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Bildung der Diminutive im Deutschen und Rumänischen

...

Im Vergleich zu den romanischen Sprachen verfügt das Deutsche nur über


Diminutivsuffixen. Andererseits, ist die Augumentierung nur durch den Prozess der
Komposition möglich.1

Um diesen lexikalischen Prozess der Bildung von Diminutiven zu verstehen, ist es wichtig,
einige Begriffe zu erläutern.

Das Diminutivum. Das Wort Diminutivum stammt aus dem lateinischen dīminuere und ist
das Gegenstück des deutschen Verbes verkleinern. Ein Diminutivum ist eigentlich eine
Verkleinerungsform, eine attenuative Ableitung, die eine reduzierte oder verkleinerte
Darstellungsweise eines Objektes kennzeichnet, z. B. Häus-chen zu Haus [...]; „lat. hom-
unculus ›Mensch-lein‹ zu homo ›Mensch‹, lib-ellus ›Büch-lein‹ zu liber ›Buch‹.”
Gleichzeitig werden die Diminutiva zur Signalisierung emotionaler Einstellungen
verwendet (hypokoristisch), z. B. „Mütterlein, Früchtchen.“23

Die Wortbildung. Nach der Duden-Grammatik wird der Terminus „Wortbildung“ im


Allgemeinen „mit zwei Bedeutungen gebraucht. Man versteht darunter zunächst den
Prozess der Bildung neuer Wörter (genauer: neuer Wortstämme) aus vorhandenen
sprachlichen Einheiten nach bestimmten Modellen (Wissenschaft + -ler →
Wissenschaftler), zweitens das Ergebnis dieses Prozesses, das »gebildete« Wort
(Wissenschaftler). Beide Erscheinungen, sowohl Bildungsprozess, als auch
Bildungsergebnis machen den Gegenstand der Wortbildungslehre aus.“4

Üblicherweise gibt es im Deutschen und Rumänischen drei produktive Wortbildungsarten,


diese sind: die Komposition, Konversion und Derivation.

Die Derivation ist ein sprachwissenschaftlicher Prozess, der zur Wortbildunglehre gehört.
Mithilfe dieses Prozesses können neue Wörter geschaffen werden, also „an eine Wurzel

1
Fleischer, Wolfgang/ Barz, Imrhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2. Aufl., Tübingen:
Max Niemeyer Vlg., 1995, S. 178.
2
Duden: Die Grammatik. 9. Aufl., Berlin: Dudenverlag, 2016, S. 645.
3
Glück, Helmut (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 2. erweiterte Aufl., Stuttgart: J. B. Metzler Vlg., 2000, S.
159.
4
Duden: Die Grammatik. 9. Aufl., Berlin: Dudenverlag, 2016, S. 645.
bzw. einen Stamm wird ein Derivationsaffix angehängt (freund - lich, Spiel - er, Ge -
fühl).“ Die Wurzel kennzeichnet die Derivationsbasis, der ein Derivationsaffix hinzugefügt
wird. Demzufolge entsteht nach dem Wortbildungprozess ein Derivat.5

Nach der Position des Affixes im komplexen Stamm unterscheidet man Präfixe, Suffixe
und Zirkumfixe.6

Das Präfix stammt von dem lateinischen praefīxum und bezieht sich auf ein Morphem, das
vor ein Wort angehängt wird (auch Vorsilbe gennant).7

Das Suffix kommt aus dem lateinischen suffixum,es ist auch ein Morphem, aber es wird am
Ende eines Wortes angehängt (auch Nachsilbe gennant).8

Das Konfix stammt im Deutschen ursprünglich aus dem lateinischen configere


„zusammenfügen“. Es ist ein Morphem, das sich nur zusammen mit anderen Morphemen
wiederfindet, um Wörter zu bilden, z. B. fanat- in Fanatiker, -nom in Agronom.9

Weiter werde ich mich mit den Diminutivsuffixen beschäftigen, weil diese die wichtigsten
Affixe sind, . die sowohl das Rumänische als auch das Deutsche im Prozess der Bildung
von Diminutiven anwenden.

1.1. Diminutive im Deutschen (Diminutivsuffixe)

Wie die Autoren Sahel und Vogel zeigen, „ist die Derivation ein hochproduktiver
morphologischer Prozess im Deutschen.“ Mithilfe der Derivationsaffixen wird die Sprache
durchgehend mit neuen Lexemen bereichert. Bei diesem Vorgang beteiligen sich sowohl
Präfixe als auch Suffixe. Infolgedessen differenziert sich die Derivation zwischen
Präfigierung und Suffigierung.10

5
Sahel, Said/ Vogel, Ralf: Einführung in die Morphologie des Deutschen. Darmstadt: WGB Vlg., 2013, S. 98.
6
Glück, Helmut (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 2. erweiterte Aufl., Stuttgart: J. B. Metzler Vlg., 2000, S.
667.
7
Ebd., S. 542.
8
Ebd., S 709.
9
Ebd., S. 362.
10
Sahel, Said/ Vogel, Ral: Einführung in die Morphologie des Deutschen. Darmstadt: WGB Vlg., 2013, S. 98.
Nach Fleischer und Barz, zeigt die Suffigierung innerhalb der Derivation die reichste
Produktivität.11

Die Diminutiva drücken nicht nur die Verkleinerung aus, sondern enthalten zur gleichen
Zeit auch eine emotionale Konnotation. Dieses Phänomen manifestiert sich vornehmlich im
Bereich der Substantive.12

Allerdings hebt Michael Lohde hervor, dass die Diminutivsuffixe auch im Adjektiv- und
Verbbereich auftreten, z. B. höf-lich, tänz-eln). Aber diese Diminuierung ist viel
unwichtiger als diejenige der Substantive.13

Am angegebenen Ort wird die Tatsache erwähnt, dass die Diminutivsuffixe „– mit
semantischen Nuancen – auch beim Adjektiv (bläu-lich) und beim Verb (hüst-eln)
begegnen werden“.14

Aber ich neige dazu, in Frage zu stellen, ob das -lich-Suffix eigentlich ein Diminutivsuffix
ist. Denn die obige Paradigmen nicht plausibel sind, also sie drücken nur Nuancen oder
Abschwächungen der Bedeutungen der Wörter, aber auf keinen Fall eine Verkleinerung.
Meiner Meinung nach haben diese Sprachforscher eine Konfusion gemacht, z. B. weder bei
bläulich, noch bei höflich geht es um eine Verkleinerung.

Nach dem Duden-Universalwörterbuch15 bedeutet bläulich: etwas “leicht blau getönt, ins
Blaue spielend“, aber es wird nicht darauf hingewiesen, dass bläulich eine
Verkleinerungsform von blau ist, dasselbe gilt für rötlich („sich im Farbton dem Rot
nähernd, ins Rote spielend“). Oder höflich („in seinem Verhalten anderen Menschen
gegenüber) aufmerksam u. rücksichtsvoll, so, wie es die Umgangsformen gebieten”).

Nach der Duden Grammatik haben die Adjektive mit der –lich Endung die folgenden
Transpositionarten: vergleichend (z.B. freundlich) bzw. possesiv (i.S.v. haben) (z.B.
leidenschaftlich). Hinzu kommt eine Modifikationart, nämlich Gradation (semantische
Merkmale: nur annährend, ein wenig), z. B. kränklich.16
11
Fleischer, Wolfgang/ Barz, Imrhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4. Aufl., Berlin: de
Gruyter Vlg., 2012, S. 118.
12
Lohde, Michael: Wortbildung des modernen Deutsch. Tübingen: Gunter Narr Vlg., 2006, S. 120.
13
Ebd.
14
Fleischer, Wolfgang/ Barz, Imrhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2. Aufl., Tübingen:
Max Niemeyer Vlg., 1995, S. 178.
15
Duden: Deutsches Universalwörterbuch. 7. Aufl., Mannheim 2011 [CD-ROM].
16
Duden: Die Grammatik. 9. Aufl., Berlin 2016, S. 769f.
Also kann das –lich Suffix nicht wirklich eine Verkleinerung ausdrücken, sondern drückt
nur eine Schattierung der Grundbedeutung eines Wortes aus.

Die Substantive stellen die Basis einer Sprache dar, ungefähr 50 - 60%. Ihnen kommt die
wichtigste Rolle in der Wortschöpfung zu, weil diese nicht nur Quantität, sondern auch
Qualität bringen. „Die Modelle für die Bildung von Substantiven zeigt eine Vielfalt und
Produktivität, die von den anderen Wortarten nicht erreicht wird“.17

Die folgende Tabelle stellt eine kurze Übersicht über die wichtigsten Diminutivsuffixe der
deutschen Sprache dar.18

Modifikationsart Suffixe Beispiele Erläuterungen


Diminierung -chen das Kindchen verniedlichende,
-lein Tischlein wohlwollend-
-le, -el Häusle, Kindel ironisierende
Bewertung
-i die Mutti Koseform

Andere Diminutivsuffixe: -ling; -el; -ette; -elle, -ine, -i

Seltener erscheint die Diminution mit -ling, z.B. „der Dichterling, oder -el, z. B. der
Bändel, sowie die Diminution mit Fremdsuffixen, die meist Feminina sind, wie –ette, -elle
oder -ine, z. B. die Operette, die Frikadelle, die Sonatine“.19

Die Diminutivbildungen mit -el haben nicht immer das gleiche Genus wie das
Ausgangswort: „der Knöchel (der Knochen), aber das Büschel (der Busch). Eigentlich kann
auch -chen noch angefügt werden: das Knöchelchen, aber diese Form ist neutral und wird
eine noch höhere Verkleinerungsstufe ausdrücken (ein sehr kleiner Knochen)“.20

Im Grunde bilden die Diminutivsuffixe im Deutschen Neutra. Eine Ausnahme kommt bei
den Diminutivsuffixe -i und -el vor.21

17
Fleischer, Wolfgang/ Barz, Imrhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4. Aufl., Berlin: de
Gruyter Vlg., 2012, S. 117.
18
Duden: Die Grammatik. 9. Aufl., Berlin: Dudenverlag, 2016, S. 743.
19
Donalies, Elke: Dem Väterchen sein Megahut. Der Charme der deutschen Diminution und Augumentation
und wie wir ihm gerecht werden, in: Breindl, Eva/Gunkel, Lutz/Strecker, Bruno (Hrsg.): Grammatische
Untersuchungen, Analysen und Reflexionen. Festschrift für Gisela Zifonun. Tübingen: Gunter Narr Vlg.,
2006, S. 39.
20
Lohde, Michael: a.a.O., S. 122.
21
Donalies, Elke: a.a.O., S. 38.
Bezüglich des Diminutivsuffixes -i berichtet Elke Donalies in ihrem Aufsatz, dass es immer
mehr in Gebrauch kommt, z. B. Brummi, Ami, Ersti (Erstsemestler).22

Fleischer und Barz erwähnen, dass „die Derivate mit dem Suffix -i sowohl Maskulina, als
auch Feminina sein können.“ Die meisten sind Apellativa, auch Vor- und Familiennamen.
Nach der Suffigierung kann die Wurzel gekürzt werden.23

a) „Mutter → die Mutti, Vater → der Vati


b) Gisela → Gisi, Schröder → der/die Schrödi“

Üblicherweise wird dieses Diminutivsuffix nur in der mündlichen Sprache gebraucht,


desshalb findet die Wortkürzung statt.24

Aber die wichtigsten substantivischen Diminutivsuffixe sind -chen und -lein,


andererseits wird -chen am häufigsten verwendet.

Wie Steffan Ettinger zeigt, wurden im 18. Jh. fast nur Substantive und Eigennamen
diminuiert.25

„Das Suffix -chen existierte im Mhd. als -chīn; im Niederdeutschen sowie im


Niederländischen erscheint es zudem in der Variante -ken. Dagegen hat -lein (mhd. -līn)
seinen Urspung im Oberdeutschen“.26

Auch Ettinger, der nach Pfennig zitiert, drückt die Meinung aus, dass die -lein-Bildungen
edler und poetischer als die -chen-Bildungen sind.27

Das Suffix -chen wird “aus Aussprachegründen üblicherweise nicht an Substantive


angefügt, die auf -ch, -g oder -ng auslauten. Stattdessen nutzt man -lein: Buch → Büchlein,
Zweig → Zweiglein, Ring → Ringlein“.28

Im Gegenteil wird -chen gebraucht, „wenn -l(e) vorliegt, wobei es zur Tilgung des Vokals
-e kommt: Spiel →Spielchen, Keule → Keulchen. Anders verhält es sich mit dem Auslaut
-el. Hier sind prinzipiell immer beide Suffixe anfügbar. Allerdings entfällt bei -lein
22
Dies., a.a.O., S. 39.
23
Duden: Die Grammatik. 9. Aufl., Berlin: Dudenverlag, 2016, S. 744.
24
Ebd.
25
Ettinger, Stefan: Form und Funktion in der Wortbildung. Tübingen: TBL Vlg., 1974, S. 60.
26
Lohde, Michael: a.a.O., S. 120.
27
Ettinger, Stefan: a.a.O., S. 61.
28
Lohde, Michael: a.a.O., S. 121.
gewöhnlich das schwachtonige -e, während es bei -chen erhalten bleibt: Spiegel →
Spieglein, Spiegelchen; Vogel → Vöglein, Vögelchen. Neben -e tilge man ebenfalls -en
Auslaut: Garten → Gärtchen, Gärtlein; Kasten → Kästchen, Kästlein“.29

Die Umlautung der Diminutive. Im Vorgang der Diminuierung findet meist die
Umlautung des Stammvokals statt. Zwischen -chen und -lein gibt es Unterschiede. „So ist
der Umlaut bei -lein obligatorisch, während er bei -chen in bestimmten Fällen fällt. Dazu
zählen vor allem Personen- und Verwandtschaftsbezeichnungen sowie der große Bereich
der Vornamen, z. B. Mama → Mamachen, Tante → Tantchen, Oskarchen, Paulchen. Dass
dies kein durchgängiges Prinzip ist, beweisen Formen wie Brüderchen (zu Bruder) und
Hänschen (zu Hans)“.30

Folglich differentiert der Gebrauch von -chen und -lein sowohl phonologisch, als auch
geographisch.31

„Semantische Differenzierung besteht zwischen -chen und -lein nur in einigen Fällen
unterschiedlicher Idiomatisierung: Männchen und Weibchen bezieht sich nur auf Tiere,
während Männlein und Weiblein nur auf Menschen.“32

Ein anderes Beispiel kann bei der Diminuierung des Substantivs „Frau“ wahrgenommen
werden, Frauchen für eine kleine Frau und Fräulein für eine unverheiratete Frau.33

Vielmals können die Diminutive auch Phraseologismen bilden, „-chen und -lein sind dann
nicht austauschbar: aus dem Haüschen sein, sich ins Fäustchen lachen.“ Die beiden
Phraseologismen werden nur umgangssprachlich verwendet.34

Hier seien einige übliche Beispiele gegeben, um den Unterschied in der Verwendung der
Diminutiven mit -chen- und -lein-Suffixen besser zu sehen. Die Beispiele habe ich von

29
Ders.: a.a.O., S. 121.
30
Lohde, Michael: a.a.O., S. 121.
31
Fleischer, Wolfgang/ Barz, Imrhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2. Aufl., Tübingen:
Max Niemeyer Vlg., 1995, S. 179.
32
Ebd., S. 180.
33
Duden: Deutsches Universalwörterbuch. 7. Aufl. Mannheim 2011 [CD-ROM].
34
Fleischer, Wolfgang/ Barz, Imrhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2. Aufl., Tübingen:
Max Niemeyer Vlg., 1995,S. 182.
Gustav Muthmanns Rückläufiges deutsches Wörterbuch übernommen, gleichzeitig habe ich
das Duden-Bibliothek Universalwörterbuch in digitaler Form zu Hilfe genommen.

-chen -lein -chen/-lein

Bübchen Büchlein Schäfchen/Schäflein

Körbchen Bächlein Stündchen/Stündlein

Kärtchen Dächlein Vögelchen/Vöglein

Glöckchen Kirchlein Äugchen/Äug(e)lein

Pröbchen Tischlein Blümchen/Blüm(e)lein

Tränchen Dinglein Weibchen/Weiblein

Bildchen Ringlein Frauchen/Fraulein

Köpfchen Züglein Brötchen/Brötlein

Einige Autoren sind der Meinung, dass der Gebrauch von -lein-Diminutiven veraltet ist
(siehe Stefan Ettinger, Form und Funktion in der Wortbildung, S.61). Parallel gibt es
Situationen, in denen man für die Diminuierung eines Wortes begrenzt ist, und nur das
-chen bzw. -lein-Suffix benutzen kann.