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Interview „Die Gemeinde“

- Kannst du dich in ein paar Worten vorstellen? Und deine musikalischen Interessen
(Chor, Instrument, vocal?)
- Mein Name ist Johannes Briese, ich studiere an der Evangelischen Popakademie in
Witten und schließe voraussichtlich im Juli mein Studium als Bachelor in
Kirchenmusik popular ab.
- Ich komme ursprünglich aus Siegen und habe regelmäßig die Gottesdienste
meiner Heimatgemeinde am Klavier begleitet und die Musik in der Gemeinde
mitgestaltet.
- Zusätzlich habe ich Big Band und Chor des Ev. Gymnasiums Siegen-Weidenau am
Klavier unterstützt und den Einsatz des Keyboards in der UnArt Coverband
vorangebracht, was mich letztlich zu der Entscheidung gebracht hat, an der
Evangelischen Popakademie zu studieren, denn eigentlich bin ich gelernter
Technischer Zeichner.
- Durch die Evangelische Popakademie wurde ich durch Chorleitungsunterricht und
Hochschulchor mit der Chorarbeit vertraut und habe seitdem Spaß daran
gefunden, Chöre anzuleiten und Freude am gemeinsamen Singen weiterzugeben.
- Meine stimmlichen Fähigkeiten habe ich tatsächlich erst im Studium entdeckt und
habe daran Spaß gefunden, zu singen.

- Was ist das Besondere an der Evangelischen Popakademie? Wie wird da Musik mit
theologischen Grundlagen verknüpft? (Ich hab gesehen, dass ihr da einen
Theologiedozenten habt) Und was kann man da musikalisch lernen?
- An der Evangelischen Popakademie wird hauptsächlich Musik gelehrt und man
lernt gemeinsam mit anderen Musikern z. B. in einer Band zu musizieren, aber
auch andere Musiker bspw. in Chor und Band anzuleiten. Auch an den eigenen
Fähigkeiten wird gearbeitet, denn der Einzelunterricht an den 3 Instrumenten
Klavier, Gitarre und Orgel, sowie am Gesang ist sehr individuell und holt einen
dort ab, wo man steht. Neben den praktischen Fächern gibt es aber auch den
wissenschaftlichen Bereich mit Musikpädagogik, Methodik, Psychologie,
Rechtskunde, Liturgik, Hymnologie, Musikgeschichte, Kulturmanagement und
Theologie.
- Der Unterricht in Theologischen Grundlagen befindet sich im Wandel, ist aber für
jeden Jahrgang nur für zwei Semester vorgesehen. Wir im ersten Jahrgang hatten
eine Art Bibelkunde, aber in den folgenden Jahrgängen wird inhaltlich mehr eine
Brücke zwischen Theologie und Kirchenmusik gebaut, indem man auf die
Entwicklung der Kirche und die verschiedenen Konfessionen eingeht.

- Wo übst du dich schon mal im Gemeindealltag? (Hier könntest du vom Praktikum


erzählen. Vielleicht bist du auch in einer Gemeinde regelmäßig musikalisch aktiv.)
- Gemeindealltag erlebe ich in der EFG Witten und ebenfalls in der EFG Siegen-
Geisweid, wo ich mich im Lobpreis an Klavier und Gesang einbringe. Die Auswahl
von Liedern und Einstudierung von neuen Liedern wird hier praktisch umgesetzt
und es wird einem schnell klar, dass musikalische Arbeit in einer Gemeinde mehr
ist, als nur Musik. Der Umgang mit Gemeindemitgliedern und
Gottesdienstbesuchern ist ein großer Teil davon. Gerade in meinem Praktikum
wurde mir deutlich, welchen seelsorgerischen Anteil man bei der Arbeit in einer
Gemeinde hat. Oft kommen Leute auf einen zu und bekunden Ihre Gemütslage,
die eines Lieder hervorgerufen hat oder sie beschreiben eine Erinnerung zu einem
Lied. Ich persönlich finde es interessant bis faszinierend, welche Geschichte
manches Lied beim Hörer aufweckt.
- In meinem Praktikum habe ich die Gemeindearbeit der EFG Kassel-Möncheberg
mit deren Popkantor Manuel Schienke erleben dürfen und festgestellt, dass diese
Arbeit nur möglich ist, wenn die ganze Gemeinde dahinter steht. Hier durfte ich
u.a. deren Gospelchor „Up to you“ mit über 80 Sängern einsingen, in der
Gottesdienstband mitsingen und Klavier spielen, in Arbeitskreise reinschauen und
auf Chor- und Gemeindefreizeit jeweils die Musik mitgestalten.
- Als Popkantor ist man zwar angestellter Musiker in einer Kirche, aber es geht
dabei mehr darum, neue Musiker anzuleiten und auszubilden, die im Gottesdienst
mitarbeiten. Durch die Arbeit des Popkantors Manuel Schienke war es z.B.
möglich, die Chorarbeit in der Gemeinde neu aufzubauen in Form eines
Gospelchors, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist und viele Menschen
von außerhalb der Gemeinde begeistert. Dieser Chor, der mir mit einer
unglaublich offenen Art und positiven Stimmung auffiel und sich unerwartet gut
durch die Einsingübungen führen ließ, hat mich besonders fasziniert. Außerdem
wurde ich dort sehr herzlich auf- und angenommen.

- Wie sehen die Berufsaussichten in Kirchen und Freikirchen aus?


- Das Studium Kirchenmusik popular ist natürlich in erster Linie auf Gliedkirchen der
EKD ausgerichtet, aber da ich persönlich eine eher freikirchliche Prägung habe,
würde ich mich dort bevorzugt umschauen, allerdings fällt es Freikirchen
schwerer, sich für die Anstellung eines Musikers zu entscheiden, da hier Kosten
anfallen, die die Freikirche selbst tragen muss. Auf der anderen Seite profitiert die
Freikirche davon, dass der Bereich Musik mit einem angestellten Musiker
professionalisiert wird und die Musik im Gottesdienst einlädt, anspricht und
Gottesdienstbesucher erreicht. Ich persönlich finde, dass man durch Musik im
Gottesdienst gezielt die Inhalte der Predigt noch einmal neu emotional erfahrbar
machen kann. Außerdem stärkt das gemeinsame Singen und Musizieren das
Gemeinschaftsgefühl einer Gemeinde, man singt in „Einheit“. Daher halte ich
Musik für einen wichtigen und umfangreichen Bereich in der Gemeindearbeit,
wofür es sich lohnt, jemanden einzustellen, der sich mit seiner ganzen Arbeitskraft
auf die Musikgestaltung einer Gemeinde konzentrieren kann.

- Was liegt dir im Hinblick auf Gemeindemusik besonders am Herzen? (Ich denke da
an Qualitätssteigerung, Einbindung von möglichst vielen jungen Menschen … oder
auch was ganz anderes.)
- Besonders am Herzen liegt mir die Evangelisation, das Erreichen möglichst vieler
Menschen durch Musik und die Teilhabe des Einzelnen am Musikgeschehen. Musik
verbindet und transportiert Emotionen. Daher ist Musik ein besonders gutes
Mittel, um das Evangelium emotional erfassbar zu machen und im gemeinsamen
Musizieren die Einheit einer Gemeinde spürbar zu machen.
- Außerdem soll die Musik Christus in den Mittelpunkt stellen, mit guter Musik
erreicht man zwar viele, aber es soll nicht die Musik sein, um die es im
Gottesdienst geht, vielmehr der Inhalt, der durch die Musik transportiert wird.
Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass gute Musik, die sich nicht in den
Vordergrund drängt, besonders effektiv ihre Inhalte transportiert.