einzige Mangelerscheinung die Weisheit genannt wird, erscheint kontextuell überra­
schend. Nur noch in 3,13-17 verwendet Jak den Wortstamm ooqp-, dort freilich
besteht das Problem primär in falscher Weisheit, und zwar im Kontrast zur »Weisheit
von oben«, nur indirekt im Mangel an (rechter) Weisheit (s. freilich die Verbindung
zu 3,1 ff.). Wahrscheinlich ist Jak (in 1,5) im Hinweis auf die Weisheit traditionsge­
bunden, besteht doch ein verbreiteter Zusammenhang zwischen Vollkommenheit
96
und Weisheit. A m eindrücklichsten besagt Weish 9,6: Auch ein Vollkommener
würde ohne die Weisheit von Gott nicht geachtet werden.97 Ebenfalls ist bekannt,
daß Weisheit eine Gabe Gottes ist (Weish 7,7 u. a.; Sir 1,10.26 u. a.). Die Relation von
Jak 1,2 zu Sir 2,1 ff. legt zudem einen Rückbezug auf Sir 1 (»Alle Weisheit kommt
98
vom Herrn«) n a h e . »Weisheit« ist, so betrachtet, in Jak 1,5 ein konventionelles Sig­
nal. Weisheit ist nach traditioneller Lehre für ein gelingendes und bei Gott akzep-

9 2
D a s Z i e l ist d a n n d i e r e s t i t u t i o a d i n t e g r u m . A n d e r s K l e i n 6 3 . 8 1 . D i e t h e o z e n t r i s c h e G e s a m t a u s r i c h t u n g
d e s J a k sollte d a b e i g e n ü g e n d b e r ü c k s i c h t i g t w e r d e n . J a k liegt a n d e r K l ä r u n g d e r B e z i e h u n g z u G o t t bzw.
z u r Welt; erst d a r a u s e n t s t e h t H e i l u n g ( 3 , 1 3 - 1 8 ; 4 , 7 ff.). E t h i s c h e F e h l l e i s t u n g e n e n t s p r i n g e n d e r F e h l ­
schaltung auf diesem Gebiet.
93 V g l . G e r h a r d D e l l i n g : T h W N T V I I I 7 0 f., b e s o n d e r s z u A r i s t o t u n d S t o a .
9 4
N i c h t n u r d u r c h p u r e S t i c h w o r t - V e r b i n d u n g ; m i t H o p p e 3 1 u. a., g e g e n D i b e l i u s , K E K 1 0 6 ( » ä u ß e r l i c h « ,
weil d e r G e d a n k e » M a n g e l a n W e i s h e i t « g a r n i c h t d e n g a n z e n S p r u c h d u r c h z i e h e ) .
95 B a k e r 2 4 1 n o t i e r t z u R e c h t : d e r zweite S a t z f u n g i e r t z u g l e i c h als A p o d o s i s z u m e r s t e n u n d als B e d i n g u n g
für d e n d r i t t e n .
96 V g l . H o p p e 3 2 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 2 ff.
97 S . ferner P r o v 2 , 7 ; 2 9 , 1 0 ; 1 Q S 4 , 2 2 ; 1 Q H 1,36; I Q S a 1 , 2 8 . V g l . D e l l i n g : T h W N T V I I I 7 0 - 7 2 ; K ü c h l e r
5 5 3 - 5 9 2 ; H o p p e 3 3 , z u S t o a u. a.
98 V g l . v o n L i p s 4 1 7 f.
1,4-5 87

tables Leben unabdingbar (Sir 1); ohne sie kann das angestrebte Ziel (V. 4) nicht
erreicht werden.99 Weniger sicher ist, ob Jak zugleich einen heilsgeschichtlich-escha-
tologischen Hinweis impliziert. Demnach würde die Weisheit dem Glaubenden
100
ermöglichen, »die Geschichte aus der göttlichen Perspektive zu s e h e n « ; die Er-
wählten erhielten diese Gabe, um den Anfechtungen dieses Äons widerstehen zu kön-
1 0 1
nen (vgl. 1QS 1 1 ) . Unwahrscheinlich ist die Interpretation, daß die Weisheit gera-
de zum Verstehen der (ungerechten) Leidenserfahrungen (V. 2-4) erforderlich sei,
102
weil dem Frommen »die gerechte Ordnung der Welt« zusammenbreche. Jak läßt
den Hinweis auf die Weisheit unerläutert. An der Konvention orientiert, wird der
Leser - mindestens zunächst - an die praktische Lebensweisheit denken. Etwas ande-
res ist, daß Jak bereits einen Merkposten im Blick auf 3,1 ff. 13 ff. notieren möchte,
wonach die sozio-ekklesialen Probleme gerade daraus stammen, daß man sich nicht
von der göttlichen Weisheit lenken läßt. Jak differenziert aber in 1,5 (noch) nicht
zwischen akzeptabler und inakzeptabler Weisheit; die hier zu erbittende Weisheit ist
vielmehr eindeutig ein Bonum. - Wahrscheinlich greift Jak auf das Aussagepaar »bit-
103
tet, so wird euch gegeben« zurück (Mt 7,7 par. Lk 1 1 , 9 ) . Ao0r|O8Tai ist zweifellos
passivum divinum (nach »er bitte von Gott«); es stößt sich ein wenig mit dem aktivi-
104
schen ÖLÖovtog. Die Aussage über Gott (V. 5b-c) ist deshalb wohl ein jak Ein-
schub, und zwar mit besonderem theologischem Gewicht. Die atl., jüd. und früh-
christliche Tradition ist der festen Gewißheit, daß Gott Gebet erhört (z. B. Ps 2,8; Jes
30,19, Prov 15,29; Hi 8,5 f.; Sir 1,26; 2,10; M t 18,19; 21,22). Jak braucht daran nur
zu erinnern. Unwahrscheinlich ist dagegen, daß Jak Gebets-Enttäuschungen seitens
der Adressaten ä la 4,3 aufgreift und insofern korrigiert, als er die Erhörungsgewiß-
105
heit auf innere Werte (wie Weisheit) statt äußerer Vorurteile bezieht ; denn die Ver-
heißung der göttlichen Antwort ist hier in 1,5 ungeteilt und unspezifiziert. Jak ermu-
tigt zum Gebet. Vom »bitten« (aiteco) handeln auch 1,6 und 4,2.3a.b. Weitere
Gebetstermini sind 6erioig (5,16), ev%r] (5,15), ev/ourn (5,16), 7iQoozv%r] (5,17)
106
und Jtooo£i>xoum ( 5 , 1 3 . 1 4 . 1 7 . 1 8 ) . Jak scheint also zwischen »bitten« (in Kap 1
und 4) und »beten« (im Schlußabschnitt) zu unterscheiden. O b eine weitere Dif-
107
ferenzierung zwischen Aktiv (1,5 f.; 4,3a) und Medium (4,2b.3b) vorliegt , braucht

99 S o a u c h d e r A k z e n t bei S c h n i d e r 3 2 ; F r a n k e m ö ü e , Ö T K 2 1 3 f., m i t V e r w e i s a u f W e i s h 7 , 7 . 1 5 ; 8 , 2 1 ; 9 , 4 ;
P r o v 2 , 6 ; S i r 3 , 6 . 9 . V g l . a u c h Sir 4 , 1 7 zur p ä d a g o g i s c h e n S t r e n g e d e r W e i s h e i t .
100 D a v i d s , C o m m e n t a r y 7 2 ; vgl. I K o r 1-2.
1 0 1
D a v i d s ebd. m i t H i n w e i s a u f syrBar 4 4 , 1 4 ; 5 9 , 7 ; 4 E s r 8 , 5 2 ; ä t h H e n 5,8; 9 8 , 1 - 9 ; 1 0 0 , 6 . D i e g e n a n n t e n
Stellen sind j e d o c h nicht besonders aussagekräftig.
1 0 2
S o m e i n t L u c k , J a k o b u s b r i e f 1 7 2 ; vgl. d e r s , T h e o l o g i e 14 f., W e i s h e i t 2 5 3 ff. K r i t i s c h d a z u : P o p k e s , A d r e s -
saten 2 4 - 2 7 . J a k lokalisiert Glaubenszweifel u n d T h e o d i z e e p r o b l e m anders; das Innere des M e n s c h e n selbst
ist v e r a n t w o r t l i c h , s. V. 6 - 8 . 1 3 - 1 5 .
103 V g l . H a r a l d H e g e r m a n n : E W N T I I I 6 1 9 .
104 M i F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 6 . - V g l . a u c h u. z u V. 6, w o ein weiterer s y n . A n k l a n g v o r l i e g e n k ö n n t e : » B i t t e
t

d e s G l a u b e n s « , vgl. M k 1 1 , 2 4 u. a.
105 A n d e r s D i b e l i u s , K E K 1 0 6 .
106 D a g e g e n fehlt EQCOxdo).
1 0 7
E v t l . z u differenzieren als » b i t t e n « u n d » f o r d e r n « ; vgl. W a l t e r R a d i : E W N T I 1 0 3 ; G u s t a v S t ä h l i n : T h W N T
I 1 9 1 f. I m N T s t e h e n e t w a d i e H ä l f t e d e r B e l e g e i m M e d i u m ( R a d i 1 0 2 ) . D i e V e r t e i l u n g i m N T ist
u n g l e i c h m ä ß i g ; d i e m e i s t e n S t e l l e n f i n d e n sich in d e n E v a n g e l i e n ; bei P a u l u s n u r I K o r 1 , 2 2 . S o n s t n o c h in
K o l , E p h , IPetr.
88 D i e rechte innere Einstellung

bei 1,5 f. nicht behandelt zu werden. Der Wortstamm a l t - bezeichnet ein Verlangen,
108
das zwischen Bitten und Fordern changieren k a n n . Gott gegenüber (wie in Jak 1,5
f.) kommt verständlicherweise nur das Bittgebet infrage. - Die Eindeutigkeit Gottes
erscheint Jak bereits hier (vgl. 1,13-17) des Notierens wert. Der Grund dafür wird
nicht angegeben; die unmittelbare Fortsetzung (V 6 fF.) führt die Spur nicht weiter,
sondern lenkt in die Anthropologie über. Es reicht wohl nicht aus, die Aussagen über
109
Gott nur als Kontrast zu denen über den Menschen zu f a s s e n ; dafür sind die kriti­
schen Implikationen über Gott in 1,13 ff. zu ausgeprägt. Der ganze Brief ist ein Plä­
doyer für Gottes Verläßlichkeit, Unveränderlichkeit, Güte, Unbestechlichkeit und
110
Eindeutigkeit. Die Aussagen in l,5b.c sind kontextuell überschießend und tradi­
111
tionsgeschichtlich ohne direktes Vorbild. Zunächst (V. 5b) wird Gottes Geben
112
doppelt qualifiziert: J t ä ö i v und a j t X ä x ; . Jak setzt die Reihe mit J t a g fort (1,2.5. 8.
17.19.21); das Wort entspricht seiner ganzheitlichen Gesamtkonzeption. Hier wirkt
es fast apologetisch, als ob Zweifel an Gottes Unparteilichkeit ausgeräumt werden
sollten.H3 Daß Gott »auf einfache Weise« gibt, ist eine im N T und A T ungewöhnli­
114
che A u s s a g e . Vorgaben existieren dagegen in der jüd. Tradition (u. a. bei Philo)
11
und in der hellenistischen Philosophie 5, stellenweise auch im Hinblick auf die Ein­
116
heit Gottes. Weil Gott einer ist, gibt er auf einfache W e i s e . Der semantische Ge ­
halt von djtXcoc; reicht recht weit, nämlich bis hin zu »freigiebig«, »ohne Neben- bzw.
11 118
Hintergedanken« /', »ohne Zögern«, »vorbehaltlos«. Man redet auch vom »einfa­
chen«, d. h. klaren, eindeutigen Auge (Mt 6,22); der Tor dagegen gibt mit zwei Augen

1 0 8
S t ä h l i n 1 9 1 fF.
1 0 9
A n d e r s d e r A k z e n t bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 2 0 f.
1 1 0
V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 7 f.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 9 9 - 2 0 2 .
1 1 1
Frankemölle. Ö T K 2 1 7 (»erstaunliche Gottesprädikate«).
1 1 2
D a s A d v e r b cur^cög b e z i e h t s i c h a u f » g e b e n « , n i c h t e t w a a u f J t ä o i v (»allen o h n e A u s n a h m e « ) ; m i t R i e s e n ­
feld, H a p l o s ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 6 .
113 Y g l S c h n i d e r 3 1 f.: G o t t m a c h t k e i n e A u s n a h m e n .
#

1 1 4
D a s A d v e r b e r s c h e i n t i m N T n u r hier; d i e T e r m i n o l o g i e w i r d s o n s t a n t h r o p o l o g i s c h , n i e t h e o z e n t r i s c h ver­
w e n d e t ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 7 ) . Z u r L X X vgl. A m s t u t z 3 8 f.; z u M t 6 , 2 2 f. S y r e e n i .
1 1 5
S. N e u e r Wettstein 1 2 4 9 - 1 2 5 4 (primär i m K o n t e x t v o n » i m G e h e i m e n geben, angemessen e m p f a n g e n « ) .
T i t e l u n d T h e m a d e s T e s t l s s s i n d r e g e l r e c h t » D a s V e r m ä c h t n i s d e s I s s a c h a r negl &Ji?iÖTr|Tog«, 1. - D i b e l i u s ,
K E K 1 0 6 f., u n t e r s c h e i d e t zwei V a r i a n t e n d e r G r u n d b e d e u t u n g » l a u t e r « : (1) g u t m ü t i g , g ü t i g , f r e i g i e b i g ,
h o c h h e r z i g (so z. T. in T e s t l s s ; J o s e p h A n t V I I 3 3 2 ) ; vgl. A m s t u t z 1 0 1 f. » n e i d l o s « ; (2) g e r a d e , o h n e H i n t e r ­
g e d a n k e n , r ü c k h a l t l o s , o h n e B e d e n k e n (so H e r r n M 2 , 1 . 4 . 6 [= 2 7 , 1 . 4 . 6 ] ; S 9 , 2 4 , 2 f. [= 1 0 1 , 2 f.]). T i m
S c h r a m m : E W N T I 2 9 6 differenziert für T e s t l s s : 3 , 8 : G ü t e , 3 , 2 f.: G e r a d h e i t . V g l . A m s t u t z 1 6 - 4 1 z u r
L X X , 4 1 - 6 3 zur jüd.-hellenistischen Literatur, 6 3 - 9 6 zur Literatur der J u d e n Palästinas, 9 6 - 1 1 6 z u m N T ,
1 1 6 - 1 5 7 z u d e n f r ü h c h r i s t l i c h e n S c h r i f t e n ( 1 1 8 : E i n f a c h h e i t w u r d e e i n T o p o s in d e r P o l e m i k g e g e n r h e t o ­
rische T e c h n i k ) ; E d l u n d 5 1 ff. Z u P h i l o u n d s e i n e m m o n o t h e i s t i s c h e n A n s a t z s. M o n t e s - P e r a l , speziell 8 6 -
9 8 ( » N u r d a s S e i e n d e ist d e r e i n z i g e G o t t « ) . V g l . a u c h G e r h a r d Sellin, G o t t e s e r k e n n t n i s u n d G o t t e s e r f a h ­
r u n g bei P h i l o v o n A l e x a n d r i e n , in: H a n s - J o s e f K l a u c k ( H g . ) . , M o n o t h e i s m u s u n d C h r i s t o l o g i e . Z u r G o t ­
t e s f r a g e i m h e l l e n i s t i s c h e n J u d e n t u m u n d i m U r c h r i s t e n t u m , F r e i b u r g ( H e r d e r ) 1 9 9 2 , 1 7 ff.
1 1 6
D e m entspricht das »einfache« Gebet. Vgl. syrBar 4 8 , 2 6 ; M e c h E x 14,4.8; 2 0 , 2 2 ; F r g m T a r g G e n 2 2 , 1 4
(»in m e i n e m H e r z e n w a r k e i n Z w i e s p a l t « ) . A u c h b e i m T o r a - S t u d i u m ist E i n f a c h h e i t n ö t i g . » E i n f a c h h e i t
b e i m B e t e n ist ein in d e r s p ä t e r e n c h r i s t l i c h e n Ü b e r l i e f e r u n g h ä u f i g e s T h e m a « ( A m s t u t z 8 6 ) ; s. a b e r a u c h
s c h o n g r i e c h . Parallelen; s o X e n o p h M e m 1 , 3 , 2 ( S o k r a t e s b e t e t e ctJt^cög u m d a s für i h n G u t e , d e s s e n K o n ­
k r e t i o n d e n G ö t t e r n ü b e r l a s s e n d ) ; M a r c A u r e l 5 , 7 , 2 . V g l . A m s t u t z 8 6 ff. ( » E i n h e i t - G a n z h e i t « ) .
1 1 7
Vgl. 2 K o r 8,2; 9 , 1 1 . 1 3 i m Z u s a m m e n h a n g m i t der Kollekte, die ebenso freigiebig wie o h n e H i n t e r g e d a n ­
k e n g e g e b e n w e r d e n soll.
1 1 8
V g l . S c h r a m m : E W N T I 2 9 6 f.; D a v i d s , C o m m e n t a r y 7 1 f.; D i b e l i u s , K E K 1 0 6 f.
1,5-6 89
119
(Sir 20,14 f F . ) - Der Bezug auf die Einheit Gottes legt die Konnotation »ungeteilt«
120
nahe, d. h. also Gott gibt »ohne Vorbehalt«. - Das Verb öveiöi^o) bezeichnet in
L X X und N T zumeist die grobe Schmähung, u. a. in der Leidenstheologie (z. B. Jesus:
M k 15,32 par.; Hebr 11.26; 13,13; Christen: M t 5,11 par.; 1 Petr 4,12-18; Hebr
121 122
10,33). »Nörgeln« ist im Vergleich dazu eine zu schwache W i e d e r g a b e . Jak
greift einen Topos über das rechte Geben (und Empfangen) bzw. über verbreitetes
12
Fehlverhalten dabei a u f . 3 Seine Wortwahl fällt freilich kräftig aus: Gott reagiert auf
Bitten in keiner Weise despotisch, herab-würdigend, »mit Schimpf und Schande«.
Daß Gott nicht ein vertrauenloses (1,7) bzw. ein mißbrauchtes, egoistisches, hedoni-
stisches Gebet erhört (4,1-3), steht auf einem anderen Blatt. Was aber zum Erreichen
des Ziels (1,4.12) erforderlich ist, gibt er wie selbstverständlich. 6 ist eine Ausfuh-
rung zu dem aus V 5 aufgenommenen Imperativ aixeixco, und zwar hinsichtlich der
Einstellung des Bittenden. Zentraler Terminus ist öiaxQiveaOai, beidemal im Parti-
zip. V. 6b begründet V. 6a mit Hilfe eines Vergleichs aus der Natur. Einen Rückbezug
zu V 3 bildet Jtioxic;. V. 6 ist fast nur negativ-abwehrend gehalten; diese Linie setzt
124
sich durch V. 7-8 fort; die Tonart wird deutlich kritischer. - Die Handlungsanwei-
sung erfolgt zweifach: bitten ev moxei, ^/nöev öiaxoivö^ievog. Dabei erläutert offen-
bar der zweite Faktor den ersten. Jak fuhrt also in den Bereich »Glaube und Zweifel«,
obschon die Wortbedeutungen nicht ohne weiteres festliegen. Entsprechend V. 3 ist
1 2
Jttöxic; auch hier mit »Vertrauen« wiederzugeben. 5 Der Sachgrund dafür wurde in
V. 5 angezeigt: das Wesen Gottes. Das Gebet soll und darf dem entsprechen, an den
es sich wendet. Solches »Bitten des Glaubens« (ähnlich wie 5,15) kann mit Erhörung
rechnen. AiaXQlV£ö0ai bedeutet im Medium »Bedenken tragen, zweifeln«, obschon
126
diese Bedeutung vor dem N T nicht belegt i s t ; sie bietet sich hier jedoch an. Auch
anderswo im frühchristlichen Schrifttum begegnet die Spannung zwischen Zweifel
127
und G l a u b e : M k 11,23 f. par., R o m 4,20; 14,23; breite Erörterung findet sie
H e r m M 9. Verwandt ist auch Eph 4,13 f.: Das Ziel des Weges ist u. a. die »Einheit

1 1 9
S i r 2 0 , 1 5 ( » H e u t e g i b t er, m o r g e n f o r d e r t er z u r ü c k « ) . V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 9 .
1 2 0
D i b e l i u s , K E K 1 0 7 : » o h n e B e d e n k e n « . E t w a s a n d e r s d e r A k z e n t bei A m s t u t z 1 1 0 f.: G o t t » r ä s o n i e r t d a b e i
n i c h t , o b er g e b e n solle, w e r d e s s e n w ü r d i g sei. E r g i b t a j r t a ö g , s p o n t a n ... J a c . 1,5 s t e h t e i n d e u t i g i m S t r o m
d e r j ü d i s c h - c h r i s t l i c h e n P a r ä n e s e . D i e s e a b e r legt ourtaög i m S i n n e v o n s p o n t a n a u s « .
121 V g l . M i c h a e l L a t t k e : E W N T II 1 2 6 5 - 1 2 6 7 ; J o h a n n e s S c h n e i d e r : T h W N T V 2 3 9 - 2 4 1 ; s c h i m p f e n , schel-
ten, s c h m ä h e n , V o r w ü r f e m a c h e n , zur L a s t legen, lästern, leiden lassen, b e d r ä n g e n , zur S c h a u stellen,
S c h m a c h u n d S c h a n d e b e r e i t e n . I n d e n P s a l m e n b e s o n d e r s v o m V e r h a l t e n d e r G e g n e r ; m e h r f a c h bei S i r
u n d bei P h i l o , d e r W o r t s t a m m a u c h i n T e s t X I I ( T e s t j u d 1 3 , 3 ; 1 7 , 4 ; T e s t R u b 4 , 2 . 7 ; 6 , 3 u. a . ) .
1 2 2
Gegen Dibelius, K E K 108; Lattke 1267; Frankemölle, Ö T K 2 1 9 .
1 2
3 S. u. a. P r o v 3 , 2 8 ; P s P h o k y l 2 2 ; P s S a l 5 , 1 3 ff.; S i r 8 , 1 5 ff; 2 0 , 1 4 ff; 4 1 , 2 2 ( 2 8 ) ; P h i l o C h e r 1 2 2 f.; D e m o s -
t h e n e s O r 1 8 , 2 6 9 ; P l u t M o r a l i a 6 3 e - 6 4 a ; vgl. N e u e r W e t t s t e i n 1 2 4 9 ff; A m s t u t z 1 0 3 ff; » o v e i ö i ^ e i v h a t
s e i n e n festen P l a t z in d e r L e h r e v o m r e c h t e n G e b e n « ( A m s t u t z 1 1 1 A n m . 9 2 ) . V g l . S c h n e i d e r : T h W N T V
2 4 0 , 2 6 - 2 9 (zu J a k 1,5).
1 2 4
D e m g e g e n ü b e r w a r V. 4 c - 5 v o n » M a n g e l « b e s t i m m t ; M a n g e l l ä d t z u m » A u s g l e i c h « ein. D e s h a l b sollte m a n
V. 6 b - 8 n i c h t m i t » M a n g e l a n G l a u b e « ü b e r s c h r e i b e n ( g e g e n F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 1 ) .
1 2 5
S o durchgehend die K o m m e n t a r e .
2
* 6 V g l . G e r h a r d D a u t z e n b e r g : E W N T I 7 3 2 - 7 3 8 ; F r i e d r i c h B ü c h s e i : T h W N T I I I 9 4 8 - 9 5 1 . I m A k t i v ist d i e
B e d e u t u n g : b e u r t e i l e n , e n t s c h e i d e n , r i c h t e n , U n t e r s c h e i d u n g e n v o r n e h m e n (vgl. z u 2 , 4 ) . » B e d e n k e n t r a -
g e n « a u c h z. B . A p g 1 0 , 2 0 .
127 V g l . G e r h a r d B a r t h , G l a u b e u n d Zweifel in d e n s y n o p t i s c h e n E v a n g e l i e n : Z T h K 7 2 ( 1 9 7 5 ) , 2 6 9 - 2 9 2 .
90 D i e rechte innere Einstellung

des Glaubens« als »vollkommener Mann«, so daß wir nicht mehr Unmündige sind,
»wie Wogen geworfen und umhergetragen von jedem Wind der Lehre«. Vermutlich
kann Jak somit auf Bekanntes, geradezu Topisches hinweisen. Vertrauen ist von der
Sache her ungeteilt, total; das betont auch ur]Ö£v, »in keiner Hinsicht«. Über mögli-
che Ursachen des Zweifeins sagt Jak nichts; es bleibt auch offen, ob er eine Polemik
impliziert (vgl. bereits zu V. 5). Auf jeden Fall verträgt die motig keinerlei Einfär-
bungen; ihre Tragkraft (s. V. 3 f.) würde dadurch beeinträchtigt. Das »nicht Beden-
ken tragen« zielt nicht psychologisch-anthropologisch auf ein fanatisches, ideologi-
sches, anti-intellektuelles, krampfhaftes Verdrängen von Seitengedanken, sondern
theologisch auf die Korrespondenz mit dem Wesen Gottes; das Problem von 4,4 -
Freund Gottes und der Welt zugleich sein zu wollen - taucht bereits auf. Nicht-Ver-
trauen bedeutet Nicht-Achtung Gottes. Das Problem ist hier nicht einfach ein cha-
128
rakterlich-psychologisches , sondern ein geistlich-personales: Wer ist Gott für den
Beter? - Jak vergleicht (eoixev, nochmals 1,23) den Zweifler mit dem Meeresgewoge;
das Bild ist in der Antike geläufig, zumal für die schwankende Meinung des Vol-
1 2 9
k e s . KMöoov GaXdoong bezeichnet das ganze Gewoge, vor allem in der Brandung,
1
nicht nur die einzelne Welle. 30 Die Metaphorik wird durch die beiden Partizipien
gesteigert und präzisiert; die Naturgewalten machen mit dem Wasser, was sie wollen;
das Wasser kann ihm weder Halt noch Festigkeit entgegensetzen. Es wird vom Wind
131
getrieben und b e w e g t . Das tertium comparationis liegt (wie auch V. 8 bekräftigen
wird) in der Halt- und Positionslosigkeit des Betenden. D a er sich nicht Gott gegen-
über festlegt, wird er zum Spielball dessen, was im Leben auf ihn einströmt; er bildet
keinen ruhigen Gegenpunkt zu Gottes Verhalten; folglich kann er nichts empfangen
(V. 7). 7-8 Die Negativaussage von V. 6 wird zweifach verstärkt, nämlich im Blick
auf das Gebet und auf die Person. V. 8 ist eine doppelte Apposition zu »jener Mensch«
(mit zwei Adjektiven: öiipuxog, a x a t d o t a x o g ) ; die semantischen Variationen
(Mensch - Mann, Gott - Herr, zweifeln - gespalten) sind wohl nur stilistisch als Ver-
132
meidung von Wiederholungen b e g r ü n d e t . Einige Elemente aus V. 5-6 dienen dem
steigernden Rückbezug, nämlich: »irgend etwas (xi)« gegenüber »nichts (urjöev)«

1 2 8
T h e o p h r a s t n e n n t u n t e r d e n » C h a r a k t e r e n « ( N r . 1 8 ) a u c h d i e E i g e n s c h a f t d e r djüioxia d i e er als » e i n e
U n t e r s t e l l u n g d e r U n g e r e c h t i g k e i t g e g e n ü b e r j e d e r m a n n ( i m ö ^ n u ^ i g xig d ö i x i a g x a x d Jtdxcov)« definiert.
S o l c h ein M e n s c h sei d e r m a ß e n voller M i ß t r a u e n , d a ß er z. B . s e i n G e w a n d n i c h t d o r t h i n z u r R e i n i g u n g
g e b e , w o es a m b e s t e n g e m a c h t w i r d , s o n d e r n d o r t , w o d e r W ä s c h e r i h m g u t e S i c h e r h e i t biete. J a k h a t
d e m g e g e n ü b e r G r u n d s ä t z l i c h e s in d e r B e z i e h u n g d e s M e n s c h e n z u G o t t v o r A u g e n . - Z u R e c h t k n ü p f t
etwa B a r k m a n v o r a l l e m bei 1,8 a n , w e n n er J a k als » A p o s t e l d e r P e r s ö n l i c h k e i t s i n t e g r a t i o n b e z e i c h n e t «
(38.49.53.75).
1 2 9
N e u e r W e t t s t e i n 1 2 5 5 f.; P h i l o M i g r 1 4 8 ( ü b e r U n e n t s c h l o s s e n e ) ; J e s 5 7 , 2 0 ( ü b e r d e n G o t t l o s e n ) ; S i r
2 9 , 1 7 ( V e r m ö g e n d e w u r d e n d u r c h B ü r g s c h a f t e n » w i e e i n e M e e r e s w o g e ins S c h w a n k e n g e b r a c h t « ) ; 3 3 , 2 b
( » d e r in s i c h h e u c h l e r i s c h e M a n n ist w i e ein S c h i f f i m S t u r m « ) .
1 3 0
Dibelius, K E K 1 1 1 , m i t Hinweis a u f Philo Sacr A b C a i n 9 0 u n d G i g 5 1 .
1 3 1
B e i d e V e r b e n s i n d ntl. H a p a x l e g o m e n a . D i e F o r m d v e u i ^ ü ) k o m m t ü b e r h a u p t e r s t m a l i g hier bei J a k vor,
k l a s s i s c h ist d v e u o ü ) (vgl. M a y o r 4 1 f.); d i e B e d e u t u n g ist ( i m Pass.) n a t ü r l i c h » v o m W i n d b e w e g t w e r d e n «
(vgl. E W N T I 2 3 2 ) . QiJti^co f i n d e t s i c h ebenfalls oft z u s a m m e n m i t » W i n d « ( D a n 2 , 2 5 ; A r i s t 7 0 ; P h i l o A e t
1 2 5 ; G i g 5 1 ; M i g r 1 4 8 ; E p i c F r g m 2 ; D i o C h r y s O r 3 2 , 2 3 ) ; es b e d e u t e t » s c h a u k e l n , h i n u n d h e r t r e i b e n «
( E W N T I I I 5 1 0 f.).
1 3 2
S o M a r t i n , W B C 2 1 . W i n d i s c h 7 b e t r a c h t e t es als t y p i s c h für d i e j ü d . - c h r i s t l i c h e M o r a l , » d a ß sie v o n M ä n -
n e r n a u s g e b i l d e t u n d in erster Linie a u f M ä n n e r z u g e s c h n i t t e n ist«; vgl. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 1 . Z u r
» m a s k u l i n e n Welt« bei J a k s. E i n l e i t u n g § 1, 3 . 1 .
1,7-8 91
sowie »alle (Wege)« gegenüber »(Gott gibt) allen«. Dazu kommt die Lautangleichung
oleoGoo - 8OLX6V. Jak legt offensichtlich Nachdruck auf die Aussage insgesamt; sach­
lich ist V. 7-8 nämlich weitgehend redundant; Neues wird kaum gebracht; vielmehr
wird das Vorige (V. 5-6) ausgebaut. Dabei steht die Problematik der Person im
Vordergrund. Jak wehrt eine falsche Erwartung (in V. 7) ab; ob man im Adressaten­
kreis tatsächlich solche Meinungen hegte, läßt die Formulierung als immerhin mög­
lich erscheinen. Trotz des Rückverweises auf »einer von euch« (V. 5) klingt »jener
133
Mensch« recht distanziert und generell ; Jak stößt in die anthropologischen Impli­
kationen vor.
1
Die Vokabel für »meinen« ( o i O | i a i ) ist für das N T ausgefallen 34; sie bezeichnet eine
subjektive Lageeinschätzung. Jak eröffnet damit die Reihe über menschliche Selbsttäu­
schungen (1,13.16.25.26 usw.). »Empfangen« könnte evtl. (s. zu V. 5 f.) aus einer Tra­
1 3 5
dition wie M t 7,8 par. stammen, ist aber in der Gebetssprache verbreitet (vgl. 4 , 3 ) .
136
»Irgend e t w a s « hat hier exkludierenden Sinn. »Herr« kann (nach V. 5) nur Gott
(nicht Christus) meinen. Die Charakterisierung des unerhörbaren Gebets steht
anscheinend hart im Raum neben der Verheißung in V. 5. Aber die Voraussetzungen
sind eindeutig verteilt; auf Gottes Seite bestehen keine Unklarheiten, die Probleme ent­
stehen durch die falsche Einstellung (»nicht im Glauben«, V. 6) des Beters. Dadurch
137
wird Gott geradezu gebunden, der Gabenfluß blockiert. Jak sieht hier ein Haupt­
problem, das er gegenüber seinen Adressaten herausstellen muß. Das Problem wird
individuell-persönlich lokalisiert; es ist nicht auf das Kollektiv abwälzbar. Der Beter
steht immer persönlich vor Gott; die Versagung der Bitte ist in ihm selbst begründet.
Das Wort »in der Seele gespalten, doppel-seelisch« (öiip'uxog) ist bei Jak erstmals
138
nachgewiesen (auch 4,8). Gehäuft erscheint es bei den Apostolischen V ä t e r n . Es
13
bleibt unerkennbar, ob es sich um eine jak Wortprägung 9 oder gar um einen »loka­
1 4 0
len Ausdruck (in R o m ) handelte; wahrscheinlich war es ein damals neues, umlau­
141
fendes Wort. Vorstufen und Synonyme gab es verschiedene. Schon Plato redet

1 3 3
J a k f o r m u l i e r t n i c h t » s o l c h e i n B r u d e r « o. d g l .
1 3 4
J a k zieht s o n s t ( 1 , 2 6 ; 4 , 5 ) Ö O X E C Ü vor. D i e V o k a b e l e r s c h e i n t i m N T n u r n o c h Phil 1,17; l j o h 1 1 , 2 5 . A u c h
in d e r L X X ist sie n i c h t h ä u f i g , v e r b r e i t e t d a g e g e n i m H e l l e n i s m u s ( s o allein b e i P h i l o 2 2 9 x ) ; seltener d e m ­
g e g e n ü b e r i n d e n A p o s t V ä t e r n ( l C l e m 3 0 , 4 ; 2 C l e m 6 , 6 ; 1 4 , 2 ; 1 5 , 1 ; z u I g n T r s. B a u e r - A . 1 1 4 0 ) .
135 V g l . A r m i n Kretzer: E W N T I I 8 3 0 f.
1 3 6
Vgl. ähnlich M t 5 , 2 3 .
1 3 7
V g l . e t w a M t 6 , 1 4 f.
1 3 8
S . E i n l e i t u n g § 5 , 7; L i n d e m a n n , C l e m e n s b r i e f e 8 3 f. V g l . a u c h d e n E x k u r s b e i B u r c h a r d , H N T z u 1,8.
1 3 9
Dahingehend argumentiert Frankemölle, Ö T K 238.
1 4 0
S . M a r s h a l l , L o c a l ; vgl. S e i t z , A n t e c e d e n t s u n d A f t e r t h o u g h t s ; Porter.
141 Y g l G i l l 2 2 6 - 2 3 9 ü b e r » G r e e k p o e t i c a n d p h i l o s o p h i c a l m o d e l s o f s e l f - d i v i s i o n « . D i s k u t i e r t w i r d b e i d e n
G r i e c h e n v o r a l l e m M e d e a s V e r h a l t e n (s. E u r i p M e d , b e s o n d e r s 1 0 7 8 - 1 0 8 0 ) , d a z u n o c h P l a t o H i p p i a s I I
3 6 9 ff", ü b e r A c h i l l ( H o m e r II 9 , 6 4 5 - 6 4 8 ) . T h e m a ist d e r p s y c h o - e t h i s c h e K o n f l i k t . G a l e n greift d i e D i s ­
k u s s i o n i m Z u s a m m e n h a n g m i t seiner K r i t i k a n d e r s t o i s c h e n P s y c h o l o g i e b e i C h r y s i p p auf. F ü r G a l e n ist
d i e P s y c h e e i n k o m p l e x e s G e b i l d e a u s r a t i o n a l e n u n d n i c h t - r a t i o n a l e n T e i l e n . E r liest M e d e a s M o n o l o g als
K o n f l i k t z w i s c h e n V e r n u n f t (koyio\io<;) u n d Ä r g e r (Ovfxög); v g l . P l a t o , R e p 4 3 8 d - 4 4 3 b ( z u H o m e r O d
2 0 , 1 8 - 2 1 ) . C h r y s i p p vertritt d a g e g e n d i e ü b l i c h e s t o i s c h e L i n i e , j e d e M o t i v a t i o n sei r a t i o n a l ; j e d e e m o t i o ­
n a l e E r f a h r u n g b e d e u t e d i e Z u s t i m m u n g z u einer » f r i s c h e n « I m p r e s s i o n , d a ß e t w a s g u t o d e r s c h l e c h t sei
(Gill 2 2 7 ) . In b e z u g a u f den Konflikt zwischen E t h i k u n d E m o t i o n bestehe d i e generelle Linie der griech.
P h i l o s o p h e n b e i d e r I n t e r p r e t a t i o n s o l c h e r F ä l l e a u s d e r P o e s i e d a r i n , s i e f ü r D a r s t e l l u n g e n einer » i n c o m -
p l e t e o r defective ethical d e v e l o p m e n t « z u h a l t e n ( 2 3 8 ) .
92 D i e rechte innere Einstellung

1 4 2
vom »zweifachen, vielfachen (öiJtXxyüg, KoXkanXovg) M a n n « ; Sir vom »geteilten
l 4
Herzen« ( l , 2 8 ) 3 , von »doppelzüngig« (öiyXaxjoog: 5,9.14; 6,1; 28,13); TestAss 2,5
vom »Doppelantlitz« (öiJtooocojtog); Barn 19,17 und Did 2,4 von »doppel-meinend«
(öiyvcbfiCDv). Von Dtn 6,5 her (Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele usw.) ist
die atl.-jüd. Tradition gegenüber der Gespaltenheit natürlich allergisch; darauf neh­
men auch die Qumran-Stellen Bezug (QS 1,1 ff. 5,8 f.; 1 Q H 14,26; 15,10; 16,7.17;
144
D a m 15,9 f f . ) . l C l e m 11,2 nennt als typisches Beispiel »der Zweifelnden und
bezüglich der Macht Gottes Schwankenden« (ötapu/oi xod öuaid^ovreg) Lots Frau
(Gen 19,17.26). A m nächsten kommt H e r m M 9 (=39) Jak 1,6-8; denn auch dort
steht die Dipsychia dem erhörlichen Gebet entgegen. Z u m Wortfeld gehören dort:
Bedenken haben (öia^oyi^o)), zaudern, irre werden, zögern (öioxd^o)); solchen Leu­
ten stehen die »Vollkommenen im Glauben« (6XoxeA,elg övxeg ev xfj moxei) gegen­
l 4
über, die das Erbetene erhalten werden. 5 Die Gespaltenheit widerspricht der Ein­
heit Gottes (Jak 1,5-8). Die Orientierung auf Gott hin duldet keine Halbheit und
146 14
Interessenspaltung (ä la 4,4 f f . ) ; der desintegrierte und desorientierte M e n s c h ? ist
kein Partner für Gott, dessen Gaben ergebnislos versickern bzw. sogar mißbraucht
würden. - Der Wortstamm d x a x a o x a - erscheint noch in 3,8 (Zunge, Übel) und
148
3,16 (Ergebnis von Streit u s w . ) . Das Wortfeld umfaßt: Krieg (Lk 21,9), Aufruhr
(xaoaxr|), Streit bzw. Friede (IKor 14,33), unruhig (Jes 54,11), ruhelos (HermM 2,3
(=27,3). Aktivische wie passivische Elemente können impliziert sein, hier in 1,8
scheint eine Mischung vorzuliegen. Solch ein Mensch ist chaotisch, schwankend,
unstetig, ruhelos, ungeordnet. Darauf verweist auch die Fortsetzung »auf allen seinen
Wegen«. Das könnte wiederum vom AT her geprägt sein: Dtn 10,12; vgl. Ps 91,11;
145,17; Jer 16,17. Die Wendung »alle Wege« macht es unwahrscheinlich, daß an das
149
Zwei-Wege-Motiv gedacht i s t . Es geht nicht um die richtige Weg-Entscheidung;
vielmehr ist der Betroffene überall halt- und orientierungslos; er ist chaotisch in sich
1 5 0
und schafft C h a o s . Seine Wege führen zu nichts Brauchbarem oder Ordentlichem.
Die doppelte anthropologische Ausführung in V. 8 soll klarstellen, daß keine per­
sonale Basis für das erhörliche Gebet vorhanden ist. Der Kausalzusammenhang zwi-

1 4 2 4
R e p 3 9 7 e ; » v i e l g e s t a l t i g « in K o n t r a s t z u » j e d e r verrichtet n u r e i n e n B e r u f « . W e i t e r heißt es 5 5 d : W e r n i c h t
frei v o n Z w e i f e l n ist, ist ein zwiefacher M e n s c h .
1 4 3
V g l . H o s 1 0 , 2 ; Ps 1 1 , 3 u. a.; W e i s h 1,1 f.; 1 Q H 4 , 1 4 .
1 4 4
M a n h a t d e s h a l b s o g a r a n e i n e e s s e n i s c h e W o r t b i l d u n g g e d a c h t , s. bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 1 ; F r a n k e ­
m ö l l e , Ö T K 2 3 6 f.
145 V g l . n o c h H e r r n M 9 , 1 f. (= 3 9 , 1 f.): » W i r f d e n Zweifel v o n d i r u n d zweifle nie d a r a n , o b d u e t w a s v o n
G o t t e r b i t t e n sollst, i n d e m d u bei d i r d e n k s t : w i e k a n n i c h e t w a s v o m H e r r n e r b i t t e n u n d e m p f a n g e n , d e r
ich s o oft g e g e n i h n g e s ü n d i g t h a b e ? M a c h e d i c h v o n s o l c h e n B e d e n k e n frei, s o n d e r n b e k e h r e d i c h m i t d e i ­
n e m ganzen Herzen z u m H e r r n u n d bitte ihn o h n e Z a u d e r n . . . « .
H6 y g l A m s t u t z 8 6 ; v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 2 f.
147 V g l B a r k m a n 4 9 : J a k b e n u t z e » d e n A u s d r u c k >zwiespältig<, u m d i e V e r f a s s u n g d e r Seele in d i e s e m K o n f l i k t
#

m i t s i c h s e l b s t z u b e s c h r e i b e n . P s y c h o l o g e n n e n n e n es >Ambivalenz<.
1 4
8 Vgl. Albrecht O e p k e : T h W N T III 4 4 9 . I m N T außer J a k n o c h L k 2 1 , 9 ; I K o r 14,33; 2 K o r 6,3; 1 2 , 2 0 (im
L a s t e r k a t a l o g ) ; vgl. a u c h I T h e s s 5 , 1 4 ( » e r m a h n t d i e a u s d e m T a k t G e r a t e n e n , d x d x x o v g « ) .
1 4 9
Z u m M o t i v d e r W e g - S c h e i d u n g s. W i l h e l m M i c h a e l i s : T h W N T V 5 3 ff.; g e g e n D a v i d s , C o m m e n t a r y
7 4 f., u. a.
1 5 0
M a r t i n . , W B C 2 0 , d e n k t b e s o n d e r s a n d a s S c h w a n k e n u n t e r V e r f o l g u n g . A b e r d a r a u f l i e g t d e r A k z e n t bei
J a k hier s c h w e r l i c h .
Vorbemerkungen zu 1,9-11 93

sehen Beten und Verhalten ist reziprok. Es gilt nicht nur: »Wer beim Beten ... keine
151
Gewißheit hat, ist auch im Handeln ohne inneren H a l t « , sondern auch das Umge­
kehrte; das eine entspricht dem anderen. Jak fügt V 8 asyndetisch an, so daß man
etwa mit »ein geteilter Mann, der er ist, unstetig ...« übersetzen muß. Jak liegt daran,
die Disqualifikation für ein erhörliches Beten aufzuzeigen. Das Problem ist im Wesen
und Verhalten des Menschen verwurzelt; doch dieser unterliegt offenbar der Selbst­
täuschung.

Vorbemerkungen zu 1,9-11 (Konstruktion, Interpretationsprobleme)

N a c h V. 5 - 8 b r i n g t J a k m i t V. 9 - 1 1 einen weiteren E i n s c h u b in d e n S a c h z u s a m m e n h a n g » G l a u b e -
A n f e c h t u n g - A u s d a u e r - V o l l e n d u n g « . D e m H i n w e i s a u f d a s ungeteilte Vertrauen z u G o t t folgt d i e
N o t i z über zwei Standesvertreter. W i e d e r u m liegt d a s G e w i c h t b e i d e r N e g a t i v p r ä s e n t a t i o n . D i e
1
K o n s t r u k t i o n erscheint a u f d e n ersten B l i c k einfach: e i n e m indirekten A u f r u f 5 2 (xoruxacrGu), I m p .
der 3 . Pers. S g . ) folgen zwei bzw. drei N o m i n a t i v e , d a z u zweimal e i n »in« + D a t . + avxov. B i s
V. 1 Oa liegt eine w e i t g e h e n d e antithetische Parallelität vor, m i t e i n e m ( a n s c h e i n e n d ) g e m e i n s a m e n
N o m i n a t i v ( 6 aöeXqpöc;) u n d d e m s e l b e n Verb. D i e A n t i t h e t i k ist in V. 9 d e r S a c h e n a c h rein (»nie­
d r i g / H ö h e « ) , w ä h r e n d in V. 1 0 a statt d e s z u erwartenden »der h o h e « etwas ü b e r r a s c h e n d
6 JtX,0'6öi05153 steht. Weitere I n k o n g r u e n z e n s i n d z u notieren. D i e W o r t a r t e n v\po<; u n d xajtei-
1
vcoaig entsprechen einander nicht g a n z . 5 4 Z u d e m : W ä h r e n d ö e in V. 9 d e n Ü b e r g a n g v o m Vori­
gen anzeigt, markiert es in V. 1 0 d i e Antithese. D i e K e n n z e i c h n u n g d e s R e i c h e n geht unverhält­
1
n i s m ä ß i g weit über V. 1 0 a h i n a u s . 5 5 Bereits V. 1 0 b g i b t eine erste E x p l i k a t i o n (öxi-Satz i m F u t u r ) ,
der in V. 11 eine l a n g e B e g r ü n d u n g s a m t R e p r i s e (oikooc;...) folgt. - T r o t z d e r a n s c h e i n e n d (über­
w i e g e n d ) klaren Parallelstruktur bleiben P r o b l e m e , die z u g a n z unterschiedlichen Interpretationen
geführt h a b e n . Ist ( 6 ) izXovoioc, Adjektiv, a b h ä n g i g v o n » B r u d e r « ? O d e r ist es selbständiges S u b ­
stantiv? Ist »der R e i c h e « also ein B r u d e r oder n i c h t ? 5 6 Ist xajieivoaoic; (V. 1 0 ) n o m e n actionis
1

( » E r n i e d r i g u n g « ) o d e r eher Z u s t a n d s b e s c h r e i b u n g , also » N i e d r i g k e i t « e n t s p r e c h e n d » H ö h e « ?
W a n n ist ( i m Fall eines n o m e n actionis) d i e E r n i e d r i g u n g anzusetzen? G e s c h a h sie bereits, o d e r
steht sie n o c h aus - etwa b e i m individuellen T o d o d e r b e i m E s c h a t o n ? — E i n e Position d e r K o m -
1 5 7
mentare lautet: D e r R e i c h e ist (wegen 1,1 Od; 2 , 6 f.) kein C h r i s t ( B r u d e r ) , seine E r n i e d r i g u n g

151 S o D i b e l i u s , K E K 1 1 3 .
1 5 2
E s trifft nicht zu, d a ß V 9 - 1 2 nicht als »direct e x h o r t a t i o n « a n z u s e h e n sei, w i e i m m e r m a n speziell die A u s ­
sage über d e n R e i c h e n verstehe (s. u.); s o n d e r n d a ß es u m »the s t a t i n g o f b a s i c principles c o n c e r n i n g t h e
h u m a n c o n d i t i o n before G o d « g e h e (so J o h n s o n , A n c B 1 9 1 ) . A h n l i c h m e i n t bereits D i b e l i u s , K E K 1 1 3 , es
liege »keine A u f f o r d e r u n g i m eigentlichen S i n n e « vor, s o n d e r n die W e n d u n g b i l d e »eine R e d e f o r m , m i t der
a u c h s o n s t - L X X Jer 9 , 2 3 f.; I R e g 2 , 1 0 ... d a s Sein v o m S c h e i n u n t e r s c h i e d e n w i r d « . D e n n d a s T h e m a v o n
1 , 9 - 1 1 laute » v o m U n t e r g a n g des R e i c h e n « . » V 9 zeichnet n u r d i e Folie d a z u « . D a m i t w ü r d e V 9 j e d o c h
i m G r u n d e überflüssig. D i e I s o l i e r u n g eines » S p r u c h s « (V. 1 0 f.) ist für die j a k G e d a n k e n f u h r u n g p r o b l e ­
matisch.
53
1 D a s P e n d a n t d a z u (jtxcoxog) findet sich n u r 2 , 2 - 6 .
1 5 4
S. B a u e r - A . s. v.: Z u s t a n d ( H ö h e ) u n d V o r g a n g ( E r n i e d r i g u n g ) .
1 5 5
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 1 ( 6 Zeilen g e g e n ü b e r n u r 1).
1 5 6
M a y n a r d - R e i d 3 8 - 4 7 hält d i e F r a g e für falsch gestellt. Keinesfalls d ü r f e m a n »reich« a n d » a r m « i n e i n e m
»semireligiösen S i n n « verstehen ( 4 3 ) , w a s s o w o h l bei d e r heroischen w i e d e r ironischen I n t e r p r e t a t i o n
(s. u.) geschehe; für J a k w ü r d e n s ä m t l i c h e R e i c h e n in dieselbe negative K a t e g o r i e fallen ( 4 4 ) . I n 1,9-11 stel­
le J a k e i n e n K o n t r a s t z w i s c h e n d e m A r m e n u n d d e m R e i c h e n auf, w o b e i seine S p r a c h e in b e z u g a u f d e n
ö k o n o m i s c h R e i c h e n » a n ironic twist« aufweise, u m d e s s e n E r n i e d r i g u n g z u unterstreichen; vgl. L k 1 2 , 1 3 -
21 (44).
1 5 7
E t w a D i b e l i u s , K E K 1 1 4 ; L a w s , C o m m e n t a r y 6 3 f.; J o h n s o n , A n c B 1 9 1 ; K l e i n 9 7 f.; K o n r a d t , E x i s t e n z
1 4 5 f.; vgl. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 4 .
94 D i e rechte innere Einstellung

w i r d b e i m T o d bzw. G e r i c h t e r f o l g e n ; a l s o k a n n »er r ü h m e s i c h « für i h n n u r b i t t e r e I r o n i e , j a S a r -


1 5 8
k a s m u s bedeuten. D a g e g e n steht die I n t e r p r e t a t i o n : b e i d e m a l s i n d (in V. 9 / 1 0 a ) C h r i s t e n a n g e ­
s p r o c h e n ; d e r A u f r u f ist in b e i d e n F ä l l e n ernsthaft, n i c h t i r o n i s c h ; d i e E r n i e d r i g u n g ist bereits
1 5 9
(zumindest sub specie D e i ) erfolgt o d e r w i r d n o c h g e s c h e h e n . - S y n t a x u n d W o r t l a u t s p r e c h e n
für d i e zweite L ö s u n g , d. h . ein g l e i c h m ä ß i g e s V e r s t ä n d n i s v o n xouxao"9o) u n d d i e Ü b e r o r d n u n g
v o n 6 d ö e t a p ö c ; für b e i d e V e r s e , a u c h w e n n d i e L a g e in V. 1 l d a n d e r s z u s e i n s c h e i n t . D i e A n s i c h t ,
1 6 0
ein R e i c h e r k ö n n e p e r d e f i n i t i o n e m k e i n C h r i s t s e i n , ist e i n e p e t i t i o p r i n c i p i i . Was im Folgen­
1 6 1
d e n (V. 1 0 b - l l ) s o n s t n o c h N e g a t i v e s g e s a g t w i r d , s o l l t e d i e I n t e r p r e t a t i o n v o n V. 9 - 1 0 a n i c h t
p r ä j u d i z i e r e n . - T r a d i t i o n s g e s c h i c h t l i c h fällt a u f (s. o . ) , d a ß J a k hier ü b e r d i e w e i s h e i t l i c h e n V o r g a ­
b e n h i n a u s g e h t ; d e n n d o r t ( S i r ) fällt d i e B e u r t e i l u n g v o n A r m e n u n d R e i c h e n d u r c h a u s differen­
1 6 2
ziert a u s . A b e r a u c h J a k vertritt n i c h t e i n e e i n f a c h e P o s i t i v - N e g a t i v - G e g e n ü b e r s t e l l u n g .

9-10a Ausgangspunkt ist das vorangestellte xavxäoQiD. Möglicherweise ist Jak gera­
1 6
de auch in der Verwendung dieses Wortes 3 durch Tradition bestimmt, und zwar
nicht nur im Sinn des verbreiteten Verbots des Selbstruhmes, sondern speziell in der
Form des paradoxen Rühmens - wie auch in R o m 5,3 (s. o. zu V. 3-f.): »sich der
1 6 4
Bedrängnisse r ü h m e n « . N u r so verliert das für J a k an sich negativ besetzte
x a v / ä o G a i (so 4,16) hier seine moralische Illegitimität, denn »rühmen« ist in der
Regel Ausdruck einer Selbstdarstellung zu Ungunsten anderer, oft auch der Selbst­
1
überschätzung. 65 Die jüd. Tradition betont deshalb ebenso wie die paul. Theologie
166
das, dessen man sich wirklich rühmen darf, nämlich der Gnade G o t t e s . Auch in
Schwachheit, Leid und Niedrigkeit kann sich Gottes Gnade so erweisen, daß daraus
wirklich Rühmenswertes entsteht. Auf solche eine Veränderung hebt V. 9 ab, genau­
er: auf eine Statusveränderung, »gibt doch Gott den Niedrigen Gnade« (4,16, Zitat
von Prov 3,34); Gott wird die erhöhen (uipoböei), die sich erniedrigen bzw. die er­
niedrigt werden (jtajteivobBrvTe, 4,10). Der »niedrige Bruder« hat also Grund und
Anlaß, sich »(in) seiner Höhe« zu rühmen. - Tajteivog bezeichnet zugleich einen
Zustand, einen Status und eine Gesinnung, angesiedelt zwischen »arm« (jtxooxög,

!58 S o z . B . R o p e s 1 4 5 f.; S c h n i d e r 3 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 4 . D i b e l i u s , K E K 1 1 4 , n e n n t d a s d i e (für d e n


R e i c h e n ) » h e r o i s c h e « V e r s i o n , g e g e n ü b e r d e r » i r o n i s c h e n « . B u r c h a r d , H N T z . S t . : »weil V. 1 0 s y n t a k t i s c h
ein Teil v o n V. 9 ist u n d b e i d e v o n V. 2 - 1 2 , s o l l t e d i e A n r e d e d ö e t a p o i V. 2 a u c h f ü r ö KXOVOIOC, gelten«;
d i e s e r sei freilich e i n W e l t f r e u n d , e i n H a l b c h r i s t .
1 5 9
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 5 - e b e n s o d i e E r h ö h u n g d e s N i e d r i g e n s u b s p e c i e fidei (vgl. 2 , 5 ) .
1 6 0
D i e a n d e r e n B e l e g e für Tikovoioc, i n 2 , 6 f. u n d 5 , 1 ff k ö n n e n d i e B e w e i s l a s t n i c h t t r a g e n , z u m a l a u c h f ü r
5 , 1 ff u m s t r i t t e n ist, o b es s i c h u m reiche C h r i s t e n h a n d e l t o d e r n i c h t . Ä h n l i c h B o g g a n 2 5 9 f.
1 6 1
E s trifft n a t ü r l i c h z u , d a ß e s i n V. 1 0 b u m d i e F l ü c h t i g k e i t d e s R e i c h e n , n i c h t d e s R e i c h t u m s , g e h t ( K o n -
r a d t , E x i s t e n z 1 4 5 f.). V o n s e i n e m D a h i n s c h e i d e n , » u n d z w a r i m G e r i c h t « ( e b d . 1 4 6 ) , ist freilich s o n i c h t
die Rede.
162 M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 3 , g e g e n B u r c h a r d , G e m e i n d e 3 2 2 .
1 6 3
J a k ist einer d e r w e n i g e n i m N T ( a u ß e r d e m C o r p u s P a u l i n u m u n d H e b r ) , d i e d e n W o r t s t a m m ü b e r h a u p t
verwenden. Vgl. zu 4,16.
1 6 4
D a s ü b e r s i e h t D i b e l i u s , K E K 1 1 3 ; s. o. i n d e n V o r b e m e r k u n g e n z u 1 , 9 - 1 1 .
165 V g l . J . Z m i j e w s k i : E W N T I I 6 8 0 - 6 9 0 . G e g e n d e n S e l b s t r u h m ( a l l e r d i n g s o f t m i t a n d e r e n V o k a b e l n v e r ­
b u n d e n ) w e n d e t sich verbreitet d i e hellenistische u n d j ü d . Antike; vgl. R u d o l f B u l t m a n n : T h W N T I I I
6 4 6 , 1 8 ff, s o T h e o p h r a s t C h a r 2 3 u. a.; A r i s t o t P o l 1 3 1 1 b ; P h i l o ( B u l t m a n n 6 4 8 , 7 - 2 8 ) ; l K ö n 2 , 1 0 ; P s
4 8 , 7 ; P r o v 2 5 , 1 4 ; 2 7 , 1 u. a. B o g g a n 2 4 1 m e i n t , x o u x a o u m b e d e u t e hier e h e r » t o t r u s t « bzw. » t o r e j o i c e o r
exult«.
1 6 6
S o e t w a J e r 9 , 2 2 f. (zitiert i n I K o r 1 , 3 1 ; 2 K o r 1 0 , 1 6 f.; l C l e m 1 3 , 1 ; a u c h i m L X X - Z u s a t z z u l S a m 2 , 3 ) ;
1 K o r 1 , 1 8 - 3 1 ; 2 K o r 1 0 - 1 3 . V g l . ferner M t 2 3 , 1 1 ; L k 1 4 , 1 1 ; 1 8 , 1 4 .
l,9-10a 95
167
Jtevng) und »demütig« (jtQaiJc;). Der niedrigen, unbedeutenden, armseligen Stel­
lung korrespondiert die bescheidene, demütige, u. U. auch unterwürfige Einstellung.
Neben der sozialen Verwendung gibt es im AT, Judentum und N T auch die spiri­
tuelle, die Bescheidenheit vor Gott; Gott gegenüber ist nur diese Gesinnung ange­
bracht; er wird sie mit Gnade belohnen (4,6). Jak denkt hier, wie der Kontrast zu
»reich« beweist, durchaus an soziale Niedrigkeit. Es gibt »Brüder« von geringerem
gesellschaftlichen Einfluß und Ansehen. Vor Gott stehen sie jedoch anders da; sie
wurden gleichsam geistlich geadelt; in Gottes Augen sind sie »hoch« geachtet. Die
»Höhe« ist bereits Realität coram Deo; der Vorgang der Erhöhung durch Gott ist
schon erfolgt. Dessen dürfen und sollen sie sich rühmen. Das hat auch ekklesiale
Konsequenzen; denn es verleiht ihnen - zumal gegenüber den weltlich Einflußrei­
chen - eine andere Selbsteinschätzung: »Wenn ich bei Gott etwas zähle, darf ich mich
getrost in der Gemeinde neben anderen bewegen«. In der Kirche geschieht soziale
Regruppierung; die üblichen Differenzierungen sind in die Einheit »in Christus« hin­
168 169
ein aufgehoben. Die neue Statuszuweisung gilt auch kontrafaktisch. _ Der »rei­
che Bruder« soll sich seiner xajteivcoöig rühmen, also seiner Herabstufung. Daß er
»vergehen, dahinschwinden« wird (V. 10b. l l d ) , muß damit nicht identisch sein.
Näher legt sich eine Analogie zu V. 9: er erfährt eine Statusveränderung, indem er
Christ wird, und das nicht nur vor Gott, sondern auch im »brüderlichen« Miteinan­
der. Seine ekklesiale Stellung ist nicht mehr durch sein Reich-Sein bestimmt; er kann
die sonst üblichen Privilegien nicht in Anspruch nehmen. Jak denkt in 1,9 f. primär
1 0
in Status-Kategorien ? ; finanzielle Aspekte kommen erst in 2,14 ff. unter anderer
171
Perspektive in den B l i c k . V. 10 macht nur Sinn, wenn es sich um einen reichen
»Bruder« handelt; an ihm geschieht etwas von Gott her, dessen er sich wirklich rüh­
men kann, daß nämlich seine Person von seinem Vermögen gelöst wird und er
1 7 2
schlicht »Bruder« sein kann, ohne Privilegien und Prahlereien (ä la 4 , 1 6 ) . »(In) sei­
ner Erniedrigung« ist am besten als vorzeitiges und gegenwärtig geltendes Geschehen
(nomen actionis) verständlich. Im Sinn des paradoxen Rühmens (s. o.) gilt es, die
173
Veränderung zu akzeptieren, die einen vom unakzeptablen Rühmen (4,16) befreit.
Der Wortstamm JtXovöiog/jrXoiJTOc; erscheint neben 1,10 f. noch 2,5 f. und 5,1 f.,
dort beidemal eindeutig negativ besetzt mit den Konnotationen Gewalt, Unrecht,
Luxus, Überfluß, dazu noch Unweisheit. Hier liegt ein besonderes Problempotential
vor - nicht nur bei den Habenden, sondern wohl auch bei den Möchte-Gern-Rei-
174
chen. Reichtum ist natürlich ein relativer Begriff. Der griech. W o r t s t a m m be-

1 6 7
Touteiv- bei J a k in 1 , 9 . 1 0 ; 4 , 6 . 1 0 . - V g l . H e i n z G i e s e n : E W N T I I I 7 9 8 - 8 0 4 . D i o d S i c 1 1 , 8 7 , 2 : E i n s c h r ä n ­
k u n g der G e l t u n g des V e r m ö g e n d e n .
»68 S . d i e » E i n h e i t s k a t a l o g e « G a l 3 , 2 8 ; I K o r 1 2 , 1 3 ; K o l 3 , 1 1 ; vgl. Rom 1 0 , 1 2 ; I K o r 9 , 1 9 - 2 1 ; G a l 5,6; 6 , 1 5 .
D a h i n t e r s t e h t alte p r o p h e t i s c h e E r w a r t u n g in V e r b i n d u n g m i t d e m n e u e n B u n d u n d d e r G e i s t a u s g i e ß u n g
(Joel 3 , 1 f.; J e r 3 1 , 3 4 ) . V g l . P o p k e s , P a r ä n e s e 1 5 5 f.
1 6 9
V g l . G e r d T h e i ß e n , J e s u s b e w e g u n g als c h a r i s m a t i s c h e W e r t r e v o l u t i o n : N T S 3 5 ( 1 9 8 9 , 3 4 3 - 3 6 0 ) 3 5 5 .
1 7 0
E s ist z u b e a c h t e n , d a ß in V. 9 - 1 0 a z w e i m a l t o u t e i v - e r s c h e i n t , n i c h t » a r m « .
171 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 4 f.
1 7 2
Mit Schnider 36.
1 7 3
Ä h n l i c h B o g g a n 2 4 7 : eine U m k e h r u n g ist eingetreten, der a r m e B r u d e r w u r d e z u m reichen - et vice versa.
1 7 4
F r i e d r i c h H a u c k / W i l h e l m K a s c h : T h W N T V I 3 1 6 ff.; d o r t 3 2 2 a u c h z u d e n bei d e n atl. P r o p h e t e n v o r ­
ausgesetzten Verhältnissen.
96 D i e rechte innere Einstellung

zeichnet eine »Fülle«, und zwar an unterschiedlichen Gütern. ^ 5 I materiellen Sinn m

als wirklich »reich« galt z. Zt. des N T noch nicht einmal jemand mit einem jährlichen
1
Einkommen von 20.000 Sesterzen und dem Eigentum von vier Sklaven. ^ Cato d. A.
soll aus seinem Vermögen von 4 Mill. Sesterzen mehr als 200.000 S. Jahreseinkom­
men bekommen haben. Für Rabbi Tarphon (um 110 n. Chr.) galt als reich, wer 100
Weinberge, 100 Äcker und 100 Sklaven sein eigen nennt. 177 Nun dürfen solche gro­
ßen Zahlenangaben das allgemeine Bild nicht trüben. Die - zumal weisheitliche -
1
Reichtumskritik 78 ist weniger an den Zahlen als an den generellen Gefahren des
Wohlstandes orientiert; Gleiches ist bei Jesus, den Synoptikern und anderswo im N T
1 180
zu beobachten. 79 Gewiß ermöglicht Reichtum Hilfe für a n d e r e ; problematisch ist
jedoch, das Herz daran zu hängen (Mt 6,19-21; M k 4,19 u. a.). Die Verbindung mit
181
xaiteiv- bei Jak verweist speziell auf die Statusfrage; Reichtum bedeutet in der R e g e l
auch Einfluß, Ansehen, Macht. Die bei Jak vorausgesetzten sozio-ökonomischen Ver­
hältnisse implizieren neben Macht (2,6 f.) vor allem Uberfluß (5,2 f.), Grundbesitz
(5,4) und wohl auch Großhandel (4,13 ff). Entscheidend sind für ihn nicht die abso­
luten Dimensionen, sondern der relative Abstand zu anderen Schichten und die en­
dogenen Gefahren für die Betroffenen selbst wie für andere. Wie reich der Jttayuöioc;
in 1,10 f. tatsächlich war, läßt Jak offen. Auch die Metaphorik (blühen, verwelken)
besagt nicht viel. Es genügt, einen gewissen Wohlstand (»mehr als nötig«) anzuneh­
men. Der Reichtum ist aus der Sicht des Jak eine so große Gefahr, daß er ihm hier
eine relativ breite Betrachtung widmet. Demgegenüber erscheint V. 10a fast als ein
Ubergangsgedanke; evtl. erklärt sich daraus auch die etwas undeutliche Formulierung
6 JtXoi3öLog. 10b-ll Die recht lange Ausführung expliziert und begründet V. 10a.
Das Subjekt von V. 10b ist dasselbe wie das in V. 10a; es wird in V 1 l d wiederholt.
V. l l a - c haben mehrere Subjekte: Sonne, Blüte (ävOog, auch bereits in V. 10b,
mittels »wie« neben das Subjekt plaziert) und Wohlgestalt. Die Klammer »so - auch«

1 7 5
D a r u n t e r a u c h W e i s h e i t , G e d a n k e n ( H a u c k / K a s c h , a. a. O . 3 1 7 ) . V g l . w e i t e r H e l m u t M e r k l e i n : E W N T
III 2 7 3 - 2 7 8 .
1 7 6
S t e g e m a n n 7 9 (so J u v e n a l ) . I n N o r d a f r i k a b e z a h l t e m a n allein für E h r e n ä m t e r bis z u 2 0 . 0 0 0 S e s t e r z e n . B e i
P e t r o n i u s 3 7 - 3 8 f i n d e n sich d i e Z a h l e n 8 0 0 . 0 0 0 u n d 1 M i l l i o n als I n d i k a t o r e n v o n R e i c h t u m ; vgl. E r i c h
A u e r b a c h , M i m e s i s . D a r g e s t e l l t e W i r k l i c h k e i t in d e r a b e n d l ä n d i s c h e n L i t e r a t u r , B e r n ( F r a n c k e ) 7. A u f l .
1 9 8 2 , 2 8 ff. W e i t e r e D a t e n bei F i n l e y 1 1 5 ff. (u. a. ü b e r d a s L a n d g u t eines H i p p a r c h o s i . J . 9 2 / 9 3 n. C h r .
i m Wert v o n 1 0 0 Millionen Sesterzen, »also einhundertmal der Mindestbesitz, den m a n brauchte, u m
S e n a t o r sein z u k ö n n e n , u n d u n g e f ä h r f ü n f z i g m a l d a s J a h r e s e i n k o m m e n s e i n e s Z e i t g e n o s s e n P l i n i u s d e s
J ü n g e r e n . . . « ) . D i e Z a h l e n s i n d freilich jeweils a u c h in B e z i e h u n g z u d e n ö r t l i c h e n bzw. r e g i o n a l e n G e ­
g e b e n h e i t e n z u setzen. L t . P l i n i u s d. J . , e p . 1 , 1 9 , m u ß t e ein D e c u r i o m i n d e s t e n s 1 0 0 . 0 0 0 S e s t e r z e n b e s i t ­
zen; d a s galt z u n ä c h s t j e d o c h e i n m a l für s e i n e H e i m a t s t a d t C o m u m ( C o m o ) ; vgl. Peter G a r n s e y / R i c h a r d
Salier, T h e R o m a n E m p i r e , B e r k e l e y (Univ. o f C a l i f o r n i a Pr.) 1 9 8 7 , 1 1 4 . - Z u m K a u f w e r t vgl. T a c . A n n . I
17: 1 D e n a r T a g e s s o l d (als F o r d e r u n g ; K l a g e ü b e r p r ä t o r i a n i s c h e K o h o r t e n , d i e t ä g l i c h 2 e r h i e l t e n ) ; M t
2 0 , 1 ff.: 1 D e n a r als T a g e l ö h n e r - S a t z . Z u r U m r e c h n u n g : 1 D e n a r = 4 S e s t e r z e n . W e i t e r e E i n z e l h e i t e n d a z u
bei K a r l M a t t h i a e / E d i t h S c h ö n e r t - G e i ß , M ü n z e n a u s d e r u r c h r i s t l i c h e n U m w e l t , B e r l i n ( E V A ) 1 9 8 1 , 2 9 f.
3 8 ; C h r i s t o p h e r H o w g e g o , G e l d in d e r A n t i k e n Welt. W a s M ü n z e n ü b e r G e s c h i c h t e v e r r a t e n , D a r m s t a d t
(WBG) 2000.
1 7 7
N ä h e r e s bei S t e g e m a n n 7 9 .
1 7 8
H a u c k / K a s c h : T h W N T V I 3 2 2 f.; z u r g r i e c h . - p h i l o s o p h i s c h e n E t h i k 3 1 8 - 3 2 1 ; z u P h i l o 3 2 4 .
^ M k 1 0 , 2 3 parr.; M t 6 , 2 5 - 3 4 ; 1 3 , 2 2 ; 1 9 , 2 3 f.; L k 6 , 2 3 - 2 5 ; 1 2 , 1 3 - 2 1 ; 1 6 , 1 9 - 3 1 ; l T i m 6 , 1 7 - 1 9 . W e i t e r e s bei
H a u c k / K a s c h 3 2 5 ff; M e r k l e i n : E W N T I I I 2 7 4 - 2 7 7 .
1 8 0
S o z . B . P h i l o J o s 1 4 4 ( H a u c k / K a s c h 3 2 4 , 3 8 f.).
1 8 1
A u c h S k l a v e n k o n n t e n u. U . ü b e r g r o ß e V e r m ö g e n v e r f ü g e n , o b s c h o n als a b h ä n g i g e M e n s c h e n .
l,10a-ll 97

((bg-oütcag: V. 10b. 1 l d ) bezieht den Vergleich beidemal auf den Reichen. Man kann
deshalb nicht »die Sentenz von der Vergänglichkeit auf den Christen (=Bruder) gene-
182
rell« beziehen. Damit kommt freilich eine satzlogische Schwierigkeit auf: Inwie-
fern ist nur der Reiche (bzw. reiche Bruder) vergänglich? Ist es nicht jeder Mensch?
Logischer wäre die Formulierung: der Reichtum vergeht (wie 5,2 f.). Jak formuliert
anscheinend in abkürzender Weise; das wirkt auch auf V. 10a zurück (6 JtXo'uoioc;,
ohne »Bruder«). Jak kann gleichsam nicht schnell genug zu seinem Hauptthema hier
gelangen, nämlich der Problematik des Reichen. Leitendes Motiv dabei ist die Ver-
gänglichkeit, wobei freilich das Tertium des Vergleichs noch genau zu besehen ist.
Inhaltlich entsprechen V. 10b und 1 l d einander, syntaktisch ist V. 10b mit V. 10a
durch ein öxi verknüpft; V. 1 la-c begründen V. 10b. Das öxi in V. 10b kann begrün-
dend oder auch rezitativ gemeint sein; beides ergibt Sinn. Die an das A T anspielende
18
Metaphorik 3 in V. 11 wirkt deutlich bereits auf V. 10b voraus; als ÖTi-recitativum
müßte man mit Gedankenstrich und Anführungszeichen übersetzen, ein »wie ge-
schrieben steht« implizierend. Der Konnex zwischen dem Aufruf zum Rühmen und
der futurischen Vergänglichkeitsaussage würde dann etwas lockerer ausfallen als bei
einer strikt kausalen Interpretation von öxi, die sich deswegen weniger anbietet, als in
der Tat eine biblische Anspielung folgt. Die Wörter oog avOog XOQXOV stehen immer-
184
hin so auch in Jes 40,6. Daß Jak auf Jes 40 Bezug n i m m t , zeigen auch die Wen-
dungen »und versengt das Gras« (bei Jes allerdings im Passiv) sowie xcd xö ävOog
(avxov nicht in Jes) e^EJteoev. In Jes 40,1 ist übrigens auch vom »Erniedrigen« die
lg
R e d e . 5 IPetr 1,24 f. bringt Jes 40,6 f. ebenfalls, und zwar ausdrücklich, wörtlich
186
und vollständig als Z i t a t . In Jes und IPetr dient die Aussage dem Kontrast zwi-
schen der Vergänglichkeit »allen Fleisches« (ähnlich ip 102,15) und Gottes ewigem
Wort; Jak bezieht sie nur auf den Reichen. Seine Wortwahl scheint zudem von
frühchristlicher warnender Paränese mit beeinflußt zu sein. M k 4,6 sagt über das
Schicksal der Saat, die auf Steine fiel: xcd öxe avexedev 6 fjXiog exau^iaxioOri x a i . . .
187 188
8§r]Qdv0ri (V. 17: bei Drangsal und Verfolgung) . Das Motiv der » S c h ö n h e i t des
Angesichts« fügt Jak ebenfalls hinzu (nicht in Jes 40); eine gewisse Berührung besteht
189
darin zu M t 6,29 f. Jak stellt sich also ein verlängertes Schriftwort (das aber nicht als

1 8 2
G e g e n F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 5 ; V. 1 l d sei I n k l u s i o n z u V. 1 0 a . » E r s t 1,1 l d b e z i e h t d e n V e r g l e i c h v e r e n g t
a u f d e n R e i c h e n « , w o b e i d a s » a u c h (der R e i c h e ) « in V. 1 l d sehr b e t o n t s t e h e ( 2 4 9 ) .
183 V g l .v o nG e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 3 0 5 f.
184 V g l . V o u g a 4 7 ; M a r t i n , W B C 2 3 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 8 . Ä h n l i c h e Z ü g e f i n d e n s i c h a u c h in 4 Q 1 8 5
(s. M a i e r II 1 3 3 ) , e i n e m » S a p i e n t i a l W o r k « ü b e r d i e H i n f ä l l i g k e i t d e s M e n s c h e n ; vgl. T. E l g v i n : N T S 4 3
(1997) 604.
1 8 5
J e r u s a l e m s xajtEivcoöig w i r d b e e n d e t ; j e d e r B e r g soll e r n i e d r i g t w e r d e n .
1 8 6
V g l . v o n G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 3 0 8 f., z u m u n t e r s c h i e d l i c h e n B i l d g e b r a u c h bei J a k u n d
IPetr.
1 8 7
L k 8 , 1 3 : ev xaipo) jtEipao|ioi3. D i e D o r n e n w e r d e n interpretiert (V. 1 4 ) als » S o r g e n , R e i c h t u m u n d L ü s t e
des Lebens«.
1 8 8
D a s g u t g r i e c h . W o r t EVJtQEJteia f i n d e t sich i m N T n u r hier. I n d e n A p o s t V ä t e r n n u r H e r r n V 1,3,4 (=
3,4), häufiger das A d j .
1 8 9
» S a l o m o in all s e i n e m G l a n z w a r n i c h t g e k l e i d e t w i e eins v o n d i e s e n . W e n n n u n G o t t d a s G r a s d e s A c k e r s ,
d a s h e u t e d a s t e h t u n d m o r g e n in d e n Ö f e n g e w o r f e n w i r d , s o k l e i d e t . . . « . V g l . P h i l o S p e c L e g I 3 1 1 f. (s.
N e u e r W e t t s t e i n 1 2 5 7 f.): M a n soll s i c h n i c h t d e s R e i c h t u m s (usw.) n o c h d e r k ö r p e r l i c h e n W o h l g e s t a l t
(öO)|iaTog £i)|ioQ(pLa) r ü h m e n ; sie v e r g e h e n s c h n e l l , n i c h t d a g e g e n d a s G u t e . F e r n e r T e s t H i 3 3 : K ö n i g e ver-
g e h e n ; ihre H e r r l i c h k e i t u n d ihr R u h m w e r d e n w i e ein S p i e g e l s e i n .
98 Die rechte innere Einstellung

solches erkennbar gemacht wird) zusammen. Mit M k 4 par. Lk 8 berührt er sich ten­
denziell hinsichtlich der Warnung vor Gefahren; freilich geht dort die Gefahr vom
Reichtum (u. a.) aus, hier ist dieser selbst (genauer: sein Inhaber) gefährdet. - Zweimal
1
(V. 10b. 1 ld) betont Jak, daß der Reiche »vergehen« bzw. »dahinschwinden« 90 wird.
191
Darauf läuft der Vergleich mit der » B l u m e des Grases« hinaus. V. l l a - c legt fast
192
pedantisch im einzelnen dar, wie das geschieht: die aufgehende Sonne bringt H i t z e ,
die das Gras austrocknet, so daß die Blüte abfällt. Als Zusatz wird noch das Zugrunde-
193
Gehen des schönen A n b l i c k s notiert. Der beschriebene Vorgang erzeugt Traurigkeit
beim Betrachter. Der Vergleichspunkt ist das Vergehen, nicht etwa ein »gerechtes
Gericht, verdientes Verderben« oder dgl. Die doppelte Nennung von »Blume« und der
Zusatz »Wohlgestalt des Antlitzes« bringt ein ästhetisches Element ins Bild: es sieht
eine Weile schön aus, aber nichts bleibt. Das könnte als Nebenzug hinsichtlich »Rei­
cher« mitklingen (»prunkvoll, aber nicht von Dauer«).
194
n a o e ^ e ü ö e t a i und ^lapavOrjoexai sind logische Futura. Jak hebt nicht - bzw.
1 9 5
nicht direkt - auf das Sterben der Reichen oder gar ihr Scheitern im Eschaton a b .
Der Skopus des Vergleichs lautet daher nicht: »angesichts des Todes verliert der Reich­
196
tum seine B e d e u t u n g « . Die Aoriste in V. l l a - c sind als gnomische präsentisch
wiederzugeben: so etwas passiert ständig, immer wieder. Diese Erfahrung wird auf das
Schicksal des Reichen angewendet: auch er wird nicht Bestand haben, sondern schnell
vergehen, und zwar »auf seinen Reisen«. Die Angabe bildet eine gewisse Parallele zu V.
8 »auf allen (nicht in V. 1 ld) seinen Wegen«. Evtl. wird auf die Geschäftsreisen in 4,13-
197
17 ( j t O Q e u e o ö a i , eujtooeueöGai) vorausverwiesen ; allerdings werden »die Reichen«
lt. 5,1 ff. nicht entsprechend charakterisiert. Gerade im Plural kann Jtooeia aber auch
198
»Unternehmungen« bzw. »Lebenswandel« bedeuten. Dieses allgemeinere Verständ­
nis deckt das gesamte Treiben des Reichen ab, nicht allein das Unterwegs-Sein. Der
Reiche ist nicht nur gleichsam statisch reich, sondern Reich-Sein ist auch eine
bestimmte Art der Lebensgestaltung und -führung. Doch davon bleibt nichts. Auf das
Reich-Sein kann sich niemand etwas einbilden; vielmehr (wie in V. 10a gesagt) soll der
Reiche sich seiner Relativierung, ja Herabstufung freuen.

1 9 0
»Vergehen« ä h n l i c h a u c h z. B . M t 5 , 1 8 ; M k 1 3 , 3 1 parr. Z u » d a h i n s c h w i n d e n « vgl. B a u e r - A . 9 9 6 (u. a. in
G r a b i n s c h r i f t e n ) . V o n G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 3 0 5 , interpretiert d a s V e r g e h e n e s c h a t o l o g i s c h .
1 9 1
I m N T n u r in der R e z e p t i o n v o n Jes 4 0 , 6 f.: J a k 1,10 f.; IPetr 1,24; a v O o g b e d e u t e t » B l u m e , B l ü t e « ( E W N T
I 2 3 8 ) . K o r r e k t w ä r e allerdings » B l u m e des Feldes« (wie 1 0 2 , 1 5 ) ; »des G r a s e s « ist falsche Ü b e r s e t z u n g in Jes
40,6. Vgl. Laws, C o m m e n t a r y 64.
192 Y g ] L s , C o m m e n t a r y 6 4 , z u V o r s c h l ä g e n , hier sei a u f spezifisch p a l ä s t i n i s c h e Verhältnisse, i n s b e s o n d e r e
a W

a u f d e n heißen W ü s t e n w i n d angespielt. A b e r d a s B i l d ist für d i e m e d i t e r r a n e Welt klar.


1 9 3
Ä h n l i c h e s a u c h bei P l i n Ä N a t H i s t 2 1 , 1 : D i e N a t u r schärft B l u m e n u n d ihren D u f t für d e n T a g z u r g r o ß e n
B e w u n d e r u n g d e r M e n s c h e n ; sie b l ü h e n auffällig, u m schnell z u v e r d o r r e n ( q u a e s p e c t a t i s s i m e floreant celer-
r i m e m a r c e s c e r e ) . - D a s Verb cutöMajui signalisiert V e r d e r b e n .
1 9 4
M a o c d v o u m heißt (Pass.) » a u s g e l ö s c h t w e r d e n , d a h i n s c h w i n d e n , v e r w e l k e n « ( E W N T II 9 4 7 ) . I m N T n u r
hier. V g l . H i 1 5 , 3 0 ; J o s e p h A n t 1 1 , 5 6 : D i e W a h r h e i t gibt u n s nicht m i t d e r Z e i t v e r g e h e n d e S c h ö n h e i t (oi>
x d l X o g XQOVÜ) [xaoaivofAevov) n o c h Ü b e r f l u ß , der v o m Schicksal g e r a u b t wird, s o n d e r n d a s , w a s g e r e c h t
u n d legal ist.
1 9 5
M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 4 ( g e g e n M u ß n e r u. a . ) .
1 9 6
A n sich ein geläufiger T o p o s ; s o H i 1 5 , 2 9 ff.; K o h 5 , 1 3 f.; Sir 1 4 , 1 1 - 1 9 ; L k 1 2 , 2 0 .
1 9 7
S o z. B . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 5 . - I I o Q E i a i m N T n u r n o c h L k 1 3 , 2 2 .
1 9 8
B a u e r - A . 1 3 8 7 . V g l . Prov 2 , 7 ; l C l e m 4 8 , 4 ; H e r r n S 5 , 6 , 6 (= 5 9 , 6 ) . L a w s ; C o m m e n t a r y 6 2 . 6 5 , übersetzt tref­
f e n d »in m i d - c a r e e r « .
1,10-12 99

Ergänzende Notizen zu 1,9-11 (Akzente, Intention)

D i e Verse k ö n n t e n , v o m G e d a n k e n g a n g 1,2-12 her gesehen, a u c h fehlen. J a k b r i n g t sie aber d e s -


halb, weil er seine A d r e s s a t e n a u f d i e G e f a h r e n v o n W o h l s t a n d , Einfluß, Prestige u. d g l . hinweisen
m ö c h t e , wie der weitere B r i e f m e h r f a c h belegt; aber d a s ist nicht alles ( o b w o h l u m f a n g m ä ß i g d a s
m e i s t e ) , w a s J a k hier ausführt. V i e l m e h r setzt er in 1,9-11 zwei verschiedene A k z e n t e . Z u n ä c h s t
fordert er z u m ( p a r a d o x e n ) R ü h m e n auf, u n d zwar a u f g r u n d einer z u m i n d e s t vor G o t t bereits
erfolgten, aber a u c h bereits ekklesial relevanten S t a t u s v e r ä n d e r u n g . W ä h r e n d der N i e d r i g e v o n
G o t t e r h o b e n w u r d e , b e d e u t e t d a s C h r i s t w e r d e n für d e n R e i c h e n eine g r u n d l e g e n d e Relativierung
seines S t a n d e s u n d Einflusses. D e r eine wie der a n d e r e darf, j a soll sich d e s s e n freuen, d a r ü b e r stolz
sein, ist d o c h beides A u s w i r k u n g der G n a d e G o t t e s . V o n einer ironisch-sarkastischen A u f f o r d e r u n g
a n » d e n « (unchristlichen) R e i c h e n , selbst sein s c h l i m m e s E n d e zu r ü h m e n , k a n n keine R e d e sein.
E i n zweiter A k z e n t ist d a n n die Vergänglichkeit des R e i c h t u m s ; freilich b r i n g t J a k nicht d a s
A b s t r a k t u m , s o n d e r n h ä n g t d i e D a r l e g u n g e n , d i e er der biblischen T r a d i t i o n e n t n i m m t , u n m i t t e l -
bar an d i e Person des jtXoijöioc; a n . D a f ü r g a b der Text v o n J e s 4 0 insofern zusätzlichen A n h a l t , als
es d o r t u m »alles Fleisch« geht, also u m Personen. F ü r J a k gilt es, ein T r u g b i l d zu desillusionieren.
R e i c h - S e i n ist v e r l o c k e n d ; es sieht zwar s c h ö n a u s , unterliegt j e d o c h d e m Vergehen. D i e s e s V e r g e -
h e n erfolgt g e r a d e z u zwangsläufig naturhaft, wie d a s biblische B i l d zeigt. D a s M o t i v des G e r i c h t s
sollte m a n d a m i t nicht v e r m i s c h e n . - D i e logischen P r o b l e m e der A u s f u h r u n g e n in V. 9 - 1 1 (s. o.
V o r b e m e r k u n g ) erklären sich a m ehesten aus der K o m b i n a t i o n dieser b e i d e n A k z e n t e , d i e J a k der
T r a d i t i o n e n t n i m m t : p a r a d o x e s R ü h m e n u n d Vergänglichkeit des R e i c h t u m s . D i e S p i t z e legt J a k
a u f d a s vergängliche Schicksal des Reichen; d e s w e g e n personalisiert er etwas eigenwillig u n d nicht
g a n z l o g i s c h d a s , w a s eigentlich für d a s A b s t r a k t u m bzw. für alle M e n s c h e n (wie in J e s 4 0 gesagt)
gilt. - E r s t m a l s greift J a k hier in d a s soziale G e f ü g e der G e m e i n d e ein, u n d zwar b e m e r k e n s w e r -
terweise z u n ä c h s t e i n m a l positiv (vgl. a u c h V. 2 ) . E s besteht G r u n d z u m x a u x ^ a Ö a i , weil G o t t S t a -
t u s v e r ä n d e r u n g e n v o r n i m m t , die einen positiven Effekt h a b e n ; u n d d a s nicht nur für d e n N i e d r i -
g e n , s o n d e r n a u c h für d e n R e i c h e n d e m sich für sein Verhalten speziell in der G e m e i n d e eine g a n z
n e u e Basis bietet. M i t d e m positiven A s p e k t verknüpft J a k freilich gleich d e n negativen H i n w e i s
a u f d i e Flüchtigkeit dessen, w a s das L e b e n eines R e i c h e n üblicherweise a u s m a c h t . A n s c h e i n e n d
g i b t es unter d e n A d r e s s a t e n zu viele, die m i t W o h l s t a n d u n d Einfluß liebäugeln, u n d a u c h einige,
d i e wirtschaftlich g u t dastehen; d i e einen wie die anderen werden d a b e i » F r e u n d e der Welt«, nicht
»Freunde Gottes« ( 4 , 4 ) .

12 Der Vers ist syntaktisch mehrfach gestaffelt. D e m kurzen, prädikatlosen Haupt-


satz folgt ein Relativsatz im Präsens, der durch einen Nebensatz im Futur (Xri^exai)
begründet (öxi) wird, der wiederum einen Relativsatz zum Objekt (Kranz) im Aorist
nach sich zieht. Der öxi-Satz enthält zudem ein Part, im Aor. (Y£v6(ievog), der zwei-
te Relativsatz eins im Präsens (ayajtooöiv). Überwiegend ist von der Aktivität des
Menschen (im Sg.) die Rede: er hält aus, ist ein Bewährter geworden, wird empfan-
gen, er liebt (nur der Schluß wechselt in den Plur.). Von Gott ist direkt gar nicht die
Rede; allerdings kann das Subjekt von »er verhieß« ebenso wie cu&xöv nur ihn meinen;
ebenso ist analog zu V. 7 bei ^ruiijjexai ein »vom Herrn« zu ergänzen. Inhaltlich
besteht eine gewisse Spannung zwischen den Bedingungen der Seligpreisung: einer-
seits Aushalten und Bewährung, andererseits »ihn lieben«. Die Schlußnotiz wirkt
1 2 0 0
angehängt und formelhaft (auch wegen des P l u r . " ) . Kontextuell greift Jak auf die
Stichwörter in V. 2-4 zurück: Aushalten, Anfechtung, Bewährung; aus V. 7 tritt »er

!99 Plur. erst w i e d e r 1 , 2 0 . 2 3 ; 2 , 2 ; 3 , 2 .


2 0 0
B o i s m a r d 1 6 7 : V. 1 2 h a t e i n e e i g e n e V o r g e s c h i c h t e .
100 D i e rechte innere Einstellung

wird empfangen« hinzu, aus V. 8 »Mann«. Vom Kranz redet Jak nur hier, vom Leben
nur noch 4,14 f., von ^laxao- 1,25; 5,11. Damit erweist sich 1,12 als überwiegend
rückwärtsgewandt; der Vers schließt den Gedankengang von 1,2 ff. ab. Nach vorne
201
deuten nur »selig«, »verheißen« und »die ihn lieben« wegen der analogen Formu­
lierungen in 1,25 und 2,5. - Formgeschichtlich betrachtet, bringt Jak nur hier einen
Makarismus, denn die Verwendung des Terminus in 1,25 und 5,11 erfolgt satz­
intern. Der Wortstamm |j,axao- ist im Griechischen geläufig, ja z. T. ein »abgeblaß­
tes Alltagswort« mit der Bedeutung glücklich, begünstigt, privilegiert (auch gesell­
202
schaftlich), s e l i g . Synonyme sind etjöai^iov und öXßiog, die beide im N T feh­
203 204
l e n . Überwiegend gilt die Bezeichnung Personen, im AT i m m e r , wo sie npx und
20 206
andere Wörter wiedergibt ^, zumeist in den Psalmen und bei S i r . Auch die Form
des Makarismus (»glücklich, der ...«) findet sich im Griechischen, mit der Neigung
20
zur G n o m e ? . Er kann sowohl im Kontrast als auch in der Entsprechung zur Wirk­
208
lichkeit g e l t e n . Die »griechische Lebensphilosophie« hat ihr Pendant in der
»Lebensweisheit des AT«, wo der Makarismus für die Weisheitsschriften eigentüm­
20 2 1 0
lich i s t ? : i|> 1,1; 31,1 f.; 33,9 u. ö.; Prov 3,13; 8,34; Sir 14,1.2.20 u. ö . Gepriesen
wird hier vor allem eine dem göttlichen Willen gemäße, fromme Lebensgestaltung.
Der Makarismus ist darin Ausdruck des Tun-Ergehen-Zusammenhanges. Der
»Zuspruch wird durch den Hinweis auf das Leiden des Frommen paradox ver­
211
stärkt.« Auf diesem Hintergrund sind die sog. eschatologisch-apokalyptischen
Makarismen zu verstehen, die auf eine transzendente Herrlichkeit verweisen (PsSal
17,44; äthHen 58,2; 81,4; syrBar 10,6 f. u. ä.; vgl. 4Makk 17,18). Im Blickpunkt
212
steht dabei vor allem der E i n z e l n e . Speziell die hellenistisch-jüd. Literatur führt
213
den Tun-Ergehen-Zusammenhang »über die Todesgrenze hinaus« f o r t : s. Weish
4,2; 5,15 f. u. a.; Sir 15,6; 4 8 , 1 1 . Die Frage des Glücklich-Seins, die von der griechi­
schen Philosophie auch auf die jüdische Weisheit Einfluß gewinnt, kann also unter­
schiedlich beantwortet werden.
Jak 1,12 folgt zunächst der aus dem AT geläufigen Formulierung »glücklich ist der
214
Mann, der ...« (Ps 1,1; 32,2; Jes 56,2; Prov 8,34 u. a.) die im N T sonst zurücktritt.

2 0 1 w
D a s Verb E J t a Y Y E ^ n u r in d e n f o r m e l h a f t e n W e n d u n g e n 1 , 1 2 u n d 2 , 5 ; d a s S u b s t a n t i v fehlt. B u r c h a r d ,
H N T : E s b l e i b t offen, w a n n u n d w i e G o t t d e n K r a n z d e s L e b e n s v e r h i e ß .
2 0 2
S o a u c h z. T. i m N T ; d a s zeigt sich a u c h i m G e b r a u c h d e s K o m p a r a t i v s ( » b e s s e r d r a n « ) , e t w a I K o r 7 , 4 0 .
Friedrich H a u c k : T h W N T I V 3 6 5 ; deshalb wird das W o r t von den Dichtern sogar gemieden. Vgl. G e o r g
Strecker: E W N T II 9 2 6 . A l s t e r m t e c h e r s t m a l s bei A r i s t o t R h e t I 1 3 6 7 b , 3 3 ( H a u c k 3 6 6 , 1 7 f.).
2
° 3 H a u c k 3 6 5 f.: P l a t o R e p I 3 5 4 a ; A r i s t o t E t h N i c 1 1 0 1 a .
2 0 4
G e o r g B e r t r a m : T h W N T I V 367,44 f. I m A T n i e für G o t t , a n d e r s als bei d e n G r i e c h e n ( 3 6 8 , 5 f.) u n d bei
Philo ( 3 6 9 , 2 0 ) .
2
»5 B e r t r a m 3 6 7 , 1 0 ff.
2 0 6
E i n e g e w i s s e H ä u f i g k e i t a u c h in Prov, J e s , T o b , 4 M a k k .
2
07 H a u c k , T h W N T I V 3 6 6 , 1 9 ff; vgl. S t r e c k e r : E W N T II 9 2 7 .
2 0 8
H a u c k 3 6 6 , 2 7 ff: in G r a b s p r ü c h e n w i e in S i e g e s s p r ü c h e n .
2 0 9
S . H a u c k 3 6 6 , 3 2 u n d B e r t r a m 3 6 7 , 3 5 ff Sir 2 5 , 7 - 1 0 h a t e i n e g a n z e S a m m l u n g v o n M a k a r i s m e n .
2 1 0
S e l t e n in Q u m r a n ; vgl. 4 Q 1 8 5 II 8 . 1 3 .
2
" Strecker: E W N T II 9 2 7 ; s. H i 5 , 1 7 ; D a n 1 2 , 1 2 ; T o b 1 3 , 1 6 ; 4 M a k k 7 , 2 2 u. a.
2 2
1 Frankemölle, Ö T K 262.
2 1 3
Frankemölle, Ö T K 2 6 4 (mit Literatur).
2 4
1 H a u c k : T h W N T I V 3 7 0 : a u ß e r M t 1 1 , 6 par.; L k 1 4 , 1 5 .
1,12 101

Jak 1,12 ist nicht an einer Umkehrung der Verhältnisse (wie Lk 6,20-23 u. a.) orien­
tiert, sondern an der Kontinuität, die zur Belohnung führt. Das Interesse haftet spe­
21
ziell an der Standhaftigkeit, nicht am Fortschritt. 5
'Yjtouiveiv bei jreiQaouov bedeutet hier: aushalten, nicht wanken, die Stellung
halten, Kurs bewahren, Treue bewahren; also mehr als nur ein passives Erdulden, ein
»über-sich-ergehen-lassen«. Wie bereits in V. 2 sagt Jak nichts Näheres über die Art
der Anfechtung. Die generelle Formulierung läßt die inhaltliche Füllung offen; alles
216
Belastende und Gefährliche kann gemeint s e i n . Die Wendung ööxuioc; yevojievog
unterstreicht das »Aushalten«. Jak nimmt dabei das in V. 3 modifizierte Bewährungs­
motiv wieder auf, jetzt näher an der Tradition (Rom 5,4) befindlich: die Bewährung
ist Produkt des Aushaltens. Wie in V. 4 ist Jak jedoch primär an der Person orientiert;
für den Lebenskranz ist qualifiziert, wer (nach der geläufigen Metapher) wie Gold im
Feuer bestanden hat. Beide Termini, Aushalten und Bewährung, signalisieren Stärke
in einer Auseinandersetzung. Nahe verwandt im N T sind die Uberwindersprüche,
besonders in Offb 2-3 (2,7 usw.), auch in R o m 8,37; IJoh 2,13 f.; 4,4; 5,4 f., mit
ähnlichen Verheißungen, darunter auch die »Krone des Lebens« (nur noch Apk 2,
1 0 2 1 7 ) . Vom »Beharren bis ans Ende« mit Zusage der Rettung reden auch M k 13,13
218
parr.; M t 1 0 , 2 2 . Die »Kombination der Motive Glücklichpreisung, Standhaftig­
keit in Anfechtungen, Verleihung des Lebenskranzes und Gottesliebe« ist so weder im
219
AT noch N T noch anderswo b e l e g b a r , obschon die Wendungen im einzelnen eine
breitere oder engere Tradition aufweisen. Die meisten Berührungen bestehen zu Sir
1-2, nämlich »Lohn für Beständige« (2,6 f f ) , »Kranz des Jubels« (1,11) und »die den
2 2 0
Herrn lieben« (2,15 f . ) . Jak ist somit stark der Sir-Tradition verhaftet; er scheint in
V. 12 unter Rekurs auf diese Tradition den Abschnitt 1,2-12 abrunden zu wollen. Als
ganzer ist V. 12 relativ generell und konventionell gehalten. »Kranz des Lebens«
erscheint zwar sonst nur Apk 2,10; aber das Motiv ist verbreitet. Das Bild der Kranz­
21
verleihung stammt aus dem W e t t k a m p P , das auch übertragen und spirituell ver­
222
wendet wurde (vgl. z. B. Ps 21,4; 1 Kor 9,25), nicht zuletzt in der Weisheitsliteratur
(Prov 4,9; 14,24; Sir 1,11.18), auch auf das Eschaton bezogen (Weish 4,2; 5,16; Sir
15,6; 4Makk 17,15; 2Tim 4,7 f.; IPetr 5,4; Apk 3,11; vgl. Herrn S 8,2,1=68,1). Der
22
Genitiv »(Kranz) des Lebens« ist wahrscheinlich epexegetisch (»d. h. das L e b e n « ) 3 ,

2 1
5 A n d e r s in Sir 3 4 , s. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 6 8 .
2 1 6
D i e S t a n d h a f t i g k e i t d e s F r o m m e n ist i m J u d e n t u m ein g ä n g i g e s M o t i v : L u d w i g 1 5 0 . - M a n c h e d e n k e n a n
V e r f o l g u n g usw. (vgl. J o h n s o n , A n c B 1 8 8 ) . L a w s , C o m m e n t a r y 6 7 , e r w ä g t e i n e n Z u s a m m e n h a n g m i t
» A r m u t « (V. 9 ) . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 5 f., verweist a u f W e i s h 3 , 5 f. u n d I P e t r 3 , 1 4 .
2 1 7
D o r t m a r t y r o l o g i s c h g e p r ä g t (»Sei g e t r e u bis in d e n T o d « ) . V g l . L u d w i g 1 5 0 .
2 1
8 V g l . ferner W e i s h 3 , 5 ff.; 4 M a k k 7 , 2 2 ; I P e t r 3 , 1 4 ; H e r r n V 2 , 2 , 7 (= 6 , 7 ) .
2
*9 L u d w i g 1 5 0 .
220 V g l v o n L i p 418. I n Sir 2 , 6 e r s c h e i n t a u c h » P r ü f u n g w i e G o l d i m F e u e r « (vgl. o. z u V. 2 - 4 ) . V g l . C a l d u c h -
S

Benages 1 3 5 - 1 5 1 : G o t t u n d die Weisheit unterziehen den J ü n g e r der Prüfungen, u n d zwar aus Liebe; das
Z i e l b e s t e h t in R e i n i g u n g u n d S t ä r k u n g .
2 2 1
E s ü b e r t r u g sich a u c h a u f d i e E h r u n g i m D i e n s t für d i e Ö f f e n t l i c h k e i t : P l a t o L e g 9 4 3 c ; vgl. H e b r 2 , 7 - 9
( J o h n s o n , A n c B 1 8 8 ) . F e r n e r a l l g e m e i n a u f d i e S y m b o l i k für F r e u d e , S i e g u n d H e r r s c h a f t ( V o u g a 5 0 ) .
2 2 2
W. G r u n d m a n n : T h W N T V I I 6 2 5 f.
223 V g l . B u r c h a r d , H N T z. S t . : D i e m e i s t e n lesen » K r a n z « als M e t a p h e r ; d a n n ist d e r G e n . e p e x e g e t i s c h . » J a k
n i m m t a b e r w o h l d i e T r a d i t i o n auf, d a ß d e n b e w ä h r t e n F r o m m e n ... n a c h T o d o d e r W e l t e n d e ein K r a n z ...
w i n k t « ( T e s t B e n j 4 , 1 u. a . ) .
102 D i e rechte innere Einstellung

evtl. auch Genitiv des Inhalts, kaum einer der Qualität. Das »Leben« wiederum ist
224
Signum biblischer Heilserwartung. Jak selbst behandelt es jedoch nicht weiter tief-
225
g e h e n d ; die Notiz in V. 12 ist also eher ein traditioneller Merkposten. In Anbe-
tracht der auch sonst von Jak vertretenen Eschatologie wird die Formulierung »er
wird empfangen« futurisch-eschatologisch (nicht: logisch) zu verstehen sein. Der
226
Bewährte wird von Gott wie einen Kranz das ewige Leben erhalten. Das ist eine
der wenigen soteriologischen Aussagen bei Jak; sachlich entspricht sie 1,18.21 und
teilweise 1,4. - Die (pluralische!) Wendung »die ihn lieben« kommt zusammen mit
»die er verheißen hat« ebenso in 2,5 vor, auch dort am Schluß der Aussage. Jak ent-
faltet auch dieses Element anderswo nicht weiter. Die Wendung ist traditionell und
227
formelhaft. Eine Motiwerbindung mit »Kranz« existiert nicht nur in Sir 1-2 (s.
o.), sondern auch 2Tim 4,8. »Liebe zu Gott« gehört zum Urgestein des atl.-jüdischen
22
Glaubens von Dtn 6,4 und vom Dekalog (Ex 20,5 f.; Dtn 5,9 f.) her. « Im N T
erscheint die Wendung xotg aycxJtCDöiv auxov noch R o m 8,28; IKor 2,9; vgl. der
Sache nach IKor 8,4; Eph 6,24; 2 T i m 4,8; l j o h 4,20; 5,1 f.; dazu l C l e m 29,1 u. a.
In der atl. und jüd. Tradition wird damit parallelisiert »die ihn fürchten« (wie Sir
229
2,15 f.) oder »und seine Gebote halten« (oder ähnlich ): Dtn 7,9; 10,12; 11,1. 13.
22 u. a. 118,47 ff; Neh 1,5; Dan 9,4 u. a.; 1 Q H 16,13; D a m 19,2; Jub 20,7; Test-
Benj 3,1; PsSal 14,1 u.a. Im N T enthält demgegenüber nur l j o h 5,2 die Kombina-
tion »lieben und Gebote halten«. Von speziellem traditionsgeschichtlichen Interesse
ist IKor 2,9c (»was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben«), weil es sich um ein
23
nicht-nachgewiesenes Schriftwort handelt. *) Die Verbreitung im N T ist also spora-
disch und formelhaft. Die beiden jak Stellen (1,12; 2,5) belegen das; in beiden Fällen
wäre die Aussage auch ohne die Wendung (»das er verhieß denen, die ihn lieben«)
verständlich. Jak scheint sie in der vorliegenden Form (mit £Kr\yyeikaTo) eher der ntl.
Tradition entnommen zu haben als der LXX; denn dort steht »verheißen« (anders als
2
im N T ) selten 3i, auch nicht in Sir, wo »Gott lieben« auch in nicht-formelhafter
2 3 2
Weise erscheint (2,15 f . ) . Die »Verheißung des Lebens« findet sich im N T noch
2
l T i m 4,8; 2 T i m 1,1; Tit 1,2. 33 Damit relativiert sich auch das bereits angezeigte
Problem der doppelten Begründung für »selig denn er wird empfangen«: Durch-
halten und Bewährung oder Liebe zu Gott? Der Akzent fällt auf den ersten Faktor;
der zweite sieht eher wie eine liturgische Abrundung aus. D a Jak sie allerdings in 2,5

2 2 4
V g l . G . B e r t r a m : T h W N T II 8 5 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 6 2 ; n e b e n a n d e r e n M e t a p h e r n w i e W e g , B a u m ,
Quelle des Lebens.
2 2 5
I n 4 , 1 4 f. w i r d » L e b e n « p r i m ä r i m S i n n v o n b l o ß e r E x i s t e n z b e t r a c h t e t .
2 2 6
I n d e r p a g a n e n V e r w e n d u n g v o n » K r a n z « fehlt dieser A s p e k t ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 6 3 ) .
2 2 7
M a t e r i a l bei L u d w i g 1 4 4 - 1 5 0 .
2 2
8Vgl. Ernst Jenni: T h H A T I 70-72.
2 2 9
S . L u d w i g 1 4 4 - 1 5 0 . - D i e W e n d u n g e n s i n d A u s d r u c k d e r » c o v e n a n t a l r e l a t i o n s h i p « z w i s c h e n G o t t u n d sei-
nem Volk (Johnson, A n c B 189).
2
30 V g l . K o c h 3 6 - 4 1 . E r v e r g l e i c h t L A B 2 6 , 1 3 ; l C l e m 3 4 , 8 ; 2 C l e m 1 1 , 7 ; 1 4 , 5 ; M a r t P o l 2 , 3 u. a.; E v T h o m 1 7 .
N i c h t in allen B e l e g e n st e ht » d i e i h n l i e b e n « ( 3 8 A n m . 2 1 ) . E i n g e w i s s e r E i n f l u ß b e s t e h t w o h l v o n J e s 6 4 , 3 .
2 3 1
L e d i g l i c h i|> 5 5 , 9 ; 2 M a k k 2 , 1 8 ( J o h n s o n , A n c B 1 8 8 ) . U n s i c h e r ist d i e B e z e u g u n g d e r W e n d u n g in J o s A s
1 5 , 7 ; H s B e n t h ä l t sie; a n d e r s d a g e g e n d e r T e x t bei C h r . B u r c h a r d , J S H R Z I I / 4 , 6 7 6 f.
2 3 2
D a s relativiert F r a n k e m ö l l e s A b l e i t u n g ( Ö T K 2 6 7 ) .
2 3 3
D i e beiden Präskripte verwenden wiederum formelhafte Sprache.
1,12-13 103
wiederholt, hat sie dennoch eine theologisch richtungweisende Funktion, nämlich
die generelle Theozentrik zu unterstützen. Die Ausrichtung auf Gott - statt auf die
Welt (4,4) - ist von grundlegender Wichtigkeit für ein gelingendes Dasein und das
Erreichen des von Gott verheißenen Zieles. 13 Jak will eine bestimmte Interpreta­
tion der Anfechtungserfahrung absolut (»niemand, keinen«) ausgeschlossen sehen; sie
wird in der Form einer Zitation (erstmals wörtliche Rede bei Jak; später noch in
2,3.16.18; 4,13; vgl. 4,15) gebracht. Die richtigstellende Begründung der Abweisung
folgt zunächst in V. 13b in bezug auf Gott, während V. 14 f. die Gegenthese enthal­
ten. Zur Debatte steht die Herkunft der Versuchung - und damit des Bösen (V. 13b)
2 3 4
und des Todes (V. 1 5 b ) . Die Debatte erfolgt im Hinblick auf das Verständnis Got­
tes (V. 13) und dann auch des Menschen (V. 14 f.). Durchgehendes Stichwort in V.
13-14 ist Jteioä^eiv, einschließlich des vor Jak nicht nachgewiesenen Adjektivs cutei-
2
oaoTog 35.
Die Aufnahme der Jteioa-Linie von V. 2.12 erfolgt unter deutlicher semantischer
Veränderung. Waren vorher begrüßenswerte Anfechtungen im Sinn von Erprobun­
gen gemeint, so stellt bereits V. 13 durch den Kontrast zu Gottes Tun die negative Sei­
te heraus, die durch V. 14 f. vollends ausgeführt wird: Versuchung als Verleitung zum
Bösen. Kontextuell ergibt sich dadurch das Problem der semantischen Inkonsis-
2
tenz. 36 Man kann argumentieren, Jak spiele mit der Mehrschichtigkeit des Termi­
2 3 7
nus. Dennoch bleibt die Frage nach der Eindeutigkeit seiner Begriffsbestimmun­
gen, und das nicht nur hier. Jak scheint hier an einer konkordanten Wortverwendung
freilich gar nicht primär interessiert zu sein; ihn bewegt die Sachfrage, ob jemand
2
durch 38 Gott »in Probleme« gebracht wird. Er verneint das entschieden und nimmt
damit im atl.-jüd. und frühchristlichen Spektrum eine radikale Position ein. In Gen
22,1; Ex 16,4; 20,20; Dtn 8,2; 13,4; Ri 2,22; Sir 44,20; I M a k k 2,52 heißt es durch­
aus, daß Gott Menschen (Abraham u. a.) der Anfechtung aussetzt, wie immer das des
2 9
näheren gemeint ist. ^ Ja, Stellen wie A m 3,6 oder 2Sam 24,1 ff. (Davids Volkszäh­
lung) nennen Gott sogar als Verursacher des Bösen. Die Tendenz im Judentum ver­
lief jedoch in die entgegengesetzte Richtung, d. h. hin zur Entlastung Gottes; dabei
gab es freilich verschiedene Modifikationen. Nach Weish 3,5 »erprobt« Gott nur für
kurze Zeit. Das verbindet sich mit dem Erziehungsgedanken (vgl. Prov 3,11; Ps
118,18; Hi 5,17 f; Hos 5,2; 7,12 ff.; Sir 2,1; Jub 19,8 f.), der Strafen und Härte für
nützlich hält. Auf der anderen Seite werden feindlichen Instanzen die Belastungen
240 241
zugewiesen (Satan oder a n d e r e n ) . Auch im N T spiegelt sich die Problematik.

2 3 4
D e r W o r t s t a m m x a x - n o c h in 1 , 2 1 ; 3 , 8 ; 4 , 3 ; 5 , 1 0 . 1 3 ; O d v a x o g n u r 1,15 u n d 5 , 2 0 , » t o d b r i n g e n d « 3 , 8 .
2 3 5
K l a s s i s c h h e i ß t es d i t e i o a x o c ; : B a u e r - A . 1 6 6 . J o s e p h u s v e r w e n d e t b e i d e s : B e l l 3 , 6 3 ; 5 , 3 6 4 ; 7 , 2 6 2 .
2 3 6
A n d e r s B u r c h a r d , H N T : E i n » P e r s p e k t i v w e c h s e l « tritt ein; » s e m a n t i s c h ä n d e r t s i c h in V. 13 n o c h n i c h t s « .
I s a a c s u n t e r s c h e i d e t z w i s c h e n P r ü f u n g e n , E r p r o b u n g e n (trials) in 1 , 2 - 1 2 u n d V e r s u c h u n g e n ( t e m p t a t i o n s )
in l , 1 3 - 1 9 a .
2 3 7
S o z. B . L a w s , C o m m e n t a r y 6 9 f.; K o n r a d t , E x i s t e n z 1 2 0 . E i n e a n d e r e M ö g l i c h k e i t w ä r e z u s a g e n , in V.
2 . 1 2 g e h e es u m d i e ä u ß e r e S i t u a t i o n , in V. 1 3 - 1 5 u m d a s A n g e f o c h t e n w e r d e n v o n i n n e n ( K o n r a d t ,
Existenz 116).
2 3 8
Ä J t ö s t a t t vno a u c h in 5,4 (s. d o r t ) . D i f f e r e n z i e r e n d : Schlatter, B r i e f 1 2 8 ; a n d e r s D a v i d s , C o m m e n t a r y 8 2 .
2 3 9
V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 1 0 4 f.
2 4 0
H i 1-2; I C h r 2 1 ( S a t a n ) g e g e n ü b e r l S a m 2 4 ( D a v i d ) ; J u b 1 7 , 1 6 ff. ( M a s t e m a ) g e g e n ü b e r G e n 2 2 ( A b r a ­
ham).
2 4 1
V g l . P o p k e s : E W N T I I I 1 5 1 - 1 5 8 ; A d r e s s a t e n 1 2 9 ff.
104 D i e rechte innere Einstellung

Der Teufel versucht Jesus (Mk 1 parr.) und die Christen (lThess 3,5; IKor 7,5). Man
betet, Gott möge nicht in Versuchung fuhren, sondern von dem Bösen erlösen (Mt
2 4 2
6,13). Der Christ wird getröstet, Gott werde nicht über Gebühr belasten, sondern
retten ( IKor 10,13; 2Petr 2,9; Apk 2,10; 3,10). Die Quelle der Versuchung liege im
Menschen, in der Schwachheit des Fleisches (Mk 14,38) und in menschlichen
Gelüsten ( I K o r 10,6 ff.; l T i m 6,9) - wie auch Jak 1,14 f. sogleich darlegen wird. -
Die Möglichkeit, daß jemand Behauptungen wie die in V. 13 zurückgewiesenen auf­
stellte, kann verschiedene Ursachen haben; man sollte die Aussagen nicht nur als Aus­
24
flüchte bezeichnen. 3 Immerhin konnte man biblische Belege (s. o.) anführen. O b
manche Kreise darüber hinaus sogar ein negatives Gottesbild aus Passagen des A T
244
entwickelten und sich davon distanzierten , kann man allenfalls fragen. Auf jeden
Fall ist Jak hier wie auch 1,16 f. bemüht, jederlei Schatten von Gott fernzuhalten.
Gott steht weder passiv (V. 13ba) noch aktiv (V. 13bß) mit einer Verleitung zum
Bösen in Beziehung. Jak befindet sich bei dieser Auffassung in alter und breiter Tra­
dition, wobei es nicht entscheidend ist, ob er hier tatsächlich auf Sir 15,11-20 rekur-
24
riert ^, wonach Gott nicht gegen sein Wesen handele, für seine Pläne Sünder nicht
nötig habe und weder Sünde befohlen noch Unrecht gestattet habe. Im Judentum
2 4 6 24
äußern sich ähnlich etwa ätHen 9 8 , 4 und mehrfach Philo ?: von Gott kommt
nur Gutes, nichts Böses. Auch die griech. Philosophie kennt die Thematik. Plato
(Rep II 379-381) verwirft die Ansicht der Dichter (Homer, Aischylos), »daß Gott
2 4 8
irgend jemandem Ursache des Bösen geworden ist, da er doch gut ist« ( 3 8 0 b ) .
Die besondere Spitze liegt bei Jak in der Verbindung mit »versuchen«. Daß Gott
ajteioaoTog xaxcov sei, ist am besten mit »unversuchbar zu bösen Dingen« wieder­
249 2
z u g e b e n . Gott kann nicht Objekt von Versuchung sein 50, l bösem Handeln a s o z u

verleitet werden, wie er auch seinerseits (betontes ouxoc;) niemanden zum Bösen ver­
führt. Die Aussage V. 13 macht insgesamt nur Sinn, wenn Jteiod^eiv in malo sensu
verstanden wird, wozu bereits xaxcov nötigt, mehr aber noch V. 14 f.: das Ergebnis ist
Sünde und Tod. Die Entlastung Gottes wird positiv bald folgen (V. 17). Zunächst ist
für Jak via negationis (s. das a-privativum von ajteioaoTog) Klarheit geschaffen wor-

2 4 2
Z u b e a c h t e n ist d a b e i d i e G e b e t s s p r a c h e (wie a u c h in M k 1 4 , 3 8 p a r r . ) .
2 4 3
G e g e n S c h r ä g e , J a k o b u s b r i e f z. S t . H a n d e l t es s i c h u m fingierte o d e r w i r k l i c h e G e g n e r ? V g l . F r a n k e m ö l l e ,
Ö T K 284.
2 4 4
V g l . S c h l a t t e r , B r i e f 1 2 7 : » W a n n e n t s t a n d d e r erste M a r k i o n i t ? E s w ä r e M a r k i o n n i c h t m ö g l i c h g e w e s e n ,
e i n e K i r c h e z u s a m m e l n , w e n n sein K a m p f g e g e n d e n S c h ö p f e r n i c h t vielen d a s g e s a g t h ä t t e , w a s a u c h sie
dachten«.
2 4 5
V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 9 ; F r a n k e m ö l l e , T h e m a 3 3 ff.; S i m o e n s . A n d e r s e t w a K o n r a d t , E x i s t e n z 1 1 6
A n m . 1 0 4 : B e i S i r fehle d i e t h e o l o g i s c h e K o m p o n e n t e ; er s p r e c h e v o m M e n s c h e n a l l g e m e i n , J a k v o m
C h r i s t e n ; S i r h a b e d e n freien W i l l e n d e s M e n s c h e n v o r A u g e n , J a k d i e B e g i e r d e . V g l . B u r c h a r d , H N T 7 2 .
2 4 6
D i e S ü n d e w u r d e n i c h t a u f E r d e n g e s c h i c k t , s o n d e r n M e n s c h e n s c h u f e n sie a u s s i c h selbst.
2 4
7 S p e c L e g II 1 1 . 5 3 ; C o n f L i n g 1 6 1 . 1 8 0 ; L e g A l l II 7 8 u. a.; s. N e u e r W e t t s t e i n 1 2 5 8 ff.; M o n t e s - P e r a l 1 0 2 f.
2 4 8
T e x t e bei N e u e r W e t t s t e i n 1 2 6 0 - 1 2 6 2 . H ö c h s t e n s sei G o t t d e r U r h e b e r h e i l s a m e r S t r a f e n .
2 4 9
A h n l i c h H . R . B a l z : E W N T I 2 8 6 f. K o n t e x t u e l l w e n i g s i n n v o l l w ä r e » u n e r f a h r e n in b ö s e n D i n g e n « (vgl.
D i b e l i u s , K E K 1 2 3 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 7 A n m . 5 ) . S p i t t a 3 3 f. h ä l t d e n T e x t für u n v e r s t ä n d l i c h .
2 5 0
D a s ist e i n e A b w e i c h u n g v o n einer a n d e r e n L i n i e , w i e sie I K o r 1 0 , 9 s i c h t b a r w i r d : d i e W ü s t e n g e n e r a t i o n
»provozierte« ( e j t e i g a o a v , neben exjteipd^ü)) G o t t . D a r a u f wie a u f D t n 6 , 1 6 bezieht sich D a v i d s , M e a -
n i n g (vgl. C o m m e n t a r y 8 2 f.) m i t d e m R e s u l t a t : G o t t sollte n i c h t d u r c h b ö s e M e n s c h e n a u f d i e P r o b e
gestellt w e r d e n . A b e r S e m a n t i k w i e S a t z l o g i k s p r e c h e n d a g e g e n .
1,13-15 105
den; das Gottesbild ist fleckenlos. Jak stellt diese Aussage apodiktisch hin; es fehlt jede
Erörterung - speziell im Hinblick auf die biblische und christliche Vorgeschichte. Jak
ist insofern kein Schriftausleger. Die Wahrheit der Aussage hält er offenbar für in sich
2
evident. Theologisch vertritt er dabei einen dualistischen A n s a t z ^ : Gutes und Böses
sind säuberlich zu trennen. Das Böse stammt nicht von Gott, ohne daß allerdings die
Herkunft des Bösen aufgewiesen würde. Es quillt gewissermaßen aus dem Menschen
hervor (V. 14); einen kosmologischen Dualismus (das Böse als gegnerisches Ur-Prin-
zip) kennt Jak nicht (auch nicht in 3,6.8 oder 3,15 f.). 14-15 Der Entlastung Got­
tes (V. 13) läßt Jak die Behaftung des Menschen - ausnahmslos und persönlich
(exaoxog) - bei seiner eigenen (löia) Problematik folgen (V. 14). Das Subjekt wech­
selt in V. 15a zu »Begierde« und in V. 15b zu »Sünde«. Jak verbindet die beiden Ver­
2 2
se durch ein temporales »danach« ^ ; für ihn bildet das Ganze eine Art Kettenschluß
bzw. Klimax mit innerer Konsequenz. Theoretisch könnte allerdings sowohl nach
V. 14 als auch nach V. 15a Schluß sein; die Aussage bliebe in sich sinnvoll und abge­
rundet. Das wirft Fragen nicht nur nach der metaphorischen Kohäsion und dem Tra­
ditionshintergrund, sondern auch nach der Logik auf. Jak formuliert nach wie vor
apodiktisch. Die Passage bildet einen Sachkontrast zu V. 12. Intratextuelle Berüh­
rungen bestehen zu 4,1-3 (nur dort noch der Wortstamm zmQv\i-) und 5,19 f. (Ver-
irrung, Sünde, Tod). - Was JteiQo^eiv bedeutet, wird in V. 14 durch ein Agens (Be­
gierde) und zwei Verben (im Part.) beschrieben. Die syntaktische Konstruktion ist
nicht völlig deutlich; »durch die Begierde« scheint sich zunächst direkt an »er wird
versucht« anzuschließen, analog zu »von Gott« in V. 13. Danach aber ist »durch die
Begierde« logisches Subjekt der beiden Partizipien: »durch die Begierde fortgerissen
2
und verlockt«. 53 Jak liest den Satz offenbar als Einheit. Nur hier (V. 14 f.) bringt er
2
das N o m e n 5 4 emOuuia, und zwar im Sg., anders als in den meisten ntl. Belegen
2
(besonders in Lasterkatalogen), die den Plur. bevorzugen. ^ Ohne Einführung oder
Erläuterung wird die emOuuxa als Urheberin der Versuchung hingestellt. Das Fehlen
eines qualifizierenden Adjektivs wie x a x r | (so z. B. Kol 3,5) läßt die Begierde als etwas
2
in sich Negatives erscheinen. 56 Jak rechnet sie offenbar zu den negativen Leiden­
schaften bzw. Affekten (jtdOr]), und zwar in etwa gemäß der stoischen Zusammen­
stellung: emOuuia 5 7 und f|8ovf| sowie cpoßog und Xv7tr\, wobei die jeweils erstge­
2

nannten (Begierde und Furcht) futurisch ausgerichtet sind, die letzteren (Vergnügen
2
und Trauer) präsentisch. 58 Im Griechischen kommt auch die Differenzierung zwi­
2
schen »allgemeinen (xoivai)« und »eigenen (löiai)« Begierden vor. 59 Ebenfalls kann

2 5 1
Vgl. Konradt, Existenz 86.
2 5 2
B u r c h a r d , H N T 7 3 : p r o m p t , als n ä c h s t e s .
2 5 3
Vgl. Dibelius, K E K 123; H a u c k 60; K o n r a d t , Existenz 8 5 A n m . 3 0 1 . Davids, C o m m e n t a r y 84, meint, die
R e l a t i o n sei in d e r S c h w e b e g e h a l t e n .
2
54 D a s V e r b in 4 , 2 .
2 5 5
Rom 1,24; 6 , 1 2 ; G a l 5 , 1 6 . 2 4 ; E p h 2 , 3 ; 4 , 2 2 u. a. T e i l w e i s e a u c h z u s a m m e n m i t » e i g e n e « (iöi,a bzw.
e a u x c o v ) : 2 T i m 4 , 3 ; J u d 18; 2 P e t r 3 , 3 .
2 5 6
A n s i c h ist e m O u u x a v o x m e d i a , a l s o n e u t r a l . V g l . F r i e d r i c h B ü c h s e i : T h W N T I I I 1 6 8 ff.
2 5 7
Z u r e m O u u i a r e c h n e t d i e S t o a Z o r n , E r o s u. a. ( B ü c h s e i 1 6 9 , 5 ) .
2
58 B ü c h s e i 1 6 8 , 5 - 1 6 9 , 2 . D a s s e l b e bei 4 M a k k 1 , 2 2 f. ( 1 7 0 , 1 5 ff.). V g l . J a k 4 , 1 - 3 : f j ö o v r j z u s a m m e n mit
emOuumv.
2
59 A r i s t o t E t h N i c II 1 1 0 5 b , 2 1 u. a. ( B ü c h s e i 1 6 8 A n m . 6 ) .
106 D i e rechte innere Einstellung

260
gesagt werden, daß die Begierde Sünde s e i . Der jak Text läßt freilich nicht erken­
nen, aus welchen Traditionen er des näheren schöpft. Die L X X verwendet emOvfxia
261
überwiegend n e u t r a l , kann damit aber auch die gottlose Begierde bezeichnen;
auch das sexuelle Verlangen kann gemeint sein (Num 11,4.34; 33,16 f. u. a.; Prov
2 6 2
6,25; Sus 32, vgl. 4Makk 2,4 f.; Sir 4 0 , 2 2 ) . Die sexuellen Konnotationen bilden
jedoch nur eine relativ geringe Teilmenge des semantischen Feldes von em0v|iia
26
(auch im Profangriechischen 3); der anthropologische Ansatz in der Affektenlehre
ist viel breiter angelegt, wobei die Beziehung zur Ethik natürlich außer Frage steht.
Das gleiche ist bei Philo festzustellen, der von 8JTi0u|jia häufig als einer negativen
264
Regung s p r i c h t ; ähnlich 4 M a k k (1,3.22 f.). Pointierter noch ist die jüdische Aus­
legung des Dekalogs, wonach das 10. Gebot (oi>x 8JU0u[xr|oeic; Ex 20,17; Dtn 5,21)
26
die Quintessenz des ganzen Gesetzes s e i 5 ; dieses Motiv unterliegt auch R o m 7,7 ff.
Das N T verwendet emOvfxia ebenfalls überwiegend negativ, d. h. im Sinn von »böses
266 26
Verlangen«. Jak steht insofern in einer breiten T r a d i t i o n . 7 Ein Verweis auf die
rabbinische Lehre vom bösen und guten Trieb ist weder nötig noch angebracht; denn
dort geht es um den K a m p f zwischen zwei Trieben, die »beide dem Menschen von
268
Gottes Hand anerschaffen« wurden (vgl. dagegen die Abgrenzung in V. 1 3 ! ) . - Jak
statuiert also, es gebe in jedem Menschen einen negativen Drang, der zu diesem Men­
schen gehöre (iöia); dieser Drang sei der Urheber der Versuchung, er wirke also nega­
tiv auf das Tun und Ergehen des Menschen ein. Jak redet hier explizit nicht vom
Willen des Menschen oder von der Willensfreiheit, so gewiß er diese implizit voraus­
269
setzt. In Verbindung mit V. 13 ist auf jeden Fall jede Schicksalhaftigkeit ausge­
schlossen. Woher die ejti0v|j,ia stammt, woher also letztlich die Kapazität zum Sün­
digen abzuleiten ist, läßt Jak unerwähnt. Er geht von dem Faktum aus, daß es eben so
sei. Anthropologisch ergibt sich damit folgende Konstellation: (1) Der Mensch ist für
seine Taten und sein Ergehen selbst verantwortlich; er ist dem Zug zum Sündigen
nicht hilflos ausgeliefert. (2) Z u m Menschen gehört eine innere Kapazität, die ihn in
die Sünde führen kann. (3) Diese Kapazität ist nicht identisch mit dem Ego/Selbst
2
des Menschen 70, auf das sich vielmehr der Drang der Begierde richtet. (4) Der

260 p i u t M o r a l i a X 4 4 9 d ( B ü c h s e i 1 6 9 , 6 f.), w o b e i P l u t freilich e i n e F r e m d m e i n u n g zitiert.


2 6 1
B ü c h s e i 1 7 0 ; teilweise s o g a r p o s i t i v : G e n 3 1 , 3 0 ; D t n 1 2 , 2 0 f.; P r o v 1 1 , 2 3 ; 1 3 , 1 9 ; W e i s h 6 , 2 0 ; S i r 6 , 3 7 u. a.
2 6 2
A u c h in J o s e p h A n t II 5 1 sexuell v e r s t a n d e n .
2 6
3 Sexuell: P l a t o P h a i d 8 3 b ; P h a i d r 2 3 2 b .
2 6 4
B ü c h s e i 1 7 0 , 1 0 ff.; für P h i l o ist d i e B e g i e r d e n i e d r i g s t e r Seelenteil ( p l a t o n i s i e r e n d g e d a c h t ) bzw. einer d e r
vier A f f e k t e ( s t o i s c h ) ; vgl. C o n f L i n g 2 1 ; C o n g r 1 7 2 ; M i g r 6 0 u. a. B e i J o s e p h u s f i n d e t s i c h h ä u f i g e r e i n e
neutrale V e r w e n d u n g (Büchsei 1 7 0 , 1 9 - 2 1 ) .
2 6
5 V i t A d l 9 : d i e B e g i e r d e ist aller S ü n d e A n f a n g . E b e n s o P h i l o D e c a l 1 4 2 . 1 5 0 . 1 7 3 .
2 6 6
P o s i t i v n u r L k 2 2 , 1 5 ; Phil 1 , 2 3 ; I T h e s s 2 , 1 7 . A n d e r s v e r h ä l t es s i c h b e i m V e r b . I n g e w i s s e m M a ß e e n t ­
s p r i c h t EMOVUIA d e r ADP^ bei P a u l u s ( M a r t i n , W B C 3 6 ) .
2 6 7
B u r c h a r d , H N T 7 2 : EMOVOIA »ist hier w e d e r d e r u n t e r s t e d e r drei p l a t o n i s c h e n S e e l e n t e i l e ... n o c h einer
d e r vier s t o i s c h e n H a u p t e f f e k t e
s o n d e r n d e r T r i e b z u m B ö s e n ... J a k f o l g t j ü d i s c h e r T r a d i t i o n « .
2 6 8
Z u »Yetser« s. S t r . - B , I V / 1 , 4 6 6 - 4 8 3 ( d a s Z i t a t 4 6 8 ) ; B ü c h s e i : T h W N T I I I 1 7 0 . A u c h d e r H i n w e i s a u f Sir
1 5 , 1 4 ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 8 6 ) t r ä g t n i c h t weiter. D o r t g e h t es u m W i l l e n s f r e i h e i t ( ö i a ß o i ^ i o v ) . A n d e r s
Marcus; A d a m s o n , Epistle 7 1 . Burchard, H N T 73: J a k nennt keinen natürlichen guten Gegentrieb; die
r a b b i n i s c h e n zwei T r i e b e (in d e r L X X s t e h t ü b r i g e n s nie e m O u u i a für 12T) g e h ö r e n d a h e r » n u r a m R a n d
hierher«.
2 6 9
E r w i r d d e u t l i c h z w i s c h e n EMO'ÜUIA u n d ß o M r j a i g u n t e r s c h i e d e n (s. V 1 8 ) ; B ü c h s e i 1 6 9 , 7 f.
2 7 0
S o a u c h v o n G e m ü n d e n , Einsicht 4.
1,13-15 107
Mensch birgt also ein Konfliktpotential in sich, das ihn mit sich selbst in Probleme
stürzen kann. Jak nimmt den Ausgangspunkt nicht bei der Sünde, die dann ihrerseits
271
bei der Begierde ansetzen würde (so R o m 7,7 ff.) ; vielmehr ist die Sünde erst
Ergebnis der Begierde (V. 15a). Die Sünde ist nicht die treibende Macht, sondern
Folge einer Triebkraft, ja eines Triebes. - Die in V. 14b benutzte Metaphorik ent­
272
stammt der Sprache der Jäger und Fischer: »fortreißen, wegziehen und a n l o c k e n « .
273
Die anscheinend sachlich umgedrehte Reihenfolge erklärt sich evtl. aus dem
274
Brauch, erst die Fische aus ihrem Revier zu vertreiben, um sie dann zu k ö d e r n -
sofern nicht ohne Beachtung der Reihenfolge parallel an die Gewalt und den Char­
27
me der Versuchung gedacht wird. ^ Beide Termini werden auch übertragen verwen­
276
det. Von der Begierde heißt es oft, daß sie »verlockt«. Evtl. liegt eine Anspielung
auf die Gegenspielerin der Weisheit vor. So warnen Prov 5 und 7 vor den Verlockun­
277
gen der Dirne (doch wohl wörtlich g e m e i n t ) , deren Wege in Sünde und Tod fuh­
ren (5,5.22 f.; 7,23.27), ohne daß freilich dieselben Verben wie in Jak 1,14 vorkom­
2 7 8
men. - N u n ist die Gesamtmetaphorik in V. 14 f. jedoch nur bedingt eindeutig. Es
ist die Rede von zwei Geburtsvorgängen (xixx8i,djtoxi)8i) obschon nur von einer
Empfängnis (ovXkaßovoa), aber nicht von Vaterschaft ^. Soll etwa ein Genera­ 27

tionsverhältnis Großmutter (Begierde) - Mutter (Sünde) - Enkelkind (Tod) be­


280
schrieben werden? Wieviel Interesse liegt an solcher G e n e a l o g i e ? Das Motiv der
281
Hure, sofern es überhaupt im Hintergrund steht, trägt nicht w e i t ; denn diese ist
nicht auf Schwangerschaft aus. Wahrscheinlich folgt Jak nur gebräuchlichen Rede­
282
mustern (wie sie besonders Philo verwendet ), die Empfängnis und Geburt auf see-

2 7 1
A u c h n i c h t b e i m » F l e i s c h « (vgl. P a u l u s ) ; o d g ^ n u r in 5 , 3 , in g a n z a n d e r e r V e r w e n d u n g . - V g l . L u c k , G u t e
2 3 1 : V. 1 3 - 1 5 sei » e i n e k l e i n e D i a t r i b e ü b e r d i e A r t u n d W e i s e , w i e es z u S ü n d e u n d T o d k o m m e n k a n n « ;
d i e A b f o l g e a u f d e m W e g d e s T o d e s ( e m S u u i a , d ^ a p t i a , Odvaxoc;) e n t s p r i c h t d e r i m J u d e n t u m ü b l i c h e n ,
w ä h r e n d P a u l u s in Rom 7 , 7 - 1 3 d i e G e s c h i c h t e v o m S ü n d e n f a l l n e u s c h r e i b t (der W e g l a u t e t jetzt v 6 ( i o g ,
d u n o x i a , O d v a x o g , w o b e i d i e Emö'uuia » d a s W e r k d e r d u r c h d i e T h o r a a u f e r w e c k t e n , ins L e b e n g e r u f e n e n
S ü n d e « sei, 2 3 2 ) .
272 V g j M a y o r 5 4 . D a s K o m p o s i t u m E^Etatü) i m N T n u r hier; d a s S i m p l e x ( » z i e h e n , s c h l e p p e n « ) m e h r f a c h ,
#

u. a. J a k 2 , 6 . AE^Ed^ü) n o c h 2 P e t r 2 , 1 4 . 1 8 ( L a s t e r k a t a l o g e ) .
2 7 3
A d a m s o n , E p i s t l e 7 2 , k o n j i z i e r t ECpEXxöfXEVog, » a t t r a c t e d « . D e n n d a s K o m p o s i t u m E ^ E X X C D w e r d e i m k l a s ­
sischen Griechisch nicht metaphorisch entsprechend benutzt.
2 7 4
Vgl. Mayor 54, mit Hinweis auf O p p i a n 3,316; 4,359; X e n o p h Kyrop 8,1,32; M e m 3,11,18.
2 7 5
M a y o r 5 4 f. V g l . P h i l o P r o b 1 5 9 : » W e n n d i e S e e l e n ä m l i c h z u d e n B e g i e r d e n g e t r i e b e n o d e r d u r c h d i e L u s t
verlockt oder durch Furcht aus der B a h n geworfen oder durch Trauer geschrumpft oder durch Z o r n gefan­
g e n w u r d e , v e r s k l a v t sie s i c h . . . « .
2 7 6
P l a t o T i m 6 9 d ; 7. B r i e f 3 2 5 b ; X e n o p h K y r o p 8 , 1 , 3 2 ; P h i l o A g r 1 0 3 ; E p i c E n c h 3 4 ; A e l i a n N a t A n 6 , 3 1 (vgl.
Bauer-A. 554).
2 7 7
E b e n s o z. B . K o h 7 , 2 6 ; T e s t R u b 2 - 5 ; T e s t j o s 3 ff.; T e s t B e n j 7.
2 7 8
I n d e r L X X fehlt bekeäC^U) g a n z , es k o m m t v o r in V i t A d 1 9 , 1 ; 2 6 , 3 ; J o s A s 2 1 , 2 1 (hier p o s i t i v ) ; (eE,)e\KU)
u n d -xi3o) f i n d e n sich in d e r L X X , a b e r u n s p e z i f i s c h g e b r a u c h t .
279 V g l . v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 4. S p i t t a 3 4 - 3 9 m e i n t : D e r b ö s e G e i s t s c h w ä n g e r t d i e B e g i e r d e (vgl. T e s t B e n j
7; T e s t R u b 2 f.); vgl. d i e S c h w ä n g e r u n g E v a s d u r c h d i e S c h l a n g e n a c h s p ä t e r e r j ü d . A u f f a s s u n g .
280 y g L P h i l o L e g A l l II 8 2 i m p o s i t i v e n S i n n ; » d i e T u g e n d g e b a r ( X E X O X E V ) d a s G l ü c k « .
2 8 1
M i t Frankemölle, Ö T K 2 8 8 ; K o n r a d t , Existenz 8 6 A n m . 304; von G e m ü n d e n , Einsicht 4 A n m . 18, gegen
M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 8 f., u. a.
2 8 2
P o s t C 7 4 : D i e v o n der L e i d e n s c h a f t s c h w a n g e r e Seele g e b i e r t K r a n k h e i t e n usw. (zu G e n 4 , 1 8 ) . C h e r 5 7 : D e r
N o u s s c h w ä n g e r t die Aisthesis; diese e m p f ä n g t (ovKkaßovoa) u n d g e b i e r t (XIXXEI) d a s g r ö ß t e Ü b e l der S e e ­
le, n ä m l i c h die Eitelkeit.
108 D i e rechte innere Einstellung

lische Vorgänge beziehen (vgl. bereits Ps 7,25). Daß Jak dabei auch an die Verführung
283 284
Evas im P a r a d i e s denkt, ist m ö g l i c h . Das würde auch die Fortsetzung erklären,
daß nämlich die Sünde den Tod hervorbringt, ist doch der Sündenfall Adams und
Evas die Einbruchsteile des Todes (Gen 2,17; 3,3 f.; R o m 5,12; 6,23; IKor 15,
21 f . ) . 5 Offenbar ist Jak daran gelegen, an dieser Stelle nicht nur den Menschen bei
2 g

seiner eigenen Problematik hinsichtlich Anfechtung/Versuchung und Begierde (also


bei den anthropologischen Faktoren) zu behalten, sondern auch auf die ethischen,
ontologischen und transzendenten Implikationen hinzuweisen: so entstehen Sünde
und Tod. Das ist im Kontrast zum Lebens-Ziel V. 12 und auch bereits zum leben­
2 8 6
schaffenden Wort V. 1 8 gesagt. Zugleich bildet die Aussage einen Teil des Gesamt­
rahmens des Briefes; denn von Sünde und Tod wird am Schluß wieder die Rede
28
s e i n . ? - Die drei Faktoren Begierde, Sünde und Tod bilden eine Kettenabfolge. Jak
setzt die Begriffe als bekannt voraus. Er erläutert keinen, nicht einmal emOupiia. Die
Frage, worauf die Begierde zielt, kann intratextuell bis zu einem gewissen Grad von
4,1-3 gefüllt werden; im übrigen könnte sich Jak auf den Dekalog (von dem er Teile
in 2,11 zitiert) beziehen. Gemeint ist dann das begehrliche, besitzergreifende, egois­
tische, auf das eigene Wohlergehen zielende, rücksichtslose, den anderen nicht ach­
tende Streben; sachlich entspricht das der falschen Weisheit in 3,14-16. Diese Be­
gierde »empfängt und gebiert« Sünde. Das ist ein naturhafter, organischer und damit
geradezu naturgesetzmäßiger Vorgang. Es bleibt offen, wie und von wem die Begier­
288
de »empfängt«; daran haftet nicht das Interesse, sondern an der Zwangsläufigkeit.
289
Die Metaphorik in V. 15b ist weniger klar. Meint &JtOTeA,eö0eTöa ebenfalls einen
biologischen Vorgang (d. h. die Sünde wäre ihrerseits geschlechtsreif geworden); oder
290
ist gemeint, die Sünde sei an ihr »Ziel g e l a n g t « ; oder bietet Jak nur eine rhetorische
2 1
Parallele zu ovllafiovoa ? ? Das Verb djtoxeAio) bedeutet »vollbringen«. Die Passiv­
form hier läßt in Verbindung mit ajtoxueiv eher an ein »zur Vollendung kommen,
heranwachsen« denken statt an ein aktives »das Maß vollmachen» im Sinn einer fort­
gesetzten Tatsünde, obwohl das einen passenden Kontrast zu xekeiov eoyov in V 4
abgeben würde. Ohne daß Jak groß auf eine Genealogie abheben würde, betont er
auch hier den naturhaften Prozeß, daß Sünde den Tod zur Welt bringt. 'Ajioxueiv

2 8 3
S. Philo C h e r (vorige A n m . ) , direkt a u f A d a m u n d E v a b e z o g e n . A p k M o s 19: D i e S c h l a n g e tat an d i e F r u c h t
d a s G i f t ihrer V e r s u c h u n g , d. h. ihrer B e g i e r d e ; d e n n d i e B e g i e r d e ist d e r A n f a n g aller S ü n d e . V g l . l T i m 2 , 1 4 .
2 8 4
M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 9 : V. 14 f. »lassen ... unwillkürlich a n d e n B e r i c h t der G e n e s i s ... d e n k e n « . F r a g l i c h ist
aber, o b (auch) a n G e n 6,1 ff. (die V e r m i s c h u n g der G ö t t e r s ö h n e m i t d e n M e n s c h e n t ö c h t e r n ) g e d a c h t ist.
V g l . d a z u Philo I m m 3: W e n n d a s L i c h t des V e r s t a n d e s beschattet ist, v e r b i n d e n sich d i e G e f ä h r t e n der F i n ­
sternis m i t d e n ... L e i d e n s c h a f t e n , »welche er T ö c h t e r der M e n s c h e n n a n n t e « , u n d sie b r i n g e n F r u c h t für sich
selbst (d. h. » d a s G e s c h l e c h t der L a s t e r « ) , n i c h t für G o t t (das w ä r e n d i e v o l l k o m m e n e n T u g e n d e n ) hervor.
2 8 5
F ü r Sir 4 1 , 4 ist der T o d d a s S c h i c k s a l aller M e n s c h e n v o n G o t t a u s . A h n l i c h K o h .
2 8 6
Z u Recht betont von Konradt, Existenz 85.
2 g
7 5 , 1 5 . 1 6 . 2 0 ; dgl. W a h r h e i t ( 1 , 1 8 u n d 5 , 1 9 ) .
2 8 8
Z u t r e f f e n d v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 4: » D a s z e u g e n d e S u b j e k t ist n i c h t g e n a n n t . W a s interessiert, ist der
a u t o m a t i s c h e , u n a u f h a l t s a m eskalierende Prozeß ... D a b e i m a c h t d i e Filiationsreihe d e n Z u s a m m e n h a n g zwi­
s c h e n u n s i c h t b a r e r U r s a c h e u n d sichtbarer F o l g e , zwischen I n n e n u n d A u ß e n b e w u ß t . . . « . V g l . D i b e l i u s ,
K E K 1 2 7 ( » . . . d i e V e r w e n d u n g der K e t t e n r e i h e zur D a r s t e l l u n g innerer V o r g ä n g e in ihrer G e s e t z m ä ß i g k e i t « ) .
2 8 9
D a s Verb djtOTEÄia) i m N T n u r n o c h L k 1 3 , 3 2 (ein P r o p h e t m u ß in J e r u s a l e m » e n d e n « ) .
2 9 0
S o B a u e r - A . 2 0 2 ; speziell »vollendet w e r d e n d u r c h d i e T a t « , unter H i n w e i s a u f Plato L e g 8 2 3 d ; 7. B r i e f 3 3 6 c.
2 9 1
So Dibelius, K E K 125.
1,15 109
bezeichnet zumeist den weiblichen Anteil beim »ins Leben bringen«, u. U. aber auch
2 2
(wie sogleich in V. 18) den des Mannes. ^ Möglicherweise wählte Jak das relativ sel­
tene Wort zusammen mit ajroTeA.eöOeTöo: wegen des gleichen Anlauts, um so ein
Verb zur Verfugung zu haben, das auch auf Gottes Tun (V. 18) anwendbar war. - Daß
2
»der Tod geboren« wird, ist eine contradictio in adiecto. 93 Es handelt sich um die
»Tod-Geburt« schlechthin, nicht um eine »Totgeburt«, die gleichsam nur ein bedau­
erlicher Betriebsunfall der Natur ist. Das Bild ist bewußt anstößig. Daß der Tod in
der Welt ist, ist Folge des - individuellen - Sündenfalls (ebenso R o m 5,12 in bezug
auf Adam), nicht eine metaphysische Vorgabe. Auch für Jak (vgl. 5,20) ist der Tod der
große, »letzte« Feind (wie IKor 15,25 f.).

2 9 2
B a u e r - A . 1 8 8 . B e i d e F o r m e n bzw. A k z e n t u i e r u n g e n s i n d m ö g l i c h : djtoxuEO) u n d d j t o x ' u a ) . F r ü h e r e V e r s u ­
c h e , d a n a c h a u f w e i b l i c h e bzw. m ä n n l i c h e A n t e i l e a u f z u t e i l e n (s. M a y o r 5 6 ) , s i n d z u R e c h t fallen g e l a s s e n
w o r d e n . - I m N T n u r J a k 1 , 1 5 . 1 8 ; in d e r L X X n u r 4 M a k k 1 5 , 1 7 ( w e i b l i c h ) ; n i c h t in d e n P s e u d e p i g r a p h e n
d e s A T (lt. D e n i s ) , n i c h t in A p o s t V ä t e r n .
2
93 V o u g a 5 5 .
III. Der Umgang mit dem Wort Gottes 1,16-27

(16) T ä u s c h t e u c h nicht, m e i n e geliebten B r ü d e r ! (17) J e d e g u t e G a b e u n d jedes v o l l k o m m e -


n e G e s c h e n k i s t v o n o b e n , h e r a b k o m m e n d v o m V a t e r d e r L i c h t e r , b e i d e m es k e i n e A b w a n d -
lung oder Verfinsterung aufgrund von Veränderung gibt. (18) Aus (seinem) Willensentschluß
h e r a u s b r a c h t e er u n s d u r c h d a s W o r t d e r W a h r h e i t z u m L e b e n , d a m i t w i r s o z u s a g e n (ein
gewisser) E r s d i n g seiner Geschöpfe seien. (19) Ihr wißt d o c h , m e i n e geliebten Brüder: Jeder
M e n s c h soll schnell sein z u m H ö r e n , l a n g s a m z u m Reden, l a n g s a m z u m Zorn. (20) D e n n der
Z o r n eines M a n n e s schafft nicht Gerechtigkeit G o t t e s . (21) D e s h a l b , a b l e g e n d alles S c h m u t -
zige u n d all d i e viele S c h l e c h t i g k e i t , n e h m t i n S a n f t m u t d a s eingepflanzte W o r t a n , d a s eure
Seelen z u retten vermag. (22) Werdet aber Täter des Wortes u n d nicht n u r Hörer, euch selbst
betrügend. (23) D e n n w e n n j e m a n d ein H ö r e r des Wortes ist u n d nicht ein Täter, der gleicht
e i n e m M a n n , d e r i m S p i e g e l d a s G e s i c h t seines » G e w o r d e n s e i n s « betrachtet; ( 2 4 ) er b e t r a c h -
t e t e s i c h n ä m l i c h u n d i s t f o r t g e g a n g e n , u n d s o g l e i c h v e r g a ß er, w a s f ü r e i n e r e r w a r . ( 2 5 ) W e r
aber, sich vertiefend in d a s v o l l k o m m e n e Gesetz der Freiheit u n d (darin) verharrend, nicht
z u m vergeßlichen Hörer, s o n d e r n z u m T ä t e r des W e r k e s g e w o r d e n ist, d e r w i r d selig sein in
s e i n e r T a t . ( 2 6 ) W e n n j e m a n d m e i n t , r e l i g i ö s z u s e i n , w ä h r e n d er s e i n e Z u n g e n i c h t z ü g e l t ,
s o n d e r n sein H e r z irrefuhrt, d e s s e n R e l i g i o n ist nichtig. (27) R e i n e u n d unbefleckte R e l i g i o n
vor G o t t u n d d e m Vater ist diese: sich u m W a i s e n u n d W i t w e n in ihrer B e d r ä n g n i s k ü m m e r n ,
sich fehlerlos von der Welt halten.

1. Texteingrenzung

D i e verschiedenen E r w ä g u n g e n darüber, o b bereits m i t 1,13 o d e r erst m i t V 16 o d e r gar erst m i t


1,19 eine n e u e Passage b e g i n n t , w u r d e n bereits bei der E i n g r e n z u n g v o n 1,2-15 b e h a n d e l t . A u f
j e d e n Fall setzt V. 16 m i t der A n r e d e » m e i n e geliebten B r ü d e r « , d i e in dieser F o r m b a l d (V. 19)
1
n o c h e i n m a l , s o n s t nur n o c h 2 , 5 erscheint, ein deutliches T e x t s i g n a l . G e w i ß b i l d e n V. 1 7 - 1 8
inhaltlich einen gewissen ( u n d zwar positiven) K o n t r a s t zu V. 1 3 - 1 5 ; aber es s i n d a u c h V e r b i n d u n -
2
gen zu V. 19 ff. v o r h a n d e n , vor a l l e m a d v o c e m » W o r t « . - D e r W o r t s t a m m nkav- erscheint bei
J a k nur hier (V. 16) u n d a m S c h l u ß des Briefes ( 5 , 1 9 f.); d o r t k o m m t w i e hier ( 1 , 1 8 ) a u c h »Wahr-
heit« (&Xr|6£ia) vor, w o m i t die L o g o s - A u s s a g e n v o n 1 , 1 8 . 2 1 . 2 2 . 2 3 eröffnet werden.3 D a s erlaubt
die A n n a h m e , d a ß 1 , 1 6 - 1 8 u n d 5 , 1 9 f. einen gewissen R i n g u m d a s Briefcorpus legen. D e m ent-
spricht, d a ß a u c h v o m T o d nur in 1,15 (also u n m i t t e l b a r zuvor) u n d 5 , 2 0 die R e d e ist; 1,15 ist
4
z u d e m m i t 1,18 d u r c h a j t o x u e i v v e r k n ü p f t . Z u m i n d e s t ist 5 , 1 9 f. als ein deutlicher R e k u r s a u f 1,
(15.) 1 6 - 1 8 a n z u s e h e n . E s g i b t d e m n a c h g u t e G r ü n d e , m i t 1,16 einzusetzen, nicht erst m i t V. 1 9 .
D e r R ü c k b e z u g a u f 1 , 1 3 - 1 5 , speziell V. 1 5 , w i r d d a m i t nicht g e m i n d e r t , wie J a k ü b e r h a u p t schar-
fe Z ä s u r e n nicht schätzt. M i t 1,16 ff. läutet er ein i h m wichtiges A n l i e g e n ein: die A d r e s s a t e n sol-
len sich nicht v o n der W a h r h e i t a b b r i n g e n lassen, ist es d o c h g e r a d e d a s » W o r t der W a h r h e i t « , d a s
sie z u m L e b e n g e b r a c h t hat (V. 18) u n d d a s als »eingepflanztes W o r t « ihre »Seelen zu retten ver-
m a g « (V. 2 1 ) . D i e s e A u s s a g e n erfolgen a u f d e m d u n k l e n H i n t e r g r u n d der » T o d e s g e b u r t « v o n
V. ( 1 3 - ) 1 5 . - W i c h t i g für d i e T e x t e i n g r e n z u n g ist e b e n s o der Z u s a m m e n h a n g zwischen 1,18 u n d
2 1 , die b e i d e d a s T h e m a » W o r t « b e h a n d e l n u n d wahrscheinlich eine z u s a m m e n h ä n g e n d e T r a d i -
t i o n aufgreifen (s. u . ) . D e m g e g e n ü b e r läßt sich V. 1 9 - 2 0 leicht als redaktioneller E i n s c h u b erklä-

1
S o f e r n m a n V. 1 6 nicht einfach als A b s c h l u ß des V o r i g e n betrachtet.
2
D e s w e g e n schlägt B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , vor, V. 1 6 - 1 8 als transitus zur p r o p o s i t i o V. 1 9 - 2 7 z u verstehen.
3
» W o r t « u n d » V e r f e h l u n g « s o n s t bei J a k n u r n o c h in 3 , 2 . » V e r i r r u n g « u n d » W a h r h e i t « a u c h I J o h 1,8.
4
V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 5 6 . - N i c h t s o klar ist h i n g e g e n d i e L a g e bei OÜ)£EIV, d a s zwar 1,21 m i t 5 , 2 0 ver-
b i n d e t , aber a u c h 2 , 2 4 ; 4 , 1 2 ; 5 , 1 5 z u finden ist. D a s s e l b e gilt für d f i a p i i a : in 1 , 1 5 ( u n d 1,26) sowie 5 , 2 0 ,
aber a u c h in 2 , 9 ; 4 , 1 7 ; 5 , 1 5 f. N o c h w i e d e r a n d e r s sieht der B e f u n d bei £(DT| aus: 1 , 1 2 u n d 4 , 1 4 .
Texteingrenzung 111

ren.5 E s ist z u d e m keineswegs gesichert, d a ß V. 19 m i t e i n e m I m p e r a t i v eingeleitet wird; ein I n d i ­


kativ p a ß t s o w o h l s y n c h r o n i s c h als a u c h d i a c h r o n i s c h besser (s. u . ) . M a n sollte also m i t V. 19 nicht
einen n e u e n H a u p t a b s c h n i t t b e g i n n e n , wie viele m e i n e n . - D i e Z u o r d n u n g v o n 1 , 1 6 - 2 7 z u m
Briefganzen gestaltet sich in der Literatur schwierig, w i e verschiedene Vorschläge zeigen. E i n län­
gerer erster H a u p t t e i l b e g i n n e in 1,19b (bis 3 , 1 8 : » A n w e n d u n g des W o r t e s « : Fr. V o u g a , R . P. M a r ­
6 7
t i n ) o d e r in 1,22 (bis 2 , 2 6 : »Werke des W o r t e s « : T. C a r g a l ) . O d e r : bis 1,22 reiche die H a u p t t h e ­
8
se (V. 1 6 - 2 2 , p r o p o s i t i o p r i m a ) , V. 2 3 - 2 7 seien deren amplificatio ( E . B a a s l a n d ) . I m M o d e l l der
d o p p e l t e n BrieferöfTnung ( 1 , 2 - 1 1 . 1 2 - 2 5 ) bilden V. 2 6 f. ein »literarisches Scharnier« zu d e n fol­
g e n d e n » H a u p t t e i l e n « . 9 D a s P r o b l e m der T e x t e i n g r e n z u n g reflektiert also d i e F r a g e n der S t r u k t u r
nicht n u r v o n 1 , 1 6 - 2 7 , s o n d e r n a u c h des g a n z e n ersten K a p i t e l s u n d des Briefes i n s g e s a m t . - D i e
m e i s t e n K o m m e n t a t o r e n legen eine Z ä s u r zwischen 1,27 u n d 2 , 1 , weil d i e erneute Ihr-Anrede
10
a u c h einen n e u e n t h e m a t i s c h e n S c h w e r p u n k t e i n f ü h r e . D i e s e Z ä s u r ist, s o betrachtet, sachlich
sinnvoll u n d formal berechtigt. S i e ist j e d o c h nur in e i n g e s c h r ä n k t e m M a ß aufrecht zu erhalten.
S o w o h l v o n d i a c h r o n e n als a u c h v o n s y n c h r o n e n G e s i c h t s p u n k t e n w i r d sie relativiert. B e i 1,26 f.;
2 , 1 ff. fällt auf, d a ß Sir 3 5 = 3 2 u n d IPetr 1-2 mehrere der T h e m e n ebenfalls k o m b i n i e r e n , d i e bei
11
J a k in prima facie überraschender Weise z u s a m m e n s t e h e n . Bei Sir s i n d d a s : V e r s o r g u n g der W a i ­
sen u n d W i t w e n , die B e z i e h u n g zu G o t t als V a t e r / S o h n , die ethische Opfer-Interpretation u n d
jrQOOCDjrov taxußctveiv. In IPetr finden sich: »heilig i m Verhalten«, » G o t t als Vater a n r u f e n « , »er
richtet o h n e A n s e h e n der Person«, »erlöst aus der N i c h t i g k e i t eures L e b e n s w a n d e l s « . E s greift a u c h
12
zu kurz, J a k 1,26 f. lediglich als »Stichwortlieferant« für spätere » A m p l i f i k a t i o n e n « z u v e r s t e h e n .
D e n n erst d i e a u f g e n o m m e n e n Traditionen erklären, w o h e r J a k d i e T h e m e n z u s a m m e n s t e l l u n g
b e z o g u n d w e s h a l b er in 2 , 1 ff. sogleich m i t ^ Q o o c o j t o ^ n ^ i a fortsetzt. - A u f synchroner E b e n e
ist z u notieren, d a ß 2 , 8 . 1 2 f. zwei A s p e k t e v o n 1 , 1 9 - 2 5 zu e i n e m gewissen A b s c h l u ß bringen, n ä m ­
13
lich »reden u n d t u n « sowie » G e s e t z der F r e i h e i t « ; ferner bezieht sich 2 , 1 4 ff. z u m i n d e s t per A n a ­
logie a u f 1 , 2 2 - 2 5 (»nicht nur s o n d e r n a u c h T ä t e r « ) . M i t 2 , 1 ff. b e g i n n t J a k also n u r b e d i n g t
etwas N e u e s . N e u ist p r i m ä r die W i e d e r a u f n a h m e v o n » G l a u b e « ( 1 , 2 . 6 ) . B e v o r J a k die A u s f u h r u n ­
gen g e r a d e zu d e m eigenartigen T h e m a » G e s e t z der Freiheit« (nur 1,25; 2 , 1 2 ) z u e n d e führt, m u ß
der B o d e n bei d e n A d r e s s a t e n erst aufbereitet w e r d e n ( 2 , 1 - 7 ) , i n d e m K o n k r e t e s z u m Sozialverhal­
ten der G e m e i n d e g e b r a c h t wird.

2. Textüberlieferung

D i e d u r c h a u s nicht w e n i g e n Varianten reflektieren z u m e i s t die P r o b l e m e der logischen V e r k n ü p ­


fung der Sätze, speziell bei deren E i n l e i t u n g e n , bei d e n logischen Partikeln u n d bei der Wortstel­
l u n g . D a n e b e n beschäftigten sich die Abschreiber m i t einigen inhaltlich eigenartigen A u s s a g e n
(bes. in V. 1 7 b . 2 3 b . 2 7 b ) . W i r k l i c h e Zweifel über die Textgestalt existieren j e d o c h k a u m , a b g e s e h e n
vielleicht v o n der W o r t f o l g e in V. 2 2 . - G e w i c h t i g e r ist die Interpunktionsfrage, speziell in V. 2 1 :
die K o m m a s e t z u n g n a c h ^QatJxrjTi (so n o c h N e s t l e - A l a n d 2 7 . Aufl.) ist p r o b l e m a t i s c h ; m a n läßt

5
Mit Konradt, Existenz 7 6 .
6
M a r t i n , W B C 4 3 ff.
7
C a r g a l , R e s t o r i n g 9 3 ff.; vgl. Verseput, Prayers.
8 Baasland. A N R W 1988.
9
Francis 1 1 8 ; ähnlich, D a v i d s , C o m m e n t a r y ; teilweise a u c h Penner 1 3 3 . V g l . B u r c h a r d , H N T z. St.; 1 , 2 6 -
3 , 1 1 b r i n g e » E r l ä u t e r u n g e n . Beispiele für reinen ethischen G o t t e s d i e n s t , der i m G e r i c h t zählt«. I n 1 , 2 6 f.
n e h m e J a k » e x e m p l a r i s c h v o r w e g , w a s i h m wichtig ist«.
1 0
S o etwa D i b e l i u s , K E K 156; v o n L i p s ; Wuellner; F r a n k e m ö l l e , Ö T K ; Klein; Francis; D a v i d s , C o m m e n t a ­
ry; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 u n d J a k o b s b r e v e t ; A m p h o u x , N T S 1 9 7 8 / 7 9 .
11
Einzelheiten in der T r a d i t i o n s a n a l y s e u n d Versexegese.
1 2
K r i t i s c h z u F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 4 f.
13 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 1 2 .
112 Der U m g a n g mitdem Wort Gottes

das Satzzeichen besser fort (so jetzt a u c h in der E d i t i o C r i t i c a M a i o r ) . - D i e V a r i a n t e n » h e r a b ­


k o m m e n d v o n « u n d »ist« in V. 1 7 a erstreben eine sprachliche V e r e i n f a c h u n g bzw. syntaktische K l ä ­
r u n g , d i e Z u f u g u n g v o n yag in V. 1 8 a eine V e r k n ü p f u n g , e a u x o ü in V. 1 8 b eine Präzisierung. -
D i e E r s e t z u n g v o n cttrexunoev d u r c h »er m a c h t e « in V. 1 8 a soll d e n s e m a n t i s c h e n A n s t o ß beseiti­
gen. - D a s S y n t a g m a nagaXkayi] f\ XQOJifjg a j t o o x i a ö L i a (V. 1 8 b ) ist in dieser F o r m » d i e a m
14
w e n i g s t e n u n b e f r i e d i g e n d e L e s a r t « u n t e r vielen V a r i a n t e n . A u s sachlichen G r ü n d e n ( A s t r o n o ­
mie, M e t e o r o l o g i e ) h a t m a n versucht, T] n i c h t als » o d e r « , s o n d e r n als Artikel z u lesen, d a s letzte
W o r t in d e n G e n . , d a s vorletzte in d e n N o m . z u transformieren bzw. d a s zweite u n d dritte W o r t
u m z u s t e l l e n . D i e A u s s a g e a b s i c h t des J a k w i r d d a v o n j e d o c h n i c h t g r u n d s ä t z l i c h b e r ü h r t . - In V. 19
1
w u r d e versucht, d a s a b r u p t e l ö t e 5 a b z u f a n g e n , i n d e m m a n ein ö e bzw. » ( ü b r i g e n s ) , m e i n e g e l i e b ­
ten B r ü d e r « ( o . ä.) ergänzte, es strich, d u r c h cocrxe ersetzte oder ein x a i , vor eöxu) einfugte. - Die
K o m p o s i t u m f o r m x a x e Q y a ^ x a i in V. 2 0 ist stilistische A n g l e i c h u n g (vgl. 1,3); laboriert w u r d e
a u c h a n j t ä ö a v Q u u j r a o i a v x a i J i e Q i o o e i a v x a x i a g . D i e Z u f u g u n g v o n » d e r Weisheit« ( n a c h
» S a n f t m u t « ) in V. 2 1 will i m S i n n v o n 3 , 1 3 präzisieren, d i e E r s e t z u n g v o n ULWOV d u r c h f|Lio>v
(V. 2 1 ) d i e A u s s a g e t h e o l o g i s c h richtigstellen. - Letzteres gilt a u c h v o n der Variante ( T ä t e r bzw.
H ö r e r ) » d e s / r G e s e t z e ( s ) « (statt »des W o r t e s « ) in V. 2 2 . 2 3 (vgl. V. 2 5 , A n g l e i c h u n g der Stellen
u n t e r e i n a n d e r ) . - D i e S t r e i c h u n g v o n ö x i (V. 2 3 a ) b e r u h t v e r m u t l i c h a u f d e s s e n U n d e u t l i c h k e i t
( b e g r ü n d e n d o d e r e r l ä u t e r n d ? ) . - D i e E r s e t z u n g v o n yeveöecog d u r c h yvcböecog bzw. y e v v r | ö e a ) g in
V. 2 3 b dürfte ein Lesefehler sein o d e r a u f ein V e r s t e h e n s p r o b l e m z u r ü c k g e h e n . - S y n t a k t i s c h - l o g i ­
sche F r a g e n w a r f das » d e n n « in V. 2 4 a u f ( S t r e i c h u n g o d e r E r s e t z u n g d u r c h ö e ) . - D e r s p r a c h l i c h e n
G l ä t t u n g sollen in V. 2 5 a d i e E r g ä n z u n g v o n o u x o g bzw. d e s s e n S t r e i c h u n g in V. 2 5 b d i e n e n . D e r
S a c h l o g i k w o l l e n einige H s s . in V. 2 5 b d u r c h d i e Z u f u g u n g v o n » H ö r e r d e s G e s e t z e s « ( u n d T ä t e r
16
des Werkes) a u f h e l f e n ; A n l a ß z u diversen O p e r a t i o n e n b o t a u c h ev xfj J i o i r | o e i a u x o ü e a x a i a m
S c h l u ß v o n V. 2 5 : Präsens statt F u t u r bzw. W e g l a s s u n g , xajretvcoöig statt » T a t « . - D e n K o n n e x v o n
V. 2 6 z u m V o r i g e n bei ei' xig bearbeitete m a n d u r c h E i n f ü g u n g v o n ö e o d e r per E r s e t z u n g d u r c h ei'
xi, ö ö x i g bzw. ö x i , e b e n s o w o h l a u c h d u r c h d e n Z u s a t z » u n t e r e u c h « bei e l v a i . Teilweise w u r d e
0 Q n ö x ö g d u r c h e x e p ö ö o ^ o g o d e r mcrxög ersetzt, vielleicht ein sachlicher E n t s c h ä r f u n g s v e r s u c h .
D i e Variante bei » z ü g e l n « ist stilistischer A r t (beide V e r b f o r m e n in 3 , 2 f.). Präzisieren soll d a s zwei­
fache tavxov (statt a u x o ü ) . - A u c h d e n K o n n e x V. 2 6 / 2 7 wollte m a n deutlicher herstellen ( d u r c h
y d p bzw. ö e ) . D i e A u s l a s s u n g v o n xo> (vor 0eo>) hat stilistische G r ü n d e , e b e n s o d i e W a h l der 2 .
1 7
Pers. Plur. in V. 2 7 b . D e r v o m G e d a n k e n g a n g her ü b e r r a s c h e n d e S c h l u ß - T e i l s a t z w i r d d u r c h p 7 4
1 8
u n d L a k t a n z v e r ä n d e r t zu: »sie (also nicht: sich selbst) z u b e s c h ü t z e n (vor der W e l t ) « .

3. Text-und Kommunikationsstruktur

F o r m a l betrachtet, ergibt sich eine recht klare Struktur. J a k w e n d e t sich d r e i m a l (V. 1 6 . 1 9 . 2 2 ) a n


die G e s a m t h e i t d e r Leser, d i e ersten b e i d e n M a l e z u d e m m i t der A n r e d e » m e i n e geliebten B r ü d e r « .
D i e b e i d e n ersten P a s s a g e n (V. 1 6 - 1 8 . 1 9 - 2 1 ) e n d e n jeweils m i t einer A u s s a g e über G o t t e s W o r t ,
die in V. 2 2 f. a u f g e n o m m e n w i r d . D i e dritte Passage (V. 2 2 - 2 7 ) w i r d d u r c h ein d o p p e l t e s ei' xig
gegliedert (V. 2 3 - 2 5 . 2 6 - 2 7 ) . In k o m m u n i k a t i v e r H i n s i c h t ist d i e L a g e j e d o c h erheblich k o m p l i ­
zierter. - J a k b r i n g t in V. 16 ein W a r n s i g n a l a n seine Leser i n s g e s a m t ; weil s o w o h l V. 13 als a u c h
V. 17 eine A p o l o g i e G o t t e s enthalten, ist d i e Referenzrichtung offen. B e l e h r e n d e n Charakter
h a b e n V. 17 f.: »Alles G u t e k o m m t v o n G o t t ; er ist u n w a n d e l b a r ; er h a t u n s m i t d e m W a h r h e i t s -

1 4
M e t z g e r , T e x t u a l C o m m e n t a r y 6 7 9 f.
!5 M e t z g e r 6 8 0 .
1 6
» D e s G e s e t z e s « findet sich a u c h als V a r i a n t e in V. 2 2 . 2 3 , a b e r n i c h t i n d e n s e l b e n H s s . w i e in V. 2 5 .
1 7
Vielleicht a u s d e m G r u n d , d a ß m a n d e n ersten Teil nicht als A . c . I . mißversteht.
1 8
V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 1 3 A n m . 6. S o n d e r l e s a r t e n v o n p 7 4 a u c h in 2 , 1 1 . 1 2 . 1 8 . 2 0 . D a s V e r b
i)Jt8Qaojtt^8iv erscheint relativ h ä u f i g i n d e r L X X ; u. a. Prov 2 , 7 f. R o b e r t s b e v o r z u g t die L A v o n p 7 4 .
Text- u n d Kommunikationsstruktur 113
1 9
w o r t zur Erstlingskreatur geschaffen«. N u r hier (V. 1 8 ) findet sich ein » w i r / u n s « in J a k l . D i e
stark g r u n d s ä t z l i c h - t h e o l o g i s c h e A u s s a g e v o n V. 1 7 f., die d u r c h ihre Breite eine deutliche G e w i c h ­
t u n g trägt, m ü n d e t in eine recht allgemeine Z i e l a n g a b e in V. 1 8 b . E s bleibt offen, w a s d e n n » E r s t ­
ling seiner G e s c h ö p f e sein« impliziert. - Ü b e r g a n g s l o s bringt V. 1 9 d i e T h e m a t i k »hören, reden,
Z o r n « , w o b e i g r a m m a t i s c h in d e r S c h w e b e bleibt, o b l ö t e Indikativ o d e r I m p e r a t i v ist, o b J a k also
a n ein W i s s e n erinnert o d e r es erst vermittelt (s. aber bereits o. u n d z . S t . ) . Einstweilen wird n u r d a s
T h e m a » Z o r n « weitergeführt (V. 2 0 ) u n d a u f das T h e m a » G e r e c h t i g k e i t G o t t e s « b e z o g e n (von d e m
vor 2 , 2 1 - 2 5 nicht wieder die R e d e sein w i r d ) . D e r imperativischen B e l e h r u n g (ecrtü)...) V. 1 9 b - 2 0
schließt sich in V. 2 1 als F o l g e r u n g ( ö i ö ) eine inhaltlich recht weit gefaßte H a n d l u n g s b e s c h r e i b u n g
2 0
oder -anweisung (V. 2 1 a ) u n d ein positiv gehaltener A u f r u f m i t Verheißungscharakter a n
(V. 2 1 b ) . V. 2 1 gleicht eher V. 18 u n d k ö n n t e o h n e weiteres d o r t direkt anschließen. V. 19 f. er­
s c h e i n e n s o m i t als d i g r e s s i o , d e r e n T h e m e n i m f o l g e n d e n z u m e i s t n i c h t m e h r v o r k o m m e n :
s c h n e l l / l a n g s a m , Z o r n u n d d e r R u f zur Hörbereitschaft ( i m folgenden ist d a s H ö r e n als m ö g l i c h e s
N u r - H ö r e n g e r a d e d a s P r o b l e m , d e m die T a t gegenübergestellt w i r d ) . D a s k o m m u n i k a t i v e S i g n a l
v o n V. 19 f. entbehrt s o m i t d e r kontextuellen D e u t l i c h k e i t .
In V. 2 2 - 2 5 geht es u m d a s T u n ( j t o i T y t r | c ; , jioirjois), z u n ä c h s t des L o g o s ( O b j . , V. 2 2 f.), also
21

i m A n s c h l u ß a n V. 2 1 , d a n n des Werkes (V. 2 5 ) , a b g e s c h l o s s e n d u r c h eine M a k a r i s m u s - F o r m u l i e -


2 2
r u n g (V. 2 5 b ) . D e r N u r - H ö r e r w i r d übrigens nirgends s o n s t als hier ( 1 , 2 2 . 2 3 . 2 5 ) thematisiert.
D i e I n t e n t i o n ist deutlich: E s k o m m t a u f d a s T u n an; d a s H ö r e n ( a u c h des W o r t e s Gottes!) allein
g e n ü g t nicht. - N i c h t so klar ist der Vergleich in V. 2 3 b - 2 5 z u m T h e m a »Vergeßlichkeit«, d a s eben­
falls n u r hier (V. 2 4 f.) v o r k o m m t . Statt u m d a s H ö r e n geht es jetzt u m d a s S e h e n (V. 2 3 b - 2 4 ) . D a s
2
B i l d v o m S i c h - i m - S p i e g e l - B e t r a c h t e n (V. 2 3 b - 2 4 ) scheint nicht a u s z u r e i c h e n . 3 D i e F o r t s e t z u n g
(V. 2 5 a ) bringt n u r teilweise eine O p p o s i t i o n bei d e n Verben (»fortgehen/verharren«); d a s positive
G e g e n ü b e r liegt a n s c h e i n e n d i m O b j . » v o l l k o m m e n e s G e s e t z d e r Freiheit« selbst; aber d a s b e d a r f
der g e n a u e r e n U n t e r s u c h u n g (s. z. St.). S o w o h l v o m G e s e t z als a u c h v o n d e r Freiheit w a r bisher
nicht d i e R e d e g e w e s e n (das S y n t a g m a » G e s e t z d e r Freiheit« erscheint s o n s t n u r n o c h in 2 , 1 2 ) ,
w ä h r e n d d i e Stichwörter » v o l l k o m m e n « u n d »Werk« d i e L i n i e v o n 1,4.17 aufgreifen. J a k scheint
die k o m m u n i k a t i v e Kraft der A u s s a g e in V. 2 5 b h o c h einzuschätzen u n d d a m i t z u rechnen, d a ß sie
b e i m Leser a u f B e k a n n t h e i t u n d Verstehen trifft, soll d o c h g e r a d e hier d e r U n t e r s c h i e d zwischen
» H ö r e r der Vergeßlichkeit« u n d » T ä t e r des Werkes« klargestellt w e r d e n . - D i e formale Parallele z u
V. 2 3 in V. 2 6 (»wenn j e m a n d « ) scheint d a r a u f h i n z u d e u t e n , d a ß V. 2 6 - 2 7 eine weitere E x p l i k a t i o n
des Satzes V. 2 2 b r i n g e n soll. D a s M a t e r i a l ist bei J a k w e i t e s t g e h e n d n e u u n d z u m größeren Teil
sogar singulär: Oqtjöxöc;, -xeia (nur hier), »zügeln«, » Z u n g e « , » H e r z « , » b e t r ü g e n « (nur hier), »hohl«
(nur hier), »rein u n d m a k e l l o s « ( n u r hier), » W i t w e n u n d W a i s e n a u f s u c h e n « ( n u r hier), » u n b e ­
fleckt« ( n u r hier), xööjiog. M e h r e r e (sogar erstmals verwendete) F a k t o r e n w e r d e n also i m folgen­
d e n nicht wieder a u f g e n o m m e n . D i e P r o b l e m v e r o r t u n g in d e r subjektiven F e h l e i n s c h ä t z u n g
b e g e g n e t e u n s d a g e g e n bereits mehrfach ( 1 , 7 . 1 3 . 2 2 , jetzt erstmals m i t ö o x e t v ) . H i e r wie a n d e n
vorigen Stellen ist d a s k o m m u n i k a t i v e G e s c h e h e n offenbar a u f d i e K o r r e k t u r einer (latenten)
G e g e n p o s i t i o n gerichtet. - M a n h a t vorgeschlagen, d e r A u f b a u v o n 1 , 1 9 - 2 7 erkläre sich aus einer
24
chiastischen S t r u k t u r . D i e drei T e r m i n i » H ö r e n , R e d e n , Z o r n « (V. 19) w ü r d e n z u n ä c h s t »in ver­
änderter R e i h e n f o l g e entfaltet« (V. 2 0 Z o r n , V. 2 2 - 2 5 H ö r e n , V. 2 6 - 2 7 R e d e n / Z u n g e ) . D i e D u r c h ­
b r e c h u n g des C h i a s m u s ( R e d e n zuletzt, nicht H ö r e n ) wolle d a s R e d e n b e t o n e n . A u c h d i e folgen­
d e n A u s f u h r u n g e n seien chiastisch aufgebaut: V. 2 6 f. w ü r d e n expliziert in 3 , 1 - 1 2 ( Z ü g e l n der
Z u n g e ) , 2 , 1 4 - 2 6 (wahre F r ö m m i g k e i t ) u n d 2 , 1 - 1 3 (fehlerlos v o r d e r Welt s e i n ) . A b e r ist d a s rich-

1 9
Erst wieder 2 , 1 . 2 1 ; 3 , 3 . 6 ; 4 , 5 ; 5 , 1 7 , o h n e P e r s o n a l p r o n o m e n in 3 , 1 f.
2 0
S . u. z. St., o b d a s Partizip narrativ-voraussetzend o d e r indirekt-imperativisch g e m e i n t ist. - M u ß n e r , J a k o ­
b u s b r i e f 1 0 1 notiert, d a ß V. 2 1 als Antithese z u » Z o r n « (V. 2 0 ) sehr a l l g e m e i n ausfällt.
2 1
Außerdem nur noch 4 , 1 1 .
2 2
Als A d j e k t i v a u c h 1,12; als Verb 5 , 1 1 .
2 3
Vgl. Frankemölle, Ö T K 3 4 1 .
2 4
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 3 f., m i t B e z u g a u f Pfeiffer u n d C l a d d e r , A n l a g e . V g l . a u c h C o l l i n s , C o h e r e n c e ; er
unterteilt: V. 1 9 - 2 1 . 2 2 - 2 5 . 2 6 - 2 7 .
114 Der U m g a n g mitdem Wort Gottes

tig gesehen? Steht das Verhältnis zur Welt nicht eher in 4 , 1 ff. zur D e b a t t e ? S i n d die t h e m a t i s c h e n
C h a r a k t e r i s i e r u n g e n v o n 2 , 1 - 1 3 u n d 2 , 1 4 - 2 6 zutreffend? W a r u m fehlen so viele Stichwörter i m
weiteren Verlauf des Briefes? - D i e s e K r i t i k richtet sich a u c h g e g e n die d a m i t v e r w a n d t e T h e s e ,
1 , 1 9 - 2 7 sei, rhetorisch gesehen, als P r o p o s i t i o zu verstehen, deren A m p l i f i c a t i o i m Briefcorpus
25 26
e r f o l g e . D i e P r o p o s i t i o liefere »wichtige S t i c h w o r t e « für die A m p l i f i k a t i o n : R e d e n / Z u n g e in 3,1
ff.; »Aussehen der H e r k u n f t « (V. 2 3 ) in 2 , 1 - 1 3 ; » N u r - H ö r e r u n d T ä t e r des Wortes« in 2 , 1 4 - 2 6 ;
2 7
S a n f t m u t u n d Z o r n in 3 , 1 3 - 1 8 . G e w i ß k a n n m a n sagen, der A b s c h n i t t zeichne sich als Propositio
2 8
d u r c h b r e v i t a s / K ü r z e , a b s o l u t i o / V o l l s t ä n d i g k e i t u n d p a u c i t a s / P r ä g n a n z a u s . A b e r erwecken D u k ­
tus u n d D i k t i o n wirklich d e n E i n d r u c k , ein weiterer »Stichwortlieferant« (der erste u n d eigentliche
sei der P r o l o g 1,2-18)29 z u sein? W i e d e r u m : w o bleiben etliche Stichwörter - wie z. B . Z o r n , H ö r ­
bereitschaft:, N u r - H ö r e r , Vergeßlichkeit u n d die zahlreichen E l e m e n t e in V. 2 6 f.?30 G e w i ß , andere
31
Stichwörter erscheinen später wieder, teils fanden sie sich a u c h bereits v o r h e r . J a k liebt s o g a r sol­
che flashbacks. E i n e andere F r a g e ist j e d o c h , o b sich die eigene Struktur der Passage aus der F u n k ­
tion, das C o r p u s zu strukturieren (als p r o p o s i t i o / a m p l i f i c a t i o ) , herleiten läßt. Ist der kohärenz-sper-
rige Text wirklich in dieser Weise rekonstruierbar? B e v o r z u g t J a k nicht d o c h eher ein lockeres A s s o ­
ziationsverfahren? U n d : was ist a u f das K o n t o der T r a d i t i o n s ü b e r n a h m e zu verbuchen?

4. Traditionselemente

D a ß G o t t n u r G u t e s u n d V o l l k o m m e n e s g i b t (V. 1 6 ) , weiß a u c h d a s Judentum (Philo S a c r A b C a i n


3 2 3 3
6 3 ; M i g r 7 3 ) . E s k e n n t ihn a u c h als Vater des L i c h t s (TestAbr 7 , 6 ; A p o k M o s 3 6 ) . D a s L i c h t sei
die s c h ö n s t e v o m H i m m e l k o m m e n d e G a b e (Philo A b r 1 5 7 f f ) . G o t t ä n d e r t sich n i c h t (Philo I m m
2 0 - 3 2 ; L e g A l l 2 , 3 3 . 7 2 ; C h e r 8 8 - 9 0 ; S o m n 2 , 2 2 1 ; P o s t C a i n 2 8 ) . 3 4 - Ebenfalls w i r d d i e willentli­
che S c h ö p f u n g d u r c h G o t t b e t o n t (Philo O p M u n d 16; 4 4 ; 7 7 ; 1 3 8 ) . - V o m » W o r t der W a h r h e i t «
redet bereits d a s A T ( z . B . D t n 2 2 , 2 0 ; Ps 1 1 9 , 4 3 ; Prov 2 2 , 2 1 ) . D a s S y n t a g m a » E r s t l i n g der
35
G e s c h ö p f e « findet sich so zwar nicht in der j ü d . T r a d i t i o n ; i m m e r h i n s a g t Philo j e d o c h ü b e r d a s
V o l k Israel, d a ß es »wie eine E r s t l i n g s g a b e des g a n z e n M e n s c h e n g e s c h l e c h t s d e m S c h ö p f e r u n d
Vater z u g e w i e s e n w u r d e « (...• TOV GUUjravToc; avOocbjrcov yevovc, o i d Tic; . . . &jraQxr| . . . : S p e c L e g

25 B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 (eine p r o p o s i t i o s e c u n d a folge in 3 , 1 3 - 1 8 ) ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 5 .
2 6
S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 4 . A n d e r s v o n L i p s 4 1 6 : V. 1 7 ff. greifen M o t i v e der G a b e u n d d e s Bittens aus
1,5-8 auf, d i e in 3 , 1 3 ff.; 5 , 1 3 - 1 8 u n d 5 , 1 9 f. fortgeführt w ü r d e n .
2 7
S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 4 . T h u r e n sieht d i e Z u s a m m e n h ä n g e f o l g e n d e r m a ß e n : d i e p r o p o s i t i o 1 , 1 9 - 2 7
m i t d e n K o m p o n e n t e n » R e d e / W o r t , T a t , G e l d « erfahre in der A r g u m e n t a t i o n 2 , 1 - 5 , 6 die A m p l i f i k a t i o n
»Tat/Geld« (2,1-26), »Rede/Weisheit« (3,1-4,12) und »Rede/Tat/Geld« (4,13-5,6).
2 8
S o Frankemölle, Ö T K 3 2 5 .
2 9
E b d . 3 2 4 f.
3 0
A u s V. 1 6 - 1 8 k a n n m a n h i n z u f u g e n : Lichter, V e r ä n d e r u n g , E r s t l i n g s g e s c h ö p f , S c h m u t z , a b l e g e n , e i n g e ­
pflanztes W o r t , Seelen retten.
3 1
S o G e s e t z der Freiheit, W e r k , v o l l k o m m e n , Z u n g e zügeln, Welt, v o n o b e n , W a h r h e i t , L o g o s , G e r e c h t i g ­
keit, R e t t e n , S a n f t m u t , T ä t e r .
3 2
V g l . S t r . - B . III 7 5 2 . M i g r 7 3 heißt es, G o t t s c h e n k e d e n G e h o r s a m e n nichts U n v o l l k o m m e n e s ( d x e Ä i g ) ,
jrXf|QT| ö e >tai xsXeia J t d v t a .
3 3
V g l . freilich L a w s , C o m m e n t a r y 7 2 - 7 4 : es g e b e i m J u d e n t u m » n o certain p r e c e d e n t « , weil d i e H s s . hier
nicht völlig p r o b l e m l o s seien. Z u Q u m r a n s. e b d . sowie M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 - 9 2 : 1 Q S 3 , 2 0 f.; D a m
5,18.
3 4
Z u Philo, der b e k a n n t l i c h eine eigene Schrift z u m T h e m a verfaßte ( Q u o d D e u s sit I m m u t a b i l i s ) , s. M o n -
tes-Peral 1 2 1 - 1 3 1 ( » u n v e r ä n d e r l i c h « ) , vgl. 9 8 - 1 1 4 (»das w a h r e G u t e « ) ; C h r i s t i a n N o a c k , G o t t e s b e w u ß t ­
sein. E x e g e t i s c h e S t u d i e n zur S o t e r i o l o g i e u n d M y s t i k b e i Philo v o n A l e x a n d r i a ( W U N T I I 1 1 6 ) , T ü b i n ­
gen (Mohr) 2 0 0 0 .
3
5 K x i o u a k o m m t n i c h t g e r a d e h ä u f i g in der L X X vor: W e i s h 9 , 2 ; 1 3 , 5 ; 1 4 , 1 1 ; Sir 3 6 , 2 0 ( 1 7 ) ; 3 8 , 3 4 ; 3 M a k k
5,11.
Traditionselemente und J u d e n t u m 115

3 6
4,180). - M a h n u n g e n z u m H ö r e n u n d W a r n u n g e n vor U n b e d a c h t s a m k e i t , A u f b r a u s e n u n d
Z o r n (V. 2 0 ) g e h ö r e n z u m S t a n d a r d r e p e r t o i r e n i c h t n u r d e s J u d e n t u m s (Sir 1,22; 4 , 2 9 ; 5 , 1 1 ;
3 7
1 0 , 1 8 ; W e i s h 1 0 , 3 ; Prov 1 3 , 3 ; 2 9 , 2 0 f.; A b o t h 5 , 1 1 f . ) . E i n e A u s s a g e w i e in 1,20 b e g e g n e t u n s
3 8
jedoch nicht. D a s s e l b e gilt weithin a u c h für V. 2 1 , bei d e m sich n u r Einzelteile n a c h w e i s e n las­
sen; z u »einpflanzen« vgl. z. B . J o s e p h A p II 1 6 9 , aber a u c h bereits D t n 3 0 , 1 1 - 1 4 (»das W o r t ist u n s
n a h e , in M u n d u n d H e r z , d a m i t wir es t u n « ) u n d 4 Q D i b H a m 2 , 1 2 - 1 4 (die T o r a ins H e r z ein­
39
p f l a n z e n ) ; z u » W o r t a n n e h m e n « vgl. z. B . Prov 2 , 1 ; 4 , 5 ; 1 0 , 8 ; zur A u s s a g e »das T u n d e s G e b o t s
errettet« Sir 3 , 1 . - F ü r d a s J u d e n t u m steht außer Zweifel, d a ß G o t t e s W o r t e d u r c h d i e M e n s c h e n
4 0
» g e t a n « w e r d e n m ü s s e n (z. B . E x 2 4 , 3 ; L e v 1 8 , 5 ) . S c h o n d i e F o r m u l i e r u n g J t o i r | T c d Xoyov (1,22)
ist s e m i t i s c h ; griechisch w ü r d e sie d e n » W o r t - P r o d u z e n t e n « , d. h. d e n R h e t o r bezeichnen. D i e
explizite G e g e n ü b e r s t e l l u n g v o n » n u r Hörer, n i c h t a u c h T ä t e r « e n t s p r i c h t h i n g e g e n n i c h t direkt
4 1
der j ü d i s c h e n T r a d i t i o n , w o als P e n d a n t z u m T u n eher d a s (bloße) S t u d i e r e n erscheint, w i e d i e
4 2
Rabbinen betonen. - D i e M e t a p h e r v o m Spiegel ist zwar in der a n t i k e n religiösen Literatur ver­
43
breitet, in d e m bei J a k 1,23 f. v e r w e n d e t e n S i n n s o n s t j e d o c h n i c h t n a c h w e i s b a r . Weish 7,26
n e n n t d i e Weisheit G o t t e s u. a. d e n Spiegel der g ö t t l i c h e n E n e r g i e , w a s aber eher H e b r 1,3 ent­
4 4
spricht. - A u c h d a s S y n t a g m a » G e s e t z der Freiheit« erscheint n i c h t in der j ü d i s c h e n Literatur. -
D i e M a h n u n g , G o t t e s W o h l t a t e n u n d G e b o t e n i c h t z u vergessen, findet sich verbreitet i m A T ( D t n
4 , 9 . 2 3 . 3 1 ; 6 , 1 2 ; 2 6 , 1 6 - 1 9 ; Pss u. ö . ) ; e b e n s o der S c h u t z für d i e W a i s e n u n d W i t w e n ( D t n 2 7 , 1 9 ;
4
H i 2 2 , 9 u. ö.; Sir 3 5 , 1 4 f . ) . 5 - D a s Verb » i m Z a u m halten« fehlt zwar in der L X X ; m a n vergleiche
j e d o c h Philo S o m n 2 , 1 6 5 zur K o n t r o l l e des R e d e n s ; e b e n s o Prov 1 0 , 1 9 : »Wer seine Z u n g e
beherrscht, ist k l u g « ; P s P h o k y l 5 7 : G e f ü h l e w i e d e n Z o r n kontrollieren. — D i e textkritische Vari­
a n t e v o n p 7 4 (s. o.) in V. 2 7 ließe sich v o m A T her u n t e r m a u e r n ; vgl. Prov 2 , 7 . - Z u r hellenisti­
schen T r a d i t i o n g i b t es m e h r e r e Parallelen zu n o t i e r e n . 46
- Z u 1,16 u/f| JtAaväöOe w i r d zwar unter
H i n w e i s a u f E p i c D i s s I V 6 , 2 3 g e r n e gesagt, es h a n d e l e sich u m eine verbreitete F o r m e l der D i a ­
4 7 48
tribe. E s finden sich aber außerhalb des N T k a u m weitere S t e l l e n . - A n d e r e r M e i n u n g als
H o m e r , Z e u s teile w i e a u s zwei F ä s s e r n g u t e u n d s c h l i m m e G a b e n a u s (Ilias 2 4 , 5 2 5 - 5 2 8 ) , w a r

3 6
Vgl. N e u e r Wettstein 1267, dort i m Kontext.
37 V g l . B a k e r 2 3 ff. Z o r n schließt d i e Weisheit aus; vgl. J o h a n n e s Fichtner: T h W N T V 3 9 5 , 1 5 ff.; H ö r e n u n d
Weisheit g e h ö r e n e n g z u s a m m e n : Sir 6 , 3 3 . 3 5 ; 2 1 , 1 5 ; T e s t D a n 4 , 3 ; 1 Q S 4 , 1 0 ; 5 , 2 5 ; a u c h P l u t a r c h M o r a -
lia 5 0 2 e , u. a.
3
8 V g l . D i b e l i u s , K E K 1 4 1 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 7 .
39 4 Q 5 0 4 F r g . I K o l . II (bei M a i e r I I 6 0 6 f.). V g l . K l e i n 1 3 6 f. D i e M e t a p h e r » e i n g e p f l a n z t e s W o r t « findet
sich in A T u n d N T n u r hier ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 9 ) , a u c h n i c h t bei Philo. D a s A d j . e\icpVTOQ, i n d e r L X X
n u r W e i s h 1 2 , 1 0 , in d e n P s e u d e p i g r a p h e n n u r V i t A d 3 3 , 4 . V g l . a u c h v o n G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a -
p h o r i k 2 7 0 f.
4 0
V g l . H e r b e r t B r a u n : T h W N T V I 4 6 7 f. - » T ä t e r des G e s e t z e s « n u r I M a k k 2 , 6 7 ; » T u n des G e s e t z e s « a u c h
Sir 1 9 , 2 1 ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 7 ) .
4 1
Vgl. die K o m m e n t a r e zu M t 7,26 u n d Rom 2,13.
4 2
U l r i c h L u z , M t ( E K K ) I 4 1 2 f.; U l r i c h W i l c k e n s , Rom ( E K K ) I 1 1 3 f. S o A b o t h 1 , 1 5 . 1 7 ; vgl. 3 , 1 8 ; Philo
P r a e m 7 9 ff. ( ü b e r d a s E i n h a l t e n der G e b o t e ) .
4
3 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 2 f. V g l . d i e L i t e r a t u r z u I K o r 1 3 , 1 2 .
4 4
Sir 12,11 hat einen anderen Sinn.
4
5 V g l . ferner Sir 4 , 1 0 ; D a m 6 , 1 4 f.
4 6
N e u e r Wettstein 1 2 6 3 - 1 2 7 5 ( n u r bis einschl. J a k 1 , 2 3 ) .
4 7
D i e B e h a u p t u n g , es h a n d e l e sich u m eine geläufige F o r m e l d e r hellenistisch-rhetorischen D i a t r i b e , läßt sich
s o n i c h t halten. V g l . G r e e v e n , G a b e 3 . G e g e n D i b e l i u s , K E K 1 2 9 f. ( m i t H i n w e i s a u f d a s v e r w a n d t e
e g a j t a x a o O e in E p i c D i s s II 2 0 , 7 f. u n d 2 2 , 1 5 ) ; J o h n s o n , A n c B 1 9 5 ; L a w s , C o m m e n t a r y 7 2 ; M u ß n e r ,
J a k o b u s b r i e f 9 0 ; V o u g a 5 6 ; H . B r a u n : T h W N T V I 2 3 0 - 2 5 4 (in hellenistischen T e x t e n fehle d e r t a d e l n d e
T o n ; » d a s J t X a v ä ö O a i g e s c h i e h t o h n e S c h u l d « : 2 3 3 ) ; A b r a h a m J . M a l h e r b e , P h i l o s o p h e r s 8 0 . - Bei E p i c D i s s
I V 6 , 2 3 heißt es: » S o l l i c h v e r k ü n d e n , >Männer, laßt e u c h nicht t ä u s c h e n , m i r g e h t es g u t , m i c h b e k ü m ­
m e r t nicht A r m u t usw.<?«
4 8
N i c h t in d e r L X X , a u ß e r in einigen H s s bei J e s 4 4 , 8 . V g l . H . B r a u n : T h W N T V I 2 3 3 . Z u m N T s. G r e e ­
ven, G a b e 3 f.
116 Der U m g a n g mit d e m Wort Gottes

49
D i o C h r y s O r 3 2 , 1 5 f., später a u c h T h e m i s t i o s O r 6 , 7 9 c - d : V o n o b e n k o m m e nur S e g e n s r e i c h e s .
- D i e a s t r o n o m i s c h e n A s p e k t e in J a k 1,17b s i n d g e m e i n - a n t i k e T r a d i t i o n . 50 _ D i e UnVeränder­
lichkeit des G ö t t l i c h e n lehren A r i s t o t ( » u n b e w e g t e r B e w e g e r « ) , die S t o a u. a. - D i e dreifach geglie­
5 1
derte G e s a m t a u s s a g e v o n V. 1 7 liest sich wie eine Z u s a m m e n f a s s u n g der aristotelischen G o t t e s ­
52
l e h r e : (1) V o n G o t t geht G u t e s a u s , ist die N a t u r d o c h ein d y a ö o v ; (2) G o t t ist der B e w e g e r des
H i m m e l s , des 5. E l e m e n t s ; (3) G o t t ist der u n b e w e g t e Beweger, weit über allem W e r d e n u n d Ver­
gehen. - D i e Verhaltensregel 1,19b taucht m i t der einen oder anderen A k z e n t u i e r u n g verschie­
dentlich auf: h ö r e n - d e n k e n - r e d e n ( D i o C h r y s O r 3 2 , 2 ) ; w e n i g reden, viel h ö r e n ( L u c D e m 5 1 ) ,
»der M e n s c h hat zwei O h r e n , nur einen M u n d « usw. (Plut M o r 3 9 b ; 5 9 2 f - 5 9 3 a ; D i o g L a e r t I 9 2 ;
53
V I I 2 3 ) . Verbreitet ist a u c h d a s rhetorische Paar » s c h n e l l - l a n g s a m « . Ü b e r d e n T o p o s » Z o r n «
5 4
schrieb m a n regelrechte A b h a n d l u n g e n (so P l u t ) . D i e K o m b i n a t i o n der drei Faktoren » h ö r e n -
55
r e d e n - Z o r n « ist s o allerdings vor J a k nicht b e l e g t . - D i e B e s e i t i g u n g alles U n r e i n e n ( 1 , 2 1 ) gilt bei
5 6
d e n P h i l o s o p h e n als n ö t i g e p r o p ä d e u t i s c h e M a ß n a h m e ( L u c V i t A u c t 3; T h e o n S m y n I 1 u. a . ) .
- D i e G e g e n ü b e r s t e l l u n g v o n Z o r n u n d S a n f t m u t bringt bereits Aristot ( E t h N i c 1 1 2 5 b ; R h e t o r i k
57
1 3 8 0 h ) . D e n T e r m i n u s euxpuxoc; Xoyog k e n n t a u c h die hellenistische P h i l o s o p h i e . Z u r m e t a ­
p h o r i s c h e n V e r w e n d u n g v o n »sich i m Spiegel betrachten« s. bereits i m vorigen A b s c h n i t t ; sie ist
5 8
allerdings »keineswegs s o häufig, wie b e h a u p t e t w i r d « . - D a s S y n t a g m a » G e s e t z der Freiheit« fin­
det sich in der hellenistischen Literatur g e n a u s o w e n i g wie in der j ü d i s c h e n . — V o m » Z ü g e l n « rede­
59
ten a u c h die G r i e c h e n m e t a p h o r i s c h ( L u k i a n V. S a m . , V o m T a n z 7 0 : O b j . = L e i d e n s c h a f t e n ) .
D i e innerntl Parr s i n d stellenweise bemerkenswert deutlich, s o d a ß sich a u c h v o n hier aus die
Frage n a c h der T r a d i t i o n s g e b u n d e n h e i t v o n 1 , 1 6 - 2 7 stellt. D i e M a h n u n g \ir\ jrX,aväö0Tie ( 1 , 1 6 )
6 0
erscheint mehrfach bei Paulus ( I K o r 6 , 9 ; 1 5 , 3 3 ; G a l 6 , 7 ) , d a z u L k 2 1 , 8 . D i e G e b e t s u n t e r w e i ­
s u n g L k 1 1 , 1 3 par. M t 7 , 1 1 betont, d a ß v o n G o t t (nur) G u t e s zu erwarten ist. D a s L i c h t - S e i n G o t ­
tes » o h n e j e d e Finsternis in I h m « h e b t a u c h l j o h 1,5 hervor. - D i e wichtigste F r a g e ist, o b J a k in
61
1,18.21 frühchristliche B e k e h r u n g s - bzw. Tauftradition a u f g r e i f t . Speziell werden d a z u IPetr u n d
K o l / E p h h e r a n g e z o g e n , z u d e m weitere Stellen i m C o r p u s P a u l i n u m , bei d e n S y n o p t i k e r n u n d bei
J o h , u n d zwar zu folgenden Stichwörtern u n d M o t i v e n : (Wieder-, N e u - ) G e b u r t ( I P e t r 1,3,23; T i t
3 , 5 ; J o h 3,5 f f ) , G e s c h ö p f ( 2 K o r 5 , 1 7 ; G a l 6 , 1 5 ; K o l 3 , 1 0 ; E p h 2 , 1 0 ; 4 , 2 4 ) , W o r t der Wahrheit
(Kol 1,5 f.; E p h 1,13; vgl. 2 K o r 6 , 7 ; 2 T h e s s 2 , 1 3 ; 2 T i m 2 , 1 5 ) , E r s t l i n g zur Soteria ( 2 T h e s s 2 , 1 3 ) ,
A b l e g e n v o n S c h m u t z , L a s t e r n usw. ( I P e t r 2,1 f.; 3 , 1 1 . 2 1 ; Rom 1 3 , 1 2 ; K o l 3 , 8 ; E p h 4 , 2 2 f f ; H e b r
1 2 , 1 ) , A n n e h m e n des N e u e n ( K o l 3 , 1 0 ff.; E p h 4 , 1 4 ) , b e s o n d e r s des Wortes ( M k 4 , 1 3 - 2 0 parr.;
6 2
M t 1 5 , 1 3 ; I K o r 3 , 6 ) , E i n p f l a n z u n g (vgl. Rom 6 , 5 ) , R e t t u n g der Seelen (vgl. IPetr 1,9; 3 , 2 0 ) .
63
Z w a r lassen sich Einzelteile a u c h anders h e r l e i t e n ; es ist aber g e r a d e der k u m u l a t i v e Effekt, der für

4 9
N e u e r Wettstein 1 2 6 4 f.
50 D i b e l i u s , K E K z. St.; E W N T III 7 1 f.
51 Vgl. Klein 6 6 - 6 8 .
52 V g l . O t f r i e d H ö f f e , Aristoteles, M ü n c h e n (Beck) 1 9 9 6 , 1 5 0 ff.
53 Dibelius. K E K 143.
4
5 Weiteres M a t e r i a l bei J o h n s o n , A n c B 1 9 9 f.; N e u e r Wettstein 1 2 7 0 f.
55 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 6 (in D i s k u s s i o n m i t D i b e l i u s ) .
56 Texte: N e u e r Wettstein 1 2 7 2 - 1 2 7 4 .
5 7
J a c k s o n - M c C a b e , G o s p e l , verweist u. a. a u f C i c e r o L e g 1,18 f. D i e j a k A u s s a g e sei a m besten a u f s t o i s c h e m
H i n t e r g r u n d z u verstehen; d o r t k o m m e sie d e m » N a t u r g e s e t z « nahe.
5 8
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 2 (gegen D i b e l i u s , K E K 1 4 7 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 5 , u. a.). N e u e r Wettstein
1 2 7 5 verzeichnet n u r einen Beleg: Plut. M o r a l i a 4 2 b . V g l . weiter M a y o r 7 1 f.
59 V g l . J o h n s o n , A n c B 2 1 0 .
6 0
Vgl. Klein 6 7 .
6 1
V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 2 5 f f ; P a r ä n e s e 1 0 7 - 1 1 1 . 1 4 9 ff.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f ; Tauflehre; M o t i v a t i o n ;
K o n r a d t , E x i s t e n z 4 1 ff. K r i t i s c h F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 1 . D i s k u s s i o n s ü b e r b l i c k bei K l e i n 1 2 1 ff.
6 2
S . ferner l T h e s s 1,6; 2 , 1 3 ; I K o r 1 5 , 1 ; K o l 2,6; A p g 2 , 4 1 ; 8,14; 1 1 , 1 ; 1 7 , 1 1 .
6 3
Z . B . K l e i n 1 3 5 - 1 3 7 z u V. 2 1 »eingepflanztes W o r t « . G e g e n T a u f t r a d i t i o n spreche, d a ß die W e n d u n g »das
W o r t a n n e h m e n « sonst i m frühchristlichen M i s s i o n s k o n t e x t für die A n f a n g s p h a s e v o r k o m m e . - Bei J a k ist
Redaktion u n d Intention 117
64
die A d a p t i o n der frühchristlichen T r a d i t i o n s p r i c h t . G e w i ß , es g i b t a u s ntl. Z e i t keine liturgi­
6 5
schen o d e r katechetischen Texte; die A n g a b e n m ü s s e n vielmehr a u s d e m N T erschlossen w e r d e n .
D o c h dürften d i e A n h a l t s p u n k t e zahlreich g e n u g sein, u m R ü c k s c h l ü s s e a u f eine solche T o p i k z u
6 6
gestatten u n d sie als H i n t e r g r u n d für A u s s a g e n w i e J a k 1,18.21 plausibel z u m a c h e n . A u f j e d e n
Fall ist der H i n t e r g r u n d d o r t sorgfältig a b z u s u c h e n . - D a s P r o b l e m d e s Z o r n e s (V. 1 9 b - 2 0 ) erwäh­
n e n d i e bereits z u V. 1 8 . 2 1 h e r a n g e z o g e n e n A b s c h n i t t e K o l 3 (V. 8 ) u n d E p h 4 (V. 3 1 ) n e b e n a n d e ­
6 7
ren W o r t - S ü n d e n , d a z u M t 5 , 2 1 f. u n d D i d 3 , 2 ( z u s a m m e n m i t M o r d ) . Insofern als a u c h
6 8
» G e r e c h t i g k e i t « ein katechetisches S t i c h w o r t i m N T i s t , steht V. 2 0 ebenfalls in dieser T r a d i t i o n .
6 9
D a s s e l b e gilt für » S a n f t m u t « ; es b e g e g n e t w i e d e r u m in K o l 3 (V. 12) u n d E p h 4 (V. 2 ) , d a z u IPetr
3,4.15; M t 5,5; 2 K o r 10,1; G a l 5,23; 6 , 1 ; 2 T i m 2 , 2 5 ; Tit 3,2. - Die Gegenüberstellung von Hören
u n d T u n (V. 2 2 ff.) ist in dieser F o r m charakteristisch für d a s F r ü h c h r i s t e n t u m , w i e M t 7 , 2 4 ff. u n d
w o h l a u c h Rom 2 , 1 3 belegen. N a h e a n J a k 1 , 2 3 - 2 5 stehen L k 8 , 1 5 ; 1 1 , 2 8 (»das W o r t G o t t e s h ö r e n
u n d b e w a h r e n « , in 1 1 , 2 8 m i t M a k a r i s m u s ) u n d J o h 8 , 3 1 ? ° (im W o r t J e s u b l e i b e n ) . - Z u r S p i e g e l ­
7 1
m e t a p h e r ist allenfalls I K o r 1 3 , 1 2 vergleichbar. »Vergessen« spielt i m N T k a u m eine R o l l e . E b e n ­
so signalisiert Jtagaxujrxeiv kein ntl. M o t i v (das Verb findet sich n o c h - K o n t e x t »leeres G r a b « -
L k 2 4 , 1 2 ; J o h 2 0 , 5 . 1 1 ; sowie IPetr 1,12 - S e h n s u c h t der E n g e l ) . - D i e W a r n u n g v o r d e m S e l b s t ­
b e t r u g (V. 2 2 . 2 6 ) erscheint verschiedentlich i m N T , u n d zwar m i t itapa^oyt^BaOaL K o l 2 , 4 u n d
m i t outaxäv/djcdTT] K o l 2 , 8 ; E p h 4 , 2 2 ; 5 , 6 ; M k 4 , 1 9 par.; 2 T h e s s 2 , 1 0 ; H e b r 3 , 1 3 . - D e r M a k a ­
r i s m u s des T u n s k o m m t in dieser F o r m n u r n o c h J o h 1 3 , 1 7 vor. D i e K o m b i n a t i o n »Waisen u n d
72
W i t w e n « erscheint i m N T s o n s t n i c h t ; die V e r s o r g u n g v o n W i t w e n e r w ä h n t n u r l T i m 5 , 1 6 kurz.
7 3
D i e V o k a b e l Oonaxeia/Opnaxöc; ruft ebenfalls keine M o t i v z u s a m m e n h ä n g e i m N T w a c h . -
W ä h r e n d s o m i t für J a k l , 2 5 - 2 7 a w e n i g ntl. Vergleichsmaterial vorliegt, bietet d i e Schlußzeile in
7 4
V. 2 7 b eine auffällige Parallele z u IPetr 1 , 1 4 - 1 6 . 2 2 (heiliges Verhalten, D i s t a n z z u r W e l t ) . Dort
findet sich n ä m l i c h a u c h d a s M o t i v der B e v o r z u g u n g ( r c Q o a c n j t o X n L U p i a , V. 1 7 ) , v o n d e m J a k als­
b a l d reden w i r d ( 2 , 1 . 9 ) . D a r a u s w i e d e r u m ergibt sich eine interessante R ü c k k o p p l u n g z u Sir 3 5
( = 3 2 ) , 12 ff. w o d i e M o t i v e » G o t t e s unparteiisches R i c h t e n « , » N o t der W a i s e n u n d W i t w e n « u n d
»rechter G o t t e s d i e n s t « s a c h l o g i s c h z u s a m m e n s t e h e n (s. o . ) .

5. Redaktion und Intention

G e r a d e in 1 , 1 6 - 2 7 b e g e g n e t u n s ein recht kompliziertes S c h a c h t e l s y s t e m a u s d i a c h r o n e n u n d syn­


c h r o n e n E l e m e n t e n . U n v e r k e n n b a r rekurriert J a k a u f T r a d i t i o n unterschiedlicher H e r k u n f t . W a s
ergibt sich d a r a u s kontextuell? Welche H a u p t - u n d N e b e n l i n i e n verfolgt J a k ? - Insofern sich V. 1 6
75
a u f das F o l g e n d e b e z i e h t , stehen die A u s f ü h r u n g e n unter d e m Vorzeichen der W a r n u n g vor M i ß ­
d e u t u n g e n u n d Irreführungen; J a k a r g u m e n t i e r t e b e n s o p r o p h y l a k t i s c h w i e korrigierend. D i e s e

es d e n C h r i s t e n allerdings bereits »eingepflanzt«. — V g l . a u c h F r a n k e m ö l l e s B e d e n k e n z u » a b l e g e n / a u f n e h -


m e n « ( Ö T K 3 3 1 f.).
6 4
Z u 1 , 1 8 » W o r t der W a h r h e i t « s o a u c h K l e i n 1 2 9 - 1 3 4 . A n d e r s F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 1 .
65 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 1 ; ähnlich L o h s e , E t h i k 1 3 0 - 1 3 3 .
6 6
F ü r d e n E i n f l u ß v o n T a u f - T h e o l o g i e : B o i s m a r d 1 6 7 ff.; B r a u m a n n 4 0 5 ff. (zu 1 , 1 8 u n d a n d e r e n Stellen).
67 S . a u c h l T i m 2 , 8 ; T i t 1,7. V g l . W i l h e l m Pesch: E W N T II 1 2 9 4 - 1 2 9 7 ; G u s t a v Stählin: T h W N T V 4 1 9 -
448.
6 8
P o p k e s , Paränese 1 4 2 f.; G e r e c h t i g k e i t s t r a d i t i o n .
6 9
P o p k e s , Paränese 1 4 7 f.
7 0
J o h 8 , 3 2 ff. erscheinen z u d e m a u c h n o c h die M o t i v e W a h r h e i t u n d B e f r e i u n g .
7 1
Allenfalls n o c h H e b r 1 3 , 1 6 . A n d e r s in Phil 3 , 1 3 .
7 2
N u r i n einer V a r i a n t e in M k 1 2 , 4 0 .
7 3
S o n s t n u r A p g 2 6 , 5 ; K o l 2 , 1 8 . V g l . J o h n s o n , Taciturnity.
7 4
S o g a r d a m X o g findet sich IPetr 1 , 1 9 , d o r t allerdings b e z o g e n a u f d a s O p f e r l a m m C h r i s t u s . D i e V o k a b e l
erscheint i m N T s o n s t n u r n o c h l T i m 6 , 1 4 ; 2Petr 3 , 1 4 .
7 5
S . o.; m i t K l e i n 6 7 .
118 Der U m g a n g mit d e m Wort Gottes

h e r m e n e u t i s c h e S p u r tritt in V. 2 2 u n d 2 6 erneut z u m Vorschein; ein d o p p e l t e r S e l b s t b e t r u g w i r d


angezeigt, w o b e i der erste (V. 2 2 - 2 5 ) d a s Vergessen des T u n s , der zweite ( V 2 6 f.) d a s leere (reli­
7 6
giöse) D a h e r r e d e n enthält. E s geht also u m d e n rechten U m g a n g m i t d e m W o r t ; d a s W o r t ( G o t ­
tes) will z u p r a k t i s c h e n K o n s e q u e n z e n führen. V o m W o r t G o t t e s h a n d e l n a u c h V. 18 u n d 2 1 , ein­
m a l als s c h ö p f u n g s w i r k s a m e s » W o r t der Wahrheit«, s o d a n n als z u ergreifendes, h e i l s a m e s » e i n g e ­
pflanztes W o r t « . G e r a d e hierbei k a n n sich J a k offenbar a u f frühchristliche B e k e h r u n g s t r a d i t i o n
7 7
beziehen. D a m i t ist die g e w i c h t i g e A u s s a g e in V. 17 über G o t t e s G ü t e u n d U n v e r ä n d e r b a r k e i t
v e r b u n d e n ; dieses G o t t e s v e r s t ä n d n i s k a n n sich a u f breite A k z e p t a n z verlassen, klingt d a r i n d o c h
j ü d i s c h e , hellenistische u n d frühchristliche T r a d i t i o n auf. D a s H a n d e l n G o t t e s (V. 18) findet (so
die traditionelle E r w a r t u n g ) seine F o r t s e t z u n g i m e n t s p r e c h e n d e n R e a g i e r e n des M e n s c h e n
(V. 2 1 ) . - E i n e N e b e n l i n i e scheint in V. 19 f. e i n g e s c h o b e n z u sein, u n d zwar speziell d i e E r w ä h ­
n u n g des Z o r n s (V. 2 0 ) i m Vorgriff a u f d a s , w a s es vor a l l e m a b z u l e g e n gilt, w o b e i J a k in der G e g e n ­
überstellung v o n Z o r n u n d S a n f t m u t nicht n u r a u f a l l g e m e i n e hellenistische T r a d i t i o n , s o n d e r n in
V e r b i n d u n g m i t » G e r e c h t i g k e i t « speziell a u f frühchristliche N e o p h y t e n - T r a d i t i o n zurückgreifen
k a n n . A n s c h e i n e n d ist der S e i t e n h i e b a u f zorniges G e b a r e n unter C h r i s t e n , d a s evtl. s o g a r t h e o l o ­
gisch falsch interpretiert w u r d e (»der Z o r n bewirkt . . . « ) , für J a k wichtig. D a s W o r t » Z o r n «
erscheint zwar n i c h t wieder, w o h l aber ein ähnliches Verhalten ( 3 , 1 3 - 1 6 ; 4 , 1 ff.); u n d z u m T h e m a
» G e r e c h t i g k e i t « w i r d in 2 , 1 4 ff.; 3 , 1 7 f. einiges dargelegt w e r d e n . D e m g e g e n ü b e r s i n d d i e rest­
lichen Inhalte v o n V. 19 eher eine a l l g e m e i n e , weniger profilierte E r i n n e r u n g a n s a t t s a m B e k a n n ­
7 8
tes. E b e n d e s h a l b legt sich d i e indikativische (nicht die imperativische) B e d e u t u n g v o n l'öxe n a h e ;
J a k ruft B e k a n n t e s in E r i n n e r u n g . D i e verbreitete M e i n u n g vieler K o m m e n t a t o r e n , J a k eröffne m i t
V. 19 einen n e u e n A b s c h n i t t m i t e i n e m n e u e n T h e m a , i n d e m er imperativisch belehrenderweise
die A d r e s s a t e n a u f etwas a u f m e r k s a m m a c h e , w i r d d e m Text w e d e r s y n c h r o n i s c h n o c h d i a c h r o ­
nisch gerecht. D i e B e l e h r u n g ist erst i m ecrcco-Satz enthalten. - In V. 2 2 - 2 5 k n ü p f t J a k m i t der A u s ­
sage »nicht n u r h ö r e n , s o n d e r n a u c h t u n « i m a l l g e m e i n e n S i n n bei der j ü d i s c h e n T r a d i t i o n an, s p e ­
ziell j e d o c h bei der frühchristlichen A k z e n t u i e r u n g , w o b e i s o g a r P a u l u s ( R o m 2 , 1 3 ) e i n b e z o g e n
7 9
werden k a n n . Inhaltlich bildet d a s d i e H a u p t l i n i e . D i e n a h e z u k r y p t i s c h e n A u s s a g e n in V. 2 3 b -
2 5 , die a u c h aus d e n T r a d i t i o n e n n u r spurenhaft z u belegen s i n d , k ö n n t e n spezielle M e r k p o s t e n
darstellen, w o b e i d a s S y n t a g m a » G e s e t z der Freiheit« vorausweist a u f 2 , 8 - 1 3 .
E i g e n a r t i g ist d a s Geflecht v o n K o n t e x t u a l i t ä t u n d Intertextualität in V. 2 6 f. T r a d i t i o n s g e p r ä g t
v o m A T u n d J u d e n t u m her ist die A u s s a g e über die karitative F ü l l u n g der G o t t e s v e r e h r u n g , a u f d i e
8 0
J a k a n s c h e i n e n d zielt (vgl. die H a u p t l i n i e in V. 2 2 - 2 5 ) . D a s M o t i v der S e l b s t b e h e r r s c h u n g b e i m
R e d e n g e h ö r t zur a l l g e m e i n e n T r a d i t i o n , ist hier bei J a k aber n i c h t profiliert; er w i r d es später
(3, ff.) erneut b e h a n d e l n . In V. 2 7 verschachtelt J a k v e r m u t l i c h zwei M o t i v k o m p l e x e miteinander.
Sir 3 5 ( = 3 2 ) , 1 2 ff. liefert nicht n u r die M o t i v e » V e r s o r g u n g der W a i s e n u n d W i t w e n « u n d »rechte
G o t t e s v e r e h r u n g « , s o n d e r n a u c h »die Person nicht a n s e h e n « , w o m i t J a k z u 2 , 1 ff. gelangt. » U n p a r ­
teiisch beurteilen« findet sich a u c h in IPetr 1 , 1 4 - 1 6 , d o r t v e r b u n d e n m i t »heilig g e g e n ü b e r der
Welt«, w o v o n J a k 1,27b redet. E s scheint d e s h a l b s o , d a ß J a k p r i m ä r d e m F a d e n v o n Sir 3 5 ( = 3 2 )
bis hin z u » A n s e h e n der Person« folgt, o h n e j e d o c h s ä m t l i c h e v o n dessen M o t i v e n später wieder
aufzugreifen (darunter: G o t t e s v e r e h r u n g , Reinheit, Waisen u n d W i t w e n ) . Weil i h m die D i s t a n z
zur Welt w i c h t i g ist (s. bes. 4 , 1 ff.), b a u t er dieses E l e m e n t a u s der IPetr-Tradition einschließlich
» A n s e h e n der Person« ein, o b w o h l die A u s s a g e v o n V. 2 7 b i m K o n t e x t weniger a n g e b r a c h t z u sein
scheint, w a s a u c h einige alte A b s c h r e i b e r b e o b a c h t e t e n u n d z u »verbessern« s u c h t e n (s. o. z u p 7 4 ) .
D i e I n t e n t i o n des J a k in 1 , 1 6 - 2 7 richtet sich p o s i t i v also a u f d a s rechte Verständnis d e s s e n , w a s
G o t t m i t s e i n e m W o r t a n u n s g e t a n hat u n d w a s er d a m i t a u s l ö s e n will. N e g a t i v zielt J a k a u f d e n

7 6
V g l . B a k e r 9 9 - 1 0 4 z u r S a c h a n a l y s e . Z u r » T h e o l o g i e d e s W o r t e s « in 1 , 1 9 - 2 7 s. B l o n d e l 1 4 8 ff.
7 7
D a s W o r t Oeög fällt hier freilich n i c h t ; n a c h V. 13 f i n d e t es sich erst w i e d e r in V. 2 0 . 2 7 . A b e r d i e A n g a b e n
» v o n o b e n « u n d »Vater d e r L i c h t e r « s i n d i n h a l t l i c h e i n d e u t i g .
7 8
M i t J o h n s o n , A n c B 1 9 8 f.
7 9
Z u 1 , 1 9 - 2 7 vgl. Cranfield 1 8 6 - 1 8 9 .
8 0
V g l . V e r s e p u t , Prayers.
1,16 119

S e l b s t b e t r u g , d e r generell i m t a t e n l o s e n u n d u n k o n t r o l l i e r t e n R e d e n liegt. W a s d a r u n t e r d e s n ä h e -
ren z u v e r s t e h e n ist, w i r d d u r c h ein p a a r e i n g e s t r e u t e S t i c h w ö r t e r m a r k i e r t , a u f d i e J a k teilweise
z u r ü c k k o m m e n w i r d : G e r e c h t i g k e i t G o t t e s , G e s e t z der Freiheit, Z ü g e l n d e r Z u n g e u n d D i s t a n z
zur W e l t . S o b e t r a c h t e t , h a t der A b s c h n i t t a u c h e x p o s i t i o n e l l e F u n k t i o n , a l l e r d i n g s relativ u n g e -
o r d n e t , m e h r i m Stil v o n M e r k p o s t e n , e i n g e f l o c h t e n z u n ä c h s t e i n m a l a u f g r u n d v o n d i a c h r o n e n
Vorgaben. Solche Stichwörter werden d a n n zu flashbacks u n d Querverweisen. D e r Ü b e r g a n g z u m
F o l g e n d e n ist a u f g r u n d d e r g e n a n n t e n d i a c h r o n e n V e r f l e c h t u n g e n d u r c h a u s fließend, liegt d o c h
d a s S t i c h w o r t » A n s e h e n d e r P e r s o n « ( 2 , 1 . 9 ) u n m i t t e l b a r a u s der T r a d i t i o n bereit.

16 Die Aufforderung \ir\ jrAaväoBe kommt bei Jak nur hier vor. Sie fehlt in der L X X
(außer in einigen Hss. bei Jes 44,8); in der profanen Literatur ist sie lediglich bei Epic
81
Diss 4,6,23 nachgewiesen. Wohl aber findet sie sich mehrfach bei Paulus (Gal 6,7;
1 Kor 6,9; 15,33); ähnlich auch L k 2 1 , 8 ; M k 13,5 f.; M t 24,4 £11.24 im Aktiv; l j o h
3,7. Das Verb JtXavdo) bezeichnet im N T und Judentum die Verführung und Irrelei-
82
tung bzw. das Irregehen. Häufig steht das Bild der verirrten Schafe dahinter (ip
8
118,176; Jes 53,6; Ez 34,4.16; M t 18,12 f.; 1 Petr 2 , 2 5 ) . 3 Verführer sind Irrlehre^,
85 86
falsche Propheten, der Teufel , Menschen (auch reflexiv), mehrfach im eschatolo-
gischen Rahmen. Die drei genannten Paulus-Parallelen verweisen jeweils voraus auf
87
die folgende A u s s a g e . Wie in IKor 6,9 f. folgt auch bei IgnEph 16,1; Phd 3,3 die
88
Aussage, daß bestimmte Leute »das Reich Gottes nicht erben werden«. Evtl. benutzt
89
Jak eine frühchristliche, gebräuchliche W e n d u n g , die den (eschatologischen) Ernst
seiner Mahnung unterstreicht. Sie steht inhaltlich im Kontrast zu »Wahrheit« (V. 18)
und wird von »sich selbst betrügen« (V. 22) aufgenommen. Schon das zeigt an, daß
90
V. 16 nicht nur auf V. 17, sondern auf das Folgende insgesamt vorausweist. - Die
Form JttaxväoGe kann als Aktiv oder Passiv verstanden sein, wie die unterschiedlichen
92 93
Übersetzungen zeigen: sich irrend, in die Irre gehen , oder: sich verführen lassen .
Wegen der Parallele in 5,19 könnte sich auch hier eine passivische Interpretation
nahelegen. Jak hat sonst jedoch Irrlehrer von außen nicht im Blick; zudem liegt ihm
an der Verantwortlichkeit der Adressaten. Dafür spricht auch die Sachparallele in
94
1,22, ebenso bereits 1 , 7 . 1 3 . Deshalb ist die Übersetzung »Täuscht euch nicht!« vor-

8 1
V g l . o. T r a d i t i o n s a n a l y s e .
82 O t t o B ö c h e r : T h W N T I I I 2 3 3 - 2 3 8 ; G a r r i s o n 8 1 .
8 3
A u c h » K i n d e r « s i n d O b j . d e r Irreleitung; s o e t w a l j o h 3 , 7 .
8 4
E t w a l j o h 2 , 2 6 ; 3 , 7 ; 2 P e t r 2 , 1 5 ; A p k 2 , 2 0 . S o g a r J e s u s trifft dieser V o r w u r f : J o h 7 , 1 2 . 4 7 ; M t 2 7 , 6 4 .
8
5 A p k 12,9; 20,3.8.10.
8
6 Z. B.2Tim3,13.
8 7
S o a u c h B r a u n : T h W N T V I 2 4 5 , 2 6 f. A n d e r s M a l h e r b e , P h i l o s o p h e r s 8 0 : i n d e r D i a t r i b e m e i s t a m E n d e .
8 8
V g l . G a r r i s o n 8 1 f. B e i I g n s o n s t n o c h M a g n 8 , 1 . A u c h i n G a l 6 , 6 ff. f i n d e t s i c h e i n e e s c h a t o l o g i s c h e W a r -
nung.
8
9 D i b e l i u s , K E K z. S t . ; W i n d i s c h ; B r a u n : T h W N T V I 2 4 6 , 1 f.; K l e i n 6 7 .
9 0
V i e l e d a g e g e n b e t r a c h t e n V. 1 6 als E i n l e i t u n g s f o r m e l z u V. 17; s o G r e e v e n , G a b e 4 ; L a w s , C o m m e n t a r y 7 2 ;
S c h r ä g e , J a k o b u s b r i e f z. S t . ; V o u g a 5 6 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 9 f.; S c h n i d e r 4 3 .
91 S o z. B . S c h n i d e r 4 2 ; V o u g a 5 1 .
92 D a f ü r p l ä d i e r t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 8 9 .
93 S o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 4 ; M a r t i n , W B C 2 9 ; Wall 8 2 ( d o n o t b e d e c e i v e d ) . V g l . B r a u n : T h W N T V I
2 4 6 ; G r e e v e n , G a b e 6 f.; B a u e r - A . 1 3 3 7 f.
94 Ä h n l i c h Sir 1 5 , 1 2 .
120 Der U m g a n g mit dem Wort Gottes

95
zuziehen. - Jak stellt das Folgende erst einmal unter diese Mahnung; der Mensch
(auch der Christ) ist nicht nur ein Irrtumswesen, sondern er unterliegt auch dem
96 97
Selbstbetrug. Als eine Art Leitwort ist V. 16 mehr als nur »Scharnier« , » Ü b e r g a n g «
98
oder »Brücke« , sondern besitzt ein eigenes Aussagegewicht, so gewiß er auch V. 13-
15 mit V. 17 ff. verbindet. Aber er ist für sich ein deutliches Signal an die Leser. Die-
99
ses wird durch »die emotionale Gemeinschaft einwerbende A n r e d e « unterstrichen,
die sich alsbald (V. 19) wiederholen wird. 17 Syntaktisch ist die Aussage dreiglied­
rig, zunächst (1) »jede gute Gabe ...«, dann (2) ihre Herkunft »vom Vater der Lich­
ter«, schließlich (3) eine ausschließende Bemerkung über diesen Vater. Inhaltlich
konzentriert sich V. 17 jedoch auf nur zwei Aspekte: (1) die Gabe »von oben« und (2)
Gottes Wesen. Die Wortwahl ist geradezu exquisit. Nur hier erscheinen bei Jak ööaig
(im N T noch Phil 4,15), ÖCDQTIUXX (im N T nur noch Rom 5,16), xaxaßaivco, qpcog,
100
jTaQaXAayri, XQOJtr| und a j t o a x i a a u a (die drei letzten sind ntl. H a p a x l e g o m e n a ) .
Wichtiger noch ist der feierliche Stil. Erstmals wohl entdeckte George Benson 1749,
101
daß die erste Zeile einen fast lupenreinen Hexameter a b g i b t : J t ä o a öoalg dyaGfi
x a i Jtäv b(x)QX\ \ia xeX,elov. Daraus resultieren Anschlußfragen: Ist er Zufallsprodukt
oder intendiert? Hat Jak ihn überhaupt bemerkt? Falls Hexameter: Zitiert Jak, oder
102
hat er ihn selbst gebildet? Wie weit reicht dann der erste S a t z ? Eine Zitation ist
103
prinzipiell denkbar, nur fehlt ein B e l e g . Möglich ist natürlich, daß Jak von sich aus
104
bewußt so formulierte , obwohl anderswo »metrisch-poetische(n) Formung« bei
105
ihm nicht erkennbar i s t . Allerdings stellt sich damit das syntaktische Problem: Ist
die »Hexameter«-Zeile ein Satz in sich (nur unter dieser Bedingung könnte er über­
nommen sein), oder steht sie (für Jak) in fester Verbindung mit dem Prädikat ävcoGev
e a x L V xaxaßatvov usw.? Zwar könnte der Hexameter in sich ein doppelter Nominal­
satz ohne Kopula (»ist« wäre zu ergänzen) sein und wäre dann aufzulösen als: »Jede
106
Gabe ist gut, und jedes Geschenk ist v o l l k o m m e n . « Aber die Fortsetzung (»ist von
107
oben, herabkommend«) wäre ebenso ungeschickt wie mißdeutlich ; deshalb ist die

9 5
M i t W i n d i s c h 8. V g l . G e o r g Strecker, J o h - B r i e f ( K E K ) z u l j o h 1,8 ( b e w u ß t e S e l b s t t ä u s c h u n g ) ; M u ß n e r ,
J a k o b u s b r i e f 9 0 (gefährliche V e r b l e n d u n g ) .
96 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 8 8 .
97 D i b e l i u s , K E K 1 3 0 ; R u c k s t u h l 1 3 .
98 M a r t i n , W B C 3 7 .
99 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 9 0 .
1 0 0
D i e W ö r t e r k o m m e n ü b e r h a u p t g a n z selten vor: L - S - J 2 1 7 ; B a u e r - A . 1 9 6 .
1 0 1
G r e e v e n , G a b e 1 m i t A n m . 1; B - D - R § 4 8 7 , 2 . V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 4 2 A n m . 1 2 . E i n M a n g e l liegt i m
z w e i t e n V e r s f u ß vor, d a - o i g e i n e k u r z e S i l b e ist.
1 0 2
A d a m s o n , E p i s t l e 7 4 f., m ö c h t e d e n T e x t e m e n d i e r e n ; J a k h a b e e i n e n älteren g r i e c h . S p r u c h zitiert; ein » a u s
Z e u s « sei v o r » v o n o b e n « e i n z u s c h i e b e n . - F ü r d i e s e n V o r s c h l a g existiert k e i n e B a s i s .
!03 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 9 3 .
1 0 4
So Frankemölle, ebd. 2 9 2 .
1 0 5
Greeven, G a b e 2.
1 0 6
S o G r e e v e n , G a b e 8; D a v i d s , C o m m e n t a r y z. S t . G r e e v e n a r g u m e n t i e r t : D i e F o r m e l in V. 1 6 a leite i m N T
z u m e i s t g e f o r m t e s T r a d i t i o n s g u t ein (3 ff.); J a k spiele b e w u ß t d a r a u f a n : » I h r k e n n t j a d a s S p r i c h w o r t « ( 1 3 ) .
G r e e v e n p a r a p h r a s i e r t : »Irrt e u c h n i c h t , liebe B r ü d e r ! Ihr k e n n t j a d a s S p r i c h w o r t J e d e G a b e ist g u t , u n d
j e d e s G e s c h e n k ist v o l l k o m m e n e U n d w a r u m ? Weil es v o n o b e n s t a m m t , h e r a b k o m m t v o m V a t e r d e s
Lichts ...« (13).
7
10 V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 4 2 A n m . 12; K l e i n 6 7 ; D i b e l i u s , K E K 1 3 0 A n m . 1; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 f.
1,16-17 121
1 0 8 109
übliche syntaktische Auflösung (»jede gute Gabe ... i s t von oben«) vorzuziehen.
Jak könnte freilich einen Hexameter als einen Traditionssplitter eingebaut und
ergänzt haben. D a eine Vorlage fehlt, muß jedoch die Frage unbeantwortet bleiben,
ob ein Hexameter übernommen wurde oder nicht. Weil das Versmaß ohnehin nicht
lupenrein ist, bleibt auch ungewiß, ob Jak intendierte oder überhaupt bemerkte, daß
der Stil ins Poetische hinübergeht. So oder so hebt sich der Anfang von V. 17 stilis­
tisch hervor; denn eine gewisse formale Feierlichkeit enthält er zweifellos. Damit ist
ein Signal für die Wichtigkeit gesetzt. Für die syntaktische Verknüpfung von ävcoBev
eoxiv (als Prädikat) mit den vorangehenden Nominativen (als Subjekt), also gegen
einen selbständigen Hexameter-Satz, spricht übrigens auch die Parallele mit 3,17
(nur noch dort findet sich »gut« zusammen mit »von oben«). Die Weisheit ist lt. 3,17
f. in besonderem Maß Konkretion des Gebens Gottes, wie bereits 1,5 anzeigt. Auch
dieser doppelte Konnex hebt die Bedeutung von 1,17 hervor. — Der erste Teil von V.
17 wird zunächst von drei Elementen beherrscht (bevor der Gedanke zur Qualifizie­
rung Gottes übergeht): Inklusivität (»jede«), Qualität (»gut, vollkommen«) und Her­
kunft (»von oben, herabkommend«). Aöoic; meint hier wie auch öcbonuxx die Gabe,
110
das G e s c h e n k . Die Traditionsanalyse zeigt den breiten Konsens im Judentum, in
111
der griech. Tradition und im Frühchristentum , daß Gott nur Gutes und nichts
Unvollkommenes gibt. Jak akzentuiert nun seinerseits, genau besehen, folgenderma­
1 1 2
ßen: Was immer an guter und vollkommener Gabe zu nennen i s t - sie kommt von
oben herab. Gewiß ist damit auch ein apologetischer Kontrast zu V. 13 impliziert, wo
113
Gott und Versuchung entschieden voneinander distanziert w u r d e n . J a k sagt in
114
V. 17 aber nicht einfach: »von Gott kommt nur G u t e s « , sondern zunächst akzen­
tuiert er umgekehrt: »alles Gute kommt von Gott«. Natürlich ist darin eingeschlos­
115
sen, daß alles Gute eine Gabe i s t . Aber wichtiger ist die Herkunft, die von einem
116
nicht nur räumlichen , sondern auch qualitativen Dualismus ausgeht. Was nicht
»von oben« stammt, kann nicht gut sein (so auch 3,15 f.)- Jak arbeitet bereits auf die
klare Unterscheidung zwischen Gott und Welt (so besonders 4,4) hin. - Den Vor­
117
gang beschreibt xaxaßaivco zwar bildlich, aber damit nicht näher inhaltlich. Die
Katabasis läßt die Gabe geradezu personifiziert erscheinen; die analogen Stellen im
1 1 8
NT raten jedoch von weiteren Ausdeutungen ab. - Die Vater-Aussage über Gott

1 0 8
E i n e c o n i u g a t i o p e r i p h r a s t i c a »ist h e r a b k o m m e n d « ist z w a r d e n k b a r , a b e r s y n t a k t i s c h u n w a h r s c h e i n l i c h ;
vielmehr bildet das Partizip eine A p p o s i t i o n . M i t Mußner, J a k o b u s b r i e f 9 1 .
1 0 9
S o u. a. V o u g a ; J o h n s o n , A n c B ; M a r t i n , W B C . B u r c h a r d , H N T z. S t . : D i e s i e b e n W ö r t e r s i n d bei J a k k e i n
N o m i n a l s a t z , s o n d e r n S u b j e k t v o n V. 1 7 a .
1 1 0
N i c h t d a s G e b e n (so Phil 4 , 1 5 ) ; vgl. B a u e r - A . 4 1 1 f. u n d 4 2 4 . D a s W o r t ist s o m i t p a s s i v i s c h , n i c h t a k t i ­
visch verstanden. Vgl. a u c h Philo LegAH 3 , 7 0 .
1 1 1
B e s o n d e r s M t 7 , 1 1 (also ein Teil a u s d e r B e r g p r e d i g t ) par. L k 1 1 , 1 3 .
1 1 2
M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 A n m . 4: d i e A d j e k t i v e s i n d k o n d i t i o n a l .
1 1 3
Vgl. Mußner, J a k o b u s b r i e f 9 0 : deshalb k o m m e nicht v o n G o t t , was d e n T o d bringt. Schlatter, Brief 1 3 2 -
1 3 6 u n t e r s t r e i c h t d e n K o n s e n s m i t d e r s t o i s c h e n G o t t e s l e h r e , d a ß G o t t fern v o n a l l e m B ö s e n sei.
1 1 4
So Konradt, Existenz 43.
1 1 5
S o Schlatter, Brief 1 3 2 . Vgl. I K o r 4 , 7 (»Was hast d u , das d u nicht e m p f a n g e n hättest?«).
"6 Vgl. Schnider 4 3 .
1 1 7
M i t M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f : J a k b e t o n t d i e H e r k u n f t (wie 3 , 1 7 ) , n i c h t d a s H e r a b s t e i g e n .
1 1 8
V o m H i m m e l k o m m e n h e r a b (vgl. B a u e r - A . 8 2 9 ) : ein G e f ä ß ( A p g 1 0 , 1 1 ; 1 1 , 5 ) ; d a s n e u e J e r u s a l e m ( A p k
3 , 1 2 ; 2 1 , 2 . 1 0 ) ; R e g e n ( M t 7 , 2 5 . 2 . 7 ) usw., a u c h d e r G e i s t bei J e s u T a u f e ( M k 1 , 1 0 p a r r . ) .
122 Der U m g a n g mit dem Wort Gottes

klingt ganz anders als die in 1,27 und 3,9 (Gott/Herr und Vater); sie verweist - wie
alles übrige in V. 17 - gleichsam in den Bereich des »gestirnten Himmels über uns«.
Das Judentum weiß um den »Vater des Lichts« (der Plur. »Lichter« nur bei Jak) und
19
um die Unveränderlichkeit Gottes, letzteres auch die griech. Philosophie! , und
auch in Stellen wie l j o h 1,5 ist jede Finsternis von Gott ferngehalten. Hinter »Vater
der Lichter« dürfte die atl. Schöpfungstradition stehen (Gen 1,14 ff.; vgl. Jer 4,23; Ps
135,7); die Entmythologisierung der Sternenwelt liegt jedoch für Jak weit zurück, ihn
2 0
interessiert die reine, lichtvolle Qualität Gottes, i - Die astronomischen Angaben
(in V. 17c) bewegen sich im Rahmen des damaligen üblichen Wissens; inwiefern es
1 2
sich dabei um regelrechte termini technici handelt, ist zweitrangig. i YlagaXkayr] ist
122
die »Veränderung« allgemein. Im Rahmen der Licht-Metaphorik bleibt die nähere
123
Beschreibung »Abschattung, Verfinsterung« , und zwar XQOJtfjc;. Auch XQOJTT| kann
allgemein »Veränderung« bedeuten, aber auch spezifischer astronomisch die »Son­
124
nenwende«. N i m m t man TQOJtfig als Gen. originis, so ergibt sich entweder »Schat­
ten aufgrund des täglichen Umlaufs der Sonne bzw. des im Jahresverlauf wechselnden
125
Sonnenstandes« oder »Verfinsterung aufgrund einer Sonnenfinsternis bzw. durch
Wolken«. Vermutlich denkt Jak an das Letztere, und zwar in der Richtung von Sir
17,31 L X X (»Was ist heller als die Sonne? Auch diese verfinstert sich [exXeijtei]«) bzw.
Weish 7,18 f. (»Veränderungen der Sonnenwenden [XQOJTOOV dXkayaq] und Wechsel
126
der Zeiten, die Zyklen des Jahres und die Stellungen der G e s t i r n e « ) . Uber all dem
steht Gott als der »unbewegte Beweger« (s. o. »Traditionselemente« zu Aristoteles)
127
unveränderlich. Zwar behält Jak die Licht-Metaphorik aus der Tradition bei; aber
der Akzent liegt nicht auf: »Gott ist Licht, ist somit gut, und von ihm kommt nichts
Böses«, sondern auf: »bei Gott gibt es keine saisonale oder physische oder sonstwei­
1 2 8
che Veränderungen; deshalb ist Verlaß auf die Güte Gottes und auf seine G a b e n « .
Theologisch steht diese Aussage der vom hellenistischen Judentum (besonders Philo)

1 1 9
S . o. » T r a d i t i o n s e l e m e n t e « . A n d e r s a k z e n t u i e r t V e r s e p u t , Prayers: d e r H i n t e r g r u n d liege n i c h t in G o t t e s
o n t o l o g i s c h e r U n v e r ä n d e r l i c h k e i t , s o n d e r n in seiner T r e u e ; d a r a n e r i n n e r t e n d i e j ü d i s c h e n M o r g e n g e b e t e ,
d i e d a s Sch'ma b e g l e i t e n u n d s i c h a u f d i e S c h ö p f u n g b e z i e h e n .
1 2 0
V g l . H a n s C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 4 7 . J a k d ü r f t e s i c h hier k a u m g e g e n A s t r o l o g i e o d e r S o n n e n k u l t
w e n d e n (vgl. V o u g a 5 8 ) . V g l . n o c h G o t t l o b S c h r e n k : T h W N T V 1 0 1 5 (zu »Vater« u n d » W i e d e r g e b u r t « ) .
1 2 1
V g l . L a w s , C o m m e n t a r y z. S t . D i b e l i u s , K E K 1 3 1 , m e i n t , J a k v e r w e b e t e c h n i s c h e u n d u n t e c h n i s c h e T e r ­
minologie.
1 2 2
B a u e r . - A . 1 2 5 3 : als a s t r o n o m i s c h e r t e r m t e c h selten. V g l . 2 K ö n 9 , 2 0 ; E p i c D i s s I 1 4 , 4 .
1 2
3 B u r c h a r d , H N T z. S t . : W e c h s e l d e r H e l l i g k e i t .
1 2 4
S. B a u e r . - A . 1 6 4 9 ( w o j e d o c h » V e r ä n d e r u n g « v o r g e z o g e n w i r d ) . E i n e alte D e b a t t e w i r d ü b e r e i n e K o n j e k ­
t u r d e s T e x t e s (der klar b e z e u g t ist, j e d o c h d i v e r s e V a r i a n t e n aufweist) g e f ü h r t , n ä m l i c h d i e (1) U m s t e l l u n g
v o n fj h i n t e r Tpojcfjg, ( 2 ) d i c o a x i d a u m o g als G e n i t i v u n d (3) ein weiteres fj v o r d e m letzten W o r t ; d a s w ü r ­
d e e r g e b e n : » d e r o h n e W e c h s e l ist u n d w e d e r W e n d e k e n n t n o c h F i n s t e r n i s « ( D i b e l i u s , K E K 1 3 1 - 1 3 3 ) .
A u c h K l e i n 6 6 h ä l t d e n T e x t für v e r d e r b t .
1 2 5
S o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 2 ; A d a m s o n , E p i s t l e 9 7 ; R u c k s t u h l 13; J o h n s o n , A n c B 1 9 7 . V g l . H e r o d 2 , 1 9 ;
Plato L e g 7 6 7 c .
1 2 6
V g l . ferner H i 3 8 , 3 3 .
1 2 7
Vgl. Otfried Höffe, Aristoteles, M ü n c h e n (Beck) 1 9 9 6 , 1 5 3 - 1 5 9 ( » D e r kosmologische Gottesbegriff«). Als
p l a t o n i s c h e s A x i o m galt: G o t t ist d x o e j t o g ; so a u c h P h i l o S o m n 8 , 2 2 1 . V g l . M o n t e s - P e r a l 1 2 1 f.; L a w s ,
Commentary 74.
1 2 8
A h n l i c h D i b e l i u s , K E K 1 3 3 . - A n d e r s liegt d e r A k z e n t bei d e r e s c h a t o l o g i s c h e n E r w a r t u n g , einst w e r d e es
k e i n e N a c h t m e h r g e b e n (Jes 6 6 , 1 9 ; A p k 2 1 , 2 5 ; 2 2 , 5 ; E x R 1 8 , 9 ) ; vgl. Schlatter, B r i e f 1 3 6 .
1,17-18 123
129
rezipierten griech. Vorstellung von der Unwandelbarkeit Gottes n a h e . Des Jak
Interesse liegt jedoch nicht bei einer isolierten Aussage dieser Art über Gott, verwen­
det er doch überwiegend durchaus personale, fast anthropomorphe Formulierungen
über Gott und dessen Handeln (1,5.13; 2,5; 3,9; 4,4.6.7 f.). Die hier gewählte For­
130
mulierung soll die Verläßlichkeit und Eindeutigkeit Gottes unterstreichen. Was
1 3 1
Gott ist, gibt und tut (s. V. 18 ff.), ist eindeutig, zweifelsfrei gut und auf Gutes a u s .
18 Ohne jede Übergangspartikel folgt diese Aussage der vorigen; Subjekt bleibt »der
Vater der Lichter«. Exponiert steht die Willensangabe gleich zu Anfang; das finite
Verb (djtexiJ'noev) greift im Kontrast V. 15 auf. Erstmals verwendet Jak das Personal­
pronomen der 1. Pers. Plur. (f||iäg), und das gleich zweifach. Neu sind auch die Fak­
toren »Wort« und »Wahrheit« sowie »Erstling« und »Geschöpfe«. Die Aussage von V.
18 ist zweigeteilt; sie richtet sich auf Gottes Tat und auf Gottes Absicht, beides durch­
gehend auf »uns« bezogen. - Die Auslegung ist seit jeher umstritten, und zwar unter
132
drei Aspekten mit jeweils diversen Optionen. (1) Welchen Vorgang meint V. 1 8 a :
133
a) die Erschaffung (direkt schöpfungstheologisch ) der Menschen (anthropolo­
gisch), b) die »Hervorbringung« des Volkes Israel (heilsgeschichtlich) oder c) die
»Wiedergeburt« der Christen (soteriologisch und auch ekklesiologisch)? (2) Was
bezeichnet »Wort der Wahrheit«: a) die Tora, b) die Weisheit oder c) die christliche
Heilsbotschaft, das Evangelium? (3) Worauf bezieht sich «Erstling«: a) zeitlich auf die
eschatologische Erlösung aller Menschen, ja aller Kreatur, oder b) qualitativ auf die
besondere Relation zu Gott als dessen Eigentum samt Distanz zur Welt? Wie sich im
folgenden erweisen wird, erscheint die Position lc/2c/3b als die sinnvollste; das soll
auf argumentativem Wege dargelegt werden. - Verständlicherweise kommt es zu
gewissermaßen exegetischen Koalitionen, speziell zwischen »Erschaffung der Men­
schen« (la) und »Tora« (2a) sowie andererseits zwischen »Wiedergeburt« (lc) und
»Evangelium« (2c). Es gibt jedoch auch Stufenmodelle; etwa: Eins baut auf dem
134
anderen a u f ; oder: Jak läßt zunächst bewußt »Leerstellen«, die er erst später (durch
135 136
»Amplifikation«) füllt ; oder: Es handelt sich um eine creatio c o n t i n u a .