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Opinion Paper

Think 2032!

Position for ICT everywhere

2010 / 10

Opinion Paper Think 2032! Position for ICT everywhere 2010 / 10 We make ICT strategies work
Opinion Paper Think 2032! Position for ICT everywhere 2010 / 10 We make ICT strategies work

Inhaltsverzeichnis

Think 2032!

1 Executive Summary

3

2 Globale Trends verändern die Rahmenbedingungen der ICT-Märkte

5

3 Informationstechnologie im Jahr 2032

7

3.1

Quantensprünge in Leistung und Anwenderfreundlichkeit

7

3.2

Next Generation Networks 7

3.3

Drahtlose Kommunikation der nächsten Generation 8

4 ICT-Anwendungswelten 2032

10

4.1

Automobil 10

4.2

Energie

11

4.3

Leben & Wohnen 13

4.4

Gesundheit

15

5 ICT-Industriedynamik

17

5.1

Trends verändern die Informations- und Telekommunikationsbranche 17

5.2

Strukturelle Auswirkungen auf die ICT-Branche 18

6 ICT-Marktstrukur 2032 22

6.1

Business-as-a-Service 22

6.2

Consumer ICT Mediation 23

6.3

Infrastructure-as-a-Service

24

7 Ein Ausblick: Unterwegs in die neue Welt der Telcos

26

8 Die Autoren 28

29

9 Das Unternehmen

1 Executive Summary

Think 2032!

Voraussehbar werden viele der heute durchschnittlich 45 Jahre alten ICT-Führungskräfte im Jahr 2032 in den Ruhestand gehen. Wir können uns auch vorstellen, welche Auswirkung die Pensionierung der Angehörigen der letzten „Babyboomer“-Generation auf die Volkswirtschaft haben wird. Doch wie wird sich die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) über die nächsten 20 Jahre entwickeln? Sind die Entwicklungen nicht viel zu dynamisch und komplex, um eine verlässliche Aussage treffen zu können? Und was für eine Bedeutung haben prognostizierte Entwicklungen konkret für die Unternehmen im Markt?

Erkennbar sind unserer Meinung nach die wichtigsten Trends, deren grobe Umrisse sich mit jedem Jahr deutlicher abzeichnen. Die Informations- und Kommunikationstechnologie treibt als zentraler Produktionsfaktor Innovationen in allen Bereichen an. Sie wird 2032 das Rück- grat der Wirtschaft und Industrie bilden, das Internet der Dinge wird Realität sein. Anwendungsbereiche wie Transport & Verkehr, Energiewirtschaft, Leben & Wohnen sowie Gesundheit werden sich unter dem Einfluss von ICT radikal verändern und weiterent- wickeln. ICT für jeden und überall, in nahezu jedem Gegenstand, das ist das charakteristische Merkmal der Welt von Morgen.

Dabei werden geographische Unterscheide bestehen bleiben. Die Entwicklung zum “ICT- überall” wird einem starken Trend nach Asien folgen. Von dort wird nicht nur eine starke Nachfrage kommen, sondern 2032 wird ein wesentlicher Anteil der ICT Produktion und Innovation sich nach Osten verlagert haben.

Aber auch die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche selbst entwickelt sich rasant weiter: Die Unternehmen konkurrieren mit (neuen) Anbietern aus anderen Industrien, ihr Verhältnis zum Endkunden ändert sich, und auch die Art und Struktur der Wertschöpfung in der Branche erfährt nachhaltige Umbrüche.

Zwei grundlegende Verwerfungen werden den ICT-Markt der Zukunft prägen. Zum einen ist dies die vertikale Desintegration der Telekommunikationsindustrie, die an den Schnittstellen ihrer Hauptwertschöpfungsstufen – Infrastrukturbetrieb und Dienste-Erstellung – aufbricht. Telekommunikationsunternehmen haben es dann nicht nur mit neuen, auf einzelne Wertschöpfungsstufen fokussierten Konkurrenten zu tun, sondern sie sind gezwungen, sich selbst zu entflechten. Zum anderen ist es die horizontale Integration von Wertschöpfung über Industriegrenzen hinweg. Die Endkundenleistungen von ICT-Anbietern verschmelzen mit denen anderer Industrien. Der Kundenzugang kann sich damit verbreitern, verbleibt aber nicht notwendigerweise bei ICT-Anbietern.

Diese beiden tektonischen Verwerfungen führen zu einer neuen Anbieterlandschaft im Jahr 2032: Die Zukunft gehört den horizontal integrierten ICT-Unternehmen, die die Gräben zu anderen Branchen überbrückt haben und die sich entweder auf markt- und serviceorientierte oder infrastrukturorientierte Geschäftsbereiche konzentrieren werden.

Wert schöpfen diese horizontal integrierten ICT-Unternehmen in drei Bereichen, deren Erfolgsbedingungen unterschiedlich sind: Business-as-a-Service, Consumer ICT Mediation und Infrastructure-as-a-Service.

Think 2032!

Der Business as a Service- (BaaS) Bereich wird neue “Operativsysteme” hervor bringen, die digitalisierte Geschäftsnetze „smarter“ machen. ICT wird industrieübergreifende Geschäftsmodelle (z.B. Energie und Verkehr) ermöglichen und rigide Produktionsketten in agile Wertschöpfungsnetze verwandeln. Die Akteure in diesem Bereich werden sowohl über ein profundes Industrie- und Prozess-Wissen verfügen, als auch über ausgewiesene Systemintegrationsfähigkeiten.

Suchen, Verträge abschließen und bezahlen im Zeitalter der Consumer ICT Mediation (CIM) wird sich signifikant verändern. Selbstlernende „smarte“ Agenten, durch die Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz unterstützt, werden im Internet der Dinge weit verbreitet sein. Umfassende regulatorische Rahmenbedingungen und Zertifizierungen werden dabei die Privatsphäre zu schützen suchen. Die Kunden des Jahres 2032 werden sich daran gewöhnt haben, dass ihr eButler im Netz nicht nur Daten sucht und Informationen für sie herausfiltert, sondern auch in vordefinierten Bereichen autonome Entscheidungen für sie treffen wird. Eine starke Marke und Vertrauenswürdigkeit werden die wesentlichen Erfolgsfaktoren für die CIM-Anbieter werden.

Im Bereich des ‘Infrastructure as a Service’ (IaaS) werden die Marktakteure eine “lückenlose” (seamless) Konvergenz zwischen verschiedenen Zugangs- und Speichertechnologien bewerkstelligen müssen, von Breitband zu Sensoren oder vom Backbone bis zum Rechenzentrum. Da keine Firma mehr alleine für den Investitionsbedarf in eine vollkommen konvergente Infrastruktur aufkommen kann, bieten sich sehr gute Chancen für Aggregatoren und Managed Service Provider. Pro Region werden sich 2-3 regionale Champions entwickeln, die sich in der Nutzung von Skalenvorteilen mit diesen Wholesale-Geschäftsmodellen behaupten können.

Die Autoren dieses Opinion Papers haben einen Rahmen geschaffen, der ICT-Firmen und Unternehmern aus benachbarten Industrien ermöglichen soll, eine langfristige strategische Perspektive für sich zu definieren. Dabei gibt es natürlich nicht „die“ Lösung. Jeder Marktteilnehmer wird sich auf seine eigene Marktdynamik einstellen müssen. Entsprechend dem chinesischen Sprichwort “Überleben ist nicht selbstverständlich, Du hast die Wahl” empfehlen wir: “Think 2032! and position for ICT everywhere”.

Think 2032!

2 Globale Trends verändern die Rahmenbedingungen der ICT-Märkte

Von grundlegender Bedeutung sind sechs demographische und technisch-ökonomische Trends, die das Umfeld des ICT-Marktes bestimmen, von denen einige aber auch ihrerseits von der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie beeinflusst oder sogar bestimmt werden: Die Trends betreffen Entwicklungen, die zur globalen Ausbreitung und Wirksamkeit voraussichtlich noch deutlich mehr als eine Dekade benötigen.

1) Bevölkerungsentwicklung und -verteilung

In den kommenden 20 Jahren werden sich die Mehrheit der Weltbevölkerung und der Großteil der Wirtschaftskraft im asiatischen Raum ballen. In Indien und China werden 2032 voraussichtlich jeweils über 1,5 Milliarden Menschen leben. 1 Beide Staaten werden gemessen am Bruttosozialprodukt zu den Top-3 Wirtschaftsnationen zählen, wobei China deutlich vor der dann zweitstärksten Wirtschaft der USA stehen wird.

Asien wird einen signifikanten Teil seiner volkswirtschaftlichen Wertschöpfung mit Hilfe von ICT erbringen. Globale ICT-Innovation wird deutlich stärker als jetzt aus dieser Region getrieben werden.

2) Lebenserwartung und Gesundheit

Global werden wegen der hohen und steigenden Lebenserwartung, insbesondere in der westlichen Hemisphäre, die Ausgaben für Kranke und Alte drastisch steigen. ICT- Anwendungen, die die Qualität der Diagnostik erhöhen, Prävention und Therapie ver- bessern, werden eingesetzt, um den Kostensteigerungen entgegenzuwirken und deutliche Effizienzsteigerungen im Gesundheitssystem zu bewirken.

3) Urbanisierung und Smart Cities

2032 werden 60% aller Menschen in Städten leben. Die Anzahl der Mega-Cities mit mehr als 10 Millionen Einwohnern wird zunehmen und die Anzahl der Bewohner von Stadtregionen steigt um 40% gegenüber heute. 2 Mitentscheidend für die Standortattraktivität einer Stadt bzw. Region wird die ICT-Infrastruktur sein. Bereits heute sind weltweit über 250 Smart Cities mit einer wegweisenden ICT-Ausstattung in Bau bzw. in Planung. Glasfaserbasierte Internet-Anschlüsse mit Gigabit-Geschwindigkeit gehören ebenso dazu wie die Vernetzung von Gebäuden. Bis 2032 wird in vielen wohlhabenden Ballungszentren vernetzte Infrastruktur vorhanden sein, die neben Telekommunikation u.a. auch die klassische Energieversorgung, integrierte Verkehrssysteme und die Gebäudetechnik umfasst. Durch Urbanisierung und ICT-Fortschritt ergeben sich Chancen für neue Geschäftsmodelle, zum Beispiel Infrastruktur als Dienstleistung und on-demand anzubieten (Infrastructure-as-a- Service). ICT wird hierbei das zentrale Bindeglied sein, um die Konvergenz der Infrastrukturen umfassend zu ermöglichen.

1 UN (2010): World Population Prospects

2 UN (2010): World Urbanization Prospects

Think 2032!

4) Fortschreitende Globalisierung und Unternehmensvernetzung

Nicht zuletzt aufgrund der Zunahme der Wirtschaftskraft Asiens werden die Handelsströme noch globaler. Das derzeitige Welthandelsvolumen von ca. 12500 Milliarden US Dollar 3 wird sich bis 2032 mehr als verdreifachen. Die Arbeitsteilung erhöht sich deutlich. Unternehmen flexibilisieren ihre Organisation, ihre Prozesse sowie die Interaktion mit Partnern und Zulieferern. Sie organisieren Forschung, Produktion und Vertrieb noch globaler, um regionale Unterschiede in Kosten, Kompetenzen und Marktpotenzialen bestmöglich zu nutzen. Dies gilt nicht nur für große multinationale Unternehmen, sondern wird 2032 auch den Mittelstand betreffen.

5) ICT-basierte, reaktionsschnelle Unternehmensabläufe

Die Rasanz der technologischen Entwicklung und neue Geschäftsmodelle erfordern eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit der Unternehmen. Zur Erhöhung der Flexibilität und Effi- zienz werden Unternehmensabläufe mit Hilfe der ICT weiter automatisiert – bei der Pro- duktion von Gütern und Dienstleistungen und in allen Wertschöpfungsstufen, inklusive des Managements. Dies zeigt schon jetzt das Beispiel der Logistikbranche, die ganz besonders von der (drahtlosen) Vernetzung und der Datenverarbeitung profitieren kann. Mit dem Management von Logistikketten in Echtzeit, vollautomatisierten Warenlagersystemen und der Telematik ist ICT auf nahezu allen Wertschöpfungsstufen der modernen Logistik zentraler Produktions- und Differenzierungsfaktor. Technologien, die hier eine wichtige Rolle spielen, sind Nearfield Communication, Sensor-Netze und Machine-to-Machine Kommunikation. Computergestützte Planungssysteme und die Steuerung von Waren- transporten ermöglichen Just-in-Time-Produktion. Das Ergebnis ist neben der höheren Flexibilität auch eine verbesserte Effizienz durch die Planbarkeit und Steuerung der gesamten Lieferkette.

6)

zusammenarbeit

Herausbildung

von

„Business

Networks“

als

Grundform

der

Unternehmens-

ICT wird dynamische, eng vernetzte Unternehmen ermöglichen, die nach unserer Einschätzung bis zu 30% zur Wertschöpfung von Volkswirtschaften beitragen können. Mitglieder dieser „Industrienetzwerke“ können Ad-hoc-Geschäftsbeziehungen aufbauen – und sie ebenso schnell wieder beenden. Die intelligente Vernetzung von Aktivitäten sowie die Fähigkeit, komplex vernetzte Systeme zu steuern, werden in den nächsten zwei Jahrzehnten zu wichtigen Erfolgsfaktoren.

Potenziale für Innovation, Differenzierung aber auch Kostensenkungen durch Informations- technologie und Telekommunikation in den kommenden zwei Jahrzehnten liegen in vielen Bereichen, wie Verkehr/Mobilität/Logistik, Infrastruktur, Unternehmensorganisation, Umwelt, Medizin/Gesundheit, Bildung sowie Wohnen und Leben.

Vier Anwendungswelten werden wir im Weiteren beleuchten: Automobil, Energie, Leben & Wohnen sowie Gesundheit. Um den Einfluss von ICT besser zu verstehen, sind aber zunächst die wesentlichen technologischen Trends zu skizzieren.

3 WTO (2010): Time Series of International Trade.

Think 2032!

3 Informationstechnologie im Jahr 2032

3.1 Quantensprünge in Leistung und Anwenderfreundlichkeit

Computer werden nicht nur immer leistungsfähiger, sondern auch kleiner und in der Herstellung günstiger. Verbesserte Fertigungsverfahren und neue Werkstoffe in der Mikrochip-Produktion ermöglichen immer höher integrierte Schaltkreise, sogenannte Systems-on-a-Chip. Beispiel hierfür sind die Integration von CPU und GPU im PC-Markt oder die Integration von GPS, 3G, Bluetooth, WLAN, Gigabyte-Speicher, Megapixel-Kamera und Beschleunigungssensoren in Smartphones. Innovationen im Bereich neuer Werkstoffe (zum Beispiel Mikro-Wasserstoffzellen) und der intelligenten Software-Steuerung lösen die technischen Probleme, z.B. bei der Energieaufnahme. Mehr und mehr Intelligenz lässt sich auf immer kleineren Chips unterbringen, und in Verbindung mit den sinkenden Kosten werden solche Lösungen zu festen Bestandteilen („Embedded“) von immer mehr Produkten werden. Sie verbergen sich in Automobilen und Industrieanlagen, in Kraftwerken und Stromnetzen, in Logistiksystemen und Robotern.

Alle 18 bis 24 Monate verdoppelt sich die Anzahl der Schaltkreise, die auf einem Chip untergebracht werden kann, damit erhöht sich dessen Arbeitsgeschwindigkeit. Entwicklungen, wie dreidimensionale Chips, optische, auf Nanoröhren, DNS, Supraleiter oder Quantenbasis beruhende Techniken, sorgen dafür, dass das Moore‘sche Gesetz weiterhin gilt.

Um diese steigende Leistungsfähigkeit richtig zu nutzen, wird sich die Mensch-Maschine- Schnittstelle weiterentwickeln müssen. Eingabemöglichkeiten über Stimmenerkennung, Bewegungs- und Gestensteuerung, Sensoren, optische Bilderkennungssysteme oder die Kontrolle von Systemen mit Hirnströmen werden so selbstverständlich sein, wie heute die Bedienung mit Maus und Tastatur. Die Multitouch-Eingabe wie beim i-Phone wird von einer Steuerung ähnlich der des Nintendo Wii abgelöst. Leichte Bedienbarkeit in Kombination mit lernenden und intelligenten Systemen wird ein Schlüssel sein, um das Potenzial von Computern effektiv zu nutzen.

3.2 Next Generation Networks

Telekommunikationsnetze bilden das Rückgrat der modernen Wirtschaft. Sie sind die globalen Datenautobahnen, die den Informationsaustausch ermöglichen. Next Generation Networks (NGN) werden drahtlose und drahtgebundene Zugangstechnologien vereinen und ubiquitär sein. Festnetz und Mobilfunk sind schon lange vor dem Jahr 2032 konvergiert. Ist die letzte Meile im Festnetz heute noch Kupferdraht-gebunden, so werden 2032 Lichtleiter basierte Fiber-to-the-Building-(FTTB)- und Fiber-to-the-Home-(FTTH)-Anschlüsse domi- nieren.

Next Generation Access (NGA) im Festnetz wird in zehn Jahren Zugangsbandbreiten von 10 Gbit/s und im Jahr 2032 von mehr als 100 Gbit/s im Massenmarkt bereitstellen. Gegenüber den heutigen Breitband-Produkten für Endkunden, die bereits bis zu 100 Mbit/s bieten, entspricht dies einer Steigerung um den Faktor 100 respektive 1000.

Hochbitratige multimediale Anwendungen wie Ultra High Definition 3D-Fernsehen oder Multikonferenz Advanced Telepresence-Lösungen werden den Bedarf nach Zugangs- bandbreiten im Gigabit-Bereich erhöhen.

Think 2032!

Neben der Bandbreite werden sich Transport-Leistungsparameter wie Jitter, Paket- verlustrate und Latenz weiter verbessern und neue Anwendungen ermöglichen, die besonders hohe Anforderungen an die Qualität der Datenübertragung stellen. Durch den Paradigmenwechsel zum Cloud Computing profitieren insbesondere Echtzeit-kritische Dienste, wie Cloud Gaming oder Kollaborationsanwendungen, von extrem kurzen Latenzzeiten.

3.3 Drahtlose Kommunikation der nächsten Generation

Das Verhältnis zwischen Mobilfunk- und Festnetzanschlüssen liegt heute weltweit bei ca. vier zu eins. 4 Verbunden zu jeder Zeit und an jedem Ort ist das charakteristische Differenzierungsmerkmal mobiler Zugangstechnologien. Zellulare Mobilfunk-Kommuni- kationssysteme wie GSM haben es überhaupt erst möglich gemacht, dass heute über vier Milliarden Menschen, also ca. 60% der Weltbevölkerung, Zugang zu Telekommuni- kationsnetzen haben und Anwendungen wie Sprachtelefonie nutzen können. In zehn Jahren wird es schätzungsweise sechs Milliarden Nutzer mobiler Kommunikationssysteme geben.

Das Internet der Dinge wird mit der Machine-to-Machine-Kommunikation zu einem wesentlichen Treiber der mobilen Vernetzung. Auch deshalb wird die Anzahl an mobilen Verbindungen auf über 50 Milliarden ansteigen, wie der Ericsson-CEO Hans Vestberg schätzt. 5 Weltweit entwickeln sich in den nächsten beiden Jahrzehnten mobile breitbandige Verbindungen zum primären Zugangsweg ins Internet.

Mobilfunksysteme der 3. Generation (UMTS HSPA, WiMAX I) erreichen heute schon eine theoretische Bandbreite von einigen MHz je Nutzer. Systeme der vierten Generation (UMTS HSPA+, WimAX II, LTE, LTE Advanced) steigern diese Leistung signifikant. Moderne Techniken an der Luftschnittstelle, wie adaptive Modulation und Codierung, Vielträgersysteme, MIMO und AAS, machen dies möglich. Sie erhöhen aber auch die Systemkomplexität, die schrittweise zu einer fundamentalen Bandbreiten-Evolution führen wird. Das theoretische Maximum für Mobilfunksysteme der vierten Generation liegt bei 300 Mbit/s und damit weit über den Datenraten heutiger DSL- und Koaxialkabelsysteme. Jedoch gibt es physikalische Grenzen, die nicht überwunden werden können. Das Funkspektrum 6 ist eine knappe Ressource, deren physikalische Bandbreite sich die Nutzer teilen müssen. Daher wird es zwangsläufig eine Obergrenze der Bandbreite für die Datenübertragung geben, die signifikant unter der leitungsgebundener Kommunikationssysteme liegt.

Drahtlose Zugangstechniken zum Netz werden im Bereich der letzten Meilen einen immer größeren Anteil erlangen und in vielen Teilen der Welt auch zukünftig der einzige Netzzugang bleiben. Die wachsende Leistungsfähigkeit drahtloser Kommunikationssysteme bedeutet aber keineswegs eine Bedrohung für das Festnetz insgesamt.

4 ITU – Measuring the Information Society 2009

5 We can see some 50 billion connections in 2020,” he said, with many of these being machine to machine links.

http://www.telecomseurope.net/content/ericsson-forecasts-50b-mobile-connections-2020

6 Als geeignetes Funkspektrum für mobile Kommunikation werden Radiowellen im Frequenzbereich von einigen Kilohertz bis etwa 3 Gigahertz angesehen.

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Vielmehr ergänzen sich beide Systeme: Breitbandige Mobilfunksysteme sind multi-zellular, brauchen also eine leistungsfähige Festnetzinfrastruktur und beruhen daher auch zu 80 Prozent auf einer solchen. Beide Netze sind also auch in Zukunft hochgradig komplementär.

Neben mobilen Wide Area Networks (WAN) spielen Wireless Local Networks (WLAN), Short-Range Wireless Networks (auch als Wireless Personal Network (WPAN) bezeichnet), und Ultra Short-Range-Technologien eine entscheidende Rolle für die vollständige Vernetzung auf dem Weg zum sogenannten Internet der Dinge. Die WLAN-Technologie auf Basis des Standards IEEE 802.11 ist eine leistungsfähige Technik für den Aufbau lokaler Funknetze, zum Beispiel als drahtloser Internetzugang an bestimmten Plätzen, sogenannten Hotspots, oder für die Heimvernetzung von Unterhaltungselektronik, wie Spielkonsolen. WLANs haben eine hohe Verbreitung im privaten und auch im geschäftlichen Bereich. Mit Brutto-Bitraten von bis zu 600Mbit/s stößt die neuste WLAN-Generation in Bereiche vor, die bislang LANs vorbehalten waren.

WPANs zeichnen sich durch eine Vielzahl unterschiedlicher Technologien und Standards aus. Ob optische drahtlose oder funkbasierte Datenübertragung mit Punkt-zu-Punkt- oder Punkt-zu-Multipunkt-Verbindung, für jeden Anwendungsbereich findet sich ein geeigneter technischer Standard. Bluetooth ist der wohl bekannteste WPAN-Standard. WPANs spielen in der Zukunft eine entscheidende Rolle, da sie universal für den Aufbau von Ad-hoc- Verbindungen zwischen Geräten genutzt werden können und ohne großen technischen Aufwand den Datenaustausch ermöglichen. Aus dem heutigen Alltag bekannte Anwendungen sind die Koppelung des Mobiltelefons mit der Freisprecheinrichtung im PKW oder der Armbanduhr, die drahtlose Anbindung der Kopfhörer an die Stereoanlage, die drahtlose Maus und Tastatur.

In 20 Jahren wird der überwiegende Teil der Geräte mittels WPAN-Technik drahtlos miteinander verbunden sein. Aufwändige Verkabelung am Computer oder der Heimkino- Anlage fällt weg. Eine technische Innovation in diesem Bereich sind optische Über- tragungstechniken auf Basis von LEDs, die als „Optical Wireless“ oder als „Smart Lighting“ bezeichnet werden. Bald schon werden herkömmliche Lichtquellen, z.B. das Pulsieren von LEDs, für die Datenübertragung genutzt.

Um die physikalische Welt vollständig zu vernetzten und so das Internet der Dinge („Internet of the Things“) Wirklichkeit werden zu lassen, bedarf es drahtloser Übertragungstechniken, die mehrere Kriterien erfüllen: Kostengünstig in der Massenproduktion, kompakt in den Abmessungen, geringer Platz- und Energiebedarf sowie einfache Handhabung und Nutzung. Radiofrequenz-Identifikation (RFID) und Near Field Communication (NFC) sind die beiden bekanntesten Technologien, die dabei zur Anwendung kommen werden. NFC ermöglicht z.B. mobile Bezahlsysteme durch die Verbindung von Mobiltelefonen mit Kassen im Einzelhandel.

Radiofrequenz-Identifikation ist eine Technik, um Daten mit Hilfe von Funkwellen auf einem Chip berührungslos und ohne Sichtkontakt lesen und speichern zu können. Die Einsatzmöglichkeiten von RFID sind vielfältig: im Lagermanagement, als elektronische Wegfahrsperre, für die Zugangskontrolle oder als Echtheitsmerkmal für Medikamente. RFID ersetzt den klassischen 2D-Strichcode, da RFID-Tags wesentlich leistungsfähiger sind.

Think 2032!

4 ICT-Anwendungswelten 2032

Beispielhaft für vier Anwendungswelten skizzieren wir im Folgenden Möglichkeiten, die sich durch die rasante Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikations-Technologie in den kommenden Jahren ergeben.

4.1

Automobil

Internet-Konnektivität gehört 2032 zur Grundausstattung im Automobil. Darüber werden fahrt- und kontextrelevante Informationen wie Routenplanung, Verkehrslage und Gefahrenwarnungen, aber auch persönliche Informationen und digitale Unterhaltungsmedien in das Fahrzeug gelangen. Werkstätten und Pannendienste nutzen die Möglichkeiten ausgereifter Funkübertragungstechnologien und Softwarekomponenten, um auf der Basis elektronisch erfasster Daten Ferndiagnosen am Fahrzeug vorzunehmen. Die statistische Auswertung solcher Daten, die dann über zentrale IT-gestützte Systeme aggregiert werden können, lässt weitergehende Schlüsse zu, die ggf. versicherungstechnische Relevanz haben oder für die Weiterentwicklung von Fahrzeugkomponenten verwendet werden können.

Kennzahlen ICT-Markt Automotive/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder Marktgröße/-entwicklung (weltweit)
Kennzahlen ICT-Markt Automotive/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder
Marktgröße/-entwicklung (weltweit)
Innovative ICT-Anwendungsfelder
Internet im Auto
 Erwartete Verkaufszahlen im Jahr 2012: ca. 36
Mio. Navigations- und Mobilitätssysteme; ca. 6,2
Mio. Telematik-/Sicherheitssysteme, ca. 50 Mio.
Kommunikationssysteme; ca. 36 Mio.
Infotainment-Systeme*
 Verarbeitung Fahrt- und Kontext-Infos,
Integration mit Digital Home
2010
 Fahrzeugferndiagnose z.B. gekoppelt
mit Geo-Infos (nächste Werkstatt etc. )
 Ca. 40% aller Neuzulassungen im Jahr 2014 mit
integrierter Internet-Konnektivität**
 Medienbruchfreie Unterhaltungsmedien
(Synchron. mit MP3/Adressbuch,
personalisiertes digitales Radio etc.)
 Markt für Telematik & Multimedia im Fahrzeug
ca. 3,6 Mrd. USD (Deutschland)
Intelligente Verkehrssteuerung
 Kommunikation Fahrzeug/Infrastruktur:
Markttreiber
z.B. Fahrzeuge senden
Kontextinformationen an eine zentrale
Verkehrssteuerungszentrale
 Differenzierung durch innovative Dienste im
wettbewerbsintensiven Automobilmarkt
 Antizipation von Verkehrsverdichtungen:
Rückmeldung an Verkehrsteilnehmer zur
Anpassung der Routenplanung
 Kostenersparnis/Effizienzgewinne (z.B. eCall/
Ferndiagnose senkt Quote der Vor-Ort-
Reparatur)
Auto-zu-Auto-Vernetzung
 Kommunikation zwischen einzelnen
Fahrzeugen ermöglichen u.a.:
 Öffentliches/volkswirtschaftliches Interesse
(Stauvermeidung, Senkung der Umwelt-
belastung, Minderung der Unfallzahlen etc.)
 Verbesserte Sicherheitsanwendungen,
neue Mobilitätskonzepte (z.B. advanced
car-sharing) und kommerzielle Dienste
(z.B. Geo-Information/Integration in
soziale Netzwerke etc.)
Source: *Strategy Analytics; **Expertenschätzung
Quelle: Detecon 2010

Abbildung 1: Anwendungswelt Automobil 2032

Informationsbasierte Dienste: Die Verknüpfung unterschiedlicher Kontextinformationen erschließt weitere Anwendungsbereiche und ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Zum Beispiel lässt sich durch Verbindung von Ferndiagnose und Navigationsfunktion vergleichsweise einfach ein Dienst anbieten, der den Fahrer zur nächsten Vertragswerkstatt lotst. Oder es werden Nutzerprofile erstellt, die sich aus Informationen des Fahrverhaltens, der Nutzung der digitalen Unterhaltungsmedien und Routengewohnheiten zusammensetzen und wertvolle Hinweise für die zielgruppengerechte Fahrzeugentwicklung liefern sowie Herstellern zusätzliche Cross- und Up-Selling-Potenziale eröffnen.

Think 2032!

Verkehrssteuerung: Darüber hinaus schafft das Internet als zentraler Informations- und Kommunikationszugang im Automobil zukünftig die Basis für eine erhöhte Verkehrs- sicherheit und -effizienz. Im Jahr 2032 wird sich in den einzelnen Industrieländern eine ICT- Infrastruktur herausgebildet haben, die durch eine optimierte Verkehrssteuerung für weniger Staus und Unfälle sorgt. In einem weiterentwickelten Szenario werden Fahrzeuge durch Auto-zu-Auto-Vernetzung fahrrelevante und weitere Informationen untereinander aus- tauschen und so zu einer verbesserten Verkehrssteuerung beitragen.

Mobilitätskonzepte: Schließlich wird ICT ein wesentlicher Treiber für neue Mobilitäts- konzepte, wie zum Beispiel das Car-Sharing, bei dem – in Anlehnung an das Mietwagengeschäft – Fahrzeuge gegen Entgelt genutzt werden. Anders als beim klassischen Mietwagenkonzept wird das Fahrzeug an beliebigen Orten übernommen und zurückgegeben. Die Anwendung von ICT in diesem Konzept reicht von der Unterstützung der Transaktionsprozesse (Vertragsschluss, Bezahlung zum Beispiel mobil per Smartphone- Anwendung) bis zum Tracking von Informationen über den Gebrauch der Fahrzeuge, die dann für verschiedene Zwecke weiterverwertet werden können.

4.2

Energie

Klimawandel und knapper werdende fossile Brennstoffe erfordern ein Umdenken in der Energieversorgung. Zu viel Energie wird heute noch ineffizient genutzt, weil an verschiedenen Stellen der Wertschöpfungskette Informationen fehlen, die Voraussetzung für eine Optimierung der Energieverteilung und des Verbrauchs sind. ICT macht diese Informationen zugänglich und liefert das Wissen, um effektivere und effizientere Energieversorgungssysteme – vor allem für Strom und Gas – aufzubauen. So werden im Jahr 2032 in entwickelten Ländern ICT-Infrastrukturen wie selbstverständlich fest integrierter Bestandteil der Energieversorgung sein und signifikant zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen.

Gebäudetechnik/Smart Metering: Experten schätzen, dass in Industrienationen in zehn Jahren ICT-gestützte Komponenten in Häusern und Wohnungen zu Energieeinsparungen von ca. 30% gegenüber 2009 führen. Bis zum Jahr 2032 sind Smart Meter Standard der Gebäudetechnik; sie erfassen den Energieverbrauch und senden ihn digital an eine zentrale Steuerungsstelle. Aufgrund der Verfügbarkeit von Verbrauchsinformationen in Kombination mit flexiblen Tarifstrukturen können Verbraucher ihr Verhalten anpassen – motiviert durch zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich hohe Energiepreise. Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass die Optimierung des Energieverbrauchs automatisiert und IT-gestützt erfolgen wird, z.B. indem spezialisierte Dienstleister im Auftrag der Endanwender diese Funktion übernehmen. Einige Verbraucher werden die Option wählen, dass Energie verbrauchende Geräte zu bestimmten Spitzenlastzeiten vom Energielieferanten ferngesteuert abgeschaltet werden können. Vorteil für den Anwender sind geringere Energiekosten; Vorteil für den Energieversorger ist die Vermeidung von Spitzenlasten, die sonst das Vorhalten teurer Netzkapazitäten erfordern.

Think 2032!

Kennzahlen ICT-Markt Energie/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder Marktgröße/-entwicklung (Deutschland)
Kennzahlen ICT-Markt Energie/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder
Marktgröße/-entwicklung (Deutschland)
Innovative ICT-Anwendungsfelder
Demand Response Management
 Strommarkt: ca. 60 Mrd. € Gesamtumsatz; ca.
4,7 Mrd. € Investitionsvolumen
2010
 Gasmarkt: ca. 20 Mrd. € Gesamtumsatz, ca. 2
Mrd. € Investitionsvolumen
 Automatisierte, preisabhängige
Steuerung der Energiezufuhr auf Basis
von messbaren Last- und
Verbrauchsprofilen
 Energienachfrage: stagnierend, Preise steigend
 Verknüpfung mit anderen Digital Home
Anwendungen wie z.B. Sicherheit
Virtuelle Kraftwerke
Markttreiber
 Zentralisierte, intelligente/ICT-basierte
Steuerung der Energieversorgung auf
Basis der Vernetzung v. Einzelanlagen
 ‚Unbundling‘, politisch gewollte Steigerung der
Wettbewerbsintensität
 Hoher Grad an Unabhängigkeit von
zentralen Energiequellen
 Klimaschutzziele/Reduzierung C02-Ausstoß
 Integration erneuerbarer Energien
 Verknappung fossile Energieträger
Elektromobilität/V2G*
 Steigende geo-politische Abhängigkeiten von
entfernten Energielieferanten
 Nutzung dezentraler Energiespeicher
(z.B. Elektroautos)
 Dezentralisierung der Energieerzeugung (auf
nationaler Ebene)
 Befüllung der Speicher bei hoher
Energieerzeugung (z.B. hohe
Sonneneinstrahlung)
 Bedarfsabhängiger Abruf
*V2G = vehicle to grid
Quelle: Detecon 2010

Abbildung 2: Anwendungswelt Energie 2032

Dezentrales Energiemanagement: Darüber hinaus wird ICT künftig eine maßgebliche Rolle spielen beim Management dezentraler Erzeuger und volatiler Produktionsstrukturen. Der Anteil erneuerbarer Energien nimmt weiter zu; ihre Erzeugung ist wetterabhängig und häufig geographisch weiträumig verteilt. Auch die zunehmende Anzahl hochwirksamer Kraft- Wärme-Kopplungsgeneratoren, die Energie am Verbrauchsort erzeugen und saison- abhängig genutzt werden, trägt zur Zersplitterung der Erzeugerstruktur bei. Verteilte und unregelmäßige Erzeugung haben aber den Nachteil, dass Strom meist nicht an den Orten und zu den Zeiten erzeugt wird, an denen er nachgefragt wird. So entstehen Kapazitätsüber- oder -unterauslastungen. Sogenannte virtuelle Kraftwerke helfen beim Lastmanagement; ihre Bedeutung wird stark zunehmen. Sie entstehen durch die Vernetzung dezentraler Energieerzeugeranlagen mit einer geeigneten ICT-Infrastruktur. Über eine zentrale, computergestützte Steuereinheit können dezentrale Stromproduktion und schwankender Stromverbrauch aufeinander abgestimmt werden.

Stromspeicherung: Ein weiterer erfolgversprechender Einsatzbereich von ICT im Energie- sektor ist das sogenannte Vehicle-to-Grid-Konzept. Dabei geht es um die Vernetzung von Autobatterien zu einem kollektiven Energiespeicher, um Elektrizität kostengünstig in verbrauchsarmen Zeiten zwischenzuspeichern. Heute ist das Speichern von Energie noch mit hohen Kosten verbunden. 2032 wird man die Speicherkapazität von Batterien in Elektrofahrzeugen als Puffer in der Stromversorgung zusätzlich nutzen können. Voraussetzung ist die Vernetzung der verteilten Speichermedien mithilfe einer geeigneten Informations- und Kommunikationsinfrastruktur und ein intelligentes Steuerungssystem, um zum Beispiel bei wetterbedingter geringer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien den Bedarf mit zwischengespeichertem Strom zu decken.

4.3 Leben & Wohnen

Think 2032!

ICT wird in der Gesellschaft in den nächsten zwanzig Jahren Veränderungen hervorrufen, die denen der industriellen Revolution kaum nachstehen.

Die Fülle der digital erfassbaren und bis 2032 de facto erfassten Informationen, die sich auf fast alle erdenklichen Facetten des Lebens beziehen, nimmt nie da gewesene Ausmaße an. Die revolutionäre Wucht resultiert aus der technischen Möglichkeit, digitale Daten aus unterschiedlichsten Quellen zu verknüpfen und systematisch zu nutzen. Wie bei einem Puzzle ergibt sich erst ein erkennbares Bild, wenn genügend Teile zusammengesetzt sind. Der Wert der aggregierten Daten ist um ein Vielfaches größer als der Wert der Einzeldaten. So entstehen neue Geschäftsfelder, während andere obsolet werden und verschwinden; vor allem aber verändern sich die Regeln und Gewohnheiten des Zusammenlebens grundlegend.

Zur Illustration ein Beispiel: Ein Immobilienmakler fotografiert ein Haus und erhält daraufhin mittels kurzer Suche im Internet alle für ihn zur Vermarktung des Objektes erforderlichen Eckdaten, wie die Anzahl der Wohnungen, Grundrisse und Vermietungsstand. Daraufhin überprüft er, ebenfalls mithilfe einer Internetanwendung, ob die Namen an den Klingelschildern mit den Namen der Bewohner des Hauses übereinstimmen. Er möchte weitere Informationen und erfasst mit der Bilderkennung seiner Kamera einen Bewohner, der das Haus betritt. Er hat Glück und erhält weitreichende Profildaten dieser Person, darunter Alter, Nationalität und Beruf, aber auch Vorlieben, Interessen und bevorzugte Freizeitbeschäftigung. All das wird möglich, weil Personen in der Vergangenheit Spuren im Internet hinterlassen haben und weil sie in die Weiterverwendung ihrer Daten eingewilligt haben – oder weil erfasste Daten nicht ausreichend geschützt waren.

Heute ist erst ein Bruchteil der potenziellen Datenquellen überhaupt aktiviert. Bis 2032 wird sich das Spektrum deutlich erweitert haben. Dann werden Gegenstände und Geräte mit dem Internet verbunden sein und zusätzliche Daten liefern. Ein exponentielles Wachstum der Datenmengen ist also anzunehmen.

In vielen Umgebungen, wie zum Beispiel in der Wohnung, werden Sensoren weitgehend unbemerkt Bewegungen und Verhaltensweisen aufzeichnen, speichern und mit anderen Daten verknüpfen. Selbst vor den Erbanlagen des Menschen macht die Informations- erfassung nicht halt. Welche Anwendungsszenarien sind vorstellbar, wenn der genetische Code eines Menschen im digitalen Daten-Pool hinterlegt ist? In zwanzig Jahren werden die Kosten einer individuellen Genom-Analyse so stark gefallen sein, dass sie für den Durchschnittsbürger finanziell erschwinglich ist. Alternativ könnten Software-Firmen diese Kosten übernehmen, um auf Basis der Genom-Information weiterführende Applikationen zu entwickeln und anzubieten, wie etwa Handlungsempfehlungen aufgrund der Analyseergebnisse.

Think 2032!

Kennzahlen ICT-Massenmarkt/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder Marktgröße/-entwicklung (weltweit) Innovative
Kennzahlen ICT-Massenmarkt/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder
Marktgröße/-entwicklung (weltweit)
Innovative ICT-Anwendungsfelder
Ambient Intelligence
 Ausgaben Privatkundenmarkt (2013): Breitband:
2010
141
Mio. €/CAGR (08-13): 7%; Mobile Daten:
212
Mio. €/CAGR (08-13): 11%*
 2020 werden mehr als 95% der erwachsenen
Bevölkerung in Europa und USA das Internet
und seine Dienste aktiv und regelmäßig
nutzen**
Neue, Alltag-erleichternde
Anwendungen auf Basis der
Vernetzung von Sensoren, Funkmodule
und Computerprozessoren (z.B.
intelligente Steuerung der Haustechnik,
Sicherheitssysteme, Reise-Mgmt. etc.)
Holographische Bewegtbildangebote
Markttreiber
 Bewegtbild-basierte Unterhaltungs-
angebote (Videos, Filme etc.) im
Hologramm-Format
 …
 Mobiles Internet
 Weiter steigende Breitbandpenetration
 Open Innovation
Semantische Suche
 Werbegeschäftsmodelle
 Weiterentwickelte (Internet-)Technologien
 Fortschreitende Standardisierung (z.B. im M2M-
Bereich)
 Weiterentwickelte semantische
Suchfunktion, wahlweise auf Basis von
Texteingaben, Spracheingaben oder
Bildmaterial (inkl. Gesichtserkennung)
 Konvergenz (Internet -> TIMES)
 Signifikante Erhöhung der Qualität der
Suchergebnisse; Vielzahl neuer
Anwendungen
Source: * IDC: ‚Worldwide Telecom Services Database‘ (2009); **Delphi-Studie Zukunft ITK und Medien 2030 (2009)
Quelle: Detecon 2010

Abbildung 3: ICT-Massenmarkt 2032

Wenn der sich abzeichnende Trend zur völligen Transparenz und Öffentlichkeit weiter fortsetzt, tritt die „Sozialkontrolle des digitalen Dorfes“ an die Stelle der „Anonymität der Großstadt“. Der Verlust an Privatsphäre und das diffuse ‚Big Brother’-Gefühl werden nicht ohne Reaktion bleiben: Die kommerzielle Datenverarbeitung wird reguliert. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die sogenannten Smart Agents fallen: Software-Anwendungen, die selbst-organisiert einzelne Programmierfunktionen übernehmen und im kollektiven Zusammenspiel eine Art künstliche Intelligenz erzeugen, mit dem Ergebnis verbesserter Anwendungen in Bezug auf Informationssuche im Internet, Informationsauswahl und darauf basierender Entscheidungsunterstützung und -findung. Die Sensitivität persönlicher Informationen verbunden mit der hohen Bedeutung von Smart Agents wird dafür sorgen, dass diese die besondere Aufmerksamkeit des Gesetzgebers erlangen, insbesondere im Wettbewerbs- und Datensicherheitsrecht, da Smart Agents Kundeninformationen bündeln und bestimmte Anbieter präferieren können. Neben der Verhinderung kriminellen Missbrauchs wird es um die Gewährleistung der Grundrechte gehen. Wie das Verfassungsgericht in Deutschland feststellt, setzt die Unbedenklichkeit einer vorsorglich anlasslosen Datenvorratshaltung voraus, dass sie eine Ausnahme bleibt. 7 Die private „Vorratsdatenspeicherung“ wird aber bereits jetzt zur Regel.

Allerdings gibt es auch einen freiwilligen oder leichtsinnigen Verzicht auf Privatsphäre. Innovative Anwendungen können den Alltag erleichtern und werden in vielen praktischen Dingen als nützlich empfunden. Endanwender werden dafür bereit sein, vieles von sich preiszugeben. Wie weit die Exhibition gehen kann, zeigen heute schon die sozialen Netzwerke im Internet. Neben Google werden es immer mehr Firmen verstehen, daraus neue Geschäftsideen zu entwickeln.

7 Bundesverfassungsgericht: Pressemitteilung Nr. 11/2010 vom 2. März 2010 zum Urteil vom 2. März 2010

4.4

Gesundheit

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Bislang hat ICT die lang erhoffte Transformation des Gesundheitswesens nicht ausgelöst. Bis 2032 wird sie sich jedoch vollzogen haben. Haupttreiber sind die alternde Bevölkerung und der zunehmende Kostendruck. Der Aufbau einer integrierten Informations- und Kommunikationsinfrastruktur zur Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen wird dessen Effizienz entscheidend steigern: ICT-Systeme im Gesundheitswesen dienen dann als recherchierbare medizinische Datenbasen mit offenen Schnittstellen. Durch die intelligente Vernetzung einer Vielzahl solcher Datenbasen entsteht ein ‚Smart Grid’ der Medizin. Es senkt nicht nur Kosten, sondern verbessert auch die medizinische Praxis und belebt die Medikamentenforschung. Die Informationsvernetzung kann bessere Daten darüber liefern, wie Medikamente tatsächlich eingenommen werden und welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten entstehen. Die Verknüpfung der elektronischen Patientenakte mit Systemen der Medikamentenforschung erlaubt Rückschlüsse bei der Neu- und Weiterentwicklung von Präparaten. Sie erhöht außerdem die Effizienz des Innovationsmanagements durch informierte und gezielte Forschung.

Kennzahlen ICT-Markt Gesundheit/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder Marktgröße/-entwicklung (Deutschland/EU)
Kennzahlen ICT-Markt Gesundheit/Beschreibung ausgewählter Anwendungsfelder
Marktgröße/-entwicklung (Deutschland/EU)
Innovative ICT-Anwendungsfelder
Integrierte Informationsnetzwerke
 Fast ein Zehntel der Erwerbstätigen in der EU
im Gesundheitssektor beschäftigt
2010
 Intelligente ICT-Vernetzung der
Teilnehmer des Gesundheitssystems:
 Ausgaben des Gesundheitssektors: rd. 10% des
BIP*, bis 2020 auf 16% des BIP steigend
Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken/
Pharma, Krankenkassen, Patienten)
 Volumen Gesundheitsmarkt Deutschland: 285
Mrd. € (2008)**
 Umfasst Daten der medizinischen
Versorgung & Ablaufprozesse
Chromosomen-Seqenzierung
Markttreiber
 Kostengünstige oder -freie
Verfügbarkeit der vollständigen
Chromosomenanalyse (dig. Datensatz)
 Demografischer Wandel
 Anhaltender Kostendruck im Gesundheitswesen
 Verknüpfung mit anderen, Smart-
Health-Grid basierten Informationen
 Starker Kostenanstieg bei über 65-
Jährigen
 Innovative, Internet-basierte apps
Vernetzte Körperimplantate
 Steigender Bedarf ambulanter Pflege
 Neue Behandlungsverfahren
 Technischer Fortschritt, z.B. Nano-
Technologien, Internet-Technologien
Nano-Robotor zur Überwachung
organischer Funktionen oder
Durchführung von Operationen auf
Molekular-Ebene
 Zunehmend stärkeres Gesundheitsbewusstsein
Intelligente Pillen, die durch
Funksignale gesteuert gezielt im Körper
appliziert werden können
*ohne gesundheitsnahe Bereiche wie Wellness, Fitness, Gesundheitstourismuns
** inkl. gesundheitsnahe Bereiche wie Wellness, Fitness, Gesundheitstourismuns
Quelle: Detecon 2010

Abbildung 4: Anwendungswelt Gesundheit 2032

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Miniaturisierungen durch den Einsatz von Nano-Technologien werden in Zukunft dazu führen, dass sich das Spektrum relevanter Informationen über Patienten signifikant erweitert. Körperimplantate, die in zwanzig Jahren laut Expertenschätzung bei 25% der Bevölkerung im Einsatz sein werden, können sich mit ICT-Systemen verbinden und medizinische Daten direkt auf portable Geräte liefern oder an die digitale Patientenakte senden. Der Zugriff auf elektronisch gespeicherte Informationen über den Gesundheitszustand erschließt weitere Anwendungsfelder, so zum Beispiel den direkten Zugriff auf die Blutgruppeninformation in Notfällen.

Ausgereifte Funkübertragungstechnologien und anwenderfreundliche Bedienelemente in attraktivem Design (zum Beispiel nach dem Vorbild des iPhone) werden ein weites Feld innovativer telemedizinischer Anwendungen erschließen. Sie ermöglichen moderne Medizin in geographischen Regionen, die bislang schwer zugänglich oder nicht erschlossen waren – insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern mit mangelnder Infrastruktur. Einfache Anwendungen, wie die kontinuierliche Fernüberwachung von Vitalfunktionen, werden für große Bevölkerungsteile zugänglich; Ärzte können besser zuverlässige Ferndiagnosen stellen; teure Nachbehandlungen müssen weniger häufig stationär durchgeführt werden, weil beispielsweise das Bewegungstraining eines Schlaganfallpatienten mithilfe selbst- bedienbarer Computer-Programme aus der Ferne kontrolliert wird.

5

ICT-Industriedynamik

Think 2032!

5.1 Trends verändern die Informations- und Telekommunikationsbranche

Die skizzierten technologischen Revolutionen und wirtschaftlichen Entwicklungen sowie deren Auswirkungen auf die beschriebenen Anwendungswelten werden die ICT- Anbieterstruktur 2032 wesentlich bestimmen.

Konvergenz ist und bleibt die treibende Kraft hinter der Weiterentwicklung des ICT-Marktes bis 2032. Im Verlauf verändert sich aber ihr Schwerpunkt: Während heute der Fokus auf der Konvergenz zwischen TK/IT, Inhalten/IP und Fixed und Mobile liegt, wird sich der Schwerpunkt schon während der nächsten fünf Jahre auf die Konvergenz zwischen Industrien verschieben.

Folgende Trends lassen sich als Vorboten für die gravierenden tektonischen Verschiebungen auf dem ICT-Markt festhalten:

1. ICT ist überall: Stark miniaturisierte ICT-Komponenten und -Dienstleistungen werden immanenter Bestandteil von Anlage- und Konsumgütern: Kleidung, Haushaltswaren, Medizin oder ganze Gebäude werden zum großen Teil „IP-fähig“ sein. ICT-Unternehmen sind Komponentenzulieferer ohne Beziehung zum Endkunden.

2. Smart Business Networks beherrschen die Industrieproduktion. 8 Deren ICT- Enabler werden Automatisierung von industriellen Entscheidungs-, Wertschöpfungs- und Transaktionsprozessen so weit vorantreiben, dass signifikante Synergie- und Einsparungspotenziale erschlossen werden können, indem starre Wertschöpfungsketten sich in agile Wertschöpfungsnetze verwandeln. Die smarte Nutzung von ICT wird der entscheidende Wettbewerbsvorteil für die Industrie- und Dienstleistungsunternehmen werden, um sich erfolgreich an den strategisch wichtigen Knotenpunkten dieser Netze zu behaupten.

3. IP und immer offenere APIs führen zur Entkopplung der etablierten ICT- Wertschöpfungsketten – schneller als im Rest der Wirtschaft. Schon heute sichern sich IT- und Internet-Unternehmen wie Apple, Google oder Microsoft beachtliche Teile der ICT-Wertschöpfung. Sie produzieren Smartphones, sie entwickeln Infrastrukturlösungen (wie Software basierte PBX- und IPTV-Lösungen, oder Cloud Computing) und stellen Anwendungen für Endanwender bereit, die Sprach- und Videotelefonie ermöglichen.

8 Vorreiter bei Smart Business Networks sind vor allem im Finanz- und Logistiksektor zu finden. In der Flugzeugcatering-Industrie hat beispielsweise die in der Schweiz beheimatete e-Gatematrix ein „business operating system“ etabliert, auf dem die Supply Chains der Käufer und Verkäufer von „onboard- Dienstleistungen“ orchestriert werden. Hier können Nahrungsmittelhersteller, Großküchen, Logistikdienstleister und Fluglinien ihre Informations-, Güter- und Transaktionsflüsse steuern. Diese werden durch den zunehmenden Einsatz von selbstlernenden IT-Systemen „intelligenter“ und dehnen sich auf andere Industriesegmente aus.

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Völlig neue Player werden in den nächsten Jahren zur Erosion der Cash Cows, wie z.B. dem Mobilfunk beitragen. Die Migration von einem circut-switched zu einem IP- Call kann beispielsweise einem Personal Social Network (PSN) wie Facebook ermöglichen, sich zwischen den Kunden und den Telco zu schieben. Die Regeln im ICT-Markt werden neu aufgestellt und die Karten neu gemischt.

4. Das Internet wird zum „zentralen Nervensystem“ der Gesellschaft und des einzelnen Menschen. Die staatliche „Daseinsfürsorge“ im digitalen Zeitalter wird eine massive Regulierung des Verbraucherschutzes, von Zertifizierungen und des Kartellrechts erfordern. Eine wesentliche Aufgabe der politischen Akteure besteht dann in der Gewährleistung von informationeller Selbstbestimmung und Sicherheit. Letztendlich liegt es auch im Eigeninteresse der Regierungen, eine gewisse Kontrolle auszuüben. Die Verhandlungen mit RIM/Blackberry über die Gewähr- leistung von lawfull interception oder die gesellschaftlichen Diskussionen über den Verbraucherschutz bei Google-Streetview waren erst der Vorgeschmack eines sich verstärkenden Trends. Diese Re-Regulierung wird eine wesentliche Grundlage für eine verstärkte Nutzung in allen Lebensbereichen bieten.

Durch diese vier Haupttrends werden wir eine Vervielfachung des ICT-Marktvolumens von derzeit ca. 4,1 Billionen $ erleben. Das, was wir heute ICT-Markt nennen, wird die Grundlage für ein signifikantes Wachstum darstellen. Sehr viele Unternehmen werden versuchen, sich einen Teil des immer noch hochprofitablen Marktes zu sichern.

5.2 Strukturelle Auswirkungen auf die ICT-Branche

Diese dargestellten Trends werden die ICT-Branche stark verändern. Sie führen zu einer bisher unbekannten Industriedynamik, die wir im Weiteren als „horizontale Industriekonvergenz“ 9 bezeichnen. Einerseits treten ICT-Unternehmen in bisher fremden Branchen gegenüber dem Endkunden als Anbieter auf. Das sehen wir in der Musik- oder Buchbranche genauso wie auf dem Energiemarkt. Andererseits stoßen bisher branchenfremde Unternehmen in die lukrative ICT-Domäne vor. Diese Vorstöße erfolgen gezielt auf den einzelnen ICT-Wertschöpfungsstufen. Zum Beispiel steigen Gas- oder Stromanbieter, die selber über leitungsgebundene Infrastrukturen verfügen, ein in den sehr kapitalintensiven Auf- und Ausbau von Telekommunikationsinfrastruktur, z.B. für Glasfasernetze. 10

9 So wie Apple oder Google derzeit andere Industrien besetzen (z.B. Musik, Werbung oder Navigation) werden zukünftig die Grenzen zwischen der ICT-Industrie und anderen Branchen (z.B. Bauen, Wohnen, Elektrizität, Transport, Gesundheit oder Versicherungen) durchlässig, sodass sich der Wettbewerb um die Anteile an diesem steigenden Potenzial erhöht.

10 Eines von vielen Beispielen ist der Versorger Wingas in Deutschland, der Gas an Stadtwerke, regionale Versorger und Industriebetriebe liefert. Wingas hat neben seine Erdgas-Pipelines Lichtwellenleiter-Kabel verlegt und vermarktet die unbeleuchteten Fasern (Dark Fibre) an ICT-Unternehmen.

Die

Stossrichtungen:

ICT-induzierte

Industriedynamik

verändert

die

Struktur

Think 2032!

der Branche

in

drei

1. Die vertikale Desintegration der Wertschöpfung im Telekommunikationsbereich

In der IT-Industrie ist es bereits in den 90er Jahren zu einer vertikalen Desintegration durch die Trennung der Software (Betriebssystem, Anwendungen) von der Hardware gekommen. Die vertikale Desintegration in der Telekommunikationsindustrie vollzieht sich entlang der im Rahmen der „traditionellen Konvergenz“ entstandenen SalesCo- ServCo-NetCo-Strukturen, d.h. der Vertrieb emanzipiert sich von der Produkt- und Serviceentwicklung, die sich wiederum von der Netzinfrastruktur unabhängig macht. Technische Vorteile gibt es für die vertikal integrierten Netzbetreiber nur noch bei netznahen Diensten, wie zum Beispiel IPTV oder Telepresence, die eine ganz bestimmte Netzqualität voraussetzen, oder bei einer marktbeherrschenden Stellung. Die vertikale Desintegration der Telekommunikationsindustrie wird in Zukunft auch dadurch gefördert, dass gesetzliche, regulatorische oder politische Rahmenbedingungen entfallen, die eine integrierte Wertschöpfung gefördert oder geschützt haben, wie z. B überholte Lizenzvergabemethoden 11 . Tatsächlich ist eine vertikale Desintegration aus volkswirtschaftlicher Sicht in ausgewählten Bereichen sogar erwünscht, wenn nämlich Anbieter die Kontrolle über eine Wertschöpfungsstufe wie den Netzbetrieb gezielt ausnutzen, um Wettbewerber zu diskriminieren oder gar ganz auszuschließen. In der Europäischen Union wurde erst kürzlich den Regulierungsbehörden mit der zwangsweisen Netzseparierung ein machtvolles Instrument zur Verfügung gestellt. Damit kann bei Wettbewerbsbehinderung eine vertikale Desintegration und eine organisatorische Abtrennung des Zugangsnetzbetriebs eingefordert werden.

2. Horizontale Industriekonvergenz: ICT konvergiert mit anderen Branchen

Heute liegt in der ICT-Industrie der Fokus noch auf der Konvergenz zwischen TK/IT, Inhalten/IP sowie Fixed und Mobile. In fünf Jahren jedoch wird sich der Schwerpunkt auf die horizontale Integration von Industrien verschoben haben. Bald werden die Grenzen zwischen der ICT-Industrie und anderen Branchen durchlässig, sodass sich der Wettbewerb um Anteile an diesem wachsenden Marktpotenzial verschärft. Steigende Umsatzpotenziale durch konvergente Produkte und Lösungen fördern die horizontale Integration über Industriegrenzen hinweg. Das heißt, die horizontale Integration von Wertschöpfungsstufen über Branchengrenzen hinweg beruht auf vertikaler Desintegration innerhalb der Industrien aufgrund standardisierter Wertschöpfungs- schnittstellen. Auf den desintegrierten Wertschöpfungsstufen können sich Unternehmen mit Kostenvorteilen und Leistungsdifferenzierung profilieren. Und es dominieren solche mit einzigartigen, schwer einzuholenden Wettbewerbsvorteilen. Kostenvorteile z.B. lassen sich durch industrieübergreifende Synergien erzielen. Synergien können daraus resultieren, dass Technologien oder Prozesse auf andere Industrien übertragen werden, wie dies Apple mit iTunes praktiziert.

11 Eine effiziente Nutzung der Ressourcen wurde als eines der Hauptziele in der EU 2020 Strategiekonsultation gefordert. Instrumente wie Spektrumshandel und ein liberales Autorisierungsumfeld sind wichtige Bestandteile, um eine effiziente Nutzung im ICT-Sektor sicherzustellen Die Autorisierungsdirektive der EU ist eine Vorgabe, die schon heute darauf ausgerichtet ist, einen internen Markt für elektronische Kommunikation in der EU zu schaffen.

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Auf die gleiche Art könnte ein Telekommunikationsbetreiber seine CRM- und Abrech- nungsfähigkeiten nutzen, um andere Infrastrukturleistungen wie Gas, Wasser oder Strom anzubieten. Das Prinzip ist, Fixkosten, die bei der Leistungserstellung entstehen, auf mehrere Produktarten oder Servicebereiche umzulegen. Das gilt auch im Infrastrukturbereich. Zum Beispiel sind die Kosten, die beim Bau einer Straße durch die gleichzeitige Verlegung von Glasfaser-Telekommunikationsinfrastruktur zusätzlich entstehen, weitaus geringer, als wenn ein Telekommunikationsunternehmen die Kabel extra verlegt. Wenn die Kosten der Verlegung von Glasfaserkabeln bis zu drei Viertel der gesamten Kapitalkosten der Netzinfrastruktur ausmachen, können Verkehrs- oder Abwasserinfrastrukturunternehmen die zusätzliche, gleichzeitige Verlegung von Telekommunikationsinfrastruktur äußerst kostengünstig anbieten.

3. Privatkunden emanzipieren sich und nutzen den technologischen Fortschritt sowie den regulierten Raum

Die viel beschworenen „zweiseitigen Geschäftsmodelle“, in denen Informationsanfragen der Kunden ausgewertet werden, um ihnen dann ein passendes Angebot zuzuschicken, und gleichzeitig der Anbieter zur Kasse gebeten wird, werden der Vergangenheit angehören. Der Grund hierfür ist trivial: die Kunden werden sich emanzipieren (müssen). Die Themen Datensicherheit und informationelle Selbstbestimmung, insbesondere bei der Vernetzung von persönlichen Informationen, werden immer stärker an Bedeutung gewinnen. Durch die weiteren Errungenschaften auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und selbstlernender Systeme kommt den Smart Agents 12 eine so große Bedeutung zu, dass diese im Zentrum des Wettbewerbs- und Datensicherheitsrechts stehen werden. Sie werden einen ganz entscheidenden Paradigmenwechsel ermöglichen: Von push zu pull. In der Zukunft geht der persönliche eButler ins Internet oder die Cloud.

Diese neuen Angebote werden die Konsumenten entweder von Markenartiklern oder von besonders vertrauenswürdigen ICT-Unternehmen annehmen. Sie basieren meist auf einem so genannten Third-Trusted-Party-Service (TTPS) und bestehen neben den intelligenten Agenten noch aus weiteren Sicherheitsfiltern (z.B. privacy gateways). In dieser geschützten und „TÜV-zertifizierten“ Umgebung werden die Privatkunden mit Smart Business Networks in Kontakt treten, also teilweise in Konstellationen, in denen zwei Softwareagenten über Angebot und Nachfrage bestimmen. Neben den Konsumentenbedürfnissen nach einfacher Bedienbarkeit/Nutzbarkeit, Design und Lifestyle ist der Aspekt Vertrauen von entscheidender Bedeutung. Kartellrecht und Verbraucherschutz an der digitalen Schnittstelle zwischen Bürger und Smart Business Networks ist erfolgskritisch für die Politik und ihre Legitimität.

12 Ein „Agent“ ist ein Computersystem, das sich in einer bestimmten Umgebung befindet und fähig ist, eigenständige Aktionen in dieser Umgebung durchzuführen, um seine Ziele zu erreichen. Wir differenzieren zwischen „reaktiven Agenten“ und „Smart-Agents“. Reaktive Agenten werden heute schon verstärkt im eCommerce eingesetzt. Java bietet hier schon ein umfangreiches Agentenframework (JADE). Unter „Smart Agents“ verstehen wir die Weiterentwicklung der „kognitiven Agenten“, die durch den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz ein autonomes nutzen- und zielgerichtetes Handeln ermöglichen.

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ICT-Anbieter stehen heute vor einer Weichenstellung: Im Verlauf der sich abzeichnenden vertikalen Desintegration stellt sich für jeden Marktteilnehmer die Frage, welche seiner Kernkompetenzen nun wirklich besonders wettbewerbsfähig sind. Wann und wie schnell sind z.B. Telcos in der Lage, heutige Cash Cows (z.B. mobile Voice) in innovativere Dienste zu migrieren, ohne dabei Geld zu vernichten. Die Konvergenz der Industrien stellt große Herausforderungen: Einerseits besteht die Notwendigkeit, über Industriegrenzen hinweg zu agieren und gleichzeitig immer intensiver branchenspezifische Wertschöpfungsprozesse zu unterstützen. Andererseits erfordert die horizontale Konvergenzdynamik auf der Infrastrukturebene immensen Kapitalbedarf und das Erzielen erforderlicher Skalenvorteile. Wenn sich nun auch noch die Privatkunden emanzipieren und die Regierungen dieser Welt die neuen Smart Agent-Technologien mit engen Verbraucherschutzbestimmungen regulieren, dann wird deutlich, dass wohl kaum ein Unternehmen der Welt in allen diesen Bereichen gleichzeitig erfolgreich sein kann: Diese Märkte erfordern unterschiedliche Kernkompetenzen und Unternehmenskulturen. Jeder ICT-Anbieter muss sich die Frage stellen, in welchen Bereichen er sich behaupten kann.

Von vertikaler Desintegration zur horizontalen Industriekonvergenz

4,100 Mrd. $

XXX Mrd. $

ICT-Konvergenz 2010

ICT-Konvergenz 2010

Fixed-

Fixed-

Fixed-

Mobile

Mobile

Mobile

TC/IT

TC/IT

TC/IT

Content/

Content/

Content/

IP

IP

IP

Fixed- Mobile Mobile Mobile TC/IT T C / I T TC/IT Content/ Content/ Content/ IP IP

Durch ICT ermöglichte Konvergenzfelder der Industrie bis 2032

Leben & Wohnen

Verkehr & Mobilität

Gesundheit & Umwelt

Energie

Sales Co

Sales Co
Sales Co

B2B2C Enabler

Consumer ICT

Mediation

Horizontale Skaleneffekte in Abhängigkeit von der Reife der B2B2C-Beziehung

Serv Co

Serv Co Net Co

Net Co

Serv Co Net Co
Serv Co Net Co

Vertikale Integration nur nach intensiver Geschäftsfelderfahrung

Alternative Netzbetreiber für Strom, Gas, Straßen durch Öffentlich-Private Partnerschaften

Mobilfunkbetreiber

Cloud Computing

Player

Quelle: Detecon 2010

Abbildung 5: Vertikale Desintegration und horizontale Industriekonvergenz

6 ICT-Marktstrukur 2032

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Entsprechend der Trends und strukturellen Auswirkungen werden sich in der Anbieter- landschaft für ICT bis zum Jahr 2032 drei Segmente für die zukünftige Wertschöpfung herauskristallisieren:

Anbieter, die eine sehr hohe Prozess-, IT- und Branchenkompetenz aufweisen und in der Lage sind, B2B-Geschäftsmodelle auch über mehrere Industrien hinweg zu realisieren „Business-as-a-Service“ (BaaS)

Unternehmen mit einer sehr hohen Reputation und Privatkundenaffinität, die als „eButler“ diskret in den Smart Business Networks oder ggf. schon als Avatar in der realen Welt unterwegs sind, um die Interessen und Transaktionen ihrer Kunden zu vertreten „Consumer ICT Mediation“ (CIM)

„Infrastructure-as-a service“ (IaaS)-Anbieter, die konvergierende Infrastrukturen bereitstellen

Diese Marktstruktur schließt nicht aus, dass es noch vereinzelt vertikale Integration über die Wertschöpfungsstufen IaaS-BaaS-CIM geben wird. Es wird auch Unternehmen geben, die sich auch in zwei Segmenten behaupten können; allerdings nicht als Regelfall. Der Wettbewerbsdruck in allen Segmenten wird durch das Eindringen bisher branchenfremder Unternehmen erhöht werden.

6.1

Business-as-a-Service

Die einfachste Form eines BaaS-Anbieters lässt sich anhand der Industriekonvergenz am Point-of-Sale erläutern. Warum sollte ein ICT-Anbieter nicht Tchibo nacheifern und andere Produkte verkaufen? Zum Beispiel in den Bereichen Mobilität, Verkehrssteuerung, Energieverkauf, Smart Metering/Smart Home. ICT-Anbieter mit starken CRM-Kern- kompetenzen profitieren von der Industriekonvergenz und migrieren in andere Branchen, bspw. Energie oder Finanzdienstleistungen.

„Business-as-a-Service“ wird aber insbesondere „Smart Business Networks“ bedienen, die in einem losen und auf Ad-hoc-Basis initialisierbaren Verbund effizient und marktorientiert Endkundendienste anbieten. BaaS-Anbieter werden die spontanen Geschäftsbeziehungen solcher Smart-Business-Networks durch ICT-Dienste unterstützen, ohne die Geschäfts- beziehungen selbst zu managen. Das heißt aus Telco-Anbieter-Sicht z.B. auch, dass Geschäfts- und Privatkunden keine Accessprodukte direkt kaufen werden. 13 Insbesondere branchenübergreifende Kostenvorteile sind hier essentiell für den nachhaltigen Geschäftserfolg im Business-as-a-Service.

13 Der Kindle von Amazon ist schon heute ein Beispiel hierfür. Er ermöglicht, elektronische Bücher, Zeitschriften und Zeitungen herunterzuladen. Amazon lässt das Endgerät nach eigenen Anforderungen bauen, bezieht die Datenverbindung von einem ICT-Anbieter und die Inhalte von Medienunternehmen. Die benötigte Verbindung ist Bestandteil des Produktes, und der Nutzer muss Amazon auch nichts für den Datenverkehr zahlen.

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Business-as-a-Service

ICT- Industrie Konvergenzfelder 2032 Leben & Wohnen Mobilität Gesundheit & Umwelt Energie B2B B2C kaufen
ICT- Industrie Konvergenzfelder 2032
Leben & Wohnen
Mobilität
Gesundheit & Umwelt
Energie
B2B
B2C
kaufen
veredeln
verkaufen
Kunde
liefern
abwickeln
kommunizieren
informieren
Smart-Business-Networks
Consumer ICT Mediation
Horizontale & vertikale
Consumer
Business-
Smart-Agent-Fähigkeiten
Business-Netzwerke
ICT
as-a-Service
Mediation
Eingebettete Systeme
(M2M, cooperating objects…)
Eingebettete Endgeräte
Kompatibilität
(Smart wearables
robots…)

Key

Players

CRM, Banken &

CRM, Banken &

geprüfte Partner

geprüfte Partner

CRM, Banken & geprüfte Partner geprüfte Partner OTTs/Smart OTTs/Smart Business Netzwerke Business

OTTs/Smart

OTTs/Smart

Business Netzwerke

Business Netzwerke

Top-Marken, CPE,

Top-Marken, CPE,

Chip-Hersteller

Chip-Hersteller

SI, Managed ICT SPs

SI, Managed ICT SPs

Distribution &

Distribution &

Logistik

Logistik

Quelle: Detecon 2010

6.2 Consumer ICT Mediation

Abbildung 6: Business-as-a-Service (BaaS)

Wenn wir uns heute vorstellen, dass ein Personal Social Network wie Facebook genauso gut die Regiefunktion für die Realisierung der ICT-Wertschöpfungskette (inkl. Telefonie) übernehmen kann wie eine Telco, sind wir auf dem richtigen Weg zu verstehen, wie sich die Zukunft im Bereich Consumer ICT-Mediation entwickeln wird. Hier führen die Nutzer die Regie (oder haben zumindest das Gefühl). Sie werden in Zukunft noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben. Dazu bedienen sie sich zertifizierter CIM-Anbieter, die darauf spezialisiert sind, selbstlernende Systeme in Webbrowser-artige, smarte Agenten- und/oder Avatar-Dienste für Individuen oder Familien anzubieten. Der Markt für CIM wird sich nach eher sicherheitsrelevanten oder Lifestyle-betonenden Kriterien segmentieren.

Der Wertschöpfungsbereich Consumer ICT Mediation vermittelt zwischen den Anbietern von Konsumgütern bzw. Dienstleistungen und den Konsumenten. ICT selbst ist in den bezogenen BaaS-Diensten enthalten oder wird durch den CIM-Anbieter auf Basis von generischen Infrastrukturleistungen bereitgestellt. Dies betrifft einerseits die Endgeräte- ebene, wie Smart Net Phones, Robots, Wearable Computing, andererseits aber auch die Informationssuche, Auswahl, Entscheidungen und Transaktionen für Konsumenten, die Smart Agents übernehmen können. Wir gehen davon aus, dass 2032 die Smart Agent- Technologien in der Lage sein werden, auch semantischen Kontext zu verarbeiten.

Es handelt sich hier um ein Retail-Geschäftsmodell, welches von mehreren Akteuren realisiert werden kann. In erster Linie werden starke Consumer Brands in Kooperation mit Enabling-Partnern aus den Bereichen TTPS und/oder Privacy & Security Gateways auf Wholesale-Angebote aus dem IaaS-Bereich zurückgreifen, um CIM-Angebote zu realisieren. Doch auch die heutigen Telcos können sich auf Basis ihrer IaaS-Kompetenz bei den Kunden qualifizieren. Sie werden sich im Wettbewerb zu den starken Marken, über Integrität und Vertrauen/Corporate Social Responsibility differenzieren müssen. Zudem sind Agilität und Innovationskraft entscheidende Wettbewerbsfaktoren.

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Insgesamt ist es absehbar, dass es für Anbieter immer schwieriger werden wird, B2B2C- Geschäftsmodelle alleine darzustellen, da sich zwei Marktsegmente herausbilden. Diese Entwicklung wird insbesondere die heutigen Over-the-top-Player, wie Google, zwingen, sich zwischen BaaS und CIM zu entscheiden.

6.3

Infrastructure-as-a-Service

Im Grundsatz wird IaaS auf drei verschiedenen Wertschöpfungsebenen angeboten werden, die alle auf Wholesale-Geschäftsmodellen zu BaaS- und CIM-Kunden basieren.

1. Next Generation Access- & IT-Services: Native Breitbandanschlussprodukte (fixed & wireless), inklusive Netz- und Backend-APIs sowie Cloud Computing-Leistungen.

2. Managed Infrastruktur-Services, die aus mehreren Infrastrukturtypen gewisse Integrationsleistungen erbringen (z.B. Basisleistungen für Verkehrsleitsysteme).

3. Anbieter dedizierter Infrastrukturleistung mit hohem Spezialisierungsgrad (Backbone, Roboterparks, Sensornetzwerke).

Infrastructure-as-a-Service

   

Kunden- / Maschine-zu-Maschine-Schnittstellen

Kunden- / Maschine-zu-Maschine-Schnittstellen

 

Enabling (AAA,

Enabling (AAA,

Security, DRM, Community,

Security, DRM, Community,

Multi-access / Multi-device Service Delivery, …)

Multi-access / Multi-device Service Delivery, …)

   

Native Zugangs- und Speicherdienstleistung (z.B.

Native Zugangs- und Speicherdienstleistung (z.B.

Next Generation Access)

Next Generation Access)

Infrastructure-as

Infrastructure-as

 

a-Service

a-Service

Management und Wartung

Management und Wartung

Anbieter für ICT-Infrastrukturbetrieb,

Anbieter für ICT-Infrastrukturbetrieb,

 

Anbieter eigener ICT-Infrastruktur

Anbieter eigener ICT-Infrastruktur

Telekommunikations-

Telekommunikations-

 

Regionale & über-

Regionale & über-

regionale Sensor-

regionale Sensor-

netze, Pervasive ICT

netze, Pervasive ICT

Device Device Fleets Fleets
Device
Device
Fleets
Fleets
Software & Software & Inhalte Inhalte
Software &
Software &
Inhalte
Inhalte
IT & Data IT & Data Centers Centers
IT & Data
IT & Data
Centers
Centers

Infrastruktur (Basisnetz

Infrastruktur (Basisnetz

und/oder Zugang)

und/oder Zugang)

Key

Key

Players

Players

Alternative Netzbetreiber

Alternative Netzbetreiber

Partnerschaften)

Partnerschaften)

(Strom, Gas, Öffentlich-Private

(Strom, Gas, Öffentlich-Private

Quelle: Detecon 2010

Lizenzierte Festnetz-

Lizenzierte Festnetz-

und Mobilfunkbetreiber

und Mobilfunkbetreiber

Internetzentrierte

Internetzentrierte

Computernetze/IT & TK,

Computernetze/IT & TK,

Software-Anbieter

Software-Anbieter

Abbildung 7: Infrastructure-as-a-Service (IaaS)

Managed IaaS wird in verschiedenen Einsatzbereichen mit hohem Investitionsbedarf für Infrastruktur angeboten: City-Management, Endgeräte und Roboter-Management, Cloud Computing, Sensorik und nicht zuletzt Verkehrs- und Mobilitätsmanagement, inklusive Mautsystemen und Private-Public-Partnership-Modellen zur Verwirklichung öffentlicher Infrastrukturvorhaben.

Absehbar ist, dass kaum ein Anbieter in der Lage sein wird, den steigenden Infrastrukturbedarf alleine zu finanzieren. Zudem erschweren kostengünstig arbeitende Konkurrenten sowie der hohe und über die Breitbandverkabelung hinausgehende Investitionsbedarf die Positionierung der ICT-Anbieter im TK-Infrastrukturwettbewerb. Daher werden ICT-Anbieter sich auf verschiedene Service-Kategorien im IaaS-Geschäft be- schränken.

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Eigentümer der zur erweiternden, teuren Infrastruktur zu sein, ist nur bei erheblichen länderübergreifenden Skaleneffekten sinnvoll. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass zumeist eine Top-3-Position in den jeweiligen Ländern erzielt werden muss, um profitabel zu operieren. Nur einige transnationale Anbieter werden überleben, und oligopolistische Marktverhältnisse mit kontinuierlichem Regulierungsbedarf herrschen 2032 vor.

Im Bereich IT-& DataCenter von IaaS werden sich erfolgreiche Software-Unternehmen zu erfolgreichen BaaS-Anbietern entwickeln und damit zu erbitterten Wettbewerbern der heutigen Telekommunikationsanbieter werden. Für die heutigen Carrier scheint es derzeit sehr schwierig, signifikante Marktanteile an diesem Markt erkämpfen zu können. Im Zeitalter der Roboter, Connected Cars und Embedded Objects wird der Bereich „Endgeräte & Fuhrpark“ eine hohe Bedeutung im Rahmen von IaaS gewinnen, aber natürlich auch neue Wettbewerber mit sich bringen.

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7 Ein Ausblick: Unterwegs in die neue Welt der Telcos

Die drei neuen Hauptbereiche der Wertschöpfung, BaaS, Consumer ICT Mediation und IaaS, erfordern von Telekommunikationsanbietern vollständig andere Kernkompetenzen. Kaum ein Anbieter wird in der Lage sein, in allen drei Bereichen eine führende Position einzunehmen. Daher werden sich die meisten langfristig auf ein oder zwei dieser Bereiche konzentrieren. Carrier sollten heute die Weichenstellungen vornehmen. Was sind aber nun die Voraussetzungen, um in den unterschiedlichen Wertschöpfungsbereichen Erfolg zu haben?

Die Zukunft gehört den horizontal integrierten ICT-Unternehmen, die sich entweder auf markt- und serviceorientierte Geschäftsbereiche oder auf infrastrukturorientierte Geschäftsbereiche konzentrieren werden. So wie Apple oder Google derzeit schon in die Musik- oder Werbeindustrie vordringen, werden zukünftig – wie in den Anwendungswelten beschrieben – die Grenzen zwischen der ICT-Industrie und anderen Branchen aufweichen.

zwischen der ICT-Industrie und anderen Branchen aufweichen. Abbildung 8: ICT-Industriekonvergenz 2032 Die zunehmende

Abbildung 8: ICT-Industriekonvergenz 2032

Die zunehmende Einbettung von ICT in die Produkte anderer Branchen und in das Geschäfts- und Privatleben führt dazu, dass weniger „reine“ ICT-Dienste gekauft werden. So werden zum Beispiel erfolgreiche Handelsunternehmen wie Aldi oder Tesco in Produkten eingebettete ICT-Dienste mitverkaufen. Schätzungen ergeben, dass ICT-Anbieter nur noch 20 bis 30% des Endkundengeschäftes abwickeln werden. Sie werden sich auf auszuweitende IaaS- und BaaS-Wholesale-Schnittstellen konzentrieren.

Die Firmen, die in der Lage sein werden, B2B2C-Geschäftsmodelle über verschiedene Branchen zu realisieren, behaupten sich im Kampf um den Endkundenmarkt. Nur ICT- Unternehmen mit einer hohen Third-Trusted-Party-Glaubwürdigkeit und Top-Brand-Anbieter werden im Endkundengeschäft noch erfolgreich sein. Jedoch können ICT-Anbieter mit starken CRM-Kernkompetenzen mittelfristig ausgezeichnet von der Industrie-Integration profitieren und in anderen Branchen, beispielsweise Strom oder Finanzen, Leistungen erbringen.

Think 2032!

Für Business-as-a-Service wird erfolgsentscheidend sein, die Errichtung schnell ent- stehender und wieder vergehender flexibler Business Networks zu unterstützen. BaaS- Anbieter müssen entsprechendes Branchen-Know-how und den Business Networks schnell eine passende Geschäftsinfrastruktur aufbauen: dazu gehören Transaktionsplattformen, Data Hosting, Abrechnung und Rechnungsstellung, Zahlungsverkehr und ergänzende, eventuell über Drittparteien zu erbringende ICT-Services. Wichtig für den Erfolg von BaaS- Anbietern ist die Kontrolle über die Software-Entwicklung entweder durch Eigenproduktion oder durch Steuerung der Entwickler-Community zu erreichen, die Innovations- geschwindigkeit bei der Einführung neuer Dienste und Geschäftsmodelle hoch zu halten und Flexibilität und Qualität zu gewährleisten.

Telco-Unternehmen im Bereich Consumer ICT Mediation konkurrieren mit Unternehmen der gleichen Wertschöpfungsstufe, insbesondere im Hinblick auf Schnelligkeit und Umsetzung von Innovationen. Dies erfordert eine Organisationsstruktur, die mit einer Vielzahl von Produktpartnern ad hoc zusammenarbeiten kann. Insbesondere in Märkten mit starken Marken, die dem Kunden vertraut sind, müssen Skalenvorteile im Verkauf durch das Angebot branchenübergreifender Produkte erzielt werden. In jedem Fall ist schon heute eine konsequente Umsetzung von Smart Agent-Technologien an der Kundenschnittstelle empfehlenswert, um Erfahrungen und Reputation auf diesem Gebiet aufzubauen.

Das Geschäftsmodell IaaS werden nur wenige, große ICT-Unternehmen mit Gewinn umsetzen können. Dazu allerdings müssen sie internationale Größenvorteile nutzen und mit hochwertigem Service erfolgreich im B2C/B2B-Wholesale sein. Die heutigen Carrier haben geringere Chancen, signifikante Marktanteile am zukünftigen Storage-Markt zu erkämpfen. Managed Infrastructure & Enabling Services dagegen sind ein vielversprechendes Geschäftsfeld. Dessen Profitabilität wird durch die Wertschöpfung in Native Access Products und die Fähigkeit determiniert, als OEM-Quality Brand für BaaS zu etablieren. IaaS-Anbieter werden 2032 auf Geschäftskunden ausgerichtet sein – und sich auf einen breiten Sockel einer integrierten Netzinfrastruktur verlassen können. Investitionen in die notwendige kostenintensive Infrastruktur sind aber nur dann sinnvoll, wenn eine Top-3-Position in einer Länderregion erreicht werden kann.

Im Detail wird es dem jeweiligen Unternehmen obliegen, wie und wann es die Weichenstellungen für 2032 trifft. Eines aber ist klar: 2032 wird es die ICT-Industrie in ihrer gegenwärtigen Form nicht mehr geben und das ICT Gravitationszentrum wird sich nach Asien verlagert haben.

8 Die Autoren

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Dr. Karl-Michael Henneking, Member of the Executive Board, Head of Strategy & Marketing Practice; karl-michael.henneking@detecon.com

Lars Theobaldt, Managing Partner; Head of Sales & Distribution Group;

lars.theobaldt1@detecon.com

Bernd Ettelbrück, Partner; Head of Business Innovation Group; bernd.ettelbrueck@detecon.com

Falk Wöhler-Moorhoff; Managing Consultant; Business Innovation Group;

falk.woehler-moorhoff1@detecon.com

Daniel dos Reis; Senior Consultant; Corporate Strategy Group; daniel.dosreis@detecon.com

9 Das Unternehmen

We make ICT strategies work

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Detecon ist ein Beratungsunternehmen, das klassische Managementberatung mit einem hohen Technologieverständnis vereint.

Unsere Unternehmensgeschichte beweist dies: Detecon International ging aus der Fusion der 1954 gegründeten Management- und IT-Beratung Diebold und der 1977 gegründeten Telekommunikationsberatung Detecon hervor. Unser Leistungsschwerpunkt besteht dem- nach in Beratungs- und Umsetzungslösungen, die sich aus dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, engl. Information and Communications Technology (ICT), ergeben. Weltweit profitieren Kunden aus nahezu allen Branchen von unserem ganzheitlichen Know-how in Fragen der Strategie und Organisationsgestaltung sowie beim Einsatz modernster Technologien.

Das Know-how der Detecon bündelt das Wissen aus erfolgreich abgeschlossenen Management- und ICT-Beratungsprojekten in über 160 Ländern. Wir sind global durch Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie Projektbüros vertreten. Detecon ist ein Tochterunternehmen der T-Systems International, der Großkundenmarke der Deutschen Telekom. Als Berater profitieren wir daher von der weltumspannenden Infrastruktur eines Global Players.

Know-how und Do-how

Die rasante Entwicklung von Informations- und Telekommunikationstechnologien beeinflusst in immer stärkerem Maße sowohl die Strategien von Unternehmen als auch die Abläufe innerhalb einer Organisation. Die daraus folgenden komplexen Anpassungen betreffen dementsprechend nicht nur technologische Anwendungen, sondern auch Geschäftsmodelle und Unternehmensstrukturen.

Unsere Dienstleistungen für das ICT-Management umfassen sowohl die klassische Strategie- und Organisationsberatung als auch die Planung und Umsetzung von hochkomplexen, technologischen ICT-Architekturen und -Anwendungen. Dabei agieren wir herstellerunabhängig und sind allein dem Erfolg des Kunden verpflichtet.

Detecon International GmbH Oberkasselerstr. 2 53227 Bonn Telefon: +49 228 700 0 E-Mail: info@detecon.com Internet: www.detecon.com