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HUSSERLS ENCYCLOPAEDIA-BRITANNICA ARTIKEL UND HEIDEGGERS ANMERKUNGEN

DAZU
Author(s): Walter BIEMEL
Source: Tijdschrift voor Philosophie, 12de Jaarg., Nr. 2 (MEI 1950), pp. 246-280
Published by: Peeters Publishers/Tijdschrift voor Filosofie
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/40879184
Accessed: 04-07-2017 15:53 UTC

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HUSSERLS ENCYCLOPAEDIA-BRITANNICA
ARTIKEL UND HEIDEGGERS
ANMERKUNGEN DAZU

von Walter BIEMEL (Löwen)

In den folgenden Ausführungen sollen einige grundlegende Be


der Phänomenologie Husserls erörtert werden, vor allem auf Grun
verschiedenen Entwürfe für den Encyclopaedia-Britannica Arti
er im Herbst 1927 ausgearbeitet hat. In diesen Entwürfen ver
Husserl, in konziser Form das Wesen der Phänomenologie ausein
zulegen. Das Husserl- Archiv besitzt die verschiedenen Entwürfe
eine kritische Stellungnahme Heideggers dazu, auf die zum Sc
eingegangen werden soll '

1. Im Husserl- Archiv zu Löwen befinden sich folgende Entwürfe (in Mas


schrift) zum EncyclopaediarArtikel : M III 10 I, 1 ; M III 10 I, 2 ; M III 10
2, 3, 4, 5, 6. Da die Grundsignatur M III 10 immer gleich bleibt, zitieren wir bl
jeweils distinktiven Zeichen (I, 1 ; III, 1, etc.) Die Transkriptionen wurde
Landgrebe gemacht, in verschiedenen Texten befinden sich auch Anmerkungen v
Über das Verhältnis der verschiedenen Fassungen wäre folgendes zu sagen. Sie s
aus dem Herbst 1927. Die zeitliche Entstehungsfolge ist unserer Ansicht nach fo
Zuerst schrieb Husserl den Text III, 1 (III, 2 ist eine Kopie davon). Die ers
Seiten dieses Entwurfes wurden vermutlich während Heideggers Besuch von
verfasst. Die letzten 10 Seiten desselben fügte er später hinzu und sandte sie He
nach Messkirch.
Auf Grund des ersten Entwurfes schrieb Heidegger selbst den Anfang einer neuen
Fassung (der sich in der Mappe III, 3 befindet), die von Husserl fortgesetzt wurde
(III, 3).
Die folgende Ausarbeitung ist die ausführlichste von allen : III, 4 (5 und 6 sind
blosse Durchschläge derselben). Husserl bemerkte selbst dazu «Endfassung». Da ihm
diese Fassung als Beitrag für die Encyclopaedia-Britannica vermutlich zu lang erschien
(43 Seiten), schrieb er eine neue, bzw. stellte er auf Grund der schon vorhandenen eine
neue zusammen (I, 1). Der 1. Abschnitt derselben stimmt mit III, 4 überein, mit

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 247

Der Aufbau des Artikels, zu dem Husserl nach verschieden


sätzen gekommen ist, lässt sich wie folgt skizzieren : Im I. A
wird die Idee einer reinen Psychologie behandelt ; im II. Abs
Verhältnis der Psychologie zur transzendentalen Phänomenol
III. Abschnitt schliesslich eine Wesensbestimmung der transze
Phänomenologie.
Jeder Abschnitt sei etwas eingehender analysiert. Die erste Fr
sich stellt, wenn wir das Gelüst des Entwurfes zunächst rein
betrachten, lautet : Weswegen beginnt Husserl seine Ausführ
einer Auseinanderlegung der « reinen Psychologie » ? Noch v
Frage muss aber erörtert werden : Was versteht Husseri un
« reinen Psychologie » ?
In der 2. Ausarbeitung des Artikels, dessen 11 erste Se
Heidegger geschrieben wurden - auf Grund des vorliege
Entwurfes - wird die Frage nach der reinen Psychologie in d
aufgespalten : « Die Aufklärung des Verständnisses der I
reinen Psychologie erfordert die Beantwortung dreier Frage
gehört zum Gegenstand der reinen Psychologie ; 2. welch
Zugangs- und Behandlungsart, die dieser Gegenstand gemäs
eigenen Verfassung verlangt; 3. welches ist die grundsätzliche
der reinen Psychologie ? » (III, 3, S. 4)
Der Gegenstand der allgemeinen Psychologie ist die Erforsc
Gesamtheit der Bewusstseinsweisen des Menschen (Denken,
Wollen). Das Studium der Bewusstseinsweisen erschöpft j

Ausnahme der ersten 4 Seiten, die Fortsetzung ist jedoch viel konziser. W
Text von III, 4 durchgehend geschrieben ist, ohne besondere Gliederung in P
hat Husserl bei der letzten Ausarbeitung diese Gliederung vollzogen. In der A
tung I, 1 sind ausserdem Blätter von III, 4 übernommen, was auch darau
lässt, dass die Ausarbeitung I, 1 die letzte ist.
In der Mappe III, 3 liegt der Brief Heideggers an Husserl, mit seinen Beme
zum Text des ersten Entwurfes, ausserdem befinden sich in der 2. Hälfte de
verschiedene Randbemerkungen Heideggers zum Text.
Die Veröffentlichung des Encyclopaedia-Textes wird von Prof. Dr. Strasser
tet. Er soll in dem Band « Phänomenologie und Psychologie » erscheinen, der
einen Neuabdruck des Logos-Artikels enthalten wird, sowie andere Texte
Fragenbereich.

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werden kan
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pologie, bzw. Zoologie. Animalische Realitäten sind zunäc


Grundschicht nach physische Realitäten. Als das gehören si
geschlossenen Zusammenhang der physischen Natur, der
ersten und prägnanten Sinne, welche das universale Thema ein
Naturwissenschaft ist, d.i. einer in konsequenter Einseitigkeit
ausserphysischen Bestimmungen der Realität absehenden ob
Wissenschaft von der Natur. In diese ordnet sich die wissenscha
Erfahrung der animalischen Körper ein. Soll nun demgegen
animalische Welt hinsichtlich ihres Psychischen zum Thema w
ist zunächst zu fragen, inwiefern in Parallele mit der reine
wissenschaft eine reine Psychologie möglich ist. » (I, 1, S. l
Aus diesem Zitat wird auch deutlich, dass der Begriff d
heit der Psychologie in Anlehnung an die Reinheit de
Naturwissenschaften gedacht ist. So, wie es eine reine
Naturwissenschaft gibt, müsste es auch eine reine Psychologie geben.
Der Ausdruck «so wie» muss näher bestimmt werden. Er bedeutet
nicht, dass eine reine Psychologie als reine Naturwissenschaft geschaf-
fen werden muss - wir sahen ja gerade, wie das nicht möglich ist, da
die reine Naturwissenschaft vom Seelischen absieht, das animal als
physisches Wesen betrachtet während andererseits die reine Psycho-
logie von allen physischen Vorgängen absieht. « So wie » meint hier
« in Entsprechung ». Entsprechend der reinen Naturwissenschaft müsste
es nach Husserl eigentlich auch eine reine Psychologie geben. Um das
Wesen dieser Entsprechung schärfer zu fassen, müssen wir sehen, was
für Husserl das Ausschlaggebende der reinen Naturwissenschaft ist, mit
anderen Worten, worin ihre Reinheit besteht und welche Bedeutung
der Reinheit zukommt.

Nicht alle Naturwissenschaften sind reine. Der Gegensatz zur


reinen Naturwissenschaft ist die empirische. Husserl übernimmt
also cum grano salis die kantische Gegenüberstellung von rein und
empirisch. Die empirischen Naturwissenschaften beschäftigen
sich, je nach ihrer spezifischen Intention, mit den jeweiligen Natur-
gegebenheiten ihres Gebietes, den faktisch antreffbaren
Natur gegenständen bzw. Ereignissen. Die reinen Na-

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250 Walter BIEMEL

turwissenschaf
sind apriorisch
Geometrie, d
Disziplinen be
sondern bilden
haupt». (I, 1,
Formensystem
Empirie Anteil
wissenschaft
Begriffe und R
Begriffe und G
Naturwissenschaften besteht also in dem Absehen von allem fak-
tisch Gegebenen und dem Hinsehen auf das möglicherweise
zu Gebende, das will sagen, das möglicherweise Denkbare als
solche. Dieses ist keineswegs ein absolut Beliebiges, es muss vielmehr
den Gesetzen der entsprechenden Disziplin gehorchen. Durch den
Ausdruck des Möglichen soll bloss angezeigt werden, dass die Gesetze
einer reinen Disziplin nicht der Erfahrung entstammen, nicht an dem
faktisch Vorkommenden abgelesen sondern vielmehr apriori vorge-
schrieben werden. Um auf ein bekanntes Beispiel hinzuweisen : ob ein
geometrisches Rechteck in der faktisch gegebenen Natur je vorkommt,
interessiert den Geometer nicht, er hat sich nicht nach den Gesetzen
des faktisch Vorfindbaren zu richten, sondern bloss nach den Gesetzen
bzw. Regeln, die durch die Axiome seiner Disziplin vorgeschrieben
sind.

Die Gegenüberstellung von rein und empirisch ist zugleich


eine Gegenüberstellung von wesensmässig und faktisch.
Husserl war - von der Mathematik herkommend - geradezu fasziniert
von den Erfolgen der reinen Naturwissenschaften und ihrer Rolle für
die empirischen Naturwissenschaften. Der Gedanke, für das Gebiet des
Psychischen, des Geistes überhaupt, etwas Analoges zu schaffen, hat ihn
Zeit seines Lebens besessen. Selbstverständlich dachte er sich das nicht
als eine pure Nachahmung der Verhältnisse, die in den Naturwissen-
schaften bestehen. Wiederholt sträubt er sich ganz ausdrücklich gegen

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 251

alle Versuche, das Gebiet des « Psychischen » durch naturwi


lich exakte Forschung bestimmen zu wollen, sowohl in
Vorlesungen (1907) 2, als auch in den Ideen I (1913) und de
Schriften, ganz besonders der «Krisis» (1936-37), aber
trotzdem, dass für das Gebiet des Seelischen auch eine aprioris
Psychologie geschaffen werden müsste, die die Grundla
empirischen Psychologie-Forschungen bilden sollte.
« So wesentlich naturwissenschaftliche und psychologisch
auch unterschieden bleiben - sagt er im zitierten Encyclop
wurf - darin besteht ihre notwendige Gemeinsamkeit, das
Psychologie, wie jede Wissenschaft, ihre ,Strenge' (,Exak
schöpfen kann aus der Rationalität des ,Wesensmässigen' »
Wir sind so unversehens zu dem grundlegenden Unterschie
tischem und Wesensmässigem gelangt, der die Vorausse
Phänomenologie bildet, die von Husserl ausdrücklich als Wes
schaft vorgestellt wurde. (Vgl. ganz besonders das I. Kap
Abschnittes der Ideen I.) Zugleich wird deutlich, wie Husse
haupt zu diesem grundlegenden Unterschied kam, welche w
Rolle dabei das Vorbild der Naturwissenschaften (d.h. der
herrschenden Beziehung zwischen reiner und empirischer F
gespielt hat. Es ist so keineswegs ein Zufall, wenn er als ers
ein Beispiel aus dem Gebiet der Naturwissenschaften anführ
rungswissenschaften sind , Tatsach e n'wissensch
Die fundierenden Erkenntnisakte des Erfahrens setzen Real
viduell, sie setzen es als räumlich-zeitlich Daseiendes, a
das an dieser Zeitstelle ist, diese seine Dauer hat un
Realitätsgehalt, der seinem Wesen nach ebensogut an jeder
Zeitstelle hätte sein können ; wiederum als etwas, das an d
in dieser physischen Gestalt ist (bzw. mit Leiblichem dieser
eins gegeben ist), wo doch das Reale, seinem eigenen W
betrachtet, an jedem beliebigen Ort, mit jeder beliebige
ebensogut sein könnte, desgleichen sich ändern könnte, w

2. « Die Idee der Phänomenologie », Fünf Vorlesungen aus 1907, ers


bei Martinus Ni j hoff, Den Haag.

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252 Walter BIEMEL

faktisch ungeä
wie es sich fak
u. phänomenol
Zunächst gil
gie zu erläuter
weil sie von al
absieht. Dann w
Reinheit der Na
sollte also von
den, anderers
spruch, der da
ersten Falle ha
zweiten Fall um
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Die Aufgabe
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sein, Bewussts
haupt undenk
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schafft ein un
unmittelbar...
Auf Grund der
- a priori hier
leben gehört, o
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Empirisch-psy
Naturwissensc

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 253

darin, dass beide nicht von faktischen Gegebenheiten ausgehen


von der Wesenserkenntnis. Ob die Wesenserkenntnis in den beiden
Gebieten die gleiche sein kann, ist jedoch gerade fraglich, allerdings
nicht für Husserl. Es sei hier bloss darauf hingewiesen, dass in den
reinen Naturwissenschaften durch den Entwurf der Naturwissenschaft-
ler, will sagen : durch das Ansetzen der obersten Axiome das betreffen-
de Gebiet von vornherein in seiner Struktur bestimmt ist, während das
Vorgehen des Psychologen nicht das gleiche sein kann, da er ja seine
Forschungsgegenstände nicht konstruiert.
Anders ausgedrückt : beide, der Geometer und der Psychologe
müssen sich an Wesensgesetze ihres Gebietes halten, aber diese Wesens-
gesetze sind in einem Falle durch den konstruierenden Entwurf des
Wissenschaftlers bestimmt, während im zweiten Falle keine grundle-
genden Axiome ansetzbar sind, aus denen alle Gesetzmässigkeiten
ableitbar wären. Husserl scheint diesen Unterschied nicht genügend zu
berücksichtigen.
Mit dem Erfassen des Rein-seelischen, d.h. des Bewusstseinsapriori ist
aber der Mensch noch nicht als Ganzes erf asst. Husserl weist darauf hin,,
dass die reine Psychologie die Wissenschaft von der Seele nicht
erschöpft ; dazu gehört noch das Wissen vom psycho-physischen Aprio-
ri, vom Leib-Seele Zusammenhang. Das ist allerdings nur möglich nach
dem Herausarbeiten des eigentlich psychischen Apriori, deswegen hat
die reine Psychologie einen gewissen Vorrang, muss aber ergänzt
werden durch das Herausstellen des rein physischen Apriori, also der
Wesensgesetzlichkeit des organischen Körpers. «Allerdings ist das
phänomenologische Apriori nicht das vollständige der Psychologie»
sofern der psycho-physische Zusammenhang als solcher sein eigenes
Apriori hat. Es ist aber klar, dass dieses Apriori das der rein phänome-
nologischen Psychologie voraussetzt, wie nach der anderen Seite das
reine Apriori einer physischen (und speziell organischen) Natur
überhaupt.» (I, 1, S. 11)
In den Encyclopaedia-Entwürfen geht Husserl aber nicht weiter auf
das psycho-physische Apriori ein, sondern widmet seine Überlegungen
des I. Abschnittes - wie schon gesagt - der reinen Psycho-

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254 Walter BIEMEL

logie, also der


lebens erfasst,
Weise zu finden
bestimmt.
Bevor versucht wird, gleichsam die inhaltliche Gliederung der reinen
Psychologie zu geben, soll ein Begriff näher erörtert werden, der von
Husserl mit dem der reinen Psychologie indentifiziert wird - nämlich
den Begriff der phänomenologischen Psychologie. Weswegen nennt
Husserl die reine Psychologie auch phänomenologische ? Was heisst
hier überhaupt phänomenologisch ? Wodurch unterscheidet sich die
phänomenologische Psychologie von der Psychologie kurzweg ?
Mit dem Versuch der Beantwortung dieser Fragen vollziehen wir
zugleich den Übergang von dem zuerst aufgeworfenen Problem - dem
Gegenstand der reinen Psychologie - zum Problem der M e -
thode. Es wird hierbei ersichtlich, wie der erste Punkt nur im
Zusammenhang mit dem zweiten behandelt werden kann.
Alle psychischen Erlebnisse sind eine Art Bewusstsein von... Das sie
erlebende Subjekt ist in dem Erleben gerichtet auf... Diese Einstellung
ist die natürliche, jeder Mensch befindet sich immer schon in ihr - sie
gehört also zu seiner Natur, zum Wesen des Psychischen überhaupt.
Husserl pflegt gewöhnlich seine Erörterungen mit der Kennzeichnung
der natürlichen Einstellung zu beginnen. So sagt er beispielsweise am
Anfang der ersten Vorlesung von « Die Idee der Phänomenologie » :
« In der natürlichen Geisteshaltung sind wir anschauund und denkend
den Sachen zugewandt, die uns jeweils gegeben sind, wenn auch
in verschiedener Weise und in verschiedener Seinsart, je nach Erkennt-
nisquelle und Erkenntnisstufe. » 3 Die natürliche Einstellung nennt er
auch Geradehin-Einstellung, weil sie gleichsam geradlinig von dem
Subjekt zum Objekt verläuft.
« So, geradehin uns bewusst betätigend, sind in unserem Blick aus-
schliesslich die jeweiligen Sachen, Gedanken, Werte, Ziele, Hilfsmit-
tel... » (1, 1, S. 3) Insofern, als nun Husserls Parole - die heute grossen

3. Op. cit., S. 17.

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 255

Widerhall findet - « zu den Sachen selbst » lautet, müsste m


men, dass diese, den Sachen unmittelbar zugewendete Einst
eigentlich phänomenologische ist. Mitnichten. Die natürlich
lung muss überwunden werden, wenn wir zur Phänomenologie v
gen wollen - nur deswegen beginnt Husserl immer und imm
damit, die natürliche Einstellung zu schildern, weil sie die un
gegebene ist, die verlassen werden muss. Diese Überw
bzw. dies Verlassen heisst nun keineswegs, dass die Mens
alltäglichen Leben es aufgeben müssten den Sachen zug
zu sein - das ist ganz unmöglich. Die « Sachen » im Sinne de
sind nun einmal das, worauf die Menschen immer zuerst sto
das geschieht, liegt in der Struktur des Psychischen, die Hu
tentionalität nennt. Er sagt : « Der terminologisch aus
lastik herstammende Ausdruck für jenen Grundcharakter de
Bewusstseins von etwas ist , I n t e n t i o n a 1 i t ä t ' . In
refelktierten Bewusst-haben irgendwelcher Gegenstände sin
diese gerichtet', unsere ,intentio' geht auf sie hin... dieses Geric
(ist) ein den betreffenden Erlebnissen immanenter Wesenszu
intentionale' Erlebnisse. » (1, 1, S. 3f.) In einem anderen Entw
die entsprechende Stelle : « In allen reinen seelischen Erlebn
Wahrnehmen von etwas, in der Erinnerung an etwas, im Sich
von etwas, im Urteilen über etwas, im Wollen von etwas, im Sic
an etwas, im Hoffen auf etwas usw.) liegt von Hause aus ein
sein auf... Die Erlebnisse sind intentionale. Dieses Sichbezieh
wird dem Psychischen nicht erst nachträglich und zuweilen
zufällige Relation angeknüpft, gleich als könnten die Erlebn
was sie sind, ohne die intentionale Beziehung. Vielmehr beku
mit der Intentionalität der Erlebnisse die Wesensstruktu
rein Psychischen. » (III, 3, S. 4) Die Intentionalität wird von
oft im Bild des Bewusstseinsstrahles dargestellt, dessen ursp
Richtung eben die geradeaus auf die Objekte ist.
Die Psychologie muss die verschiedenen Formen der Intent
die die jeweiligen Bewusstseinsakte charakterisieren, zu erf
suchen. Um das aber zu können, muss sie die Geradehin-Eins

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256 Walter BIEMEL

Frage stellen, zu
indem der Forsch
sich selbst zurü
Umgebung, den
erfasst er in der
Einstellung h
Einstellung. In
werden. Die Inte
geschaffen, sie
Bestand erkann
selbst-klar-werde
Für Husserl ist
erst durch sie i
auch die « refle
die Lektüre Fich
schaftslehre kön
von Husserl wort- wörtlich übernommen werden. » ...in allem blossen
Wissen von dem Ziehen der Linie, von den Verhältnissen der Teile
eines Triangles, und welcherlei Wissen es noch sonst geben mag, wäre
das Wissen in seiner absoluten Identität, eben als Wissen,
der eigentliche Mittelpunkt und Sitz des - Wissens vom Linien-
ziehen, Verhältnis der Teile des Triangles usw. In ihm eben und seiner
Einheit, würde von allem, so verschieden dasselbe auch sonst sein mag,
dennoch auf einerlei Weise g e w u s s t , in dem von uns bezeich-
neten Sinne ; keineswegs aber vom Wissen, als solchem, gewusst, weil
ja eben nicht vom Wissen, sondern vom Linienziehen u.dgl. gewusst
wird. Das Wissen wäre eben, als Wissen, und wüsste eben, weil es
wäre ; aber es Wüsste nicht von sich, eben weil es bloss wäre. Im Wis-
sen vom Wissen aber w^ürde dieses Wissen selbst durchaus als
solches mit Einem Blicke, und darum als sich selbst gleiche Einheit,
aufgefasst ; gerade so wie im Wissen das Linienziehen usw. als sich
selbst gleiche Einheit aufgefasst wurde. Im Wissen vom Wissen ent-
äusserte das Wissen sich seiner selbt, und stellte sich ihn vor sich selbst,
um sich wiederum zu ergreifen. » (Wissenchaftslehre von 1901, IV, S.

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 257

7f.) Selbstverständlich darf der Vergleich nicht zu weit getr


den, er besteht vor allem in der Anerkennung der Reflexion a
licher Methode der Philosophie, während das Wesen des Hu
und Fichteschen Ich sonst verschieden sind.
Durch die Reflexion werden die Bewusstseinserlebnisse selbst zu
« Gegenständen » und können als solche untersucht werden. Durch sie
wird - wie schon gesagt - der Strahl der intentio auf sie selbst
zurückgebeugt, er wendet sich auf sich selbst. Diese Rückwendung ist
zugleich eine Rückführung von dem gewöhnlichen Gegenstand
des Gegebenseins zum neuen «Gegenstand», den Erlebnissen selbst.
Die Rückführung ist eine Reduktion. Der frühere Gegenstand
bleibt ausser Spiel, wird in Klammern gesetzt, um die Aufmerksamkeit
auf den neuen zu lenken. In dem von Heidegegr verfassten Entwurf
lesen wir deshalb : « Die Umwendung des Blickes aus der unreflektier-
ten Wahrnehmung, z.B. eines Naturdinges auf dieses Wahrnehmen
selbst hat das Eigenwesentliche, dass sich in ihr die zuvor auf das Ding s
gerichtete Erfassungstendenz aus der unreflektierten Wahrnehmung
zurückzieht, um sich auf das Wahrnehmen als solches zu richten. Diese
Rückführung (Reduktion) der Erfassungstendenz aus der Wahrneh-
mung heraus und die Umstellung des Erfassens auf das Wahrnehmen
ändert an der Wahrnehmung so wenig etwas, dass die Reduktion gerade
die Wahrnehmung als das was sie ist zugänglich macht, nämlich als
Wahrnehmung von dem Ding. » (III, 3, S. 7)
Die eigentlichen « Sachen », zu denen die Phänomenologie vorstossen
will, sind also keineswegs die unmittelbar gegebenen Dinge und Gegen-
stände der natürlichen Einstellung, sondern die Erlebnisse, in
denen diese gegeben sind.
Noch ist aber die Frage unbeantwortet geblieben, weswegen diese
Überlegungen und Forschungen « phänomenologische » heissen.
Genauer formuliert : weswegen eine Betrachtung, die statt den « Din-
gen » den « Erlebnissen » zugewendet ist, dadurch phänomenologisch
wird.

Der Ausdruck « phänomenologisch » zeigt, dass es hier um « Phäno-


mene» geht. Die ursprünglich griechische Bedeutung von <palveo&<u

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258 Walter BIEMEL

ist « sich zeigen


gewöhnlichen S
nennen wir ein
zum Scheinen,
darf keinesfalls
Husserl keine G
Im Phänomen k
Erscheinung, zu
im Subjekt-sein
haben durch Be
Wollen usw.), in
in den verschiedenen Weisen des Gerichtetseins auf... kommt das
Seiende zum Vorschein. Diese Weise des Erscheinens durch eine Form
des Bewusstseins ist die für das Subjekt einzig mögliche. Das Erforschen
der Erscheinungsformen und d.h. zugleich der Gegebenheitsarten der
Gegenstände ist so notwendig eine phänomenologische. In einem
Manuskript aus 1907 (B II 1) gibt Husserl folgende Erläuterung des
Begriffes Phänomen. Dieser Begriff hat eine doppelte Bedeutung, er
meint Phänomen «im Sinne der Erscheinung, in der Objektität er-
scheint, 2) andererseits im Sinne der Objektität bloss insofern betrach-
tet, als sie in Erscheinungen eben erscheint, und zwar transzendental*,
unter Ausschaltung aller empirischen Setzungen. » (B II 1, Bl. 25 b)
Insofern als bei diesem Studium die Bewusstseinsarten, die Weisen
der Erlebnisse erfasst und beschrieben werden, handelt es sich um eine
phänomenologische Psychologie.
Der erste Schritt, der getan werden muss, ist also der Vollzug der
Reflexion. Sie gibt die Möglichkeit der Erfassung der Erlebnisse rein
als solcher, im Sinne einer adäquaten Deskription. Die so erfassten
Erlebnisse sind aber nur reine im ersten Sinne (s.o.), d.h. nicht durch
« physische » Betrachtungen « verunreinigte », aber sie sind noch nicht
reine in dem Sinne, der später erläutert wurde (Reinheit als Wesens-
gesetzlichkeit). Denn insofern wir uns hierbei auf die Beschreibung der
gerade gegebenen Erlebnisse beschränken, haben wir das Gebiet der

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 259

Faktizität noch nicht überschritten. Zu diesem Zweck muss der Rück-


gang, die Reduktion weiter geführt werden.
Der erste Schritt bestand in einer Einklammerung der unmittelbar
gegebenen gegenständlichen Welt des Seienden - die gerade die
Funktion hatte, den Blick zurückzuwerfen auf die Erlebnisse selbst.
Oder wie Husserl sagt : « Die universale Epoche hinsichtlich der
bewusst werdenden Welt (ihre ,Einklammerung') schaltet aus dem
phänomenologischen Feld die für das betreffende Subjekt schlechthin
seiende Welt aus, aber an ihre Stelle tritt die so und so bewusste
(wahrgenommene, erinnerte, beurteilte, gedachte, gewertete etc.) Welt
,als solche*, die ,Welt in Klammern', oder was
dasselbe, es tritt an die Stelle der Welt bzw. des einzelnen We
schlechthin der jeweilige Bewusstseinssinn in seinen versc
Modis (Wahrnehmungssinn, Erinnerungssinn usw.). » (I, 1, S
Der folgende Schritt wird darin bestehen, nicht bei der -
genauen - Beschreibung der intuitiv gegebenen Erlebnisse st
bleiben, sondern die Wesensgesetzlichkeit jeder Erlebnisform
zustellen, « was z.B. zu einer Wahrnehmung überhaupt, zu ein
len überhaupt je nach ihrem vollen intentionalen Strukturbestan
Also muss die reduktive Einstellung auf das reine Psychische,
zunächst als individuell faktischer Erlebniszusammenhang gibt
von aller psychischen Faktizität ». (III, 3, S. 8) Das Absehen v
Faktizität und das Hinsehen auf die jeweiligen Wesensges
Erlebnisarten ist das Ergebnis der eidetischen Red
die sich auf die zuerst erörterte phänomenologisch-psychologi
duktion aufbaut. Die Beiworte zu dem Ausdruck Reduktion sa
was in Klammern gesetzt wird, sondern jeweils, worauf zurü
gen wird. Das ist in der phänomenologisch-psychologischen R
das Psychische als Phänomen, in der eidetischen Reduktion da
der Erlebnisse, in der intersubjektiven Reduktion die Intersub
(die Subjektgemeinschaft).
Zur eidetischen Reduktion gehört notwendig die Meth
Variation. Das will sagen, um zu erfassen, was in dem faktisch
nen Erlebnis zur Erlebnisstruktur als solcher gehört, müssen

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260 Walter BIEMEL

suchen, das jew


Erlebnissen ve
Gemeinsame (I
ist das Eidos o
irrelevant, di
freie aber anschauliche Variation der faktischen Einzelseelen und
Seelengemeinschaften in apriori mögliche (erdenkliche) und richtet
sich nun der thematische Blick auf das in der Variation sich notwendig
durchhaltende Invariante, so erwächst damit bei systematischem Vor-
gehen ein eigenes Reich des , Apriori'. Es tritt damit der wesensnotwen-
dige Formstil hervor (Jas Eidos), der durch alles mögliche seelische
Sein in den Einzelheiten, den synthetischen Verbänden und abgeschlos-
senen Ganzheiten hindurchgehen muss... Psychologische Phänomeno-
logie ist in dieser Art zweifellos als ,eidetische Phänomenologie' zu
begründen, sie ist dann ausschliesslich auf die invariante Wesensform
gerichtet. » (I, 1, S. 9f.)
Ein « klassisches » Argument lässt sich jedoch gegen die Variation
vorbringen. Um sie vollziehen zu können, müssen wir jeweils schon
einen Vorbegriff dessen haben, was variiert werden soll, denn sonst
könnte es ja sein, dass wir ganz verschiedene Erlebnisse unter eine
Kategorie zu bringen versuchen, wobei dann die Variation notwendig
scheitern muss. Husserl erörtert die Möglichkeit dieser Kritik nicht.
Die Ausführungen über die eidetische Reduktion werden mit fol-
genden Worten geschlossen : « Schuf die phänomenologische Reduk-
tion den Zugang zu den ,Phänomenen' wirklicher und dann auch
möglicher innerer Erfahrung, so verschafft die in ihr fundierte Methode
der ,eidetischen Reduktion' den Zugang zu den invarianten Wesens-
gestalten der rein seelischen Gesamtsphäre. » (op. cit., S. 10)
Bevor auf die eingangs gestellte dritte Frage, die Funktion der
reinen Psychologie, eingegangen wird, seien die Erörterungen über
ihren Gegenstand zusammengefasst, d.h. die Stelle aus dem Entwurf
(I, 1) zitiert, wo Husserl selbst die Zusammenfassung vornimmt :
« Der systematische Aufbau einer phänomenologisch reinen Psycho-
logie erfordert :

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 261

1.) die Deskription der zum Wesen eines intentionalen


überhaupt gehörigen Eigenheiten, wozu auch das allgeme
der Synthesis gehört : jede Verknüpfung von Bewusstsein m
sein ergibt Bewusstsein.
2.) die Erforschung der Einzelgestalten intentionaler Er
in einer Seele überhaupt in Wesensnotwendigkeit auftre
oder auftreten können ; in eins damit die Erforschung der W
zugehöriger Synthesen, der kontinuierlichen und diskreten,
geschlossenen oder in offener Unendlichkeit fortzusetzenden
3.) die Aufweisung und Wesensdeskription der Gesamt
Seelenlebens überhaupt, also die Wesensart eines universal
seinsstromes'.

4.) eine neue Untersuchungsrichtung bezeichnet der Tit


unter Abstraktion von dem sozialen Sinn dieses Wortes)
der ihm zugehörigen Wesensformen der ,Habitualität', al
Subjekt bleibender ,Überzeugungen' (Seinsüberzeugungen
zeugungen, Willensentscheidungen usw.), als personales S
Gewohnheiten, von wohlgebildetem Wissen, von Charakt
ten.

Überall führt schliesslich diese ,statische' Wesensdes


Problemen der Genesis und zu einer universalen, nach
Gesetzen das ganze Leben und die Entwicklung des pe
durcHherrschenden Genesis. So baut sich auf die erste ,sta
menologie' in höherer Stufe die dynamische oder genetisc
nologie. » (I, 1, S. lia)
Die Funktion der reinen Psychologie ist eine do
soll der empirischen Psychologie eine Grundlage, ein
Fundament liefern, in analoger Weise wie die reinen Natu
ten den empirischen Naturwissenschaften : « In der reduktiv
Untersuchung des reinen Psychischen erwachsen demnach
mungen, die zum reinen Psychischen als solchen gehören,
Grundbegriffe der Psychologie, sofern diese als empiris
schaft vom psychophysischen Ganzen des konkreten Me
zentrales Gebiet im reinen Seelenleben als solchem hat. Die reine

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262 Walter BIEMEL

Psychologie li
empirische Ps
S. 10) Sie sol
Phänomenolo
Erläuterung d
einanderlegun
natürlichen De
(es müsste eig
gie) ist als prop
der philosophi

Der folgende
des Encyclopae
met : Zu zeige
deutik für di
Probleme waren
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logische ». Es g
weisen beste
zu erörtern. Im
des Rückgange
als das das
Bewusstsein
sein, den alle
sucht, erstreck
in das Feld der
was für das Sub
dente im weit
Subjektivität.
sam «aus der
werden kann,
Ausarbeitung n
Für die Entfa
hinzuweisen, da

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 263

zendentalen Bewusstseins formuliert hat, aber der Weg,


licher zu fassen, wird sich ihm erst schrittweise eröffn
Vertiefung des Gedankens 'der Reduktion, genauer der A
der verschiedenen Reduktionen. Es sei hier eine Stelle aus de
kript B II 1 angeführt, das im September 1907 abgefasst w
,Logischen Untersuchungen' lassen die Phänomenolog
kriptive Psychologie* gelten (obschon das erken
retische Interesse in ihnen das massgebende war). Ma
scheiden diese deskriptive Psychologie, und zwar verstan
rische Phänomenologie, von der transzendentalen Phänome
dieser transzendentalen Phänomenologie haben wir es nun
mit apriorischer Ontologie, nicht mit formaler Logik u
Mathematik, nicht mit Geometrie als apriorischer Raumlehr
apriorischer Chronometrie und Phoronomie, nicht mit
realer Ontologie jeder Art (Ding, Veränderung etc.). - Di
dentale Phänomenologie ist Phänomenologie des kon
den Bewusstseins und somit gehört kein einziges
Axiom (bezüglich auf Gegenstände, die nicht Bewusstsei
hinein. » (B II 1, Bl. 25 a f.) In der Arbeit « Die Krisis
schen Wissenschaften und die transzendentale Phänomen
der Zeitschrift Philosophia, Belgrad, 1936, veröffentl
(beinahe 30 Jahre nach dem soeben zitierten Ms.) folgende B
des «transzendentalen Motivs». «Es ist das Motiv des R
nach der letzten Quelle aller Erkenntnisbildungen, des S
des Erkennenden auf sich selbst und sein erkennendes Le
chem alle ihm geltenden wissenschaftlichen Gebilde zweck
hen, als Erwerbe aufbewahrt und frei verfügbar gewor
werden. » Von Kant sagt Husserl, er sei auf dem Wege z
transzendentalen Problematik, seine Philosophie sei eine
gegenüber dem vorwissenschaftlichen und auch wissensc
Objektivismus auf die erkennende Subjektivität als

4. Op. dt, S. IX f.

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264 Walter BIEMEL

Urstätte aller objektiven Sinnbildungen und


Seinsgeltungen zurückgeht » (Philosophia, Bd. I, S. 174) .
In der transzendentalen Einstellung sind wir also auf das Bewusstsein
gerichtet als den ,Ort', an dem überhaupt Seiendes sich bekunden kann
Im Encyclopaedia Entwurf I, 1 heisst es : « Sowie das theoretis
Interesse... in einer allgemeinen Blickwendung sich auf das Bewus
seinsleben richtet, in dem die Welt für uns eben ,die' Welt,
für uns vorhandene ist, sind wir in einer neuen Erkenntnislage. » (I, 1
S. 13) Das bringt uns zunächst nichts Neues. Schon im Rahmen de
phänomenologischen Psychologie war ja die reflexive Blickwendun
erforderlich, um die Bewusstseinserlebnisse als solche zu erfass
Dieselben waren aber immer betrachtet als Erlebnisse von..., d.h.
Erlebnis ist als solches noch in einer mehr passiven, aufnehmende
Weise gefasst. Mit der transzendentalen Einstellung ändert sich das. Be
der Beziehung von Ich und Objekt ist das Ich kein blosses receptaculum
sondern der eigentliche Pol der Beziehung, da sich in ihm der Sin
jeglichen Seienden bildet. « Jeder Sinn, den sie (die Welt) für uns h
(dessen werden wir nun inne), ihr unbestimmt allgemeiner wie ihr na
allen Einzelheiten sich bestimmender Sinn, ist in der Innerlichke
unseres eigenen wahrnehmenden, vorstellenden, denkenden, werten
Lebens bewusster und sich in unserer subjektiven Genesis bildend
Sinn. » (loc. cit.) Mit der Aufstellung dieser These eröffnet sich n
ein weites Feld der Forschung - nämlich zu untersuchen, wie jeglic
Weise des Seins des Seienden, angefangen mit dem « an und für s
Sein» desselben, sich in Weisen des Bewusstseins konstituiert.
einmal die Welt in dieser vollen Universalität auf die Bewusstseins-
subjektivität bezogen worden, in deren Bewusstseinsleben sie eben als
,die' Welt des jeweiligen Sinnes auftritt, so erhält ihre gesamte Seins-
weise eine Dimension der Unverständlichkeit, bzw. Fraglichkeit. » (op.
cit., S. 14)
Aus dem Gesagten geht aber zugleich hervor, dass die These der
Bewusstseinsbezogenheit des Seienden nicht eine Lösung des Problems
darstellt, sondern bloss eine Basis liefert, von der aus die eigentlichen
Konstitutionsprobleme aufgerollt werden müssen. Husserl sagt selbst :

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 265

« Das erste Innewerden der Bewusstseinsbezogenheit der W


leeren Allgemeinheit gibt kein Verständnis dafür, w i e
faltige kaum erschaut ins Dunkel zurücksinkende Bewusst
zu solchen Leistungen bringt, wie es das sozusagen macht, da
Immanenz irgend etwas als an sich seiend auftreten k
cit.)
In der transzendentalen Fragestellung wird zu zeigen sein, wie alle
Kategorien, in denen wir weltlich Seiendes verstehen, begreifen, mit
einem Worte vorstellen, aus bestimmten Bewusstseinsweisen entsprin-
gen, ihnen entsprechen. Das ist das eigentliche Konstitutionsproblem,
durch das Husserl besonders nach 1910 in Atem gehalten wird -
weswegen er z.B. den Aufbau der Ideen II geändert hat, in dem nun das
Konstitutionsproblem die Hauptrolle spielt5. Es sei hier nur auf das
Prinzipielle der Konstitutionsproblematik hingewiesen, eine genauere
Analyse dieses grundlegenden Begriffes, sowie der von Husserl gemach-
ten Arbeiten zur Konstitution, werden wir in einem gesonderten
Aufsatz versuchen.
Eine Frage muss jedoch gleich erörtert werden. Wie ist es möglich,
dass ich, der ich ein Subjekt in der Welt bin (der Ausdruck hier
im Sinne Husserls verstanden, eben als Vorkommen unter anderem
weltlich Seienden) zugleich die Welt konstituiere ? Ist das nicht ein
Münchhausen Versuch, sich an den eigenen Haaren aus dem Morast
zu ziehen ?

Husserl antwortet mit der Unterscheidung des transzendentalen Ichs


und des psychologischen Ichs. Das Ich, das in der Welt vorkommt, mit
anderen ,Ich' und anderem Seienden, ist ein psychologisches Ich. Das
heisst, es wird als Seele eines Körpers betrachtet, welcher eben zur
Körperwelt gehört. Aber selbst das reine Ich, der Gegenstand der reinen
Psychologie, ist noch ein weltliches, sagt Husserl. « Der Psychologe ist
auch als eidetischer Phänomenologe transzendental naiv, er nimmt die
möglichen ,Seelen' ganz dem relativen Wortsinn gemäss, als solche
schlechthin als vorhanden gedachter Menschen und Tiere einer mögli-

5. Vgl. das Vorwort des demnächst erscheinenden IV. Bandes der Husser liana (von
Marly Wetzel-Biemel) .

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266 Walter BIEMEL

chen Raumwe
Einstellung wi
Ausdruck, der
Worin besteh
logisch-psych
immer für Hu
Der Gegensatz
rend», wenn
Bedeutung v
zwischen setz
selbe Wort, bl
ansehen heisst
Betrachter vo
seinem eigent
ihm losgelöst
hervorgebrach
im Setzen ist
schaft positiv
Insofern als j
angefangen bis
wissenschaft
schaften für
Ausdruck kei
nicht-positive
stand des Seie
fungierenden
zum Setzende
Boden, für di
liche Boden. W
erfasst hat (o
Erlebnisse ger
Positivität ge
die Welt, die v
Boden ; uns h

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 267

der reinen Korrelativeinstellung, die sie schafft, wird d


Objektive, selbst zu einem besonderen Subjektiven. » (Kr
kript, Paragraph 52, S. 108)
Welches ist die Zugangsmöglichkeit zum Transzendental
eine Reduktion. So wie die phänomenologische Reduk
Phänomenen führt, die eidetische zur Wesensstruktur des B
so führt die transzendentale zur Aufdeckung der transzende
jektivität, also zu der Subjektivität, in der sich alle tr
Gegenständlichkeit konstituiert. Der Parallelismus der R
enthebt aber nicht der Aufgabe zu zeigen, worin das Eig
einer jeden besteht, d.h. hier zu zeigen, worin sich die tr
Reduktion von den anderen unterscheidet, inwiefern
anderen hinausführt.
Husserl sagt : « Während also der Psychologe innerhalb
natürlich geltenden Welt die vorkommende Subjektivität
seelische Subjektivität - in der Welt - reduziert, reduzier
zendentale Phänomenologie durch seine absolut unive
diese psychologisch reine auf die transzendental reine Subjek
diejenige, welche die Weltapperzeption und darin die ob
Apperzeption ,Seele animalischer Realitäten' vollzieht un
Geltung setzt. » (I, 1, S. 21)
Die transzendentale Epoche ist durch den Charakter
salität gekennzeichnet, es ist eine absolute Einklammeru
sal war aber im Grunde genommen auch schon die phäno
psychologische Epoche - wurde nicht schon da di
Universum des Seienden, in Klammern gesetzt ? Worin
höhere Grad der Universalität der transzendentalen Redukti
Bei der phänomenologisch-psychologischen Reduktion
auf die Bewusstseinsweisen zurückgeführt, die den verschied
der Gegenständlichkeiten entsprechen, aber das jeweils
wurde selbst noch als weltliches aufgefasst, d.h. als zur Welt
In der transzendentalen Problematik wird diese Weltzugeh
in Klammern gesetzt. Diese Reduktion ist also durch das A
Weltzugehörigkeit des Bewusstseins universaler als die v

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268 Walter BIEMEL

den. An Stelle
Verhalten des Bewusstseins wird als konstituierendes betrachtet. Im
Beziehungsverhältnis Welt-Ich ist das ganze Gewicht von der Welt auf
das transzendentale Ich verlagert, weswegen Husserl seine Philosophie
bewusst transzendentalen Idealismus nennt. Durch den Akt der trans-
zendentalen Reduktion erheben wir uns über das reine Ich und
begreifen sein Fungieren als Sinnbildung.
Wie erwähnt (vgl. Anm. 1) befinden sich im Manuskript III, 3
kritische Anmerkungen Heideggers. Eine dieser Anmerkungen bezieht
sich gerade auf die Schwierigkeit der Unterscheidung von faktischem
Ich und absolutem Ego. Heidegger fragt : « Welches ist die Seinsart
dieses absoluten Ego - in welchem Sinne ist es dasselbe wie das
je faktisch Ich ; in welchem Sinne nicht dasselbe ? »
Husserl antwortet im folgenden Entwurf darauf : « Mein transzen-
dentales Ich ist also evident , verschieden' vom natürlichen Ich, aber
keineswegs als ein zweites, als ein davon getrenntes im natürlichen
Wortsinn, wie umgekehrt auch keineswegs ein im natürlichen Sinne
damit verbundenes oder mit ihm verflochtenes. Es ist eben das (in voller
Konkretion gefasste) Feld der transzendentalen Selbsterfahrung, die
jederzeit durch blosse Änderung der Einstellung in psychologische
Selbsterfahrung zu wandeln ist. In diesem Übergang stellt sich notwen-
dig eine Identität des Ich her ; in transzendentaler Reflexion auf ihn
wird die psychologische Objektivierung als Selbstobjektivierung des
transzendentalen Ich sichtlich, und so findet es sich als wie es in jedem
Moment natürlicher Einstellung sich eine Apperzeption auferlegt hat. »
(I, 1, S. 22) Mit anderen Worten, das Ich ist immer zugleich faktisches
(psychologisches) und transzendentales - es lebt in der natürlichen
Einstellung auf die Objekte. hin gerichtet, sodass ihm seine transzenden-
tale Funktion verborgen bleibt, und wir durch verschiedene Prozesse
der Reduktion zu ihm vordringen müssen. Weil die Funktion, genauer
das Fungieren des transzendentalen Ichs, dem jeweilig faktischen Ich
verborgen bleibt, deswegen nennt Husserl das transzendentale Ich auch
das anonyme. Dass es überhaupt existiert, ist aus den Sinnbildungen zu
entnehmen, die sein Werk sind. Dies transzendentale Ich ist für Husserl

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 269

das absolute Fundament, über das nicht hinausgegangen werd


Die Aufgabe der transzendentalen Phänomenologie besteht d
verschiedenen Weisen des Fungierens aufzudecken, um so d
konstitution sichtbar werden zu lassen.
Um auf das weiter oben gestellte Problem der Paradoxie der
lichen Subjektivität zurückzukommen, nämlich den Gegensa
Subjektsein für die Welt und zugleich Objektsein i n der W
wird es von Husserl so gelöst, dass eigentlich das wahre Sub
Objekt in der Welt ist, sondern stets bloss Subjekt für die
konstituierte Welt. Bloss insofern als es sich nicht als transzend
Subjekt erfasst hat, kann es sich als Objekt in der Welt verstehe
in der psychologisch-phänomenologischen Einstellung wird
zum Phänomen - aber hierbei wird (wir wiederholen es) das
Welt nicht in Frage gestellt, sondern bloss auf die psychologisch
hingesehen, während in der transzendentalen Einstellung die
Boden aufgehoben ist.
Es sei hier nicht näher auf die Weise eingegangen, wie das t
dentale Ego - durch den ursprünglichen Prozess der Zeitigu
Ur-konstitution beginnt, auf der alle andere sich aufbaut.
Wir zitierten weiter oben den Satz : « Der Rückgang au
wusstsein, den alle Philosophie mit wechselnder Sicherheit un
sucht, erstreckt sich ¡über das Gebiet des rein Psychischen zurü
Feld der reinen Subjektivität. » Diesen Rückgang versucht H
Beginn des II. Abschnittes historisch zu verfolgen. « Schon
war aber die Beschränkung auf das Subjektive von ausserpsy
schen Interessen bestimmt. Die Psychologie stand im Dienste
Descartes erweckten Transzendentalproblems. » (I, 1, S. 12
pflegt die Geschichte der neuzeitlichen Philosophie - wir
hinzufügen, in sehr naiver Weise - als eine Propädeutik zur P
nologie aufzufassen. Descartes hat als erster das transzenden
blem gesehen, obgleich er es nicht fassen konnte : « Descart
deckt das reine Ich, das des reinen Bewusstseinslebe
reinen cogitationes - mindestens er steht in dieser Entdecku
sie sich selbst rein herausgearbeitet und vor unklaren Versch

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270 Walter BIEMEL

bewahrt zu ha
einem fundam
oder besser auf
systematische
objektiv Seien
kription S. 25)
Von Descartes übernimmt Locke die Untersuchungsrichtung, die
dann von ihm auf Berkeley und Hume übergeht und schliesslich bei
Kant radikal durchgeführt wird.

Im dritten und letzten Abschnitt des Encyclopaedia-Entwurfes, den


wir als den endgültigen ansehen (I, 1), behandelt Husserl in sehr knap-
per Weise das Verhältnis der Phänomenologie zu den Wissenschaften
- ihre Wesensbestimmung « als universale Wissenschaft in absoluter
Begründung». Dieses Thema hat er schon 15 Jahre früher ausführlich
im III. Buch der « Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänome-
nologischen Philosophie» behandelt, auf das deshalb ausdrücklich
verwiesen werden soll 6.
Der Abschnitt beginnt mit einer kurzen Erläuterung der Stellung der
Phänomenologie zur Ontologie. «Die Phänomenologie als Wissen-
schaft von allen erdenklichen transzendentalen Phänomenen und zwar je
in den synthetische Gesamtgestalten, in denen sie allein konkret möglich
sind - denen von transzendentalen Einzelsubjekten, verbunden zu
Subjektgemeinschaften - ist eo ipso apriorische Wissenschaft von
allem erdenklichen Seienden. Aber dann nicht bloss von dem All des
objektiv Seienden und nun gar in einer Einstellung natürlicher Positivi-
tät, sondern in voller Konkretion von dem Seienden überhaupt, als wie
es seinen Seinssinn und seine Geltung aus der korrelativen intentionalen
Konstitution schöpft. Das befasst auch das Sein der transzendentalen
Subjektivität selbst, deren erweisbares Wesen es ist, transzendental in
sich und für sich konstituierte zu sein. » (I, 1, S. 26)

6. Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, Buch


II und III, herausgegeben von Marly Wetzel-Biemel, erscheint 1950 bei Martinus
Nijhdff, Den Haag.

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 271

Die Frage muss allerdings gestellt werden, ob die so ve


Ontologie nicht notwendig eine bloss formale ist, d.h. bloss
der Konstituierung berücksichtigt. Husserl gibt in diesem
eher Behauptungen als aufweisende Analysen. Das ist um s
licher, als er selbst den Versuch einer universalen Onto
durchgeführt hat. Die Ausführungen dieses Teils der Arbei
bestimmt, das Ziel der Phänomenologie festzulegen ; un
gelesen könnten sie den Eindruck erwecken, schon Geleiste
menzufassen, was nicht der Fall ist.
Durch die Phänomenologie wird nach Husserl fernerhin d
lagenkrisis der exakten Wissenschaften gelöst, da sie da
Apriori der exakten Wissenschaften als Leistung des transz
Ego versteht und somit die es voraussetzenden Leistungen
Zweifellos ist solches Begreifen, eben weil es das Aprior
einmalig sozusagen ewig Gegebenes erfasst, sondern in seine
ten und begrenzten Funktion, ein notwendiges Element
windung der Grundlagenkrisen - fraglich ist, ob es auch e
chendes Element ist, das alles erklärt.
Nach Husserl werden die apriorischen Wissenschaften, sofern
selbst begreifen, zu Zweigen der Phänomenologie. « Hinsic
historisch gewordenen apriorischen Wissenschaften, ge
transzendentaler Naivität, ergibt sich als Konsequenz, dass
radikale phänomenologische Begründung sie in echte, meth
völlig rechtfertigende Wissenschaft verwandeln kann. Eben
hören sie auf positive (dogmatische) Wissenschaften zu
werden zu unselbständigen Zweigen der einen Phänome
universaler eidetischer Ontologie. » (I, 1, S. 27)
Durch die Phänomenologie soll ausserdem auch die ei
Begründung der empirischen Wissenschaften erfolgen - g
die apriorischen Wissenschaften, die ihnen jeweils zu Grun
durch die Phänomenologie die Rückbeziehung auf sich selbs
haben, d.h. in ihrem eigenen apriorischen Gehalt durchsichtig
sind.

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272 Walter BIEMEL

Das Gesagte i
mathematischen
Naturwissensch
wie weit die vo
logie und der e
inwiefern über
der « exakten »
Die so verstand
der universalen
hat. « Die stren
identisch mit
phie. Sie zerfä
Ontologie) als erste Philosophie und in die zweite
Philosophie, die Wissenschaft vom Universum der Fakta oder
der sie alle synthetisch beschliessenden transzendentalen Intersubjektivi-
tät. Die erste Philosophie ist das Universum der Methode für die zweite
und ist auf sich selbst zurückbezogen in ihrer methodischen Begrün-
dung. » (I, 1, S. 28)
Die Phänomenologie ist schliesslich nach Husserl das Instrument,
durch welches die Menschheit zur absoluten Selbstbesinnung gelangt,
das will sagen : zur Verwirklichung des eigentlichen Menschheits-
ideales. «Sie erkennt sich... als Funktion der universalen Selbstbesin-
nung der Menschheit im Dienste einer universalen Vernunftpraxis, das
ist im Dienste des durch die Enthüllung frei werdenden Strebens in
Richtung auf die - im Unendlichen liegende - Idee einer Menschheit,
die in der Tat und durchaus in Wahrheit und Echtheit sein und leben
w€rde. » (I, 1, S. 29)
Aus diesen Worten spricht ein rationalistischer Glaube an einen
ständigen Fortschritt der Menschheit durch vernünftige Selbstbesin-
nung, der Ehrfurcht gebietet - es ist aber eher ein Glaubensbekenntnis,
das Husserl ablegt, als eine philosophische Beweisführung. So ist z.B.
das Wesen der Geschichtlichkeit des Menschen nicht eigens begriffen
oder überhaupt zum Thema gemacht. Es muss gefragt werden : Was

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 273

heisst hier in Wahrheit und Echtheit sein und leben ? Worin


die Wahrhaftigkeit und Echtheit ?
Husserl sagt, was die Phänomenologie sein soll, ohne genü
untersuchen, ob sie auch wirklich im Stande ist das zu werden.
lich hat Husserl zu diesem Problem der letzten Bestimm
Phänomenologie nur wenig Manuskripte hinterlassen (vg
K III 6), und sie haben eher einen prophetischen als eine
wissenschaftlichen» Ton. Es darf allerdings nicht vergessen
dass Husserl zur Zeit der Ausarbeitung dieser Manuskripte im si
Jahrzehnt seines Lebens stand. Er versucht eine Art Program
arbeiten, das nicht mehr eigentlich für ihn selbst gilt, sondern
Kommenden gedacht ist, die sein Werk weiterführen sollen.
aus dem letzten Satz des Entwurfes I, 1 deutlich : « Darnach for
Phänomenologie vom Phänomenologen, für sich dem Id
philosophischen Systems zu entsagen und doch als bescheidener
in Gemeinschaft mit anderen für eine philosophia perennis z
(1, 1, S. 34)
Zum Schluss wollen wir kurz auf die Bemerkungen eingehen, die
Heidegger zu der Fortsetzung eines fmheren Entwurfes (III, 3) ge-
macht hat. Dass Husserl ihnen eine besondere Bedeutung beimass, geht
daraus hervor, dass er den Brief Heideggers nicht nur aufgehoben hat,
sondern die Bemerkungen auch alle noch einmal stenographisch
abschrieb und überdies in einen Durchschlag des Manuskriptes eintrug.
Vielleicht können hierbei einige wesentliche Punkte sichtbar gemacht
werden, die das Verhältnis der beiden Denker betreffen. Das Jahr der
Encyclopaedia-Entwürfe ist ja auch das Jahr des Erscheinens von Hei-
deggers Hauptwerk « Sein und Zeit », das Husserl gewidniet ist. Im
Brief an Husserl (vom 22. Oktober 1927) schreibt Heidegger : « Auf
den beiliegenden Blättern versuche ich noch einmal, die wesentlichen
Punkte zu fixieren. Das gibt auch Gelegenheit, die grundsätzliche Ten-
denz von ,Sein und Zeit' innerhalb des transzendentalen Problems zu
kennzeichnen. »
Die Anlage I aus dem Brief von Heidegger an Husserl lautet wie
folgt:

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274 Walter BIEMEL

« Übereinsti
dessen, was S
tution nicht
Seiendes von
Damit ist ab
talen ausmac
springt ger
Seienden, in
Problem von
Daseins. Es g
Daseins total
dass sie als di
transzendenta
Die transzen
der Existenz d
als solcher -
Mensch nie n
same' liegt d
transzendent
Die ,einseiti
Psychologie
Ganzheit de
Menschen bes
Das ,rein See
Ontologie de
auf eine Psyc
Descartes e
Das Konstituierende ist nicht Nichts also etwas und seiend -
obzwar nicht im Sinne des Positiven.
Die Frage nach der Seinsart des Konstituierenden selbst ist nicht
zu umgehen.
Universal ist daher das Problem des Seins auf Konstituierendes
und Konstituiertes bezogen. »

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 275

Im ersten Absatz weist Heidegger auf die Gemeinsamk


zwischen Husserls und seinem Denken besteht. Der Ausdruck Gemein-
samkeit ist eigentlich schon zu stark, denn er setzt einen gemeinsamen
Ausgangspunkt voraus. Heidegger sagt vorsichtiger «Übereinstim-
mung ». Von zwei verschiedenen Ausgangspunkten kann man auch zu
einer Übereinstimmung in Bezug auf bestimmte Fragen kommen - das
ist eigentlich hier gemeint.
« Was Sie ,Welt' nennen » - heisst es und damit deutet Heidegger
schon an, dass der Weltbegriff in Sein und Zeit ein ganz anderer ist.
Der Husserlsche Weltbegriff meint die « Allheit des Seienden ». Was
das Seiende ist, kann nicht erhellt werden durch einen Rückgang auf
Seiendes. Darüber besteht Übereinstimmung, und d.h. zugleich über
die Notwendigkeit des In-Frage-stellens des Seienden. Dieses In-Frage-
stellen ist nicht das der Wissenschaften, die bestimmte Bereiche des
Seienden untersuchen, aber nie fragen, was das Seiende als Seiendes
ist. Darüber sind Heidegger und Husserl sich auch einig -r die Wege
gehen aber auseinander, sobald näher bestimmt wird, worauf zurück-
gefragt werden muss, um das Seiende als Seiendes zu denken. Das
scheint zunächst übertrieben. Machen nicht beide Denker das Mensch-
sein zum Problem ? Husserl durch die Ausführungen über das trans-
zendentale Ego, Heidegger durch die Existenzialanalytik des Daseins.
Wie sie jedoch den Menschen zu begreifen suchen, darin unterscheiden
sie sich grundlegend.
Für Heidegger bezeichnet Dasein7 eine Seinsweise von Seiendem.
Deswegen fügt er gleich hinzu « Damit ist aber nicht gesagt, das was
den Ort des Transzendentalen ausmacht sei überhaupt nicht Seiendes. »
Und er erläutert das näher : « es entspringt gerade das Problem:
welches ist die Seinsart des Seienden, in dem sich ,Welt' konstituiert ? »
Diese Frage führt ihn zur Durchführung der Analytik des Daseins und
zur Frage nach dem Sein - der Grundfrage seines Denkens und des
Denkens überhaupt.
Für Husserl entfaltet sich die Problematik anders, sofern wir ihn

7. Vgl. den Aufsatz des Verfassers : Heideggers Begriff des Daseins, Studia Catho-
lica, Juni 1949.

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276 Walter BIEMEL

richtig verste
besagt, man m
Seienden ist - d
Grund sein, üb
muss sich folge
Seiende muss i
tale Bewusstse
Begriff des Da
was leider öfte
Da Husserls Fr
ganz unter dem
des Seienden e
Heidegger feh
Seinden genan
gehört gerade
Selbst in diese
selbst ist. Dies
vermieden, we
Abgrund in de
Objekt schafft,
mern bedeutet
Allerdings bed
wegs eine Vers
Seienden. In de
dass die Seinsar
alles anderen S
Möglichkeit de
schied wird in
lich das Wesen
zwar ständig v

8. Wenn Heidegge
so tut er es Husser
weil Heidegger di
das überwunden werden muss.

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 277

den Menschen immer wieder als Körper unter Körper


seinen Leib der dinglichen Seinsregion angehört. Deswegen
Husserl bis zum Schluss seines Lebens die Frage, wie es m
dass der Mensch, ein Ding der Welt, die Welt und alle D
tuiert. Ganz besonders fällt diese Betrachtungsweise bei der
der Fremderfahrung auf. Der Andere wird zunächst als
erfahren, der sich bewegt - dann sehe ich, dass die Beweg
beliebige sind, sondern etwas bedeuten - so komme ich s
dazu zu schliessen, der sich bewegende Körper sei ein Men
Heidegger trennt gleich zu Beginn von « Sein und Zeit »
die Seinsform des Daseins und die nicht daseinsmässigen Sein
handenheit, Vorhandenheit). Der Mensch ist nie als bloss
aufgefasst, sondern ist dasjenige Seiende, das allererst de
Seienden erötfif net, indem es in ihn einbricht und ihn so aufbri
wurf III hat Heidegger auf S. 24 die Anmerkung gemacht
Todtnauberger Gespräch über das ,In-der-Welt-sein' (S. u.
und den wesenhaften Unterschied zum Vorhändensein ,inn
solchen Welt. » Denn wenn der Mensch im Sinne Heidegg
begriffen ist, kann er einfach nicht mehr als « Körper unte
was man so das blosse ,Dasein' nennt, verstanden werden
Während also Husserl das transzendentale Ego von der W
um es von jeglichem Weltlichen rein zu erhalten, ist für H
Dasein dasjenige Seiende, das allererst Welt erschliesst, eb
jegliches Seiende in den Bereich der Offenbarkeit bringt,
Dieser Welt-Bezug, auf den hier leider nicht näher eingeg
kann 9, ist so wesentlich, dass Heidegger das Dasein eben
Welt-sein» definiert, wobei jedoch « In-der-Welt-sein » n
mer das blosse Vorkommen unter anderem Seienden bes
Terminus gewöhnlich und auch bei Husserl meint). Aus di
hat Heidegger auch zum Husserl-Text angemerkt « gehö
Welt überhaupt zum Wesen des reinen Ego ? » Für ihn

9. Eine Erörterung des Heideggerschen Weltbegriffes versuchte de


demnächst bei E. Nauwelaerts erscheinenden Arbeit : Le concept d
Heidegger.

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278 Walter BIEMEL

Notwendigkeit,
zu existieren an
weg, dann könn
werden. Das « r
Unbegriff sein,
schen in seiner G
Existenzialanaly
als Ganzheit zu
sondern den M
deskriptiver W
sondern gleich
Möglichkeit sei
turen, nicht ap
Analyse des k
gesamte Daseisa
reinen Ego), son
frage,das soll h
ger von grundl
Immer wieder
hinweisen, dass
nicht als solche
,ist' so, dass es,
Weil Husserl di
gestellt hat, un
mit ,Vorhanden
versucht er dann
des ,reinen Ego
und das mensch
bezug steht, zu
der transzenden
Reduktion) geb
immer beschaff
mern' und nur z
tives Apperzipi

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HUSSERLS ENCYCLOP.-BRITANNICA ART. und HEIDEGGERS ANM. DAZU 279

mich selbst, so bin ich also nicht menschliches Ich... » (III, 3


Heidegger hat in diesem Satz « bin ich » und « nicht » doppe
strichen und hinzugefügt : « oder vielleicht gerade so
seiner eigensten, , wundersamen' Existenzmöglichkeit. » Am
bemerkte er : « Warum nicht ? Ist dieses Tun nicht eine Mö
des Menschen, aber eben weil dieser nie vorhanden ist, ein
ten, d.h. eine Seinsart, die eben von Hause aus sich sich selb
schafft - also nie zur Positivität des Vorhandenen gehört. »
Er wollte so Husserl zu verstehen geben, dass Sein, im Si
menschlichem Sein, kein positives Sein sein muss,
das der Reduktion verfällt. Er verweist darauf, dass Husserl zwei Sätze
später, nachdem er gesagt hat, dass das reduzierende Ich kein mensch-
liches ist, schreibt : « Das so reduzierte Ego ist freilich mein Ich, in der
ganzen Konkretion seines Lebens ». Die>se Schwierigkeit der Trennung
von reinem Ich und menschlichem Ich, ihre Fragwürdigkeit, wird von
Heidegger hervorgehoben.
Husserl sagt vom transzendentalen Ego' : « Evidenterweise ist es in
der Tat in seiner reduzierten Eigenheit ausschliesslich setzbar, mit all
seinen intentionalen Korrelaten und bietet so für mich den fundamen-
talsten, den ersten Erfahrungsboden für eine transzendentale For-
schung. » (III, S. 26)
Heidegger unterstreicht « setzbar » und bemerkt dazu « positum ».
Positives ! oder was ist das für eine Setzung? In welchem Sinne
i s t dieses Gesetzte, wenn es nicht nichts, vielmehr in gewisser
Weise alles sein soll ? » Und in einer anderen Anmerkung sagt er :
« Welches ist der Charakter der Setzung, in der das absolute Ego Ge-
setztes ist. Inwiefern liegt hier keine Positivität (Gesetztheit) vor ? »
Wir sehen deutlich, wie alles um den Begriff des « ist » kreist. « Ist »
ist für Husserl synonym mit weltlich seiend, und da alles Weltliche
eingeklammert werden muss, muss zugleich der Begriff des ist ein-
geklammert werden. Heidegger wiederum zeigt, wie in dem Setzen des
transzendentalen Ego ein « ist » vorausgesetzt ist - das also gerechter-
weise auch eingeklammert werden müsste, insofern als jedes Positive
(Gesetzte) aufgehoben ist.

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280 Walter BIEMEL

Heidegger krit
des « ist » bei
mit dem Weltl
dung von Dase
des transzende
eben die Faktiz
nie anders als f
- sagt Heidegg
faktischen Selbst. Dieses, der konkrete Mensch,
ist als solcher - als Seiendes - nie eine ,weltlich reale Tatsache', w
der Mensch nie nur vorhanden ist, sondern existiert. » 10 Mit ande
Worten, wir dürfen das konkrete Sein des Menschen nicht aufheben u
in Klammern setzen, um das, was Husserl Konstitution, was Heideg
die Entbergung des Seienden nennt, zu finden, sondern in der konkre
Existenz ist es allein aufweisbar. Die Aufgabe der Philosophie ist
gerade, das Wesen des Menschen derart zu erfassen, dass es in sei
konkreten, ganzheitlichen Existenz durchsichtig wird. Dieses Erfa
ist nach Heidegger nur so möglich, dass gerade nicht beim Mensch
(sei es als transzendentalem Ego, als Subjekt, als Person) stehen geb
ben wird, sondern darauf zurückgegangen wird, woher der Mensch se
ne Wesensbestimmung allein erhält - auf das Sein. Da für Hus
in der Perspektive des transzendentalen Idealismus das transzenden
Ego der absolute, letztlich-gewisse Seinsgrund ist, stellt sich das P
blem eines darüber Hinausgehens gar nicht und folglich fehlt bei
die eigentliche Seinsproblematik, die das Denken Heideggers durc
herrscht. So trennen sich notwendig die Wege der beiden Den
Husserl bleibt auf der cartesianisch-rationalistischen Linie der neuz
lichen Metaphysik, während Heidegger versucht, das Schicksal
abendländischen Metaphysik als Ganzes zu erfassen - im Rückg
zu den ursprünglichen vor-metaphysischen Denkern u.

10. Von uns gesperrt.


11. Vgl. Martin Heidegger: Holzwege (Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M., 1950
sowie das Vorwort der 5. Auflage von «Was ist Metaphysik ? » und den «Huma
mus-Brief» (im selben Verlag).

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