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86 Rudolf A nthes: Das Verbum i m „umschließen, b a n n e n " in den P y r a m i d e n t e x t e n [86.

Band

Theologie". Wir dürfen wohl annehmen, daß er mit dem Königtum auch die Keule dem Horus
übergibt. So nehme ich an, daß der Ausdruck ,,er trat hervor mit der Keule des Geb" im Osiris-
hymnus darauf sich bezieht, daß der Gott als König feierlich erscheint mit der Keule, die ihm
gerade vorher von Geb überreicht worden ist, und daß er nicht andeutet, daß Geb als Vertreter
der königlichen Ahnen diese Keule einst getragen habe. Daß nach dem Osirishymnus Geb die Keule
nicht nur dem Horus, sondern auch dem Osiris gibt, ist nur verständlich daraus, daß, wie ich oben
in Abschnitt I ausgeführt habe, Osiris im Hymnus für den ,,Horus, der Osiris wird" der ,,Memphi-
tischen Theologie" steht.
(f) W. H e l c k hat in seinem Aufsatz ,,Die Herkunft des abydenischen Osirisrituals" (Diatribae
Lexa, Prag 1952, S. 72—85) sehr richtig darauf hinge\4'iesen, daß ein Zelebrieren des Todes desOsiris
gar nicht zu den Osirisfeierlichkeiten von Abydos gehört haben kann. Er kommt zu diesem Schluß
aus seiner Erklärung des Ersten Auszuges des Upwawet, der den Beginn des Festes bildet, als des
Nachkömmlings der Zeremonie des Herrschaftsantrittes des neuen Königs, der normalerweise
natürlich erst nach dem Tode des alten Königs stattfand. Zum gleichen Ergebnis, daß die Feiern für
Osiris nichts mit seinem Sterben zu tun haben, gelangt man auch auf andren Wegen. Upwawet
unternimmt den Ersten Auszug r nd it.f, ,,um für seinen Vater einzutreten" (Ichernofret ZI. 17),
und das Wort nd it.f, wie immer man es übersetzen mag, bedeutet doch wohl im Zusammenhang
des Osirismythus die Tätigkeit des Horus für seinen verstorbenen, nicht für einen lebenden Vater.
Ferner ist, wie wir oben genugsam gesehen haben, Osiris als mythologischer Begriff ausschließlich
der verstorbene, nicht der lebende König. Osiris als König existiert nicht einen Augenblick früher,
als nachdem der König Horus seinen letzten Atemzug getan hat. So kann man zwar in der Erzäh-
lung rückblickend von seinem Sterben sprechen, aber das Erlebnis des Osirismythos im Kult kann
ihn nicht als einen sterbenden, sondern nur als den toten und dann wieder zum Leben gebrachten
Gott kennen. — Nun könnte der Einwand erhoben werden, daß, wenn wir den Mythos so genau
verstehen wollen, Nedit-Gehesti als der Platz, an dem Osiris von Seth getötet wurde, ursprünglich
kaum nach Abydos gehören könnte; vielmehr müßte es der Sterbeplatz des Königs sein. In Wirk-
lichkeit aber sind offenbar die entscheidenden Geschehnisse in Nedit-Gehesti das Finden des
gefällten Osiris (Pyr. 1008, 1033, 1799, 2144) und die Wiederbelebung des „der in Nedit ist"
(Pyr. 721 a u. a., s. Sethes Kommentar). Auch die, soviel ich sehe, einzigen Hinweise darauf, daß
Seth den Osiris in Nedit-Gehesti gefällt habe (Pyr. 972 und 1256; dagegen s. 956), finden sich nur
beiläufig im Zusammenhang des Findens des Osiris durch seine Schwestern.

RUDOLFANTHES

Das Verbum sni „umschließen, bannen" in den Pyramidentexten

Die vorliegende Untersuchung wurde zunächst für persönliche Arbeitszwecke vorgenommen,


doch hatte sie ein überraschend klares und aufschlußreiches Ergebnis, so daß ihre Veröffentlichung
nützlich erscheinen kann. Mein Ausgangspunkt war der folgende: In einem Ritual für die Ver-
ehrung der unterägyptischen Krone und Schlange wird der König zweimal bezeichnet als Hr Sn m
s3 irt.f, „Horus, der Sn ist ( Pmacht ?) zum Schutz seines Auges", und zwar steht das betont am
Abschluß je eines Teiles der Anrufung (Pyr. 195 e und 198 d). Sethe übersetzte „Horus, der gestritten
hat zum Schutze seines Auges", und Helck schließt daraus auf den Begriff eines „streitbaren
Horus", Hr Ы (Diatribae Lexa S. 74 mit Anm. 8). Ganz so einfach liegt die Sache aber nicht.
Gegen Sethes Übersetzung erhebt sich unmittelbar der Einwand, daß Horus unseres Wissens
niemals zum Schutz seines Auges gekämpft hat. Es ist ihm im Kampfe geraubt worden, und er hat

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1961] R u d о 1 f A η t h e s : Das V e r b u m ί ^ ι „umschließen, b a n n e n " in den P y r a m i d e n t e x t e n 87

es sich im Kampf wiedergeholt, das ist alles. Eine Prüfung der Bedeutung des Verbums sni in den
Pyramidentexten ergibt denn auch eindeutig, daß ein sni ,,streiten" nicht existiert. In W b . I V ,
S. 494,11, ist als einziger Beleg für ,,streiten" P y r . 492a angegeben, und das hat Sethe selbst in
seinem Kommentar als sni ,,bezaubern, besprechen" aufgefaßt; auf die andern angeblichen Belege
für ,,streiten" ( W b . I V S. 494,12.13) komme ich unten zurück.
Mit Hilfe von S p e l e e r s ' Vocabulaire, dessen Nützlichkeit ich zu meiner Beschämung in einer
Besprechung vor mehr als 35 Jahren schwer verkannt habe, habe ich das Vorkommen des Stammes
sni in Sethes Ausgabe der Pyramidentexte nachgeprüft. Die sicheren Substantive én , , H a a r "
( W b . I V 499) und Snit „ H a g e l w e t t e r " ( W b . I V 502) kann ich hier unbeachtet lassen. Dagegen
denke ich, daß Srnv (Pyr. 270d, ohne Determinativ), das Sethe als „ L e i d " deutet, und ¿nit in hl ànit
( P y r . 5.1664) und wohl auch in Meeresbezeichnungen ( P y r . 629 a. с ; auch mit Determinativ с з з )
aus der Bedeutung des Verbums als Nominalbildungen oder Nomina verstanden werden können;
darauf komme ich unten zurück. Als Verbum wird èni in P y r . 1236cP mit einer Gruppe von zwei
Determinativen geschrieben, nämlich dem Wurfholz, das auch in ht énit (1664aMN) und énit
„ H a g e l w e t t e r " (1150bP) vorkommt, und dem Kopfteil eines Mannes, der seinen rückwärtigen A r m
zum Schlage oder Wurfe schwingt. Sonst kommt ein Determinativ beim Verbum nicht vor, aber
wenn auch eine Aussonderung der determinierten Schreibung lexikographisch berechtigt erscheinen
mag ( W b . I V 488), so ist sie doch sachlich nicht begründet. Jedenfalls als transitives Verbum
erscheint Sni als ein einheitlicher Begriff, und dieser soll zunächst besprochen werden. Die Frage,
wie der intransitiv erscheinende Gebrauch damit vereinbar ist, kann erst danach behandelt werden.

Eine eindeutig verständliche Gruppe besteht aus den Stellen, nach denen eine Gottheit (oder N N )
den N N (oder alle Dinge, die Erde, alle Götter) ,,im Innern ihrer A r m e " , also in ihrer Umarmung,
oder „in ihren A r m e n " festhält oder umfaßt (140.160. 213. 782. 847.1631.1632.1817) oder die Um-
armung (oder die A r m e ) jemandes den N N (oder die Beute aus dem Vogelfang) festhält oder umfaßt
(208. 555). Eine zweite Gruppe ist die der Zaubertexte, in denen die Übersetzung ,,bezaubern,
beschwören" u. ä. von Sethe angenommen ist; doch wenn wir einmal von dem seit den medizi-
nischen Texten belegten àni,,beschwören, besprechen" ( W b . I V 496) absehen, so ergibt sich für die
Pyramidentexte eine Bedeutung „ b a n n e n " , also durch Beschwörung oder Magie festhalten oder
umschließen, da eine sichere Scheidung zwischen festhalten, umschließen und bannen nicht immer
möglich ist. Dies ,,bannen" oder ,,umschließen" ist gebraucht mit Himmel, Erde, göttlichem Wesen
und Skorpion als Objekt des Bannes (233—234) und mit Schlange, Tausendfuß u. a. als Subjekt
und den gleichen oder einem Kalb als Objekt des Bannes (225. 669. 689). Zu diesem ,,bannen", ,,in
Bann halten" werden auch gehören 1236 ( N N bannt die W e g e des Seth; s. o. zur aufschlußreichen
Schreibung mit Determinativen), 492 ( N N und A t u m sollen nicht ,,gebannt" werden, parallel zu
„ b e k ä m p f t " , „geschlagen", „gehindert"), und 1501 ( N N soll nicht körperlich oder magisch fest-
gehalten oder umschlossen werden durch den Zorn der Götter). So sollen auch N N und die iht-wtt-
Schlange nicht umschlossen oder festgehalten werden von der Erde (2110). Im nichtfeindlichen
Sinne werden Pyramide und Gotteshaus gebannt oder durch Magie umschlossen für den K a des
N N (1277), wozu an ht ànit ,,das gebannte ( ?) H a u s " (5. 1664) erinnert sei. siÄ-Stern und Sirius
werden von der Dat,,festgehalten" oder „umschlossen" (151), d.h., sie gehen nicht unter den Hori-
zont, sondern verschwinden in der Dämmerung an dem Platz, an dem sie eben noch sichtbar waren.
Die Leiche des N N wird umschlossen durch das Zelt oder Zelttuch des Gottes {sh ntr; 2100). Die
Vorschrift ( ?) zwingt ( ?) den Beamten ( ?), hält ihn also fest auf dem richtigen Platz des Verhaltens
nach Sethes Deutung von 161.

So haben sich die Bedeutungen „umschließen", „ f e s t h a l t e n " und „in magischem Bann halten"
für sni ergeben. Für ,,umschließen" spricht neben dem späteren Gebrauch des Wortes in dieser
Bedeutung das merkwürdige Determinativ der Umschließung in ht ánit (5.1664) ; für „festhalten"
spricht vielleicht C. T . I I 27e ,,Die acht Heh-Götter, die den Himmel mit ihren Armen festhalten"
ЛЛЛЛЛЛ

(oder doch besser: umschließen? 0 ^ ^ pt m 'vcy.én); ,,bannen" hat sich später mit dem
ΑΛΛΛΛΛ //

Zeitschp. für Ä g y p t . Sprache. 86. Band 7

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88 R u d o l f A n t h e s : Das Verbum i n i „umschließen, bannen" in den P y r a m i d e n t e x t e n [86. Band

Determinativ ^ selbständig gemacht, dem èni „fragen" anscheinend angeglichen, zu dem das
sn iht der Una-Inschrift u. a. (\Vb. IV S. 494,12.13) zweifellos gehört; ini ,,fragen" haben wir in
den Pyramidentexten bisher nicht gefunden, und mir scheint, daß es zu einem andern Stamm
gehört als das hier besprochene Verbum; denn nach Ausweis des Wörterbuches wird es nicht mit
dem Determinativ <2. geschrieben, das für sni ,,beschwören" charakteristisch ist. Dieses Deter-
minativ scheint nicht unmittelbar erklärbar zu sein aus dem Wortschatz des Wörterbuches, doch
kann es vielleicht aus dem Determinativ von ht änit (5. 1664; s. Wb. IV S. 503,6) sich entwickelt
haben. Daneben aber besteht wohl die Möglichkeit, daß in dem hier besprochenen Mi auch die
Bedeutung ,,binden" im wörtlichen und übertragenen Sinne steckt, die dann im wörtlichen Ge-
brauch anscheinend verschwand.
Unserm Ergebnis, daß in den Pyramiden nur ein einziges Verbum sni im transitiven Gebrauch
vorliegt, entspricht die Einheitlichkeit der Schreibung ohne Determinativ, die wie gesagt nur in
1236 und 1664 unterbrochen ist. Gleichermaßen fehlt ein Determinativ in den jetzt zu besprechenden
Fällen, in denen Sni nicht ohne weiteres als transitives Verbum erkennbar ist. Nach allem erscheint
es methodisch richtig, daß wir uns in diesen Fällen zunächst jedes Mal fragen, ob die Bedeutung
zu dem bisherigen Befund paßt; nur wo das sicher nicht der Fall sein würde, dürfte nach einer
andern Bedeutung gesucht werden. Ich darf hier das Ergebnis dahin vorausnehmen, daß neben dem
bisher festgestellten Verbum nur noch das Substantiv snw ,,Umfassung" vorzukommen scheint.
Schon mehrfach habe ich ht mit (5. 1664) genannt, das doch wohl ,,das durch Händewerk um-
schlossene oder auch gebannte Haus" in Heliopolis ist, in dem Nut einen Verehrungsplatz hat;
zur Verbalform ¡nit, die doch wohl part. perf. pass, sein muß, vgl. das m. E . sichere Pseudopartizip
Snit{i) in 2100. Bei wd4 Snw (270), das in einem mir unklaren Textzusammenhang steht, darf man
vielleicht an snw ,,Umkreis, Umfassung" denken (Wb. IV S. 491, belegt seit Dyn. 18); diese
würde etwa vom Horn durchstoßen. In Pyr. 629 übersetzte Sethe wrti ¿nti und snti 'iti als ,,du bist
groß und rund (ringförmig)"; in Wb. IV S. 489,1 scheint nach dem Zusammenhang sogar an die
Körperrundung des angerufenen Osiriskönigs gedacht zu sein; zwar können wir hier im Wortspiel
mit ên wr und §n '3 ák keinen tiefen Sinn in Snti suchen, aber eine Bedeutung ,,rund sein" könnte
bestenfalls im Sinne von ,,kreisförmig" für die frühe Zeit angenommen werden; sicherer erscheint
eine Übersetzung ,,gebannt" im nichtfeindlichen Sinne, in dem das Wort uns schon vorher begeg-
net ist. Wenn in Sn wr und Sn sk (629) als Bezeichnung des Ozeans wr und Epitheta zu Sn sind,
wie zu erwarten ist, so muß dieses Sn doch wohl identisch sein mit Snw ,,Umkreis, Umfassung",
das wir schon oben zu 270 \'ermutet haben; denn wäre es ein nominal gebrauchtes Partizip, so
müßten wir doch wohl erwarten, daß das Objekt genannt sein würde, also etwa ,,das (Meer), das das
Große umfaßt", aber das müssen wir ablehnen; sonst müßten wir die Existenz eines absoluten,
intransitiven Gebrauchs von Sni im Sinne von ,,umschließend sein", kreisförmig sein" annehmen,
und diese dürfen wir aus Sn wr und Sn '3 allein nicht erschließen. Die Anrede an die Kuh (568b bis
569b) muß wohl hmt Snt{i) gelesen werden, also mit Snti als Pseudopartizip wie in 629, nicht als
Adjektiv; ,,Kuh, die gebannt i s t " könnte auch zu dem von Sethe zitierten Niederwerfen eines
ng3 Sn wrt als Beischrift zu ,,einem gewaltigen Rind, das stehend gefesselt wird und brüllt" (L. D. II
14) passen, wenn es nicht besser als ,,ein (durch die Fesselung und vielleicht auch Bannung) sehr
festgehaltenes Rind" oder ,,Rind, das sehr gefesselt ist" bedeutet; Sethes Übersetzungsvorschlag
„streitbar ( ?)" ist jedenfalls unbegründet und muß fallen gelassen werden.
Pyr. 192b lautet wnmtn.k irt, iSn ht.к hr.s, ifh n.k si s3.k Hr, 'nh.k im.s, nach Sethes Über-
• Setzung ,,Was du gegessen hast, ist ein Auge; dein Leib wird voll davon; dein Sohn Horus überläßt
es dir (eig. löst sich für dich von ihm), damit du von ihm lebest". Als Alternative von ,,νοΐΐ" für
Un denkt er an ,,rund", und auch Wb. IV 489,3 denkt hier an den ,,Bauch, der vom (hr) Essen
gerundet ist". Wie gesagt, eine Bedeutung von Sn im Sinne körperlicher Rundung muß m. E.
abgelehnt werden, wenn es auch vielleicht in griechischer Zeit vorkommt; ferner scheint mir die
Übersetzung zur Bedeutung der Präposition hr nicht gut zu passen, und ein Hinweis auf den prallen

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1961] R u d o l f A n t h e s : Das Vcrbum Sni „umschließen, bannen" in den P y r a m i d e n t e x t e n 89

Bauch des zu verklärenden Osiris würde in jedem Falle unpassend erscheinen. So können wir wohl
„ r u n d " und ebenso das ganz aus der Luft gegriffene „voll" als Bedeutungen л оп §n ausschalten
Sethe nimmt an, daß isn ein intransitives oder passivisches Verbum ist. Aber ein intransitiver
Gebrauch л'оп Sn ist uns anscheinend bisher nicht begegnet, und das Passiv von Sn ist als Sniw{.f) in
492, 1501, 2110 und als Sn(.f) in 151, 225, 233 belegt, beides mit nominalem Subjekt. Wenngleich
ein Passiv leichter verständlich erscheinen würde, nämlich als ,,dein Leib wurde gebannt, als du es
dir einverleibtest", so möchte ich wegen der Abweichung in der Form doch lieber einen Imperativ
in isn sehen. Wir müssen also wohl übersetzen ,,banne deinen Leib d a m i t " im Sinne von „banne
deinen Leib als Besitzer des (von dir gegessenen) Horusauges"; man kann wohl auch an ein körper-
liches Umschließen des Leibes etwa mit den Armen denken. Ich kann das nicht erklären, aber das
besagt nichts.
So kommen wir zu dem letzten Vorkommen л'оп §n, von dem wir ausgegangen sind : Hr àn m
si irt.f, ,,Horus, der Sn ist (oder macht[e]) zum Schutze seines Auges" (195e. 198d). Wenn wir sn
als aktivisches Partizip verstehen, so haben wir einen Gebrauch von Sn ohne direktes Objekt vor
uns, also etwa ,,eine Umkreisung, eine Bannung vollziehen"; das ist uns aber bisher nicht begegnet,
und M. R. Varr. haben 9. [ [ . Deswegen denken wir lieber an das Pseudopartizip, das wie in
ЛЛАЛЛЛ I

629 und 2100 zweifellos die gewöhnliche passivische Bedeutung hat. Der Ausdruck heißt dann in
Übersetzung „Horus, welcher gebannt ist zum Schutze seines Auges", wobei das ,,gebannt, durch
Magie umschlossen" wie mehrfach sonst in nichtfeindlichem Sinne gemeint ist. Das gibt guten
Sinn: vermutlich durch die Krönungsriten ist dem Horuskönig der Schutz des Horusauges auf-
erlegt worden. Mit dem Horusauge ist hier gewiß der Uräus oder die Krone gemeint ; an die Krone,
die ja in diesem Hymnus angerufen wird, denkt auch Sethe, und zur Gleichung von Uräus mit
Horusauge darf ich auf meinen Aufsatz über das Sonnenauge verweisen, der gleichzeitig zur Ver-
öffentlichung in dieser Zeitschrift hergestellt wird. So paßt der Ausdruck ,,Horus, der gebannt ist
zum Schutze seines Auges" gut in den Textzusammenhang, und wir dürfen nicht daraus auf eine
allgemeine Bezeichnung ffr Ы ,,der gebannte Horus" schließen. [Nachtrag bei der Korrektur:
In Abschnitt I und III meiner Besprechung des Sonnenauges habe ich darauf hingewiesen, daß
der Schutz des Horusauges durch den lebenden König offenbar im Gegensatz steht zu dem Raub
des Horusauges durch Seth und dem verderblichen Umherirren des Auges beim Tode des Königs.]
Das Ergebnis dieser Untersuchung ist in lexikalischer Hinsicht folgendes: In den Pyramiden-
texten kommt das Verbum Sni nur in der Bedeutung ,,umschließen, bannen", zugleich auch ,,fest-
halten" und vielleicht,,binden, fesseln" vor. Erst später ist eine Differenzierung dieses Verbums in
,,umschließen, umfassen" und ,,bannen, beschwören" durch Determinative zum Ausdruck ge-
bracht. Das Determinativ ^ mag bei diesem letzteren Worte aus dem in den Pyramidentexten
vorkommenden besonderen Zeichen der Umfassung eines Gebäudes (Pyr. 5. 1664) sich entwickelt
haben, kann aber auch als ,,Strick" ursprünglich zum Verbum gehören; für die letztere Deutung
spricht zweifellos der Gebrauch des ^ als Wortzeichen für ,,hundert". Das Substantiv Snw „Um-
fassung, Umkreis" scheint in den Pyramidentexten vorzukommen und steckt v/ohl auch in Sn wr
und verwandten Ausdrücken. Das Verbum àni „fragen, untersuchen" kommt zwar nicht in den
Pyramidentexten, wohl aber in andern Inschriften des A.R. vor.
In sachlicher Hinsicht ist es interessant, daß eine magische Bannung als eine Umkreisung
ursprünglich aufgefaßt worden ist. Wenn wir den erhobenen Arm in der Determinativgruppe Pyr.
1236 als ,,Schlagen" deuten, so deutet es auf die Gewaltsamkeit der Bannung hin, wenn auch diese
Deutung nicht recht befriedigt; das Wurfholz in der gleichen Determinativgruppe könnte dann
einen magischen Stab bedeuten. Vielleicht aber, und ich möchte sagen wahrscheinlicher, ist der
Arm zum Wurf erhoben, und dann kann das Holz als wirkliches Wurfholz gedeutet werden. Das
Determinati\'^ scheint dann zum Ausdruck zu bringen, daß die Bannung aus der Ferne erfolgen
kann. Die Frage kann hier nicht beantwortet werden, ist aber wohl der Überlegung wert.

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