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LPIANS 'OTtiA THEORIE


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EUGEN EH .RL I O H

PROl'F.~~on A:'.!{ DEil


---
UNl>F.R~ITXT zu CZERKOWlTZ

Sond rabdriick an clen St11di in onorc di Vittorio Scit1loj11

PRATO
Tll'OGILH' IA GJAClll~TTI. b' IGUO Y. C,

1904
1,\li'izec by Goo le
ULPIANS '()I'~fA_ THEORIE
YO:X

In; HE N E 11 l{ LI UH .

l'ROFESSOR AN I>KR t' !iff•~Rll lT 00 T Zt: CZEllNOWITZ

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1

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Es handelt sich um eine sehr berühmte QuellensteJle:
D. 18, 1, 9, 2 (ULPIANUS libro vicensimo octavo ad &ibinmn):
« Inde quaeritur, si in ipso corpore non erratur, sed in
substantia error sit, ut puta, si acetmn pro vino veneat, res
pro auro, vel plumbum pro argento, vel quid aliud argento
simile, nn emptio et venditio sit. Marcellus scripsit libro
sexto Digestorum emptionem esse et venditionem, quia in
corpus consensum est, etsi in materia ~ sit erratum. Ego
in vino quidem consentio, quia eadem prope ou'J{r;. est, si
modo vinum acuit: ceterum si vinum non acuit, sed ab initio
acetum fuit, ut embamma, aliml pro alio venisse videtur. In
ceteris autem nullam esse vemlitionem puto, quotiens in ma-
teria erratnr ».
Diese Stelle gehört zu denen, die, zum .Mindesten seit Sa-
vigny, die Grundlage der herrschenden Irrtumslel1re bilden.
l\fan legt dabei hauptsächlich ·wert auf die \Vorte qii·ia eadem
prope ou'J{ r;. est: von diesen vVorten gehen fast alle nenern
}Jrörterungen iiber den Irrtum in den Eigenschaften .in den
Lehr- und Handbüchern aus (1): man will daraus entnehmen,
dass « gewisse Eigenschaften so sehr das Wesen der Sacl1e
bestimmen, dass eine Sache mit einer diesen Eigenschaften
oder ohne eine solche in der That eine andre Sache sei und
dass daher der Irrtum über eine dieser Eigenscliaften die
vVillenserklärung nichtig mache ».

(1) SyBlern, III, S. 283 j PUCHTA, Pandekten, § 65, A. 11;


RAVIGNY 1
\VINDSCHEID, l'and., I, § 76 a, A. 6; BmNz, Pa11d., 2. Aufl., § 577 1
S. 45, A, 4; DE1tNBur:a, Panel„ I, § 102 1 A. l:.l.

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-4-
Zl'rl!:LMANN, der tliesc Lehre bekiimpft, greifL 1laher Jrnupt-
siichlich die angebliche cu7{0: Theorie Ulpia.ns an: «.Ta, und
zur Ehre 1ler römischen .Jurisprudenz sei es angenommen,
dass die Ulpiauische Meinung nicht die alJgemeine gewesen
ist. Ich muss gestel1en, es gehört einiger Mnt tlazu, in sei-
ner au7{a Theorie etwas anders finden zu wolJen, als eine
unter dem Binfluss unverstandener Philosopheme. erwachsne
Gedankeriverirrung. Ulpian wandelt hier offenbar auf dem be-
denklichen Pfade der :Metapl1ysik .... » (1). Auch PFERSCH:i.;
nimmt an, dass sich ULPIAN nicht zu einer Klarheit durch-
gerungen hätte (2). LEONHAIW allein will in tler Ste11e
keine weitreichende JJcltre finden: ~~ Nach der Meinung des
Verfassers beschiiftigt sich ULPIAN liier weder mit metapl1y-
sischen noch mit p11ysikaliscben Problemen, sondern meint
einfach, dass, wenn jemand mir versprochen hat, dass eine
mir verkaufte Sache einer gewissen Art (au7{ o:) angehöre,
ich sie der Regel nach nicht zu behalten brauche, wenn dies
uieht der Fall ist .».
In neuester Zeit wurde Ulpians ou7{ (/. Theorie von SOKO·
LOWSKI sehr eingehend erörtert. « U1ul dennoch weist .Jn-
stinians Gesetzbuch wenige Stelle auf, die mit solcl1er Klar-
heit gerade die allgemeine Denkmet.bode der klassischen
Recl1tslel1rer beleuchteten. ·was sie bietet, sind philosophiscJ1e
Maximen von allerweitester Geltung, denn auch hier haben
wir es mit einem Gegensatz von peripat~etischen und stoi-
sclie~ JJel1rmeinungen zu thun ». Es handle sich um die
Prinzipien der stoischen Naturlehre. Nicht die iiussre Gestalt
sei für die Bntstehung und das vVesen einer Sache entscl1ei-
deml, sondern der Stoff, wie ULPI;A-N sich streng technisch
ausdriicke, die cu'J{(I.. « Da die Bestimmung der Identität
einer Sache nach l\Iassgabe der Substanz erfolgt, so l1ängt
alles. davon ab, ob der Vertragsgegenstand iiberhanpt etwas
von dem vereinbarten Stoff enthält oder nicht ... Ein Kaut:

(1) ZITELMANN, Irrlmn mul llechtB(/e8cl1iift, s. 568 tlg.


(2) Pl<'ERSCHE 1 Zur Lel1re i·oni soy. Er1·01· in s11bsta11tia.

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~--··

r-·

kontrakt iiber \Yein bleibt in Kraft, selbst wenn das Getränk


sauer geworden sein sollte, da ein solcher \Veinessig immer
noch die \Veinsnbstauz darstellt. Chemisch hergestellter Essig,
e111ba111ma, ist dagegen eine andre otni i:ie, und kann deshalb
nicht das O~jekt eines iiber \Yein abgeschlossenen Vertrages
sein » (1).
Bei der Bedeutung, die die \Vorte Ulpians für die \Vis-
senschaft erlangt haben, ist es gewiss gerechtfertigt, wenn
an dieser Stelle darauf näher eingegangen wird.
Man kann es SoKOLOWSKI immerhin zugeben, dass in der
\Vellilnng "Glpiaus, quia eadem prope o(ni (). est, eine Anspie-
lung auf die stoische Lehre von der St1bstanz enthalten ist.
Ist aber schon deswegen anch der Schluss berechtigt, dass
die Entscheidung auf der Snbstanzenlehre beruhe Y Man wird
diese li'rage nicht olme \Yeiteres bejahen diirfen. Es scheint
mir ein Mangel des an sich so verdienstvollen Sokolowski-
scheu \Verkes, dass er iiberall die zwei Dinge nicht geniigeml
auseinander 11iilt: die Begriindung, die die Juristen ihren
Entsclieidungen geben, und die Griinde, die sie zur Ent-
scheidung vemnlasst haben. Ein tiichtiger Jurist wird bei
seinen Entscl1eidungen immer von praktischen Erwägungen
ansg·ehen, eine Begriindnng nimmt er aber oft dort, wo er
eine findet: bietet sich nicht eine gnte dar, dann begniigt
er sich nicht selten mit einer schlechten. Es gibt daher nicht
wenig schlechte Entscl1eidnngen, die sehr gut begrii.ndet
scheinen: ein feiner Dialektiker hat immer ein bestechendes
\Vort zn seiner ,~ erfiignng, das nicht leicht zu widerlegen
sein wird. Es gibt aller noch mehr gute Entscheidungen mit
schlechter Begriindung: der Mann mit offnem Auge, mit war-
mem Gefül1l für die Bediirfnisse tles JJebens, hat nicht immer
die Gabe seine Empfindungen zu analisircn, findet auch nicht
immer den richtigen Ausdruck dafür, er wird uns daher nicht
fielten nicl1ts davon sagen können, was ihn bewegt hat; es
wird ihm emllicl1 zuweilen auch der 1\lut der Ueberzengnng

(1) SOKOJ.OWSKI, Pliilosopllie im l'ri1'11/1wl1t, S. 238.

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fehlen um seine ganze, vielleicht Vielen anstössige Ansicht
unverbliünt auszusprechen. Die in neuester Zeit in so erfreu-
lichem Aufschwunge begriffene Rechtswissenschaft, die nicl1t
von Paragrap11en, sondern von Lebensverlifütnissen und der
Rechtssprechung, die sich an sie anknüpft, ausgeht., winl diese
Wahrheit nie nnberiicksicbtigt lassen diirfen. Gewiss ist jeder
Riclitersprucb ein menschliches Dokument und er verfüent
scbon als solclies, dass ihn die -Wissenschaft ihrer vollen
Beachtung wii..rdige; aber die Entschei<lung selbst ist nocll
in einem ganz andern Sinne menschliches Dokument, :-ils
ihre Begriinclnng.
· Das Gesagte gilt insbesondere von der Philo ophie im
Recl1te, von 1ler Herru1zie]mng philosophisclier Rrwiignngen
zm· Rcgriin<hmg juristiscl1er Ent,g<'heiclungen. Der hann.usi-
schen Au1fös uug, Pllilosophi<' habe im Rechte .nichts zu sn-
cl1en, soll hier selbst\' ersfündlich nicht das „,Vort geredet
werden. Es kommt alles darauf an, was man nnter dem viel-
deutigen ·w orte Pllilosophie versteht. Im Altertum war sie vor
Allem Erkenntnisstheorie, im Anschluss daran Naturlehre,
tlie Er·forscbung der Naturgesetze, clie Znriickfiihrnng der
Naturerscheinnngen auf illre allgemeinen Ursachen. Die Ent-
scheidungen der römiscl1en Juristen beruhen dagegen durch-
gehen<ls anf Brwii.gnngen, die man als judsti cl1e bezeichnen
könnte: auf gesetzlichen Vorsclniften, auf anerkannten Regeln
der Jurisprudenz, die im al1gemeinen ohne Rücksicht anf
die Philosophie entstanden sind, auf dem Willen der Par-
teien, auf Zwecknüissigkeits- und Billigkeitsgriinden. Dass
füe Juristen je diese juristischen Erwiiigungen denen ihrer Na-
tluphilosophie hintangesetzt hiitten, habe ieh nicl1t geftmden;
wohl aber scheint es vorgekommen zu sein, und dafür finden
sich im Buche Sokolowskis zahlreiche Relege, dass sie für
Entsc11eidungen, diejuri tisch begriindet waren, Begri.ind1mgen
anfüllrten, die der Naturphilosophie entnommen waren oder in
denen die Naturpl1ilosopbie anklingt. Dabei muss abgesehen
werden von einer grossen :M:enge von Stellen, ttnf die So-
KOLOW KSI sielt bezieht urnl (Ue iiherha.npt keine Entscl1 ei-

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j

dungen enthalten sondern rein theoretische Ausführungen:


, das ist häufig gar nicht Jurisprudenz sondern es sind Ex-
zerpte aus naturphilosophischen Arbeiten in juristischen
Schriften. Insbesondre haben die Einteilungen cler Saehen,
die clie Juristen, wie SoKOLOWSKI nachweist, den Philo-
sophen entnommen haben, oft gar keinen juristischen Inhalt.
Auf den ersten Blick hin scheint D. 18, l, 9, 2 allerclings
clamit nicht vereinbar zu sein. °GLPIAN fä.sst den Kauf giltig sein,
wenn \Veinessig anstatt Weines verkauft worden ist, und diesE'
uns sehr anst.össige Entscheidung begriinclet er mit \Vorten,
in clenen SOKOLOWSKI mit Grund einen Anklang an <lie
J,ehre der Stoiker von der Substanz findet: quia eadem prope
r;u-;{a. est. Dazu kommt ja nocl1, dass seine Entsc11eidnng
nnclers lautet, .wenn anstatt Golcl Erz, anstatt Silber ßlt'i,
anstatt ·Wei~ ein nicht aus Wein sondem anclerm Stoffe er-
zeugter Essig (embanmia) verkauft wurde; auch das stimmt
zur Substanzlehre der Stoiker. Es spricl1t also in der Timt
clrr Anschein dafür, dass ULPIAN zn seiner praktisch an-
stiissigen Enb1cbeidung durch eine Jlhiloso11l1ische J>oktrin
yeranlasst worden ist.
J<js ist daher von grosser Bedeutung dass lJlpians E1't-
scheidung in der Tat mit der stoischen Philosophie nicht.s zn
thun hat. Sie beruht nicht auf den Lehren der Stoiker,
sondern auf den Usancen des römischen Weinhandels. \Venn
sie uns anstössig scheint, so ist clie st-0iscl1e Philosophir
clurclians unschuldig llaran: der Grund liegt darin, das um~
eben die Usancen tles römischen Weinhamlels ganz fremcl
sind. Und die Begriindnng, die auf stoische Lehren ans1lielt
ist llemznfolge als eine blosse Verbrämung anzusehen.
Eine eingehende Darstellung der Usancen des römischen
Weinhandels gibt bekanntlich GOLDSCHMID1' in seiner klas-
sischen Arbeit : « Die Kauf auf Probe oder auf Besieht »
(Zeitschr. f. d. gea. Ha1'del11recltt, ßcl. I, S. 73 flg.). Aus 1len
Quellen ergibt sich, llass es Sache des Kih1fers war, clen
\\'ein binnen einer vereinbarten Oller angemesse1wn FriRt
na<'h tlem Kaufe· zu }lrilfen, oh <•r nicht sauer oclPr kahnig

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-s-
sei (acoi· und mu-001· des Weines ist also Gegenstand des
Prii.fung). Hat der Künfer die Priifnng 1!11terlaAsen oder die
Priifung schlecl1t vorgenommen, so muss er den Kauf gelten
lassen:
D. 18, 6, 15 (G-Arns, lib. 2 Quotid. rernm) : « Quia sive
non degustavit, sive degustando male probavit, de se qneri
.•lebet ».
Es mag dahin gestellt sein, ob der Vorbehalt der Prüfung
ausdrii.cklich vereinbart werden musste oder auch in Ermang-
lung einer ausdriicklichen Vereinbarnng, Kraft der Usance,
· als vereinbart g·egolten hat, wie dies GoLDSCHMID'l' aus
guten Gründen annimmt.. Jmlenfalls ist der Vorbehalt schon
ÜA'l'O bekannt:
ÜA'l'o, de Re Rustica, 148 (Le.-c vino i1i doliis): « .... Vini
in cnlleos singulos quadra.genae et singulae urnne dabuntur,
quod neque aceat neque muceat, i<l dabitur. In triduo proximo
viri boni arbitratu degustato.· ~i non ita fäcerit, vinnm pro
degnstato erit. Quot dies per dominum mora fnerit, quominus
Yinmn degustaret, totidem dies emtori procedat„„ »,
und gilt ULPIAN als das Regelmi~ssige
D. 18, 6, 41 (ULPIAN., Ub. 28 ad Sabin.): « Difticile autem
est ut quisquam sie emat, ut non degustet ».
Versuchen wir es nun an Ulpians Entscbeidung mit diesem
Maasstabe heranzutreten. Dass es sich nicht etwa mn einen
Qualitätswein gehandelt haben kann, wenn es dem Verkiiufer
möglich war, Weinessig anstatt ·wein zu liefern, ist wohl
selbstverständlich. vVo die Römer vom vVein schlechthin
sprechen, steht bekanntlich nur der gewöhnliche italienische
Fasswein (vinum doliare) in Frage. Der Käufer hat selbst-
versfüncllich die Möglichkeit gehabt sich gegen die Gefahr
· des Sauerwerdens zu schützen: er brauchte nur die degustatio
sich vorzubehalten, und den Wein, wenn er sauer geworden
ist, oder sich auch nur Anzeichen davon zeigten, aufzu-
schiessen. Hat. er das nicht getan, hat er die deguSJtatio, deren
Vorbehalt regelmässig war oder gar als selbstYerstiimllieh
galt, nicht yorgenomrnen. dann musste er jeilPnfalls die Folgen

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tragen selbst, wenn der ·wein schon zur Zeit· des Kaufä sauer,
also Essig geworden wiire:
D. 18, 6, 15 (GAIOS, lib. secundo quotidian. re1"1t111): « ... Quia,
sive non degnstavit., sive degustando male prohavit, de se
queri <lebet».
Umsomebr ist das aber dann der :Fall, wenn überhaupt
Probe nicht vorgenommen werden solltP, wenn ave1·sionc 1:inum
veniit.
D. 18, 6, 4, 1 (ULP., lib.· vicesimo octavo atl Sabinmn):
« ... si non ita vinum veniit ut degustaretur, neqite acorcm
neque mucorem venditorem pmestare debBre ».
Darin liegt, meint ULPIAN/ also in unsrer Stelle/keine
lJnbilligkeit quia ea<lem propc o-J7{(/. est, si modo vinum acuit.
~icht nach den Grundsiitzen der stoischen Philosophie son-
dern nach den Usancen des römischen .'\>Veinhandels ist der
Kauf verbindlich, auch wenn der \Vein sauer geworden war.
ULPIAN drückt das in der Weise ans, der Käufer l1abe deu
Essig zu behalten, denn er sei nicht eine Sache andrer Art,
sondern eine mindre Qualität des \Veins.
Es kommt also nur noch auf die Frage an, ob in der Tliat
für die Römer \Veinessig und Wein im \Yesentlichen nur
verschiedne <~nalifäten derselbei· Art gewesen siml. Dafür
gibt es in den Quellen eine Reihe von Zeugnissen, in denen
jede Beziehung auf tlie cu71'r/. - 'fheorie der Stoiker fehlt:
D. 33, 6, 1 (ULP., lib. i•icesimo ad Stibinmn): « Vino legato
acetuni quoq11e continetur, qitod paterfamilias vini nmnero
habi1.U ».
D. 33, 6, 3, 1 (ULP., lib. vicesimo tertio cid Sctbinw11): «Si
cni vinum sit legatum centmn amphoramm cum nullnm vhium
reliquisset, vin1t111 heredem empti1rmn non acetmn, quod vini
nmnero sU ».
D. 33, 6, !J pr., 1, 2 (ULP., Ub. vicesimo tertio ad Sa-
binwni): «Si quis vinnm legayerit omne continetnr, quoll ex
vinea natum vinum permansit„„ Item acetum v-ini appellatione
non continebitm-. Haec omnia itct demum vin·i uppellatione non
cont-inent·1Cr, si modo vini nmnero et testatore non snnt lwbitu:

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aliorp1in abinu ·criuit omnia vini appellatione contiueri,
ciuae vini numero pate1·familias habnit, et zytlmm et cammn
l't cet ra, fJ!UL8 pro hoiniiwm ~tfectione ttique 11su i·ini numero
lurbcntur. Qnod si totum vinnm, quod patel'fämilias babuit
coacuit, non cdingnitnr legatum . Si acetum qui l gaveri1
non coutin bitur hoc Jega,to acetnm, quod vini nnmero t -
tator babnit; emba1mna antem continebitm, quia aceti m1-
rnero fuit. Item si qnis L'inwn quod ltabuit leoa1•it, deinde ltoc
coacuit, lieet postea in aceti locmn tl'anslatum sit a patrefa-
iniUas, vino legato continebitu1·, quia id, quoll tcstamenti facti
tempore vinurn fuit, clemonstratmn e t: et cst hoc vernm 1
ui i voluntns adYcr etur ».
D. 33, 5, z, 3 (ULP., lib . 1•icesimo (l{l Sabinmn): « Enm cni
centum amphorarum electio data it, acetmn cligentem non
con umere optioneru, si frl acetm11 eleoerit, quo<l i·ini nm11ero
patc1fa111Was non habnit » :
D. 33, 5, 3 (ULP., Ub. viceflimo tertio a<l 'abin111n): «„„ sci-
licct, i ante cxhiuitioncm, l1oc e t a11te cleoustationem acetllm
l'l C{JIJI' it ».
D. 33, 6, ~, 1 (l'OllPONlUS, lib. se.l'lo afl Sabinum): « i
centum ampliorae quas Yclles tiui le~atac- sint, e.v testa11umto
agendo consequi potes, 1tf deoustare Ubi lieeat: aut quanti in-
terf'nerit li ere tibi degn ·tnrc, atl exuihenclnm agere pote ».
Diese tellen gel>eu uns reichlicu Aufscl1l11 s iiuer die
G l'iinclc, die ULl'IAN vcr~nla st lial>en mögen, dem ,,.ein
und uem 'Veiues ig eautlem propc otni'a11 zuzuschreiuen. Wfr
erführen tlamus znuiiehst, dass der pate1jinnilüts nicht selten
\Vcine ig: i·ini nuinero hab11it. }faeh clcr Al't, wie die Q.nellen
i lt au driicken ist es wohl z1rni fellos, dass clic Eimeibnng
tle. E igs unter uen \\"eiu mn· \'Oll tlCL' ganz willkiirlicl1en Ent-
schlic ·snng tlcs pate1fa111ilias abhing : entscliei<leml war vor
.\.U m, oll der pate1familias ilm dort. nnt'Ucwal11te, wo er <leu
Wein zu halten pflegte. Tntl <loch kam iJrl im Yern1iichtni · ·
rechte auf clic~c willkiirliche Enlscl1lies nng· alles an : wa1·
\V in vcrmacl1l, i;o 11·nr uucl1 clcr \\'einc•Rsig mit ver-
111acht quocl i-ini loc·o pate1fa111ilias habiiit, war E io- 1·e.r-
'

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- 11 -
macht, so galt das Vermiicbtniss nicht für den 'Veinessig
q11otl vini mtmero testato1· 11abuit; ebenso wie der Käufer,
kann auch der Vermiichtnissnebmer die degustatio ver-
langen, der die 'Vabl des \Veines hat; hat der Ver-
mäcbtnissnehmer, nachdem er die degustatio vorgenommen
hatte, \Veinessig gewiihlt, oder bat er, obwohl ibm Gelegen-
heit dazu gewi:ibrtJC' worden ist, die degustatio nicht vorge-
nommen, so musste er sich den \Veinessig gefallen lassen;
ebenso aber auch, wenn er eine" 'Veinessig wählte quod
vini loco pate1fa111Uias lrnbuit (vgl.: « licet postea in aceti
locum translatum sit a patre fämilias „„» ).
Das alles ist nur begreiflich wenn Weinessig in der 'fhat
in der Yerwemlung dem \Vein vielfach gleichstand. Das
die römischen Entscheidungen auf dieser Grundlage beruhen,
wird in D. 33, 6, 9, pr. mit diirren \Vorten gesngt :
« Alioq nin Sabinus scribit, omnia vini nppellatione conti-
neri, quae vini nnmero paterfamilias habuit„„ quae pro ho-
minum c~ffectione atque ustt vini numero liabentur ».
Aus andern Quellen wissen wir, dass Bssig im Altertum,
J\'ie auch jetzt noch im Sfülen, ähnlich wie 'Vein, mit vVasser
vermischt, getmnken wird; elf'"'wird als erfrischendes Ge-
tränk betrachtet. Wie weit die Gleichsetzung von \Vein und
'Veinessig "irtschaftlich gegangen ist, l~hren die soeben an-
geführten Stellen.
Der Standpunkt Ulpians ist daher nach jeder Hicbtung
klar und verständlich. Wenn man einen Gegenstand kauft,
cler aus einem an<lern Stoffe besteht, als die Parteien (oller
auch nnr eine Partei in einer für die anclre erkennbaren
'Veise) vorausgesetzt haben (1), dann ist der Kauf wegen
Irrtums nichtig: daher insbesonclre wenn Erz anstatt Golll,
Blei anstatt Silber verkauft worden ist. ßbenso wenn an-
~tatt \\·eines embamma (eine aus Holzspiinen bereitete Flüs-

(1) Es wlirde mich zn weit führen, wenn ich hier nuf dns Verhiilt-
nis11 des Irrtum!! znr Vornu11setzung eingehen wollte.

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igkeit) Gei;renstancl de Kaufs gebildet hat. '~reine ig ist
dagegen nur ein minderer \V ein : lmtjemaJl(l daher \Veines ig-
anstatt \Vein gekauft, so ist cler Kauf g-i1tig: de se q11eri.
debet.
(f •••

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Digitize oL~ogle ,..
Digitizea ~ ogle i111
Digitizea ~ogle 111
ogle „