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Univ. Prof. Dr.

Georg Graf
GK: Grundlagen und Methoden des Bürgerlichen Rechts

Stellvertretung
1. Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Stellvertretung?
2. Zählen Sie die vier Voraussetzungen wirksamer Stellvertretung auf?
3. Was ist der Unterschied zwischen Vollmacht und Stellvertretung?
4. Woraus kann sich Vertretungsmacht ergeben?
5. Was ist der Unterschied zwischen Außen- und Innenvollmacht?
6. Was ist der Unterschied zwischen Auftrag und Vollmacht? Geben Sie ein Beispiel für einen
Fall, in dem ein Auftrag ohne Vollmacht vorliegt!

1. Fall
a) Gustav hat ein Lebensmittelgeschäft eröffnet. Sein (neuer) Angestellter Hendrik geht ohne
Gustavs Wissen in das Fachgeschäft des Franz und erklärt dort, von Gustav beauftragt zu sein,
einen Computer zu kaufen. Nach eingehender Beratung durch Franz wählt Hendrik ein Modell
aus, das "das beste Preis-Leistungsverhältnis" bietet. Hendrik sagt daraufhin dem Franz zu, dass
Gustav die Rechnung für den Computer umgehend begleichen werde. Als Gustav die Rechnung
erhält, ist er nicht erfreut, ja sogar verärgert und schickt sie an Franz zurück. – Welche
Ansprüche hat Franz gegen wen?
b) Gustav schickt Hendrik zu Franz, damit er dort für das Lebensmittelgeschäft einen Computer
zur Warenerfassung kaufe. Hendrik soll diesen aber nur nehmen, wenn ihm Franz 20 % Rabatt
gewährt. Da es Hendrik aber peinlich ist, mit Franz um den Preis zu verhandeln, kauft er den
Computer zum Ladenpreis im Namen des Gustav und nimmt ihn gegen Leistung einer
Anzahlung gleich mit. Gustav fühlt sich an den Vertrag nicht gebunden, da kein Nachlass
gewährt wurde, Franz verlangt den gesamten restlichen Kaufpreis. – Wer hat hier Recht?
c) Gustav schickt an Franz ein Schreiben, in dem er die Eröffnung seines Lebensmittelgeschäfts
bekannt gibt und mitteilt, dass Hendrik in den nächsten Tagen vorbeikommen wird, um für ihn
(Gustav) einen bestimmten Computer zur Warenerfassung zu kaufen, wobei er (Gustav) diesen
nach Erhalt bezahlen werde. Dem Angestellten Hendrik erklärt Gustav aber, dass er den Com-
puter nur kaufen dürfe, wenn er dafür 20 % Rabatt bekomme. Hendrik kauft den Computer und
nimmt ihn mit, ohne den Rabatt zu erwähnen. – Ändert sich dadurch etwas an der rechtlichen
Beurteilung?

2. Fall
A erwirbt beim Antiquitätenhändler B in Wien im Namen des C einen wertvollen alten Spiegel
um € 4.000,-. Er vereinbart mit B, dass dieser den Spiegel zu C in Linz bringen soll. C werde bei
Lieferung bar bezahlen. A hat keine Vollmacht von C erhalten, glaubt aber, C werde der Spiegel
so gut gefallen, dass er ihn schon bezahlen werde. Als B mit dem Spiegel bei C auftaucht und die
Bezahlung fordert, weigert sich C jedoch, auch nur einen Cent zu bezahlen. A habe von ihm
keine Vollmacht, daher bezahle er nichts. Wütend fährt B zurück nach Wien; die Bahnfahrt hin
und zurück hat ihn € 50,- gekostet. Er findet für den Spiegel in der Folge zwar einen anderen
Käufer, der aber nur € 3.000,- bezahlt. – Welche Ansprüche kann B gegen A geltend machen?
3. Fall
Die Mutter des 15-jährigen A bestellt in seinem Namen ein Zeitschriftenabonnement beim B-
Verlag. A gerät mit der Bezahlung des monatlich zu bezahlenden Abonnements aber bald in Ver-
zug. Daraufhin klagt der B-Verlag die Mutter auf Zahlung. – Zu Recht?

4. Fall
Der Fleischhauer A gibt seinen Lieferanten bekannt, dass sein Mitarbeiter B berechtigt ist, Be-
stellungen bis € 2.000,- zu tätigen. Nach einem halben Jahr trennt er sich im Streit von B und
entzieht ihm sämtliche Vollmachten. Er vergisst jedoch, seine Lieferanten davon zu verständi-
gen. Um A zu ärgern, bestellt B nach seinem Rausschmiss bei fünf Lieferanten Fleisch jeweils
im Wert von € 2.000,-. Als dieses geliefert wird, weigert sich A es zu bezahlen. – Wie ist die
Rechtslage?

5. Fall
Rechtsanwalt Rudi bezieht seine juristische Fachliteratur von der Buchhandlung Berger. Er
schickt regelmäßig seine Sekretärinnen zu Berger, um Bücher in seinem Namen zu kaufen. Am
Ende eines jeden Monats schickt ihm Berger eine Rechnung über alle während des Monats
erworbenen Bücher.
Um sich auf die Diplomprüfung aus Zivilrecht optimal vorzubereiten, versucht Rudis Tochter
Ulrike, einen „Rummel-Kommentar“ aus der Bibliothek auszuleihen. Da alle bereits ausgeliehen
sind, begibt sie sich zu Berger und gibt vor, ein Exemplar des „Rummel“ für ihren Vater zu
kaufen. Da man in der Buchhandlung Berger davon ausgeht, dass dies mit Zustimmung ihres
Vaters erfolge, gibt man ihr ein Exemplar mit. In Wirklichkeit weiß Rudi nichts davon. Als er
am Monatsende auf der Rechnung Bergers das Exemplar des „Rummel-Kommentars“ sieht,
weigert er sich es zu bezahlen. – Prüfen Sie:
a) Muss Rudi den „Rummel-Kommentar“ bezahlen?
b) Kann Berger Ansprüche gegen Ulrike geltend machen?
c) Wer ist Eigentümer des „Rummel-Kommentars“?