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4. Pflegefachmesse Rottal/Inn, 28.04.2018
SchlossÖkonomie Gern, Eggenfelden

Julian-Anselm Bayer M.A.


Pädagogischer Leiter Wundqualifikationen
Bildungsreferent Bayerische Pflegeakademie, München

Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de


Agenda
1. Ursachen und Pathomechanismen
2. Klassifikation nach EPUAP/ ICD-10-GM
3. Prädilektionsstellen und Risikoermittlung
4. Differentialdiagnostik
5. Prophylaxe und Kausaltherapie
6. Bewegungsförderung/ Mobilität
7. Auswahl/ Bewertung druckverteilender und
druckentlastender Maßnahmen
8. Nationaler Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der
Pflege“ nach DNQP

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1. Ursachen und
Pathomechanismen

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Definition Dekubitus nach NPUAP/EPUAP/PPPIA 2014:

„Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut


und/oder des darunter liegenden Gewebes,
typischerweise über knöchernen Vorsprüngen, infolge von
Druck oder von Druck in Kombination mit Scherkräften.
Es gibt eine Reihe weiterer Faktoren, welche tatsächlich oder
mutmaßlich mit Dekubitus assoziiert sind; deren Bedeutung
ist aber noch zu klären.“

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Dekubitusentstehung – Ursache Druck
• Druckschäden treten auf, wenn weiche Gewebe zwischen
harten körperinneren (z.B. Knochenvorsprünge) und äußeren
(z.B. Sitzfläche) Strukturen über längere Zeit
zusammengedrückt werden

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 20)


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Dekubitusentstehung – Ursache Druck
• Folgende Hauptmechanismen im Gewebe führen zum
druckbedingten Zelltod (NPUAP/EPUAP/PPPIA,2014):
 Direkte mechanische Deformation
 Okklusion von Blut- und Lymphgefäßen
• Beide zellulären Mechanismen der Dekubitusentstehung sind
nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern verstärken
sich vermutlich gegenseitig

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 50)


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Direkte mechanische Deformation
• Werden lebende Zellen über ein bestimmtes Maß hinaus
verformt, gehen diese zugrunde
• Muskelzellen sind besonders anfällig für diese Art der
Schädigung
• Während der Einwirkung sehr hoher Kräfte können
druckbedingte Muskelnekrosen innerhalb weniger Minuten
auftreten. Dieser Weg der Dekubitusentstehung wird auch als
direkter Deformationsschaden bezeichnet

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 50)


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Okklusion von Blut- und Lymphgefäßen
• Während der Deformation weicher Gewebe werden
Blutgefäße komprimiert
• Daraus folgen Hypoxie, Nährstoffunterversorgung;
Stoffwechselprodukte akkumulieren
• Entstehung einer lokalen Azidose
• Schädigung lokalen Gewebes und der Kapillaren
• Austritt von Wasser in das Interstitium und Ödembildung
• Kapillaren werden durch das Ödem „zusammenquetscht“.
Äußerlich daran zu erkennen, dass sich die Rötung nicht
mehr wegdrücken lässt („Finger-Methode“!)
(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 16)
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Durchführung der „Finger-Methode“
1. Gerötete, druckbelastete Stelle (meist über knöchernen Vor-
sprüngen gelegen) wird für ca. 3 Sek. mit dem Finger komprimiert
2. Lässt sich die Rötung wegdrücken (die bedrückte Stelle wird
kurzfristig hell) liegt (noch) kein Dekubitus vor.
Maßnahmen zur Prävention müssen umgehend und
kontinuierlich ergriffen werden!

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Durchführung der „Finger-Methode“
3. Lässt sich die Rötung nicht wegdrücken, liegt bereits ein
Dekubitus der Kategorie I nach EPUAP vor.
Maßnahmen zur Therapie müssen umgehend und
kontinuierlich ergriffen werden!

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Dekubitusentstehung - Ursache Zug- und Scherkräfte
• Bei der Scherung handelt es sich um parallel zueinander in
entgegengesetzte Richtung wirkende Kräfte innerhalb der
verformten Gewebe (z.B. Verschiebung innerhalb der
Muskulatur)

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 20)


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Dekubitusentstehung - Ursache Zug- und Scherkräfte
• Zug- und Scherkräfte wirken immer dann, wenn Druck auf einen
elastischen, mit Flüssigkeit gefüllten Körper ausgeübt wird
• Der senkrecht einwirkende Druck wird durch eine
Flüssigkeitsverschiebung zur Seite geleitet
• Bereits ein geringer Druck reicht zum Untergang der
Sauerstoffversorgung des Gewebes aus, wenn zusätzlich Zug- und
Scherkräfte auftreten

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Entstehung des Dekubitus

Druck Weitere individuelle Mikroklima


Zeit Risikofaktoren

Dekubitus

Zug- und Weitere individuelle


Scherkräfte Risikofaktoren
Reibung

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.198)
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Dekubitusentstehung – Risikofaktor Reibung
• Abzugrenzen von der Scherung ist die Reibung!
• Reibung entsteht zwischen zwei sich berührenden
unterschiedlichen Oberflächen (z.B. Haut und Bettlaken)
• Reibung führt nicht direkt zu einem Dekubitus, kann jedoch
die Epidermis schädigen und das Dekubitusrisiko erhöhen!

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 20)


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Dekubitusentstehung – Risikofaktor Mikroklima
• Mikroklima umfasst die Faktoren Temperatur und Feuchtigkeit
• Höhere Temperatur an der Haut kann die Entstehung eines
Dekubitus begünstigen
• Feuchtigkeit kann zum Aufweichen der Epidermis führen und
somit die Einwirkung von Druck verstärken

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 17)


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2. Klassifikation nach
EPUAP/ ICD-10-GM

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Klassifikation
• Ein Dekubitus wird initial im Rahmen des Wundassessment
nach einem Einteilungsschema klassifiziert
• Dieses dient nicht der Verlaufskontrolle
• Ein Dekubitus, der zu Beginn mit Kategorie IV (nach EPUAP)
eingestuft wurde, gilt bspw. nach dessen Abheilung als
„Dekubitus Kategorie IV (nach EPUAP) abgeheilt“
• Bei der Klassifizierung ist immer nur eine Kategorie
anzugeben (keine „Zwischenkategorien“ wie z.B. III bis IV).
Im Zweifelsfall ist die nächsthöhere Kategorie anzugeben

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 18, 19)


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Klassifikation
Alleine in Deutschland existieren ca. 20 verschiedene
Klassifizierungssysteme für einen Dekubitus!

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Klassifikation
• Innerhalb einer Einrichtung ist es erstrebenswert sich auf ein
Klassifizierungssystem festzulegen
• Bei der Dokumentation ist dieses namentlich anzugeben (z.B.
Dekubitus Kategorie II nach EPUAP)
• Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege
(2017) stellt beispielhaft zwei Dekubitusklassifikationen dar,
welche aktuell für Deutschland relevant sind:
 Klassifikation nach EPUAP/NPUAP/PPPIA
 Klassifikation nach ICD-10-GM

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Dekubitus Kategorie I nach EPUAP Dekubitus Stadium I nach ICD-10-GM
(2014) (2016)
„Intakte Haut mit nicht wegdrückbarer Druckzone mit nicht wegdrückbarer
Rötung eines lokalen Bereichs Rötung bei intakter Haut
gewöhnlich über einem knöchernen
Vorsprung…“

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Dekubitus Kategorie II nach EPUAP Dekubitus Stadium II nach ICD-10-GM
(2014) (2016)
„Teilzerstörung der Haut (bis in die Dekubitus (Druckgeschwür) mit:
Dermis/Lederhaut), die als flaches, Abschürfung, Blase, Teilverlust der
offenes Ulcus mit einem rot bis Haut mit Einbeziehung von Epidermis
rosafarbenen Wundbett ohne Beläge in und/oder Dermis, Hautverlust o.n.A.
Erscheinung tritt. Kann sich auch als
intakte oder offene/rupturierte
serumgefüllte Blase darstellen…“

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Dekubitus Kategorie III nach EPUAP Dekubitus Stadium III nach ICD-10-GM
(2014) (2016)
„Vollständiger Hautverlust. Subkutanes Dekubitus (Druckgeschwür) mit Verlust
Fett kann sichtbar sein, aber Knochen, aller Hautschichten mit Schädigung
Sehne oder Muskel liegen nicht offen. oder Nekrose des subkutanen
Beläge können vorhanden sein, die aber Gewebes, die bis auf die
nicht die Tiefe des Gewebeverlustes darunterliegende Faszie reichen kann
verdecken…“

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Dekubitus Kategorie IV nach EPUAP Dekubitus Stadium IV nach ICD-10-GM
(2014) (2016)
„Vollständiger Gewebeverlust mit Dekubitus (Druckgeschwür) mit
freiliegenden Knochen Sehnen oder Nekrose von Muskeln, Knochen oder
Muskeln. Beläge oder Schorf können an stützenden Strukturen (z.B. Sehnen
einigen Teilen des Wundbettes oder Gelenkkapseln)
vorhanden sein…“

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Keiner Kategorie zuordenbar: Tiefe Dekubitus, Grad nicht näher
unbekannt nach EPUAP (2014) bezeichnet nach ICD-10-GM (2016)
„Ein vollständiger Gewebeverlust, bei Dekubitus (Druckgeschwür) ohne
dem die Basis des Ulcus von Belägen Angabe eines Grades
und/oder Schorf im Wundbett verdeckt
ist…“

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Vermutete tiefe Gewebeschädigung: Dekubitus, Grad nicht näher
Tiefe unbekannt nach EPUAP (2014) bezeichnet nach ICD-10-GM (2016)
„Livid oder rötlichbrauner, lokalisierter Dekubitus (Druckgeschwür) ohne
Bereich von verfärbter, intakter Haut Angabe eines Grades
oder blutgefüllte Blase aufgrund einer
Schädigung des darunterliegenden
Weichgewebes durch Druck und/oder
Scherkräfte…“

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3. Differentialdiagnostik

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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
• Nicht jede Wunde am Gesäß ist ein Dekubitus!
• In einer Erhebung handelte es sich bei 72% der benannten
Dekubitalgeschwüre in Wirklichkeit um Feuchtigkeitswunden
(Boschek et al., 2002)
• Die Dekubitusinzidenz gilt international als Qualitätsindikator
in Bezug auf die Patientensicherheit im Krankenhaus
• Um zu vermeiden einen Dekubitus zu dokumentieren, der in
Wirklichkeit gar keiner ist, müssen die Unterschiede zwischen
einem Dekubitus und einer Feuchtigkeitswunde, sowie
Abgrenzungen zu anderen Hautläsionen beachtet werden

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.193)
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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Parameter Dekubitus Feuchtigkeitswunde
Hauptursache
Hauptlokalisation

Aussehen der
Wunde
Umgebende Haut

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.193)
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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Parameter Dekubitus Feuchtigkeitswunde
Hauptursache Druck und/oder Scherkräfte Feuchtigkeit und Reibung
Hauptlokalisation

Aussehen der
Wunde
Umgebende Haut

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.193)
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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Parameter Dekubitus Feuchtigkeitswunde
Hauptursache Druck und/oder Scherkräfte Feuchtigkeit und Reibung
Hauptlokalisation Über Knochenvorsprüngen In Hautfalten
(z.B.: Kreuzbein) (z.B.: Steißbein)
Aussehen der
Wunde
Umgebende Haut

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.193)
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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Parameter Dekubitus Feuchtigkeitswunde
Hauptursache Druck und/oder Scherkräfte Feuchtigkeit und Reibung
Hauptlokalisation Über Knochenvorsprüngen In Hautfalten
(z.B.: Kreuzbein) (z.B.: Steißbein)
Aussehen der Schlecht durchblutet, tief Gut durchblutet,
Wunde oberflächlich
Umgebende Haut

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.193)
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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Parameter Dekubitus Feuchtigkeitswunde
Hauptursache Druck und/oder Scherkräfte Feuchtigkeit und Reibung
Hauptlokalisation Über Knochenvorsprüngen In Hautfalten
(z.B.: Kreuzbein) (z.B.: Steißbein)
Aussehen der Schlecht durchblutet, tief Gut durchblutet,
Wunde oberflächlich
Umgebende Haut Nicht direkt betroffen Direkt betroffen

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.193)
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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD):
• Auslöser für die IAD sind Stuhl- und/oder Urininkontinenz
• Der im Urin entstandene Ammoniak schädigt die
Schutzbarriere der Epidermis
• Die Folge sind Entzündungszeichen wie Rötung (wegdrückbar),
Mazeration und Ekzeme
• Sichtbar sind oberflächliche, nässende Wunden mit diffusen,
unscharfen Rändern
• Die IAD begünstigt u.U. die Entstehung eines Dekubitus

(Protz K. (2016): Moderne Wundversorgung, S. 99)


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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Intertrigo:
• Als Intertrigo oder Hautwolf bzw. Dermatitis intertriginosa
werden Hautveränderungen in Körperregionen bezeichnet, an
denen Haut auf Haut liegt
• Dort kommt es zur Bildung einer feuchten Kammer, die eine
Rötung (wegdrückbar) und/ oder eine Mazeration der Haut
nach sich zieht, häufig mit schmerzhaft nässenden Arealen
sowie Infektionen

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 4)


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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Weitere Arten von Hautläsionen:
• Wundauflagen können aufgrund ihrer Klebefläche und
Zusatzstoffe zu Hautläsionen führen. Diese sind meist auf die
Form der Wundauflage begrenzt
• Verbrennungen (je nach Ausmaß) und Kontaktekzeme (z.B. als
Reaktion auf Hautpflegeprodukte) können ebenfalls Auslöser
für oberflächlich, nässende Hautläsionen sein

(Protz K. (2016): Moderne Wundversorgung, S. 101)


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Abgrenzung zu Hautläsionen anderer Ursache
Therapeutische Interventionen:
• Bei gefährdeten Personen regelmäßig Hautinspektion
durchführen (Ausschluss Dekubitus durch Fingertest)
• Systemische Schmerzerfassung und -behandlung
• Beseitigung der Ursachen (zeitnahe Entfernung von
Ausscheidungen, sofortige Trocknung der Haut und ggf. Einsatz
von Hilfsmitteln wie bspw. Fäkalkollektor, Stuhldrainagesystem)
• Schonende Hautreinigung mit weichen Materialien
• Angepasste Hautpflege (z.B. transparente, atmungsaktive
Hautschutzpräparate, Barrierecremes)
(Protz K. (2016): Moderne Wundversorgung, S. 101, 102)
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4. Prädilektionsstellen und
Risikoermittlung

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Prädilektionsstellen
• Als Prädilektionsstellen werden Körperregionen bezeichnet,
an welchen eine hohe Dekubitusgefährdung besteht
• Druck kann in der Tiefe des Gewebes zunehmen, dies ist vor
allem über konvexen Knochenvorsprüngen der Fall
• Somit gelten als Prädilektionsstellen: Kreuzbein, Fersen,
Ellenbogen, Hinterkopf usw.
• Ebenso können Stellen betroffen sein, an welche durch
extrinsische Faktoren Druck ausgeübt wird (z.B.
Naseninnenwand bei nasaler Intubation usw.)

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Dekubitusauswertung Pflegeheim
(Prävalenzstudie der Charite (Lahmann et al., 2010):
Auswertung von 1915 Dekubitalulcera an
Pflegeheimbewohnern in den Jahren 2002-2010)
7
6 1
5
4 1. Kreuzbein, Gesäß: 48%
2. Fersen: 24%
3
3. Fußknöchel: 6%
4. Hüfte: 5%
5. Ohr: 2%
6. Ellenbogen: 1%
7. Übrige: 14%
2

(Schröder G., Kottner J. (2011): Dekubitus und Dekubitusprophylaxe., S. 49)


) Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 38
Risikoermittlung
• Um festzustellen, welche Patienten wahrscheinlich einen
Dekubitus entwickeln werden, sollte unterschieden werden
zwischen:
 Ursachen und den
 Risikofaktoren
• Ursachen (Druck, Zug- und Scherkräfte) lösen einen Dekubitus aus
• Risikofaktoren (hohes Alter, Mangelernährung usw.) können das
Entstehen eines Dekubitus begünstigen, jedoch nicht verursachen

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.226)
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Risikoermittlung – Dekubitusrisikoskalen
• International gibt es mehr als 40 verschiedene Skalen, mit denen
das Dekubitusrisiko eingeschätzt werden kann ( McGough, 1999)
• Inzwischen weiß man, dass mehr als 100 Faktoren bei der
Dekubitusentstehung eine Rolle spielen (Gosnell, zit. In Halfens,
2000)
• Es ist nicht bekannt, wie groß der Einfluss der einzelnen Faktoren
genau ist und wie er sich ändert, wenn verschiedene Faktoren
zusammen auftreten (Defloor 1999; Halsfens, 2000)

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.227)
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Risikoermittlung – Dekubitusrisikoskalen
• Aus praktischen Gründen können nicht alle Risikofaktoren in einer
einzelnen Skala erfasst werden, somit kann keine Skala das
Dekubitusrisiko zu 100 % genau bestimmen
• Die Anwendung eines spezifischen standardisierten
Assessmentinstruments zur Erfassung des Dekubitusrisikos bei
Kindern als auch bei Erwachsenen wird vom NES
Dekubitusprophylaxe in der Pflege (2017) nicht empfohlen!

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.233-234)
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Risikoermittlung – klinische Einschätzung
• Der NES Dekubitusprophylaxe in der Pflege (DNQP) empfiehlt,
zur Einschätzung des Dekubitusrisikos eine systematische
Einschätzung auf Grundlage des klinischen Urteils der
Pflegefachkraft durchzuführen
• Die Pflegefachkraft hat bei allen pflegerisch zu versorgenden
Personen, zu Beginn des Pflegeprozesses, eine
Dekubitusrisikoeinschätzung vorzunehmen. Hierbei wird ein
Vorgehen in zwei Schritten empfohlen:

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Risikoermittlung – klinische Einschätzung
1. Schritt (initialer Ausschluss Dekubitusrisiko)
• Überprüfung aller Patienten durch Beobachtung bzw. auf
Grundlage anamnestischer Angaben ob ein Verdacht für ein
Dekubitusrisiko vorliegt
• Im Mittelpunkt stehen hierbei Hinweise auf eine erhöhte
und/oder verlängerte Einwirkung von Druck- und/oder
Scherkräften und/oder ein aktuell vorliegender oder
abgeheilter Dekubitus

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 25)


Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 43
Risikoermittlung – klinische Einschätzung
• Kann im ersten Schritt ein Dekubitusrisiko ausgeschlossen
werden, ist vorerst keine weitere Einschätzung erforderlich
• Eine erneute Einschätzung ist notwendig, wenn Hinweise auf
vermehrte Einwirkung von Druck und/oder Scherkräften
vorliegen, sowie bei einer Verschlechterung des Hautzustands

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 25)


Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 44
Risikoermittlung – klinische Einschätzung
• Kann im ersten Schritt nicht ausgeschlossen werden, dass ein
Dekubitusrisiko besteht, ist eine differenzierte Einschätzung
notwendig
• In Versorgungssettings, bei welchen davon auszugehen ist,
dass Patienten aufgrund ihres Gesundheitszustandes
grundsätzlich ein Dekubitusrisiko aufweisen (z.B.
Neonatologie, Intensivpflege, geriatrische Reha) ist die
Voraussetzung für eine differenzierte Einschätzung generell
gegeben

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 25)


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Risikoermittlung – klinische Einschätzung
2. Schritt (differenzierte Risikoeinschätzung):
• Überprüfung aller Patienten, bei welchen im ersten Schritt ein
Dekubitusrisiko nicht ausgeschlossen werden kann
• Umfassende und vertiefte Beurteilung vorliegender
Risikofaktoren durch Beobachtung des Patienten (unter
Beachtung subjektiver Angaben des Patienten)
• Zusätzlich ist eine Hautinspektion durchzuführen
• Anschließend beurteilt die Pflegefachkraft das Dekubitusrisiko
aufgrund der identifizierten Risikofaktoren, des allgemeinen
Gesundheits- und des Hautzustandes des Patienten
(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 25,26)
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Risikoermittlung – klinische Einschätzung
Häufig vorkommende und relevante Risikofaktoren:
• Mobilitätsbeeinträchtigungen/Immobilität
• Beeinträchtigter Hautzustand/vorliegender Dekubitus
• Durchblutungsstörungen
• Verminderte sensorische Wahrnehmung
• Diabetes Mellitus
• Allgemeiner Gesundheitszustand/Begleiterkrankungen
• Beeinträchtigter Ernährungszustand
• Erhöhte Hautfeuchtigkeit

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 25,26)


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Mögliche Ursachen für erhöhte und/oder verlängerte Einwirkung
von Druck- und/oder Scherkräften
Einschränkungen • Beeinträchtigte Fähigkeit selbstständig kleine
der Mobilität, Positionsveränderungen im Liegen oder Sitzen
z.B.: vorzunehmen
• Kaum oder keine Kontrolle über druckentlastende
Körperpositionen im Sitzen oder Liegen
• Beeinträchtigte Fähigkeit zum selbstständigen
Transfer
Extrinsische/ • Auf die Körperoberfläche eindrückende Gegenstände,
iatrogene wie bspw. Katheter, Sonden
Faktoren, z.B.: • Nasale und endotracheale Tuben
• Zu fest sitzende Verbände, Schienen, Prothesen
• Länger dauernde Operationen
(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 24)
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Risikoermittlung
• Als wichtigste Faktoren für das Dekubitusrisiko gelten:
 Beeinträchtigungen der Mobilität
 Durchblutungsstörungen
 Beeinträchtigter Hautzustand bzw. bereits vorhandener Dekubitus

• Das Ergebnis der Risikoeinschätzung (besteht ein


Dekubitusrisiko oder nicht) ist zu dokumentieren!
• Liegt ein Dekubitusrisiko vor, ist außerdem zu
dokumentieren, welche Risikofaktoren festgestellt wurden!

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 20)


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5. Prophylaxe und Kausaltherapie

Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 50


Prophylaxe und Kausaltherapie
• Zur Dekubitusprävention empfehlen Leitlinien übereinstimmend
die Identifikation des Dekubitusrisikos
• Ziel der Risikoeinschätzung ist es, gefährdete und nicht gefährdete
Patienten unterscheiden zu können
• Präventivmaßnahmen sollten nur dekubitusgefährdete Personen
erhalten. Diese sind sowohl mit Personal- und Materialkosten, als
auch mit Belastungen für den Patienten verbunden

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Prophylaxe und Kausaltherapie
• Einen weiteren Bestandteil der Dekubitusprophylaxe stellt die
Patientenedukation dar
• Zur Förderung des Selbstmanagements sollten Patienten und
Angehörige wissen:
 was ein Dekubitus ist und dass er vermeidbar ist
 wie ein Dekubitus entsteht und erkannt wird
 welche Maßnahmen zur Prävention geeignet sind
 an wen sie sich bei Fragen wenden können

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.238)
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Prophylaxe und Kausaltherapie
• Zentrales Ziel sowohl der Dekubitusprophylaxe, als auch der
Kausaltherapie stellt die Druckentlastung (Vermeidung/Reduktion
von Druckeinwirkung) dar
• Besteht bereits ein Dekubitus, wird dieser ohne die Beseitigung des
Auflagedrucks nicht abheilen
• Man kann zwischen Druckentlastung und Druckverteilung
unterscheiden, wobei die Druckentlastung die wirkungsvollste Art
darstellt, einen Dekubitus zu therapieren, bzw. diesem vorzubeugen

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Wirkprinzip von Druckentlastung und -verteilung

Druckentlastung Druckverteilung
Lagerungsart Makrolagerung Mikrolagerung
Wirkprinzip Bestimmte Areale Oberflächenvergrößerung
werden zu Lasten (Auflage) durch Einsinken
anderer Körperregionen mit nachfolgender
von Druck befreit Druckverteilung
Hilfsmittel/ Druckentlastung mittels Druckverteilung mittels
Maßnahmen Freilagerung und/oder Mikrolagerung und/oder
Wechseldruckmatratze tieferes Einsinken in
Matratze/weiche Unterlage
(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.207)
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Unterschiede Makro- und Mikrolagerung
Makrolagerung Mikrolagerung
Größe der Große Bewegungen Kleine Bewegungen
Bewegungen
Bewegungs- Individuelle Intervalle Mehrmals pro Stunde
intervalle (individueller
Bewegungsplan)
Druckentlastung Regional vollständig Keine vollständige
druckentlastet Druckentlastung, nur
Druckverteilung
Pflegeaufwand Evtl. sind mehrere Gering
Pflegepersonen nötig
(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.208)
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Prophylaxe und Kausaltherapie
Erreicht werden kann die Druckentlastung (Vermeidung bzw.
Reduktion von Druckeinwirkungen) durch folgende vier Kategorien
von Pflegeinterventionen:
1. Förderung der Eigenbewegung des Patienten
2. Sicherstellung angemessener Körperpositionen und regelmäßiger
Positionswechsel bei unzureichender Eigenbewegung
3. Vollständige Entlastung (Freilagerung) stark gefährdeter
Körperstellen
4. Vermeidung/Reduktion der therapiebedingten Einwirkung von
Druck und Scherkräften
(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 33)
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1. Förderung der Eigenbewegung des Patienten

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Keine Leitlinienaussagen oder Studienergebnisse zu spezifischen Angeboten für die
Förderung der Eigenbewegung berichtet

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)


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2. Sicherstellung angemessener Körperpositionen und regelmäßiger
Positionswechsel bei unzureichender Eigenbewegung

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Positionierung Reihenfolge der Körperpositionen: Empfehlungen unterschiedlicher
in liegender • Regelmäßiger Wechsel möglichst Stärke in drei Leitlinien
Position zwischen Rechtsseiten-,Rücken-und (AWMA 2012, KCE 2012,
(Erwachsene) Linksseitenlage NPUAP/EPUAP/PPPIA 2014)
Positionierung in Seitenlage: Schwache Empfehlung in einer
• Seitenlage in 30° bis 40° Leitlinie (NPUAP/EPUAP/PPPIA
• Vermeidung von 90° Seitenlage 2014)
Positionierung des Oberkörpers: Schwache Empfehlung in einer
• Oberkörperhochlage um max. 30° Leitlinie (NPUAP/EPUAP/PPPIA
2014)

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)


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2. Sicherstellung angemessener Körperpositionen und regelmäßiger
Positionswechsel bei unzureichender Eigenbewegung

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Positionierung Positionierung in Bauchlage: Schwache
in liegender • Bei Verwendung einer druckverteilenden Unterlage und Empfehlung in
Position Freilage besonders druckbelasteter Stellen am Gesicht einer Leitlinie
(Erwachsene) und Körper (NPUAP/EPUAP/PP
• Beurteilung des Hautzustands gefährdeter Körperstellen PIA 2014)
bei jeder Rotation
Wechselintervalle: Starke Empfehlung
• Bandbreite der untersuchten Intervalle: 2h bis 6h, teil- für individualisierte
weise gekoppelt mit unterschiedlichen Positionierungen Positionierungs-
und Auflageflächen; keine Vorteile für best. Intervalle intervalle in einer
• Intervalle patientenindividuell abhängig von Leitlinie
Gewebetoleranz und Hautzustand, Mobilitätsstatus, (NPUAP/EPUAP/PP
allgemeinem Gesundheitszustand, Therapiezielen und PIA 2014)
Patientenkomfort zu wählen
(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)
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2. Sicherstellung angemessener Körperpositionen und regelmäßiger
Positionswechsel bei unzureichender Eigenbewegung

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Positionierung Reihenfolge der Körperpositionen:
in liegender • Keine Leitlinienaussagen oder Studienergebnisse zu Vorteilen bestimmter
Position Sequenzen der Körperposition
(Kinder) Formen der Positionierung: Explizite Empfehlung in einer
• Seitenlage in 30° bis 40° Leitlinie (keine
• Kleinere Positionsänderungen bei Empfehlungsstärke
Kindern, die große Positionsänderungen angegeben) (Royal Children`s
schlecht tolerieren Hospital 2012)
Wechselintervalle: Empfehlung in einer Leitlinie
• Mindestens alle 4 Stunden (keine Empfehlungsstärke
• Höhere Wechselfrequenz bei höherem angegeben) (NICE 2014)
Dekubitusrisiko/wenn nur kleine
Positionsänderungen möglich
(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)
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2. Sicherstellung angemessener Körperpositionen und regelmäßiger
Positionswechsel bei unzureichender Eigenbewegung

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Positionierung Positionierung: Empfehlungen
in sitzender Wahl einer Position, die: unterschiedlicher
Position • Körperstabilität, Komfort und Handlungsfreiheit für die Empfehlungsstärke
(Erwachsene) Betroffenen gewährleistet in drei Leitlinien
• Den Druck auf gefährdete Stellen reduziert (AWMA 2012; KCE
(keine • Das Heruntergleiten der Betroffenen vermeidet 2012; NPUAP/
speziellen (Verwendung von Armlehnen und Fußstützen) EPUAP/PPPIA 2014)
Aussagen zu • Eine sichere Position der Füße auf dem Boden oder auf
Kindern) Fußstützen gewährleistet
• Eine inadäquate Streckung des Kniegelenks und der
Achillesferse bei Hochlage der Beine vermeidet
• Eine optimale Positionierung der Beine gewährleistet,
z.B. 90°-Beugung in Hüft-Kniegelenken und im Knöchel,
Vermeidung einer Beugung >90° im Hüftgelenk

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)


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2. Sicherstellung angemessener Körperpositionen und regelmäßiger
Positionswechsel bei unzureichender Eigenbewegung

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Vorgehen bei Assessment bei jeder Positionierung/jedem Transfer: Empfehlungen unter-
der Wechsel- • Beobachtung der Haut und der Druckbelastung, schiedlicher Stärke in
positionierung insbesondere an Fersen und Knochenvorsprüngen mehreren Leitlinien
und dem • Einschätzung des allgemeinen Wohlbefindens der (AWMA 2012; KCE
Transfer Betroffenen 2012; NPUAP /
(Erwachsene) EPUAP/PPPIA 2014)
Technicken/Hilfsmittel: Empfehlungen
• Verwendung von druck-,reibungs-und unterschiedlicher
scherkraftarmen manuellen Techniken oder Stärke in einer Leitlinie
Hilfsmitteln („Anheben statt Ziehen“) (NPUAP/ EPUAP/PPPIA
• Unverzügliche Entfernung verwendeter 2014)
Transferhilfsmittel von der Auflagefläche, es sei
denn, diese sind speziell für die Verwendung als
Auflage spezifiziert
(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)
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2. Sicherstellung angemessener Körperpositionen und regelmäßiger
Positionswechsel bei unzureichender Eigenbewegung

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Vorgehen bei Assessment bei jeder Positionierung/jedem Transfer: Empfehlung (keine
der Wechsel- • Beobachtung der Haut und der Druckbelastung, Empfehlungsstärke
positionierung insbesondere an Fersen und Knochenvorsprüngen angegeben) in einer
und dem Leitlinie (Royal
• Einschätzung des allgemeinen Wohlbefindens der
Transfer Children`s Hospital
Betroffenen 2012)
(Kinder)
Technicken/Hilfsmittel: Empfehlung (keine
• Vermeidung von Druckeinwirkung auf Kopf und Empfehlungsstärke
Kopfhaut bei Wechselpositionierungen angegeben) in
einer Leitlinie
(Royal Children`s
Hospital 2012)

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)


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3. Vollständige Entlastung (Freilagerung) stark gefährdeter
Körperstellen

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Erwachsene Positionierung auf bes. gefährdete Stellen: Starke Empfehlung für
(allgemein) • Keine Positionierung auf gefährdeten individualisierte
Stellen mit Erythemen oder auf Positionierungsintervalle in
bestehenden Dekubitus (d.h. vollständige einer Leitlinie
Freilage dieser Stellen) (NPUAP/EPUAP/PPPIA, 2014)
Kontinuierliche und vollständige Freilage der Starke Empfehlung für
Fersen: Fersenfreilage in einer Leitlinie
• Auf gleichmäßige Druckverteilung entlang (NPUAP/EPUAP/PPPIA, 2014)
der freiliegenden Ferse achten Schwache Empfehlung für die
• Spannung der Achillesferse vermeiden Gestaltung der Fersenfreilage
• Beugung im Kniegelenk um 5° bis 10° und anzuwendende Hilfmittel in
• Inkonsistente Ergebnisse zu Effekten einer Leitlinie
spezieller Fersenschutzprodukte vs. (NPUAP/EPUAP/PPPIA, 2014)
Positionierung auf Kissen
(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)
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3. Vollständige Entlastung (Freilagerung) stark gefährdeter
Körperstellen

Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage


Erwachsene Bei Menschen mit Empfehlung (keine
(spezielle Rückenmarkverletzungen: Empfehlungsstärke angegeben) in
Populationen • Vollständige Freilage der Fersen und einer Leitlinie (Spinal Cord
und anderer Knochenvorsprünge Medicine 2014)
Versorgungs- Während Operationen: Konsensusbasierte Empfehlung in
situationen) • Vollständige Freilage der Fersen einer Leitlinie (AWMA 2012)
Kinder Keine ergänzenden Leitlinienaussagen oder Studienergebnisse zur
vollständigen Druckentlastung bestimmter Körperstellen speziell bei Kindern
oder Jugendlichen

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)


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4. Vermeidung/Reduktion der therapiebedingten Einwirkung von
Druck und Scherkräften
Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage
Vermeidung von Medizinprodukte allgemein: Starke Empfehlung
Druckeinwirkung • Vermeidung jeglicher Druckeinwirkung durch in einer Leitlinie
durch Zu- und Medizinprodukte (NPUAP/EPUAP/PP
Ableitungen PIA 2014)
(Erwachsene) Vermeidung von Druckeinwirkung durch Zu- und Empfehlung
Ableitungen: unterschiedlicher
• Zusätzl. Hautinspektion (öfter als zweimal tägl.) Stärke in einer
• Indikations- und sachgerechte Anwendung Leitlinie
• Sofortige Entfernung bei Kontraindikationen (NPUAP/EPUAP/PP
• Spezielle Hautpflege und Verwendung von PIA 2014)
schützenden Auflagen
• Regelmäßiger Positionswechsel von Zu- und
Ableitungen

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)


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4. Vermeidung/Reduktion der therapiebedingten Einwirkung von
Druck und Scherkräften
Intervention Entscheidungs- und Handlungsaspekte Evidenzgrundlage
Vermeidung von Zweistündliche Positionsänderung von Empfehlung (keine
Druckeinwirkung Zu- und Ableitungen bei Empfehlungsstärke
durch Zu- und Neugeborenen und Kindern angegeben) in einer Leitlinie
Ableitungen (Kinder) (Royal Children`s Hospital
2012)
Vermeidung von Vermeidung von Scherkräften bei der Konsensusbasierte
Druckeinwirkung Positionierung für die Operation Empfehlung in einer Leitlinie
durch Operation (AWMA 2012), Empfehlung
(Erwachsene) (keine Empfehlungsstärke
angegeben) in einer Leitlinie
(KCE 2012)

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Anhang)


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Prophylaxe und Kausaltherapie
Faktoren, welche laut NES bei der Auswahl druckentlastender
Interventionen zu berücksichtigen sind:
• Individuell bestehende Dekubitusrisikofaktoren
• Individuell vorhandene Ressourcen
• Individuelle Bedürfnisse und Pflege-Therapieziele
• Individuelle gesundheits- und therapiebedingte Anforderungen
an Interventionen zur Druckentlastung
• Aktuell verwendete/geplante Auflagenoberfäche

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 37)


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Prophylaxe und Kausaltherapie
• Die Effektivität der getroffenen Maßnahmen muss
regelmäßig auf Ihre Wirksamkeit hin überprüft- und ggf.
verändert werden
• Die effektivste Maßnahme zur Evaluierung stellt hierbei die
Hautinspektion dar:
 Beobachtung der vom Druck belasteten Stelle
 Abtasten der Hautstelle
 Fingertest

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 40, 41)


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6. Bewegungsförderung/ Mobilität

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Bewegungsförderung/ Mobilität
• Überwiegend entsteht ein Dekubitus aufgrund der
mangelnden Eigenbewegung des Patienten
• Daher sollten Maßnahmen zur Förderung der Eigenmobilität
ergriffen werden
• Anhand einer Bewegungsanalyse sollten die Probleme und
Ressourcen des Patienten erfasst werden, um die Art der
Bewegungsförderung zu planen und durchzuführen

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 28)


Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 71
Bewegungsförderung/ Mobilität
• Bevor eine Bewegungsförderung erfolgt, sollten Ursachen für
die Einschränkung der Bewegung erfasst und soweit möglich
behoben werden. Ursachen können sein:
 Schmerzen, Medikamente
 Angst vor Stürzen, Depression

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 28, 29)


Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 72
Bewegungsförderung/ Mobilität
• Kann die Eigenbewegung des Patienten nicht mehr
ausreichend gefördert werden, oder sind bereits
Hautveränderungen zu erkennen, muss eine passive
Bewegung durch die Pflegefachkraft erfolgen
• Laut dem NES Dekubitusprophylaxe in der Pflege (DNQP,
2017) sind alle Interventionen bzgl. der aktiven oder passiven
Bewegung der Patienten in der Maßnahmenplanung zur
Bewegungsförderung festzuhalten

Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 73


Bewegungsförderung/ Mobilität
• Folgende Prinzipien sollten bei der Lagerung/Positionierung
beachtet werden:
 Bewegungsförderung (so wenig Lagerungshilfsmittel wie
möglich, so viele wie nötig)
 Flächenvergrößerung (je mehr Körperfläche aufliegt, desto
geringer wird der Druck)
 Physiologische Hüftabknickung („Herunterrutschen“ im
Bett vermeiden, da ansonsten eine unphysiologische
Abknickung erfolgt und der Druck im Gesäßbereich
zunimmt)

(Panfil E.M., Schröder G.(2015): Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, S.210)
Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 74
Welche Maßnahmen ergreifen Sie, wenn
der Patient die Lagerung/Positionierung
verweigert?
1. Dokumentation, dass die geplante Maßnahme nicht durchgeführt werden
konnte
2. Ursache klären, warum die Maßnahme nicht durchgeführt werden konnte
3. Alternative Maßnahmen überlegen und durchführen (z.B. zwischendurch
Mikrolagerung)
4. Druckverteilende Systeme einsetzten, sofern diese noch nicht im Einsatz
sind
5. Arzt informieren, dass möglicherweise ein höheres Dekubitusrisiko droht
(und dokumentieren)
Sinnvoll ist es ebenso, frühzeitig mit den Angehörigen zu sprechen um evtl.
gerichtliche Klagen zu vermeiden

Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 75


7. Auswahl/ Bewertung
druckverteilender und
druckentlastender Maßnahmen

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Druckverteilende Hilfsmittel
Aussagen des NES Dekubitusprophylaxe in der Pflege (2017) zu
druckverteilenden Hilfsmitteln:
• Dekubitusgefährdete Patienten müssen unverzüglich eine
entsprechende Prophylaxe erhalten
• Ist eine Druckentlastung nicht möglich/ausreichend sollen
ergänzend druckverteilende und druckentlastende Hilfsmittel
eingesetzt werden
• Bei Patienten, welche nicht so häufig oder gar nicht
umpositioniert werden können, wird der Einsatz von
Wechseldrucksystemen empfohlen

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 42)


Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 77
Druckverteilende Hilfsmittel
• Die Expertenarbeitsgruppe empfiehlt die Bereitstellung von
Weichlagerungsmatratzen als Standardmatratze für Patienten mit
einem Dekubitusrisiko, um von Beginn an die Gefahr einer
Unterversorgung zu minimieren
• Versicherte haben Anspruch auf Hilfsmittel gegen Dekubitus,
wenn diese dazu dienen den Erfolg der Krankenbehandlung zu
sichern oder einer drohenden Behinderung vorzubeugen (§ 33
SGB V)
• Die benötigten Hilfsmittel gegen Dekubitus sind zu Lasten der
GKV verordnungs- und erstattungsfähig (§ 33 SGB V)

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 42)


Julian-Anselm Bayer M.A. | Bildungsreferent | j.bayer@dbfk.de 78
Druckverteilende Hilfsmittel
• Faktoren, welche laut NES bei der Auswahl druckverteilender
Hilfsmittel zu berücksichtigen sind:
 Prioritäre Pflege-Therapieziele
 Möglichkeiten der Eigenbewegung des Patienten
 Gefährdete Körperstellen
 Gewicht des Patienten
 Abwägung Kosten/Nutzen
 Präferenzen und Wünsche des Patienten

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 42)


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Luftgefüllte Hilfsmittel
• Generell zu beachten:
 Luft kann sich komprimieren und hat somit auch bei kleiner
Fläche eine maximale Wirkung
 Luft als Füllmedium ist kostenlos
 Luft ist sehr leicht, somit ebenso die gefüllte Matratze
• Luftgefüllte Hilfsmittel werden unterschieden in:
 Statische Systeme
 Dynamische Systeme

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 32)


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Luftgefüllte Hilfsmittel
1. Statische Systeme:
 Werden zu Beginn aufgeblasen und halten den Druck
anschließend
 Wirken druckverteilend
 Positiv bei Menschen mit Schmerzen
 Regelmäßige Kontrolle der Luftfüllung nötig

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 32, 33)


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Luftgefüllte Hilfsmittel
2. Dynamische Systeme:
 Regelmäßiges Entleeren und Füllen der Zellen
 Wirken in bestimmten Bereichen druckentlastend
 Schmerzen können verstärkt werden
 Kann kühl empfunden werden
 Körperbild/ Wahrnehmung kann verändert werden

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 33)


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Schaumstoffe
• Durch das Einsinken des Körpers in die Schaumstoffmatratze
wird eine Vergrößerung der Auflagefläche und somit eine
Druckverteilung erzielt
• Viskoelastischer Schaumstoff hat zusätzlich thermolabile
Eigenschaften
• Schaumstoffmatratzen sind in Gewichtsgruppen eingeteilt
(diese müssen bei der Auswahl beachtet werden!)

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 34)


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Mikrostimulationssystem (MIS)
• Einzelne Latten des MIS werden via Motoren kurzzeitig
angehoben, dadurch wird ein kleiner taktiler Reiz an der Haut
des Patienten ausgeübt und führt zu:
 Verbesserung der Vigilanz
 Reduktion der Schmerzen
 Schnelleres Abheilen von Dekubitalgeschwüren
 Verbesserung des Körperbilds

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 34,35)


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Automatische Schwenkmatratzen und -betten
• Schwenkmatratzen:
 Unterschiedliche Luftfüllungen führen zum einseitigen
Anheben und Absenken der Matratze
 Dadurch kippt der Betroffene zur Seite
• Schwenkbetten:
 Bett kippt um 30 bis 40 Grad
 Dadurch fortlaufende Druckverteilung

(Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Leitlinie Dekubitus, S. 35)


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Nicht empfohlene Hilfsmittel
Folgende Hilfsmittel bewirken keine druckverteilenden und
druckentlastenden Wirkung:
• Lagerungsringe
• Felle jeglicher Art
• Watteverbände
• Wassermatratzen
• Hydrokolloidpflaster an den Fersen

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 45)


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8. Nationaler Expertenstandard
„Dekubitusprophylaxe in der
Pflege“ nach DNQP

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NES Dekubitusprophylaxe in der Pflege
• Die Zielsetzung des NES lautet:
„Jeder dekubitusgefährdete Patient/Bewohner erhält eine
Prophylaxe, die die Entstehung eines Dekubitus verhindert.“
• Begründet wird dies dadurch, dass der Dekubitus zu den
gravierendsten Gesundheitsproblemen pflegebedürftiger
Personen gehört, wobei mit entsprechendem Wissen das
Auftreten eines Dekubitus weitgehend verhindert werden
kann

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NES Dekubitusprophylaxe in der Pflege
• Der Expertenstandard richtet sich an Pflegefachkräfte in
Einrichtungen der ambulanten Pflege, der stationären
Altenhilfe und der stationären Gesundheitsversorgung…“
• „Die Zielgruppe des Standards sind Menschen jeder
Altersgruppe, die durch gesundheitliche Einschränkungen,
Pflegebedürftigkeit und/oder Einschränkungen in ihrer
Mobilität ein erhöhtes Risiko für Dekubitus aufweisen...“

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 11)


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NES Dekubitusprophylaxe in der Pflege
• „Der Standard bezieht die Angehörigen und andere informelle
Pflegekräfte ausdrücklich mit ein, denn sie übernehmen
insbesondere in der häuslichen Versorgung eine wichtige
Rolle im Rahmen einer wirksamen Dekubitusprophylaxe..“
• Auf der Grundlage der aktualisierten Literaturstudie stehen
Interventionen im Vordergrund, die zu einer Druckentlastung
und Druckverteilung beitragen. Wie in der Vorgängerversion
wird der Bewegungsförderung auch in dem aktualisierten
Expertenstandard ein zentraler Stellenwert beigemessen

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 11)


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Wichtigste Neuerungen zur alten Fassung
• Kinder als Zielgruppe beachtet
• Begriff Mobilität
• EPUAP 2014
• Einbeziehung Patienten/Angehörige deutlicher
• Dokumentation: Gefährdungsausschluss!
• Förderung der Eigenbewegung, Druckentlastung ergänzend
• Datenerfassung durch Einrichtungen

(DNQP (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. S. 10f)


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Vielen Dank
für Ihre
Aufmerksamkeit
Literaturverzeichnis
• Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.)
(2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2.
Aktualisierung, Osnabrück.
• Initiative Chronische Wunden e.V. (2015): Informationsleitfaden für
Fachpersonal. Leitlinie Dekubitus 2015, Quedlinburg.
• Panfil, E-M., Schröder, G. (Hrsg.) (2015): Pflege von Menschen mit
chronischen Wunden. Lehrbuch für Pflegende und Wundexperten. 3.
Auflage. Hogrefe Verlag, Bern.
• Protz, K. (2016): Moderne Wundversorgung. 8. Auflage. Elsevier Verlag,
München.
• Schröder, G., Kottner, J. (Hrsg.) (2011): Dekubitus und
Dekubitusprophylaxe. Hogrefe Verlag, Bern.

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