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OLG Düsseldorf, Urteil vom 15.04.

2011 - I-23 U 90/10

Die Berufung der Klägerin und die Berufung des Streithelfers gegen das am
11.5.2010 verkündete Urteil der 3. Zivilkammer des Landgerichts Kleve werden
zurückgewiesen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Klägerin zu 15 % und der
Streithelfer der Klägerin zu 85 %.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.
Der Klägerin und ihrem Streithelfer wird nachgelassen, eine Voll-streckung des
Beklagten durch Sicherheitsleistung in Höhe von
120 % des gegen sie aus dem Urteil vollstreckbaren Betrages ab-zuwenden,
wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicher-heit in Höhe von 120 %
des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.
Die Revision wird nicht zugelassen.
Gründe

I.
Der Beklagte wurde von der Klägerin im Jahre 1999 mit den in § 15 Abs. 2 Ziff.
1 bis 8 HOAI a.F. aufgeführten Architektenleistungen hinsichtlich des
Bauvorhabens "Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses in K,S. K P
beauftragt. Das Gebäude wurde im Frühjahr 2000 fertig gestellt und bezogen.
Die Klägerin verlangt unter Bezugnahme auf Ausführungen ihres Streithelfers
von dem Beklagten die Zahlung von Schadensersatz, Feststellung
weitergehender Ersatzpflicht und Freistellung von Ansprüchen, die von einer
Mieterin geltend gemacht werden. Sie begründet dies damit, dass das Fehlen
einer Abdichtung auf der Bodenplatte, das Gebäude ist nicht unterkellert, als
Abweichung von der DIN 18195 einen Mangel darstelle, dass die fehlende
Schwelle im Türbereich des Wohnzimmers zur Terrasse als Mangel anzusehen
sei und die Sockelabdichtung nicht entsprechend der DIN ausgeführt sei. Die
Frage, ob Mängel vorliegen, war Gegenstand des selbständigen
Beweisverfahrens LG Kleve 2 OH 32/02, in dem der Sachverständige Dr. Ing. F
am 1.8.2003 und am 11.11.2004 schriftliche Gutachten verfasste und seine
Ergebnisse mündlich erläuterte.
Das Landgericht hat ein Obergutachten nebst ergänzenden Stellungnahmen
eingeholt und der Klage nur zu einem geringen Teil stattgegeben. Zur
Begründung hat das Landgericht ausgeführt:
Die Schwellenhöhe im Bereich des Wohnzimmerausgangs zur Terrasse sei
mangelhaft, die als Schadensersatz zuzusprechenden
Mangelbeseitigungskosten seien mit lediglich 3.703,88 € zu bemessen.
Die Kostenermittlung der Sachverständigen Dipl. Ing. M könne hierbei
zugrunde gelegt werden Im Übrigen seien keine Ansprüche der Klägerin
gerechtfertigt. Die fehlende oberseitige Abdichtung der Bodenplatte sei kein
Mangel. Das stehe aufgrund der Ausführungen der Sachverständigen Dipl.
Ing. Dr. M in ihrem Obergutachten nebst Ergänzungen fest. Die DIN 18195, die
eine solche Abdichtung vorsehe, gelte danach nicht für
wasserundurchlässigen Beton, wie er hier bei der Bodenplatte verwandt
worden sei. Eine Wasserdampfdiffusion sei nach den Gegebenheiten
ausgeschlossen. Die Ausführungen des Streithelfers der Klägerin seien danach
nicht zutreffend. Hinsichtlich der Abdichtung des Außenwandsockels stehe
fest, dass kein Mangel vorliege. Die Sachverständige Dr. M habe in ihrem
Obergutachten eine fehlerhafte Ausführung des Sockels verneint. Die Klägerin
könne auch keine Freistellung von Ansprüchen der Mieterin verlangen, weil
feststehe, dass der Mieterin keine Ansprüche gegen die Klägerin wegen der
behaupteten Feuchtigkeit in der Wohnung zuständen.
Gegen die Entscheidung des Landgerichts haben die Klägerin und ihr
Streithelfer Berufung eingelegt. Die Klägerin hat ihr Rechtsmittel beschränkt
auf die Änderung des abgewiesenen Freistellungsantrages hinsichtlich einer
Inanspruchnahme der Mieterin wegen baulicher Mängel der Mietwohnung
und des abgewiesenen Schadensersatzanspruches wegen Mietausfall. Der
Streithelfer wendet sich mit seiner Berufung gegen die Entscheidung des
Landgerichts, soweit die Klageanträge der Klägerin abgewiesen wurden. Die
Klägerin hat erklärt, dass sie mit den Anträgen des Streithelfers einverstanden
ist, auch soweit sie über die eigenen Anträge hinausgehen.
Die Klägerin nimmt zur Begründung des Rechtsmittels Bezug auf die
Ausführungen des Streitverkündeten und führt aus:
Das Landgericht habe zu Unrecht den Freistellungsanspruch bezüglich der von
der Mieterin geltend gemachten Ansprüche und den Anspruch auf Ersatz des
Mietausfallschadens abgewiesen. Dabei habe das Landgericht übersehen, dass
sie von der Mieterin vor dem Amtsgericht Geldern wegen der hier streitigen
Baumängel in Anspruch genommen werde und habe ihre Beweisantritte zu
den Feststellungen der Mängel übergangen.
Der Streithelfer der Klägerin führt zur Begründung der Berufung unter
Bezugnahme auf seinen erstinstanzlichen Vortrag aus:
Das Landgericht habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Denn
das Ergänzungsgutachten der Sachverständigen M vom 13.11.2009 sei ihm
nicht zugeleitet worden. Wäre dies erfolgt, hätte er einen Antrag gestellt, die
Sachverständige anzuhören. Zudem sei er nicht zu der Anordnung des
Landgerichts, gemäß § 128 Abs. 2 ZPO im schriftlichen Verfahren zu
entscheiden, angehört worden. Dem hätte er im Hinblick auf die notwendige
Anhörung der Sachverständigen M widersprochen. Soweit die Klägerin und
die Beklagte auf die Mitteilung des Gerichts über die beabsichtigte
Entscheidung im mündlichen Verfahren geschwiegen hätten, habe das
Landgerichts daraus kein Einverständnis ableiten dürfe, so dass die
Entscheidung an einem schwerwiegenden Mangel leide. Von daher sei eine
Zurückverweisung der Sache an das Landgericht geboten. Inhaltlich sei die
Entscheidung des Landgerichts falsch. Die Architektenleistungen des
Beklagten seien mangelhaft. Der Beklagte habe in seiner Planung vorgesehen,
dass der Estrichleger eine Abklebung der Bodenplatte vorzunehmen hatte.
Das entspreche auch der DIN 18195. Der Beklagte habe seine Pflichten im
Rahmen der Bauüberwachung nicht ausreichend wahrgenommen, da er sonst
festgestellt hätte, dass der Estrichleger die Abklebung nicht ausgeführt habe.
Sofern der Beklagte es für gerechtfertigt angesehen habe, von der DIN 18195
abzuweichen, hätte er die Klägerin darauf hinweisen müssen. Ein
Ersatzanspruch bestehe auch wegen der Ermittlungskosten bezüglich des
Mangels des Außensockels. Der Sockel sei nicht nach den Regeln der Technik
geplant, es handele sich um eine unübliche risikobehaftete Konstruktion.
Feuchtigkeitsschäden seien nicht auszuschließen. Mit der Klägerin seien die
Planung und das verbleibende Risiko nicht besprochen worden. Hinsichtlich
des Freistellungs- und Schadensersatzanspruches sei ihm die Möglichkeit
genommen worden, Fragen an die Sachverständige, die sich aufgrund des
Ergänzungsgutachtens ergeben hätten, zu stellen. Wegen der Messergebnisse
zur Feuchtigkeit in der Mietwohnung hätte jedenfalls ein technisches
Sachverständigengutachten eingeholt werden müssen. Seine Feststellungen
seien verwertbar gewesen, weil er diese zutreffend ermittelt habe. Übersehen
habe das Landgericht, dass die Leistungen des Beklagten nicht abgenommen
worden seien.
Die Klägerin beantragt,
den Beklagten unter Änderung der Entscheidung des Landgerichts zu
verurteilen,
sie von den Ansprüchen der Frau H P freizustellen, die diese gegen sie
aufgrund baulicher Mängel der Mietwohnung im Erdgeschoss des Hauses S K
P in K geltend machen kann,
an sie 11.462,40 € nebst Jahreszinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten
über dem Basiszinssatz seit dem 1.7.2001 zu zahlen.
Der Streithelfer der Klägerin beantragt,
das Urteil des Landgerichts Kleve teilweise zu ändern und
1.
den Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin 71.061,00 € nebst Zinsen
in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit
zu zahlen;
festzustellen, dass der Beklagte verpflichtet ist, den über 71.061 €
hinausgehenden Schaden zu ersetzen, der sich daraus ergibt, dass die
Bodenplatte des Hauses S K P in K entgegen der anerkannten Regeln der
Technik (insbesondere DIN 18195) nicht oberseitig abgedichtet, abgeklebt
wurde und deshalb saniert werden muss;
2.
den Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin 858,28 € nebst
Jahreszinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab
Rechtshängigkeit zu zahlen;
festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin den Schaden zu
ersetzen, der sich daraus ergibt, dass die Sockelabdichtung des Hauses S. K P
in K im Bereich der Hinterfront nicht entsprechend den anerkannten Regeln
der Technik geplant und ausgeführt worden ist;
3.
den Beklagten zu verurteilen, die Klägerin von den Ansprüchen der Frau Dr. H
P freizustellen, die diese gegen die Klägerin aufgrund baulicher Mängel der
Mietwohnung im Erdgeschoss des Hauses S K P in K geltend machen kann;
den Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin 11.462,40 € nebst
Jahreszinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem
1.7.2001 zu zahlen;
4.
hilfsweise
das Urteil des Landgerichts Kleve vom 11.5.2010 aufzuheben und zur erneuten
Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht Kleve zurückzuverweisen.
Der Beklagte beantragt,
die Berufungen der Klägerin und des Streithelfers zurückzuweisen.
Der Beklagte erwidert auf die Berufungen, wobei er auf seinen Vortrag aus der
ersten Instanz Bezug nimmt:
Die vom Streithelfer gerügten prozessualen Mängel des erstinstanzlichen
Verfahrens seien nicht gegeben. Der Streithelfer habe von dem Beschluss des
Landgerichts über die Einholung eines Ergänzungsgutachtens gewusst und
nachfragen können. Es werde bestritten, dass ihm nach dem 27.7.2009 keine
Anordnungen des Landgerichts zugegangen seien. Da das Landgericht im
vermuteten Einverständnis der Parteien das schriftliche Verfahren angeordnet
habe, liege auch insoweit kein Verstoß vor. Im Übrigen sei die Rüge des
Streithelfers, er habe zu dem Ergänzungsgutachten nicht Stellung nehmen
können, unbeachtlich, weil er sich auch in der Berufung mit dem Gutachten
inhaltlich nicht auseinandersetze. Es liege kein Mangel des Bauwerks und kein
von dem Beklagten zu ersetzender Schaden vor. Entgegen der Auffassung des
Streithelfers sei ein Verstoß gegen die DIN 18195 von der Sachverständigen M
gerade verneint worden. Der Streithelfer trage unwahr vor, da in den
Anweisungen an den Estrichleger keine Rede von einer Abdeckung auf der
Bodenplatte sei. Das sei auch erstinstanzlich festgestellt worden. Die Folie,
keine Abdeckung, die im Rahmen der Estricharbeiten geschuldet war, sei auch
vorhanden. Aufgrund des Ergebnisses der erstinstanzlichen Beweisaufnahme
stehe auch fest, dass der Sockel nicht mangelhaft sei. Die Entscheidung des
Landgerichts, dass eine Ursächlichkeit zwischen einer Fehlleistung des
Beklagten und dem behaupteten Wasserschaden zu verneinen sei, sei
zutreffend. Die unzutreffenden Feuchtigkeitsmessungen des Streithelfers seien
insoweit nicht einmal maßgebend. Einen Grund für weitere Feststellungen
oder eine Anhörung der Sachverständigen ergebe sich nicht. Der Vortrag des
Streithelfers zur Abnahme sei verspätet, nicht einmal die Klägerin bestreite die
Abnahme, Das Haus werde schon seit Jahren genutzt.
II.
A.
Die Berufung der Klägerin ist zulässig. Soweit ihr Rechtsmittel mit dem des
Streithelfers übereinstimmt, handelt es sich um ein einheitliches Rechtsmittel.
Die darüberhinausgehende vom Streithelfer geführte Berufung ist ebenfalls
zulässig, denn das weitergehende Rechtsmittel steht nicht im Widerspruch zu
Erklärungen und Handlungen der Klägerin. Haben Hauptpartei und Streithelfer
Berufung eingelegt, so handelt es sich um ein einheitliches Rechtsmittel, über
das einheitlich zu entscheiden ist (BGH, Beschl. v. 24.1.2006, VI ZB 49/05, NJW-
RR 2006, 644 mit zahlreichen Nachweisen zur ständigen Rechtsprechung des
Bundesgerichtshofs). Dies gilt allerdings nur, soweit die Anträge
übereinstimmen (vgl. dazu Zöller/Vollkommer, ZPO, 28. Auflage 2010, § 67 Rn.
5). Hat die unterstützte Partei in der ersten Instanz einen höheren Antrag
verfolgt, als mit dem eigenen Rechtsmittel verfolgt, dann ist die
weitergehende Berufung des Streithelfers zulässig, sofern die unterstützte
Partei mit diesem Vorgehen einverstanden ist (zutreffend OLG Hamm, Urt. v.
14.11.1996, 22 U 91/95, NJW-RR 1997, 206). Ihr Einverständnis hat die Klägerin
mit Schriftsatz vom 20.8.2010 ausdrücklich erklärt. Mit der Erklärung ihres
Einverständnisses hat die Klägerin die über ihr eigenes Rechtsmittel
hinausgehende Berufung des Streithelfers allerdings nicht zu ihrem eigenen
Rechtsmittel gemacht. Sie hat vielmehr mit Schriftsatz vom 20.8.2010 deutlich
gemacht, dass sie selbst nur in dem beschränkten Umfang gemäß ihrer
Antragstellung die Berufung verfolgt, woran sie nicht zu Letzt wegen des
Kostenrisikos ein Interesse hatte.
B.
Auf das Schuldverhältnis zwischen der Klägerin und dem Beklagten sind die
Bestimmungen des Bürgerliches Gesetzbuches in der bis zum 31.12.2001
geltenden Fassung anzuwenden, Art. 229, § 5 Satz 1 EGBGB.
C.
Die Berufung des Streithelfers der Klägerin hat keinen Erfolg. Der Klägerin
steht weder ein Gewährleistungsanspruch wegen des Fehlens einer
Abdichtung auf der Oberseite der Bodenplatte noch ein
Gewährleistungsanspruch wegen einer mangelhaften Sockelabdichtung gegen
den Beklagten zu.
1.
Der Streithelfer der Klägerin rügt allerdings zu Recht, dass das Verfahren der
ersten Instanz Rechte der Prozessparteien verletzt hat. Diese Verfahrensfehler
rechtfertigen jedoch keine Aufhebung der Entscheidung und Rückverweisung
der Sache gemäß § 538 Abs. 2 ZPO. Vielmehr kann der Senat in der Sache
selbst entscheiden.
a)
Soweit der Streithelfer der Klägerin rügt, dass er ein Einverständnis zu einem
schriftlichen Verfahren gemäß § 128 Abs. 2 ZPO nicht erteilt habe, ist eine
Verletzung der Prozessordnung durch das Landgericht, das die Entscheidung
im schriftlichen Verfahren erließ, nicht festzustellen. Die Zustimmung des
Streithelfers ist für eine Anordnung des schriftlichen Verfahrens nach
§ 128 Abs. 2 ZPO weder notwendig noch ausreichend
(Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 67 Auslage, § 128 Rn. 18;
Musielak/Stadler, ZPO, a.a.O. § 128 Rn. 13). Verfahrensfehlerhaft war die
Anordnung des schriftlichen Verfahrens aber deshalb, weil die Prozessparteien
selbst ihre Zustimmung hierzu nicht erteilt hatten. Nach Vorlage des
Ergänzungsgutachtens der Sachverständigen M hat das Landgericht zunächst
mit Verfügung vom 28.12.2009 einen Verhandlungstermin bestimmt und am
12.3.2010 unter Aufhebung des Termins "im vermuteten Einverständnis der
Parteien das schriftliche Verfahren gemäß § 128 Abs. 2 ZPO angeordnet".
Diese Vorgehensweise ist verfahrensfehlerhaft. Die Zustimmung zum
schriftlichen Verfahren muss als einseitige, den Prozess gestaltende Erklärung
klar, eindeutig und vorbehaltlos erfolgen, auch wenn sie nicht der Schriftform
unterliegt. Das Schweigen der Parteien auf die Verfügung des Landgerichts
ersetzt die Zustimmung nicht. Das Abweichen von dem Grundsatz, dass die
Verhandlung mündlich ist, kann nur durch eine zweifelsfreie Erklärung der
Parteien gerechtfertigt werden, die in einem Schweigen regelmäßig nicht
gesehen werden kann, es sei denn, dass besondere Umstände hierzu Anlass
geben. Die Nichtbeantwortung einer gerichtlichen Anfrage kann nicht als
solcher Umstand gewertet werden (Zöller/Greger, ZPO, a.a.O.§ 128 Rn. 4;
Baumbach/Lauterbach/Albers/ Hartmann, ZPO, 65. Aufl., § 128 Rn. 19;
Münchner-Kommentar/Wagner, ZPO, a.a.O. § 128 Rn. 29). Schweigen kann nur
dann als Zustimmung gem. § 128 Abs. 2 ZPO gewertet werden, wenn eine
Pflicht zur Erklärung besteht. Eine solche Pflicht kann das Gericht den Parteien
nicht dadurch auferlegen, dass es gegen ihren Willen eine Abweichung von
dem Grundsatz mündlicher Verhandlung ankündigt, falls dem nicht binnen
gesetzter Frist widersprochen werde. Das Gericht steht den Parteien auch nicht
in einem Vertragsverhältnis gegenüber, das den Parteien nach Treu und
Glauben eine Pflicht zur ausdrücklichen Ablehnung des gerichtlichen
Vorschlags schriftlicher Entscheidung auferlegen könnte. Schweigen der
Parteien auf die Anordnung des schriftlichen Verfahrens "im vermuteten
Einverständnis der Parteien” bedeutet daher grundsätzlich keine
Zustimmung gem. § 128 Abs. 2 ZPO (BGH, Urt. v. 20.3.2007, VI ZR 254/05, NJW
2007, 2122).
b)
Ein weiterer Verfahrensfehler des Landgerichts liegt darin, dass der Streithelfer
der Klägerin weder über die Terminierung noch über die Terminsaufhebung
und die Anordnung des schriftlichen Verfahrens unterrichtet worden ist. Darin
liegt, auch wenn seine Zustimmung zu der Anordnung des schriftlichen
Verfahrens nicht notwendig ist, ein Verstoß gegen seinen Anspruch auf
rechtliches Gehör, Art. 103 GG. Denn es wurde ihm die Möglichkeit
genommen, durch Sachvortrag auf die Ermessenentscheidung des
Landgerichts Einfluss zu nehmen. Der Streithelfer hat ein Recht auf Teilnahme
an der mündlichen Verhandlung und auf Beteiligung an ihrer schriftsätzlichen
Vorbereitung. Alle Schriftsätze, Ladungen und Bekanntmachungen von
Terminen sind ihm zu übermitteln (Musielak/Weth ZPO 7 Aufl. § 67 Rdn. 3;.).
Auch ist er berechtigt, in den Grenzen des § 67 ZPO Angriffs- und
Verteidigungsmittel geltend zu machen und alle Prozesshandlungen wirksam
vorzunehmen. Insofern steht dem Streithelfer ein Anspruch auf rechtliches
Gehör zu. Bei diesem Anspruch handelt es sich nicht um ein vom Recht der
unterstützten Hauptpartei auf rechtliches Gehör abgeleitetes,
unselbstständiges Recht, sondern der Streithelfer ist originär Träger des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. BGH; Beschl. v. 12.6.2009, XII ZR
75/07, NJW 2009, 2679 mit weiteren Nachweisen; Bonner Kommentar zum
GG/Rüping Art. 103 Abs. 1 Rdn. 95; Stein/Jonas/Leipold ZPO 22. Aufl. vor §
128 Rdn. 35; Zöller/Vollkommer ZPO 28. Aufl. § 67 Rdn. 2).
c)
Verfahrensfehlerhaft war es auch, dass dem Streithelfer das
Ergänzungsgutachten der Sachverständigen M nicht übersandt wurde, und
ihm deshalb die Möglichkeit genommen war, zu den Ausführungen der
Sachverständigen Stellung zu nehmen. Auch insoweit liegt ein Verstoß gegen
den Grundsatz vor, dass auch dem Streithelfer rechtliches Gehör zu gewähren
ist. Dem Streithelfer wurde die Möglichkeit genommen, die Anhörung der
Sachverständigen M zu beantragen. Einem solchen Antrag hätte das
Landgericht nachkommen müssen, weil sich diese Prozesshandlung innerhalb
der Befugnis des Streithelfers verhält und er sich damit nicht im Widerspruch
zu dem Schweigen der Klägerin gesetzt hätte. Die von einer Partei beantragte
Ladung eines Sachverständigen ist grundsätzlich auch dann erforderlich, wenn
das Gericht - wie hier - das schriftliche Gutachten für überzeugend hält und
keinen weiteren Erläuterungsbedarf sieht. Zur Gewährleistung des rechtlichen
Gehörs nach §§ 397, 402 ZPO hat die Partei einen Anspruch darauf, dass sie
dem Sachverständigen die Fragen, die sie zur Aufklärung der Sache für
erforderlich hält, zur mündlichen Beantwortung vorlegen kann (st. Rspr. BGH,
Beschl. v. 7.12.2010, VIII 96/10; BGH, Beschl. v. 14.7. 2009, VIII ZR 295/08, NJW-
RR 2009, 1361; BGH, Beschl. v. 22.5.2007, VI ZR 233/06, NJW-RR 2007, 1294;
BGH, Urt. v. 7.10.1997, VI ZR 252/96, NJW 1998, 162). Dieses Antragsrecht
besteht unabhängig von der nach § 411 Abs. 3 ZPO im pflichtgemäßen
Ermessen des Gerichts stehenden Möglichkeit, von Amts wegen das
Erscheinen eines Sachverständigen zum Termin anzuordnen (BGH, Beschl. v.
5.9.2006, VI ZR 176/05, WuM 2006, 634 BGH, Beschl. v. 14.7.2009,VIII ZR
295/08, aaO). Beschränkungen des Antragsrechts können sich allenfalls aus
dem - hier nicht vorliegenden - Gesichtspunkt des Rechtsmissbrauchs oder
der Prozessverschleppung ergeben. Diese für die Prozesspartei entwickelten
Grundsätze sind auf den Streithelfer anwendbar. Dies folgt aus §§ 67, 71 Abs. 3
ZPO. Das Landgericht hätte die Anhörung der Sachverständigen auch nicht
von der schriftsätzlichen Formulierung von Fragen abhängig machen können.
Von der Partei, die einen Antrag auf Ladung eines Sachverständigen stellt,
kann nicht verlangt werden, dass sie die Fragen, die sie an den Gutachter zu
richten beabsichtigt, im Voraus konkret formuliert (vgl. BGH, Beschl.
14.7.2009, VIII ZR 295/08, NJW-RR 2009, 1361; BGH, Beschl. v. 22.5.2007, VI ZR
233/06, NJW-RR 2007, 1294). Es ist auch nicht erforderlich, dass ein
Erläuterungsbedarf von der Partei konkret dargetan wird. Vielmehr genügt es,
wenn sie allgemein angibt, in welcher Richtung sie durch ihre Fragen eine
weitere Aufklärung herbeizuführen wünscht. Dies gilt grundsätzlich auch dann,
wenn ein Sachverständiger nicht als Erstgutachter eingeschaltet wurde,
sondern ein weiteres Gutachten erstattet hat (BGH, Beschl. v. 7.12.2010, VIII ZR
96/10; vgl. zum Fall eines Ergänzungsgutachtens BGH, Beschl. v. 22.5.2007, VI
ZR 233/06, NJW-RR 2007, 1294).
d)
Die vorstehenden Verfahrensfehler rechtfertigen nicht die Aufhebung des
Urteils und die Zurückverweisung. Die Zurückverweisung kann nur erfolgen,
wenn aufgrund dieses Mangels eine umfangreiche Beweisaufnahme
notwendig ist, § 538 ZPO. Der Senat hat die Anhörung der Sachverständigen
in seiner mündlichen Verhandlung durchgeführt und damit dem Streithelfer
der Klägerin die Möglichkeit gegeben, seine Einwände gegen das Gutachten
der Sachverständigen Dip. Ing. Dr. M vorzutragen und Fragen zu deren
Beurteilungen und Feststellungen zu stellen.
2.
Der Klägerin steht der mit 71.061 € bezifferte Schadensersatzanspruch
gemäß § 635 BGB wegen des Fehlens einer Abdichtung oberhalb der
Bodenplatte gegen den Beklagten nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme
nicht zu. Dementsprechend war auch der Anspruch auf Feststellung weiterer
Ersatzpflicht wegen dieses behaupteten Mangels abzuweisen.
a)
Ein Planungsmangel der Werkleistung des Beklagten, der in seinen Planungen
eine Abdichtung oberhalb der Bodenplatte nicht vorgesehen hat, liegt nicht
vor, § 633 BGB.
Maßstab für die Haftung des Architekten, dem, wie hier, sämtliche
Leistungsphasen des § 15 HOAI in Auftrag gegeben wurden, ist seine
Verpflichtung, für die mangelfreie Erstellung des Bauwerks zu sorgen. Lassen
sich durch Vertragsauslegung keine ausdrücklichen Feststellungen bezüglich
der notwendigen planerischen Vorgaben treffen, kommt es darauf an, ob das
Werk so hergestellt ist, dass es nicht mit Fehlern behaftet ist, die die
Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen Gebrauch aufheben oder mindern. Dabei
sind die anerkannten Regeln der Technik von erheblicher Bedeutung. Ist eine
Planung nach den anerkannten Regeln der Technik geschuldet, was der Fall
ist, wenn die Vertragspartner nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart
haben, so ist eine Abweichung von diesem "Qualitäts- und Komfortstandard"
als Planungsfehler zu qualifizieren, es sei denn, es gelingt der Nachweis, dass
weder der Wert noch die Tauglichkeit des Werks beeinträchtigt sind. Nach
dem hier anzuwendenden bis zum 31.12.2001 geltenden Recht war die
Definition des Fehlers gemäß § 633 BGB vom Begriff der
Gebrauchstauglichkeit geprägt. Danach liegt nur dann ein Mangel vor, wenn
hierdurch die Tauglichkeit zu dem nach dem Vertrag vorausgesetzten
Gebrauch gemindert ist. Bei der Feststellung des Mangels ist demnach nicht
auf die prozentuale Abweichung vom Leistungssoll abzustellen, sondern vor
allem auf deren Auswirkungen auf die vertraglich vorausgesetzte Nutzbarkeit
(vgl. BGH, Urt. v. 11.11.2003, X ZR 131/01, BauR 2004, 851). Im Rahmen der
Planung der Abdichtung eines Gebäudes muss der Architekt unter Beachtung
der allgemeinen Regeln der Technik den nach Sachlage notwendigen Schutz
gegen Eindringen von Wasser und Feuchtigkeit vorsehen. Die Planung der
Abdichtung eines Bauwerkes muss bei einwandfreier Ausführung zu einer
fachlich richtigen, vollständigen und dauerhaften Abdichtung führen (BGH,
Urt. v. 14.2.2001, 23 U 176/99, BauR 2001, 823; BGH, Urt. v. 15.6. 2000, VII ZR
212/99, BauR 2000, 1330). Unstreitig ist vorliegend, dass das Gebäude einen
ausreichenden Schutz gegen das Eindringen von Wasser aufweist. Die
zwischen den Parteien streitige Frage, ob darüber hinaus eine Abdichtung
gegen Dampfdiffusion nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik
erforderlich und deshalb zu planen war, bedarf keiner abschließenden
Entscheidung, weil nach der hier vorliegenden Konstruktion eine
Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit nicht vorliegt und unter diesem
Gesichtspunkt ein Mangel im Sinne des § 633 BGB zu verneinen ist.
aa)
Die Architektenleistungen sind zu messen an den anerkannten Regeln der
Technik zum Zeitpunkt der Planung, Ausführung und Abnahme der
Architektenleistung (BGH Urt. v. 14.5.1998, VII ZR 184/97, BauR 1998, 872). Die
allgemein anerkannten Regeln der Technik bzw. Baukunst stellen dabei die
Summe der im Bauwesen anerkannten wissenschaftlichen, technischen und
handwerklichen Erfahrungen dar, die durchweg bekannt und als richtig und
notwendig anerkannt sind. Maßgebend sind hier die im Jahre 2000 geltenden
anerkannten Regeln der Technik, weil die Planung des Beklagten und die
Errichtung des Bauwerks in diesem Jahr erfolgten. Regelungen zur Abdichtung
gegen Bodenfeuchte auf einer Bodenplatte bei einem, wie hier, nicht
unterkellerten Gebäude enthielt die DIN 18195 Teil 4 Stand 1983, die mit
Wirkung ab August 2000 neu gefasst war. Es spricht eine widerlegbare
Vermutung dafür, dass DIN-Normen den anerkannten Stand der Technik
wiedergeben. Für Bodenplatten sahen die Regelungen der DIN 18195 Teil 4
die Abdichtung zur Verhinderung von Dampfdiffusion vor. Die aus dem Jahre
1983 stammende DIN machte hinsichtlich der Qualität der Bodenplatte keine
Differenzierungen. Seit dem Jahre 1983 hatte sich die Qualität der
Betonbodenplatte deutlich verbessert, insbesondere waren die Bodenplatten
aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton) weiterentwickelt worden. Die
Neufassung der DIN 18195 im August 2000 sah deshalb im Teil 1 zu den
allgemeinen Grundsätzen eine Änderung vor, wonach diese Norm nicht
geltend sollte, für "Bauteile, die so wasserundurchlässig sind, das die
Dauerhaftigkeit des Bauteils und die Nutzbarkeit des Bauwerks ohne weitere
Abdichtung im Sinne dieser Norm gegeben sind. In diesem Sinne gilt sie auch
nicht für Konstruktionen aus wasserundurchlässigem Beton, wenn geringe
Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft bestehen und wenn der
Fußbodenaufbau durch Feuchte nicht geschädigt wird.". Der Senat hat in
seiner Entscheidung vom 22.2.2011 (23 U 218/09) ausgeführt, dass es bei
höheren Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft trotz der
Wasserundurchlässigkeit der Betonplatte den anerkannten Regeln der Technik
entsprach, Maßnahmen zur Abdichtung gegen Dampfdiffusion zu ergreifen.
Die Sachverständige Dr. M hat für den vorliegenden Fall in ihrer mündlichen
Anhörung ausgeführt, dass eine Abdichtung gegen Dampfdiffusion aus
technischen Gründen nicht erforderlich war, wohl aber aus Vorsicht bzw.
aufgrund der unbeschränkten Regelung der DIN 18195 Stand 1983 weiterhin
so gehandhabt wurde. Das entspricht den Ausführungen und Feststellungen,
die der Sachverständige Dr. F im Rahmen des selbständigen Beweisverfahrens
getroffen hat.
bb)
Ob die Handhabung einer Abdichtung aus Vorsicht genügt, um daraus
allgemein anerkannte Regeln der Technik abzuleiten und ob bei einer
Wohnraumnutzung regelmäßig eine Diffusionsabdichtung auch bei einer
Bodenplatte aus WU-Beton nach den anerkannten Regeln der Baukunst
vorzusehen war, braucht der Senat nicht abschließend zu entscheiden. Denn
wegen des hier vorliegenden Bodenaufbaus kann es nicht zu einer
Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit wegen des Fehlens einer
Diffusionsabdichtung kommen. Bei der Bodenplatte handelt es sich um eine
Betonplatte mit der Qualität WU-25 (soweit die Prozessbeteiligten im Termin
vom 29.3.2011 einen WU 35 Beton genannt haben dürfte es sich angesichts
der vorliegenden Bauunterlagen um einen Irrtum handeln) mit einer Dicke von
30 cm, auf der eine Wärmedämmung aufliegt, und nach der Örtlichkeit ist der
Lastfall "Bodenfeuchte" gegeben. Unter Berücksichtigung dieser Vorgaben
haben der Sachverständige Dr. F und die Sachverständige Dr. M ausgeführt,
dass das Fehlen der Abdichtung nicht zu einer Dampfdiffusion in den
Wohnraum führen kann. Der Senat ist aufgrund der vorliegenden Gutachten
nach Abwägung der Einwände des Streithelfers der Klägerin davon überzeugt,
dass eine Einschränkung der Gebrauchstauglichkeit für das Haus der Klägerin
zu verneinen ist. Der Sachverständige Dr. F hat unter eingehender
Auseinandersetzung mit den Ausführungen des Streithelfers in seinem
Gutachten vom 1.8.2003 (LG Kleve 2 OH 32/02) und in seinem
Ergänzungsgutachten vom 26.4.2004 ausgeführt, dass ein Diffusionsstrom
nach oben nicht stattfindet, was dokumentiert werde durch das
Feuchtediagramm des Ingenieurbüros K und L, das der Streithelfer der
Klägerin in Auftrag gegeben hatte. Die Feuchteverteilung und die gemessenen
Feuchtigkeitsgrade belegten, so der Sachverständige Dr. F, dass es keine
Dampfdiffusion in den Wohnraum gegeben haben kann. Dr. F hat in seiner
mündlichen Anhörung im Rahmen des selbständigen Beweisverfahrens seine
Feststellungen im Hinblick auf die Einwände des Streithelfers der Klägerin
eingehend begründet und eine Dampfdiffusion zum Wohnraum hin bei Beton
WU 25 mit einer Stärke von 30 cm definitiv ausgeschlossen. Diesen auf
Messungen und nachvollziehbaren physikalischen Gegebenheiten beruhenden
Feststellungen hat sich die als Obergutachterin vom Landgericht beauftragte
Sachverständige Dr. M aufgrund eigener Prüfung angeschlossen. Die
Sachverständige Dr. M hat die physikalischen Grundlagen einer
Wasserdampfdiffusion in ihrem Gutachten vom 24.1.2007 näher dargelegt und
erläutert. Wasserdampfdiffusion ist nach der allgemeinen Definition (vgl etwa
Baurecht online , technische Begriffe, Stichwort "Wasserdampfdiffusion") der
Konzentrationsausgleich von unterschiedlichem Wasserdampfteildruck
aufgrund der Brownschen Molekularbewegung. Die
Wasserdampfkonzentration hängt ihrerseits von der Temperatur und dem
jeweiligen Wassergehalt/der relativen Feuchte ab. Differenzen zwischen
Wasserdampfteildrücken führen zu einem Massestrom von der höheren
Konzentration hin zur niedrigeren. Wie die Sachverständige Dr. M aufgrund
von Berechnungen unter Berücksichtigung von verschiedenen Temperaturen
und Feuchtegehalten, wobei sie auch Angaben des Streithelfers der Klägerin
zugrunde gelegt hat, erläutert hat, kann unter Berücksichtigung der hier
vorliegenden Wärmedämmung der Diffusionsstrom nur von oben nach unten
gerichtet sein, weil ein anderer Druckausgleich nicht denkbar ist. Die hohen
Temperaturen auf den Bodenplatte, die erst ein anderes Ergebnis herbeiführen
könnten, können hier wegen der Wärmedämmung nicht entstehen. Auf die
Einwände des Streithelfers der Klägerin hin, hat die Sachverständige Dr. M ihre
Feststellungen über die Diffusionsströme eingehend auch unter
Berücksichtigung wissenschaftlicher Veröffentlichungen untermauert. Sie hat
die Ausführungen von Prof. O wiedergegeben, der sich eingehend mit dieser
Problematik aus bauphysikalischer Sicht auseinander gesetzt hat. Die
Sachverständige Dr. M hat sich auch mit der BEB-Richtlinie befasst, auf die der
Streithelfer der Klägerin Bezug genommen hat. Wegen der bauphysikalischen
Gegebenheiten ergibt sich aus dieser Richtlinie, wie die Sachverständige
detailliert dargelegt hat, keine andere Beurteilung. Aufgrund der
übereinstimmenden Gutachten der Sachverständigen Dr. M und Dr. F hält es
der Senat aus physikalischen Gründen für ausgeschlossen, dass es bei dem
hier vorliegenden Bodenaufbau mit oberseitiger Wärmedämmung zu einer
Dampfdiffusion und damit zu einer Beeinträchtigung der
Gebrauchstauglichkeit in dem Haus der Klägerin kommen kann. In ihrer
mündlichen Anhörung vor dem Senat, bei der der Streithelfer der Klägerin, der
als Sachverständiger eine andere Sichtweise zur Gefahr der Dampfdiffusion
vertritt, als die vom Gericht beauftragten Gutachter, eingehend die
Feststellungen der Sachverständigen Dr. M hinterfragt hat, hat die
Sachverständige Dr. M das von ihr und dem Sachverständigen Dr. F vertretene
Ergebnis unter Bezugnahme auf wissenschaftliche Literatur überzeugend
erläutert.
b)
Soweit der Streithelfer sich auf einen Bauüberwachungsfehler des Beklagten
beruft, scheidet eine Haftung aus § 635 BGB ebenfalls aus. Denn ein Mangel
der Architektenleistung setzt voraus, dass die Abdeckung notwendig war und
der Beklagte deshalb in Ausübung seiner Überwachungstätigkeit hätte darauf
hinwirken müssen, dass der Rohbauunternehmer diese Abdeckung vornimmt.
Da die Abdichtung gegen Dampfdiffusion nicht erforderlich war, ist eine
mangelhafte Bauüberwachung des Beklagten zu verneinen.
3.
Ein Schadensersatzanspruch wegen einer fehlerhaft geplanten und
ausgeführten Sockelabdichtung steht der Klägerin gegen den Beklagten nicht
zu, § 635 BGB. Sowohl der auf Zahlung von 858,28 € gerichtete
bezifferte Anspruch als auch der Feststellungsantrag wegen eventueller
weitergehender Schäden waren abzuweisen.
Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme hat sich die Behauptung des
Streithelfers der Klägerin, der Beklagte habe die Fußpunktabdichtung
fehlerhaft geplant und eine erforderliche Drainage nicht angeordnet, nicht
bestätigt, § 633 BGB.
Der Sachverständige Dr. F hat in seinem Gutachten vom 1.8.2003 (LG Kleve 2
OH 32/02) ausgeführt, dass eine Ringdrainage, wie sie der Streithelfer der
Klägerin für notwendig hielt, angesichts des nur geringen Gefälles des
Geländes von 1 % zum Gebäude hin und des sickerfähigen Bodens nicht
erforderlich sei. Sowohl in dem Erstgutachten als auch in dem
Ergänzungsgutachten vom 26.4.2004, das der Sachverständige Dr. F im
Hinblick auf Vorhalten des Streithelfers der Klägerin im selbständigen
Beweisverfahren fertigte, hat der Gutachter dargelegt, dass der
Sockelanschluss fehlerfrei geplant und ausgeführt sei. Eingehend und für den
Senat überzeugend, hat sich der Sachverständige mit den Fragen zur
Örtlichkeit und etwaigen Dichtheitsproblemen, wie sie der Streithelfer der
Klägerin aufgezeigt hatte, auseinandergesetzt und Abdichtungsprobleme
verneint. In seiner mündlichen Anhörung im Rahmen des selbständigen
Beweisverfahrens vom 11.11.2004 hat der Sachverständige Dr. F nach Einsicht
in die Vermessungsunterlagen ausgeführt, dass ein Wasserzulauf zum Haus
hin zu verneinen ist, so dass weder eine besondere Abdichtung noch eine
Drainage erforderlich sind. Eine Hanglage, die zusätzliche
Abdichtungsmaßnahmen erforderlich machen könnte, hat auch die
Sachverständige Dr. M nicht festgestellt. Die Sachverständige Dr. M hat die
Topographie in Augenschein genommen und sich mit der Konstruktion des
Gebäudes befasst. Darüberhinaus hat sie einen Test zur Sickerfähigkeit des
Bodens vorgenommen. Als Ergebnis hat sie in ihrem Gutachten vom 24.1.2007
in Übereinstimmung mit den Ausführungen des Sachverständigen Dr. F
ausgeführt, dass selbst extreme Niederschläge im Untergrund schadlos
versickern, drückendes Wasser ausgeschlossen ist und weitergehende
Abdichtungsmaßnahmen als geplant und ausgeführt nicht erforderlich sind.
Der Auffassung des Streithelfers des Klägers, es seien wegen einer Hanglage
weitergehende Abdichtungsmaßnahmen erforderlich, trat die Sachverständige
Dr. M in sehr ausführlichen Stellungnahmen in den Ergänzungsgutachten vom
21.10.2008 und 13.11.2009 entgegen. Unter Berücksichtigung des 12,50 m von
der Terrasse entfernten Hochpunktes von 30 cm über Null und der
Sickerungsfähigkeit des Bodens ist, so die Sachverständige Dr. M, eine
Belastung des Hauses durch drückendes Wasser ausgeschlossen. Auf Vorhalt
des Streithelfers der Klägerin ist die Sachverständige Dr. M auch bei der
mündlichen Anhörung vor dem Senat bei ihren Feststellungen geblieben. Die
von den beiden Gerichtsgutachten vertretene Auffassung, die sich auf
Erkenntnisse und Vermessungen der Örtlichkeit, einem Versickerungstest und
Feststellungen zur Bodenqualität stützt, hat den Senat überzeugt, auch wenn
der Streithelfer der Klägerin unverändert an seiner Auffassung festhält.
D.
Die einheitliche Berufung der Klägerin und ihres Streithelfers hat ebenfalls
keinen Erfolg. Das Landgericht hat im Ergebnis zutreffend einen Anspruch der
Klägerin auf Freistellung von Ansprüchen der Mieterin wegen baulicher
Mängel der vermieteten Wohnung und einen Anspruch auf Zahlung von
11.462,40 € Mietausfallschaden verneint.
Der Klägerin steht ein Schadensersatzanspruch gegen den Beklagten sowie
ein Freistellungsanspruch nicht zu, §§ 633, 635 BGB. Nach dem Ergebnis der
Beweisaufnahme kann nicht festgestellt werden, dass die Ansprüche, die die
ehemalige Mieterin gegen Klägerin geltend macht, sowie die von dieser
vorgenommenen Mietminderungen auf Fehler der Architektenleistungen des
Beklagten zurückzuführen sind.
Die Mieterin hat die Miete einbehalten und das Vertragsverhältnis mit der
Klägerin gekündigt, weil sie die Bewohnbarkeit durch erhöhte Feuchtigkeit in
der Wohnung beeinträchtigt sah. Inwieweit diese Feuchtigkeit objektivierbar
ist, oder es sich um ein subjektives Empfinden der Mieterin handelt, ist nicht
durch den Senat zu entscheiden. Denn jedenfalls konnte in dem vorliegenden
Prozess nicht festgestellt werden, dass der beklagte Architekt durch
Planungsfehler oder durch eine unzureichende Bauüberwachung Baumängel
zu verantworten hat, die Ursache der Feuchtigkeitserscheinungen sein können.
Es ist in der Berufungsinstanz nicht mehr streitig, dass die Abdichtung zur
Terrasse nicht ordnungsgemäß geplant und ausgeführt war. Insoweit ist der
Klägerin vom Landgericht ein Schadensersatzanspruch zugesprochen worden.
Unstreitig ist auch, dass es im August 2000 zu einem erheblichen
Wasserschaden infolge von Vandalismus gekommen ist. Wasserführende
Schläuche von Waschmaschinen im 3. Obergeschoss des Hauses waren
durchschnitten worden und hatten das gesamte Gebäude, so auch die
Wohnung der Mieterin im Erdgeschoss, unter Wasser gesetzt. Die
Sachverständige Dr. M hat sich mit diesem Vorgang eingehend befasst und
aufgrund der vorgelegten Feuchtigkeitsmessungen ausgeführt, dass die
erhöhten Werte auch nach Durchführung der Austrocknungsmaßnahme auf
den Vandalismus zurückzuführen seien. Dafür sprächen, so die
Sachverständige, die Lage der erhöhten Feuchtigkeitswerte, die im Bereich
zum innenliegenden Treppenhaus hin gemessen wurden. In ihrem
Ergänzungsgutachten vom 21.10.2008 hat die Sachverständige Dr. M gestützt
auf das Privatgutachten des Sachverständigen H und den Prüfbericht des
Hygieneinstituts, den die Mieterin eingeholt hatte, ausgeführt, dass der
Wasserschaden die Wohnung der Mieterin sehr viel mehr in Mitleidenschaft
gezogen habe, als ursprünglich angenommen. Unter Auswertung der
Messergebnisse und des Feuchteverteilungsdiagramms des Ingenieurbüros K
& L führt die Sachverständige Dr. M aus, dass die gemessene Feuchtigkeit
nicht darauf zurückgeführt werden könne, dass die Abrichtung im Bereich der
Terrasse mangelhaft war oder eine Abdichtung oberhalb der Bodenplatte
fehlte. Die Gutachterin hat sich mit den Einwänden des Streithelfers der
Klägerin eingehend auseinandergesetzt und zu den verschiedenen
Messmethoden sowie den daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen Stellung
genommen. Für den Senat ist von überzeugender Bedeutung, dass aufgrund
der Messungen eine Zuordnung erhöhter Feuchtigkeit weder auf eine
unzureichende Schwellenabdichtung im Bereich der Terrasse noch auf
sonstige Planungsfehler des Beklagten zurückgeführt werden kann. Der
Sachverständige Dr. F ist in seinem Gutachten im Rahmen des selbständigen
Beweisverfahrens ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass die
Feuchtigkeitserscheinungen in der Wohnung des Erdgeschoss nicht kausale
Folge einer unzureichenden Leistung des Architekten sein könnten. So heißt
es in seinem Gutachten vom 1.8.2003 (LG Kleve 2 OH 32/02), das er auch nach
Vorhalten des Streithelfers der Klägerin weder in seinem Ergänzungsgutachten
vom 26.4.2004 noch in seiner mündlichen Anhörung am 13.11.2004 revidierte,
dass die Baumängel am Terrassenfensteranschluss, die nicht vorhandene
Abdichtung auf der Betonrohsohle und die Art und Weise der Ausführung der
Vorsatzschalen-Fußpunktabdichtung, die im Innenbereich der Wohnung
festgestellten Feuchtigkeitsschäden nicht verursacht haben können.
Angesichts der wissenschaftlich begründeten und auf örtlichen Feststellungen
beruhenden Ausführungen der Sachverständigen Dr. M und Dr. F sieht der
Senat keinen Anlass, den Ausführungen des Streithelfers der Klägerin, der
unverändert eine andere Auffassung vertritt, zu folgen.
III.
Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 97 Abs. 1 ZPO und berücksichtigt, dass
die eigenständige Berufung des Streithelfers der Klägerin über das gemeinsam
mit der Klägerin geführte Rechtsmittel hinausgeht. Die Entscheidung zur
vorläufigen Vollstreckbarkeit beruht auf §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO.
Die Voraussetzungen für eine Zulassung der Revision liegen nicht vor,
§ 543 Abs. 2 ZPO.
Streitwert des Berufungsverfahrens: 103.381,68 €
Daran ist die Klägerin mit 16.462,40 € (Freistellungsantrag 5.000
€; Zahlungsantrag 11.462,40 €), der Streithelfer insgesamt
beteiligt. Letzterer mit folgenden Anträgen: zu 1a) 71.061 €, zu 1b)
10.000 €, zu 2a) 858, 28 €, zu 2b) 5.000 €, zu 3a) 5.000
€, zu 3b) 11.462,40 €).