Sie sind auf Seite 1von 67

VIER

ILLUSTRATION  Holger Fischer [ Cartoongruppe zum Thema » Nachwuchs « ]

BETREUUNG  Prof. Bernd Bexte
Das Magazin der Hochschule für Künste Bremen
Über Nachwuchs
VIER 05 ART
Hotel im Ufo 38
Über Umwege ans Ziel 41

MUSIC
Kapitäne und Kantoren 46

NACHWUCHS Telemann in Hamburg


Rotes Licht, Stille
48
50
Kreativität und Gehirn Kulturelle Bildung von Anfang an 52
Professor Dr. Dr. Gerhard Roth vom Institut für Hirnforschung der Abenteuer Musik 54
Uni Bremen versucht, wissenschaftlich zu ergründen, was sich unter Ein Fest für Blockflöten 54
der Schädeldecke abspielt, wenn kreative Prozesse im Kopf ablaufen. 6 The Joy of Toy 55

Musik kann viel mehr


Almut Cordes, Musikpädagogin an der Hochschule für Künste
DESIGN
Bremen, über Breiten- und Spitzenförderung und die Bedeutung Willkommen im Leben 58

von musikalischer Bildung. 16 Mo Stadt 60
Richard Wagner und die Raketenabwehr 62
Der junge Mann und das Saxophon Räume verbinden 63
Über den gar nicht so alltäglichen Alltag des Jungstudenten Geschichte der Szenografie 64
Georg Franz, der in Espelkamp bei Minden wohnt und an der Die Freiheit der anderen 66
Hochschule für Künste Bremen studiert. 18
Ganz normale Hochbegabte
THEORY
Die Geschwister Julika, Miriam und Jannis Rieke sind Jung- Künstler als Wissenschaftler und Kunsthistoriker 70

studierende an der HfK. Sie berichten, wie sie ihren Buxtehude jenseits der Orgel 75
Hobbys nachgehen können trotz des zeitintensiven Lernens. 20
Musik gegen Sprachlosigkeit
INTERDISZIPLINÄR
Prof. Thomas Krämer untersucht den pädagogischen und The Turn of the Screw 78

integrativen Aspekt von Musik. Ein Plädoyer Ein Festival aller Künste 80
für den Musikunterricht – je früher, desto besser. 21 Was macht ein Fisch in der Fabrik? 82

Process – Please
VIER inszenierte Materialien, Skizzen, Fotos etc. aus den
CAMPUS
Erstsemesterworkshops des Studiengangs Integriertes Expand Your World 86

Design. Ein visueller Einblick in die Prozesse der Workshops. 22 Nachhaltiger Erfolg 88
Allrounder mit unterschiedlichen Schwerpunkten 90
Zu wenig Nachwuchs, mehr Wettbewerb Als Musiker ist man Einzelkämpfer 92
Interview mit Sebastian Turner, Vorstandsvorsitzender Constructed Mind in Starcatcher Time 94
der Scholz & Friends AG, Mitbegründerin des inter- ... und in Zukunft 99
disziplinären Praktikantenprogramms »creative village«. 30 Vom Tutu zum Objektiv 100
Wie man mit Mode Karriere macht 103
Eine Prise Gestaltung in die Bildungssuppe Mode und Körper in der Fotografie 104
Die Agentur »Fuenfwerken« hat die Initiative »gestaltBildung« Connected with Cairo 108
ins Leben gerufen, die der kreativen Mangel- Design – Ein Privileg der entwickelten Welt 114
ernährung im Schulunterricht entgegenwirken will. 32 Berge nach Norwegen tragen 116
Meldungen 118
Die Kunst gehört zu meinem Leben Den Mythos des Design-Stars demaskieren 120
Interview mit Bremens Senatorin für Bildung und Wissenschaft Gäste an der HfK 121
Renate Jürgens-Pieper über den Stellenwert von Personalia 123
musischen und künstlerischen Fächern in ihrer Politik. 33 Auszeichnungen 124
Neu im HfK-Shop 127
Lust am Forschen Leserbriefe 128
Seit drei Jahren veranstaltet die Universität Bremen gemeinsam Index 129
mit der Hochschule für Künste Bremen in den Kalender 130
Osterferien eine Kinder-Uni für Schüler von 8 bis 12 Jahren. 34 Impressum 130
EDITORIAL Liebe Leserinnen und Leser,
wer heute die Zeitung aufschlägt, findet fast nur noch negative Schlagzeilen, wenn es um
das Thema » Nachwuchs « geht. Die vielen positiven Gegenbeispiele und die vielfältigen
Bemühungen, diesem negativen Trend etwas entgegenzusetzen, bleiben dagegen fast un-
bemerkt. Jugendgewalt, Orientierungs - und Perspektivlosigkeit haben soziale, politische
und kulturelle Ursachen. Aber auf der individuellen Ebene ist immer auch ein mangelndes
Selbstwertgefühl mit im Spiel, wie uns die Fachleute versichern. Damit bekommt jedes
Projekt, welches darauf abzielt, das kreative Potenzial junger Menschen zu entfalten — auf
welcher Ebene und in welcher Altersstufe auch immer —, eine eminente gesellschaftliche
Bedeutung. Denn neben Gefahren und Risiken gibt es auch Ermutigendes, positive Projekte,
gute Beispiele. In der aktuellen VIER richten wir den Fokus auf genau solche Aktivitäten.
   Wir werfen einen Blick auf die hochbegabten Schülerinnen und Schüler, die als
» Jungstudierende « an der HfK Bremen ein Musikstudium absolvieren, befragen sie zu ihren
Studienerfahrungen und dazu, wie sie Studium und Schulalltag unter einen Hut bekommen.
Wir schauen den Erstsemestern über die Schulter und beobachten ihre ersten Schritte im
neuen kreativen Milieu einer Kunsthochschule. Außerdem haben wir den Gehirnforscher
Gerhard Roth gebeten, den Leserinnen und Lesern eine Ahnung davon zu vermitteln,
was sich unter der Schädeldecke abspielt, wenn kreative Prozesse im Kopf ablaufen. Ein
hochinteressanter naturwissenschaftlicher Beitrag !
   Auch die gesellschaftliche und politische Dimension kommt in den Blick: Im Heft
haben wir ein leidenschaftliches Plädoyer für den Musikunterricht — so früh und so intensiv
wie möglich —, sowie Fragen hierzu an die neue bremische Wissenschaftssenatorin. Auch
einzelne private Agenturen aus dem Designbereich begreifen Nachwuchsförderung als
eine gesellschaftliche Aufgabe. VIER fragte sie nach den Zielen und den Motiven für ihr
Engagement. Die Gestaltercrew der VIER wiederum hat sich mit dem Thema auf ganz eigene
Weise auseinandergesetzt. Mit einem Augenzwinkern werden Assoziationen an die Zeit,
als man noch selbst ziemlich »grün hinter den Ohren« war, in wunderbare, leicht surreale D
»T as 2
Spinatbilder umgesetzt. fi y p 3. B
   Neben dem Schwerpunktthema stellen wir wieder die wichtigsten Projekte aus allen in nde ogr un
An de t vo afi des
Bereichen der HfK vor, die im letzten halben Jahr realisiert wurden. Von besonderem Interesse m r H m e z tre
el oc 13 w ff
im Kontext dieses Heftes sind sicherlich die Berichte über die Aktivitäten im Schul- und du h . b is en
ng sch is ch Fo
Vorschulbereich sowie die Projekte zum Stichwort Professionalisierung. Der Blick über un ul 15. en ru
den Tellerrand geht dieses Mal vor allem nach Kairo, wo ein ambitioniertes Studienprojekt te e fü Jun Ulm m
rw r i Ty
gestartet wurde, um den viel beschworenen Dialog zwischen den Kulturen ganz konkret w Kün 200 un pog
w s 8 d A ra
aufzunehmen. Natürlich wird auch aus der Lehre berichtet. VIER stellt wie in jedem Heft .2 te m fie
3f B st
zwei Studienrichtungen der HfK vor: dieses Mal sind Schlagzeug sowie Modedesign bzw. t.d re er
e me da
Modefotografie an der Reihe. VIER befragt Ehemalige aus diesen Bereichen nach ihren ersten n m
st «
Erfahrungen als » Berufsnachwuchs «. at
t.
   Es ist ein langer Weg von den ersten spielerischen Takten auf einem Kochtopf bis zum
» verheißungsvollen Nachwuchsschlagzeuger « oder von der ersten Kinderzeichnung zum
preisgekrönten Kleiderentwurf. Aber hier schon sehr frühzeitig mitzuhelfen, die vielleicht
entscheidenden Weichenstellungen zu ermöglichen und später das professionelle Rüstzeug
zu vermitteln, das ist eine zentrale, sicherlich wohl die schönste Aufgabe einer Hochschule
für Künste. Dabei geht es jedoch nicht nur um die optimale Förderung und Ausbildung
des Individuums, sondern eben auch um die Wahrnehmung unserer gesellschaftlichen
Verantwortung. Thomas Krämer bringt es in seinem Artikel polemisch auf den Punkt: » Wer
musiziert, wirft keine Brandbomben. «

Prof. Dr. Manfred Cordes,


Rektor der Hochschule für Künste Bremen
KREATIVITÄT
UND

GEHIRN
Text  0  Gerhard Roth  Fotos  0  Shushi Li, Eike Harder

Professor Dr. Dr. Gerhard Roth vom Institut für Hirnforschung


der Universität Bremen versucht, wissenschaftlich zu er-
gründen, was sich unter der Schädeldecke abspielt, wenn
kreative Prozesse im Kopf ablaufen. Wie weit reichen un-
sere heutigen Kenntnisse um diese Vorgänge zu verstehen ?
8– 9
Wer von uns möchte nicht kreativ sein, d. h. etwas Neues, Originelles, Aufsehen-
erregendes hervorbringen ? Wie aber wird man kreativ ? Kann man das über-
haupt lernen — so wird häufig gefragt — oder ist Kreativität angeboren ?
   Eine bekannte Definition lautet: » Kreativität ist die Fähigkeit des Menschen,
Denkergebnisse beliebiger Art hervorzubringen, die im wesentlichen neu sind
und demjenigen, der sie hervorgebracht hat, vorher unbekannt waren. « Das
kreative Produkt » kann eine künstlerische, literarische oder wissenschaftliche
Form annehmen oder durchführungstechnischer oder methodologischer
Art sein « ( Drevdahl, 1956, zitiert nach Amelang und Bartussek, 1997 ). Nach
Meinung des seinerzeit einflussreichen Kreativitätsforschers J. P. Guilford ist
Kreativität die Fähigkeit zu divergentem Denken, bei dem der Bereich möglicher
Lösungen eines Problems oder einer Aufgabe nicht von vornherein feststeht
( Guilford, 1950 ). Ist Letzteres aber der Fall, dann ist laut Guilford konvergentes
Denken am Platze.
   Man kann bekanntlich auf sehr unterschiedliche Art kreativ sein. Dennoch
sollte man sich das Feld, auf dem man sich betätigen möchte, sorgfältig aus-
suchen. In umfangreichen Untersuchungen machten sich schon vor längerer
Zeit der amerikanische Psychologe Lewis Terman ( Autor des bekannten
Stanford-Binet-Tests ) und nach ihm andere amerikanische Psychologen daran,
den Intelligenzquotienten ( IQ ) und damit — wie man meinte — die Kreativität
» bedeutender Personen « zu bestimmen. Sie kamen hierbei zu IQ-Werten von
180 oder gar darüber, die sie etwa bei Goethe, dem Naturforscher Francis
Galton und dem Philosophen Blaise Pascal fanden, und einem eher niedrigen
IQ von 125 bei berühmten Militärs. Im Durchschnitt erzielten Philosophen die
höchsten IQs, gefolgt von Dichtern und Staatsmännern, Volks- und Betriebswis-
senschaftlern, Musikern ( Mozart soll einen IQ von 155 gehabt haben ), und das
Schlusslicht bilden — wie erwähnt — die Militärs. Wie Amelang und Bartussek
lakonisch feststellen, spiegeln diese IQ-Rangfolgen berühmter Männer wohl
vor allem den Stellenwert verbaler Fähigkeiten in der Ausübung der jeweiligen
Disziplin wider, und dieser ist im Gegensatz zur Philosophie und Poesie in der
Kriegskunst wohl nicht sonderlich hoch ( von Ausnahmen wie Napoleon und
Clausewitz abgesehen ).
   Neben einer hohen sprachlichen Begabung geht es bei der Kreativität, wie
sie in den Kreativitätstests ( z. B. dem Guilford-Test ) untersucht wird, vor allem
um folgende Aspekte kreativen Denkens: 1. schnelles Erkennen des Problems;
2. rasches Hervorbringen unterschiedlicher Ideen, Symbole und Bilder;
3. Flexibilität des Denkens, Wechsel der Bezugssysteme und Finden von
Alternativen; 4 . Um- und Neuinterpretation gewohnter Dinge und Wege;
5. schnelles Erfassen der Realisierbarkeit allgemeiner Pläne und 6. seltene und
unkonventionelle Gedankenführungen und Denkresultate ( vgl. Asendorpf ).
   Aus dem bisher Gesagten wird klar, dass die Begriffe Kreativität und In-
telligenz zwar keineswegs dasselbe bedeuten, aber doch systematisch
zusammenhängen ( Amelang und Bartussek, 1997 ). Entsprechende Untersuch-
ungen zum Zusammenhang zwischen Kreativitätsskalen und IQ ergeben einen
Korrelationskoeffizienten zwischen 0,4 und 0,5. Deutlicher ausgeprägt — und
zwar mit einem Koeffizienten von über 0,5 — ist die Korrelation zwischen
Kreativität und dem Verbalteil von IQ-Tests. Die von Fachleuten favorisierte
Interpretation lautet, dass hohe Intelligenz zwar nicht gleichbedeutend mit
hoher Kreativität ist, dass aber hohe Kreativität eine überdurchschnittliche,
insbesondere sprachliche Intelligenz voraussetzt. Vermutungen über den
Zusammenhang zwischen Kreativität und Intelligenz gehen in die Richtung,
dass Intelligenz eher etwas mit basalen Eigenschaften kognitiver Prozesse,
Kreativität dagegen mehr mit komplexeren Eigenschaften dieser Prozesse zu
tun hat.
   In einer Einschätzung der Persönlichkeit kreativer Menschen stellte
sich heraus, dass sie autonom sind, selbstgesteuert, emotional stabil und
hoch leistungsmotiviert mit einer Vorliebe für Praxisdenken und kognitive
Beschäftigung, von hoher allgemeiner Intelligenz und mit weit gestreuten
Interessen. Auch dies deutet darauf hin, dass hohe Intelligenz eine wichtige
Grundlage für Kreativität ist. Welche neurobiologischen Grundlagen könnte
Kreativität haben ? Leider sind wir hier überwiegend auf Vermutungen
angewiesen. Zunächst einmal können wir davon ausgehen, dass diejenigen
Hirnprozesse, die bei der Intelligenz eine Rolle spielen, auch für die Kreativität
wichtig sind. Dies stimmt mit der Tatsache überein, dass Kreativität am ehesten
als Funktion des präfrontalen Cortex angesehen werden kann, denn Läsionen
des präfrontalen Cortex führen zu Zuständen, die typisch unkreativ erscheinen.
Zu den Folgen präfrontaler Läsionen gehören der Verlust divergenten Denkens,
d. h. der Fähigkeit, auf neue Lösungen eines Problems zu kommen und sich
Alternativen einfallen zu lassen, und eine Beeinträchtigung der Fähigkeit-
en zum Entwickeln neuer Strategien ( vgl. Knight und Grabowecky, 2000;  
Förstl, 2002 ).
   Die Vermutung liegt nahe, dass diese Starrheit bzw. mangelnde Plastizität
des kognitiven und exekutiven Systems eine Folge mangelnder Plastizität der
involvierten neuronalen Netzwerke ist. Die Plastizität neuronaler Netze hängt
im Wesentlichen von der Eigenschaft synaptischer Kontakte ab. Ein Typ von
Synapsen, der zweifellos eng mit neuronaler Plastizität und Lernen zu tun hat,
ist die NMDA-Synapse, wenn auch zu bedenken ist, dass es Lernvorgänge gibt,
die nicht NMDA-vermittelt sind ( vgl. Roth, 2003 ).
   Eine weitere wichtige Komponente ist der Effekt von Neuromodulatoren,
d. h. von Dopamin, Serotonin, Acetylcholin und Noradrenalin, auf die syn-
aptische Übertragung. Während nach derzeitiger Meinung Noradrenalin einen
eher unspezifischen erregenden und Serotonin einen eher unspezifischen
dämpfenden Effekt hat, greifen Dopamin und Acetylcholin spezifischer in das
synaptische Geschehen ein. Acetylcholin spielt über das basale Vorderhirn
bei der Steuerung cortikaler Aufmerksamkeit vermutlich eine wichtige Rolle
( Voytko, 1996; Givens und Sarter, 1997 ). Dopamin ist für den vorliegenden
Zusammenhang besonders interessant, weil der präfrontale Cortex der
Hirnrindenanteil ist, der den höchsten Dopaminspiegel aufweist. Dieser stammt
aus den Afferenzen des mesolimbischen Systems zum präfrontalen Cortex
( s. Roth, 2003 ).
   Patienten, die unter Schizophrenie leiden, zeigen zwei ganz unterschiedliche
Zustände ihrer Erkrankung, nämlich eine » produktive « Form, die durch
positive Symptome wie Wahn, Halluzinationen, Witzelsucht und » Ideenflucht «
gekennzeichnet ist, und eine zweite Form, die sich durch eine negative Symp-
tomatik wie Gefühls- und Spracharmut und Perseveration auszeichnet ( Falkai
et al., 2000 ). Man könnte die erste Form als übertriebene Kreativität ansehen:
Der Patient springt in seinen Ideen und Assoziationen wahllos hin und her
(kommt vom Hölzchen auf das Stöckchen, wie man in Norddeutschland sagt)
und macht oberflächliche Späße ( manchmal durchaus auch originelle! Mein
Vater, Mediziner, berichtete von einem Patienten, der gefragt wurde: » Wissen
Sie, wer Bismarck war ? « Die Antwort lautete: » Ja, Bismarck-Hering ! « Zweite
Frage: » Und wer war Luther? « Antwort: » Kein Hering. « ).
   Seit Längerem wird diskutiert, dass die produktive Symptomatik
vornehmlich auf einer Störung der Dopaminaktivität im präfrontalen Cortex
beruht ( die sogenannte » Dopaminhypothese «; vgl. Byne et al., 1999; Falkai et
al., 2000; ). Antipsychotische Medikamente, sogenannte Neuroleptika, wirken
hemmend auf D2-Dopaminrezeptoren im präfrontalen Cortex ( allerdings
wirken sogenannte atypische Neuroleptika, z. B. Clozapin, nicht auf den D2-
Rezeptor, sondern auf den D4-Rezeptor ). Umgekehrt verstärken Dopamin-
Agonisten wie Kokain, Amphetamin und L-Dopa psychotische Symptome.
Nimmt ein schizophrener Patient z. B. ein Amphetamin ein, dann werden seine
Krankheitssymptome verstärkt ( Kolb und Wishaw, 1996 ).
   Schizophrene zeigen charakteristischerweise während der negativen
Phase eine deutlich verringerte Aktivität des präfrontalen Cortex ( e ine
sogenannte Hypofrontalität ), die mit einer verringerten Aktivität mesolim-
bischer dopaminerger Neurone einhergeht, von denen der präfrontale
Cortex innerviert wird. Es gibt jedoch eine wechselseitige Regulation des
Dopaminspiegels im präfrontalen Cortex und im mesolimbischen System. Eine
Injektion von Dopamin in den präfrontalen Cortex führt zu einer Reduktion
des Dopaminspiegels ( wahrscheinlich wird dem mesolimbischen System
dadurch gemeldet: » Es ist im präfrontalen Cortex Dopamin in Hülle und
Fülle vorhanden, also bitte Produktion herunterfahren ! « ). Die produktive
12 – 13
Phase könnte also mit einer erhöhten Aktivität mesolimbischer dopaminerger
Neurone zusammenhängen. Insgesamt ist jedoch die Dopaminhypothese der
Schizophrenie umstritten. Auch der Neuromodulator Serotonin scheint eine
Rolle zu spielen, und zwar aufgrund der Wechselwirkung zwischen Serotonin
und Dopamin. Im mesolimbischen System hemmt Serotonin die Aktivität
dopaminerger Neurone, die zur Substantia nigra projizieren, und es blockiert die
Freisetzung von Dopamin im Striatum und Cortex. Dies könnte die allgemeine
Entspannung und Aktivitätsreduktion erklären, zu der eine Steigerung von
Serotonin führt. Serotoninblocker hemmen entsprechend diesen inhibitorischen
Effekt von Serotonin und verbessern bei schizophrenen Patienten die negative
Symptomatik ( Byne et al., 1999 ).
   Nach neuester Anschauung scheinen die Aminosäuren-Transmitter
Glutamat und GABA bei der Erklärung der neurochemischen Grundlagen der
Schizophrenie wichtiger zu sein als Dopamin und Serotonin, denn Zustände,
die einer positiven wie negativen Symptomatik entsprechen, werden am
ehesten hervorgerufen, wenn man Versuchspersonen den Glutamat-Rezeptor-
Antagonisten Phencyclidin verabreicht, der NMDA-Rezeptoren und -kanäle
blockiert. Festgestellt wurde, dass bei Schizophrenen die cortikale Glutamat-
Ausschüttung reduziert ist; ebenso ist die mit Glutamat eng verbundene
GABAerge synaptische Signaltransmission deutlich verringert.
   Hieraus ergibt sich die in Fachkreisen diskutierte Hypothese, dass
bei Schizophrenen die von Glutamat und GABA abhängige synaptische
Signalverarbeitung gestört ist ( vgl. Byne et al., 1999 ). Dies soll vor allem im
thalamo-cortikalen System der Fall sein. Wie bereits erwähnt, besteht eine
enge Verbindung zwischen den zahlreichen Kernen des dorsalen Thalamus
und entsprechenden cortikalen Arealen. Diese Kommunikation zwischen den
thalamischen Kernen, die den wichtigsten sensorischen Input für den Isocortex
darstellen, und den Cortexarealen wird durch einen besonderen thalamischen
Kern, den Nucleus reticularis thalami, beeinflusst. Dieser Kern erhält Kollaterale
sowohl von thalamo-cortikalen Bahnen als auch von cortico-thalamischen
Bahnen und steht in rückläufiger Verbindung mit den genannten pallio-
thalamischen und den trunco-thalamischen Kernen des dorsalen Thalamus,
projiziert aber nicht selbst zum Cortex. Über GABAerge Fasern kontrolliert er
die Aktivität der meisten Thalamuskerne.
   Ein Fortfall dieser Hemmung würde einen Ausfall der Kontrolle thalamo-
cortikaler Aktivität hervorrufen und damit eine ungerichtete Erregung des
Cortex durch den Thalamus; die Filterfunktion des Nucleus reticularis thalami
würde zusammenbrechen. Es käme dann zu einer starken Beeinträchtigung
der Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, zu einem
verstärkten Auftreten von » Gedankensprüngen « und damit zu einem Übermaß
an Assoziativität; beides wird bei Schizophrenen in der produktiven Phase
beobachtet. Umgekehrt würde eine Verstärkung der GABA-vermittelten,
hemmenden und filternden Funktion des Kerns zu einer kognitiven Vereng-
ung und Verarmung führen, da viele wichtige Informationen nicht weiter-
vermittelt werden. Dies stimmt mit der negativen Symptomatik von
Schizophrenen überein.
   Kreativität ist eine Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig
Assoziativität. Viele kreative Menschen sprudeln vor Ideen, und der Schritt zum
» Spinner « ist oft klein. Häufig genug fällt es schwer, zwischen Hochkreativen
und » Verrückten « zu unterscheiden. Umgekehrt gibt es einen gleitenden
Übergang zwischen korrektem Vorgehen, Pingeligkeit und Ordnungsfanatismus.
Viele Personen, die heute als sehr kreativ gelten, hatten Ideen oder taten Dinge,
die von ihren Zeitgenossen als verrückt angesehen wurden; umgekehrt wurden
Menschen berühmt, weil sie hartnäckig ( » perseverierend « ) Dinge weiterdachten
oder vorantrieben, bei denen die meisten längst aufgegeben hätten.
   Kreativität hat zweifellos mit den assoziativen Eigenschaften cortikaler
Netzwerke, insbesondere solcher im präfrontalen Cortex zu tun, genauer
mit einer Erhöhung oder Erniedrigung synaptischer Plastizität. Diese wird
— wie geschildert — von einer ganzen Reihe von Neurotransmittern und
Neuromodulatoren gesteuert, die sich in ihrer Wirkung teils verstärken, teils
hemmen. Für das Gehirn besteht die Schwierigkeit offensichtlich darin, bei
diesen Vorgängen das jeweils beste Maß an synaptischer Plastizität zu finden,
und zwar besonders dann, wenn sich das Gehirn mit neuartigen Problemen
konfrontiert sieht. Hier ist ein hohes Maß an Flexibilität gefordert, doch darf
diese nicht zu einer » wilden « Assoziation führen, die eine Lösung verhindert.
   Es ist zu erwarten, dass kreative Menschen günstigere Eigenschaften der
beteiligten neuronalen Netzwerke aufweisen; wie diese aussehen, ist nicht
bekannt. Zweifellos sind kreative Prozesse keine rein intracortikalen Vorgänge,
sondern sind sehr stark von subcortikalen limbischen Vorgängen beeinflusst, und
zwar mehr als bei einer reinen Intelligenzleistung. Hierfür spricht die Tatsache,
dass das limbische System nicht nur die Ausschüttung von Neuromodulatoren
im Cortex ( und besonders im präfrontalen Cortex ) kontrolliert, sondern auch
die Aktivität des Nucleus reticularis thalami überwacht. Dies könnte erklären,
warum Kreativität mehr als Intelligenz von der Intuition lebt. Das heißt, viele
kreative Lösungen werden ganz offenbar unbewusst vorbereitet. Wie dies im
Gehirn geschieht, bleibt noch zu erforschen.  r

ZITIERTE LITERATUR

Amelang, M. und D. Bartussek ( 1997 ): Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. 4. Auflage.

Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln.  

Asendorpf, J. ( 2004 ): Psychologie der Persönlichkeit. 3. Auflage. Springer, Berlin u. a. Byne, W., E.

Kemenether, L. Jones, V. Haroutunian, K. L. Davis ( 1999 ): The neurochemistry of schizophrenia.  

In: D. S. Charney, E. J. Nestler und B. S. Bunney ( Hrsg. ): Neurobiology of Mental Illness. Oxford Uni-

versity Press, New York, Oxford, S. 236—245.

Falkai, P., K. Vogeley und B. Bogerts ( 2000 ): Schizophrenie. In: H. Förstl (Hrsg.): Klinische

Neuropsychiatrie. Neurologie psychiatrischer Störungen und Psychiatrie neurologischer Erkrankungen.  

G. Thieme, Stuttgart, New York, S. 23—34.

Förstl, H. ( 2002 ): Frontalhirn. Funktionen und Erkrankungen. Springer, Berlin u. a.

Guilford, J. P. ( 1950 ): Creativity. In: American Psychologist 5, S. 444—454.

Knight, R. T. und M. Grabowecky ( 2000 ): Prefrontal cortex, time, and consciousness. In: M. S. Gazzaniga

et al. ( Hrsg. ): The New Cognitive Neurosciences. 2. Auflage. MIT Press, Cambridge, 

Mass., S. 1319—1339.

Kolb, B. und I. Q. Wishaw ( 1993 ): Neuropsychologie. Spektrum, Heidelberg

Roth, G. ( 2003 ): Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp, Frankfurt.

Anmerkung: Dieser Aufsatz ist eine leicht veränderte Version eines Textes aus Roth ( 2003 ).
16 – 17

MUSIK KANN 
Wie kommen Kinder und Jugendliche zur klassischen Musik ? Wenn die Aus welcher sozialen Schicht kommen die meisten Ihrer Jungstuden-
Eltern Interesse an Musik haben, überträgt sich das oft auf die Kinder. Manchmal ten ? Es gibt Schüler aus sozial starken, aber auch aus sozial schwachen Familien.
haben die Eltern den Wunsch, dass das Kind ein Instrument lernt. Oder das Untersuchungen zeigen, dass bei Jugendmusikwettbewerben die meisten
Kind möchte es selbst. Und dann geraten sie in die klassische Schiene. Preisträger aus sozial nicht ganz einfachen Schichten kommen. Allerdings kann

VIEL MEHR
Würden Sie zustimmen, dass die Liebe zur klassischen Musik erst dadurch man nicht leugnen, dass Musikmachen teuer ist. Arbeitslosen sind andere
kommt, dass man selbst ein Instrument spielt ? Nicht unbedingt. Es gibt Dinge erst mal wichtiger, als die Kinder auf die Musikschule zu schicken. In
Jugendliche, die kennen » Für Elise «, » Die Mondscheinsonate, 1. Satz « oder Ostblockländern gibt es beispielsweise ein ganz anderes Bildungssystem. Dort
populär-klassische Musik, ohne dass sie es je gespielt haben. werden Kinder viel mehr an die Hand genommen. Sie verbringen drei, vier
Interview  0  Dag Befeld, Angela Neumann Dennoch hören die wenigsten Jugendlichen klassische Musik, es sei Tage in der Woche nur an Musikschulen. Hier in Deutschland würden das viele
denn, sie spielen ein Instrument ? Ich glaube, das ergänzt sich. Kaum ein Jugendliche gar nicht mit sich machen lassen.
Kind sagt » Ich möchte Klavier spielen lernen «, weil es klassische Musik mag. Wie schaffen es Familien mit knappen finanziellen Mitteln, ihre Kinder
Kinder denken nicht so. Im Idealfall hat man einfach eine Affinität zu einem musikalisch zu fördern ? Das ist eine Frage der Wertigkeit. Manche Familien
bestimmten Instrument. Oder das Interesse kommt durch Musikangebote in setzen ganz großen Wert auf musische Bildung. Die haben dann eben nicht den
der Schule. dritten Fernseher oder das fünfte Handy.
Das würde heißen, dass Schüler dazu ermutigt werden sollten, ein Geht die Initiative, sich an der HfK zu bewerben, von den Eltern aus ? Eher
Instrument zu lernen. Bekommen sie in der Schule genug Möglichkeiten von den Jugendlichen. Die Eltern unterstützen die Schüler natürlich. Aber wenn
dazu ? Das ist ein schwieriges Thema, weil sich durch den Nachmittagsunterricht der Impuls nicht wirklich von den Jugendlichen ausgeht, dann bringt das nichts.
ganz neue Möglichkeiten eröffnen — auch für Instrumentalunterricht an den Kinder, die von ihren Eltern gedrängt werden, bringen es meist nicht so weit.
allgemein bildenden Schulen. Wer seine Liebe zur Musik zum Beruf machen möchte, hat einen steinigen
Haben wir in Deutschland genug Musikunterricht ? Es ist schwer zu sagen, Weg vor sich. Wie schaffen Ihre Jungstudierenden diesen Weg ? Lob und
ob es genug ist. Gut finde ich aber, dass es ihn überhaupt gibt. Wo er erteilt Erfolg spielen eine große Rolle. Auch Preise zu gewinnen, bestärkt einen in
wird, ist letztendlich egal. Aufgabe der Schulen ist es vor allem, musikalische der Musik. Außerdem gibt sie eine persönliche Befriedigung. Man lernt, sich
Fähigkeiten und das Interesse an klassischer Musik zu wecken. Spitzen- durchzubeißen und Hindernisse zu überwinden. Nicht aufzugeben, spielt in
und Begabtenförderung wird dagegen eher in den Händen der Musik- sehr vielen Bereichen des Lebens eine große Rolle.
schulen oder Privatmusiklehrer bleiben. Nehmen wir an, die Jungstudierenden schließen ein Musikstudium ab. Wie
Wäre es nicht schlau, wenn die Hochschule für Künste Grundlagen schaffen geht es finanziell weiter ? Ist Musik noch eine brotlose Kunst ? Heutzutage
würde, statt nur die Spitzenschüler zu fördern ? Das tut die Hochschule hat kein Absolvent einen leichten Start in den Beruf. Das ist bei den Musikern
für Künste. Es gibt Lehrer, die in Schulen und Kindergärten besonderen nicht besser, aber auch nicht schlechter. Manche können sehr gut von der Musik
Musikunterricht anbieten. Außerdem werden Kinderkonzerte gegeben. Wir leben und andere überhaupt nicht. Ich glaube nicht, dass das an der Sache liegt,
machen nicht nur Spitzenförderung, sondern auch Breitenförderung. sondern an den Leuten selbst. Es ist nicht mehr so, dass ich fertig bin und mir
Wie wichtig ist musikalische Bildung ? Sie hat viele Vorteile in Bezug auf jemand eine Stelle anbietet. Der Einzelne ist gefordert, seinen individuellen
die ganze Persönlichkeitsentwicklung. Man weiß heute, dass Jugendliche, Weg zu finden. Wenn man nicht gerade ins Orchester will, muss man selbst
die sich mit Musik befassen, weniger süchtig oder kriminell sind. Außerdem etwas auf die Beine stellen.  r
ist ihre Konzentrationsfähigkeit viel höher und ihre allgemeine Auffassungs-
gabe besser.
Es ist also kein Zufall, dass Kinder und Jugendliche, die Musik spielen,
auch nicht die schlechtesten in der Schule sind ? Nein, das ist kein Zufall.
Man sollte nicht die Musik für alles verantwortlich machen, aber einen positiven
Einfluss hat sie bestimmt.
Warum wird musikalische Bildung in unserer Gesellschaft dann
vernachlässigt ? Musik ist in der Schule fast immer ein Fach, das man irgendwie
so am Rande mitnimmt. Die Erkenntnisse, die es schon lange gibt, werden
einfach nicht miteinbezogen. Musik bildet nicht nur auf musikalischer Ebene.
Das wurde in unserem Bildungssystem noch gar nicht erkannt und genutzt. Es
geht viel mehr darum, Fakten auswendig zu lernen, als kreativ zu sein und sich
ausdrücken zu können, sprich etwas für seine Persönlichkeit zu tun.
Sozialisiert Musik? Auf jeden Fall. Allein dadurch, dass man zu zweit oder zu
mehreren Musik macht. Man muss auf den anderen hören, auf ihn eingehen,
sozusagen im gleichen Rhythmus schwingen.
Was bleibt den Jungstudenten oder Studenten, wenn sie die Musik doch
Ein Leben ohne Musik kann sie sich nicht vorstellen. Klavier nicht zu ihrem Beruf machen ? Lebensqualität. Und sie werden sensib-
ler für Musik, die ihnen von außen entgegengebracht wird. Theater- oder
spielen zu dürfen, ist ein Geschenk für Almut Cordes, und Konzertbesuche werden ganz anders erfahren. Nicht nur die Liebe zur Musik

dieses Gefühl möchte die Musikpädagogin der Hochschule für bleibt, sondern auch das Musizieren selbst.
Ein Leben ohne Musik — was würde Ihnen fehlen ? Viel. Sich über ein Medium
Künste an Musikstudenten weitergeben. Sie unterstützt und ausdrücken zu können, ist ein unglaubliches Gefühl und ein Geschenk.
Schule, Studium, tägliches Training. Können die Jugendlichen bei der
betreut die Jungstudierenden an der HfK. Wir sprachen mit Belastung noch nebenbei jobben ? Das ist unterschiedlich. Ich habe durchaus  

ihr über Breiten- und Spitzenförderung und die Bedeutung von Schüler, die sich intensiv mit einem Jungstudium beschäftigen und trotzdem
nebenbei jobben. Die meisten versuchen aber, erst mal Schule und Studium
KONTAKT:

Almut Cordes, Musikpädagogin der Hochschule für Künste Bremen


musikalischer Bildung. unter einen Hut zu bringen. cordes.hermann@t-online.de


18 – 19

DER JUNGE MANN


Georg, wie bist du zur HfK gekommen ? Meine Cousine wusste, dass man Realschulabschluss studieren. Als Jungstudent muss ich später nur noch eine
an verschiedenen Musikhochschulen in Deutschland ein Jungstudium machen Theorieprüfung machen, um für ein » richtiges « Musikstudium aufgenommen
kann. Außerdem hatte meine Mutter von einer Freundin erfahren, dass an der zu werden. Die praktische Prüfung hatte ich ja schon.
HfK ein sehr guter Saxophonlehrer unterrichtet. Dann haben wir Herrn Cordes, Hast du noch Zeit für deine Freunde ? Ja. In der Woche ist das schwierig,

UND DAS SAXOPHON


Interview 0 Angela Neumann
meinen jetzigen Saxophonlehrer, kennengelernt. Wir fanden ihn gut, also habe
ich mich für das Jungstudium beworben.
Und wer kam auf die Idee mit dem Jungstudium ? Du hättest doch auch
weiter Musikunterricht nehmen können. Nee, ich wusste schon, dass ich beruf-
lich etwas mit Musik machen will. Seit ich angefangen habe mit dem Saxophon-
aber am Wochenende geht’s. Dann gehe ich mit meinen Kumpels feiern. Meine
Freunde haben Verständnis, wenn ich mal nicht kann. Das ist kein Problem.
Sie finden cool, dass ich Saxophon spiele. Ich habe ja auch schon früher in der
Schulband gespielt. Meine Kumpels kennen mich nur als » der Saxophonist «.
Was sagen deine Eltern und Geschwister dazu ? Meine Familie ist mit dem
spielen, will ich Saxophonlehrer werden. Meine Mutter ist Klavierlehrerin, Jungstudium einverstanden. Die unterstützen mich ganz doll. Meine Mutter hilft
meine Cousine macht Musik, mein Bruder auch. Für mich war klar, dass ich mir manchmal beim Saxophonüben, mein Bruder bei der Theorie. Der ist ja
das auch machen möchte. schon weiter als ich. Er findet es total gut, dass ich das Jungstudium mache.
Hast du dich selbst dazu entschieden, das Jungstudium zu machen Eigentlich wollte er auch hier in Bremen studieren, ist dann aber doch nach
oder deine Eltern ? Ich habe das selbst entschieden. Ich wusste ja, dass ich Osnabrück gegangen.
Saxophonlehrer werden will und wollte mich auf den Beruf vorbereiten. Sagen deine Eltern auch mal: » Hör auf, wenn du keine Lust mehr hast « ?
Herzlichen Glückwunsch, dass du zum Jungstudium zugelassen wurdest. Nein. Die wollen, dass ich das auf jeden Fall mache.
Wie war denn die Aufnahmeprüfung ? Erstmal musste ich ganz früh aufstehen Fühlst du dich besonders, wenn du daran denkst, dass nicht jeder die
und von Espelkamp nach Bremen fahren. Erst habe ich gewartet, bis ich dran Chance hat, so eine Förderung zu bekommen ? Ich finde das schon cool, dass
kam. Dann musste ich rein und mit Klavierbegleitung einige Stücke vorspielen, ich hier genommen wurde. Aber besonders fühl ich mich nicht.
die ich vorbereitet hatte. Ich hatte vier Stücke vorbereitet und drei gespielt Meinst du, es ist eher Fleiß oder Begabung, dass du so weit gekommen
— zwei spanische und ein modernes. Danach haben wir wieder gewartet, bis bist ? Eher Fleiß. Ich übe sehr viel. Begabung ist sicher auch dabei, aber wie
das Ergebnis kam. viel kann ich nicht sagen.
Du hast also am gleichen Tag erfahren, dass du weiter bist ? Ja. Der Lehrer Welche Musikrichtung spielst du am liebsten ? Romantik auf jeden Fall.
hat mir schon gezeigt, dass ich weiter bin. Die offizielle Zusage habe ich aber Glasunow-Konzerte zum Beispiel.
erst später bekommen. Gibt es Momente, wo dir das Jungstudium zu viel ist ? Manchmal hänge ich
Hättest du jemals gedacht, so gut zu werden, als du angefangen hast mit Theorie ein bisschen hinterher, ansonsten ist das schon okay.
Saxophon zu spielen ? Nee, ich hab nicht dran gedacht, später mal ganz toll Hast du mal darüber nachgedacht, etwas anderes beruflich zu machen ?
zu spielen. Ehrlich gesagt wüsste ich gar nicht, was ich sonst machen würde.
Musikmachen kostet Zeit. Wie viel übst du ? Ich übe zwei Stunden oder Möchtest du nach deinem Schulabschluss Musik studieren ? Ja, hundert-
mehr. Jeden Tag. Die meiste Zeit spiele ich Saxophon, aber ich lerne auch jeden prozentig. Am liebsten möchte ich an der HfK bleiben. Mein Lehrer ist hier und
Tag Theorie. die Stadt ist auch ganz schön.
Wie ist es, auf der Bühne zu stehen ? Da bin ich immer ein bisschen aufgeregt. Ist dir das Studium im Laufe der letzten paar Monate wichtiger geworden ?
Aber es macht besonders Spaß, auf der Bühne zu stehen. Wenn die Leute Ja, auf jeden Fall. Es unterstützt mich in dem, was ich machen möchte. Ich
klatschen, ist das ein tolles Gefühl. habe weniger Zeit als früher, aber eine Belastung ist das nicht. Auch wenn das
Warum hast du dich für das Saxophon entschieden ? Ich habe angefangen Studium anstrengender wird, wäre das nicht schlimm für mich.
mit Klavier. Das war aber damals nicht das Richtige für mich. Es war die Idee Gibt dir das Saxophonspielen Selbstvertrauen ? Ja. Aber für jeden ist das
meiner Mutter, Saxophon zu spielen. Also habe ich es ausprobiert und mir hat anders. Manche denken » Das ist nur ein Instrument «, aber für mich ist es
es so gut gefallen, dass ich weitergemacht habe. Klavier möchte ich aber als mehr als das. Mir bedeutet das Spielen viel mehr. Wenn ich nicht mehr spielen
Nebenfach auch wieder lernen. Wir brauchen für den Musikunterricht auch könnte, würde mir wirklich was fehlen.  r
Klavierkenntnisse, vor allem für die Theorie.
Welche Kurse belegst du an der Hochschule für Künste ? Welche sind
Pflicht? Im Moment sind nur Einzelunterricht und Theorie Pflicht bei mir. Ich
habe beides jeweils einmal die Woche.
Wie gefällt dir der Einzelunterricht ? Ich bin total zufrieden damit. Mein
Lehrer ist wirklich nett. Es gibt nichts, was mich stört.

Über den gar nicht so alltäglichen Alltag eines Jungstudieren- Ist der Unterricht anders als der, den du vor dem Jungstudium hattest ?
Das ist schwer zu sagen. Jeder Lehrer ist anders. Aber man kriegt an der HfK
den. Seine Mutter ist Klavierlehrerin, sein Bruder studiert schon anspruchsvollere Stücke. Wenn ich mal etwas falsch spiele, spricht mich
mein Lehrer darauf an und macht Vorschläge, wie ich meine Fehler verbessern
Musik — da ist es kein Wunder, dass auch Georg Franz Musik könnte. Streng ist er aber nicht.
studiert. Seit Sommer 2007 nimmt der 19- Jährige aus Espel- Wie sieht eine typische Woche oder ein typischer Tag mit Schule,
Jungstudium, Freizeit bei dir aus ? Schule ist meist von 8 Uhr bis 13 Uhr. Dann
kamp bei Minden am Jungstudium der Hochschule für Künste komme ich nach Hause, esse was und fahre nach Bremen. Von 16 Uhr bis 18.30

in der Dechanatstraße teil. Seit fünf Jahren spielt er Saxo- Uhr ist dann meistens Theorie, sodass ich um 20 Uhr wieder zuhause sein
kann. Wenn ich keine Uni habe, übe ich stattdessen.
phon, früher in der Schulband, heute an der Uni. Ob er den Was ist wichtiger in deinem jetzigen Leben: das Jungstudium oder die
Schule ? Im Moment ist beides wichtig. Nur in die Schule zu gehen und die
Studienplatz nur seiner Begabung zu verdanken hat, wie Musik zu vernachlässigen, würde nicht gehen. Andersherum geht es wohl  

er Schule und Studium unter einen Hut bringt und was seine auch nicht.
Kannst du an der HfK mit Realschulabschluss studieren, wenn du mit
KONTAKT:

Georg Franz, Jungstudent der Hochschule für Künste Bremen


Freunde von dem Studium halten, erzählte er der VIER. der Schule durch bist oder musst du erst Abitur machen ? Ich kann auch mit georgi1988@hotmail.de
20 – 21

GANZ NORMALE MUSIK GEGEN


Ein unscheinbares Haus am Rande von Bremen. Kaum einer würde es beim » Wer musiziert, wirft keine Brandbomben. « Mit diesen Worten überschrieb der
Vorbeigehen beachten, aber unter diesem Dach wohnen drei hochbegabte Spiegel eine Titelgeschichte im Frühjahr 1995. Das Magazin berichtete über
Musiker: die Geschwister Julika, Miriam und Jannis Rieke. Doch Begabung hin eine Studie des Musikpädagogen Hans Günter Bastian. In einer sechsjährigen

HOCHBEGABTE oder her, für sie steht der Spaß an der Musik im Vordergrund.
   Julika ist mit 18 Jahren die älteste der drei Geschwister und weiß schon
ziemlich genau, wo es beruflich hingehen soll: Sie möchte ein künstlerisches
SPRACH- Untersuchung an Berliner Schulen hatte er festgestellt, dass Schüler in
Klassen mit einem höheren Anteil an Musikunterricht ihr Sozialverhalten
verbessern. Ihre Leistungen in Kernfächern wie Rechnen, Schreiben und Lesen

LOSIGKEIT
Text  0  Dag Neven Befeld
Studium absolvieren, eine Auswahl von Musikhochschulen hat sie bereits im waren eindeutig gestiegen. Wer hätte das gedacht: Musik als Katalysator
Kopf: Frankfurt, Dresden, Würzburg, Wien — welche Stadt es werden soll, ist für Bildung ? Der nächste Politiker, der seinen Wahlkampf mit der Parole
noch offen, aber Bremen wird es in keinem Fall. » Seit fünf Jahren bin ich jetzt » Bildung, Bildung, Bildung ! « bestreitet, sollte eine Variante ausprobieren:
schon in der HfK, ich will auch mal raus, weg von Zuhause, eine neue Stadt Text  0  Thomas Krämer » Musik, Musik, Musik!«
kennenlernen. « Wann sie das erste Mal ein Instrument in der Hand hatte,    Das Land Nordrhein-Westfalen hat kürzlich das Projekt » Jedem Kind ein
kann Julika nicht mehr sagen. » Man ist da irgendwie so rein gewachsen. « Mit Instrument « gestartet, unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes. Alle
vier Jahren bekam sie von ihrem Vater Klavierunterricht, mit fünf wechselte Grundschüler im Ruhrgebiet sollen ein Instrument erlernen. Dafür werden
sie zum Violoncello. Als eine der ersten Jungstudenten wurde sie damals für zehn Millionen Euro bereitgestellt. Etwa 10 000 Kinder an über 200 Schulen
das Förderprojekt der Hochschule für Künste ausgewählt. Damals beschränkte profitieren davon. Zwar ist das Projekt auf vier Jahre begrenzt, aber es ist ein
sich das Angebot auf den Einzelunterricht bei einem der qualifizierten Anfang. Nach jüngsten Erhebungen liegen die deutschen Universitäten weltweit
Hochschuldozenten. Normalerweise kostet eine Stunde Privatunterricht um noch immer im Mittelfeld. Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben in
die 50 Euro. An der Hochschule muss nur der ganz normale Semesterbeitrag Deutschland — einem der reichsten Länder der Welt — bewegt sich etwa auf
gezahlt werden. In diesem Jahr kamen zusätzlich Theorieunterricht und demselben Niveau wie in Mexiko. Und welcher Hochschullehrer kann nicht in
Literaturkunde hinzu. Die Fächer sind nicht nur wichtig, um sich auf die das Klagelied über studieruntaugliche Abiturienten einstimmen ?
schweren Aufnahmeprüfungen an den Musikhochschulen vorzubereiten,    Gewiss lässt sich mit Musik nicht alles beheben, was durch Geldmangel
sondern können auch teilweise auf das spätere Hauptstudium angerechnet und ein verkorkstes Bildungssystem verursacht wird. Und doch kann der Rat
werden. Außerdem kommen die Jungstudenten durch den gemeinsamen nur lauten: Gebt jedem Schulkind ein Musikinstrument in die Hand — je früher,
Unterricht besser in Kontakt miteinander. Eine gute Sache für die Neulinge, desto besser ! Dabei nutzt Musikförderung vor allem den sozial Schwachen. Gibt
für Julika aber leider zu spät. Eine Einrichtung, von der auch die Schülerin es eine schönere Integrationserfahrung, als mit anderen Kindern in einem Chor
noch profitiert hat, ist die Konzertreihe » HfK-Podium für junge Talente «. zu singen und in einem Orchester zu spielen? Die afghanische Geigerin neben
» Wettbewerbe sind ein zentraler Bestandteil der musischen Ausbildung. Es ist dem türkischen Schlagzeuger, die Fabrikarbeitertochter mit der Flöte neben
ein gutes Gefühl, dem Publikum endlich präsentieren zu können, woran man dem Zahnarztsohn mit der Trompete: Gemeinsam spielen sie Bach, Mozart oder
so lang gearbeitet hat. « Es war nicht immer so, dass Julika so enthusiastisch Beethoven und lernen dabei mehr als nur Musik. Wer singt und ein Instrument
von der Musik sprach. Mit zehn Jahren wurde ihr das Lernen zu viel: Jeden Tag spielt, wird Kultur und Sprache unseres Landes kennen und lieben lernen.
mindestens eine Stunde üben ist nichts Ungewöhnliches. Außerdem wurde ihr    Der amerikanische Psychologe Howard Gardner hat herausgefunden, dass
ein anderer Berufswunsch zunehmend wichtiger — Tiermedizin sollte es sein. Kinder, die sich mit Musik beschäftigen, ihre Umgebung leichter verstehen und
Doch nach einem Jahr wurde die Sehnsucht nach dem Instrument zu groß. sich anderen besser mitteilen können. Wer also Schülern Posaunen, Oboen oder
   Ihre Schwester Miriam ist sich sicher, dass sie ihre Berufung nicht zum Gitarren in die Hand gibt, der hilft ihnen, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden.
Beruf machen will. Die 17-Jährige verfügt über das absolute Gehör. Sie hat, Die Musikschulen in Deutschland sind dafür bestens qualifiziert. Doch viele
genau wie ihre Schwester, bereits zahlreiche Auszeichnungen gewonnen stehen wegen der Finanzprobleme der öffentlichen Haushalte am Rande
und an Bundeswettbewerben teilgenommen. Die Musik ist ein zentraler ihrer Existenz. Das ist nicht nur traurig, sondern gefährlich. So hat auch der
Bestandteil ihres Lebens, aber studieren will sie eher eine mathematische frühere Bundesinnenminister Otto Schily erkannt: » Wer Musikschulen schließt,
Richtung. Trotzdem übt sie nicht weniger. Zusätzlich zum Fagott spielt sie gefährdet die innere Sicherheit. «  r
regelmäßig Klavier. Selbst ein gebrochener Arm konnte sie von ihrem letzten
Auftritt nicht abhalten. » Das Erste, was ich mache, wenn ich nach Hause
komme, ist, mich hinzusetzen und ein wenig zu spielen, nur um den Kopf
wieder frei zu bekommen. « Auch Jannis, der jüngste der drei, weiß noch
Die 14- bis 18-jährigen Geschwis- nicht, ob seine Zukunft im Orchestersaal oder auf dem Fußballfeld liegt.
Neben klassischer Musik hört er gerne auch mal Punk. Dass da der eine
ter Julika, Miriam und Jannis oder andere Ton nicht richtig getroffen wird, ignoriert der 14-Jährige mit dem
Rieke sind Jungstudierende an der absoluten Gehör gern. Er spielt Geige und ist seit diesem Jahr, genau wie
seine beiden Schwestern, Jungstudent an der HfK. Die Theoriekurse kann er
Hochschule für Künste Bremen. nicht besuchen. Dafür fehlt ihm neben Fußball und Schule einfach die Zeit.

In einer Gesprächsrunde berich- » Kaum komme ich vom Unterricht, wartet auch schon der nächste Termin
auf mich. Die Schulaufgaben verschieben sich da meistens auf den Abend. «
Prof. Thomas Krämer untersucht
ten die drei Ausnahmetalente, Trotz oder gerade wegen der zusätzlichen Arbeit, die das Musizieren mit sich den pädagogischen und inte-
bringt, wirken alle drei gelassen und glücklich. Hochbegabung und absolutes
wie sie ihren Hobbys nachgehen Gehör sind große Worte, aber letztlich zählt neben viel Fleiß etwas viel grativen Aspekt von Musik. Ein
können trotz des zeitintensiven Einfacheres. Julika bringt es auf den Punkt: » Beim Musizieren muss immer
der Spaß im Vordergrund stehen und die Freude daran, ihn mit dem Publikum
Plädoyer für den Musikunter-
Lernens für Schule und Studium. zu teilen. «  r richt — je früher desto besser  
KONTAKT:

Prof. Thomas Krämer, Musiktheorie, ehem. Rektor der Musikhochschule des Saarlandes

th_kraemer@t-online.de         

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Forschung und Lehre


PROCESS –
PLEASE
Material 0 Erstsemester   Collage  0  VIER

In den Erstsemesterworkshops sollen die angehenden


Gestalter die verschiedenen Bereiche der Hochschule
für Künste erkunden. Das geschieht über konkrete Auf-
gabenstellungen. Diesmal lautete das Motto der
Workshops: » So viel mit so wenig «. Zehn Erstsemester
wurden gebeten, Materialien, Skizzen, Fotos etc. zur
Verfügung zu stellen, um einen visuellen Einblick in die
Prozesse der Workshops zu geben. VIER hat diese auf
den folgenden Seiten illustrativ inszeniert.
24 – 25
26 – 27
28 – 29


Jeferson Andrade, Eva Baramsky, Harm Coordes, Irina Gilgen, Irene Joa, Annika Nagel,        

Julia Preckel, Catharina Prinke, Marieke-Sophie Schmidt, Johanna Werner, Gerrit Wolters
30 – 31

ZU WENIG
Wo sieht Scholz & Friends seine individuelle Position und wo liegen die bildung bieten, sondern nur an die eigenen Umsätze denken. Wir denken
zukunftsorientierten Initiativen ? S& F ist darauf angewiesen, exzellente Köpfe auch nur an unsere Umsätze — aber deswegen bilden wir aus. Wir haben in
zu finden und zu halten. Im Bereich der Ausbildung heißt das, dass wir fast Deutschland – das ist nun alles andere als Geheimwissen — eine Entwicklung,
alles machen, was es gibt, und uns auch Neues überlegt haben. Wir haben dass uns die jungen Leute ausgehen. Die Geburten gehen stark zurück in
beispielsweise ein weltweit einmaliges Praktikum. Es ist firmenübergreifend Deutschland. Das heißt, die Anzahl an Köpfen, die man für sein Unternehmen

NACHWUCHS,
und nennt sich » creative village «. Wir machen das gemeinsam mit der gewinnen kann, wird zurückgehen. Entsprechend wird der Wettbewerb um
UFA und der taz. Inzwischen läuft es seit zehn Jahren und ist in seiner Art die Besten zunehmen. Gleichzeitig wächst die Notwendigkeit, die Köpfe, die
einzigartig, weil sich Leute ganzheitlich an den Angeboten orientieren kön- man hat, weiter zu entwickeln und zu fördern. Das sollte im Interesse jedes
nen, die es im medialen und kommunikativen Bereich gibt. Wir haben Ab- Unternehmens sein, damit es erfolgreich ist.
solventen der Berufsakademie, genauer gesagt machen wir gemeinsam mit der Was muss passieren, um den Nachwuchs entsprechend zu fördern?

MEHR
Berufsakademie eine Ausbildung. Bei uns werden Lehrstellen angeboten, wir Die Unternehmen müssen versuchen, die Potenziale ihrer Mitarbeiter optimal
übernehmen Hochschulabsolventen und haben alle nur erdenklichen Arten von zu entwickeln. Das fängt mit dem ersten Tag als Praktikant an und hört nie
Einstiegsmöglichkeiten. wieder auf …
Warum engagiert sich Scholz & Friends so stark in Richtung Nach- … am besten direkt an die Schulen gehen? Die Qualität der Schulen und der
wuchsförderung? Weil wir die besten Leute brauchen, und wir müssen ver- Hochschulen ist ein riesiges Thema. Deutschland gibt so viel Geld für Bildung

WETTBEWERB
suchen, denen auch die beste Ausbildung zu bieten. aus wie kaum ein anderes Land und bekommt eine so lausige Qualität dafür
Nach welchen Kriterien werden Bewerber ausgewählt? Ein nicht un- zurück wie wohl auch kaum ein anderes. Es ist zutiefst mittelmäßig, aber
wesentlicher Punkt ist, ob die Bewerberin oder der Bewerber in unsere Familie wahnsinnig teuer. Immer, wenn an einer Stelle geschrien wird, man brauche
passt. Bei uns wird stark im Team gearbeitet, es geht vor allem um Ergebnisse. mehr Geld, könnte man sagen: Nein, man braucht überhaupt nicht mehr Geld!
Wir wollen Exzellenz hervorzubringen, und wenn jemand da hineinpasst, dann Man braucht allerhöchstens mehr Energie, um verkrustete Strukturen und
Interview 0 Christina Loock
sind die Chancen gut, ein solches Praktikum bei uns zu absolvieren. ineffizientes »Verplempern« abzustellen. Die Länder, die in den Pisa-Studien
Bei Bewerbungen schauen Sie nicht nur auf die Zeugnisse. Im Lebenslauf besser abschneiden als Deutschland, geben teilweise viel weniger Geld für
finden sich zum Beispiel oft Hinweise auf die Qualifikationen eines Bewerbers. Bildung aus.
Wir achten neben den Schulnoten auch auf das soziale Engagement. Wer einen Das klingt, als wüssten Sie, was Sie als Erstes ändern würden. Ich würde
Chor geleitet hat, der kann auch ein Team führen. Das geht gar nicht anders. an allen Stellen versuchen, den Wettbewerb zu steigern. Ein Beispiel: Studenten
Wer als Übungsleiter eine Fußballmannschaft geleitet hat, der kann ein Team benoten auch Professoren. Die Professoren, die die besten Beurteilungen
führen. Genauso wie diejenigen, die sich als Klassensprecher engagiert haben, bekommen, sollen am meisten Geld verdienen. Im Gegenzug bekommen die
eine Schulzeitung gemacht haben oder ein Jahr im Ausland waren. Professoren mit den schlechteren Ergebnissen weniger Geld. Es sollte einfach in
Das geht ja schon in den hochbegabten Bereich. Wie würden Sie Hoch- alles ein Wettbewerbsmechanismus eingeführt werden. Ein anderes Beispiel:
begabung definieren? Irgendeine Begabung sollte es schon sein, zum In Kunsthochschulen sind Noten oft eine Farce! Ich bin seit einigen Jahren an
Beispiel ein sehr gutes Verständnis davon, wie Menschen denken. Gesunder der Universität der Künste Berlin und mir fiel als Erstes auf, dass für schieres
Menschenverstand in einer besonders klaren Form zählt bei uns besonders. Erscheinen schon Einsen vergeben wurden. Ich hab das in meinem Bereich
Wir haben einen Kollegen, der hat in seinem Jahrgang in Berlin das beste abgelehnt und habe die Noten mehr gespreizt. Das gab viel Unruhe, aber am
Abitur geschrieben. Die meisten davon dürften aber eher durchschnittlich Ende haben sich die Studenten daran gewöhnt und mehr angestrengt. Überall,
gewesen sein. Es gibt sicher auch Leute bei S&F, die haben ihr Studium exzellent wo solche Dinge eingerissen sind, muss man meiner Meinung nach sehr
abgeschlossen. Die Art von Hochbegabung aber, die wir suchen, ist, Inhalte gut entschlossen die gegenteilige Richtung einschlagen.  r
kommunikativ vermitteln zu können.
Also verstehen Sie sich durch Ihr Praktikumsangebot auch ein wenig als
» Bildungsagentur «. Der Begriff » Bildungsagentur « ist da eher irreführend.
Man bleibt aber nur gut oder wird überhaupt erst gut, wenn man ständig
dazulernt. Insofern muss eine Einrichtung wie eine Kommunikationsagentur
immer dringend dazulernen. Das gilt allerdings ebenso für jede Bäckerei und
jeden anderen Bereich. Wenn man sich behaupten und Kunden zufriedenstellen
will, muss man sich ständig weiterentwickeln.
Was halten Sie von den staatlichen Förderinitiativen, insbesondere der
Studienstiftung des Deutschen Volkes ? Jede Form von Talentförderung ist
großartig. Die Studienstiftung ist ein gutes Beispiel. Sie gehört in diese Gruppe
der Stipendienwerke, bei denen man sich bewerben kann beziehungsweise
von der Schule vorgeschlagen wird, wenn man ein besonders gutes Abitur
Scholz & Friends ist Mitbegründer des interdisziplinären gemacht hat. Die anderen Werke nehmen auch Studenten auf, die nicht in allen
Praktikantenprogramms » creative village «, durch das junge Fächern gute Noten bekommen haben, aber ein spezielles Profil aufweisen.
Ich weiß allerdings von zwei Leuten, die in diesem Bereich tätig sind, dass
Talente in sechs Monaten drei der innovativsten Medien- sich erstaunlich wenig Schüler und Studenten bewerben. Entweder machen Zur Philosophie der Scholz & Friends AG

unternehmen Deutschlands kennenlernen. Das Programm die Förderwerke ein schlechtes Marketing oder die Studenten sind zu träge, um
es herauszufinden. Das wäre auf beiden Seiten ein deutlicher Anreiz, sich mal
Scholz & Friends versucht nach eigenen Angaben, exzellente Kommunikation ganzheitlich für Marken  

zu gestalten. Exzellente Kommunikation heißt: kreativ herausragend und von der Vermittlung der  

gibt es seit 1997 und hat schon eine große Gruppe erfolg- in Bewegung zu setzen. Inhalte herausragend. Es soll nicht nur Spaß machen, sich die Arbeiten von S & F anzuschauen, son-

Ein kleiner Blick in die Zukunft. Sollte es mehr Agenturen geben, die sich dern auch Lust auf mehr machen. Das Unternehmen ist laut Sebastian Turner daran interessiert, die
reicher Ehemaliger hervorgebracht. VIER hat mit Sebastian um Nachwuchs bemühen ? Jede Einrichtung, die darauf angewiesen ist, gute unüberschaubar gewordene Fülle an Kommunikationskanälen, wie Fernsehspots, Plakate und das

Turner gesprochen, dem Vorstandsvorsitzenden der Mitarbeiter zu haben, muss sich im Nachwuchsbereich engagieren. Da kann es
nicht zu viele oder genug geben.
Internet, möglichst ganzheitlich zu gestalten — ähnlich wie bei einer Orchesteraufstellung. Turner nennt  

sein Unternehmen deshalb auch » The Orchestra of Ideas « — kreative Exzellenz auf der einen, Ganz- 

Scholz & Friends AG. Es gibt genügend Firmen, die nicht jedem Talent eine hervorragende Aus- heitlichkeit auf der anderen Seite.
32 – 33

EINE PRISE DIE KUNST


Corporate Social Responsibility, kurz CSR, ist ein Konzept, nach dem Unter- Spielen Sie persönlich ein Instrument oder malen Sie ? Ich male und zeichne
nehmen freiwillig Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt gern. Kunst gehört zu meinem Leben. Ich lasse mir keine wichtige Ausstellung
übernehmen und sich beispielsweise sozial engagieren. In der Praxis ist entgehen. Von einem Besuch in der Hochschule für Künste im Speicher XI

GESTALTUNG
der Grundgedanke zwar oft unter dem PR-Bonmot » Tu Gutes und sprich
darüber ! « zur preiswerten Image-Politur degeneriert. Da werden dann Werbe- GEHÖRT   war ich sehr angetan. Ich habe mir dort die Arbeiten von Studierenden und
Lehrenden angesehen. Des Weiteren liebe ich das Musiktheater.

ZU MEINEM  
mittelrestbestände mit medienstrategisch aufgepeppter Öffentlichkeitswirk- Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen einer guten und frühen mu-

IN DIE   samkeit in rumänischen Kinderhospizen entsorgt. Es geht aber auch anders.


   Die Initiative » gestaltBildung « ist ein CSR-Projekt von Fuenfwerken De-
sign, einer Designagentur mit Sitz in Wiesbaden und Berlin. Ziel dieser Initiative
LEBEN
sischen Förderung junger Menschen und ihren Chancen der eigenen
Persönlichkeitsentwicklung ? Ja. Die Hirnforschung und die Entwicklungs-
psychologie haben dies mittlerweile belegt. Sowohl die aktive als auch die

BILDUNGS-  ist es, die Themen Gestaltung und Bildung fruchtbar zusammenzuführen.
Das geschieht zum einen, indem Bildungseinrichtungen wie beispielsweise
UNIAKTIV, das Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung
Interview 0 Klaus Schloesser
passive Beschäftigung mit Musik beeinflusst die kognitiven, motorischen,
kreativen und sozialen Fähigkeiten aller Kinder deutlich positiv. Ein Instrument
zu spielen, ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten. Gefordert werden

SUPPE
Text 0 Michael Neser
an der Uni Duisburg-Essen, mit kostengünstigem Corporate Design unterstützt
werden. Vor allem aber geht es bei gestaltBildung um praktische Projekte mit
Schülern und Studierenden. Das erste dieser Projekte ist die Aktion » unliniert «:
dabei werden Skizzenbücher vom Fuenfwerken-Team in Info-Workshops
gleichzeitig Intellekt, Grob- und Feinmechanik und präzise Koordination von
gezielt »bespielten« Emotionen. Wissenschaftler und Experten betonen daher
die Bedeutung einer frühen musikalischen Erziehung für die Entwicklung von
Kindern. Die jüngste PISA-Studie hat gezeigt, dass sensorische Fähigkeiten und
an Schulen verteilt. In den Büchern finden sich Tipps und Anregungen zur soziale Kompetenz für eine moderne, zukunftsorientierte Bildung unverzichtbar
kreativen Betätigung, die auch diejenigen ansprechen sollen, die über kein sind. Durch das gemeinsame Musizieren wird der Gruppenzusammenhalt der
besonderes gestalterisches Talent verfügen. Die ersten Früchte der Aktion Schülerinnen und Schüler gestärkt. Die musische Förderung ist auch für die
wurden im vergangenen Jahr von einer Jury aus Designprofis und Pädagogen Leistungen in anderen Schulfächern von Bedeutung.
begutachtet und anschließend in einer kleinen Ausstellung im Wiesbadener Heute ist die Sorge verbreitet und sicher nicht unbegründet: Geraten die
Kurhaus präsentiert. musischen Fächer an unseren Schulen immer weiter ins Hintertreffen, weil
   Mit » unliniert « soll die in Lehrplänen stiefmütterlich behandelte und sich unter dem Schock von PISA Bildungspolitiker und Schulen vor allem
in der aktuellen Bildungsdebatte völlig vernachlässigte Kreativität gefördert auf die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen und vielleicht noch
werden. Denn während die Wirtschaft diese längst als zentrale Produktiv- Fremdsprachen konzentrieren und Musik und Kunst als Verfügungsmasse
kraft identifiziert hat, rangiert das Thema in den Kultusministerien unter oder » Nice-to-have-Luxus « behandeln ? Ich denke, jeder der eine wirklich
» ferner liefen «. gute Schule machen will, weiß um den Stellenwert von Kunst, Musik und
   Ein weiteres Ziel der Initiative gestaltBildung ist die Vermittlung von Theater in der Schule. Ästhetische Erziehung leistet einen wesentlichen Beitrag
gestalterischem Know-how für Schüler und Studierende. Fast jeder sieht sich zur Lern- und Schulqualität. Das wird auch im fächerübergreifenden Unterricht
irgendwann mit gestalterischen Fragen konfrontiert — durch den Computer heute wirksam. Der Stellenwert der musisch-ästhetischen Erziehung ist nach PISA
mehr denn je. Sei es die Gestaltung von Bewerbungsunterlagen, Briefen etc. keineswegs gesunken. Wenn wir neue Ganztagsschulen genehmigen, dann
oder beispielsweise eine Tätigkeit in der Unternehmenskommunikation, bei spielt das künstlerische Profil eine besondere Rolle. Zum Beispiel will die Schule
der ständig Entscheidungen getroffen werden müssen, die eigentlich gewisse am Leibnizplatz, die jetzt Ganztagsschule wird, ein Theaterprofil entwickeln.
Grundkenntnisse im Grafikdesign voraussetzen. Und wie viele ästhetische und Die Gesamtschule Ost ist ganz groß im Musizieren. Im Schulgebäude hat die
informative Powerpoint-Massaker blieben uns allen durch ein Minimum an Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ihr Domizil gefunden. Es ergeben sich
allgemeiner Gestaltungskompetenz erspart ? Synergieeffekte, die die Schule geschickt zu nutzen weiß.
   Die enorme Resonanz, die gestaltBildung bereits hervorgerufen hat, Auch an Bremer Schulen werden Musik- und Kunstunterricht häufig
scheint den Initiatoren jedenfalls Recht zu geben. Deshalb ist das Fuenfwerken- von Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, die dafür eigentlich nicht
Team nun auf der Suche nach Kooperationspartnern. Damit gestaltBildung beim ausgebildet sind. Sind Musik und Kunst für Sie Nebenfächer nach dem
Kampf gegen die kreative Mangelernährung im Bildungssektor kein Tropfen auf Motto: Ein bisschen Singen und Malen kann schließlich jeder ? Dem
den heißen Stein bleibt.  r Bedarf an Kunst- und Musiklehrerinnen und -lehrern kann leider nicht immer
in ausreichender Weise entsprochen werden. An dieser Stelle sorge ich
Seit dem Sommer 2007 ist Frau durch qualifizierte Weiterbildungsangebote dafür, dass so viel Begegnung
mit Kunst und Musik an Schulen stattfindet wie möglich. Ich bin gerade der
Die Designagentur » Fuenfwerken « Renate Jürgens-Pieper im Hochschule für Künste sehr dankbar, dass sie mit großer Kompetenz solche

mit Sitz in Wiesbaden und Berlin Amt. Als Senatorin für Bildung Weiterbildungsangebote für unsere Lehrerinnen und Lehrer organisiert. Als
ausgesprochen förderlich für die Praxis und die Freude am Lernen hat sich auch
hat die Initiative » gestaltBildung « und Wissenschaft ist sie für das die Kooperation mit Künstlerinnen und Künstlern erwiesen, die im Rahmen von
anspruchsvollen Projekten an die Bremer Schulen kommen.
ins Leben gerufen, die der gesamte Feld des Nachwuchses Welchen Stellenwert wollen Sie den Fächern Kunst und Musik an den
kreativen Mangelernährung im im Land Bremen zuständig, vom Bremer Schulen einräumen ? Wo sehen Sie Handlungsbedarf ? Wie stehen
die Chancen und Ressourcen ? Wir räumen den Fächern der ästhetischen
Schulunterricht entgegenwirken Vorschulkindergarten bis zur Bildung, also nicht nur Kunst und Musik, sondern auch dem darstellenden

will. Denn während die Wirtschaft Hochschule. VIER wollte erfah- Spiel, einen sehr hohen Stellenwert ein. Die Arbeit unserer Musikprofilschulen
setzt Zeichen, ebenso die vielfältigen Kooperationen mit Orchestern. Daneben
Kreativität längst als zentrale ren, welchen Stellenwert die nutzen wir Wettbewerbe, die unsere Schülerinnen und Schüler mit sehr
unterschiedlichen Formen musikalischer und künstlerischer Arbeit in Kontakt
Produktivkraft identifiziert hat, musischen und künstlerischen bringen. Hier sehe ich noch mehr Entwicklungspotenzial. Mitarbeiter meiner

benötigt der Bildungssektor auf KONTAKT:       

Michael Neser, Pressesprecher Fuenfwerken


Fächer in der Politik der neuen Behörde wollen mit Bremer Künstlerinnen und Künstlern kooperieren und
bauen entsprechende Kontakte auf.  r
diesem Gebiet Nachhilfe. michael.neser@fuenfwerken.com Senatorin einnehmen.
LUST AM
Kinder können nur selbst lernen, wir können sie nicht »belehren«. Wer in
Kindern und Jugendlichen die Motivation zum Lernen wecken will, muss Anteil

Goddess of Creative Overkill.


nehmen, sie ermuntern und Beziehungen zu ihnen aufbauen. Heranwach-

FORSCHEN
sende brauchen ein Umfeld, in dem sie auch Ideen entwickeln können, was
sie selbst einmal werden wollen. Wichtig ist zu erleben, dass man nicht
nur arbeitet, um Geld zu verdienen, sondern dass Arbeit etwas ist, das sie

Interview 0 Bianka Hofmann


befriedigen kann und womit sie einen Beitrag leisten können. Genau das
erleben sie in Kontakt mit engagierten Künstlern und Wissenschaftlern, mit
Vor dem Ruhm kommt die Bewerbung. Bewirb dich als Art- oder Text-Praktikant/in.
denen sie vor Ort gestalten, experimentieren und forschen.
Seit drei Jahren veranstaltet die Universität Bremen gemeinsam mit der
Hochschule für Künste in den Osterferien eine Kinder - Uni für Schüler von
8 bis 12 Jahren. Neben Vorlesungen, die die Kinder gemeinsam mit ihren
Eltern besuchen können, werden Labore und Workshops angeboten, in
denen sie gestalten und experimentieren können. Für die Eltern gibt es ein
Elternprogramm. »Mit den Angeboten der Kinder-Uni wollen wir die Lust
am Forschen und die Begeisterung für neue Erfahrungen fördern und den
Bürgern die wissenschaftlichen Einrichtungen näherbringen«, sagt Gisela
Gründl, die Kooperationsbeauftragte Universität — Schule und Verantwortliche
für die Kinder-Uni. »Wir wollen mit diesen außerschulischen Lernorten das
schulische Angebot ergänzen und die Schulen unterstützen.« Mit dem Projekt
»Modedesign — Rund ums Entwerfen! Von der Zeichnung zum Kleidungsstück«
bot die Hochschule für Künste im vergangenen Jahr Schülern ab 10 Jahren die
Möglichkeit, die Hochschule kennenzulernen, zu scribbeln, zu nähen und frei
zu gestalten.
Auch für ältere Schüler bieten die wissenschaftlichen Einrichtungen in
Bremen Projekte an: In der Sommerakademie können begabte Schüler der
gymnasialen Oberstufen in der ersten Woche der Sommerferien gemeinsam mit
Künstlern und Forschern den wissenschaftlichen Alltag erleben, selbstständig
und im Team arbeiten. Die Hochschule für Künste bot bisher die zwei Kurse
»Elektronische Komposition« und »Physik der Musikinstrumente« an. Zum
Abschluss präsentieren die Schüler aus allen Kursen den Teilnehmern und
Gästen ihre Ergebnisse. »Diese Abschlusspräsentationen sind immer ein
ganz besonderes Highlight«, so Gisela Gründl. »Nicht nur, weil die Schüler
Beeindruckendes leisten, sondern weil es ihnen sichtlich Spaß macht, ihre
Ergebnisse zu präsentieren und Anerkennung zu erfahren.« r

Maike G.
Art-Praktikantin

»Wissen heißt nicht, über etwas viel


reden, sondern etwas tun können.«
Donata Elschenbroich

NEUMARK T

Jannis Tsalikis
Human Resources Manager

tel +49 (0) 40/3 02 12-272


Kontakt:
fax +49 (0) 40/3 02 12-104
Bianka Hofmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Bremen

bianka.hofmann@uni-bremen.de jannis.tsalikis@s-f.com
ART
projekte 00 art 0 38 – 39

Hotel
im Ufo

Kunstpreis des Förderkreises der HfK


für das dilettantin produktionsbüro
Text  0  Klaus Schloesser  Fotos  0  Projektgruppe

Es hat gute Tage gesehen. Bessere. Man hatte es mit Achtung vielleicht notgelandet sind: Kanzel, Antriebsaggregate, Steuer- www.dilettantin.de/hotel

behandelt. Man hatte sich selbst mit einem kleinen Ruck innerlich ruder — alles da für eine Abenteuerreise durch die Galaxien. Es
Haltung annehmen lassen, und auch wer nichts ausgefressen folgen Ortstermine, Bekanntschaft mit dem Inneren, nächtliche
hatte, fragte sich bei seinem Anblick kurz, ob es nicht vielleicht Lichtspiele, Inspektion des Unterirdischen, gekappte Technik.
doch Anlass zu schlechtem Gewissen gäbe. Eine gute Adresse Welches Leben hat hier Platz ? Welche Bilder drängen herein
war das: Hansator, Zollhaus, Heimat der Hüter über die Grenze und füllen den Raum ? Edward Hopper. Menschen, letzte Gäste,
zwischen den regulierenden Gesetzen des freien Warenverkehrs die an langen Tresen nach Mitternacht ihre Melancholie in den
und den Versuchungen ihres Missbrauchs: Schmuggeln, den Staat Whiskey-Soda rühren. Oder eine abgelegene Tankstelle am Rande
prellen, um das, was des Staates ist. Böses im Schilde führen, eines verlassenen Kaffs im mittleren Westen, an der der Postmann
verbotene Rauschmittel in den Verkehr bringen. Kurz: Es war zweimal klingelt und jede Gefälligkeit sich rächen kann … Ein
eine Adresse des Guten, der Ordnung und Ehrfurcht einflößender einsames Motel, in das sich nur noch selten Gäste verirren, seit
Obrigkeit. Fast vierzig Jahre lang. der Highway verlegt wurde, und in dem das Duschwasser sich rot
   Und jetzt — geradewegs auf dem Sprung in ein neues färbt — nur aus verdammter Mutterliebe.
Jahrtausend ? Nutzlos. Aus der Zeit gefallen. Verwaist. Nach    Auch das Zollabfertigungshaus am Hansator ist vom Schuss
treuen Diensten vom Hof gejagt wie Esel, Hahn, Hund und geraten. Vielleicht freut es sich über eine Milchbar ? Nein, besser
Katze im Bremer Märchen der Brüder Grimm. Wie ergeht es noch — ein Hotel ! Obdach gewähren. Sein müdes Haupt betten.
einem Flachdach, wenn es niemand mehr vor Schnee und Regen Mit Fremden an einer Bar sitzen. Auf der Durchreise sein. Hunger
schützt ? Wie einer Rampe, die niemand mehr auf Augenhöhe stillen. Einschlafen. Weiter müssen. Bedient werden. Träume
mit Führerhaus oder Ladefläche von Lastkraftwagen hebt, um haben. Albträume haben.
verdächtige von unverdächtigen Fahrten zu scheiden ? Was bleibt    Zusammen mit ihrer Freundin Anneli Käsmayr steckt Jenny
von einem rundum verglasten Oval, wenn es niemandem mehr Kropp hinter dem dilettantin produktionsbüro. Beide haben
bestmöglichen Überblick über erlaubtes und verbotenes Treiben an der HfK Bremen studiert, beide sind Meisterschülerinnen.
gewährt ? Ein Zweckbau, dem über Nacht der Zweck abhanden Der Name des 2003 gemeinsam gegründeten Kunstprojekts ist
gekommen ist! Kann ein Haus sich lächerlich machen ? Programm: » Ein Dilettant ist einer, der etwas aus Liebhaberei tut.
   Oder: liegt in seiner bemitleidenswerten Lage auch eine Der Antrieb fürs Handeln kommt aus der Leidenschaft, nicht aus
Chance ? Was, wenn nach den Zollbeamten die Künstler kommen dem Können/Handwerk. «
und in vorsichtiger Annäherung Freundschaft mit ihm schließen ?    Gleichwohl: Um eine verwaiste Zollkontrollstation für drei,
Was, wenn sie ihm zuflüstern » Wovon träumst du ? « und dabei nur drei Tage in ein Hotel zu verwandeln, braucht es neben
die schmerzhafte plötzliche Leere als Platz für Fantasie und Liebhaberei auch Können und Genauigkeit. Eröffnung am
Freiheit für neuen Sinn deuten ? 9. September 2006. Schließung am 11. September 2006. Dazwi-
   Jenny Kropp musste bei ihren ersten Begegnungen an schen Präzisionsarbeit: Rezeption und telefonische Reservierungs-
Science-Fiction-Filme denken, an ein Ufo, mit dem Außerirdische möglichkeit, Roomservice, Zimmereinrichtung ( in Nummer 117
in einer eher unwirtlichen Ecke des Planeten Erde gelandet, sind Zwillinge grundsätzlich bevorzugt zu behandeln ), passende
Dienstkleidung für Pagen und Portiers, blütenweiße und gestärkte nach Schuhgröße gefragt … In allen Räumen verwischen sich
Spitzenschürzen fürs Hauspersonal, Bar, Restaurant, Salon, Sublimes und Triviales. «
Honeymoonsuite. Und natürlich: die Hausordnung. » Betreten des    Für die Arbeit Hotel erhalten das dilettantin produktionsbüro
Kellers ist nur mit dem passenden Schlüssel gestattet. « Vielleicht ( Anneli Käsmayr, Jenny Kropp ) sowie die ebenfalls beteilgten
die wichtigste Regel: » Geheimnisse des Hauses sind streng Anna Jandt, Alberta Niemann und Claudio Heidorn den mit ins-
vertraulich zu behandeln. « gesamt 15 000 Euro dotierten Kunstpreis des Freundeskreises der
   Anneli Käsmayr und Jenny Kropp interessiert die Grenze zwi- HfK 2007. Der Preis wird im Rahmen des Festes des Freundes-
schen Kunst und Alltag — nicht erst seit ihrem Hotel-Projekt. Was kreises der HfK am 8. Februar 2008 überreicht.
passiert auf dieser Gratwanderung ? Was, wenn man die Grenzen    In der Begründung der Jury unter Vorsitz des ehemaligen
bewusst verflüssigt, verschiebt, durchlässig macht, Blickwinkel Rektors der HfK, Professor Dr. Peter Rautmann, heißt es: » Die
verändert und künstlerische Kreativität sich scheinbar banale Irritationen, die dabei entstehen, ob es sich bei dem Hotel wirk-

Über Umwege
Alltagsrituale vorknöpft ? Ein Gast ihres Hotels, das ein Zollab- lich um ein Hotel und/oder eine künstlerische Installation handelt,
fertigungshaus war und durch den bereits beschlossenen und beziehen den Betrachter produktiv derart ein, dass er seine eigene
bevorstehenden Abriss ein Haufen Schutt werden soll, schreibt Position zwischen Voyeur, Hotelgast, reflektierendem Beobachter
auf: » Entrée. Stilbrüche überall — der jugendliche Hotelportier laufend neu bestimmen muss; es entsteht ein komplexes, auch

ans Ziel
schlurft durch sein Areal; ihm hängt das Hemd aus der Hose. lustvolles Spiel wechselnder Formen der Wahrnehmung, die letzt-
Seine edle, goldbetresste Uniform ist eher einem Grand-Hotel- lich um die Frage des Zusammenhangs, ja der Vereinigung von
Pagen angemessen — schon hier gerät alles in ein schräges Licht. Kunst und Leben kreisen. «  r
Beim › Check-in ‹ wird nicht etwa nach der Kreditkarte, sondern

PS : Das Zollhaus am Hansator steht heute noch. Bevor es befristet im September 2006 in ein Hotel verzaubert wurde, war der Abriss eigentlich beschlossene Sache. Ob zwischen

beidem ein Zusammenhang besteht … ?

PPS : Jenny Kropp und Anneli Käsmayr arbeiten gegenwärtig an neuen Projekten an der Grenze zwischen Kunst und Leben. Eines : Im Bremer Ostertorviertel haben sie ein Restaurant

eröffnet. Gegenüber ihrem Hotel-Projekt haben sie die Zeitperspektive leicht modifiziert. Ihr Hotel hatte drei Tage. Ihr Restaurant heißt dreijahre. An einer Säule zählt eine Uhr

unerbittlich rückwärts und erinnert ständig daran, dass es auch diesmal um ein Experiment zwischen Kunst und Alltag, Anfang und Übergang geht.
Kunst studieren ohne Abitur
Text  0  Erik Rossel, Julian Thiel  Fotos  0  Gregor Gaida

Gregor Gaida (32), geboren in Polen, aufge- » Voraussetzung für das Studium an der HfK Bremen ist in der rein, um deutlich zu machen, dass ich nicht ein weiteres Jahr
wachsen in Dortmund, verließ die Schule Regel das Abitur sowie eine bestandene Aufnahmeprüfung. « So warten würde. « Noch ein Jahr in Zwickau wäre für ihn reine
nach der zwölften Klasse und ließ sich stehen die Aufnahmekriterien auf der Homepage der Hochschule Zeitverschwendung gewesen, begründet Gaida. » Seine Beharr-
zunächst im Ruhrgebiet zum Zahntechniker für Künste. Dass Ausnahmen jedoch Regeln bestätigen, beweist lichkeit und sein Wille waren beeindruckend. « Doch nicht nur das
ausbilden. Ein Beruf, in dem er nach   Gregor Gaida. Seit 2003 studiert er an der HfK. » Bei besonderer Auftreten sprach für Gaida. » Ich habe ja auch was von ihm gesehen.
seiner Ausbildung aber nicht weitearbeiten künstlerischer Befähigung genügt auch eine Aufnahmeprüfung, Seine Arbeiten waren überzeugend. Erstaunlich und überzeu-
wollte. Gaida absolvierte den Zivildienst in diesem Fall werden jedoch erhöhte Anforderungen gestellt «, gend zugleich fand ich, dass er zu einer Bewerbung als Bildhauer
und ging für drei Jahre auf eine Holzbild- heißt es in den Voraussetzungen weiter. Gregor Gaida brauchte nicht nur Plastiken, sondern auch Bilder mitbrachte «, so Altenstein.
hauerschule nach Flensburg. Dort   also kein Abitur für sein Studium. Er überwand die Hürde der Ein gutes Gefühl hatte Gaida nach den Gesprächen mit den Profes­
merkte er bereits, dass es für ihn in die Anforderungen mit Entschlossenheit und Talent. soren jedoch nicht, aber zwei Wochen später kam die Zusage.
Richtung der freien Kunst gehen sollte.    Ein Kunststudium war kein Neuland für Gaida. In Zwickau    Tatsächlich ist Gregor nicht der einzige Studierende ohne
Nach seiner zweiten Ausbildung reiste   hatte er bereits ein Semester Holzbildhauerei studiert, doch » der Allgemeine Hochschulreife an der HfK. » B esonders in der
er für ein Jahr durch Europa, bevor er für Studiengang war sehr eng strukturiert, ich habe schnell gemerkt, Musik hat fast die Hälfte unserer Bewerber kein Abitur «, so
ein Semester in Zwickau studierte.   dass er nichts für mich war «, erinnert sich der 32-Jährige. Wie er Erich Weigner, Verwaltungsangestellter für Fachbereich Musik.
Seit 2003 studiert Gregor Gaida nun Bild- auf die HfK gekommen ist, weiß Gregor noch genau. Als er nach » Immerhin 20 Prozent von ihnen dürfen ihr Studium dann
hauerei an der HfK Bremen. Bremen ging, wusste er sofort, dass die Hansestadt der richtige auch antreten. « Im Fachbereich Kunst und Design, zu dem
Ort für ihn ist. » Ich fand es gut, dass die HfK viel publiziert. Für auch die Bildhauerei gehört, liegt die Zulassungsquote dagegen
mich waren hier optimale Bedingungen. Allein schon deshalb, bei deutlich unter zehn Prozent. Bewerber ohne Abitur müssen
weil hier jede Werkstatt einen eigenen Leiter hat. « nicht nur eine besondere künstlerische Begabung mitbringen,
   Doch erst einmal musste Gaida den Studienplatz, den er so sondern auch bei der Zulassungsprüfung besser sein: Mit Abitur
gerne haben wollte, bekommen. Beim Aufnahmetest muss jeder muss man 60 von 100 Punkten erreichen, ohne benötigt man
Bewerber grundsätzlich eine Mappe mit rund 20 » selbstgefertigten mindestens 80 Punkte.
künstlerischen Arbeiten « einreichen, die einen Einblick in seine    Fragt man Gregor nach seinen Talenten in der Kunst, weiß
bisherigen Arbeiten und seine Kunstauffassung geben soll, er schnell eine Antwort: » Ich kann sehr gut malen und zeichnen.
schreibt die HfK vor. » Ich habe damals Zeichnungen, Bilder und Außerdem bringe ich handwerklich alles mit, was ich für meine
Figuren mitgebracht «, erinnert sich Gaida. Seine Werke musste Arbeiten brauche. Bei einer Idee weiß ich sehr schnell, wie ich
er vor einer Prüfungskommission vorstellen und interpretieren. sie gut umsetzen kann. « Seine handwerkliche Ausbildung kommt
Doch worauf kommt es der Kommission an ? » Wichtig ist, dass ein ihm im Studium zweifelsfrei zugute. In seiner Werkstatt sieht es
überzeugendes künstlerisches Vorleben zum Ausdruck kommt «, auf den ersten Blick aus wie in einem Sägewerk. Kettensägen,
so Professor Bernd Altenstein vom Fachbereich Kunst und Design. Feilen und Hämmer liegen herum. Er weiß mit dem Werkzeug
» Bei Gregor Gaida merkte ich schnell, dass er in seinem Leben umzugehen. Seine Arbeiten verkaufen sich gut. Alleine in den
bereits zu einigen künstlerischen Ergebnissen gekommen war. « letzten Monaten brachte er mehrere seiner Werke an den Mann.
   Trotzdem erhielt Gregor Gaida nach seiner Präsentation Der Künstler hat gute Gründe, optimistisch in die Zukunft schauen:
zunächst eine Absage für den begehrten Studienplatz. » Es hieß, » Ich sehe Potenzial und einen Markt für meine Arbeit. «
ich solle mich im nächsten Jahr noch mal bewerben «, erinnert    Gregor Gaida ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer
sich Gaida. » Als ich dann schon wieder draußen vor der Tür der direkte Weg zur freien Kunst sein muss. Auf seinen Umwegen
war, drehte ich mich um und ging noch mal zu der Kommission lernte er vieles, was ihm seine Arbeit heute erleichtert.  r
MUSIC
projekte 00 music 0 46 – 47

KAPITÄNE UND
KANTOREN

herrlichen Renaissance-Rathauses, wo Kirchen wie der Dom, Un- muss bei einigen Kostproben bleiben. Zweimal geistlich — zwei-
ser Lieben Frauen oder St. Martini allemal schöner anzusehen mal weltlich : Das erschien mir als ein Gebot der Fairness und
sind als die kalten und kahlen Hallen von St. Jacobi oder St. Petri Ausgewogenheit. Dank einer Anfrage der Zeit-Stiftung an mein
in Hamburg. Während Hamburg sich im Laufe des 16. Jahrhun- Ensemble Weser-Renaissance bezüglich der Dokumentation Ham-
derts mit einem Befestigungswall umgeben hatte, der die Stadt burgischer Kirchenmusik bestückten sich zwei Programme quasi
in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges uneinnehmbar und von selbst. Ich konnte die Wünsche der Stiftung mühelos in mei-
zu einem begehrten Zufluchtsort vermögender Bürger machte, ne Reihe aufnehmen: ein Programm mit sogenannter » Organis-
hatte hier in Bremen zunächst schleichend, doch dann mit im- tenmusik « ( nicht » Orgelmusik « ! ), vokal-instrumentalen Werken
mer festerem Griff der Calvinismus Einzug gehalten, jene kultur- also, die der Organist komponierte, von der Empore aus leitete
und sinnenfeindliche Religionsrichtung und Geisteshaltung also, und begleitete. Hier fiel die Wahl auf Hieronymus Praetorius, der
die jeglichen lieblichen Gesang, jedes farbenfrohe Gemälde als über 100 hervorragende Motetten im venezianischen Stil hinter-
Teufelswerk betrachtete und alle Lust am Schönen und Heiteren ließ. Das andere geistliche Programm wird der » Kantorenmusik «
verstummen ließ. und hier speziell dem Werk Thomas Selles gewidmet sein, der
   Hamburg dagegen konnte aus dem Vollen schöpfen; allein um die Mitte des 17. Jahrhunderts über mehrere Jahrzehnte mit
die Namen der Komponisten klingen wie Musik in den Ohren strenger und kluger Führung das Amt des Stadtkantors innehat-
des einschlägig bewanderten Profis: Organisten wie Hieronymus te. Als solcher musste er im sonntäglichen Wechsel mit seinen
Praetorius, Heinrich Scheidemann, Johann Adam Reincken oder Sängern alle vier Hauptkirchen — 1661 kam als fünfte der Michel
Vincent Lübeck, Kantoren wie Thomas Selle, Christoph Bernhard dazu — mit Musik versorgen, die er im Normalfall auch selbst
und Georg Philipp Telemann, Violinisten und Ratsmusiker wie komponierte.
Johann Schop oder Dietrich Becker, Matthias Weckmann mit sei-    Wenn man gleichzeitig einen Überblick über die stilistische
nem Collegium musicum, Opernkomponisten wie Johann Theile, Entwicklung innerhalb von 150 Jahren geben möchte, waren da-
Reinhard Keiser, Johann Mattheson, Georg Friedrich Händel und mit die beiden frühen Stationen ( 1600 H. Praetorius, 1650 T. Selle )
wiederum Telemann : Sie alle hinterließen ein grandioses Œuvre schon besetzt. Es fehlten zwei hochbarocke weltliche Programme.
ausgezeichneter Kompositionen, mit denen man — um noch ein- Dass eines davon der Hamburger Oper gewidmet sein musste,
mal den Vergleich mit Bremen heranzuziehen — nicht mit Müh war klar. Die Wahl fiel dabei auf Reinhard Keisers » Adonis « von
Erstes Opernhaus nordöstlich vom Gänsemarkt (1677), Ausschnitt einer Zeichnung von P. Heinecken, 1726
und Not ein einziges Konzert bestücken kann, sondern über viele 1697, der allerdings von ursprünglich dreieinhalb Stunden Spiel-
Jahre täglich neue faszinierende Werke zu Gehör bringen könnte. dauer auf heutige » Konzertlänge «, also etwa die Hälfte gekürzt
Telemann z.B. hat in seiner Hamburger Zeit unter anderem 46 wird. Da für eine » richtige « Opernaufführung die Mittel fehlen,
große Passionsoratorien geschrieben ( wir kennen fast nur die werde ich auf die Kooperation mit einem Marionettentheater zu-
Zur Entstehung einer Konzertreihe alljährlich wieder aufgelegten beiden Passionen von J. S. Bach ), rückgreifen; ähnlich wie im Frühjahr das » Theatrium Bremen «
Text  0  Manfred Cordes  Collage  0  VIER dazu zahlreiche Opern und vieles mehr. Überhaupt: die Hambur- unseren » Orfeo « begleitete, werden wir für die Keiser-Oper mit
ger Oper am Gänsemarkt, erste » stehende « Bühne Deutschlands, dem » Theater Laboratorium Oldenburg « kooperieren.
Warum denn ausgerechnet Hamburg ? Warum muss der » große ( für die Musik ist das die Zeit etwa zwischen 1600 und 1750 ) zu- gegründet 1678, mit allen Schwierigkeiten privater Trägerschaft,    Als spätestes weltliches Werk der Konzertreihe lag die Auf-
Bruder « im Nordosten, zu dem wir neidisch mit verstohlenen sammenzustellen, weiß, wovon ich rede: Mediokrität, so weit das chronischem Finanzmangel ( Einnahmen gab es nur aus dem führung einer Bürgerkapitänsmusik nahe, da man an Telemann,
Blicken hinüberschielen, der uns in puncto Bruttosozialprodukt, Auge reicht ! Vielleicht sind ja die besten Kompositionen verloren Verkauf von Programmheften und den Logenmieten ), Kompe- der immerhin 46 Jahre ( 1721–1767 ) das Hamburger Musikleben
Containerumschlag, Nerzmantelaufkommen, Musicalstandort, gegangen und zufällig nur diejenigen erhalten, die die Archive tenzgerangel, Eifersüchteleien, die 1738 wieder zur Schließung prägte, natürlich nicht vorbeikommt. Für die Convivien der Bür-
Oberklassenlimousinendichte etc. längst und unaufholbar den besser nie verlassen hätten ? Gewiss: Mit ein bisschen gutem des Hauses führten. Aber allein die erhaltenen Werke aus diesen gerkapitäne ( es handelte sich nicht um Seefahrer, sondern um
Rang abgelaufen hat — warum muss Hamburg nun auch noch mit Willen lässt sich auch aus den Werken eines Johann Sommer, 60 Jahren werden Musiker und Forscher noch sehr viele Jahre Vorsteher oder » Häuptlinge « einer Art Bürgerwache ) musste
einer Konzertreihe bedacht werden? Hat Bremen denn nichts ad- eines Lüder Knoep oder eines Julius Johann Weiland manches beschäftigen. Telemann alljährlich ein neues Werk abliefern und zur Auffüh-
äquates Eigenes zu bieten? präsentieren. Wie, Sie haben diese Namen nie gehört ? Und dabei    Aus der beschriebenen Fülle der Gattungen, Stile und Kom- rung bringen. Von den nachweislich 36 Werken sind uns immer-
   Die Antwort lautet ( leider ): Nein ! Wer einmal versucht hat, sind das noch die besten, und die wenigsten von ihnen hielten ponisten eine auch nur halbwegs repräsentative Reihe mit vier hin neun erhalten. Das Werk » Vereint euch, ihr Bürger « von 1744
ein Konzertprogramm mit Bremer Komponisten der Barockzeit es hier länger als ein paar Jahre aus. Hier, in Nachbarschaft des Konzerten zusammenzustellen, ist schlichtweg unmöglich; es wurde für die Bremer » Wiedererstaufführung « ausgewählt.  r
projekte 00 music 0 48 – 49

TELEMANN
IN HAMBURG

Die Bürger-Captains-Musik von 1744


Text  0  Veronika Greuel

Georg Philipp Telemann wurde — lässt man seine Arbeitsverhält- Fortifikation im frühen 17. Jahrhundert hielt den anstürmenden Uniform. Selbstverständlich hatte eine städtische Institution die- Bränden, Seuchen oder Reichsinterna, sodass die Feier ausfallen
nisse Revue passieren — im Laufe seines Lebens sehr stark durch Dänen und Russen stand, oder das Freikaufen von den Belage- ser Art auch festgelegte Zeremonien, die einmal im Jahr feudal musste. Widmet man sich der Quellensituation, zeigt sich sehr
städtische Anstellungen herausgefordert. Hier legte er Einfalls- rern löste immer wieder vorübergehend die ärgsten Bedrängnisse, präsentiert wurden. Einer Parade gleich stellte man seine Stärke schnell, dass zusätzlich zu diesen Unregelmäßigkeiten auch der
reichtum an den Tag und war für die damalige Zeit außerordent- bis endlich 1768 mit dem sogenannten Gottorfer Vergleich Ruhe zur Schau, nahm eine Inventur der Wallanlagen vor und fand sich Verlust vieler Materialien zu bedauern ist. Häufiger kennen wir
lich fantasievoll im Ausschöpfen zusätzlicher Betätigungsfelder. einkehrte. Trotz der vielen innen- und außenpolitischen Rück- zum mehrtägigen Feiern zusammen, das im Großen Convivium nur die gedruckten Libretti, und die Musik ist verloren oder nur
Nie scheint er mit seiner eigentlichen Stellung ausgefüllt gewesen schläge war die Stadt in emsiger Bewegung. Durch Trockenlegen ( am Donnerstag nach dem 24. August, Bartholomäustag ) gipfelte. zum Teil erhalten. Gesichtet sind heute neun vollständige Werke
zu sein, sondern wuchs über sich hinaus und wusste die merkan- und Aufschütten gewann man neues Bauland, und es entstanden Hier tafelten die Bürgerkapitäne, prosteten sich mit Segenssprü- Telemanns dieser Art, die sowohl Oratorio als auch Serenata um-
tilen Chancen für sich zu nutzen. Was in Leipzig erprobt wurde, ganz neue Stadtteile. Es wurde organisiert und strukturiert im chen zu und manifestierten feierlich im großen Kettenschluss ihre fassen. Die handschriftlichen Noten, häufig nur Stimmen, finden
konnte in Frankfurt angewendet und erweitert werden. Die 46 18. Jahrhundert : Zur geregelten Straßenbeleuchtung kamen mit sich in Berlin oder Schwerin. Für die Feier am 3. September 1744
Jahre, die er ab 1721 in Hamburg verbrachte, zeigten ihn dann nicht neuen Trinkwasserbrunnen verbesserte Hygienemaßnahmen; konnte Nikolaus Dietrich Giseke ( 1724–1765 ) als Dichter gewon-
nur auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sondern eben gerade das ausgebaute Schulsystem sowie die Armen- und Siechenver- nen werden. Er zeigte schon früh eine Begabung für das Abfas-
auch im flächendeckenden Ausschöpfen der künstlerischen Mög- sorgung trugen zur Stabilisierung der Bevölkerung bei. Zu einem sen geeigneter Texte wie » Vereint euch, ihr Bürger und singet mit
lichkeiten einer prosperierenden Weltstadt. Durch eigene kluge funktionierenden Gemeinwesen gehörten auch damals schon Freuden « ( Beginn des Oratorio ) und » Freiheit ! Göttin, die Segen
Planung und Fürsprache langjähriger, einflussreicher Freunde kulturelle Angebote. Hamburg verfügte bereits seit gut 150 Jahren
Jedes Jahr sollte und Friede begleitet « ( Anfang der Serenata ). Er findet sich des-
( sicherlich Brockes und Neumeister ) bekam Telemann den Posten über eine eingespielte musikalische Tradition, die besonders an die Bürgerwache durch eine halb häufiger als Autor. Diesem Libretto von 1744 zum jährlichen
des städtischen Musikdirektors über die fünf Hauptkirchen nach die Hauptkirchen mit ihren bedeutenden Orgeln und Musikern » Ehren- und Freuden-Mahl « — lange Zeit war keine Rede von Bür-
dem Tod des Vorgängers Gerstenbüttel ohne förmliche Bewerbung gebunden war. Telemann war nun hauptamtlich für die überge-
Zeremonie geehrt gerkapitänsmusiken oder verkürzt Kapitänsmusiken — können
oder Probespiel zugesprochen. Eine Anstellung dieser Art konn- ordnete Versorgung der Hauptkirchen St. Petri, Jacobi, Nicolai, werden, aber immer wieder kam wir entnehmen, dass in selbstverständlicher Doppelbesetzung
te sich in der damaligen Zeit sehen lassen ! Hamburg nahm als Michaelis und Katharinen zuständig. Das heißt, er hatte regel- bekannte Sänger der Hamburger Oper wie die herausragende So-
mäßig Kantaten und Passionsmusiken zu liefern. Des Weiteren ge-
es zu Komplikationen. pranistin Margaretha Susanna Kayser auch hier in der » Music «
hörten kirchliche Gelegenheitsmusiken zu Weihen und Prediger- beschäftigt waren. Ein Sänger namens Schieferlein ist nicht nur in
einführungen dazu. Daneben, quasi als Kür, baute er sich wieder dieser Funktion an der Oper nachweisbar, sondern wurde von Te-
ein Collegium musicum auf, mit dem er öffentlich konzertierte, lemann auch als Kopist eingesetzt. Die zunftmäßig organisierten
war künstlerischer Leiter der Oper am Gänsemarkt und druckte Ratsmusiker waren für die instrumentale Ausführung zuständig.
Nie scheint er mit seiner und verlegte eigene Werke. Zusammengehörigkeit. Seitdem Telemann in Hamburg war, wur-    Nach Telemanns Tod führte sein Enkel Georg Michael in Riga
eigentlichen Stellung ausgefüllt    Natürlich verfasste er auch weltliche Gelegenheitsmusiken, de dieses Fest auch musikalisch größer gestaltet. Er komponierte noch einige der Telemann’schen Kapitänsmusiken auf. Der Paten-
so unter anderem für die Hamburger Bürgerwache, die schon eine zweiteilige Form, die sich aus Oratorio ( vor dem Essen ) und sohn und neue Stelleninhaber Carl Philipp Emanuel Bach steuer-
gewesen zu sein. im Jahre 1619 formiert wurde. Diese städtische Einrichtung, die Serenata ( während des Essens oder danach ) zusammensetzte. In- te in Hamburg, wie dessen Nachfolger Schwenke, noch wenige
Männer zwischen 18 und 60 Jahren beschäftigte, war für Wachen haltlich waren beide Teile mit unterschiedlichen Schwerpunkten Werke für die Gelegenheit bei. Es ist Telemanns Verdienst und
auf den Wällen und zum Teil für die Instandhaltung derselben versehen. Im Oratorio fand keine eigentliche Handlung statt, son- Vermarktung zu verdanken, dass die Kapitänsmusiken wie ande-
zuständig sowie immer wieder für die Bekämpfung auftretender dern das friedliche Zusammenleben der Bevölkerung in Hamburg re weltliche Gelegenheitsmusiken oder Konzerte nicht nur einma-
Feuersbrünste, Schlichtung von Tumulten und Ruhestörungen. Es wurde betrachtet und geistig untermauert. Die Serenata bot dann lig zu Gehör gebracht, sondern bis zu dreimal gegeben wurden.
freie Reichsstadt und ehemalige Hansestadt, bedingt durch die handelte sich um eine Art bürgerliche Schutzpolizei. Diese war eine weltliche Schau auf die innerstädtische Situation. In beiden Telemann bespielte so die ganze Stadt: Seine Werke erklangen
Lage am Fluss unweit der Mündung mit freiem Zugang zum Meer, stramm nach den fünf Kirchspielen aufgestellt : fünf Regimenter Teilen, die von ihrer Dauer her unterschiedlich lang ausfallen im Drillhaus ( ursprünglich als Quartier- und Aufbewahrungsort
innerhalb des Reiches eine Sonderstellung ein. Die florierende mit Unterteilungen in Kompanien und Rotten. Den Kompanien konnten, tauchten wie typisch für die Zeit als Protagonisten Al- für militärische Zwecke gebaut ), im sogenannten Baumhaus, im
Handelsstadt — um 1700 zählte sie ca. 70 000 Einwohner — konnte standen Kapitäne vor, die sehr wichtig und angesehen in der legorien wie » die Freude «, » die Dankbarkeit «, »  das Vertrauen  «, Eimbeck’schen Haus und später sogar im neuen Konzerthaus
sich dank Diplomatie, kluger Planung und von Kaufmannschaft Stadt waren. Deren Anzahl spielte sich auf 57 ein. Insgesamt geht » die Erkenntnis « oder sogar der » Hamburger Schutzgeist « auf. am Valentinskamp. Dank seiner musikalischen und organisato-
und wohlhabenden Bürgern erarbeiteter Finanzkraft häufig durch man mit den zusätzlichen Vorgesetzten und Chargen von einer    Jedes Jahr sollte die Bürgerwache durch diese Zeremonie ge- rischen Begabungen gehörte Georg Philipp Telemann zu den best-
die Unbilden verschiedener Kriege lavieren. Eine umfangreiche Gesamtzahl von ca. 10 000 Personen aus, bewaffnet, aber ohne ehrt werden, aber immer wieder kam es zu Komplikationen wie verdienenden Bürgern der Handelsstadt.  r
projekte 00 music 0 50 – 51

ROTES
LICHT, STILLE

CD-Produktion in der Alten Musik


Text  0  Luise Manske  Collage  0  VIER

Die Hochschulzeit geht zu Ende. Niemand kennt mich. Und Tonmeisterin von Radio Bremen, wird mit ihrem Team aus dem
jetzt ? Wie kann ich mich behaupten auf dem internationalen mobilen Tonstudio vor der Kirche die Aufnahme leiten. Durch
Musikmarkt ? Wie kann ich mich professionalisieren, von der einen Lautsprecher kommuniziert sie mit uns. Aufbau, Stimmen,
Tätigkeit des Musizierens hin zum Beruf ? Die Idee hatte Manfred Soundcheck, Anspielprobe. Rotes Licht: Stille. Konzentration. Die
Cordes. Im Dezember 2006 geben wir als » Bremer Barock Consort « Kompositionen werden strophenweise aufgenommen, erstmal,
unter seiner Leitung ein Weihnachtskonzert im Dom mit Liedern wie es kommt. Grünes Licht : Anweisungen, meist von der
wie » Vom Himmel hoch « und » Nun komm der Heiden Heiland « Tonmeisterin, manchmal von Manfred Cordes, selten auf Wunsch
und ihren verschiedenen Bearbeitungen von Michael Praetorius einer einzelnen Dame. Nochmal. So lange bis das Set im Kasten
( um 1572–1621 ). Unter seinen Zeitgenossen ist der hoch zu achtende ist. Pause ist nicht Pause. Spielt oder singt man nicht, muss man
Komponist und Theoretiker angesehen als » der weitberühmte, jederzeit bereit sein, alles zu geben. Konzentration. Will man
kunstreiche, vortreffliche und von Gott hochbegnadete Musicus «. auf die Toilette im Gemeindehaus, muss man Grün abwarten.
Das Konzert ist ein voller Erfolg. Publikum, Sänger, Spieler und Erscheint auf dem Weg das rote Licht, erstarrt man in seiner
Manfred Cordes sind begeistert. Seine Idee, das Programm mit Position. Auch wenn man wieder in die Kirche will, friert man
ausschließlich Studenten der Hochschule auf CD zu verewigen schon mal fünf Minuten in der Kälte, bis man sicher ist, dass
und beim internationalen Plattenlabel cpo herauszubringen, wird das rote Licht nicht gerade brennt, wenn man die Tür öffnet. Der
Wirklichkeit. Zeitplan muss eingehalten werden, vier Tage für alles müssen
   Am 23. Januar 2007 ist es so weit: Treffen an der Hochschule; reichen.
Flöten, Notenständer ins Auto und nach Bassum. In der alten    26. Januar, der erste Schnee des Winters. Ein letztes Mal
Stifterkirche erwartet uns eine tolle Akustik. Kein Zufall, wir laufen wir mit Instrumenten auf dem Rücken von der Kirche
sind nicht die ersten, die diese für CD-Produktionen nutzen. zum Bassumer Bahnhof. Die Aufnahmen sind geschafft. Die
Drinnen ist es kalt. Nach und nach kommen die Zugfahrenden. CD erschien im Oktober 2007. Der erste Schritt auf den großen
Die Sänger machen Aufwärmübungen. Renate Wolter-Seevers, die Musikmarkt ist getan — und der mit Erfolg, wie ich finde.  r
KULTURELLE

herrschmidt.de
BILDUNG VON %HM¿+NMYDOS %HMD¿-@MMRBG@ES %HM¿7HKKD

ANFANG AN

Ein Auftrag zur Nachwuchsförderung


Text  0  Barbara Stiller

Dass eine frühe Beschäftigung mit Musik eine wichtige Rolle sierung in Berührung gekommen sind. Anders als beispielsweise
spielt, ist im erweiterten Umfeld einer Hochschule für Künste hin- in skandinavischen Ländern existieren hierzulande nach wie vor
länglich bekannt. Menschen brauchen Musik, sie brauchen Musik viel zu wenige Maßnahmen, die frühkindliche Bildung, Betreu-
zum Leben und Kultur zu ihrer Orientierung, denn der Umgang ung und Erziehung als einen dringend notwendigen Dreischritt
mit Musik ist eine — mittlerweile vielfach belegte — Urerfahrung betrachten und im kulturellen Bereich die dafür erforderlichen
in Bereichen der sinnlichen und emotionalen Wahrnehmung, musisch-künstlerischen Förderangebote bereitstellen.
des Spracherwerbs, der Förderung der Motorik und des Körper-    Diese gravierenden Mängel wurden für die Ausbildungssitu-
bewusstseins. Die menschliche Empfindungs- und Ausdrucks- ation an Musikhochschulen auf dem Gebiet der frühkindlichen,
fähigkeit wird durch Musik ebenso geschult wie ein ausgeprägtes musikbezogen-kulturellen Bildung vor nunmehr schon fast 30 Jah-
Sozial- und Toleranzverhalten sowie eine allgemein menschliche ren erkannt. 1978 begann in Wuppertal die erste deutsche Hoch-
Widerstandskraft. In Studien der Hirn- und Lernforschung wird schule, angehende Lehrkräfte in musikalischer Früherziehung
die Bedeutung einer frühen Beschäftigung mit Musik auch für akademisch auszubilden. Seitdem steigt die Zahl der Musikhoch-
schulen, die die Studienrichtung Elementare Musikpädagogik
( EMP ) im Rahmen ihrer künstlerisch-pädagogischen Musikerzie-
7HQ¿R@FDM¿)GMDM ¿VHD¿FDROHDKS¿VTQCD¿
hungsstudiengänge grundständig anbieten. In den oben genann- 5MC¿V@R¿FDROHDKS¿VHQC
ten Zusammenhängen versteht die HfK Bremen ihren gesellschaft-
Menschen brauchen Musik, lichen Auftrag darin, auf vorhandene Mängel aktiv zu reagieren
Die mehrfach ausgezeichnete Sportredaktion lässt sich nicht vom Flutlicht blenden und
sie brauchen Musik zum Leben und und mit zukunftsweisenden Angeboten für eine frühe Vermittlung
von Kunst und Kultur einzutreten. Dementsprechend gehören an hinterfragt, was hinter den Kulissen noch gespielt wird. Wie FAZ.NET, die F.A.Z. im Netz.
Kultur zu ihrer Orientierung. der HfK im Bereich der Elementaren Musikpädagogik spezielle
Unterrichtsangebote für Eltern mit Babys und Kleinkindern sowie
für Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter seit einigen Jahren
zum Kerncurriculum der studentischen Ausbildung. Wöchentlich
die individuellen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Grund- erhalten alle EMP-Studierenden die Möglichkeit, Lehrversuche
tugenden eines Menschen für sein gesamtes weiteres Leben zu- durchzuführen bzw. andere beim Unterrichten kritisch zu beob-
nehmend belegt. Insbesondere die kindlich-natürliche Freude am achten. Auch kleine Forschungsprojekte in Kooperation von Leh-
gemeinschaftlichen Musikerleben und Musizieren fördert die Fä- renden und Studierenden beginnen sich für diesen Bereich der
higkeit zu » gesunder «, sozialverträglicher Achtsamkeit und bildet frühen musikalischen Bildung langsam zu entwickeln.
auf diesem Wege wiederum die Grundlage für ein lebenslanges    Mag es anfangs noch den einen oder anderen skeptischen
Lernen mit vielfältigen Interessen an Musik, Kunst und Kultur. Blick bezüglich des wöchentlichen Aufgebots an Kinderwagen
   Trotz all dieser Erkenntnisse zeigen aktuelle Beobachtungen oder der Berge an kleinen Gummistiefeln gegeben haben, mittler-
und Studien, dass die ersten fünf bis sechs Lebensjahre vieler weile reagieren alle außerordentlich wohlwollend darauf, wenn
Kinder oftmals rasant vergehen, ohne dass sie bis zum Schulbe- fröhliches Kreischen, ungestümes Trommeln und lautstarkes Sin- $@GHMSDQ¿RSDBJS¿LDGQ
ginn jemals mit zentralen Erfahrungen durch eine frühe Musikali- gen durch das Gebäude der Dechanatstraße schallen.  r
projekte 00 music 0 54 – 55

ABENTEUER EIN FEST FÜR THE JOY OF TOY


MUSIK BLOCKFLÖTEN

Das Schulprojekt » ambi « in Bremerhaven Der dritte große Bremer Blockflötentag


Text  0  Erwin Koch-Raphael Text  0  Dörte Nienstedt

Alle reden davon, wie wichtig die Förderung der sozialen Kompe- Die Idee, ein Fest für Flöte spielende Kinder und Jugendliche in
tenz mit Musik ist — » ambi « macht es vor. » ambi « ( = » Abenteuer den Räumlichkeiten der Hochschule auszurichten, entstand vor
Musik – Bremerhavener Initiative « ) ist ein Gemeinschaftsprojekt etwas mehr als fünf Jahren. Im Kern stand der Wunsch nach ei-
der Hochschule für Künste Bremen und des Bremerhavener Kul- ner Vernetzung unserer Arbeit an der HfK mit der musikalischen
turamts. Das Ziel: Jugendliche an die Neue Musik heranzuführen » Basis « in Bremen. In der Mobilisierung und Motivierung des
und ihnen einen praktischen und kreativen Zugang zu ihren eige- Nachwuchses wollten wir nebenbei auch etwas für unser Instru-
nen musikalischen Mitteln und Erfahrungen zu bieten. ment und das Berufsbild des Blockflötenpädagogen tun. Und: Die
   Ausgangspunkt für das Projekt » ambi «, das seit 2005 im Organisation und Durchführung des Tages sollte weitgehend von
Jahresturnus stattfindet, war der Wunsch des Fachbereichs Musik den Studierenden übernommen werden.
der Hochschule für Künste Bremen und des Kulturamts der Stadt    Aus einer Idee wurde ein Konzept mit durchschlagendem
Bremerhaven, in Kenntnis der Ergebnisse von PISA eine Koope- Erfolg : Der Bremer Blockflötentag im Jahr 2003 führte rund 80
ration mit Schulen in Bremen und Bremerhaven zu entwickeln Teilnehmer an die Bremer Hochschule für Künste, zwei Jahre
Claudia Birkholz spielt Werke für Klavier und Toy-Piano
und diese dann weiterzuführen. Bei der pädagogischen Arbeit später waren es dann schon 120. Im Jahr 2006 reisten Han Tol,
geht es vor allem um das soziale Lernen: Komponieren und Mu- die Studenten und ich nach Celle — wir waren eingeladen, dort
sizieren in Gruppen, Präsentation im öffentlichen Konzert. Die im Rahmen des Moeck-Seminarprogramms einen Blockflötentag
Schülerinnen und Schüler erarbeiten unter der Anleitung profes- auszurichten. Am 24. Mai 2008 findet unser Blockflötentag nun in
sioneller Musikerinnen und Musiker im Laufe eines Jahres in den gewohnter Weise wieder an der Hochschule statt. Einen ganzen
regulären Unterrichtsstunden eigene Kompositionen, die sie im Tag musizieren und proben Kinder, Jugendliche und Erwachse-
Abschlusskonzert der interessierten Öffentlichkeit vorstellen: bis- ne gemeinsam mit Studenten und Dozenten. Alle kommen, um Kinderspielzeug mit dreieinhalb Oktaven
her mit überzeugendem Erfolg bei Presse und Publikum. Ferner ihr Instrument auf eine neue Art zu erleben, in einem für sie Text  0  Klaus Schloesser  Collage  0  VIER
ermöglicht die durch Prof. Koch-Raphael initiierte Kooperation ungewohnten Rahmen und gemeinsam mit vielen anderen be-
der HfK Bremen mit Bremerhavener Schulen sowie mit der Mu- geisterten Spielern. Im Zentrum des Tages steht das Musizieren Schroeder aus der Comic-Serie » Peanuts « liebt es. John Cage hat sen — insbesondere wenn auch seine Freunde, die Fahrradklingel,
sikschule Beck eine weitreichende, überregionale Öffnung von im Blockflötenorchester und in kleineren Ensembles. Auf dem ihm eigens eine Suite gewidmet. Claudia Birkholz spielt es mit- die Hupe und Elektronik, mitmusizieren, bewies Claudia Birkholz
Schule und Hochschule in Bremerhaven und Bremen. Programm steht die Erarbeitung einer Geschichte mit Musik und reißend, mit Temperament, aber auch mit sehr viel Charme und bei ihrem Konzertabend » The Joy of Toy — Werke für Piano und
   Die Team-Leitung des Projekts hat der Komponist Erwin Blockflöten: » Oskar und die coolen Koalas «. Ein Rahmenpro- Humor — das Toy-Piano. Toy-Piano « in der Hochschule für Künste Bremen. Drei Urauffüh-
Koch-Raphael, tatkräftig unterstützt von Lehrern an Bremerha- gramm öffnet die Sinne für Begegnungen mit einer Flötenbauerin,    Als habe ihr großer Flügel gerade ein Junges bekommen, rungen gab es an diesem Abend — ein Werk für Toy-Piano und
vener Schulzentren sowie von Musikerinnen und Musikern des die von ihrer Arbeit aus der Werkstatt berichtet. Barbara Stiller steht das Toy-Piano der in Bremen geborenen Pianistin in ihrem Live-Elektronik von Matt Malsky ( USA ), ein Werk der japanischen
Stadttheaters Bremerhaven, der Komponistin Kazuyo Nozawa und und ihre Studenten setzen einen besonderen Akzent mit einer Haus in Bremen-Lesum. Sie liebt den schrägen, gamelanartigen Komponistin Noriko Nakamura und eines für Toy-Piano, Klavier
Eva Schimmelpfennig, die für die Bühnenpräsenz wertvolle An- Inszenierung aus dem Bereich der Elementaren Musikpädagogik. Klang des ursprünglich als Kinderspielzeug entwickelten Toy- und Elektronik von Claudia Birkholz. Außerdem Werke von K. H.
regungen gibt. Sie alle besuchen regelmäßig die teilnehmenden Abschließender Höhepunkt des Tages ist ein Minikonzert mit al- Pianos, das seit John Cages » suite for toy-piano « ( 1948 ), aber Essl ( A ), J. Wolfe ( USA ), Gerald Resch ( A ) und Manfred Stahnke —
Kurse in den Schulen und arbeiten auf ihre ganz eigene Art mit len Teilnehmern und Studenten im Konzertsaal der Hochschule. auch dank vieler zeitgenössischer Kompositionen längst die für Toy-Piano mit Stimme und diverse Zusatzinstrumente, eine
den Schülern. Da die Schülerinnen und Schüler sich nicht nur mit    Für die Studierenden hat der Tag auch eine pädagogische Konzertsäle, Festivals und Aufnahmestudios erobert hat. Im Performance von Louis Andriessen ( NL ) sowie Bearbeitungen für
reinen Musikstücken, sondern auch mit Performance beschäfti- Zielsetzung. Planung, Durchführung und Nachbereitung der Ver- Gegensatz zu Schroeders diatonischem Exemplar, bei dem die Toy-Piano und Klavier von Eric Satie und Chick Corea. Wie wun-
gen, gibt es in den Abschlusspräsentationen auch manch Über- anstaltung sind wie eine Generalprobe für die spätere Berufs- schwarzen Tasten lediglich aufgemalt sind ( was Lucy bekanntlich derbar künstlerische Ernsthaftigkeit und augenzwinkernde Hei-
raschendes für die Augen. tätigkeit: Sie kümmern sich um die Gestaltung eines Flyers und zu der Frage veranlasste, wie man auf einem solchen Instrument terkeit, Freude am Experiment und eine ordentliche Prise Selbst-
   Die Aufführungsorte wechseln von Jahr zu Jahr : Waren es die Bewerbung, erstellen das Notenmaterial, sind für die Ausstat- denn Beethoven spielen könne, und Schroeder zu der feinsinnig- ironie sich an einem Konzertabend zusammenfügen können — das
anfangs Räume in den Schulen selbst, so war im letzten Jahr das tung der Räume und für die Bereitstellung eines Buffets verant- kryptischen Antwort » Üben, üben, üben « provozierte ), verfügt bewies Claudia Birkholz überzeugend mit ihrer Darbietung. Char-
Stadttheater Bremerhaven der Schauplatz aufregender Präsenta- wortlich. Zeitplan, Probenarbeit, Konzertmoderation, Videodo- Claudia Birkholz’ Instrument immerhin über dreieinhalb Oktaven lie Brown — das dürfen wir sicher annehmen — hätte bei diesem
tionen und 2008 wird das neu eingerichtete Kulturzentrum » Die kumentation liegen ebenfalls in den Händen der Studenten. Die einschließlich aller Halbtöne. Konzert für ein paar Stunden das Baseballspiel vergessen, Linus
Theo « in Lehe Austragungsort neuer musikalischer Abenteuer in Vorbereitungsphase für das große Fest ist jetzt angelaufen, wir    Welche klanglichen Erlebnisse sich mit hohem Können, viel die Schmusedecke liegen gelassen, und Lucy wäre spätestens
Bremerhaven sein.  r sehen ihm wieder mit viel Spannung und Neugier entgegen.  r Spaß und Experimentierfreude aus einem Toy-Piano zaubern las- jetzt überzeugt : Üben, üben üben bringt’s wirklich.  r
DESIGN
projekte 00 design 0 58 – 59

WILLKOMMEN
IM LEBEN

links  0  Die Aufnahmen für das Musikvideo entstanden im Blue-Screen-Studio der HfK

unten  0  Innerhalb eines Tages wurden 59 verschiedene Einstellungen des dreiminütigen Clips gedreht

Wie es sich wirklich anfühlt, ein Diplomand zu sein


Text  0  Thorsten Konrad  Fotos  0  Thorsten Konrad

Pickel, notorisch schlechte Laune und eine schleichende Kommu- Erasmus im Rücken keinerlei Rechte mehr zustanden, hat man
nikationsmüdigkeit : Das sind die sichtbaren Merkmale nach der es nicht leicht. Denn die bürokratischen Hürden sind beinahe so
Abgabe einer Diplomarbeit. » Willkommen im Leben ! «, schallt es hoch wie der geografische Abstand der beiden Städte Bremen
sofort von der untersten Sprosse der Karriereleiter. Stümmelnde und Salzburg weit. » Du darfst nichts ausleihen ! «, » Du darfst
Laute der Erschöpfung werfe ich zurück. Freunde und Familie, nichts besuchen ! «, » Du hast keine Versicherung ! «, » Du darfst in
die einem nach der Diplomarbeitsabgabe freundschaftlich einen der Mensa nicht das vergünstigte Menü essen ! «. Die Frage, was
Arm um die Schulter legen und mit der Hand feierlich auf ein einen hierbei am wenigsten trifft, ist eine rhetorische.
Stück Holz klopfen und nebenbei noch mit einem stolzen Grinsen    Hornbachs aktueller Werbeslogan » Mach es fertig, bevor
und Sätzen wie » jetzt hast du es endlich rum « frohlocken, kom- es dich fertigmacht « beschreibt die krisengeplagte Stimmungs-
men einem selbst irgendwie fremd vor. lage während der Diplomarbeitsphase wohl ganz gut. Denn die
   » Aber man wollte doch gar nicht aufhören «, hört man Blöße, versagt zu haben, möchte man sich nicht einmal selbst
sich murmeln. Denn ohne es wirklich selbst zu merken, ist die zugestehen. Zudem stellt sich denn auch die Frage, wann etwas
Diplomarbeit beinahe der wichtigste Teil des eigenen Daseins überhaupt » fertig « ist, heute bei Weitem nicht mehr inhaltlich, den zu sein. Lohnt sich denn der Tag dann überhaupt noch ? Also, zum Greifen nahe steht, in sich hineinwirft, im nächsten Atemzug www.thorstenkonrad.de
geworden. Und so klammert man sich an den Werten, für die sondern ausschließlich kalendarisch. Denn dort steht in großen nichts wie los — hopp hopp — nicht lange nachdenken – nicht noch verarbeitet und wieder beinahe unbemerkt der Umwelt zurück- www.takethisdance.com
man fast ein Jahr gekämpft hat, fest — Werte, die man sich selbst roten Lettern am Tage des 31.10.2007 um 12.00 Uhr mittags ( Film- mehr Zeit verlieren ! Das Wackelpuddinggewissen lacht sich der- gibt.Alles steht plötzlich im Bezug miteinander, abstruse Objekte
aufgebaut hat. Die Hackordnung seiner selbst. Und das soll es freunde spüren bereits die Dramatik ) das Wort » Deadline « ge- weil ins Fäustchen. Denn es hat uns genau da, wo es uns sehen könn( t )en umgebaut eine Verwendung finden, theoretische Be-
jetzt gewesen sein ? Man gibt nicht 120 Seiten gebundenes Papier schrieben. Wobei der Name jetzt hoffentlich nicht zum Programm möchte: Wir hängen in den Speichen des Hamsterrads des Lebens züge, die einem noch nie so nahestanden, erscheinen einem auf
in Größe DIN A4 ( andere Größen müssen mit der Studiengangs- wird. » Willkommen im Tod ? « Na toll … Man besucht in diesem und verlieren selbst dabei noch Zeit. Und so erkennt man auf Dau- einmal so selbstverständlich wie die permanent schlechte Laune
leitung abgesprochen werden ) mit schwarzem Hardcover-Um- besagten einen Jahr kaum Partys, geht weder zum Fußball, noch er den Prozess, was es denn heißt, ein Diplomand zu sein. Man des Wachpersonals. Und spätestens an diesem Punkt fragt man
schlag und einer im Rückumschlag eingepinnten DVD mit drei- hat man soziales Leben, und all das macht trotz allem irgendwie läuft permanent wie bekifft durch die Straßen mit einem grinsen- sich, ob diese vielleicht auch einfach nur gerade ihre Diplomar-
minütigem Video ab. Nein. Man gibt einen Teil von sich selbst unglaublichen Spaß. Denn: Man kann gar nicht anders. Eine Halb- den Kreativitätsloch im Hinterkopf, in das man alles, was einem beit abgegeben haben …  r
zum Abflug frei. Und das ist, zugegebenermaßen, nicht mal nur herzigkeit würde einen spätestens ab der mysteriösen Erschei-
metaphorisch ein komischer Gedanke. Ich blicke auf fast ein Jahr nung des schlechten Diplomarbeitsgewissens einholen. Und das
Arbeit zurück, in dem ich bis zu 20 Stunden täglich gearbeitet, gibt’s ! Dieses Gefühl verfolgt einen nicht wie der eigene Schatten. Das Werk der Diplomarbeit, das Musikvideo mit dem Titel » Take this dance and forget my name « der Punk-Rock-Band » All Joines «, gilt als ein neuartiger Versuch, das Medium
diskutiert und gekämpft habe. Ein Jahr, in dem ein wunderbares Es ist viel schlimmer. Es schleicht förmlich und zieht sich wie ein Musikvideo mit dem Internet zu verbinden. Über den Namen der Stadt, in der sich der Rezipient gerade befindet, werden über eine Identifizierung der IP-Adresse verschiedene
Team entstand, auf das man sich zu jeder Zeit verlassen konnte. Wackelpudding ständig hinter einem her. Dauernd wirft es einem Elemente aus der Region des Rezipienten in das Video geladen, wie z. B. Bilder und Nachrichten aus freien Datenbanken ( Flickr, GoogleNews, Wefeelfine etc. ), und in die grafische
Ich erinnere mich aber auch an Zeiten, die von einer Art Hilflosig- außerdem vor, » selles und jenes « vergessen zu haben. Bereits früh Welt des Videos als Hintergrundelemente integriert. Dabei werden Techniken des Internets verwendet, die weit über das reine Abspielen eines Videos, wie man es beispielsweise
keit geprägt waren. Als ehemaliger Erasmus-Student, dem ohne morgens um halb sieben hat man das Gefühl, zu spät aufgestan- auf YouTube sehen kann, hinausreichen.
projekte 00 design 0 60 – 61

MO
STADT

Peking im Wandel. Phantasmagorie der


chinesischen Tusche und fotografische Realität
Text  0  Feipeng Jiang  Foto  0  Feipeng Jiang

» Mo « ist die phonetische Transkription für den chinesischen Be- blitzschnell. Während dieser Entwicklung haben sich die Mittel, Peking miteinander in Beziehung zu setzen. Denn auch Peking ist einer Stadt und darüber hinaus Yin und Yang miteinander ver-
griff für schwarze Tinte. Während der Entwicklung der tausend- mit denen man protokolliert, Kunstwerke schafft und Gefühle mir einerseits sehr vertraut, andererseits durch meinen fünfjäh- schmolzen. » Mo « wird so meine Quelle der Inspiration und die
jährigen chinesischen Kultur war » Mo « immer eines der wichtigs- ausdrückt, enorm erweitert und bereichert. Heute benutzen wir rigen Aufenthalt in Deutschland und wegen ihrer raschen Verän- moderne Stadt die beste Werbung für das abstrakte und uralte
ten Materialien, das sich auf umfangreiche Bereiche anwenden Computer, Tintenstrahldrucker und Digitalfotografie, um uns mit- derungen durch den Prozess der Modernisierung ebenfalls fremd Material » Mo «. In diesem Buch gibt es Sehenswertes, wie man
ließ. Mit » Mo « wurden die Facetten der eigenen Gefühle und zuteilen. Doch sind diese neuen Gegenstände auch Ausdruck der geworden. Hier werden also zwei Veränderungen dokumentiert es wohl in keinem chinesischen Reiseführer findet. Dazu fehlen
Emotionen, Lust und Ärger, Freud und Leid protokolliert und aus- Geschwindigkeit der Moderne. Sie lassen uns Menschen wenig und miteinander verbunden: die Veränderung der Stadt Peking statistische Berichte zum wirtschaftlichen Boom. Mittelpunkt
gedrückt. Zeit und lehren uns nicht, Geduld zu haben, um uns in das alte und meine Wahrnehmung der veränderten Stadt, beeinflusst der Darstellung sollte stattdessen eine sich schnell entwickelnde
   Im Laufe der Zeit hat sich » Mo « aufgrund seiner Vielsei- Material » Mo «, das uns seit tausend Jahren inspiriert, hineinzu- auch durch meine eigene Veränderung, die Aneignung einer chinesische Stadt sein, und es sollte dokumentiert werden, wie
tigkeit ( durch die bloße Zugabe von Wasser verändert sich die denken und es in aller Ruhe zu betrachten. » europäisch-westlichen Perspektive «. viel Widersprüchliches und gleichzeitig Harmonisches sie in sich
Konsistenz von rußig dunkel und dickflüssig bis fließend hell und    Vor diesem Hintergrund wollte ich mit » Mo «, einer Sub-    In diesem Buch dokumentieren die Fotos, die ich 2006 in birgt. Meine Dokumentation soll das » richtige « China unter der
prächtig leuchtend ) vom reinen Mal- und Schreibutensil gelöst. stanz, die mir als Chinese sehr vertraut und gleichzeitig ganz Peking aufgenommen habe, meine Betrachtungen und Eindrücke Oberfläche zeigen. Für mich ist Design dabei das Werkzeug als
» Mo « erweiterte sich zur Quelle der Inspiration literarischen und fremd ist, mithilfe moderner Methoden Experimente durchführen der Stadt. Gleichzeitig kann ich mit den verschiedenen abstrak- Vermittler zwischen Kunst und Realität.  r
künstlerischen Schaffens bei Dichtern, Künstlern und Kalligra- und die Ergebnisse von verschiedenen Standpunkten betrachten. ten » Mo «-Formen meine Gefühle und Gedanken für diese Stadt
fen. Moderne Naturwissenschaft und Technik entwickeln sich Diese Experimente inspirierten mich dazu, » Mo « und die Stadt ausdrücken. Dadurch haben sich in diesem Buch Schein und Sein
projekte 00 design 0 62 – 63

RICHARD WAGNER Räume


VERBINDEN
UND DIE
RAKETENABWEHR
oben  0  Das Interface in der Mitte des Barometers sammelt und sortiert alle Meinungen

links  0  Das Meinungsbarometer schafft einen neuen Ort der Kommunikation

Zwei Abschlussarbeiten zur Kommunikation im Raum Entwicklung einer medienübergreifenden Kommunikationsplattform


Text  0  Roland Lambrette Text  0  Marius Bell  Fotos  0  Marius Bell

Wo immer sich Menschen begegnen, findet » Kommunikation im zurückgehen. Marius Bell sucht nach einer Möglichkeit, den Räume verbinden wendet die multidirektionale Kommunikation, den, um das Thema demonstrativ räumlich zu exponieren. Durch www.marius-bell.com

Raum « statt. Die Architektur bildet dabei den Rahmen für in ihr öffentlichen Raum, der historisch gesehen die Plattform für demo- wie wir sie aus Foren und Chat-Räumen des Internets kennen, die Vernetzung der Kuben entsteht zugleich die Möglichkeit, den
stattfindende kommunikative Prozesse und geht mit ihnen eine kratische Meinungsbildung und -austausch ist, wieder seinem auf den öffentlichen Raum an. Dialog mit den Menschen in den anderen Städten zu aktivieren.
oft symbiotische Verbindung ein. Gleichzeitig gibt es kein Ge- ursprünglichen Zweck zuzuführen, anstatt ihn privaten Unterneh-    Wesentliches Motiv für die Arbeit ist die Beobachtung, dass Mithilfe eines Interfaces in der Mitte des Kubus können alle ein- Auszeichnungen:
bäude ohne Botschaft nach außen — ob Pyramide, Dom, Banken- men als Marketing-Schlachtfeld zu überlassen. Städte ihren demokratischen, meinungsbildenden Charakter ver- gegebenen Meinungen abgerufen und nach verschiedenen Krite- Art Directors Club ( ADC ) 2007
turm, Reichstag oder BMW-Welt. Alle Institutionen der Gesell-    Auffällig häufig nutzen stattdessen Unternehmen den histo- lieren, je mehr sie der privaten Wirtschaft zur Gestaltung und als rien sortiert werden. Mit einem digitalen Stift kann jeder Besu- Kategorie Abschlussarbeiten
schaft ( Religionen, Parteien, Staaten, Unternehmen, Marken ... ) risch gewachsenen demokratischen Anspruch öffentlicher Plätze. Kommunikationsplattform überlassen werden. Vor diesem Hin- cher sein Statement anonym an die Innenwände des Barometers Zukunftspreis Kommunikation
nutzen pragmatisch und oft skrupellos diese Möglichkeiten der Vom » Forum « bis zur » Agora « ist kein Begriff zu schade, um die tergrund ist das » Meinungsbarometer « entstanden. schreiben, das dann automatisch eingelesen und im Pool der VO.IP Germany 2007
» Kommunikation im Raum « und stehen oft als treibende Kraft Romantik einer partizipatorischen Gemeinschaft zu suggerieren    Es soll den gesellschaftlichen Diskurs auf öffentlichen Plätzen Aussagen dargestellt wird. Durch eine dynamische Anordnung
hinter den interdisziplinären Verknüpfungen der bildenden und und damit die zumeist eindirektionale Vermittlung von Unterneh- wiederbeleben und Menschen mit ihren Meinungen in Austausch auf dem Interface bekommt der Besucher einen guten Überblick
darstellenden Künste. mens- und anderen Glaubensbotschaften zu kaschieren.  r bringen. Es entstehen Ort und Raum, in dem gesellschaftliche über die Vielfalt der Meinungen, die parallel auch im Internet
   Im Lehrgebiet Temporäre Architektur und Ausstellungsge- Themen angesprochen und diskutiert werden können. Das mo- abrufbar sind. Das » Meinungsbarometer « soll in den alltäglichen
staltung haben Dirk Ostkamp und Marius Bell auf ganz unter- bile » Meinungsbarometer « verbindet Menschen, Meinungen und Lebensrhythmus integriert werden, um gesellschaftliche State-
schiedliche Weise zwei ebenso historisch wie politisch relevante Orte und soll dort aufgestellt werden, wo politische Themen akut ments in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Themen, die uns
Aspekte dieses Komplexes untersucht. Dirk Ostkamp zeigt in und relevant sind. Die aktuelle Beispielfrage » Braucht Europa ein alle betreffen, können so gemeinschaftlich und öffentlich disku-
einer Medieninstallation, auf welche Tradition » Kommunikation Raketenabwehrsystem « könnte auf öffentlichen Plätzen etwa in tiert werden.  r
im Raum « und ihre gestalterische Disziplin, die Szenografie, Prag, Moskau, Washington, Warschau oder Berlin genutzt wer-
projekte 00 design 0 64 – 65

Die Geschichte
der Szenografie

oben  0  Richard Wagner, Das Kunstwerk der Zukunft

links  0  Gegenüberstellung der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1936 und 1972

Eine Reise durch die Epochen der Szenografie


Text  0  Dirk Ostkamp  Fotos  0  Dörte Haupt

www.dirkostkamp.de » So viel Inszenierung war noch nie, möchte man meinen. « So lei- liche Liturgie des Mittelalters zum Kunstwerk der Zukunft, von triertes Gesamterlebnis wirken. Wie kann man den inszenierten
tet Josef Früchtl sein Buch Ästhetik der Inszenierung ein. Wohin Richard Wagner bis hin zu begehbaren Inszenierungen in Marken- Raum so reproduzieren, dass möglichst viele dieser Elemen-
wir uns drehen und wenden: In den Künsten, Wissenschaften, welten und Erlebnisparks, von der mittelalterlichen Festkultur bis te nachvollziehbar werden ? Das Präsentationskonzept basiert
Religionen oder der Politik, überall wird die Inszenierung zum zur Inszenierung der Olympischen Spiele 1936 und 1972 werden auf der Tradition der Illusionsräume und Panoramabilder. Als
entscheidenden Faktor. Leben wir also in einer überinszenierten wichtige Entwicklungsstufen der Szenografie auf ihre Mechanis- Darstellungsform unterschiedlichster szenografischer Arbeiten
Umwelt, in der es immer neuerer, lauterer und bunterer Elemente men und Gemeinsamkeiten untersucht, wobei sich offensichtlich wurde ein temporärer 360–Grad–Projektionsraum entwickelt.
bedarf, um unsere Aufmerksamkeit zu wecken ? Was sind das die Methoden der Szenografie durch die Zeiten ähnlich bleiben, In ihm wird dem Besucher eine 30-minütige, moderierte Reise
für Mechanismen, die zu dieser inszenierten Öffentlichkeit führen allein die medialen Möglichkeiten ändern sich. durch Epochen und Räume angeboten, auf der die untersuchten
und wie funktionieren sie ? » Die Geschichte der Szenografie « ist    Architektur, Bühnenbild, Lichtgestaltung, Musik, haptische Aspekte der Entwicklung der Szenografie analysiert, zusammen-
eine Sammlung der relevanten Einflüsse: Von der Trennung der und olfaktorische Faktoren und nicht zuletzt die wechselnden gefasst und erlebbar werden.  r
Künste in der Antike über die alle Sinne ansprechende christ- Perspektiven des Besuchers lassen inszenierte Räume als orches-
Die FREIHEIT
der ANDEREN

Das neue Erscheinungsbild der Landeszentrale


für politische Bildung Bremen
Text  0  Bianca Holtschke  Foto  0  Bianca Holtschke

Europapolitik, politischer Extremismus, interkulturelle Begeg- im Fall der Demokratie ? Ein Zitat von Alphonse Karr hat mich
nungen, Erinnerungsarbeit — das sind die Schwerpunktthemen bei der Entwurfsarbeit angeregt: » Die Freiheit eines jeden hat als
der Landeszentrale für politische Bildung. Über Bildungsangebote logische Grenze die Freiheit der anderen. « Unterschiedliche Men-
und Aktionen der verschiedensten Art sollen möglichst viele schen haben selbstverständlich unterschiedliche Interessen. Da-
Bürgerinnen und Bürger an die politischen Prozesse herangeführt raus können Konflikte entstehen. Eckhard Jung, der betreuende
und aktiv beteiligt werden. So wird zusammen mit dem Verein Professor des Projektes: » Konflikt ist kein Betriebsunfall in der
» Erinnern für die Zukunft « das » Projekt Stolpersteine « realisiert, Demokratie, sondern ein Wesensmerkmal. An der Art und Weise,
mit dem die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen wie eine Gesellschaft Konflikte löst, zeigt sich ihre Qualität: Kopf
Gewaltherrschaft wachgehalten werden soll. Die Stolpersteine ab oder den Konflikt austragen. «
werden vor den Häusern, in denen die Menschen vor ihrer De-    Ich wollte die Idee des Widerständigen und Gegensätzlichen
portation lebten, im Bürgersteig verlegt. Die kleinen Messing- in einer pluralistischen Gesellschaft darstellen. Mein Zeichen
tafeln mit den eingravierten Namen heben jedes einzelne Opfer visualisiert die Spielregeln der Demokratie. Aus diesem Grund
aus der Anonymität und vermitteln Wissen über die geschehenen sind die neun Elemente des Zeichens so angelegt, dass es zu Kol-
Verbrechen. lisionen kommt, wenn sie sich um ihre eigene Achse drehen. Es
   Um die öffentliche Wahrnehmung ihrer Arbeit noch zu ver- entstehen Reibungen, dialektische Spannungen. Diese Störungen
bessern, schrieb die Landeszentrale nun einen Wettbewerb für können nur behoben werden, wenn sich auch die Nachbarele-
ein neues Erscheinungsbild aus, in dem sich mein Entwurf durch- mente bewegen. Die Drehachsen bilden wieder ein Quadrat. So-
setzte. Zu Beginn der Recherchephase stellte sich unser Kurs die mit besteht Ordnung im Chaos.
Frage: Was macht eigentlich die Landeszentrale ? Grob lassen sich    Es entstand ein flexibles Zeichensystem: Jedes einzelne der
die Antworten etwa so zusammenfassen: Die Landeszentrale ver- neun Elemente kann auf der Basis des beschriebenen Funktions-
sucht aufzuklären, was zu unmenschlichen Gesellschaften führen prinzips frei bewegt werden, ohne dass die Eindeutigkeit des
kann. Folglich war unsere nächste Frage: Wie funktioniert das visuellen Eindrucks und die Wiedererkennbarkeit geschmälert
Zusammenleben in einer Gesellschaft ? Und wie funktioniert es werden. Es macht Spaß mit ihm zu arbeiten.  r
THEORY
projekte 00 theory 0 70 – 71

KÜNSTLER ALS
WISSENSCHAFTLER
UND
KUNSTHISTORIKER

Ein Symposium
Text  0  Michael Glasmeier

Am 18. und 19. Oktober 2007 fand in der Weserburg – Museum und Schriften einzelner Künstler, um so eine differenzierte und Glaubwürdigkeit, deren Stärke in allen Medien trotz verein- Künstlertexte vor allem parapiktural behandelt. Ich leite dieses
für moderne Kunst das vom Forschungsverbund für Künst- und eindringliche Sichtweise zeitgenössischer Kunstproduk- zelter Kritik zu fassen ist  ? Ist es also wirklich notwendig, dass Wort ab von einem Begriff, den Gerald Genette für das Buch-
lerpublikationen, dem Studienzentrum für Künstlerpublika- tion zu ermöglichen. Mit der Symposiumsreihe soll einem For- wir diese manchmal überheblichen, manchmal vagen, manch- und Bibliothekswesen entwickelt hat: Paratexte. Gemeint ist
tionen /ASPC und der Hochschule für Künste Bremen veran- schungsdesiderat entgegengearbeitet und der Kunstwissenschaft mal präzisen, manchmal komischen, manchmal verbitterten oder damit jenes Beiwerk zum eigentlichen Buch, also Titel, Widmung,
staltete und von Michael Glasmeier konzipierte Symposium ein weiteres Themenfeld eröffnet werden. manchmal verschleiernden Texte von Künstlern lesen oder sie Impressum etc., das das Buch allerdings erst zum Buch macht.
» Künstler als Wissenschaftler und Kunsthistoriker « statt.    Beide Tage wurden von Michael Glasmeier mit » Einführun- gar studieren ? Parapikturale Phänomene können also in diesem engen Sinn
   Das zweitägige Symposium sollte der gut besuchte und gen « in das jeweilige Schwerpunktthema eingeleitet, die wir hier    In einem Punkt herrscht in Beantwortung dieser Fragen Bildtitel, Widmungen etc. sein, aber im weiten Sinn eben auch
konzentrierte Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe sein, die in einer stark gekürzten Fassung zur Diskussion stellen. Einigkeit, auch und gerade in den Kunst- und Geisteswissenschaf- jene schriftlichen Dokumente, Vorstudien, Künstleräußerungen,
sich in Zukunft jährlich mit verschiedenen künstlerischen ten: Künstlertexte aller Zeiten sind Dokumente im historischen die das jeweilige Bild in ihrem Wesen mitkonstruieren. Sie sind
Strategien im Kontext ihrer Künstlerpublikationen auseinan- 1. Künstler als Wissenschaftler Prozess, sind Archivmaterialen, um die Zeit und die Position der das begleitende Rauschen, das den Kontext bestimmt, ohne das
dersetzen wird. Grundlage ist das großartige und einmalige Künstler besser durchleuchten zu können und zu verstehen. Sie eine Interpretation nicht mehr möglich erscheint. Das heißt letzt-
Archiv des Studienzentrums für Künstlerpublikationen /ASPC Es ist schon etwas eigenartig, dass das Textmaterial, mit dem sind geradezu unerlässlich, nicht nur um die Stimmung, die Auf- endlich, dass Künstlertexte lediglich dazu dienen, das Bild in
in der Weserburg. Das Studienzentrum umfasst mehrere wir uns hier in den nächsten zwei Tagen und hoffentlich auch in tragslage, die handwerklichen Fähigkeiten, Datierungen, ikonogra- seiner machtvollen Präsenz weiter zu steigern und zu überhö-
Sammlungen mit insgesamt über 60 000 publizierten Kunst- den nächsten Jahren beschäftigen werden, in Kunstwissenschaft, fischen, lokalen und andere Kontexte näher zu bestimmen. Jeder hen. Diese Tendenz ist die herrschende in der Kunst- und Geistes-
werken aus der ganzen Welt. Es ist der größte und bedeu- Bildwissenschaft und Kritik immer noch als exotisch gehandelt neue Fund von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert wird freu- geschichtsschreibung.
tendste Bestand an Künstlerpublikationen seit den 1960er wird. Künstlertexte scheinen sich am Rande zu bewegen, nicht dig als Bereicherung begrüßt. Epochendarstellungen wie Künstler-    Nur werden wir damit aus heutiger Sicht weder dem An-
Jahren in Europa. » Künstlerpublikation « wird hier als Ober- Fisch, nicht Fleisch zu sein. Sie scheinen dem berühmten Diktum monografien sind quasi angewiesen auf Künstleräußerungen, spruch der Künstler gerecht noch den Künstlertexten selbst,
begriff für alle Formen publizierter Kunstwerke verstanden: » Handle Künstler, rede nicht! « zu widersprechen und ein Sagen wenn sie denn da sind. Spärliche, aber besser noch ausführliche die dann erst ihre vollwertige Wirkung entfalten, wenn sie
vom Künstlerbuch über die Schallplatte, den Videofilm bis zu evozieren, das manchmal kaum die sichtbaren Kunstwerke schriftliche Belege können hier zur Offenbarung werden, Neuent- nicht nur parapiktural als Bildbestätigung, sondern eben auch
zur Netzkunst. Ziel der Symposiumsreihe ist es, in diesem selbst betrifft oder gar im Widerspruch zu ihnen steht und einer deckungen können ganze Ansichten und Meinungen grundlegend als eine eigenständige Textform innerhalb der Kunst begriffen
Umfeld gerade auch den Künstlertexten wissenschaftlich grö- angeblichen Wissenschaftlichkeit, einem Eigendiskurs der Kunst- verändern. Aus archivarischer, historischer Sicht tragen Künstler- werden. Und darum soll es hier gehen. Die dramatische Zu-
ßere Aufmerksamkeit zu schenken, sie einerseits in Anleh- wissenschaft nicht genügt. texte als positivistisches Material also durchaus zur Komplet- nahme von eigenständigen Künstlertexten, von theoretischen,
nung an die Konzeptkunst als autonome Werke und anderer-    Warum aber wollen Künstler überhaupt schreiben und spre- tierung wissenschaftlicher Anschauung bei. poetischen, manifestartigen und selbstreflektiven Künstlertexten
seits im Rekurs auf die Künstlerschriften seit der Renaissance chen, wenn sie doch das Bild und die damit verbundenen Medien    Diese Tatsache scheint im Widerspruch zu meiner eingangs seit der Romantik, die sich im 20. Jahrhundert mit Dadaismus,
als kunstwissenschaftliche Reflexionen über Wahrnehmung, besitzen, um sich auf vielfältigste Weise auszudrücken und zu gemachten Feststellung zu stehen, dass Künstlertexte in der Futurismus, Fluxus, Minimalismus oder Konzeptkunst bis zur
Kunsthistorie, Kunsttechniken, Medien etc. zu begreifen. verbreiten ? Besitzt das Bild nicht aus sich heraus seit der Antike Kunstwissenschaft eher exotisch behandelt werden. Der Wider- Schärfung eines eigenen Genres entwickelt hat, zeigt in der Pra-
   Ausgangspunkt der Vorträge von renommierten Spezia- und früher jene magische und kultische Präsenz, die heute in den spruch löst sich aber schnell auf, wenn wir genauer hinschau- xis, dass der Künstler eben nicht nur als Bildproduzent begriffen
listen waren also weniger museale Werke, sondern die Texte Museen und Kirchen überwintert, und jene Imaginationskraft en. In der historischen und monografischen Forschung werden werden kann, ja, dass es im extremen Fall der Konzeptkunst nicht
projekte 00 theory 0 72 – 73

mehr auf die Sichtbarkeit des Bildes selbst ankommt, sondern Bild begriffen werden. Es erfordert also einen gewissen Mut, sich Überraschung, die diese Schriften bereithalten, für die Natur- und und Barock präfiguriert geradezu einen Teil der modernen Künst-
auf den Text, aus dem sich ein Bild entwickeln mag. Die Fülle von den Bildern weg hin zu den Texten zu bewegen und diese Ingenieurswissenschaften einerseits und für die Kunstwissen- lerpersönlichkeit, die sich eben nicht nur mit der Produktion von
der Künstlerpublikationen gerade seit den 1960er Jahren, die wesentlich als eigenes Medium innerhalb einer Entgrenzung der schaft andererseits immer noch an. Von einer gegenseitigen Aner- Bildwerken in Medien aller Art auszudrücken gewillt ist.
hier im Forschungszentrum versammelt ist, legt beredt Zeugnis Kunst zu begreifen. Das heißt aber wiederum auch, die Kunst und kennung ist man noch weit entfernt, obwohl gerade die Ergebnis-
ab von einer eher buchorientierten künstlerischen Produktion, die Künstlerinnen und Künstler wieder ernst und die Werke wich- se der Gehirnforschung, was die Wahrnehmung betrifft, durchaus 2. Künstler als Kunsthistoriker
in der dann Künstlertexte ihre bedeutende Rolle spielen. Wenn tig zu nehmen, sie an erste Stelle vor den kunstwissenschaftli- als vermittelnde Instanz ins Spiel gebracht werden könnten.
sie aber kaum und lediglich nur bildbezogen Beachtung finden, chen, gesellschaftskritischen Diskurs zu setzen und ihre anar- Begriffe von einer » Kunst als Wissenschaft « oder » Wissenschaft Historisch gesehen findet der Künstler als forschender Wissen-
dann, weil das Museum als Übervater der Bilder sie aussperrt chistische Würde zu reflektieren. Denn das dem » Denkraum « als Kunst « schweben allerdings leichter in den Räumen der schaftler seine Leitfiguren in Leonardo da Vinci und Albrecht
und weil ein » pictural turn « sowie eine entgrenzende Bildwis- der Kunst eigene Potenzial vermag es, allzu kompatible Begriffe Kunsthochschulen als in denen der Technischen Universitäten. Dürer. In welchem Maße der Künstler nicht erst seit der Moderne,
senschaft ihren Schwerpunkt eben vor allem auf die Sichtbarkeit und Diskursträchtigkeiten zu durchkreuzen und zu durchlöchern. sondern seit der Antike und nicht erst im Bild selbst, sondern
visueller Medien legen und weniger auf die Denkbarkeit. Zum Wenn es die Documenta 12 geschafft hat, die Werke in doppelter in zahlreichen Schriften, Traktaten, Notaten sein Medium immer
Verständnis nicht nur der zeitgenössischen Kunst würde es aber Weise zugunsten eines nebulösen Nichts aufzulösen, indem sie wieder zum Gegenstand des Denkens macht und hier teilweise
wesentlich beitragen, die verschiedenen Rollen der Künstlerin- diese einerseits in einer Über- und manchmal auch Unterinsze- gewisse Programmatiken der Konzeptkunst vorwegnimmt, wird
nen und Künstler zu akzeptieren und damit den herausragenden nierung gleichsam verschwinden und andererseits diese im be- aus heutiger Sicht immer gern übersehen. Allein in der Renais-
experimentellen und forschenden Charakter von Kunst. Es geht gleitenden Katalog durch eine diskursträchtige Schreibweise in Künstlerinnen und Künstler sance lassen sich mit den Künstlertexten zur Problematik des
also um die Position der denkenden und reflektierenden Künstle- einer Über- und manchmal auch Unterinterpretation verdampfen Disegno, der Mimesis, der Perspektive ganze Bände füllen. Inte-
rinnen und Künstler, eine Tätigkeit, die sich eben nicht nur und lässt, wenn zudem die Kunstwissenschaft Bildwissenschaft wer-
sind Spezialisten für ressant ist dabei zudem, dass die Künstler mit diesen Traktaten
nicht immer im Bild niederschlagen muss, sondern für die der den will und das technische Bild oder die botanische Illustration Wahrnehmungen aller Art. sich zu behaupten lernten und sich über ihre bis dato zugebilligte
im Augenblick vor den Werken der Kunst diskutiert, dann denke Rolle des Handwerkers erheben konnten. Sie waren jetzt eben
ich wird es Zeit, sich einfach mal wieder mit dem auseinander- auch Intellektuelle.
zusetzen, was Künstlerinnen und Künstler so machen. Und dazu    Doch geht es damals wie heute weniger um ein inneres
gehört, dass sie forschend nicht nur malen, zeichnen, bildhauern, Kreisen um hausgemachte Probleme oder um eine prinzipielle
designen, fotografieren, filmen, kochen oder Musik machen, son- Überhöhung der eigenen künstlerische Person, die natürlich im-
dern auch, dass sie schreiben, vielfältig schreiben. In einem seiner beiseitegesprochenen zahlreichen Sätze in Klam- mer mitschwingt, sondern um neue Möglichkeiten und Strategien
   Wenn wir also die Kunst wieder ins Zentrum der Bildfor- mern seines schon wieder vergessenen Buchs Wissenschaft als der Kunst in der jeweiligen Zeitgenossenschaft. Es geht darum,
schung rücken, dann auch, weil wir von ihr lernen, inspiriert Kunst merkt Paul Feyerabend 1984 an: » ( Würden wir in einer Zeit den Denkraum zu erweitern, zu erneuern und mit Ideen zu berei-
werden und unsere eigenen Forschungsansätze erweitern und leben, in der man naiv an die heilende Macht und die › Objekti- chern. Diese Texte wollen die Stagnation aufbrechen und richten
korrigieren wollen. Denn Künstlerinnen und Künstler sind Spezia- vität ‹ der Künste glaubt, Kunst und Staat nicht trennt, die Künste sich wie die Bilder auf ein Gegenüber, das aus anderen Künstlern,
listen für Wahrnehmungen aller Art. Sie haben seit der Renais- aus Steuermitteln reich beschenkt, in den Schulen als Pflichtfä-
Es erfordert also einen sance ein besonderes Sensorium für die Natur, die Physik sowie cher lehrt, während man die Wissenschaften für Sammlungen
gewissen Mut, sich von den zeitliche und visuelle Prozesse entwickelt, die sie in praktischen von Spielereien hält, aus denen sich die Spielenden bald das eine,
und künstlerischen Experimenten forschend beobachten oder in bald das andere Spiel auswählen, dann wäre es natürlich ebenso
Bildern weg hin zu Gang setzen. Martin Kemp schreibt zusammenfassend: » Viele angebracht, darauf zu verweisen, daß die Künste Wissenschaften
den Texten zu bewegen. Künstler fragen so beharrlich nach dem Warum wie ein Wissen- sind. In einer solchen Zeit leben wir aber leider nicht. ) «
schaftler. Auch bei ihnen ist jeder Akt des Sehens ein potenziel-    Der Künstler, der noch bis ins späte Barock als Mathemati-
ler Akt der Analyse. [ … ] Betrachten wir statt der Endprodukte ker, Alchimist und Chemiker, als Physiker, Erfinder, Ingenieur und Es geht darum, den Denkraum
die Verfahren, so zeigt sich, dass Wissenschaft und Kunst viele Architekt tätig war, der als Teil des Hofes auch Musik schrieb und
Vorgehensweisen gemeinsam haben: Beobachtung, strukturierte Gedichte verfasste, mit Philosophen diskutierte und allgemein
zu erweitern, zu erneuern und mit
Spekulation, Visualisierung, Nutzung von Analogie und Meta- der gebildeten Schicht angehörte, diese historische Künstlerper- Ideen zu bereichern.
pher, experimentelle Überprüfung und die Präsentation rekons- sönlichkeit bleibt allerdings in den Museen ebenso unsichtbar
truierter oder simulierter Erfahrung unter Verwendung spezieller wie der moderne und zeitgenössische Künstler im Umkreis von
Stilmittel. « Um genau diese Analogie soll es heute gehen. Aller- Dada, Fluxus, Konzept- oder Kontextkunst mit vergleichbaren,
dings entfernen wir uns mit den Werken der hier exemplarisch aber gesellschaftlich orientierten Aktivitäten. Erst langsam däm-
vorgestellten Künstler teilweise auch von der Naturwissenschaft mert es den Kuratoren, dass es durchaus sinnvoll sein kann ( nicht
Text ein weiteres oder anderes Medium des Sagens ist. Das be- und lernen wahrnehmungsstrategische, paranormale oder recht immer ), zu den Collagen von Kurt Schwitters auch seine Bücher,
trifft natürlich nicht alle Künstlerinnen und Künstler — und sollte spekulative Experimente der Künstler schätzen, die unsere Er- zu den Fotogrammen von László Moholy-Nagy auch die theo-
auch nicht gefordert werden —, aber doch einige, die dieses Genre kenntnisweisen stimulieren werden. retischen Schriften, zu den Werken von Dieter Roth auch seine möglichen Betrachtern und der Gesellschaft besteht. Daher wäre
wählen, um noch mehr zu sagen, um etwas anderes zu sagen,    Neben dem schon zitierten Martin Kemp sind es vor allem schriftstellerischen Quantitäten und zu den Objekten und Filmen es bedauerlich, sie lediglich als parapiktural zu rezipieren, da sie
um nebenher oder eigentlich zu sprechen und um unermüdlich Eugene S. Ferguson, Barbara Maria Stafford und besonders früh von Rodney Graham seine präzisen Werkanalysen zu präsentie- quasi einen eigenen, subversiven Diskurs ausbilden, der die Ideen
medienübergreifend zu produzieren. Und was dabei heraus- und eindringlich Paul Feyerabend, die den Zusammenhang zwi- ren. Das schmälert den Eigenwert der Bilder nicht — im Gegenteil: schneller und auch überörtlicher übermitteln kann, als es die
kommt, ist meines Erachtens mehr als parapikturales Beiwerk. Es schen naturwissenschaftlichem oder technischem Sehen und Das Textmaterial erweitert und differenziert ihren Denkraum. etwas schwerfälligen Bilder vermögen. Das ist der kommunikative
muss als eine weitere Produktion von Kunst jenseits des Formats Kunst hergestellt und präzisiert haben. Eigenartigerweise hält die Jene beschriebene Vielseitigkeit der Künstler von Renaissance Aspekt von Künstlertexten, der bei der Betrachtung auch eine
projekte 00 theory 0 74 – 75

BUXTEHUDE
nicht zu unterschätzende Rolle spielt und etwa für das Barock, Meinungsbildung einfließen, aber als eigenständige kunsthisto-
JENSEITS DER
ORGEL
aber auch für Fluxus maßgeblich wurde. So schrieb der barocke rische Überlegungen werden sie äußerst selten wahrgenommen.
Jesuit und Maler Andrea Pozzo seinen Traktat zur Technik der Es könnte sich nämlich herausstellen, dass beispielsweise mit der
anamorphotischen Deckenmalerei als programmatische Schrift Klarheit, in der László Moholy-Nagy in den 20er und 30er Jah-
der visuellen Gegenreformation für die jesuitischen Klöster in ganz ren des letzten Jahrhunderts sein Verhältnis zum Barock auf den
Europa und den Kolonien. Und so gründeten George Maciunas, Punkt bringt, oder mit der Eindeutigkeit, in der Robert Smithson
Dick Higgins, Ian Hamilton Finlay oder William Copley seit den auf den historischen Manierismus zurückgreift, unsere Ansichten
von Stilgeschichte und ihren Abfolgen anders und neu bewertet
werden müssten. Und während sich die Kunstwissenschaft mit
den Beschäftigungen um den Minimalismus und die Medien- und
Bildfragen auf ihrem zeitgenössischen Gipfel begreift, könnte
das Studium beispielsweise der bildnerischen, schriftlichen und
musikalischen Werke Rodney Grahams dazu führen, diese Prob-
lematiken als recht überflüssig bzw. unproblematisch dastehen,
dafür aber hier eine gewisse Heiterkeit eintreten zu lassen.
   Es wäre also an der Zeit, wieder darauf hinzuweisen,
dass es die Künstler waren, die Kunstgeschichte und Kunstwis-
senschaft überhaupt initiierten. Noch bevor Winckelmann im
Es wäre also an der Zeit, 18. Jahrhundert seiner Griechenland- und Antikenbegeisterung
wieder darauf hinzuweisen, dass auch theoretisch Ausdruck verlieh, waren es Renaissancekünst-
ler wie Leon Battista Alberti, Jacopo de’ Barbari, Vincenzo Danti,
es die Künstler waren, die Kunst- Filarete, Lorenzo Ghiberti, Leonardo und andere, die schon genu-
geschichte und Kunstwissenschaft in Kunstgeschichte betrieben, bevor Giorgio Vasari ( 1511—1574 ) mit Wissenschaftliches Symposium an der HfK Bremen
seinen mehrbändigen Viten, die zudem auch die Kunsttheorien Text  0  Michael Zywietz
überhaupt initiierten. seiner Zeit behandelten, den Grundstein legte zu dem, was wir
als das Fach Kunstgeschichte bzw. Kunstwissenschaft bezeichnen. Skepsis gegenüber allen Veranstaltungen, die nur dem Diktat des in die Ideenwelt der zeitgenössischen Wissenschaftstheorie, ohne
   Dieses prominente Beispiel aus alten Tagen könnten wir Kalenders gehorchen, ist sicher in Maßen geboten. So bleibt die die der intellektuelle Kontext der Musik undeutlich bleiben muss.
zum Anlass nehmen, unsere Beziehung zu Künstlern als Kunst- Frage, welche dauerhafte Wirkung das viel gefeierte Mozart-Jahr Aspekte der Rezeption des Werkes Buxtehudes, zu der auch
historiker neu zu überdenken und damit natürlich auch das 2006 für das Verständnis Mozarts — und damit sind nicht die Ver- die Idee des Nordischen zählt, standen im Mittelpunkt der Vor-
Verhältnis von akademischer und künstlerischer Auffassung von kaufszahlen der Medienindustrie gemeint — erbrachte. Gerade bei träge von Jürgen Heidrich ( Universität Münster ) und Wolfgang
Kunst. Welche Gründe könnte es also dafür geben, dass — abge- den weniger im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gegen- Sandberger ( Musikhochschule Lübeck ). Wissenschaftler der HfK
sehen von den Minimalisten und den heute auf diesem Sympo- wärtigen Komponisten, und zu diesen muss Dieterich Buxtehude, widmeten sich Fragen der Tradition der hanseatischen Violin-
sium verhandelten Positionen — genuin kunsthistorische Textwer- dessen 300. Todestag 2007 gedacht wurde, gerechnet werden, schule und der zugehörigen Aufführungspraxis ( Greta Haenen ),
ke wie die von Moholy-Nagy, El Lissitzky, Francis Picabia, Salvador erweist sich jedoch, dass Jubiläen durchaus eine segensreiche Strategien der Isolierung von Leiblichkeit seit der Renaissance im
1960er Jahren eigene Verlage und Vertriebssysteme für sich und Dalí, Barnett Newman, Ad Reinhardt, Jasper Johns, Dick Higgins, Wirkung zu entfalten imstande sind. Eine nach dem Kalender Hinblick auf Buxtehudes Membra Jesu nostri ( Michael Glasmeier )
ihre Freunde, um u. a. Europa mit Amerika zu verbinden und Emmett Williams, Robert Smithson, Daniel Buren, Asger Jorn, forcierte Wissenschaft, zur erneuten Auseinandersetzung mit Per- und grundlegenden Aspekten der Sprachvertonung im Vokalwerk
das unspektakulär Neue trotzdem zu verbreiten. Natürlich sind Dan Graham, Art & Language, Franz Mon oder Alexander Roob son und Werk des zu Ehrenden veranlasst, sieht sich mit dem Buxtehudes ( Michael Zywietz ). Der wissenschaftliche Nach-
alle diese Künstlertexte, welche die Kunst allgemein, die eigene nicht in den Kanon der Kunstgeschichtsschreibung und Kunstwis- faszinierenden Œuvre eines der bedeutendsten Komponisten des wuchs präsentierte sich mit zwei erstklassigen Vorträgen ( Rainer
oder die zeitgenössische zum Thema haben, explizit oder implizit senschaft aufgenommen oder gar diskutiert werden? Unser The- 17. Jahrhunderts konfrontiert. Unter der wissenschaftlichen Lei- Bayreuther, Universität Göttingen, und Christian Bettels, Universi-
immer auch Ausdruck einer Positionierung, Modifizierung oder ma ist also kein beiläufiges, sondern beschreibt ein dichtes kunst- tung von Greta Haenen und Michael Zywietz versammelten sich tät Münster ) zu konkreten Gestaltungsfragen des Vokalwerks.
Ablehnung von Kunstgeschichte. Doch werden sie in diesem historisches Forschungsfeld, das geschichtlich und zeitgenössisch international renommierte Wissenschaftler am 8. und 9. Oktober    Ihre Ergänzung und Konkretion fand die wissenschaftli-
Sinn nicht oder kaum von der bestallten Kunstgeschichtsschrei- gefasst und zusammengeführt werden kann. Eine Aufgabe für die 2007 in den Räumen der HfK Bremen, um Fragen zu diskutie- che Diskussion in einem Konzert in der Martinikirche, für das
bung rezipiert. Als parapikturale Texte können sie zwar in die Zukunft, mit der wir heute exemplarisch beginnen.  r ren, die in der bisherigen Forschung eher am Rande gestanden Thomas Albert und Harald Vogel die künstlerische Leitung über-
haben und neue Erkenntnisse zutage brachten. Bewusst hatten nommen hatten. Die hochkarätig besetzte Tagung findet 2008 ihre
die Veranstalter das Werk für Tasteninstrumente ausgeklammert, Fortsetzung mit wissenschaftlichen Konferenzen zu den Oratorien
Vorträge am 18. Oktober 2007 zum Thema Künstler als Wissenschaftler: Dieter Daniels ( Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig; Ludwig Boltzmann Institut Medien. Kunst. da dieses seit Jahrzehnten Gegenstand intensiver Diskussionen Georg Friedrich Händels ( 7./8. April 2008 ), zu Funktionalität und
Forschung., Linz ) : Marcel Duchamp / Gordon Pask. Elke Bippus ( Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich ): Panamarenko. Annette Tietenberg ( Hochschule für Bildende Künste, gewesen ist, wogegen die Vokal- und Kammermusik eher ein Autonomie in der Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts ( 23./24.
Braunschweig): Bernhard Blume. Annelie Lütgens (Kunstmuseum Wolfsburg ): Francis Alÿs. Thomas Kapielski ( Schriftsteller, Künstler, Musiker, Berlin ): Tomas Schmit. Schattendasein führt. Juni 2008 ) und zur Musik in der Hofkultur Kaiser Rudolfs II.
   Wilhelm Schmidt-Biggemann, Lehrstuhlinhaber für Ge- in Prag ( 6./7. Oktober 2008 ). Die Vorträge werden in der Rei-
Vorträge am 19. Oktober 2007 zum Thema Künstler als Kunsthistoriker: Sabine Kampmann ( Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig ): Ad Reinhardt. Thomas Wagner, schichte der Philosophie an der Freien Universität Berlin und he der Schriften der Akademie für Alte Musik Bremen bei der
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt am Main ): Richard Hamilton. Gabriele Mackert ( Gesellschaft für aktuelle Kunst, Bremen ): Marcel Broodthaers. Maike Aden ( Kunstwissen- einer der besten Kenner der Geistesgeschichte des 16. und 17. Jahr- renommierten Akademischen Druck- und Verlagsanstalt in Graz
schaftlerin, Bremen ): Jonathan Monk. Thomas Köhler ( Kunstmuseum Wolfsburg ): Jeff Wall. hunderts, eröffnete die Tagung mit einem fulminanten Einblick ( Österreich ) erscheinen.  r
INTERDISZIPLINÄR
projekte 00 interdisziplinär 0 78 – 79

The Turn
of the Screw

Friedhof der Kuscheltiere –


Nachklang Kostüme, Bühnenbild und Accessoires
Text  0  Gabriele Schreckenbach Text  0  Kai Lehmann  Fotos   0  Eike Harder, Tim Klausing

Ein Nachklang ist in der Regel ein Rückblick auf besondere und natürlich auch dahinter in seinen neuen Wirkungskreis als Alles auf dem Landgut Bly scheint harmonisch, geradezu
Ereignisse ! Das diesjährige interdisziplinäre Opernprojekt der Schauspieler am Theater Lübeck entlassen wurde, sprach für sich. unschuldig, zuckersüß und reizend – auf den ersten Blick. Das
Fachgruppe Gesang, Brittens The Turn of the Screw, war in Selbst er, der eigentlich so gar keinen Rummel um seine Person Bühnenbild wurde in Form eines Bilderbuches umgesetzt, in
jeder Hinsicht » besonders « ! Es war ein Stück, welches in seiner mag, konnte sich dieser speziellen Atmosphäre nicht entziehen. dieses fügen sich die Kostüme aus papierähnlichen Textilien
Realisierung außergewöhnliche Anforderungen an alle Beteiligten Auf die Einlassung, dass er uns ja nun doch ziemlich große trügerisch ein. Die Kleider mit ihren historischen Bezügen und die
stellte, insbesondere an unsere jungen Sängerinnen und Sänger; Schuhe hinterließe, bemerkte er in der ihm eigenen direkten perfekte Maske verraten nichts von den Seelenqualen der Kinder.
das neue Dimensionen in der Zusammenarbeit mit den und schnörkellosen Art, dass er doch gar nicht so große Füße Nur das Spielzeug erinnert an den Friedhof der Kuscheltiere. Wie
Studierenden der Orchesterinstrumente und der Darstellenden hätte ! Wir, die wir bleiben, sind nun dabei, nach einem neuen in einem Psychokrimi steigt die Spannung des Stückes und der
Kunst eröffnete; das wie die Drehung einer Schraube auf eine sehr Paar » großer Schuhe « Ausschau zu halten, um besonders den Musik von Benjamin Britten. Die Thematik Kindesmissbrauch
viel weiter gehende Vertiefung und Zielgebung unserer elementaren Sängern im zentralen Bereich der Opernausbildung weiter gerecht klingt an. Am Ende steht der Tod des Jungen. Offen bleibt, ob die
Arbeit verweist; das in der Summe Höhepunkt und gleichzeitig werden zu können. Die Zusammenarbeit mit dem Theater am Geschichte in der Realität oder in der Fantasie der Gouvernante
auch Schlusspunkt einer sechsjährigen außergewöhnlichen Goetheplatz ist ein erster Schritt. Die Drehung der Schraube setzt stattfindet. Wie in einen Kokon spinnt sich diese mehr und mehr
Zusammenarbeit mit » u nserem « Regisseur Renato Grünig sich fort in der Verantwortung für unsere Studierenden, für Musik, in die Flügelärmel ihres Teepuppenkleides ein, während der
war ! Die Art und Weise, in der Renato Grünig auf der Bühne für Kunst und für die Hochschule.  r Zuschauer mit einem Frösteln das Stück verlässt.  r
Ein Festival
aller Künste

Die Phantasie an die Macht


Text  0  Nico Schalz  Foto  0  Jens Lehmkühler

Zwei Jahre lang, vom Wintersemester 2005/06 an, hatte sich Schrift aus großen Steinbuchstaben mit dem Albert-Einstein-Text
die HfK in Seminaren, Vorträgen und künstlerischen Arbeiten » Imagination is more important than knowledge «, gewisser-
mit dem Slogan der 68er-Studentenbewegung » Die Phantasie maßen das steingewordene Motto und Zentrum des ganzen
an die Macht « auseinandergesetzt. In der letzten Juniwoche Festivals. Auf dem Weg vom ersten Stock zum Erdgeschoss
2007 mündete und kulminierte das interdisziplinäre Projekt ging man an den Treppenhauswänden mit der faszinierenden
dann in einem Festival der Phantasie, das von einer Matinee Porzellaninstallation von Mei-Shiu Winde-Liu vorbei; der Titel
( Sonntag, 24. Juni ) bis zum Höhepunkt, der Nacht der Phanta- 49 Tage symbolisiert nach buddhistischer Lehre den Zeitraum
sie  ( Freitag, 29. Juni ), reichte. Im Mittelpunkt stand ein Sym- von sieben Wochen vom Tod zur Wiedergeburt, einen Übergang
posium zum Thema, flankiert von Ausstellungen, Konzerten, also, der gerade in einem Treppenhaus seine ganze Zeichenhaftig-
Lesungen, Inszenierungen und Performances. Nur ein paar Splitter keit zum Ausdruck brachte.
zum Ganzen seien hier eingefangen.    Humorvoller Conférencier dieses Anfangsteils, vor allem
   Die finale Festwoche erinnerte stark an das Cage-Fest auch des » Pilgerzugs « in die Galerie und des in der Galerie
2002. Damals gelang es der Hochschule im Zusammenspiel sich abspielenden Cage’schen » Events «, war der Schauspieler
der meisten Disziplinen in einem seltenen Glücksfall, intern Peter Lüchinger. Mit » Event « ist die synchrone Darbietung von
eine solidarische künstlerische Praxis und eine herausragende mehreren künstlerischen Performances gemeint: vier insze-
theoretische Auseinandersetzung miteinander zu kombinieren nierte musikalische Aktionen sowie eine Textrezitation, alle auf
und gleichzeitig von außen eine große Öffentlichkeit in die Veran- dem bildnerischen Hintergrund von Teilen der Ausstellung 1001
staltungen einzubinden; gerade die abschließende Cage-Nacht im Nacht — Wege ins Paradies, Visionen eines geglückten Ineinanders
Hochschulgebäude Dechanatstraße wurde für die Teilnehmer zu der Künste. Von hier aus konnte man mit Angela Ljiljanic zum
einem einmaligen Erlebnis. » Nachtflug « des Parcours durch das ganze Gebäude ansetzen.
   Das wiederholte sich gewissermaßen in der das diesmalige    Aus dem Ablauf der Festwoche seien nur noch die beein-
Festival abschließenden Nacht der Phantasie vom 29. Juni 2007, druckenden Abendveranstaltungen herausgegriffen: das Konzert
die insgesamt dem Publikum einen überwältigenden Streifzug des Hochschulorchesters unter der Leitung von Stefan Geiger
durch alle möglichen künstlerischen Aktivitäten bot — mit einem mit Orchesterphantasien von Schumann und Rimskij-Korsakow,
» Parcours « durch alle Flure und Treppenhäuser hindurch sowie der » Hölderlin-Abend «, Reflex der Romantikbeschäftigung der
in die einzelnen Räume hinein. 68er-Bewegung ( Rezitation von Gedichten Hölderlins auf einem
   Nur ein paar Worte zur Eröffnung der » Nacht «: Begonnen Montage-Netzwerk aus Quartettmusik von Beethoven und
hatte sie mit der Interpretation dreier Fanfaren, komponiert von Schubert, Rolf Riehm und Helmut Lachenmann ) mit Rainer Iwersen
Kompositionsstudenten, die von studentischen Musikern lautstark und dem Nomos-Quartett Hannover sowie die Inszenierung von
vom Foyer des ersten Stockes aus in das westliche Treppenhaus Liedern des Sängers Rio Reiser, Erinnerung an die künstle-
hineingeblasen wurden. Hinter den Musikern entfaltete sich auf rischen Träume der Nach-68er-Generation mit den Interpreten
einer recht langen Schleife von diesem Foyer aus bis in den rechts Sebastian Mirow und Jens Hasselmann.  r
davon abgehenden Flur hinein die von Tobias Freude entworfene
projekte 00 interdisziplinär 0 82 – 83

Was macht ein


Fisch in der Fabrik ?

Bionics in Progress
Gruppe 1 − » Gaskocher-Kraftwerk «
Text  0  Alex Schaefer  Fotos  0  Projektgruppe

Dass die Struktur von Fischhaut als Vorbild zur strömungsgünstigen Fertigung eines Prototyps. In der Realisierungsphase konnten weitere http://bionic.hfk-bremen.de/bionicweb/

Beschichtung von Oberflächen genutzt wird, ist ebenso bekannt Sponsoren gefunden werden, die Know-how und Bauteile zur dokumentation_gruppe1.pdf

wie der sogenannte » Lotus-Effekt « zur Herstellung von selbst- Fertigung kostenlos beisteuerten. http://bionic.hfk-bremen.de/bionicweb/

reinigenden Oberflächen. Doch was haben ein Termitenbau, die    Bei der gesamten Entwicklung waren die Studenten für den dokumentation_gruppe2.pdf

Entfaltungstechnik von Blättern oder die Flossenstruktur von Fortschritt verantwortlich, sie mussten sich lediglich regelmäßig http://bionic.hfk-bremen.de/bionicweb/

Fischen miteinander zu tun ? einer kritischen Gruppe bestehend aus den Professoren und den dokumentation_gruppe3.pdf

   All diese bionischen Vorbilder standen am Anfang der Partnern des Lehrprojektes stellen, um wie in einer realistischen
Überlegungen in dem interdisziplinären Lehrprojekt » Bionics Auftragnehmersituation den Projektverlauf zu präsentieren
in Progress «. Die Protagonisten dieses Lehrprojekts sind drei und zu hinterfragen. In Fachfragen standen die Experten aller
Studentengruppen der Bremer Hochschulen mit jeweils sieben Bereiche bei Bedarf jederzeit mit ihrer Erfahrung zur Verfügung.
Teilnehmern aus den Fachbereichen Bionik der Hochschule Die Vernetzung aller Beteiligten zu einem breit angelegten
Bremen, Integriertes Design der Hochschule für Künste sowie Wissenscluster ergab somit für die Studenten ein optimales
Produktionstechnik und Wirtschaftsingenieurwesen der Uni- Lernumfeld. Es wurden wertvolle Erfahrungen gesammelt in
versität. Ziel war es, ein Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln. der Kommunikation und im Verhalten auf professioneller Ebene
Die Bionik diente dabei als Inspirationsquelle. sowie bei der Realisierung eines Produktes von der Idee bis hin
   So entwickelte eine Gruppe einen mobilen Gaskocher, zur Produktreife. Der Austausch zwischen den sonst entfernt von-
mit dem sich die Abwärme zur Gewinnung von Energie mittels einander agierenden Fachbereichen barg zwar Reibungspunkte,
sogenannter Peltierelemente nutzen lässt. Dadurch können kleine brachte aber umso mehr eine Sensibilisierung für das Arbeitsfeld
elektronische Geräte wie Mobiltelefone oder Navigationsgeräte anderer Teilnehmer und einen Einblick in das enorme Potenzial
angeschlossen und mit Strom versorgt werden. Inspiration dabei interdisziplinärer Teams. Denn nicht zuletzt stellen solche Teams
boten die Bauten von Kompasstermiten, in denen wie bei einem bestehend aus Fachleuten mit unterschiedlichem Spezialwissen
aufgewärmten Kamin warme Luft nach oben aufsteigt und kühle eine große Chance zukünftiger Produktentwicklungen dar. Die
Luft von unten angesaugt wird und somit eine ausreichende Entscheidungen erfahren auch eine größere Akzeptanz und die
Frischluftzufuhr gewährleistet. Auf der Basis von Trapezen und beteiligten Personen arbeiten motivierter an der Umsetzung
oben  0  Gruppe 2 − Beschattungssystem auf der Basis von natürlichen Faltprinzipien Rauten entwickelte die Gruppe LMNT ein Faltsystem, dass als gemeinsam beschlossener Lösungen. So resümierte Prof. Kramer,
links  0  Gruppe 3 − Flexibles Hebewerkzeug für Gabelstapler flexibles Beschattungssystem Einsatz finden soll. Nach der der vonseiten der HfK für das Vorhaben verantwortlich war:
Auswertung von Erkenntnissen in der Falttechnik von Pflanzen    » Dieses Projekt zeigt, dass interdisziplinäres Design sich
wurden Faltprinzipien erarbeitet und zunächst mit Papier simuliert. nicht auf die an der HfK Bremen zu findenden Lehrgebiete
Dann wurde aus segmentierten Bauteilen aus Polystyrol ein und Schwerpunkte beschränkt, sondern darüber hinaus die
Funktionsmodell hergestellt. Man findet diese Faltmechanismen Zusammenarbeit und den Transfer mit anderen Disziplinen
bei Insektenflügeln und sich entfaltenden Blättern. Das CLASP- sucht. Die Studierenden unseres Studiengangs wurden als
Team ( CLASP, englisch für greifen, umklammern, fassen ) hat Impulsgeber wahrgenommen, die es verstehen, sich individuell
ein flexibles Hebewerkzeug für Gabelstapler entwickelt. Dieses auf neue Aufgabenstellungen einzulassen, und deshalb zu neuen
Greifsystem ist in der Lage, Lasten von unterschiedlicher Größe, Lösungen kommen. Dass Designer darüber hinaus auch über ein
Gewicht, Beschaffenheit und Form zu bewegen, indem es das technologisches Basiswissen verfügen und in der Lage sind, ihre
zu hebende Objekt mechanisch umschließt. Die Lasten werden Konzepte und Entwürfe computergestützt und fertigungstechnisch
dabei von mehreren Greifarmen erfasst, die sich flexibel der Geo- fundiert zu untermauern, war für einige Studierenden aus
metrie des Gegenstandes anpassen. Auch zerbrechliche Objekte den anderen Studiengängen überraschend. Ich glaube, die
können bewegt werden, weil der Anpressdruck gleichmäßig Ergebnisse dieses Projektes bestätigen die Notwendigkeit zu
über die gesamte Fläche verteilt wird. Bei dieser Idee dienen solchen interdisziplinären Lehrprojekten über die Grenzen von
die Flossenstrahlen von Fischen als biologische Vorbilder für Hochschulen, Instituten und Unternehmen hinaus, und ich würde
selbstanpassende Strukturen. Durch seitlichen Druck gegen einen mich freuen, dies wiederholen zu dürfen. «  r
der Stränge, wölbt sich die Flosse diesem Druck entgegen.
   Unterstützt wurde das Projekt von dem Münchner Medien-
produzenten Thomas Brodbeck und von Dr. Sascha Peters vom
Design-Zentrum Bremen. Dr. Frank Boinski und Christian Heßling
von der DaimlerChrysler AG, Werk Bremen, ermöglichten die
CAMPUS
Expand
Your World

» bremen war ein albtraum.


es muss die kälteste stadt
[ 4 ] auf dieser erde sein. ich habe
immer gefroren, ich habe
niemanden verstanden, und
[ 1 ]
mir ging es schlecht. «
( Junior Baiano )

[ 2 ]

[ 6 ]

[ 3 ]

Einsendungen der Plakataktion aus VIER 04

aus Kairo: Nesma Reda Mahmoud, Manar Gamal Mohamed [ 1 ]; Maha Said

Mohamed Ali [ 2 ]; Mona Osama Mohamed [ 3 ]; aus Gießen: Olga Esau [ 4 ];
[ 5 ]
aus Münster: Jokob Schneider [ 5 ]; aus Sydney: Luisa Maschke [ 6 ]
Nachhaltiger Erfolg

Die Podiumsreihe der HfK im Haus im Park


Text  0  Andreas Lieberg  Foto  0  Frank Pusch

Seit dem Frühjahr 1998 gibt es die Konzertreihe der auszeichnet. 2001 kamen das Podium Gitarre der Neben den Konzerten sind im Haus im Park auch
Hochschule für Künste im Haus im Park auf dem Klasse Andreas Lieberg und 2004 das Podium Alte drei CDs mit Klavierwerken von Johannes Brahms,
Gelände des Krankenhauses Bremen-Ost. Ins Leben Musik der Klasse Prof. Hille Perl hinzu. Es gibt also Max Reger und W. A. Mozart entstanden, bei denen
gerufen wurde sie von Prof. Kurt Seibert und dem im Jahr mehr als 30 Konzerte von HfK-Studierenden HfK-Studierende der Klasse Seibert mitgewirkt
Leiter des Hauses, Stephan Uhlig. Während der Vor-  im Haus im Park. Während die Reihen Klavier und haben. Außerdem eine Doppel-CD mit Liedern und
lesungszeit einmal im Monat spielten seitdem
Studierende der Klasse Seibert, zunächst im
Alte Musik von der künstlerischen Kompetenz der
KA-Studierenden leben, wird das Podium Gitarre
Klavierstücken von Hanns Eisler.
   Trotz der großen Anzahl von Konzerten ist der kunstrasen 08
die 18. deutsche fußball-
wunderschönen, aber klanglich problematischen vor allem von Lehramtsstudierenden gestaltet. Es Besuch stabil gut, im neuen Haus ist er sogar noch
alten Gesellschaftshaus. Im Jahre 2000 brannte das hat sich gezeigt, dass eine — allerdings aufwendige —  besser geworden. Im Schnitt kamen 2006/07 über
Gebäude ab. Das Podium Klavier musste für vier Programmgestaltung mit einer Mischung von 50 Besucher. Die meisten davon aus dem Stadtteil
Jahre zunächst in das Gemeindehaus der Melanch-
thongemeinde, dann in die Aula der Gesamtschule
Ost ausweichen. Die Standhaftigkeit, in dieser
Ensemble-, Solostücken und Liedern erfolgreich sein 
kann, wenn die individuellen künstlerischen Mög-
lichkeiten der Studierenden sinnvoll eingebracht
Osterholz, aber auch Patienten des Krankenhauses
Bremen-Ost. Die Menschen in Osterholz schätzen
das dauerhafte und qualitativ gute Konzertangebot
weltmeisterschaft der
schwierigen Situation durchzuhalten, ist auch
ein Grund für den nachhaltigen Erfolg der Reihe.
werden. Die Studierenden sammeln Erfahrungen
im Kammermusikbereich, und vor allem lernen sie,
durch die HfK und zeigen sich dankbar. Die HfK gibt
hier etwas an die Gesellschaft zurück, und das in kunst- und designhochschulen
bremen, 6.– 8. juni 2008
2004 wurde das neue Haus im Park eröffnet, das wie man — sinnvoll die Bedingungen einbeziehend —  einem Stadtteil, in dem die Einsicht, dass Kunst und
unter Einbeziehung eines Akustikers entstanden ist Konzerte veranstalten kann. Eine wichtige Voraus- Kultur von Steuergeldern finanziert werden müssen,
und sich durch eine hervorragende Klangqualität setzung für die spätere Berufspraxis als Musiklehrer. nicht sehr verbreitet sein dürfte.  r

www.kunstrasen08.de
campus 00 lehre 0 90 – 91

Allrounder
mit unterschiedlichen
Schwerpunkten

Klassisches Schlagwerk an der HfK


Text  0  Mischa Wahed  Fotos  0  VIER

Lautes Trommeln. Stille. Plötzlich hört man Schellen das Schlagzeug seit der ersten Hälfte des 20. Jahr- tischen Anwendung. Als Schlagzeugstudent wird man 
von rechts. Wieder Ruhe. Dann ein immer lauter hunderts zum eigenständigen Soloinstrument und in diesem Zusammenhang mit John Cage Bekannt-
werdender Beckenwirbel von links, wieder gefolgt Kammermusikpartner entwickelt hat. Dies resultiert schaft machen, dessen Kompositionen aus der Schlag- 
von einem Trommelwirbel. Abermals hört man aus einer Entwicklung, bei der das Schlagzeug zeugliteratur nicht wegzudenken sind, sowie auch 
keinen Laut. Plötzlich wird die Stille gebrochen: im Orchester nach und nach durch immer neue mit Edgar Varèse, der mit der Ionisation für 41 
Jemand lacht. Konzentriert stehen die vier Instrumente und die verschiedensten Arten von Schlaginstrumente und zwei Sirenen 1931 ein Schlüssel- 
Studenten hinter ihren Schlaginstrumenten. Sie Klangerzeugern erweitert wurde. Im Gegensatz zu werk der Schlagzeugliteratur komponierte.
blicken abwechselnd auf die Notenblätter vor sich damaligen Zeiten müssen Schlagzeuger heute im    Die Abschlüsse Bachelor und Master of Arts
und auf die Anweisung ihres Professors, der vor Orchester und Ensemble eine Vielzahl von Aufgaben des Studiengangs werden ab Wintersemester
ihnen sitzt. Olaf Tzschoppe sieht müde aus. Vor ein auf einmal meistern. Ein klassischer Schlagzeuger 2008/09 an der HfK eingeführt. Auch die Inhalte
paar Tagen ist er in der slowakischen Hauptstadt sollte generell all das spielen können, was gehen mit der Zeit. So werden ab diesem Zeitpunkt
Bratislava gewesen und hat ein Konzert gegeben. geschlagen wird, und dabei keine Angst vor dem  auch vermehrt Fächer aus dem Bereich der
Jetzt sitzt er hier im Keller der Hochschule für Künste Ungewöhnlichen haben. So gehören das gelegent- Professionalisierung eine Rolle spielen.
und probt mit den Studierenden ein Stück namens liche Streichen von Schlaginstrumenten oder das    Das fundierte theoretische und praktische
» Baskisches Mobile «. Tzschoppe blickt von seinem Spiel der Lotusflöte durchaus dazu. Grundwissen sowie die erlernte Selbsteinschätzung
Notenblatt auf und richtet das Wort an einen der    Die Ausbildung an der HfK zielt darauf ab, helfen dem Studenten, seine eigenen instrumen-
Studenten: » Pack mal das Paiste Full Crash in die Allrounder hervorzubringen, die sich diesen An-  talen Vorlieben herauszufinden und zu vertiefen.
Mitte und die Achtzehner nach außen. « Das dauert forderungen gewachsen zeigen, wobei sich bei  Ausgeprägte Teamfähigkeit ist ebenso erforder-
ein bisschen. Es wird kurz Pause gemacht. jedem Einzelnen unterschiedliche Schwerpunkte lich. Die Instrumente werden miteinander geteilt
   Die Vorbereitungen für das 34. elektronische herausbilden können. Unterstützt und ermöglicht und ein jeder ist darauf angewiesen, sich auch
Konzert im Rahmen des Ateliers Neue Musik wird dies auch durch eine ausgeprägte Orchester-  in angespannten Situationen mit dem Gegenüber
der HfK laufen auf Hochtouren. Was hier bei der tradition an der HfK und zahlreiche Auftrittsmög- arrangieren zu können.
Probe noch etwas leer klingen mag, wird bei der lichkeiten im Bereich der Kammermusik ( speziell    Durch das Studium werden die Studenten
Aufführung durch Elektronik ergänzt. Der Leiter des der zeitgenössischen ), aber auch in der alten Musik, in Schlagzeug und Pauke ausgebildet, jedoch
Ateliers, Kilian Schwoon, wird beim Antrittskonzert die den Praxisbezug der Ausbildung hervorheben. vermittelt es auch die Fähigkeit, später selbst
mit einem Vortrag für die Professur für Elektronische Das Mitwirken im Schlagzeugensemble der HfK einmal unterrichten zu können. Derzeit gibt es
Komposition porträtiert. Eines seiner Stücke wird und im Ensemble des Ateliers Neue Musik ist da- in der Bundesrepublik in etwa 120 professionelle
vom Schlagzeugensemble der HfK vorgetragen. bei sozusagen ein Muss. Das Standardrepertoire Orchester mit jeweils einem bis fünf Schlagzeugern
Olaf Tzschoppe obliegt die Leitung des Ensembles. der Ausbildung besteht unter anderem aus kleiner sowie diverse Ensembles für neue und alte Musik.
Seit 2005 ist er Professor für die künstlerische Aus- und großer Trommel, Pauke, Becken und Xylofon. Leider gibt es wenige feste Stellen in diesem Bereich.
bildung des klassischen Schlagzeugs. Tzschoppe Hinzu kommen chinesische Trommeln, Bongos, Von daher ist die Alternative, als Musiklehrer tätig
absolvierte sein Studium an den Musikhochschulen Congas, thailändische und koreanische Gongs, sein zu können, wichtig.
in Freiburg und Michigan ( USA ). Seit 1992 ist er Tamtams, Schellen und Woodblocks oder auch    » Und jetzt noch ein letztes Mal «, sagt Olaf
Mitglied bei Les Percussions de Strasbourg, dem Bremstrommeln und Donnerblech. Diese Liste ließe Tzschoppe leicht erschöpft. Die Luft im Keller der
ältesten professionellen Schlagzeugensemble sich noch beliebig weiter fortführen. HfK wird langsam ein wenig stickig. Der Student hat
der Welt für neue Musik. Ebenso spielt er beim    Der Instrumentalunterricht bildet den Haupt- inzwischen seine Becken umgestellt. Die Probe neigt
Freiburger Instrumentalensemble Surplus. Beide teil der künstlerischen Ausbildung. Integrale Be-  sich dem Ende zu. Nach wenigen Minuten kommen
Gruppen geben regelmäßig weltweit Konzerte. standteile des Studiums sind neben dem Schlag- alle zum Schluss. Der Professor fährt fort: » Okay,
Der Professor für Schlagzeug arbeitet an der HfK zeug das Klavier als zweites Instrument sowie die hören wir auf für heute. « Die Studenten gehen eine
mit Carsten Steinbach zusammen. Jener ist Pauker Vermittlung fundierter musiktheoretischer und  rauchen. Herr Tzschoppe nicht. Er kann sich jetzt
im Gürzenich-Orchester in Köln und unterrichtet praktisch musikalischer Grundkenntnisse. Schlag- erholen. Die nächsten Konzerte stehen schließlich
Pauken und Orchesterstudien. Grundlage der zeugensemble, Orchester sowie Kammermusik schon vor der Tür.  r
Lehre bildet die klassische Musik, in welcher sich  und Solorepertoire bieten die Möglichkeit der prak- 
Als Musiker ist
man Einzelkämpfer

Was macht eigentlich Andrey Lysenko ?


Text  0  Mischa Wahed  Fotos  0  VIER

Gelassen lehnt er sich in seinen Sessel zurück. Hauptfach Pauken und Schlagzeug zu absolvieren. Kürze naht ein Auftritt seiner Kombo Await, deren
Mit leichtem russischen Akzent bestellt er einen Andrey fährt fort: » Es wird immer darauf geach- Sound entfernt an die amerikanische Punkband
Milchkaffee. Ein Blick nach draußen. Es ist Winter. tet, wo und bei wem man studiert hat und ob man  Misfits erinnert. Andrey schmunzelt. Er betont:
Andrey Lysenko sitzt jedoch in einem warmen Praktika und Aushilfen im professionellen Orchester- » Es ist keine komplizierte Musik, aber sie klingt
Bremer Café nahe der Innenstadt und redet über bereich gemacht hat. « auch nicht primitiv «. Seine zweite Band Lyvai hat
die Hürden, die ein Berufsschlagzeuger heute zu    Die Konkurrenz schläft nicht, und die Or- sich der Popmusik gewidmet. Weiblicher Gesang
überwinden hat. chesterjobs sind inzwischen oft befristet. Vor  mit deutschen Texten trifft hier auf ruhigere mu-
   » Das Leben nach dem Studium ist speziell  Kurzem war Andrey Schlagzeugpraktikant im Or-  sikalische Untermalung.
für Musiker nicht einfach «, sagt der ausgebildete chester des Stadttheaters Bremerhaven. Inzwi-    Über seine Zukunftswünsche äußert er sich
Orchestermusiker in einem ruhigen, jedoch be- schen ist er Aushilfe bei der klassischen Phil-  bescheiden. Er will einfach weiterhin das machen,
stimmten Ton. Recht hat er, denn die Orchesterstellen harmonie Nordwest in Syke. Oft finden Auffüh- was ihm Spaß bereitet und ihn glücklich macht.
werden mehr und mehr gekürzt. An die beliebten rungen an Wochenenden statt. » Es ist nie so, wie  Eventuell möchte er mit einem Freund eines Tages
Jobs zu gelangen, ist nicht so einfach wie früher. wenn man im Büro sitzt. Dann, wenn andere ein eigenes Schlagzeugensemble gründen, mit dem
Der 26-Jährige erzählt weiter: » Als Musiker ist Feierabend machen, arbeitet man selbst «, erzählt sie eigene Stücke spielen. Aber das steht noch in
man immer Einzelkämpfer. Man sollte hartnäckig der Berufsschlagzeuger. Wer eine Familie gründen den Sternen.
bleiben und wissen, was man will. « Das, was er will, sollte sich zusätzlich anderweitig finanziell    Andrey Lysenko steht auf und zieht seine
will, wusste er schon früh: Schlagzeug spielen. absichern, meint der 26-Jährige. Das Sicherste dicke Daunenjacke an. Er bedankt sich höflich
In Moskau besuchte der gebürtige Russe erst die sei der Musikunterricht. Im Moment unterrichtet für das Gespräch und geht hinaus in die Kälte.
Musikschule, dann ein Musik-College und eine Andrey in der Casa della Musica in Bremen und Ein kalter Winter schlägt dem Schlagzeuger nicht
Akademie. 2001 kam er durch die Empfehlung von in der Yamaha Musikschule in Bremerhaven. Im auf die Laune. Er hat schon ganz andere Hürden
Freunden nach Deutschland, um an der HfK Bremen Ausgleich zur Arbeit spielt er Drums in zwei Bands. gemeistert.  r
eine fünfjährige künstlerische Ausbildung mit dem Hier geht es ihm um den Spaß an der Sache. In
campus 00 lehre 0 94 – 95

constructed mind
in starcatcher time

Fotos  0  Tobias Gratz  Mode  0  Isa Griese  Models  0  Saskia Rüsenberg, Elena Clausen
Ihr kurzer Animationsfilm 123456, entstanden in einem Kurs von Johannes Assig und Daniel
Bastian, inspirierte Isa Griese zu der Entwicklung einer Kollektion, betreut durch Ursula
Zillig. Dinge fliegen, Farben verschieben sich, ein Text ergibt sich. Die Kleidung entstand
durch intuitives Umgehen mit Farben und geometrischen Formen, zusammengesetzt in
komplexen Schnitten. Stoffmaterialien wurden bestickt, gestrickt, bedruckt, gefärbt und zu
einer sensitiven Wahrnehmungen für eine Jetztzeit-Welt gemacht.  r
campus 00 lehre 0 98 – 99

... und in Zukunft

Gedanken zum Studienfeld Modedesign an der HfK Bremen


Text  0  Dorothea Mink

Bekleidung ist neben Essen und Trinken, dem Woh- die Auseinandersetzung mit der eigenen Körper- technisch Machbare sein, Auswahlkriterium kann
nen und Kommunizieren eines unserer elementaren wahrnehmung. In zeichnerischen Bewegungs- und nur das an den Wünschen und Bedürfnissen der
Bedürfnisse. Kleidung ist unsere zweite Haut. Eine Raumstudien ebenso wie beim Akt der Anprobe: Menschen Orientierte sein. Das interdisziplinär
Kernfrage in der Lehre ist, wie aus Bekleidung Mode Das eigene Ich sprudelt als Quell der Inspiration orientierte Modedesign mit seinem impulsgebenden
wird, mit der sich ein Mensch identifizieren kann. Für und versucht eine körperliche Aneignung von Charakter bildet an der Schnittstelle zwischen
die Hochschulausbildung in der Mode bedeutet dies Vorstellung, Material und Wirkung. Der Körper Mensch und Technologie eine zukunftsfähige Brücke:
eine intensive Beschäftigung mit dem menschlichen hinterlässt Spuren im Material, der Stoff prägt sich hybrid, universal, in alle Richtungen offen. Designer
Ausdruck und der Körperwahrnehmung. Stehen in die Haut ein. Körper und Material bilden sich wie Hussein Chalayan, der als » der « intellektuelle
bei Bekleidung die Funktion und der Nutzen im gegenseitig als konkaver oder konvexer Abdruck Modeschöpfer unserer Tage gilt, haben gezeigt, dass
Vordergrund, so haben die Zeichen der Mode immer einer Skulptur ab. Sampling wird Methode: Stil-  unsere Kleider auch als Projektionsfläche für Themen
eine tiefer gehend menschliche Bedeutung. Mode kreuzungen und Stilmix konstruieren und dekon- jenseits des Mainstreams taugen: » … die Mode wie
steht für zwischenmenschliche Kommunikation, struieren immer neue Bekleidungsformen. Die ent- eine Art portable Architektur behandeln — im von
Mode steht für den Ausdruck eigener Identität. scheidende Frage ist wohl, welchen Blick werfen Mobilität geprägten modernen Leben etablieren sich
Für die Studierenden bedeutet dies: Es gilt, die wir als Designer auf den menschlichen Körper. neue Formen des urbanen Nomadentums, indem
Grundbegriffe menschlicher Kommunikation zu Ob elektronische Aufrüstung oder modische Hy- Kleidung zur flexiblen Membran wird, die auf
durchschauen und diese Erkenntnisse in eigene bride aus der vertrauten Tier- und Pflanzenwelt, ihre Umwelt reagiert. Die Unterschiede zwischen
Entwurfsthemen zu transferieren. Eine weitere Kleidung jeglicher Art ist in konstitutiver Weise Kleidung und Architektur verlieren an Bedeutung
wichtige Fragestellung beschäftigt sich mit der bei der Selbstbestimmung des Menschen am … « In entsprechender Komplexität und Tiefe muss
menschlichen Gestalt selbst und der Sehnsucht des Werk. Zwingend notwendig für die gesamte die Modedesign-Ausbildung Grenzgebiete zwischen
Menschen nach Perfektion. Das Experiment mit  Weiterentwicklung des Designbereichs Mode den traditionellen Begriffen von Kleidung, Kunst,
Körperformen und die Entwicklung von immer erscheint die vertiefende Kommunikation mit Architektur und Philosophie ausloten. Die Mode
neuen Möglichkeiten helfen, bekannte Muster zu  anderen Design-Disziplinen und ihrem jeweiligen befindet sich in einem pluralistischen Raum
überwinden, inspirieren zu einer modischen soziokulturellen Kontext. Nur in gemeinsamer zwischen Märkten, Medien und Diskursen. Die
Architektur, die sogar neue Funktionen ent- kultureller Verantwortung lässt sich eine fundierte experimentelle Gestaltung in der Mode entspricht
deckt. Die Studierenden experimentierten mit Basis für zukunftweisende Gestaltungskompetenz einem Trendlabor, einer interaktiven Plattform
Grenzwerten zwischen wirklichen und imaginären bilden. Wie sehr sich die Berufe des Modedesigns zwischen den Designdisziplinen. Der Einsatz von
Selbstbildern. Erst im Gestaltungsprozess wird auch in den rasanten gesellschaftlichen Wandel innovativen, ungebräuchlichen Materialien ebenso
die Idee eines Stiltyps zu Fleisch und Blut. Zur eingliedern werden, das technologisch Gewollte wie der Gebrauch unorthodoxer Techniken in Ver-
weiteren Verfeinerung der inneren Bilder dienen ist nur einer der möglichen Schritte in die Zukunft. bindung mit konzeptueller Kompetenz könnte hier
die dreidimensionale Erfahrung am Körper und  Zielorientierung darf nicht allein das unreflektiert richtungweisend sein.  r
Foto  0  Esther Haase  Mode  0  Sibilla Pavenstedt
campus 00 lehre 0 102 – 103

wie man mit mode vom tutu


karriere macht zum objektiv

Was macht eigentlich Sibilla Pavenstedt ? Was macht eigentlich Esther Haase ?
Text  0  Jan Erik Förster Text  0  Karolina Widera

Sibilla Pavenstedt ist ein international bekannter » Philip-Morris-Förderpreis « für Mode, was ihr sei- der Arbeit. Viele Beispiele für die Kooperation der Neben der Eingangstür tummeln sich schicke Schil- Kamera stand: Während des Studiums führte sie
Name in der Modewelt — ihre Karriere begann die nerzeit die erstmalige Teilnahme an verschiedenen ehemaligen Bremer Studentinnen finden sich im der, die auf verschiedene Anwaltsbüros hinweisen. unter anderem Hüte der Modedesignerin Sibilla 
Designerin an der Hochschule für Künste in Bremen. Modemessen möglich machte. Trotz der vielen er- Buch Wandrahm. Doch das Namensschild » Haase « ist so klein und Pavenstedt vor. Die beiden verbindet seit Kinder-
   Mitten im Hamburger Stadtteil St. Georg hat folgreichen Jahre möchte sich die Modemacherin    Obwohl derzeit keine weiteren Projekte ge- unauffällig, dass niemand vermuten würde, hier tagen eine enge Freundschaft. » Sie hat mir meinen
die 42 Jahre alte Modedesignerin Sibilla Pavenstedt auf keinen Lorbeeren ausruhen: » Der Preis ist eine plant sind und Esther Haase nach Berlin gezogen das Hamburger Atelier der vielfach ausgezeichneten ersten Bikini gehäkelt «, erzählt Esther Haase über
ihr neues Atelier bezogen. In ihrem Büro liegen Art Zwischenzeugnis. « Der Name Pavenstedt steht ist, verbindet die beiden weiterhin ein unsichtbares Mode-, Werbe- und Starfotografin Esther Haase ( 41 ) ihre Freundin und lacht laut. Immer wieder arbeiten
ein paar Unterlagen auf dem Fußboden, fein sor- für sich. Genauso wie ihr Kundenstamm: Franka Band. Denn zufälligerweise ist die neue Wohnung zu finden. die beiden Frauen an gemeinsamen Projekten.
tiert, aber noch nicht in Schubladen verstaut. Nach Potente, Veronica Ferres, Sibel Kekilli sind nur ein von Sibilla Pavenstedt das alte Domizil der Fotogra-    » Bis dahin konnte ich mir gar nicht vorstellen, Zuletzt hat Esther Haase Dana Schweiger in Kleidern
Umzug sieht es in dem puristisch eingerichteten paar Wenige, die sich mit Pavenstedt’schen Stoffen fin Haase. Nicht mehr Fotos, sondern Kleider und dass die Fotografie so ein wichtiger Teil in meinem von Sibilla Pavenstedt fotografiert.
Wohnatelier nicht mehr aus. Im Gegenteil: Die schmücken lassen. » Die Leute kommen persönlich Entwürfe füllen die Räumlichkeiten heute. Ein paar Leben sein könnte. « Esther Haase erzählt von der     Der Einfluss der Eltern ist unverkennbar. Fritz
Künstlerin feilt bereits an neuen Kleidern und Ent- zu mir «, freut sich die vitale Frau über den engen Modestücke hängen im Ausstellungsraum links ne- Zeit, bevor sie an der Hochschule für Künste Bremen  und Sibylle Haase führen ein Grafik-Atelier im
würfen. In der Ecke steht ein rotes Sofa, von wo Kontakt zu ihrer Kundschaft. ben dem Eingang und vermitteln einen Eindruck studiert hat, als ihr Leben überwiegend von Eis-, Bremer Schnoor. Außerdem war Esthers Vater auch
aus man auf einen Flachbildschirm schauen kann.    Bis die erfolgreiche Gestalterin den Stil fand, von der künstlerischen Finesse Pavenstedts. Als In- Rollkunstlauf und Ballettstunden ausgefüllt war. Professor an der Hochschule für Künste Bremen.
Es spielt sich immer wieder die gleiche Szene ab: der so viele Prominente und Modeliebhaber an- spirationsquelle diene der Künstlerin die weibliche Mit 15 Jahren ging sie nach Köln und machte eine Vorteile hatte Esther Haase deswegen keine. » Er
Mehrere elegant gekleidete Damen betreten eine spricht, hat sie hart gearbeitet und stets ihre eige- Psyche. » Ich versuche, eine Mischung zwischen klassische Tanzausbildung an der staatlichen Aka-  war in der Hochschule immer sehr distanziert und
Theaterkulisse, die eine alte Schlachterei darstellen nen Wege gesucht. Ihre Karriere begann einst in der meinem Eindruck von einer Person und dem Zeit- demie. » Es war nicht immer leicht, aber lehrreich. « unpersönlich. Hat mir auch mal aus Versehen die
soll. Unvermittelt lassen die Schönheiten ihre Hül- Hansestadt Bremen. Hier studierte die Ausnahme- geist zu finden «, erklärt sie. Besonderes Merkmal Inzwischen ist Esther Haase seit 14 Jahren als Hand geschüttelt. « Die Zeit während ihres Studiums
len fallen und verlassen die Bühne. Nicht den leicht künstlerin drei Jahre lang Modedesign und machte seien die überraschenden Farbeffekte in ihren Krea- selbstständige Fotografin tätig. Ihren Erfolg können hat sie geliebt: » Das war die tollste Zeit, ein rich-
bekleideten Frauen, sondern den Kleidern, die auf ihr Vordiplom an der Hochschule für Künste. Ihr tionen. Für die Qualitätsansprüche der Designerin unzählige Auszeichnungen bezeugen vom » Art tiges Zuhause. « Vielleicht ist das auch mit ein
dem Bühnenparkett liegen, gehört die volle Auf- Studium beendete sie in Paris am Studio » Bercot «. arbeiten unterdessen mehrere Mitarbeiter. Eine da- Directors Club «-Preis bis zum » red dot: best of the Grund, warum sie gerne noch Film studieren würde.
merksamkeit des Zuschauers am Bildschirm. Dieses » Ich habe der HfK sehr viel zu verdanken «, resü- von ist die 29-jährige Jenny Christoph. Im letzten best « für höchste Designqualität. Ihre Fotos wirken Doch der Beruf und ihre zwei Kinder nehmen sie
Schauspiel inszenierte Sibilla Pavenstedt zusammen miert sie heute. Vor allem die Beziehungen zu Stu- Jahr beendete auch sie ihr Modestudium an der sehr dynamisch. Häufig lichtet Esther Haase ihre ganz ein. Ein Hobby braucht Esther Haase nicht.
mit Katja Haß, Bühnenbildnerin am Thalia-Theater, denten anderer Kunstrichtungen seien sehr wert- HfK und bekam die Anstellung in dem Hamburger Modelle in Bewegung ab und bewegt sich auch Ihre beiden Kinder Marlene und Johnny sind
für die Verleihung des Karl-Schneider-Preises in den voll und bereichernd gewesen. Ein ganz besonderes Atelier. » Ich mache hier genau das, was ich im Stu- selbst dabei. Vom Fotografieren sagt sie, es sei » wie  Abwechslung genug. » Wenn ich nach Hause komme
Deichtorhallen in Hamburg. Doch nicht das Bühnen- Verhältnis pflegt sie noch heute zu der Fotografin dium gelernt habe «, freut sich Christoph. Vor allem weitertanzen, nur auf der anderen Seite «. und für eine Bio-Arbeit lernen muss oder der Sohn
schauspiel oder die Kulisse, sondern den Kleidern Esther Haase. » Wir haben uns die ganzen Jahre nie den Freiraum wisse die Nachwuchsdesignerin sehr    Seit 12 Jahren arbeitet die Modefotografin mit so wie gestern 40,2 Grad Fieber hat, lenkt das genug
auf dem Bühnenparkett gehört die volle Aufmerk- aus den Augen verloren, obwohl wir immer wie- zu schätzen. » Ich kann hier wirklich kreativ sein. « dem ambulanten Pflegedienst Jahnke zusammen. ab. « Esther Haase schaut mit aufgerissenen Augen
samkeit: Hier bekam die gebürtige Bremerin den der an anderen Orten arbeiteten «, sagt sie. Beide    Eine Tatsache, die in der heutigen Modewelt nicht Ihre Modelle sind alte Menschen. Aus den ent- zur Uhr: » Ist es etwa schon 20 nach fünf? Ich muss
mit 7500 Euro dotierten Karl-Schneider-Preis für Frauen besuchten die gleiche Schule. An der HfK unbedingt selbstverständlich ist. Sibilla Pavenstedt  standenen Fotos werden Kalender gemacht. Da sie  meine Tochter noch zur Tanzstunde fahren! «, und
das Jahr 2005 verliehen. Alle zwei Jahre vergibt die kreuzten sich ihre Wege erneut. Esther Haase stu- hat für diesen künstlerischen Freiraum hart ge- dieses Projekt seit Beginn ihrer Karriere macht, ist schon wieder im Aufbruch.  r
Hansestadt Hamburg jene Trophäe an Künstler aus dierte Fotografie. Sibilla Pavenstedt entschied sich kämpft. » Wir entwickeln uns ständig weiter. Doch spiegeln die Fotos ihre Entwicklung wider. Nicht nur
den Bereichen angewandte Kunst und Design. Die für Mode. Unzählige Projekte führten die Künstle- das braucht Zeit, die ich mir nehme. Das macht den ihre Laien-Modelle sind von der Zusammenarbeit
Preisträgerin nutzte die Gelegenheit, um ihre neue rinnen und Freundinnen immer wieder zusammen. Unterschied zwischen meiner Arbeit und der groß- begeistert: 2006 fand eine Ausstellung im Willy-
Kollektion vorzustellen. Der Karl-Schneider-Preis So half die Designerin der Fotografin zum Beispiel er Labels «, sagt sie.  r Brandt-Haus statt mit einem Querschnitt durch
ist nicht die erste Auszeichnung, die Pavenstedt bei ihrer Diplomarbeit und entwarf Kleider für die die Kalender der vergangenen Jahre. Es gab aber
bisher gewonnen hat: Bereits 1993 erhielt sie den » exzentrischsten Frauen Bremens «. So das Thema auch Zeiten, in denen Esther Haase selbst vor der
Mode und Körper in
der Fotografie

Praxisworkshop mit Daniel Meyer


Text  0  Dorothea Mink  Collage  0  VIER

Im Sommersemester 2007 fand zum ersten Mal ein interdisziplinäres Projekt statt, bei
dem Mode in der Fotografie in den Blick genommen werden konnte. Die Kooperation
mit dem kunstwissenschaftlichen Seminar bei Michael Glasmeier ermöglichte eine theo-
retische Annäherung an das Themenfeld. Die gemeinsame Veranstaltung diskutierte
ausgehend von den Filmen Ernst Lubitschs und den Werken wichtiger Pioniere der
Modefotografie im 20. Jahrhundert Fragen der Ästhetisierung von Körpern, Haltungen
und Physiognomien.
   Der Praxisworkshop mit dem international arbeitenden Modefotografen Daniel
Mayer stellte das Experiment zwischen Mode und ihrer Darstellung in der Fotografie
in den Mittelpunkt. Für die Entwicklung eigener Bildideen wurden Studierendenteams
aus den Schwerpunkten Mode und Fotografie gebildet. Einige Beispiele sind auf den
nächsten Seiten zu sehen. Die abgebildeten Modelle stammen aus unterschiedlichen Jana Nowack, Hayat Derfoufi, Kerstin Hülsmeier, Pia Pollmans, Jennifer

Modedesignseminaren der HfK Bremen oder stellen » gefundene « Kleidungsthemen in Thiel, Charlotte Schmid, Manuela Gangl, Alper Cavus, Arivnaa Svrenjav,

den Mittelpunkt der Betrachtung.  r Christoph Jetsch, Hannes Hanisch, Floriana Gavriel
MeiréundMeiré
Geschätzte Anzahl der Linkshänder in Deutschland:
20 bis 30 Millionen

Ungefähre Anzahl der Geschäfte und Versandhändler für Linkshänder


in Deutschland: 30

Das Wirtschaftsmagazin brand eins.


Weitaus mehr als nur Zahlen. Jetzt abonnieren: www.brandeins.de
campus 00 worlwide 0 108 – 109

Connected with
Cairo

Beyond Identity Project Part 1


Text  0  Andrea Rauschenbusch  Fotos  0  Projektgruppe

Welcome to Egypt. Samstag früh um 5.00 Uhr Ideen wurden bereits vor Reiseantritt entwickelt müssen sie ihre Gastgeberrolle, ihre Gruppe, die
erreichen wir das Windsor-Hotel, Downtown, und im gemeinsamen Blog diskutiert und werden eigene Positionsbestimmung und die kollektiven
Kairo. Es wird unsere Basisstation für die näch- nun vor Ort im Dialog überprüft, verworfen oder Gesprächsrunden strukturell und inhaltlich zunächst
sten drei Wochen aktiver Dialogarbeit sein. Wir gezielt verfolgt. Regelmäßig gibt es » Round Tables « annehmen und verantwortungsbewusst handeln
— 13 Studierende der Studiengänge FK und ID, zwei  für alle. Zusätzlich findet die designtheoretische lernen. Und auch die deutschen Partner brauchen
Künstlerinnen, zwei Professoren und eine Dozentin Auseinandersetzung über kulturelle Identität statt,  Zeit, um Wahrnehmungsprozesse produktiv zu
— suchen nun vor Ort nach künstlerischen und die durch eine Kurzzeitdozentur vom DAAD ge- gestalten. Dabei bleibt unser Tempo rasant. Das
kreativen Strategien und Verständigungsmög- fördert wird. Wer, wann, was, wie, warum? Alle? Unterwegssein zwischen den Orten im Strom un-
lichkeiten im deutsch-arabischen Austausch. Der Wo? Manchmal scheint es unmöglich, den starren zähliger Vorhaben, Menschen, Autos, Handlungen
Weg ist unser Ziel. Die erste deutsch-arabische Anforderungen zweier Fakultäten an verschiedenen fordern extrem und werden doch alltäglich — ob im
Begegnung bedeutet für alle, Neues zu versuchen. Orten neben allen unbestimmten und individuellen Taxi, mit der Metro oder auf dem Markt gleich hinter
Dabei kann aus jedem einzelnen Erfahrungsmoment Faktoren und Persönlichkeiten gerecht zu werden. dem Hotel. Es gibt eine unbändige Neugier darauf,
ein Strom werden, dessen Fließen sich über unsere    Aber jeder Einzelne und jedes Team beweist wie Dinge hier funktionieren. Ich bin begeistert von
gemeinsam gestalteten Sequenzen charakterisiert. Stärke. Arbeits- und Herangehensweisen an in- der Individualität mancher Lösungen im scheinbar
   Gleich die erste Begegnung am Samstag- haltliche Fragestellungen werden individuell mo- unkontrollierbaren Massenstrudel. Dabei gehören
nachmittag beeindruckt mich. Plötzlich sind wir duliert. Dabei sind Interaktion und Partizipation zur Bewegung in Kairo Störungen unbedingt dazu
40 Leute, die im Garten des Syndicate of Egyptian der Teilnehmer wesentlich für die Analyse und — als Rast oder Übergang? In Kairo lernt man, den
Artists auf dem Opera-Gelände sitzen. In diesem wechselseitige Experimente. Für die Mehrzahl der Moment wahrzunehmen, flexibel und gleichzeitig
Moment übertrage ich den Gruß » Sabâh al nûr « ägyptischen Studierenden ist das selbstbestimmte zu entscheiden. Ich lerne das Spiel und es gefällt
— das heißt » erleuchteter Morgen « — gerne auf Arbeiten, der konzeptionelle und kreative Prozess mir — besonders, wenn ich ein Gegenüber habe.
unsere gesamte Arbeitsreise. Ab Sonntag wird es  neu. Eine einfache Frage bringt es auf den Punkt: Und so fließen wir mit von Downtown bis Helwan,
offiziell. Die Dekanate der Fakultäten heißen uns  What are you interested in and why? Behutsam über Bulaq, Zamalek, El Dokki, Nasr City, Mo’atam
willkommen, die Dekanin der Faculty of Art Edu- wird ein neues Bewusstsein angenommen und und Al Azahr, Gizah oder Dashur und viele mehr.
cation hat traditionelle Köstlichkeiten gebacken! es entsteht Mut, das eigene Profil zu schärfen.    Die Verbindung von Nützlichem und Ange-
Dem Genuss folgt Arbeit, aber nach vier Stunden Maybe to take more risks is to find another way  nehmem hat System. In kleinen Gruppen finden
Gespräch ( in Englisch, Deutsch, Arabisch ) und of working? In welcher Weise werden die Studie- Einladungen statt, öffnen sich uns in ägyptischer
Reflexion über Nacht stehen ein Zeitplan und renden als angehende Kunst- und Kulturvermittler individueller Begleitung ägyptische Viertel,
Entscheidungen fest. Wir bilden drei übergreifende sich und ihre lokalen Traditionen und Alltags- traditionelle Produktionsstätten, Häuser und
Gruppen mit den Schwerpunkten » p eople « , wirklichkeiten so wertschätzen, dass sie diese in Räume. So erleben wir auf sehr persönliche Art
» movement « und » places «. Die konzeptionellen künstlerische Strategien umsetzen können? Jetzt und Weise Museen, das islamische Kairo, und
campus 00 worlwide 0 110 – 111

selbst offizielle ( und strategisch notwendige ) Be- im Augenblick glücklich zu sein. Der Suezkanal bitten und Zimmer Nr. 32 zur privaten Keramik-
suche beim Präsidenten der Helwan University wird Zeuge gegenseitiger Verständigung und der werkstatt umfunktionieren. Die Bar jedoch ist und
bleiben unvergesslich humorvoll. Auch die Fakul-  Sand Träger visueller Experimente. Die Expedition bleibt Wohn- und Arbeitszimmer auch für Gruppen-
täten Fine Arts und Music Education bieten Ein- ans Meer nach Alexandria lässt uns staunen und und Einzelgespräche. Hier sind Intuition, Vertrau-
blicke. Ebenso finden Lectures unsererseits statt. neben der Bibliothek wunderbaren Fisch mit den en und Geduld ständig gefragt. Jede kollektive
Gezielt, zufällig nebenbei oder im » Dazwischen « Fingern genießen. Einmal mehr kehren wir nachts Entscheidung ist ein Kompromiss. Wie gehe ich
passiert für alle Projektteilnehmer Wesentliches: bereichert zurück. mit Krisen um? Hier im Prozess sind alle Fragen
Gemeinsame Nenner finden sich und einzigartige    Können wir den Tag verlängern? Automatisch intensiv und nah an einem selbst. Meine intensivste
Auseinandersetzung findet statt. Die Vielschichtigkeit nehmen wir die geräumige Bar » unseres « Windsor- Erfahrung: Wir fördern im Ausland sicher mehr,
der Ereignisse und Arbeitsprozesse im Detail ist Hotels jede Nacht in Beschlag. Hier entsteht täglich indem wir unser Augenmerk auf das Annehmen
kaum zu beschreiben. Übrigens besuchen die zusätzlich die Echtzeitdokumentation. Überhaupt richten und gut zuhören.
ägyptischen Familien aus Großkairo mit Vorliebe wird das Windsor unser Freund und Partner — wir     Plötzlich bricht die letzte Woche an. Das Goethe-
am Samstag ihre Pyramiden zum Picknick. Dank dürfen den Farbdrucker entführen ( H P 930 ) , Institut Kairo folgt meinem Wunsch nach öffentlicher
echter Freundschaften kommt jeder an seinen Ort das Dach für Fotoshootings benutzen, weibliche Präsenz und wir dürfen die Galerie komplett nutzen.
mit grandiosen Aussichten zu allen Seiten, um Gruppenmitglieder zum Beten in unsere Zimmer Die Ausstellung der Arbeitsergebnisse eröffnet uns
einen weiteren wesentlichen Erfahrungsraum. Und nung in die Galerie. Der öffentliche Rahmen, die gro-  Informationen und Beobachtungen auf, achte auf
trotz aller Müdigkeit, Zerreißproben und täglich ße Anerkennung und Anteilnahme tun allen gut. eine stabile Basis und hoffe, dass das, was einmal
gleicher Aprikosenmarmelade zum Frühstück: Die Die Ägypterinnen sehen heute besonders schön aus.  richtig steht, nicht so leicht wieder wegweht.
Ausstellung gelingt. Wir präsentieren mehr als    Es war ein fruchtbarer Start in Kairo. Wir    Kairo fordert die HfK und Bremen für den
Ansätze und Perspektiven sehr professionell und waren im Schlaraffenland der Gastfreundschaft. Für Gegenbesuch im Juli 2008 heraus. Das langfristig
übertreffen alle — auch unsere — Erwartungen. Das das Gelingen möchte ich ganz besonders Dr. Shawky angelegte interkulturelle Entwicklungsprojekt
Gefühl des gemeinsamen Schaffens ist dabei ebenso Hafez und Dr. Amany Fawzy danken, ohne deren » Beyond Identity — A Design and Art Centre Cairo «
essenziell wie das Definieren der eigenen Grenze persönlichen Einsatz das Projekt so nicht möglich braucht und sucht die Interaktion und Partizipation,
und einer künstlerischen Position. Meine ersten gewesen wäre. Ich bin glücklich und sehr stolz ein Publikum, Freunde, Förderer und Partner. Be-
Regentropfen in Kairo nehme ich entsprechend auf jeden einzelnen ägyptischen und deutschen sonders aus Politik und Kultur. Welcome to Bremen,
gerührt wahr. Denn in diesem Moment eröffnen Teilnehmer, auch darauf, Teil dieses Prozesses zu Juli 2008.  r
Dr. Friedrich Dahlhaus, Leiter der Kulturprogramme, sein. Ich versuche, meine Gedanken festzuhalten.
und seine Assistentin Ghada El-Sherbini unsere Aber immer wenn ich glaube, jetzt habe ich sie
Ausstellung. Es ist der 21. November, 17.30 Uhr. Immer  alle, taucht in der nächsten Sekunde ein neuer
mehr Menschen kommen und schauen voller Span- wesentlicher Moment auf. Ich türme den Berg an
Design — ein Privileg
der entwickelten Welt
Praktikum bei Orange Juice Design, Durban, Südafrika
Text  0  Mirjam Platz  Foto  0  Mirjam Platz

Warum musste es unbedingt Durban sein? Ist doch finden sich immer Mitfahrer, die einem Fremden Besprechungen. Das Arbeiten in der Praxis und den
auf der anderen Seite der Weltkugel alles sehr in der ungewohnten Lage helfen. Trotz dieser sehr Agenturalltag kennenzulernen, war eine sehr gute
fremd und ungewohnt: die Luft, die Geräusche, unkomfortablen Art der Fortbewegung, bin ich und wichtige Ergänzung zum Studienalltag.
die Farben. In den ersten Stunden allein in einem viel per Minibustaxi unterwegs gewesen. Es ist    Nach wie vor hat Südafrika viele Lasten aus
undurchschaubaren Chaos, zwischen Straßenver- nicht nur die schnellste und günstigste Fortbewe- Zeiten der Apartheid zu bewältigen. Auffällig sind
käufern und Menschenmassen, dem Trubel auf den gung, sondern auch die interessanteste, weil man die widersprüchlichen Welten, die scharfen Kon-
Straßen, in der unglaublichen Hitze habe ich mich mit vielen unterschiedlichen Leuten ins Gespräch traste, die Südafrika prägen. Mein Aufenthalt kon-
gefragt, wie ich da je zurechtkommen kann. kommt — auf längeren Strecken bleibt Zeit für Ge- frontierte mich mit diesen Kontrasten: die leben-
   Schon die Fortbewegung durch die Stadt mit schichten. So haben sich meine Befürchtungen dige Design- und Kunstszene in der Stadt — dann
öffentlichen Transportmitteln war ein Abenteuer. schnell gelegt. Viele nette Menschen haben mir ge- die Begegnung mit den Armuts- und Lebenswelten,
Nichts ist ausgeschildert oder beschriftet, gekenn- holfen. Nach wenigen Tagen habe ich ein Zimmer in denen Design keine Rolle spielt. Zu erleben, dass
zeichnete Haltestellen sind selten. Ansonsten muss gefunden, meinen Arbeitsplatz bei Orange Juice dort, wo Mangel herrscht, Design nicht wichtig ist.
man schauen, wo viele Leute wartend stehen und Design bezogen und konnte mit dem ersten Projekt Diese Erfahrung macht bewusst, dass Design ein
sich dazustellen. Auch Fahrpläne oder Routen sind starten. Garth Walker und seine Mitarbeiter haben Privileg der » entwickelten « Welt ist.
nirgends zu finden. Neben den sporadisch fahren- mich freundlich aufgenommen und unkompliziert    Geprägt haben meinen Aufenthalt die vielen live your own style
den öffentlichen Bussen, quetschen sich Mengen in den Agenturalltag integriert. Ich konnte an den intensiven Situationen des menschlichen Miteinan-
privater Minibusse durch die Straßen. Der Fahrer aktuellen Projekten mitarbeiten, an den fast täglich ders im Alltag, die Freundlichkeit und der Respekt
und der Kassierer kennzeichnen während der Fahrt stattfindenden Meetings teilnehmen und bekam so der Menschen in Südafrika mir gegenüber. So viele
ihre Routen mit bestimmten Handbewegungen aus Einblick in alle aktuellen Vorhaben. Für den Spaß Begegnungen, Ereignisse und Alltagssituationen,
dem geöffneten Fenster. Unglaublich, wie viele dabei sorgte Garth mit seiner humorvollen und rup- die ich kaum in meinem europäischen Kontext be-
Menschen man in einen Kleinbus pressen kann. pigen Art, die Projekte, die Kunden und unsere Ar- schreiben kann. Ich bin glücklich über diese vielen
Die Musik im Auto ist so laut, dass einem völlig beiten zu kommentieren. Bei Orange Juice wird viel Erfahrungen in einer Kultur und in Lebenswelten,
unklar ist, wie man sich verständlich machen soll, gelacht. Weil Garth Walker sich in seiner gestalte- die sich grundsätzlich von meinen unterscheiden.
wenn man aussteigen möchte. Es bleibt einem rischen Arbeit auf seine südafrikanischen Wurzeln Sie waren und sind für mich sehr inspirierend, als
nichts, als tief durchzuatmen und die Ruhe zu be- bezieht, waren meine » europäische « Gestaltung Mensch und Gestalterin — deswegen musste es un-
wahren — eine echte Herausforderung. Doch dann und der Unterschied immer wieder Thema in den bedingt Südafrika sein.  r

Gleittüren / Raumteiler / Schranksysteme


m a d e i n g e r m a n y / w w w. r a u m p l u s . d e

B R E M E N _ B R I S B A N E _ K A P S TA D T_ K U W A I T _ L O N D O N _ M O S K AU_ PA R I S _ P E K I N G _ R O M _ VA NCOU VE R _ ZÜ R I C H _ U N D WE I T E R E _
campus 00 worlwide 0 116 – 117

Berge nach
Norwegen tragen

Über die Unmöglichkeit, eine Postkarte zu bereisen


Text  0  Marina Steinacker, Susanne Katharina Willand  Fotos  0  Marina Steinacker, Susanne Katharina Willand

Wie fing alles an? Im Frühjahr 2007 arbeiteten wir sächlich für vier Wochen nach Norwegen. Ziel un- was aber nicht heißt, dass es keine Ergebnisse gibt.
an dem Film » Ansichten «: eine im digitalen Raum serer Reise war es, die genauen Standpunkte der Oder: Der Weg ist das Ziel. Unser Weg führte uns zu
animierte Kamera überfliegt auf Postkarten abge- Postkartenfotografen zu finden und die damaligen atemberaubenden Szenerien, versteckten Winkeln,
bildete Gebirgslandschaften. Nach einer Weile mi- und heutigen Ansichten zu vergleichen. Unsere Rei- zu fremden Gärten und Menschen und auch in un-
schen sich zwischen diese Berge immer mehr wei- seroute stand durch die » Stationen « — unsere Post- erwartete Schwierigkeiten. Doch wir wollten noch
ße Gipfel. Statt der Bildseiten sind nun die weißen karten — fest. All diese Orte haben wir tatsächlich in weiter gehen. Ansichtskarten sind nicht einfach Fo-
Rückseiten der Postkarten zu sehen. Die Fahrt endet mehr oder weniger veränderter Form gefunden. Das tografien; auf ihnen wird Landschaft immer mehr
in einer Landschaft aus Papier. Für unseren Film Gefühl, dort zu sein, war jedoch irgendwie anders oder weniger gelungen als » Idyll «, als » unberührtes
hatten wir überwiegend norwegische Postkarten- als erwartet. Anstelle einer beinahe » mystischen « Paradies « inszeniert. Gerade das am natürlichsten
motive aus den 1960ern und 1970ern verwendet, die Erfahrung, schien es uns schlicht ziemlich normal Wirkende ist künstlich. Hinter den Kulissen sind
wir auf dem Bremer Flohmarkt erstanden hatten. dort zu sein. Die Natur war natürlich großartig. Aber Natur und Kultur keineswegs Gegensätze. Und so
Sie beeindruckten uns im Laufe der vielen Stunden, die Tatsache, sich mit einem Male in und nicht vor inszenierten auch wir. Hier allerdings mit dem Ziel,
die wir vor dem Computer verbrachten, mehr und dem Motiv zu befinden, änderte das Verhältnis zum eben diese Künstlichkeit in den Vordergrund zu rü-
mehr. Am Anfang war das Wort, heißt es, und so Ort grundlegend. ( » Wir träumen von Reisen durch cken und auf vergnügliche Weise zu ironisieren. Die
kam es, dass wir eines Abends darüber sprachen, das Weltall. Ist denn das Weltall nicht in uns? « No- zu dieser Thematik entstandenen Arbeiten zeigen
wie es wäre, diese » digitale « Reise in » analoger « valis ) Uns wurde klar, dass jede Ansicht immer nur wir in unserer Ausstellung » pimp the mountains «
Form zu unternehmen, um die ( für uns ) beinahe Möglichkeit ist, abhängig von vielfältigen Faktoren ab dem 23. Februar 2008 in der Galerie der HfK,
unwirklich schönen Ansichten » in natura « zu se- und nicht zuletzt vom Standpunkt des Betrachters. Dechanatstraße 13–15.  r
hen. Im August reisten wir dank des gewonnenen Sprich: Es ist unmöglich, zu einem Bild zu reisen.
Reisestipendiums der H. A. Bockmeyer-Stiftung tat-  Es trotzdem zu versuchen, führt zum Scheitern,
campus 00 worlwide 0 118 – 119

meldungen

Nordische Konzertreise Calcutta — Fotoausstellung der Hochschule für Künste im Willy-Brandt-Haus Berlin [ 3 ]

Studierende des Fachbereichs Musik nahmen an Konzertreisen des Ensembles Weser-Renaissance ( Leitung Manfred Cordes ) nach Stockholm und Helsinki teil. Beim 21 Fotografiestudentinnen und -studenten der Hochschule für Künste Bremen haben die großartige bedrohte Pracht eines vergänglichen Architekturerbes aus
Stockholm Early Music Festival ( Juni 2007 ) und der Vantaan Barokki musizierten Claire Bracher, Marthe Perl und Katharina Schlegel ( Viola da Gamba ), ferner die dem 19. Jahrhundert in der indischen Stadt Kalkutta fotografisch festgehalten. Der Zeitschrift Geo waren die beeindruckenden fotografischen Ergebnisse in ihrer
Absolventinnen Päivi Järviö ( Sopran ), Irina Kisselova ( Violine ) Juliane Laake ( Viola da Gamba ) und Margit Schultheiß ( Harfe ). Das Ensemble trat in prominentem Septemberausgabe bereits eine 32-seitige Reportage wert. Nun sind die großformatigen Bilder im Willy-Brandt-Haus in Berlin zu sehen. Unter der Leitung von
Rahmen mit 15 Musikerinnen auf, auf dem Programm stand Das Jüngste Gericht von Dieterich Buxtehude.  Text  0  Manfred Cordes Prof. Peter Bialobrzeski haben die Studierenden mit Großformat-Kameras und einer speziellen Weitwinkel-Mittelformat-Kamera entlang einer der ältesten Straßen
Kalkuttas, der Chitpur Road, fotografiert. Die Chitpur Road ist acht Kilometer lang und gesäumt von unzähligen wunderschönen alten Häusern, die während der
Kolonialzeit von Engländern entworfen und von bengalischen Handwerkern gebaut wurden. Diese Häuser verfallen heute rapide, und es ist nicht abzusehen,
dass jemand Geld aufbringen wird, um sie zu retten. Die fotografische Reise der HfK-Studenten ist insofern auch ein Beitrag, diese bedrohte Schönheit fest- und 
als Auftrag wachzuhalten. Den Studierenden ging es aber auch um die Menschen, die dort leben. Ihre Bilder zeigen wunderbare Menschen in einer 
Kunst des Forschens faszinierenden Stadt.  Text  0  Klaus Schloesser

Welche Kriterien müssen entwickelt werden, um die Relevanz künstlerischer Forschungen einschätzen zu können? Welche Methoden sind der Kunst eigen,
deren Produktionsweise im Denken ihrer Tradition auch auf Zufall, Unvorhersehbares und die Produktivität von Nicht-Wissen und Un-Sinn setzt? Und welche
Transformationen sind aufseiten der Wissenschaft nötig, um nicht über das Wissen der Kunst zu sprechen, sondern in einen Dialog mit diesem zu treten? Das
Forschungsprojekt » Kunst des Forschens « wurde von Prof. Dr. Elke Bippus an der HfK Bremen, zusammen mit Prof. Katharina Hinsberg und dem Künstler Frank
Hesse, etabliert. Mit der Berufung von Elke Bippus an die Zürcher Hochschule der Künste wurde das Projekt dort fortgesetzt. Vom 6. bis 8. Dezember 2007 fand
Urban Nature
die Abschlusstagung in Zürich statt, zu der Experten aus Kunst und Wissenschaft, Theorie und Praxis eingeladen waren, um über Wissensgenerierung im Feld der Zur Zeit hält sich Prof. Peter Bialobrzeski in Südostasien auf und arbeitet am Fotoprojekt » Urban Nature «. Am Beispiel von Jakarta, Hanoi, Kuala Lumpur, Singapur,
Künste zu diskutieren. » Kunst des Forschens « wird von der Projekt- und Publikationsreihe dazwischen begleitet. In diesem Kontext arbeitete die Arbeitsgruppe Bangkok und Manila werden die Schnittstellen des städtischen Grüns mit der Infrastruktur moderner asiatischer Megastädte beleuchtet. In der nächsten VIER
» Strichweise Verzeichnen « der HfK Bremen mit Prof. Katharina Hinsberg im November 2007 an der ZHdK an dem Projekt » Untersuchung eines Protokolls — Protokoll werden wir erste Ergebnisse dieses spannenden Vorhabens zeigen können.  Text  0  Ralf Schneider

einer Untersuchung «. Weitere Informationen unter http://kunstdesforschens.zhdk.ch.  Text  0  Katharina Hinsberg

Das Atelier Neue Musik ist Teil des » Netzwerks Neue Musik «
Correspondence — Ein Kunstprojekt im Dreieck
Das Atelier Neue Musik im Fachbereich Musik der HfK hat es geschafft: Nach einer bundesweiten Ausschreibung der Kulturstiftung des Bundes ( www.
Cambridge, Massachusetts — Lahore, Pakistan — Bremen, Deutschland [ 1 ]
netzwerkneuemusik.de ) gehört es im Rahmen von » klangpol «, einem Verbund von Institutionen und Initiativen aus dem Raum Oldenburg/Bremen, zu den
Miteinander kommunizieren in der Sprache der Kunst: Das heißt, 13 Arbeiten von Studierenden der jeweiligen Hochschule mit den entsprechenden kulturellen und Projekten, die in den Jahren 2008–2011 gefördert werden. Unter fast 100 Anträgen wurden in einem zweistufigen Verfahren 15 ausgewählt, darunter » klangpol «,
gesellschaftlichen Hintergründen werden per Postsendung ( Paket ) an eine der Partnerfakultäten verschickt und von den Studierenden dort als autonomes Werk, das federführend vom Oh-Ton-Ensemble Oldenburg geleitet wird und bei dem die HfK in Bremen der Hauptpartner ist. So können innerhalb dieses Netzwerks in
also ohne weiteren Kontakt, behandelt und mit einem Werk beantwortet. Die Arbeit und ihre » Antwort « werden weiter verschickt an die dritten Teilnehmer, die den nächsten vier Jahren einige Projekte realisiert werden, die der Neuen Musik als einem Schwerpunkt unserer Hochschule bundesweit Beachtung zukommen
jetzt in den Dialog eintreten. Die Versendung der Arbeiten erfolgt jedes Mal gleichzeitig von allen drei Standorten aus. Fragen nach künstlerischer Sprache und lassen.  Text  0  Joachim Heintz

der Sprache der Kunst, nach Kommunikation zwischen Einzelnen und zwischen Kulturen, nach zeitlichen und örtlichen Dimensionen und ihren Verschiebungen,
Fragen der aktuellen Politik im Zusammenhang mit Kunst sind Schwerpunkte der Auseinandersetzung. Das Verschicken der Arbeiten zwingt, sich in kurzen
Zeiträumen und begrenzten Dimensionen zu artikulieren. Die Notwendigkeit, das Verpackungsformat einzuhalten, fordert, sich der Wahl der Mittel bewusst zu
sein. Vorstellung, Ausführung und Präsentation einer Arbeit müssen abgeschlossen sein und in einem Schuhkarton oder DIN-A4-Umschlag Platz finden. Im Frühjahr
2008 werden die Werke und ihre » Antwort-Werke « an den drei Orten ausgestellt.  Text  0  Danuta Kurz

[ 2 ] [ 3 ]
Look at Beethoven [ 2 ]

Nordmedia-Empfang auf der Berlinale — spät nachts der Durchbruch: erste positive Gespräche über die Förderung eines Bachelor-Studenten-Filmprojektes mit
den Entscheidungsträgern der Nordmedia. Noch später dann im Gespräch mit der Bremer Galeristin und Medienexpertin Katrin Rabus entsteht die Idee eines
Seminars zu Beethoven. Das Thema stößt auf große Resonanz, und so gehen bald 18 Studenten aus zehn Ländern daran, den großen deutschen Meister neu oder
wiederzuentdecken. Ziel ist je ein Kurzfilm als Gruppen- oder Einzelarbeit. Höhepunkte der Veranstaltung sind die inspirierenden Besuche in der Galerie Rabus
sowie ein unvergesslicher Nachmittag in einem Übungsraum in der Dechanatstraße mit dem Bremer Komponisten Michael Reyher. Sich selbst am Klavier begleitend
bringt er uns seine Interpretation der Musik Beethovens und deren Gewicht eindringlichst zu Gehör und eröffnet den meisten Filmern einen völlig neuen Zugang
zu den Werken des Klassikers. Am Ende werden zehn Kurzfilme produziert und beim Beethoven-Festival eingereicht. Der Regisseur Enrique Sanches Lanch bei
der Auftaktveranstaltung: » Ich bin beeindruckt von der Qualität und der Vielseitigkeit der Filme der Bremer Studenten. «
   » So, what was that in him that we could tell about in an engaging way today? Historical biographies, however interesting, were out of the question. These
were done — and these were many. There was something quite challenging in it and, at first, we were a bit intimidated by it, to be honest. But later on, we got
really engaged into brainstorming process. It was really interesting to see how incredibly different our approaches turned out to be. None repeated each other.
The ideas and styles ranged from tragedy to comedy, from animation to black and white Chaplin style. At the end each film was a heavy mix of personality of
[ 1 ] [ 3 ]
creators and Beethoven, or what each of us imagined him to be. « Aneta Takhamysheva.  Text  0  Joachim Hofmann
campus 00 freunde 0 120 – 121

Den Mythos des Gäste an der HfK


Design-Stars demaskieren

» link « ist eine studentische Initiative an der HfK Bremen Vortragsreihe über Markenkreation und Markenmanagement
Text  0  link  Foto  0  VIER Text  0  Klaus Schloesser  Fotos  0  VIER

Es ist 11 Uhr morgens. Die Sonne scheint durch die  um den Kontakt — das beinhaltet in diesem Fall: ergänzendes Angebot zur bestehenden Lehre. Kommunikationsprofi und HfK-Honorarprofessor Jürgen Kindervater. » Die Marke ist heute ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen und wird für eine
alten Fenster des studentisch geführten Café Lu im  Hotel organisieren, zum Bahnhof fahren, um Petr  » Durch die möglichst verschiedenen Vorträge er-  erfolgreiche Unternehmensführung immer wichtiger. « Eine hochkarätige Vortragsreihe an der Hochschule für Künste Bremen behandelte das Thema » Marke «
vierten Stock des alten Speichergebäudes im Bremer  abzuholen, ihm bis zum Vortrag Gesellschaft leisten. hoffen wir uns, einen kritischen Diskurs anzusto- jetzt von den Grundlagen der Markenkreation bis zum nachhaltigen Management von Marken. Mit Jürgen Kindervater, früher langjähriger Kommunikationschef
Überseehafen. Die Espressomaschine zischt, leise Carlo und Hannes sind für die Videoaufzeichnung ßen, innerhalb dessen sich Studenten einen eigen-  der Deutschen Telekom und Honorarprofessor der HfK, sowie seinen Partnern Heiko Dertinger und Andreas Heim bei der Münchener Markenagentur Brandoffice
Musik spielt im Hintergrund. An einem der kleinen verantwortlich, die von jedem Vortrag gemacht en Standpunkt erarbeiten können. « Carlo klingt  gaben dabei profilierte und bundesweit anerkannte Referenten in drei öffentlichen Vorträgen an der HfK Einblick in die Strategien eines erfolgreichen
Holztische hat sich eine energische Diskussion wird, um sie später auf der link-Website als Podcast überzeugt bei diesen Worten. » Durch die Organi- Markenmanagements.  r
ergeben. Um ihn herum sitzen vier Studenten und zum Download anzubieten. Johannes, Anna und  sation, die im Grunde sehr viel Zeit in Anspruch
zwei Studentinnen aus dem Studiengang Inte- Vivien bereiten den Raum vor und gestalten die  nimmt — Raum finden, Redner kontaktieren, Ter- 
Jürgen Kindervater Andreas Heim Heiko Dertinger
griertes Design. Es fallen Begriffe wie » Haltung «, Ankündigungen. Keine leichte Aufgabe, in der von  mine abstimmen, Themen planen, Ankündigungen
Spezialist Markenimplementierung Spezialist Markenstrategie Spezialist Markenkreation
» Nachhaltigkeit « und » kritischer Diskurs «. Es ist Postern und Flyern übersättigten HfK noch aufzufal- entwerfen —, lernen wir jedoch am meisten. Gerade
die studentische Arbeitsgemeinschaft » link «, eine len. Deswegen lassen sich die sechs auch immer wieder  die Besprechungen im Team, die Abstimmung — wer  Früher langjähriger Kommunikationsdirektor der Früher internationaler Brand Manager bei adidas; Geschäftsführer Kreation bei Brandoffice Marken-
kleine Gruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, » den  spannende Lösungen zur Ankündigung ihrer Vor- macht was — sind wichtige, unersetzbare Erfah- Deutschen Telekom und Aufsichtsratsvorsitzender  danach bei Interbrand München zunächst für BMW,  beratung, München. Zuvor bei Interbrand München
Mythos des Design-Stars zu demaskieren «. Die träge einfallen — und meistens klappt das auch. link  rungen. Damit immer alle auf dem gleichen Stand der De Te Medien. Danach als freier Markenbera- dann hauptsächlich für das Loewe-Mandat ver- für die Betreuung des BMW-Group-Mandats mit den 
kleine Gruppe um Alexander Böll wirkt souverän. scheint ein gut funktionierendes Team zu sein, ob- sind, treffen wir uns regelmäßig einmal pro Woche. ter u. a. zuständig für Loewe, REHAU, Tessloff, antwortlich. » Grundlagen Markenmanagement: Fall- Marken BMW, MINI verantwortlich. » Bilder machen
Gerade werden die möglichen Gäste für 2008 wohl sich die Zusammensetzung jährlich ändert Außerhalb dieser Treffen kommunizieren wir  DasTelefonbuch. » Grundlagen Markenmanage- studie BMW « Der Vortrag beschrieb die wichtigsten Marken — Grundlagen Markenkreation « Der Vortrag
diskutiert. Petr van Blokland, der an der KABK in — bis auf Ali, der die AG vor drei Jahren mit Rasmus hauptsächlich über eine Online-Plattform, auf der  ment: Fallstudie Loewe « In diesem Vortrag ging  Erfolgsfaktoren des Markenmanagements am Bei- behandelte die Bedeutung von Leitbildern für
Den Haag unterrichtet und unter anderem durch Giesel gründete und seitdem mit Herzblut dabei dann alle Einträge auch archiviert werden. « Der  es um die wichtigsten Erfolgsfaktoren des Marken-  spiel BMW. Der Marke gelang in den vergangenen  Marken; das Verhältnis zwischen abstrakten Werten
seine Schrift » Proforma « bekannt sein dürfte, sowie ist. Warum aber opfern sechs Studenten ihre Zeit Aufwand scheint sich zu lohnen, denn unter den  managements am Beispiel Loewe. Das Unternehmen 30 Jahren ein beispielhafter Aufstieg zur führenden und realen Erlebniswelten; die Konsequenzen für
Frank Blokland, Gründer der Dutch Type Library und Nerven, um neben dem Studium Vorträge bisherigen link-Gästen finden sich unter anderem befand sich im Jahr 2004 in einer schwierigen Premium Automobilmarke.  r das Verständnis von Kreativität bei der Gestaltung
und ebenfalls Professor an der KABK, sind für und Workshops zu organisieren? Aus Idealismus? Namen wie: Aram Bartholl, Ruedi Baur, Peter Bialo- Unternehmenssituation. Innerhalb von nur drei von Marken.  r
das Frühjahr 2008 eingeplant. Ali, wie Alexander Eigennutz? Nächstenliebe? » The greater good «? brzeski, Filip Blažek, Renate Gruber, Klaus Hesse, Jahren gelang der Marke ein vielfach ausgezeichnetes
gerne genannt wird, kümmert sich dieses Mal Aus all diesen Gründen! link versteht sich als Eike König, Mike Meiré und Nick Nostitz.  r Comeback.  r

Auf link.hfk-bremen.de finden sich Informationen über aktuelle

Vorträge, der entsprechende RSS-Feed kann dort ebenfalls abonniert

werden. Außerdem gibt es einen Videopodcast, der Vorträge und

Workshops von link dokumentiert. Einige Vorträge der vergangenen

zwei Semester können bereits angesehen werden.

link ist in diesem Semester: Alexander Böll, Johannes Ellmer, Carlo

Grabowski, Hannes Hanisch, Anna Maria Müller und Vivien Anders.


campus 00 freunde 0 122 – 123

personalia

Hochschulleitung und Verwaltung

Prof. Andrea Rauschenbusch Prof. Peter von Maydell Oratorium in Berlin « ). Ab 1995 wissenschaftlicher


( CI/CD, Kommunikationsgestaltung ) ( Interface-Design ) Assistent am Musikwissenschaftlichen Seminar der 
Universität Münster; 1998 beurlaubt für ein 
wurde auf Vorschlag des Rektors vom Akademischen wurde zum neuen Dekan im Fachbereich Kunst und
Habilitationsstipendium des DAAD, Forschungs-
Senat zur neuen Konrektorin der Hochschule für Design der HfK gewählt. Peter von Maydell ist seit
aufenthalt in Spanien. 1999 Habilitation in Münster 
Künste Bremen gewählt. Andrea Rauschenbusch 2004 an der HfK Bremen.
( » Musik am Hofe Karls V. « ) und ab 2000 Hoch-
hatte von 1995 bis 2001 einen Lehrauftrag an
schuldozent am Musikwissenschaftlichen Institut
der FH Hannover, FB Design und Medien. Von
der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Dort Mit- 
2000 bis 2005 folgte eine Professur für Visuelle Dörthe Warneke
glied des Graduiertenkollegs » Ars und scientia
Kommunikation an der FH Münster, FB Design. Im ( Wissenschaftliche Mitarbeiterin )
im Mittelalter und der Frühen Neuzeit «. Von 2005 
Oktober 2005 wurde sie als Professorin für Kom-
übernahm das Amt der Studiendekanin. Bis dahin bis 2007 Vertretung des Lehrstuhls für Musikwissen-
munikationsgestaltung, CI/CD, an die Hochschule
war sie Referentin für Hochschulentwicklungspla- schaft an der Hochschule für Künste Bremen. 2006
für Künste Bremen berufen.
nung an der HfK Bremen. Preisträger im Bundeswettbewerb » Geist begeistert «
zum Jahr der Geisteswissenschaften.

Prof. Andreas Gürsching Roland Kerstein


( Musiktheorie ) ( Wissensch. Mitarbeiter AV-Medien/Mediengestaltung ) Mario Lombardo

wurde im Fachbereich Musik der HfK in seinem Amt wurde neuer stellvertretender Dekan. Viele Jahre wurde für einen Lehrauftrag im Bereich Kommu-
als Dekan bestätigt. Er ist seit 2005 Dekan im FB Gastprofessor an der HfK, seit 2007 hauptamtlich nikationsdesign gewonnen. In Vertretung für Andrea
Musik und seit 1998 an der Hochschule für Künste. beschäftigt. Rauschenbusch betreut er u. a. das studentische
Gestalterteam für die aktuelle Ausgabe der VIER.
Mario Lombardo arbeitet seit 2000 als Art Director
Prof. Dr. Barbara Stiller
und hat seit 2002 verschiedene Lehraufträge an
( Elementare Musikpädagogik EMP ) Klaus Schloesser
Designhochschulen und -instituten übernommen.
wurde ebenfalls als Studiendekanin wiedergewählt. wurde neuer Leiter des Referats Marketing und Insgesamt hat er bisher über 50 nationale und
Sie ist Gründerin der Kindermusikwerkstatt des Öffentlichkeitsarbeit an der HfK. Bisher fungierte internationale Design-Awards gewonnen, darunter
Schleswig-Holstein-Musik-Festivals. 2000 übernahm er als Sprecher des Senats der Freien Hansestadt den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland,
sie die Projektleitung für die » Initiative Konzerte für Bremen. den Red Dot Award, den Young Guns Award,
Kinder « der Jeunesses Musicales Deutschland. Seit Australia, und den Creative Club Austria.
2002 ist sie Professorin an der HfK Bremen.

Andrea Albrecht Prof. Dr. Hans Davidsson

Detlef Bratschke trat neu in die Fachbereichsverwaltung des Fach- ist seit Oktober 2007 Professor im Fach Orgel an
Korrepetition, Klavierbegleitung, Partiturspiel bereichs Kunst und Design ein. der HfK. Hans Davidsson, Jahrgang 1958, war
eine der treibenden Kräfte bei der Gründung des
wurde neuer stellvertretenden Dekan. Einen Schwer-
Orgel-Forschungszentrums GOArt in Göteborg,
punkt seiner vielfältigen künstlerischen Tätigkeit
Schweden. Er lebt in Rochester, NY, wo er Orgel
bildet die Leitung des Orlando di Lasso Ensembles, Neu in der Lehre an der Eastman School of Music lehrt und als
welches mit den Schallplattenpreisen Echo Klassik,
Project Director der Eastman-Rochester-Orgel-
Diapason d‘Or de l‘Année sowie den Cannes Classi- Prof. Dr. Michael Zywietz
Initiative tätig ist. Davidsson studierte Orgel an
cal Award 2000 ausgezeichnet wurde.
wurde zum » Professor an einer Kunsthochschule « der Universität Göteborg bei Hans Fagius und
für das Fach » Musikwissenschaft « berufen. Bisher Rune Wåhlberg. Später verbrachte er drei Jahre
war er Vertretungsprofessor an der Hochschule  am Sweelinck-Konservatorium Amsterdam und
Prof. Peter W. Schaefer
für Künste. Michael Zywietz, Jahrgang 1964, studierte studierte bei Jacques Van Oortmerssen. Er begann
( Freie Kunst )
das künstlerische Hauptfach Orgel an der Robert- 1986, an der Göteborg University Orgel zu lehren,
Der bisherige Dekan des Fachbereichs Kunst und Schumann-Hochschule Düsseldorf ( Abschluss und wurde 1988 Professor. Von 1995 bis 2000 war
Design schied altersbedingt aus dem Amt. Peter mit dem Diplom ) und Musikwissenschaft, Ger- er Direktor des Göteborg Organ Art Center, GOArt,
Schaefer wurde 1974 an die damalige Hochschule manistik und Philosophie an den Universitäten in der führenden Forschungsstätte für Orgelbau und
für Gestaltende Kunst und Musik für die Fächer Bochum und Münster. 1995 Promotion bei Klaus Aufführungspraxis. 2001 wurde er zum Professor
Malerei, Zeichnung und Druckgrafik berufen und Hortschansky an der Westfälischen Wilhelms- für Orgel an der Eastman School of Music ernannt.
war von 2003 bis 2007 Dekan. Universität Münster ( » Adolf Bernhard Marx und das Im Januar 2004 erhielt er die King’s-Medaille für
campus 00 ruhm & ehre 0 124 – 125

» significant accomplishments in musicology and als Korrepetitorin an verschiedenen Konservatorien Praxis « im Schwerpunkt Design. 1971 bis 1975, in
music, primarily in the fields of organ research and in der Schweiz. Von 2003 bis 2005 war sie am der Zeit am Ende der Studentenbewegung, leitete er
organ education « 2001 wurde er zum Professor für musikwissenschaftlichen Institut in Basel tätig, seit die damalige Hochschule für Gestaltung als Rektor
Orgel an der Eastman School of Music ernannt. 2002 ist sie wissenschaftliche Assistentin an der und von 1991 bis 1999 war er Konrektor der HfK für
Schola Cantorum, wo sie auch Paläografie und ( als internationale Angelegenheiten.
Assistenz ) Musikgeschichte unterrichtet. Im Moment
Angelika Moths plant sie ihre Dissertation bei David Fallows. Als
Musikerin ist sie mit verschiedenen Ensembles im Prof. Hans-Dieter Laub 4.5.1936 — 20.11.2007
begann ihre Unterrichtstätigkeit als Vertretungs-
In- und Ausland tätig.
professorin für das Fach » Theorie der Alten Musik «.  Als Professor für Umweltanalyse und Wirtschafts-
Angelika Moths ( Cembalo, Orgel, Qânun ) studierte ökonomie, speziell Stadtgeografie und Politologie,
Cembalo am Koninklijk Conservatorium in Den lehrte er vom 1.7.1970 bis 31.7.2001 an der Hochschule
Haag, wo sie bei Tini Mathot und Ton Koopman In memoriam für Künste Bremen.
diplomierte, Generalbass bei Jesper Christensen
und » Theorie der Alten Musik « an der Schola
Prof. Dieter Peppel 28.2.1937 — 21.9.2006 Prof. Hermann Ludwig Degkwitz 29.8.1921 – 8.12.2007
Cantorum in Basel sowie Musik-, Kunst- und
Islamwissenschaft an der dortigen Universität, Er war ein streitbarer Geist von analytischer An der damaligen Hochschule für Gestaltende Kunst
wobei ihre Schwerpunkte im Bereich der Musik Schärfe, ein mitreißender Redner und eine beliebte und Musik war er Professor im Bereich Grafikdesign für
des Mittelalters, der französischen Chanson des Lehrerpersönlichkeit. Dieter Peppel studierte das Aufgabengebiet Entwurf ( Layout ) und Zeichnen. 
15. Jahrhunderts, der Seconda Pratica und der Romanistik, Kunstgeschichte und Philosophie, er Seine Lehrtätigkeit währte vom 1.9.1974 bis zum
arabischen Musiktheorie lagen. Sie arbeitete lehrte seit 1966 zunächst als Dozent, von 1979 bis 31.8.1986.
als Lehrbeauftragte für Paläografie an der Felix- 2002 als Professor an der Hochschule für Künste
Mendelssohn-Bartholdy-Hochschule in Leipzig und Bremen » Theorie und Geschichte ästhetischer

auszeichnungen [ 1 ]

Art Music Design DAAD-Preise

Kunstpreis des Freundeskreises der Hochschule für Kulturförderpreis in der Sparte Musik der Kultur- [ 3 ] » 29. Internationaler Kunstpreis der Stadt Hollfeld « 
Künste Bremen vereinigung ARTS Traunstein e. V. Hauptpreisträger, Hollfeld/Bayreuth Auszeichnung als » Ort im Land der Ideen « 2008 DAAD-Preis DAAD - Stipendium als Studienabschlussbeihilfe

dilettantin produktionsbüro Barbara Heindlmeier, Blockflöte Johann Büsen Das :i/i/d Institut für Integriertes Design an der Camille Savage-Kroll, Musikerziehung, Zusatzstu- Jae-Lim Yi, Integriertes Design
Anneli Käsmayr, Jenny Kropp ( Betreuung: Prof. Han Tol ) www.johannbuesen.de Hochschule für Künste dium Elementare Musikpädagogik
Anna Jandt, Claudio Heidorn, Alberta Niemann ( Betreuung: Prof. Andrea Rauschenbusch )
Projekt Hotel Matching Funds-Stipendium des Freundeskreises
Ehrenmitglied im Bund Deutscher Designer BDD DAAD-Stipendium mit Betreuungsleistung der HfK + DAAD
1. Preis im Lions-Musikwettbewerb 2007 im Distrikt Auszeichnung im BraunPreis für junge Produkt-
Prof. Fritz Haase Ineta Karova, Musikerziehung, Gesang Ayumi Yoshikawa, Integriertes Design
Imke-Folkerts-Preis 2007 Niedersachsen-Bremen Designer

Daniel Behrendt Joo Yeon Park, Klavier Joung Myung Lee Red Dot Award 2007, Deutscher Preis 3D, Nomi-
( Betreuung: Prof. Karin Kneffel ) ( Betreuung: Christiane Petersen ) Idee und Gestaltung seines Laptops » X-Wing « nierung zur » Die goldene Flamme 07 «, Good Design
( Betreuung: Prof. Andreas Kramer, Prof. Peter von Award, Chicago für die Badserie » akua « DAAD - Studienabschlussbeihilfe
Maydell )
[ 1 ] Kunstförderpreis der Loge zum Silbernen Prof. Detlef Rahe Hana Ryndová, Gitarre
Schlüssel rahe+rahe design Bremen/Göteborg
» silber award « beim output-wettbewerb
Felix Rehfeld
Matching Funds-Stipendium des Freundeskreises
( Betreuung: Prof. Karin Kneffel ) recorder prfl ntrmd 906 team
Hochschulinterner Plakatwettbewerb zur Litera- der HfK + DAAD
Mainteam: Alexander Böll, Johannes Ellmer, Carlo
rischen Woche 2008 der Rudolf-Alexander-Schröder-
Grabowski, Dirk Ostkamp, Christian Heinz Johanna Vargas-Iregui, Gesang
[ 2 ] Bremer Videokunst-Förderpreis Stiftung
Support Text und Bild: Ingo Schmid, Charlotte
Stephane Leonard Schmid, Anna Schilling, Pia Niewöhner, Susi Saana Väisänen ( 1. Preis )
Konzept zur Arbeit New York Street Ensemble Petzold Klaas Seekamp ( 2. Preis ) DAAD-Stipendium mit Betreuungsleistung
(Arbeitstitel) www.realtimerecorder.com Kerstin Hülsmeyer ( 3. Preis )
[ 2 ] [ 3 ]
( Betreuung: Prof. Paco Knöller ) ( Betreuung: Prof. Eckhard Jung ) Joung Myung Lee, Integriertes Design
MEDIENKOMPETENZ KILLERSPIELE KONVERGENZ SUCHTVERHALTEN FREIZEITBE-
SCHÄFTIGUNG DIGITALE WIRKLICHKEIT AVATARISIERUNG SPIELWEISEN FOR- campus 00 shop 0 126 – 127

SCHUNGSERGEBNISSE EMOTIONEN VIRTUELLE REALITÄT SERIOUS GAMES SIMULATIO-


NEN SPIELKULTUR WIRTSCHAFTSFAKTOR INNOVATIONSMOTOR MARKTSTRATEGIEN neu im hfk-shop
ZEITGEIST GLAUBWÜRDIGKEIT ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN STORYLINE LERNSPIELE
UNCANNY VALLEY BRANCHENTRENDS PSYCHOLOGIE KREATIVWIRTSCHAFT JUGEND-
SCHUTZ KÜNSTLICHE INTELLIGENZ IMMERSION MEDIENWIRKUNGSFORSCHUNG ZIEL-
GRUPPEN MEDIENKOMPETENZ KILLERSPIELE KONVERGENZ SUCHTVERHALTEN FREI-
ZEITBESCHÄFTIGUNG DIGITALE WIRKLICHKEIT AVATARISIERUNG SPIELWEISEN FOR-
SCHUNGSERGEBNISSE BRANCHENTRENDS VIRTUELLE REALITÄT SERIOUS GAMES
SIMULATIONEN SPIELKULTUR WIRTSCHAFTSFAKTOR MEDIENKOMPETENZ KILLER-
SPIELE KONVERGENZ SUCHTVERHALTEN FREIZEITBESCHÄFTIGUNG DIGITALE WIRK- Calcutta Les Voix Humaines — Michael Praetorius Puer natus in Bethlehem —

LICHKEIT AVATARISIERUNG SPIELWEISEN FORSCHUNGSERGEBNISSE EMOTIONEN VIR- Chitpur Road Neighborhoods Lieder ohne Worte [CD] Advent and Christmas Music [CD]

TUELLE REALITÄT SERIOUS GAMES SIMULATIONEN SPIELKULTUR WIRTSCHAFTSFAK- Peter Bialobrzeski (Hrsg) Hille Perl / Lee Santana, SonyBMG Bremer Barock Consort, Manfred Cordes
Texte von Manish Chakraborti, Florian Hanig Eine Sammlung brillanter Charakterstücke des cpo 777 327-2
TOR MEDIENKOMPETENZ FORSCHUNGSERGEBNISSE KONVERGENZ SUCHTVERHALTEN Deutsch / Englisch großen Gambenvirtuosen Marin Marais. Im EUR 12,99
FREIZEITBESCHÄFTIGUNG DIGITALE WIRKLICHKEIT AVATARISIERUNG SPIELWEISEN 144 Seiten, 74 Abbildungen Mittelpunkt stehen Werke mit programmatischen

FORSCHUNGSERGEBNISSE EMOTIONEN VIRTUELLE REALITÄT SERIOUS GAMES SIMU-


Verlag Hatje Cantz und persönlichen Bezügen wie » Tombeau pour
ISBN 978-3-7757-2106-6 Monsieur de Lully « oder » Le Tourbillon «
LATIONEN SPIELKULTUR WIRTSCHAFTSFAKTOR MEDIENKOMPETENZ KILLERSPIELE EUR 39,80 CHF 69,00 www.hillenet.net

KONVERGENZ SUCHTVERHALTEN FREIZEITBESCHÄFTIGUNG DIGITALE WIRKLICHKEIT EUR 17,00

AVATARISIERUNG SPIELWEISEN FORSCHUNGSERGEBNISSE EMOTIONEN VIRTUELLE Weiterhin im HfK-Shop erhältlich


REALITÄT SERIOUS GAMES SIMULATIONEN SPIELKULTUR WIRTSCHAFTSFAKTOR
Einwurf 05 » Apokalypse. Visionen von Untergang und Erlösung «, Manfred Cordes, Peter Rautmann, ISBN 978-3-89757-368-0; Einwurf 06 » Geometrie, Kunst und
Wissenschaft «, Oliver Niewiadomski, ISBN 978-3-89757-366-6; » Machines as Agency. Artistic Perspectives «, Christoph Lischka, Andrea Sick, ISBN 3-89942-646-0;
Künstler in der Lehre, Elke Bippus, Michael Glasmeier, ISBN 978-3-86572-411-3; Fashion Body Cult, Elke Bippus, Dorothea Mink, ISBN 978-3-89790-264-0
STATT WORTSPIELEN.
LESEN SIE DIE HINTERGRÜNDE.

BESTELLEN SIE JETZT DAS EA-MAGAZIN IM ABO.


hallo@viermagazin.de
Vielen Dank für die aktuelle Ausgabe der » Vier «. Ein sehr schönes Magazin. Es ist schön zu sehen, wie sich das Magazin entwickelt. Hiermit also unsere
Hochachtung vor dem Design und ein großes Kompliment an Dich und das Team.
Thees  0  Zitromat Berlin

Komme gerade aus dem Urlaub den ersten Tag ins Atelier zurück und finde diese formidable Ausgabe in der Post und beginne zu blättern … unterbreche kurz den
Plan, anstehende Projekte zu sichten und zu organisieren. … tolle Arbeit! Ich freue mich, dass an meiner ehemaligen Studienstätte so viel Liebe und gestalterisches
Engagement existiert und alle Bereiche mit dem Leben und Alltag verbunden werden.
Hans Joachim Kubowitz  0  luxsiebenzwo, Werkstatt für Kommunikation und Gestaltung Köln

Ganz herzlichen Dank für die Zusendung der Bremer Hochschulmagazine VIER. Ihr Magazin ist absolut faszinierend, phantastisch und ganz am Puls der Zeit.
Kollegiale und durchaus bewundernde Grüße aus Stuttgart.
4 AUSGABEN FÜR 15 EURO Jörg Schmidt  0  Künstlerisches Betriebsbüro, Pressestelle Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
INKLUSIVE VERSAND.
Hallo VIER, da ich euer Magazin besonders gern in der Badewanne lese, habe ich mich sehr geärgert, dass der Artikel zu den Hochschultagen mal wieder gestürzt
E-MAIL AN: gedruckt war, so ist das Magazin leider zur Hälfte versunken.
Wilfried Ackermann  0  Chief of Permanent Outgoing Incoming, Bureau Carden, Sydney
EA-MAGAZIN@EA.COM
www.muehlhausmoers.de

BETREFF: »ABO«
Ich mache gerade ein Layout-Praktikum in Leipzig und die Grafikerin drückte mir euer Magazin in die Hand. Es ist sehr kreativ gemacht! Gestalterisch wie auch
die schön zu lesenden Texte. Macht auf jeden Fall Geschmack auf mehr!
WWW.MAGAZIN.ELECTRONIC-ARTS.DE Luise Albrecht  0  Magdeburg
campus 00 index 0 128 – 129

index  Autoren- und Projektinformationen Schlömer, Sandra Karsch, Sebastian Hünnefeld  0  Bionik/HS Bremen: Ivo Neumann, Nils Owsianowski  0  Integriertes Design/HfK Bremen: Joung Myung Lee, Steffen Gramsch  0  Gruppe
LMNT: Wirtschaftsingenieurwesen, Universität Bremen: Lina Chan, Ulf Hamster, Christian von Roden  0  Bionik, Hochschule Bremen: Phillip Glockner, Stefan Reußenzehn  0  Integrier-
tes Design, Hochschule für Künste Bremen: Wolfram Behrend  0  Gruppe CLASP: Wirtschaftingenieurwesen/Universität Bremen: Tammo Berner/Cenk Hamatoglu, Teoman Kaya/Rafael
Nachwuchs
Lipinski  0  Bionik/Hochschule Bremen: Tobias Funke/Simon Ruediger  0  Integriertes Design/Hochschule für Künste Bremen: Alex Schaefer
Seite 06  0  Kreativität und Gehirn  0  Autor: Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth, Universität Bremen, Institut für Gehirnforschung  0  Kontakt: gerhard.roth@h-w-k.de  0  Foto: Shushi Li, Eike Harder  
Campus
Seite 16  0  Musik kann viel mehr  0  Autoren: Dag Neven Befeld, Student Fachjournalismus HS Bremen; Angela Neumann, Studentin Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: dagbefeld@web.de;
aneumann@stud.hs-bremen.de  Seite 18  0  Der junge Mann und das Saxophon  0  Autorin: Angela Neumann, Studentin Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: aneumann@stud.hs-bremen.de   Seite 86  0  Expand Your World  0  Foto: Nesma Reda Mahmoud, Manar Gamal Mohamed, Maha Said Mohamed Ali, Mona Osama Mohamed, Olga Esau, Jokob Schneider,
Seite 20  0  Ganz normale Hochbegabte  0  Autor: Dag Neven Befeld, Student Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: dagbefeld@web.de  Seite 21  0  Musik gegen Sprachlosigkeit  0   Luisa Maschke  0  Projekt: VIER, das Magazin der HfK  0  Kontakt: magazin@hfk-bremen.de  0  Betreuung: Prof. Andrea Rauschenbusch, CI/CD, Kommunikationsgestaltung  
Autor: Prof. Thomas Krämer, Musiktheorie, ehem. Rektor der Musikhochschule des Saarlandes  0  Kontakt: th_kraemer@t-online.de  0  Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Seite 88  0  Nachhaltiger Erfolg  0  Autor: Andreas Lieberg, Gitarre, HfK Bremen  0  Kontakt: a.lieberg@hfk-bremen.de  0  Projekt: Podiumsreihe im Haus im Park  0  Foto: Frank
» Forschung und Lehre «  Seite 22  0  Process — Please  0  Autor: VIER  0  Collage: VIER  0  Material: Jeferson Andrade, Eva Baramsky, Harm Coordes, Irina Gilgen, Irene Joa, Annika Nagel, Julia Pusch  Seite 90  0  Allrounder mit unterschiedlichem Schwerpunkt  0  Autor: Mischa Wahed, Student Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: karo_widera@hotmail.com  0  
Preckel, Catharina Prinke, Marieke-Sophie Schmidt, Johanna Werner, Gerrit Wolters  Seite 30  0  Zu wenig Nachwuchs, mehr Wettbewerb  0  Autorin: Christina Loock, Studentin Integriertes Foto: VIER  Seite 92  0  Als Musiker ist man immer Einzelkämpfer  0  Autor: Mischa Wahed, Student Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: monstermac@gmx.net  0  Foto:
Design, HfK Bremen  0  Kontakt: christinaloock@hotmail.com  Seite 32  0  Lust am Forschen  0  Autorin: Bianka Hofmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Uni Bremen  0  Kontakt:  VIER  Seite 94  0  Constructed Mind in Starcatcher Time  0  Autorin: Isa Griese  0  Kontakt: isagriese@gmail.com  0  Betreuung: Prof. Ursula Zillig  0  Foto: Tobias Gratz  0  
bianka.hofmann@uni-bremen.de  Seite 33  0  Kunst gehört zu meinem Leben  0  Autor: Klaus Schloesser, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit HfK Bremen  0  Kontakt: k.schloesser@hfk-bremen.de   Kontakt: tobias.gratz@gmx.de  Seite 99  0  ... und in Zukunft  0  Autorin: Prof. Dorothea Mink, Modedesign, Experimenteller Entwurf, HfK Bremen  0  Kontakt: d.mink@hfk-bremen.de 
Seite 34  0  Eine Prise Gestaltung in der Bildungssuppe  0  Autor: Michael Neser, Pressesprecher Fuenfwerken  0  Kontakt: michael.neser@fuenfwerken.com   Seite 102  0  Vom Tutu zum Objektiv  0  Autorin: Karolina Widera, Studentin Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: karo_widera@hotmail.com  0  Foto: Esther Haase  0  Kontakt:
office@estherhaase.de  Seite 103  0  Wie man mit Mode Karriere macht  0  Autor: Jan Erik Förster, Student Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: muecksteed@versanet.de  
Art
Seite 104  0  Mode und Körper in der Fotografie  0  Autorin: Prof. Dorothea Mink, Modedesign, Experimenteller Entwurf, HfK Bremen  0  Kontakt: d.mink@hfk-bremen.de  0  Dank an Wolfgang 
Seite 38  0  Hotel im Ufo  0  Autor: Klaus Schloesser, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit HfK Bremen  0  Kontakt: k.schloesser@hfk-bremen.de  0  Projekt: Hotel  0  Teilnehmer: Zurborn, Dozent für Fotografie, Matthias Hempe und Matthias Schneege, Werkstattleiter Fotografie für die Unterstützung bei der Realisierung.  0  Collage: VIER  Seite 108  0  Connected
dilettantin produktionsbüro: Anneli Käsmayr, Jenny Kropp, Anna Jandt, Claudio Heidorn, Alberta Niemann  Seite 41  0  Über Umwege ans Ziel  0  Julian Thiel, Erik Rossel, Studenten with Cairo  0  Autorin: Prof. Andrea Rauschenbusch, CI/CD, Kommunikationsgestaltung  0  Kontakt: a.rauschenbusch@hfk-bremen.de; www.beyond-identity.com  0  Projekt : Connected with 
Fachjournalismus HS Bremen  0  Kontakt: julianthiel@yahoo.de, erik_rossel@web.de Cairo — Beyond Identity Project Part 1  0  Foto: Vivien Anders, Christian Heinz, Sam-Chill Park, Prof. Andrea Rauschenbusch, Sandy Volz  0  Betreuung: Prof. Andrea Rauschenbusch,
Prof. Fritz Vehring, Sarah Hillebrecht, Ute A. Fischer, Prof. Dr. Shawky Hafez, Dr. Amany Fawzy  0  Teilnehmer: ( Ägyptische und deutsche ) Esraa Adel, Hoda Ahmed, Marwa Ali, Islam
Music
Aly, Heba El Aziz, Ahmed Basioni, Jasmeen Fawzy, Mohamed Yehiah Abd El Kader, Ayah Mohamed-Hany, Haitham Mohamed, Shady El Noshocaty, Yasmin Rashid, Mohammed
Seite 46  0  Kapitäne und Kantoren  0  Autor: Prof. Dr. Manfred Cordes, Theorie Alte Musik, HfK Bremen  0  Kontakt: m.cordes@hfk-bremen.de  0  Projekt: Kapitäne und Kantoren, Saad Showman, Salma al Sisy, Abd Allah Sabry, Nessreen Youssef, Maged Zaki; Vivien Anders, Hayat Derfoufi, Ute A. Fischer, Judith Gärtner, Christian Heinz, Lisa Kreutzer, Nina
Barockmusik aus Hamburg  0  Collage: VIER  0  Betreuung: Prof. Dr. Manfred Cordes  0  Teilnehmer: Solisten: Dorothee Mields, Sopran; Ulrike Hofbauer, Sopran; Monika Mauch, Sopran; Kruse, Lu Thi Hong Nguyen, Sam-Chill Park, Gregor Schreiter, Philipp Schwarzer, Marie-Luise Schweitzer, Sandy Volz, Doris Weinberger, Mei-Shiu Winde-Lu  Seite 114  0  Design — Ein
Hans Jörg Mammel, Tenor; Dominik Wörner, Bass; Capella: Julie Comparini, Alt; Mirko Ludwig, Tenor; Carsten Crüger, Bass; Orchester: Irmgard Schaller, Violine; Anna Melkonyan; Privilg der entwickelten Welt  0  Autorin: Mirjam Platz  0  Kontakt: mirjam_p@gmx.de  0  Foto: Mirjam Platz  Seite 116  0  Berge nach Norwegen tragen  0  Autorinnen: Marina Steinacker,
Angelika Bellin; Katharina Krüger-Magiera; Ursula Ros; Irina Kisselova; Ingrid Richter; Esther van Stralen, Viola; Christine Moran; Inka Döring, Violoncello; Frauke Hess, Violone; Xenia Susanne Katharina Willand, Studentinnen Freie Kunst, HfK Bremen  0  Kontakt: marinadisansassocampo@gmx.de  0  Projekt: H. A. Bockmeyer-Reisestipendium/Norwegen  0  Foto: Marina
Löffler, Oboe; Marie-Therese Becker, Oboe; Christian Beuse, Fagott; Ab Koster, Horn; Laila Dommel; Sarah Möller, Querpfeife; Stefan Gawlick, Pauke/Trommel; Silke Schulze, Quartflöte; Steinacker, Susanne Katharina Willand  Seite 120  0  Den Mythos des Design-Stars demaskieren  0  Autor: link  0  Kontakt: link@hfk-bremen.de  0  Projekt: link  0  Foto: VIER  0  Betreuung:
Thomas Ihlenfeldt, Chitarrone; Jörg Jacobi, Cembalo/Orgel  Seite 48  0  Telemann in Hamburg  0  Autor: Veronika Greuel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin HfK Bremen  0  Kontakt: Prof. Andrea Rauschenbusch, CI/CD, Kommunikationsgestaltung  0  Teilnehmer: Alexander Böll, Johannes Ellmer, Carlo Grabowski, Hannes Hanisch, Anna Maria Müller, Vivien Anders  
v.greuel@hfk-bremen.de  Seite 50  0  Rotes Licht, Stille  0  Autorin: Luise Manske, Studentin, Künstlerische Ausbildung, Alte Musik  0  Kontakt: luise.manske@web.de  0  Projekt: Seite 121  0  Gäste an der HfK  0  Autor: Klaus Schloesser, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit HfK Bremen  0  Kontakt: k.schloesser@hfk-bremen.de  0  Collage: VIER
Anzeige VER-Magazin 10.12.2007 14:13 Uhr Seite 1
CD-Produktion  0  Collage: VIER  0  Betreuung: Prof. Dr. Manfred Cordes  0  Teilnehmer: Margaret Hunter, Manja Stephan, Marja Weyrauch, Elisabet Muro, Moritz von Cube, Mirko
Ludwig, Carsten Krüger, Boglárka Baykov, Luise Manske, Hanna Paier, Silke Schulze, Claire Bracher, Christian Heim, Frauke Hess, Marthe Perl, Margit Schultheiß, Rhonda Edgington  
Seite 52  0  Kulturelle Bildung von Anfang an  0  Autorin: Prof. Dr. Barbara Stiller, Elementare Musik Pädagogik, HfK Bremen  0  Kontakt: b.stiller@hfk-bremen.de  Seite 54  0  Abenteuer

Akademie Musikt heater


Musik  0  Autor: Prof. Erwin Koch-Raphael, Musiktheorie, Komposition, HfK Bremen  0  Kontakt: kochraphael@surfeu.de  0  Projekt: Schulprojekt » ambi « in Bremerhaven  0  Foto: Erwin
für Bühnenbildner, Dirigenten,
Koch-Raphael  0  Ein Fest für Blockflöten  0  Autorin: Dörthe Nienstedt, Dozentin Musikerziehung, HfK Bremen  0  Kontakt: thdnlesum@aol.com  Seite 55  0  The Joy of Toy  0  Autor: Klaus
Dramaturgen, Komponisten,
heute
Schloesser, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit HfK Bremen  0  Kontakt: k.schloesser@hfk-bremen.deAbenteuer Musik
Kulturmanager, Regisseure
Design

Seite 58  0  Willkommen im Leben  0  Autor: Thorsten Konrad  0  Kontakt: t.konrad@thorstenkonrad.de  Seite 60  0  Mo Stadt  0  Autor: Feipeng Jiang, Student Integriertes Design, Stipendium 2008 – 2010
HfK Bremen  0  Kontakt: feipengjiang@web.de  0  Projekt: Diplomarbeit  0  Foto: Feipeng Jiang  0  Betreuung: Prof. Bernd Bexte, Kommunikationsdesign, Illustration, HfK Bremen  
Seite 62  0  Richard Wagner und die Raketenabwehr  0  Autor: Prof. Roland Lambrette, Temporäre Architektur, HfK Bremen  0  Kontakt: r.lambrette@hfk-bremen.de  Seite 63  0  Räume
verbinden  0  Autor: Marius Bell  0  Kontakt: www.marius-bell.com  0  Projekt: Diplomarbeit  0  Foto: Marius Bell  0  Betreuung: Prof. Roland Lambrette, Temporäre Architektur, HfK
Bremen  Seite 64  0  Die Geschichte der Szenografie  0  Autor: Dirk Ostkamp, Student Integriertes Design, HfK Bremen  0  Kontakt: www.dirkostkamp.de  0  Projekt: Diplomarbeit  0  Foto:
Dörte Haupt  0  Betreuung: Prof. Roland Lambrette, Temporäre Architektur, HfK Bremen  Seite 66  0  Die Freiheit der anderen  0  Autorin: Bianca Holtschke, Studentin Integriertes
Design  0  Kontakt: bianca_holtschke@yahoo.de  0  Foto: Bianca Holtschke  0  Betreuung: Prof. Eckhard Jung, Typografie, HfK Bremen

Theory
G
R B UN
Seite 70  0  Künstler als Wissenschaftler und Kunsthistoriker  0  Autor: Prof. Dr. Michael Glasmeier, Theorie und Geschichte ästhetischer Praxis, Kunstwissenschaft, HfK Bremen  0   E
Kontakt: m.glasmeier@hfk-bremen.de  0  Projekt: Symposium  Seite 75  0  Buxtehude jenseits der Orgel  0  Autor: Prof. Dr. Michael Zywietz, Musikwissenschaft, HfK Bremen  0  Kontakt: BEW BIS 08
m.zywietz@hfk-bremen.de  0  Projekt: Symposium
A I 20
M
Interdisziplinär 31.
-
ERS
Seite 78  0  The Turn of the Screw  0  Autoren: Prof. Gabriele Schreckenbach, Gesang, HfK Bremen, Prof. Kai Lehmann, Schnittkonstruktion und Gestaltung, HfK Bremen  0  Kontakt:

Wir bieten A LT
N ZE G
g.schreckenbach@hfk-bremen.de, k.lehmann@hfk-bremen.de  0  Projekt: Sommeroper der HfK  0  Foto: Eike Harder, Tim Klausing  0  Teilnehmer: Renato Grünig ( Regie ), Ulrich Sprenger
interdisziplinären Austausch, Inszenierungsbesuche,
( Musikalische Leitung ), Prof. Esther van Stralen, Prof.Thomas Klug, Prof. Alexander Baillie, Katja Jürgens, Heike Neugebauer, Prof. Kai Lehmann, Studierende des FB Musik ( Kammerorchester,
G R E
Festivalbesuche, ein breites Netzwerk Musiktheaterbegeisterter, Unterstützung N
Opernklasse ), Studierenden des Fachbereichs Kunst und Design ( Bühne, Kostüme )  Seite 80  0  Ein Festival aller Künste  0  Autor: Prof. Dr. Nicolas Schalz, Musikwissenschaft, HfK Bremen
H RGA
Kontakt: nicolas.schalz@gmx.de  0  Projekt: Festival der Hochschule für Künste  0  Foto: Jens Lehmkühler  0  Teilnehmer: Elisabeth Champollion, Ute Fischer, Anselm B. Hötte, Karolin bei praktischen Projekten JA 7 6
Jäger, Prof. Eckhard Jung, Prof. Roland Lambrette, Amir Omerovic, Nuri Ovüc, Prof. Dr. Peter Rautmann, Prof. Alexander Sahoo, Prof. Peter Schäfer, Prof. Dr. Nico Schalz, Vivian Schlömer,
Eyke Schröder, Prof. Fritz Vehring, Lena Winkel  Seite 82  0  Was macht ein Fisch in der Fabrik?  0  Autor: Alex Schaefer, Student Integriertes Design, Mensch und Produkt  0  Kontakt: Wir suchen musiktheaterbegeisterte, aufgeschlossene Persönlichkeiten,
a.schaefer@hfk-bremen.de  0  Projekt: Interdisziplinäres Lehrprojekt » Bionics in progress «  0  Foto: Alex Schaefer, Steffen Gramsch, Wolfram Berend  0  Teilnehmer:  0  Betreuende die an Teamarbeit interessiert sind, in der Oper Verantwortung übernehmen
Professoren: Prof. Dr. Antonia Kesel, HS Bremen, Prof. Andreas Kramer, HfK, Prof. Dr. Dieter H. Müller, Dipl.-Ing. Thorsten Tietjen, Universität Bremen  0  Partner: Dr. Frank Boinski, Christian und Erfahrungen teilen möchten
Heßling/DaimlerChrysler AG , Thomas Brodbeck/Medienproduzent, Dr. Sascha Peters/Bremer Design GmbH  0  Entwicklungsgruppe 7: Wirtschaftingenieurwesen/Universität Bremen: Inga
Information und Bewerbung unter: www.musiktheater-heute.org
kalEndEr
21. Februar 2008 11. April 2008 24. April 2008

 » Bürger-Captains-Music«                                           Ausstellung                                                              Podium für Junge Talente                                         


Telemanns musikalisches Schaffermahl Bertrand Gadenne (zusammen mit dem Institut Konzert der Jungstudierenden der HfK
Konzertzyklus Kapitäne und Kantoren Français) Hochschule für Künste, Dechanatstraße
(Ensemble Weser-Renaissance) Galerie der HfK, Dechanatstraße
8. Mai 2008
Kirche Unser Lieben Frauen
18. April 2008
Öffentliches Ateliergespräch mit                  
23. Februar 2008
Podium für Junge Talente                                          Prof. Gabriele Schreckenbach, Gesang
»Pimp the mountains«                                              Konzert der Jungstudierenden der HfK (zusammen mit dem Freundeskreis der HfK)
Ausstellung Marina Steinacker/Katharina Willand Musikschule Rotenburg/Wümme Hochschule für Künste, Dechanatstraße
Ergebnisse des Heinz Arnold Bockmeyer-
19. April 2008 Mai 2008
Reisestipendiums/Norwegen
Galerie der HfK, Dechanatstraße Symposion »Kunst und Hochschule«                         Blockflötentag 2008                                                
(Zusammen mit der Gesellschaft für Aktuelle Kunst) Hochschule für Künste, Dechanatstraße
3. April 2008
GAK, Teerhof
13.–15. Juni 2008
»Da der Sabbat vergangen war«                               
21.–27. April 2008
Österliche Festmusik von Thomas Selle 23. Forum Typografie                                               
Konzertzyklus Kapitäne und Kantoren Correspondence                                                       »Typografie zwischen Ulm und Amsterdam«
(Ensemble Weser-Renaissance), Kirche St. Ansgari Internationales Kunstprojekt Cambridge, Hochschule für Künste, Speicher XI
Massachusetts—Lahore, Pakistan—Bremen,
7. April 2008 23. Juni 2008
Deutschland
Vortrag Prof. Dr. Michael Zywietz                              Galerie der HfK, Dechanatstraße Vortrag Prof. Dr. Michael Zywietz                             
»Die Oratorien Georg Friedrich Händels« »Kirchenmusik und Nationalsozialismus«
Haus der Wissenschaft Haus der Wissenschaft

imprEssum
herausgeBer V.i.s.D.P. Druck

Prof. Dr. Manfred Cordes [ Rektor HfK Bremen ] Ralf Schneider, r.schneider@hfk-bremen.de Stürken Druck GmbH & Co. KG,

Mühlenfeldstraße 42, 28355 Bremen, www.stuerken.com,


gesTalTung 0 Team Vier VerTrieB
gedruckt im frequenzmodulierten Raster Staccato 20µ,
Saskia Burghardt, saskia_burghardt@gmx.de HfK Bremen, Referat für Marketing und Öffentlichkeits-
in 4 /4-farbig Euroscala + Sonderfarbe Pantone 366 U
Eike Harder, eike.harder@gmx.de arbeit, magazin-pressestelle@hfk-bremen.de

Stefan Kaetz, hello@neuwerken.com PaPier


erscheinungsweise
Matthias Keller, m.keller@hfk-bremen.de Umschlag: Arctic the Volume Ivory 170 g/m2
VIER erscheint halbjährlich
Steffen Vogt, mail@yellowendorphin.com Schwerpunkt: Amber Graphic 120 g/m2

auToren Projektteil: Arctic the Volume Ivory 100 g/m2


arT DirecTion
Dag Neven Befeld, Marius Bell, Prof. Dr. Manfred Cordes, Jiang Arctic Paper, www.arcticpaper.com
Mario Lombardo, ml@mariolombardo.com
Feipeng, Jan H. Förster, Prof. Dr. Michael Glasmeier, Veronika
Prof. Andrea Rauschenbusch, a.rauschenbusch@hfk-bremen.de TyPografie
Greuel, Joachim Heintz, Prof. Katharina Hinsberg, Bianka Hofmann,
FF Zine, Lieferant: FontShop, Berlin
reDakTion Joachim Hofmann, Bianka Holtschke, Prof. Erwin Koch-Raphael,
Ralf Schneider [ Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ] Thorsten Konrad, Prof. Thomas Krämer, Danuta Kurz, Prof. Roland Vielen Dank
r.schneider@hfk-bremen.de Lambrette, Prof. Kai Lehmann, Andreas Lieberg, Link, Christina Wir danken unseren Sponsoren, die die Idee VIER

Loock, Luise Manske, Prof. Dorothea Mink, Angela Neumann, Dörte besonders unterstützen.
BeiraT
Nienstedt, Dirk Ostkamp, Mirjam Platz, Prof. Andrea
Detlef Bratschke, d.bratschke@hfk-bremen.de aDresse 0 konTakT
Rauschenbusch, Erik Rossel, Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth, Alex ILLUSTRATION  Holger Fischer [ Cartoongruppe zum Thema »Nachwuchs« ]
Prof. Dr. Michael Glasmeier, m.glasmeier@hfk-bremen.de HfK Bremen, Am Speicher XI 8, 28217 Bremen, Germany
Schaefer, Prof. Dr. Nicolas Schalz, Klaus Schloesser, Ralf Schneider, BETREUUNG  Prof. Bernd Bexte
Prof. Andrea Rauschenbusch, a.rauschenbusch@hfk-bremen.de www.hfk-bremen.de
Prof. Gabriele Schreckenbach, Marina Steinacker, Prof. Dr. Barbara
Klaus Schloesser, k.schloesser@hfk-bremen.de Fragen und Anregungen an: magazin-pressestelle@hfk-bremen.de
Stiller, Micha Wahed, Karolina Widera, Susanne Katharina Willand,
Ralf Schneider, r.schneider@hfk-bremen.de
Prof. Dr. Michael Zywietz
lekToraT

Sylvia Bargstedt, lektorat@textgaertnerei.de

VORSCHAU VIER 06  Die nächste Ausgabe erscheint zum Ende des Sommersemesters Anfang Juli 2008. Unter anderem mit einer Dokumentation des
Symposiums zur »Freien Kunst« in der GAK Bremen im April 2008. Redaktionsschluss ist der 30. April 2008, Anzeigenschluss ist der 14. Mai 2008.
ILLUSTRATION  Holger Fischer [ Cartoongruppe zum Thema » Nachwuchs « ]

BETREUUNG  Prof. Bernd Bexte