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Falllösungstraining zum Grundkurs Bürgerliches Recht

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Faber


WS 2019/20

Einheit 3

Fall 4
Der Mechaniker M kauft gelegentlich gebrauchte Motorräder auf, die er auf Vordermann
bringt und dann mit Gewinn wieder verkauft.
Über eine Annonce erfährt er, dass V seine alte Yamaha XT 600, Baujahr 2001, verkaufen
möchte, und vereinbart mit diesem einen Besichtigungstermin. Dabei stellt er fest, dass sich
das Motorrad in einem äußerlich guten Zustand befindet. Eine Probefahrt unterbleibt, weil
kein Benzin mehr im Tank ist. V versichert jedoch, dass das Motorrad fahrtüchtig ist, worauf
es dem M, wie er extra betont, entscheidend ankommt, da sonst sein Reparaturaufwand zu
hoch wird. Als V die Maschine vor fünf Jahren zum letzten Mal in Betrieb genommen hatte,
hatte sie auch in der Tat einwandfrei funktioniert. Danach war er auf Bitten seiner nunmehri-
gen Ehefrau nicht mehr gefahren. Tatsächlich ist es inzwischen – von außen nicht erkennbar –
im Motorbereich zu Korrosionen gekommen, sodass sich der Motor nicht mehr starten lässt
und ausgetauscht werden müsste.
M und V einigen sich auf einen (für das Motorrad in funktionsfähigem Zustand angemesse-
nen) Kaufpreis von € 1.300,-. Als M wie vereinbart zwei Tage später wieder kommt, um das
Motorrad gegen Zahlung des Kaufpreises abzuholen, hat er einen kleinen Benzinkanister mit-
gebracht, um vor der Übernahme noch eine kurze Proberunde im Innenhof zu drehen. Dabei
stellt sich heraus, dass der Motor nicht anspringt.
M ist an dem Geschäft nicht mehr interessiert und verweigert die Übernahme. Kann V den-
noch den Kaufpreis verlangen bzw wie kann sich M dagegen allenfalls rechtlich zur Wehr
setzen?
Variante: V selbst entdeckt das Problem zwischen Vertragsabschluss und Übergabe. Er hat
allerdings keinerlei Interesse daran, sich jetzt auch noch um einen Austausch des Motors zu
kümmern. M verweigert wie oben geschildert die Übernahme. Er sucht in der Folge drei Wo-
chen lang nach einem (technisch) gleichwertigen Motorrad, mit dem Ergebnis, dass ein sol-
ches nur um € 1.500,- zu haben ist. Kann er die Preisdifferenz von € 200,- ersetzt verlangen?