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Vorurteile überwinden

In diesem Kapitel wirst du

• über die Begegnung mit fremden Menschen und Kulturen nachdenken.


• über Vorurteile in verschiedenen Bereichen des Lebens diskutieren.
• dich damit auseinandersetzen, wie Menschen, die sich fremd sind,
miteinander umgehen.
• erfahren, wie Menschen fremde Kulturen kennenlernen können.
• lernen, wie Vorurteile entstehen und was Menschen unternehmen können,
um sie zu überwinden.
• Möglichkeiten entwickeln, an der Überwindung von Vorurteilen mitzuwirken.
• fremde Menschen und Kulturen als Bereicherung kennenlernen.

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4 Vorurteile überwinden

Seltsam fremd Neu in der Stadt


Das ist Fatima, eure Guckt mal, da ist die
neue Mitschülerin. Neue. Ich finde sie
M 1 irgendwie komisch. M 2 Fatima stammt aus der Türkei,  siehe auch Seite 80
lebt mit ihrer Familie aber schon
seit einigen Jahren in Deutsch-
land. Sie spricht gut deutsch. Für
Fatima war es damals nicht leicht,
sich an das neue Land zu gewöh-
nen. Aber schon sehr bald hat
sie sich gut eingelebt und viele
Freunde gefunden.
Jetzt ist Fatimas Familie wieder in
Wo kommst du Aus der Türkei, aber wir Fatima, das sind eine neue Stadt gezogen, weil ihr
eigentlich her? wohnen schon seit ein paar meine Freunde: Lea, Vater neue Arbeit gefunden hat.
Jahren in Deutschland. David und Lukas. Fatima muss an eine neue Schule.
Alles ist ihr erst einmal fremd.
Sie fragt sich, ob die anderen Kinder sie mögen werden, ob sie nette
Freunde findet und ob ihr die Schule dort Spaß machen wird.
Aus religiösen Gründen trägt Fatima ein Kopftuch. Sie ist Muslimin.
Mit ihren Eltern geht sie regelmäßig in die Moschee.

„Integration“
Aufgaben Der Begriff Integration
Ich bin Muslimin. Bei Warum hast du so ein
beschreibt die Aufnah-
uns tragen das viele Kopftuch auf? 1. Sieh dir die Foto-Story an: Wie ist die Situation in der Klasse? me von Menschen mit
Frauen und Mädchen.
Wie fühlt sich Fatima? Was ist ihr fremd?  M 1 ausländischer Herkunft
2. Welche Gedanken haben die anderen Kinder? Beschreibe, in ein neues Land. Damit
Ob sie mich Integration gelingt,
welche Vorurteile sie haben könnten.
mitspielen lassen? müssen sich diese
3. Entwickle Möglichkeiten, wie die Kinder diese Vorurteile Menschen willkommen

?
überwinden können. fühlen, aber auch die
4. Male oder schreibe die Geschichte zu Ende. Landessprache und die
5. Spielt die Geschichte als Rollenspiel: Annika zeigt Ein­ sozialen Regeln lernen.
fühlungsvermögen. Wie verhalten sich die anderen?
6. Hast du schon einmal eine ähnliche Situation erlebt wie
Fatima? Erzähle davon.  M 2 Rollenspiel
Seite 165
7. Wie kann Integration gelingen? Erzähle von einem
Beispiel.

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4 Vorurteile überwinden

Typisch … Bin ich Ausländerin?


M 1 M 4 Fatima erzählt: „Wenn die Leute sehen,
Deutsche sind … träge unbeliebt dass ich ein Kopftuch trage, denken sie
ehrlich
gleich, ich sei eine Ausländerin. Stimmt
Türken sind …
freundlich das? Ich lebe doch schon so lange in
Franzosen sind … arm Deutschland und fühle mich hier zu
schön Hause. Ich fühle mich nicht wie eine
Spanier sind … hässlich Ausländerin. Allerdings fühle ich mich
auch in der Türkei noch sehr wohl. Wenn ich aber mit meiner Familie
intelligent
Italiener sind … ordentlich im Urlaub dort zu Besuch bin, heißt es: ‚Wie schön, die Deutschen
kommen uns besuchen!’
Chinesen sind … temperamentvoll
fleißig
Obwohl ich gebürtige Türkin bin, spreche ich mittlerweile besser
Japaner sind … deutsch als türkisch. Außerdem habe ich nie gelernt, türkisch
aggressiv zu schrei­ben. Auch manche Traditionen und Gewohnheiten der
Afrikaner sind … reich Menschen in der Türkei sind mir fremd. In Deutschland wiederum
werden Feste gefeiert, die es in meiner Familie nicht gibt,
M 2 Was sind Vorurteile? z. B. Weihnachten. Wo darf ich mich denn nun zu Hause fühlen?“

Wenn Menschen Vorurteile haben, bewerten sie etwas sehr schnell,


„Verallgemeinerung“ ohne viel darüber zu wissen. Sie haben sich zu einem bestimmten Aufgaben
Verallgemeinerung
Thema eine Meinung gebildet, die auf einer Verallgemeinerung be-
bedeutet, dass man
eine Erfahrung mit einer
ruht, aber nicht bewiesen werden kann. Vorurteile beziehen sich 1. Bilde Sätze, die dir wahr erscheinen.  M 1
Person auf alle Personen häufig auf bestimmte Gruppen wie z. B. Völker, religiöse Gemein­ 2. Diskutiert in der Klasse darüber, ob diese Aussagen wirk- Diskutieren
dieser Gruppe überträgt. schaften, Berufsgruppen oder das Geschlecht. lich wahr sind. Welche Aussagen haltet ihr für Vorurteile oder Seite 172
Klischees?
M 3
3. Es gibt nicht nur Vorurteile gegenüber Menschen verschiede-
Dein Christus ein Jude
ner Nationalitäten. Welche weiteren Vorurteile kennst du?
Dein Auto ein Japaner
Deine Pizza italienisch 4. Begründe mit eigenen Worten, wie Vorurteile und
Deine Demokratie griechisch Klischees entstehen können.  M 2 „Klischee“
Dein Kaffee brasilianisch 5. Erkläre, was das Plakat ausdrücken soll. Kann es Fatima helfen, Ein Klischee ist eine
feste Vorstellung von
Dein Urlaub türkisch sich nicht mehr fremd zu fühlen?  M 3
Deine Zahlen arabisch etwas, das nicht der
6. Beschreibe Fatimas Gefühle. Warum fühlt sie sich fremd?  M 4 Wirklichkeit entspricht.
Deine Schrift lateinisch
7. Ergänze die folgenden Sätze:
Und dein Nachbar nur ein Ausländer?
Fremd sein heißt für mich …
 Unbekannter Autor
Zu Hause sein heißt für mich …

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4 Vorurteile überwinden

Typisch Mädchen – typisch Junge Wirklichkeit und Medien


M 1 Mädchen und Jungen sind sich manchmal fremd. Manchmal kommt M 2 Unsere Wirklichkeit ist von Medien ge- „Medien“
es einem vor, als wäre das andere Geschlecht von einem anderen prägt. Pausenlos werden wir von Inter- Medien können auch als
Kommunikationsmittel
Stern. „Jungen sind immer so …“ oder „Mädchen sind immer so …“ net, Fernsehen, Zeitungen, dem Radio
bezeichnet werden.
Solche Sätze hast du bestimmt schon gehört und vielleicht auch und anderen Medien mit Informationen Durch Medien werden
selbst schon gesagt. Es gibt in unserer Ge- versorgt. Das, was wir in den Medien se- mithilfe von Schrift, Bild
sellschaft bestimmte Vorstellungen von den hen und hören, beeinflusst unser Leben. oder Ton Informationen
„Geschlechterrollen“ Geschlechter­rollen, Nicht alles, was uns die Medien zeigen, entspricht aber der Wirklich- übermittelt.
Geschlechterrollen sind die ein Mädchen bzw. keit. Berühmte Menschen zum Beispiel werden oft so dargestellt, als
Verhaltensmuster, die in
eine Frau oder ein wären sie immer schön und hätten ein perfektes Leben. Dies ist zwar
einer Kultur als typisch
weiblich oder männlich
Junge bzw. ein Mann nicht Realität, beeinflusst aber unser Denken. Falsche Vorbilder und
angesehen werden. ausfüllen soll. Vorurteile können dadurch entstehen.
 siehe auch Seite 14
Projekt Talkshow

Diskutiert in einer Talkshow über Medien. So geht ihr vor:


1. Legt ein genaues Thema fest (z. B. „Die Darstellung von
Projekt „Ich sehe jemanden, den du nicht siehst!“ Männern und Frauen im Fernsehen“).
2. Verteilt die Rollen (Moderator, Befürworter und Gegner,
„analysieren“ In diesem Projekt werdet ihr analysieren, welche Merkmale eines Experten zum Thema: Model, Schauspieler usw.).
Analysieren bedeutet, Menschen besonders weiblich und welche besonders männlich 3. Schreibt euch das, was ihr in der Talkshow sagen möchtet, vor- Diskutieren
einen Gegenstand oder Seite 172
sind. Dazu spielt ihr Pantomime und lasst eure Mitschüler erraten, her in Stichpunkten auf Karteikarten (z. B. eure Argumente).
die Eigenschaften oder
Verhaltensweisen einer
wen ihr gespielt habt. So geht ihr bei diesem Projekt vor: 4. Los geht’s! Diskutiert in der Talkshowrunde!
Person zu untersuchen. 1. Suche dir eine beliebige Person aus, z. B. einen Mitschüler oder
eine prominente Persönlichkeit.
2. Beschreibe die äußeren Merkmale wie Größe, Haarfarbe und Aufgaben
Kleidung dieser Person.
3. Wie ist die Körpersprache dieser Person? Welche Charakterei- 1. Typisch Mädchen – typisch Junge: Sammelt in einem
genschaften lassen sich an ihrer äußeren Erscheinung ablesen? Brainstorming eure Gedanken zum Thema. Brainstorming
„Umgangsformen“ Welche Umgangsformen hat die Person? 2. Sieh dir die Bilder an. Müssen Mädchen und Jungen immer Seite 164
Eine Umgangsform ist 4. Stelle deine ausgewählte Person pantomimisch dar. Deine Mit- ihren Rollen entsprechen?  M 1
die Art und Weise, wie
schüler müssen erraten, wen du gespielt hast. 3. Menschen werden in den Medien unterschiedlich dargestellt.
sich jemand gegenüber
einer anderen Person
5. Sprecht in der Klasse darüber, welche Merkmale ihr für beson- Entspricht diese Darstellung der Wirklichkeit?  M 2
verhält. ders männlich oder für besonders weiblich haltet. Kann man 4. Führt eines der beiden Projekte gemeinsam durch.
das immer so genau bestimmen? 5. Bringt Zeitschriften mit. Gestaltet eine Collage.

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4 Vorurteile überwinden

Unsere Sinne können uns täuschen Vorurteile gegen Menschen mit Behinderungen

M 2  siehe auch


Man unterscheidet M 1 Auf diesen Bildern „Wie die schon aussieht …“ „Das schafft der nie!“ Seite 82 – 85
fünf Sinne: sehen, siehst du, wie unsere
hören, riechen, schme- „Die sind zu nichts nütze.“
Sinne uns täuschen
cken, tasten.
können. Oft nehmen
wir etwas anders
M 3
wahr, als es in Wirk-
lichkeit ist. So können uns Dinge und Menschen fremd erscheinen.
Wir entwickeln Vorurteile, weil wir sie durch unsere „persönliche Brille“
„Wahrnehmung“ betrachten. Dabei kann unsere Wahrnehmung einseitig sein oder nur
Wahrnehmung bedeu- einen Teil der Wirklichkeit zeigen.
tet, dass man über die
Augen, die Nase, die
Ohren, den Mund oder
Projekt Sinnesübungen
die Haut Informationen
aufnimmt. Bei diesem Projekt übt ihr, alle Sinne zur Wahrnehmung
eurer Umgebung einzusetzen. So geht ihr vor:
Übung 1 – Sinnesparcour
1. Baut in eurer Klasse verschiedene Stationen zum Riechen,
Schmecken und Fühlen auf. Wählt dazu zunächst die Gegen- Aufgaben
stände aus (z. B. Zitronen, Watte …).
2. Besucht die einzelnen Stationen nacheinander. Riecht, 1. Überlege, wie unsere Sinne uns manchmal täuschen.  M 1
schmeckt und fühlt mit geschlossenen Augen. Wie nehmt ihr 2. Erinnerst du dich an eine Situation, in der deine Wahrneh-
die Gegenstände und Gerüche ohne Augen wahr? mung dich zu Vorurteilen gegenüber Menschen verleitet hat?
Übung 2 – Blindenführung 3. Lies dir die Aussagen über Menschen mit Behinderungen
1. Bildet Zweierpaare. Einer von euch verbindet durch. Welche Vorurteile kennst du?  M 2
sich die Augen. Er ist jetzt „der Blinde“, der 4. Was sagt der Comic über unsere Wahrnehmung aus?  M 3
geführt werden muss. Der „sehende“ Mit- 5. Menschen mit Behinderungen haben häufig einen oder meh-
schüler führt ihn nun durch die Schule. rere Sinne, mit denen sie besonders intensiv wahrnehmen.
2. Der Führende begleitet den „Blinden“ vorsichtig und verantwor- Kennst du Beispiele dafür?
tungsvoll. Er achtet auf Hindernisse und hilft seinem Mitschü- 6. Menschen mit Behinderungen können herausragende Leistun-
ler, indem er ihn an verschiedenen Stellen der Schule seine gen erzielen. Das zeigen sie z. B. bei den Paralympics. Erkundigt „Paralympics“
Umgebung ertasten lässt. Der „Blinde“ sollte dabei gut auf euch im Internet darüber. Paralympics sind Olym-
pische Spiele für Men-
seine Bewegungen achten. 7. Führt gemeinsam das Projekt Sinnesübungen durch. Be-
schen mit körperlichen
3. Sprecht zum Abschluss in der Klasse über eure Erfahrungen. schreibt, was ihr besonders intensiv wahrgenommen habt. Behinderungen.

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4 Vorurteile überwinden

Vorurteile überall
Vorurteile gibt es überall, wo Menschen zusammenleben. Aber wie M 3 Weitere Tipps zum
kann man Vorurteile überwinden? Menschen finden unterschiedliche Thema unter
Wege, wie sie mit Vorurteilen umgehen. www.gesichtzeigen.de
der gast
gäste
M 1 habe ich gerne
Ein kurze Definition des Vorurteils: ich lade sie ein

Von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht denken. ich freu mich
wenn sie kommen
Gordon W. Allport
 Gordon W. Allport ich freu mich
(1897 – 1967),
wenn sie gehen
amerika­nischer
Psychologe

Kein Mensch ist ohne Vorurteile. Ein Vorurteil ist schwerer zu


Albert Einstein spalten als ein Atom.
(1879 – 1955),
der zaun
 Autor unbekannt  Albert Einstein der fremde
bekannter Physiker zäune
und Nobel­preisträger schützen mich fremde
ich fühle mich sind keine gäste
sicher vor fremdem ich habe
M 2 Lasse redn
ich fühle mich sie nicht eingeladen
Hast du etwas getan, was sonst sicher vor fremden ich habe
ich lass mich angst vor ihnen
keiner tut?
nicht gerne verunsichern ich kann mich
Hast du hohe Schuhe oder gar
oder sind fremde – gäste? nicht an sie gewöhnen
einen Hut?
Oder hast du etwa ein zu kurzes
„Toleranz“
Kleid getragen? Aufgaben Toleranz bedeutet, die
Ohne vorher deine Nachbarn um Erlaubnis zu fragen? Meinungen, Verhal-
1. Erörtert in Partnerarbeit, ob die Aussagen in  M 1 stimmen. tensweisen, Religionen,
Jetzt wirst du natürlich mit Verachtung gestraft, Sitten und Gebräuche
2. Setze dich mit dem Lied von den Ärzten in  M 2 auseinander.
bist eine Schande für die ganze Nachbarschaft. anderer Menschen zu
Hörst du ähnliche „Sprüche“ in deiner Umgebung? Wie kannst
Du weißt noch nicht einmal genau, wie sie heißen, dulden.
du dich verhalten, um damit richtig umzugehen?
während sie sich über dich schon ihre Mäuler zerreißen.
3. Beurteile den Ratschlag: „Lass die Leute reden.“
Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu. 4. Arbeite heraus, welche Einstellungen Fremden (oder Gäs-
Die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun. ten) gegenüber in dem Gedicht ausgedrückt werden.  M 3 Diskutieren
Seite 172
Lass die Leute reden, bei Tag und auch bei Nacht. 5. Diskutiert darüber, ob Toleranz die richtige Haltung ist, um
Lass die Leute reden – das haben die immer schon gemacht. Vorurteilen zu begegnen.
 Die Ärzte

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4 Vorurteile überwinden

Rassismus und Sklaverei M 3 Romanauszüge aus „Onkel Toms Hütte“

„rassistisch“ M 1 Im 16. Jahrhundert begann in Nordamerika der Sklavenhandel. Afrika- Auszug aus Seite 8 im Roman:
Rassistisch ist jemand, nische Menschen wurden aus ihren Familien gerissen, nach Nordame- „Nun“, entgegnete der Händler, „ich tue ja alles, was man als vernünftiger Mensch
der Menschen auf-
rika verschleppt und dort wie Tiere verkauft. Ihre Arbeitskraft wurde gerade noch tun kann, um Freunden gefällig zu sein. (…) Haben Sie denn keinen
grund von Nationalität,
Herkunft oder Hautfarbe
von den rassistischen „weißen Herren“ hemmungslos ausgenutzt. Jungen oder kein Mädchen, das sie mir zusätzlich zu Onkel Tom verkaufen könnten?“
benachteiligt. Die Gefühle der Menschen spielten dabei keine Rolle. Sie wurden
Auszug aus Seite 175 im Roman:
gnadenlos diskriminiert. Es ist heute unvorstellbar, dass noch bis Mitte
„Nun, Tom“, sagte St. Clare eines Tages, ich will dich zu einem freien Mann machen.“
„diskriminieren“ des 19. Jahrhunderts Menschen als Sklaven ausgenutzt wurden.
Diskriminieren bedeutet,
(...) In Toms Gesicht blitzte ein Freudenstrahl auf. Er hob seine Hände zum Himmel
eine Person oder Per- auf und sagte jubelnd: „Gott sei gelobt!“ St. Clare war nicht gerade begeistert, dass
sonengruppe abzuwer- Tom so leicht bereit war, ihn zu verlassen, und er sagte trocken: „Du hast es hier nicht
ten und ungerecht zu so schlecht gehabt, dass du Ursache hättest, dich so sehr zu freuen, Tom!“
behandeln.
Auszug aus Seite 195 im Roman:
„Hier, Sambo, bring diese Burschen in ihre Quartiere!“, befahl Legree, indem er Tom
und seine Gefährten dem Aufseher übergab. Das Sklavenquartier bestand aus einer
kleinen Reihe roher Hütten. In keiner gab es irgendwelche Möbel, nur ein schmut-
ziger Strohhaufen lag auf dem nackten Erdboden. „Welche von diesen Hütten wird
die meine sein?“, fragte Tom Sambo unterwürfig. „Ich weiß nicht; du kannst hier
mit hineinkriechen“, erwiderte Sambo, „ist wohl noch Platz da für einen.“
 Harriet Beecher-Stowe

Aufgaben

M 2 Onkel Toms Hütte 1. Beschreibe die Lebenssituation der Sklaven mithilfe des Textes.
Im Jahr 1853 erschien ein Buch mit dem Titel „Onkel Toms Hütte“, das Arbeite die Einstellung der Menschen gegenüber den Sklaven
auch heute noch zu den Bestsellern der Kinder- und Jugendbuchlite- damals heraus.  M 1
ratur gehört. Die Autorin Harriet Beecher-Stowe schildert darin das 2. Siehst du einen Zusammenhang zwischen Sklaverei und Vorur-
Schicksal der Sklaven auf den Plantagen in den Südstaaten Amerikas. teilen? Wie hat man damals über Menschen mit einer anderen
In dem Buch wird mit sehr viel Spannung die Lebensgeschichte von Hautfarbe gedacht?
Onkel Tom erzählt, einem schwarzen Sklaven, der von seinem bisheri- 3. Erörtert, warum das Buch „Onkel Toms Hütte“ im 19. Jahr-
gen Herrn aus Finanznot an einen grausamen Sklavenhändler verkauft hundert keinen Verlag fand.  M 2
wird. 4. Versetze dich in Toms Lage. Wie fühlt er sich in den beschrie­
Zunächst fand sich nur schwer ein Verlag für dieses Buch, jedoch wur- benen Situationen?  M 3 Diskutieren
Seite 172
den bereits bei seinem ersten Erscheinen in den USA 300.000 Exem­ 5. Gibt es auch moderne Formen von Sklaverei?
plare verkauft. Innerhalb der ersten zwei Jahre wurde es in 17 Spra- Diskutiert darüber und schreibt Beispiele auf.
chen übersetzt.

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4 Vorurteile überwinden

Gegen Vorurteile und Diskriminierung Vertiefungsseite: Die Apartheid

„Rassismus“ Martin Luther King (1929 – 1968) kämpfte in Amerika für die Gleich- M 1 Auch in Südafrika gab es eine Phase der strikten Rassentrennung. Diese Zeitspanne, „Apartheid“
Rassismus ist die Be- berechtigung der schwarzen Bevölkerung. Durch gewaltlosen Wi- die Anfang des 20. Jahrhunderts begann und bis in die 1990er-Jahre hineinreichte, Der Begriff Apartheid
nachteiligung aufgrund nennt man Apartheid. Das bedeutet, dass in den Bereichen des öffentlichen Lebens kommt aus der südaf-
derstand erreichte er die Aufhebung der Rassentrennung und das
von Nationalität, Her- eine strikte Trennung in weiße und schwarze Bereiche stattfand. So lebten die rikanischen Sprache
kunft oder Hautfarbe.
volle Wahlrecht in den amerikanischen Südstaaten. 1964 erhielt er für Schwarzen in speziellen Wohngebieten, sogenannten Townships. Afrikaans und bedeutet
seinen friedlichen Einsatz den Friedensnobelpreis. Martin Luther King Trennung.
„Friedensnobelpreis“ Es gab getrennte Schulsysteme. Eheschließungen von
Der Friedensnobelpreis
gab auch Anstöße zur Gleichberechtigung für die schwarze Bevölke-
Schwarzen und Weißen waren nicht erlaubt. Auch gab
ist ein Preis, der an dierung in der ganzen Welt. Eine seiner Reden bei einer großen Demon­
es kein Wahlrecht für die Schwarzen. Die weiße Bevölke-
Menschen vergeben stration, die 1963 in Washington stattfand, ist weltbekannt geworden: rung hatte die politische und wirtschaftliche Macht inne
wird, die sich in be­ und genoss darüber hinaus zahlreiche Privilegien. „Privileg“
sonderem Maße für
M 1 I have a dream – Ich habe einen Traum Viele Menschen kämpften für die Gleichberechtigung Der Begriff Privileg
Frieden einsetzen. bedeutet Vor- oder
von Schwarzen und Weißen, darunter ein Mann, der
für sei­nen Einsatz sogar ins Gefängnis gehen musste: Sonderrecht.
„Ich habe einen Traum, dass
Nelson Mandela. Erst nach 27 Jahren kam er wieder frei.
meine vier kleinen Kinder eines
Nelson Mandela
Tages in einer Nation leben M 2
werden, in der sie nicht an der
Farbe ihrer Haut, sondern am
Wesen ihres Charakters beurteilt
werden.“
Martin Luther
King
Barack Obama
1968 wurde Martin Luther King von einem Rassisten erschossen.
Vierzig Jahre nach seiner Ermordung wurde Barak Obama in den USA Aufgaben
Präsident. Er ist dort der erste schwarze Präsident, den es je gegeben
hat. 1. Erkläre, was Apartheid bedeutet.  M 1
2. Recherchiere in der Bibliothek oder im Internet zum Thema Apart- Internetrecherche
Aufgaben heid: Was haben die Menschen in Südafrika gegen Vorurteile und Methodenseite 175
Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung unternommen?
1. Überlege, warum die schwarze Bevölkerung in Amerika dis­ 3. Setze die Rede „I have a dream“ mit dem Präsidenten der Ver­
kriminiert wurde. Welche Rolle spielten dabei Vorurteile? einigten Staaten, Barack Obama, in Beziehung.  M 2
2. Erkläre, welchen Traum Martin Luther King in seiner Rede für 4. Welche Bedeutung hat die Wahl eines schwarzen Präsi-
seine Kinder hat?  M 1 denten für die Gleichberechtigung der Völker auf der Welt?
3. Recherchiere die gesamte Rede von Martin Luther King Diskutiert darüber. Diskutieren
Seite 172
im Internet. Lies die Rede und arbeite heraus, in welchen Be­ 5. Martin Luther King praktizierte gewaltlosen Widerstand. Was
reichen er Gleichberechtigung fordert. bedeutet das? Was hältst du davon? Begründe.

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4 Vorurteile überwinden

Ursachen und Folgen von Vorurteilen


M 1 Kaan erzählt: „In unserer Schule wurde vor M 3
einiger Zeit eingebrochen. Ein Computer und Einfluss durch Medien ?
das Geld aus mehreren Klassenkassen wur-
den gestohlen.
Sofort verdächtigte man mich und einige Ursachen
andere Schüler aus Zuwanderungsfamilien,
obwohl sie sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen hatten.
Später stellte sich heraus, dass drei Deutsche, die gar nicht auf unsere Vorurteile „Integration“
Schule gehen, für die Tat verantwortlich waren. Wenn etwas gestohlen Der Begriff Integration
beschreibt die Aufnah-
wird, verdächtigen sie immer zuerst uns „Ausländer“. Wir sind immer
me von Menschen mit
an allem schuld!“ ausländischer Herkunft
Folgen
in ein neues Land. Damit
M 2 Integration gelingt,
rein nicht mehr
er Behinderung darf im Ve müssen sich diese
Mädchen mit körperlich
Entstehung von Menschen willkommen
Tennis spielen! Feindbildern
? fühlen, aber auch die
mit Gleichaltrigen
kleine Sophie nicht mehr Landessprache und die
In Wellingsbüttel darf die stungsniveau
n, da sie we gen ein er Gehbehinderung das Lei sozialen Regeln lernen.
Tennis spiele deren Kinder Aufgaben
gt. Au fgr un d de r Be sch werden von Eltern der an
beeinträchti
die Mitgliedschaft. (…)
kündigte der Sportverein 1. Stellt Kaans Situation in einem Standbild dar und ent­ Standbild mit
Stimmenskulptur
wickelt eine Stimmenskulptur dazu: Was könnte Kaan sagen?
Seite 166 – 167
 M 1
2. Überlege, welche Vorurteile zu den Verdächtigungen führen.
Asylbewerber in U-Bahn zusammen
geschlagen Entsprechen diese Vorurteile einem Feindbild?  M 1
Schwer verletzt wurde am Abend ein 3. Kennst du ähnliche Situationen aus deiner Umgebung? „Feindbild“
aus Nigeria stammender
Asylbewerber in das Stadtkrankenha Erzähle von Erfahrungen in deiner Familie, der Schule usw. Ein Feindbild entsteht,
us eingeliefert. (…) wenn das Andere oder
4. Lies die Zeitungsausschnitte: Welche Vorurteile erkennst du
das Fremde bei anderen
hier?  M 2 Menschen als extrem
5. Du hast schon viel über Vorurteile gelernt. Was könnten die negativ angesehen wird.
Ursachen und Folgen der Vorurteile in  M 1 und  M 2 sein?
ngelnder Beweisl ast wieder auf
Wohnungsloser wird aufgrund ma 6. Was bedeutet Integration für die betroffenen Menschen?
freien Fuß gesetzt 7. Erarbeitet mithilfe der Think-Pair-Share-Methode eine Think-Pair-Share
Seite 169
ry B. in einem Supermarkt (…) Mindmap zu Ursachen und Folgen von Vorurteilen. Beginnt die
Angeblich soll der wohnungslose Har
Mindmap wie in  M 3.

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4 Vorurteile überwinden

Schüler gegen Vorurteile


„Einfühlungs- M 1 Auch eure Schule ist ein Ort, an dem viele Menschen mit unterschied- M 2
vermögen“ lichen Lebensläufen und Hintergründen aufeinandertreffen: Schüler
Einfühlungsvermögen
verschiedener Nationalitäten, Hautfarben, Religionen und vielleicht
bedeutet, sich in eine
andere Person hinein-
auch Schüler mit Behinderungen. Zeigt euer Einfühlungsvermögen
zuversetzen, um deren und versucht, Vorurteile abzubauen!
Gefühle und das Verhal- Das Projekt „Schule ohne Rassismus“ von der „Aktion Courage – SOS
ten nachvollziehen zu Rassismus“ kann euch dafür ein Vorbild sein. Die „Aktion Courage –
können.
SOS Rassismus“ wurde im Jahre 1992 gegründet. Es war das Jahr, in
dem in der Stadt Mölln eine türkischstämmige Familie nach einem
Weitere Infos zu Anschlag in ihrem Haus verbrannte. Es war auch das Jahr, in dem
Projekten gegen Menschen in Rostock versuchten, ein von Asylbewerbern bewohntes
Rassismus unter
Haus zu stürmen, ohne daran von der Polizei gehindert zu werden.
www.aktioncourage.org
oder www.schule-ohne-
Außerdem war es das Jahr, in dem die Bürger in der Stadt Hoyers-
rassismus.org werda Spalier standen und Beifall klatschten, als Ausländer unter
Polizeischutz die Stadt verlassen mussten, um vor der Gewalt ihrer
deutschen Nachbarn geschützt zu werden. Die „Aktion Courage“ nahm
es sich deshalb zum Ziel, aktiv gegen Rassismus vorzugehen und sich
dafür einzusetzen, dass Menschen ausländischer Herkunft stärker in
die Gesellschaft integriert werden.

Projekt „Aktiv gegen Vorurteile“ Aufgaben


„Gesellschaft“
Der Begriff Gesellschaft Dieses Projekt hilft euch, selbst etwas gegen Vorurteile an eurer 1. Lest den Text und tauscht euch darüber aus, welche verschie-
meint eine Gruppe von Schule zu unternehmen. So geht ihr dabei vor: denen Hintergründe und Religionen die Schüler an eurer
Menschen, die zusam-
1. Entwickelt eine Umfrage. Überlegt euch dafür, welche Fragen Schule haben.  M 1
men leben.
wichtig sind (z. B. „Unter welchen Vorurteilen leidet unsere 2. Erkläre, was 1992 in Deutschland passiert ist. Wie konnte
Schule am meisten?“ oder „Wie kann jeder etwas tun, um Vor­ es zu solchen Fällen von offenem Rassismus kommen?  M 1
urteile an unserer Schule abzubauen?“). 3. Kennst du weitere Beispiele von Rassismus? Kannst du per­
2. Führt die Befragung mit möglichst vielen Lehrern und Schülern sönlich etwas dagegen unternehmen?
durch und haltet die einzelnen Ergebnisse fest. 4. Führt das Projekt „Aktiv gegen Vorurteile“ an eurer Schule
3. Vergleicht die Ergebnisse der Umfrage und überlegt euch, was durch.
ihr an eurer Schule unternehmen solltet. 5. Wähle eine Person auf dem Plakat aus. Begründe aus ihrer
Plakat 4. Gestaltet mit euren Ergebnissen Plakate, die ihr in der Schule Perspektive die Überschrift des Plakats „Vielfalt statt Einfalt“.
Methodenseite 175 aufhängt.  M 2

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4 Vorurteile überwinden

Fremden Kulturen begegnen


M 1 Oft staunen wir auf Ferienreisen über schöne Landschaften und Na- „Stell dir vor, wir feiern Silvester gleich dreimal.
turwunder in fremden Ländern. Die Bräuche und Sitten machen uns Zunächst schmücken wir unser Haus und essen sehr
neugierig und sind uns manchmal erst einmal fremd. lecker. Dann begrüßen wir das neue Jahr, indem wir
„Kultur“ Wenn wir die Menschen und Kulturen anderer Länder kennenlernen, jedes Mal Knaller in die Luft schießen: um 19.00 Uhr
Kultur bezeichnet die kann das helfen, Vorurteile zu überwinden oder sie gar nicht erst ent- für das neue Jahr in Kasachstan, um 22 Uhr für das neue Jahr in Russ-
Werke, die der Mensch
stehen zu lassen. Respekt und Toleranz sind wichtige Voraussetzun- land und um 00.00 Uhr für Deutschland.“
selbst durch Handeln
gen, um angemessen mit kulturellen Unterschieden umzugehen. „Kasachstan“
erschafft. Zur Kultur Projekt „Feste feiern“ Kasachstan ist ein Staat,
gehören Traditionen, die
der in Osteuropa liegt.
Kunst und die Musik,
aber auch die Lebensart
Bei diesem Projekt sollt ihr euch gegenseitig davon erzählen, Dort leben heute noch
welche Feste ihr in euren Familien feiert und ein gemeinsames Menschen, deren Vor-
im All­gemeinen.
fahren aus Deutschland
Fest in der Klasse organisieren. So geht ihr vor:
kamen. Nachdem sie oft
1. Tauscht euch darüber aus, wie ihr zu Hause verschiedene Feste über mehrere Genera-
feiert. Erzählt, wie eure Familien diese Feste gestalten. tionen in Kasachstan
2. Plant ein Fest für eure gesamte Klasse: Sammelt Ideen, was für gelebt haben, kehren
euch zu einem Klassenfest dazugehört. manche von ihnen jetzt
wieder nach Deutsch-
3. Alle sollten etwas zum Fest beisteuern, zum Beispiel eine
M 2 Kinder feiern verschiedene Feste land zurück.
typische Speise aus der eigenen Familie.
In Deutschland leben viele Menschen, die aus verschiedenen Kulturen 4. Feiert euer Fest, probiert das Essen und erzählt euch gegen­
kommen. Sie haben unterschiedliche Feste und Bräuche. Lernt man ei- seitig von den Bräuchen in euren Familien.
nen neuen Brauch kennen, so wirkt dieser oft erst einmal ungewöhn-
lich. Wenn wir aber fremden Bräuchen offen begegnen, können wir
Aufgaben
Neues, Spannendes und Interessantes entdecken.

Maria erzählt: „In meiner Heimat Mexiko spielen wir bei Festen oft ein 1. Welches Bild macht dich besonders neugierig? Für welches
lustiges Spiel, dass sich Piñata nennt. Die Piñata ist eine Pappfigur, in Land steht das Bild?  M 1
der Obst und Süßigkeiten versteckt 2. Begib dich auf eine Fantasiereise in dein ausgewähltes Land. Fantasiereise
sind. Sie hängt an einem Seil in der Welche Feste könnten in diesem Land gefeiert werden? Nimm Methodenseite 178
Luft. Den Kindern werden die Augen in deiner Fantasie an diesem Fest teil.
verbunden. Nun darf jedes Kind drei- 3. Um welche Feste geht es in diesen Beispielen? Wie feiern die
mal mit einem Stock auf die Piñata Kinder die Feste, von denen sie erzählen?  M 2
schlagen. Wenn diese zerbricht, reg- 4. Befragt Menschen aus eurem Umfeld, welche Feste sie
net es Süßigkeiten und alle Kinder feiern und wie sie diese gestalten.
dürfen sich daran bedienen.“ 5. Gibt es Feste und Bräuche, die dir fremd sind oder die du nicht
magst? Wie könntest du das ändern? Begründe deine Antwort.

114 115
4 Vorurteile überwinden

Ich blicke zurück


M 1

M 2

ranz
Reicht Tole
Vorurteilen
allein, um
en?
zu begegn
Kann Fre
undschaf
Vorurteile t
Wie würdest d über­
u winden?
dich jetzt verh
wenn ein neue
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Schüler in die
r Einstellung ge
Men-
Klasse käme? über fremden
rt?
schen verände

Aufgaben

1. Betrachte die Fotos. Suche dir eines aus und erkläre, was du in
diesem Kapitel gelernt hast.  M 1
2. Erinnere dich an die Geschichte von Fatima. Versuche, die Fra-
gen um das Bild herum für dich zu beantworten.  M 2
3. Gestaltet in einer Kleingruppe eine Collage zum Thema „Begeg-
nung mit Fremdem“. Benutzt dafür Zeitschriften und Reisepro-
spekte. Drückt auf den Collagen aus, was euch beeindruckt und
Online-Link was euch befremdet. Zeigt schöne Seiten der Begegnung, aber
006579-0004
Unter diesem Link kannst du
auch die Schattenseiten.
dich selbst überprüfen.

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