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Wie bei uns die Burgen enstanden.

Schon in grauer Vorzeit suchten sich die Menschen mit Vorliebe möglichst geschützte Plätze zu
Wohnstätten aus. Mit der Zeit wurden diese Wohnplätze nach außen hin durch allerlei Vorkehrungen
gesichert.

Zunächst wurde ein Graben ausgehoben und die Erde dahinter als fester Wall aufgeschüttet; so entstanden
einfache Ringwälle. Aber auch der Wall konnte gegen das Übersteigen noch besser geschützt werden;
man schlug Pfähle in die Erde und verband diese untereinander durch festes Flechtwerk. Dieser
Flechtenzaun aber mußte häufig erneuert werden; immer wieder schlug man neue Pfähle ein und
schließlich stand Pfahl neben Pfahl. Aus dem Flechtwerk wurde ein fester Holzzaun - ein Pfahlwerk.
Innerhalb dieser Wehranlage hausten die Menschen in einfachen Hütten. Um aber einen besseren
Ausblick nach allen Seiten zu haben, wurde ein Haus besonders fest und hoch gebaut. Es war zumeist das
Haus des Anführers, das somit die anderen Hütten überragte. So entstand innerhalb des Ringwalles die
feste, aus Holz gezimmerte "Warte".

Die Slawen oder Wenden, die vor etwa 1000 Jahren unsere Steiermark bewohnten, besaßen schon viele
so befestigte Plätze, die sie "grad" oder "straze" nannten (Grad = befestigter Ort oder Burg; straze =
Warte). Viele Ortsnamen erinnern heute noch an diese alten Wehranlagen: Graz, Gratwein, Staßgang,
Staßengel usw.

Um das Jahr 800 wanderten deutsche Volkstämme, zumeist Franken und Bayern, in die heutige
Steiermark ein. Sie erbauten sich neue Wohnsitze. Aber es war eine gefährliche Zeit, daher bauten sie
sich feste Wohnsitze. Man suchte sich schon von Natur aus möglichst sichere Plätze aus; der ausgewählte
Platz wurde durch einen Wall und Pfahlwerk zunächst einmal abgegrenzt. Dann erbaute man im Inneren
einen hohen festen Wartturm, der häufig durch einen eigenen Wall und Graben geschützt wurde.

Dieser Turm war zugleich das Wohnhaus des Herrn; für das Gesinde wurden eigene Häuser gezimmert.
Sie standen zweckmäßig verteilt im Hof oder an dem Ringwalle selbst, konnten also auch zur
Verteidigung beitragen. Ebenso wurden eigene Stallungen, Scheunen usw. gezimmert. Die ganze Anlage
war aus Holz. Allmählich fing man an, einzelne Teile aus Stein zu bauen. Die alten römischen
Steinbauten im Lande waren treffliche Vorbilder. Besonders der Wartturm und das Wohnhaus des Herren
wurden gerne aus Stein errichtet; wenigstens der Unterbau.

Einzelne besonders feste Plätze erhielten den Namen "purc". Hierher flüchteten sich die Bewohner, wenn
Feinde das Land bedrohten. Hier waren sie "geborgen" und der feste Wartturm wurde zum "Berchfrit"
oder Bergfried, wie er heute heißt. Diese "Burgen" waren im eigentlichen Sinne des Wortes Schutzburgen
für die Bevölkerung und standen nur an ganz besonders wichtigen Plätzen, wie an der Grenze, an
Übergängen und auf talbeherrschenden Höhen. Ihre Zahl war gering.

Mit dem 12. Jahrhundert aber änderte sich das Bild; nun schossen die Burgen wie Pilze aus dem
Erdboden. Die Landesherren führten zahlreiche Kriege und brauchten ständig Kriegsleute.

Hervorragende Führer mußten belohnt werden; sie erhielten vom Landesherrn Grund und Boden zu
eigen. Sie gingen nun daran, sich feste Wohnsitze zu erbauen: die eigentlichen Burgen. Überall im Lande
entstanden zunächst kleinere, bald auch größere Burgen, je nach den Mitteln der "Ritter". Manche
Gebiete sind wahre "Burgenwinkel"; besonders die Ostteile unseres Landes. Viele Burgen wurden auf
spitzen Felsenbergen, auf fast unzugänglichen, schroffen Berghöhen errichtet; immer kühner baute man
diese Felsennester.

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Aber auch das flache Land, die Ebene, brauchte feste Schutzbauten; so entstanden die "Wasserburgen".
Sie waren von tiefen und breiten Wassergräben umgeben. Eine solche Wasserburg ist Feistritz bei Ilz
(Oststeiermark).

Der wichtigste Teil jeder Burg ist der feste Turm, der Bergfried; manche Burg bestand ursprünglich nur
aus diesem Turme und einer starken Ringmauer. So eine einfache Burg hat sich in der Steiermark bis
heute unverändert erhalten; es ist dies Turn in Bayerdorf bei Murau:

ein mächtiger Turm mit vier Stockwerken, umgeben von einer niederen Mauer und dem Graben; nur in
einer Ecke des Hofraumes steht noch ein kleiner Wohnbau. Ein hölzerner Gang führt von außen zur
Turmpforte, die in der Höhe des ersten Stockwerkes sich befindet. Die einzelnen Stockwerke sind im
Inneren durch Holztreppen erreichbar.
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In so einer Burg war es nichts weniger als behaglich; die Räume waren finster und ungemütlich, im
Winter kalt. Fensterscheiben waren unbekannt; bei rauem und kaltem Wetter mußte man daher die
Fensteröffnungen durch hölzerne Läden verschließen. Dann war es natürlich finster im Raume und nur
das Feuer im Kamin erhellte die nächste Umgebung.

Mit der Zeit wurden die Burgen durch Zubauten und bessere Einrichtungen immer wohnlicher
ausgestaltet und heute gibt es im Lande viele gar prunkvoll ausgestattete Burgen und Schlösser.

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