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Opinion Paper

Smart Energy: Neue Werte aus


den Energienetzen der Zukunft

Erfolgsfaktoren für neue und etablierte Anbieter

2010 / 10

We make ICT strategies work


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

Inhaltsverzeichnis
1 Executive Summary............................................................................................. 3
2 Future Energy – Industrie im Wandel .................................................................. 4
3 Informationsprodukte als Teil von Smart Energy................................................. 6
4 Management des Smart Energy-Ökosystems..................................................... 8
5 Schlussfolgerung & Empfehlungen ................................................................... 10
6 Die Autoren........................................................................................................ 11
7 Das Unternehmen ............................................................................................. 12

Opinion Paper 2 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

1 Executive Summary

Der Energiemarkt steht vor einem grundlegenden Wandel. Erneuerbare Energien,


europaweite Regulierung und die Integration von teils neuartigen Verbrauchern wie
Elektrofahrzeugen treiben die Entwicklung. Dabei wandeln sich hierarchisch strukturierte
Stromverteilnetze zu intelligenten, dezentralen Stromversorgungsnetzen. Davon ist nicht nur
der bisherige Kernbereich der Energiewirtschaft, die Versorgung mit Energie, betroffen.
Insbesondere an der Schnittstelle zu den Kunden wird sich der Markt wandeln. Kunden
werden mehr Kontrolle und Transparenz in einem sich verschärfenden Wettbewerb
einfordern. Mehrwertdienste, die auf Daten aus intelligenten Stromversorgungsnetzen
aufbauen, werden ein Schlüsselfaktor für Energie-Vertriebsgesellschaften sein, um Kunden
zu halten und neue zu gewinnen.

Die intelligenten Stromnetze der Zukunft werden von stark wachsenden Informationsmengen
gekennzeichnet sein. Eine Vielzahl an Geschäftsmodellen, die Informationsprodukte ins
Zentrum stellen – sogenannte datenzentrische Geschäftsmodelle – ist denkbar. Diese
Geschäftsmodelle bieten differenzierende Mehrwerte, erschließen neue, eigenständige
Umsatzquellen oder ermöglichen die Erwirtschaftung zusätzlicher Erlöse von Dritten. Durch
die Analyse solcher Geschäftsmodelle kann den Informationen aus den intelligenten Netzen
ein Wert zugeordnet werden. Auf dieser Basis sind strategische Entscheidungen über den
Ausbau der Kommunikations- und Informationstechnologie entlang der Energie-
Wertschöpfungskette möglich.

Die neuen Geschäftsmodelle stehen nicht nur den etablierten Marktteilnehmern offen,
sondern auch neuen Anbietern. Damit entsteht ein Wertschöpfungsnetzwerk, das als Smart
Energy-Ökosystem bezeichnet werden kann. Aus anderen Branchen wissen wir, dass es
nicht entscheidend ist, das Netzwerk komplett zu kontrollieren. Vielmehr geht es darum,
Schlüsselpositionen zu besetzen und durch Partnering die eigenen Kompetenzen sinnvoll zu
ergänzen. Die IT-Infrastruktur wird eine entscheidende Schlüsselposition einnehmen, denn
sie ermöglicht das Sammlen und Verarbeiten der Daten in den intelligenten Stromnetzen.

Die Positionen der Marktteilnehmer in den Wertschöpfungsnetzwerken der Zukunft hängen


von der übergreifenden Geschäftsstrategie der Unternehmen, ihrer Kultur, der vorhandenen
Infrastruktur und den eigenen Kompetenzen ab. Die Weiterentwicklung der bestehenden
Positionen in Richtung datenzentrischer Geschäftsmodelle und effektiver Partner-Strategien
ist eine Aufgabe, die heute angegangen werden muss. Nur so können die jetzt anstehenden
Investitionen in die richtige Richtung gelenkt werden.

Opinion Paper 3 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

2 Future Energy – Industrie im Wandel

Die Energiewirtschaft steht vor einem grundlegenden Wandel. Zentralisierte


Energieerzeugung und streng hierarchische Verteilnetze werden durch intelligente,
dezentrale Stromversorgungsnetze abgelöst. Am Ende dieses unter dem Stichwort „Smart
Energy" vieldiskutierten Transformationsprozesses wird der Energiesektor statt von einer
überschaubaren Zahl schwergewichtiger Marktteilnehmer von einer Vielzahl neuer Anbieter
und einer zunehmenden Start-Up-Kultur geprägt sein.

Die Entwicklung des Stromnetzes in Richtung Smart Grid wird aktuell durch den verstärkten
Einsatz von erneuerbaren Energien getrieben. Vor allem die zunehmend dezentrale
Produktion von Strom sowie der damit einhergehende Bedarf nach intelligenten Systemen
zur Laststeuerung innerhalb der Netze erzeugen einen starken Veränderungsdruck. Hinzu
kommen regulatorische Vorgaben, die Fragen der Marktliberalisierung sowie der
Energieeinsparung betreffen. Diese Treiber werden den Übergang zum Smart Grid
mittelfristig dominieren.

Langfristig werden vor allem technische Entwicklungen an der Schnittstelle zum Kunden die
Transformation des Strommarktes vorantreiben. Transparenz über die Art der
Energienutzung und den -verbrauch sowie eine aktive Kontrolle des Bedarfes stehen für den
Verbraucher im Vordergrund. Im Zuge der bereits jetzt erkennbaren, von Apple
losgetretenen Tendenz zu „Apps" für jeden denkbaren Einsatzzweck – vom Gimmick einer
virtuellen Vuvuzela über die Schadensfallmeldung bei Versicherungen bis hin zum AppStore
für den zukünftigen elektrischen Audi A2 – ist es nur eine Frage der Zeit, bis
energiebezogene Apps auf den Markt kommen.

Solche Apps werden heute nur schwer vorhersagbare Anwendungen im Energiesektor


erschließen. Der zentrale Mehrwert von Apps für den Kunden wird die Vernetzung aller an
das Stromnetz angeschlossenen Geräte und deren Kontrolle unabhängig vom Aufenthaltsort
des Nutzers sein. Smart Meter und Smart Home sind vieldiskutierte Grundlagen hierfür.
Nicht zuletzt besteht die Chance, dass durch höhere Transparenz die Energieversorgung in
der Wahrnehmung der Kunden nicht länger nur als Standardprodukt gilt, sondern ein
deutlich aufgewertetes Image erhält.

Basis für Apps werden zu einem ganz entscheidenden Teil Informationen sein, die entlang
der Wertschöpfungskette des Energiesektors – Erzeugung, Übertragung, Verteilung,
Erfassung und Vertrieb – zukünftig entstehen. Durch den Einsatz zunehmend „intelligenter"
Komponenten werden in allen Wertschöpfungsstufen Informationen erzeugt bzw. empfangen
und verarbeitet. Es entsteht eine „Information Value Chain" parallel zur Leistungserbringung.

Aus der Nutzung der erhobenen Daten zu Zwecken jenseits der reinen Netzsteuerung
entstehen ganz neue Aufgaben und Anwendungen, wie z.B. die Daten-Aggregation oder
deren Präsentation und Aufbereitung für den Kunden. Dadurch können sich an der
Schnittstelle zum Kunden eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle ergeben, welche bereits
heute schon neue Marktteilnehmer – vom Start-Up bis zu etablierten Unternehmen aus der
IT- und Internetwelt wie Google oder Microsoft – anziehen.

Opinion Paper 4 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

Die bisherigen Marktteilnehmer im Energiesektor stehen dabei vor erheblichen


Herausforderungen: Zum einen müssen sie ihre Geschäftsmodelle und Netze aufgrund
aktueller Einflussfaktoren wie intelligenter Laststeuerung und regulatorischen
Rahmenbedingungen verändern. Deshalb müssen sie heute Investitionsentscheidungen von
hoher Tragweite sowie unter erheblichen marktseitigen und technologischen Unsicherheiten
treffen. Zum anderen müssen hierbei auch langfristige Aspekte berücksichtigt werden,
welche in erheblichem Umfang auch den Aufbau von vollständig neuen Kompetenzen
erfordern.

Kundennahe Mehrwertdienste zu Smart Energy, wie Energie-Apps, die einen effizienten


Umgang mit Ressourcen ermöglichen, sollten eine entscheidende Rolle für
Investitionsentscheidungen spielen, denn diese Mehrwertdienste werden spürbare
Wettbewerbsvorteile in einem sich verschärfenden Wettbewerb verschaffen. Neue
Geschäftsmodelle für diese Mehrwertdienste entfalten ihre volle Wirkung erst in komplexen
Wertschöpfungsnetzwerken mit einer Vielzahl an Marktteilnehmern. Investitionsent-
scheidungen, die heute getroffen werden, sollten also zukünftige informationsbasierte
Mehrwertdienste und zukünftige Partnering-Strategien berücksichtigen.

Opinion Paper 5 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

3 Informationsprodukte als Teil von Smart Energy

Die Energiebranche steht, wie wir gesehen haben, vor einem tiefgreifenden Wandel. Speziell
für Vertriebsgesellschaften werden in Zukunft Mehrwertdienste entscheidende
Wettbewerbsvorteile bringen, um Kunden zu halten, neue zu gewinnen und zusätzliche
Erlöse zu generieren. Wann sich diese neuen Mehrwertdienste durchsetzen, welcher Art sie
sein werden, und wann neue Erlöse generiert werden, ist heute noch weitgehend unbekannt.
Die Investitionsentscheidungen in die Smart Energy-Technologien stehen jedoch heute an.
Damit stellt sich die Frage, welche Informationen in welcher Menge und in welcher Qualität
gesammelt und verarbeitet werden. Zum Beispiel muss die Auslesefrequenz eines Smart
Meters festgelegt werden. Durch häufiges Auslesen werden sehr hohe Datenmengen
generiert, was hohe Kosten verursacht. Sehr große Zeit-abstände führen andererseits dazu,
dass viele Mehrwertdienste gar nicht möglich sein werden, da die Daten zu grob gerastert
sind.

Um heute die notwendigen Investitionsentscheidungen treffen zu können, muss also der


zukünftige Wert der Informationen abgeschätzt werden. Um diesen Wert zu ermitteln,
können Erfahrungen mit datenzentrischen Geschäftsmodellen aus anderen Branchen heran-
gezogen werden. Informationsprodukte treten im Wesentlichen in drei Erscheinungsformen
auf: als differenzierender Mehrwert für bestehende Produkte, als marktfähiges Angebot mit
eigenständigem Umsatz oder als Plattformprodukt, um Erlöse von Dritten zu generieren,
zum Beispiel durch Werbeeinnahmen.

Ein Unternehmen, das konsequent datenzentrische Geschäftsmodelle einsetzt, indem es


Nutzerdaten analysiert, ist Google. So basiert die Rechtschreibprüfung des Suchmaschinen-
betreibers auf der Auswertung von Millionen Tippfehlern, die bei Sucheingaben auf der
Google-Webseite aufgetreten sind. Dadurch hat das Unternehmen kostengünstig die
vermutlich weltbeste Rechtschreibprüfung entwickeln können. Die Qualität der Google-
Dienstleistung lockt täglich Millionen Nutzer auf die Webseite, was dem Unternehmen
jährlich Werbeeinnahmen in Milliardenhöhe einbringt. Da Google bereits vielfach
Erfahrungen mit datenzentrischen Geschäftsmodellen gesammelt hat, ist es kein Wunder,
dass das Unternehmen für sich das Potenzial von Smart Energy erkannt hat. Das Produkt
Google Powermeter bietet eine Verbrauchsdatenanzeige im Internet an, falls der
Stromversorger die Funktion unterstützt. Welches Geschäftsmodell die Firma genau verfolgt,
ist noch unklar. Sicher scheint aber, dass Google sich bereits jetzt eine ausgezeichnete
Position im zukünftigen Energiemarkt sichern möchte.

Mit dem Erfolg der Regulierungsbehörden zur Liberalisierung des Strommarkts wird sich der
Wettbewerb zwischen den einzelnen Stromanbietern verschärfen. Alle Wettbewerber stellen
zuverlässig elektrische Energie zur Verfügung, ein qualitativer Unterschied zwischen den
Produkten der Unternehmen existiert praktisch nicht. Differenzierung ist deshalb nur über
den Preis und über das Angebot von Mehrwertdiensten möglich. Mehrwertdienste können
auf dem vermehrten Informationsangebot in den intelligenten Stromnetzen der Zukunft
aufsetzen. Ein einfaches Beispiel ist die Echtzeit-Anzeige der Stromverbrauchsdaten für den
Endkunden über ein Webportal. Veredelt werden kann dieser Dienst durch den Vergleich mit
Verbrauchswerten vergleichbarer Haushalte oder durch Energiespartipps. Dadurch, dass
dieser Dienst dem Stromanbieter hilft, bestehende Kunden zu halten oder gar neue zu
akquirieren, wird er wichtig im Wettbewerb.

Opinion Paper 6 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

Gelingt es dem jeweiligen Anbieter, sei es der Stromanbieter oder ein Dritter, sehr
hochwertige Informationsdienstleistungen zu entwickeln, so können neue Erlösquellen
erschlossen werden. Ein mögliches Modell ist hierbei ein Unternehmen, das gegen eine
Monatsgebühr Energiespartipps gibt und die erzielten Spareffekte kontrolliert. Auch
kompliziertere Gebührenmodelle sind denkbar, etwa solche, in denen die Monatsbeiträge –
erfolgsabhängig – erst dann fällig werden, wenn tatsächlich eine vereinbarte Energie-
einsparung eintritt. Noch eine Komplexitätsstufe höher liegen Modelle, in denen nicht mehr
der Strom selber, sondern in Form des sogenannten Contracting eine Dienstleistung
verkauft wird. Ein Beispiel wäre die Bereitstellung eines energieeffizienten Kühlschranks,
wobei der Endkunde eine Monatsgebühr für die Kühlung, aber nicht mehr direkt für Strom
und Kühlschrank bezahlt. Alle diese Modelle nutzen die detaillierten Verbrauchs-
informationen und verbesserten Energieverbrauchsmodelle, wie sie mit den neuen,
intelligenten Stromnetzen erhoben werden können.

Vorstellbar sind auch Geschäftsmodelle, bei denen die zusätzlichen Einnahmen nicht durch
den Verbraucher oder den Stromversorger, sondern durch Dritte generiert werden. Eine
einfache Möglichkeit hierfür sind Werbeeinnahmen auf einer Webseite, welche die
Stromverbrauchsinformationen anzeigt. Interessant werden diese Modelle vor allem
dadurch, dass die Verbrauchsdaten Einblicke in die Lebensgewohnheiten der Verbraucher
zulassen: Ob die Bewohner eines Haushalts diesen tagsüber verlassen oder ob
Waschmaschine und Herd vor allem am Vormittag laufen, lässt sich aus den Stromver-
brauchsdaten in gewissem Rahmen ablesen. Bei solchen Szenarien müssen vorrangig
Datenschutzaspekte beachtet werden. Es ist jedoch vorstellbar, dass unter den richtigen
Rahmenbedingungen, wie beispielsweise durch Anonymisierung der Daten, der freiwilligen
Einwilligung des Nutzers und hoher Datensicherheit, neue Möglichkeiten und neue Märkte
entstehen. Die technische Entwicklung und die sich dabei entwickelnde gesellschaftliche
Diskussion müssen im Auge behalten werden.

Opinion Paper 7 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

4 Management des Smart Energy-Ökosystems

Die neuen Geschäftsmodelle stehen etablierten Marktteilnehmern offen, werden aber auch
neue Anbieter mit entsprechenden Kompetenzen in der Verarbeitung, Nutzung und
Aufbereitung von Daten anziehen. Zusätzlich werden neue Marktteilnehmer entstehen, die
zweiseitige Märkte für ihr Geschäftsmodell nutzen. Zweiseitige Märkte sind dadurch
gekennzeichnet, dass sie Dritte einbinden. Dies können Werbekunden oder externe
Lösungsanbieter aus anderen Industrien sein, z.B. dem Automobilbau.

Der neue Energiemarkt wird sich zunehmend zu einem komplexen Beziehungsgeflecht mit
vielfältigen Umsatzströmen entwickeln. Aus der bisher stark von den klassischen
Energieversorgern dominierten Wertschöpfungskette wird damit ein Wertschöpfungs-
netzwerk, wie in Abbildung 1 exemplarisch mit den wichtigsten Marktteilnehmern und deren
Verbindungen untereinander dargestellt.

Service Regulierung/
Lieferanten
Provider Behörden

Energie- Sonstige
Endkunde
versorger Stakeholder

Alternativer Neue Markt- Dritte/ Wer-


Vertrieb teilnehmer bekunden

Direkte Einflussnahme Existierende Beziehung


Indirekte Einflussnahme Neu entstehende/aufzubauende Beziehung

Abbildung 1: Exemplarisches Wertschöpfungsnetz zu Smart Energy. Der Kunde steht im


Zentrum des Netzes. Dem dominanten Marktteilnehmer muss es gelingen, das Netz zum
Wohle des Kunden zu orchestrieren.

Für alle Marktteilnehmer wird das aktive Managen des Smart Energy-Ökosystems gerade
vor dem Hintergrund der erheblich gestiegenen Komplexität überlebenswichtig.

Grundlage hierfür ist eine maßgeschneiderte Partnering-Strategie, welche zum einen die
eigene Position und die Ambitionen festlegen muss, daneben geeignete, komplementäre
Markteilnehmer identifiziert und schließlich die Regeln des gegenseitigen Umgangs
miteinander festlegt. Dann können im Verbund attraktive Angebote geschnürt und mit
geringerem Risiko fehlende eigene Kompetenzen ergänzt werden. Partnering bedeutet,
gezielt bestimmte Teile der Wertschöpfung – in der Regel außerhalb der eigenen
Kernkompetenzen – von Dritten erbringen zu lassen beziehungsweise gemeinsam zu
erbringen, um so ein attraktives Marktangebot zu schaffen.

Opinion Paper 8 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

Die Erfahrung aus anderen Branchen zeigt, dass es nicht entscheidend ist, das Ökosystem
komplett zu kontrollieren, sondern Schlüsselpositionen zu besetzen, um das System
gestalten zu können und die lukrativen Möglichkeiten von Smart Energy zu nutzen. Aufgrund
der hohen Bedeutung von Informationen und Informationsaustausch wird eine IT-
Infrastruktur, die Daten sammeln, aggregieren und für die Partner bereitstellen kann, dabei
eine Schlüsselfunktion einnehmen.

IT-Plattformen können proprietär oder offen gestaltet sein. Generell gilt: je offener eine
Plattform gestaltet ist, umso mehr innovationsfreudige Applikationsentwickler werden sich
einbringen. Und je breiter eine Plattform aufgestellt ist, umso eher lassen sich Skaleneffekte
sowohl für Energieversorger als auch Applikationsentwickler realisieren. So muss eine
Anwendung eines Drittanbieters ggf. nur einmal entwickelt werden, kann dann aber auf
vielen Netzen laufen. Auch die Analyse von Verbrauchsdaten wird durch steigende
Datenmengen verbessert.

Insgesamt gilt für die Entwicklung der Partner-Strategie: Diese muss klar zum Unternehmen
und seiner übergreifenden Geschäftsstrategie passen. Nur mit einer Vision von den eigenen
Stärken und der eigenen Rolle im Smart Energy-Ökosystem lassen sich die richtigen
Partnerentscheidungen treffen. Ein Vertreibsgesellschaft zum Beispiel wird ein größeres
Gewicht auf alle Anwendungen mit starkem Kundenkontakt legen. Eine eigene
Verbrauchsdatenanzeige könnte hierbei etwa eine solche Schlüsselposition sein. Für einen
Meßstellenbetrieber ein offener Ansatz eher geeignet sein.

Opinion Paper 9 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

5 Schlussfolgerung & Empfehlungen

Der Energieversorgungsmarkt steht heute an der Schwelle zu gewaltigen Umbrüchen.


Welche neuen Geschäftsmodelle sich für Vertriebsgesellschaften durchsetzen werden und
wie der Energieversorgungsmarkt im Detail aussehen wird, ist dabei noch weitgehend
unklar. Trotzdem stehen heute wichtige Investitionsent-scheidungen an. Um diese fundiert
treffen zu können, empfiehlt sich eine strategische Vorgehensweise:

Bewerten Sie die Informationen entlang der zukünftigen Energie-


Wertschöpfungskette. Um den Informationen einen Wert zuzuweisen, können neue
Geschäftsmodelle zu Smart Energy herangezogen werden. Mit einem solchen szenario-
basierten Ansatz lassen sich – auch angesichts großer Unsicherheiten bezüglich der
Ausgestaltung der zukünftigen Energie-versorgungsmärkte – heute Investitionsentscheid-
ungen treffen.

Bereiten Sie sich darauf vor, neue Geschäftsmodelle in intelligenten Energienetzen zu


nutzen. Wenn sich der Wettbewerb um den Endkunden verschärft und sich Skaleneffekte in
den im Vertrieb bezahlt machen, sollten sie bereit sein, um die neuen datenzentrischen
Geschäftsmodelle einzusetzen. Nutzen sie die heutige Zeit großer Unsicherheit, um sich
darauf vorzubereiten.

Setzen Sie auf ausgewählte Schlüsselpositionen in den Wertschöpfungsnetzwerken


der Zukunft. Sie müssen und können nicht das komplette Smart Energy-Ökosystem
kontrollieren. Aber Sie können Schlüsselpositionen besetzen. Beachten Sie dabei besonders
die IT-Infrastruktur.

Vertrauen Sie Partnern, die ihre eigenen Kompetenzen sinnvoll ergänzen. Wenn sie
Schlüsselpositionen in der Energie-Wertschöpfungskette besetzen, können Partner Ihre
Kompetenzen ergänzen und Ihre Risiken minimieren helfen. Sie sollten deshalb heute eine
Partner-Strategie für die zukünftigen Wertschöpfungsnetzwerke entwerfen und umsetzen.

Opinion Paper 10 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

6 Die Autoren

André Seltitz ist Senior Consultant in der Competence Practice Information Technology der
Detecon International GmbH und spezialisiert auf IT-fokussierte Geschäftsstrategien. Er hat
mehr als fünf Jahre ICT-Erfahrung, sowohl in der Industrie als auch in der Beratung. In
aktuellen Projekten hat er sich mit Marktveränderungen in den Bereichen M2M
Communications und IPTV befasst.

Dr. Felix Kalkum ist bei Detecon in der Competence Practice Information Technology in
Bonn als Business Analyst tätig. Nach seinem Studium der Physik und Mathematik an der
Universität Bonn hat er in Bonn mit Schwerpunkt in der angewandten, optischen Physik
promoviert. Sein Schwerpunkt bei der Detecon liegt auf der Analyse zukünftiger,
technologiegetriebener Geschäftsmodelle insbesondere in den Energiemärkten.

Sie erreichen Dr. Felix Kalkum unter +49 228 700 1973 oder per Mail über
Felix.Kalkum@detecon.com

Dr. Volker Rieger ist Partner bei Detecon und leitet die Kompetenzgruppe „Technology
Portfolio Strategies“. Mit fünfzehn Jahren Berufserfahrung in den ICT-Märkten liegen die
Schwerpunkte seiner Beratungstätigkeit auf innovativen Geschäfts- und
Technologiestrategien. Zu seinen Kunden gehören nationale wie internationale
Technologieanbieter und Diensteanbieter in den Bereichen ICT und Energie.

Sie erreichen Dr. Volker Rieger unter +49 228 700 1920 oder per Mail über
Volker.Rieger@detecon.com

Opinion Paper 11 Detecon International GmbH


Smart Energy: Neue Werte aus den Energienetzen der Zukunft

7 Das Unternehmen

We make ICT strategies work

Detecon ist ein Beratungsunternehmen, das klassische Managementberatung mit einem


hohen Technologieverständnis vereint.

Unsere Unternehmensgeschichte beweist dies: Detecon International ging aus der Fusion
der 1954 gegründeten Management- und IT-Beratung Diebold und der 1977 gegründeten
Telekommunikationsberatung Detecon hervor. Unser Leistungsschwerpunkt besteht dem-
nach in Beratungs- und Umsetzungslösungen, die sich aus dem Einsatz von Informations-
und Kommunikationstechnologien, engl. Information and Communications Technology (ICT),
ergeben. Weltweit profitieren Kunden aus nahezu allen Branchen von unserem
ganzheitlichen Know-how in Fragen der Strategie und Organisationsgestaltung sowie beim
Einsatz modernster Technologien.

Das Know-how der Detecon bündelt das Wissen aus erfolgreich abgeschlossenen
Management- und ICT-Beratungsprojekten in über 160 Ländern. Wir sind global durch
Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie Projektbüros vertreten. Detecon ist ein
Tochterunternehmen der T-Systems International, der Großkundenmarke der Deutschen
Telekom. Als Berater profitieren wir daher von der weltumspannenden Infrastruktur eines
Global Players.

Know-how und Do-how

Die rasante Entwicklung von Informations- und Telekommunikationstechnologien beeinflusst


in immer stärkerem Maße sowohl die Strategien von Unternehmen als auch die Abläufe
innerhalb einer Organisation. Die daraus folgenden komplexen Anpassungen betreffen
dementsprechend nicht nur technologische Anwendungen, sondern auch Geschäftsmodelle
und Unternehmensstrukturen.

Unsere Dienstleistungen für das ICT-Management umfassen sowohl die klassische


Strategie- und Organisationsberatung als auch die Planung und Umsetzung von
hochkomplexen, technologischen ICT-Architekturen und -Anwendungen. Dabei agieren wir
herstellerunabhängig und sind allein dem Erfolg des Kunden verpflichtet.

Detecon International GmbH


Oberkasselerstr. 2
53227 Bonn
Telefon: +49 228 700 0
E-Mail: info@detecon.com
Internet: www.detecon.com

Opinion Paper 12 Detecon International GmbH