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Jonas Maatsch

Morphologie und Moderne. Zur Einleitung

»Göthische Behandlung der Wissenschaften – mein Project«,1 notiert Fried-


rich von Hardenberg, genannt Novalis, 1798/1799 in seinem Allgemeinen
Brouillon, einer umfangreichen Materialsammlung zur Vorbereitung einer
neuartigen Enzyklopädie aller Wissenschaften. Überzeugt, dass im »Con-
tact« der »lange getrennten Glieder der Totalwissenschaft« die »größesten
Wahrheiten unsrer Tage« zu finden seien (HKA 3, S. 275, Nr. 199), zielte
Novalis mit seinem »Project« auf eine synthetische Zusammenschau des zu-
nehmend in Disziplinen und Subdisziplinen zerfallenden Wissens. Dass es
sich dabei um eine »[g]öthische« Behandlung der Wissenschaften handeln
sollte, leuchtet bei näherer Betrachtung durchaus ein, hat Novalis – soweit
sich das aus den Brouillon-Einträgen rekonstruieren lässt – doch nicht we-
niger im Sinn gehabt als eine Morphologie des Wissens – ganz in dem Ver-
ständnis, in dem Goethe seine Morphologie des Naturalen konzipiert hatte:
Statt einer bloßen Verzeichnung und Klassifizierung des vorhandenen Wis-
sens sollte seine Enzyklopädie eine Übersicht über die Abhängigkeiten und
strukturellen Analogien zwischen Inhalten unterschiedlicher Wissensgebie-
te schaffen. Die Beschäftigung mit den gesammelten Wissensfragmenten –
neben eigenen Überlegungen zum Problem der Wissenssystematik finden
sich hier zahlreiche kurze Exzerpte aus der wissenschaftlichen Literatur
praktisch aller Fachrichtungen – sollte den Blick für die allgemeine Form
des wissenschaftlichen Wissens schärfen und dem Enzyklopädisten zuletzt
auch ein Verständnis für die Art und Weise der Entstehung neuen Wissens
eröffnen, gerade so, wie Goethes vergleichende Betrachtung der verschie-
denen Formen der gestalteten Natur zu den allgemeinen Gesetzen der or-
ganischen Gestaltung führen sollte.2
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1 Novalis: Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs. Historisch-kritische Ausgabe
in 4 Bänden, einem Materialienband u. einem Ergänzungsband in 4 Teilbänden mit dem
dichterischen Jugendnachlaß u. weiteren neu aufgetauchten Handschriften. Begründet v.
Paul Kluckhohn u. Richard Samuel. Hg. v. Richard Samuel in Zusammenarbeit mit Hans-
Jürgen Mähl u. Gerhard Schulz. Stuttgart 1960–2006. Bd. 3: Das philosophische Werk 2.
Stuttgart 1960, S. 452, Nr. 967. Die Historisch-kritische Ausgabe wird im Folgenden zi-
tiert als HKA mit arabischer Bandnummer, Seitenzahlen und ggf. der Fragmentnummer.
2 Vgl. dazu ausführlich Jonas Maatsch: Naturgeschichte der Philosopheme. Frühromanti-
sche Wissensordnungen im Kontext. Heidelberg 2008, S. 212–267.

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2 Jonas Maatsch

Ebendieser Anspruch ist zentral in Goethes Morphologie: in der Zusam-


menschau der mannigfaltigen Naturformen die Regelmäßigkeiten jenes per-
manenten Bildungs- und Umbildungsprozesses zu erkennen, in dem Goe-
the die eigentliche Einheit einer immer tätigen Natur sieht. Nach Goethes
Vorstellung ist die Natur ein dynamisches Gestaltkontinuum, in dem jede
Form mit jeder anderen durch eine mehr oder weniger lange Reihe von Zwi-
schenformen bruchlos verbunden ist. Die unterschiedlichen Gestalten der
Natur müssten schon deshalb stetig ineinander überführbar sein, weil sie
letztlich alle Variationen desselben Themas darstellen: So wie Goethe in der
Formenvielfalt der Pflanzenorgane von der Wurzel bis zur Blüte nichts als
Variationen der einen ideellen Grundgestalt ›Blatt‹ sehen wollte oder die sehr
unterschiedlichen Skelettformen der Säugetierarten auf einen allen gemein-
samen ›osteologischen Typus‹ zurückführte, so wäre prinzipiell die gesamte
Natur in allen ihren Erscheinungen als Ausdruck einer umfassenden ideel-
len Einheit zu verstehen. Morphologie wäre dann die Kunst, einerseits die-
se Einheit in der schier unendlichen Formenvielfalt der Naturgegenstände
zu erkennen und andererseits gedanklich nachzuvollziehen, wie sich diese
gemeinsame Idee in die realen Erscheinungen entfaltet.3 Die Entfaltung der
Idee in die realen Naturformen nennt Goethe Metamorphose und meint da-
mit nicht allein die Regelmäßigkeit der realen, sich tatsächlich in Zeit und
Raum vollziehenden Wachstumsprozesse, sondern auch die Ähnlichkeits-
übergänge zwischen verschiedenen Arten.4
Die Vorstellung eines über alle Artgrenzen hinweg einheitlichen Natur-
prozesses motiviert auch Goethes Kritik an der Natursystematik Linnés, die
mit ihrer dihäretischen Einteilung des Naturganzen zwar eine gut fassliche
Ordnung darstellt, aber keinen Raum für Übergänge und Zwischenformen
zwischen den disjunkten Klassen lässt. Auch Novalis’ enzyklopädistischer
Versuch richtet sich nicht zuletzt gegen solche dihäretischen Klassifikatio-
nen, als deren prominentestes Beispiel im Bereich der Wissensordnung der
»Arbre des Sciences« der Diderot’schen Encyclopédie gelten darf. Statt eine
abstrakte Einheit alles Wissens einfach vorauszusetzen und diese dann an-
hand mehr oder weniger zwingender Kriterien in disjunkte Klassen einzu-
teilen, sucht Novalis nach Verwandtschaften, Analogien und Ähnlichkeiten
zwischen den im Brouillon versammelten Wissensfragmenten, um so allmäh-
lich das allen Wissenschaften zugrunde liegende Prinzip herauszuarbeiten.
Er geht wie Goethe gleichsam vom Gestalteten aus, hier also von Fragmen-
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3 Vgl. hierzu auch Joachim Schulte: Chor und Gesetz. Zur »morphologischen Methode«
bei Goethe und Wittgenstein. In: Ders.: Chor und Gesetz. Wittgenstein im Kontext. Frank-
furt a. M. 1990, S. 11–42, hier S. 17.
4 Vgl. Manfred Kleinschnieder: Goethes Naturstudien. Wissenschaftstheoretische und -ge-
schichtliche Untersuchungen. Bonn 1971, S. 62.

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Einleitung 3

ten des vorhandenen Wissens, um die Gestaltungsprinzipien aufzudecken.


Diese Prinzipien, die die Systematizität und Fundiertheit, kurz: die Wissen-
schaftlichkeit aller Wissenschaften, verbürgen, sind für Novalis identisch mit
der Philosophie, verstanden als Grund- oder Metawissenschaft.
Die Philosophie als gemeinsame Grundlage aller realen Wissenschaften
zu verstehen ist an sich nicht originell, sondern entspricht ganz Fichtes
Konzeption der Philosophie als »Wissenschaftslehre«. Originell und durch-
aus ›göthisch‹ sind jedoch Novalis’ Ansichten über die Darstellbarkeit einer
so verstandenen Philosophie: Überzeugt, dass das, was die systematische
Form aller Wissenschaft begründet, bei Strafe eines unendlichen Regresses
nicht seinerseits als wissenschaftliches System dargestellt werden darf, wählt
Novalis – anders als Fichte – eben den morphologischen, ›göthischen‹ Weg.
Für ihn ist die Philosophie nicht ihrerseits ein systematisches Lehrgebäude,
sondern die reine »Substanz der W[issenschaft]« (HKA 3, S. 302, Nr. 343),
anders gesagt: das in jeder Disziplin auf je eigene Art verwirklichte »Ideal
der Wissensch[aft] überhaupt« (HKA 3, S. 385, Nr. 640). Jede Einzelwissen-
schaft wäre danach »vielleicht nur eine Variation der Philosophie« (HKA 3,
S. 302, Nr. 343) und die Philosophie selbst als reiner »Geist der Wissen-
sch[aften]«

undarstellbar – als im Bilde oder in der Anwendung – in der vollkommnen Dar-


stellung einer speciellen Wissenschaft. Nun hängen alle Wissenschaften zusam-
men – also wird die Philosophie nie vollendet. Erst im vollständigen System
aller W[issenschaften] wird die Phil[osophie] recht sichtbar seyn.
(HKA 3, S. 666, Nr. 605)

Eben zu diesem Zweck hat Novalis das Allgemeine Brouillon offenbar ange-
legt: Wie Goethe seine umfangreichen Naturaliensammlungen dazu nutzte,
die Formen der Natur nach Ähnlichkeiten zu ordnen und sie so allmählich
als Stufen desselben einheitlichen Naturprozesses – oder, mit Spinoza ge-
sprochen, als Attribute derselben Substanz – zu begreifen, so will Novalis
aus der Übersicht über alle möglichen Zusammenhänge und Analogien zwi-
schen den gesammelten Bruchstücken realer Wissenschaften allmählich die
Philosophie als organisierendes Prinzip oder »Relationsschema« (HKA 3,
S. 378, Nr. 624) aller Wissenschaften herausarbeiten. Die Philosophie spielt
hier ersichtlich nicht die Rolle eines Systems von Sätzen, aus dem sich die
Fundamente der Realwissenschaften logisch deduzieren lassen; vielmehr
versteht Novalis sie als eine formende Kraft, die sich unmittelbar in der Ge-
stalt der Realwissenschaften ausdrückt und auch nur an dieser ablesbar ist.
Ihre Rolle entspricht damit der des Lebens, dessen gestaltendes Wirken Goe-
the in den zu organischen Entwicklungsreihen angeordneten Naturformen

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4 Jonas Maatsch

erkennen wollte und das sich nach seiner Auffassung anders als in solchen
Reihen gar nicht erfassen und darstellen ließe.5
Die Vorstellung, dass das Wesentliche nur »im Bilde oder in der An-
wendung« »sichtbar« wird, verweist auf ein weiteres Charakteristikum des
morphologischen Ansatzes. Goethe nennt eine »Erfahrung«, wenn auch ei-
ne Erfahrung der »höhern Art«,6 was sich dem methodisch geschulten Be-
trachter offenbart, wenn er zum Beispiel im vergleichenden Betrachten der
Formenvielfalt, die die wachsende Pflanze vom Keim bis zur Blüte hervor-
bringt, schließlich deren gemeinsamen Ursprung in der ideellen Einheit ›Blatt‹
gewahr wird. Es handelt sich demnach nicht um eine Abstraktion des Geis-
tes, sondern um eine unmittelbare Anschauung, wenn auch um eine beson-
dere Art der Anschauung, die sich etwa in die Kantische Erkenntnistheorie
mit ihrer klaren Unterscheidung von sinnlicher Anschauung, Verstandesbe-
griff und Vernunftidee kaum konsistent einordnen ließe.
Um eine bloße Vernunftidee, die Kant zufolge lediglich die begriffliche
Erkenntnis zu ordnen vermag, ohne damit etwas über die Realität und Be-
schaffenheit der Erkenntnisgegenstände auszusagen, handelt es sich offen-
kundig nicht, da es eine an den Phänomenen selbst gemachte »Erfahrung«
sein soll. Ebenso wenig könnte eine Anschauung im Kantischen Sinne das
leisten, was Goethe von seiner ›höheren Erfahrung‹ behauptet. Anschauun-
gen können für Kant immer nur ein gegebenes Einzelnes registrieren, in die-
sem Fall einzelne, miteinander unverbundene Wachstumsstadien von Pflan-
zen, nicht aber zugleich das, worin sich diese unterschiedlichen Stadien ur-
sprünglich gleichen. Aber auch der Begriff, der bei Kant für das Allgemeine
der Gegenstandserkenntnis zuständig ist, kann nicht leisten, worum es Goe-
the geht. Prozessuale Gesetzmäßigkeiten in der organischen Gestaltentwick-
lung sind dem rationalen Begriff, wie Kant ihn versteht, aus mehreren Grün-
den unzugänglich: Erstens geht der begriffliche Verstand vom Einzelnen
(vom Gegenstand oder Merkmal) zum Ganzen (der Begriffsklasse), niemals
aber vom Ganzen (hier des Naturprozesses) zu den Teilen. Zweitens ist die
begriffliche Auffassung abstrakt, das heißt an Einzelmerkmalen orientiert,
und blendet alle komplexen Gestalteigenschaften aus. Die Klassen, die der
Begriff bildet, sind deshalb drittens in sich nicht geordnet; es gibt keine Rei-
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5 Dementsprechend setzt Novalis das »philosophische[-] Ingrediens« der Wissenschaften
auch mit dem »Leben am organischen Körper« gleich (HKA 2, S. 436, Nr. 61).
6 Johann Wolfgang Goethe: Der Versuch als Vermittler. In: Ders.: Die Schriften zur Natur-
wissenschaft. 23 Bände in 3 Abteilungen. Im Auftrag der Deutschen Akademie der Na-
turforscher Leopoldina begründet v. Karl Lothar Wolf u. Wilhelm Troll. Hg. v. Dorothea
Kuhn u. Wolf von Engelhardt. Weimar 1947ff. Abt. I: Texte. Bd. 8: Naturwissenschaftli-
che Hefte. Bearbeitet v. Dorothea Kuhn. Weimar 1962, S. 305–315, hier S. 312. Die Leo-
poldina-Ausgabe wird fortan zitiert unter Verwendung der Sigle LA mit römischer Ab-
teilungsnummer sowie arabischen Band- und Seitenzahlen.

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Einleitung 5

henfolge der Elemente einer Begriffsklasse und auch sonst keine Bezüge oder
Übergänge zwischen ihnen, sie gleichen sich lediglich in dem einen definie-
renden Merkmal. Der Begriff enthält demnach viertens keinen Zeitindex, er
ist überzeitlich gültig und kann nur stillgestellte Gegenstände unter sich fas-
sen, nicht aber Prozesse. Fünftens schließlich gehorcht die rationale Begriffs-
bildung dem Satz vom Widerspruch: Entweder etwas fällt unter den Begriff
oder nicht – tertium non datur. Etwas ist also zum Beispiel ein Blatt, oder
es ist kein Blatt (sondern ein Stengel oder eine Wurzel), es kann aber nicht
gleichzeitig Blatt und nicht Blatt sein.
Rein begriffliches Denken kann Synthesen nur im Abstrakt-Allgemei-
nen und unter Preisgabe des Anschaulich-Konkreten vollziehen, bloße An-
schauung umgekehrt nur das konkrete Einzelne sehen, ohne darin das All-
gemeine zu erfassen. Beide Erkenntnisweisen laufen auf eine Trennung des
lebendig, das heißt durch einen übergreifenden Entwicklungsprozess Ver-
bundenen hinaus, hier im Allgemeinen (Trennung in disjunkte Begriffe),
dort im Konkreten (Trennung in verschiedene sinnlich erfasste Gegenstän-
de). Für eine adäquate, nämlich organische Naturerkenntnis bedarf es nach
Goethes Überzeugung einer Erkenntnisweise, die die Fülle und Simultanei-
tät der konkreten sinnlichen Anschauung mit der synthetischen Kraft des
verallgemeinernden Verstandes verbinden könnte. Goethe geht es dement-
sprechend darum, dass »mein Denken sich von den Gegenständen nicht son-
dere, daß die Elemente der Gegenstände, die Anschauungen in dasselbe ein-
gehen und von ihm auf das innigste durchdrungen werden, daß mein An-
schauen selbst ein Denken, mein Denken ein Anschauen sei« (LA I, 9, S. 307).
Goethes »anschauende Begriffe«7 stehen indes nicht für eine intellek-
tuelle Anschauung reiner Ideen; vielmehr ist eine Vermittlung von Denken
und Gegenstand, von Begriff und Anschauung gemeint, deren Ausgangs-
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7 Diese Formulierung findet sich bereits im Brief Goethes an Ernst II., Herzog von Sach-
sen-Gotha und Altenburg, vom 27. Dezember 1780, wo es heißt: »Weder Fabel noch Ge-
schichte, weder Lehre noch Meinung halte ihn [den Beobachter] ab zu schauen. Er sonde-
re sorgfältig das, was er gesehen hat, von dem, was er vermutet oder schließt. Jede richtig
aufgezeichnete Bemerkung ist unschätzbar für den Nachfolger, indem sie ihm von entfern-
ten Dingen anschauende Begriffe gibt, die Summe seiner eigenen Erfahrungen vermehrt
und aus mehreren Menschen endlich gleichsam ein Ganzes macht« (FA II, 2, S. 316–321,
hier S. 319). »Bei dieser Sache […] ist der anschauende Begriff dem wissenschaftlichen un-
endlich vorzuziehen« (ebenda, S. 320). Vgl. auch die einschlägige Stelle in Goethes Ita-
lienischer Reise (»Rom den 27 Juni«): »Ich war mit Hackert in der Galerie Colonna, wo
Poussin’s, Claude’s, Salvator Rosa’s Arbeiten zusammen hängen. […] Alles was er mir sag-
te hat meine Begriffe nicht geändert, sondern nur erweitert und bestimmt. Wenn man nun
gleich wieder die Natur ansehn und wieder finden und lesen kann, was jene gefunden und
mehr oder weniger nachgeahmt haben, das muß die Seele erweitern, reinigen und ihr zu-
letzt den höchsten anschauenden Begriff von Natur und Kunst geben. Ich will auch nicht
mehr ruhen, bis mir nichts mehr Wort und Tradition, sondern lebendiger Begriff ist«
(FA I, 15.1, S. 377f.).

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6 Jonas Maatsch

punkt in der intensiven Auseinandersetzung mit den realen Gegenständen


liegt.8 Das, wonach Goethe strebt, ist eine Erkenntnisform, die zugleich an-
schaulich-konkret und begrifflich-allgemein ist, insofern sie jedes sinnlich
wahrgenommene Einzelne zugleich und unmittelbar als bezogen auf ein
Ganzes auffasst, dem es angehört und durch das seine spezifische Gestalt
gesetzmäßig bestimmt wird. Es geht mit anderen Worten darum, das über-
greifende Allgemeine im konkreten Besonderen gleichsam zu »sehen«.9 Die
Phänomene bleiben dabei als solche erhalten; das verbindende Allgemeine
wird eben nicht durch Abstraktion erzeugt, sondern indem ich, wie Goe-
the in seinen Vorarbeiten zu einer Physiologie der Pflanzen schreibt, »das
Einzelne aufhebe, ohne den Eindruck zu zerstören« (LA I, 10, S. 131).
Das Erkenntnisvermögen, mit dem sich in der Reihe der Phänomene zu-
gleich das verbindende Allgemeine wahrnehmen lässt, nennt Goethe »an-
schauende Urteilskraft« und bringt diese mit jenem intuitiven Verstand in
Verbindung, den Kant in Paragraph 77 der Kritik der Urteilskraft als denk-
mögliche Alternative zum diskursiven Verstand problematisiert, jedoch aus-
drücklich einem göttlichen Geist vorbehalten hatte.10 Die anschauende Ur-
teilskraft zeichnet sich nach Kant dadurch aus, dass sie »vom Synthetisch-
Allgemeinen (der Anschauung eines Ganzen, als eines solchen) zum Beson-
dern geht, d. i. vom Ganzen zu den Teilen«.11 Im Unterschied zu der be-
stimmenden und der reflektierenden Urteilskraft, die nur ein von anderswo
hergenommenes Gesetz auf den Einzelfall anwenden beziehungsweise rein
hypothetisch über ein mögliches Gesetz reflektieren können, soll Goethes
»anschauende Urteilskraft« das allgemeine Gesetz in der Reihe der Einzel-

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8 Vgl. Theda Rehbock: Goethe und die »Rettung der Phänomene«. Philosophische Kritik
des naturwissenschaftlichen Weltbilds am Beispiel der Farbenlehre. Konstanz 1995, S. 231f.
9 Um diese geistige und sinnliche Anteile verbindende Art der anschaulichen Erkenntnis
von der einfachen sinnlichen Anschauung zu unterscheiden, spricht Goethe auch von den
»Geistes-Augen« im Gegensatz zu den »Augen des Leibes« (Maximen und Reflexionen,
I.42 / H 120): »Man streiche zwey Stäbchen einen roth an, den andern blau, man bringe
sie neben einander ins Wasser und einer wird gebrochen erscheinen wie der andere. Jeder
kann dieses einfache Experiment mit den Augen des Leibes erblicken, wer es mit Geistes-
Augen beschaut wird von Tausend und aber Tausend irrthümlichen Paragraphen befreyt
seyn« (FA I, 13, S. 14). Siehe auch FA I, 24, S. 432: »[S]o dachte der treffliche Mann [C. F.
Wolff] doch nicht, daß es ein Unterschied sei zwischen Sehen und Sehen, daß die Geistes-
Augen mit den Augen des Leibes in stetem lebendigem Bunde zu wirken haben, weil man
sonst in Gefahr gerät zu sehen und doch vorbeizusehen«.
10 Vgl. LA I, 9, S. 95f. (Anschauende Urteilskraft). Vgl. dazu auch Eckart Förster: Die Be-
deutung von §§ 76, 77 der Kritik der Urteilskraft für die Entwicklung der nachkantischen
Philosophie. In: Zeitschrift für philosophische Forschung 56 (2002), S. 169–190, S. 321–
345.
11 Immanuel Kant: Werkausgabe in 12 Bänden. Hg. v. Wilhelm Weischedel. Frankfurt a. M.
1974. Bd. 10: Kritik der Urteilskraft. Frankfurt a. M. 111990, S. 361 (§ 77).

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Einleitung 7

fälle selbst anschaulich wahrnehmen. Dieses anschaulich wahrnehmbare Ge-


setz fasst Goethe in unterschiedlichen Termini, wie »Typus« oder »Idee«.
Wenn Goethes anschauliches Denken also genau in der Mitte zwischen
begrifflichem Denken und empirischer Anschauung steht, scheint es durch-
aus nicht abwegig, sein Potential auch dort zur Anwendung zu bringen, wo
es nicht um empirisch-anschauliche Gegenstände geht. Goethe selbst woll-
te seinen morphologischen Ansatz keineswegs auf die Betrachtung der orga-
nischen Natur beschränkt sehen, sondern räumte ihm grundsätzlich einen
sehr weiten Geltungsbereich ein – von »den ersten physischen und chemi-
schen Elementen an, bis zur geistigsten Äußerung des Menschen« (LA I, 10,
S. 128). Novalis’ »[g]öthische Behandlung der Wissenschaften« bedeutet nun
genau das: die Suche nach anschaulichen Allgemeinheiten auch in rein geis-
tigen Zusammenhängen, nämlich nach »Ideen«, in denen sich Inhalte ver-
schiedener wissenschaftlicher Disziplinen gleichen sollen wie die verschiede-
nen Pflanzenteile im »Blatt« und deren umfassendste eben die Philosophie
wäre. Solche Ideen sind nicht propositional formulierbar, sondern lassen sich,
wie der Typus bei Goethe, nur in Form von Variationsreihen darstellen:
»Eine Idee ist eine unendliche Reihe von Sätzen – eine irrationale Größe«
(HKA 2, S. 570). Wie in Goethes Naturbetrachtung muss der Morphologe
bei seiner Suche nach den ideellen Übereinstimmungen im Verschiedenen zu-
nächst das Ähnliche aneinanderreihen. In Bezug auf die in Novalis’ Brouillon
versammelten Wissensfragmente bedeutet Ähnlichkeit das Vorhandensein
struktureller Analogien und Übereinstimmungen in bestimmter Hinsicht.
Es muss hier also darum gehen, die Fragmente nicht wie in der begrifflichen
Klassifikation nach einer spezifischen Differenz zu sortieren, sondern sie in
der ganzen Fülle ihrer Verknüpfungsmöglichkeiten aufzufassen und zu ver-
gleichen. Statt logischer Gleichheit ist analogische Ähnlichkeit, statt begriff-
licher Abstraktion quasi-anschauliche Merkmalsfülle auch in der theoreti-
schen Anwendung der Morphologie der zentrale Wahrnehmungsmodus. Die
gesammelten Wissensfragmente werden gleichsam als Gestalten aufgefasst,
deren Eigenschaften in ihren Verknüpfungsmöglichkeiten bestehen. Die En-
zyklopädie wäre nichts anderes als eine möglichst vollständige Beschrei-
bung dieser Eigenschaften und in diesem Sinne eine »Nat[ur]Gesch[ichte]
d[er] W[issenschaften]«.12 Die Fähigkeit, aus dieser Naturgeschichte, das
heißt aus der möglichst vollständigen Übersicht über die Verwandtschaften
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12 HKA 3, S. 376, Nr. 616. »Gestalt« und »Naturgeschichte« sind hier genau in dem Sinne
zu verstehen, in dem Wittgenstein später sagen wird, die Arithmetik beschreibe als »Na-
turgeschichte der Zahlen« die Eigenschaften der Zahlen als Gestalten (vgl. Ludwig Witt-
genstein: Werkausgabe in 8 Bänden. Hg. v. Gertrude E. M. Anscombe u. a. Frankfurt a. M.
1984. Bd. 6: Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik, S. 229f.). Übrigens fin-
det auch diese Formulierung eine fast genaue Entsprechung bei Novalis, der die Algebra
als die »Naturgeschichte der Größen« bezeichnet (HKA 3, S. 400, Nr. 691).

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8 Jonas Maatsch

zwischen den verschiedenen Wissenschaften, die organisierenden »Ideen«


herauszulesen, bezeichnet Novalis als »physiognomischen Sinn«,13 eine For-
mulierung, die so oder ähnlich in der weiteren geisteswissenschaftlichen
Rezeption von Goethes Morphologie noch mehrfach Verwendung finden
wird.14
Zwei Jahrzehnte nach Novalis’ Brouillon-Notizen wird Wilhelm von
Humboldt in ganz ähnlicher Weise auch im Bereich der Geschichtsschrei-
bung das Auffinden von »Ideen« zur zentralen Aufgabe des Historikers er-
klären, wobei er die Idee als »ein allgemeines Bild der Form des Zusammen-
hanges aller Begebenheiten« bestimmt.15 In seinem programmatischen Auf-
satz Über die Aufgaben des Geschichtschreibers erklärt er die Geschichts-
schreibung insgesamt zur »Darstellung des Strebens einer Idee, Dasein in
der Wirklichkeit zu gewinnen«.16 Wie bei Goethe lässt sich dieses Streben
aber »nur an den Begebenheiten selbst«17 erkennen, insofern diese, mit »Ahn-
dungsvermögen und Verknüpfungsgabe«,18 erkennend in den Zusammen-
hang eines Ganzen eingeordnet werden, ohne »etwas von dem lebendigen
Reichthum des Einzelnen aufzuopfern«.19

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13 Vgl. HKA 2, S. 588, Nr. 263: »Eine Idee finden […] – aus mehreren Ansichten heraus-
sehn – aus mehreren Erfahrungen und Thatsachen herauserfahren – heraussuchen – aus
mehreren Gedancken den rechten Gedancken – das Werckzeug der Idee – herausdenken –
unterscheiden. Hierzu gehört physiognomischer Sinn für die mannichfachen Ausdrücke,
Werckzeuge der Idee«.
14 So bezeichnet Ludwig Wittgenstein das »Gefühl« für den richtigen Gebrauch von Wör-
tern einer natürlichen Sprache »als eine Physiognomie« (L. Wittgenstein: Bemerkungen
über die Philosophie der Psychologie I. In: Ders.: Werkausgabe (Anm. 12). Bd. 7: Bemer-
kungen über die Philosophie der Psychologie. Letzte Schriften über die Philosophie der
Psychologie. Frankfurt a. M. 51991, S. 127, § 654; Hervorh. im Orig.). Oswald Spengler,
der bekanntlich nichts Geringeres im Sinn hatte als eine »Morphologie der Weltgeschich-
te«, sieht den für die morphologische Erkenntnis entscheidenden Wahrnehmungsmodus
in einem »physiognomischen Takt« (O. Spengler: Der Untergang des Abendlandes. Um-
risse einer Morphologie der Weltgeschichte. München 111991, S. 152, 498; zum Gefühl vgl.
S. 140 u. ö.). Mit »intuitive[r] Weltsicht« und bildhaftem Schauen will Spengler die »Sys-
tematik« in der Physiognomik aufheben. Zudem möchte er in einer »Morphologie der
exakten Wissenschaften« – ganz ähnlich wie Novalis – darstellen, »wie alle Gesetze, Be-
griffe und Theorien als Formen innerlich zusammenhängen (vgl. ebenda, S. 549f.). Zu-
letzt hat Paolo Gabrielli das physiognomische Wahrnehmen von Sinn bei Wittgenstein
und Walter Benjamin zum Thema einer umfangreichen Studie gemacht (P. Gabrielli: Sinn
und Bild bei Wittgenstein und Benjamin. Bern u. a. 2004).
15 Wilhelm von Humboldt: Über die Aufgabe des Geschichtschreibers. In: Abhandlungen
der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aus den Jahren 1820–1821. Ber-
lin 1822, S. 305–322, hier S. 315.
16 Ebenda, S. 322.
17 Ebenda.
18 Ebenda, S. 306.
19 Ebenda, S. 322.

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Einleitung 9

Mit der Rede von »Ahndungsvermögen und Verknüpfungsgabe« ist auf


ein weiteres Wesensmerkmal des morphologischen Ansatzes verwiesen, näm-
lich auf die zentrale Rolle der Einbildungskraft: Jenes Vermögen, das in sei-
ner transzendentalen Funktion vermittelnd zwischen Anschauung und Be-
griff steht, wird in seinem freien Gebrauch, als Fantasie, zu der poetisch-
schöpferischen Kraft, die den Historiker, den Naturbetrachter oder den En-
zyklopädisten befähigt, die in seinen gesammelten Daten oder Beobachtun-
gen nicht gegebene Stetigkeit durch das stimmige Hinzuerfinden von Zwi-
schengliedern allererst herzustellen.20 Morphologische Erkenntnis ist, das
muss ganz deutlich gesagt werden, immer auch eine konstruktive, eine schöp-
ferische, mit anderen Worten: eine ›poietische‹ Erkenntnisleistung.21 Dabei
ist die Einbildungskraft jedoch stets zurückgebunden an das empirische,
vorfindliche Einzelne und dessen Gestalt. Die Phänomene sind Ausgangs-
punkt und Rückhalt der morphologischen Fantasie.
So ist für Johann Gustav Droysen, der, ohne dessen historistische Grund-
annahmen zu teilen, deutlich von Humboldts morphologischer Geschichts-
auffassung beeinflusst ist, historisches Verstehen immer »ein Denken aus
dem Besonderen, ein Zurückschließen auf das im Besonderen ausgedrückte
Allgemeine, auf das im Morphologischen ausgeprägte Geistige«.22 Der Aus-
gang vom empirischen Einzelnen, das in seiner Verweisung auf das umfas-
sende Ganze als »Besondere[s]« verstanden wird, ist bei Droysen vor allem
gegen das spekulative Systemdenken gerichtet, in diesem Fall gegen Hegels
Geschichtsphilosophie.
Man kann dieses gegenständliche Denken – ein Denken, das, wie Ernst
Troeltsch es formulieren wird, »in irgendeinem geheimen Bunde mit dem
Realen«23 stehen muss – durchaus als eine »Rettung der Phänomene« ver-
stehen, in dem Sinne wie Walter Benjamin diese programmatische Formulie-
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20 Vgl. dazu auch ebenda, S. 305: »Das Geschehene ist aber nur zum Theil in der Sinnenwelt
sichtbar, das Uebrige muß hinzu empfunden, geschlossen, errathen werden«.
21 Vgl. auch ebenda, S. 306: »Denn wenn der erstere [der Geschichtsschreiber] […] die Wahr-
heit des Geschehenen durch die Darstellung nicht anders erreicht, als indem er das Un-
vollständige und Zerstückelte der unmittelbaren Beobachtung ergänzt und verknüpft, so
kann er dies, wie der Dichter, nur durch Phantasie«.
22 Johann Gustav Droysen: Historik. Historisch-kritische Ausgabe. 3 Bände in 5 Teilbän-
den u. 1 Supplementband. Hg. v. Peter Leyh. Ab Bd. 2.1 hg. v. Peter Leyh u. Horst Wal-
ter Blanke. Stuttgart-Bad Cannstatt 1977ff. Bd. 1: Historik. Rekonstruktion der ersten
vollständigen Fassung der Vorlesungen (1857). Grundriß der Historik in der ersten hand-
schriftlichen (1857/1858) und in der letzten gedruckten Fassung (1882). Hg. v. Peter Leyh.
Stuttgart-Bad Cannstatt 1977, S. 57.
23 Ernst Troeltsch: Gesammelte Schriften. 3 Bände in 4 Teilbänden. Tübingen 1912–1925.
Bd. 3: Der Historismus und seine Probleme. Buch 1: Das logische Problem der Geschichts-
philosophie. Tübingen 1922, S. 183. Vgl. dazu auch Otto Gerhard Oexle: Geschichtswis-
senschaft im Zeichen des Historismus. Studien zu Problemgeschichten der Moderne. Göt-
tingen 1996, S. 222.

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10 Jonas Maatsch

rung in seinem Trauerspiel-Buch verwendet hat.24 Die Phänomene, die, wie


Droysen sagt, viel reicher sind als das Allgemeine,25 sollen vor ihrer Zurich-
tung durch ein spekulatives System ebenso gerettet werden wie vor ihrer
Nivellierung im abstrakten Klassenbegriff.
Der Ausgang vom Einzelnen, das als solches unangetastet bleibt und
doch zu einem Gesamt-Bild beiträgt, mag den Erfolg erklären, den dieser
Denkstil im weiteren Verlauf der Moderne hatte. Anders als in der Natur-
wissenschaft,26 in der sich Goethes Ansatz – sehr zu seinem Verdruss – nie
gegen eine zunehmend analytische und physikalistische Normalwissenschaft
durchsetzen konnte, erfuhr die Morphologie in den Geistes- und Kulturwis-
senschaften von Beginn an eine rege Aufnahme. Morphologisches Denken
findet sich in der Folge mindestens bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nicht
nur da, wo es ausdrücklich zum Programm erklärt wird, wie in Leo Fro-
benius’ Paideuma oder in Oswald Spenglers viel gelesenem Untergang des
Abendlandes. Auch in sonst sehr unterschiedlichen Arbeiten wie Walter Ben-
jamins Passagen, der Gesellschaftsphilosophie Georg Simmels, der Kultur-
geschichte Jacob Burckhardts, Ernst Jüngers Der Arbeiter. Herrschaft und
Gestalt oder Christian von Ehrenfels’ Gestaltpsychologie ist die Orientie-
rung an Goethes anschaulichem Denken unübersehbar.
Die Reihe ließe sich leicht fortsetzen und legt die These nahe, dass die
Morphologie ihre Attraktivität daraus bezog, dass sie eine überzeugende
Antwort auf ein spezifisches Problembewusstsein der Moderne zu geben
schien. Die Selbstkritik der Moderne beziehungsweise das Unbehagen in
der Moderne manifestierte sich, wie Wolfgang Welsch festgestellt hat,27 im
Wesentlichen in zwei – gegenläufigen – Problemdiagnosen. Einerseits wur-
de die Fragmentierung des Wissens, der Arbeit und der Lebenswelt be-
klagt, andererseits galt die allgemeine Uniformierung oder Nivellierung als
das Grundübel der Epoche. Locus classicus für die erstgenannte Position
ist Schillers berühmte Epochendiagnose: »Ewig nur an ein einzelnes klei-
nes Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der Mensch selbst nur als

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24 Walter Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Ders.: Gesammelte Schriften.
7 Bände in 14 Teilbänden u. 3 Supplemente. Unter Mitwirkung v. Theodor W. Adorno u.
Gershom Scholem hg. v. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser. Frankfurt a. M.
1972–1999. Bd. 1: Abhandlungen. Teil 1. Frankfurt a. M. 42003, S. 214.
25 Vgl. Johann Gustav Droysen: Historik (Anm. 22). Bd. 1: Historik. Rekonstruktion der
ersten vollständigen Fassung der Vorlesungen (1857). Grundriß der Historik in der ers-
ten handschriftlichen (1857/1858) und in der letzten gedruckten Fassung (1882). Hg. v.
Peter Leyh. Stuttgart-Bad Cannstatt 1977, S. 236.
26 Ganz anders als in der empirischen und experimentellen Naturwissenschaft, wurde das
morphologische Denken in der Naturphilosophie durchaus zu einer wichtigen Inspirati-
onsquelle, wie Eckart Förster im vorliegenden Band zeigt.
27 Vgl. Wolfgang Welsch: Unsere postmoderne Moderne. Berlin 72008, insbesondere S. 53.

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Einleitung 11

Bruchstück aus«.28 Für die zweite Variante der Modernekritik nennt Welsch
Nietzsche sowie Lévi-Strauss’ Furcht vor einer Erstarrung in der vollende-
ten Ordnung. Ebenso gut könnte man unter dem Stichwort der Uniformi-
tätskritik Adornos negative Dialektik mit ihrer Wendung gegen die Ein-
ebnung des ›Nichtidentischen‹ im Begriff nennen. In jedem Fall wird deut-
lich, woher die ›göthische‹ Anschauung ihre Attraktivität bezog: Sie schien
gleich für beide Seiten der Modernekritik Abhilfe zu versprechen. Schon No-
valis reagierte mit seiner morphologischen Enzyklopädistik auf das stark
empfundene Problem einer Vereinzelung des wissenschaftlichen Wissens,
sah andererseits aber auch, dass starre enzyklopädische Systeme, die in ih-
ren höheren Begriffen zunehmend abstrakter werden, das Problem nicht be-
friedigend lösen können. Der Ausgang vom Begrifflich-Allgemeinen macht
das konkrete Einzelne, in dem die Fortschritte des Wissens doch vor allem
zu liegen schienen, für diese Systeme unerreichbar. Ganz anders die Mor-
phologie, die vom Einzelnen ausgeht, es mit dem Ähnlichen zusammen grup-
piert, mithilfe der Einbildungskraft die Lücken füllt und so allmählich ein
Ganzes konstruiert, in das sich das vorgefundene Einzelne gleichsam orga-
nisch einfügt, ohne dass seine eigene konkrete Gestalt in abstrakter Uni-
formität aufginge.
Wenn Georg Simmel 1896 mit ausdrücklichem Bezug auf Goethe und
dessen »ästhetische« Weltanschauung in Aussicht stellt: »[J]eder Punkt birgt
die Möglichkeit der Erlösung zu absoluter ästhetischer Bedeutsamkeit, aus
jedem leuchtet für den hinreichend geschärften Blick die ganze Schönheit,
der ganze Sinn des Weltganzen hervor«,29 dann wird die Hoffnung auf Re-
medur der verwirrend vereinzelten Erfahrung der Moderne überdeutlich.
Nicht das allumfassende System, sondern ebenjenes Bruchstück, an das der
moderne Mensch nach Schiller noch gefesselt schien, wird hier zum retten-
den, weil festliegenden archimedischen Punkt, oder anders gesagt: zum er-
höhten Aussichtspunkt, von dem sich das schöne Panorama des Weltganzen
beschauen lässt.
Angesichts der Erfolgsgeschichte des von Goethe inspirierten Denkens
in den Geistes- und Kulturwissenschaften der Moderne sollen zuletzt aber
auch dessen kritikwürdige Aspekte nicht verschwiegen werden: Eine mor-
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28 Schillers Werke. Nationalausgabe. 43 Bände. Begründet v. Julius Petersen. Fortgeführt v.
Lieselotte Blumenthal, Benno von Wiese u. Siegfried Seidel. Hg. im Auftrag der Stiftung
Weimarer Klassik u. des Schiller-Nationalmuseums in Marbach v. Norbert Oellers. Wei-
mar 1943ff. Bd. 20: Philosophische Schriften. Teil 1. Unter Mitwirkung v. Helmut Koop-
mann hg. v. Benno von Wiese. Weimar 1962, S. 323.
29 Georg Simmel: Soziologische Ästhetik. In: Ders.: Gesamtausgabe. 23 Bände. Hg. v. Ott-
hein Rammstedt. Frankfurt a. M. 1989–2010. Bd. 5: Aufsätze und Abhandlungen 1894 bis
1900. Hg. v. Heinz-Jürgen Dahme u. David P. Frisby. Frankfurt a. M. 1992, S. 197–214,
hier S. 199.

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12 Jonas Maatsch

phologische Methode im strengen Sinn des Wortes hat es nie gegeben, und
die morphologische Erkenntnis lässt sich prinzipiell nicht in distinkte Be-
griffe (rück-)übersetzen. Jedes Individuum muss sie selbst fühlen und wo-
möglich auch eine geeignete Charakterdisposition zur ›richtigen‹ Anschau-
ung mitbringen. Zudem ist das Hinzudichten von kontrafaktischen, aber
stimmig einzupassenden Zwischenstücken in der Morphologie nicht nur er-
laubt, sondern geradezu erforderlich. Von hier aus ist es dann nur ein Schritt
zur Ideologie, in die das Denken der ›Gestalt‹ – vor allem in Verbindung mit
dem völkischen Denken – auch tatsächlich verschiedentlich abgeglitten ist.
Anhand von Grundbegriffen, vor allem aber mit Blick auf verschiedene
Denker, die im 19. und 20. Jahrhundert auf Goethes Ideen zurückgriffen,
werfen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes Schlaglichter auf die Re-
zeptionsgeschichte des ›anschaulichen Denkens‹ in den Geistes- und Kul-
turwissenschaften der Moderne. Der Begriff ›Rezeptionsgeschichte‹ ist da-
bei aber nicht im Sinne einer kontinuierlichen Folge aneinander anknüpfen-
der Positionen zu verstehen. Vielmehr scheint es sich um ein unabhängiges,
immer wieder neues Anknüpfen an Goethe zu handeln, dessen Texte ohne-
hin über lange Zeit zum selbstverständlichen Bildungsgut gehörten.
Indem der vorliegende Band einen Überblick über die vielfältigen Ver-
wendungen der Goethe’schen Morphologie in den Geistes- und Kulturwis-
senschaften gibt, schließt er an ein in den letzten Jahren sichtlich gewachse-
nes Interesse an diesem Aspekt von Goethes Wirkung an. Goethes Beiträge
zu philosophischen und wissenschaftlichen Fragestellungen, die er vor al-
lem im Kontext seiner morphologischen Studien entwickelte, stellten bis in
die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts einen vergleichsweise marginalen
Gegenstand der Goethe-Forschung dar.30 Seit einigen Jahren lässt sich je-
doch ein deutlich gestiegenes Interesse an den Spezifika der Goethe’schen
Wissenschaftsauffassung und an deren Wirkungsgeschichte beobachten. So
sind in den letzten Jahren nicht nur im deutschsprachigen Raum wegwei-
sende Studien erschienen, die sich aus unterschiedlichen Fachperspektiven
mit Goethes morphologischer Naturbetrachtung,31 ihren philosophischen
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30 Ausnahmen bilden Manfred Kleinschnieder: Goethes Naturstudien (Anm. 4) sowie Do-
rothea Kuhn: Typus und Metamorphose. Goethe-Studien. Hg. v. Renate Grumach. Mar-
bach a. N. 1988. Zur Rezeption von Goethes Morphologie in den Naturwissenschaften
vgl. Frederick Amrine (Hg.): Goethe in the History of Science. 2 Bände. New York, Bern
1996.
31 So vor allem Olaf Breidbach: Goethes Metamorphosenlehre. München 2006. Barbara Elet-
ta Camoni (Hg.): Il paradigma vegetale. La scienza e l’arte contemporanea rileggono La
metamorfosi delle piante di Goethe. Bologna 2003. Giulio Giorello u. Agnese Grieco
(Hg.): Goethe scienziato. Turin 1998. Giancarlo Lacchin (Hg.): Evoluzione e forma. Jo-
hann Wolfgang Goethe. Mailand 2007. Francesco Moiso (Hg.): Goethe, la natura e le sue
forme. Mailand 2002. David Seamon u. Arthur Zajonc (Hg.): Goethe’s Way of Science.
A Phenomenology of Nature. Albany/NY 1998.

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Einleitung 13

Implikationen32 sowie ihren Wechselwirkungen mit Dichtung und Ästhe-


tik33 befassen.
In der gegenwärtigen Auseinandersetzung mit Goethes morphologi-
scher Methode sind im Wesentlichen zwei Zugänge zu unterscheiden: ein sys-
tematischer und ein rezeptionsgeschichtlicher. In systematischer Hinsicht
wecken vor allem Goethes Konzept anschaulich gegebener Allgemeinbegrif-
fe34 und sein Gestaltbegriff35 das Interesse der Forschung. Von hier aus er-
geben sich bislang noch wenig genutzte Anknüpfungsmöglichkeiten an ak-
tuelle Diskussionen der Bildwissenschaften36 und der theoretischen Philo-
sophie.37

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32 Vgl. Janus Head. Journal of Interdisciplinary Studies in Literature, Continental Philoso-
phy, Phenomenological Psychology, and the Arts 8 (2005), H. 1: Goethe’s Delicate Empi-
ricism. Astrida Orle Tantillo: The Will to Create. Goethe’s Philosophy of Nature. Pitts-
burgh/PA 2002. Eckart Förster: Goethe and the »Auge des Geistes«. In: Deutsche Vier-
teljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 75 (2001), H. 1, S. 87–101.
Jean-Marie Valentin (Hg.): Johann Wolfgang Goethe. L’Un, l’Autre et le Tout. Paris 2000.
Jost Schieren: Anschauende Urteilskraft. Methodische und philosophische Grundlagen
von Goethes naturwissenschaftlichem Erkennen. Düsseldorf 1998.
33 Vgl. Michael Niedermeier: Griechenland und Preußens Blüte. Goethes Morphologie als
Grundlage des Schinkelschen Klassizismus. In: Horst Bredekamp, Matthias Bruhn u. Ga-
briele Werner (Hg.): Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik.
Bd. 9.2: Morphologien. Berlin 2013, S. 106–112. Regina Sachers: Goethe’s legacy? »Eins
und Alles« and its Career in Scholarship. In: German Life and Letters, N. S. 61 (2008),
H. 2, S. 187–201. Johannes Grave: Der »ideale Kunstkörper«. Johann Wolfgang Goethe als
Sammler von Druckgraphiken und Zeichnungen. Göttingen 2006. Safia Azzouni: Kunst
als praktische Wissenschaft. Goethes Wilhelm Meisters Wanderjahre und die Hefte Zur
Morphologie. Köln 2005. David Lowe: Goethe & Palladio. Goethe’s study of the relation-
ship between art and nature, leading through architecture to the discovery of the meta-
morphosis of plants. Great Barrington/MA 2005. Holger Helbig: Naturgemäße Ordnung.
Darstellung und Methode in Goethes Lehre von den Farben. Köln, Weimar, Wien 2004.
Leonardo Pica Ciamarra: Goethe e la storia. Studi sulla Geschichte der Farbenlehre. Nea-
pel 2001. Laurent van Eynde: Goethe lecteur de Kant. Paris 1999. Andreas Christian Po-
wik: Goethe’s Poetic Epistemology and the Visual Arts. Phil. Diss. Washington Univ. 1999.
Peter Matussek (Hg.): Goethe und die Verzeitlichung der Natur. München 1998.
34 Vgl. Eckart Förster: Die Bedeutung von §§ 76, 77 der Kritik der Urteilskraft für die Ent-
wicklung der nachkantischen Philosophie (Anm. 10).
35 Vgl. Jean Petitot: Morphologie et esthétique. La forme et le sens chez Goethe, Lessing,
Lévi-Strauss, Kant, Valéry, Husserl, Eco, Proust, Stendhal. Paris 2004. Annette Simonis:
Gestalttheorie von Goethe bis Benjamin. Diskursgeschichte einer deutschen Denkfigur.
Köln, Weimar, Wien 2001.
36 Vgl. Fritz Breithaupt: Jenseits der Bilder. Goethes Politik der Wahrnehmung. Freiburg
i. Br. 2000.
37 Ein von der Mellon Foundation gefördertes einjähriges Sawyer-Seminar hat vor weni-
gen Jahren einige dieser Stränge aufgenommen (http://hum.uchicago.edu/frankeinstitute/
sawyer.html) und Goethes morphologisches Denken als eine genuine Position der nach-
kantischen Philosophie profiliert, die sich gewinnbringend mit aktuellen Ansätzen der
angloamerikanischen Philosophie verbinden lasse, etwa mit John McDowells viel disku-

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14 Jonas Maatsch

Auch zur Rezeption von Goethes Morphologie bei einzelnen Autoren


wurden erst in der jüngeren Zeit vermehrt Studien vorgelegt, so zu Fichte,38
Schelling,39 Hegel,40 Alexander von Humboldt,41 Husserl,42 Simmel,43 Cassi-
rer,44 Benjamin,45 Spengler46 und Wittgenstein.47 Nur sehr vereinzelt erschie-
nen Arbeiten, die die Wirkung der Morphologie über einen längeren Zeit-
raum hinweg verfolgen.48
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tierter Behauptung einer wechselseitigen Durchdringung von Sinnlichkeit und Verstand
im Erkenntnisprozess (vgl. J. McDowell: Mind and World. Cambridge/MA 2003).
38 Vgl. Eckart Förster: »Da geht der Mann dem wir alles verdanken!« Eine Untersuchung
zum Verhältnis Goethe – Fichte. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 45 (1997), H. 3,
S. 331–344. Goethes Einfluss auf die ›klassische deutsche Philosophie‹ spielt auch in Förs-
ters jüngster Monographie eine wichtige Rolle (E. Förster: Die 25 Jahre der Philosophie.
Eine systematische Rekonstruktion. Frankfurt a. M. 2010).
39 Vgl. Walter Hinderer: Goethe und Schelling. Aspekte des naturphilosophischen Diskur-
ses. In: Studi germanici, N. S. 45 (2007), H. 1, S. 47–72.
40 Vgl. Laurent van Eynde: Goethe et Hegel. Autour de l’»Urphänomen«. In: Jean-Marie
Valentin (Hg.): Johann Wolfgang Goethe. L’Un, l’Autre et le Tout (Anm. 32), S. 567–582.
Jost Schieren: Anschauende Urteilskraft (Anm. 32), S. 567–582.
41 Vgl. Christian Helmreich: Paris versus Weimar? Goethes und Alexander von Humboldts
Wissenschaftsverständnis. In: Edoardo Costadura (Hg.): Frankreich oder Italien? Kon-
kurrierende Paradigmen des Kulturaustausches in Weimar und Jena um 1800. Heidelberg
2008, S. 207–228.
42 Vgl. Eva-Maria Simms: Goethe, Husserl, and the Crisis of the European Sciences. In: Janus
Head 8 (2005), H. 1, S. 160–172.
43 Vgl. Georg Bollenbeck. Goethe als kulturkritische Projektion bei Chamberlain, Simmel
und Gundolf. In: Jochen Golz u. Justus H. Ulbricht (Hg.): Goethe in Gesellschaft. Zur
Geschichte einer literarischen Vereinigung vom Kaiserreich bis zum geteilten Deutsch-
land. Köln, Weimar, Wien 2005, S. 13–32. Günter Peters: Prometheus und die »Tragödie
der Kultur«. Goethe – Simmel – Cassirer. In: Barbara Naumann u. Birgit Recki (Hg.):
Cassirer und Goethe. Neue Aspekte einer philosophisch-literarischen Wahlverwandt-
schaft. Berlin 2002, S. 113–136.
44 Vgl. Barbara Naumann u. Birgit Recki (Hg.): Cassirer und Goethe (Anm. 43). Eva Geu-
len: Metamorphosen der Metamorphose. Goethe, Cassirer, Blumenberg. In: Alexandra
Kleihues, Barbara Naumann u. Edgar Pankow (Hg.): Intermedien. Zur kulturellen und
artistischen Übertragung. Zürich 2010, S. 203–217.
45 Vgl. Uwe Steiner: »Das Höchste wäre: zu begreifen, dass alles Factische schon Theorie
ist«. Walter Benjamin liest Goethe. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 121 (2002),
S. 265–284.
46 Vgl. Uwe Janensch: Goethe und Nietzsche bei Spengler. Eine Untersuchung der struk-
turellen und konzeptionellen Grundlagen des Spenglerschen Systems. Berlin 2006.
47 Vgl. Fritz Breithaupt, Richard Raatzsch u. Bettina Kremberg (Hg.): Goethe and Wittgen-
stein. Seeing the World’s Unity in its Variety. Frankfurt a. M. u. a. 2003. Joachim Schulte:
Chor und Gesetz (Anm. 3).
48 Vgl. Rossella Fabbrichesi Leo u. Federico Leoni: Continuità e variazione. Leibniz, Goethe,
Peirce, Wittgenstein, con un’incursione kantiana. Mailand 2005. Jean Petitot: Morpholo-
gie et esthétique (Anm. 35). Christian Möckel: Anschaulichkeit des Wissens und kultu-
relle Sinnstiftung. Beiträge aus Lebensphilosophie, Phänomenologie und symbolischem
Idealismus zu einer Goetheschen Fragestellung. Berlin 2003. Jürgen Große: Phänomen-
Erkenntnis. Goethisches bei Geschichtsdenkern des 19. und 20. Jahrhunderts. Stuttgart
2001. Annette Simonis: Gestalttheorie von Goethe bis Benjamin (Anm. 35).

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Einleitung 15

Vor diesem Hintergrund erhält die zwar niemals vollständige, aber doch
dichte und vielfältige Darstellung der Rezeptionsgeschichte, die in den hier
versammelten Beiträgen entfaltet wird, ihren besonderen Wert. Dafür und
auch für die anregenden Diskussionen im Rahmen der Tagung, auf die der
vorliegende Band zurückgeht, sei den Autorinnen und Autoren gedankt.
Mein Dank gilt außerdem dem Leiter des Referats Forschung und Bildung
der Klassik Stiftung Weimar, Thorsten Valk, der die Tagung intellektuell und
organisatorisch unterstützt hat und auch am Erscheinen dieses Bandes in
der von ihm herausgegebenen Reihe wesentlichen Anteil hatte. Für die ge-
wohnt gewissenhafte Redaktion des Bandes sei Alexandra Bauer von der
Klassik Stiftung gedankt. Und schließlich habe ich der Deutschen For-
schungsgemeinschaft für ihre großzügige Förderung der Tagung zu dan-
ken.

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