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Sprachen beim Militär im alten Österreich

Alle Leser sind eingeladen, mir ihre Erfahrungen und ihre Sicht der Dinge zu schreiben und mich auf
Fehler und Irrtümer meinerseits aufmerksam zu machen:

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Ich werde diese Sammlung immer wieder überarbeiten und verbessern.

o Im Heiligen Römischen Reich


o Franzosenkriege und Biedermeier
o Amtssprachen ab 1849
o k.k. Kriegsmarine
o Ungarn nach 1848
o Italiener und Bosnier
o Kommando- und Dienstsprachen
o Regimentssprachen
o Sprachen der Offiziere
o k.u.k. Militärschulen und -akademien
o Deutsche und Ungarische Regimenter in der k.u.k.-Armee
o Konflikte um die Armee-Sprachen

Im Heiligen Römischen Reich

In der kaiserlichen österreichischen Armee waren stets alle Völker des habsburgischen Machtbereichs -
und weit darüber hinaus - vertreten.

Bis zur Einführung des Konskriptionssystems 1771 waren die 'kaiserlichen Völker' (im Sinne von
Regimentern) ausschließlich Berufssoldaten, die sich meist freiwillig anwerben haben lassen. Dabei
spielte die 'Reichswerbung', also die Anwerbung von Söldnern in den Territorien des 'Heiligen
Römischen Reiches' (nur die Kurfürstentümer waren ausgenommen) eine zentrale Rolle. Besonders in
den damals noch zahlreichen Reichsstädten und den geistlichen Fürstentümern wurde geworben, daneben
natürlich auch in allen habsburgischen Ländern von Flandern bis Siebenbürgen und auch im Ausland, vor
allem in Italien, Polen und unter den christlichen Balkanvölkern ('Grenzer'). Die ethnisch - sprachliche
Zusammensetzung war dementsprechend bunt.

Die Regimenter wurden von den großen Grundherrn aufgestellt, bezahlt und versorgt, dementsprechend
entschieden sie auch über die Besetzung der Offiziersstellen und gaben die Regeln vor. Vertreten waren
alle christlichen Bekenntnisse, die katholische Gegenreformation hatte im Bereich der Armee wenig
Einfluß.

Erst ab dem Absolutismus wurde auch die Armee allmählich zentralisiert. Der 'Österreichische
Erbfolgekrieg' (1740 - 1748) und die drei 'Schlesischen Kriege' (1740 - 1763) gegen Fürsten des Reiches
(Bayern, Sachsen, Preußen usw.) hatte die Stellung der Habsburger im Heiligen Römischen Reich
erschüttert. Sie stellten zwar ab 1745 mit Franz Stephan I., dem ersten Habsburg-Lothringer wieder den
Kaiser, doch verlor die Reichswerbung nun immer mehr an Bedeutung. Die Einführung des
Konskriptionssystems 1771 brachte dagegen mehr habsburgische Untertanen in die kaiserliche Armee.

Mit der Einbeziehung der Juden ins Konskriptionssystem 1788 änderte sich auch das Selbstverständnis
von der 'christlichen Armee' hin zur 'Österreichischen Armee'.

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War durch die Reichswerbung noch um 1700 der Großteil der kaiserlichen Soldaten deutschsprachig, so
nahm nun allmählich auch die Zahl der Ungarn und Kroaten zu. Ab 1772, nach der Erwerbung Galiziens,
lebten auch viele Polen und Ruthenen im Habsburgerreich, auch ihre Zahl stieg nun in der Armee an.
Tschechen und Slowaken, sowie Italiener und Schweizer waren schon lange Teil der 'kaiserlichen
Kriegsvölker' gewesen.

Franzosenkriege und Biedermeier

Mit dem Ende des Reiches 1806 hörte die Reichswerbung fast völlig auf. Die Reichsfürsten waren ja nun
souveräne Herrscher geworden, die Soldatenanwerbung in ihren Territorien nicht mehr offen möglich.
Alle geistlichen Territorien waren ja schon 1803 (Säkularisierung) untergegangen, die meisten
Reichsstädte wurden von den benachbarten Verbündeten Napoleons "geschluckt". Nun stützte sich die
kaiserliche Armee vor allem auf eigene Untertanen, daneben aber auch auf zahlreiche Flüchtlinge aus
dem französischen Machtbereich.

Mit dem endgültigen Verlust der 'Habsburgischen Niederlande' (1805) nahm dagegen der bis dahin
bedeutende Teil der französisch-, flämisch- und wallonischsprachigen Soldaten allmählich ab.

Diese Situation blieb dann bis zum Revolutionsjahr 1848 bestehen.

Amtssprachen ab 1849

Schon 1849 mit der ersten demokratischen Verfassung, die nie in Kraft treten durfte, und auch mit der
oktroyierten Verfassung (4. März 1849 - Märzverfassung) war die Gleichheit aller Völker und
Sprachen festgeschrieben worden.

Das Reichsgesetzblatt erschien parallel in folgenden Sprachen:

1. In deutscher Sprache
2. in italienischer,
3. in magyarischer,
4. in böhmischer (zugleich mährischer und slovakischer Schriftsprache)
5. in polnischer,
6. in ruthenischer,
7. in slovenischer (zugleich windischer und krainerischer Sprache)
8. in serbisch=illirischer Sprache mit serbischer Civil=Schrift
9. in serbisch=illirischer (zugleich croatischer) Sprache mit lateinischen Lettern
10. in romanischer (moldauisch=wallachischer Sprache)

(aus: Einleitung zu dem allgemeinen Reichs- Gesetz und Regierungsblatte für das Kaiserthum Österreich,
Seite VI)

In der Praxis wurde zwischen Tschechisch und Slowakisch unterschieden; Serbisch und Kroatisch bis
inkl. 1870 in den Statisitken der Armee getrennt angeführt, später dann einheitlich als Serbokroatisch.

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k.k. Kriegsmarine

Die k.k. Kriegsmarine, die 1797 mit der Erwerbung Venedigs "geerbt" und auch in der Folge italienisch
dominiert war, war 1848 fast zur Gänze zu den italienischen Aufständischen übergelaufen. Sie wurde
daher nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen völlig neu aufgebaut, die k.k. Marine-Kadettenschule 1848
nach Triest verlegt und 1857 dann nach Fiume. Die italienische Kommandosprache wurde 1850 bzw.
1853 durch die deutsche ersetzt, anstelle von Venedig wurde nun Pola (kroat. Pula) in Istrien zum Haupt-
Kriegshafen ausgebaut, wodurch es von 1.100 Einwohnern (1851) auf 25.390 (1880) und 58.562 (1910)
anwuchs. Der italienische Einfluß blieb zwar wichtig, vor allem durch Italiener aus Istrien und Dalmatien,
aber man warb nun massiv auch deutsche, kroatische, tschechische und später auch ungarische
Marineoffiziere und Matrosen an.

Nationalitätenstatistik der Kriegsmarine


(in Prozent)

 Seeoff Mannsc
 
iziere  haften
Nation 18 19 188 191
alität 85 10 5 0
Deutsc 45, 51,
7,9 24,5
he 0 0
Magya 14, 12,
5,6 12,6
ren 7 9
Tschec 12,
9,2 4,5 7,1
hen 3
 4,
Polen 2,8 0,5 1,0
0
Italien 32,
9,7 9,8 18,3
er 0
Slowe
4,0 4,2 4,6 3,6
nen
Kroat
en & 10, 44,
9,8 29,8
Serbe 3 9
n

Ungarn nach 1848

Auch im Osten der Monarchie gab es zu dieser Zeit eine große Verschiebung der Verhältnisse. Beim
ungarischen Aufstand 1848 - 1849 war ein Großteil der ungarischen Armeeinheiten zu den
Aufständischen übergelaufen. Nach dem Sieg der kaiserlichen und russischen Armeen 1849 wurden
Ungarn bis 1860 massiv aus dem Heer ausgegrenzt, bei der Offizierslaufbahn gebremst und behindert.
Erst dann nahm der Einfluß der Ungarn, die ab 1867 ('Ausgleich') wieder einen eigenen Staat besaßen,
wieder zu. Dagegen besaßen die Minderheiten in den Ländern der Heiligen Stephanskrone von 1848 bis
1860 einen sehr hohen Stellenwert. Das galt ganz besonders für die Kroaten und Serben, in
bescheidenerem Ausmaß auch für die Slowaken, Rumänen und Deutschen.

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Italiener und Bosnier

Mit dem Verlust der Lombardei (1859) und Venetiens (1866) nahm die Zahl der italienischen und
friulanischen Soldaten dramatisch ab, 1878 mit den Okkupation Bosnien-Herzegowinas bzw. 1882 mit
der Aufstellung der ersten Armeeinheiten dort, nahm die Zahl der Serben und Kroaten zu und erstmals
gab es auch (islamische) Bosnier unter den kaiserlichen Soldaten.

 Kommando- und Dienstsprachen

Mit dem neuen Wehrgesetz von 1868, das in beiden Reichshälften beschlossen wurde, gab es erstmals
grundlegende einheitliche Vorschriften. Nun galten erstmals die 'Allgemeinen Wehrpflicht', was aber
keineswegs bedeutete, daß auch alle tauglichen Rekruten wirklich eingezogen worden wären.

Die Kommandosprache war die Sprache, in der die etwa 90 Kommandos wie "Habt Acht", "Ruht" usw.
erteilt wurden.

Die Dienstsprache war die Sprache, in der mit über- und untergeordneten - sowie gleichrangigen
Dienststellen verkehrt wurde. In ihr wurden auch die Protokolle geführt.

In der gemeinsamen Armee (bis 1889 k.k. Armee, dann k.u.k. Armee), der Kriegsmarine und der k.k.
Landwehr waren Kommando- und Dienstsprache Deutsch. Bei den galizischen k.k. Landwehreinheiten
war es allerdings üblich, Polnisch als Dienstsprache zwischen den einzelnen Einheiten zu verwenden,
was stillschweigend geduldet wurde.

Bei der k.u. Landwehr (Honvéd) waren Kommando- und Dienstsprache Ungarisch. In der kroatisch-
slawonische Landwehr (Domobranzen) Kroatisch.

Die Einberufungsbescheide wurden bei gemeinsamen Armee (bis 1889 k.k. Armee, dann k.u.k. Armee),
der Kriegsmarine und der k.k. Landwehr in der Muttersprache der Rekruten bzw. Soldaten ausgestellt; bei
der k.u. Landwehr in Ungarisch, bei der k.s. Landwehr in Kroatisch.

Regimentssprachen

Die Regimentssprache, das war die alltägliche Verkehrssprache innerhalb der Einheiten, in der auch die
Ausbildungen abgehalten wurden, richtete sich nach der sprachlichen Zusammensetzung der jeweiligen
Einheit. Jede Umgangssprache, die von mehr als 20% der Soldaten gesprochen wurde, war auch
Regimentssprache. Damit gab es viele Regimenter, die zwei, drei oder sogar vier Regimentssprachen
hatten, die parallel zueinander benutzt worden sind. Insgesamt waren elf Sprachen offiziell anerkannt:
Deutsch, Ungarisch, Tschechisch, Polnisch, Ruthenisch, Slowakisch, Rumänisch, Italienisch, Slowenisch,
Kroatisch und Serbisch.

Unter den 106 Infanterieregimentern der k.u.k. Armee am Vorabend des Ersten Weltkriegs, gab es nur
20 einsprachige, darunter je 7 mit ausschließlich deutscher bzw. ungarischer Regimentssprache und zwei
mit tschechischer (IR 28 und IR 36). Weiters waren die vier bosnisch-herzegowinischen Infanterie-
Regimenter einsprachig Serbo-Kroatisch, denn die Regimentssprache wurde ja nur mündlich benützt und
da war (und ist) zwischen Serbisch, Bosnisch und Kroatisch wenig Unterschied.

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Die Kavallerieregimenter waren, bedingt durch ihre traditionelle Länderbindung, sprachlich gesehen
deutlich homogener. So hatten knapp vor dem Ersten Weltkrieg 10 der 12 Husarenregimenter
ausschließlich Ungarisch als Regimentssprache. Freilich spielte da auch der ungarische Nationalismus
dieser Zeit mit, wo alle sprachlichen Minderheiten einem starken Assimilierungsdruck ausgesetzt waren.

Im Sommer 1914 z. B. galten lediglich 142 Truppenkörper (Regimenter oder unabhängige Bataillone) als
einsprachig. In 162 wurden zwei Sprachen gesprochen, in 24 drei Sprachen, und es gab sogar einige
Regimenter, in denen vier Sprachen verwendet wurden. Von den 142 einsprachigen Truppenkörpern
waren nur 31 deutschsprachig

Beim Heer gab es nur 142 Truppenkörper mit einer Regimentssprache. Davon wurden in 12 IR, 3
Kavallerieregimentern, 12 Feldartillerie- und Gebirgsartillerieregmentern deutsch gesprochen. In 162
Truppenkörpern des Heeres gab es zwei, in 24 sogar drei.

Deutsch als Regimentssprache kam in 138 Einheiten vor, davon in 30 als einzige Regimentssprache.
Polnisch kam 48 Mal als Regimentssprache vor, davon 10 Mal als einzige (vgl. RYDEL 2001:82).
Weitere Nationalsprachen: Ungarisch 97 (davon 44 Mal als einzige Regimentssprache), Tschechisch 69
(8), Ruthenisch („Ukrainisch“) 39 (8), Rumänisch 28 (4), Serbokroatisch 26 (18), Slowakisch 17 (4),
Slowenisch 13 (3) und Italienisch kam in 6 Einheiten vor, jedoch immer gemeinsam mit Deutsch oder
Slowenisch (Quelle: RYDEL 2001:82).

Regimentssprachen. Bei der k.k. Landwehr waren 19 Truppenkörper einsprachig, 44 zweisprachig und
einer dreisprachig.

Diese Bestimmung galt auch für die beiden Landwehren, wurde aber in der k.u.-Landwehr meist nicht
umgesetzt. Auch wenn dort Rumänisch, Deutsch, Slowakisch, Ruthenisch oder Serbisch von 20 oder
mehr Prozent der Soldaten gesprochen wurde, wurde praktisch überall ausschließlich Ungarisch als
Regimentssprache verwendet. Die Einheiten der kroatisch-slawonische Landwehr waren sprachlich
gesehen weitgehend einheitlich, sodaß überall Serbokroatisch verwendet wurde.

Ab 1904 waren nicht mehr die Umgangssprachen zur Festlegung der Regimentssprachen entscheidend,
sondern alle Sprachen, die der Einzelne benutzte. Da viele Soldaten mehrsprachig waren, bedeutete das
praktisch gesehen eine Ausweitung der Regimentssprachen.

Sprachen der Offiziere

Oberoffiziere (Leutnant bis Hauptmann/Rittmeister), die diesen Einheiten zugeteilt wurden, waren
verpflichtet alle Regimentssprachen, die sie noch nicht beherrschten, binnen dreier Jahre zu erlernen.
Dann mußten sie ihre Sprachkenntnisse vor einer Kommission unter Beweis stellen. Waren diese
Sprachkenntnisse dann nicht „zum Dienstgebrauch genügend“, wurde ihnen eine weitere Frist von zwei
Jahren gewährt. Reichte auch das nicht aus, wurde er im Dienstakt als "zur Zeit nicht geeignet“ vermerkt
und sie von Beförderungen ausgeschlossen.

Viele Offiziere beherrschten die slawischen Sprachen nur mangelhaft, und behalfen sich mit
"Armeeslawisch". Das war eine Mischsprache aus den verschiedenen slawischen Sprachen der Monachie
(Tschechisch, Polnisch, Ruthenisch, Slowakisch, Kroatisch, Serbisch und Slowenisch) durchsetzt mit
deutschen und anderen Worten.

An den Militärakademien mußte jeder Offiziersschüler Deutsch lernen, sofern es nicht seine
Muttersprache war, weiters zwei andere in der Monarchie gesprochene Sprachen und Französisch.
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Im Jahr 1911 gaben 76,1% der Offiziere der k.u.k. Armee Deutsch als Muttersprache an, 10,7%
Ungarisch und 5,2% Tschechisch. Bei den Reserveoffizieren waren es 56,8% Deutsch, 24,5% Ungarisch
und 10,6% Tschechisch. Bei den Beamten des k.u.k. Kriegsministeriums waren es 68% Deutsch, 14%
Tschechisch und 7% Ungarisch.

Im Jahr 1913 gaben von den Mannschaften der k.u.k. Armee 26,7% Deutsch, 22,3% Ungarisch, 13,5%
Tschechisch, 8,5% Polnisch, 8,1% Ruthenisch, 6,7% Serbocroatisch, 6,4% Rumänisch, 3,8% Slowakisch,
2,6% Slowenenisch, 1,4 Italienisch an. (Quelle: Der Erste Weltkrieg von Wolfdieter Bihl)

 Nationalitäten in Österreich-Ungarn und in der k.u.k. Armee 1910

Mannschaften
Bevölkerung allgemein
aktiv u. in der Reserve
Nationalität Absolutzahl  %  Absolutzahl %
Deutsche 12.007.000 24,3 375.015 25,2
Magyaren 10.056.000 19,6 344.210 23,5
Tschechen, Mährer, Slowaken 8.410.000 16,3 245.046 16,5
Polen 4.968.000 9,7 118.168 7,9
Ruthenen 3.998.000 7,8 113.931 7,6
Serben und Kroaten 4.381.000 8,5 134.019 9,0
Slowenen 1.256.000 2,4 36.361 2,4
Rumänen 3.224.000 6,3 103.814 7,0
Italiener 786.000 1,5 19.510 1,3
Andere 2.314.000 4,5 358  
Insgesamt 51.390.000 100 1.490.459 100
Andere: 358 bulgarische Soldaten

(Quelle: Militärstatistisches Jahrbuch für das Jahr 1910 (Wien 1911), S. 145-146)

Ethnische Verteilung der Berufsoffiziere in der k.u.k. Armee im Jahre 1900


(in Prozent)
Militär-Statistisches Stichprobe
Zöglinge der
Nationalität
Militärschulen
Jahrbuch 1900 Deák
Deutsche 80,0 55,0 36,9
Magyaren 7,6 9,1 22,1
Tschechen 5,3 8,1 -
Slowaken 0,1 0,4 -
Polen 2,3 3,3 -
Ruthenen 0,2 0,4 -
Slowenen 0,6 0,8 -
Kroaten 2,8 2,1 -
Serben - 1,6 -
Slawen insgesamt 11,3 16,7 38,3
Rumänen 0,6 1,6 0,5
Italiener 0,5 0,2 1,9
andere (Ausländer) - 0,2 0,3
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Gemischte Nationalität - 16,2 -
unbestimmt - 1,2 -

(Quelle: Deák, S. 223)

Vertrautheit der Berufsoffiziere mit den in der k.u.k. Armee gesprochenen Sprachen (außer
Deutsch)
(in Prozent)

Sprache 1870    1904 


Italienisch 32,76 8,5
Tschechisch 30,18 47,0
Ungarisch 19,77 33,6
Polnisch 17,62 19,3
Kroatisch 10,95 s.u.
Serbisch 6,41 s.u.
Serbokroatisch (17,36) 15,3
Rumänisch 8,95 8,8
Ruthenisch 5,14 7,8
Slowenisch 5,11 7,3
Slowakisch (bei Tschechisch) 6,9

Im Durchschnitt beherrschten die Offiziere außer Deutsch noch zwei weitere Sprachen der Monarchie.
Das Italienische verlor nach dem Verlust der Lombardei (1859) und Venetiens (1866) dramatisch an
Bedeutung, war aber immer noch fast sechsmal höher vertreten, als im Bevölkerungsdurchschnitt.
Dagegen gewann das Ungarische, das 1870 noch als Nachwirkung des Aufstandes von 1848-1849
unterdurchschnittlich vertreten war, massiv dazu. Vor dem Ersten Weltkrieg beherrschte jeder zweite
Offizier Tschechisch, jeder dritte Ungarisch und jeder fünfte Polnisch. (Quelle: DEÁK 1995, 123)

Da in den ersten Kriegswochen des Ersten Weltkriegs ein großer Teil der aktiven Offiziere fiel, in
Gefangenschaft geriet oder durch Verletzungen dauerhaft ausfiel wurde die Verständigung in vielen
Regimentern ein Problem. Denn, die nun nachrückenden Reserveoffiziere beherrschten die
verschiedenen Regimentssprachen oft nur mangelhaft oder gar nicht. Das waren meist ehemals Einjährig-
Freiwillige, die im Zivilberuf oft Anwälte, Architekten oder Lehrer waren. Und sie hatten kriegsbedingt
auch kaum Zeit diese Sprachen nun rechtzeitig zu lernen.

Interessant ist auch die Verteilung der Muttersprachen bei den 387 aktiven Generalen im Jahr 1918: 166
Deutsch, 94 Ungarisch, 64 Tschechisch oder Slowakisch, 25 Südslawisch, 24 Polnisch, 9 Italienisch und
1 Rumänisch, der Rest Erzherzöge. (Quelle: Armeen in Europa - Europäische Armeen von Michael
Salewski und Heiner Timmermann (Hg.))

Die Armeeführung bemühte sich auf die Vielsprachigkeit einzugehen und entwickelte verschiedene
„Behelfe“, um den Dienstalltag zu erleichtern. So wurde ein Militärmedizinischer Sprachführer
eingeführt, der die für eine ärztliche Untersuchung wichtigen Fragen in sieben verschiedenen Sprachen
enthielt. Für den Kriegsfall gab es mehrsprachige Feldpostkarten und zur Ausbildung 'Instruktionstücher',
auf denen die einfachen Soldaten wichtige Details ihres Dienstes und der Waffenkunde bildlich
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dargestellt fanden. Das war auch deshalb nötig, weil im Osten und Südosten der Monarchie ein großer
Teil der Menschen Analphabeten waren. Die Alphabetisierungsrate stieg zwar stetig an, blieb aber in
manchen Regionen bis zum Ende der Monarchie unter 50%. Nicht zuletzt wirkte sich der ungarische
Nationalismus negativ aus, weil es um 1900 kaum noch Schulen in den Sprachen der Minderheiten
(Slowaken, Deutsche, Rumänen, Serben und Ruthenen) gab.

 k.u.k. Militärschulen und -akademien

Die Ausbildungs- und Umgangssprache an allen k.u.k. Militärschulen und -akademien blieb bis zum
Ende der Monarchie Deutsch.

Deutsche und Ungarische Regimenter in der k.u.k.-Armee

Alle Truppenteile aus der österreichischen Reichshälfte wurden als 'deutsche Regimenter' bezeichnet,
völlig unabhängig von der sprachlichen oder ethnischen Zusammensetzung. Alle Truppenteile aus der
ungarischen Reichshälfte wurden als 'ungarische Regimenter' bezeichnet, völlig unabhängig von der
sprachlichen oder ethnischen Zusammensetzung. Ein 'deutsches Regiment' konnte also beispielsweise
ausschließlich aus Polen und Ruthenen bestehen und ein 'ungarisches Regiment' ausschließlich aus
Kroaten und Serben. Deutsche und ungarische k.u.k.-Regimenter unterschieden sich in der
Uniformierung.

Vor dem ersten Weltkrieg gab es 57 deutsche Infanterie-Regimenter, 45 ungarische Infanterie-


Regimenter und 4 bosnisch-herzegowinische Infanterie-Regimenter. Bosnien-Herzegowina war ja
gemeinsamer Besitz Österreichs und Ungarns, dem k.u.k. Finanzministerium in Wien unterstellt, besaß
aber ab 1910 auch einen eigenen gewählten Landtag.

Die Jägerbataillone, Teil der Infanterie, teilten sich ebenfalls in 'deutsche' und 'ungarische' Einheiten
nach obenstehendem System.

Die Artillerie, die Pioniere, die Sappeure und der Train in der gemeinsamen Armee (k.u.k.) waren
ebenfalls meist in 'deutsche' und 'ungarische' Einheiten in diesem Sinne gegliedert, ohne daß diese
Begriffe verwendet wurden.

Bei der Kavallerie war es ähnlich. Praktisch alle Husaren stammten aus den ungarischen Ländern,
praktisch alle Ulanen aus Galizien und praktisch alle Dragoner aus den Alpen-, Sudeten- und
Karstländern Österreichs. Die Muttersprachen der Husaren waren damit fast ausschließlich Ungarisch,
Kroatisch, Deutsch, Slowakisch, Rumänisch, Ruthenisch oder Serbisch. Die Ulanen sprachen Polnisch,
Ruthenisch oder Deutsch, die Dragoner meist Deutsch oder Tschechisch, kleine Gruppen auch
Slowenisch, Italienisch, Kroatisch (aus Istrien und Dalmatien), Polnisch (aus dem Herzogtum Teschen),
Friulanisch oder Ladinisch.

Konflikte um die Armee-Sprachen

Die Militärgesetze mußten ab 1868 alle zehn Jahre erneuert werden. Das gab Raum für nationale
Forderungen, auch in Bezug auf die Kommando- und Dienstsprachen. So forderte die poltische Elite
Ungarns immer wieder, auch bei den ungarischen Einheiten der gemeinsamen Armee dafür Ungarisch
einzuführen. Manche gingen so weit, alle ungarischen Einheiten der gemeinsamen Armee der k.u.

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Landwehr und damit der Kontrolle des ungarischen Parlaments zu unterstellen. Auch tschechische und
polnische Politiker in der österreichischen Reichshälfte, forderten ihre Sprachen zu Kommando- und
Dienstsprachen zu machen. Es gab auch immer wieder Wellen des Ungehorsams unter den Mannschaften,
die beispielsweise im Jahr 1900 bei den Zählappellen manchmal nicht mit dem vorschriftsmäßigen
"hier!", sondern auf Tschechisch mit "zde!" oder auf Polnisch „jestem!“ antworteten. Manchmal wurde
soetwas bestraft, oft aber auch bewußt überhört.

Letztlich waren alle diese erbitterten Auseinandersetzungen erfolglos. Das Kriegsministerium und ganz
besonders Kaiser Franz Joseph lehnten alle diesbezüglichen Vorstöße konsequent ab.

Geschrieben von Günter Ofner


Hauptkategorie: Forschung & Service
Kategorie: Das alte Österreich
Veröffentlicht: 18. März 2014
Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018
Zugriffe: 7765

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Die Vielsprachigkeit der Habsburgermonarchie

Unterhält man sich mit Forschern aus Westeuropa oder gar aus Amerika, dann erlebt man oft
grundsätzliches Unverständnis für die Vielsprachigkeit der alten Habsburgermonarchie.

Diese Forscher gehen oft grundsätzlich und selbstverständlich vom Prinzip "ein Land - eine Sprache"
aus, wie es in vielen Nationalstaaten seit dem 19. Jahrhundert der Fall war - oder oft auch staatlicherseits
erzwungen worden ist. Das war aber im alten Österreich nur selten der Fall. Lediglich
Salzburg, Österreich ob der Enns (Oberösterreich) und bedingt auch Vorarlberg waren in der Spätphase
der alten Monarchie einsprachig. 

Sie gehen auch davon aus, daß Umgangssprache, Schriftsprache, Unterrichtssprache,


Predigtsprache, Amts-, Landtags-/Parlaments- und Verwaltungssprache sowie Gerichtssprache
ident waren. Aber auch das war im alten Österreich eigentlich nur im Ausnahmefällen der Fall. Oft
verwendeten gleichzeitig amtierende Verwaltungsebenen unterschiedliche Verwaltungssprachen.

Und sie gehen von der Unveränderlichkeit der Sprachzugehörigkeit über lange Zeiträume aus. Auch
das gilt für weite Bereiche des alten Österreich nicht. D.h. es ist im alten Österreich oft ganz
entscheidend, um welche Zeit - welches Jahrhundert es geht.  

Und natürlich geistert die politische "Killerphrase" vom "Völkerkerker Österreich" unverändert
durch Wissenschaft und Journalistik, obwohl keine andere europäische Großmacht des 19. und frühen 20.
Jahrhunderts den kleineren Völkern/Sprachgruppen derartig weitreichende Rechte eingeräumt hatte, wie
das alte Österreich.

Dazu ein kleines Beispiel: 1913 gab es im alten Österreich-Ungarn eine Universität (Prag) mit
tschechischer Vorlesungssprache, zwei mit polnischer Vorlesungssprache (Krakau und Lemberg - diese
auch mit ruthenischen Vorlesungen), eine dreisprachige (Deutsch, Rumänisch, Ruthenisch in
Czernowitz), eine mit kroatischer Unterrichtssprache (Agram), eine deutschsprachige Universität auch
mit italienischen Vorlesungen (Innsbruck), sowie drei mit deutscher Unterrichtssprache (Wien, Graz,
Prag) und zwei mit ungarischer Unterrichtssprache (Ofenpest/Budapest und Klausenburg). Bis zur
Abtretung der Lombardei (1859) und Venetiens (1866) gab es übrigens mehrere berühmte
italienischsprachige Universitäten in der Habsburgermonarchie, z.B. die in Padua.
D.h. für 8 der 11 Hauptsprachgruppen in Österreich - Ungarn gab es auch universitäre Ausbildung in der
Muttersprache. Wo war das sonst noch der Fall? Im wilhelminischen Deutschen Reich gab es
ausschließlich deutschsprachige Universitäten, in Frankreich ausschließlich französischsprachige, in
Großbritannien ausschließlich englischsprachige, in Italien ausschließlich italienischsprachige usw. Dabei
waren das alles keine Nationalstaaten, sondern sie umfaßten alle viele Millionen an anderssprachigen
alteingesessenen Staatsbürgern. Aber die Millionen von Polen und hundertausenden von Dänen und
Franzosen im Deutschen Reich; die Millionen von Occitanier, Franco-Provencalen, Bretonen, die
hunderttausenden von Flamen, Basken, Katalanen, Korsen und Italiener in Frankreich; die Millionen von
Iren und die hunderttausenden von gälisch sprechenden Schotten und kymrisch sprechenden Walisern in
Großbritannien, die besaßen meist nichteinmal Gymnasien in ihrer Muttersprache, geschweige denn eine
Universität, ja manche hatten nichteinmal Grundschulen!

Im alten Österreich gab es ein vielfältiges Schulsystem in allen wichtigen Sprachen bis hinauf zu den
Universitäten - trotzdem geistert der völlig falsche Begriff "Völkerkerker Österreich" immer noch durch
die Welt!

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