Sie sind auf Seite 1von 71

40

Philosophische Gedichte des *Abü-l‘alä’ Ma‘arri.


Von

A. Ton Kremer.

(Vgl. Band XXIX. 8. 304 ff.)

> o > o > o«*«.

' ' '


"T" ' >
0«> m ^ ^

*L i4« ^ &4>x>
^
^ A— Ä. t ’

*1-4—«5 &J OOjl ^y» oub


4 oC

^ t CT*
*^'— 'SL. >*** c i
^ ilrcQ' ^ijii.X-A....«»
s> *

'

T _i^
. , . iJ. j.Ü^ 1 t«X^> ^ vi'-^

^
O oE o o >

^
> > •* > i ^ ..i

*LwO^ ^ ^. £ ,.^ ^Ut \y})


*> ,r^ >»s OjoEo-*
L5>.L^ J>.—^>5
" fr

^ ^ > 0.0 > oS O . «

g
g n ^.4-^t v3 iJ
c •'

..» >_ « » J • .. .. o .. » o>


fti X-Jt W ^j<»i..i Aiii.v.i^ yX4J ^JM-J ^ \ö .^ly
^
-• •" «« O »» o» y y ....o^ y , m y * yi y

*L-a-Ä Q—J—i-L>o vi>-ix:

^ , €'o^, >j -
qvo
^
A,.^ Ujli Lj j^g-A. M
s ' '

--Ei > s > o , OP <>.... 0 ^ E»


£>— i. ^«. ,Ä» <w v^>ijli^ t^oLj^
lit
^ \y\J

Digitized by Google
von Kremer, Phüosophüche Oetiichie des Abü-Vala! Ma*arrt. 41

•» y ^ o o ^ y y<f ^ ^ Sst

i Oi_j^
I

* C.O •
^ .,
*L » c: j| bis SsLcoiÜl Lo

«w' ^^ y ^Oj» y 0> ^ « O m ^ o

er* o' --*^*5 u^'


sLijJS. er

Wenn Gelehrtheit and Wissen der Menschen


keinen Nutzen gewähren,
So sei Verachtang das Loos der Gelehrten,
statt des Lobs and der Ehren!

Gott bestimmt, was da sein soll and es ist,


wie er es gat befand:
Da zeigt sich machtlos der Weisen Wissen
and rathlos ihr Verstand.

Kann etwa der Mensch aus der Gewalt


des Herrn sich erretten,
Kann er Erde and Himmel abschOtteln,
wie ein Sklave die Ketten?

Wir folgen den Sparen nach der Geschlechter,


die voransgegangen
Dem Trosse von Männern and Frauen,
die alle derTod amfangen.

Lang sann ich über dies Menschengeschick


and staane ob des Gedachten;
Sollen wir desshalb nur dürsten am endlich
desto gewisser za verschmachten?

Lass ich aof den Feind meine Pfeile fliegen,


im Fing,
so irren sie
Während jeder Pfeil, den er schoss,
eine Wände mir schlqg.

Sind die menschlichen Leiber nicht etwa


wie grünende Bäame?
Nor dass statt des Saftes das ßlat darebströmt
deren innersten Räume.

1) Es liegt sehr nahe im ersten Holhvers statt zu lesen »3 ^


42 wn Kremer, Phüogophische Gedichte des 'Abü'l'ala' Ma'arri.

Ach! wie offenbar ist's, dass das Schicksal

niemals rastet and rnht,


Und vor allen die Sterne jener beherrscht,
die weise and gat!

Wer Grossmnth noch so sehr übt von dem Wenigen,


das er hat,
Dem rechnet die Menge nie es an
als Edelthat.

Uns schreckt so manches, doch zaletzt fordern


wir’s in die Schranken,
Zam Entsetzen jener, die da zählen
za den Schwachen und Schwanken.

Erwacht, ihr vom Wahne Bethörten,


i . . .

ans dem Wahne erwacht 1


Denn eare Religionen sind Fabeln, mit List
von den Alten erdacht!

Sie wollten nor irdisdies Gut gewinnen,


and erworben.
sie haben’s
Sie starben und mit ihnen ist das Gesetz-
der Elenden gestorben!

Sie sagten, dass die Zeit dem Ende nahe,


dem Ende der Welt,
Dass von den Tagen znr letzten Stande
nor wenig mehr fehlt!

Sie logen, denn wie wüssten sie,


dass der Zeitpankt gekommen?
Verschliesst ener Ohr den Lügen, die ihr
von jenen vernommen.

Wie aber soll eine Stande ich


hier verleben in Freade,
Wo ich weise, dass dem Tode verpfändet '

mein Lebensgebäadel

Seid aaf der Hat vor Frennden and Fremden,


nehmt ench in Acht,
Und folget dem Pfade der Klagen and Weisen
stets mit Bedacht!

Digitized by Google
von Kremer, Philosophische Gedichte des 'Abü-l*alA' Ma‘arri. 43

n.

^ —Ä—Jl O^L^t U

^ Lo

fil— ^5 vJiiaLi ^L«t


|^ 8 -J
t
&> •> , i
al ..It^ jk— ^^w_jLjL_J| {^_y*** ^ VlT^^
Vi^k\5^

i! kXJo: Ä Jl L-jLJLif Utjli


h ' »
V ' of
^!
I

^
1 V--—Ö>tv3

»JcJ> Uit
Sc

o J-V-J ^ OÖJ-&

h .,^^ _ 8 -Jt^ ,-aoJ ü gjyt


j
^ B
^

«L-mmwL4^ ^IäS*
-«•
^.i^waij
^
öo boJl Jbuül3 cvsxbÄAM^ Lo
^
o^b -»

Ihr Beherrscher der Länder, ihr herrschtet lang .

and ihr wurdet alt,


Und je länger ihr lebt, desto mehr
missbrancht ihr die Gewalt^).

Warum wollt ihr nicht die Wege


des Ruhmes beschreiten,
Wenn selbst Zir, der Frauenheld, nicht zögerte
muthig zu streiten.

Auf einen Gottesmann (Imäm) hat das Volk


'
seine Hoffnung gebaut,
Der da leiten soll, wenn die Menge ratblos
nach dem Retter schaut

Eitler Wahn! die Vernunft allein


ist der göttliche Leiter,
Der morgens und abends euch führt, als erfahrener
Pfadvorschreiter.

1) Beziehtsich auf die ficwalthaber der damals schon auf Kosten des
Chalifates der Unabhängigkeit entgegenstrebenden Terschiedenen Dynastien.
44 wm Kremer^ Philonophitche GetUchte tle» 'Abü-l^alä' Ma^arri,

Und hörst da was der dir befiehlt, so gewioust da


den göttlichen Segen,
Der dich fttrder begleitet aaf allen
deinen Wegen.

Diese yerschiedenen Glaabenssekten,


die each zerspalten,
Erfanden bat man sie, am den Mächtigen
za sichern die Gewalten!

Dieser Elenden Ziel ist nichts,


als der feige Genuss;
Sie rührt nicht selbst ans Ghansä*s Aagc
der Thränenergnss ^).

Wild wie der Häuptling der Neger in Basra,


der am Morden sich freat^
Oder der Karmate, der blutbedeckte,
der in Ahsä* gebeut. —
Meide die Menschen and fliehe die fröhlichen
Zecherranden,
Denn, wer die Wahrheit spricht, wird von allen
unleidlich befanden.

m.
> o.

' '
Juu
*
£
JLO ^
'

Ipllxil
j
h Äo\ U 9«A^uko3

o ^ o ^ >

Ä— 11 ^1. jUkiLAj
•• ••
.
••
!

•»
« IplL
^ «0 *• *
^

9^1äa vJlL-i>
^ 9 0 >

I II *n

'''
' S>

l) Im Text«: die Thrftneo der Sammcl' oder dansl*.


von Kremerj Phüosophüche GedichU des 'Ahü-Vald' Ma^arri. 45

Die Standen sind das Gefäss, das nmschliesst


die Menscbengescbicke
Erst wenn der Deckel entiillt, dann zeigen
sie sieb dem Blicke.

Die Zeit, die ewig dabin rollt,


ist wie ein Gedicht:

Doch denselben Reim wiederholt


Der Dichter nicht.

Und ahnen nicht die Tage and Nächte


es
in ihrem Jagen,
Wie viele ob ihrer Eile, and andre
ob ihres Zaaderns klagen!

Getroster als in der Stadt lebt mau


in der Wüste Gefild,
Wo den Führer der Kata geleitet
and das flüchtige WUd.

Ach! dass des Geschickes Pfeile


das Ziel nie verfehlen:
Doch sie dürfen nicht irren, and fliegen
nach Gottes Befehlen.
*

Die irdischen Güter sind nichts als Darlehn,


die man ans borgt;
Ein Thor wer solcher Dinge wegen
ist,

sich kümmert ond sorgt!

IV.
S ia ^ m ^ S
wX—ei ^»^i
W ^ «w « , Ä ^ C# ^

»UäJu

^ ^ i<3i

tA^i

ijLaiJi ^i i^Li" sA-iiijJi i3Äe>i u


ij^^i -
^^i
'
3
- %

Digitized by Google
46 Kremfir, Phüo«opki*che (yedirhte de* ' Abd-Vala' \fa*arri.

5 U* -I! ^ jj öt^ÄJi

^ ^ J J

o?u> JcJLj i^-gL.Ad>^ I^JÜjO L*J ^3

« O^ o^-
0Sj^ cXjU ^

lUi vjjlb (^ü! ji I jiJ

^
o > ^ i ot
g »Am
^ ^ c

5 > o ^ »• ^ G ^ O oft

)i
I»!
o^ h-.) s.
^j^\ ö>-5 0/>t L^
ft

^o ^ G o
Oj^
y ^ft

t^LlI 1^-xJXä j äJ^


i i, , o^-£> oi o ^ > X .
. B -J bLoJw«
^ l ail ^

eo^ j >> 0 ^>


jL—^Lj ^ lx4j> (J^! C)-^ v:>^
5 vj 0 1 1

1^ 3
w i-S
^
^ ^ y > i > > > ^ J Kt , U
.
’»
xÄi^^AaJ
^ ^
.11 ^cX II *<? U s^L^* fj^

0 Jungfrau halt ein! denn die Wallfahrt


nach Mekka ist nicht
Für Frauen und Mädchen eine bindende
Glaubenspflicht.

Im Felsthal von Mekka, da wohnen


gar schlimme Gesellen,
Unwürdige Hüter des Tempels
und der heiligen Stellen.

Die Shaiba-Männer sind betraut


mit der Tempelwart,
Wenn zur Kaaba die Völker versammelt
die Pilgerfahrt

Da stossen sie paarweis die Leute


in die heilige Kammer,
Während sie selber taumeln
vor Katzei^jammer.

All ihr Streben geht darauf


sich Geld zu erlisten:
Sie lassen für Geld in die 4^aaba
selbst Juden und Christen.

DIgitized by Google
von KremeTt Phüosopkiiche Gedichte de» 'ALü-Vald' Ma^arri. 47

Ersetze die Wallfahrt durch Gutes,


das du gethan,
Drum, wenn eine Wohlthat man heischt,
sprich hurtig: wolan! ')

Ach hättest du früher doch meine


Enthüllung erhalten.
Womit ich zerriss jener Lügen
bauschige Falten ! ,

i .

I I

Was sannen und spannen, dem trau’ nicht,


sie
weil’s nutzlos dich grämt; ,

Denn schon ist ja die Kraft ihrer Kosse


für immer gelähmt:

Sie sprengten dahin, doch .bald —


da standen sie still*,*
Denn kein Ringen hilft gegen das,
,
was der Allmächtige willl

Oh neue Gestirn,
vielleicht, dass dies
das strahlt ans der Wolke,
Zum Führer der Rettung wird
dem bethörten Volke!

Dem Volke, das ohne Labe


duldet so lang.
Dessen Eameele das Sandmeer . .

der Wüste bezwang,

Kaum wüsst’ ich wer mehr bei Sinnen ist:


der da oben reitet,
Oder das Kameel, welches
unter ihm schreitet.

Eine Herrschaft kam über sie,

voll Stolz und Macht,


Und hält gefangen die Menge
in des Irrwegs Nacht

Sie glauben, die Herrscher seien


sündenrein

1) Eine Anmerkong in meiner Handschrift erklärt das Wort wie folgt:


48 Krcmer, Philosophische Gedichte des 'Ahü-Valä' MaUtrrt.

Ob Dein! sie sind nicht von Sünden


rein, ob nein!

Nicht aller Aogen sind


vom Schlafe amfangen.
Aber sie thnn, als schliefen sie
in der Nacht, der langen.

Ihre Worte sind das Gegentheil


ihrer Gedanken,
Während sie im tiefsten Innern
an Zweifeln kranken.

V.

v_j »JJ! loJLi £LJLX> !Ö_*-S'


f\j
löl

O ^
U> b>
^
a, m O « «'

^
> » » .. «

jLäuJl yaXsi *)«AjIc

>

Vj
^ 3
lV»
O ^
^
>0 i it,-

v, -
^

j
m

.. ..o..^.. ««.. .... r o t oC b > o >

Vj— * .? ^ ^ er

Gar mancher, der betet in der Moschee,


der fürchtet und zittert,
Dass man seine nächtlichen Zecblage
an ihm wittert.

Statt in Falschheit zn verrichten


das Gebet,
Ist es besser, wenn man’s mit Vorsatz
gänzlich amgeht.

1 ) Es sind die Ffttimiden femtint, die ttbe> Aeiuptea hemebten. Die Un-
fehlbarkeit und SUndenlosigkeit der Herrseber i^lmkme) iet «in Dogma der l^i‘iten.
2) Meine Handschrift, die ziemlich genau ist, hat ^ und nicht
**•

I hli, was gegen das Metrum wärt. Da» ' Wortspiel zwischen t

von jsi y Ruhm, und Irdenwaare, ist natürlich unübersetzbar.

DIgitized by Google
vati Kremer, Fhilosopküche Gedichte dee 'Abü-tcUff A/a‘an*i. 49

Der Töpfer, der die Erde formt


muss endlich werden, ’

Was er gewesen, zur fügsamen


schmiegsamen Erden.

Aus seinem Staube wird vielleicht ein OefAss'


einst gedreht.
Das jedem, der will, zum beliebigen • '

Gebrauche steht, > •

Und versandt wird von einem Lande


nach einem andern —
Ach der Arme: zum Staube geworden,
muss er noch wandern!

VI.
<n> m y ^

• ^

In der Wüste hausen die Räuber


von Pferden und Kameelen,
In den Moscheen und Strassen aber
sind andre Arten von ihnen.'

Diese nennt man Notare


oder Kaufherrn,
Aber jene, die nennt man
^

verächtlich Beduinen!

vn.

> ^ ^ > 0 .1»

J*aäj! (3^^* ^
i^vÄäJI i ^ öjJi

Der Mann naht der Gattin,


und aus den Zwei’n
Tritt ein Drittes in das
Leben ein. • *
• ‘

Bd XXX. 4

Digitlzed by Google
50 Kretnor^ Philotophitche QedichtA de» 'Abü-l^al&' Ma'arrf.

Sie trägt geduldig die Last,


bis die Stunde schlug
Und die Rechnung endet und sie hinl^;t,

was sie trug.

Sie aber kehrt zum Ursprung zuräck,


denn alles, was lebt,
Ist mit den ?ier ewigen
Elementen verwebt

vm.

¥9 y f , m » o5 , i , > o -

sLuO
• •

\J>jS
L.
Lflj«3 LjJL^

Wie? lebend werd’ ich geschmäht,


aber kaum bin ich begraben,
So beginnen mich zu loben,
die früher geschmäht mich haben;

So sind wir Menschen alle:


an Schwächen übervoll;
Jeder liebt die Welt mehr
als er sie lieben soll.

IX.

i<L st \ j> l^oL


] Ä -‘>

^ ^ ^ * * * LcOA^^ I P Ü » I— J

f ^ fc- ot i o J

Die Wandrer riefen, als sie


des Morgens anfbrachen:
Ein reichlicher Regen erquickte
Die Felder und Brachen!

Doch mancher, der nach des Gewitters


Anzeichen späht.
Verdurstet eher: für ihn
kam es zu spät.

Digltized by Google
von Kremcr, Philomphüclie Gedichte de* 'Abü~Vcdd' Mdarrt.
5]

Die einen gedeihen mitten


in der Wüste,
Die andern verkommen mitten
im Genuss der Gelüste.

X.
>i> « ot o O , i J f
fi.- oLob oLcL»,*^
^ «
' fc' ' t

f > 3 ) t y ^ ^ m <j ^ f
o^., a, ..>! UJ' Jüb

wX—Ä^—
j
^LJl
^ L-»o^

Ich sehe da Leute, die sind


darauf erpicht,
Das zu beweisen» wofür
der lieweis entbricht.

Ihren Irrthom verkünden die Jahre»


die sie zählen,
Die Sonntage und Sabbate auch,
die zum Feste sie wählen.

Alles das ist» wie das Feuer»

das einmal blinkt


Und flammt» und dann wieder erlischt,
und im Dunkel versinkt.

XI.
y y

^ ^ ^ ^li
^ si^ijbb 1^ tt Loi

3 (jf. m t- 3 (t ^ ^ ^ 3 m m
cXJii i3bi
- SJ

»* ...*£ o.».* o.»»« "> >o o


öLa» ^ M*- ;
tl»

viJIii l»_L„ Hi-Üi j-L-. fLi^!

v;^^— - *1 — *« |»^Lib ^.. JL-i^ V^L-XJi lyäJt Ibt^


^ ^ g

o y

4 *

Digltized by Google
52 Kremer, Philosophische Gedichte des Afa‘arrf.

Der Raum, der ist ewig und lässt sich nicht biegen
noch zusammenfalten,
Aber die Zeit, die eilt flüchtig dahin
und will nicht halten.

Es spricht der Thor: den Gegner habe


ich endlich besiegt!
Und wie hätte er Jenen besiegt?
fürwahr er lügt!

Der Mensch gleicht der Flamme, die da flackert


und lustig lodert,
Und erlischt: drum glücklich, wer von dem Leben
das mindeste fodert.

Die Wechselfklle der Zeiten sind wie das Gras,


es wird gemäht.
Aber der Allmächtige befiehlt,
dass es wieder ersteht.

Ist es des Menschen Loos, dass er


ins Grab sich legt.
Warum hat dann die sorgsame Mutter
ihn liebevoll gepflegt?

Wenn die Rabbinen den Sabbath in weihvoller


Stimmung begehn.
So wird von dem Weisen als Sabbath
jeder Tag angesehn.

DIgitized by Google
471

Philosophische Gedichte des 'Abü-l'al4' Ma^arrL


Voo

A. f om KreiMr.
(Vgl. Baad XZZ. 8. 40 ff.)

Halt da zur Frau eine Alte,


lass dicb's nicht grämen,
Und hüte dich wohl, eine JoQge
daneben za nehmen.

Istjene auch misder schon


und nieht so sOss,
So hat sie anch weniger Fehler
and Mingel gewiss.

Die Sonne bleibt schön, wenn auch


wonnig der Sommer verronnen,
Und sie im Spätherbst die Fäden abwickelt,
die sie selber gesponnen.

U.

Bd. XXXi. 81

Digitized by Google
472 MM» XrmMr, ^OofophiwiAs ChdiehU de» ^AbMfM Mi^fant

Mich hAlt ein drdfiMsh Gefitognlss


gefangen.
Trage nach der Erkttraog
kein Verlangen! —
Blind bin ich, auf's Krankenhiger
gebettet,
Und die Seele ist an den Körper
gekettet!

ril^ ^ ^^Uii

^ ^^^I v^i^ o> (HO^

5r-a ^ '^j^
if*'^ *;y*? er-' u^' ^

Ich sehe die Menschen liegen


im Hader und Streite:
Mo^taaliteu und Morgiten, Thoren
auf jeder Seite.

Die Könige denkcu auf eins nur:


schlemmen nnd essen,
IMe Statthalter kümmert nnr eins:
Stenern erpressen.

Ihres Gebieters Ziel ist:


des Inacbbarn Gau
Zu pltlDderu oder zu verführen
dessen Fraul

Ein Ftanke, der


fiel ins Thal,

wie
hat, bekannt,
Schon oft die ganie Waldung
niedeigebrannt

Digitized by Google
Bei Gott! da kommst schneller
ans Ziel, 0 Genosse»
Wenn da die Bahre hestdgst
statt der Kameele ond Bosse.

Fürst der FsUcen ward der Sperling;


flirwahr, das ist arg;
Aber sam Fache sank herab
der Lowe von Taig!

Gibfs in der Welt eine Stfttte,


noch geweihet dem Bechte?
Wolan, so such sie mit der Lampe
im Bnnkel der KAchte!

IV.

LäJLä^ »JjL^ ^ aJL^ L.^ aäääJI ^^i J^l^ JUJI

Einem Sperrschloss gleicht die Wissenschaft,


einem sn Offhen schweren:
Da mosst nicht es swingen wollen,
sondern wiederkehren.

0ie Erwartung wird oft enttftnsoht,


nachdem man sich emsig befliss:
Dem Eimer gleich, den man ftkUte,
dessen Strick aber riss.

T.

^oUJ< fci.^
^ JJüJU tjü .^-i^ JJuJl ^^LÄi

Die iraditionen, die man uns lehrt,


wären wichtig, wenn echt,
Nnr die Bttrgschaft dalftr
ist siemlich schlecht
81*

Digitized by Google
474 «M Krmer, FMoMopkitehe Gtdiehte dl» 'AU4*M Ma*mH.

Zieh den Terstand wa Rath,


allem andern entsage;
Der Verstand ist der beste Rathgeber
in jeder Lage.

Tl.

j i 3^ ÜS:^ ^ ^
j^l (»liuJt juLi> ljwAy^.>« fcyjw*» ^ vJüu

Macht mich nicht zu eurer


Feindschaft Ziel
Denn fürwahr Christus und Mohammed
gelten mir gleichviel.

Nützt der Morgeuschein etwa


dem Naehtdilfehwaller,
Oder ist die Flnstemiss das gemeiniaine
lioos aller?

Sind sie alle blind, kann keiner


den Weg crspähn?
Soll icli, der Blinde, allein
das nichtige sehn?

Kin Leib, der durchs Leben bestimmt ist


immer zu leiden,
Der hat Recht die modernden
Gebeine in beneiden:

1 Digitized by Google
von KrmeTf Fhilowphuche GtdichU de* 'Ab^Ptdff Ma^arri, 475

Die Klingen kommen iu der Scheide


endlich zur Rast,
Doch der Scheide entrissen, trifft

sie der Arbeit Last.

Ach gebt mir doch einen Leib,


der nicht fbhlt die Pein,
Der empfindungslos bleibt,
wie ein Stein!

Sobald sich einmal der Geist


mit dem Körper verbanden,

Kann keiner der Beiden vom Siechthom


wieder gesunden!

Bist dn, 0 Geist, ein Hanch,


nun denn, so verwehe 1
Bist eine Flamme: nun denn,
o Flamme, Tergehel

VU.

Die Seele, wenn sie vom Körper scheidet,


von Schmerz durchbebt,
ist

Weil sie scheidet von der StAtte, wo sie


so lauge gelebt:

Wie die Taube, gefangen im Netze, noch einmal


scheidend den Blick
Anf das trauliche Nest, wo sie haoste,
wendet sarttck.

Diyiiized by Google
476 Kremer^ Fhüotophitche OedichU de* 'Abü4^aid' Ma'arri,

Hat SatAD ein Heer, das ihm steht


zu Befehle,
So ist der stärkste Gebülfe des Satans
die begehrliche Seele.

Gott hat Dicht die Flamme der Jugend


in den Menschen entsonden,
Aaf daas aie im Weine adiwelgen
so allen Standen,

Das Geschick kennt nur Verwehrong,


wann soll man da hoffen?
Schon zeigen sieb Noth und YerfiaU
Überall ofieo.

Lügen enlnnt man, ond es glanbt


mandier Wicht,
Die Prophetie sei nichta
als ein LQgenberiofat

Da kam vom Himmel ein Ereigniss


niedergefahren,
Vor dem die Feigen und Kähnen
gleich rathlos waren.

IX.

Sie regieren ohne Verstand


durch manches Jabr.
Es endet ihr Regiment ond dann heisst es
davon: 6s warl

0 weh ob der Welt und wehe


ob mir zugleich,
Und oll einer Zeit» wo QeBNinMt
beberrseht das Boich.

Digitized by Google
r, FkOoiophuelu OedichU du 'Abü-l'alä* Ma'arH. 477

X.

J^l *J ^ iJui ^/Jt ^M-jl-

Der Leib ist wie das Erz, das leidet


vom Rost in der Erde:
Dem Golde gleicht die Tugend,
ihr droht keine Gefährde;

Bleibt sie auch noch so lange


im Boden Tergiaben:

Sie ist immer die schönste


der irdischen Gaben.

XI.

Da gibt es solche, deren Worte


Perlen sind,
Kenm gesprochen sammelt
man sie anch geechwind.
'
Andere aber, deren Worte
sind nach Kieselart
Die gesprochen man wegwirft
und nicht aufbewahrt.

XIL

Die Lege bat in der Welt Tcrdorben

*
alle, die sie bewohnen —
" Hiebt die Wahrheit sprechen die Anbinger
der verschiedenen BeligioBen.

Digitized by Google
478 von Krmut, PküatopkMe CMichtt dea *AH4'<U& M^mrf,

Wenn nicht in ibren Nataren ein Urgrund


der Feindschaft iSge,
So stünden Moschee nnd Kirche
heieinander am Wege.

XIIL

(joJ:i\ ^ L« > w t

^•t^l Q^^t Vlr^) v'^Ujä fcifVS— ^ «jiliJ


^ j^7.

^1^1 s^j^ ^yJiL^ ^ uLö

Tho gat nnd wtmes auch nnr,


weil die Edelthat
In den Ohren einen so sehönen
Wiederhau hat

Bei Gott! nicht seh ich auf Erden


einen Frommen hausen,
Der den Namen verdient, nieht einmal
die MAnche in den Klausen.

Ich seh die Gewalthaber bedrücken


das Volk nach Gefallen,
Sie rauben, wie die Falken
mit ehernen Krallen.

Jede Stadt hat ihren Gebieter:


der eine ist mild,
Der andere huldigt den LOaten
unbändig und wild.

Ermisahandelt das Yolk «id treibt es


aus den Häusern and Hfltteo,
*
So dass ihre Augen Fluten '

von ThriUien schotten.

Digitized by Google
von Krentery Philosophische Gedidtte des 'Abü-l^ald' Mc^arri. 47

Ihn umgibt ein Grelicbter mit Gesichtern,


Felsen gleichen,
Felsen, die kein Regengass
konnte erweichen:

Notabelu, denen (iewalttbat


zur Katur geworden:
Diese Bflnber der Stftdte sind schlimmer
als Bedoinenhorden.

Der Wandrer wandelt den Weg


dem Grabe zu;
Wol zieht sich der Weg, zuletzt
kommt er zur Ruh.

Die Welt gleicht dem Gefäss,


indem Untiath steckt,
Der Lebemann dem üunde,
der es beleckt.

XT.

> _-»«,,
Sie deuten* die Sterne, jedoch,
wenn wir sie fragen,
Wie's om die Fliege steht,
nicht wissen sie es in sagenl

Verschiedene Sekten sind es,


in die rie sidi spalten,
Ton denen Jede meint allein
die Wahrheit zn enthalten.

Digitized by Google
480 von Kremer, Philo»ophi9eU OedkhU du 'ÄH-Poid* Ma*arrt.

LasB die Menschen wfinliren,


die Erde eprient:
iffts

Sie lind wie das Vidi, das wSa Fntter


gedankenlos frisst

Ach wttssten die Hftoser, was sie


enthalten an Schmach,
Sie stürzten auf sie, es wollte
sie schirmen kein Dachl

XYL

vij^^ ^ cr^ ^^^^

Jt^t yjjüi i ^ Ui I^Up- L^;^t3 g«.^!^ tJJl^

Sultan das Feuer: ihn recht


ist
und es ist gut;
Thu Unrecht und es versengt dich
sofort seine Glut.

So auch die Meeresfint: sie lässt


sich gewinnen und erwerben,
Aber sie kann dich eben so leicht
auch verderben.

Der Beiehthom ist Olflekesgabe^


wer sie hat, ist voll Macht:
Nicht ans Syrien oder Irak
wird sie heimgebracht.

Das Recht gleicht der SonnOy doch verdeckt


von dunkler Wolke:
Desshalb bleibt der Glanz ansichtbar
dem thörichten Volke.

Digitized by Google
van Krmm-, PkihiOjMiehs OedidUe du ^AhM^M Mokant 481

XYU.
Ulij^*
O-^^r^^ /^^^ "i^^^ JÖ iüeL«^$\U Je»

Lirf>s Jüi#. Jb^ *lÄÄJt


^ ^^^Aibjui li^^

Sprich znr Taube: da girrtest


schon früh am Morgen
Und wecktest mir Wehmuthsgedauken
und Seiiii8iieht88orgeii.

Ddn Schttpfer kleidete dich in Gefieder


fHbr die Kftlte zum Schiitsie^
Und ein Kettchen legte er dir
nm den Nacken snm Pntse.

Zitterst du nicht vor dem Falken,


der vom Felsen schaut
Und die Küchlein dir raubt aus dem Nest,
das du gebaut?

Siebst da nicht, o Mensch, wie des SchicksalB


Bogen bespannt
Ein Schfltie,der noch niemala
einen Fehlsehoss gekannt:

Dnim genfige dir dein Nestchen -


statt dem Palast,
Den der Thor mit Gold aasgeziert
in Juüdischer Hast

XVUL
LrfUUl s^j^ l r> ^JM i j^M

Digitized by Google
482 von Kremcr^ FJulosophuche Gedichte de» 'Abü-l'ald' Ma'arrt

L^>« JUJ! ^\ ^ Wkib ,^^y^^\ j

* *

Es ist, als stickten da Nadeln


auf die Scheitel das Zeichen
Des Todes, wozu die Stauden
den Faden reichen.

Der Verstand erkennt, dass das Licht


in der Zeit entstund,
Dass die Finsterniss sei der Zeiten
uiltester Grand.

Strebt nicht nach der Fflntengewalt


mit bewaffneter Hand,
Denn der anseligste Stand
ist der flIrstUche Stand.

Und der Senne TerBchwInden


zur Tageswende
Ist dem Yerstlndigen ein Zeichen
vom nahen Ende.

Die Todesboten folgen


uns stets auf dem Fuss:
Sprechen sie nicht, so mahnt nns
ihr stammer Grass.

Seid drum wie Henner im Krieg,


die geduldig ertragen
Jede Entbehrung und höchstens
an dem Gebisse nagen!

Digitized by Google
XIX

Qete und Terriehte in Mekka


die Pilgerpflichteo
Siebzig-, nicht siebenmal, trotzdem
bist dn ein Frommer mit nickten!

Es Bündigt gewiss der, wenn


die Begierden ihn treiben,
Es nicht versteht dennoch
enthaltsam zu bleiben.

Digiiized by Google
Zeitschrift
*

der

pentsclien Morgenläiulischen Gesellschaft.

Hprausgegebeii

von den Geschäftsffllirern

in Halle Dr. Gosche, in Leipzig ür. Fleischer,


Ihr. Schlottinaiin, Dr. Loth,

unter der verantwortlichen Kcdaction

des Prof. Dr. Otto Loth.

Dreissl^ter Band.

Mit 18 lithogr. Tafeln.

Leipzig 1876

in Commission bei F. A. Brockhaus.

Digltized by Google
Zeitschrift
der

Deutschen Morgenläodisclien Gesellscbafl

Herausgegeben

voü den Gescliäftsfahrem,


in Halle l>r. Gosche, in Leipsig Dr. FleiHchery

i>r. Sohlottmanuy Dr. Loth»

unter der verantwortlichen Uedaction

des Prof. Dr. Otto Loth.

Mit 11 Tafeln.

Leipiig 1877
in Commiäbiou bei F. A. Brock haus.

üigitized by Google
.