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Heinrich der Löwe (* um 1129/30 oder 1133/35; † 6.

August 1195 in Braunschweig) aus dem


Geschlecht der Welfen war von 1142 bis 1180 Herzog von Sachsen(Heinrich III.) sowie von 1156 bis
1180 Herzog von Bayern (Heinrich XII.).

Krönungsbild aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen. In der oberen Bildhälfte Christus, der ein Schriftband mit
Bibeltext entrollt. Die weiteren Personen sind Apostel, Heilige und Erzbischöfe. In der unteren Bildhälfte reichen
zwei gekreuzte Hände Kronen vom Himmel herab auf Mathilde und den knienden Herzog. Die umstehenden
Personen sind die Eltern Heinrichs und Mathildes. Sie sind meist durch Inschriften gekennzeichnet und
kreuztragend dargestellt.[1]Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 105 Noviss. 2°, fol. 171v.
Im oberen Bildteil thront Maria als gekrönte Himmelskönigin zwischen Johannes dem Täufer, dem ersten Patron
der Braunschweiger Stiftskirche, und dem Apostel Bartholomäus. Von ihr geht ein Schriftband herab mit den
Worten „Komm mit meiner Hilfe zum Reich des Lebens“. Die Schriftbänder des Johannes und des Bartholomäus
zeigen den Text: „Durch uns werden fest im Leben gegründet, die uns verehren.“ Im unteren Bildteil geleiten der
Erzbischof Blasius Heinrich den Löwen und der Mönch Aegidius die herzogliche Gemahlin Mathilde. Herzog
Heinrich hält in der linken Hand das Evangeliar, während Blasius auf den Himmelsbogen als Quelle des ewigen
Lebens verweist. Mathilde hält in ihrer linken Hand eine aus Gold und Silber bestehende scheibenförmige
Prunkfibel.[2] Widmungsbild aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen, Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek,
Cod. Guelf. 105 Noviss. 2°, fol. 19r.
Ausschnitt aus der Stammtafel Heinrichs des Löwen
Heinrich der Löwe hatte 1152 als Herzog von Sachsen entscheidenden Anteil an der Königskrönung
seines Vetters Friedrich Barbarossa. Dafür wurde er von Barbarossa in den folgenden Jahren intensiv
gefördert. So erhielt er im Jahr 1156 auch das bayerische Herzogtum. In Norddeutschland konnte
Heinrich eine königsgleiche Stellung aufbauen. Braunschweig machte er durch den Neubau der
Stiftskirche St. Blasius und der benachbarten Burg Dankwarderode mit dem Standbild eines Löwen zu
einem fürstlichen Repräsentationszentrum. Der aggressive Herrschaftsausbau des Herzogs in Sachsen
und nördlich der Elberief allerdings den Widerstand der anderen sächsischen Großen hervor. Für die
Unterstützung durch Barbarossa revanchierte sich Heinrich zunächst durch große Anstrengungen im
Reichsdienst während der ersten Italienzüge.
Im Jahr 1176 wurde das Verhältnis jedoch schwer belastet, als sich der Herzog weigerte, angesichts
eines bevorstehenden Kriegs mit den lombardischen Städten den Kaiser in einer bedrohlichen Situation
militärisch zu unterstützen. Nach der Niederlage Barbarossas, dem Scheitern der Oberitalienpolitik und
dem Friedensschluss von 1177 mit dem lange bekämpften Papst Alexander III. wurde Heinrich der
Löwe auf Bestreben mehrerer Fürsten gestürzt und musste ins Exil nach Südengland gehen, aus dem
er erst Jahre später zurückkehren konnte. Neben Friedrich Barbarossa galt er lange Zeit als wichtigster
Protagonist des staufisch-welfischen Gegensatzes, der die Reichspolitik im 12. Jahrhundert dominiert
habe. Erst in jüngster Zeit wurde diese Einschätzung stark relativiert.

Inhaltsverzeichnis

• 1Leben
o 1.1Herkunft
o 1.2Auseinandersetzung mit Konrad III.
o 1.3Slawenkreuzzug
o 1.4Zusammenarbeit mit Friedrich Barbarossa
§ 1.4.1Förderung durch Friedrich Barbarossa
§ 1.4.2Unterstützung Barbarossas in Italien
§ 1.4.3Rolle im Konflikt zwischen Kaiser und Papst und den italienischen Städten
o 1.5Herzog in Sachsen und Bayern
§ 1.5.1Herrschaftsausbau in Sachsen und nördlich der Elbe
§ 1.5.2Stader Erbe
§ 1.5.3Investiturproblem
§ 1.5.4Sächsischer Krieg
§ 1.5.5Bayern
o 1.6Heirat mit Mathilde
o 1.7Heinrichs Jerusalemfahrt
o 1.8Der Hof
§ 1.8.1Braunschweig
§ 1.8.2Literatur am Hof
§ 1.8.3Kunstpatron und Stifter
o 1.9„Städtepolitik“
o 1.10Sturz
§ 1.10.1Chiavenna
§ 1.10.2Der „Prozess“
o 1.11Exil
o 1.12Tod
• 2Nachwirkung
o 2.1Beurteilung im Mittelalter
o 2.2Rezeption
o 2.3Ältere Forschung
o 2.4Moderne Forschung
• 3Quellen
• 4Literatur
• 5Weblinks
• 6Anmerkungen

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Heinrich der Löwe entstammte dem adligen Geschlecht der Welfen. Schon seit den zwanziger Jahren
des 12. Jahrhunderts entstanden mehrere Schriften, in denen die Geschichte dieser Familie mit
wechselnden Akzentsetzungen schriftlich fixiert wurde; die Welfen waren damit die erste Adelsfamilie
im Reich, die ihre Geschichte aufzeichnen ließ.[3] Die Hausüberlieferung, die in der Genealogia
Welforum, der so genannten Sächsischen Welfenquelle und der Historia Welforum zum Ausdruck kam,
hob die Verbindung mit den Karolingern hervor und betonte die Bedeutung des Leitnamens Welf, der
über die Namensetymologie catulus(= Welpe) einen Bezug zum antiken Rom ermöglichte.
Die Vorfahren der Welfen traten bereits im 8. Jahrhundert im Umfeld der Karolinger auf. Der Aufstieg
der Familie vollzog sich durch vorteilhafte Heiraten. Die Welfin Judith hatte als zweite Gemahlin des
Kaisers Ludwig des Frommen maßgeblichen Einfluss auf die Geschichte des fränkischen Großreiches.
Ihre Schwester Hemma wurde mit Judiths Stiefsohn, König Ludwig dem Deutschen, verheiratet. Die
zweifache Eheverbindung mit dem karolingischen Herrscherhaus sicherte den Aufstieg im Umkreis der
Könige. Nach dem Zerfall des fränkischen Großreiches stellte bis 1032 ein Zweig der Familie die
Könige von Burgund. Nach dem Tod Welfs III. im Jahr 1055, der ohne Erben starb, geriet das Haus in
eine Existenzkrise. Seine Schwester Cuniza heiratete den Markgrafen Azzo II. von Este, der aus
heutiger Sicht das Geschlecht fortführte.
Der Großvater Heinrichs des Löwen, der bayerische Herzog Heinrich der Schwarze, heiratete Wulfhild,
die älteste Tochter des sächsischen Herzogs Magnus Billungund der ungarischen
Königstochter Sophia. Größere Ländereien um Lüneburg, den Zentral- und Begräbnisort der Billunger,
gelangten dadurch an die Welfen. 1123 steigerte die Heiligsprechung Bischof Konrads von Konstanz,
eines Angehörigen des Hauses, das Ansehen der Familie. Die Welfin Judith, Tochter Heinrichs des
Schwarzen, heiratete den staufischen Herzog Friedrich II., den Vater Friedrich Barbarossas. Die
Kandidatur Friedrichs II. als Nachfolger des kinderlos gestorbenen salischen Herrschers Heinrich
V. blieb 1125 erfolglos. Gewählt wurde stattdessen der Sachsenherzog Lothar III. Entscheidend dafür
war der Parteiwechsel Heinrichs des Schwarzen, der nicht seinen staufischen Schwiegersohn, sondern
den sächsischen Herzog Lothar bei der Königswahl unterstützte. Lothar gewann ihn für sich, indem er
seine einzige Tochter Gertrud mit Heinrichs Sohn, Heinrich dem Stolzen, vermählte. Aus dieser
Verbindung ging Heinrich der Löwe hervor. Sein Geburtsort ist ungewiss.[4] Nach der Steterburger
Chronik müsste er 1129/1130 geboren sein.[5] Die Zeit bis zum Tauftermin 1135/36 scheint jedoch zu
lang zu sein und der Kopist der einzigen Sammelhandschrift könnte einen Übertragungsfehler
begangen haben, so dass Heinrich auch 1133/35 geboren sein könnte.[6] Heinrich der Stolze erlangte in
der folgenden Zeit eine überherzogliche, nahezu königsgleiche Stellung. Am Ende der Regierungszeit
seines Schwiegervaters Lothar verfügte er über die Herzogtümer Bayern und Sachsen, über
die Markgrafschaft Tuszien, die Mathildischen Güter sowie über umfangreichen Eigenbesitz in
Schwaben, Bayern, Sachsen und Italien.
Auseinandersetzung mit Konrad III.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Lothar starb im Dezember 1137 auf dem Rückweg von Italien und übergab auf dem Sterbebett
die Reichsinsignien an Heinrich den Stolzen. Als Schwiegersohn des Kaisers machte sich Heinrich der
Stolze berechtigte Hoffnungen auf die Nachfolge. Seiner Herrschaft „von Meer zu Meer, von Dänemark
bis Sizilien“, soll er sich, folgt man Otto von Freising, gerühmt haben.[7] Allerdings soll er sich auch
„wegen