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Themen:

In der Klassik dreht sich alles um Toleranz, Humanität, Vollkommenheit und Gleichgewicht. Auch Kunst und
Wissenschaft sollen gleichermaßen ausgebildet werden. Außerdem sollte Individuum in der Klassik eigene
Entscheidungen treffen können und sich selbst finden (Selbstbestimmung)
Zudem strebt man zu dieser Zeit nach Harmonie und Schönheit.

Motive:
In der Klassik wollte man nicht nur inhaltlich auf Harmonie treffen sondern Harmonie sollte auch auf formaler Ebene
zu finden sein.
Form und Inhalt sollten also eine harmonische Einheit bilden.
Um eine formale Ordnung im ganzen Drama oder Gedicht zu erzeugen wird durchgehend ein einhaltliches Metrum
verwendet, bis auf Textstellen die hervorgehoben werden sollen.

1. Beispiel „Maria Stuart“:


Schillers Drama „Maria Stuart“ ist eine klassische Tragödie
Der Begriff „klassisch“ ist hier mit den bedeutenden Autoren der Antike in Verbindung gesetzt, an denen sich Autoren
des Klassizismus orientierten.
Für die vor allem strenge und formale Gestaltung eines Stücks ist die symmetrische Gestaltung von „Maria Stuart“ ein
Musterbeispiel.
Das Drama wird als Kunst betrachtet, was deutlich an der Gestaltung der einzelnen Figuren zu sehen ist.
Es geht nicht um die individuellen Darstellungen der Charaktere mit deren Eigenschaften, sondern um die
Repräsentation von den Rollentypen.
Damit verbunden ist die hohe Sprache der Figuren, die ebenso wie die Charaktere selbst idealisiert wird. Das Drama an
sich wirkt in sich eng zusammenhängend und hat eine strikt durchgeplante Struktur.
Das klassische Drama soll die Möglichkeiten aufzeigen, die ein Individuum auch dann noch hat, wenn es sich in einer
scheinbar auswegslosen Situation befindet. Maria Stuart verstirbt zwar am Ende des Stückes, ist aber mit sich selbst
dabei im Reinen und hat alles getan, was in ihrer Macht lag, um den drohenden Tod abzuwenden und das ist ein
Musterbeispiel, wie in einer schwierigen Situation zu handeln ist.
Aus diesem Grund modifiziert Schiller die historische Wirklichkeit. Er greift lediglich die Motive aus der Geschichte
heraus, die das Potenzial für einen tragischen Handlungsverlauf haben.
Beispielsweise ergänzt er in seiner Geschichte erfundene Szenen, beispielsweise das Zusammentreffen beider
Königinnen im Park das niemals stattgefunden hat.
Auch dass das Drama unvermittelt beginnt (Prozess gegen Maria Stuart bereits beendet) macht den Stoff interessanter.
Man nennt nennt diesen Einstig „Euripidische Methode“, indem man sich vor allem auf die inneren Konflikte der
Figuren fokussiert, ohne die politischen und historischen Hintergründe direkt zu erläutern.
Die nötigen Informationen bekommt man dann in den Dialogen.
Im klassischen Drama soll die Wirkung durch das Durchleben des Pathetischen (übertriebenen) erzielt werden. Dies
soll dazu führen, dass sich der Rezipient (Leser) mit sich selbst aussöhnt.
Die Einzelne im klassischen Drama wird im Idealfall als ganzer Mensch betrachtet, der in Einklang mit sich selbst und
der Gesellschaft ist. (Die Figur der Maria Stuart wird am Ende zu einer Frau, die eben jene Bedingungen erfüllt, trotz
das sie hingerichtet wird)
Der Titel des Stücks: „Maria Stuart – Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen“ verdeutlicht bereits die Anlehnung an die antike
Tragödie, (für die Klassik das angestrebte Ideal?????) Zu erwarten ist aufgrund des Titels 5 Aufzüge, hohe Figuren, eine
hohe Sprache und eine historische Persönlichkeit.
Die antike Tragödie: „Maria Stuart“ ist ein geschlossenes Drama.
Ein geschlossenes Drama zeichnet sich durch die Einheit der Handlung, die Einheit der Zeit und die Einheit des
Raumes/des Ortes aus.
In der Antike hat Aristoteles diese Kriterien für die Tragödie festgelegt und Schiller beschloss sich an diese Vorgaben
zu halten.
Das klassizistische Regeldrama zeigt den Kampf der Leidenschaften (Pathos) auf und macht deutlich, wie mit diesen
umzugehen ist bzw. wie Leidenschaften gebändigt werden müssen. Das Stück erhält durch die enge Verknüpfung aller
Handlungen eine innere Geschlossenheit und wirkt wie eine kompakte Einheit. Der Handlungsverlauf in der antiken
Tragödie linear und kontinuierlich und lässt sich logisch nachvollziehen.
Im ersten Aufzug (der Exposition) wird bereits Problematik dargestellt, die den weiteren Verlauf des Stücks prägt. Es
gibt keine abrupten Brüche oder Sprünge zwischen den einzelnen Auftritten und meistens wird der Auftritt einer neuen
Person am Ende eines Dialogs angekündigt und eine der zuvor am Dialog beteiligten Figuren bleibt im folgenden
Auftritt präsent.
Schiller hat es vermieden eine große Zahl an Charakteren in eine Szene zu packen, damit es nicht zu unübersichtlich
wird. Der weichen Übergang zwischen den Auftritten sorgt innerhalb der Akte für einen nachvollziehbaren
Zusammenhang.
Da dies ein geschlossenen Drama ist gibt es keine Zeitsprünge und Rückblenden werden durch Dialoge und Berichte
über Vergangenes ersetzt und immer im direkten Bezug zur Gegenwart der Handlung gestellt.
Der Dialog gibt auch die Begründung für die Verurteilung von Maria Stuart preis. Das Sprechen über Vergangenes ist
eher ein Nachdenken (ein Reflektieren) über die gegenwärtige Situation als ein Bericht darüber, was sich vor einiger
Zeit ereignet hat. Da Maria Stuart ein antikes Drama ist besteht kaum ein Wechsel der Orte. Es gibt also ein bestimmtes
Repertoire einiger Schauplätze, die öfter vorkommen.
In „Maria Stuart“ gibt es ein Zimmer im Schloss zu Fotheringhay (1. / 5. Aufzug), den Palast zu Westminster (2./ 4.
Aufzug) und ein Park (3. Aufzug). Die vorgestellten Orte sind beliebig austauschbar und spielen für die dramatische
Handlung nur eine untergeordnete Rolle. Der Wechsel der Orte wird als ein künstliches Konstrukt angesehen, dass die
Symmetrie des gesamten Dramas unterstreicht. Es werden hauptsächlich Figuren hohen Standes verwendet, oft auch
historische oder mythische Charaktere. Diese Figuren handeln stets ihren Rollen entsprechend und haben höheres
Potenzial, durch eine Katastrophe zu Fall zu kommen. Elisabeth und Maria sind beide Königinnen (haben eine hohe
Position) weswegen sie alleine aus dieser Tatsache, im Drama auf eine bestimmte Art und Weise auftreten und agieren
müssen. Auch Nebenfiguren, wie die Grafen, Ritter, Barone, handeln ihren Rollen entsprechend. Das Erfüllen der
Rollen ist auch auf die Sprache der Figuren übertragbar, an deren gesellschaftliche Stellung angepasst, verlangt, sich
verbal angemessen zu artikulieren.
Das Trauerspiel „Maria Stuart“ ist symmetrisch aufgebaut:
• 1. Aufzug: Fokus auf Maria, der es schlecht geht.
• 2. Aufzug: Fokus auf Elisabeth, der es gut geht.
• 3. Aufzug: Konfrontation der Königinnen.
• 4. Aufzug: Fokus auf Elisabeth, der es schlecht geht.
• 5. Aufzug: Fokus auf Maria, der es gut geht.
Figuren, wie die Diener, passen sich dabei ebenfalls dem Stil der hohen Figuren an. Doch der Standesunterschied wird
nicht durch die Sprache verdeutlicht, sondern durch die Angaben und Beschreibungen in den Regieanweisungen zu den
einzelnen Figuren. Sentenzen sind einprägsame Ausdrücke, die von den Figuren geäußert werden, und die sich durch
ihre Allgemeingültigkeit auszeichnen.
Die Figur drückt weniger persönliche Einstellungen aus, viel mehr Meinungen und Ansichten, die bereits etabliert sind.
Sie nutzt den Charakter als eine Art Maske, um sich dahinter zu verbergen, auch um in der eigenen Rolle zu bleiben.
Der Sprechende sichert sich die allgemeine Zustimmung über die eigene Haltung. Sie verdeutlichen also keine
individuelle Einstellung, die angezweifelt werden kann. Das Gegenteil ist der Fall. Die Bildhaftigkeit im Drama soll die
Ordnung der Figuren im Stück erhalten und die Leidenschaft ist eng verbunden mit dem Leid der Figuren, also mit
deren inneren Konflikten. Die Rezipienten sollen Leidenschaft für die Figuren empfinden und zwar dadurch, dass die
Figuren im Drama selbst Leidenschaft empfinden.
Der Pathos vermittelt nur, wenn eine Figur hohen Standes Leidenschaft empfindet und diese in hoher Sprache zum
Ausdruck bringt. Im Drama „Maria Stuart“, geschieht dies hauptsächlich durch die beiden Protagonistinnen Maria und
Elisabeth. Es geht nicht um das Entwerfen der beiden Frauen als Figuren, die Möglichkeiten zur Identifikation bieten,
sondern um die von ihnen durchlebten Regungen für den Rezipienten nachvollziehbar zu machen.