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ARCHAEOLOGIA AUSTRIACA

Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte


Mitteleuropas

Band 92/2008
Archaeologia
Austriaca
Beiträge zur
Ur- und Frühgeschichte
Mitteleuropas

Herausgeber:
Institut für Ur- und Frühgeschichte
der Universität Wien
Österreichische Gesellschaft für
Ur- und Frühgeschichte
Prähistorische Kommission der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Band 92/2008
Vorgelegt von w. M. Herwig Friesinger in der Sitzung am 18. Juni 2010

Archaeologia Austriaca, Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, erscheint einmal im Jahr.
Sie bringt vornehmlich Arbeiten aus dem Gesamtgebiet der österreichischen Ur- und Frühgeschichte mit besonderer Betonung der
Zusammenarbeit mit den naturwissenschaftlichen Hilfsdisziplinen.

Bestellungen sind zu richten an Ihre Buchhandlung oder den Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,
A-1011 Wien, Postfach 471, Postgasse 7/4, Tel. +43-1-51581/3402-3406, Fax +43-1-51581/3400, http://verlag.oeaw.ac.at,
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Manuskripte und Besprechungsexemplare nimmt das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien, Redaktion, Archaeolo-
gia Austriaca, A-1190 Wien, Franz-Klein-Gasse 1, entgegen.
Die Richtlinien zur Erstellung des Textes und die Dokumentenvorlage des Verlages der ÖAW finden sich unter
http://www.oeaw.ac.at/praehist/editionen

Die Autoren sind für ihre Beiträge allein verantwortlich.

Sämtliche eingereichte Arbeiten unterliegen einer internationalen Evaluation.


Gutachtergremium:
PD Dr. Barbara Regine Armbruster, Prof. Dr. Jan Bemmann, Dr. Olivier Buchsenschutz, Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim,
Prof. Dr. Philippe Della Casa, Prof. Dr. Thomas Fischer, Dr. Daniel Gutscher, Prof. PhDr. Jan Klápště,
Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick, Prof. Dr. Linda R. Owen, Prof. Dr. Annaluisa Pedrotti, PhDr. Karol Pieta,
Doz. Dr. Vladimir Salac, Prof. Dr. Wolfram Schier, Dr. Armin Schmidt, Prof. Dr. Dr. Jiří Svoboda, Prof. Dr. Maria Teschler-Nicola

Als internationale wissenschaftliche peer reviewed Zeitschrift von der ÖAW gefördert.

Gedruckt mit Unterstützung der Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, Wien und der Abteilung Kultur und
Wissenschaften des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung.

Herausgeber:
Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien
Österreichische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
Prähistorische Kommission
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Wissenschaftliche Redakteurin: Dr. Helga Kerchler


Gesamtredaktion: Dr. Michaela Lochner

Umschlagbild:
Schnabelkanne vom Dürrnberg, Salzburg Museum, Inv.Nr. ARCH 6629.

Alle Rechte vorbehalten


ISBN 978-3-7001-6888-1
ISSN 0003-8008
Copyright © 2011 by
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
Satz: Maria Scherrer, Schreibbüro
Druck und Bindung: Prime Rate kft., Budapest

http://hw.oeaw.ac.at/6888-1
http://verlag.oeaw.ac.at
5

Inhaltsverzeichnis

Susanne Klemm,
Teaching Archaeology in Aechaeological Museums, Achaeological Parks and at Aechaeological Sites in Austria – 7

Daniela Kern, Karin Wiltschke-Schrotta


Nicht nur „prachtvolle liegende Hocker“ – Endneolithische Altfunde aus Frauenhofen und Gars am Kamp,
Niederösterreich – 19

Bettina Glunz-Hüsken
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt. Mit Exkursen zu Fibelneufunden anderer Gattungen, zur Emblematik an
hallstattzeitlichen Gewandverschlüssen und einem Vergleich der Friedhöfe Hallstatt und Bischofshofen – 35

Andreas Lippert
mit einem Beitrag von Karin Wiltschke-Schrotta
Hallstattzeitliche Grabhügel auf dem Saazkogel in Paldau, Steiermark – 73

Wolfgang Breibert, Erik Szameit


Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Hausmening bei Amstetten, Niederösterreich – 133

Buchbesprechungen – 155
ARCHAEOLOGIA AUSTRIACA, Band 92/2008, 35–71 35
© 2010 by Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien

Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt

Mit Exkursen zu Fibelneufunden anderer Gattungen, zur Emblematik an hallstattzeitlichen Gewandverschlüssen


und einem Vergleich der Friedhöfe Hallstatt und Bischofshofen

Bettina Glunz-Hüsken, Weilheim/Oberbayern

Abstract
The article comprises of three chapters which have in common ironage fibulaes from Hallstatt and comparable objects from other
sites:
The first chapter is about modern excavated fibulaes since 1994 in Hallstatt, Upper Austria; these are: Zweischleifige Bogenfibeln,
Halbmondfibeln, alpine Zweiknopffibeln and Doppelplattenfibeln. The number and the new kind of decor of the Doppelplattenfibeln
from Hallstatt give reason, to change the cultural view and dating of the fibule type generally (hoard Großweikersdorf).
A second chapter gives a short summary of new published fibulaes, which are obviously in direct connection with Hallstatt. This
is a pursuit of my work from 1997 (Studien zu den Fibeln aus dem Gräberfeld von Hallstatt. Linzer Archäol. Forschg. 25, 1997).
In chapter three the religious context and meaning of symbols of several ironage-dating fibulaes is discussed. One of the key issues
is that the triangular pendants and some pendants made of diverse pearls are probably short-symbols, which represent the female
capacity to create woven textiles or show the loom as itself.
The article is concluded by a comparison between the neighboring cemeteries of Hallstatt and Bischofshofen im Pongau.

Einleitung enthielten, wovon zehn in die Hallstatt- und eine in die frü-
Seit 1994 werden alljährlich im Salzberghochtal von Hall- he Latènezeit fallen. In Anlehnung an die Untersuchung der
statt im Bereich des Gräberfeldes kleinere Areale untersucht, hallstattzeitlichen Altfibeln der Nekropole2, sollen hier nun die
mitunter Rettungsgrabungen durchgeführt, die bis 2008 ins- neuen3 vorgestellt werden4.
gesamt 99 Bestattungen der Hallstatt- und Latènezeit erbrach- Die Analyse der einzelnen Fibeln aus Hallstätter Gräbern,
ten1. Unter ihnen befinden sich gesichert elf Gräber, die Fibeln die aus quellenkritischen Gründen isoliert, d.h. ohne Grab-

1
Bisher erschienene Literatur: Kern 1995, 97 ff. – Kern 1997, 58 ff. – eingebracht wurden. S. hierzu Kern 1997, 58 ff. bes. 62 f. („Grab 1“
Kern 2001, 434 f. – Kern 2003, 91 ff. – Kern 1999, 57–67. – Fundber. mit mehreren Personen. Die mangelnde Datierung der oberen Skelette
Österr. 35, 1996, 451 ff. – Fundber. Österr. 36, 1997, 808. – Fundber. wegen Störungen erlaubt leider keine verwandtschaftliche Interpreta-
Österr. 39, 2000, 611. – Fundber. Österr. 41, 2002, 618. – Fundber. tion z.B. im Sinne einer Generationenabfolge. In diesem Sinn Metz-
Österr. 37, 1998, 733 f. ner-Nebelsick, Nebelsick 1999, 75 („bewusste Nachbestattungen“).
2
Glunz 1997. – Glunz 1994. Keinesfalls sollten auf den ersten Blick merkwürdige Bestattungen als
3
Auf die zum Teil schwierige Befundlage, Überschneidungen, Grabbau gestörte Gräber  (oder von Ramsauer als nicht korrekt beobachtete)
etc. kann an dieser Stelle nicht ausführlich eingegangen werden. Sie interpretiert werden. Zum religiösen Aspekt immer noch aktuell s.
wird einer Gesamtpublikation der neueren Gräber vorbehalten sein, hierzu Pauli 1975, bes. 150.
die dann auch alle Beigaben abbildet. Die jüngsten Schnitte bestätigen 4
Für die Überlassung der Fibeln zur Publikation und für die Einsicht-
jedoch, dass offenbar in übereinanderliegende Bestattungen regelrecht nahme in die Inventare danke ich besonders Anton Kern (Naturhist.
„Platz“ geschaffen, d.h. in diese nach Bedarf Vertiefungen für neue Mus. Wien). Daniela Kern zeichnete die neuen Fibeln und half bei
36 Bettina Glunz-Hüsken

zusammenhang betrachtet wurden, ergab, dass am Salzberg Die oben genannten Kontaktregionen werden zwischen-
Gewandverschlüsse bzw. Typen von Fibeln aus verschiedenen zeitlich durch die Kartierung verschiedenster anderer Altertü-
Regionen den Verstorbenen mitgegeben wurden. Es sind dies mer – freilich z.T. ohne Autopsie der Hallstätter Originale und
im wesentlichen Krain und das Isonzogebiet, Norditalien, We- mit anderen Fragestellungen – bestätigt11. T. Warneke kommt
stungarn, Süddeutschland, Mähren und die Westschweiz. Dabei nach der Sichtung gewisser Anhänger zu vergleichbaren Er-
handelt es sich – in geringer Zahl – um Importe, mehrheitlich gebnissen: Bullae, einzelne Rad- und Doppelscheibenanhän-
jedoch um lokale Fertigungen nach jeweils fremdem Vorbild. ger oder dreieckige Hohlblechanhänger sind nach oberita-
Die Kreativität der Hallstätter Schmiede, die von Beginn an lischen resp. slowenischen Vorlagen vor Ort, also in Hallstatt
eigene Schließen ohne Vorbilder fertigten, ist nochmals zu gefertigt. Als Importe aus Slowenien beispielsweise gelten die
betonen. Dabei können drei5 gesicherte Grabausstattungen6 Kugelanhänger der Gräber 42 und 8712.
genannt werden, die sogar Fibeln unterschiedlicher Prove- Breitrandschalen, Zisten13, Dolche vom Typ Hallstatt14,
nienz enthalten, ein Aspekt, unter dem fibellose Inventare Zungengürtelhaken15 oder Blechgürtel16 zeugen ebenfalls vom
noch zu untersuchen wären. Diese Heterogenität und folglich innovativen Charakter der Toreuten vom Salzberg, der auch
„neue Identität“, die sowohl im gesamten Material als auch in benachbarte Regionen ausstrahlte17. Für die konzentrischen
im einzelnen Grab  zu beobachten ist, macht zusammen mit Ringgehänge wird eine Herstellung in Hallstatt angenom-
vergleichsweise übermäßigem Reichtum (Prunkgräber7, an- men18, sie wurden im Gegensatz zu anderen Objekten mit
thropomorphe Bilddarstellung) und Beigaben, von denen Amulettcharakter von mit Hallstatt verbundenen Regionen
sich in verkürzter Form viele problemlos in den Bildern des oder Einzelpersonen nicht übernommen. Die Bearbeitung des
„Situlenfestes“ wiederfinden lassen8, denen also überregional eisenzeitlichen Ringschmucks in Bayern beispielsweise belegt
verbreitete, religiöse Vorstellungen zugrunde liegen (in Kom- ganz klar Hallstätter Werkstätten, die für die Ausbreitung ge-
bination mit einer hohen Zahl lokal gefertigter Amulette und wisser Ringtypen nach Bayern verantwortlich waren19. Für das
Objekten mit Amulettcharakter9) die Einzigartigkeit des „Tor- Fürstengrab von Kappel am Rhein (Hügel 3) werden direkte,
sos Hallstatt“10 aus. Andererseits erweist sich bei genauerer vielleicht persönliche Kontakte nach Hallstatt auf Grund des
Betrachtung eine differenziertere Charakterisierung dessen, Dolches und des kleinen Bronzegeschirrensembles vermutet20,
was „Identität“ in Hallstatt ausmacht, immer noch in den An- ein Beispiel aus der sozialen Oberschicht. Ähnliche, enge, per-
fängen begriffen, weil keine Gesamtschau nach Einzelunter- sonenbezogene Kontakte z.T. sozial bevorzugter Personen in
suchungen an Objektgruppen vorliegt und deren Grundlage, verschiedenste Gebiete wurden bereits 1997 durch einzelne
eine moderne Quellenkritik der Gräber, die bisherige Teiler- Fibeln und deren Parallelen (auf Grund der Fundbilder nach
gebnisse berücksichtigt, ebenfalls fehlt. sehr eng gefasster Formenkunde) von mir postuliert21. Sogar

der EDV, Sibylla Huber übernahm viele organisatorische Aufgaben 9


Z. B. Metzner-Nebelsick, Nebelsick 1999, 69–106, bes. 61–78.
vor Ort. Mit dem Bild- und Datenverarbeitungsprogramm „Monteli- 10
Die modernen Nachgrabungen lassen auf eine vierfach höhere Dichte
us Editor“ von Peter Stadler (Naturhist. Mus. Wien) wurde durch die an Bestattungen schließen, als es der Ramsauer Plan suggeriert (Kern,
Autorin eine virtuelle Formenkunde der Objekte aus der Nekropole 2008, 121). Auch der Verlust der Keramik stellt eine starke Einschrän-
Hallstatt erstellt, die den schnellen visuellen Zugriff auf typologisch kung aller nachfolgenden Analysen dar. Zusammenfassend zur Quel-
geordnete Funde und deren Vergesellschaftung ermöglicht (reduzier- lenkritik Stöllner 2002, 34 f.
ter Auszug unter http://www.winserion.org/Hallstatt-Demo/). Sie 11
Hier soll nur eine begrenzte Auswahl genannt werden: Parzinger,
dient als Arbeitsgrundlage für mein DFG-Projekt „Untersuchungen Nekvasil, Barth 1995, Abb.  9, 11–18, 20, 21. – Egg 1996, 187  ff.
zur religiösen Symbolik in reichen Gräbern Hallstatts“. Schließlich (Differenzierung der Dreiknopffibeln).– Warneke 1999, Abb. 17, 20.–
verdanke ich meinen Diskussionspartnern Amei Lang (Mün- Baitinger 1999, Abb. 3, 6, 8/9, 16. – Krausse 1996, Abb. 156, 172,
chen) und Christoph Huth (Freiburg) wertvolle Anregungen und 212. – Stöllner 2002, Abb. 35, 98. – Dehn, Egg, Lehnert 2005, 135,
Hinweise. Abb. 59, 180, Abb. 80
5
Das Grab 500–502 entfällt, da hier vermutlich die Beigaben von drei 12
Warneke 1999, 141, 212–216.
Bestattungen vermischt sind. S. Glunz 1997, 154. – Hodson 1990, 149. 13
Stöllner 2002, 148; 150.
6
Keine Zweifel bei Kromer 1959 und Hodson 1990. 14
Stöllner 2002, Abb. 49 (Dolche Typ Hallstatt).
7
Im Sinne Kossacks: Kossack 1974, bes. 31 f. Er sieht als Voraussetzung 15
Dörrer 2002, 69.
der Entstehung von Prunkgräbern den Kontakt mit dem Fremden 16
Kilian-Dirlmeier 1972, 118 (Blechgürtel Gruppe a).
– eine Bedingung, die an vielleicht keinem zweiten eisenzeitlichen 17
Stöllner 2002, 415.
Fundplatz derart gewährleistet ist wie in Hallstatt. Eine entsprechende 18
Egg 1988/89, 276.
Analyse des Materials aus dem Hochtal unter diesem Gesichtspunkt 19
Nagler-Zanier 2005, 181–184, 199 ff.
steht noch aus. Huth 2003, 260–262. – Putz 2007, 109–112. 20
Dehn, Egg, Lehnert 2005, 249, 256.
8
Dies soll an anderer Stelle speziell mit Hallstatt im Mittelpunkt un- 21
Glunz 1997, 152 f., 142.
tersucht werden. Dazu Huth 2003, 259. Zu den Bronzegefäßen in
diesem Sinn Dehn, Egg, Lehnert 2005, 250.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 37

die spärlich überlieferte Keramikverzierung aus Hallstatt bie-


tet Analogien aus Südwestdeutschland, Niederbayern, Nie-
derösterreich, Schlesien und aus dem ost- und südostalpinen
Raum22.
Insgesamt besteht daher bereits seit einiger Zeit kein Anlass,
an der überörtlichen Marktfunktion Hallstatts zu zweifeln23.
Die entstandenen Fibelverbreitungskarten ermöglichen
darüber hinaus erstmals differenzierte Überlegungen zur Art
und Weise des Handels (sukzessiver Nahhandel/Kettentausch
erzeugt ein Bild von Fernkontakten; gezielte Fernhandelsex-
peditionen einzelner oder Gruppen)24. In die Gesellschaft des
Hochtales integrierten einzelnen Fremdpersonen oder Klein-
familien der sozialen Oberschicht kämen nach O. Dörrer die
Rolle der den Fernhandel kontrollierenden Personengruppen
zu25. Darüber hinaus seien sie wohl auch am laufenden Unter-
halt des „Wirtschaftsbetriebes“ Hallstatt in seiner Gesamtheit
beteiligt gewesen (woraus vielleicht auch ein „Anspruch dieser
Partner am Ertrag des Salzbergbaues ableitbar“26 wäre)27, was
zusammengenommen eine „heterogene Struktur mit einem
komplizierten Nebeneinander von bodenständigen und orts-
fremden Elementen“28 ergäbe.

1. Doppelscheibenfibeln
Grab  25 enthielt ein bronzenes Doppelscheibenfibelpaar.
Ihre leicht gewölbten Scheiben, mit jeweils zwei konzentri-
schen Punktreihen, gruppieren sich um einen Mittelnietpunkt.
Die Kreisreihen wurden von der Rückseite her mit einem
spitzen Gegenstand eingedrückt oder -geschlagen. Die Mit-
telpunkte stellen kleine Nietköpfe dar, die auf der Rückseite
eine schlichte, recht grob gearbeitete Nadel ohne Federme-
chanismus und/oder Achterschleife aus Bronzedraht fixieren.
Die Blechscheiben sind außerordentlich dünn, die Anbringung
der Ziereinstiche und die Befestigung der Nadeln rücken da-
her die Objekte in die Nähe von Kunstwerken; sie gehen über

Abb. 1. Doppelscheibenfibeln Grab Hallstatt Grab 25, 1996,


Naturhist. Mus. (NHM) Wien, M 1 : 2.

22
Brosseder 2004, 320, 348.
23
Ohne Begründung Barth, Urban 2007, 393, Anm. 1.
24
Glunz 1997, 151–153. Zu dieser Diskussion ursprünglich Kossack
1982, 95–112. – Lang 2000, 11–19, bes. 13. – Dörrer 2002, 71–75. –
Allgemein Stöllner 2002, 368–373.
25
Dörrer 2002, 71  f. Hier ist jedoch nochmals festzuhalten, dass wir
z. Zt. nur zwei (!) quasi regional-homogen ausgestattete Fremdper-
sonen in Hallstatt ausmachen können, nämlich Grab  259 und eben
Grab  24/1907, andere sind möglicherweise bereits „hallstättisch assi-
miliert“.
26
Dörrer 2002, 73.
27
Dieser Anspruch lässt sich am Material nicht bestätigen, was bereits u.a.
die Kartierung der Fibeln ergab. S. Glunz 1997, 155 f.
28
Dörrer 2002, 75.
38 Bettina Glunz-Hüsken

eine rein handwerkliche Arbeit hinaus. Die Scheiben werden


ausschließlich durch die rückwärtige Nadel nebeneinander
fixiert. Beide Verschlüsse (und andere Bronzen des Inventars)
sind komplett erhalten und in ausgezeichnetem Zustand29,
wurden also nicht dem Feuer ausgesetzt. Der Scheibendurch-
messer beträgt jeweils 8 cm, die Gesamtlänge jeweils 16,5 und
17 cm.
Die Brandbestattung enthielt außerdem zwei Kugelkopf-
nadeln, eine Spiralrolle30, und einen Gefäßsatz, bestehend aus
drei gedrückten Kegelhalsgefäßen31, drei Einzugschalen mit
konischem Unterteil32, einer kleineren Einzugschale, einer
gedrückten Schüssel mit kurzem Kegelrand33 und einer ein-
fachen Schale mit geradem Rand34. Wir können also das In-
ventar als das einer Frau ansprechen. Insbesondere die hohen
Ränder der Kegelhalsgefäße, ihr ausschließlich geometrischer
Winkelband- u. Dreiecksdekor ohne Stempel und die aus der
Urnenfelderzeit herleitbaren, altertümlich erscheinenden Ein-
zugschüsseln erlauben, sie einem ältesthallstättischen Zeithori-
zont zuzuordnen, den man mit einigen Grabfunden des Inn-
Abb. 2. Doppelscheibenfibel Hallstatt Grab 607, NHM Wien,
Salzach-Gebietes nun auch überregional nachweisen möchte35.
M 1 : 2.
Auf der Suche nach Vergleichsstücken wird man zuerst am
gleichen Ort, also in Hallstatt, fündig. Bisher wurden zwei Fi-
beln aus den Gräbern 434 und 607 nicht als Doppelscheiben-
fibeln erkannt.
In Grab  607 – einem sog. Mischbrandgrab (Mann und
Frau: Schwert Typ Mindelheim; Breitrandschale mit nach in-
nen greifender Laschenöse und Vogel-Sonnendekor; Lappen-
beil Typ Hallstatt, Variante Klein-Klein; ein oder zwei Mehr-
kopfnadeln; singuläre Kugelkopfnadel; evtl. zwei Armringe)
– berichtet Ramsauer u.a. von „zwey Rosetten“36. Es sind dies
zwei leicht gewölbte dünne Scheiben von 6,5 cm Durchmes-
ser, die jeweils vier konzentrische Buckelreihen schmücken. K.
Kromer schreibt: „… 2 schwach gewölbte Scheiben aus Bron-
zeblech, mit getriebenen Buckeln verziert. Im Mittelpunkt je-
der Scheibe sind die Reste eines Eisenstiftes erhalten …“37. Die
Nadel fehlt vollständig.
Das Kind aus Grab  434 trug zwei Drahtarmringe, Bern-
steinperlen auf der Brust, im Bereich des Schädels eine gewölb-
Abb. 3. Doppelscheibenfibeln Hallstatt Grab 434, NHM te Bronzescheibe mit achtspeichigem Radmuster (Durchmes-
Wien, M 1 : 2. ser 4,3 cm). In ihrem Mittelpunkt befindet sich ein kreisrun-

29
Naturhist. Mus. Wien, Fundstellennr. 1220. 33
Rebay 2006, 84.
30
Durch eine spätere Störung könnten weitere Kugelkopfnadeln verlo- 34
Stöllner 2002, 159 Typ 210/211, 177, Abb. 78.
ren gegangen sein. S. Kern, 64. Zu den Kugelkopfnadeln und Röll- 35
Stöllner 2002, 235–247.
chen s. auch Grömer 2004/2005, 115 ff. 36
Kromer 1959, 143 Taf. 119. 5. Grabbeschreibung, -skizze und Bestand
31
Die nachfolgende Typenzuweisung nach Keramik aus dem Inn- im Naturhist. Mus. Wien weichen voneinander ab. Hodson 1990, 151.
Salzach-Gebiet und Statzendorf soll dem Leser eine grobe Einschät- 37
Kromer 1959, Textband 134. Leider fehlen diese Eisenstifte heute, die
zung ermöglichen. Eine genaue Ansprache kann erst nach Zeichnung zweifellos – analog zu den anderen Exemplaren – zur Fixierung der
oder digitaler Erfassung erfolgen. Stöllner 2002, 159 Typ 115. – Re- Nadel dienten (vielleicht sind sie im Zuge einer Restaurierung ver-
bay 2006, 65. loren gegangen). Abb. 2 zeigt den aktuellen Zustand; Kromer 1959,
32
Stöllner 2002, 159, Typ 216. – Rebay 2006, 57. Taf. 119,5 dokumentiert noch den Rest des Stiftes.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 39

des Loch. Gefunden wurde außerdem eine Nadel von 6,5 cm


Länge, deren eines Ende breiter ausgehämmert, durchlocht ist
und einen Niet trägt.
Zu diesem Körpergrab gehört wahrscheinlich eine unbeob-
achtete Brandbestattung. Die Protokolle erwähnen verbrannte
Knochen in der Nähe des Skelettes, auf welchen die Tonge-
fäßbruchstücke und ein „Bronzestift mit Loch“ lagen. Neben
dem Körper wurden eine Eisenaxt und „Lanzenspitzen“ be-
obachtet38. Da die Bronzenadel auf den verbrannten Knochen
lag, ist also nicht eindeutig klar, ob die Fibelnadel (und damit
die Fibel) letztlich zur Körperbestattung des Kindes oder zur
Brandbestattung gehört. Nach Autopsie lassen sich die beiden
Stücke als Teile einer weiteren dreiteiligen Doppelscheibenfi-
bel denken; die zweite Scheibe wurde offensichtlich vor der
Niederlegung entfernt, die Nadel von der noch vorhandenen Abb. 4. Santa Lucia Grab 1095 (nach Sundwall 1943, 172,
Scheibe getrennt. Bei diesem Prozess dürfte die überlieferte Abb. 271), ohne M.
Scheibe auch beschädigt worden sein, was bei ihrer Zartheit
nicht verwundert. Immerhin lassen sich beide Bronzen und
eine imaginäre Dritte sehr gut als kompletter Verschluss den-
Snidersich 14, Fondo Silla 194)43, aus S. Canziano44 und aus
ken, auch ihre Maße passten zusammen. Die Fibel wurde für
dem bekannten Depot von Großweikersdorf/Tulln, Nieder­
ein Kind hergestellt und ist daher auch kleiner als die anderen.
österreich45. Sie wurden an anderer Stelle bereits besprochen46.
Die Trennung ihrer Bestandteile assoziiert eine rituell moti-
Auch aus Tolmin Grab 346 wurde jüngst ein Exemplar veröf-
vierte Zerstörung als Abkehr vom Diesseits. Einen Hinweis auf
fentlicht. Es ist dort mit einer Halbmondfibel des namenge-
ihren religiösen Bezug gibt die Scheibe nicht nur durch ihre
benden Typs zu vergesellschaftet47, und datiert somit ins 7. Jh.
Lage am Kopf des Kindes, sondern auch durch das getriebene
(Hallstatt C).
Sonnensymbol. Schließlich wäre auch an ein Tuch zu denken,
Eine weitere Scheibe mit umlaufender Buckelreihe bildet
das das tote Kind bedeckte, und das quasi symbolisch mit der
C. Marchesetti aus Santa Lucia ab. Er spricht sie als Fibel an,
zerstörten Fibel geschlossen/bedeckt wurde39.
wobei leider unklar bleibt, ob es sich um eine fragmentier-
Parallelen zu den Doppelscheibenfibeln40 kommen aus te Doppelscheiben- oder um eine beabsichtigte Scheibenfi-
Slowenien und Istrien, nämlich aus zwei Gräbern von Santa bel handelt48. Die Größe der Scheibe beträgt 8  cm, so dass
Lucia (48941, 109542), aus der Nekropole von Brežec (Fondo sie sich gut in die Reihe der Doppelscheibenfibeln einfügte

38
K. Kromer vermutet eine unbeobachtete Brandbestattung dicht bei Plattenfibeln um eine ursprünglich griechische Mode handelt: Kilian-
dem Skelett. Kromer 1959, Taf. 72,9–10. Dirlmeier 2002, Taf.  93, 1457 (Zierplatte verloren oder absichtlich
39
Bank-Burgess 1999, 19. abgenommen 1458–1461). Kilian-Dirlmeier datiert die griechischen
40
Stilisierte Darstellung dieses Stückes oder verschollene weitere Fibel Stücke um 700 bis ins frühe 5.  Jh. (S. 94). Interessant auch der dort
evtl. bei Petrikovits 1892, abgebildet bei Glunz 1997, Buchrücksei- gezeigte verwandte Gürtelhaken Taf.  96, 1557. – Dawkins 1929, Taf.
te unten. Zahlreiche einzelne Scheiben mit vergleichbarer Zier kennt CXXXII, CXXXIII b–d. – Sundwall 1943, 172 f. – Regional wichtig
man aus Italien, aber auch z.B. aus Santa Lucia. Sie wurden als Anhän- (Import?) das Objekt aus Trezzo sull´ Adda, Milano, Lombardei: Putz
gerschmuck an Fibeln beobachtet. S. Padua Preromana. Katalog Padua. 2007, 291, Taf. 95,1. – Gergova 1987, 54 mit Angaben weiterer grie-
Nuovo Museo Civico agli Eremitani 1976, Taf. 74 B 1. Ebd. eine in chischer und unteritalischer Objekte. – Eine regionale Variante stellen
Größe und Rademblem vergleichbare Einzelscheibe Taf. 32, 13. Eles die Scheibenfibeln vom Typ Glasinac dar. Formenkundlich stehen sie
Masi 1986, Taf.  129, 1592. Da es sich nicht um ausgesprochene Fi- zwischen den zweiteiligen Plattenfibeln und den Vierpassspiralplatten-
beln handelt, werden diese verwandten Objekte hier nur genannt, aber fibeln. Schnelle Übersicht bei Vasič 1999, Taf.  23.– Aus dem polni-
nicht weiter verfolgt. schen Depot von Podłęże sind zwei größere Scheiben mit konzen-
41
Teržan, Lo Schiavo, Trampuž-Orel 1985, Taf.  39 C 3. Das Stück trischen Buckelreihen überliefert. Rekonstruierte man aus ihnen eine
(gleiche Maße und wohl auch Zier) noch komplett erhalten, Abbil- Fibel, was gut möglich wäre, wiche sie durch ihre enorme Größe von
dung von der Rückseite: Marchesetti 1886, 31 f., Taf. VII, 9. ca. 24 cm von den anderen Doppelscheibenfibeln ab (s.u. Anm. 41).
42
Marchesetti 1893, Taf. XXI, 4 oder Sundwall 1943, 172, Abb. 271. Ob sie dann als einziges Objekt des Ha B1 zeitlichen Hortes ebenfalls
43
Ruaro Loseri et al. 1977, Taf. XXVIII, XVIII. so früh zu datieren wäre, bleibt offen: Gedl 2004, 28, Taf. 102 B, 103.
44
Marchesetti 1903, Taf. XVI, 15. 47
Svoljšak, Pogačnik 2001, 140, Taf. 67,1.
45
Betzler 1974, Taf. 62–63. 48
Marchesetti 1983, Taf. VII, 8. Gleiches gilt für den Einzelfund einer
46
Glunz 1994, 283. Nachträge:Weitere zweiteilige Plattenfibeln (Nadel- Scheibe aus Batina (Metzner-Nebelsick 2002, 423, Taf.  27,16. Bei
konstruktion plus einteilige Deckplatte), die zeigen, dass es sich bei den den von Metzner-Nebelsick angeführten „Parallelen“ aus den Hall-
40 Bettina Glunz-Hüsken

Abb. 5. Großweikersdorf
(nach Betzler 1974, Taf. 62,
918), M 2 : 3.

Abb. 6. Beckenwagen Cerveteri, Regolini Galassi (nach Woytowitsch 1978, Taf. 21, 123), M 1 : 3.

stätter Gräbern 83 und 852 handelt es sich um eine Paukenfibel und beltyps „bis in die Latènezeit“ ist daher abzulehnen. – Weitere, sichere
um eine massiv gearbeitete unikate Scheibenfibel, also um völlig an- Scheibenfibeln: Sapouna-Sakellarakis 1978, 1544, 1545, 1548, 1549,
dere Fibeltypen, keinesfalls also um Parallelen. Die Datierung des Fi- 1549. – Caner 1983, Taf. 9 (Dat. 8.–7. Jh.).
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 41

(s.u. Anm. 42). Die größere Fehlstelle am Blechrand wäre als nenderweise mit Vogelbarke) auf der Vačer Situla erhärtet.
ehemalige Befestigung der Verbindung zur zweiten Platte in- Auch hier sind die Speichen trichterartig zur Felge erweitert,
terpretierbar (prädestinierte Bruchstelle). was beim Betrachter das Bild einer von Kinderhand gezeich-
Technisch betrachtet, macht die Nadelkonstruktion mit sie- neten Blume erzeugt (sechsblättriges Blütenblatt)52. Letztlich
ben Spiralwindungen und Achterschleife in Großweikersdorf kann das Blütenmotiv bis nach Griechenland verfolgt wer-
einen im Vergleich zum Stück aus Hallstatt Grab 25 und ih- den, wo wir es an zweiteiligen Plattenfibeln aus dem Artemis
ren slowenischen Verwandten einen weiter entwickelten Ein- Orthia-Heiligtum in Sparta beobachten53.
druck. An mindestens einer der beiden Nadelbefestigungen Die Doppelscheibenzierfibeln stellen also nicht reine
aus Großweikersdorf wurde eine Reparatur (erneute Befesti- Zweckformen dar, sondern sie trugen Piktogramme, die wohl
gung der Nadel) vorgenommen. mit einem ganz bestimmten Bedeutungsinhalt verbunden
Es gibt also schmucklose (Brežec, S. Canziano, Santa Lucia wurden (s. Exkurs II). Die Fibeln aus Hallstatt 434 und 607
489) und buckelverzierte Scheiben, wobei sich die Buckelzier wurden offensichtlich rituell beschädigt, gelangten sie doch
auf konzentrische Ringe (Santa Lucia, Hallstatt; zarte randliche bereits unvollständig in die Erde. Als Zeichen der Abkehr vom
Punkt- oder Buckelzier in Tolmin) und Radmotive (Hallstatt Leben wurden auch Teile des persönlichen Besitzes unbrauch-
434, Santa Lucia 1095) beschränkt. Das Großweikersdorfer bar gemacht. Das Radmotiv wird gemeinhin als Symbol der
Paar weicht von jenen durch die „blumige“ Ausführung des Sonne gedeutet.
Speichenbildes ab. Jede Fibel stellt durch Größe49, Zier und Mit Ausnahme vom Befund in Hallstatt haben sich Bestand
Nadelkonstruktion ein Unikat dar. Man darf daher von ihrer und Datierung seit 1994 nicht wesentlich verändert. Grab 489
jeweiligen lokalen, individuell ausgerichteten Herstellung aus- aus Santa Lucia ist mit einer zweischleifigen Bogenfibel mit
gehen. Sie wurden paarweise, aber auch einzeln beigegeben glattem Bügel kombiniert und gehört somit spätestens zu Ho-
und kommen mit Ausnahme vom Depot in Großweikersdorf, rizont 3 (nach H. Parzinger)54. Sowohl Hallstatt Grab 25 und
das diesbezüglich anders zu beurteilen ist, in Frauengräbern 607 (Griffzungenschwert Typ Mindelheim)55 als auch jene aus
vor. In Hallstatt 607 und 434 sind Mischgräber betroffen. Slowenien (spätestens Horizont 3) können einer Frühphase
Das langlebige Motiv der konzentrischen Ringe ist auf von Hallstatt C zugesprochen werden. Ob allerdings zwischen
Keramik und zahllosen Bronzen (Lappenbeile, Fibeln, Breit- Grab 25 und den slowenischen nochmals eine zeitliche Diffe-
randschalen etc.) im Europa der jüngeren Eisenzeit zu finden. renz vorliegt, lässt sich wegen dem regelhaften Fehlen von z.B.
An Doppelscheibenfibeln wird es ausschließlich durch ge- zweischleifigen Bogenfibeln im Alpenvorland/Inn-Salzachge-
triebene Buckel erzeugt. An jüngeren Objekten sehen wir es biet nicht beurteilen. Jedenfalls gewinnen wir durch die neuen
durch gezogene Linien ersetzt (z.B. Doppelzierfibel Hallstatt Funde vom Salzberghochtal nicht nur das regional verbin-
Grab 5/1939; s. Exkurs II). Die getriebene, vierblättrige Blüte dende Element zwischen Slowenien und Niederösterreich,
des Großweikersdorfer Exemplars lässt sich z.B. in Mittelita- sondern durch Grab 25 auch eine Erweiterung des keramisch
lien wiederfinden, nämlich an keinen geringeren als an den datierbaren Bestandes der Frühhallstattzeit56 in Hallstatt. An-
Rädern des Beckenwagens aus dem Regolini-Galassi-Grab in zahl und räumliche Verteilung der Verschlüsse geben jetzt auch
Cerveteri50. einen Hinweis auf die Herkunft des mehrteiligen Fibeltyps,
Selbstverständlich möchte ich hier nicht einen unmittelba- die mittelbar in Slowenien (Santa Lucia, Tolmin) zu suchen ist,
ren, direkten Kontakt zwischen Personen herstellen. Dennoch letztlich jedoch in Griechenland wurzelt. Klar ist auch, dass
werfen die beiden Objekte – so vereinzelt Großweikersdorf die Stücke aus Großweikersdorf an ihrem Fundort als fremd
auch sein mag – ein verräterisches Schlaglicht auf vielleicht gelten müssen und ihre Datierung in die Stufe Hostomiče57
immer noch unterschätzte frühe Kontakte (zwischen Hallstatt, auf Grund der Tüllenbeile und -meißel nicht aufrecht erhalten
seinem Umkreis und Italien)51 und denkbarer Übereinstim- werden kann. Die Gewandverschlüsse sollten keinesfalls älter
mung überregionaler Embleme, deren Inhalt und uns jedoch als die slowenischen resp. hallstättischen „Abstammungsfibeln“
nicht zugänglich ist. Meine These von der Darstellung eines sein und als jüngste, bereits hallstattzeitliche Objekte des De-
Rades wird übrigens durch die Räder des Wagens (bezeich- pots betrachtet werden (1. Hälfte 7. Jh.).

49
Längenmaße der Fibeln: Most na Soči 489: 14,8–15,2  cm; 1095: 52
Lucke, Frey 1962, Taf. 73.
16,9 cm; Brežec, T. Sn. 14: ca. 13 cm; T. F S 194: ca. 11,2 cm; Tolmin: 53
Dawkins 1929, Taf. CXXXII, 10, CXXXIII, b.
14,9 cm; S. Canziano: 13,5 cm; Großweikersdorf: 18,1 und 18,5 cm. 54
Glunz 1997, 43 ff., Form A.
50
Woytowitsch 1978, Taf. 21, 123. – Putz 2007, 35 f., 200 f. 55
Zur Frühdatierung vgl. Hodson 1990, 61, Fig. 13 u. 14 a.
51
Vgl. z.B. Egg 1996, 262. Eine Gleichzeitigkeit der Großweikersdorfer 56
Stöllner 2002, Abb. 107.
Fibel mit Regolini Galassi wäre während der 1. Hälfte 7. Jahrhunderts 57
Betzler 1974, 133 f. mit Anm. 3
immerhin möglich. Zur Datierung Großweikersdorf s. u.; zu Regolini
Galassi Putz 2007, 200 f.
42 Bettina Glunz-Hüsken

2. Bogenfibeln und 526 stammen zwei Exemplare65. Die Nekropole von Santa
Lucia Grab 1229 bietet ein Objekt mit geritzten, gegenständi-
2.1 Halbmondfibeln
gen Dreiecken und (noch) unverzierter Krempe66. Es scheint,
Grab  32 enthält ein Halbmondfibelpaar mit (angebacke-
als ob die ehemals auf den Innenbogen beschränkte Zickzack-
nen) Kettengliedern, Anhänger oder Klapperschmuck fehlt58.
zier im Laufe der Zeit nach außen, also auf die Krempe wan-
Ihre Krempen sind auf der Vorderseite mit Tremolierstichzick-
dert. Ein Beleg aus Předměřice/Böhmen bleibt dort freilich
zackmuster, der verdickte innere Teil des Bogens mit ein bzw.
vereinzelt, zeigt jedoch die nördlichen Kontakte an67.
zwei parallelen Tremolierstichlinien bedeckt. Ihre Rückseiten
Einschleifige Exemplare mit zart verzierter Innenkrempe
sind unverziert. Beide Stücke tragen zwei Windungen, deren
aus Ljubljana-Dvorišče datierte Parzinger in die Phase  III a,
Draht wie üblich vierkantig ausgehämmert ist.
durch die Horizont 2/3 verläuft68. Etwas jünger wäre dann
jene aus Santa Lucia 1229 (Horizont 3)69 und Bischofshofen
(zusammen mit zweischleifigen, geknoteten und einer fein
gerillten Bügelfibel). Weitere zahlreiche Belege kommen aus
Frög70, einzelne aus Bled Grab 7371, Maiersch Grab 8372 und
Statzendorf Gab A 09673. Hallstatt 67774 enthält männliche und
weibliche Grabbeigaben75. Die beiden entwickelteren Mehr-
kopfnadeln und auch die Breitrandschale mit Vogeldekor deu-
ten eine noch spätere Niederlegung an (Ha C/D1). Die in
Grab 32 gefundene Keramik, eine Stufenschale mit am Rand
schraffierten Dreiecken und die unverzierte Einzugschüssel
sind wiederum auch früher denkbar76 (Horizont 1–3). Eine
Abb. 7. Halbmondfibeln Hallstatt Grab 32, 1998, NHM Wien,
zuverlässige, engere Datierung dieser Stücke aus Grab 32, die
M 1 : 2.
wie alle anderen Halbmondfibeln aus Hallstatt als lokale Pro-
dukte gelten können, ist daher im Moment nicht möglich.
Kombiniert damit ist ein schwarzer Stufenteller mit Girlan-
In Körpergrab 4 fand man einen stark angeschmolzenen
denrollrädchen59, eine schwarzbraune, flache Einzugschale mit
Bügel einer Halbmondfibel mit vergleichbar schmaler Krempe
eingezogenem oder konischem Unterteil und unterrandstän-
wie jene aus Grab 32. Der innere Bogen weist gegenständige
diger Henkelknubbe60, fünf Kugelkopfnadeln, ein Spiralröll-
Zickzacklinien auf. Ein Teil der Spirale, Nadelhalter, Nadel so-
chen und ein einfacher Bronzering61. Die Zugehörigkeit eines
wie die meisten Kettenglieder und alle Anhänger fehlen. Es ist
Kegelhalsgefäßes mit rot-schwarzer Winkelbandzier bleibt we-
denkbar, dass diese fehlenden Stücke bereits vor der Verbren-
gen der schwierigen Befundlage unklar62.
nung entfernt wurden77.
Grundsätzlich handelt es sich bei der Fibel um den Typ Tol-
min nach Teržan (zweischleifig, innerer Teil des Bügelkörpers
mit Winkelstrichzier)63. Es lassen sich eine ganze Reihe dem Typ
Abb. 8. Halbmondfibel Hall-
zugehöriger Exemplare anführen, wobei ihre jeweilige Aus-
statt Grab 4, 1994, NHM
führung – insbesondere die Zier – immer individuell ausfällt.
Wien, M 1 : 2.
Engste Parallelen kommen fundortidentisch aus Hallstatt
Grab  677 und ein Einzelstück ebenfalls aus Hallstatt (Muse-
um Hallstatt)64. Auch aus den Bischofshofener Gräbern 127

58
Naturhist. Mus. Wien Fundstellennr. 1594, 1595. Breite der Bügelkör- 67
Vokolek 1999, Taf. 94,9.
per ca. 7 cm. 68
Parzinger 1988, 22 f., 25, Taf. 30,28.
59
Stöllner 2002, Typ 235/236. 69
Parzinger 1988, 9, Taf. 151.
60
Stöllner 2002, Typ 216. – Rebay 2006, 54 f. 70
Tomedi 2002, Taf. 10, 5–8 (Tum. 28); Taf. 90 B 1 (Tum. 234 mit sand-
61
Durchmesser 1,5 cm. uhrförmigem Fuß, repariert, ehemals Typ Aubonne mit Kreispunzen?).
62
Bei einigen dieser Gefäße wurden Keramikanalysen zur Bestimmung 71
Teržan 1990, Abb. 17.
ihres Herstellungsortes durchgeführt. Allg. Vorbericht: Herold 2008, 72
Berg 1962, Taf. 23,1.
144 ff. 73
Rebay 2006, 100.
63
Teržan 1990, Abb. 6, 2. 74
Kromer 1959, Taf. 159.
64
Glunz 1997, 56, Taf.  19, 1,  3. Auch die Maße der Bügelbreiten mit 75
Hodson 1990, 152.
7–8 cm ähneln sich. 76
Stöllner 2002, 194 f., 183.
65
Lippert, Stadler 2009, Taf. 36,3; Taf. 155,8. 77
Naturhist. Mus.Wien Inv.-Nr. 90.832. Länge des Bügels ca. 7 cm, Brei-
66
Gabrovec, Svoljšak 1983, Taf. 118, 5. te der Krempe ca. 1,5 cm.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 43

Weitere Beigaben sind ein kugeliges Kegelhalsgefäß mit förmigem Unterteil (unverziert, gröber gemagert)86. Die klei-
leicht trichterförmigem geradem, niedrigem Rand mit roter ne Trinkschale mit Omphalos wurde im Inn-Salzach-Gebiet
und schwarzer Bemalung (vier Viertelkreise werden von zwei zwischen Ha D1 und Latène A benutzt87. Die anderen beiden
Ringen umschlossen)78. Ein zweites Kegelhalsgefäß ist ähnlich Stücke lassen sich kaum differenzierter als Ha C zuordnen.
rundbauchig, mit kaum abgesetztem Hals. Der Dame aus Grab 72 legte man mindestens zwei Bogen-
fibeln, acht Kugelkopfnadeln, drei davon – separat liegend –
2.2 Zweischleifige Bogenfibeln mit Bernsteinkopf, und den dazugehörigen Spiralschmuck,
Brandgrab 58 enthielt insgesamt drei Gefäße und eine einen glatten Armreif, ein Messer, zwei Ringe unbestimmter
zweischleifige Bogenfibel79. Der dreieckig-rundliche Fuß ist Funktion, blaue Glasperlen und die Speisebeigabe ins Grab. Sie
mit drei senkrecht verlaufenden Tremolierstichlinien bedeckt. bekam außerdem acht Gefäße, u.a. eine grauschwarze Ompha-
Als Besonderheit ist der scharf gegliederte Rippenbügel zu losschale mit gerader Wandung und schwach ausbiegendem,
nennen. kurzem Rand mit Graphitüberzug88.
Nur eine der beiden Gewandspangen ist vollständig erhal-
ten, nämlich eine zweischleifige Bogenfibel mit glattem Bü-
gel89. Weiterhin der vollständige Bogen mit Spiralansatz eines
wohl vergleichbaren Exemplars90, ihre Nadel könnte wieder
bewusst entfernt worden sein. Eine weitere Nadel mit Spi-
ralansatz einer dritten Spange stammt aus dem Einfüllbereich
des Grabes (Schlämmfund, Abb. 10 rechts)91, ihre Zuordnung
Abb. 9. Zweischleifige Bogenfibel Hallstatt Grab 58, 2001, ist daher nicht ganz gesichert.
NHM Wien, M 1 : 2. Die Verbreitung dieses südostalpinen Fibeltyps hat sich seit
1997 grundsätzlich nicht verändert. Allerdings hat die An-
Die Sichtung der zweischleifigen Bogenfibeln ergibt, dass zahl der Fibeln aus Frög, Bischofshofen und Uttendorf durch
es sich um eine unikate Form handelt, die bisher keine einzige den veränderten Publikationsstand zugenommen92. Bogenfi-
Parallele findet. Sucht man jedoch nur die ähnliche Ausfor- beln mit glattem Bügel sind bis längstens Horizont 4 (nach
mung der Rippen, stößt man auf verschiedene Vertreter von H. Parzinger) belegt93. Während die Kugelkopfnadeln und der
Raupenfibeln80 und auf die kleine Raupenfibel aus Hallstatt Spiralschmuck eher älterhallstattzeitlich sind94, ist die Ompha-
Grab  88481. Die Ausformung der Rippen in deutlich ausge- losschale ab Ha D1 denkbar95.
prägt, sind scharfkantige, schmalste, umlau-
fende Ringe ist an oberitalischen Fibeln
besonders gut beobachtbar82, sie scheint
sich im alpinen Raum dann zu verflachen83.
Die Gefäßbeigabe besteht aus einer klei-
neren, geradwandigen Omphalosschale aus
glattem, schwarzem Ton84, einer schwach
kalottenförmigen Schüssel mit kurzem,
leicht ausbiegendem Rand mit Omphalos (rot bemalt mit Gra- Abb. 10. Zweischleifige Bogenfibeln Hallstatt Grab 72, 2003,
phitwinkelband)85 und einer flachen Einzugschale mit kalotten- NHM Wien, M 1 : 2.

78
Stöllner 2002, Typ 115. – Rebay 2006, 72. Zur seltenen Verzierung 88
Stöllner 2002, 189 f.,Typ 221,Var. 1.Weitere Gefäße in Restaurierung.
des Gefäßes s. Brosseder 2004, 320. 89
Naturhist. Mus. Wien F.Nr. 2844, Länge 5 cm. Form A nach Glunz
79
Naturhist. Mus. Wien F.Nr. 2312, Länge 5 cm. 1997, 43 f.
80
Betzler 1974, Nr. 159–168, 178. 90
Naturhist. Mus. Wien F.Nr. 2845.
81
Glunz 1997, 41. 91
Naturhist. Mus. Wien F.Nr. 2884.
82
Zur Gestaltung der Rippung s. Glunz 1997, 39 f. mit Taf. 5,3 u. 6,1. 92
Bischofshofen Gräber mit sicher zweischleifigen Bogenfibeln: 4, 21, 31,
83
Ein gegenüber 1997 zusätzliches Exemplar, das mit jenem aus Hallstatt 34, 90, 244, 261 A, 349, 368, 387, 420, 438, 439, 500, 501, 528, 554.
65/Linz (Glunz, 1997, Taf.  5,2) wahrscheinlich gut vergleichbar ist, Frög: Tomedi 2002,Tum. 12, 181, 275, 282 und Einzelfund auf Taf. 92,
kommt aus Frög (Tomedi 2002,Taf. 102,8). 101, 114. Uttendorf : F. Moosleitner 1992/93, Abb. 16 (Bronze und
84
Stöllner 2002, Typ 221,Var. 1. Eisen), 20, 39.
85
Stöllner 2002, Typ 217/218/221. 93
Glunz 1997, 43 f.
86
Stöllner 2002, Typ 216. – Rebay 2006, 57. 94
Hodson 1990, Fig. 12.
87
Stöllner 2002, 190. 95
Stöllner 2002, 190.
44 Bettina Glunz-Hüsken

Eine weitere zweischleifige Bogenfibel mit glattem Bügel spreizten Enden101, zwei in Hallstatt relativ seltene Spinnwir-
(Form A) ist in Grab  95 mit einer Brillenfibel (Haslau-Re- tel, sieben Augenperlen, ein Kegelhalsgefäß mit schwacher
gelsbrunn) kombiniert96. Die dreieckige Nadelruhe ist an ih- Profilierung102 und schließlich eine Einzugschale mit schräg
ren Rändern und in der Mitte mit dem bekannten Zickzack­ kannelierter Wandung/Rand103. Weitere Tongefäße sind – im
tremolierstich bedeckt97. Eine kleine Schale und ein größeres Gegensatz zum Leichenbrand mit den darauf liegenden Metal-
Gefäß befinden sich noch in Restaurierung. len – wegen einer Störung nicht erhalten. Archäologisch kann
man das Inventar mühelos einer Frau zuordnen.
Der schmucklose Bügel der Spangen ist relativ hochgewölbt,
leicht verdickt und massiv. Die Spirale besteht aus zwei Win-
dungen. Der kurze, „italisch“ anmutende Fuß ist gesichert104.

Abb. 11. Zweischleifige Bogenfibel Hallstatt Grab 95, 2007,


NHM Wien, M 1 : 2.

Schließlich ist noch eine dritte, unverzierte Bogenfibel mit


glattem Bügel anzuführen98.
Sie stammt aus einem vermutlich gestörten Brandgrab
knapp östlich von Grab 13/15 (s.u.)99. Hier wurden nur gerin-
ge Keramikreste und Bronzeflitter, jedoch kein Leichenbrand
beobachtet100.

Abb. 13. Bogenfibeln Hallstatt Grab 15, 1995, NHM Wien,


M 1 : 2.

Bei den noch erhaltenen Gefäßen handelt es sich um einen


bauchigen Kegelhalstopf mit kaum abgesetztem Hals, den ein
umlaufendes Winkelband und Kreisaugenstempel betont. Das
Band wurde durch Eindrücken einer gedrehten Kordel er-
Abb. 12. Zweischleifige Bogenfibel Hallstatt, NHM Wien, zeugt105. Der Gefäßtyp106 ist im Inn-Salzachraum, in Südbayern
M 1 : 2. und der Oberpfalz bekannt und datiert in Hallstatt C (einzelne
Vertreter in Ha D)107. In die andere geographische Richtung
2.3 Bogenfibeln mit kurzem Fuß deutet die Schüssel mit Turbanwandung hin: Sie gelten so weit
Zu Grab  15 gehören zwei kurzfüßige Bogenfibeln, zwei nördlich als Einzelstücke, ihre Heimat ist der Ostalpenraum,
Brillenfibeln (Haslau-Regelsbrunn), zehn Kugelkopfnadeln, wo sie während der Urnenfelderzeit bis Hallstatt C/Beginn D
eine Spiralrolle, ein zungenförmiger Gürtelhaken mit ge- benutzt wurden108.

96
Glunz 1997, 43 f. Naturhist. Mus. Wien F.Nr. 3521, Länge ca. 8,5 cm. 102
Rebay 2006, 66.
97
Zu sehen an zweischleifigen Bogenfibeln Glunz 1997 Taf. 6, 8 (Hall- 103
Rebay 2006, 58.
statt); 9,5 (Vače) oder den Halbmondfibeln mit Vogelprotomen Glunz 104
Naturhist. Mus. Wien F.Nr.  860, 832. Die bei ihrer Bergung unver-
1997,Taf. 9, 7,8. sehrte Fibel mit der F.Nr. 832 zeigte sich bei der Restaurierung als sehr
98
Naturhist. Mus. F.Nr. 718. Länge ca. 8 cm. Glunz 1997, 41 f. Form A. brüchig. Nadelhalter und Spirale wurden modern ersetzt.
99
Zu Grab 13 s. Kern 1999, 57–67. 105
Versuch durch H. Reschreiter, NHM Wien.
100
Daher wurde keine Grabnummer vergeben. Eine absichtliche Depo- 106
Stöllner 2002, Typ 135.
nierung ohne Bestattung schließen die Ausgräber aus. 107
Stöllner 2002, 164.
101
Form A nach Stöllner 2002, 91. 108
Stöllner 2002, 192.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 45

Hallstatt Grab 15 lag sehr dicht neben und auf einer Ebe- kopfnadeln) enthalten. Sie finden sich bei den Toten aus 253,
ne mit Brandbestattung 13; die Ausgräber gehen evtl. von ei- 298, in Grab 607 und 789 zusammen mit fraulichem Zubehör
ner gleichzeitigen Niederlegung aus. Es handelt sich um eine (Kugelkopfnadeln, Armreifen, Doppelscheibenfibel s. o.). Ob
männliche (Grab 13109) und eine weibliche (Grab 15) Bestat- es sich bei den beiden letztgenannten um Doppelbestattun-
tung. gen oder männliche Tote mit einzelnen weiblichen Attributen
Die Datierung der beiden Bogenfibeln in die ältere Hall- handelt116, bleibt einer eingehenden Untersuchung an anderer
stattstufe (s.o.) untermauern auch die Beigaben aus Grab 13: Stelle vorbehalten.
Ein zweischneidiges, eisernes Langschwert mit anhaftenden
Textilien110, kleinstteilige Reste vielleicht eines Bronzegefä-
2.4 Alpine Zweiknopffibeln
ßes, eine eiserne Feile, zwei kleinere Eisenmesser, ein großes
Die 21. alpine Zweiknopffibel aus Hallstatt117 Grab  61 ist
Fleischmesser mit Geweihgriff, zwei Lappenbeile Typ Hallstatt
mit sieben unterschiedlichen Armreifen (hohles Blech, massiv-
und Typ Hallstatt Variante Frög, drei Mehrkopfnadeln ohne
gekerbt, massiv-dünn-unverziert), zwei Brillenfibeln (Haslau-
Zwischenrippen und ohne Faltenwehr, 22 zweiflügelige bron-
Regelsbrunn), zwei Eisenmessern, einem Eisenring und einem
zene Pfeilspitzen, zwei aus Eisen, eine konische Pfeilspitze aus
Wetzstein vergesellschaftet und stammt wohl aus einer weite-
Eisen, zwei konische Knochenpfeilspitzen, Schleifstein, Eber-
ren Frauenbestattung118. Alpine Zweiknopffibeln werden ge-
hauer und zwölf Tongefäße.
meinhin in die Stufe Ha D1 datiert119.
Drei einfach gestaltete Mehrkopfnadeln mit zwei und vier
Kugeln ohne Zwischenscheiben und ohne Faltenwehr gehö-
ren demnach dem älteren Entwicklungsstrang dieser Nadeln
an111. Die beiden Stufenschalen vertreten zwei verschiedene
Typen112. Typ 236 trägt in jeder Zone geritzte Girlandenrei-
hen, die von Punktreihen begleitet werden; der Rand ist mit
geritztem Winkelbanddekor versehen. Der Boden ist ebenfalls Abb. 14. Alpine
durch Punktlinien in rechteckige Felder unterteilt. Der De- Zweiknopffibel
kor der Form 239 bedeckt nur den inneren, unteren, enger Hallstatt Grab 61,
getreppten Bereich der Schale mit Girlandenmuster durch 2002, NHM Wien,
Punktreihen. Die Schale vom Typ 236 gehört im benachbarten M 1 : 2.
Inn-Salzach-Gebiet in ein entwickeltes Hallstatt C113. Neben
dem Schwert und dem fraglichen Bronzegefäß untermauern
die beiden innen verzierten Stufenschalen, dass sich Hallstatt
sozusagen einreiht in seine westlich angrenzende Region, in
der paarige Stufenteller und reiche, auf den männlichen Be-
reich hindeutende Beigaben (z.B. Pferdegeschirr oder wie hier
diverse Waffen und Gerät) regelhaft beobachtbar sind114. Bei Hallstatt Grab  1 handelt es sich um einen mehrfach
Mehrfachbestattungen werden (im Inn-Salzach-Gebiet) benutzten Bestattungsplatz, bei dem die Reste von sechs In-
als Indiz für die herausgehobene soziale Stellung der Verstor- dividuen festgestellt wurden120. Dabei gehören zu einem W-O
benen gewertet115. Im Hochtal gibt es weitere als männlich orientierten Skelett eine thrako-skythische Streitaxt, ein klei-
anzusprechende Inventare, die quantitativ vergleichbar sind, nes Eisenmesser und eine alpine Zweiknopffibel.
die also Schwerter, Geräte (Beile, Messer), Metallgefäße (un- Da über diesem Mann noch zwei weitere Bestattungen
terschiedlichster Anzahl) und persönliche Ausrüstung (Mehr- vorgefunden wurden, ist an eine Zerstörung/Verlagerung

109
Zu Grab 13 s. Kern 1999, 57–67. 116
Putz 2007, 96 f., 108 f.
110
Zur Stoffumwicklung von Schwertern im Totenbrauchtum: Bank- 117
Naturhist. Mus. Wien F.Nr. 2474, Länge ca. 9 cm.
Burgess 1999, 24 ff. 118
Gefäße in Restaurierung.
111
Hodson 1990, allg. 54 ff. mit Fig. 12, bes. 58 f. 119
Glunz 1997, 59 ff., Karte 6, Liste S. 170. – Lang 1998, 59 mit Anm. 49.
112
Stöllner 2002, Typ 236 und 239. S. auch dort Taf. 347,8 (Nachtrag Fundort Innsbruck). Neu auch Far-
113
Stöllner 2002, 195 f. chant: Lang 1998 A, 419 ff. 434, Abb. 5, 4; 6. – Stöllner 2002, 57. –
114
Stöllner 2002, 192 f., 392. Sehr differenziert zeigen sich die Zusam- Frög: Tomedi 2002, Taf. 75, 2 (Tum. 138 Grab 2). – Stična: Gabrovec
menstellung und die Überlegungen zur Funktion der Stufenschalen 2006, Taf. 99,3.
bei Brosseder 2004, 322–324. 120
Frdl. Mitteilung A. Kern. S. hierzu auch ders. 1997, 62 f.
115
Hodson 1990, 71–92. – Stöllner 2002, 392 f.
46 Bettina Glunz-Hüsken

Abb. 15. Alpine Abb. 16. Schleifenbogenfibel


Zweiknopffibel Hall- Hallstatt Grab 65, 2002,
statt Grab 1, 1994, NMH Wien, M 1 : 2.
NHM Wien, M 1 : 2.

Abb. 17. Fibelfragment Lesefund


Rudolfsturm, NHM Wien, M 1 : 2.

Interessant ist das in Hallstatt vergesellschaftete weitmun-


möglicher Keramik oder weiterer Beigaben ebenso zu denken dige Hohlfußgefäß mit senkrecht geriefter Schulterzier, das
wie an eine rituelle Vermischung männlicher (Axt) und weib- freilich zahlreiche Verwandte in Unterkrain findet (z.B. Germ
licher Beigaben (Fibel) oder auch an eine Doppelbestattung. Grab XXVII/5)130. Eher selten scheint mir jedoch der gerade,
An neueren Funden alpiner Zweiknopffibeln seien hier nach innen gerichtete Rand des Gefäßes, der bei den krai-
außerdem die fünf Bronzen aus Bischofshofen genannt, die nischen dagegen meistens entweder senkrecht oder nach au-
geographisch nicht überraschen121 und die zwei Exemplare ßen gebogen wird. M. E. könnte dies an seine Herstellung in
aus dem Hügel 2 von Dienstberg, Gde. Berg/Attergau, dessen Hallstatt denken lassen. Germ Grab  XXVII/5 gehört in die
Dendrodatum von 601/595 v. Chr. innerhalb der Stufe Hall- Phase Weißkrain III B/III, durch den der Horizont 7/8 nach
statt D1 anzusiedeln ist122. Die Fibeln waren zu dieser Zeit also H. Parzinger verläuft131.
schon eine Weile getragen worden. Die bis jetzt nördlichste Zur lokal gefertigten Objektgruppe gehört auch der mit­
Zweiknopffibel aus Riedenburg-Untereggersberg, Lkr. Kel- ge­fundene Dolch mit scheibenförmigen Antennen und
heim kommt aus einem Kindergrab. Ihr Bügel fällt vielleicht zusätz­licher mittlerer, auf die Angel aufgesteckter, gezackter
deswegen entsprechend zart aus, die Spirale wurde „falsch“ Schmuckscheibe vom Typ Hallstatt132. Die Waffe besitzt kei-
herum aufgewickelt123. Die Publikation des Friedhofs bestä- ne Zwischenscheibchen, sondern ein einteiliges, konisch ge-
tigt, dass hier enge Beziehungen nach Hallstatt bestanden ha- schmiedetes Zwischenstück. Sie wurde bei der Grablegung
ben müssen (s.u.), wie die aufwendige Mehrpassspiralfibel (aus mit Stoff umwickelt133. Ebenso wurde mit einer Lanzenspitze
Grab 57) bereits vermuten ließ124. mit starker Mittelrippe verfahren. Der Mann besaß außerdem
einen rhombischen Gürtelhaken und einen Eisenring, Dinge
2.5 Schleifenbogenfibel also, die eine allgemeine Datierung nach Hallstatt D 1 ermög-
Ebenfalls aus Hallstatt schon bekannt sind die Schleifen- lichen.
bogenfibeln. Das neue Exemplar aus Grab 65 trägt fünf nach
außen gerichtete Schleifen125, eine ausgebildete Nadelrast und 2.6 Andere Fibelformen
Spirale fehlen. Schließlich ist als Lesefund vom Rudolfsturm eine Fibelna-
Ihre beste Parallele mit ebenfalls auswärts geordneten Spi- del mit noch einseitiger Spirale aus vier Windungen und bron-
ralen kommt aus Trzišče/Innerkrain126. Neu abgebildet kommt zener Achse zu nennen134 (Abb. 17). Derartige Armbrustkon-
noch ein Fibelpaar aus Magdalenska gora Hügel 13, Grab 43 struktionen sind frühestens ab Ha D1/D2 z.B. an Paukenfibeln
hinzu, leider ohne zeitlich auswertbare Beifunde (Frauengrab (in Hallstatt Gräber 913 und 267 mit Eisenachse) oder auch an
mit Armringschmuck)127. Regional isoliert bleibt eine Schlei- stark gebogenen Knie-Kahnfibeln135 (Hallstatt Gräber 471, 163
fenbogenfibel aus Statzendorf Grab B 032128. Sie wäre durch mit Schlangenfibel S 4, 932 und 765) denkbar.Wegen des Aus-
eine Vermittlung Hallstatts erklärbar129. falls von Paukenfibeln im Inn-Salzachgebiet (Dürrnberg ausge-

121
Gräber 99, 307, 403, 434, Streufund. 128
Rebay 2006, 170.
122
Trebsche, Pollack, Gruber 2007, 73. 129
Weitere Hinweise auf Beziehungen Hallstatts mit diesem Raum s.
123
Nikulka 1998, 41 ff., Taf. 15,7. Dörrer 2002, 68 f. (Nadel Typ Statzendorf, Gürtelblech Statzendorf
124
Glunz 1997, 118. Der dort kombinierte Gürtel gehört zur Gruppe der Grab 14).
Blechgürtel mit großen geschlossenen Feldern,Var. 2 nach Kilian-Di- 130
Kern 2003, 97.
rlmeier 1972, 98 ff. Sie zählt nur 4 Exemplare auf, 3 in Südbayern, 1 131
Parzinger 1988, 44 f., 47 f.
in Hallstatt Grab 635. Dieses Stück stellt zugleich eine gute Parallele zu 132
Sievers 1982, 21–24.
jenem aus Riedenburg-Untereggersberg dar. 133
Zu weiteren Dolchen vom Typ Hallstatt nach Sievers: Dehn, Egg, Leh-
125
Naturhist. Mus. Wien Inv.-Nr. 2561, Länge 5,5 cm. nert 2005, 16 ff.
126
Glunz 1997, 26 ff. 134
Naturhist. Mus. Wien F.Nr. 2882.
127
Tecco Hvala, Dular, Kocuvan 2004. 135
Stöllner 2002, 55, Abb. 19,9.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 47

nommen) sei hier noch auf Paukenfibeln aus der Ober­pfalz136 formen wie beispielsweise Pauken-, Schlangen- oder Halb-
und den späteter datierten aus Südbayern137 hingewiesen. mondfibeln mit Vogelprotomen fehlen ebenso wie östliche.
Zu den zehn neuen hallstattzeitlichen Fibelgräbern kom- Hier bleibt zu wünschen, die neuen Gräber, die keine Fibeln
men einige frühlatènezeitliche hinzu. Grab 81 enthielt sicher enthalten, auf ihren beispielsweise westlichen Inhalt zu prü-
eine Certosafibel; eine Marzabottofibel wurde knapp über dem fen141.
Beigabenniveau von Grab 81 vermessen und daher zu dieser Die Herstellung vor Ort legen am ehesten die Doppel-
Bestattung gezählt.Weiterhin sind drei ostalpine Tierkopf- und scheibenfibeln und die Halbmondfibeln mit Winkelbandtre-
eine nicht (mehr) ganz drahtförmige Vogelkopffibel138 ergra- molierstich aus Grab 32 nahe. Alle anderen Stücke sind phä-
ben. Die Interpretation ihrer Befundlage steht noch aus. notypisch unspezifisch, also ohne bestimmte Merkmale. Sie
könnten theoretisch daher auch Importe sein.
2.7 Ergebnisse Von den elf hallstattzeitlichen Fibelgräbern sind zehn
Somit sind bis auf eine Ausnahme alle hallstattzeitlichen Brandgräber (Ausnahme Körpergrab 4). Sie enthielten zwei
Zeitstufen unter den neuen Fibelgräbern vertreten: Die Dop- bzw. vier Fibeln. Grab 61 weicht hiervon durch drei, Grab 1
pelscheibenfibel ist ab frühem Hallstatt C denkbar, es folgen und 4 durch die Mitgabe eines Verschlusses ab. Archäologisch
die zweischleifigen Bogen-, in D1 alpine Zweiknopf-, in D2 als weiblich bestimmbar sind die Toten der Gräber 15, 25, 32,
die Schleifenbogenfibeln und (frühestens) das Fragment einer 61, 72, 95 (Schmuck, keine Waffen). Die auf diese Art sicher als
Spange mit Armbrustkonstruktion (Lesefund Rudolfsturm). Männer anzusprechenden Toten aus Grab  1 und 65 enthiel-
Die jüngste Hallstattstufe ist zumindest unter den Fibelgräbern ten nur eine Fibel (alpine Zweiknopf-, Schleifenbogenfibel)142.
nicht belegt; nach ihr wäre dann folglich in den jüngst ergrabe- Durch die Beigaben nicht bestimmbar ist Grab 58. Es enthielt
nen, fibellosen Bestattungen zu suchen. Diese Tatsache könnte wiederum nur eine Gewandspange und kann daher sowohl
sich einerseits daher zwar als Zufall herausstellen – zumal die einem Mann als auch einer Frau zugesprochen werden.
Auswahl der modernen Schnitte hinsichtlich der Belegungsab- Untersucht man zweifelsfreie143, fibelführende Inventare aus
folge im Hochtal heute naturgemäß nicht „systematisch“ er- Hallstatt auf ihr archäologisch bestimmbares Geschlecht, stößt
folgen kann139 – andererseits nimmt die Anzahl der Grablegen man auf zahlreiche, in diesem Sinn männliche Bestattungen,
in der Nekropole während Hallstatt D2 und D3 bekannterma- die eine oder zwei Fibeln enthalten, wobei die Beigabe ei-
ßen ab. Ob es sich daher um eine echte Lücke handelt, muss ner Hafte weit überwiegt. Ich zähle hierbei acht Kahnfibeln
vorerst offen bleiben. (aus sechs Gräbern), vier Schlangen- bzw. Dragofibeln, zwei
Betrachtet man die Stoffverschlüsse nach ihrem geogra- Dreiknopffibeln, eine Knie- und zwei Paukenfibeln (aus zwei
phisch-formenkundlichen Bezug, dominiert klar die südöst- Gräbern) und schließlich drei ostalpine Tierkopffibeln144. Die
liche inneralpine Verbindung, die von Hallstatt C bis Latène A Sitte, auch Männern Fibeln mitzugeben, beschränkt sich daher
andauert (ostalpine Tierkopf-140, Certosafibel).Westliche Fibel- offensichtlich nicht auf eine Zeitstufe.
136
Parzinger 1988, Taf. 112, Horizont 7 a. 143
Keinerlei Störungen im Bericht von Ramsauer, keine Zweifel durch
137
Parzinger 1988, Taf. 108, Horizont 7 c. Kromer und Hodson. Die Inventare 116, 304, 462 a, 682 und werden
138
Hallstatt F.Nr.  3203 (ostalp. Tierkopf), F.Nr.  2747 (ostalp. Tierkopf), zwar von Hodson als „miscellaneous“ geführt, was ich im Einzelfall
F.Nr.  3319 (ostalp. Tierkopf), F.Nr.  3302 (Vogelkopffibel). Diese Ver- jedoch nicht nachvollziehen kann.
schlüsse stammen aus dem Bereich der sog. „Steinbewahrersölde“. Es Diskussion Grab 304: Hodson 1990, 86 sieht die beiden Dreiknopf-
handelt sich um den rechteckigen, im Ramsauerschen Plan ausge­ fibeln aus 304 und 324 als ehemaliges Paar aus Grab  324, weil in
sparten Bereich über der Jahreszahl 1884 (Beilage Kromer 1959). Ihre Grab  304 sonst nur männliche Beigaben enthalten sind und in
Lokalisierung untermauert die verstärkt frühlatènezeitliche Belegung Grab 324 nur weibliche. Dieser Argumentation muss nicht unbedingt
in diesem Areal. S. hierzu Hodson 1990, 54, Fig. 11 b. – Kern 2008, gefolgt werden: Es gibt durchaus – wie unten angeführt – archäolo-
122 f. gisch bestimmte männliche Inventare mit einer Fibel. Grab 324 barg
139
Zur Lokalisation der Schnitte s. Plan bei Kern 1997, Abb. 1: Grab 1 vier Fibeln, es wäre daher „vollständig“. Die beiden Dreiknopffibeln
stammt aus Schnitt 5, alle anderen Fibelgräber aus Schnitt 8–11. sind weder phänotypisch ein Paar, noch gehören sie einem Typ an. Die
140
Zu ihrer Verbreitung und Datierung s. Lang 1998, 62 f. – Stöllner Bronze aus 324 gehört zum Typ Grottazolina (nach Egg 1996, 198
2002, 65 f. Abb. 118; Form A nach Glunz 1997, 22), jene aus 304 ist ein wohl
141
Unter den neueren Inventaren befindet sich auch ein Gürtelhaken der lokal gefertigtes Hallstättisches Einzelstück (Glunz 1997, 23).
Szentes-Vekerzug-Gruppe. Er bestätigt den transdanubischen Kon- 144
Es handelt sich um folgende Bestattungen: 116, 304, 316, 462 a,
takt, der durch Hundefibeln, Bogenfibeln mit rhombischem Bügel- 663, 682, 703, 938, 1026, 1036, 17/1873, 11/1889, 3/1937, 13/1938,
querschnitt oder Kahnfibeln mit Querleiste bereits festgestellt wurde. 19/1939. Die Gräber 682, 938 und 19/1939 enthielten jeweils 2 Fibeln,
Glunz 1997, 135, 63, 107 ff. Zum Gürtelhaken: Kern 2003, 95 Abb. 1. wobei es sich bei 682 und 938 um Brandgräber handelt. Mit letzter
Eine Durchsicht des Altbestandes aus Hallstatt unter einem „gesamtre- Sicherheit ist daher die Niederlegung nur eines Individuums (im Ge-
gionalen“ Gesichtspunkt ist angedacht. gensatz zum Skelett aus 19/1939, das wiederum als argumentative Stüt-
142
Vgl. dazu: Auf dem Dürrnberg kommen ostalpine Tierkopffibeln ein- ze für das Vorkommen von Männern mit zwei Fibeln herangezogen
zeln getragen nur in Jungen- und Männergräbern vor (Lang 1998, 63). werden kann) nicht eindeutig.
48 Bettina Glunz-Hüsken

Exkurs I – Fibelneufunde anderer Gattungen Gestaltung dieser Verschlussgattung mit Amuletten unange-
Im Anschluss möchte ich auf einige bemerkenswerte Fibel- fochten.
Neufunde aufmerksam machen, die die Verbindungen Hall- Neuigkeiten gibt es auch bei den Halbmondfibeln. Es ist zu
statts differenzieren können145. bedauern, dass weitere Belege für die Halbmondfibeln mit Vo-
Die Vorlage der Funde der Inn-Salzach-Region erbrach- gelprotomen und eine diesen nahestehende Bronze als Lese-
te einige Objekte, die in direkte Beziehung zu Hallstatt zu funde zu Tage gekommen sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit
setzen sind. An erster Stelle ist hier eine „echte“ Gitterschei- handelt es sich bei beiden Fibeln aus der großen Nekropole
benfibel aus Schleedorf-Mölkham Hügel  1 (VB Salzburg von Künzing-Ost um zerpflügte Grabfunde154.
Umgebung)146 und ein sowohl den rhombischen Gürtelhaken Das beschädigte Stück „Halbmondfibel II“ ist zweifelsfrei
als auch den Gitterscheibenfibeln nahestehendes Stück aus dem Typ mit Vogelprotomen zuzuordnen155.
Timelkam-Obereck (VB Vöcklabruck)147 zu nennen. Letzteres
ist durch die umgebogene Nadelrast und die Zierknöpfe for-
menkundlich enger mit den Gitterscheibenfibeln verbunden
(Hallstatt Gräber  577, 816) als mit der Gürtelhakenfibel aus
Grab 763148. Die Bronze aus Schleedorf-Mölkham findet eine
Entsprechung in Hallstatt Grab 559. Beide Stücke sind u.a. mit
den regional eng begrenzten großen Doppelspiralnadeln ver-
gesellschaftet. Sie ragen somit aus der Masse der Funde her-
aus149 und sind auch dadurch mit Hallstatt verknüpft (Doppel-
Abb. 18. Halbmondfibel II Künzing (nach Schmotz 1999,
spiralnadeln in den Gräbern 358, 39/1872)150. Ob die beiden
140, Abb. 8,1), M 1 : 2.
Gewandverschlüsse Männern vorbehalten waren151, lässt sich
leider nicht mehr sicher feststellen. Diese einzigen Funde der
Verschlüsse dieser Art wurden mehrheitlich paarig156 – und
Objektgattung außerhalb Hallstatts152 belegen erneut enge Be-
das ist naheliegend – von Frauen getragen. Ihr Vorkommen er-
ziehungen entlang der Flussläufe in nördliche Richtung und
streckt sich auf Wörgl, gehäuft Hallstatt und auf wenige Orte –
lösen somit das bisher nur scheinbar isolierte Vorkommen der
wiederum kleinregional konzentriert – in Nieder-, Oberbay-
hallstättischen Gitterscheibenfibeln auf153. Die Innovationskraft
ern und der Oberpfalz157. In meiner Arbeit über die Fibeln aus
Hallstatts bleibt jedoch durch die Anzahl (acht) und kreative
dem Gräberfeld von Hallstatt wurden diese Stücke ausführlich

145
Nachfolgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf vollständige Li- 154
Schmotz 1999, 139 ff., Abb. 8.
teraturerfassung (letzter Stand Januar 2009). 155
Zur Typenbestimmung s. Teržan 1990, 49 ff. – Glunz 1997, 51 ff.
146
Stöllner 1996, Taf. 73 A 1. 156
Glunz 1997, 169.
147
Stöllner 1996, Taf. 35 A 2. 157
Die von C. Metzner-Nebelsick zusammengestellte Liste (Metzner-
148
Im Gegensatz zu Stöllner 2002, 58. Ziselierung auf rhombischen Nebelsick 2007, 707 ff., Liste S. 731) enthält folgende Unstimmigkeiten:
Gürtelhaken ist auch auf anderen Haken üblich (Gräber  100, 792); 1. Der Fibeltyp „Hallstatt“ nach Teržan meint nur die Halbmondfibeln
Zierknöpfe oder aufgesetzte Schälchen/Vasen und Ringe fehlen hier. mit Vogelprotomen (Teržan 1990, Abb.  7, 1), Fibeln mit „paarigen
149
Vgl. Trebsche 2008, 70 f. Pferdeappliken“ (nach Metzner-Nebelsick 2007) sind nicht objektiv
150
Hallstatt: Kromer 1959, Gräber 358, Taf. 57,2; 39/1872, Taf. 238,1. definierbar (es können auch Vögel gesehen werden).
151
Stöllner 2002, 58. Gitterscheibenfibeln in Hallstatt: In den Brandgrä- 2. Die Stücke aus Hallstatt 94, Linz,Wörgl Grab 36, Stanz/Tirol gehören
bern 577 und 574 befinden sich jeweils auch eine Brillenfibel und ein deswegen nicht dazu (Fundumstände und Beschreibung der wichtigen
Armreif, die Skizze des Grabes 559 zeigt keine Fibel dafür jedoch einen Stücke immer noch: Zemmer-Plank, 1990, 331–338). Es handelt sich
Armreif. Möglicherweise wurden hier doch Frauen mitverbrannt oder um einen vereinzelten, jedoch mit immer gleichen Merkmalen aus-
es handelt sich nochmals um weibliche Attribute in Männergräbern gestatteten Typ (evtl. gussgleiche Stücke) mit tatsächlichen Pferden.
(Putz 2007, 96 f., 108 f.) Grab 667 enthält ausschließlich männliche Glunz 1997, 54 f.: „Fibeln mit theriomorphem Besatz“. Ihre archäo-
Beigaben, Grab 724 ist gestört, Grab 816 geschlechtlich unbestimmbar. logische Aussagekraft liegt sowohl im religiösen Wert, als auch in ihrer
Zu Hallstatt: Stöllner 2002, 394, 416. Fundstelle am Inn bzw. an den Knotenpunkten Wörgl und Landeck
152
Als Gürtelhaken umfunktioniert wurde das verwandte aber geogra- begründet, die den westlichen und östlichen Zugang ins Alpenvorland
phisch isolierte Einzelstück aus Neudorf-Nenntmannsreuth, Lkr. Bay- ermöglichen. Vermutlich sind die Vorkommen von Halbmondfibeln
reuth. Glunz 1997, 146, Abb. 34. mit Vogelprotomen aus der Region Weilheim den Weg über den Zirler
153
In diesem Sinn ändert sich auch das Bild, das die bisher unikaten Berg – Loisachtal erklärbar, eine Strecke, die später auch die Römer
Schmuckfalerenscheiben aus den Hallstätter Gräbern 288 und 778 nutzten. Belege wären von den Nekropolen dieser Transitstrecke zu
vorgaben. Zwei in der Verzierung gut vergleichbare Objekte liegen aus erwarten – würden sie denn gefunden. Lang 1998 A, Anm. 91, 419 ff.
Stična/Griže, Hgl. 66 und aus Heidenheim vor. Abweichungen erge- Schließlich ist bemerkenswert, dass die Fundstellen in und oberhalb
ben sich durch ihre Größe und evtl. fehlendes Klapperwerk. Gabrovec Fließ, deren Gewandverschlüsse doch stark italisch geprägt sind (Im-
2006, Taf. 145.16. – Dietrich 1998, Taf. 32. porte?), keine inneralpin-nördlichen Halbmondfibeln mit Vogel-
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 49

besprochen, formenkundlich eng gefasst und letztlich auf Vor-


bilder aus dem südostalpinen Raum zurückgeführt158.
In jüngster Zeit sah man in den Protomen die Darstellung
von Pferden159, ihren Trägerinnen sei in der Gesellschaft eine
transzendente Bedeutung zugekommen („Frau-Pferd-Göt-
tin“) und letzteres auch deswegen, weil diese Fibeln „in jedem
Gräberfeldareal“ von Hallstatt zu finden sind160. Dem ist ent-
gegenzuhalten, dass es sich bei den einschlägigen Objekten der
Abb. 19. Vogelbarkenamulett (nach Kossack 1954, Taf. 11,19) Frauen mit Pferdeattributen aus Hallstatt um Teile von echtem
ohne M. Pferdegeschirr handelt, also Rasseln161, Trensen, kreuzförmige

Abb. 20 Becken Veio (nach G.


Bartolomi, F. Delpino,Veio I,
Tomba 23, Taf. 19,2), M 1 : 3.

protomen erbrachten, was wiederum darauf hinweist, dass ihr Ursprung Schmotz und L. Kreiner. Richtige Fundortangabe bereits genannt bei
in Hallstatt (und nicht in Italien) wurzelt und sie von dort aus auch Schmotz 1999, 144). Das schlichte Halbmondfibelpaar besitzt keiner-
verbreitet wurden. Ein viertes wohl identisches Stück (?) der Fibeln lei Tierbezug (s.u.).
mit theriomorphem Besatz soll aus Aquilea stammen: H. Marchhart 158
Glunz 1997, 50–58.
2008, 19 mit Abb. 11 nach mündlicher Mitteilung G. Tomedi. Die Fi- 159
Tomedi 2002 A, 1224 f.
bel aus Buch am Erlbach ist nicht paarig sondern einzeln überliefert. 160
Metzner-Nebelsick 2007, 722 f.
3. Der Fundort „Dietfurt a. d. Altmühl“ ist irrig. Es handelt sich um 161
Warneke 1999, 156–162.
Schwaig, Gem. Eichendorf, Lkr. Dingolfing-Landau (frdl. Mitteilung K.
50 Bettina Glunz-Hüsken

Riemendurchlässe etc. Fibeln gehören ihrem Wesen nach nicht finden, indem man sie beim Tod der Besitzerin für das hiesige
dazu. Die halbmondförmige Krempe der Schließen stellt doch Leben zerstörte. Ganz offensichtlich wird dies an der Halb-
entweder die (halbierte, nach unten geklappte) Sonne dar162 mondfibel mit Vogelprotomen aus Wörgl, deren Krempe man
oder wahrscheinlicher sogar den urnenfelderzeitlichen Kessel- in der Mitte durchtrennte165.
wagen in zweidimensionaler Form (Abb. 19)163. Die zweite Künzinger Halbmondfibel unterscheidet sich
Vergleicht man die betreffenden Verschlüsse aus Hallstatt von den Fibeln des Typs Aubonne durch ihre breite Krem-
zeigt sich auch, dass dort beide Ausführungen bekannt wa- pe und die auf ihrer Mitte angeordneten Kreispunzen166, sie
ren, nämlich solche mit Ohren (Gräber  174, 551, 606) und steht damit den Fibeln mit Vogelprotomen nahe. Vögel feh-
jene ohne (Gräber 239, 716, 900). Selbst wenn man die hall- len jedoch ebenso wie die dort üblichen, stark geprägten ge-
stättischen Tiere als Pferde deutete, so kann man sie leicht als genständigen Strichgruppen im Innern des Bogens (hier sehr
Umformungen von Vögeln durch hallstättische Toreuten se- schwach) und die Tremolierstichfelder der Krempe.
hen, gibt es in Slowenien doch zwei – durch ihre Herkunft –
Vorbilder, die eindeutig die Vogelbarke zeigen. Es handelt sich
um den oft publizierten Anhänger aus Vače und um eine Fibel
aus „Krain“164. Nicht zuletzt sei daran erinnert, dass selbst in
den Inventaren der mittelitalischen Oberschicht z.B. aus Veio
Abb. 21. Halbmondfibel I
unzweideutige Vögel mit langem Schnabel (Fries aus gleich-
Künzing (nach Schmotz
gerichteten Tieren zwischen Adorantenfiguren) mit einem
1999, 140, Abb. 8,2),
„Höcker“ am Kopf gezeichnet werden. Übrigens stellt ihre
M 1 : 2.
nach vorne gebauchte Gestaltung des Halses die beste Parallele
zu den Vögeln aus Hallstatt und ihren Verwandten dar.
Was ihre Streuung über das ausschnitthaft bekannte Gräber-
feld betrifft, zeigt sie zunächst einmal lediglich, dass die Träge-
rinnen der Haften an verschiedenen Stellen des Friedhofs im
gleichen Zeitrahmen beerdigt wurden. Ihre gesellschaftliche Vergleichbare einzeilige Kreisaugenpunzen kommen auch
Stellung und ihr Verhältnis zu den Besitzerinnen der Halb- an den Fibeln mit Vogelprotomen vor. Diese Merkmale spre-
mondfibeln Aubonne und Tolmin beispielsweise, also jenen, chen für ihre lokale Herstellung, das Fehlen der charakteristi-
die auch in gewöhnlich-bäuerlichen Nekropolen vorkommen schen Merkmale der Vogelprotomenfibeln scheint beabsichtigt.
(Bischofshofen, Statzendorf, evtl. Uttendorf), kann erst beur- Ihre Ansprache als Halbfabrikat ist m. E. nach der Abbildung
teilt werden, wenn der Schlüssel zum Hergang der Belegung nicht gerechtfertigt. Eine mögliche religiöse Deutung dieses
(Familien/Clans/Salzabbauberechtigte, chronologisch/sozial/ quasi reduzierten Objektes überfordert den bemerkenswerten
religiös) gefunden ist – sollte das bei bekannter Quellenlage singulären Lesefund. Beide Fibeln könnten daher durchaus
jemals möglich sein. Welche soziale Bedeutung ihre Besitze- aus einem Grab stammen, worauf auch ihre Auffindung „kurz
rinnen hatten und welche Gedankenwelt mit den Verschlüs- hintereinander in der etwa Nord-Süd verlaufenden Pflugrich-
sen mit Amuletten verbunden wurde und ob diese in Hallstatt, tung“167 hinweisen könnte.
Krain und nördlich der Alpen kongruent war, bleibt nach wie 1987 und 1988 konnten in Schwaig, Markt Eichendorf, Lkr.
vor verschlossen. Wie auch immer man letztlich die Plastik in Dingolfing-Landau zwei durch die Landwirtschaft bedroh-
Hallstatt beurteilt (ob Vogel oder Pferd), zweifellos sind auch te Grabhügel untersucht werden. Im Zentrum von Hügel  1
diese Bronzen – neben vielen anderen (s.u.) – in einen religiö­ (Durchmesser ca. 23 × 20 m, keine Grabeinbauten) schließen
sen Kontext zu stellen, was jedoch schon lange bekannt ist. die Ausgräber wegen der Reste von Zahnschmelz und dem
Das Fehlen ganzer (Künzing II) oder der Köpfe der Tiere Fehlen von kalzinierten Knochenstückchen in den Feuerstel-
(Mahlstetten, Kr. Tuttlingen) könnte eine kultische Erklärung len und Holzkohlepaketen auf eine vergangene Körperbe-

162
Z. B. Kossack 1954, Taf. 8,17. Halbmondfibeln zeichnet der gegenwärtige Publikationsstand eine
163
Z. B. Kossack 1954, Taf. 4,7 (gedacht ohne Raduntersatz); Taf. 11,19. breite Krempe, z.T. mit Kreisaugenpunzen ab. Ausnahme: evtl. Import
164
Glunz 1997, Taf. 14,5 u. 15,1. des Typs Tolmin: s. Ried 1915, Taf.  XXIII, 77 oder Glunz 1997, 170
165
Kossack 1998, 71–87, bes. 73 mit Abb. 2. Möglicherweise wurde der (Fundort Lessau: „feine geschwungene Zickzacklinie, die sich wieder-
Gehängefibel aus Stanz auf die gleiche Weise ihre Wirkkraft genom- um als Zickzackstreifen über die ganze Plattenbreite hinzieht“, Zitat
men. Ebd. Abb. 1 oder Glunz 1997, Taf. 15,6. Ried). „Lessau“ ist falscher Fundort; korrigiert: Rabeneck, Lkr. Bay-
166
Charakteristika der Fibeln Aubonne: schmale Krempe, Kreisaugen- reuth, Arch. Staatssammlung München, Inv.-Nr. L 86. Frdl. Mitteilung
punzen am Innenrand des Bügels. Bsp.: Glunz 1997, Taf. 19, 2, 4, 5. R. Gebhard.
Bischofshofen Grab 185, Taf. 48,5. Uttendorf Grab 56. Zur Typenbe- 167
Schmotz 1999, 140.
stimmung s. Glunz 1997, 51 ff. Als Charakteristikum der nördlichen
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 51

Abb. 22. Links: Armringe Schwaig, Lkr. Dingolfing-Landau. L. Kreiner, Kreisarchäologie Dingolfing-Landau/Archäolog. Staats-
sammlung München. Rechts: Halbmondfibeln Schwaig, ebd. M 1 : 2.

stattung. Die Beigaben umfassen ein Bernsteinperlenkollier, Die oben angedeutete Vermutung, dass Halbmondfibeln
darunter ein charakteristisch profilierter, auf der Drehbank mit breiter Krempe auf Hallstatt und süddeutsche Regionen
geformter Bernsteinring, ein Arm- oder Fußring aus Gagat, beschränkt sind, bestätigt auch die Bronze aus Elixhausen,
zwei Melonenarmbänder mit grob geperltem Ringkörper und VB Salzburg-Umgebung. Das Stück stammt aus einem 1907
Stempelenden vom Typ Kronsdorf-Thalling168, zwei 10  cm geöffneten Grabhügel, nähere Fundumstände sind nicht be-
große, zweischleifige, unverzierte Halbmondfibeln mit dreiec- kannt171. Sie zeigt den Weg über das Salzburger Becken nach
kig planen Klapperblechen, zwei Segelohrringe, ein Bronze- Norden an.
blech, ein Gürtelblech, zwei Stufenschalen und zehn Tonge- Das oben bereits genannte Grabfeld von Riedenburg-
fäße. Die Lage der Beigaben lässt keine Rückschlüsse auf die Untereggersberg sticht nicht nur durch die markante Mehr-
Trachtlage der Objekte zu169. Die Ringe vom Typ Kronsdorf- passspiralfibel unter den Friedhöfen nördlich der Donau her-
Thalling können nur allgemein der Stufe Hallstatt C zugeord- aus, sondern auch durch ein Breitbandfibelpaar (Grab 51), drei
net werden170. unverzierte (Grab  3) und eine verzierte Kniefibel (Grab  68),

168
Siepen 2005, 14 f., 18 ff. Gut vergleichbare Parallele in Hallstatt 895 zu veröffentlichen danke ich Ludwig Kreiner, Dingolfing-Landau
(Kromer 1959, Taf. 177,4). recht herzlich.
169
Vorbericht Kreiner 1994, 106  ff. Einige der Funde befinden sich 170
Siepen 2005, 22.
noch in Restaurierung. Für die Möglichkeit, die Fibeln hier erstmals 171
Stöllner 1996, Taf. 79 B 2.
52 Bettina Glunz-Hüsken

und schließlich noch eine eiserne, langfüßige Bogenfibel mit gezogen wurden181. Die Anzahl der Vorbilder erhöht sich somit
spezifischem Querschnitt (Grab  12)172. Diese Verschlussgat- auf drei südwestdeutsche Belege.
tungen zählen wenige Vertreter in ihren Heimatregionen, alle Weiterhin ist das Fragment einer Paukenfibel P 1 aus Ans-
kommen auch in Hallstatt vor173. Mir ist kein anderer Bestat- felden, Burgwiese, Oberösterreich von Interesse182. Das Stück
tungsplatz mit einer derartigen Häufung an Vergleichsfibeln ist sozusagen als „echte westliche“ Paukenfibel anzusprechen,
(nördlicher Art) bekannt. weil es mit der Spannung „w“ nach G. Mansfeld183 ausgestat-
Die zweischleifige Bogenfibel mit Knoten und feinen tet ist. Diese Konstruktion kommt bei den Paukenfibeln aus
Strichgruppen aus der Mecklenburggrabung174 bekommt gute Hallstatt nicht vor, es gibt dort nur angenietete Nadeln ohne
nördliche Vergleichsfunde aus Gilgenberg am Weilhart-Gans- Spannung184. Leider ist das Paukenblech nur zu einem kleinen
fuß Hügel  5. Für das in seiner Umgebung fremde Fibelpaar Teil erhalten. Es war wohl wie andere südwestdeutsche Stücke
werden direkte Heiratsbeziehungen seiner Trägerin bemüht175. unverziert. Das Importstück aus dem Westen gelangte unter
Ihre räumliche Singularität wird jedoch durch den Baggerfund Umgehung von Hallstatt nach Oberösterreich185.
eines dritten Parallelfundes aus Ettenhausen, Gem. Schleching, Weniger überraschend dagegen ist die Paukenfibel P 4 aus
Lkr. Traunstein etwas aufgehoben176. An ihrer südöstlichen- Überackern-Rothenbuch,VB Braunau am Inn. Sie bietet eine
inneralpinen Heimatregion ändert sich dagegen freilich Parallele zur Hafte aus Hallstatt Grab 19/1939186. Gleiches gilt
nichts177. für zwei Kahnfibeln mit kleinen Kreispunzen auf dem Bügel aus
Anschließend sollen nach 1997 publizierte einzelne Fibeln Uttendorf187. Ein Vergleich der Abbildungen der oberitalischen
genannt werden, deren Heimatgebiete bereits umrissen wurden, Ausgangsformen188 mit diesen und jenen aus Hallstatt, legt ihre
die relativ wenige Stücke umfassen und die durch die Neufunde jeweilige Herstellung vor Ort nahe.Erstaunlicherweise sind sie aus
bereichert werden oder Verkehrswege deutlicher machen. Bischofshofen nicht überliefert.Umgekehrt ist Bischofshofen mit
Aus einer Nachbestattung mit Wagen aus Demmelsdorf, Uttendorf durch die zweischleifigen Bogenfibeln mit gesattel­-
Lkr. Bamberg ist eine Paukenfibel P 2, Form B178 überliefert179. tem Bügel verbunden, die – bis jetzt – in Hallstatt fehlen189.
Ihre Beschränkung auf die Oberpfalz und Oberfranken wird Der Neufund einer einzelnen Kahnfibel mit Querleiste190
dadurch bestätigt. (wohl ohne ausgeprägte Knöpfe, mit reparierter Spirale) aus
Unweit der Heuneburg wurde eine mit Goldblech über- Enzersfeld,VB Korneuburg stellt eine weitere Form A der Fi-
zogene Paukenfibel P 1 aus einem weitgehend verebneten belfamilie dar191. Er zeigt den Weg entlang der Donau zum
Hügel als Lesefund geborgen. Sie gehörte wohl einem zwei- östlichen Verbreitungsgebiet und in die Slowakei an.
bis vierjährigen Mädchen. Zwei völlig singuläre Goldblechan- Das Weiterleben der Vierpassspiralfibeln bis in die frühe
hänger mit hervorragender Filigranverzierung werden als me- Latènezeit bezeugt der kleine, lokal gefertigte Vertreter vom
diterrane Importe angesprochen180. Die Paukenfibel besticht Dürrnberg, Grab 4. Er wurde zusammen mit einem ostalpinen
durch den vollständigen Überzug mit Goldblech, der durch Tierkopffibelpaar in einer geschlechtlich nicht eindeutigen
punzierte Buckel und Leisten in Zonen untergliedert ist. Es Bestattung gefunden192. Die ehemaligen Spiralen193 werden
gibt nur zwei weitere vergleichbare Exemplare, nämlich aus hier durch perlleistenverzierte Scheiben mit Gagatmittelkonus
Mössingen, Lkr. Tübingen und eines aus Seifertshofen, Lkr. ersetzt. Das Objekt hat somit keine Verbindung mehr zu den
Günzburg, die von mir als Vorlage für die hallstättischen heran- formenkundlich älteren hallstättischen Bronzen194.

172
Nikulka 1998, Taf. 75, 4 u. Taf. 108, 11. jedoch nicht in die Gräber, in denen bisher nur lokal gefertigte Stücke
173
Glunz 1997, Breitbandfibeln 65  f., 172  f.; Kniefibeln 66  ff. Form A (Blechzier, Nadelbefestigung) beobachtet wurden (Abzug der Fern-
(unverziert) 173, Form C 173 ff.; Bogenfibel 64 f. handelsverbände?).
174
Glunz 1997, 46, Taf. 7,5. 186
Glunz 1997, 126 f.
175
Stöllner 1996, Taf. 9 B 7. – Stöllner 2002, 51 f. 187
Moosleitner 1992/93, Abb. 40,5 u. Abb. 19,1.
176
Glunz 1998, 115, Abb. 70,3. 188
Eles Masi 1986, Taf. 60–64.
177
Glunz 1997, 46 f. – Stöllner 2002, 51. 189
Bischofshofen: Lippert, Stadler 2009, Taf. 22,3, Taf. 66,6 u. Taf. 120,2.
178
Glunz 1997, 122, Karte 32, Taf. 41. Uttendorf: Moosleitner 1992/93, Abb. 40,4
179
Ettel 1996, Taf. 89,9. 190
Glunz 1997, 107 ff., Karte 28.
180
Kurz, Wahl 2005, 78 ff. 191
Weitere verwandte Zweiknopfkahnfibeln ohne Mittelrippe aus der
181
Glunz 1997, 124, Taf. 42. Region: Enzersfeld Fundber. Österr. 36, 1997, 804, Abb. 481; Holla-
182
Trebsche 2008 A, 139,Taf. 56,1. brunn Fundber. Österr. 39, 2000, 610, Abb. 513; Enzersfeld Fundber.
183
Mansfeld 1973, 23 ff. Zur Paukenfibel P 1 mit Spannung Heimann, Österr. 39, 2000, 610, Abb. 508.
2007, 453 ff. 460–463. 192
Zeller 2003, 556, Abb. 31.
184
Glunz 1997, 124 ff., Taf. 42, 1–4. 193
Zur typologischen Entwicklung ausführlich Glunz 1997, 112 ff.
185
Weitere „Originale“ aus dem Westen müssen auf dem Salzberg als Vor- 194
Glunz 1997, 112–120.
lage der dort gefunden Stücke bekannt gewesen sein; sie gelangten
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 53

Exkurs II – Zur Emblematik an hallstattzeitlichen Plattennadeln des gleichnamigen Typs zeigen durch die kon-
Gewandverschlüssen zentrischen Ringe (wiederum getrieben und durch Buckel
Wie im Kapitel über die Doppelscheibenfibeln bereits an- erzeugt) die Vermischung der Elemente206.
gedeutet wurde, stellen manche Gewandverschlüsse mehr als
reine Zweckformen dar. Einige sind Träger alt überlieferter, Volute
weit verbreiterter und immer wiederkehrender Zeichen, die Während der bronze- bis hallstattzeitliche Spiralschmuck
beim Betrachter und Träger eine Botschaft, einen religiösen mannigfaltigster Art (Anhänger, Armbergen, Brillenfibeln etc.)
Inhalt oder spezifische, geistige Assoziationen hervorgerufen quasi in unendlicher Linie miteinander verbundene Spiralen
haben mögen, d.h. wir können sie als Embleme ansprechen. zeigt, wachsen die Spiralen der Doppelspiralnadeln aus dem
Obgleich die Sitte, Fibeln zu tragen, in der Masse während Inn-Salzachgebiet, Hallstatt und Wörgl aus einem zentrierten
einer frühen Phase von Hallstatt D1 aus Oberitalien nach Nor- Strang (der Nadel) von innen nach außen207. Die am Rand der
den kommt, gibt es doch auch ältere Stücke, zweischleifige singulären, sicher in Hallstatt gefertigten Falerenscheibenfibel
aus Grab 963 angenieteten Spiralen entsprechen ebenfalls die-
Bogenfibeln, Doppelscheibenfibeln, Halbmondfibeln vom Typ
sem Aufbau208. Verraten sie damit ihre Abstammung von der
Tolmin etc., unter denen Träger standardisierter Embleme zu
orientalisierenden Volute?
finden sind.
Ch. Huth machte darauf aufmerksam, dass die Volute ein in
Die hallstattzeitlichen lassen sich auf vier Symbole reduzie-
der Situlenkunst immer wiederkehrendes Element ist, das an
ren: Spiralen bzw. verdoppelte Spiralen,Voluten, konzentrische
exponierter Stelle z.B. auf der Certosa-Situla, dem Bologneser
Ringe, das Rad- bzw. Blütenmotiv und den Vogel. Bis auf die
Tintinnabulum oder auf dem Gefäß der zentralen Figur von
Volute werden diese Piktogramme seit der Bronzezeit in Mit-
Strettweg209, also stark religiös motivierten Altertümern, beob-
teleuropa tradiert, G. Kossack untersuchte sie seinerzeit durch
achtbar ist210. Es wurde daher wohl kaum als lückenfüllendes
Landschaften und über Zeiten hinweg195.
Ornament verstanden, sondern sicher mit einem bestimmten
Inhalt verbunden. Die materielle Umsetzung dieses orientali-
Doppelspirale sierenden Zeichens finden wir möglicherweise in jenen (nur)
Vergleichsweise Allgemeingut sind kleine Doppelspiralan- 20 Doppelspiralnadeln211. Sie sind überliefert aus Hallstatt212
hänger (südlich der Alpen)196, Spiralen an vereinzelten Gür- und dem Inn-Salzachraum213, in dreidimensionaler Tutulusart
telhaken197, Fingerringen, Pauken- und Doppelzierfibeln198, an wurden sie in Wörgl gefunden214. Diese Fundstellen ergeben
Antennenschwertern199 und Dolchortbändern200.Während der eine gut denkbare Verbreitungskette in Süd – Nord verlaufen-
jüngeren Eisenzeit manifestiert sich die Spirale am häufigsten der Richtung.
in Form der Brillenfibel201, darüber hinaus wird sie insbeson-
dere in Hallstatt virtuos, kreativ und neuartig202 an verschiede- Rad-Sonnensymbol
nen Halbmondfibeln eingesetzt203 – wenn auch nach letztlich Das Rad-Sonnensymbol215 finden wir in Hallstatt an Dop-
italischen Vorbildern204. Sie lebt wiederum verdoppelt in den pelscheibenfibeln (s.o.), an der singulären Vierpassfibel aus
Vierpassfibeln weiter, bis zu jenen, deren gewickelte Spirale Grab 324, in vier Gitterscheibenfibeln (Gräber 559, 577, 574,
durch konzentrische, getriebene Ringe ersetzt werden205. Hier 667) und der Paukenfibel aus Bestattung 852. Es wurde an Ge-
verschmelzen die Symbole Spirale und konzentrische Ringe. wandverschlüssen eher selten verwendet. Außerhalb Hallstatts
Auch die ausschließlich in Vadena (Pfatten) ausgegrabenen ist mir nur die große Mehrpassspiralfibel aus Riedenburg-Un-

195
Kossack, 1954. 206
Carancini 1975, Taf. 101.
196
Warneke 1999, Abb. 82 207
Die vereinzelte Doppelspiralnadel aus Bobingen wurde von außen
197
Kossack 1959, Taf. 98, 8. nach innen, also andersherum gewickelt. Kossack 1959, Taf. 58,1.
198
Z. B. Bauer, Kuhnen 1993, 239 ff., Abb. 2, 16–20. 208
Kromer 1959, Taf. 189,6.
199
Beispiel. Hallstatt Grab 288: Kromer 1959, Taf. 46,1. 209
Egg 1996, 52 f.
200
Beispiele: Este: Frey 1969, Taf.  27, 11. Hallstatt Grab  664: Kromer 210
Huth 2003, 176.
1959, Taf. 133,1. 211
Trebsche 2008, 70 f.
201
Pabst-Dörrer 2000. 212
Kromer 1959, Grab 358, Taf. 57,2; Grab 39/1872, Taf. 238,1.
202
In außergewöhnlicher Drei- (bzw. Fünfzahl) bei der Fibel aus Grab 857. 213
Liste bei Trebsche, Pollack, Gruber 2007, 71.
Glunz 1997, Taf. 15,2. 214
Sammellust. 175 Jahre Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Inns-
203
Glunz 1997, Taf. 15, 2–3 u. Taf. 16. bruck 1998, 336  f. – Die konischen Brillenspiralen der Fibeln aus
204
Glunz 1997, Taf. 15, 5 („Bologna“). Zu den seitliche Spiralen s. weiter Dedeli, Glos und Grčište sind wie alle eisenzeitlichen Brillenfibeln in
nördlich Eles Masi 1986, Nr. 397 A (zu postulierende randliche Spira- „unendlichem“ Draht miteinander verbunden. Vasič 1999, Taf.  13,
len). 177–180.
205
Glunz 1997, Taf. 40, 1–2. 215
Kossack 1954, 20 ff. – Kossack 1999, 22, 26. – Tomedi 2002, 270 f.
54 Bettina Glunz-Hüsken

tereggersberg bekannt, die jedoch auf die hallstättische zurück-


zuführen ist, und das Dreifachscheibenfibelpaar des Hortes aus
Kiełpino, Polen216. Der ideelle Gehalt des Symbols scheint am
besten in bewährter Anhängerform vermittelbar gewesen zu
sein217. Dennoch werden in Hallstatt auch drei gestielte Ring-
gehänge mit Öse218, der Prunkdolch aus Grab  696, diverse
Gürtel (Grab 67/1872), einige Breitrandschalen, der Gefäßun-
tersatz aus Grab  507 und schließlich die verzierte Schwert-
scheide aus Grab 994 (in Kombination mit italisch-ostalpinem
Mäander)219 mit diesem Sinnbild ausgezeichnet. Letztlich sind
auch die vier singulären Gitterscheibenfibeln aus Hallstatt auf
dem Radsymbol aufgebaut. Ihnen liegt das Radanhänger-
Konstruktionsschema 6 und 12 nach G. Kossack zugrunde220.
Die Spange aus Grab  577 stellt eine um einen zusätzlichen,
äußeren Ring erweiterte, einmalige Form dar. Durch das An-
bringen von Miniaturgefäßen, Ringen, Stegen und diversen
symbolischen Anhängern mutieren sie zu stark religiös mo-
tivierten Gewandschlüssen. Einfacher konstruierte Fibeln der
Inventare 37/38 –1872, 577, 816 und die zu postulierende aus
Grab  724 (nur die Nadel ist überliefert) gehören durch ihre
ähnlichen Aufsätze formenkundlich zur Gruppe der Gitterrad-
Abb. 23. Links: Ringanhänger mit figürlichem Aufsatz, ver- fibeln, obwohl sie kein Rad aufweisen.
mutl. Pherai. Rechts: Aigion (nach I. Kilian-Dirlmeier 1979,
Taf. 3,39; 42), M 2 : 3. Konzentrische Ringe und anderes
Das wohl am weitesten verbreitete und häufigste Emblem
stellen konzentrische Ringe dar. Wir finden sie sowohl auf
Keramik als auch auf Bronzen. Ihre zahlreichen Träger kön-
nen hier nicht weiter aufgezählt werden. Sie kommen ein-
zeln (Kreisaugenpunzen), verdoppelt und in vierfacher Form
vor. Früheste Belege an Fibeln findet man an Doppelschei-
benfibeln (s.o.). Ihre Ringe entstehen noch durch getriebene
Punkteinstiche, während der Späthallstattzeit werden sie durch
Linien auf Scheiben graviert (Doppelzierfibel Grab  5/1939)
oder getrieben (Paukenfibel Hallstatt 913; Doppelpaukenfibel
Brandopferplatz Piller Höhe), durch getreppte Pauken sozu-
sagen dreidimensional erzeugt (Spitzpaukenfibeln)221, oder gar
vervielfacht, in dem Ringe durch Kreisaugen gebildet werden
(Hallstatt Paukenfibeln Gräber 33, 474), d.h. es ändert sich nur
die Technik der Ausführung, das Zeichen bleibt unverändert.
Die Liste lässt sich fortschreiben mit den Krempen der Halb-
mondfibeln mit Vogelprotomen, Tutulusfibeln, frühlatène-
zeitlichen Scheibenfibeln etc. Schließlich stellen auch jene

216
Gedl 2004, Taf. 49. – Kompletter Hort: Pare 1992, 189.
217
Warneke 1999, 140 ff. In Hallstatt nur drei Radanhänger in den Grä-
bern 132, 827, 841.
218
Gräber 121 mit regelrechter „Achse“, 507, 669.
219
Zur Deutung des Bildes auf der Scheide in Bezug auf des Situlenfest
Huth 2003, 206 mit Anm. 470.
220
Kossack 1954, Taf. 16, 6, 12. – Wels-Weyrauch, 1991, Taf. 16, Spei-
Abb. 24. Ringgehänge Hallstatt 495, Ringgehänge (nach chenschema E.
Kromer 1959, Taf. 90,4), M 1 : 1.  221
Hoppe 1986, z.B. Taf. 10,2, Taf. 15,12 u. Taf. 55,1.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 55

Abb. 25. Trinkhornaufsatz Kappel am Rhein


(nach Dehn, Egg, Lehnert 2005, 195, Abb. 86,1), M 1 : 2.

Abb. 26. Gitterscheibenfibel Hallstatt 577


(nach Hodson 1990, Pl. 44,8), M 2 : 5.

einfachen Ringgehänge222 aus Hallstatt, die aus passgenauen


Ringen zusammengesetzt sind, die Umsetzung des Bildes in
Großformat dar (Gräber  180, 393, 569, 788, 836, 870). Ihre
Wirkung wurde durch Tierplastiken noch unterstützt. Sehr
gute Vorlagen für diese liefern einfache Ringanhänger mit an- In Grab 505 finden wir einen goldenen Dreipass. Durch-
tithetisch angeordneten Vögeln (ohne konzentrische Ringe), lochte Dreipässe sind vom griechischen Festland überliefert225,
die wir aus Griechenland kennen223, was uns erneut den Hin- aber auch aus Slowenien, Oberitalien (als Kettenanhänger) und
weis auf (vielleicht engere) mediterrane Kontakte Hallstatts Ostfrankreich226. Dreifußgefäßen kommt eine besondere Rolle
gibt (Abb. 23, 24). im Grabbrauch und im griechischen Haushalt (Badekessel) zu.
Unmittelbarer lassen sich einfache Ringgehänge mit lose B. Wagner-Hasel bezeichnet sie als „das Signum der griechi-
eingehängten Ringen jedoch in Italien finden, wo sie an Fi- schen Kultur“ 227. In den homerischen Epen wird der Dreifuß
beln auf der Brust oder auf dem Unterleib von Frauen in La- als Siegespreis, Weihegabe und Gastgeschenk beschrieben. Der
tium beobachtet wurden. Der jüngste Ringtyp der dortigen goldene Dreipass aus Bestattung 505 mag zusammen mit der
Entwicklungsreihe mit gegenständigen Dreiecksschraffuren griechisch-unteritalischen, ebenfalls goldenen Plattenfibel228
und Kreisaugenpunzen findet im Hochtal gefertigte Paralle- nach Hallstatt gelangt sein. Bis auf die Ohrringe229, wahr-
len in den Hallstätter Inventaren 46, 277, 449, 495224. Dagegen scheinlich ebenfalls mediterrane Importe, zeugen alle anderen
scheinen die gestielten Gehänge, z.T. mit Radsymbolen, tat- Objekte des überreichen Frauengrabes von einheimischem
sächlich eine hallstättische Spezialität zu sein. Ursprung. Die Rolle der Zahl Drei in den Beigaben mittel-
Ob mit ihnen die Vorstellung des ewigen Kreislaufes, der europäischer Bestattungen ist darüber hinaus generell bislang
Wiederkehr oder der Unendlichkeit verbunden wurde, bleibt noch wenig erforscht.
uns verschlossen, (ihre Auslegung vielleicht damals und heute In den geschilderten Ringkontext gehören auch einfache,
jedem selbst überlassen). kleinere, meist mitgegossene Ringe. Wir sehen sie in Hallstatt

222
Egg 1988/89. 226
Warneke 1999, 86 ff.
223
Kilian-Dirlmeier 1979, 13–15; Taf. 3, 39, 42, 43. 227
Wagner-Hasel 2000, 310 f.
224
Zu den ital. Gehängen: Iaia 2007, 519–531. 228
Glunz 1994.
225
Kilian 1975, 24–28. 229
S. hierzu Schönfelder 1998, 413.
56 Bettina Glunz-Hüsken

erneut an einigen Radscheibenfibeln (Gräber  557, 559, 574,


667), gestielten Ringgehängen (Gräber  106, 132, 467, 507,
521, 569)230 und an drei Dolchen (559, 577231, 682 Abb. 27)232
Ihre Lochung liegt – im Gegensatz zu den Ringen, die Ket-
Abb. 27. Dolch Hall-
ten mit Klapperwerk tragen – mit dem Objektkörper auf ei-
statt 557 (nach Hodson
ner Ebene. Befestigungsringe für Kettchen sind dagegen stets
1990, Pl. 41,7), M 2 : 5.
senkrecht zum Träger orientiert. Auf den Kontakt zwischen
Hallstatt und dem Fürsten von Kappel am Rhein wurde ein-
gangs schon hingewiesen. Es gibt jedoch noch einen weiteren
Anhaltspunkt, der eine Verbindung zwischen beiden herstellt,
nämlich den Aufsatz des Trinkhorns, ein den Radgitterfibeln
verwandtes Werk mit besagten Ringlein.
Nördlich der Alpen und in Hallstatt kennen wir also eine
ganze Reihe solcher Gitterwerke unterschiedlichster Funkti-
on233, sie beschränken sich nicht auf reiche Inventare (s.o.).
Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass die nördlichen Bronzen
von den hallstättischen Radgitterfibeln abstammen, also jeweils
lokal, nach persönlichem Bedürfnis und Gebrauchswunsch
produziert wurden. Die zugrunde liegende Gestaltungsidee
(Rad-Rahmenwerk), die sich in den verschiedenen Bronzen
Abb. 28. Dolch Hall- manifestiert (Fibeln, Gürtelhaken, Trinkhornaufsätze), ist letz-
statt 682 (nach Kro- ten Endes jedoch in Hallstatt zu suchen; sie wurde mit der
mer 1959, Taf. 129,1), Verteilung des Salzes verbreitet.
M 1 : 2. Auf einigen Gitterradfibeln sind Miniaturgefäße ange-
bracht234. Wir beobachten sie nochmals an einem singulären
Gürtelgehänge aus Grab 669, am gestielten Ringgehänge mit
Öse aus Bestattung 669, an der Halbmondfibel aus Grab 505
und auf dem Dolch aus Grab  557 (Abb.  27). Zwei Huftiere
trinken aus dem Behälter auf der Fibel (ein Motiv, das sich
an der Blechschale aus Grab 507 und evtl. an der Beckentasse
aus Inventar 671 wiederholt). Das mittlere der drei Gefäße des
Dolches aus 557 steht an neuralgischer Stelle, nämlich dort,
wo sich sonst der Kopf des Adoranten235 befindet. Bezeich-
nenderweise wurden bei einigen Adorantendolchgriffen die
Köpfe entfernt; ihr Fehlen mag mit der absichtlichen, religiös-
motivierten Veränderung der persönlichen Gegenstände des
Verstorbenen nach seinem Tod in Beziehung stehen236.

230
Ein eiserner mutmaßlicher Stabringaufsatz aus Staffelstein-Stadel, Lkr.
Lichtenfels: Bayer. Vorgeschichtsbl. Beiheft 8, 1995, 121, Abb. 92,2.
Abb. 29. Gefäß­- 231
Irrige Grabnummer bei Dehn, Egg, Lehnert 2005, Abb. 9,3.
trä­gerin Hochdorf 232
Weitere Ringe: An Bronzedolchen und Dolchmessern mit entwickel-
(nach Kossack 1999, ter Knauf- u. Scheidengestaltung Var. Aichach: Sievers 1982, 177–179,
128), M 1 : 4. evtl. 184. Dreischeibenfibel aus Kiełpino: Gedl 2004, Taf. 49.
233
Fibeln, Trinkhornbesatz, Gürtelhaken (letzterer Abels 1991–92, 114,5
oder Glunz 1997, Abb. 34).
234
Gräber  574, 577, 667 und 724 (klass. Kegelhalsgefäß), vermutl. auch
559.
235
Zu den Adoranten s. auch Tomedi 2002 A, 1223. – Huth 2003,
287 ff.
236
Gräber  90/1873, 322, 559, 577 (Beschädigung des „Kopfes“), 587–
588, 682, 766 (fraglich), 873 und 936.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 57

Die Miniaturgefäße könnten von Hydrophoren entlehnt


sein, deren herausragendste Vertreter wir sowohl am Wa-
gen von Strettweg237, als auch an den Füßen der Hochdor-
fer Kline begegnen (Abb. 29)238. M. Egg befasste sich zuletzt
ausführlicher mit der Verbreitung und Herkunft der Hydro-
phoren. Er konnte sie über den Ostalpenraum, Italien und
Griechenland bis nach Zypern verfolgen. Aus Hallstatt ken-
nen wir sie in Reinform nicht; nächste kommen aus Frög
und Gemeinlebarn239. Falls die hallstättischen tatsächlich von
den Hydrophoren abstammten, wurden sie im Hochtal von
ihrer Trägerin separiert, dadurch verkürzt dargestellt und erst-
mals an/mit Objekten verschiedenster Bestimmung kom-
biniert, also neuartige, mit religiösem Inhalt versehene, per-
sönliche Trachtgegenstände geschaffen. Gleichfalls stellt der
Dolchgriff aus Grab  557 keine Hydrophore dar, weil eben
der Kopf fehlt, der Griff eine schematisierte Figur darstellt
und schließlich das Größenverhältnis der Arme und des Ge-
fäßes nicht zueinander passt. Vermutlich symbolisieren die-
se kleinen Behälter – pars pro-Toto – die Trankspende240.
Ob der Brauch, verkleinerte Embleme (bes. Tiere) auf Fi- Abb. 30: Halbmondfibel Hallstatt 606 (nach Hodson 1990,
beln, Bronzegeschirr etc. anzubringen, gleichsam als Poten- Taf. 47,1), M 2 : 5.
zierung ihrer eigenen und der Wirkkraft ihres Trägers, nicht
ebenfalls außerhalb Italiens wurzelt, bleibt noch zu untersu-
chen241. Fibeln mit kleinfigurigem Vogelbesatz aus Griechen-
land sind erwartungsgemäß bekannt242.
Insbesondere an den Halbmondfibeln mit Vogelprotomen
sind stets trianguläre Klapperbleche243 mit Punktdekor be-
festigt. Ich möchte hier anregen, in ihnen Webutensilien zu
sehen, nämlich Webstuhlgewichte244.Wurden nicht dreidimen- Abb. 31. Webgewicht Rifnik (nach Teržan 1996, 510,
sionale, reale Webgewichte (Abb.  31) zu zweidimensionalen Abb. 3,2), ohne M.
Symbolen umgeformt (z.B. an Halbmondfibeln Abb.  30), als
verkürztes und verkleinertes Sinnbild für das Weben, für die schalen wären dann ebenfalls nicht nur als geräuschverur-
Herstellung bindender Tuche durch ausgezeichnete Frauen sachendes Beiwerk zu werten, sondern als Sinnbild für den
oder gar Priesterinnen? Könnten daher nicht die Tremolier- weiblichen Anteil245 neben der dinglichen Schmiedearbeit, der
stichlinien zwischen den Kreisaugen gespannte Fäden (mit religiösen Funktion der Schalen und eben als Erinnerung an
Darstellung der Drehrichtung) darstellen? Tuche/Bindung herstellende Frauen. Die Tragweite des wahr-
Die Beschränkung der Fibelgattung auf Frauengräber un- scheinlich dargestellten hierogamischen Aspekts kann an die-
terstützte meine These der Deutung von Klapperblechen als ser Stelle nicht weiter verfolgt werden. Die Breitrandschalen
Webgewichte (die an Fäden hängen = Ketten). In diesen Ver- jedenfalls ragen auch deswegen aus der Menge der „Nutz-
schlüssen kulminierten also die Codes Vogelbarke, Kreisaugen Bronzegefäße“ (Eimer, Siebe, Henkelschalen) heraus, weil sie
und das Zeichen für Weben. Trianguläre Bleche an Breitrand- vergleichsweise häufig Träger anderer Embleme sind (Roset-

237
Huth 2003, 258. Hinweis auf die Hierogamie im Jenseits, ein interessanter Aspekt, unter
238
Biel 1985, 79 ff., Abb. 112–114. dem viele herausgehobene Inventare der Untersuchung harren. Für
239
Egg 1996, 36–43. Ober- und Mittelitalien: Putz 2007, 96 f., 108 f. Frauengräber in Süd-
240
S. hierzu auch Kull 1997, 339 ff. westdeutschland: Bräuning 2009.
241
S. hierzu Kossack 1998, 80 ff. – Kossack 1999, 22–28. 246
Zur Verbreitung der Schüsseln mit Vogelzier Egg 1996, 129.
242
Sapouna-Sakellarakis 1978, Taf. 39. 247
Zu diesem Ergebnis kommt auch Brosseder 2004, 321  ff. Zu den
243
Warneke 1999, 90 ff. Punzen der Vogelstempel auf Breitrandschalen Hallstatts Reim 1998,
244
Gute Entsprechungen: Teržan 1996, Abb. 3, 2–3. bes. 488 f.
245
Huth 2003, 258: Doppelbestattungen von Mann und Frau bzw. mei-
stens reiche Männergräber mit weiblichen Beigaben sieht Huth als
58 Bettina Glunz-Hüsken

Abb. 32. Rekonstruierte
Perlengehänge Hallstatt
Gräber 136 + 676 (nach
Kromer 1959, Taf. 19,17;
165,5), ohne M.

Abb. 33. Perlengehänge Este (nach Chieco Bianchi, Calza-


vara Capuis 1985, 91 Fig. 9), ohne M.

Abb. 34. Gehänge Frög (nach Tomedi 2002, Taf. 78,6), M 1 : 2.

ten, Kreisaugen,Vögel246, Rad, Sonne)247. Sie mögen daher eine


spezifische, religiöse Bedeutung innerhalb des Metallgeschirrs
gehabt haben. M. Egg sieht in ihnen eine eigenständige hall-
stättische Entwicklung, ohne urnenfelderzeitliche oder medi-
terrane Vorläufer248.

248
Egg 1996, 133. – Dehn, Egg, Lehnert 2005, allg. 181.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 59

Abb. 35. Penelope am Webstuhl.


Rotfiguriger Skyphos des Penelope-
Malers. Chiusi 1831 (nach Wagner-
Hasel 2000, 216, Abb. 8), ohne M.

Den Bezug zum Weben stellen in Hallstatt in verkürzter


Form auch die Kolliers aus Bernsteinperlen her (von de-
nen wir leider nicht wissen, wo sie befestigt waren; jeden-
falls scheint ihr „Lebensfaden abgeschnitten“), bei denen die
Perlen die Fäden bzw. das bereits Gesponnene darstellen, die
Perlenschieber wären dann entsprechend die Trenn- bzw. Lit-
zenstäbe (Abb. 32)249. Vergleichbares kennt man von italischen
Fibelgehängen250, bei denen die Analogie zum Webstuhl (z.T.
in Kombination mit antithetisch angeordneten Vogelköpfen an
den Litzenstäben, die übrigens detailgenau mit dem Webstuhl
auf der Soproner Urne Grab  128 übereinstimmen!) eindeu-
tig ist (Abb.  33)251. In diesem Kontext finden auch die bei-
den Zierbleche aus Frög Tumulus 168 Grab  1252 und deren
Verwandten253 eine Interpretation. Bei den Fröger Stücken ist
augenfällig, dass hier Webstühle gemeint sind. Das rechteckig
verzierte Blech, an dem die „Fäden mit Webgewichten“ hän-
gen, zeigt einmalig das bereits Gewebte in stilisierter Form
(Abb.  34,35)254, was der Vergleich mit einem griechischen

249
Aus 10 Gräbern Perlenschieber; z.T. regelrecht verwebte Perlengehänge
mit Schiebern in den Hallstätter Inventaren 118 (zusammen mit einer
nicht mehr vorhandenen Fibel, beides gefunden „an Hals und Brust“),
121 („Bernsteinkoralen von verschiedenster Form und Gröhse,
in Schnur gefahst  …“), 136 („Bernstein Collier mit Beintheilen als
Schlühse, …  verschieden geformte Bernsteinkoralen in Schnur ge-
fahst …), 234, 676. Jüngste Zusammenstellung der wohl meistens re-
konstruierten Kolliers und Schieber bei Tomedi 2002, 201–203.
250
Diesen Hinweis verdanke ich Ch. Huth.
251
Z. B. Chieco Bianchi, Calzavara Capuis 1985, 91, Fig. 9. ������ Zusam-
menstellung italischer und circumalpiner Stücke bei Krausse 1996,
238–242.
252
Tomedi 2002, 200 f., Taf. 78.
253
Tomedi 2002, 201. Weitere aus Montegiorgio: Ettel, Naso 2006,
Taf. 7,1, Taf. 13 u. Taf. 49. Evtl. auch Hallstätter Gräber 836 und 874
(874 Gürtelkontext belegt) .
254
Die überkreuzten Zickzacklinien (Fäden?) auf der Mitte des Bleches
Abb. 36. Rekonstruiertes Trinkhorngehänge Kappel (nach wiederholen sich an den Halbmondfibeln mit Vogelprotomen (Tremo-
Krausse 1996, Abb. 55), ohne M. lierstich).
60 Bettina Glunz-Hüsken

Webstuhl, z.B. dargestellt auf einem rotfigurigen Skyphos, gut zeigen auch die Leistung der kooperierend webenden Frau-
verdeutlicht255. Es spricht für sich, dass sie in einem sehr reich en260. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint auch die ein-
ausgestatteten Frauengrab gefunden wurden. drucksvolle Inszenierung des Hochdorfer Fürsten in einem
Auch die verdoppelten (!) Knochenperlengehänge am neuen Licht261.
Hochdorfer Trinkhorn256 (Abb. 36) lassen optisch die Homo- Dem steht nicht entgegen, dass die Stoffe dem Zweck des Ab­-
logie mit einem Webstuhl zu. Sie mögen daher durchaus in deckens und Abschließens dienten. Wieder mögen die völlig
obigem Sinn gedeutet werden. Typologisch interessant sind bedeckten Beigaben des Hochdorfer Fürsten ein sinnfälliges
dort die feinen, quergerillten Röhren, die die sonst üblichen Beispiel dafür sein262. Durch das Verpacken in Stoff heiliger
einzelnen Perlen imitieren (vgl. Abb.  34)257. Ihr Vorkommen Waffen wie Schwerter, Dolche, Lanzen263 oder Bronzegefäße
in einem sehr reichen Männergrab ließe sich im Sinne Ch. (s. Hochdorf) mag analog die Verhüllung, der Abschluss vom
Huths als überregional beobachtbarer, hierogamischer, weibli- Leben „im Kleinen“, also am persönlichen, bereits zu Lebzei-
cher Anteil deuten258. ten zwar durchaus benutzten, jedoch symbolträchtigen Ein-
Eine Ansprache als stilisierte Webstühle lassen daher auch zelobjekt gesehen werden. Der Nachweis der Bedeckung von
die Halbmondfibeln mit Vogelprotomen zu, da die wesentli- Leichen mit Tuchen oder das Einschlagen des Leichenbrandes
chen Bestandteile, nämlich verziertes Blech (Kreisaugen und in Gewebe264 ist z.B. in Hallstatt auf Grund der Bodenverhält-
Tremolierstich  =  Fäden), Vogelprotomen und Klapperbleche nisse und Dichte der Gräber sehr schwierig und könnte nur
gegeben sind. indirekt, durch die auffällige Lage der körpernahen Beigaben
Mit der Bedeutung der Herstellung von Stoffen in Grie- (z.B. Fibeln außerhalb des Körpers) gelingen. Eine Abgren-
chenland befasste sich ausführlich B. Wagner-Hasel259. Es sind zung zu gemeinhin mit „Verlagerung/Störung“ umschrie-
im griechischen Epos immer Göttinnen oder ranghohe Frau- benen Befunden oder zu geschneiderter Kleidung des Toten,
en, denen die Fertigung (gemusterter) Kleidung zukommt. wäre ebenfalls zu beachten.
Webarbeit wird in der häuslichen Gemeinschaft ausgeführt, sie In diesem Zusammenhang ist die geringe Menge an Spinn-
wirkt sowohl bindend innerhalb der Frauen als auch bindend wirteln oder Geräten, die mit Weben in Verbindung stehen
nach außen, da nämlich Tücher – neben dem Vorgang des Wa- in Hallstatt auffällig (s. Exkurs III) und scheint auf den ersten
schens und Salbens – als Gastgeschenke dienen. Der Gast wird Blick die These, der Webgewichte  =  Klapperbleche nicht zu
damit nicht nur materiell neu eingekleidet, er erhält darüber stützen. Differenziert man jedoch zwischen dem Symbol für
hinaus mit diesen Gesten eine neue Identität. Er ist somit nicht das Weben (für die gesellschaftlich und wirtschaftliche Kraft,
mehr fremd, sondern zugehörig. Eine Bindung wird durch ein Stoffe anfertigen zu lassen), also den triangulären Blechen, das
Ritual hergestellt. Die Fertigung von Tuchen ist soviel wert dann nur reicher ausgestatteten Gräbern zukommt und den
wie die Arbeit des Schmiedes; ihre farbige und gemusterte Art tatsächlichen Spinnerinnen, nämlich jenen mit Wirteln, deu-
kann mit der Einlegearbeit an Metallobjekten verglichen wer- tete das darauf hin, dass die Hersteller der hallstättischen Stoffe
den. nicht im Hochtal begraben wurden. Hat man also Tuche an
Stoffen kommt auch im literarisch geschilderten griechi- anderer Stelle herstellen lassen? Die große Anzahl von Wirteln
schen Totenbrauchtum eine spezifische Rolle zu. Der Verlust und anderen Webutensilien im Friedhof von Bischofshofen
der Ausstrahlungskraft des Toten wird durch Waschen, Salben verleitet geradezu, an Textillieferungen von dort zu denken
und Einkleiden bzw. Einhüllen in gemusterte Tücher quasi (s.u.).
wieder rückgängig gemacht. Sie fördern den Nachruhm des An dieser Stelle können nur einige, jedoch neue Aspekte, die
Toten, in dem ihre kunstvollen Muster in hell-dunkler Schach- mit Textilien in Zusammenhang stehen, angesprochen werden.
brettmanier beim Betrachter im Gedächtnis bleiben. Sie wer- Inwieweit sich weitere, bisher unerkannte Analogien in den
den somit zu „unsterblichen Kleidern“. Tuche kennzeichnen metallenen und keramischen Beigaben spiegeln (z.B. Textilien
darüber hinaus nicht (nur) den individuellen Toten, sondern als Vorlage für Keramikzier265) soll an anderer Stelle untersucht

255
Weitere vergleichbare griechische Webstuhlbilder bei Eibner 2005, 260
Wagner-Hasel 2000, 159 ff.
31 ff., Abb. 2. 261
Jung 2006, 71 ff., 205 f.
256
Zum Gehänge, seiner Rekonstruktion und Parallelen zu seinen Be- 262
Banck-Burgess 1999, 27, Abb. 4 u. farbige Beilage 2.
standteilen Krausse 1996, 73–76, Abb. 55, 238–242. 263
Die Abgrenzung zur Kleidung des Toten, die an den Waffen haften
257
Krausse 1996, 238. kann, erschwert die eindeutige Interpretation.
258
Krausse 1996, 242: „Wahrscheinlich verliehen die Gehänge…dem 264
Banck-Burgess 1999, 20  f. – Putz 2007, 86  f. – Lippert, Stadler
großen Eisentrinkhorn mit den Rinderköpfen eine spezifische Qua- 2009, 425 ff.
lität, die wir archäologisch jedoch zur Zeit noch nicht genauer ‚ent- 265
Brosseder 2004, 335.
schlüsseln‘ können.“
259
Wagner-Hasel 2000, bes. 141, 311 ff. – S. hierzu auch Eibner 1986,
41–47.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 61

werden. Sicher scheint mir, dass Stoffen – und allem was in


ihrem Kontext steht – ein weitaus größeres Gewicht im Toten-
brauchtum zukommt, als bislang angenommen. Es erschöpft
sich keinesfalls in der Feststellung der Gewebeart oder dem
Spinnrichtungsmuster (Drehrichtung der Fäden). Vor allem in
der benötigten gemeinschaftlichen Arbeitszeit zu ihrer Herstel-
lung (einschließlich der Färbung), ihrem zeichenhaften Orna­
mentschatz und ihrem religiös-kosmologischem, verbinden-
den Charakter liegen die Gründe für ihre enorme Bedeutung.

Vogel
Schließlich wäre noch der Vogel aufzuführen. Er steht eben-
falls in einheimischer, bronzezeitlicher Tradition266 und kommt
in Hallstatt in verschiedenen Darstellungstypen, erneut sowohl Abb. 37. Hörnchenfibel Fließ (nach W. Sydow 1995, Taf. 26,
plastisch als auch zweidimensional (Punze, zur schnellen Ver- 250), M 2 : 3.
vielfältigung auf Gefäßen und Gürtelblechen) vor267. U. Bros-
seder stellte fest, dass Wasservögel im Hochtal ausschließlich
auf Breitrandschalen vorkommen, nicht jedoch auf ande-
ren Metallgefäßen268. Als Plastik erscheint er an bestimmten
Halbmondfibeln (s.o.), einer Bogenrahmenfibel (127/1876), Abb. 38. Aufsteckvogel Verucchio (nach
italisch gereiht am Gefäßuntersatz aus Inventar 507 und am Gentili 2003, Taf. 151, 50), M 1 : 3.
Dolchgriff aus Grab 116 verdoppelt (Vogelköpfe); das einan-
der zugewandte Vogelkopfpaar steht umschließend über den
beiden Menschen. Es wird auch mit diesem Objekt letztlich
Bezug genommen zur Barke, einer Darstellung von Vogel und
Schiff. Bronzezeitliche Bilder Griechenlands schließlich zei- Auch für die Schlangenfibelform S 6 mit zwei geschlosse-
gen Vögel als von Gott gesandte Wegweiser oder Boten, die nen Ringen (Abb. 39) gibt es in Italien Vorbilder bzw. Ana-
gefährdete Seefahrer sicher nach Hause geleiten sollten. Hier logien, nämlich die Vogelbarkenknebel vom Typ Tarquinia274.
wird auch die Verbindung mit der göttlichen Sphäre deutlich,
weil Vögel als Gesandte der Überirdischen gelten (mantische
Bedeutung)269. Die Gestaltung des Dolchgriffes aus Hallstatt
Grab 116 muss einerseits als reduzierte Darstellung verstanden Abb. 39. Dragofibel
werden, weil die Barke ja gar nicht (mehr) gezeigt wird, an- Hallstatt 680 (nach
dererseits nimmt der verdoppelte Mensch die Stelle der sonst Glunz 1997, Taf. 4,3),
üblichen Sonne270, bzw. des Wagens (urnenfelderzeitliche Kes- M 1 : 2.
selwagen) ein. Dies stellt eine erhebliche Weiterentwicklung
z.B. der Halbmondfibeln mit Vogelprotomen dar, bei der der
Mensch eben fehlt271. Dennoch sind sowohl der Dolch als auch
die Fibeln Grabbeigaben, d.h. in beiden Fällen wird der Be- Abb. 40. Vogelbarken-
stattete durch die Vögel mit dem Numinosen in Verbindung knebel Veji, Grotta
gebracht und damit seine Unsterblichkeit „hergestellt“. Gramiccia Grab 574
Auch die Dragofibeln stellen mit ihrer Bügelwindung letzt- (nach Hase 1969, Taf. 2,
lich einen Vogel dar272, wie kleine Aufsteckvögelchen mit der 20 b; 21 b), M 1 : 3.
gleichen Schlaufe (Windung) z.B. aus Verucchio eindringlich
belegen273.

266
Kossack 1954, 45 ff. – Kossack 1999, 26. – Tomedi 2002, 269 ff. mit 271
Zur Darstellung des Menschen in vorgeschichtlichen Bildern Huth
weiteren Literaturangaben. 2003, 289–294.
267
Zusammenstellung der Formen immer noch Kossack 1954, 50. 272
Frdl. Hinweis Ch. Huth.
268
Brosseder 2004, 322. 273
Gentili 2003, Taf. 151, 50. Zu diesem wichtigen Fundkomplex s. auch
269
Lenz 1995. – Kossack 1998, 80 ff. – Huth 2003, 150. Dehn, Egg, Lehnert 2005, 248 (Mittlerrolle Verucchios zwischen
270
Zur Verdrängung der Sonne durch den Menschen in Kultbildern Un- Etrurien und dem Südostalpenraum).
teritaliens Kossack 1999, 26. 274
Hase 1969, Taf. 2, 20 b u. Taf. 21 b. – Putz 2007, Taf. 23,2 u. Taf. 33,2.
62 Bettina Glunz-Hüsken

Hörnchen- und Schlangenfibeln sind bekanntermaßen ita- hofen wurden eine Zeitlang gleichzeitig belegt (Ha B3/Ha C
lischen Ursprungs, sie werden von den nördlichen Anrainern an – LT A) und obgleich ihre Entstehungsvoraussetzung zwar
der Wende vom 7. zum 6. Jh. übernommen. Das Bild des Vogels (durch den Bergbau) ähnlich gelagert ist, ist ihre geographi-
verschleift an manchen Dragofibeln (insbesondere an Hörn- sche Lage nicht unterschiedlicher vorstellbar. Dennoch sei hier
chenfibeln mit beweglichen Rosetten) und es ist zu fragen,ob ihre ein kleiner, quasi nachbarschaftlicher, ausschnitthafter und for-
Betrachter und Träger noch den Vogel in der Fibel sahen. menkundlicher Vergleich der Beigaben, insbesondere der Fi-
Auch die eingerollten Enden mancher Henkel an Situlen beln, gestattet, der die Eigenart jedes Friedhofes, ihre Gemein-
aus Hallstatt stellen bekanntermaßen Vogelköpfe dar (Inventare samkeiten, Unterschiede und Kontakte charakterisieren kann.
217, 253, 263, 307, 496, 501, 668, 696, 697). Bischofshofen liegt an verkehrsgünstiger, ebener Stelle,
Abschließend kann festgehalten werden, dass die Anzahl der salzachaufwärts erreicht man Hallstatt über den Paß Gschütt
Grabbeigaben mit einschlägigen religiösen Emblemen in Hall- oder das Lammertal relativ mühelos. Jeweils ca. 60 km Luftlinie
statt im Vergleich mit benachbarten Friedhöfen (Bischofshofen, beträgt die Distanz von Bischofshofen nach Hallstatt einerseits
Inn-Salzach-Gebiet, Südbayern) auffällig hoch ist. Es werden und nach Uttendorf andererseits. Der Südostalpenraum und
sowohl alt überlieferte, einheimische Piktogramme der Bron- Venetien waren über den Plöckenpass, Este auch über das Inn-
ze- und Urnenfelderzeit, als auch orientalisierende Elemente tal (Drehscheibe Wörgl) erreichbar. Das Hallstätter Gräberfeld
benutzt und fallweise in neuartiger Weise umgesetzt, d.h. der dagegen liegt bekanntermaßen quasi eingebettet und schwer
in vorgeschichtlichen Gesellschaften übliche regulierte und re- zugänglich in einem engen Hochtal auf ca. 800 m Seehöhe.
gelhafte Umgang mit Symbolen wird in den betroffenen, meis­- Auch die Anzahl der Gräber ist nicht vergleichbar: Es stehen
tens reichen Gräbern, nicht mehr in ursprünglicher Form ge- über den gleichen Zeitraum aus Bischofshofen 556 Brandgrä-
pflegt. Die Zeichen scheinen nicht an bestimmte Objektträger ber ca. 5000–6000 Körper- und Brandgräbern277 gegenüber
gebunden gewesen zu sein, sie waren frei kombinierbar. Den- (eingeschränkt auswertbar sind jedoch nur jene ca. 1100 Grä-
noch fällt auf, dass sie sich in Hallstatt auf wenige Bronzen ber, die durch v.a. K. Kromer u.a. publiziert wurden). Sie ver-
reduzieren: Gewisse Fibeln (Halbmond- und Radscheibenfi- teilen sich auf die Stufen Hallstatt B3/C, C, D bis La Tène A,
beln mit ihren Anhängern, Dragofibeln), Gehänge (Ring- und wobei in beiden Nekropolen der Belegungsschwerpunkt in
Perlengehänge), manche Schwerter, die Dolche vom Typ Hall- Hallstatt C – D1 fällt278, die Anzahl der Gräber während Hall-
statt, Bronzegeschirr, Gürtelbleche und Zierbeile. Gleichzeitig statt D2 und D3 in beiden Friedhöfen stark nachlässt, bzw. in
werden sie z.T. mit Emblemen überhäuft; ihr geistiger Inhalt Bischofshofen, gemessen an Fibeln oder anderen chronologisch
wird uns nicht immer klar. empfindlichen Objekten, fast auszufallen scheint. Frühlatène-
Der so beschriebene religiöse Aspekt, der sich in Amuletten, A-zeitliche Gewandspangen sind an beiden Orten (wieder)
aber auch anderen Gegenständen manifestiert, und sie damit vertreten279, wenn auch nicht mit vergleichbaren Repräsentan-
aus dem Kreis der Gebrauchsgegenstände heraushebt, erscheint ten (in Bischofshofen keine ostalpinen Tierkopffibeln) und in
in Hallstatt besonders ausgeprägt. Dies könnte nicht nur auf re- vergleichbarer Anzahl. Als jüngste gilt eine Latène-B zeitliche
ligiöse Vorstellungen und das Totenbrauchtum zurückzuführen Fibel in Bischofshofen Grab 12, eine Zeit also, die in Hallstatt
sein, sondern auch mit der geographischen Lage im Hochtal vermutlich nicht mehr erreicht wird.
(z.B. Bitte um Schutz vor Muren, Steinschlag, Blitz, Hagel) und Betrachtet man das Fibelspektrum beider Friedhöfe, so fin-
dem Salzabbau in Zusammenhang stehen. Schließlich drang den sich folgende gemeinsame Typen: Brillenfibeln, Bogen-
man durch die Gewinnung des Salzes in den Bereich der chto- fibeln (möglicherweise ein-, gesichert jedoch zweischleifige
nischen Mächte ein und musste demzufolge wohl auch für Bogenfibeln, alpine Zweiknopf- und Halbmondfibeln), San-
ihre Gewogenheit im Jenseits Sorge tragen. guisugafibeln (Drahtbügel mit Knochenbesatz), Kahnfibeln
(mit winkelbandverziertem Bügel, Segelbügel) und schließlich
Exkurs III – Die Gräberfelder Hallstatt und Schlangenfibeln.
Bischofshofen – (k)ein Vergleich? Die größten Übereinstimmungen zeigen sich im Spektrum
Seit langem stellte die Publikation des Gräberfeldes von Bi- der zweischleifigen Bogenfibeln. Ich verzeichne solche mit
schofshofen im Pongau eine Lücke in der eisenzeitlichen For- glattem, geknotetem, strichgruppenverziertem, feingerilltem
schung dar275, die nun geschlossen ist276. Hallstatt und Bischofs- und winkelstrichverziertem Bügel280. Auch tordierte Bögen

275
Vorberichte Lippert, Tomedi 1986, 427 ff. – Lippert 1996, 239–254. 278
Vgl. Lippert, Stadler 2009, 11.
276
Lippert, Stadler 2009. Für die digitale Überlassung des Materials vor 279
In Bischofshofen Grab  425 Fußzierfibel mit Armbrustkonstruktion
der Veröffentlichung danke ich Andreas Lippert und Peter Stadler (bei- und latèneoid aufgebogenem Fuß mit Schlussknopf auch in Hallstatt
de Wien) sehr herzlich. D3 denkbar.
277
Neueste Schätzungen nach den Grabungen seit 1993 Kern 2008, 121. 280
Glunz 1997, 41–50. Fibel-Typen A, B, C, E und F.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 63

sind vorhanden, jedoch in Bischofshofen in gesattelter Form – Eine Schlangenfibel S 4 mit kleiner, knopfartiger Falten-
ein Typ, den es auf dem Salzberg nicht gibt. wehr (Grab 21), respective eine lokale Form mit Schlinge als
Handelte es sich bei dem Bügelfragment aus Grab 10 der Faltenwehr in Grab 457 repräsentieren die einzigen ihrer Gat-
Mecklenburggrabung mit tordiertem Bogen um ein einschlei- tung in Bischofshofen, vorbehaltlich der durch die Verbren-
figes Exemplar281, wäre diese Fibelgattung ebenso an beiden nung nicht mehr erkennbaren. Unter den erhaltenen Falten-
Orten bekannt. In Bischofshofen trug man jedoch nur solche wehren der Hallstätter Objekte findet sich jedoch kein Stück,
mit glattem oder facettiertem Bügel. das den Bischofshofener Stoffsperren vergleichbar wäre.
Fünf alpine Zweiknopffibeln aus Bischofshofen stehen 21 Aus der Späthallstattzeit (wohl D3) stammt eine Fußknopf-
Schließen vom Salzberg gegenüber. fibel mit Armbrustkonstruktion und aufgebogenem Schluss­
Zwei von sechs Bischofshofener Halbmondfibeln haben knopf (Grab  425). Latène A-zeitliche Schließen fehlen. Als
gute Entsprechungen in den Hallstätter Funden. Es handelt sich jüngste verzeichne ich eine La Tène B-Fibel aus Grab 12, lei-
um den klassischen Typ Aubonne (Bischofshofen Grab  185, der ohne aussagefähige Beifunde. Gräber aus dieser Zeit fehlen
Hallstatt 384 und einen Einzelfund282) und um den Typ Tolmin bekanntlich bisher vom Salzberg.
(Bischofshofen 127, Hallstatt 677, Einzelfund283). Durch die in Bischofshofen ermöglicht somit wie viele andere Nekro-
Bischofshofen 185 vergesellte zweischleifige Bogenfibel mit polen (Statzendorf, Uttendorf, Frög) den Einblick in ein ge-
facettiertem Bügel datiert der Typ Aubonne hier wohl noch in wöhnliches Fibelspektrum, das durch italisch-südostalpine
die zweite Hälfte des 7. Jhs. Die Pongauer Nekropole ist be- Mode geprägt ist. Dies zeigen zweischleifige Bogen-, Schlan-
züglich dieser Fundgattung daher südostalpin284 und sozusagen gen-, Sanguisuga- und Kahnfibeln. Es fehlen – im Gegensatz
bäuerlich-bodenständig geprägt, kreative Eigenschöpfungen285, zu Uttendorf – über den praktischen Nutzen hinausgehende
durch die sich der Salzort ja auszeichnet, fehlen hier. Die bis Bronzen, wie Tier- und Dragofibeln, aber auch die krainischen
an die Donau gelangten Halbmondfibeln mit Vogelprotomen Šmarjetafibeln und oberitalische mit kreisaugenverziertem
waren ebenfalls unbekannt. Bogen (letztere in Uttendorf vorhanden) beobachte ich im
Nicht völlig vergleichbar, aber um so wichtiger ist der Typ Pongau nicht. Nach den metallurgischen Analysen P. Northo-
der Kahnfibel mit verziertem Segelbügel aus den Bischofshofe- vers sollen insbesondere die zweischleifigen Bogenfibeln aus
ner Gräbern 4 und 547 und dem einzigen verwandten Stück mehreren Werkstätten Sloweniens stammen, die Kahnfibeln
aus Hallstatt Grab 67/1871, stellt es doch die regionale Verbin- aus dem Bereich des Caput Adriae (Importe)290. Rein phä-
dung zwischen den italischen, jenem aus Santa Lucia Grab 100 notypisch widersprechen besonders die schweren, gegossenen
und Hallstatt – dort in lokaler Machart – her.Weiterhin stehen Navicellas mit diversen Winkelbandmustern dieser Aussage
fünf dicke, geblähte Kahnfibeln mit winkelbandverziertem Bü- nicht (auch nach Autopsie der Stücke aus Uttendorf und Bi-
gel und langem Fuß aus Bischofshofen ein oder zwei286 Exem- schofshofen291). Die zweischleifigen Bogenfibeln sind dagegen
plaren aus Hallstatt gegenüber. Schließlich ist auch die Verbin- zu unspezifisch oder zu speziell. Sie könnten auch aus Fremd-
dung Hallstatts zu den ostalpinen Siedlungen über Bischofs­ kupfer vor Ort, also im Bereich von Bischofshofen, produziert
hofen an den Kahnfibeln mit quergeripptem Bogen ablesbar287, worden sein.
wenn auch der Bügel hier nicht feinprofiliert sondern lediglich Schließlich werfen die Ergebnisse der Metallanalysen aus
feingerillt ausfällt (Bischofshofen Grab 547, evtl. auch 226 A). Bischofshofen von P. Northover auch Fragen auf: Warum
Nach italischer Sitte kennen beide Orte Sanguisugafibeln wurde offenbar in größeren Mengen ortsfremdes Kupfer be-
mit knochen- oder bernsteinummanteltem Bügel288, jedoch zogen292 und heimisches exportiert (Depot von Fließ293)? Wur-
keine spektakulären Stücke mit liegenden Raubtieren289. den tatsächlich ganze Gruppen von Objektgattungen (Bogen-,

281
Wells 1981, Fig. 11 a (?), b. Die Beifunde lassen hier keine zeitliche 290
Lippert, Stadler 2009, 212, 354.
Eingrenzung zu. 291
Für die Möglichkeit der Sichtung sei Fritz Moosleitner, Salzburg herz-
282
Lippert, Stadler 2009, Taf. 48,5. – Hallstatt Glunz 1997, Taf. 19,2, 5. lichst gedankt.
283
Lippert, Stadler 2009, Taf. 36,3.– Hallstatt Glunz 1997, Taf. 19,1, 3. 292
Lippert, Stadler 2009, 358, 214 mit Anm. 275.
284
ZurVerbreitung der Typen Tolmin und Aubonne Teržan 1990,Abb. 6, 7. 293
Lippert, Stadler 2009, 216. Nicht zuletzt die Autopsie der Fibeln aus
285
Oft mit wohl religiösem Bezug (Halbmondfibeln Glunz 1997, 53 f.), dem Hort von Fließ bestärkt mich in der Annahme, dass es sich bei
s. auch Exkurs II Emblematik. allen Exemplaren (auch der Bogenfibel mit Knotenbügel) um Impor-
286
Das Objekt aus Grab 80 ist ohne vollständigen Fuß überliefert. Glunz te aus Oberitalien handeln könnte. Gemäß dieser Prämisse und den
1997, Taf. 28,2. Bischofshofen Gräber 18, 43, 116, 156 B, 506. metallurgischen Ergebnissen hätte man dann Kupfer vom Mitterberg
287
Glunz 1997, 101 ff.,Taf. 36, z.B. 8. Form B mit hochgewölbtem Bügel. nach Oberitalien transportiert, dort Fertigprodukte hergestellt und di-
288
Glunz 1997, 70  ff. Form B. Bischofshofen Grab  353, segmentartige ese dann wieder nach Norden exportiert – eine These, die zukünftigen
Perlen in 226 A, 354. Diskussionsstoff bietet.
289
Hallstatt 557 Glunz 1997, Taf.  27, 2; zwei Streufunde Glunz 1997,
Taf. 27, 3, 9.
64 Bettina Glunz-Hüsken

Kahnfibeln) – wie der Bericht nahelegt – geschlossen (?) aus den, das auf den alltäglichen Kontakt mit den unterirdischen
unterschiedlichsten Regionen importiert und dann auch im Mächten schließen ließe; was jedoch kultische, archäologisch
Bestattungsritual benutzt294? Dazu steht doch die große Mas- nicht mehr nachweisbare Handlungen nicht ausschließt).
se der Funde anderer Nekropolen (einschließlich Hallstatts!) Unter den wenigen anderen, auswertbaren Fundgattungen
im Widerspruch, die gemäß ihrer Form nachweislich vor Ort, von Bischofshofen fällt ein grob geperlter Manschettenarmring
nach heimischer, geographisch verschiedener Sitte gefertigte aus Bestattung 512 auf, der durchaus gute Entsprechungen in
Bronzen zeigen295. Und woher kommen vom metallurgischem Hallstätter Gräbern findet (Gräber 67, 107, 124, 435, 618, 917,
Gesichtspunkt betrachtet die alpinen Zweiknopf-, die Halb- 941). Dieser Typ ist verbreitet in Oberösterreich und in Bay-
mond-296 und Schlangenfibeln, die Mehrkopfnadeln, Gürtel, ern300. Bischofshofen stellt somit – vorbehaltlich Uttendorf –
Metallgeräte und Blechgefäße vom Bischofshofener Pestfried- den südlichsten Verbreitungspunkt dar. Beide Orte kennen die
hof? langlebigen, circumalpinen Armspiralen aus Draht (Bischofsh-
Eine Analyse des einschlägigen hallstättischen Materials ofen Gräber 4, 31, 51, 90 etc.; Hallstatt 390) und die wenig spezi-
(und jenes aus Uttendorf und Wörgl) wäre nicht nur nach die- fischen, glatten Armringe mit runden oder halbkreisförmigem
sen Gesichtspunkten spannend. Querschnitt301 (Bischofshofen Gräber z.B. 67, 77, 79, 405, 505).
Im Fibelvergleich Bischofshofen mit Hallstatt fehlt der Bezug Obwohl in Bischofshofen ein Überhang an Frauen besteht302,
in die Westschweiz (Schlangenfibeln S 1 mit Faltenwehr g297), fehlt die große Vielfalt des Arm- und Beinschmucks, wie wir
nach Süddeutschland (sämtliche westliche Schlangen-, Pau- ihn aus Hallstatt kennen. Diverse geperlte Buckelarmringe, Me-
ken-, Knie-, Fußzier-, best. Halbmond- und Bogenfibeln), lonen- und Tonnenarmbänder, jene mit rhombischem Quer-
nach Mähren/Slowakei (Vierpassspiralfibeln, Harfenfibeln298) schnitt und viele andere trug (kannte?) man im Pongau nicht.
und nach Ungarn (Bogenfibeln mit rhombischem Bügelquer- Gleiches gilt in noch stärkerem Maß für die Blechgürtel
schnitt, Kahnfibeln mit Querleiste299). Sehr auffällig ist die sehr und Gürtelbleche. Drei Stücke aus Bischofshofen (Gräber 79,
geringe Anzahl von Amuletten (fünf Radanhänger) oder reli- 222, 480) sind dem Typ Reichenegg und Cudrefin zuzuord-
giösen Emblemen wie Vögel, Spiralen in jeglicher Ausformung nen303, wobei jener aus Inventar 480 einen Bezug nach Bayern
oder triangulären Klapperblechen (s. o. Exkurs II). Die völli- und/oder das Schweizer Mittelland herstellt. Diese Objektgat-
ge Neuschöpfung gewisser Gegenstände (z.B. Gitterradfibeln, tung belegt in besonderem Maß den fehlenden Kontakt nach
Dolchtyp Hallstatt, Breitrandschalen, gestielte Ringgehänge) Südwestdeutschland.
oder die neuartige Kombination religiöser Embleme an Her- Auch bei den Nadeln fällt die kleine Zahl der Bischofshofe-
gebrachtem findet man (gehäuft) nur im Hochtal. Dies zeugt ner Mehrkopfnadeln auf, wobei sie auch dann verhältnismäßig
nicht nur von materiellem Reichtum. Es drückt zwar einer- gering bleibt – ich zähle zehn sichere Bronzen und neun frag-
seits ein großes Selbstbewusstsein der in Hallstatt Beerdigten liche Bruchstücke –, wenn man wenige Männergräber in Bi-
aus, andererseits bestand offensichtlich das verstärkte Bedürfnis, schofshofen annimmt304. In Hallstatt komme ich auf 131 bzw.
sich zu schützen, sich in besonderem Maß mit überirdischen, 142 Mehrkopfnadeln. Die dort oft verwendeten kleineren Ku-
jenseitigen Mächten zu verbinden. Hier manifestieren sich gelkopfnadeln der Frauentracht finde ich im Bischofshofener
vielleicht andere geistige Inhalte als in umliegenden Friedhö- Fundgut nicht305.
fen, zumindest was die Behandlung der Toten und ihre Ausstat- In diesem Zusammenhang ist ebenso bemerkenswert, dass
tung im Jenseits belangt (im Bergwerk ist bezeichnenderweise es in Hallstatt erstaunlich wenig Spinnwirtel gibt (ich zähle
bis heute keinerlei religiös-magisches Sachgut gefunden wor- nur 19 Stück; eine Nähnadel, evtl. ein Webkamm306). Umso

294
Hierin liegt auch der Unterschied zum Depot von Fließ, dessen Fibeln gensatz zu jenen kleine Fortsätze auf den Köpfen, jene aus 452 so-
zwar m. E. geschlossen aus Oberitalien stammen könnten, jedoch nicht gar eine Rillung an der Unter- und Oberseite der Kugel (Lippert,
in nordtiroler Gräber  gelangten, d.h. nicht integriert waren. Sydow Stadler 2009, 19 f.). In Hallstatt gibt es nur eine singuläre Nadel mit
1995, 31 ff., 59 f. Kugelfortsatz (Kromer 1959, Taf. 119,5, Grab 607). Die Einbindung
295
Z. B. Dörrer 2002, 69 f. (Gürtelbleche des Nordostalpenraumes). kleiner Drahtringe in die Haare (konstruierte Haartracht Gräber  31
296
Lippert, Stadler 2009, 355. Abb. 120, 185, Abb. 116, 510, Abb. 117) bleibt wegen der Bestattungs-
297
Glunz 1997, Karte 18. art hypothetisch. Lippert, Stadler 2009, Abb. 109, 110, 113 „kleiner
298
Dörrer 2002, 56–61. Ringschmuck“.
299
Glunz 19997, 63 f., 109 ff. 306
Obwohl formenkundlich kein Zusammenhang mit belegten Web-
300
Siepen 2005, 23 ff. mit Karte 123 A. kämmen (z.B. aus Bischofshofen) besteht, könnte das bemerkenswerte
301
Siepen 2005, Nr. 822, 823, 824, 827. Stück aus Hallstatt Grab 671 dennoch als Webwerkzeug gedeutet wer-
302
Lippert, Stadler 2009, 203, 290. den, da in diesem ausschließlich weiblichen (!) Grab ein starker Bezug
303
Lippert, Stadler 2009, 41 f. zum Weben durch Perlenschieber, Tuch und Perlen gegeben ist. Sein
304
Lippert, Stadler 2009, 203, 290. symbolischer Gehalt wird durch das Material, aus dem er gefertigt
305
Die von Lippert bezeichneten Kugelkopfnadeln der Gräber 452 und wurde, nämlich Bernstein, hervorgehoben.
546 sind nicht mit jenen aus Hallstatt vergleichbar. Sie tragen im Ge-
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 65

mehr liegen aus Bischofshofen vor (556 Gräber: 187 Wirtel, Auffällig ist der frühe, gegen das (zeitnahe, jüngere, hall-
sechs Webgewichte, zwei Webkämme; ein Perlenschieber, kei- stattzeitliche) Kulturgefälle laufende, späturnenfelderzeitliche
ne triangulären Bleche) und es drängt sich folglich die Frage Import von Keramik aus der Region Salzburg315. Er dauert
auf, ob die Bischofshofener Frauen in größerem Stil (für Hall- wohl bis in die Hallstattzeit hinein, wie nördliche Importware
statt) Tuche angefertigt haben (s. Exkurs II). Vielleicht hat man in Uttendorf belegt, wobei das engere Einzugsgebiet hier bis-
den Inhalt der importierten Gefäße aus dem Raum Salzburg lang unbekannt ist316. Echte venetische Keramik mit Nagelor-
oder die aus dem Caput Adriae eingeführten Fibeln mit Stof- nament, wie in Uttendorf nachgewiesen317, kennt man dagegen
fen bezahlt? Bleibt zu wünschen, dass wir diese Überlegung in Bischofshofen nicht.
eines Tages durch naturwissenschaftliche Untersuchungen Trotz vielleicht intensiverer Südbeziehungen fehlen in
klären könnten. Zumindest der mittelrobuste Körperbau der Bischofshofen griechischer Import318 oder italische, prestige-
Bischofshofener Frauen spräche nicht dagegen307. trächtige Einzelstücke319, die hallstättisches Fundgut teilweise
Bereits 1985 sprach H.-J. Hundt die feinen Brettchenkan- auszeichnen und Aussagen über die soziale Gliederung (es
ten aus der Hochdorfer Kammer als Importe aus dem Süden kommt zur Ausbildung von Prunkgräbern), die Integration
an, eine These, die U. Brosseder nach Analyse der Ornamente von Fremdem/n, und welche Auswirkungen dies hatte, erlau-
(Swastikamotiv) stützen möchte308. Es ist daher nicht abwegig, ben. Gleiches gilt für die wichtigsten Themen des Situlenfe-
an die Herstellung von Stoffen – vielleicht auch schlichterer stes, d.h. wir finden keine Darstellung der Wagenfahrt, keine
Art – durch die Nachbarn von Hallstatt zu denken, zumal die- Hinweise auf Reiten und/oder Fahren320, Hierogamie, keinen
se sicher auch die günstigeren Wirtschafts- und Klimabedin- Faustkampf (mit Preis für den Sieger), Jagd etc. Lediglich das
gungen hatten. Gelage mag durch wenige Metallgefäße, die in einfachen Grä-
Ein anderer Wirtschaftzweig, nämlich der Abbau von Kup- bern durch Keramik ersetzt werden, Tieropfer durch einige
fer309, zeigt sich beispielsweise in den wenigen eindeutigen Messer angedeutet sein321. Auch wird der Mensch, ebenfalls
Männerinventaren durch entsprechendes Gerät ebenso wenig im Gegensatz zu Hallstatt, nicht gezeichnet.
deutlich310, wie jener von Salz in Hallstatt, was untermauert, Dennoch war Bischofshofen keineswegs isoliert322, weder
dass sich in den meisten Grabbeigaben kaum reale Berufe spie- materiell, wie speziell fremdes Kupfer oder manche Keramik
geln311. Unterlag folglich die Beigabe von Spinnwirteln und aus dem Salzburger Raum zeigt, noch geistig, was an der Bei-
einschlägigen Webutensilien etc. anderen Kriterien312? gabe von einem Angelhaken oder einer Feile belegt ist323. Die-
Sowohl dinglich überlieferte Beigaben als auch die Grab- se Objekte gelten m. E. nicht als Nachweise von Fischern oder
und Bestattungsform313 und die soziale Schichtung314 in Bi- Metallhandwerkern324, weil wir sie überregional, in zum Teil
schofshofen reihen sich in das übliche, bekannte Repertoire sehr reichen Bestattungen mit bigeschlechtlichem Charakter
„ländlicher“, inner- und südostalpiner Gräberfelder ein. Wäh- finden325. Sie sind eher als Sinnbilder, als verkürzte Metapher
rend die Kontakte Hallstatts sozusagen in alle Himmelsrich- für bestimmte religiöse Vorstellungen zu verstehen, was zu klä-
tungen laufen, beschränken sich diese im Pongau auf Nord- ren jedoch nach wie vor ein Desiderat der Forschung bleibt326.
Süd bzw. Südost. Wir finden keinerlei west-östliche Verbin- Auch dasVerwahren offensichtlich ausgewählter Beigaben in
dungshinweise oder Seltenheiten wie z.B. die Paukenfibel mit Stoff ist in einigen Bischofshofener Brandgräbern belegt327. Zu-
Faltenwehr „w“ aus Ansfelden/Oberösterreich (s.o.). künftigen Arbeiten ist es daher überlassen, Abstufungen zwi-

307
Lippert, Stadler 2009, 298 ff. Im Gegensatz dazu einige Frauen aus 316
Moosleitner 1992/93, 34  f. („vermutlich oberösterreichisches Do-
Hallstatt, deren Muskelmarken für eine schwere Hebe-, Zieh- und naugebiet“).
Tragbewegung sprechen sollen: Pany 2008, 139 ff. 317
Moosleitner 1992/92, 38 f.
308
Brosseder 2004, 333 f. 318
Glunz 1994.
309
Lippert, Stadler 2009, 214. 319
Egg 1978, 37 ff. – Polenz 1978, 127 ff. – Pare 1989, 421 ff. – S. hierzu
310
Lippert, Stadler 2009, 47–61; konträr dazu Lippert, Stadler 2009, auch Lippert, Stadler 2009, 197.
214 f., 53. Gleicher Befund wohl in Uttendorf: Moosleitner 1992/93, 320
Pferdegeschirr in Hallstatt Metzner-Nebelsick, Nebelsick 1999.
30. Bei dem „als Streufund, zwischen mehreren Gräbern zutage“ (Lip- 321
Messer als Schlacht- und Opfergeräte Dehn, Egg, Lehnert 2005, 204 f.
pert, Stadler 2009,215;s.auch 53) gekommenen eisernen Lappenpickel 322
Lippert, Stadler 2009, zusammenfassend 205, 208 ff.
ist doch auch an eine Deponierung zu denken. Das in Bischofshofen sin- 323
Grab  57 (Angelhaken als einzige Beigabe), Grab  296 (Feile). Eine
guläre Gerät war hier sicher von besonderemWert und stand evtl. mit den Raspel bleibt vielleicht auch in Uttendorf vereinzelt: Moosleitner
umliegenden Bestattungen in Beziehung (was einmal zu prüfen wäre). 1992/93, 30 mit Abb. 25,1.
311
Vgl. auch Stöllner 2006, 243, 251 ff. 324
Stöllner 2006, 237 (Angelhaken), 233 f. (Feile). – Huth 2003, 256.
312
Die Beigabe einer Nähnadel im Grab eines dreijährigen Kindes (!) weist da- 325
Liste bei Stöllner 2006, 246 ff.
rauf hin. Lippert, Stadler 2009, 59. Zu diesemThema s. auch Fath 2007. 326
Dörrer 2002, 68 mit Literatur über Grab- und Weihefunde griechi-
313
Lippert, Stadler 2009, 204 f. scher Angelhaken. – Huth 2003, 256. – Zum orientalisierenden Fisch
314
Lippert, Stadler 2009, 183 ff., 197. bzw. „Raubvogel-Fisch“-Motiv s. Kull 1997, 311 ff.
315
Lippert, Stadler 2009, 208. 327
Lippert, Stadler 2009, 425 ff. – Putz 2007, 86 f.
66 Bettina Glunz-Hüsken

schen Nekropolen mit Prunkgräbern und gewöhnlichen Fried- Banck-Burgess 1999


höfen an Hand derAnzahl jener Kriterien vorzunehmen,die eben J. Banck-Burgess, Hochdorf IV. Die Textilfunde aus dem spät-
überregionale Prunkgräber charakterisieren328, weil sich ein- hallstattzeitlichen Fürstengrab von Eberdingen-Hochdorf
zelne ihrer Charakteristika offensichtlich auch in vergleichswei- (Kreis Ludwigsburg) und weitere Grabtextilien aus Hall-
se unterdurchschnittlich ausgestatteten Nekropolen finden. statt- und latènezeitlichen Kulturgruppen, Forsch. u. Ber.
Hallstatt stellt dagegen bekanntermaßen die exotische Aus- zur Vor- u. Frühgesch. in Baden-Württemberg 70, 1999.
nahme dar, an dessen äußeren Glanz man im Pongau offen-
Barth, Urban 2007
sichtlich in keiner Weise teilhatte. Reichtum329, Kreativität und
F. E. Barth, O. H. Urban, Neues zur Schwertscheide von
Innovationskraft Hallstatts strahlten nicht nach Bischofshofen
Hallstatt. Scripta Preahist. in Honorem Biba Teržan, Situ-
aus, obwohl speziell die zweischleifigen Bogen- oder Kahnfi-
la 44, 2007, 391 ff.
beln mit Winkelbandbügel – wenn auch vielleicht in Bischofs-
hofen importiert – einen Kontakt beider Bevölkerungen sehr Bauer, Kuhnen 1993
wahrscheinlich machen. S. Bauer, H.-P. Kuhnen, Frühkeltische Opferfunde von der
Die Nekropole von Bischofshofen, gelegen an verkehrsgeo- Oberburg bei Egesheim, Lkr.Tuttlingen. Kulturen zwischen
graphisch wichtiger Stelle330, lehrt darüber hinaus, dass diese Ost und West. Das Ost-West-Verhältnis in vor- und frühge-
Position allein nicht ausschlaggebend war, um am Strom der schichtlicher Zeit und sein Einfluss auf Werden und Wandel
Waren und Güter, am vorbeiziehenden Reichtum teilzuhaben. des Kulturraums Mitteleuropa, Berlin 1993, 239 ff.
Den Menschen, die dort bestattet wurden, war es offensicht-
Berg 1962
lich nur in geringem Maß möglich, den Transport auf den
F. Berg, Das Flachgräberfeld der Hallstattkultur von Maiersch,
nahe gelegenen Verkehrswegen für sich zu nutzen, z.B. durch
Veröffentl. der Österr. Arbeitsgem. Ur- und Frühgesch. 4,
Kontrolle der Strecken oder alleiniges Transportrecht für ge-
1962.
wisse Dinge; zumindest gelangten in Frage kommende Objek-
te nicht in die Gräber. Betzler 1974
Ebenso führte der Abbau von Kupfer – wurde er denn in P. Betzler, Die Fibeln in Süddeutschland, Österreich und der
größerem Stil von jenen Bischofshofenern betrieben – offen- Schweiz I, Prähistorische Bronzefunde XIV/3, 1974.
sichtlich nicht zwangsläufig zu einem zu erwartenden Wohl-
Biel 1985
stand. Schlaglichtartig mag hier die Anzahl der Bronzegefäße
J. Biel, Die Ausstattung des Toten. Reichtum im Grabe – Spie-
stehen: 14 aus 556 Inventaren.
gel seiner Macht. Der Keltenfürst von Hochdorf, Katalog
Die hier nur kurz und skizzenhaft angesprochenen Differen-
Stuttgart 1985, 78 ff.
zen und Gemeinsamkeiten der beiden Nekropolen betrachte
ich als keinesfalls erschöpft. Viele andere, wie die soziale Glie- Bräuning 2009
derung oder der Belegungshergang im Friedhof wurden nicht A. Bräuning, Überlegungen zu reich ausgestatteten Frauern-
angesprochen, weil dies insbesondere wegen dem Forschungs- gräbern im westlichen Späthallstattkreis. In: Festschrift D.
stand in Hallstatt den Rahmen sprengen würde. Dennoch geben Planck, hrsg. von J. Biel, J. Heiligmann und D. Krausse,
sie zumindest eine Denkrichtung vor, die weitere Überlegungen Forsch. u. Ber. zur Vor- u. Frühgesch. in Baden-Württem-
speziell zur Herausarbeitung der eingangs erwähnten „Identi­ berg 100, 2009, 131–142.
tät“ von Einzelpersonen und Gemeinschaften331 leiten kann. Brosseder 2004
U. Brosseder, Studien zur Ornamentik hallstattzeitlicher Ke-
Literaturverzeichnis ramik zwischen Rhônetal und Karpatenbecken, Universi-
Abels 1991/1992 tätsforsch. zur prähist. Arch. 106, 2004.
B.-U. A bels, Ausgrabungen und Funde in Oberfranken 8,
Burmeister, Müller-Scheessel 2006
1991–92 (1993/94).
St. Burmeister, N. Müller-Scheessel, Soziale Gruppen –
Baitinger 1999 kulturelle Grenzen. Die Interpretation sozialer Identitäten
H. Baitinger, Die Hallstattzeit im Nordosten Baden-Württ- i. d. Prähist. Archäologie, Tübinger Arch. Taschenbücher 5,
embergs, Mat. Arch. Baden-Württemberg, Stuttgart 1999. 2006.

328
Übergreifend und grundlegend Kossack 1974. – Huth 2003, 255 ff. – 330
Vgl. Lippert, Stadler 2009, 212.
Für Mittelitalien z.B. Putz 2007, 85–112. 331
S. hierzu ausführlich Brosseder 2004, z.B. 346, 350 f. – Allg. Bur­
329
Relativierend sind die von den verschiedenen Ausgräbern nicht er- meister, Müller-Scheessel 2006.

kannten Bestattungen mit geringen oder keinen Beigaben zu beden-


ken.
Neue Fibeln aus der Nekropole von Hallstatt 67

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stellung im ehemaligen Kloster Traunkirchen 29. April bis Belfortstraße 22
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