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Tagebuch von Dr.

Enno Kapitzke
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D R A C H E – Erster Teil

27.01.1921, Donnerstag, wenige Tage nach Vollmond, ein Rückblick...


Einen Monat hatten wir verloren nach dem wir Ispringen in die Realität
zurückgeholt hatten. Wieder einmal. Die Zeit läuft weiter, während wir
irgendwo anders sind. Es gibt nicht nur eine Welt, das ist mir nun längst
klar. Es gibt mehrere. Wenn die Schleier reißen, offenbart sich uns das
Unglaubliche... Ich muß mehr darüber erfahren, und wenn es mein Ende
bedeutet. Ende, ha! Vielleicht nur das Ende in DIESER Welt… wer sagt denn,
daß es nicht woanders weitergeht? Auf Aldebaran vielleicht, oder in der
seltsamen Geometrie, die sich uns in Ispringen offenbart hat. Ich muß meine
Forschungen mit den Testsubjekten abbrechen. Was stört mich noch die
geheime Welt der Viren und Bakterien? Wenn hinter den Schleiern doch viel
großartigere Welten warten! Henni weiß das inzwischen auch, ich sehe es an
ihren Augen. Und Rotter, ja dieser Rotter… er will es noch nicht vor sich
selbst zugeben… aber er ist der Schlüssel, er ist das Medium. Wir brauchen
ihn, um mit den anderen Welten zu kommunizieren. Er wird sich dem nicht
entziehen können. Er ist vom Schicksal gebrandmarkt. Und Henni. Und ich.
Das Schicksal verfolgt uns in Gestalt des Mannes ohne Gesicht. Diesmal
sprach er in der Eisenbahn mit uns, als wir zurück nach Berlin fuhren. Wie
jedes Mal hinterläßt uns der Gesichtslose ein paar seiner Zeichen, seifige,
seltsam riechende Mosaiksteine. Wer ist er? Ein Geist? Ein Gott? Oder bilden
wir uns das alles nur ein? 15 Mosaiksteine haben wir nun schon zusammen,
und sie bedeuten heute genau so viel wie am ersten Tag: Nichts. Nur
klimpernder Spott, den der Gesichtslose in seinem Spiel über uns ergießt.

Zurück in Berlin, stürzten Rotter und


Henni sich in Champagner und Kokain.
Auf Rotters Photos von der Reise ist
ein „Knick in der Optik“.
Seltsamerweise gibt dieser oft den
Blick auf einen fernen Stern frei:
Aldebaran… Währenddessen sitze ich
allein mit Korn und Wodka über den
alten Folianten. Und tatsächlich… ich
lerne, wie man ein arkanes Zeichen
schreibt… seine Auswirkungen müssen erstaunlich sein… wenn es
denn die korrekte Version ist… wir werden sehen…

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ALTER FREUND UND KUPFERSTECHER


Gustav Bachmann. Er hat uns heute, am 27. Januar eingeladen zu sich. Zu
Silvester war er in Königsberg und hat sich um seine Seifenfabrik
gekümmert. Ach Gustav. Kriegskamerad, Onkel, Gönner – und auch der
Schuldige an allem? Wir gehen ihn diesmal hart an, aber er scheint wahrlich
keinen Schimmer zu haben. Er faselt von „geheimnisvoller Archäologie als
Rückbesinnung auf alte Werte“. Er sorgt sich nach nur einem Jahr, daß die
von ihm so sehr herbeigesehnt neue Zeit vielleicht doch zu schnell geht. Das
Alte zu schnell vergessen wird. Die Wurzeln, die auch alten Bäumen Halt
geben. Dennoch wird er mir zunehmend fremd. Und siehe da: Als Henni ihm die
schmierigen Mosaiksteine zeigt, erstarrt Gustav kurz, wirkt wie
hypnotisiert. Weiß er doch mehr, oder fühlt er es einfach nur, daß er zwar
der Schachspieler ist, der uns wie Figuren führt im Großen Spiel – aber daß
er dabei selbst nur ein Bauer ist, den der
Gesichtslose bewegt?
Julius Andree (*1889 in Berlin)
„Ich habe ein Anliegen“, setzt Gustav
studierte von 1910 bis 1914
unvermittelt an. „Ein guter Freund von mir
Geologie und Paläontologie in
ist in höchster Not und Gefahr.“ Julius
Greifswald und in Münster.
Andree sei ein guter Kamerad von der Front.
Während des Weltkriegs war er
„Ich habe die Ausgrabung eines echten
Kriegsfreiwilliger und als
Drachens unterstützt“, bricht es aus Gustav
Heeresgeologe im Einsatz (u.a.
heraus, „eventuell der aus der
Fort Douaumont). 1917
Nibelungensage!“ Bitte?! Doch ein Unglück
promovierte er zum Dr. rer. nat.
sei passiert. Julius‘ Partner sei ums Leben
1919 trat er eine Stelle als
gekommen, der heißt allen Ernstes „Hektor
Volontärassistent am
Mailand“, und nun wird Julius als Mörder
Geologischen Institut in Münster
angeklagt. Die Ausgrabung findet im
an. Von 1919 bis 1920 erhielt
Teutoburger Wald statt, nahe eines Kaffs
er eine Beurlaubung, um bei
namens Detmold. Ich denke nur: Byakhee…
Gustaf Kossinna in Berlin
Julius Andree droht, kurzer Prozess gemacht
Urgeschichte zu studieren. Jetzt
zu werden, glaubt Gustav, etwas arg
macht er auf eigene Faust
überbesorgt. Deshalb sollen wir schnell
Expeditionen…
hinreisen, mal wieder die Kohlen aus dem
Feuer holen für den Herrn Bachmann. Ach ja? Mich interessiert dieser Fort
Douaumont-Veteran einen Scheißdreck, aber das sage ich nicht. Mich
interessiert DER DRACHE… könnte es ein Wesen von den Sternen sein? Der
Byakhee sah durchaus aus wie ein Flugsaurier, oder eben wie ein Drache.

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Außerdem will ich Geld, viel Geld. Sonst mache ich nichts mehr für Freund
Gustav. Scheint Henni ähnlich zu gehen. Nur der Rotter, der hat eh genug
Pinke-Pinke. Gustav bietet mir Zugang zu einem Zirkeln von Sammlern
seltener Bücher, könnte interessant sein. „Omas Lesezirkel“ interessiert
aber Rotterchen nicht, dem muß Gustav schon „was Größeres in Babelsberg“
bieten – schließlich ist unser Filmstar ein wenig raus aus dem Geschäft,
seine langen, unangekündigten Absenzen sprengen jeden Drehplan. Und Henni?
Der bietet er an, sie an einen Archäologen zu vermitteln, der nahe Kairo
etwas Spannendes ausgräbt. Das überzeugt die arbeitslose Jungarchäologin
sofort. Dann regnet es noch Bargeld in Papierumschlägen, garniert mit
sinnfreien Rezitationen aus imaginierten Werken, in denen Siegfried der
Drachentöter gegen Nathan den Weisen antritt. Die Ringparabel, Worms und
Detmold, und Herrmann der Cherusker wirbeln alle munter durcheinander, bis
der Besuch beim alten Freund und Kupferstecher endlich ein Ende nimmt.

WAREN SIE SCHON MAL IN EINEM WESTFÄLISCHEN GEFÄNGNIS?


Also nochmals auf in die Provinz. Jedoch nicht, ohne zuvor die Mosaiksteine
in einem Labor untersuchen zu lassen. Die dortigen Weißkittel sind verstört,
als sie merken, daß die Art der aufgetragenen Farbe unbestimmbar bleibt.
Das Glas selbst wiederum scheint antik zu sein, aber unbekannter Machart.
Durch die Porta Westfalica geht es vorbei am Kaiser-Denkmal (einige
Reisende erheben sich andächtig) und hinein nach Detmold, ein echtes Nest.
Wir begeben uns direkt zum Gefängnis, um Andree möglichst heute noch zu
sehen. Ein wahrhaft düsterer Bau, auch die Menschen hier entlocken uns
kein Lächeln. „Die sind ziemlich maulfaul hier“, beobachtet Henni treffend.
Julius Andree ist ein feingliedriger Mann, den man übel zugerichtet hat.
Seine Bewacher haben ihn genau auf dem Kieker, und er traut sich kaum,
etwas zu sagen zunächst, außer: „Ich kann nicht
klagen, ich werde hier gut behandelt.“ Als er
redet, wirkt er verwirrt. Auf die Sache mit dem
Drachen sei er durch einen Zufallsfund gestoßen,
dann mit Hektor hierhergekommen, und habe
„irgendwo in der Gegend“ begonnen zu suchen.
Wonach eigentlich, weiß er selbst nicht mehr, sein
Hirn scheint ausgebrannt zu sein. Zum Glück hat
unser Schauspieler eine gute Idee, die er wohl aus
irgendeinem Streifen zieht: „Wovon träumen Sie
nachts, Herr Andree?“

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Daraufhin erzählt er vom Drachen, den er sucht, in einem Wald in der Nähe
eines Wassers, und eines Turms. Feuer spuckt das Tier nicht, aber es ist groß
und dunkel, mit riesigen Schwingen… Ich denke wieder nur das eine:
Byakhee?
ALLES KLAR, HERR KOMMISSAR?
Henni bandelt noch ein wenig mit dem tumben Gefängniswächter Fritz an, und
dann sind wir endlich raus aus dem Bau. Es nieselt. Dort werden wir schon
auffällig unauffällig erwartet von einem Polizisten in Hut und Trenchcoat.
Man bringt uns zu Hauptkommissar Johann Sanders. Diesen hatte Gustav
Bachmann über unbekannte Kanäle zuvor so weit bearbeitet, daß der
Kommissar einem klandestinen Treffen mit uns zugestimmt hat. Es findet in
einem nahe gelegenen Park statt, ich sitze mit ihm auf einer Bank, Henni
und Rotter müssen leider stehen, es ist alles weniger unauffällig als von
Sanders erhofft.
Sanders plaudert aus dem Nähkästchen. Sie haben die
Leiche Hektor Mailands in der Nähe einiger Felsen
gefunden, alle Knochen gebrochen, als sei er aus
großer Höhe gefallen. Zusätzlich hatte man ihm die
Kehle durchgeschlitzt, da wollte wohl jemand wirklich
auf Nummer Sicher gehen. Andree war von
Dorfbewohnern blutverschmiert aufgefunden worden,
sein eigenes Jagdmesser war nicht weit. Schon das sei
belastend, sagt Sanders. Vor allem aber habe ein
Zeuge aus dem Ort die beiden nur wenige Stunden
vorher bei einem heftigen Streit beobachtet, und
zwar in „Horn“, was ein Dorf oder Ortsteil sein muß.
Sanders würde uns sogar auf der Wache die
Fundstücke vom Tatort zeigen. Die Leiche des Opfers sei
allerdings bereits fort und an die Angehörigen gegangen. Er bezweifelt, daß
unsere Nachforschungen noch etwas bringen, denn „wir erledigen sowas hier
schnell“ – ein Todesurteil sein schon innerhalb 5 Tagen zu erwarten.
Dann wird uns plötzlich schwarz vor Augen…

Der Kopf wummert, alles schmerzt, vor allem mein Knie… unter mir feuchtes
Gras, in der Ferne das Plätschern von Wasser. Dann entdecke ich die anderen,
einige Schritte entfernt im Gras. Aber nichts hier stimmt: Wir tragen
seltsame Kleidung, die meine habe ich noch nie gesehen. Eine grobe Hose, eine
Wachsjacke wie ein lokaler Bauer.

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In der Nähe entdecken wir einen


kleinen See, vielleicht 100 Meter lang,
graues Wasser, langgestreckt, umgeben
von Wald. Entfernt hebt sich eine
seltsame Felsformation ab gegen einen
dämmerigen Himmel, wie riesige Zähne
eines urzeitlichen Monsters. Sind wir
durch ein Portal in eine andere
Wirklichkeit geschleudert worden?
Henni findet in ihren Taschen einen
kleinen Schlüssel mit einer römischen
IV. Ich wiederum entdecke einen
provisorischen Verband an meiner linken Hand, und weitere frisch
verkrustete Wunden an meinen Händen, so als ob ich vor Kurzem in einen
Kampf verwickelt war. In der Luft liegt zudem der Geruch verschossener
Patronen… kalter Rauch… Wie viel Zeit ist vergangen? Wo sind wir? Und
warum? Auch Rotter hat eine Art Zimmerschlüssel in der Hosentasche, mit
der lateinischen Nr. 5. Ich untersuche meine Schnittwunde an der Hand.
Sieht aus, als hätte ich versucht, ein großes Küchenmesser abzuwehren. Muß
ein paar Stunden her sein, ich habe mich auch wohl selbst verbunden.
Wir haben offenbar alles vergessen, was geschehen ist, genau wie Julius
Andree! Hat man uns vielleicht mit demselben Gift betäubt? Ich finde,
rieche, schmecke dazu keine Spuren. Nun wird es bereits Abend, wir müssen
mindestens 24 Stunden Zeit verloren haben. In der Dämmerung sehen wir ein
runtergebranntes Lagerfeuer. Henni stößt auf dem Weg dorthin auf ihre
32er, halb leergeschossen. Auch meine Flinte liegt dort, halb leergeballert.
Auch Teile unserer eigenen Ausrüstung finden wir. Sie liegen zerstreut
herum, scheinen aber unangetastet. Rätselhaft. Nahe der Feuerstelle finden
wir ein runtergebranntes Zwei-Mann-Zelt, darin die Überreste von zwei
Schlafsäcken, und das Ausgrabungsmaterial der beiden unglückseligen
Paläontologen. Verdächtig: Eine braune, zersprungene Apothekerflasche mit
dem Aufdruck „Etha…“ … nol!? Ja. Damit wurde das Zelt wohl angesteckt. In
einem Rucksack nahebei finden wir Bücher über Drachen, Sagen, Legenden, sie
tragen das Ex Libris von Julius Andree. Ein Zettel in dem Drachenbuch
erzählt eine Geschichte aus alter Zeit, von einer Schlacht gegen einen
Drachen, von Ketzern beschworen, der hier nahe Horn bei den Steinen von
Exter getötet wurde. Sogar eine Umgebungsskizze der Steine liegt bei.

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AN DEN STEINEN VON EXTER


Mit Taschenlampen in der Hand gehen
wir die merkwürdigen Felsen
erkunden. Auf dem Weg dahin fällt
uns Licht auf, das aus einem Turm an
einem nahen Berghang zu kommen
scheint. Unter den zerklüfteten
Felsen kommt es zum Streit, wildes
Geschrei untereinander, ich lade mein
Gewehr, Henni faselt wirres Zeug vom
„Haare abschneiden“. Rotter will
nicht mehr laufen, ich hingegen
schlage einen kleinen Pfad ein, der
uns zuvor aufgefallen war. Schon
nach wenigen Schritten stoße ich
nahe des Ufers auf die Ausgrabung!
Rotter versteht es noch immer nicht,
scheint verwirrt: „Warum denn
hier?!“ Henni hingegen bewertet die
Ausgrabung mit einem Blick als
„amateurhaft“.
Doch was ist das? Als wir
hineinleuchten, sehen wir: Da ist
etwas! Gräulich schimmernde, ölig
wirkende Formen ragen aus dem
Mutterboden. Es scheinen Knochen
zu sein, die jedoch bizarrerweise
mit einer Haut überzogen sind. Das
Material der „Knochen“ fühlt sich
eher an wie hartes Reifengummi.
Ein paar kleine Fähnchen markieren….
Drachenschuppen?! Intuitiv weiß ich es, und ich sehe es auch in Hennis
Augen. Sie erkennt es auch: Das hier ist nur die Spitze einer gigantischen
Kreatur, einer unnatürlichen Bestie, vielleicht so wie der Byakhee aus Fort
Douaumont, aber dann wäre dieses Exemplar hier sogar noch größer. Und auch
etwas anders. Jedenfalls ein weiteres Wesen von den Sternen, hier
gestrandet, vor Jahrhunderten, und noch immer nicht verfault. Ich habe in
Büchern über solche Wesen gelesen. Ein „Hetzender Schrecken“ vielleicht?

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Irgendjemand muß das Wesen gerufen haben… ich bin begeistert! Rotter
hingegen bekommt es mit der Angst zu tun. Ob das Wesen sicher tot sei? So
tot wie es aussieht… Aber er erinnert sich noch zu gut an das Kristallding,
das aus dem Boden herauswachsen konnte, und seine Umgebung beeinflussen
konnte. Da kommt dem Schauspieler ein schrecklicher Gedanke: Was, wenn
Andree seinem Kameraden den Gnadentod gab, nachdem dieser gestürzt war vom
Rücken des Drachen, oder von diesem aus den Lüften auf den Boden geworfen
wurde? Für mich hingegen sieht dieser Vogel aus, als sei er schon seit
tausend Jahren nicht geflogen.
Wir bedecken die Ausgrabung mit der verbleibenden Zeltplane und gehen
zurück Richtung Horn. Doch schon wieder packt Rotterchen die Angst, diesmal
vor eventuell wütenden Dörflern. Die könnten uns ja etwas wollen. Naja.
Deshalb will er lieber diesen ominösen Turm erkunden und dort um
Unterschlupf bitten, denn: „Einen Turm kann man besser verteidigen.“ Ich
sage lieber nichts zu seiner Fantasiewelt und schlage mit ihm den Weg
Richtung Turm ein.

WO EIN DRACHE, DA EIN TURM


Der Turm ist recht hoch und ziemlich alt. Seine schwere Tür steht halb
offen, scheinbar von innen aufgetreten. Da es in diesem gottverlassenen
Landstrich scheinbar immer nieselt, ist es ungemütlich genug, die Tür
auszuprobieren. „Das ist ihre Handschrift, Herr Doktor“, frotzelt Rotter, als
er die zersplitterte Tür anschaut. Im Erdgeschoss finden wir viele leere
Fässer, und landwirtschaftliches Gerät. Im Zwischengeschoss eine Küche: Hier
hat ein Kampf stattgefunden. In vier Tassen steht noch kalter Tee, eine ist
umgekippt. Als Arzt erkenne ich sofort den Geruch des Tees: In drei der
Tassen ist Laudanum drin! Der Hausherr wollte uns (?) betäuben, und ist
dabei aufgeflogen. Hier findet sich nun auch das blutige Küchenmesser, dazu
Einschusslöcher mit Revolverkugeln. Auch im Schlafzimmer weiter oben
stecken Kugeln in Balken und Möbeln. Der Hausherr scheint ein gewisser
BORIS FERKSON zu sein, er hat hauptsächlich Korrespondenz mit dem
Regierungsbezirk Detmold und einer Familie Mackensen, wohl von hier.
Ferkson handelt mit Landwirtschaftsgütern, warum bloß wollte er uns in den
Schlaf schicken? Und vor allem: Hat er auch Hektor Mailand auf dem
Gewissen, und hatte er Julius Andree betäubt?
In Ferksons Wandkalender ist der 2. Februar umkringelt, heute müsste
inzwischen der 29. Januar sein. Seine Kleidergröße ist ungefähr die meine,
also trage ich vermutlich seine Klamotten, nur: warum tue ich das?

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An der Wand schaut sich Henni ein Landschaftsgemälde an, die Externsteine
im düsteren Nebel. Sie entdeckt irgendwo einen Farbklecks,
eine Gestalt in einem wehenden Mantel.
Na und?
Auf Boris‘ Nachttisch liegt etwas, was
nicht zum westfälischen Buer’n passt:
Ein zerlesenes Heft mit einem
Theaterstück. „Le Roi en Jaune“, also
„Der König in Gelb“, übersetzt Henni.
Seltsam, Ferkson muß von dem
Schundheftchen wie besessen sein.
Wir suchen nun auch noch das
Obergeschoss ab, die Plattform unter der
Dachplattform. Auch hier wieder: Viele
Fässer (was ist da eigentlich drin?), ein
Kran, und in einem Fenster die Laterne,
die uns den Weg gewiesen hat.

Dann eine grausige


Entdeckung: In den
Ketten des Krans hängt
regungslos ein Körper.
Die Gestalt hat in etwa
meine Größe… und ihr
fehlt die Schädeldecke.

Das muß Boris Ferkson


sein, oder eher das, was
wir von ihm
übriggelassen haben.
Meine blutverschmierten
Sachen liegen in einer
Ecke herum...

Doch was wollte er auf


der Leiter zur
Dachplattform?

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