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Rechtsphilosophie I- WAS IST RECHTSPHILOSOPHIE:

Was ist Rechtsphilosophie? Inhaltliche und Formale Antworten ( Ihre Qualität, Zugehörigkeit)

Inhaltlich:

Zur Rechtsphilosophie gehört anhand von Auffassungen verschiedener Autoren

 Gerechtigkeit (Einwand (Dworkin): Wenn die Beschäftigung mit Fragen der


Gerechtigkeit das entscheidende Kriterium der Rechtsphilosophie ist, dann wäre auch
der Verwaltungsbeamte oder der Richter Rechtsphilosoph; oder die Argumente der
Rechtsphilosophie beschränken sich auf das positive Recht)

2 Gegensätzliche Annahmen- Rechtsdogmatik /Rechtsphilosophie:


1. Die Rechtsphilosophie würde sich auf das positive Recht beschränken-
Rechtsphilosophie würde sich von der Rechtsdogmatik allenfalls durch den Grad der
Allgemeinheit ihrer Aussagen, nicht aber durch die Kriterien, die sie für ihre
Antworten heranzieht, unterscheiden -> Kants Vergleich der empirischen
Rechtslehre „ein Kopf der schön sein mag, nur schade dass er kein Gehirn hat“ ; da
die Fragen nach Grund und Grenzen des Rechts nicht beantwortet werden können
2. Die Rechtsdogmatik oder die Rechtspraxis dürften bei ungerechten Gesetzen ohne
weiteres nach ihren Gerechtigkeitsüberzeugungen entscheiden – würde über das
positive Recht hinausgehen; kein Unterschied zwischen Rechtsphilosophie und
Rechtsdogmatik

 alles was zu den Grundlagen des Rechts gehört (Einwand : 2 der Grundlagen des
Rechts- 1. die sozialen Tatsachen, 2. Die Geschichte des Rechts- ordnet man aber
nicht in die Rechtsphilosophie sondern in eigene Fachbereiche ein – 1. die
Rechtssoziologie, 2. Die Rechtsgeschichte

Bedeutung des Kreises für Rechtsphilosophie:

 Rechtsphilosophie bildet die Grundbegriffe des Rechts ohne Beschränkung durch eine
bestimmte Rechtsordnung

 Rechtsphilosophie kritisiert das positive Recht und entwirft Regelungsalternativen

Rechtsphilosophie als Philosophie:

(Was Rechtsphilosophie ist, kann nicht anhand ihres Gegenstandes, dem Recht, bestimmt
werden. Rechtsphilosophie ist Teil der Philosophie. Die Rechtsphilosophie muss den Begriff
der Philosophie voraussetzen. Denn ihr Gegenstand ist das Recht, nicht die Philosophie.)

 Rechtsphilosophie ist Reflexion

Hegel: Gedanke der Aufklärung, d.h. der Mensch bedient sich seines Verstandes und
seiner Vernunft, um die Welt zu verstehen, macht sich seine eigenen Gedanken;
Kant: öffentliche Gebrauch der Vernunft kann Aufklärung hervorbringen (Gelehrter
vor der Leserwelt); Beschränkungen der Vernunft sinnvoll private Gebrauch kann
eingeschränkt sein (bürgerlicher Poste oder Amt- Polizist nicht viel Zeit zur Reflexion
in seinem Job)
Descartes: Der Philosoph ist nur, wenn er denkt

-> Das Denken als Mittel der Erkenntnis

(Rechtsphilosophie als Reflexionstheorie der Rechtswissenschaft- Rechtsphilosophie


denkt über das juristische Denken)

 Rechtsphilosophie ist abstrakt, weil sie vom konkreten Recht auf die Grundfragen
geht

 Rechtsphilosophie führt zu einem Selbstbewusstsein des Juristen von seinem Tun

 Rechtsphilosophie hat eine befreiende Wirkung

Rechtsphilosophie als Wissenschaftstheorie:

Pro: „Das Objekt der Rechtsphilosophie ist nicht das Recht, sondern die Rechtswissenschaft“
Einwand- Kontra: Rechtsphilosophie fragt auch nach dem Begriff des Rechts und nach der
Gerechtigkeit

Kontra: Rechtsphilosophie fragt nach Gerechtigkeit, kann nicht nur empirisch (aus der
Erfahrung, Beobachtung gewonnen) bestimmt werden

Pro: „Rechtsphilosophie ist die Wissenschaft des Gerechten“

Kontra: „Empirische Wissenschaften suchen nach Naturgesetzen; Rechtsphilosophie sucht


nach Wertgesetzen…“ (Radbruch)

Rechtsphilosophie ist

 Theorie der Rechtswissenschaft („Das Objekt der Rechtsphilosophie ist nicht das
Recht, sondern die Rechtswissenschaft“; Rechtswissenschaftliches Denken
beschäftigt sich damit, was Recht ist und ob es richtig ist; Rechtsphilosophie als
Theorie der Rechtswissenschaft weil sie sich auf das Denken des Rechts richtet
und darüber eine Theorie zu bilden versucht)

 Rechtstheorie (Rechtstheorie bezieht sich auf den Begriff des Rechts, die Form
des Rechts; Worin Gerechtigkeit besteht ist jedoch eine Frage der Rechtsethik)

 Rechtsethik (Rechtsethik ist aber nicht die ganze Rechtsphilosophie, weil es also
nicht restlos aus der Gerechtigkeit verstanden werden kann)
Rechtsphilosophie II:

Vorteile/Nutzen der Rechtsphilosophie:

 Kritische Funktion: Aufdeckung und Vermeidung von Vorurteilen


Kritik zur Analyse( z.B. Analyse von Grundbegriffen) und Unterscheidung des
rechtlichen Denkens, das auch zur Katharsis führen vermag

 Kontinuität in Zeiten des Umbruchs:


Politische/Technische/Wirtschaftliche Revolution (Französische Revolution,…)
-> Rechtsgeschichte verliert an Bedeutung

 Brückenfunktion
Rechtsphilosophie verlängert die auf das positive Recht bezogenen Fragen der
Rechtsdogmatik in die grundsätzlichen Bereiche der verschiedenen Unterdisziplinen
der Philosophie und versucht von hier aus zu Antworten grundsätzlicher Art zu
gelangen. Wegen dieser Brückenfunktion ist die Rechtsphilosophie auf
Interdisziplinarität hin angelegt. Sie ist auf den ständigen Import von Erkenntnissen
der Philosophie angewiesen und bringt diese zusammen mit anderen Perspektiven,
die etwa Soziologie oder auch Theologie in Bezug auf das Recht einnehmen.

 Systematisierung des Denkens

 Befreiung
Gegenstand der Rechtsphilosophie, das Recht, ist eine Entscheidung der freien
Selbstbestimmung; aber auch die Erkenntnis diese Umstandes ist frei

Ist die Rechtswissenschaft eine Wissenschaft?

Wissenschaft:

 Ziel von Wissenschaft ist Erkenntnis

 Erkenntnisse sind wahre Urteile

 (Methoden)

Einwände gegen die Wissenschaftlichkeit des Rechts:

1. Zufälligkeit des Rechts

Pro: Rechtswissenschaft ist Technik, Klugheit, Kunst, aber keine rationale Wissenschaft

Kontra: Kant über Erkenntnis:

-Erkenntnis besteht aus dem Erkenntnisgegenstand und dem Begriff (Erkenntnis wird
von der Erfahrung angeregt, aber das Denken kommt hinzu)
-Sie wird von uns erzeugt. Hieraus entspringt die Praxis
-Rechtswissenschaft ist rekonstruktiv, nicht konstruktiv (Naturwissenschaft verfährt
konstruktiv weil sie die Notwendigkeit an die Gegenstände heranbringt;
Rechtswissenschaft verfährt rekonstruktiv, weil sie die Ideen, die das Recht tragen,
wiederfinden möchte -> Dies geschieht durch Interpretation, der Auslegung, die
insgesamt als Wissenschaft Hermeneutik heißt)

2. Wertungsabhängigkeit der Rechtswissenschaft

Pro: Rechtswissenschaft ist keine Wissenschaft, weil ihr Gegenstand subjektiv ist,
wertungsabhängig

Kontra: Schon das Rechtssetzungsverfahren bewirkt eine Objektivierung der Wertungen

Kontra: Rationalisierung der Wirtschaft

3. Rechtswissenschaft als bloße Praxis?

Kontra: Kritische Funktion der Rechtswissenschaft

Kontra: Nicht an das positive Recht und die Praxis gebunden

Die Elemente wissenschaftlicher Erkenntnis:

Wissenschaft :

 auf die Erkenntnis ihres jeweiligen Gegenstandes gerichtete Tätigkeit

 Erkenntnis erfolgt begründet und selbstkritisch

 Ziel: wahre Erkenntnisse über Erfahrungen

 Methodengeleitete Wahrheitserkenntnis (Mittel der Kritik ist das methodische


Vorgehen)

Theorie:

 Systematische Verbindung von Begriffen zu Vorstellungen

 Begründbarkeit

 Arten von Theorien (Interpretative, rechtsfortbildende, konstruktive,… Theorien)

Wahrheit:

 Utilitaristischer Wahrheitsbegriff
auf den Nutzen einer Erkenntnis abstellend; denn der Nutzen einer Theorie ist von
ihrer Wahrheit zu unterscheiden

 Pragmatischer Wahrheitsbegriff
eine Aussage kann auch dann nützlich sein oder dem Interesse der Beteiligten
dienen, wenn sie unwahr ist/ aus der Tatsache des Bestehens einer allgemeinen
Überzeugung auf ihre Richtigkeit schließen

 Diskurstheoretischer Wahrheitsbegriff
Danach darf ich dann und nur dann einem Gegenstand ein Prädikat zusprechen,
wenn auch jeder andere, der in das Gespräch mit mir eintreten könnte, demselben
Gegenstand das gleiche Prädikat zusprechen würde

 Kohärenztheorie der Wahrheit


Eine Aussage ist danach wahr, wenn sie zu einer maximal kohärenten Menge von
Meinungen oder akzeptierten Aussagesätzen gehört

 Korrespondenztheorie der Wahrheit


Ist eine Aussage wahr, wenn die in ihr enthaltene Vorstellung dem Objekt entspricht,
sofern die Erkenntnis nach bestimmten Verstandsregeln der Logik gebildet worden
ist

Rechtswissenschaft als Geistes- oder Kulturwissenschaft:

Pro: Ist auf die Erkenntnis geistiger Erzeugnisse- das Recht gerichtet

Kontra: unterscheidet sich von anderen Geisteswissenschaften

Rechtswissenschaft als Sozialwissenschaft:

Pro: Recht ist eine soziale Tatsache

Rechtswissenschaft als Normwissenschaft:

Pro: Die Rechtsnorm, ihre Begründung, ihre systematische Einheit und ihre Folgen
stehen im Zentrum des Interesses der Rechtswissenschaft

Teildisziplinen der Rechtswissenschaft:

 Rechtsdogmatik

 Die Rechtsdogmatischen Teildisziplinen: Öffentliches Recht, Zivilrecht, Strafrecht

 Die Grundlagendisziplinen: Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte,


Rechtsvergleichung

Rechtsdogmatik:
Rechtsdogmatik im inhaltlichen Sinn bezeichnet die „Dogmen“ oder Lehrsätze des positiven
Rechts

 Rechtsdogmatik im materiellen Sinn

Funktionen: Orientierungs-, Fortschritts-, Gleichheits-, Lehrfunktion, Stabilisierung


der Entscheidungsgrundlagen, Vereinfachung der juristischen Argumentation,
Abgrenzung von begründeter und unbegründeter Argumentation

 Rechtsdogmatik im formellen Sinn

Wissenschaft vom Recht, „die das Recht mittels der spezifisch juristischen Methode
bearbeitet“
Rechtsphilosophie III – METHODEN DER RECHTSWISSENSCHAFT:

Methoden der Rechtswissenschaft:

 Methode als Weg (methodos = Weg) zu den Erkenntnissen

 Begründbarkeit, Rekonstruierbarkeit, Legitimierbarkeit von Erkenntnissen und


Entscheidungen
Methoden von Praxis und Theorie:

Rechtspraxis Rechtswissenschaft

Macht normative Aussagen Aussagen über Normen

Zielt auf verbindliche Entscheidungen und Zielt auf Wahrheit über Recht
das hierfür erforderliche Wissen

Wahrheit ist der Norm untergeordnet Norm ist der Wahrheit untergeordnet

Juristische Methode als Interpretation:

Rechtliche Interpretation ist


-Sinnermittlung und Wiedergabe
-Rekonstruktion und ggf. Konstruktion von Sinn
-Gerichtet auf „Ursprungsbedeutung“
-Wortlaut
-Systematik
-Gemeintes zu erarbeiten

Gegenstände der Auslegung:

 Rechtsnormen (Gesetze)

 Einzelakte (Verträge, Willenserklärungen, Bescheide, Urteile)

 Tatsachen (Äußerungen, Handlungsweisen)

Auslegungsregeln:

 Wortlaut

 Systematik

 Teleologische Auslegung von Sinn und Zweck einer Vorschrift

 Lückenschließung durch Analogien

 Bildung von Entscheidungsregeln, die über den Sinn des Gesetzes hinausgehen

 Naturrechtliche Grundsätze

 Authentische Interpretation

Auslegungsziele- Subjektive oder objektive Auslegung?:


 Subjektive Auslegung:

Zielt die Auslegung auf das vom erklärenden Gemeinte (Pro subjektive Auslegung:
Philipp Heck)

Bsp.: Einseitige Willenserklärungen (objektiv auslegen, wenn Empfänger


schutzbedürftig ist), Verträge (objektiv auslegen, wenn die Interessen Dritter
betroffen sind)

 Objektive Auslegung:

Zielt die Auslegung auf das durch die Erklärung Geschaffene, das Recht (Pro objektive
Auslegung: Josef Kohler „Nicht was der Verfasser des Gesetzes will, ist entscheidend,
sondern was das Gesetz will“)

Bsp.: Rechtsnormen (Gesetze)

Subjektive oder Objektive Auslegung hängt auch von der Art der auszulegenden
Willenserklärung ab (Einseitige Willenserklärungen z.B. Vermächtnisse des Erblassers,
Wechselseitige Willenserklärungen z.B. bei Verträgen)

Auslegung im Völkervertragsrecht: Die Wiener Vertragrechtskonvention

 Interpretivism vs. Originalism:

Interpretivism - maßgeblich sind

-Werte
-Vernünftige Erwägungen
-Unbestimmtheit des Rechts
-Notwendige Lückenhaftigkeit des Rechts

Originalism - maßgeblich sind

-die ursprüngliche Absicht des Gesetzgebers


-die ursprüngliche Bedeutung des Wortlauts und der damaligen Ziele
-Textualismus: Nur die ursprüngliche Textbedeutung ist entscheidend

 Versteinerungstheorie

Auslegungsgrundsätze:

 Wortlautauslegung

Ausgangspunkt der Auslegung des gesetzlichen Wortgebrauchs ist der


Alltagssprachgebrauch; Legaldefinition: Hat der Gesetzgeber den Wortgebrauch legal
definiert, ist er maßgeblich

 Systematische Auslegung

Rechtsnormen stehen in formalem und sachlichem Zusammenhang mit anderen


Normen. Dies ist der Auslegungshorizont, auf den hin die systematische Auslegung
Rechtsnormen interpretiert.
Formales System des Rechts: Normgeber muss bei Setzung von Normen einschlägige
Verfahrensvorschriften einhalten

-Untergeordnete Norm muss sich von übergeordneter Norm ableiten lassen


-Eine ranghöhere Norm setzt eine ihr widersprechende untergeordnete Norm außer
Kraft (lex superior derogat legi inferiori)
-Gegenwärtige Gesetzgebung Vorrang gegenüber früheren Gesetzgebung auf
gleicher Rangstufe (Lex posterior derogat legi priori)

Materiales System des Rechts: Berücksichtigung des inhaltlichen Zusammenhangs


mit anderen Normen -> So wird Verbindlichkeit der Norm sichergestellt

-Gebot der verfassungskonformen Auslegung (Ist der Wortlaut eindeutig und steht
nicht in Einklag mit der Verfassung, ist das Gesetz verfassungswidrig); Gibt es
mehrere Auslegungsmöglichkeiten einer einfachrechtlichen Norm, von denen eine
verfassungskonform, eine andere verfassungswidrig ist, dann ist die
verfassungskonforme zu wählen.
–Eine Norm, die eine speziellere Regelung enthält, verdrängt die Anwendung der
generellen Norm (lex specialis derogat legi generali)
-Europarechtskonforme Auslegung beim Europäischen Gemeinschaftsrecht

 Historische Auslegung

Die zu interpretierende Norm wird in einen geschichtlichen Zusammenhang gestellt.


Dieser Zusammenhang kann rechtsintern (es wird versucht Norm aus der Geschichte
ihrer juristischen Dogmatik zu verstehen -> Dogmengeschichtliche Auslegung) oder
rechtsextern (Auslegung bezieht sich auf Gesetzgebungsprozess; untersucht werden
hier die gemeinsamen Motive des Gesetzgeber bei der Verabschiedung der Norm
und Gesetzesmaterialien werden hier zu Rate gezogen -> Entstehungsgeschichtliche
Auslegung)

 Teleologische Auslegung

Es geht um die Ziele des Gesetzes (Sind Wortlaut, systematische und historische
Auslegung bereits eindeutig, führt sie nicht zu neuen Erkenntnissen)

-Subjektiv-teleologische /Objektiv-teleologische Auslegung

 Kontextuelle Auslegung

Berücksichtigt die Wirkung einer Norm- welche wirtschaftlichen Folgen eine Norm
haben kann; bei mehreren Auslegungsvarianten – welche am besten mit den Zielen
des Gesetzgebers übereinstimmt. Im Rahmen einer Rechtsfolgeanalyse wird gefragt,
ob eine Norm überhaupt die vom Gesetzgeber beabsichtigten Folgen erzielen kann
oder ob sie Auswirkungen hat, die von ihm nicht berücksichtig oder abgelehnt
wurden.

Rechtsfortbildung:

 Rechtsverweigerungsverbot

= Richter muss entscheiden


Liegt eine Lücke vor, d.h. es gibt an Stellen keine gesetzliche Grundlage für die
Zuerkennung oder Ablehnung eines Anspruches, darf der Richter das Recht
fortentwickeln

 Voraussetzung für Rechtsfortbildung

1. Regelungslücken

 Anfängliche und nachträgliche Lücken

 Bewusste und unbewusste Lücken

 Offene und verdeckte Lücken

2. Wertungslücken

Eine Wertungslücke liegt vor, wenn der Gesetzgeber eine Regelung unterlassen
hat, die zur Verwirklichung eines ihm vorschwebenden Ziels erforderlich ist

 Mittel der Rechtsfortbildung

Analogie:
Aus dem Griechischen: Ähnlichkeit, Gleichheit, Übereinstimmung.
Anwendung rechtlicher Regelungen auf einen vergleichbaren, aber nicht von
dem Gesetz erfassten Fall.

Argumentum a fortiori:

Erst-Recht-Argument

Es wird verwendet, um einen Beweis einer Behauptung durch eine schon


bewiesene stärkere Behauptung auszudrücken. (z.B.: Wenn es verboten ist, zu
zweit auf einem Fahrrad zu fahren, ist es erst recht verboten, zu dritt auf einem
Fahrrad zu fahren)

A maiore ad minus:

„Schluss vom Größeren auf das Kleinere“

Von einer weitergehenden Regelung auf einen weniger Voraussetzungen


erfordernden Fall.

Z.B.: Hat jemand zum Beispiel das Recht, mit Lastfahrzeugen über das
Grundstück seines Nachbarn zu fahren, heißt dies auch, dass er den Weg auch
mit seinem PKW benutzen darf (nicht aber umgekehrt!)

Teleologische Extension (erweiternde Auslegung):

Von einer teleologischen Extension spricht man, wenn eine Norm aus ihrem Zeck
heraus auf Fällen ausgedehnt wird.

Teleologische Reduktion:

Als teleologische Reduktion bezeichnet man das Gegenteil der Analogie. Hier
wird die Rechtsfolge einer Norm nicht angewendet, obwohl der Wortsinn der
Norm den Sachverhalt unzweifelhaft erfassen würde.
Beispielsweise wird nach § 212 StGB bestraft, „wer einen Menschen tötet“. Auch
wenn man den Begriff des „Menschen“ noch so eng auslegt, fällt, wer sich selbst
tötet, stets noch unter den Wortlaut. Die (versuchte) Selbsttötung soll aber nach
Sinn und Zweck des § 212 StGB nicht strafbar sein – daher ist die Norm insoweit
teleologisch zu reduzieren, dass nur das Töten eines anderen Menschen erfasst
wird.
Rechtsphilosophie IV - RECHTSTHEORIE:

Was ist Recht? – Antwort darauf erfolgt aus Rechtsbegriff

Perspektive der Fragestellung:

 Teilnehmerperspektive

„Innenblick“ (Hier geht es um Gebote, Verbote, Erlaubnis, Ermächtigung)


-> Teilnehmer ist in der Wahl seiner Perspektive durch das positive Recht gebunden

 Beobachterperspektive

Blick von außen (Hier geht es darum wie in einem Rechtssystem entschieden wird)
-> Beobachter ist in der Wahl seiner Perspektive frei

 Gesetzgeberperspektive

Übergang von möglichem Recht in das positive Recht (Hier geht es darum, welche
nicht rechtlichen Normen positives Recht werden sollen oder welche Normen das
positive Recht neu schaffen soll -> Transformationsblick)

These Alexys :Teilnehmer und Beobachter haben einen unterschiedlichen Rechtsbegriff

 Teilnehmerperspektive:

Teilnehmer sieht im Recht für ihn verbindliche Normen, die richtig, also in einem
bestimmten Sinn akzeptanzfähig sein müssen

 Beobachterperspektive

Der Beobachter betrachtet das Recht, wie es ist, nicht wie es sein soll; für ihn ist
Recht nicht verbindlich

Rechtsbegriff:

 definiert was Recht ist

 gibt an zu welcher Gattung/ Oberbegriff Recht gehört („genus proximum“) z.B. Norm,
Zwang

 grenzt das Recht von anderen Angehörigen der Gattung ab („differentia specifica“)
z.B. Moralnormen, willkürlicher Zwang

Definition von Recht:

 Analytische Philosophie: Eine Definition ist sprachtheoretisch unmöglich, weil die


Phänomene, die die Definition erfassen soll, zu verschieden sind (H.L.A. Hart)

 Ambiguität ! (Doppeldeutigkeit)

 Prinzipientheorie: Recht kann nicht von anderen Normensystemen abgegrenzt


werden (Dworkin)
Kriterien zur Bestimmung von Recht:

 Materiale Kriterien:

Recht wird durch seinen Regelungsinhalt definiert

Danach wird Recht begründet durch

 Ziele und Aufgaben („Verhaltenssteuerung“)

 Funktionen („Erwartungssicherheit“)

 Oder anhand von inhaltlichen Wertmaßstäben („Gerechtigkeit“)

 Formale Kriterien:

-dabei sollen diejenigen Momente des Rechts verstanden werden, die sich auf seine
Entstehung, die Bedingung seiner Existenz und die Existenz selbst beziehen-

Recht wird durch die äußere Gestalt von Regelungen definiert

Danach wird Recht bestimmt durch

 Voraussetzungen seiner Entstehung („Recht als Befehl“)

 Anforderungen an seine Existenz/ Geltung („Ableitungs-zusammenhang aus


höheren Normen“)

 Bedingungen seiner sozialen Wirksamkeit („Recht als erzwingbare Norm“)

Materiale Rechtsbegriffe:

 Recht als Teil der Gerechtigkeit


- Gerechtigkeit ist der Gattungsbegriff des Rechts
- Abgrenzungsmerkmal ist der Abschluss der gerechten Handlung
- Ungerechte Handlungen sind danach kein Recht
- Ungerechtes Recht ist Nicht- Recht, nicht Unrecht „Thomas von Aquin“

 Die Wertbegründung des Rechts


- Recht ist Ausdruck von Werten
- Werte bilden eine objektive Ordnung
- Diese Werte liegen dem Erkennen bereits vor
- Sie werden durch das Wertbewusstsein erfahren
- Auch die Grundrechte bilden eine Wertordnung; Diese Wertordnung ist die
Grundlage für ihre Abwägung
- Die Erkenntnis dieser Werte verweist jedoch nicht auf eine Intuition oder
Wertwahrnehmung, sondern auf ihre diskursive Rechtfertigung im Rahmen der
Rechtsordnung

 Werttheorie des südwestdeutschen Neukantianismus


- Naturwissenschaft = wertblind
- Rechtswissenschaft= wertbeziehend
- Rechtsphilosophie =bewertend
- Rechtstheologie= werttranszendierend
- Die Rechtsidee ist die (formale) Gerechtigkeit; Die Rechtsidee gliedert sich in die
widersprüchlichen Elemente: (materiale) Gerechtigkeit, Zweckmäßigkeit,
Rechtssicherheit

-Radbruchsche Formel: Ungerechtes Recht ist Unrecht. Recht, das gar nicht erst auf
Gerechtigkeit im Sinne von Gleichheit zielt, ist hingegen Nicht-Recht. Bei Radbruch
legt die Rechtsidee den Ausschnitt aus der Wirklichkeit fest, der Recht genannt
werden soll

„Der Konflikt zwischen der Gerechtigkeit und der Rechtssicherheit dürfte dahin zu
lösen sein, dass das positive, durch Satzung und Macht gesicherte Recht auch dann
den Vorrang hat, wenn es inhaltlich ungerecht und unzweckmäßig ist, / es sei denn,
dass der Widerspruch des positiven Gesetzes zur Gerechtigkeit ein so unerträgliches
Maß erreicht, dass das Gesetz als ‚unrichtiges Recht‘ der Gerechtigkeit zu weichen
hat.

-Verleugnungsformel: =absolut und Definitionsmerkmal des Rechts

-Unerträglichkeitsformel: = relativ, kann mehr oder weniger erfüllt werden und dient
der Untersuchung der Unterscheidung von gerechtem und ungerechtem Recht

 Bestimmung des Rechts anhand des menschlichen Verhaltens, auf das sich die
Regelungen beziehen

Kants Auffassung:

- Recht regelt Handlungen, wie sei als Tatsachen sinnlich wahrnehmbar


aufeinandertreffen
- Es geht nicht um die lediglich begünstigenden Handlungen wie Schenkungen, die
sich nur auf die Wünsche und Bedürfnisse der anderen beziehen
- Es geht auch nicht um den Inhalt der rechtlichen Regelung – gemeint ist hier
Gerechtigkeit von Leistung und Gegenleistung- sondern nur um die Form der Willkür
- Recht wäre nur diejenige Teilmenge der moralischen Normen, die sich auf das
äußere Verhalten bezieht
- Kant verwendet einen negativen Freiheitsbegriff (-> weil er ein pessimistisches
Weltbild hat)

Rousseau, Hegel:

-Positiver Freiheitsbegriff (-> haben optimistisches Weltbild): (Freiheit wird betont


und gutgeheißen)

Seite 72 Zusammenfassung !!!

Gegenüberstellung Kant und Hegel und Rousseau


Positiver Freiheitsbegriff:

Das Recht geht davon aus, dass der Mensch die Freiheit besitzt den Regelungen folgen zu
können (und Gesetzgebung) und hilft ihm dabei dies auch ungehindert zu tun. Dies versucht
er mittels bestimmte Handlungsweisen die erlaubt, geboten oder verboten sind.

Negative Freiheit:

Wenn Menschen an der Fähigkeit zur Selbststeuerung zweifeln. „Freiheit ist da, wo die
Gesetze schweigen“

„Was der Mensch durch den Gesellschaftsvertrag verliert, ist seine natürliche Freiheit und
ein unbegrenztes Recht auf alles, wonach ihn gelüstet und was er erreichen kann; was er
erhält, ist die bürgerliche Freiheit und das Eigentum an allem, was er besitzt.“
Rechtsphilosophie V: RECHTSTHEORIE-WAS IST RECHT?- FORMALE RECHTSBEGRIFFE

Formale Rechtsbegriffe:

 Was Recht ist, wird nicht nur nach seinem Inhalt (z.B. Gerechtigkeit, soziale Funktion)
bestimmt, sondern teilweise auch nach seiner äußeren Gestalt

 Diese Gestalt wird bestimmt nach

1. der Wirksamkeit des Recht (wirksamkeitsorientierter Rechtsbegriff)

2. der Entstehung des Rechts in bestimmten Verfahren (genetischer Rechtsbegriff)

Wirksamkeitsorientierte Rechtsbegriffe:

Die Besonderheit des Rechts besteht danach in der Fähigkeit eine bestimmte Wirkung
hervorzubringen. Es gibt verschiedene Wirkungen:

Zwangstheorien:

- Nicht jeder Zwang, sondern nur staatlicher Zwang lässt eine Norm zu Recht werden
- Nur zwangsbewährte Normen sind Recht
- Kritik: Die Definition ist einerseits zu eng und andererseits zu weit: Zu eng: z.B.
Sollen Teile des Völkerrechts kein Recht sein? ; zu weit: z.B. nicht jeder staatliche
Zwang ist Recht (Folter, grausame Strafen)

Emotivismus (Skandinavischer Rechtsrealismus):

-Zu Recht werden Normen nur, wenn sie in das Bewusstsein der Bevölkerung
übergegangen ist

-Kritik: Manchmal soll das Recht gerade das Bewusstsein der Bevölkerung steuern,
der Normunterworfene wird im modernen Recht davon entlastet, auch an das Recht
zu glauben; er muss es nur befolgen

Anerkennungstheorien:

-Erforderlich für das Recht ist die tatsächliche Anerkennung in der Bevölkerung
-Kritik: z.B. Wie sprechen sie ihre Anerkennung aus? Wie viele müssen anerkennen
und wer ? Worauf bezieht sich die Anerkennung? (Normzusammenhang an dessen
Spitze die Verfassung steht), was ist mit denen, die nicht anerkennen?-man will die
Anerkennung fingieren (vortäuschen, fälschen), die Norm wird zum äußeren Zwang

Anerkennungstheorie des American Legal Realism:

-Maßgeblich ist nicht das Recht in Gesetzessammlungen oder Meinungen der


Bevölkerung oder von Anwälten
-Erforderlich ist die Anerkennung der Norm durch ein Gericht
-Kritik: z.B. Viele Rechtsnormen kommen nie vor Gericht: Sind sie kein Recht?

Da es dem Recht um die Verhinderung der Rechtsverletzung gehe, sei die Perspektive
eines möglichen Rechtsbrechers maßgeblich.

Gerichtsentscheidungen sind jedoch „Recht“, weil die Gerichte die Kompetenz zur
Entscheidung besitzt.
Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeitsorientierten Rechtsbegriffe:

Wirksamkeitsorientierte Rechtsbegriffe erfassen wichtige Aspekte des Rechts:

-Recht ist zumeist zwangsbewährt


-Es kann nicht gegen den Willen der Gesamtbevölkerung durchgesetzt werden und
muss jedenfalls grundsätzlich vom Rechtsstab anerkannt werden, wenn es sich
durchsetzen will

Verkannt werden aber wesentliche Kriterien des modernen Rechts:

z.B.

-Das Recht setzt den Zwang nicht voraus, sondern regelt bei zwangsbewährten
Normen das Verfahren zur Anwendung des Zwangs
-In der Demokratie sind Wahlen und Abstimmungen Verfahren zur Artikulation der
Anerkennung
-Im Rechtsstaat kommt es nicht auf die faktische Entscheidung von Richtern an,
sondern darauf, wie er hätte entscheiden sollen

Rechtsphilosophie VI- RECHTSTHEORIE- WAS IST RECHT? –FORMALE RECHTSBEGRIFFE II –


GENETISCHE RECHTSBEGRIFFE:

Genetische Rechtsbegriffe:

Bestimmen solche Normen als Recht, die durch eine bestimmte Art und Weise ihrer
Entstehung gekennzeichnet sind

Grundüberlegung:

 Recht ist nicht einfach eine zeitlose Norm, die dann angewendet werden muss,
sondern wird von Menschen geschaffen, resp. stellt Operationen des Rechtssystems
dar

 Daher haben Rechtsnormen einen zeitlichen Anfang und eine bestimmte oder
unbestimmte Geltungsdauer

 Entsprechend ist entscheidend für Recht die Entstehung und Ende von Normen

 Die Entstehung des Recht kann aber heteronom/ determiniert oder autonom sein:

 Heteronom-genetische Rechtsbegriff:

Sie stellen entweder darauf ab, dass Recht ein Produkt der natürlichen Evolution
(Sozialdarwinismus, evolutionäre Erkenntnistheorie)-> evolutionäre Rechtsbegriffe,
oder der Geschichte (Historismus, Marxismus) sei -> historische Rechtsbegriffe

Evolutionäre Rechtsbegriffe:

Das Recht hat sich im Laufe der Evolution als besonders förderlich für das Überleben
herausgestellt.

 Material-genetische Rechtsbegriff der Historischen Rechtsschule v.


Savigny:

o Das Recht wird nicht als Gesetz geschaffen, sondern durch die Geschichte
oder durch gesellschaftliche Interessenkonflikte hervorgebracht.
o Maßgeblich ist der überindividuelle Volksgeist

Kritik: Bsp. Modernes Recht wird durch Kodifikation geprägt, die


zukunftsgerichtete Normen enthalten

 Historisch-materialistischer Rechtsbegriff:

o Recht ist ein Phänomen des gesellschaftlichen Überbaus. Es sind die „still
wirkenden Kräfte des Volksgeistes“ und nicht die formalen
Entscheidungen eines Gesetzgebers

o Es wird nicht autonom hervorgebracht, sondern entsteht aus historischen


Produktionsverhältnissen (Das Recht entsteht also nich aus einer
autonomen Entscheidung sondern der geschichtlich-schicksalhaften
Entwicklung der Menschen)

o Es hat Klassencharakter: Weil die Produktionsmittel in der Hand der


„bürgerlichen Klasse“ sind, ist auch das Recht ein Instrument ihrer
Ideologie

o Mit dem Aufkommen der „klassenlosen Gesellschaft“ wird auch das Recht
absterben

„Alles Rechtsbewusstsein ist ein Teil des politischen“ – Der Gerichtsprozess aus den 50er
Jahren wurde damit zum politischen Machtmittel.

 Autonom-genetische Rechtsbegriffe:

Imperativentheorie:

o Vor allem von John Austin und Thomas Hobbes vertreten

o Verwendet genetisch-formalen Begriff des Rechts

o Austin:
Kriterium, das rechtliche von anderen Befehlen unterscheidet:
Generalität -> Recht ist danach ein abstrakt- genereller(od.
generalisierter) Befehl

Kritik: Bsp. Soll jeder Befehl als Recht gelten? Warum soll ich der Macht
des Befehlshabers gehorchen?

Recht ist eine Art von Befehl. Diese Befehle setzen voraus, dass ein Einflussverhältnis einer
Person über eine andere besteht. Positives Recht sind nur solche Befehle, die von Menschen,
die anderen politisch übergeordnet sind, erlassen werden.

Gesetzespositivismus:

o Carl Magnus Bergbohm

o Empirisch-positivistische Rechtsbetrachtung

o Nur das Gesetz ist empirisch beobachtbar entstanden

o Naturrecht ist „mit Stumpf und Stil“ „auszurotten“.


o Nur das positive Recht ist Entscheidungsgrundlage des Juristen, nicht
das Rechtsgefühl

o Kritik:
- keine moralische Rechtskritik möglich
- Wie steht es mit Gewohnheitsrecht?

Rechtspositivismus:

o Hans Kelsen

o Unterscheidung zwischen Tatsachen und Normen

o Die Geltung einer Rechtsnorm hängt davon ab dass sie aus einer
anderen Norm hervorgeht, die wiederum aus einer höheren Norm folgt
usw.  infiniter Regress. Lösung: Grundnorm (sie ist fiktiv). Sie
verpflichtet die Befolgung einer Rechtsordnung. Die G. kann keine von
einer Autorität gesetzte Norm sein.

Recht kann nicht aus Tatsachen abgeleitet werden (= Grundlage für die
Ablehnung des Gesetzespositivismus)

o Recht ist nur positives Recht -> dass jeder beliebige Inhalt Recht sein
kann

o Eine so begründete Norm braucht aber zumindest eine


„Wirksamkeitschance“ (Kritik: Wirksamkeitschance bleibt unklar)

Prozedurale Rechtsbegriffe:

Wird Recht formal oder material hervorgebracht? Mit dieser Frage


beschäftigen sich die beiden Diskurstheorien von Robert Alexy und Jürgen
Habermas. Während Habermas einen formalen Unterschied von
moralischen und rechtlichen Diskursen annimmt, geht Alexy von einem
notwendigen Zusammenhang zwischen verschiedenen praktischen
Diskursen aus. Dieser Zusammenhang wird durch den Anspruch auf
Richtigkeit, den sie erfüllen müssen, hergestellt

Diskurstheorie von Robert Alexy:

o Recht ist nur, was den Diskursregeln für die Begründung von Recht
entspricht

(Bei Einhaltung der Diskursregeln soll das Ergebnis rational begründbar


sein)

Alexy sucht zunächst bestimmte Grundregeln einer jeden


Kommunikation, in der es um Wahrheit oder Richtigkeit geht, wie z.B.
-das Verbot, sich zu widersprechen
-Überzeugtsein, von dem was man behauptet

-> diese Regeln gelten allgemein für praktische Diskurse

o Regeln des normativen Diskurses

-Behauptungen sind auf Verlangen zu begründen


-Argumentationslastregeln z.B.: wer ein Argument angeführt hat, ist nur
bei einem begründeten Gegenargument zu einem weiteren Argument
verpflichtet

-> Im Gegensatz zu den Regeln für praktische Diskurse, findet der


juristische Diskurs unter eingeschränkten Bedingungen statt. Seine
Ergebnisse müssen im Rahmen der Rechtsordnung rational begründbar
sein.

o Sonderfallthese des allgemein praktischen Diskurses

-besagt, „dass die Verwendung spezifisch juristischer Argumente auf


allen Stufen mit der allgemeiner praktischer Argumente zu verbinden
ist“

Die juristische Argumentation ist also, geleitet vom Anspruch auf


Richtigkeit in jedem Fall nicht auf rein rechtliche, schon gar nicht auf
rein gesetzliche Argumente beschränkt. Die Sondergallthese meint also
zwar nicht, dass der juristische Diskurs Teil des moralischen ist; beide
sind Teile des allgemeinen praktischen Diskurses (darin sind moralische
und ethische Fragen und Gründe miteinander verbunden)

Diskurstheorie von Jürgen Habermas:

o Juristische Diskurs besitzt eine Entlastungsfunktion gegenüber dem


moralisch praktischen Diskurs

Praktische Diskurse werden in moralische einerseits und juristische


andererseits unterschieden -> d.h. der juristische Diskurs teilt die
gleiche formale Struktur von praktischen Diskursen, ist aber von
moralischen Diskursen unterschieden

o Moralische Normen müssen universell, juristische nur für die soziale


Gruppe deren Selbstbestimmung sie entspringt, gerechtfertigt
werden.

o Recht ist ein institutionalisiertes Normensystem

o Moralische Normen sollen um ihrer selbst willen befolgt werden

o Moral bezeichnet ein Wissenssystem zur Handlungsorientierung

o „Die komplexe Geltungsdimension von Rechtsnormen verbietet es,


die Richtigkeit juristischer Entscheidungen an die Gültigkeit
moralischer Urteile anzugleichen.“

o Die Struktur von praktischen Diskursen kann in juristische,


politische und moralische Diskurse unterschieden werden.
Im Ergebnis hängt die Einordnung der Diskurstheorie in materiale oder
formale Rechtstheorien davon ab, ob sie den Rechtsdiskurs gegenüber
moralischen Argumenten öffnet oder nicht. Während dies bei Alexy über
den Anspruch der Richtigkeit geschieht, ist der juristische Diskurs bei
Habermas gegenüber dem moralischen abgeschlossen und nur in formaler
Weise vom allgemeinen Diskursprinzip geprägt.

Was also ist Recht?

Recht ist ein reflexives Normensystem:

 In rechtsphilosophischer Perspektive ist Recht eine Norm und keine empirische


Tatsache oder eine Ordnung von Normen

 Recht kann nicht inhaltlich (material) bestimmt werden, ist also auch nicht
notwendiges Ergebnis von Gerechtigkeit.

 Recht ist formal zu bestimmen

 Recht ist nicht durch seine Wirksamkeit gekennzeichnet, weil diese Wirkungen auch
durch andere Faktoren als das Recht hervorgerufen werden können. Weder Zwang
noch Anerkennung sind notwendige Elemente von Recht.

 Recht kann nicht einfach durch seine Entstehung begründet werden, weil nicht jeder
Befehl Recht ist und einige Rechtsnormen keinen Befehlscharakter haben.

 Unverzichtbar ist jedoch, dass die Entstehung und die Durchsetzung rechtlicher
Normen durch Normen geregelt sind.

Definition des Rechts in rechtsphilosophischer Perspektive:

 Recht ist eine Norm, wenn ihre Setzung und Durchsetzung von Normen geregelt
wird

 Regelungen, die das Entstehen von Recht regeln, finden sich etwa in bestimmten
Abschlussvoraussetzungen für (privat- oder völkerrechtliche Verträge), in den
Regelungen des Gesetzgebungs- oder Verwaltungsverfahrens

 Regelungen, die die Durchsetzung des Rechts regeln, finden sich etwa im
Vollstreckungsrecht

 Die Normierung der Entstehung von Recht bricht sowohl die „idealistischen“
Vorstellungen von voll moralischen Normen, wie von dem Hervorgehen der
Normen aus empirischen Interessen

 Die Normierung der Durchsetzung von Recht bricht mit dem bloßen Zwang und
schafft letzte Möglichkeit einer freiwilligen Normbefolgung

 Die Normierung der Norm sichert also die Möglichkeit, dass Recht aus Freiheit
entstehen und sich an freiheitsfähige Wesen richten kann

Entscheidend ist auch keine „Wirksamkeitschance“, denn auch eine Norm, die tatsächlich
nicht durchgesetzt werden kann, ist dennoch Recht, wenn sie einem rechtlich geordneten
Verfahren erzeugt wurde und für ihre Durchsetzung ein rechtlich geordnetes Verfahren
vorgesehen ist.

Ihre Entstehung, damit auch die Dauer ihrer „Existenz“ und ihre Durchsetzung sind jedoch
selbst durch Normen geregelt. Ebenfalls kann auch eine Derogation dazu führen, dass eine
Norm aufhört zu existieren.

 Recht ist somit ein reflexives Normensystem. Recht bezeichnet transformierte


Normen.

Rechtsphilosophie VIII – RECHTSTHEORIE III-RECHT ALS NORM

Was ist eine Norm?

 Normen beschreiben nicht, sie schreiben vor

 Normen sind Sollenssätze

Norm als Sollenssatz:

 Gegensatz der Sollenssätze: Aussagesätze ohne Attribut


Keine Normen sind danach: Brauch, Sitte, Gewohnheit, Tradition

 Sollen setzt (Handlungs- und Willens-) Freiheit voraus

 Sollen ermöglicht Freiheit gegenüber triebhaftem Zwang und illusorischer


Unverbindlichkeit

 Sollen bedeutet mithin weder vollständige Handlungsfreiheit noch Zwang.


(=Somit kann eine Person nicht frei handeln und auch nicht zu etwas vollständig
gezwungen werden!)

 Wer wegen einer psychischen Störung nicht in der Lage ist, seine Handlungen zu
steuern, kann nicht von den Geboten der Norm betroffen sein.

„Das Sollen drückt eine Art von Notwendigkeit und Verknüpfung mit Gründen
aus, die in der ganzen Natur sonst nicht vorkommt. Der Verstand kann von dieser
nur erkennen, was da ist, oder gewesen ist, oder sein wird. Es ist unmöglich, daß
etwas darin anders sein soll, als es in allen diesen Zeitverhältnissen in der Tat ist,
ja das Sollen, wenn man bloß den Lauf der Natur vor Augen hat, hat ganz und gar
keine Bedeutung. Wir können gar nicht fragen: was in der Natur geschehen soll;
eben so wenig, als: was für Eigenschaften ein Zirkel haben soll, sondern, was
darin geschieht, oder welche Eigenschaften der letztere hat.“ Kant

Arten von Sollenssätzen:

 Hypothetische Imperative:

Der Eintritt der Rechtsfolge ist von bestimmten tatbestandlichen Bedingungen


abhängig.

Bsp.: §96 I ÖStGB: „Wer mit Einwilligung der Schwangeren deren


Schwangerschaft abbricht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, begeht er die
Tat gewerbsmäßig, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.“ (Adressat
dieser Norm ist der Richter)

 Kategorische Imperative

Sie gebieten unbedingt.

„Handle so, dass die Maxime deiner Handlung Grundlage einer allgemeinen
Gesetzgebung sein könne.“

Bsp.: Art.1. GrCh: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Problem: Rettungsfolter – Lösung: Der kategorischen Unterlassungspflicht steht


die hypothetische Schutzpflicht gegenüber: „Die Würde des Menschen ist nicht
anzutasten.“ – „Wenn und soweit der Staat dies mit rechtmäßigen Mitteln tun
kann, ist er verpflichtet, die Würde des Opfers zu schützen.“

Modi der Verpflichtung:

Verbot:

 Untersagt die Vornahme einer Handlung (Tun oder Unterlassen)

 Wenn ein Tun verboten ist, ist ihre Unterlassung geboten

 Wenn Handlungsalternativen in einem exklusiven Verhältnis stehen (entweder/oder),


dann bedeutet das Verbot der einen Handlung das Gebot der anderen (z.B. Verbot
bei einer Aussage vor Gericht die Unwahrheit zu sagen/ Gebot, die Wahrheit zu
sagen)

Gebot:

 Verlangt die Vornahme einer Handlung

 Gebotensein und Verbotensein einer Handlung schließen sich aus

Erlaubnis:

 Erlaubte Handlungen sind alle Handlungen hinsichtlich derer keine Verpflichtung


steht, nicht zu handeln

 Was nicht verboten ist, ist privaten Personen erlaubt

 Was geboten ist, muss auch erlaubt sein

Modi der Verpflichtung:

Modi der Verpflichtungen sind Gebot, Verbot und Erlaubnis. Eine Norm setzt
Handlungsalternativen voraus. Der Normsetzer bewertet/begutachtet die
Handlungsalternativen und legt dann eine Verpflichtung (Gebot, Verbot, Erlaubnis) zur
Ausführung fest.

1. Handlungen (Tun oder Unterlassen) hinsichtlich derer keine Verpflichtung besteht,


nicht zu handeln: Erlaubte Handlungen

 Gebot des Tuns, Verbot der Unterlassung

 Freigestellte Handlungen

2. Handlungen, die nicht ausgeführt werden dürfen

 Verbot des Tuns, Gebot der Unterlassung

Rechte und Pflichten:

Subjektives Recht: (=Anspruch)

 Anspruch des Einen auf ein Handeln (Tun oder Unterlassen) eines Anderen

z.B. Grundrechte

 Erlaubnis zu einer freigestellten Handlung

§ 362 ABGB. Kraft des Rechtes, frey über sein Eigenthum zu verfügen, kann
der vollständige Eigenthümer in der Regel seine Sache nach Willkühr benützen
oder unbenützt lassen; er kann sie vertilgen, ganz oder zum Theile auf Andere
übertragen, oder unbedingt sich derselben begeben, das ist, sie verlassen.
Pflicht:

 Gebot zu handeln (Tun oder Unterlassen)

 Objektive Pflicht

Pflicht, der kein subjektives Recht korrespondiert z.B. Staatliche


Schutzpflichten

 Subjektive Pflicht

Pflicht als Reflex eines Rechtes

Normen und Werte:

Werte:

„Der Wert ist ein Ziel des Handelns“

 Aussage des Rechts darüber, was in einer Gesellschaft als das Gute gelten soll,
ohne dass hieraus unmittelbar Rechte und Pflichten begründet werden.

Prinzipien:

 „Prinzipien sind Gebote bestimmter Art, nämlich Optimierungsgebote. Als Gebote


gehören sie dem deontologischen Bereich an. Werte demgegenüber sind der
axiologischen Ebene zuzuordnen“ (Alexy)

Rechtsnormen:

„Recht ist jede Norm, deren Entstehung und Durchsetzung durch andere Normen geregelt
ist. Normen sind Sollenssätze, die im Modus von Verbot, Gebot und Erlaubnis auf eine
Handlung (Tun oder Unterlassen) gerichtet ist.“

 Rechtserzeugungsnormen

Dies sind Normen, die eine Erlaubnis (Rechte oder Befugnisse) und das Verfahren zur
Aufstellung von Normen regelt.

Privatautonomie! Regeln können selbst festgelegt werden.

 Rechtsdurchsetzungsnormen

Damit eine Norm eine Rechtsnorm ist, muss sie nicht nur in einem rechtlich
normierten Verfahren gesetzt, sondern ihre eventuell erforderliche Durchsetzung
gegenüber drohender oder tatsächlicher Nichtbefolgung ebenfalls normiert sein.

 Handlungsnormen

 Generelle und individuelle Normen


 Generell-abstrakte Normen:
an einen unbestimmten/typenbestimmten Personenkreis wird eine
allgemeine Verhaltensanforderung gerichtet (Rechtsverordnung)

 Individuell-abstrakte Normen:
an eine bestimmte Person wird eine allgemeine Verhaltensanforderung
gerichtet (AV)

 Generell-konkrete Norm:
an einen unbestimmten/typenbestimmten Personenkreis wird eine konkrete
Verhaltensanforderung gerichtet

 Individuell-konkrete Norm:
an eine bestimmte Person wird eine bestimmte Verhaltensanforderung
gerichtet (Bescheid)

Die Rechtsordnung:

Eine Norm, die nicht in einem Erzeugungszusammenhang mit anderen Normen steht, ist kein
Recht.

 Die formale Rechtsordnung

Erzeugungszusammenhang der Rechtsnormen (eine Grundnorm, aus der sich die


Geltung aller zu der Ordnung gehörigen Normen ableitet- Kelsen)

 Die materielle Rechtsordnung

-Allgemeine und besondere Teile


-Rechtsordnung als Wertordnung
-Monistische Konzeptionen des Völkerrechts
Rechtsnormen und andere Normen:

Normen

Normierte Normen Nicht-normierte Normen

Nicht auf menschlichen Handlungen


basierende Normen
(Moral/Naturrecht)

-> keine Verfahrensregeln; Wenn nicht


auf menschliche Handlungen
basierende Normen, dann auf den
(Positives) Recht Auf menschliche Handlungen göttlicher Instanz
basierende Handlungen
Positives Recht: Normen von denen
Handlungen basierende
Setzungsverfahren geregelt sind Normen Beispiel für moralische Normen
=Kants Sittengesetz
(Sitte,Brauch,Gewohnheit,
Recht:um zwischen verschiedenen
Moralvorstellungen auszugleichen etc.)

göttlicher Insat
Deontologische Moral = aus obersten Prinzipien abgeleitet

Norm und Geltung:

Begriff des Rechts alleine verrät noch nicht, ob das Recht auch verbindlich ist Wen

 Begriff der Geltung

 Geltung bezeichnet die Zugehörigkeit einer Norm zu einem bestimmten


Normensystem/Normordnung

Nur weil als Rechtsnorm identifiziert, heißt das nicht dass diese gilt.

Wenn eine Norm nicht rechtlich gilt, ist sie nicht verbindlich. Dies ist z.B. der
Fall wenn die Bestimmungen der Verfassung bei der Gesetzgebung nicht
eingehalten wurden.

Norm = Sollensgebote – indiziert Unabhängigkeit von Befolgung

 Formen der Geltung


 Moralische Geltung

=Vereinbarkeit einer bestimmten Norm mit einem System von moralischen


Normen

- Eine Norm hat moralische Geltung, wenn sie den Kriterien, die für Moral
anerkannt sind, erfüllt.

-Nach den materialen Rechtsbegriffen verliert eine Rechtsnorm ihre


moralische Geltung, wenn sie ungerecht ist.

-Nach den positivistischen Auffassungen behält sie ihre Rechtsgeltung, auch


wenn sie nicht moralisch gilt.

Strebt ein Gesetz keine Gerechtigkeit an, fehlt im der Rechtscharakter

Nach Gustav Radbruch ist Recht, dass nicht mal Gerechtigkeit erstrebt kein
Recht -> Rassengesetze

Rechtspositivisten:
Es kommt auf die moralische Geltung nicht an – Recht und Moral sind schlicht
zu trennen.
-> Hans Kelsen vertritt dies

 Rechtsgeltung

-Rechtlich gilt eine Norm, wenn sie die allgemeinen Merkmale des Rechts, die
eine Rechtsordnung aufstellt, erfüllt

 Die soziologische Geltung des Rechts

Es geht um die Wirksamkeit des Rechts. Ist Recht in der Lage tatsächliches
Verhalten zu beeinflussen.

Recht das keine Wirksamkeitschance mehr hat, ist kein Recht mehr laut Hans
Kelsen

-Das Recht gilt nach Theodor Geiger faktisch, wenn es tatsächlich den
Handlungsverlauf innerhalb der Gesellschaft beeinflusst. Das ist dann der Fall,
wenn es entweder befolgt oder gegen die Verweigerung des Normgehorsams
durchgesetzt wird.

faktisch=soziologisch

Faktische Geltung des Recht= bedeutet, dass eine Norm nur dann Rech
sei, wenn sie tatsächlich wirksam ist.

-> Für Juristen nur die Rechtsgeltung relevant!

Grundlage der Geltung = Willensakt

Positives Recht und Naturrecht:


 Positives Recht ist gesetztes Recht

Positivierung ist ein Willensakt eines oder mehrere Menschen mit dem Inhalt, dass
eine Norm gelten soll.

 Nach den Formen der Positivierung kann man unterscheiden

- Gesetzesrecht- durch den Gesetzgeber


- Richterrecht- durch den Richter
- Gewohnheitsrecht- durch das Volk (?) durch Gerichte (?)

Derogierendes Gewohnheitsrecht= Gewohnheitsrecht das gesetztes Recht


außer Kraft setzt

 Naturrecht

 Als Naturrecht werden seit der Antike Normen bezeichnet, die NICHT durch
freie Entscheidung des Menschen geschaffen oder abänderbar sind

 Wie die Moral sollen diese Normen menschliche Entscheidungen binden. Sie
gelten aus der Vernunft des Menschen heraus oder kraft eines göttlichen
Willens der als Ziel das „Gute“ hat.

 Es wird aus der Geschichte, aus der Theologie aus der Vernunft, aus der Natur
der Sache begründet.

 Naturrecht ist ein Teil der Moral

 Inhaltlich bezeichnet es denjenigen Teil der Moralnormen, die sich auf das
restliche Handeln des Menschen beziehen.

 Es begründet also auch kein juristisches Widerstandsrecht

Rechtsphilosophie X – Rechtsethik
Was ist Rechtsethik?

Rechtsethik ist derjenige Teil der Rechtsphilosophie, der sich mit der inhaltlichen Richtigkeit
des Rechts beschäftigt.

Bisher nur erörtert

 In der Theorie der Rechtswissenschaft – Wie erkennt das juristische Denken

 In der Rechtstheorie: Was ist Recht?

 In der Rechtsethik: Was tut das Recht für die Gerechtigkeit

Rechtliche Gerechtigkeit:

 Hier geht es um rechtliche Gerechtigkeit, nicht etwa moralische Gerechtigkeit

 Der Begriff ist bis auf Kerngehalte sehr umstritten

 Daher Verlagerung von der Suche nach „materieller“ auf „prozedurale Gerechtigkeit“

 Aber: In modernen Verfassungsstaaten sind auch gerechte Verfahren materialen


Grenzen unterworfen

 Historisch gesehen wurde Gerechtigkeit mal mehr aus der Freiheit, mal mehr aus der
Gleichheit begründet.

 These: Rechtliche Gerechtigkeit ist ein menschenwürdiges Verhältnis zwischen Freiheit und
Gleichheit

3 Prinzipien begründen das Recht:

1. Rechtschaffenheit (bedeutet würdiges Verhalten)


2. Schädigungsverbot (Rechtliche Freiheit besteht zunächst darin, sich gegen Schädigungen
durch andere Bürger oder den Staat aufgrund von subjektiven Abwehrrechten verteidigen
zu dürfen -> Rechtliche Freiheit ist danach gleiche Freiheit
3.Verteilungsprinzip (stellt auf Ungleichheit ab; „Jedem das seine zuteilen“ -> betrachtet
wird die Gerechtigkeit aus der Perspektive des Gemeinwohls -> Jeder soll von seiner Freiheit
im Rahmen der gleichen Freiheit aller Gebrauch machen

Inhalt der Gerechtigkeit:

Menschenwürdeformel
Menschenwürde: Mensch immer als Zweck in sich selbst und nie als bloßes Mittel
betrachten

Theorien der Gerechtigkeit:

 Die materialen Theorien versuchen aufgrund rationaler Überlegungen bestimmte


inhaltliche Annahmen als gerecht zu bestimmen

 Prozedurale Theorien hingegen sehen Gerechtigkeit als das Ergebnis bestimmter


Verfahren an.

 Analytische Gerechtigkeitstheorien untersuchen den Gerechtigkeitsbegriff


sprachanalytisch oder logisch.
 Empirische Gerechtigkeitstheorien stellen auf die tatsächlichen
Gerechtigkeitsvorstellungen in einer Gesellschaft ab.

 Normative Gerechtigkeitstheorien suchen nach der Rechtfertigung von


Gerechtigkeitsvorstellungen.