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Motivbündelung der Nibelungensage im frühen Mittelalter

Thema meines Vortrages ist die Motivbündelung der Nibelungensage im frühen


Mittelalter, mithin, welche historischen Ereignisse, Motive und Persönlichkeiten
haben in das Nibelungenlied, die Nibelungensage Eingang gefunden und mit zu
deren Entstehung geführt. Ich will mich hier größtenteils auf das Nibelungenlied
beschränken, da mein Vortrag ansonsten den zeitlichen Rahmen sprengen würde.

Allgemeines
Zuerst möchte ich einige allgemeine Betrachtungen zur Entstehung von
Heldensagen anstellen. Heldensagen gab es nicht nur bei den germanischen
Völkern, sondern sind uns bei zahlreichen Völkern bekannt. Man denke nur an die
römischen und griechischen Sagen, aber auch an das kirgisische Manas-Epos.

Allen Sagen gemein ist, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt entstanden,
nämlich während des Übergangs von der Stammesgesellschaft und der sich
herausbildenden Klassengesellschaft, der mit der Entwicklung einer herrschenden
Klasse, eines Staates und einer Verwaltung verbunden war oder einfacher
ausgedrückt, vom Übergang aus der Stammesgesellschaft in die Zivilisation.
Warum mit Beginn der Zivilisation und Staatenbildung sich bei den Menschen ein
solches Bedürfnis nach Festhaltung geschichtlicher Ereignisse entwickelte, vermag
ich nicht zu sagen. Vielleicht hängt dies mit der Entstehung einer bestimmten
Herrschaftselite zusammen, die ihre Herrschaft rechtfertigen musste, oder mit der
Bildung eines neuen Zusammengehörigkeitsbewusstseins, das mit der Reichs – und
Staatenbildung einherging.

Die Sagen sind jedoch keine Geschichtschroniken. Nach einer gewissen Zeit der
mündlichen Überlieferung setzte vielmehr der Prozess des Umerzählens ein, wobei
durch Reduktion, Assimilation, und Koordination neue Geschichten und
Konstellationen entstanden. Motive wurden vertauscht, umgeändert und anderen
Personen zugeordnet. Hinsichtlich der Nibelungensage befinden wir uns nun in der
komfortablen Situation, dass wir auf Grund römischer, griechischer, aber auch auf
Grund der Geschichtsschreiber der neugebildeten germanischen Reiche einen
weitestgehend guten Überblick über die historischen Ereignisse seit ca. des Beginns
unserer Zeitrechnung besitzen, so dass die ersten geschichtlichen Grundlagen der
Sagen erkennbar und eruierbar sind. Doch nicht nur dies. Die Geschichtsschreiber
haben uns zum großen Teil auch die ersten Sagen übermittelt, die sich noch nah
an die wirklichen geschichtlichen Ereignisse anlehnen.

Die germanische Staatenbildung setzte Ende des 4. Jh. ein und fällt somit
weitestgehend mit der Völkerwanderungszeit zusammen, an deren Ende das
Weströmische Reich untergegangen war und uns zahlreiche germanische Staaten
gegenübertreten. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der Nibelungensage.

Zu erwähnen sei hier noch, dass die verschiedenen germanischen Königshäuser


und auch Sippen sich oft dadurch auszeichneten, dass deren Mitglieder oft gleiche
Namensbestandteile besaßen, beziehungsweise deren Namen mit demselben
Buchstaben begannen, was sie als Mitglied der Familie kennzeichnete. Diese
Namensähnlichkeiten förderten häufig den Verschmelzungsprozess in der Sage. So
kann Gunther als Verkörperung der Burgunderkönige, Siegfried als Verkörperung
der Frankenkönige und Dietrich von Bern als Verkörperung der Ostgotenkönige
angesehen werden.
Ursprung des Nibelungennamens
Bevor ich nun mit der Darstellung der konkreten Ereignisse und Motive beginne,
möchte ich mich noch kurz der Frage widmen, da wir uns ja hier in der
Nibelungenstadt und im Nibelungenmuseum befinden, was bedeutet der Name
Nibelungen eigentlich. In der Sage wird er einem Zwergengeschlecht zugeordnet.
Ursprünglich aber ist der Name Nibelungen ein Synonym für die Franken und
wahrscheinlich zunächst genauer für die Rheinfranken. Der Begriff war einst nur
als Zusatz vorhanden, verselbständigte sich jedoch danach. Einen ersten
Anhaltspunkt findet sich hier in der nordischen Sage. Dort werden die Mannen um
Siegfried größtenteils Völsunge genannt. Im Beowulf heißt Sigemund der Sohn des
Waels. Der Name Wälsunge aber ist mit hoher Wahrscheinlichkeit aus die Söhne
von der Waal, beziehungsweise die von der Waal gebildet. In den geschichtlichen
Quellen, unter anderem bei Sidonius Apollinaris, werden so die Franken
bezeichnet. Die Waal ist ein Nebenfluss des Rheins, an welchem die salischen
Franken siedelten. Im Süden nun werden die Mannen Siegfrieds als Nibelungen
bezeichnet, was vermuten lässt, dass es sich um ähnliche Synonyme handelt. Des
Weiteren taucht im Waltharius der Begriff Franci nebulones auf, was man mit
nibelungische Franken übersetzen kann. Als Franci nebulones werden jedoch im
Waltharius die Mannen um Gunther bezeichnet, welche im Nibelungenlied
Burgunder sind. Gleichzeitig werden in der Klage die Mannen Gunthers als
Rheinfranken bezeichnet. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass mit Nibelungen
ursprünglich die ripuarischen oder Rheinfranken bezeichnet wurden. Dies erklärt
im Übrigen auch, weshalb im Nibelungenlied einmal die Mannen Siegfrieds und
einmal die Burgunder als Nibelungen bezeichnet werden. Der Grund ist somit
nicht, dass der Besitzer des Schatzes als Nibelunge bezeichnet wurde, sondern,
dass in der Sage teilweise nicht klar war, wer Franke und wer Burgunder war, was
auch darauf zurückzuführen sein dürfte, dass das Reich der ripuarischen Franken
in der Nähe des Burgunderreiches am Rhein lag und das zweite Burgunderreich
später Bestandteil des Frankenreiches geworden war.

Doch nun zu den einzelnen historischen Motiven, Ereignissen und Personen des
frühen Mittelalters, die im Nibelungenlied zu finden sind.

Gundahar, Aetius und Attila


Um 410 errichteten die Burgunder ihr erstes Reich am Rhein unter König
Gundahar. Ob Worms die Hauptstadt war, ist nicht bekannt. 411 riefen Gundahar
und der Alanenkönig Goar in Mundiacum den Usurpator Jovinus zum Gegenkaiser
aus. Da unter Mundiacum Mainz zu verstehen sein dürfte und auch auf Grund
archäologischer Funde, nimmt man heute größtenteils an, dass die Hauptstadt,
sofern man damals überhaupt davon reden konnte, im Gebiet Mainz/Wiesbaden
lag. 435 fielen die Burgunder in die Provinz Belgica I ein. Aetius jedoch, der große
römische Feldherr, schlug Gundahar, der flehentlich um Frieden bitten musste. Ein
Jahr später, so erfahren wir von Prosper Tiro, griffen die Hunnen plötzlich die
Burgunder an und König Gundahar fiel mit einem Großteil seines Heeres. Bei den
Hunnen dürfte es sich um die hunnischen Hilfstruppen gehandelt haben, die Aetius
unterstützten und ihm vom Hunnenkhan Rua zur Verfügung gestellt worden
waren. Der Grund des Angriffes und die genauen Ereignisse sind nicht bekannt.
Nach der Niederlage wurden die Burgunder 443 durch Aetius in der Nähe des
Genfer Sees angesiedelt, wo sie bald ihr zweites Reich an der Rhone gründeten.

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang noch, dass nach der Lex
Burgundionum König Gundobads zur königlichen Familie Gundahars weiterhin ein
Gebecca, Gondomar und Gislahar zählten, wobei Gebecca mit Gibech und Gislahar
mit dem Giselher der Sage in Zusammenhang gebracht werden kann, Gondomar
vielleicht mit Gernot. Die eben dargelegten Fakten sind bisher allgemein bekannt
und größtenteils anerkannt. Dennoch stellt der Untergang des ersten
Burgunderreiches nur eines von vielen Ereignissen dar, die zur Bildung der
Nibelungensage geführt haben.

An dieser Stelle möchte ich mich der Hagen von Tronje Gestalt zuwenden. Die
Bildung der Sagengestalt Hagens lässt sich gut nachvollziehen. Hagen von Tronje
verkörpert die gallisch-römischen Heerführer, die ähnliche Namen besaßen und von
den Germanen als eigene Könige angesehen wurden. Der bedeutendste Heerführer
diesbezüglich war Aetius. Wie aus dem Waltharius ersichtlich ist, lautete Hagens
Name ursprünglich von Troja. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die
Römer ihre Herkunft von den Trojanern ableiteten.

Aetius wurde um 392 in Dorostorum auf dem Gebiet des heutigen Bulgariens
geboren. Von etwa 405 bis 408 war Aetius Geisel beim Westgotenkönig Alarich, der
ihn wie ein Sohn behandelte und ihn das Kriegshandwerk lehrte. Während Aetius
als Geisel bei den Westgoten weilte, wurde sein Vater Gaudentius, der Magister
equitum war, durch meuternde Truppen ermordet. Nach seiner Rückkehr wurde
Aetius erneut zur Geisel. Diesmal jedoch bei den Hunnen, deren Oberkhan damals
Rua war. Hier lernte Aetius auch Ruas Neffen Attila und Bleda kennen, die mit
Aetius eines Alters waren und deren Vater Mundzuc ebenfalls bereits verstorben
war. Attila und Bleda können natürlich mit Etzel und Bloedel des Nibelungenliedes
in Verbindung gebracht werden. Parallel hierzu geriet Galla Placidia, die Schwester
des weströmischen Kaisers Honorius, 409, nach der zweiten Belagerung Roms als
Geisel zu Alarich. Am 23. Mai 410 schließlich wurde Rom, das Jahrhunderte lang
keinen Feind in seinen Mauern gesehen hatte, von Alarich erobert und mehrere
Tage lang geplündert. Dabei geriet Alarich auch ein beträchtlicher Schatz in die
Hände, auf den ich bei der Frage um den Nibelungenschatz noch zurückkommen
werde. Kurze Zeit später verstarb Alarich und wurde im Flussbett des Flusses
Cosenza in Kalabrien begraben. Die Westgoten leiteten kurze Zeit den Fluss um,
legten in das Grab den Leichnam Alarichs und ungeheure Schätze. Danach wurde
der Fluss wieder in sein Bett zurückgeleitet. Alle Gefangenen, die bei der
Grabanlegung beteiligt waren, wurden danach umgebracht, damit sie die Lage des
Grabes nicht verraten konnten.

414 heiratete Galla Placidia in der Geiselhaft Ataulph, den Nachfolger Alarichs.
Constantius aber, der Heerführer des Kaisers, versuchte mit allen Mitteln Galla
Placidias Rückkehr zu erreichen, da er diese selbst ehelichen und dadurch seine
Macht im Weströmischen Reich ausweiten wollte. Constantius zwang die Westgoten
bald nach Spanien zu fliehen. Hier wurde Ataulph im Jahre 415 ermordet. Im Jahre
416 einigte sich schließlich der Westgotenkönig Walja mit Westrom auf die
Rückgabe Galla Placidias. Galla Placidia heiratete hieraufhin Constantius und
gebar ihm zwei Kinder, eine Tochter Honoria sowie einen Sohn Valentinian. Die
eben genannten Ereignisse bilden unter anderem die Grundlage der
Walthariussage, die ja auch zur Nibelungensage zählt und zeigen, dass Aetius einer
der wichtigen Persönlichkeiten bei der Erklärung der Hagen von Tronje – Gestalt ist.
Es lohnt sich daher auch die weiteren Ereignisse, die sich teilweise nun im
Nibelungenlied widerspiegeln, zu verfolgen.

Nach dem Tod des Honorius 423 wurde Johannes neuer weströmischer Kaiser.
Galla Placidia aber erstrebte für ihren fünfjährigen Sohn die Kaiserwürde und
erschien daher mit einem oströmischen Heer ihres Neffen, des oströmischen
Kaisers Theodosius, in Italien. Johannes in seiner Not entsandte Aetius zu den
Hunnen, um diese um Truppen zu bitten. Aetius aber kehrte zu spät mit den
hunnischen Truppen zurück. Johannes war bereits gefangen und hingerichtet
worden. Nach einer unentschiedenen Schlacht zwischen Aetius und dem
oströmischen Heer einigten sich Galla Placidia und Aetius. Aetius wurde zum
Grafen ernannt und trat in Galla Placidias Dienste.
Hiernach begann der kometenhafte Aufstieg des Aetius. In zwei gallischen Kriegen,
der erste von 426 bis 431 und der zweite von 435 bis 440, besiegte Aetius
zahlreiche germanische Stämme, so die Westgoten, Franken, Juthungen und
Burgunder. Die Kämpfe gegen den Westgotenkönig Theoderich, der wohl mit einer
Tochter Alarichs verheiratet war, sind ebenfalls sicher in die Walthersage
eingegangen.

Ob die nachfolgende Episode Eingang ins Nibelungenlied gefunden hat, ist fraglich.
Ich will sie dennoch hier kurz berichten. Irgendwann in der Zeit der gallischen
Kriege fiel der Frankenkönig Chlogio in das Weströmische Reich ein. Aetius besetzte
zwei strategische Punkte beim Dorf Helena. Da hörten die Römer einen
Hochzeitsgesang der nahen Franken. Unbekümmert feierten die Franken ein
Hochzeitsfest. Aetius nutzte dies und griff die Franken plötzlich an. Der römische
Feldherr verwandelte das Hochzeitsfest bald in eine Feier für den Tod. Die
Girlanden und der Hochzeitsschmuck waren mit Blut befleckt und das
Hochzeitspaar wurde für immer getrennt.

Zu erwähnen sei auch noch, dass im Jahre 432 Galla Placidia Aetius als obersten
Befehlshaber der Truppen absetzte und ihren Günstling Bonifacius das Amt des
Oberbefehlshabers verlieh. Aetius wollte dies jedoch nicht hinnehmen und lieferte
mit seinen verbliebenen Getreuen Bonifacius eine Schlacht. Aetius unterlag zwar
und musste schließlich zu den Hunnen fliehen. Bonifacius wurde jedoch in der
Schlacht tödlich verwundet und verstarb kurz darauf. 433 überschritt Aetius mit
hunnischen Hilfskontigenten die weströmische Grenze und Galla Placidia musste
den beliebten Feldherrn wieder in Amt und Würden einsetzen. Nach Marcellinus
Comes tötete Aetius Bonifacius selbst mittels einer zuvor präparierten Lanze.
Später heiratete er wohl Bonifacius Frau Pelagia, die wohl eine gotische Adlige war.
Man kann hier vermutlich Parallelen zur heimtückischen Ermordung Siegfrieds
durch Hagen von Tronje mittels Speerwurf ziehen.
Nach Merobaudes und Frigeridus war Aetius übrigens ein hervorragender
Speerwerfer, der bereits als Kind das Speerwerfen mittels Eiszapfen übte. Des
Weiteren hielt nach Frigeridus Aetius wie kein anderer Hunger, Durst und
Nachtwachen aus. Verwiesen sei hierbei auf die Nachtwache Hagens mit Volker im
Nibelungenlied.

Nach einer Zeit des Friedens nach 440 brach der große Sturm bald über Europa
herein. Die nachfolgenden Ereignisse sind sicher ins Nibelungenlied eingegangen.
Nach dem Tode des Hunnenkönigs Rua im Jahre 434 wurden seine Neffen Bleda
und Attila Herrscher des riesigen Hunnenreiches. Im Jahre 445 ermordete Attila
seinen Bruder und wurde Alleinherrscher der Hunnen. Doch dies genügte dem
Hunnenkönig nicht. Er beschloss auch die beiden römischen Reiche zu erobern. Als
erstes schien ihm das militärisch und ökonomisch schwächere Weströmische Reich
die leichtere Beute zu sein. Hierbei kam ihm auch ein weiterer Vorwand zupass.
Honoria, Kaiser Valentinians Schwester, hatte um 449/450 eine Liason mit dem
Kämmerer Eugenius begonnen. Valentinian nutzte die Liason mit dem
nichtstandesgemäßen Kämmerer und setzte seine Schwester als Mitregentin ab. Er
verlobte sie mit dem Senator Herculanus. Eugenius wurde wohl hingerichtet.
Verwiesen sei hierbei darauf, dass Brünhild Kriemhild vorwirft, sie habe sich mit
einem Vasallen Gunthers verheiratet und hiernach Siegfried ermorden lässt.
Honoria nun wollte sich nicht mit den Gegebenheiten abfinden und entsandte
daher den Eunuchen Hyacinthus zu Attila, um den Hunnenkönig um Hilfe zu
bitten. Er bot dem Hunnenkönig Geld, wenn er Honoria helfen würde. Des Weiteren
übergab der Eunuch Attila einen kostbaren Ring. Attila nun kam die Gelegenheit
sehr recht und er legte die Bitte Honorias einfach als Heiratsversprechen aus. Attila
verlangte nunmehr durch Gesandte von Valentinian die Hand Honorias. Des
Weiteren drohte er Valentinian, sollte er etwas gegen seine Braut unternehmen.
Valentinian lehnte die Hochzeit jedoch ab. Attila forderte daraufhin, dass man ihm
Honoria übergebe und zeigte als Verlobungsbeweis den ihm gesandten Ring.
Gleichzeitig forderte Attila die Hälfte des Weströmischen Reiches und beschuldigte
Valentinian, Honorias Reichshälfte geraubt zu haben. Der Zusammenhang zum
Nibelungenlied ist eindeutig. Hagen und Gunther rauben Kriemhild den
Nibelungenschatz, worauf sich Kriemhild mit dem Hunnenkönig Etzel verheiratet.
Dies führt schließlich zur finalen Schlacht.
In der Geschichte nun folgte die gigantische Schlacht auf den Katalaunischen
Feldern. Ohne Valentinians Antwort abzuwarten, brach das gewaltige Heer Attilas,
die Angaben schwanken zwischen 500000 und 700000 Mann, auf. Aetius erwartete
einen direkten Angriff auf Italien und besetzte die Alpenpässe. Attila aber
überquerte den Rhein und fiel in Gallien ein. Attila ließ dabei Massen von Bäume
fällen und setzte mit dem Heer über. Vielleicht gibt es ja hier Parallelen zur
Überquerung der Donau durch die Burgunder. Für Aetius bestand nun die Gefahr,
dass Attila die Westgoten im westlichen Gallien ausschalten oder als Verbündete
gewinnen konnte. Danach wäre Westrom kaum noch zu halten gewesen. Aetius
entsandte daher den Avitus zum Westgotenkönig Theoderich. Avitus konnte
Theoderich auch überreden, dass sich das Westgotenheer mit dem römischen Heer
vereinigt. Das Heer der Verbündeten überraschte Attila bei der Belagerung von
Orleans. Attila zog sich zunächst zurück. In der Nähe von Chalon auf den
Katalaunischen Feldern kam es dann 451 zur gewaltigen Völkerschlacht, die auch
ins Nibelungenlied Eingang gefunden hat. In Attilas Heer befanden sich neben
Hunnen, Ostgoten, Gepiden, Skiren, Thüringern, Rugiern, ein Teil der Franken,
Sarmaten, slawische Völker und auch Burgunder. Auf römischer Seite standen
Westgoten, Alanen, Franken und der größte Teil der Burgunder.
Die Schlacht entspann sich vor allem um eine strategische Anhöhe. Das römische
Heer langte als erstes auf dem Gipfel an. Attila spornte nun sein Heer an, die
Anhöhe zu gewinnen. Man denke hier auch an den Kampf der Burgunder gegen die
Hunnen vom Saal herab. Der Kampf war so hart und unerbittlich, dass ein
Bächlein in der Nähe ganz von Blut anschwoll und die Verwundeten, welche den
brennenden Durst stillen wollten, tranken aus dem Bächlein ihr eigenes und
fremdes Blut. Auch hier muss auf das Nibelungenlied verwiesen werden, wo die
Burgunder, als Kriemhild den Saal anzünden lässt, das strömende Blut der Toten
trinken.
In der weiteren Schlacht fiel der Westgotenkönig Theoderich. Das hunnische Heer
geriet jedoch schließlich ins Wanken und zog sich in seine Wagenburg zurück. Das
Hereinbrechen der Dunkelheit beendete dann die Schlacht. Am nächsten Tag
befürchtete Attila den Sturm auf das Lager und ließ bereits Pferdesättel zu einem
Scheiterhaufen aufrichten, um sich im Falle der Niederlage selbst verbrennen zu
können. Diesbezüglich sei auf den Saalbrand im Nibelungenlied verwiesen.
Inzwischen hatten die Westgoten ihren toten König gefunden. Thorismund,
Theoderichs Sohn, wollte daraufhin das Hunnenlager angreifen. Aetius aber riet
von einem Angriff ab, wohl um den Sieg nicht mehr zu gefährden, da er wusste,
dass sich Attila nicht würde im Feindesland halten können. Die Westgoten zogen
daraufhin in ihre Heimat zurück. Attila wagte auch schließlich den Rückzug. Nach
Jordanis gab es in der Schlacht 180000 Gefallene, nach Hydatius 300000. Auch die
Burgunder hatten wieder hohe Verluste zu beklagen.
In den Konsularien, bei Gregor von Tours und auch bei Fredegar nun werden uns
ähnlichgeartete Sagen berichtet, wie Aetius alle Seiten überlistet, um schließlich in
den Besitz der Kriegsbeute zu gelangen. Diese Sage könnte auch auf die
Nibelungensage eingewirkt haben, als Hagen von Tronje sich in den Besitz von
Kriemhilds Schatz bringt.
Ein Jahr nach der gewaltigen Schlacht schaffte es Attila, für alle unerwartet,
abermals ein gewaltiges Heer aufzustellen. Der Hunnenkönig fiel diesmal direkt in
Italien ein. Aetius hatte sich in den Süden zurückgezogen und erwartete hier
oströmische Truppen. Die Lage war äußerst bedrohlich. Durch Seuchen wurde
Attilas Heer jedoch so dezimiert, dass sich der Hunnenkönig schließlich doch
wieder zurückziehen musste. Vor seinem Rückzug stieß er noch Drohungen aus, er
werde, wenn man ihm nicht Honoria mit der gebührenden Mitgift aus den
königlichen Schätzen senden würde, noch größeres Unheil über Italien bringen.

Kurze Zeit später jedoch im Jahre 453 verstarb Attila in der Hochzeitsnacht mit
seiner germanischen Braut Ildico. Bei der Hochzeitsfeier hatte Attila sehr dem
Weine zugesprochen und sich dann schlaftrunken in sein Schlafgemach begeben.
Während er seinen Rausch ausschlief, bekam er plötzlich Nasenbluten und
erstickte an seinem eigenen Blut. Am nächsten Tag wunderten sich Attilas Diener,
dass der König entgegen seiner Gewohnheit noch nicht aufgestanden war. Sie
erbrachen daher unter großem Geschrei das Schlafgemach. In dem Zimmer fanden
sie Attila tot auf dem Bett liegen. Ildico saß neben ihm, hatte ihr Haupt verhüllt
und weinte.
Dass Ildico, deren Namen Hildchen bedeutet, in die Kriemhildfigur Eingang
gefunden hat, ist allgemein anerkannt. In den Quedlinburger Annalen wird
berichtet, Attila sei von einem Mädchen erdolcht worden, da er deren Vater getötet
und es selbst geraubt habe. Im Nibelungenlied ist Attila einer der wenigen
Überlebenden. Allerdings hat sich auch das Motiv von Attilas Tod in der
Nibelungensage erhalten, jedoch an einer Stelle, wo man es nicht gleich vermutet.
Im Nibelungenlied wird Siegfried nach seiner Ermordung vor Kriemhilds Tür gelegt.
Die Thidrekssaga hingegen hat eine ursprünglichere Form erhalten. Hier brechen
die Burgunder Kriemhilds Schlafgemach auf und werfen die Leiche Siegfrieds in die
Arme Kriemhilds, wovon sie erwacht. Schön sieht man hier, wie Motive
verschmelzen oder einfach umgebildet werden. Nach Attilas Tod brach auch das
riesige Hunnenreich zusammen.

Ein Jahr später wurde jedoch Aetius von Kaiser Valentinian mit eigener Hand
ermordet, da der Kaiser Aetius Einfluss fürchtete. Wiederum ein Jahr später wurde
auch Kaiser Valentinian von Mitstreitern des Aetius auf dem Marsfeld getötet.
Valentinian hat auch starken Einfluss auf die Gunthergestalt der Sage ausgeübt,
was vor allem im Waltharius deutlich wird.
Aetius nun war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Merobaudes schreibt, „Es gibt
kein Gebiet, keinen Platz und letztendlich keine Zunge, welche dich nicht preist.“
Aetius Einfluss auf die Hagen von Tronje Gestalt ist eindeutig. Die Frage stellt sich
jedoch noch, woher kommt der Name Hagen. Eine einfache Antwort wäre, dass es
eine Ableitung von Aetius ist. So nennt bereits Gildas im 6. Jh. Aetius Agitius. In
den Quedlinburger Annalen wird er Egidius genannt und in einer alten fränkischen
Chronik Egetius. Aetius Nachfolger in Gallien hieß Aegidius. Aus den eben
benannten Quellen geht jedoch hervor, dass mit Agitius eindeutig Aetius gemeint
war. Da es bei germanischen Namen häufig vorkam, dass ein H vor den Namen
zugefügt oder weggelassen wurde, könnte sich aus Hagitius Hagen entwickelt
haben. Noch im Waltharius wird Hagens Vater Hagathie genannt. Dass Aetius
Nachfolger Aegidius ebenfalls Einfluss auf die Hagengestalt ausgeübt hat, ist
wahrscheinlich. Der Frankenkönig Childerich war mit Aegidius verbündet.
Zusammen schlugen beide die Westgoten 463, wobei Friedrich, der Bruder des
Westgotenkönigs, fiel. In der Sage hingegen, die uns bei Gregor von Tours, Fredegar
und in der Liber historiae francorum überliefert ist, wird Aegidius als Gegner des
Frankenkönigs geschildert.
Chlodwig und Chrothechildis
In meinem weiteren Vortrag nun will ich genauer auf die Siegfriedgestalt eingehen
und damit auf die fränkische Geschichte und Sage. Wie bereits dargelegt,
verkörpert Siegfried quasi die Frankenkönige, wobei bereits in der Sage um
Siegfrieds Kindheit und Jugend ältestes fränkisches Sagengut zu Tage tritt.
So heißt es in der Liber historiae francorum, dass der Frankenkönig Chlogio
Tournai eroberte, nachdem er über den Rhein und durch den Kohlenwald gezogen
war. Mit dem Kohlenwald wurde schon zu Zeiten der Römer ein Teil des
Ardennenwaldes bezeichnet. Im Lied vom Hürnen Seyfrid nun sendet der Schmied
Siegfried in den Wald zu einem Köhler. Er hofft, dass Siegfried dabei von dem im
Wald lebenden Drachen getötet wird.
Die Sage von Siegfrieds Kindheit, welche uns in der Thidrekssaga berichtet wird, ist
bis auf das Schmiedemotiv fast identisch mit der Wolfdietrichsage. Die
Wolfdietrichsage wiederum kann zu großen Teilen der Sage um den Frankenkönig
Childerich zugeordnet werden, wie sie uns schon Gregor von Tours, aber auch
Fredegar und die Liber historiae francorum berichten. Des Weiteren wird in einer
Version des Wolfdietrich erzählt, dass Wolfdietrich vom Heiligen Georg ein Hemd
erhält, welches vor jeder Art von Waffen und vor dem Rachen der Drachen schützt.
Der Heilige Georg hatte es einst dem Helden Balmunt abgenommen. Der Heilige
Georg nun ist bekannt als Drachentöter. Sein Hemd schützt Wolfdietrich wie
Siegfried die Hornhaut und der Name Balmunt erinnert stark an Balmunc.

Ausführlicher will ich nun auf Childerichs Sohn Chlodwig eingehen, da dieser
extrem auf die Siegfriedgestalt vor allem des Nibelungenliedes eingewirkt hat.
Allerdings muss ich vorausschicken, dass die folgenden Jahreszahlen als auch die
Zeitabläufe sehr unsicher sind. Eine lange Zeit hatte man sich an die Angaben bei
Gregor von Tours gehalten, bis man merkte, dass Gregor kaum Chroniken
benutzte, sondern viel aus der mündlichen Überlieferung aufschrieb und dabei
nicht nach Jahreszahlen, sondern nach Personen ordnete. Doch nun zu Chlodwig.
Chlodwig wurde um 466 als Sohn Childerichs, des Königs der salischen Franken
geboren. Childerich starb um 481 und der erst 15-jährige Chlodwig wurde König im
Reich seines Vaters, dass nur einige Gaue der salischen Franken und wenige
gallische Landstriche umfasste. Chlodwig übernahm von seinem Vater die zivile
und militärische Verwaltung der Provinz Belgica Secunda. 486 griff Chlodwig
zusammen mit dem Frankenkönig Ragnachar das Reich des Syagrius an. Syagrius
war der Sohn des Aegidius und hatte das gallo-römische Reich seines Vaters
übernommen. Die Hauptstadt war Soissons. Childerich war noch Verbündeter und
als Föderat wohl Untergebener des Aegidius gewesen. Syagrius wurde geschlagen
und floh zum Westgotenkönig Alarich II.. Alarich aber lieferte Syagrius an Chlodwig
aus. Vielleicht spielte hierbei die Hochzeit des Ostgotenkönigs Theoderich mit
Chlodwigs Schwester Audefleda um 494 eine Rolle. Syagrius wurde in den Kerker
geworfen und dort heimlich ermordet. Syagrius Reich teilten sich Chlodwig und
Ragnachar. Nach der Liber historiae francorum gewann Chlodwig auch den Schatz
des Syagrius. Neue Hauptstadt Chlodwigs wurde Soissons. Von Soissons könnte
eine Verbindung zu Xanten bestehen.

Im Jahre 500 dann war Chlodwig in den burgundischen Bürgerkrieg einbezogen.


Die folgenden Ereignisse haben großen Einfluss auf die Nibelungensage genommen.
Zu jener Zeit wurde das Burgunderreich von den burgundischen Brüdern
Gundobad, der in Lyon residierte, und Godigisel, der in Genf residierte, regiert.
Beide waren Urenkel des Westgotenkönigs Walja. Zwei weitere Brüder, Chilperich II.
und Godomar, waren zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr am Leben. Gundobad
war eindeutig der mächtigere der beiden Brüder. In seiner Jugend hatte Gundobad
im Dienste seines Onkels Ricimer, dem mächtigen weströmischen Heerführer und
heimlichen Herrscher des Weströmischen Reiches, gestanden und Kaiser
Anthiemus in einer römischen Kirche eigenhändig den Kopf abgeschlagen. Nach
dem Tod Ricimers stieg Gundobad sogar zum Herrscher des Weströmischen
Reiches auf und setzte Kaiser Glycerius 473 in das Reich ein. Um 474 kehrte
Gundobad jedoch nach Burgund zurück.
Godigisel nun neidete jedoch seinem Bruder dessen Macht. In der Passio
Sigismundi heißt es, dass Godigisel lediglich ein Drittel des Staatsgebietes
unterstand und er sich daher von Gundobad betrogen fühlte. Godigisel schloss
daher ein heimliches Bündnis mit Chlodwig und versprach diesem Tribut und wohl
auch Land, wenn er in das Bündnis einwilligte. Chlodwig sagte zu und fiel ins
Burgunderreich ein. Gundobad bat seinen Bruder um Hilfe und dieser sagte
scheinheilig zu. Bei Dijon stießen die Heere aufeinander. Da ging Godigisel plötzlich
zu Chlodwig über und das überraschte Heer Gundobads wurde geschlagen.
Gundobad zog sich nach Avignon zurück, wo er von Chlodwig belagert wurde.
Avignon konnte jedoch nicht genommen werden. Während der Belagerung nun lief
der kluge Ratgeber Gundobads namens Arigius zu Chlodwig über. Arigius
schließlich überredete Chlodwig die Belagerung aufzugeben und mit Gundobad in
Verhandlungen einzutreten. Gundobad versprach Chlodwig einen Tribut und
Chlodwig zog von Avignon ab. Gundobad gelang es nun, wohl mit westgotischer
Hilfe, ein neues Heer zu sammeln und Godigisel in der Schlacht zu besiegen.
Godigisel verschanzte sich in Vienne. Gundobad aber konnte in die Stadt
eindringen und Godigisel wurde mit samt seiner Familie getötet. Auch alle Adligen,
die zu Godigisel gehalten hatten, wurden hingerichtet.
Nach seinem Sieg schloss Gundobad ein enges Bündnis mit Chlodwig. Die
Verhandlungen wurden wieder durch Arigius geführt. Das Bündnis war vor allem
ein militärisches und richtete sich in erster Linie gegen Alemannen und Westgoten.
Bekräftigt werden sollte das Bündnis durch eine Heirat und zwar sollte Chlodwig
die Tochter Gundobads heiraten. Die junge Braut starb jedoch noch vor der
Abreise. Als Ersatz wurde daher Chrothechildis, die Tochter von Gundobads
verstorbenem Bruder Chilperich II., ausgewählt. Chlodwig akzeptierte den Wechsel
der Braut und heiratete Chrothechildis. Das Bündnis sollte sich für beide Seiten
bald auszahlen. Zehn Jahre später waren die Alemannen erobert und die Westgoten
hatten fast ganz Gallien verloren.
Hier will ich jedoch kurz unterbrechen, um die Parallelen zur Nibelungensage
aufzuzeigen. Im Nibelungenlied erscheint der Emporkömmling aus Xanten in
Worms und will Gunther sein Reich abringen. Gunther besitzt den klugen Ratgeber
Hagen von Tronje. Die Burgunder können Siegfried besänftigen und ihn schließlich
als Bundesgenossen gewinnen. Mit Siegfried zusammen besiegen die Burgunder
Sachsen und Dänen. Schließlich heiratet Siegfried Gunthers Schwester Kriemhild.
In der Historie nun belagert Chlodwig, der Emporkömmling aus Soissons,
Gundobad in Avignon. Gundobad besitzt den klugen Ratgeber Arigius. Den
Burgundern gelingt es, Chlodwig zu besänftigen und mit ihm ein Bündnis zu
schließen. Chlodwig heiratet Gundobads Nichte Chrothechildis. Zusammen mit
Chlodwig besiegen die Burgunder die Alemannen und die Westgoten.
Hinsichtlich der Hochzeit zwischen Chlodwig und Chrothechildis besitzen wir
bereits umfangreiche Aufzeichnungen der ersten Sagen bei Gregor von Tours,
Fredegar und in der Liber historiae francorum.
Bereits Gregor von Tours behauptet, Gundobad habe Chrothechildis Vater mit dem
Schwert getötet und die Mutter mit einem Stein um den Hals ins Wasser werfen
lassen. Ob Gundobad seinen Bruder ermorden ließ, ist nicht nachgewiesen. Der
angebliche Mord diente jedoch später als Rechtfertigung für die Eroberung
Burgunds durch die Franken. Nach Fredegar sendet Chlodwig seinen Untergebenen
Aurelianus mit einem Ring zu den Burgunden, um Chrothechildis zu gewinnen. In
letzter Minute versucht jedoch Aridius die Hochzeit zu verhindern, da er
Chrothechildis Rache fürchtet. Er schickt daher der bereits abgereisten
Chrothechildis ein Heer nach. Chrothechildis kann aber entkommen. Lediglich die
Sänfte und die Schätze gelangen wieder in die Hände der Burgunder.
Nach der Liber historiae francorum übergibt Aurelianus Ring und Brautschmuck
an Chrothechildis. Diese will Chlodwig aber nicht heiraten, da er noch Heide ist.
Chlodwig wirbt daher bei Gundobad um die Hand Chrothechildis. Gundobad
weigert sich aber. Da droht Chlodwig mit Krieg. Als die Burgunder Chlodwigs Ring
jedoch bei Chrothechildis finden, glauben die Burgunder, dass Chlodwig seinen
Krieg mit einem rechtmäßigen Anspruch auf Chrothechildis rechtfertigen könnte,
und übergeben die Königstochter. In der Hochzeitsnacht verlangt Chrothechildis
von Chlodwig, er solle Christ werden und von Gundobad ihr Vatererbe verlangen.
Chlodwig verlangt daher von Gundobad den Schatz seiner Gattin heraus. Die
Burgunder haben solche Angst vor Chlodwig, dass sie nicht nur einen großen Teil
des kostbaren Schatzes herausgeben, sondern auch Chlodwig das halbe
Burgunderreich anbieten. Aurelianus entgegnet darauf. „Mein Herr, König
Chlodwig, ist dein Sohn, und alles, was ihr habt, ist euch gemein!“
Anhand der Sagenüberlieferungen bei Gregor, Fredegar und der Liber historiae
francorum können wir nicht nur die ersten Sagen erkennen, die schließlich zur
Bildung der Nibelungensage geführt haben, sondern wir können hier auch
Anknüpfungs-und Verschmelzungspunkte zu den früheren und auch späteren
Sagenmotiven ausmachen. So bestehen Verschmelzungspunkte zwischen Arigius,
dem gallisch-römische Heerführer und Berater Gundobads und Aetius, dem
gallisch-römischen Heerführer und Berater Valentinians. Ildico heiratet Attila und
tötet ihn aus Vaterrache in der Hochzeitsnacht. Chrothechildis heiratet Chlodwig,
um ihrer Vaterrache gegenüber Gundobad zu genügen. Sowohl Ildico als auch
Chrothechildis besitzen den Namensbestandteil Hild, welchen wir bei Kriemhild
aber auch bei Brünhild finden. Und die Burgunder bieten Chlodwig Schatz und das
halbe Reich, nachdem sie seinen Ring bei Chrothechildis finden. Attila nun verlangt
von Valentinian Honoria und das halbe Weströmische Reich, nachdem er Honorias
Ring vorzeigt.

Erwähnt sei hier auch noch, dass Godigisels Frau wohl Theudelinde hieß und in
der Sage sich Giselher mit Rüdigers Tochter Dietlind verlobt. Des Weiteren sei hier
noch angemerkt, dass in allen Sagen um Chlodwigs Brautwerbung, Chlodwig um
Chrothechildis wirbt, obwohl er sie noch nicht zu Gesicht bekommen hat. Auch
Siegfried muss in Worms lange warten, bis er Kriemhild erblicken kann.

Auch die weitere Geschichte Chlodwigs lässt Parallelen zur Nibelungensage


erkennen. Um 506 griffen Burgunder und Franken ihre Erzfeinde, die Alemannen,
an, wobei neben Chlodwig auch die Rheinfranken unter König Sigibert am Kampf
teilnahmen. Die Burgunder wurden wohl durch Sigismund, Gundobads Sohn,
geführt. Die äußerst blutige Schlacht, die wahrscheinlich bei Zülpich stattfand,
endete mit der vollständigen Niederlage der Alemannen. Der alemannische
Großkönig fiel. Das Alemannengebiet wurde unter Franken und Burgundern
aufgeteilt. Nach der Vita Vedastis hingegen nahm Chlodwig den alemannischen
König in seine Gewalt. Im Nibelungenlied nun werden Liudeger und Liudegast
durch Siegfried gefangen.
Hiernach verschärften sich die Spannungen zwischen Chlodwig und dem
Westgotenkönig Alarich II.. Fredegar überliefert uns eine Sage, wonach nach einem
Schiedsspruch Theoderichs die Westgoten verpflichtet werden, den Gesandten
Chlodwigs, der hoch zu Ross sitzt und den Wurfspieß aufrecht hält, ganz mit
Goldsolidis zu überdecken. Auch die Spitze des Wurfspießes muss bedeckt werden.
Die Westgoten aber verweigern dies und so kommt es zum Krieg. In der nordischen
Sage nun werden die Asen aufgefordert, den Tod Otrs zu sühnen, indem sie den
Balg innen und außen mit Gold füllen und auch das noch freie Barthaar mit Gold
bedecken.
507 griffen die verbündeten Burgunder und Franken die Westgoten an. An der Seite
Chlodwigs kämpfte Sigiberts des Hinkenden Sohn Chloderich, da Sigibert auf
Grund einer Verwundung in der Alemannenschlacht hinkte. Das burgundische
Heer dürfte durch Gundobads Söhne Sigismund und Godomar geführt worden sein.
Noch vor der Schlacht sollen die Franken nach Gregor nicht gewusst haben, wie sie
über den Viennefluss setzen sollen. Da erschien am Morgen eine Hirschkuh von
wunderbarer Größe und überquerte den Fluss. An dieser Stelle konnten auch die
Franken über den Fluss setzen.
Bei Poitier kam es dann zur Schlacht. Die Westgoten erlitten eine Niederlage und
nach Gregor soll Chlodwig den Westgotenkönig eigenhändig getötet haben. Im
weiteren Schlachtgewühl wäre Chlodwig beinahe selbst ums Leben gekommen, da
er von mehreren Speeren getroffen wurde. Seiner guten Rüstung und seinem
schnellen Pferd aber verdankte er sein Leben.
Nach der Schlacht wurde Alarichs II. fünfjähriger Sohn Amalarich, der auch ein
Enkel Theoderichs war, nach Spanien gebracht. Gesalich, Alarichs unehelicher
Sohn, hingegen wurde in Narbonne zum neuen Westgotenkönig ausgerufen. Die
Franken und Burgunder drangen inzwischen immer weiter nach Süden vor. Zu
Beginn des Jahres 508 fiel die Westgotenhauptstadt Toulouse. Hier gelangte nach
Gregor von Tours der Westgotenschatz in die Hände Chlodwigs. Nach Procop jedoch
wurde ein Großteil des Schatzes in das feste Carcassonne gebracht, was die
Franken nicht einzunehmen vermochten. Hier will ich mich kurz dem
Nibelungenschatz zuwenden. Es gibt mehrere Schätze, die zur Bildung der Sage um
den Nibelungenschatz geführt haben. Zur damaligen Zeit gehörte zum Staat nicht
nur Volk, Gebiet und Heer, sondern auch der Königsschatz, mit dem der König in
der Lage war, seine Untertanen zu entlohnen. Die Gewinnung des
Nibelungenschatzes durch Siegfried ist somit gleichbedeutend mit seiner
Königswerdung. Chlodwig nun verleibte sich die Schätze mehrerer Königreiche ein.
Der Westgotenschatz Alarichs II. allerdings war schon zur damaligen Zeit sagenhaft,
da Alarich I. ihn einst durch die Plünderung Roms begründet hatte. Ein
Zusammenhang zwischen Alarich und Alberich, dem Hüter des Schatzes, ist daher
nicht fernliegend. Des Weiteren dürfte das Begräbnis Alarichs im Fluss Busento mit
beträchtlichen Schätzen zur Sage um den versenkten Schatz im Rhein geführt
haben. Ich fürchte nach dem Nibelungenschatz im Rhein wird man daher vergebens
suchen.
Nach Gregor von Tours wandte sich Chlodwig nach der Eroberung von Toulouse
wieder nach Norden und nahm den beträchtlichen Schatz mit. Sein Sohn
Theuderich hingegen zog weiter nach Septimanien, um zusammen mit den
Burgundern und für die Burgunder Septimanien zu erobern, womit die Burgunder
einen Zugang zum Meer erreicht hätten. Nach der Eroberung von Angouleme kehrte
Chlodwig nach Tours zurück, wo ihn der oströmische Kaiser durch Übersendung
eines Purpurmantels und eines Diadems besondere Ehren zuteil werden ließ.
Dieser Akt sollte vor allem Theoderich, den Ostgotenkönig, treffen, mit dem Ostrom
im Krieg lag. Nach Erhalt der Insignien bestieg Chlodwig ein Pferd und streute mit
eigener Hand Gold und Silber unter das anwesende Volk. An dieser Stelle ist an die
Verteilung des Nibelungengoldes durch Kriemhild zu verweisen. Neue Hauptstadt
Chlodwigs wurde nun Paris.
Der Krieg entwickelte sich jedoch nicht weiterhin so günstig für die Verbündeten.
Theoderich der Große griff in die Kämpfe ein und entsetzte Arles. Theoderichs
Heerführer Ibba trieb die Franken und Burgunder bald zurück und brachte ihnen
eine schwere Niederlage bei. Die Burgunder verloren all ihre Eroberungen wieder.
Theoderich beließ den Franken Aquitanien, sicherte jedoch für seinen Enkel den
Rest des Westgotenreiches, welches Spanien und Septimanien umfasste.
Theoderichs Heerführer Ibba hieß übrigens mit vollem Namen Ildebad oder
Hildebad. Aus Hildebad wurde wohl später Hildebrand gebildet.
Wahrscheinlich im Jahre 508 trat Chlodwig zum Christentum über und ließ sich
taufen. Als erster germanischer König wurde Chlodwig, im Gegensatz zu den
anderen germanischen Königen, die dem arianischen Glauben anhingen, Katholik.
Die Taufe wurde von Bischof Remigius in Reims durchgeführt. Zu dem Ereignis
waren viele Bischöfe aus ganz Gallien gekommen. Mit Chlodwig ließen sich auch
dreitausend seines Gefolges, seine Schwester Alboflede sowie seine Schwester
Lantechilde, die vorher bereits Arianerin geworden war, taufen. In der Vita des
Remigius wird berichtet, dass bei der Taufe Chlodwigs die Menschenmenge so groß
gewesen sei, dass Remigius nicht an das Salböl gelangen konnte. Da sei plötzlich
eine vom Himmel kommende Taube erschienen und habe dem Bischof das Salböl in
einer heiligen Ampulle gebracht. Ich denke, dass von der Taufe Chlodwigs zum Bad
im Drachenblut Parallelen zu ziehen sind, auch wenn dies auf den ersten Blick
abwegig erscheint. Bereits Bischof Avitus, der ein Glückwunschschreiben an
Chlodwig anlässlich der Taufe sandte, bringt die Taufe mit der militärischen Stärke
und den Siegen Chlodwigs in Verbindung. Des Weiteren versteht Siegfried sowohl in
der nordischen Version als auch in der Thidrekssaga, als er vom Drachensud
kostet, die Sprache der Vögel. Bei Chlodwigs Taufe nun soll eine Taube, wohl der
heilige Geist, erschienen sein. Des Weiteren verweist die benannte Stelle im
Wolfdietrich auf den heiligen Georg und bringt somit die Unverwundbarkeit und die
Drachentötung mit der christlichen Symbolik in Verbindung.

Nach dem Sieg über die Westgoten begann Chlodwig mit der Beseitigung der
anderen fränkischen Könige und einigte so das gesamte Frankenreich unter seinem
Zepter.
Nach Gregor von Tours sandte er zuerst Boten an Chloderich, den Sohn Sigiberts
des Hinkenden, und teilte ihm mit, er werde ihn unterstützen, wenn er seinen Vater
beseitigen und selbst König werden wolle. Als Sigibert durch den Buchonischen
Wald in der Nähe von Fulda streifte und jagte, schickte ihm sein Sohn gedungene
Mörder nach, die Sigibert töteten, als er zu Mittag in seinem Zelte schlief. Hier muss
natürlich auf den Tod Siegfrieds bei der Jagd verwiesen werden.
Chloderich informierte Chlodwig vom Tod seines Vaters und lud ihn ein, sich etwas
aus den Schätzen Sigiberts auszusuchen. Chlodwig schickte seine Leute zu
Chloderich. Dieser öffnete ihnen Sigiberts Schatztruhen. Chlodwigs Untergebene
baten Chloderich, er solle ihnen doch alle Teile aus der Truhe zeigen. Als sich nun
Chloderich tiefer in die Truhe beugte und seine Hände in das Gold versenkte,
schlug ihm einer von Chlodwigs Männern die Streitaxt in den Hirnschädel.
Chlodwig schlug nun den Franken vor, ihn als König zu akzeptieren. So gewann
Chlodwig das Reich der Rheinfranken ganz ohne Kampf. Dass diese weitere
Überlieferung Gregors ebenfalls in das Nibelungenlied Eingang gefunden hat, werde
ich an einer späteren Stelle zeigen.
Nach der Bluttat wandte sich Chlodwig gegen Chararich. Chlodwig lockte Chararich
und seinen Sohn in eine Falle und nahm sie gefangen. Er entkleidete sie der
Königswürde und steckte sie in ein Kloster. Als Chararichs Sohn jedoch Chlodwig
drohte, ließ Chlodwig beide enthaupten.
Den dritten fränkischen Teilkönig, Ragnachar von Cambray, griff Chlodwig an,
nachdem er viele seiner Männer mittels vergoldetem Erz bestochen hatte.
Ragnachars Männer waren mit ihrem König auch unzufrieden. Ragnachar besaß
einen Untergebenen namens Farro. Brachte man ihm Speise oder ein Geschenk, so
pflegte er zu sagen, dies sei nun genug für ihn und seinen Farro. Als Ragnachar
Kundschafter aussandte, um die Stärke von Chlodwigs Heer zu erfahren,
entgegneten diese, der Krieger sind dort mehr als genug für dich und deinen Farro.
Ragnachar wurde geschlagen und mit seinem Bruder Richar gebunden vor
Chlodwig geführt. Chlodwig spaltete beiden mit der Axt den Schädel. Als die Leute
Ragnachars merkten, dass Chlodwig sie mit vergoldetem Erz betrogen hatte,
beschwerten sie sich. Chlodwig aber entgegnete, sie sollten froh sein, dass er Leute,
die ihren Herren verraten haben, am Leben lässt. Ragnachars zweiter Bruder
Rignomer wurde auf Befehl Chlodwigs bei Le Mans ermordet. Land und Schätze
wanderten wieder in Chlodwigs Tasche.
Auffallend bei dieser letzten Geschichte um die Eroberung des Königreiches
Ragnachars ist, dass eine starke Namensidentität mit der nordischen Sage um
Sigurd besteht. So übergeben die Asen den Schatz Andvarafors Hreidmar und
seinen Söhnen Regin und Fafnir für die Tötung Otrs, der in Gestalt eines
Fischotters von Loki erschlagen worden war. Regin ähnelt Ragnachar, Hreidmar
ähnelt Rignomer und Farro ähnelt Fafnir. Eine Verbindung zwischen Sage und
Geschichte könnte daher durchaus bestehen.

Chlodwig starb im Jahre 511 eines natürlichen Todes. Das Reich wurde unter
seinen Söhnen aufgeteilt. Dass sich Chlodwigs Name in der Sage nicht durchsetzte,
dürfte vor allem daran gelegen haben, dass mehrere Könige der Rheinfranken
Sigibert hießen und auch Sigismund, der sogar eher zum katholischen Glauben als
Chlodwig übertrat, und sein Sohn Sigerich ebenfalls den Namensbestandteil Sig im
Namen trugen. Weiterhin könnte hier noch eine Rolle gespielt haben, dass nach
Sidonius Apollinaris ein Königssohn Sigismer, wohl ein Rheinfranke, um 470 eine
burgundische Königstochter, wohl die Tochter Chilperichs I., heiratete und dabei
herrlich geschmückt am burgundischen Hof erschien. Chlodwig nun heiratete
ebenfalls eine burgundische Königstochter, deren Vater ebenfalls Chilperich hieß.

Sigismund und der Untergang des zweiten Burgunderreiches


Im Jahre 516 verstarb auch Gundobad und Gundobads Sohn Sigismund wurde
Alleinherrscher der Burgunder. Sigismund hat dem Sigmund der Sage den Namen
gegeben. Nach dem Tod seiner ersten Frau Ostrogotho, der Tochter Theoderichs des
Großen, nahm Sigismund eine katholische Burgunderin zur Frau. An einem Festtag
hatte sich Sigismunds Gattin die Kleider Ostrogothos angezogen. Sigerich aber,
Sigismunds und Ostrogothos Sohn, geriet in Rage und beschimpfte seine
Stiefmutter vor allen Leuten. Nach diesem Vorfall verleumdete Sigerichs Stiefmutter
Sigerich bei seinem Vater und behauptete, er wolle Sigismund nach Thron und
Leben trachten. Sigismund glaubte seiner Frau. Als Sigerich eines Tages vom Weine
trunken war, legte er sich hin und schlief ein. Da erschienen zwei Knechte
Sigismunds, legten ein Tuch unter den Kopf Sigerichs und erdrosselten ihn im
Jahre 522. Auch dieses Motiv findet sich in der Nibelungensage. Hier wird es
allerdings auf Kriemhild und Brünhild übertragen und zwar, wo Kriemhild mit
Brünhild streitet und ihr den Betrug im Ehebett enthüllt. Brünhild veranlasst
daraufhin die Ermordung Siegfrieds. Noch in der Thidrekssaga eskaliert der Streit,
da Brünhild auf dem Hochsitz von Kriemhilds Mutter sitzt und Kriemhild Brünhild
vorwirft, ihr käme es ebenso zu, auf dem Hochsitz zu sitzen. Auch die weiteren
Ereignisse sind in der Nibelungensage zu finden.
Nach dem Tod seines Enkels erklärte Theoderich den Burgundern den Krieg und
setzte sein Heer in Gang. Dies nutzten die Franken und griffen die Burgunder als
erstes an. Die Burgunder erlitten eine Niederlage. Godomar entkam. Sigismund
wurde jedoch von seinen eignen Leuten verraten und dem Frankenkönig Chlodomer
ausgeliefert. Godomar gelang es jedoch, sich mit den Ostgoten zu einigen und ein
neues Heer aufzustellen. Chlodomer ließ daraufhin Sigismund mit seiner ganzen
Familie ermorden und die Leichen in einen Ziehbrunnen werfen. In der folgenden
Entscheidungsschlacht bei Viserontia flohen die Burgunder bereits, als Chlodomer
bei der Verfolgung mitten unter die Schar der Feinde geriet und von einem Speer in
die Brust getroffen wurde. Die Burgunder steckten danach das abgeschlagene
Haupt Chlodomers auf eine Stange und zeigten es den Franken. Das Haupt ihres
Königs an dem langen Haar erkennend, gaben die Franken den Kampf auf und
schlossen Frieden.
Auch hier finden wir wieder Motive der Sage, jedoch auch wieder dort, wo man sie
nicht zugleich vermutet. So wird Sigismunds Leiche in einen Brunnen geworfen, wo
Siegfried an einer Quelle stirbt. Des Weiteren wird Chlodomer durch einen
Speerwurf in die Brust wie Siegfried getötet.
Nach Chlodomers Tod wurde sein Reich von seinen Brüdern Chlothachar und
Childibert mitverwaltet. Die Vormundschaft über die drei kleinen Söhne
Chlodomers aber übernahm Chrothechildis. Als die drei Söhne jedoch sich der
Volljährigkeit näherten und Chlothachar und Childibert die verwalteten Gebiete
wieder herausgeben sollten, lockten sie Chrothechildis und die Knaben zu sich
unter dem Vorwand, sie wollten sie zu Königen erheben. Chlothachar jedoch ergriff
sofort den älteren Knaben und erdolchte ihn. Sein Bruder warf sich Childibert zu
Füßen, umklammerte seine Knie und bat ihn, sein Leben zu verschonen. Childibert
aber warf das Kind Chlothachar zu, der es ebenfalls erstach. Hiernach wurden auch
die Diener und Erzieher der Knaben umgebracht. Der dritte Knabe ging ins Kloster.
Auch dieses Motiv finden wir in der Sage und zwar, wo Hagen Kriemhilds Kind im
Saal bei Etzel tötet. In der Thidrekssaga köpft Hagen das Kind Kriemhilds und wirft
das Haupt an Kriemhilds Brust. Dann schlägt er auch dem Pfleger des Knaben den
Kopf ab. In der Thidrekssaga reizt Kriemhild Hagen noch zum Mord an ihrem Sohn,
indem sie ihren Sohn anstiftet, Hagen Backenschläge zu geben. Ich komme hier
auch noch einmal auf den Beitrag von Frau Schäfer bei der Nibelungenlied-
Gesellschaft zurück, die eine sagenhafte Episode zu den eben geschilderten
Ereignissen anführte. Hier sollen Childibert und Chlothachar der Mutter Schere
und Messer gesandt haben mit der Frage, welches der Stücke für die Kinder
Chlodomers angemessen sei. Die Schere bedeutete das Abschneiden des Haares
und damit das Kloster, das Messer jedoch den Tod. Chrothechildis entschied sich
für das Messer mit der Begründung „Wenn sie nicht König werden sollen, dann
lieber tot“. In dieser ersten Sage deuten sich auch bereits die grausamen Züge an,
die wir dann später bei Kriemhild finden.
Im Jahre 532 griffen Chlothachar und Childibert erneut Burgund an und eroberten
es. Schon bei Gregor von Tours wurde die Eroberung damit gerechtfertigt, dass die
Söhne nur die Rache ihrer Mutter vollzogen.

Radegundis
Bereits ein Jahr zuvor hatten die Chlodwigsöhne Chlothachar und Theuderich das
Thüringerreich angegriffen und den Thüringern an der Unstrut eine vernichtende
Niederlage beigebracht. König Hermenefried, der als Irnfrit im Nibelungenlied noch
erkennbar ist, und seine Familie konnten fliehen. Seine Nichte Radegundis jedoch
und ihr Bruder gerieten in die fränkische Gefangenschaft. Um Radegundis kam es
zur Auseinandersetzung zwischen Chlothachar und Theuderich. Schließlich wurde
Radegundis Chlothachar zugesprochen. Nach seiner Rückkehr wurde die
zwölfjährige Radegundis zunächst in Ateia erzogen. Hier wandte sie sich bereits
stark dem christlichen Glauben zu. 534 lud Theuderich unter dem Vorwand
Friedensverhandlungen führen zu wollen, Hermenefried zu sich nach Zülpich. Hier
wurde der Thüringerkönig jedoch von der Stadtmauer in den Tod gestürzt.
Chlothachar nun heiratete Radegundis. Diese verweigerte sich jedoch Chlothachar
im Ehebett. Bald wurde gespottet, der König habe eine Nonne geheiratet und keine
Königin. Als Aufstände in Thüringen ausbrachen, ließ Chlothachar Radegundis
Bruder ermorden, da dieser aus der Gefangenschaft fliehen wollte. Radegundis
verließ daraufhin Chlothachar und wurde Nonne. All ihre kostbaren Kleider und
ihren Schmuck verschenkte sie an die Armen, darunter auch ihren kostbaren
goldenen Gürtel.
Auch hier finden wir die Motive der Nibelungensage. Radegundis wird wie Brünhild
aus einem fernen Land gewonnen. Sie verweigert sich auch wie Brünhild im
Ehebett. Des Weiteren wird Radegundis Gürtel besonders in den Quellen erwähnt.
Auch Brünhilds Gürtel spielt in der Nibelungensage eine bedeutende Rolle.
Brunichildis, Sigibert und Fredigundis
561 verstarb Chlothachar und hinterließ das Frankenreich seinen Söhnen Sigibert,
Chilperich, Guntchramn und Charibert. Ein Jahr später wehrte Sigibert den Angriff
der Awaren unter ihrem Chagan Baian ab. 565 oder 566 griffen die Awaren
abermals die Franken an. Die Franken wurden diesmal geschlagen und Sigibert
geriet in Gefangenschaft. Bei der Schlacht sollen sich die zauberkundigen Awaren
allerlei Spukgestalten bedient haben. Die Niederlage hatte jedoch keinerlei
Auswirkungen. Sigibert schloss mit den Awaren einen Vertrag und kehrte nach
Reims zurück. Ob der Titel Chagan, was Khan der Khan bedeutet, zur Bildung des
Namens Hagen beigetragen hat, muss fraglich bleiben.

566 warb Sigibert um Brunichildis, die Tochter des Westgotenkönigs Athanagild.


Sigibert schickte eine Gesandtschaft mit vielen Geschenken nach Spanien. Führer
war Gogo, der Leiter der Palastschule und ein Meister der Redekunst. Venantius
Fortunatus schreibt an ihn, „Ihr bannt die Klage von den Betrübten und flößt
Freude ein. Damit sie nicht verdürsten, nährt ihr sie mit dem Tau von Euren
Lippen.“ Athanagild versagte Sigibert seine Tochter nicht und sandte sie ins
Frankenreich über die winterlichen Pyrenäen. Später heißt es bei Fredegar,
Brunichildis habe Sigibert zum Mord an Gogo angestiftet. Von Gregor von Tours
wissen wir jedoch, dass Gogo 581 eines natürlichen Todes starb. Auch hier ist
wieder die Nibelungensage ersichtlich. Der Bote im Nibelungenlied, der namens
seines Königs um Brünhild freit, ist jedoch Siegfried. Später stiftet Brünhild
Gunther zum Mord an Siegfried an.
Sigiberts Bruder Chilperich neidete seinem Bruder die Heirat und warb um
Brunichildis Schwester Gaileswintha. Athanagild verweigerte seine Tochter
abermals nicht und stattete sie mit einer reichlichen Mitgift, darunter auch einigen
Städten, aus. Chilperich aber konnte Gaileswintha nicht treu sein, vor allem nicht
wegen Fredigundis, die bereits vor Gaileswintha Chilperichs Geliebte war. Als
Gaileswintha die Scheidung verlangte, fand man sie am nächsten Morgen erdrosselt
in ihrem Bett. Dies führte schließlich zum Krieg zwischen Sigibert und Chilperich.
Sigibert, der auch über die germanischen Völker gebot, war mit seiner Streitmacht
überlegen. Chilperich zog sich mit seiner Familie hinter die Mauern von Tournai
zurück und verschanzte sich hier. Fredigundis jedoch hatte als letzte Rettung zwei
Meuchelmörder ausgesandt. Als Chilperichs Heer Sigibert auch zu ihrem König
erhob, wandten sich die Mörder an Sigibert und taten so, als ob sie eine
Angelegenheit vorzubringen hätten. Plötzlich zückten sie ihre zwei großen Messer,
die auch noch in Gift getaucht waren, und stießen sie Sigibert in die Seite. Sigibert
verstarb augenblicklich.

Sigiberts fünfjähriger Sohn Childibert wurde sofort von Sigiberts Dienstadel in seine
Gewalt gebracht, der dann die Herrschaft in Sigiberts Reich übernahm. Chilperich
bekam Brunichildis in seine Gewalt. Er schickte sie jedoch lediglich in die
Verbannung nach Rouen. Die Schätze jedoch, die sie mit nach Paris gebracht hatte,
verleibte er seinem Vermögen ein. In der Geschichte wird nach dem Mord des
Gatten somit Brunichildis des Schatzes beraubt, so wie Kriemhild im
Nibelungenlied.
Chilperich sandte nun seinen Sohn Merowech mit einem Heer gegen Poitiers, um es
zu erobern. Merowech jedoch begab sich nach Rouen zu Brunichildis und heiratete
sie. Grund hierfür dürfte gewesen sein, dass Merowech der Stiefsohn Fredigundis
war und bei der Heimtücke und dem Einfluss Fredigundis auf Chilperich, auch um
sein Leben fürchten musste.
Chilperich wollte seinen Sohn daraufhin ins Kloster stecken. Auf dem Weg zum
Kloster aber wurde Merowech von Guntchramn Bosos Männern befreit und
flüchtete in die Basilika des heiligen Martin von Tours. Chilperich sammelte daher
ein Heer und zog gegen Tours. Fredigundis hingegen agierte wieder hinter den
Kulissen. Sie stiftete Herzog Leudast an, der in Fredigundis verliebt war. Leudast
versuchte nun Merowech aus der Basilika zu locken. Es gingen allerdings nur
Merowechs Diener auf Leudasts List ein. Die Diener wurden mit dem Schwerte
niedergehauen. Auch hier haben wir wieder ein Motiv aus dem Nibelungenlied.
Kriemhild stiftet Bloedel zum Kampf gegen die Burgunder an und die Hunnen
erschlagen alle Knechte der Burgunder. Merowech gelang schließlich die Flucht.
Allerdings wollte ihn der Dienstadel Sigiberts nicht helfen.
Brunichildis und Merowech ließen daher Prätextus, dem Bischof von Rouen, der
auch beide getraut hatte, fünf Bündel voll mit Kostbarkeiten zukommen. Prätextus
nun verteilte die Schätze unter dem Volk, um die Stimmung gegen Chilperich zu
schüren und Stimmung für Merowech zu machen. Die Sache flog jedoch auf.
Chilperich nahm Prätextus die restlichen Schätze weg und Prätextus wurde
verbannt. Auch hier finden wir wieder ein Motiv des Nibelungenliedes. Kriemhild
verteilt den Nibelungenschatz, um Stimmung gegen die Burgunder zu machen.
Auch die weiteren Ereignisse spiegeln sich im Nibelungenlied wider. Fredigundis
ließ über Chilperichs Gefolgsleute Merowech mitteilen, sie wollten Chilperich
verlassen und sich nun ihm anschließen. Er müsse jedoch zu ihnen kommen.
Merowech sammelte seine tapfersten Männern und begab sich zu den
vermeintlichen Überläufern. Man hatte ihm jedoch eine Falle gestellt. Auf einem Hof
schloss man Merowech ein und nahm ihn und seine Leute gefangen. Dann schickte
man Boten zu Chilperich. Noch bevor der König jedoch eintraf, hatte man alle unter
grausamen Qualen getötet. Chilperich erzählte man, Merowech habe sich von einem
Untergebenen aus Angst vor seinem Vater selbst getötet. Auch Fredigundis zweiter
Stiefsohn Chlodovech wurde auf Betreiben Fredigundis auf ähnliche Weise getötet.
Hier sind die Parallelen zur Nibelungensage auch gut zu erkennen. Kriemhild lädt
ihre Brüder an Attilas Hof. Hier werden sie eingeschlossen und getötet.

584 wurde Chilperich ermordet. Er war gerade von der Jagd zurück gekommen und
hatte eine Hand noch auf die Schulter eines Dieners gelegt, als ihm ein
Meuchelmörder ein Messer unter den Achseln in die Brust stieß und mit einem
zweiten Stoß den Bauch durchbohrte. Fredegar berichtet später, Brunichildis habe
einen gemeinen Mann namens Falco zu diesem Mord angestiftet. In der Liber
historiae francorum hingegen soll Fredigundis den Mord an Chilperich betrieben
haben, da Chilperich von ihrem Verhältnis mit Landerich erfuhr. Wahrscheinlich
hatten beide Frauen nichts mit dem Tod zu tun, sondern Chilperich fiel einem
Anschlag des Dienstadels zum Opfer. Jedoch besitzen wir auch hier die Schilderung
des historischen Ereignisses bei Gregor von Tours, der Zeitgenosse Chilperichs war,
und die bereits ersten Sagenbildungen bei Fredegar und in der Liber historiae
francorum. Und wie Sigibert der Hinkende wird Chilperich auf der Jagd ermordet,
nur ist die Königin diesmal Brunichildis und nicht Chrothechildis. Schön kann
man hier auch sehen, wie gleiche Motive in der Geschichte zur Verschmelzung in
der Sage führten.

Nach Chilperichs Tod hielt Guntchramn seine schützenden Hände über


Fredigundis und ihren erst vier Monate alten Sohn Chlothachar II.. Als sich
Fredigundis wieder etwas von ihrem Schock erholt hatte, stiftete sie mehrere
Mordanschläge an. Jene gegen Brunichildis und ihren Sohn Childibert scheiterten.
Bischof Prätextus jedoch fiel einem ihrer Mordanschläge zum Opfer. Er wurde
niedergestochen, als er gerade in der Kirche kniete und Psalmen sang. 593 verstarb
Guntchramn. Childibert versuchte nun auch, sich Chlothachars und Fredigundis
Reich einzuverleiben. In der Schlacht von Droizy aber erlitt Childibert eine
vernichtende Niederlage. 596 verstarb Childibert plötzlich. Man vermutete einen
Giftanschlag. Das Reich Childiberts wurde nun unter seinen Söhnen Theuderich
und Theudebert geteilt.
Brunichildis übernahm die Vormundschaft über die noch unmündigen Enkel. 597
starb Fredigundis eines natürlichen Todes. Sie, die so viele Menschenleben auf dem
Gewissen hatte, erhielt nicht ihre gerechte Strafe.
599 zwang der austrasische Dienstadel Brunichildis aus Theudeberts Reich zu
fliehen. Sie wurde hier entmachtet und begab sich nach Burgund zu ihrem zweiten
Enkel Theuderich. Hier nun herrschte Brunichildis wie Brünhild auch in Burgund.
602 wurde Theuderich, der gerade 14 Jahre alt war, ein Sohn geboren, den man
Sigibert nannte. Die folgenden Jahre sind wieder durch Kriege zwischen den
fränkischen Reichen geprägt. Im Jahre 610 entriss Theudebert seinem Bruder das
Elsass. Die Brüder riefen daraufhin eine Versammlung bei Seltz zusammen, um
den Streit zu schlichten. Während Theuderich mit den Großen seines Reiches am
Versammlungsplatz anlangte, tauchte Theudebert plötzlich mit einem gerüsteten
Heer auf. Theuderich war gezwungen, Theudebert das Elsass abzutreten.
Gleichzeitig vernichteten die Alemannen ein Heer Theuderichs bei Wangen. Das
Tischtuch zwischen den Brüdern war zerschnitten. Theuderich begann mit den
Rüstungen und brach 612 mit einem großen Heer in Theudeberts Land ein. In der
Ebene von Toul trafen die Heere aufeinander. Die beiden Brüder wüteten bis zur
völligen Vernichtung gegeneinander. Letztendlich wurde Theudebert geschlagen
und floh nach Köln. Hier gelang es ihm noch einmal Truppen der linksrheinischen
Stämme aufzubieten. Bei Zülpich warf sich Theudebert seinem Bruder entgegen.
Die Schlacht war wieder furchtbar. Auf beiden Seiten sollen so viele gefallen sein,
dass die Toten nicht mehr zur Erde stürzen konnten, sondern aufrecht neben den
Lebenden standen. Theudebert floh erneut. In Köln gerieten Theudeberts Schätze in
Theuderichs Hand. Schließlich geriet auch Theudebert in Gefangenschaft.
Theuderich ließ Theudeberts kleinen Sohn Meroveus von einem Untergebenen am
Fuße packen und gegen einen Felsen schleudern, bis der Kopf zersprang.
Brunichildis verlangte hierauf, dass Theudebert Mönch werde. Kurze Zeit später
wurde Theudebert jedoch auf Anstiften Theuderichs ermordet.
In der Liber historiae francorum nun wird uns eine Sage in diesem Zusammenhang
übermittelt. Brunichildis soll hiernach Theuderich tägliche Reizworte gegeben
haben und sagte, „Warum vernachlässigst du es und verlangst von Theudebert
nicht den Schatz und das Reich deines Vaters, da du doch weißt, dass er in
Wahrheit nicht dein Bruder ist, sondern aus einem Ehebruch deines Vaters mit
einer Nebenfrau entstand?“ Nachdem Theuderich seinen Bruder besiegt hatte,
gelangte er brandschatzend bis Köln. Die Bevölkerung bat, dass er sie verschonen
möge. Da sprach Theuderich, „Wenn ihr wollt, dass ich euch verschone, so bringt
mir Theudebert entweder lebendig oder seinen abgehackten Kopf.“
Daraufhin begaben sich einige Leute zu Theudebert und sprachen zu ihm, „Gib den
Schatz deines Vaters zurück, den du bei dir verwahrst, und er wird sich dann mit
seinem Heer zurückziehen!“. Theudebert ging mit den Leuten in die Schatzkammer.
Als er die Truhen geöffnet hatte, um den Schatz herauszusuchen, zückte einer der
Männer sein Schwert und stieß es Theudebert in den Nacken. Theudeberts Kopf
brachte man zu Theuderich.
Auch hier finden wir wieder Motive des Nibelungenliedes. Kriemhild verlangt von
Hagen den Schatz. Hagen entgegnet aber, solange sein Herr lebe, werde er das
Geheimnis des Schatzes nicht preisgeben. Da lässt Kriemhild ihren Bruder töten
und trägt Gunthers abgeschlagenen Kopf zu Hagen. Auffallend ist, dass die Sage in
der Liber historiae francorum nicht wirklich zur Geschichte passt, sondern eher wie
ein Fremdkörper wirkt. Des Weiteren besitzt die Sage jedoch eine erhebliche
Ähnlichkeit mit der Ermordung von Sigiberts des Hinkenden Sohn Chloderich auf
Anstiften Chlodwigs. Die Sagen sind fast identisch. Weiterhin ist beide Male der Ort,
wo der Mord im Schatzraum geschieht, Köln, so dass davon ausgegangen werden
kann, dass hier die Sage um Chloderichs Tod auf Theudeberts Tod übertragen
wurde. Bereits in der Liber historiae francorum sehen wir daher, wie die
Umerzählung und Motivübertragung geschah.
Theuderich fühlte sich, nun auch im Besitz von Theudeberts Reich, stark genug,
König des ganzen Frankenreiches zu werden. Er rüstete ein riesiges Heer aus, um
sich auch Chlothachars Reich einzuverleiben. Während des Feldzuges verstarb
Theuderich jedoch in Metz an der Ruhr. Theuderichs Heer löste sich auf.

Brunichildis versuchte das Machtvakuum zu überbrücken, indem sie Theuderichs


elfjährigen Sohn, Sigibert II., als Alleinerben einsetzte. Ein Großteil des fränkischen
Adels aber wandte sich von Brunichildis ab und begann heimlich mit Chlothachar
zu paktieren, darunter auch die Vorfahren Karls des Großen. Aus dieser Zeit ist
auch der Aufenthalt Brunichildis in Worms bezeugt. Chlothachar suchte nun die
Entscheidung. Als sich Chlothachars und Brunichildis Heer bei Chalon-sur-Marne
gegenüberstanden, lief auf ein Zeichen Brunichildis Heer zu Chlothachar über.
Brunichildis und Theuderichs Schwester Theudila wurden auf dem Hofe Euba
verhaftet. Man brachte die alte Königin vor Chlothachar. Der König warf
Brunichildis vor, sie habe zehn fränkische Könige ermorden lassen. Dann wurde die
65-jährige Königin drei Tage lang grausam gefoltert. Daraufhin setzte man sie auf
ein Kamel und führte sie durchs ganze Heer. Schließlich band man Brunichildis mit
ihren Haaren, einem Fuß und einem Arm an den Schweif eines höchst bösartigen
Pferdes. Durch die Hufschläge und durch den raschen Lauf des Tieres wurde
Brunichildis Glied für Glied zerrissen. Zum Schluss verbrannte man die
Leichenteile. Das alles geschah im Jahre 613.
Das Ende Brunichildis bildet auch das Ende des Nibelungenliedes. Am Ende der
Kämpfe wirft man Kriemhild vor, sie habe den Tod so vieler edler Recken und
Könige verschuldet. Hildebrand haut sie daher in Stücke.
Im Nibelungenlied spiegeln sich die Ereignisse in Europa wider, als das
Weströmische Reich unterging und mit dem Mittelalter eine neue Zeit anbrach.
Einzelne zuerst lose Sagen wuchsen im Laufe der Zeit zu einem Ganzen zusammen,
das nur noch schemenhaft seine Ursprünge erkennen ließ. Im 13. Jh. wurde dann
ein Großteil der Sagen literarisch verarbeitet und in den bekannten Epen
festgehalten. Das Nibelungenlied wurde nicht von einem Dichter aus zwei
verschiedenen Teilen zusammengesetzt und umgestaltet. Vielmehr existierte die
Sage bereits so im Volke, wie sie der Dichter des Nibelungenliedes aufzeichnete.