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KLEINE BIBLIOTHEK DES WISSENS

LUX-LESEBOGEN
NATUR- UND K U L T U R K U N D L I C H E HEFTE

FRITZ BOLLE

DIE ALTE ERDE


Zwei Milliarden Jahre
der Erdentwicklung

VERLAG SEBASTIAN LUX • MURNAU / MÜNCHEN


Im Tropenklima des Karbons gediehen die Steinkohlenwälder

W e n n die Steine reden . . .

Mancherlei merkwürdige Dinge liegen auf meinem Schreibtisch.


Die meisten als Briefbeschwerer, einige auch ganz nutzlos; aber
vielerlei Erinnerungen verknüpfen sich mit ihnen. Dieses gezackte
Stück Eisen ist ein Granatsplitter auf. Rußland; die mit Grünspan
dicht überzogene Spirale ist der Rest einer Bronzefibel, die vor
zweieinhalb Jahrtausenden ein hochgewachsener Germane am Ost-
seestrand verloren haben mag. Der Ziegelbrocken mit den glasig
geschmolzenen Rändern? Er stammt aus den Trümmern meines
Hauses, das im Jahre 1945 die Flammen fraßen. Daneben liegt
ein Stückchen Granit aus dem Riesengebirge, ein Eekchen Marmor
aus dem ewigen Rom. Jeder aber, der an meinen Schreibtisch tritt,

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greift zuerst nach dem dunklen, sonderbar geformten Stein, der
wie ein großes, flaches Schneckenhaus aussieht. Kräftige knotige
Leisten gliedern den schraubig aufgewundenen Umgang, und wenn
man ihn genau betrachtet, den merkwürdigen Stein, so erkennt man
feine Linien, die sich in schwingenden Wellenzügen vom Außen-
rand nach innen ziehen. An einem glückhaften Tag habe ich den
Stein aufgelesen, am Rand einer Straße, die über die kargen Felder
der thüringischen Hochfläche führt. Wir waren jung, freuten uns
an Sonnenschein und Vogelgesang; ab und zu bückte sich einer
von uns hinab zu den Haufen von Steinen, die der Bauer von
seinem Acker rafft und auf den Feldrain, an den Straßenrand wirft.
Wir suchten Versteinerungen — Reste eines längst vergangenen
Lebens der Vorzeit, und die Steinhaufen boten solche Sammelstücke
in reicher Fülle.
Uralt sind die Versteinerungen, unvergleichlich älter als jedes
Menschengedenken. Dieser schneckenhafte Stein auf meinem Schreib-
tisch ist seine hundertfünfundsiebzig Millionen Jahre alt — eine
Zahl, die wahrhaft schwindeln macht, und er ist nicht der Rest
einer Schnecke, sondern das Überbleibsel von der Schale eines
Tintenfisches. Hier, wo heute der Pflug seine Furchen zieht, wo
die Lerche jubelnd zum Himmel steigt, hier flutete damals ein
weites Meer. Die Kalkschale eines gestorbenen Tintenfisches sank
hinab auf den Meeresgrund, und feiner Schlamm füllte sie bis
in den letzten Winkel. Jahrtausend um Jahrtausend verging, Jahr-
hunderttausend um Jahrhunderttausend. Der Schlick verhärtete
unter dem Druck der sich türmenden Schlammassen, wurde zu
Stein. Und wieder vergingen Jahrmillionen. Wo einst Meeresfluten
rauschten, ragten nun Gebirge zum Himmel. Längst war die feine
Kalkschale aufgelöst, verwittert. Der Schlammkern aber, zu festen
Stein umgeformt, hatte ihre einstige Gestalt aufs feinste bewahrt,
wie der Gipsausguß einer Hohlform. Als im Laufe weiterer Jahr-
tausende und Jahrmillionen der einst gleichmäßige Meeresschlamm
von gewaltigen Kräften zerbrochen, zerstückelt und in immer
kleinere Steine verwandelt wurde, fiel auch der Steinkern aus seiner
Umhüllung. Und so geriet er schließlich auf den Acker, war vom
Bauern aufgelesen und achtlos beiseite geworfen worden. Und
nun liegt er auf dem Schreibtisch und redet von Jahrmillionen,
wenn man ihn nur richtig zu befragen versteht. Dieses Fragen
freilich haben die Menschen erst vor wenig mehr als hundert
Jahren gelernt — in derselben Gegend übrigens, aus der mein
Tintenfisch-Stein stammt, in Mitteldeutschland.

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Von der geheimnisvollen Formkraft
Solange es Menschen gibt, haben die Versteinerungen einen
eigenartigen Reiz auf sie ausgeübt. Aus uralten Tagen, von denen
nur steinerne Werkzeuge zeugen, kennt man Funde, die beweisen,
daß schon der Mensch der Steinzeit da und dort Versteinerungen
aufnahm, zusammentrug, sammelte — aus einem Spieltrieb viel-
leicht oder weil ihm die Formen der Fundstücke gefielen. Und
etwa zur gleichen Zeit, da am Ostseestrand ein Germane jene
Bronzefibel verlor, deren Rest vor mir liegt, hat in Mitteldeutsch-
land, im Anhaltischen, ein Mensch zum ersten Mal wohl systema-
tisch und mit Bedacht Versteinerungen gesammelt und vergleichend
beobachtet. In einer Aschenurne aus jener Zeit fand man eine
regelrechte Sammlung von Gehäusen ausgestorbener Schnecken, die
offenbar mit viel Aufmerksamkeit und Liebe zusammengetragen
war: 58 verschiedene Arten, und von jeder war ein Exemplar vor-
handen oder deren zwei. Daß der Besitzer an dieser seiner Samm-
lung besonders gehangen hat, beweist die Tatsache, daß man sie
ihm mit ins Grab gegeben hat.
Wir wissen nicht, was dieser Bronzezeit-Mensch sich bei der
vergleichenden Betrachtung seiner Schneckengehäuse gedacht hat.
Erst aus dem Lande" des Aufgangs der abenländischen Kultur, aus
Alt-Griechenland, liegen die ersten Zeugnisse von Versuchen vor,
die Versteinerungen zu deuten. Im siebenten vorchristlichen Jahr-
hundert findet der Philosoph Xenophanes von Kolophon Abdrücke
versteinerter Fische und anderer Meerestiere, macht sich Gedanken
darüber und meint, daß der Fundort einst von Meerwasser über-
flutet gewesen sei und daß sich die Gesteine aus dem Schlamm am
Meeresboden gebildet und dabei die tierischen Reste eingebettet
hätten. Diese Erklärung, die sich auch bei anderen Denkern des
alten Griechenlands findet, mutet durchaus modern an. Um so ver-
wunderlicher ist es, daß sie wenige Jahrhunderte später um einer
anderen Lehrmeinung willen völlig aufgegeben wurde. Der große
Denker Aristoteles (384—322 vor Christus), der Schüler Piatos und
Lehrer Alexanders des Großen, war es, der sie begründet hat. Er
behauptete, es gebe eine Lebenskraft, so mächtig, daß sie aus totem
Stoff lebende Wesen zu schaffen in der Lage sei — Fliegen aus
faulendem Aas, Frösche aus nasser Erde, Aale aus dem Schlick
der Teiche und Flüsse. Was lag näher als anzunehmen, daß diese
formende Lebenskraft sich auch an den festen Gesteinen versuchte
und ihnen ihren Willen aufprägte. Freilich — der harte Stein

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setzte der Formkraft stärkeren Widerstand entgegen als Schlamm,
nasse Erde oder Faulendes; so konnte nichts Lebendes aus dem
Stein entspringen, wohl aber der Stein wenigstens die Gestalt von
Lebendem annehmen — von Muscheln und Schnecken, Fischen und
Pflanzen. Dort, wo die Kraft offenbar nicht stark genug war,
kamen nur Teile lebender Wesen, von Knochen und Schädeln
zustande.
Zweitausend Jahre hindurch hat diese Lehre von der formenden
Lebenskraft und ihrem Einfluß auf das Entstehen der Versteine-
rungen geherrscht, selbst zu einer Zeit noch, als überall in Europa
gelehrte und ungelehrte Herren begannen, Versteinerungen zu
sammeln und in Kuriositäten-Kabinetten auf- und auszustellen.
Einzelne erleuchtete Geister, unter ihnen der Geistesriese Leonardo
da Vinci, waren zwar durch Beobachtung und Nachdenken zum
gleichen Ergebnis gekommen wie die frühen Griechen vor Aristoteles;
die Mehrzahl der Forscher und Sammler aber hielt noch bis ins
18. Jahrhundert hinein die Versteinerungen für Gebilde, die unter
dem Einfluß einer „vis formativa" oder „vis plastica" entstanden
seien — eben einer formenden Lebenskraft, Folge geheimnisvoller
Strahlungen von den Sternen und Planeten herab oder als ein-
fache „lusus naturae", als Spielereien der Natur. Noch verworrener
war schließlich die anno 1699 von dem Engländer Eduardus
Luidius und von manch anderen, sonst sehr ernsthaften Natur-
forschern vorgetragene Lehre, Keime von Fischen und änderen
Meerestieren stiegen mit dem verdunstenden Wasserdampf auf,
würden von den Wolken übers Land getragen, mit dem Regen ins
Innere der Erde gespült und befruchteten dort die Gesteine, die
daraufhin die Gestalt lebender Wesen annehmen müßten. Sie
konnten sich einfach nicht vorstellen, daß sie Reste einstmals
lebender Wesen vor sich hatten. Und noch 1819 meinte ein um
seine Wissenschaft durchaus verdienter Gelehrter, die Versteine-
rungen seien nichts anderes als vorzeitig abgebrochene Versuche
der Natur, aus Unbelebtem Lebewesen zu schaffen; die Pflanzen-
abdriicke in den Steinkohlenlagern Schlesiens beispielsweise seien
„eine Entwicklungsfolge ungeborener Pflanzenkeimlinge im Erden-
schoß". Aber damals hatte die Lehre von den Versteinerungen be-
reits eine weitere Erkenntnisstufe hinter sich gebracht, die Meinung
nämlich, alle Versteinerungen seien Zeugen der Sintflut.

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Jacobus Scheuchzer, der Medizin Doctor und der Mathematik
Professor zu Zürich, eine großartige Entdeckung an: Ein

Zwei große Augenhöhlen starrten den Betrachter aus dem Bilde


an, das diesem erstaunlichen Bericht beigefügt war; in der Platte
aus dem Kalkschiefer von öningen bei Konstanz am Bodensee
glaubte der gute Professor Scheuchzer vom „Stirnbein" bis zu
„Überbleibselen der Leber" einen kompletten Sintflutmenschen
erkennen zu können. Und er schloß seine Beschreibung des „in
der Sündflut Ertrunkenen" mit dem Vers:

Nun — noch keine hundert Jahre später konnte der große


französische Urzeitforscher Cuvier — von dem man rühmte, ihm
genüge ein einziger Zahn, um Nam' und Art eines ausgestorbenen
Tieres nennen zu können — nachweisen, daß Scheuchzers Sintflut-
Zeuge kein Mensch war, sondern daß es sich um das versteinerte
Skelett eines — Riesensalamanders handelte! Heute mögen wir
darüber lächeln; damals bedeutete die Erklärung der Versteine-
rungen als Beweise für die Sintflut einen erheblichen Fortschritt
gegenüber der Lehre von der „Formkraft". Denn nun war man
wenigstens überzeugt davon, daß die Versteinerungen Reste von
Wesen waren, die wirklich einmal gelebt hatten.

Schichtenfolgen, Formationen, Leitfossilien


In denselben waldbedeckten Gebirgen Mitteldeutschlands, wo
sich noch bis in unsere Tage Sagen, Märchen und Lieder von
schatzhütenden Zwergen und gesteinsschürfenden Venediger-Männ-
lein, von schimmernden Gold- und Silberhorten in Höhlen und

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Gängen des Gesteins lebendig erhalten haben, in denen heute
nach Uran geschürft wird, blühte im Mittelalter ein hochentwickelter
Bergbau. Uralt war seine Tradition. Mit Hauwerkzeugen aus
Hirschhorn und Feuerstein hatten die ältesten Bergleute schon
dreitausend Jahre vor Christus am Lousberg im Norden von
Aachen und auf Rügen unverwitterten Feuerstein aus der Kreide
gebrochen; am Mitterberg bei Salzburg wurde schon zweitausend
Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung Kupfer im Tag-
und Tiefbau gewonnen. Im Harz grub man nach Silber schon im
ersten nachchristlichen Jahrtausend, gegen 1200 entstanden die
Silberbergwerke Sachsens, und um dieselbe Zeit begann man, im
Mansfeldischen Kupfer abzubauen. Bis zur Entdeckung der Neuen
Welt war Deutschland das an Metallen reichste Land; Kaiser
Karl V. nannte im Jahre 1525 die Bergwerke „die größte Gabe
und Nutzbarkeit, die der Allmächtige dem deutschen Lande ge-
geben hat", und die Fugger und Welser verdankten ihren märchen-
haften Reichtum nicht zuletzt den deutschen Erzgruben. Blei ge-
wann man in der Eifel, Gold in Böhmen und Mähren, Salzburg
und Kärnten, Kupfer in Tirol und in Schlesien, Eisen in der
Steiermark, im Sieger- und Sauerland, im Harz, in Thüringen und
im Fichtelgebirge.
Dort, wo die Wiege des bis heute ununterbrochen betriebenen
Kupferschiefer-Bergbaues gestanden hat, im Mansfeldischen, dort,
wo die Bergknappen uraltes Wissen von den Gesteinsschichten

Im Laufe der Erdgeschichte sind die einst parallel liegenden Schichten


gefaltet worden. An den Versteinerungen in den Schichten erkennt man
die richtige Reihenfolge
hüteten, die das begehrte Kupfer-Erz bargen, dort wirkte manches
Jahr der Königlich Preußische Bergrat Johann Gottlieb Lehmann.
Er war ein genauer Beobachter, und was er im Jahre 1756 unter
dem Titel „Versuch einer Geschichte von Flötz-Gebürgen, betreffend
deren Entstehung, Lage, darinnen befindliche Metalle, Mineralien

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und Fossilien" veröffentlichte, war nicht mehr oder weniger als
die Begründung der neuzeitlichen Wissenschaft vom Aufbau der
Gesteinsrinde unserer Erde, von ihrem geschichtlichen Werden und
von den dabei wirkenden Kräften. Es ist die Wissenschaft der
Geologie, die Kunde von der Erde (im Gegensatz zur Geographie
als der Beschreibung der Erde). Mit Flözgebirgen hatte sich Berg-
rat Lehmann „aus eigener Wahrnehmung" beschäftigt: und er hatte
sehr genau auch auf die „Fossilien" in diesen Flözen geachtet,
also auf die in ihnen enthaltenen Versteinerungen. Flöz — so
nannten die Bergleute eine Gesteinsschicht; Lehmann hatte Schicht
über Schicht beobachtet, miteinander verglichen und schließlich
dabei erkannt, daß bestimmte Schichten regelmäßig aufeinander
folgen. Diese Schichtenfolge zeichnete er in einem gedachten Quer-
schnitt durch das Gebirge bildlich auf — und dieser Lehmannsche
Erdschnitt ist das erste „geologische Profil".
Schichtenfolgen zeichnet auch der Rudolstädter Hofmedicus
Georg Christian Füchsel auf, fünf Jahre später als Lehmann. Er
faßt verschiedene Schichtengruppen bereits zu Formationen zu-
sammen und setzt diese Formationen mit den zeitlichen Ab-
schnitten der Erdvergangenheit gleich, in denen sich die Schichten
einst abgelagert haben. Füchsel weiß auch bereits, daß manche Ver-
steinerungen in ganz bestimmten Schichten oder Schichtengruppen
regelmäßig wiederkehren.
Abermals vierzehn Jahre später, 1775, wird der damals erst
fünfundzwanzigjährige Abraham Gottlob Werner an die kurz zu-
vor begründete Bergakademie zu Freiberg in Sachsen berufen. Hier
hält er seine Vorlesungen über Mineralien und Gesteine, und sein
Einfluß zieht die ganze gebildete Welt in den Bann seiner Wissen-
schaft. Bis weit in das nächste Jahrhundert hinein wird die Geologie
zur bevorzugten Liebhaberei; Goethe und Alexander von Humboldt,
Novalis und Theodor Körner — diese vier Großen mögen für die
vielen Namen führender Geister stehen, deren Denken und Dichten
sich immer wieder um geologische Fragen bewegt.
Was Lehmann und Füchsel begonnen, führt Werner fort: Vier
räumlich übereinander liegende, zeitlich aufeinander folgende
geologische Abteilungen glaubt er unterscheiden zu können: Das
„Urgebirge", womit er die kristallinen, von jederlei versteinertem
Best ehemaliger Lebewesen freien Schiefer meint; er kennt sie aus
dem Sächsischen Erzgebirge, sie bilden die unterste und älteste
Schicht. Ihr folgt das „Übergangsgebirge", diesem das „Flöz-
gebirge", dem schließlich das „aufgeschwemmte Gebirge" überlagert

a
ist. Im Großen und Ganzen entsprechen diese vier Abteilungen der
noch heute gültigen zeitlichen Einteilung der Erdgeschichte: der
Urzeit, dem Erdaltertum, dem Erdmittelalter und der Neuzeit.
Doch ehe man zu dieser Gliederung kam, bedurfte es noch weiterer
Erkenntnisse. Den ersten Schritt zu ihnen machte William Smith.
William Smith — einfacher und alltäglicher kann ein englischer
Name kaum sein. Und wie der Name, so war sein Träger — ein
bescheidener, nachdenklicher Ingenieur und Landmesser. Aber er
hatte Augen im Kopf, und er hatte mehr —• einen scharfen Ver-
stand. Jahr um Jahr machte er in seiner ruhigen Art Beobachtung
um Beobachtung, wenn er bei der Vermessung für Kanalbauten
den tiefen Einschnitten in das Gelände gegenüberstand. Ihm fiel
dasselbe auf, was schon Füchsel gemerkt hatte, daß gewisse Ver-
steinerungen immer und immer wieder an ganz bestimmte Schichten
gebunden waren. Er sammelte solche Fossilien, erzählte dem einen
oder anderen von seinen Funden. Seine Untersuchungen ver-
öffentlichen? Er dachte nicht daran; mit Mühe und Not brachte
man ihn dazu, seine ungewöhnlich genauen Arbeiten über die Auf-
einanderfolge, Lagerung und das Vorkommen der Schichten in
weiten Gebieten Englands drucken zu lassen. „Strata Identified by
Organized Fossils — Schichten, durch versteinerte Lebewesen identi-
fiziert", so heißt sein geniales Hauptwerk aus dem Jahre 1816. Es
gibt Fossilien —• das ist die großartige Erkenntnis, die wir William
Smith verdanken —, die für eine ganz bestimmte geologische Schicht
oder Formation (aber nur für diese!) charakteristisch sind; man
kann deshalb umgekehrt die betreffenden Schichtenfolgen am Vor-
kommen eben dieser „Leitfossilien" erkenne^, kann neu entdeckte
Vorkommen nach solchen Leitfossilien in die bereits bekannte
Formationsfolge einordnen und sich so ein klares Bild vom Früher
oder Später machen.

Entwicklung oder Revolution?


„Wir sind auf die hohen Gipfel gestiegen und in die Tiefen der
Erde eingekrochen" — so schrieb Goethe 1780 an Frau von Stein
— „und möchten gar zu gern der großen formenden Hand nächste
Spuren entdecken". Die große formende Hand — was war sie?
Abraham Gottlob Werner lehrte, nur e i n Element könne diese
Rolle spielen, das Wasser. So wie es überall hinter den Kräften
der Verwitterung steht, wie es die Berge abträgt, die Kiesel rund-
schleift, als Eis die Spalten in die Felsen sprengt, in unabsehbar

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langen Zeiträumen alle geologischen Gebilde zerstört, so baut es
auch auf, bildet in ebenso langsam ablaufenden, unermeßlichen
Zeiten neue Mineralien und Gesteine, neue Formen und Gestalten.
Neptun ist der Gott des Wassers, und Neptunisten nannte man
damals all die, die wie Werner und Goethe an das Wasser als die
einzige treibende Kraft geologischen Werdens und Vergebens
glaubten.
Pluto — das ist der Gott der feurigen Gluten der Unterwelt.
Plutonisten nannten sich die Gegner der Neptunisten. Werners be-
gabteste Schüler Alexander von Humboldt und Leopold von Buch
waren es, die dieser neuen, der Anschauung ihres Lehrers direkt ent-
gegengesetzten Meinung zum Durchbruch verhalfen: Nur mit dem
Wirken unterirdischer, feurigflüssiger Glutmassen sei die Ent-
stehung des „Urgebirges", der kristallinen Gesteine, des Basalts, des
Porphyrs, des Gneises zu erklären. Jetzt war nicht mehr die Rede
vom leisen, stetigen Wirken des Wassers, jetzt erwartete man alles
geologische Heil von wilden Vulkanausbrüchen, von gewaltsamen
Aufstiegen glühend geschmolzener Massen, von Katastrophen. Grol-
lend wandte sich Goethe, dem alles Unstetige, alles revolutionär
Umwälzende verhaßt war, gegen die, die ein neues geologisches
Weltbild mit „Drücken, Stoßen und Schmeißen" zu schaffen sich an-
schickten. Es half nichts: Wie einst Werners Autorität den Sieg des
Neptunismus gesichert hatte, so stand nun hinter den Katastrophen-
machern, hinter den Vulkanisten und Plutonisten der große Franzose
Cuvier. Er kannte und überschaute wie kein anderer die Formen-
fülle der versteinerten Tiere und hatte sich eine ganz eigene
Meinung vom Werden der Erde und der Lebewesen gebildet. Ihm
war nämlich aufgefallen, daß die Tierwelt zweier aufeinander-
folgender erdgeschichtlicher Epochen oft außerordentlich ver-
schieden gestaltet war. Da schien keinerlei Übergang von einer
Formation zur nächsten zu bestehen. Was blieb übrig, als anzu-
nehmen, daß am Ende eines jeden geologischen Zeitabschnittes eine
gewaltige, erdumspannende Katastrophe — riesige Überschwem-
mungen oder ungeheure Vulkanausbrüche — alle Lebewesen dahin-
gerafft habe und nun mit Aufgang des nächsten Zeitalters ein neuer
Schöpfungsakt die verwüstete und leere Erde mit neuen Geschöpfen
belebt habe.
Dieser Katastrophentheorie, der die Erdgeschichte nichts anderes
war als eine Folge gewaltiger Revolutionen, trat schon zu Goethes
Zeiten und in Gestalt von Goethes Freund Carl Ernst Adolf von
Hoff eine andere Lehre entgegen. Sie wollte keinerlei wilden Um-

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brüche, auch nicht in der entferntesten Erdvergangenheit, sondern
meinte, schon damals hätten dieselben Kräfte am Aufbau und Ab-
bau der Gesteine und Gebirge gewirkt wie auch heute noch. Zum
Sieg kam diese Aktualitätstheorie, durch das im Jahre 1833 er-
schienene Werk „Principles of Geology" des Engländers Charles
Lyell. Stetige Entwicklung, wie im Geologischen so auch in der
Pflanzen- und Tierwelt, ein Hervorgehen jüngerer Geschlechter aus
älteren, höher organisierter Lebewesen aus einfacheren — das war
schließlich der Inhalt der Entwicklungs- und Abstammungslehre von
Charles Darwin, die er in seinem klassischen Werk von der Ent-
stehung der Arten (1859) niedergelegt hat.
Entwicklung — das war das Zauberwort, unter dem die folgenden
Jahrzehnte der erd- und lebensgeschichtlichen Forschung standen.
Und auch heute noch ist der Entwicklungsgedanke eines der leiten-
den Motive der Geologie ebenso wie der Paläontologie, der Wissen-
schaft von den Lebewesen der Erdvergangenheit. Heute aber weiß
man in beiden Wissenschaftszweigen, daß Neptunisten und Pluto-
nisten, daß Goethe und Cuvier recht hatten: Die erdgeschichtliche
Entwicklung und das Werden der Lebewesen während ihres Ablaufs
vollziehen sich im allgemeinen langsam und stetig. Plötzlich aber
kann es hier oder dort in der Erdrinde zu katastrophalen Um-
wälzungen kommen; und auch im Reich der Lebendigen kennt man
Zeiten geradezu explosiver Entwicklung.

Die Erdzeitalter
Was in den seitdem vergangenen gut hundert Jahren von
Tausenden von Forschern aus allen Teilen der Erde an Wissen über
den Gang der Erdgeschichte zusammengetragen worden ist, wird
heute in Urzeit, Altertum, Mittelalter und Neuzeit gegliedert —
ganz so, wie man auch die Geschichte der Menschheit unterteilt. Jedes
dieser vier Zeitalter umfaßt mehrere Formationen, die wiederum in
Epochen zerfallen. Unterabteilungen der Epochen sind schließlich
die Stufen. Entscheidend für die Zuordnung zu einer dieser Ab-
teilungen ist nicht die Gesteinsbeschaffenheit einer Schicht; denn
die Ausbildung der verschiedenen Gesteine hängt nicht von ihrem
Alter ab, sondern von der Art und vom Ort ihrer Entstehung. Kalk-,
gesteine, Sandstein oder Kohlen können in allen Erdzeitaltern ent-
stehen und sind auch in jedem Zeitalter entstanden. Erst die Ver-
steinerungen, die Fossilien, gestatten die richtige Einordnung einer

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Schicht. Aus der genauen Untersuchung der versteinert vorgefun-
denen Lebewesen unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Gesteins-
art, in der sie eingebettet liegen, lassen sich weitreichende Schlüsse
auf den Lebensraum ziehen, in dem die Schicht entstanden ist
—• festes Land, Wüste, Sumpf, Süßwasser, Meeresboden, freie See —,
oder auf das Klima und auf vieles andere mehr. Erstes Kennzeichen
einer Schicht ist jedenfalls immer das Leitfossil; da die Tierwelt
die weit überwiegende Zahl von Leitfossilien gestellt hat, sind
die großen Erdzeitalter in der Sprache der Wissenschaft nach dem
griechischen Wort „zoon" für Tier benannt: Neozoikum oder Käno-
zoikum, das ist die Erdneuzeit, wobei „neos" und „kainos" dasselbe
bedeuten, nämlich „neu". Mesozoikum ist das Erdmittelalter (nach
griech. mesos, mittel), Paläozoikum das Erdaltertum (palaios be-
deutet alt). Für die Urzeit der Erde hat sich eine andere Bezeichnung
eingebürgert. Man nennt sie Präkambrium, das ist die Zeit vor dem
Kambrium als der ältesten Formation des Erdaltertums. Dieses
Präkambrium aber gliedert sich wiederum in zwei Unter-Abteilun-
gen, das Eozoikum und das Azoikum. Eos ist die griechische Göttin
der Morgenröte, das Eozoikum ist also die Zeit des Aufgangs des
Lebens auf unserer Erde, während die Vorsilbe a- die Bedeutung
„ohne" hat: Das Azoikum ist die Zeit, da es noch keinerlei Lebe-
wesen auf unserem Heimatgestirn gegeben hat.
Mit Hilfe der Leitfossilien kann man nun zwar eine Schicht nach
Zeitalter, Formation, Epoche und Stufe einordnen, kann genau
sagen, daß sie älter ist als diese, jünger als jene — nichts aber
vermag dieses Verfahren der Altersbestimmung auszusagen über
das wirkliche Alter. Leitfossilien und Schichtenfolge können nur
Verhältniswerte geben, können nur das „relative Alter" bestimmen.
Will man das „absolute Alter" einer Schicht, einer Epoche, einer
Formation kennen, so heißt es andere Wege gehen. Erst in unseren
Tagen hat man den richtigen gefunden.

W i e alt ist die Erde?


Diese Frage nach dem Alter der bewohnten Erde mag die
Menschen schon sehr früh bewegt haben. Die älteste Antwort, die
man im abendländischen Kulturkreis gefunden hat, ist von frommer
Überlieferung bis in unsere Tage festgehalten worden. Am 15.
September 1952 begannen die Juden das Jahr 5713 „nach Er-
schaffung der Welt", und mit den gleichen Weltalter rechnen auch
heute noch unsere Bauernkalender. Der forschenden Unrast freilich

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haben diese Zahlen schon in der ersten Blütezeit europäischen
Denkens keine volle Befriedigung geben können: Herodot, der
große Geschichtsschreiber des alten Hellas, versuchte im 5. Jahr-
hundert vor Christus bereits, aus Beobachtungen über die Ab-
lagerungen des Nils Schlüsse auf erdgeschichtliche Zeitabläufe zu
ziehen. Und als — nach vielen Jahrhunderten, in denen dem abend-
ländischen Menschen die mittelalterliche Ausdeutung der Heiligen
Schrift genügt hatte — mit dem Beginn der Neuzeit Bildungsgut
und Denkart des klassischen Altertums neu entdeckt wurden, war
auch sofort wieder die uralte Frage da. Leonardo da Vinci, gleich
überragend als Maler wie als Bildhauer, als Forscher wie als Techni-
ker, stellt sie als einer der ersten schon im 15. Jahrhundert, und
im Jahre 1715 gibt der Astronom Halley bereits ein recht ein-
leuchtendes Mittel an, „das Alter aller Dinge zu schätzen": Wenn
man annehme, daß die heute salzigen Meere einst aus reinem
Wasser bestanden und erst die Flüsse ihnen die Salze zugeführt
hätten, so müsse man doch aus der Größe der Weltmeere, ihrem
Salzgehalt und der Menge der jährlich von den Flüssen ins Meer
getragenen Salzmengen das Alter der Meere und damit den Zeit-
punkt der Weltschöpfung errechnen können. Einen anderen Weg
ging der Graf de Buffon (1707—1788), der berühmte Verfasser der
„Histoire Naturelle", der ersten lebendig geschriebenen, die ganze
Fülle aller Naturreiche umfassenden „Naturgeschichte". Er ver-
suchte, aus der Geschwindigkeit der Abkühlung weißglühender
Eisenkugeln auf die Dauer des Erkaltens der Erde und damit auf
ihr Alter zu schließen. Die von ihm gefundene Zahl von rund 75 000
Jahren erschien damals ungeheuerlich groß. Fern aller Spekulation
aber legte ein deutscher Zeitgenosse Buffons, derselbe Georg
Christian Füchsel, der die Schichtenfolge in Thüringen aufgezeichnet
hatte, den Grund für eine erdgeschichtliche Forschung. „Wer die
ganze Höhe, Zahl und verschiedene Stärke der Schichten des
Muschelkalks (so hatte er eine der Formationen genannt), den Ge-
halt der Muscheln nach ihrem Alter nebst dem Bestände der Kalk-
erde oder des ehemaligen Meeresschlammes nur ungefähr zu schätzen
versucht, wird den Zeitraum, innerhalb dessen dieses alte Meer eine
so große Menge Schlamm absetzte, soviel Seetiere großzog und
dabei erst jeder Schicht von Schlamm die Härte, wodurch sie sich
von der anderen absondern läßt, geben konnte, unmöglich durch
ein paar hundert Sonnenjahre bestimmen wollen."
Aber erst die Methode der Leitfossilien hat, als in der ersten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts die ausgestorbenen Lebewesen

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immer genauer erforscht und in der zweiten Hälfte des Jahr-
hunderts ihre Entfaltung als eine in der Zeit ablaufende Entwick-
lung begriffen wurde, eine immer feinere Aufgliederung der
Formationen ermöglicht.. Man konnte nun zwar sehr genau sagen,
diese Schicht sei älter als jene, man konnte ein Fossil ins Paläo-
zoikum einordnen, ins Erdaltertum, ein anderes ins Erdmittelalter,
konnte immer feiner unterteilen nach Formation, Epoche, Stufe —
man konnte jedoch keine Aussagen darüber machen, wieviele Jahre,
Jahrhunderte, Jahrtausende oder gar Jahrmillionen die Bildung
dieser Ablagerungen gedauert hat, ebenso wenig, wie man sagen
konnte, welche Zeiträume seitdem verflossen sind. Man mußte sich
mit Schätzungen begnügen, bis man endlich mit der Entdeckung der
Radioaktivität eine „erdgeschichtliche Uhr" fand. Dieselben strah-
lenden Elemente, die wie das Radium der leidenden Menschheit
Genesung brachten, ermöglichten es auch, nicht nur wie zuvor eine
relative Zeitspanne der Erdgeschichte abzugrenzen, sie erlaubten
auch eine absolute geologische Zeitrechnung. Das gleiche Uran, das
seit der ersten Atombomben-Explosion zum Albdruck der Mensch-
heit geworden ist, wurde für die Geologen zum echten und rechten
„Stein der Weisen".

Die Uran=Uhr der Erdgwdh'drtc


Alle radioaktiven Elemente strahlen, und diese Strahlung ist das
äußere Kennzeichen ihres Zerfalls: Sie verwandeln sich als Folge
des Zerfalls. Es ist der Forschung gelungen, ganze „Zerfallsreihen"
aufzustellen; die berühmteste ist die Uran-Reihe, an deren Spitze
buchstäblich als „Ur-Ahn" eben das Uran steht, das sich über vier-
zehn Zwischenstufen schließlich in das „Radium G" verwandelt,
das nicht mehr strahlt und deshalb auch nicht mehr zerfällt. Dieses
stabile Radium G nun ist nichts anderes als das Metall Blei; freilich
nicht das gewöhnliche Blei, sondern von diesem durch ein etwas
abweichendes Atomgewicht unterschieden.
Besonders charakteristisch für den Zerfall aller radioaktiven
Elemente ist die erstaunliche Tatsache, daß die Geschwindigkeit der
Umwandlung eines Elementes in ein zweites von allen äußeren Be-
dingungen völlig unabhängig ist; sie bleibt also auch dann dieselbe,
wenn das strahlende Mineral höchsten Drücken und gewaltigsten
Temperaturen ausgesetzt ist, wie sie vielleicht in der ältesten Urzeit
der Erdgeschichte aufgetreten sein mögen. Man rechnet bei diesen
Umwandlungsgeschwindigkeiten mit „Halbwertzeiten". Darunter ver-

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steht man diejenige Zeit, in der sich jeweils die Hälfte der anfäng-
lich vorhandenen Menge umwandelt, wobei es gleichgültig ist, von
welcher Menge man ausgeht. Das Radium zum Beispiel, das man in
den Krankenhäusern zum Bestrahlen bösartiger Geschwülste ver-
wendet, hat eine Halbwertzeit von 1590 Jahren — das heißt, ein
Milligramm Radium zerstrahlt im Laufe von anderthalb tausend
Jahren so weit, daß dann nur noch ein halbes Milligramm übrig
ist. Und diese Halbwertzeit hält es genauestens ein, gleichgültig
ob man es bei Zimmertemperatur und unter normalem Druck auf-
bewahrt oder ob man es auf mehrere tausend Grad Celsius erhitzt
und mit vielen Tausenden von Kilogramm auf den Quadratzenti-
meter belastet. Uran hat eine Halbwertzeit von viereinhalb Milliar-
den Jahren, das Actinium B, ebenfalls ein strahlendes Element, eine
solche von sechsunddreißig Minuten, das Thorium C aber gar eine
solche von einer hundertmillionstel Sekunde.

Wie man mit der Uran-Uhr mißt


Mit dieser durch keinerlei äußere Einwirkungen zu beeinflussen-
den Halbwertzeit ist dem Geologen nun die höchst genau gehende
Uhr in die Hand gegeben, die er braucht. Wie man an einer Sand-
uhr die Zeit ablesen kann, wenn man vergleicht, wieviel Sand aus
dem oberen in das untere Gefäß geronnen ist, so vermag man aus
solchen Mineralien, die zugleich Uran und das aus ihm entstandene
Radium-G-Blei enthalten, zu berechnen, wieviel Zeit seit Bildung
des Minerals verflossen ist. Dem oben in der Uhr enthaltenen Sand
entspricht die im Mineral noch vorhandene, nicht umgewandelte
Menge an Uran, dem abgelaufenen Sande die Menge des stabilen
Bleis; aus den Prozentsätzen und den bekannten Zerfallszeiten läßt
sich dann das Alter des Minerals und damit die des Gesteins er-
rechnen, das dieses Mineral umgibt. Freilich, der Fehlerquellen sind
dabei genug, und es bedarf des Wissens und Könnens des Spezial-
forschers, sie auszuschalten. Richtig gehandhabt ergibt jedoch diese
Uran-Blei-Methode sehr zuverlässige Zahlen, die durchweg in die
Millionen von Jahren gehen. Die beiden ältesten bisher bekannten
und mit Hilfe dieses Verfahrens berechneten Mineralien stammen
aus Kanada und aus Sowjet-Karelien; sie sind gut 1900 Millionen
Jahre, also fast zwei Milliarden Jahre alt!
Ergänzend zur Bleimethode sind einige andere Verfahren ge-
treten; so kann man nach der Menge des beim radioaktiven Zerfall
gebildeten und im Gestein eingeschlossenen Heliums ebenfalls Zeit-

ig
angaben machen. Ein ganz anderes Verfahren hat man schließlich für
die letzten sechshunderttausend Jahre der Erdgeschichte. Aus lang-
periodischen Veränderungen der Bahn, die unsere Erde um die
Sonne beschreibt, kann man in schwierigen mathematischen Be-
rechnungen die jeweiligen Schwankungen in der Stärke der Sonnen-
einstrahlung ermitteln. Die so aufgestellte „Strahlungskurve" — sie
stammt von dem jugoslawischen Forscher Milankowitsch — stimmt
sehr schön mit den Angaben überein, die auf Grund anderer Be-
obachtungen und Überlegungen für die einzelnen Abschnitte der
jüngsten Erdvergangenheit, der großen Eiszeit, getroffen worden
sind.

Stempelt, Urzeit und Erdaltertum


Nunmehr gilt es nur noch, in die Gliederung der Erdvergangen-
heit, wie man sie durch Vergleich der Schichtenfolge und der
Fossilien gewonnen hat, die absoluten Zahlen der Bleimethode
einzuführen, und man kann in großen Zügen die Geschichte der
Erde seit jenem Zeitpunkt schreiben, da vor zwei Milliarden Jahren
die ältesten Gesteine entstanden sind. Was vor diesem Termin liegt,
die „Sternzeit" der Erde, die erste Bildung der Gesteinskruste, die
Entstehung der ältesten Meere, das Werden der Lufthülle — über
all das wissen wir so gut wie nichts. Dennoch gibt es eine Menge
verschiedenster Lehrmeinungen über diese Zeit: Da sagen die einen,
unsere Erde sei einst wie auch die anderen Planeten von der feurig
glühenden Sonne abgeschleudert worden und erst allmählich abge-
kühlt. Der viele tausend Grad heiße und sehr schwere Erdkern sei
heute noch Zeuge dieses Ur-Vorgangs. Genau das Gegenteil be-
haupten andere Forscher. Nach ihnen sind die Erde wie auch die
anderen Sterne und Planeten aus der Zusammenballung wirbelnder,
weit im todeskalten Weltenraum verteilter Materie entstanden.
Erst mit der Zusammenballung seien die Temperaturen bis zu jenen
gestiegen, die man heute an den Sternen mißt. Und besonders inter-
essant ist, was der Berliner Professor Quiring über die Entstehung
des Mondes zu berichten weiß: In der Urzeit, nicht viel später als jene
zwei Milliarden Jahre, von denen die ältesten Gesteine zeugen, habe
ein riesiges Meteor die Erde getroffen und die noch junge Gesteins-
kruste durchschlagen; es sei tief in das feurig-flüssige Innere ein-
gedrungen, das mit einer unvorstellbaren Explosion hinaus ins Welt-
all spritzte. Dort seien die Massen, die damals aus der Erde her-
ausgeschleudert wurden, noch zu sehen. Von den Kräften, die

16
zwischen den Weltkörpern herrschen, zu einer Kugel geballt, ziehen
sie ihre Bahn um die Erde — als unser guter alter Mond. Die Narbe
aber, die jenes Meteor der Urzeit in die Haut unserer Erde ge-
schlagen hat, sei nichts anderes als der Stille Ozean!
Nichts hindert uns anzunehmen, daß das Leben so alt ist wie
die ältesten uns überlieferten Gesteine: es gibt sogar eine Reihe
gewichtiger Gründe, die für diese Auffassung sprechen. Denn in
voller Entfaltung und reicher Gliederung tritt uns das Leben bereits
am Anfang des Erdaltertums entgegen, das vor rund 500 Millionen
Jahren begonnen hat. In den Gesteinen, die zur Kambrium-
Formation gehören, finden sich die Reste von Urtierchen und Algen,
von Schwämmen und muschelähnlichen Armfüßlern, von ersten
Schnecken, von Tintenfischen und von den berühmten Trilobiten,
den 'dreifach gegliederten urtümlichen „Urkrebsen", die freilich

Rechts ein Trilobit von oben, links von unten (rekonstruiert)

weniger in die Verwandtschaft der Krebse als in die der Spinnen


und Skorpione gehören. Aus dem Präkambrium kennt man an
sicheren organischen Resten nur Schalen einzelliger Tiere und
mancher Gliedertiere, sowie die Kriechspuren verschollener Wurm-
tiere; alle anderen lebendigen Gestalten sind durch weitgehende
Umwandlungen der Gesteine bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Aber

17
kohlige, kieselige, kalkige Einsprengsel selbst in den ältesten Ge-
steinen sind sicherlich Zeugen einstigen Lebens, bis zur Unkenntlich-
keit umgeformte Reste einst lebender Körper und ihrer schützenden
Schalen und Panzer.
Das Kambrium hat seinen Namen nach der altrömischen Be-
zeichnung des heutigen Nord-Wales in England, wo man Gesteine
dieser Formation erstmals untersucht hat. Aus derselben Gegend
stammt auch die Bezeichnung der nächstjüngeren Formation, des
Silur. Die Silurer waren ein keltischer Volksstamm in Wales, genau
wie die Ordovicier, nach denen die ältere der beiden Abteilungen
des Silur heißt. Die jüngere Abteilung nennt man Gotlandium nach
der großen zwischen Südschweden und Lettland gelegenen Ostsee-
insel Gotland, auf der man besonders schöne Aufschlüsse des oberen
Silur mit zahlreichen Versteinerungen aufgedeckt hat. Auch das
Silur ist noch Trilobiten-Zeit; charakteristischer für diese Formation
sind aber höchst merkwürdige Lebewesen, deren plattgedrückte
Überreste manchmal an rätselvolle Schriftzeichen erinnern und die
deshalb Graptolithen genannt werden (nach griech. graphein, schrei-
ben, und lithos, Stein). Viele Forscher haben sich mit den geheimnis-
vollen Versteinerungen der Graptolithen beschäftigt; lange Zeit hat
man geglaubt, sie stammten von Wesen, die wie die Quallen, wie die
Korallen und wie die Hydra-Polypen unserer Teiche und Tümpel

Graptolith, spiralig aufgerollt, im Schiefer gefunden

zum Geschlecht der Hohltiere gehörten, während man heute glaubt,


daß sie zur Verwandtschaft der sehr altertümlichen Eichelwürmer
gerechnet werden müssen.
Überraschend ist der Reichtum des Silur an Wesen mit kalkigen
Gehäusen, Schalen und Panzern. Da gibt es Korallen und Moostiere,

18
die damals bereits ähnliche Riffe gebaut haben, wie es heute noch
in den Atollen der Südsee und den Korallenbänken der warmen
Meere geschieht. Da gibt es allerlei Muscheln, Schnecken, beschalte
Tintenfische. Plattige Rüstungen tragen die altertümlichen Ge-
stalten aus der Stachelhäuter-Sippe der heutigen Seelilien, Seeigel
und Seegurken. Und dick gepanzert sind auch die allerältesten
Wirbeltiere: Höchst absonderlich geformte Gesellen, deren Feinbau
man neuerdings durch besonders geistreiche Methoden des Heraus-
präparierens aus dem Stein sehr genau kennt. Diese Panzerfische
— verwandt mit den äußerlich aalähnlichen Neunaugen unserer
Flüsse -— hatten sogar bereits elektrische Organe, 60 wie jetzt noch
Zitteraal, Zitterrochen und Zitterwels.
Auf 90 Millionen Jahre berechnet man die Dauer des Kambriums,
auf 100 Millionen Jahre die des Silur. Trilobiten, Armfüßler und
Fische — darunter schon Haie, andere Knorpelfische und Lungen-
fische, die mit Kiemen und Lungen zu atmen vermögen — kenn-
zeichnen das Devon. Es hat wiederum einen englischen Namen (nach
der Grafschaft Devonshire); seinen Beginn kann man vor 350
Millionen Jahren ansetzen, seine Dauer mit 40 Millionen. Lungen-
fische! Noch heute beherbergen Australien, Südamerika und Süd-
afrika je einen Vertreter dieses uralten Fischgeschlechts, das heute
noch Zeuge ist von der Eroberung des Landes durch das Leben.
An der Grenze von Silur nämlich zum Devon muß das Leben, das
einst in den warmen Meeren der Erdurzeit entstanden ist, sich das
feste Land erobert haben. Und nicht nur die Lungenfische, die nach
Gestalt und Kiemenatmung zwar Wassertiere geblieben sind, aber
auch bereits einen längeren Aufenthalt außerhalb des Wassers zu
überstehen vermögen, erinnern an diese entscheidende Stunde der
Erd- und Lebensgeschichte. Aus dem ältesten Silur, vor allem aber
aus dem Devon kennt man nämlich auch die allerersten Landpflanzen
— recht ärmliche Erscheinungen noch, den Algen ähnlich, denen sie
entstammen, aber schon mit Sporenbehältern wie die Farne.
Mit dem Ausgang des Devon finden sich dann auch die ältesten
Vierfüßigen Tiere. Es sind höchst absonderliche Wesen, mit Fisch-
schädeln und mit einem Fischschwanz, aber schon mit richtigen vier
Beinen, deren jedes in fünf Fingern endet. Sie, von der Wissenschaft
mit dem schwierigen Namen Ichthyostegalia belegt, sind die Stamm-
gruppe, aus der alles entsprungen ist, was als Molch und Frosch, als
Eidechse und Schlange, als Vogel, als Hase und Löwe, als Elefant
und Pferd, als Fledermaus und Affe heute das Erdenrund belebt.
Bekannt und berühmt ist das Karbon, die Steinkohlenzeit, die

19
ihren Namen nach dem lateinischen Wort carbo, die Kohle, trägt.
Gewaltige Wälder von üppig wuchernden Schachtelhalmen, Bär-
lappen, Schuppen- und Siegelbäumen entstanden damals in einer
klimatisch offenbar besonders günstigen Zeit, versanken im Laufe
von Tausenden und Millionen Jahren und bildeten schließlich jene
mächtigen Kohlenlager, deren schwarzes Gold immer noch die wich-
tigste Energiequelle unserer Zeit ist. Die Sonnenkraft, die vor einer
Viertel Milliarde von Jahren von den grünen Pflanzen des Stein-
kohlenwaldes eingefangen worden ist — sie treibt heute, in der
Hitze der Feuerung freigesetzt, Dampfmaschinen und Lokomotiven,
und mit zu Kohle verwandelten Urzeitpflanzen heizen wir, unsere
Öfen! Durch die karbonischen Sumpfwälder wälzten sich die plum-
pen Gestalten der Panzerlurche, der ältesten Nachfahren jener noch
fischhaften Ichthyostegalier; diese Panzerlurche wurden wiederum
zu Ahnen der ersten Kriechtiere, der Ursaurier, mit denen die hohe
Zeit dieses Echsengeschlechtes beginnt. Durch den Steinkohlenwald
schnurrten auch die ersten Insekten, merkwürdig ungeschickt ge-
staltete Wesen mit langgestrecktem Leib — eine Erinnerung an die
Herkunft von den Tausendfüßlern! Der Leib trug an jedem seiner
vielen Ringel zwei seitliche Fortsätze. Vorn aber, hinter dem Kopf,
waren diese Anhängsel zu — Flügeln geworden, zu zwei Paar
starren, geränderten Flügeln, vor denen sogar noch ein drittes,
kleineres lag.
Bärlappe und Schachtelhalme bildeten zum guten Teil die riesigen
Wälder des Karbon, Pflanzen, die heute zu unscheinbaren Zwergen
geworden sind. Auch die Farne, die damals zu hohen Bäumen heran-
wuchsen, sind heute klein und bescheiden. Stattlich geblieben aber
sind die nacktsamigen Blütenpflanzen, die damals zum erstenmal
aufgetreten sind; denn noch heute stellen sie mit einigen Nadel-
hölzern die höchsten Baumgestalten überhaupt (s. Abb. S. 2).
Den Ausgang des Erdaltertums bildet das Perm — so genannt
nach dem gleichnamigen, jetzt „Molotow" heißenden Gouverne-
ment in Rußland. Sein anderer Name Dyas weist auf die zwiefache
Untergliederung in Rotliegendes und Zechstein hin. Es war eine Zeit,
in der das Meer über weite Strecken hinweg zurückgedrängt war.
Die Trilobiten starben damals aus, und mit ihnen viele andere
Stämme, die einst die Ozeane der Urzeit und des Erdaltertums
bevölkert hatten. Dafür entfalten sich auf dem Festland die Panzer-
lurche, gehen aber mit dem Ende des Perm ihrem Untergang ent-
gegen, während die Saurier nun ihren Siegeszug durch das Erd-
mittelalter antreten.

20
Das Mittelalter der Erde
Vor zweihundert Millionen Jahren beginnt das Erdmittelalter
und mit ihm die Trias, die dreifach gegliederte Formation mit dem
roten Buntsandstein, dem Muschelkalk und dem Keuper. Jetzt
sind die Ammoniten die Hauptleitfossilien, die Ammonshörner, die
schneckenhaft aufgerollten Gehäuse von Tintenfischen. Schon im
Devon ist ihr Geschlecht entstanden, hervorgegangen aus For-
men, deren Schale nicht spiralig aufgerollt war, sondern
gerade gestreckt. Und so typisch sind die Gestalten der Ammoniten
gerade für die deutschen Vorkommen des Erdmittelalters, daß der
große Geologe Leopold von Buch, der noch ein Schüler A. G. Werners
war, allen Ernstes vorschlug, das Ammonshorn des Ceratites nodosus
in das deutsche Wappenschild aufzunehmen.
Neben den Ammoniten erobert sich ein zweites Tintenfisch-Ge-
schlecht die Weite der Meere, das der Belemniten. Ihre Schale ist
nicht spiralig, sondern gerade gestreckt mit kegelig zugespitztem
Ende. Als „Donnerkeile" gehören sie zu den bekanntesten Ver-
steinerungen. So wie die Ammoniten und Belemniten kennzeichnend

Belemnit: Das hintere Ende der Schale ist als „Donnerkeil" bekannt

sind für das Meeresleben des Erdmittelalters, so beherrschen die


Kriechtiere, die Saurier das Land. Beherrschen — man muß dieses
Wort ganz wörtlich nehmen. Denn während der 140 Millionen Jahre,
die das Erdmittelalter währt, erobern sich die Saurier nicht nur
alle Lebensräume, sondern entwickeln sich auch zu Riesenformen,
wie sie die Erde seitdem nicht mehr getragen hat. Durch die Wüsten
wandelten gepanzerte Ungetüme von den Abmessungen heutiger

21
Kampfwagen. In den Sümpfen wälzten sich wahre Fleischberge —
die Brontosaurier mit zwanzig, dreißig und mehr Meter Länge. Am
Meeresufer hüpften oder schritten, gigantischen Känguruhs ähnelnd,
die Iguanodonten daher. Ein fürchterliches Ungeheuer war der
Tyrannosaurus — ein Raubtier, sechs Meter hoch, fünfzehn Meter
lang, mit einem von riesigen Zähnen starrenden Maul. Vollendete

U-Boot-Form hatten die Ichthyosaurier, wirkliche Fisch-Saurier mit


einem Krokodilmaul, einem mächtigen Schwanz als Propeller, zwei
seitlichen Flossen als Höhensteuern und einer dreieckigen Rücken-
flosse, die ein seitliches Kippen des torpedogleich durch die Wellen
dahinschießenden Räubers verhinderte. Und selbst den Luftraum
gewann das Sauriergeschlecht. Fledermäusen ähnelnd flatterten sie
dahin, die Flugsaurier. Mit dem Pteranodon schuf die Natur das
größte aller Flugwesen: Bis zu neun Meter klafterte dies Monstrum,
dessen riesig weit gespannte Flügel einen winzigen Leib mit hauch-

22
zarten Knochen wahrscheinlich ohne einen Auf- oder Abschlag
stundenlang segelnd über die Weiten der Meere dahintrugen.

Pterodaktylus, etwa taubengroßer Flugsaurier mit ausgeprägtem Gebiß


Victor von Scheffel hat in seinem launigen Lied
„Es rauscht in den Schachtenhalmen,
verdächtig leuchtet das Meer,
da schwimmt mit Tränen im Auge
ein Ichthyosaurus daher . . ."
Glanz und Untergang der „Saurierei" besungen. „Ihn jammert der
Zeiten Verderbnis", — sagt der Dichter — „denn ein bedenklicher
Ton ist neuerdings eingerissen in die Liasformation". Das Lias ist
die unterste und älteste Epoche der 7ura-Formation. Zu ihr ge-
hören die berühmten schwarzen Schiefer von Bad Boll und Holz-
maden im Württembergischen; sie sind der versteinerte Faulschlamm
einer einstigen Lagune, in deren vergiftetes Wasser die Flut immer
neue Meereswesen hineinschwemmte. Was damals hinabsank und
vom weichen Schlick umhüllt wurde, hat in unseren Tagen ein
Mann mit einem Geschick sondergleichen zu neuem Leben erweckt;

2.'5
denn die einzigartigen Platten, die Dr. h. c. Bernhard Hauff aus
dem Schiefer präpariert hat, zeigen nicht nur die Seelilien oder die
Fische bis in die feinsten Einzelheiten ihrer Skelette, sondern
lassen sogar die Umrisse der Weichteile von Ichthyosauriern er-
kennen, verraten sogar Tragödien aus dem Jurameer: Es gibt eine
Platte im Stuttgarter Naturkunde-Museum, die ein Ichthyosaurus-
Weibchen im Augenblick der Geburt ihres Jungen zeigt.
Der Ausgang des Erdmittelalters mit der XreJrfe-Formation —
ihre schönsten Vorkommen sind die weißleuchtenden Felsen von
Rügen und an der englischen Kanalküste — bedeutet auch das Ende
der Saurier, der Ammoniten, der Belemniten und vieler anderer
für das Erdmittelalter kennzeichnender Tiergeschleehter. Die Neu-
zeit bricht an — sechzig Millionen Jahre vor unserer Zeit.

Paradies auf Erden


Kokospalmen und Bambus am Rhein, Lorbeerbäume, Ginkgos und
Weinreben auf Grönland, prangende Magnolien, immergrüne
Eichen und Zypressen auf Spitzbergen, ein tropischer Urwald von
unvorstellbarer Üppigkeit dort, wo sich heute Europas Kulturland-
schaft erstreckt — dieses Bild weiter Gebiete unseres Erdballs
malt uns die Geologie von einer Zeit, die dreißig, vierzig und
mehr Millionen Jahre hinter uns liegt, von der Tertiär-Formation.
Riesenhafte Waldmoore, mit jenen Sumpfzypressen, wie sie heute
in den Niederungen des Mississippi gedeihen, bedeckten weite
Strecken Ostdeutschlands; die turmhohen Mammutbäume Kali-
forniens und die riesigen Eukalyptus-Bäume Australiens grünten
zwischen Kampher und Zimtbaum, Dattel und Banane, Eiche und
Weide, Erle und Birke, Ahorn und Brotfruchtbaum, Mango und
Palmen aller Art. Ein wahrer Garten Eden, ganz nach dem Herzen
jener alten holländischen Maler, die Bäume und Sträucher aller
Breiten und Länder lustig auf die gleiche Leinwand brachten, wenn sie
das Paradies recht lebhaft darstellen wollten. Und ebenso bunt und
vielgestaltig zusammengewürfelt erscheint auch die Tierwelt: Farb-
grelle Papageien kreischten dort, wo beute ernste Kiefern wachsen,
Kondore segelten über mitteldeutschen Tümpeln, in denen Krokodile
auf Beute lauerten. In den Baumkronen turnten Halbaffen, die
heute nur noch in Madagaskar leben — und überall in diesem Ur-
wald eine Unzahl von Wesen, so fremd nach Gestalt und Größe,
daß man meinen konnte, sie seien Ausgeburten einer spielenden
Phantasie: Riesige Elefanten, Übernashörner, doppelt gehörnte

24
Hirsche und dann gar ein Ungeheuer aus dem Rhinozeros-Ge-
schlecht von fünfeinhalb Meter Schulterhöhe — dreimal so hoch wie
ein Mensch!
Es ist in der Tat so, als habe die schöpferische Kraft der Natur
in jener Zeit des Tertiär noch einmal ihr letztes großes Spiel ge-
spielt. Ihren Namen hat die Tertiärformation vom lateinischen
„tertius", der dritte. In ihm hat sich die alte erdgeschichtliche Ein-
teilung erhalten, die vier Perioden unterschied, die Primär-,
Sekundär-, Tertiär- und Quartärperiode; der letzte Name war der
jüngsten geologischen Vergangenheit, der Eiszeit und der Gegen-
wart eingeräumt und hat sich ebenfalls bis heute erhalten.
Tertiär und Quartär —• sie bilden die Erdneuzeit, das Neozoikum,
das Kaenozoikum; tatsächlich wird während dieses letzten Erd-
zeitalters die Tierwelt, die noch im Erdmittelalter so abwegige Ge-
stalten wie die Riesensaurier und all die anderen Drachen in sich
schloß, Schritt für Schritt der heutigen immer ähnlicher. Deshalb
gliedert man seit den Tagen des großen englischen Geologen Charles
Lyell Tertiär und Quartär in Stufen nach dem Gehalt an heute noch
lebenden Arten von Tieren. Freilich sind die Namen dieser Stufen
etwas kurios und machen dem, der sich mit ihnen bekanntmachen
will, das Leben schwer.

Vom Eosän %um Holo^än


Die Morgenröte eines neuen Weltentages war tatsächlich mit dem
Untergang des Erdmittelalters und seiner kriechenden, hüpfenden,
schwimmenden und fliegenden Ungeheuer angebrochen. Man nannte
deshalb die ältesten Schichten des Tertiär Eozän, nach Homers
„rosenfingriger Eos", der Göttin der Morgenröte; Eozän bedeutet
also Morgenröte der Neuzeit — denn das „. . . zän" ist der nun
lateinisch ausgesprochene Rest des Wortes „Känozoikum". Etwa
zehn Prozent der damals, vor sechzig Millionen Jahren, lebenden
Organismenformen gibt es auch heute noch. Freilich mußte man
später erkennen, daß es noch ältere Tertiärschichten gibt, deren
Lebewesen von den heutigen noch weiter unterschieden sind, und
dieser Stufe gab man dann den wenig schönen Namen Paleozän;
das bedeutet, da palaios alt heißt, etwas unlogisch die „alte Mor-
genröte der Neuzeit"; vielleicht sagt man besser dafür „Vor-Morgen-
rot-Zeit". Auf das Eozän folgt das Oligozän — oligos heißt wenig,
weil sich in den Ablagerungen dieser Stufe nur etwa zwanzig
Prozent heutiger Lebensformen finden; das Miozän und das

25
Pliozän schließen sich an; nun heißt es schon „mehr" und „viel",
weil jetzt vierzig und im Pliozän gar achtzig Prozent „moderner"
Formen gefunden werden. Für das Quartär führt man dann diese
Einteilung sinngemäß fort mit Pleistozän (pleistos heißt meist)
für die Eiszeit, die auch Diluvium, Überschwemmung, heißt nach
der alten Annahme, ihre Ablagerungen stammten nicht von
Gletschern, sondern von einer sintflutartigen Überflutung weitester
Gebiete. Die geologische Gegenwart schließlich nennt man Holozän
(holos bedeutet ganz), weil nun die hundert Prozent erreicht sind.
Ihren sonstigen Namen Alluvium, die Anschwemmung, hat sie
nach den von Ort zu Ort wechselnden Ablagerungen der Flüsse in
jüngster Zeit.
Es wäre freilich irrig, wollte man annehmen, die vielen Millionen
Jahre der Tertiärzeit seien eine einzige ununterbrochene Zeit des
Paradieses gewesen. Es hat Kühlzeiten gegeben; nach einem Höhe-
punkt im Eozän — damals herrschte bei uns tatsächlich rein tro-
pisches Klima — sank das Jahresmittel der Temperaturen immer
mehr ab. Deutlich lassen das die wichtigsten Zeugen der Tertiär-
formation erkennen, die sich bei uns erhalten haben, die Braun-
kohlen. Wie die riesigen Wälder von Schachtelhalmen, Bärlappen
und Farnen des Karbons sich zu mächtigen Steinkohlenlagern um-
gewandelt haben, so sind auch die sumpfigen Urwälder des Tertiär
zu Kohlen geworden — freilich noch nicht so weit umgeformt wie
die viele Jahrmillionen ältere und schwärzere Art. Die mittel-
deutschen Braunkohlenwälder aus dem Eozän sind echte und rechte
Tropenwälder gewesen, mit Gummibäumen, Palmen und Eukalyptus,
während die miozänen Braunkohlen Ostdeutschlands und am
Niederrhein mit ihren Sumpfzypressen und Mammutbäumen schon
aus einem gemäßigteren Klima stammen. Im Pliozän schließlich
sind schon dieselben Laubbäume am häufigsten, die auch heute noch
das Gesicht unserer Landschaft prägen, Buche und Eiche. Eines
Baumes muß aber noch gedacht werden, von dem das kostbarste
Überbleibsel der Tertiärzeit auf uns gekommen ist, des „Bernstein-
baumes": Kiefern, Tannen und Fichten, die im gleichmäßig feucht-
warmen Klima des Oligozän gediehen, haben den Bernstein ge-
liefert. Ihr Harz, das bei Windbruch und Verletzungen reichlich aus
den Wunden strömte, in Tränen und Knollen an der Rinde hängen
blieb oder auf den Boden niedertropfte, wandelte sich zu jenem
herrlichen „Gold aus dem Garten Eden", das die See aus den ver-
sunkenen Lagerstätten herauswusch und in den „Blauen Tonen" der
ostpreußischen Samland-Küste zusammensdiwemmte. So wunder-

26
• / '

Im Bernstein eingeschlossene Fliege (achtfach vergrößert)

vollen Sclimuck der Bernstein liefert, fast wertvoller noch ist er für
die Wissenschaft. Denn im erstarrenden Harz haben Tausende und
Abertausende von Tierchen ihr gläsernes Grab gefunden und zeugen
so von der Kleinlebewelt des Bernsteinwaldes.

Gebirge wachsen gen Himmel


Als dieser Wald noch grünte, in der ersten Hälfte des Tertiär, die
man auch Paläogen nennt (nach palaois, alt, und genesis, Ent-
stehung), sieht die Weltkarte wesentlich anders aus als heute. Ein
mächtiges Meer, die Tethys, erstreckt seine blauen Fluten von
Mittelamerika über den Atlantik und die Gegend des heutigen
Mittelmeeres bis nach Südasien und ins malaiische Gebiet. Es trennt
einen nördlichen Kontinent von den Festlandsmassen eines uralten
Südlandes. Noch gibt es keine Alpen, keinen Kaukasus, keinen

27
Himalaya, aber seit der Kreidezeit arbeitet es am Grunde der
Tethys:Die in dieses Ur-Mittelmeer eingeschwemmtenAblagerungen
wurden zu verwickelten Falten und Decken zusammengeschoben.
Seit der Mitte des Tertiär beginnt die gefaltete Zone aus den
Fluten emporzusteigen. Die weltweite Hebung dieses alpinen
Systems gibt der Erdoberfläche ein völlig neues Gesicht: Vom Atlas
und von den Pyrenäen, über die Alpen als dem Rückgrat des wer-
denden Europas türmen sich die Hochgebirge der Neuzeit gen Him-
mel bis zu den Giganten des Himalaya, der Indien mit dem asiati-
schen Urkontinent zusammenschweißt. Gleichzeitig und in ganz
ähnlicher Weise schließt sich der Ring der Gebirgsketten um den

Wachstum Europas im Laufe der gtologischen Geschichte

Pazifischen Ozean; von den Rocky Mountains über die Kordilleren


bis hinunter nach Feuerland und von Ostasien über Neuseeland und
den Südpol hinüberfassend zum Anschluß wiederum an Südamerika.
Es war diese Zeit einer über den ganzen Erdball gehenden Ge-
birgsbildung nicht die erste ihrer Art: Aus dem Kambrium, aus dem
Silur, aus dem Karbon hat man Zeugen ähnlich gewaltiger Vorgänge
— nur sind die in jenen Urzeiten aufgefalteten Gebirge von den
Kräften der Abtragung, von der zernagenden Verwitterung, oder

28
auch durch mächtige Brüche der Erdrinde „dem Erdboden gleich-
gemacht".
Die Entfaltung der Säugetiere
So revolutionär die Umgestaltung der Erdoberfläche war, deren
Antlitz gegen Ende des Tertiär dem der Jetztzeit immer ähnlicher
wurde, so grundlegend war auch der Wandel, der die Tierwelt er-
griff. Sie holte jetzt in einem geradezu sich überstürzenden Tempo
den Vorsprung ein, den die Pflanzenwelt während der Kreidezeit
gewonnen hatte. Mit Ausgang des Erdmittelalters nämlich hatten
die bedecktsamigen Pflanzen, die Pflanzen also mit den echten
Blumenblüten, begonnen, die Vorherrschaft der nacktsamigen
Nadelholzgeschlechter zu brechen. Das war in derselben Zeit ge-
schehen, als es von den Säugetieren nicht viel mehr gab als ein
paar Beutelratten und spitzmausähnliche Insektenfresser. Als aber
die Morgenröte der Tertiärzeit anbrach, sind mit einem Schlage
gleichsam alle Stämme der Säugetiere da; wohl entwickelt, ergießen
sie sich wie eine Flut in alle Lebensräume und erfüllen jeden
Winkel mit den oft eigenartigsten Ausprägungen. Die schnelle und
starke Aufsplitterung in die verschiedensten Typen aller möglicher
Raubtiere, Huftiere, Rüsseltiere findet wohl ihre Erklärung darin,
daß viele Lebensräume durch das Aussterben der Saurier völlig
freigeworden waren und hier jede nur einigermaßen lebensfähige
Form, die in schnell sich folgenden Erbsprüngen sich gebildet hatte,
ihren Platz fand; zunächst konnten sich sogar sehr einseitig ent-
wickelte Formen halten, wie die Über-Nashörner des Donnertier-
und Titanentiergeschlechts (man achte auf die Namen!). Später
wurden sie dann freilich von harmonischer ausgestalteten, im besten
Sinne des Wortes „moderneren" Arten verdrängt und schließlich im
unerbittlichen Lebenskampf vernichtet.

Menschwerdung
Die Zeit, da der Garten Eden noch grünte, ist aber auch die Zeit,
da der Mensch sich vom Tierreich löste. Noch übersehen wir nicht
bis in die letzten Einzelheiten diesen größten, entscheidenden Ent-
wicklungsschritt, der alle Erscheinungsfülle des Pflanzen- und Tier-
reiches überwölbt mit einem neuen Reich des Geistes, des freien
Willen, des Gewissens. Aber wir wissen heute durch eine Menge
schöner Funde, daß in den südafrikanischen Baumsteppen des
mittleren Pliozän, vor rund fünf Millionen Jahren also, Wesen ge-

29
lebt haben, die den aufrechten Gang des heutigen Menschen hatten,
auf die Jagd nach Großtieren gingen und das Feuer benutzten. Unter
den Opfern, die diese von der Wissenschaft Prähomininen (von
prä vor, und homo, Mensch) genannten Wesen in einer felsigen
Busch- und Steppenlandschaft jagten, waren auch Paviane, Bruder-
wesen fast noch der Jäger; neueste Funde aber beweisen gar, daß
jenes Ur-Menschenwesen auch seinesgleichen anfiel und tötete. So
will es scheinen, als klinge in der modernsten Forschung wieder,
was frommer Glaube und uralte Überlieferung zu sagen wissen:
Als der Mensch seine Schuldlosigkeit verlor, jene Unschuld des
Tieres, das Gut und Böse nicht kennt, als er vom Baum der Er-
kenntnis gegessen hatte, als ihm die Prometheus-Tat des Feuers ge-
lungen, da war auch die Kains-Tat des Brudermordes nicht mehr
fern. Und die biblische Geschichte von der Vertreibung aus dem
Paradies in eine feindliche Welt, darin der Mensch, nun in „Röcke
von Fellen" gehüllt, mit Kummer sich nähren soll, sie mutet an wie
die große Erinnerung unseres Geschlechts an die Zeit, da die Pracht
des Wundergartens in Eden, da die Üppigkeit dahinsank im Klima-
sturz der Eiszeit, jener harten Schule ohnegleichen, die den Men-
schen erst zu dem geformt hat, was er heute ist.

Die Eiszeit
Bis zu tausend Meter hoch waren die Eismassen, die unaufhaltsam
von Norden her heranrückten, von Skandinavien her, und ganz
Norddeutschland unter sich begruben; die von den Alpen herab-
fließenden Gletscher bedeckten Süddeutschland bis etwa zur Donau.
Freilich — eine einzige Kältezeit von rund 750 000 Jahren Dauer
war das Diluvium nicht. Vier Perioden der mehr oder minder star-
ken Vereisung kennt man, zwischen denen drei „Zwischenzeiten"
lagen — man nennt sie besser Warmzeiten, von denen mindestens
eine sogar klimatisch günstiger war als die Gegenwart. Und wie
man nicht nur die alpine Gebirgsbildung der Kreide- und Tertiär-
formation kennt, sondern auch noch ältere, so sind sicherlich auch
in früheren Erdzeitaltern Vereisungen über weite Gebiete der Erde
gegangen. Entscheidend für uns Menschen aber ist die letzte Eis-
zeit geworden, die der üppigen Zeit des Tertiär folgte.
Diese Eiszeit war die Zeit dem Mammuts, die Zeit, da Mittel-
deutschland eine Tundra war wie heute das nördliche Sibirien, die
Zeit, da bei blakendem Kienspan der Altmensch mit steinernem
Faustkeil Bilder an die Wand der Höhlen malte, überraschend

30
lebendige Bilder der Tiere, die er jagte in dieser Eiszeit, in der
ein Mensch schließlich sich ein Bild von seinesgleichen formte, ein
Menschenantlitz in einen Knochen ritzte. Mit der Eiszeit beginnt die
eigentliche Geschichte des Menschengeschlechts, die von der Alt-
steinzeit über Mittel- und Jung-Steinzeit, über Kupfer-, Bronze-
und Eisenzeit zur Gegenwart führt — der Zeit der Leichtmetalle,
der Kunststoffe, der Atomenergie.

£4 Stunden der Weltenuhr


Zwei Milliarden Jahre sind vergangen, seit die ältesten Gesteine
entstanden sind. Zwei Milliarden Jahre schon läuft die Uhr der
strahlenden Atome. Und es ist höchst reizvoll, die Geschichte der
Erde und des Lebens seit jener unvorstellbar lange verklungenen
Urzeit bis heute gleichsam im Zeitraffer auf den 24-Stunden-Ablauf
eines einzigen Weltentages zusammenschrumpfen zu lassen: Dann
wird eine Million Jahre zu 43 Sekunden, und das in Lebensurkunden
fast leere Präkambrium reicht von 0 Uhr bis in den späten Nach-
mittag um 17.30 Uhr! Eine Stunde, bis 18.30 Uhr, währt das
Kambrium, und erst um diese Zeit treten die ersten Wirbeltiere und
Landpflanzen auf. Um 19.45 Uhr endet das Silur und beginnt das
Devon. Von 20.15 bis 21 Uhr, eine kurze dreiviertel Stunde nur,
währt die Steinkohlenzeit, und um 21.30 endet das Erdaltertum.
Noch keine zwei Stunden, bis 23.15 Uhr dauert die große Zeit der
Saurier, und nur die letzte Dreiviertelstunde des Tages umfaßt
Tertiär und Quartär, die Zeit der Säugetiere. Vor 10 Millionen
Jahren mögen die ersten aufrecht gehenden Ahnenformen des Men-
schen entstanden sein, das ist sieben Minuten vor Mitternacht;
20 Sekunden vor Tagesende erscheint der Eiszeitmensch von Heidel-
berg, ganze acht Sekunden vor Mitternacht der Neandertaler. Die
letzten beiden Sekunden des Tages allein gehören dem Menschen
von heute, dem Homo sapiens, dem „weisen Menschen", wie er sich
selbst so stolz nennt; seine in Urkunden von bestenfalls sechs-
tausend Jahren Alter überlieferte „Weltgeschichte" beginnt — eine
Viertelsekunde vor dem Glockenschlag der Gegenwart.

Umsdilaggestaltung: Karlheinz Dobsky

L u x - L e s e b o g e n 134 ( E r d k u n d e ) - H e f t p r e i s 2 S P f g .
Natur- und kulturkundliche Hefte — Bestellungen (vierteljährl. 6 Hefte DM1.501
durch jede Buchhandlung und jede Postanstalt — Verlag Sebastian Lux, Murnau-
München — Druck: Buchdruckerei Mühlberger, Augsburg

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Von d e n

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sind zur Zeit lieferbar:

45 Augen auf! Monatskalender der Natur

61 Gemälde Werkstattgeheimnisse der


großen Maler
107 Cervantes Das Abenteurerleben des
Don Quichote-Dichters
121 Vorhang auf! Hinter den Kulissen eines
großen Theaters
122 B e e t h o v e n Leben und Werk des großen
Meisters
123 Der Kuckuck Aus dem merkwürdigen Leben
eines Sonderlings
124 L e o n a r d o da Vinci Der universale Genius der
Renaissance
125 M a r t i n B e h a i m Der Weltfahrer und Globus-
macher
126 Tiefsee Die Erforschung des Meeres-
bodens
127 G r ö n l a n d Entdeckung, Erforschung,
Erschließung
128 Konfuzius Meister der Lebensweisheit

129 E r n s t Barlach Der Menschengestalter

130 Suomi Das Land der Seen und Wälder

131 Eichendorff Der letzte Romantiker

132 Kleines Tiervolk Seltsame Tiere der Heimat

VERLAG SEBASTIAN LUX MURNAU/MÜNCHEN


was die im „Orion" von m i r berichten . . .
Einen Mordsspaß hat die Geschichte dem Schimpansen Sultan und
seinem Lehrmeister Professor Köhler gemacht. Liegen da zwei Stücke
Bambusrohr im Käfig, beide zu kurz, um die draußen liegende Ba-
nane heranzuholen. Sultans Versuch, ein Rohrstück mit dem anderen
an die Frucht heranzuschieben, läßt das verlockende Objekt unbe-
rührt. Mitten beim spielerischen Probieren aber schiebt sich durch
Zufall ein Rohr mit der Mündung in die des anderen, Sultan „begreift"
sofort, hilft etwas nach, und schon springt er auf, eilt mit dem nun
doppeltlangen Rohr ans Gitter, zur Banane. Noch einmal fällt ihm
sein locker zusammengestecktes „Werkzeug" auseinander; doch jetzt
schiebt er die Stäbe bereits mit einer Sicherheit und Ruhe zusammen,
als habe er nie etwas anderes getan, und holt mit dem Stock die
Banane heran.

Von solch interessanten Tierversuchen, von den Schönheiten und Geheimnissen


der Natur und den großartigen Leistungen der modernen Technik berichtet in
mehrfarbig illustrierten Aufsätzen mit prächtigen Fotos und Kupfertiefdruck-
beilagen der „ORION".
„ORION", die naturwissenschaftlich-technische Zeitschrift für Jedermann erscheint
zweimal im Monat. Heftpreis nur 80 Pfennig. Bestellungen nehmen alle guten
Buchhandlungen und Postämter entgegen, Prospekt und Probeheft direkt vom

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Wie wär's mit einem Probeabonnement für die langen Winterabende?