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Falllösungstraining zum Grundkurs Bürgerliches Recht

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Faber


WS 2019/20

Einheit 4
Fall 5
Kurt K hatte in den letzten Jahren großen Erfolg als Komponist volkstümlicher Schlager und
sucht ein großes Grundstück mit ansehnlichem Haus an einem See im Salzkammergut, um
sich während der Sommermonate in einer inspirierenden Umgebung erholen zu können. Vin-
zenz V bietet ihm einen wunderschön renovierten und teilweise modern ausgebauten Bauern-
hof mit großem, abgeschiedenem Seegrundstück zum Kauf an. Ein Kaufvertrag wird bald
unterzeichnet, wobei V dem K Freiheit von jeglichen Sach- und Rechtsmängeln zusichert, da
K mehrfach darauf hingewiesen hat, nur ja keine „Scherereien“ zu wünschen. K überweist
den Kaufpreis, bezieht das Anwesen und wird im Grundbuch als neuer Eigentümer eingetra-
gen.
Tatsächlich befindet sich das Grundstück allerdings in einem Naturschutzgebiet und V hatte
den Ausbau des Hauses vorgenommen, obwohl er davon ausging, dass er für eine Reihe von
baulichen Maßnahmen, darunter einen Anbau und die Errichtung von zwei Garagen, niemals
die erforderlichen behördlichen Genehmigungen erhalten würde. Daher suchte er um die not-
wendigen Genehmigungen erst gar nicht an. Als Schwager des langjährigen Bürgermeisters
befürchtete er keine Probleme und erzählte dem K von all dem nichts.
Zweieinhalb Jahre nach Übernahme des Anwesens erhält K einen Bescheid der zuständigen
Behörde, in dem ihm unter anderem aufgetragen wird, die neuen Garagen und den Anbau
abzureißen.
Fragen zum Ausgangssachverhalt:
1. Welche Möglichkeiten hat K gegen V auf Grundlage des Gewährleistungsrechts? Gehen
Sie hierfür davon aus, dass innerhalb eines halben Jahres durch Bekämpfung des Be-
scheids und Verhandeln mit der Behörde nicht endgültig geklärt werden kann, ob die Ab-
bruchmaßnahmen wirklich durchgeführt werden müssen. Gehen Sie ferner davon aus,
dass V jegliche Gewährleistungspflichten generell ablehnt, weil „das Haus ja eh in Ord-
nung“ sei.
2. Würde sich insoweit etwas ändern, wenn die Verletzung naturschutzrechtlicher Bestim-
mungen dem K erst fünf Jahre nach Übergabe bekannt geworden wäre? (Kurze Begrün-
dung genügt!)

Variante: Das Grundstück, das Gegenstand des Kaufvertrags zwischen K und V ist, ist völlig
mangelfrei. Allerdings wurde der Vertrag nicht von V in eigener Person, sondern von dessen
Sohn S „als Vertreter“ des V unter Vorlage einer speziell für den Verkauf dieses Grundstücks
ausgestellten Vollmachtsurkunde abgeschlossen. V war (nur in der Variante) bei Unterzeich-
nung der von S aufgesetzten Vollmachtsurkunde allerdings 94 Jahre alt und aufgrund von
Demenz geschäftsunfähig iSd § 865 Abs 3 S 1 ABGB (ein Vorsorgebevollmächtigter oder
Erwachsenenvertreter war zu diesem Zeitpunkt nicht bestellt).
Fragen zur Variante:
3. Noch vor dem vereinbarten Übergabezeitpunkt bekommt Vs Tochter T Wind von dem
Verkauf und verweigert als nunmehr bestellte gerichtliche Erwachsenenvertreterin die
Übergabe des Grundstücks. Kann K die Räumung und Übergabe gegenüber V (vertreten
durch T) durchsetzen? – Fragen der Erwachsenenvertretung sind nicht relevant.
4. K hat für den Erwerb einen Kredit aufgenommen. Dieser wurde wegen Ts Weigerung
noch nicht ausbezahlt, allein an Krediteröffnungsgebühren muss er der Bank aber jeden-
falls € 5.000 zahlen. Kann er diese im Wege des Schadenersatzes ersetzt verlangen?