Sie sind auf Seite 1von 16

REVUZKIJ

KOSENKO
KOLESSA
SCHAMO

VIOLINA PETRYCHENKO
PIANO MINIATURES

IMPRESSUM
Produzent: Annette Schumacher • Tonmeister: Manfred Schumacher • Aufnahme: 17.–19.8.2015,
Immanuelskirche Wuppertal • Layout: Annette Schumacher • Fotos: Mischa Blank • Text: Violina MULTICHANNEL
Petrychenko • Übersetzung: Oliver Motz • Gesamtzeit: 72 : 42 •  2015 plays on
SACD, CD & DVD player
Lewko Revuzkij (1889-1977) Mykola Kolessa (1903-2006)
3 Präludien op. 4 (1914) »Bilder aus Huzulenland« (1934)
1 Des-dur | 2 : 27 11 Präludium a-moll | 1 : 10
2 fis-moll | 1 : 54 12 Kontraste D-dur | 1 : 16
3 cis-moll | 0 : 58
4 Präludien (1938-1981)
Viktor Kosenko (1896–1938) 13 Herbstprälüdium C-dur | 2 : 40
4 Nocturne-Fantasie op. 4 cis-moll | 6 : 09 14 Fantasiepräludium Es-dur | 2 : 02
15 Über Dovbusch g-moll | 3 : 19

UKRAINIAN 2 Etüden aus op. 8


5 b-moll | 4 : 14
16 Huzulisches Präludium f-moll | 4 : 40

VIOLINA PETRYCHENKO 6 fis-moll | 2 : 30 Igor Schamo (1925-1982)

MOODS 3 Klavierstücke op. 9


7 Trost H-dur | 2 : 07
17
18
»Ukrainische Suite« 1948
Duma | 3 : 52
Vesnyanka | 2 : 26
8 Nocturne fis-moll | 4 : 00 19 Melodie | 3 : 28
9 Mazurka es-moll | 3 : 26 20 Tanz | 3 : 22

10 Verlangen op. 11 cis-moll | 1 : 57 aus dem Zyklus »Zwölf Präludien« (1962)


21 a-moll | 2 : 40
22 G-dur | 2 : 44
23 fis-moll | 4 : 56

Wir bedanken uns beim Steinway-Haus Düsseldorf für die freundliche Unterstützung. W O R L D Jurii Schamo (1947-2015)
PRE M I E RE
Many thanks to Steinway-Haus Düsseldorf for the generous support. RECORDING 24 »Karpatische Fantasie« 1992 | 3 : 26
Unmittelbar nach Abschluss der Arbeit zu dieser CD erfuhr ich vom Tod Juri Schamos. Am
25. August 2015 war der Komponist aus dem Leben geschieden. Ich war davon besonders
erschüttert, weil gerade seine »Karpatische Fantasie« es war, die den Anstoß zu dieser
Aufnahme gegeben hatte. Zufällig stieß ich auf seine Werke, während ich mir vor dem
Abflug nach Deutschland die Zeit in einem Kiewer Notengeschäft vertrieb. Zurück in Köln
war ich ganz hingerissen von seiner »Karpatischen Fantasie« und verspürte den Wunsch,
ein Programm zusammenzustellen, das – genau wie dieses Stück – die Traditionen der
westeuropäischen und der ukrainischen Musik verbinden sollte. Aus diesem Grund ist der
erste Teil der CD solchen ukrainischen Komponisten gewidmet, die eher in der klassischen
Tradition schrieben: Lewko Revuzkij und Viktor Kosenko. Die übrigen, Mykola Kolessa sowie
Igor und Juri Schamo, strebten danach, mehr volkstümliche Motive in ihr Schaffen ein-
fließen zu lassen, indem sie sie mit jenen der klassischen Musik verbanden.

Die ukrainische Musik des 20. Jahrhunderts bietet ein derart schillerndes und vielfältiges
Bild, dass eine Aufnahme wie diese sich unweigerlich auf einige wenige Meister beschränken
muss. Doch auch in den hier versammelten Kompositionen finden sich die vielseitigsten
Formen: lyrische Träume, nachdenkliche Trauer, bunte Lebensgemälde, Humor und vieles
andere.

Am Beginn der ukrainischen klassischen Musik des 20. Jahrhunderts steht Lewko Revuzkij
(1889–1977). Dieser übernahm als Schüler des Pianisten Lysenko vieles aus dessen
Tradition auf dem Weg zum Komponisten, Pianisten, Pädagogen – einer in Musik und
Gesellschaft geachteten Persönlichkeit. Er wurde 1889 in der Kleinstadt Irschawez (Oblast
Tschernigow) in eine musikalische Familie geboren – der Vater spielte Geige, die Mutter
Klavier. Im Hause Revuzkij traf sich die ukrainische Elite und stets wurde Musik gespielt.
Im Alter von vier Jahren begann Revuzkij mit dem Klavierspiel und bereits mit sieben
Jahren mit Improvisationen. Von früher Kindheit an gehörten Volklieder zu seinen
Lieblingsstücken, was auch in seinem späteren Schaffen Niederschlag finden sollte.
1903 wurde Lewko Revuzkij von seinem Bruder Dmitrij mit Lysenko bekannt gemacht, in die man von ihm verlangte, wären ihm einfach nicht gelungen. Und so ver-
dessen Chor jener damals sang. Es war Lysenko, der Revuzkij dazu riet, sich ernsthaft der stummte er. Sein Schweigen ist eine direkte Anklage der Stalinherrschaft.«
Musik zu widmen, und ihn in seine Klavierklasse aufnahm. 1906 trat er in die Universität ein
(zunächst in die mathematische, später in die juristische Fakultät). Während seiner Studien- Der Zyklus aus 3 Präludien op. 4, geschrieben in der frühen Schaffensperiode, vereint drei
jahre weilte er oft in Moskau, wo er sich ganz dem damaligen kulturellen Leben hingab. charakteristische Skizzen, drei verschiedene Blinkwinkel auf die Welt. Die elegische
Kontemplation der ersten Miniatur, die zweite voll angespannter Vorahnung tragischer
1916 nimmt sein Leben eine entscheidende Wendung: Er geht an die Weltkriegsfront und Schicksalswendungen mit einer Anspielung auf Beethovens Schicksalsmotiv und schließ-
kehrt erst zwei Jahre später zu seiner Frau nach Irschawez zurück. 1919 wird er verhaftet lich das rastlose Scherzo der dritten und letzten Miniatur – all dies entspricht der charakte-
und zum Tod durch Erschießen verurteilt. Obwohl es seinem Bruder gelingt, dieses ristischen Kunst um die Jahrhundertwende, einer Epoche unvorhersehbarer Umwälzungen.
Schicksal abzuwenden, sieht Revuzkij sich gezwungen unterzutauchen und zieht sich nach
Pryluky zurück. Während der folgenden fünf Jahre arbeitet er als Sachbearbeiter auf den Revuzkij, der ein Zeitgenosse Viktor Kosenkos war und wie dieser als Meister der Romantik
Eisenbahnstationen von Itschne und später Pryluky. den stilistischen Bahnen Chopins und Skrjabins folgte, sagte über seinen Freund:

1924 erhielt Revuzkij einen Ruf an das Lysenko-Institut für Musik und Dramatik. Unter »Das Vermächtnis Kosenkos zeichnet sich aus durch einen Reichtum an
seinen Studenten waren so talentierte ukrainische Komponisten wie Majboroda, Stimmungen, Bildern, Themen und Motiven sowie durch eine Vielfalt von
Filippenko, Schukowski, Kirejko und der ebenfalls auf dieser CD vertretene Igor Schamo. Genres und Formen… Authentizität, emotionale Fülle, hohe Kultiviertheit und
Revuzkijs weiteres Schicksal war von großen Entbehrung gezeichnet: Krieg und Vertrei- wahre Meisterschaft – dies sind die charakte-ristischen Züge des Schaffens
bung hinterließen ihre Spur in der Persönlichkeit des Komponisten. Der stalinistische Terror dieses Komponisten. All dies gewärmt von der unauslöschlichen Flamme einer
zerstörte das Leben von Millionen Menschen und traf auch zahlreiche Freunde des großen Liebe zur Musik als Kunst. Bisweilen werde ich gefragt, ob Kosenko
Komponisten. Lewko Revuzkij war ein überaus empfindsamer und sanfter Mensch. Diese wirklich zum Nationalkomponisten wurde. Darauf lässt sich kaum eine einfache
schrecklichen Ereignisse führten bei ihm zu einer seelischen Krise und dazu, dass er das Antwort geben. Das Problem des Nationalen wird bei uns nämlich häufig allzu
Komponieren aufgab. Seine Schaffensperiode umfasst daher lediglich die fünf Jahre von eng gefasst, indem man diesen weiten Begriff auf den Bestand einer bestimmten
1923 bis 1928. Es lohnt sich, hier die Worte von M. Bjalik wiederzugeben: Zahl authentischer volkstümlicher Melodien, Motive, Intonationen, Rhythmen
usw. beschränkt. Ohne die allseitige Verwendung der stilistischen Grundlagen
»Als sanfter und gutmütiger Mensch war er von Natur aus kein Krieger. Er er- der Volksmusik in Frage zu stellen, bin ich der Auffassung, dass bei der
schien in der Welt, um sein Lied zu singen, und es war dies ein leises, überaus Bestimmung des Nationalen andere Eigenschaften wichtiger sind, wie etwa
lyrisches Lied, von tiefer Empfindsamkeit und Wahrhaftigkeit. Die offiziös- Bodenständigkeit des musikalischen Ausdrucks im Ganzen, die direkten und
deklarativen Lieder zur Aufführung unter Zurschaustellung von Pathos und Pomp, indirekten Verbindungen des Komponisten mit den jahrhundertealten
Traditionen der Welt- und Nationalkultur, seine Fähigkeit, in die Psychologie Violinist V. Skorochod und der Cellist V. Kolomijzew gehörten; Die drei leidenschaftlichen
des Kunstverständnisses seines Volkes einzudringen und dieses wahrheits- Musiker brachten die Musik unters Volk, indem sie ihre Zuhörer mit der Kammermusik ver-
getreu und überzeugend nachzubilden. Mir scheint, dass Kosenko seine eigene traut machten. 1929 wurde ihm eine feste Professorenstelle in Kiew angeboten.
Musik schuf – indem er sich an eben diese Prämissen hielt. Deshalb ist
er im gleichen Maße ukrainischer Nationalkomponist wie beispielsweise Die zehn Jahre in Schytomyr waren für Kosenko reich an kompositorischen Erfolgen. Alle
Rachmaninow, Skriabin, Medtner russische Nationalkomponisten sind.« seine Stücke auf dieser CD entstanden in eben dieser Periode.

Viktor Kosenko (1896–1938) ist ein Komponist der Poesie, seine Musik ist voll von feinen Die Nocturne-Fantasie in cis-moll zeigt sich im Gewand einer elaborierten Arabeske, in der
Stimmungen der Trauer und Melancholie – einer der bedeutendsten Romantiker seiner Zeit. sich zwei Bildersphären vermischen: Elegische Trauer und das unauslöschliche Licht der
Mit seinem Werk schuf der Komponist eine erstaunlich organische Einheit aus ukraini- Hoffnung. Sie stützt sich auf die Tradition des romantischen Klavierspiels, dessen charakte-
schem Melos und den Errungenschaften der russischen und westeuropäischen Musik. ristische psychologische Tiefe (Chopin, Schumann, Brahms) sich hier mit Elementen der
Skrjabin'schen Harmonik verbindet.
Viktor Kosenko wurde am 24. November 1896 in St. Petersburg in eine Offiziersfamilie
geboren. Bald darauf siedelte die Familie nach Warschau über, eines der kulturellen Zentren Ein eigentümliches Diptychon bilden die erste und achte der elf Etüden von op. 8.
Europas. Bereits im Kindesalter fasste er den festen Entschluss, sich der Musik zu widmen, Melancholie und Konzentration, Kummer und innere Fassung, die rhythmische Ordnung
und begann früh zu komponieren. Nach Ausbruch des ersten Weltkriegs zog die Familie der Etüde in b-moll mit ihrer bis zum dramatischen Höhepunkt anschwellenden
nach Petrograd, wo er ins Konservatorium eintrat. Schon in diesen Jahren verwandte der Emotionalität kontrastieren mit der bedächtigen Heiterkeit der Etüde fis-moll. Deren melo-
junge Musiker viel Energie auf das Komponieren – mit besonderem Erfolg in den Genres dische Linien erinnern an das Streichen eines frischen Windes, der die zwielichtigen
Klavier- und Vokalminiatur. Stimmungen des vorhergehenden Stückes vertreibt.

Nach dem Abschluss des Konservatoriums zieht er nach Schytomyr, wo er einen großen Teil Programmstücke finden sich im Œuvre Kosenkos vergleichsweise selten. »Trost« erinnert an
seines Lebens verbringt. Er arbeitet dort als Klavierlehrer in einer Musikschule. Franz Liszts romantischen Zyklus »Consolations«, unterscheidet sich davon jedoch deutlich
in Stil und Gestaltung. Das mehrfach variierte Atem-Motiv bildet einen eindringlichen
Zusammen mit befreundeten Musikern gründet er einen Künstlerkreis, der jenen in der Dialog mit zusätzlichen melodischen Linien und erzeugt so eine Atmosphäre der Zärtlich-
Hauptstadt in nichts nachstand. Systematisch baute er seine Auftritte als Pianist aus, seine keit, des Vertrauens und Verstehens. Das Stück findet seinen Abschluss in vergeistigten,
Zuhörer waren einfache Leute – Arbeiter, Lehrlinge, Soldaten. Allein für Teile der Roten choralhaften Akkorden. »Verlangen« op. 11 ist eine zutiefst persönliche, lyrische Offen-
Armee gab er im ersten nachrevolutionären Jahrzehnt 250 Konzerte! Doch darauf barung heimlicher Gedanken und Gefühle. Diese Klavierminiatur gehört zu den durch-
beschränkte er sich nicht. Kosenko gründete ein Klaviertrio, zu dessen Besetzung auch der dringendsten Seiten von Kosenkos Klavierlyrik.
Die Nocturne aus opus 9 lässt – im Gegensatz zu ihrem Namen – eher an eine helle, morgend- umgeben. Seine Ausbildung erhielt er in Prag: 1928 machte er den Abschluss an
liche Sommerlandschaft denken – mit raschelnden Blättern und schwärmenden Vögeln vor Universität und Konservatorium, 1931 an der Prager Kunsthochschule. Er entfaltete eine
tiefblauem Himmel. Die paradoxe Verbindung des tragischen es-moll mit einer für Tänze rege Lehrtätigkeit. Zwischen 1931 und 1939 lehrte er an der Lysenko-Hochschule für
typischen elastischen Rhythmik macht das dramaturgische Wesen der Mazurka op. 9 aus. Musik. Zurück in Lemberg vertiefte er sich in das künstlerische Leben Galiziens. Besondere
Man fühlt sich an die Zeilen Dantes erinnert: Aufmerksamkeit verwandte er auf das Dirigieren, in einer Zeit, da diese Kunst in Galizien
noch nicht auf eine gefestigte Tradition zurückblicken konnte. Kolessa kann ohne Über-
Nessun maggior dolore Kein größerer Schmerz treibung als Gründer einer westukrainischen Dirigierschule bezeichnet werden.
che ricordarsi del tempo felice als sich erinnern glücklich heiterer Zeit
ne la miseria… im Unglück… Ab 1940 Dozent, 1953–1965 Rektor, ab 1957 Professor am Lemberger Konservatorium,
arbeitete er zugleich als Dirigent in Iwano-Frankowsk und an der Lemberger Oper.
Die welkenden Motive der einleitenden Abteilung weichen vor dem Ausbruch eines freien
lyrischen Traums, der Erlösung von den Leiden bringt. Doch die Reprise bringt den Kummer Kolessas Schaffen steht in der Tradition von Lysenko und Ljudkewitsch ebenso wie Bartók,
des Daseins wieder ins Bewusstsein. dessen Können Kolessa hoch schätzte. Mit der huzulischen Folklore als Fundament verbin-
den sich Avantgardismus, Präzision und Herbe des tonalen Formenbestandes der ersten
Kosenkos späte Schaffensperiode stand sehr unter dem Einfluss der politischen Umstände. Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seinen Werken spiegeln sich lyrische Stimmungen ebenso
Wie so viele andere Komponisten war auch er gezwungen, massentaugliche Lieder zu wie fantastische Bilder, inspiriert von Volksweisen und -legenden, die romantisch verklärte
Ehren der Kommunistischen Partei zu schreiben. Es ist kaum vorstellbar, dass sich die fein- Vergangenheit und die Elementarkraft der Volkstänze. Kleinere Klavierstücke fasste er
nervige, romantische Natur dieses Komponisten wirklich zu einem solchen Thema hinge- gewöhnlich in Zyklen zusammen (»Bilder aus Huzulenland«, »Drei Kolomyjki«, »Vier
zogen fühlte. Andere Werke aus diesen Jahren sind das Klavierkonzert, vollendet von Lewko Präludien«,…). Die Wechselwirkung zwischen Poesie, der Farbenpracht des Frühlings und
Revuzkij, die »Heldenouvertüre«, die »Moldawische Poeme« und andere. Die letzten Jahre dem Ausdruck von Lebensfreude bildet das Wesen der »Bilder aus Huzulenland« (1934).
seines Lebens waren von Krankheit verfinstert bis ihn im Jahre 1938 der Tod ereilte.
Diese Suite steht am Anfang der Linie »regionaler« Zyklen in der ukrainischen Musik des
Ein jüngerer Zeitgenosse Kosenkos war Mykola Kolessa, ein Komponist, der in seiner unge- 20. Jahrhunderts und spiegelt das besondere Kolorit von Natur und Musik der Westukraine
wöhnlich langen Lebensspanne (1903–2006) enorme Beiträge zur ukrainischen Kultur des wider. Zu Recht wird Kolessa als Meister der filigranen, detailliert ausgearbeiteten Klavier-
20. Jahrhunderts lieferte. Mykola Kolessa wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren. Sein miniatur angesehen. Dies wird besonders in seinen »Vier Präludien« spürbar, von denen
Vater, Filaret, war ein bekannter ukrainischer Musikwissenschaftler und Volkskundler. jedes aus einer anderen Periode im Schaffen des Komponisten stammt: das »Fantastische«
Zusammen mit der Schriftstellerin Lesja Ukrainka fertigte er Aufnahmen und eine 1938, das »Herbstliche« 1969, das »Huzulische« 1975, »Über Dowbusch« 1981. Doch dank
Systematik ukrainischer Volkslieder an. Mykola war von frühester Kindheit an von Musik der aufgeregt-emotionalen, lebhaft-romantischen Ausdruckskraft des Autors bilden sie
einen in Bildgehalt und emotionaler Spannung ganzheitlichen Zyklus.
Das Klavierpräludium »Über Dowbusch« zeichnet das Bild des Anführers der »Oprischki«. Als Enormen Einfluss auf das Schaffen Schamos nahm der bereits vorgestellte Lewko Revuzkij,
»Oprischki« bezeichnete man die Teilnehmer an einer historischen Aufstandsbewegung des mit dem er während seiner Studienjahre am Konservatorium zwischen 1946 und 1950 in
15. bis 19. Jahrhunderts in Galizien, Pokutien und den Karpaten. Sie richtete sich gegen das regem Austausch stand. Ihn faszinierten Revuzkijs Ideen, folkloristische Elemente in der
Burgrecht und die Willkürherrschaft der Großgrundbesitzer. klassischen Musik zu verwenden. So entstand die »Ukrainische Suite« (1948), deren
Besonderheit im völligen Verzicht auf Zitate und echte Volksmelodien besteht, die aber
Die Grundlage des Stücks bildet das Volkslied »Oj, popid gaj seljonenki«. Es handelt sich um doch den Geist der volkstümlichen, ukrainischen Melodik voll trifft.
einen rastlosen Monolog voll von Dramatik und romantischem Pathos. In den Stücken
Kolessas hört man Motive und Rhythmen des Genres der Kolomijka, die Rhythmik des Die Suite besteht aus vier Teilen. Den dramatischen Anfang bildet der Zyklus »Duma«. Eine
Männertanzes »Arkan«, die Nachahmung des Klangs von Volksinstrumenten: Sopilka und langsame Erzählung weicht spannungsvollen, heftigen Ausrufen im Mittelteil. Der
Trembita, Zymbal und Tamburin. Perlende, fließende Passagen, kühne Verzierungen im Komponist stützt sich auf typische Kennzeichen des ukrainischen Volkslieds: die Tonart
»fantastischen« Präludium kontrastieren mit fanfarenhaften Ausrufen im Lied über (dorisch, mit zusätzlich angehobener vierter Stufe), die für Kobsarenlieder typische Form:
Dowbusch. Kolessa benutzt die huzulische Tonart (zweifach harmonisches Moll), abge- Drei Teile (klagender Anfang, Haupterzählung und Schluss) und eine rhythmisch-metrische
wandelte Tonarten, nicht-terzbasierte Akkorde und Orgelpunkt. Wechselhaftigkeit, die der Erzählung einen improvisierten Charakter verleiht.

Die Nachkriegszeit war schwer für Kolessa. Unter den Bedingungen des unerbittlichen Die »Wesnjanka« (eine zeremonielle Anrufung des Frühlings) setzt mit ihrer Bildersprache
Regimes von kommunistischer Ideologie, Verfolgung jeglicher innovativer oder gar scharfer ein Gegengewicht. Ihre Grundlage bildet eine einfache Melodie mit der Quinte als
Kritik fand sich der Komponist gezwungen, überaus »vorsichtig« zu schreiben. Er fand einen Grundbaustein, die durch das ganze Stück hindurch variiert wird. Das Thema hat erkenn-
Ausweg in den folkloristischen Motiven, an denen sein Werk so reich ist. bare Anklänge an die bekannte Wesnjanka-Melodie »Komm raus, Komm raus, Iwan«.

Diesen Weg nahm auch Igor Schamo (1925–1982), der die ukrainische Klavierliteratur »Melodie«, ein Stück, das man ebenfalls als Volkslied bezeichnen könnte, steht dem Genre
ganz außerordentlich bereichert hat. Unter seinen Klavierwerken finden sich eine der Protjaschnaja, dem typisch slawischen langgezogenen Gesang, nahe. Diese schöne,
»Ukrainische Suite«, die Suiten »Freundschaftslieder« und »Taras-Lieder«, eine »Tanzsuite«, innige Melodie ähnelt in ihrer Melodik den typischen ukrainischen Volksliedern so sehr,
»Zwölf Präludien« und »Huzulische Aquarelle«. dass sie das Gefühl des Bekannten und Vertrauten nahezu schmerzlich hervorruft. Das
Thema des Liedes ist mehrstimmig ausgestaltet und bildet so Chorgesang nach. Der
Schamo wurde in Kiew geboren und die Liebe zu dieser Stadt begleitete ihn sein ganzes Stimmung nach nähert sich »Melodie« wieder dem ersten Stück des Zyklus und zieht damit
Leben. Auch seine musikalische Ausbildung erhielt er in Kiew. Während der Kriegsjahre bildliche Parallelen.
wurde er zunächst nach Ufa evakuiert, wo er an der medizinischen Fakultät studierte. Im
Mai 1942 ging er an die Front und beendet seinen Dienst erst 1946. Die Erlebnisse dieses »Tanz« versetzt den Hörer in die Welt der Dorffeste mit ihrer eigentümlichen Ausge-
Krieges finden einen Widerschein in vielen seiner Kompositionen. lassenheit. Das Stück vereinigt in sich Züge verschiedener Volkstänze: des Arkan, des
Kasatschok (wörtlich »Kosakentanz«) und des Hopak. Die Melodie des Tanzes ähnelt in seiner Der Zyklus »Zwölf Präludien« ist dem Sohn des Komponisten gewidmet, dem eingangs er-
Intonation dem Thema der »Wesnjanka«. Im Ergebnis beschreibt die Suite damit einen wähnten, kürzlich verstorbenen Jurij Schamo (1947-2015), der seit dem Jahr 2000 in Deutsch-
dramatischen Bogen. land (Fulda) lebte. Wie auch sein Vater hatte Jurij Schamo am Konservatorium in Kiew studiert
und wurde nach dem Abschluss in den ukrainischen Komponistenverband aufgenommen. Er
1964 komponierte Igor Schamo den Zyklus »Zwölf Präludien«. Kleinste, kaum zu fas- entfaltete eine rege Lehrtätigkeit und trug Großes zur Entwicklung der ukrainischen Musik
sende Details in Bildersprache, Intonation und Faktur verbinden sich mit dem Besten, was bei. Obwohl er sich in vielen Genres bewegte, galt der größte Teil seiner Tätigkeit der Klavier-
das Genre des Präludiums im 19. und 20. Jahrhundert zu bieten hatte: die Traditionen musik. Unter seinen Kompositionen für Klavier finden sich 15 Sonaten, eine »Karpatische
Chopins, Skrjabins, Debussys und Prokofjews. Die Präludien 2, 3 und 8 bilden zusammen Suite«, eine Suite nach Motiven von Andersens Märchen, eine Kindersuite und viele andere.
einen eigenen Mikrozyklus. In jedem dieser Stücke wird ein anderes Bild der Zeit ent-
worfen, des Ewigen und des fortwährenden Wandels. Die »Karpatische Fantasie« entstand 1992. Jurij Schamo sagte von sich selbst, dass ihn die
Kultur und Musik der Westukraine schon immer angezogen hätten, und dass diese
Eine charaktervolle, elegische Semantik in a-moll bietet das Präludium № 2; eine verborgene Anziehungskraft der Ausgangspunkt für die Arbeit an diesem Stück gewesen sei. Dieses
Trauer dringt aus seinen Tönen. Das matte Ostinato einer figurativen Begleitung erinnert ungewöhnliche, vielseitige Stück, fesselt den Hörer durch seine Bildkraft, durch die einzig-
an raschelndes Laub, wandernde Konturen von Wolken, ein fernes, undeutliches Raunen. Vor artige Kombination volkstümlicher und jazztypischer Motive; es bietet eine wundervolle
diesem Hintergrund ertönt eine kummervolle, langgezogene, singende Melodie. Synthese aus westeuropäischer und westukrainischer Kultur.

Das Präludium № 3 ist schon die nächste Seite des Tagebuchs, einer Chronik unruhiger Ganz zu Beginn der Arbeit am Programm dieser CD, nahm ich mit Jurij Schamo Kontakt
Tage. Es ist eine Zeit des Umbruchs. Es braust eine ungezähmte Naturkraft. Läufe, Sprünge, auf, um Noten zu weiteren Stücken zu erhalten. Doch der bereits schwer kranke Komponist
Bewegung, flimmernde Töne, Ausrufe, Grimassen… Ein perpetuum mobile, das keine konnte meiner Bitte nicht entsprechen, da die handschriftlichen Noten in Kiew aufbewahrt
Schranken kennt und alles auf seinem Weg hinfort fegt. Das Stück ist mit dem Genre des waren und er in seinem Zustand eine solche Reise nicht auf sich nehmen konnte. Dennoch
dramatischen Scherzo, der Etüde und Toccata verwandt. sah er, genau wie ich, der Veröffentlichung dieser CD mit Freude entgegen…

№ 8 in fis-moll. Hier steht die Zeit unter einem epischen Blickwinkel. Die Zeit, erstarrt in Ich hoffe, dass die Musik ukrainischer Komponisten einen Widerhall in den Herzen vieler
labyrinthischen Katakomben, im strengen Rhythmus von Steinsäulen monumentaler europäischer Hörer findet und so aus der Vergessenheit befreit wird; dass man sie öfter auf
Bauten. Die Zeit uralter Weisheit und der knappen Erzählweise eines lakonischen Konzerten hören und ihre Noten nicht länger nur in den Archiven der Ukraine finden kann,
Geschichtsschreibers. Der archaische Klang choraler Akkorde in den extremsten Registern. sondern auch als europäische Ausgaben.
Der stete Rhythmus gemessener Schritte. Fortklingender Widerhall, gleich einem Echo. Die
Zeit, die einen Schlussstrich unter alles Nachdenken über das Leben zieht. Violina Petrychenko, Übersetzung Oliver Motz
This recording had only just been finished when I got news of Yuri Shamo's death (August
25 2015). This came as a shock to me, since it was his Carpathian Fantasy that had pro-
vided the impetus for the current project. I had come across his works by pure chance
while browsing through music in a bookstore in Kiev before my flight back to Germany. In
Cologne I was captivated by his Carpathian Fantasy and decided to put together a program
that would combine – just like this work – the musical traditions of Western Europe and
Ukraine. For that very reason the first part of the program presents two composers whose work
is rooted in the classical traditions: Levko Revutsky and Viktor Kosenko. The remaining three,
Kolessa as well as Igor an Juri Shamo, strove to draw on a greater number of folkloristic
motifs.

Ukrainian 20th century music comes in many diferent forms, and although the current disc
restricts itself to a handful of composers, they represent a variety of archetypes, such as:
lyrical, sorrowful musings, colorful tableaux, humorous works and many others.

The prelude to Ukrainian 20th century music is made by Levko Revutsky (1889–1977).
As a student of the pianist Lysenko, he took over many of his teacher's traditions on his
way to becoming a composer, pianist and teacher – a public figure well respected in the
worlds of music and the wider society. He was born into a musical family in the small town
of Irzhavets (Chernigov Region). His father played the violin, his mother the piano. Their
house was a meeting place for the Ukrainian elite, and there was always music. He began
playing the piano at the age of four and improvising at seven. It was also in these very
early years when he discovered his love for folk-songs, a love that would re-emerge in his
later works.

In 1903 Dmitry Revutsky introduced his brother Levko to Lysenko, in whose choir he sang
at the time. It was Lysenko who recommended him to take up music seriously and accepted
him into his piano class. In 1906 he enrolled at the university (first at the faculty of mathe-
matics, then law). He spent much of his student life in Moscow, where he indulged in the corresponds to the type of art characteristic for the turn of the century, a time of unfore-
cultural life of the day. In 1916 his life takes a decisive turn: He goes to the western front, seeable changes.
returning to his wife in Irzhavets two years later. In 1919 he is arrested and sentenced to
death by firing squad. However, his brother manages to save him from this fate. Revutsky, a coeval of Kosenko's and like him, a master of the neo-romantic movement
Nevertheless Revutsky sees the need to go into hiding and retires to the small town of wrote about his friend:
Priluki. During the following years he works as an official at the trains stations of Ichne
and later Priluki. Konsenko's legacy excels with its wealth of moods, imagery, themes and motives
as well as the diversity of genres and forms. Authenticity, emotional richness,
In 1924 Revutsky was invited to teach at the Lysenko Institute of Music and Drama. refinement and genuine professional mastery – these are the character traits
Among his students were some of the most talented Ukrainian composers such as of this composer's work. And all of this is warmed by the eternal flame of a
Mayboroda, Filippenko, Zhukovsky, Kireyko and Igor Shamo (who is also represented on this great love for the art of music. Sometimes I am asked if Kosenko has really
disc). Revutsky's subsequent fate was filled with hardship. The war, displacement, the become our national composer. One can hardly give a definitive answer to such
oncoming stalinist regime all left indelible marks on the composer's personality. The cruel a question. After all, our people tend to understand the problem of nationalism
stalinist terror had an impact on millions of lives and took many of the composer's friends. all to narrowly, restricting this wide concept to a certain inventory of folk
In a man as sensitive and tender as Revutsky, these events led to an emotional crisis that melodies, motifs, intonations, rhythms and so on. Without wishing to criticize
kept him from composing. His creative period comprises only the five years between 1923 the ubiquitous use of the stylistic principles of folk music I contend that in
and 1928. M. Blyanka commented on Revutsky's silence: determining the national there are more important categories such as gene-
rally down-to-earth means of musical expression, the composer's direct and
A tender, good-natured and humble man he was not born to be a warrior. He indirect connections with the centuries-old national and international cultures,
appeared in this world to sing his song – and a quiet song it was, supremely his capacity to grasp the psychology of his people's artistic thinking and the
lyrical, deeply felt and genuine. He simply wouldn't have succeeded at the official ability to portray it. To me it seems that Kosenko created his own Music by
and declamatory works to be played with gaudiness and pathos, that were asked following these very presuppositions. This is what makes him as much of a
of him. So he went silent. His silence was a direct accusation of stalinist rule. Ukrainian national composer as for instance Rachmaninoff, Scriabin, Medtner
are Russian national composers.
The trilogy of preludes (op. 4), written in the early period (1914), brings together three
different views of the world. The elegiac contemplation of the first miniature, the tension Viktor Kosenko (1896–1938) is a lyrical composer, his music is filled with refined grief
and the premonition of tragic changes of fortune alluding to Beethoven's fate motive and melancholy. He is one of the greatest romanticists of his time. In his work he manages
which we find in the second, finally the disquieting scherzo of the third miniature. All this to combine into a stunningly organic whole the intonation of Ukrainian melos with the
achievements of Russian and Western European music. Kosenko was born in St. Petersburg Program music is rarely found in Kosenko's œvre. Solace is reminiscent of a romantic cycle
into an officer's family, which soon moved to Warsaw, one of the cultural centers of Europe. by Franz Liszt, but differs considerably from it in terms of style and imagery. The sigh motif
At a tender age he firmly decided to devote himself to music and began composing. After in its many variations depicts a vivid dialog with supplementary melodic lines, thus creating
the outbreak of World War I the entire family retired to Petrograd, where he entered the an atmosphere of tenderness, trust and understanding. The piece closes in sublimated
conservatoire. In these early years the young composer spent a lot of time and energy on choral chords. Yearning (Op. 11) is a deeply personal, lyrical expression of secret thoughts and
composing, with particular success in the genres of piano and vocal miniature. After feelings. This piano miniature is among the most enthralling works in Kosenko's output.
graduating from the conservatoire he moved to Zhitomir, where spent a big part of his life
and worked as a piano teacher at a music school. Despite the nightly images called forth by the title, the Nocturne Op. 9 brings to mind a bright
summer's morning with rustling treetops and flying birds before the blue of the sky. The
Together with some fellow musicians he founded an artistic circle, in no way inferior to paradoxical combination of the tragic key (e-flat minor) and the improvised plasticity of a
those in Kiev. He regularly appeared in concerts as a pianist: His audience consisted of dance makes for the dramatic climax of of the mazurka op. 9. One is reminded of Dante's lines:
workers, students, soldiers. He performed no less than 250 concerts during the first post-
revolutionary decade for the Red Army alone! Beyond that Kosenko founded a piano trio Nessun maggior dolore There is no greater sorrow
with the violinist V. Skorokhod and the violoncellist V. Kolomiytsev; These three enthusi- che ricordarsi del tempo felice Than to be reminded of happier times
asts did a lot to spread classical music among a wider audience by familiarizing it with ne la miseria… in one's misery…
chamber music. In 1929 he was offered a permanent position as a teacher in Kiev.
Kosenko's ten years in Zhitomir were years of prolific composing. The works recorded on The withering motifs of the opening part make way for the outbreak of a liberated lyrical
this disc were written in this very period. dream, bringing redemption from suffering. However, the recapitulation reminds us of the
sorrow of being.
The nocturne-fantasy in C-sharp minor gives the impression of a sophisticated arabesque,
blending two sets of imagery: elegiac grief and the eternal light of hope. Traditions of Kosenko's late works are tremendously influenced by the political circumstances of the
romantic piano works with psychological depth (e.g. Chopin, Schumann, Brahms) are com- time. As many other composers he was obliged to write songs for the masses in honor of
bined here with harmonic elements in the style of Scriabin. the communist party. One can hardly imagine, that the composer's refined romantic nature
was inclined to this subject. Among other works of these years we find his piano concerto,
Numbers two and eight of the eleven etudes collected in Op. 8 give the impression of a completed by Revutsky, the Hero's Overture, the Moldovan Poem. His last years were
somewhat idiosyncratic diptychon. Melancholy and concentration, grief and inner firmness, eclipsed by illness.
the rhythmic order of the etude b-flat minor with its swelling emotionality and dramatic
culmination give way to the light images of the etude f-sharp minor. Its melodic lines are One of Kosenko's younger coevals was Mykola Kolessa, a composer with a most impressive
reminiscent of a fresh breeze dissipating the shady moods of the preceding piece. lifespan (1903–2006) who made a tremendous contribution to Ukrainian culture of the
20th century. Mykola Kolessa was born into a family of musicians. His father, Filaret, was The piano prelude On Dovbush portrays the leader of the “Oprishki” – Oleksy Dovbush.
a renowned musicologist and folklorist. Together with the writer L. Ukrainka he collected (Oprishki is the name of the participants in a historic insurgency movement that took place
and systematized Ukrainian songs. Since his childhood Mykola was immersed in music. He in the 15th–19th centuries in Galicia, the Carpathians and Pokuttya. It targeted the town
received his education in Prague, graduating from the university and conservatoire in 1928 privileges and the despotism of the squires). The work is based on the folk song Oy, popid
and from the Prague academy of higher mastership in 1931. He was active as a teacher: gay zelyonenki, a restless monologue full of drama and romantic pathos. In Kolessa's works
Between 1931 and 1939 he taught at the Lysenko Academy of Music. Back in Lvov he one can hear the motifs and rhythms of the genre of Kolomiyka, the lad's dance Arkan, the
delved into the cultural life of Galicia. He put particular emphasis on conducting, in a time imitation of the sound of various folk instruments: sopilka and trembita, cimbalom and
when in Galicia this art had not yet been developed into a firm tradition. It is not an over- tambourine. Rhythmically flowing passages, bold adornments in the “fantastic” prelude
statement to call Kolessa the founder of a Western Ukrainian school of conducting. A contrast with the fanfaric outcries in the song on Dovbush. Kolessa makes use of the hut-
teacher since 1940, headmaster during the years of 1953–1965, he took a professor's posi- sulian tonality (a twofold harmonic minor), adapted tonalities, chords not based on thirds,
tion at the conservatoire of Lvov while he worked as conductor in Ivano-Frankovsk and the and pedal points.
opera of Lvov.
The postwar period was a hard time for Kolessa. Under the circumstances of the relentless
His creations stand in the tradition of Lysenko and Lyudkevich as well as Bartók, whose regime of the communist ideology and the persecution of all innovative or sharp criticism
compositions Kolessa held in high esteem. The Hutsulian traditional sources are combined the composer found himself constrained to write with utmost caution. He found a way out
with the avant-gardism, ingenuity and acerbity of the tonal inventory of the first half of in the use of folk motifs, in which his music is particularly rich.
the 20th century. His works mirror lyrical moods, fantastic images inspired by lore and
popular belief, romantically transfigured past and the elemental force of folk dances. This was also the way of Igor Schamo (1925–1982), who considerably enriched Ukrainian
Smaller piano works are combined into cycles (e.g. the Hutsulian Images, Three Kolomiyki, piano literature. Among his piano works we find a Ukrainian Suite, the suites Song of
Four Preludes). The interplay of poetry and lyricism with a blaze of colors and the expression Friends and Songs of Taras (an hommage to the Ukrainian national poet Taras Shevchenko),
of sheer zest for life makes the essence of the Hutsulian Images (1934). a Dancing Suite, twelve preludes and Hutsulian Watercolors.

This suite marks the beginning of the line of “regional” cycles in Ukrainian 20th century Shamo was born and received his musical education in Kiev. His love towards this city
music and displays the richness of nature and music of the respective Region. Kolessa is would last his whole life. During the years of war he was first evacuated to Ufa, where he
correctly taken to be a master of the filigrane, sophisticated piano miniature. This can be went to study at the faculty of medicine. In May of 1942 he went to the front, not to
seen most clearly in his Four Preludes, each written in a different period: the Fantastic return until 1946. His experiences of the war find expression in many of his works.
(1938), Autumnal (1969), Hutsulian (1975), On Dovbush (1982). Due to its agitated emo-
tionality and the author's buoyant romantic expressivity they form a cycle consistent in His work received major influence from Revutsky, with whom he was active in exchanging
imagery and emotional intensity. views while he was studying at the conservatoire (between 1946 and 1950). He was fas-
cinated by Revutsky's ideas to use folklore within classical music. This is how the Ukrainian DANK — ACKNOWLEDGMENT — БЛАГОДАРНОСТЬ
Ich möchte mich bei Familie Obertrifter herzlich für die
Suite (1948), came into being which is unusual as it does away with quotes and actual folk
Unterstützung bedanken. - Many thanks to family Obertrifter for
melodies, but nevertheless manages to render the genuine spirit of Ukrainian melos. the generous support. - Сердечая благодарность семье
Обертрифтер за поддержку.
Violina Petrychenko
The suit consists of four parts, with Duma as the dramatic opening. A staid narration alters
with fierce and agitated outcries in the middle parts. The composer takes as a basis the
typical traits of the Ukrainian folk song: the tonality (Dorian with a raised fourth), the typi-
cal forms of the Kobsar songs: three parts (opening lament, main narration and ending),
the rhythmic and metric variability giving the impression of improvised storytelling. The
Vesnyanka (a ritual invocation of spring) presents us with a contrasting imagery. It revol-
ves around a simple melody based on fifths undergoing variations throughout the whole
composition. The theme resembles the well-known melody of the vesnyanka: come out,
come out, Ivan.

Melody, a beautiful and heartfelt song-like tune, is so close to typical Ukrainian folksongs
in terms of its melodic attributes that it almost painfully stirs up the feeling of something
familiar and intimate. The theme is rendered for several voices, thus imitating a chorus. The
mood conveyed by Melody is close to the cycle's first part, thus drawing parallels.

Dance moves on to the realm of the village fetes and their typical jollity. It reunites the
characteristics of several traditional dances: the arkan, the kozachok (dance of the cossacks)
and the hopak. The melody of Dance is related to the theme of Vesnyanka, as a result of
this, the suite forms a dramatic arc.

In 1964 Igor Shamo created the cycle “Twelve Preludes”. Refined and almost intangible
subtleties in imagery, intonation and facture join the best the genre of prelude had to offer
in the 19th and 20th centuries: the traditions of Chopin, Scriabin, Debussy and Prokofiev. WWW.VIOLINA-PETRYCHENKO.DE
Preludes 2, 3 and 8 constitute their very own micro-cycle. Each of them presents us with
a different depiction of time: eternity and constant change. The second prelude offers an very diverse piece of music captivates by its vivid imagery, the unique combination of folk-
elegiac use of a minor full of character; it's sounds hint at inner grief. A low ostinato brings loristic and jazzy motifs. It demonstrates a wonderful synthesis of Western European and
to mind rustling foliage, the constantly changing outlines of clouds, a distant, indistinct Western Ukrainian cultures.
mutter. On this background rises a sustained, distraught, lyrical, song-like melody.
At the very outset of the work on this program I contacted Yuri Shamo in an attempt to
Prelude №3 turns the page of this diary, these chronicles of turbulent days. It is a time of obtain more of his compositions. But he was already gravely ill at the time, and was un-
change. Here, one hears the roaring of rampant elemental forces. Chasing, leaps, move- able to help me. The hand-written scores were kept in Kiev, where his physical condition
ment, flashing sounds, outcries, grimaces,… A movement knowing no limits, sweeping wouldn't allow him to travel. He was looking forward to the publication of this CD.
away anything in its path. The work is akin to the genres of dramatic scherzo, etude and
toccata. I hope that the music of Ukrainian composers will find an echo in the hearts of European
listeners and rising from oblivion, will be heard in concerts and be found not only in
№8 in f sharp minor. Here time is approached from an epic point of view. Time congealed Ukrainin archives, but also published in Europe.
in the mazes of catacombs, in the strict rhythm of monumental stone pillars. The time of
eternal wisdom and the laconic narration of historiography. The archaic sound of choral
unisons in the utmost registers. A measured, striding rhythm. Repetitive, echo-like reverbe- Violina Petrychenko, Translation Oliver Motz
rations. Time as it sums up all thoughts on life.

The cycle Twelve Preludes is dedicated to his son, the Ukrainian composer Yuri Shamo,
deceased recently after having lived in Germany (Fulda) since the year 2000. Just like his
father, Yuri studied at the Kiev conservatoire. After graduation he was accepted into the
Ukrainian composers' union. He actively engaged in teaching and made a tremendous con-
tribution to the development of Ukrainian music. While he composed in many genres,
piano works constitute a large part of his output. Among his piano compositions we find
15 sonatas, a Carpathian Suite, a suite composed to Andersen's fairy-tales, a suite for
children and others.

The Carpathian Fantasy was written in 1992. The composer said that his attraction to
Western music and culture provided the inital spark for this composition. This unusual,
VIOLINA PETRYCHENKO Konzertpianistin

Violina Petrychenko kommt aus der Ukraine. Sie wurde in Saporoschje als Kind einer
Musikerfamilie geboren, wo sie bereits mit 6 Jahren mit dem Klavierspiel begann. Am
Musikgymnasium in Saporoschje studierte sie in den Hauptfächern Klavier und
Musikwissenschaft. Beide Diplome bestand sie mit Auszeichnung. Violina begann ein
Studium an der Nationalen Tschaikowsky-Musikakademie der Ukraine (Kiew) im Hauptfach
Klavier bei Prof. B. Archimovitsch. Seit 2007 studierte sie an die Hochschule für Musik
„Franz Liszt“ Weimar und dann an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Prof. Jacob
Leuschner weiterhin Klavier. Violina vervollständigt nun ihr Studium in der Klasse von Prof.
Evgueni Sinaiski an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Ausserdem nahm sie an
Meisterkursen bei Peter Nagy, Ferenz Rados, Jeffry Swann, Evgeny Skovorodnikov, Konrad
Elser, Bernd Goetzke und Pierre-Laurent Aimard teil.

Zudem erhielt Violina zahlreiche Auszeichnungen, Stipendien und Förderpreise, u. a. von der
Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, der
Neuen Liszt Stiftung Weimar, Klassik Stiftung Weimar, Anna-Ruths Stiftung, der Stadt Köln,
Werner Richard-Dr. Carl Dörken Stiftung und Theodor-Rogler Stiftung. Für besondere
akademische und künstlerische Leistungen erhielt sie den DAAD-Preis, beim Rosario
Marciano Wettbewerb wurde sie mit einem Diplom ausgezeichnet, beim Medenuswett-
bewerb erhielt sie den Publikumpreis, sowie 2014 den Folkwang-Preis in der Sparte Musik.

Dabei kann sie auf eine sehr aktive Konzerttätigkeit zurückblicken. Konzertreisen führten
sie durch Deutschland, Holland, Frankreich, Spanien, Tschechien und in der Ukraine. Violina
hat mehrmals für Deutschlandradio Kultur sowie Radio und Fernsehen MDR und WDR
gespielt. Sie spielte bei mehreren Festivals (u. a. Bayreuther Klavierfestival, Euro Music
Festival, Rösrath Klavierfestival). Einen großen Teil ihrer Konzerte spielt sie auch als
Kammermusikpartnerin und Liedbegleiterin, sie gründete im Jahr 2011 das Duo Kiol mit der
Saxofonistin Kirstin Niederstraßer. Ausserdem befasst sie sich zusäztlich mit historischen Виолина Петриченко родилась в Запорожье в семье музыкантов. Обучаться
Tasteninstrumenten. Zur Zeit wohnt Violina in Köln und ist Klavierdozentin an der Music музыке начала с шести лет в Детской музыкальной школе при Музыкальном
Academy Köln. Училище имени П.И. Майбороды по классу фортепиано. В 2000 году поступи-
ла в Музыкальное Училище на факультет Музыковедение, годом позже начала
Violina Petrychenko was born in Zaporizhia (Ukraine) into a family of musicians, and began обучение на фортепианном факультете в классе преподавателя А.Казарян. С
to play the piano at 6 years of age. In 2000 she joined the musicology department of отличием окончив оба факультета, поступила в Киевскую консерваторию в
Maiboroda Music Academy to become a music scholar. One year later she began to study класс Б.Архимовича. В 2007 году поступила в Высшую школу музыки в Веймаре
piano performance with A. Kasaryan. She received both diplomas with honours and began (Германия) под руководством Я.Лешнера, у которого она продолжила обучение
her tertiary studies at the “Tchaikovsky” national music academy of Ukraine specialising in с 2010 года в Аспирантуре в Кёльне. В 2011 году основала Дуэт Киоль вместе
piano perfomance. In 2007 she went to study at the Lizst School of Music Weimar с саксофонисткой Кирстин Нидерштрассер. С 2013 года участницы дуэта учат-
(Germany) with Jacob Leuschner as her teacher, with whom she continued her studies in ся в аспирантуре в Эссене (класс Е.Синайского).
Cologne. In 2011 she founded the “Duo Kiol” together with the saxophonist Kirstin
Niederstraßer with whom she studies in the class of E. Sinaiskiy in Essen. Виолина получала мастер-классы у таких всемирно известных пианистов, как:
П.Ночь, Ф.Радош (Венгрия), Д.Свон (США), Е.Сковородников (Канада), К.Ельзер
Violina has taken master classes with world famous pianists such as P. Notch, F. Rados и П.Аимар( Германия). Молодая пианистка - стипендиат многих фондов в
(Hungary), J. Swann (USA), E. Skovorodnikov (Canada), K. Elser and P.-L. Aimard (Germany). Германии – Общество друзей и спонсоров высшей школы музыки в Веймаре,
The young pianist has been awarded scholarships, by the Booster Club of the Lizst School Общество нового фонда Ф.Листа, Классический фонд в Веймаре, фонд Анны
of Music Weimar, the Liszt Foundation, the Weimar Classics Foundation, the Anna Ruths Рутс, стипендия города Кёльна, концертная стипендия Вернера Рихарда Др.
Foundation, the City of Cologne, the Werner Richard-Dr. Carl Dörken Foundation and the Дёркена , фонд Теодора Роглера. За особые заслуги в искусстве получила ДААД
Theodor Rogler Foundation. In 2009 she won the award for excellent performance of inter- Приз. и приз Фолькванга в категории Музыка.Виолина лауреат различных кон-
national students from the German Academic Exchange Service (DAAD). She won prizes at курсов.(Вена, Австрия. Рёсрат Германия)
several competitions (Vienna, Austria. Rösrath, Germany).
Пианистка ведет активную концертную деятельность, играет концерты и была
Besides giving concerts she also played on festivals in Spain, the Netherlands, France, гостем на фестивалях в Испании, Голландии, Франции, Германии, Австрии и в
Germany Austria and other countries. On many occasions Violina performed on TV and других странах. Виолина много раз выступала на радио и ТВ в Германии (WDR,
radio in Germany (WDR, MDR), Spain and Ukraine. As of 2014 Violina lives in Cologne and MDR, немецкое радио культуры ), Испании, Украины.
works as a piano instructor at the Music Academy of Cologne.
В настоящий момент Виолина живет в Кельне и является Доцентом в Академии
музыки Кельна.