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Außenpolitik und Propaganda:

Die deutsche diplomatische Vertretung in Rumänien


(1933-1944)

MIHAI A. PANU
West-Universität, Temeswar

Abstract
The European interwar period became famous for its radical socio-political phenomena and
most importantly for the emergence of colliding ideological visions. This paper attempts to
investigate the impact and consequences of Nazi-propaganda in interwar Romania and the
key role played by the German diplomatic mission as ideological transmitter. The main goal
of this analysis is to highlight how the German diplomatic structures in Romania became
ideologically entangled, contributing therefore to the process of planning and supervising
the Nazi propaganda campaigns.

Key words: National Socialism, diplomacy, interwar Romania, anti-Semitism, film-propa-


ganda.

Einleitung

Das Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland bedeutete ein


entscheidender Moment für die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die europäische
politische Szene der damaligen Zeit war bereits durch die Entstehung der radikalen
Bewegungen betroffen und die zunehmenden sozialen Unruhen haben auch dazu
beigetragen, dass dieser Prozess der systemischen Radikalisierung beschleunigt
wurde. Der deutsche Nationalsozialismus bleibt auch heutzutage noch eines der
wichtigsten Konzepte im Bereich der politischen Wissenschaften und der modernen
Geschichte. Die Intensität dieser politischen Degeneration war beispiellos. Die
rasante Entwicklung dieser radikalen Bewegung und ihre Auswirkungen auf den
sozialen Bereich verwandelte die Nazi-Ideologie in eine wahre „politische Reli-
gion“ (um auf Eric Voegelins These zurückzukommen). Die Macht der totalitären
Propaganda residierte in erster Linie in der Anpassung der politischen Sprache an

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die lokalen gesellschaftlichen Umständen. Dies war der Fall der Nazi-Politik und
der Propaganda in Rumänien der Zwischenkriegszeit.
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Erscheinungsformen
der nationalsozialistischen Propaganda in Rumänien zu beschreiben und die Rolle
der deutschen diplomatischen Vertretung, im Prozess der Planung, Finanzierung
und Durchführung der Propagandakampagnen zu untersuchen.
Die Erscheinungsformen des Nationalsozialismus im rumänischen Raum
stellten ein komplexes Phänomen dar. Nach dem Ersten Weltkrieg radikalisierte
sich der gesellschaftliche und politische Kontext in Europa zunehmend. Die
deutsche Minderheit in Rumänien, vor allem im Banat und Siebenbürgen, wurde in
vielen Fällen sehr empfänglich, was die National-Sozialistische Propaganda an-
betrifft. Die Gründe für diese totalitäre Veranlagung der rumänischen Gesellschaft
(nicht nur der deutschen Minderheit) waren vielseitig und können nicht einfach als
soziale Erscheinungen mit einem bestimmten politischen Hintergrund eingeordnet
werden. Die Erscheinungsformen der nationalsozialistischen Ideologie in Rumänien
nahmen in vielen Fällen die Form der Propaganda an. Nazi-ähnliche Organisationen,
die von Deutschland unterstützt wurden, spielten eine bedeutende Rolle in der
Umsetzung der NS-Ideologie in Rumänien.
Einige Nazi-orientierte politische Organisationen in Rumänien, wie z.B. „Die
Deutsche Front“ oder die „Deutsche Ethnische Gruppe in Rumänien“, versuchten
in das rumänische Parteiensystem einzudringen, indem die Zusammenarbeit mit
rumänischen Parteien ähnlicher Ausrichtung gefördert wurde. Das Ziel einer
schnellen und dauerhaften Kompatibilisierung des rumänischen Nationalismus mit
dem deutschen Nationalsozialismus ist in der Presse der rumänischen Zwischen-
kriegszeit häufig zu erkennen.
Das Bedürfnis nach ideologischen Kompatibilitäten zwischen diesen beiden
nationalistischen Strömungen diente als Vorwand für den beabsichtigten „Befall“
des politischen Systems in Rumänien mit nationalsozialistischen Elementen. Die
ideologisch motivierte politische Partnerschaften, unter der Schirmherrschaft des
Nationalsozialismus, waren ein deutlicher Teil der Nazi-Propaganda in Rumänien.

Die deutsche diplomatische Vertretung in Rumänien


und die Nazi-Propaganda

In der Zwischenkriegszeit gab es besonders viele Konsulate und andere


deutsche diplomatische Einrichtungen in den meisten Großstädten Rumäniens. Die
Hauptaufgabe dieser diplomatischen Mission war es, die Interessen der deutschen
Minderheit zu verteidigen und Deutschland als politischer Akteur auf der Bühne
der internationalen Beziehungen, im rumänischen Raum zu vertreten. Die
systemischen Ungleichgewichte, die nach dem raschen Aufstieg der rechtsradikalen

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Außenpolitik und Propaganda: Die deutsche diplomatische Vertretung in Rumänien

Bewegungen in Europa erfolgten, beeinflussten in entscheidender Weise die


diplomatische Aktivität in der europäischen Staatengemeinschaft.
Die deutsche Gesandtschaft in Rumänien geriet zusammen mit den unter-
geordneten Konsulaten, im Blickfeld der nationalsozialistischen Entscheidungs-
träger. In Folge dessen, wurde die traditionelle Diplomatie von radikalen politischen
Faktoren instrumentalisiert und zum Propagandainstrument des N.S.-Staates
umgewandelt. In den Vorjahren des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich in
Rumänien eine komplexe Infrastruktur des Nationalsozialismus, bestehend aus
Parteien, kulturellen und wirtschaftlichen Organisationen1 aber auch aus dem
diplomatischen Wesen, das neben den spezifischen amtlichen Aktivitäten, auch eine
systematische nationalsozialistische Propaganda betrieb.
Das Eindringen der N.S.-Ideologie in Rumänien erfolgte schrittweise und
beanspruchte vom Anfang an, die bestehenden diplomatischen Kommunikations-
kanäle und somit die totale Abhängigkeit der Gesandtschaft und der untergeord-
neten Konsulate. Die kontinuierliche Ideologisierung der deutschen diplomatischen
Mission erfolgte durch die Parteifiliale der N.S.D.A.P. in Rumänien (N.S.D.A.P./
A.O.-Rumänien). Wenn man die Struktur des offiziell angestellten Personals der
deutschen Gesandtschaft in Bukarest analysiert (und die Anzahl des angestellten
Personals in den wichtigsten deutschen Konsulate aus Rumänien) merkt man sofort
dass die Zahl der aktiven diplomatischen Mitarbeiter, besonders nach dem Jahre
1937 kontinuierlich zunahm. In 1937 gab es z.B. sieben offizielle Mitarbeiter der
deutschen Gesandtschaft in Bukarest. Zwei Jahre später, in 1939 arbeiteten für die
Gesandtschaft offiziell 14 Personen und zusätzlich, 300 private Berater.2 Kein
anderes Land war in Rumänien diplomatisch so gut vertreten wie Deutschland.
Neben der deutschen Gesandtschaft in Bukarest, die das zahlreichste Personal hatte
(verglichen mit den Gesandtschaften anderer Staaten), gab es in Rumänien 13 Kon-
sulate (8 davon waren Honorarkonsulate).
Der rumänische Nachrichtendienst betrachtete die große Anzahl und die
systematische Entwicklung der deutschen diplomatischen Strukturen in Rumänien
als Propagandavektoren: „Dieser Überfluss an Mitarbeiter der deutschen Gesandt-
schaft in Rumänien ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht zu rechtfertigen. Wir gehen
davon aus, dass diese Mitarbeiter in Wirklichkeit unter der diplomatischen Deckung
der Gesandtschaft, von der N.S.D.A.P. beauftragt wurden, subversive Propaganda-
aktionen in Rumänien zu planen“3. Eine zeitweilige nationalsozialistische Propa-

1 Cf. William Marin, Gheorghe I. Oancea, Mişcarea antifascistă şi revoluţia populară în Banat,
Timişoara, 1971, S. 47; Nik. Hans Hockl, Das deutsche Banat. Seine geschichtlich-politische
Entwicklung und Aufgabe, Temeschburg, Buchdruckerei Anwender&Sohn, 1940, S. 57; Johann Böhm,
Nationalsozialistische Indoktrination der Deutschen in Rumänien 1932-1944, Frankfurt am Main,
Peter Lang Verlag, 2008, S. 23; Paul Milata, Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu. Rumäniendeutsche
in der Waffen-SS, 2. Auflage, Köln, Böhlau, 2009, S. 77.
2 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 221.

3 Ibidem.

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gandaaktion begann in Rumänien schon in den ersten Jahren nach dem Ende des
Ersten Weltkrieges. In dieser Vorphase der N.S-Ideologie war die Propaganda in
den meisten Fällen von einzelnen Personen betrieben und hatte in der Regel be-
grenzte Auswirkungen. Die Empfänglichkeit verschiedener Gesellschaftsschichten
aus Rumänien für radikale politische Programme, stellt ein facettenreiches
Phänomen und zugleich ein komplexes analytishes Unternehmen in der heutigen
Geschichtsschreibung dar. In Rumänien, sowie in anderen Staaten Europas, waren
die Erscheinungsformen des integralen Nationalismus, eine wichtige Begleits-
erscheinung in der ideologischen Neugestaltung der politischen Institutionen. Diese,
zum Teil, gewaltsame Neugestaltung des institutionellen Designs der National-
staaten, war die Folge einer systematischen Verschlechterung der sozio-politischen
und wirtschaftlichen Lage in den meisten europäischen Staaten.
Nach der Großunion von 1918, die veränderte demographische Struktur des
rumänischen Staates und die ethno-kulturelle Vielfalt, stellten eine wahre politische
Herausforderung für die staatliche Zentralverwaltung dar. Die Struktur der Gesell-
schaft wiederspiegelte sich in der politischen Entscheidungsfindung, wo entgegen-
gesetzte Positionen der verschiedenen Parteien und anderer gesellschaftlichen
Akteuren, schwer zu harmonisieren waren. In Folge dessen, geriet das ganze
politische System Rumäniens in eine, sogenannte Krise des Parlamentarismus, die
als wichtige Voraussetzung für die Verbreitung der radikalen politischen Bewe-
gungen und für die unzureichende politische Vertretung der Minderheiten4, zu
betrachten ist. Die Unfähigkeit der rumänischen Zentralregierung, die Loyalität
aller gesellschaftlichen Kategorien, besonders in den neu angegliederten Regionen
Banat und Siebenbürgen, zu gewinnen, verursachte ein zunehmendes Demütigungs-
gefühl und Misstrauen der Bürger gegenüber der rumänischen politischen Klasse.
In diesem besonderen Kontext, entwickelten sich in Rumänien verschiedene
radikale Bewegungen die von Anfang an, die politische Macht beanspruchten. In
den neu angegliederten Regionen, Banat und Siebenbürgen entstanden (wie in der
Einführung dieser Arbeit bereits erwähnt) mehrere Nazi-ähnliche Organisationen
die starke und direkte Beziehungen zu Nazi-Deutschland, pflegten. Im rumänischen
Banat z.B, sorgten bestimmte Führungspersönlichkeiten (besonders Oberst Karl
von Möller) für die N.S-Propaganda und natürlich für die Gründung verschiedener
national-sozialistischen Organisationen: „Der Wegbereiter der nationalsozia-
listischen Erneuerung im Banat ist Oberst Karl von Möller. Seit 1922 hielt er die
Verbindung zur NSDAP aufrecht . Er kam jedoch erst 1931 zum Aufbau der ersten
nationalsozialistischen Gruppen. Die ersten entstanden in Hatzfeld (Möller und
Peter Maurusz), Neu-Arad (Franz Stoss und Peter Bernath), Perjamosch (Rudolph
Ferch und Franz Adam Minnich) und Temeschburg (Geisa Buding und Peter

4Cf. Hans Christian Maner, Parlamentarismul în România 1930-1940, Bucureşti, Editura Enciclo-
pedică, 2004, S. 303.

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Schmidt).“5 In Folge dessen, entwickelte sich in Rumänien (vor allem in den,


von Deutschen bewohnten Regionen) eine komplexe Propaganda-Infrastruktur.
Schrittweise begannen auch Elemente aus dem deutschen Gesandtschaftspersonal,
nationalsozialistische Propaganda zu betreiben um somit die Ausdehnung der
Insteressensphäre des Dritten Reiches zu ermöglichen.

Mechanismen und Strategien der „diplomatischen Propaganda“

Die diplomatischen Vertretungen des Dritten Reiches in Rumänien waren


von den nationalsozialistischen Entscheidungsträger ideologisch instrumentalisiert.
Die Tätigkeit, Anstellung des Personals, Finanzierung oder die politischen Richt-
linien die zu beachten waren, wurden aus Berlin bestimmt. Man kann mehrere
ideologische Strategien, Kommunikationskanäle oder Propagandavektoren im
Arbeitsbereich der deutschen diplomatischen Strukturen in Rumänien identifizieren.
Die wichtigsten diplomatischen Verbreitungsmittel der N.S.-Propaganda waren in
Rumänien6:
a) Die Pressepropaganda. Diese Propagandamethode hatte als Hauptziel die
Veröffentlichung von Propagandamaterial in der rumänischen Presse um somit eine
verbesserte Empfänglichkeit für nationalsozialistische Ideen in der rumänischen
Öffentlichkeit zu bewirken. Verantwortlich für die Verbreitung der N.S-Ideen in
den rumänischen Zeitungen (vor allem „Porunca Vremii“), war der Leiter des
Pressebüros der Deutschen Gesandtschaft in Bukarest, Werner Voss. Er versuchte
durch alle Mittel (einschließlich Bestechung) die Herausgeber der wichtigsten
rumänischen Zeitungen zu überzeugen, nationalsozialistisches Propagandamaterial
zu veröffentlichen. Das Propagandamaterial stammte aus dem Dritten Reich und
wurde durch den Diplomatischen Kurierdienst nach Rumänien transportiert. Das,
für die rumänische Presse, bestimmte Propagandamaterial kann in vier Kategorien
eingestuft werden:
— Antisemitische Publikationen. Man ging davon aus dass der gemeinsame
Nenner für Nazi-Deutschland und Rumänien, die antisemitische Orien-
tierung sei.7 Durch diese antisemitisch gestaltete Propagandamethode
versuchte man also die Gemeinsamkeiten der beiden Saaten zu betonen
um somit eine ideologische Harmonisierung zu erzielen;
— Anti-marxistische Publikationen. Man versuchte dadurch die Sowjetunion
international zu diskreditieren und den Bolschewismus als strategische

5 Nik. Hans Hockl, Das deutsche Banat. Seine geschichtlich-politische Entwicklung und Aufgabe,
Temeschburg, Buchdruckerei Anwender & Sohn, 1940, S. 57.
6 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 221.

7 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 222.

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Gefahr fur ganz Europa (besonders für Rumänien) zu präsentieren. Durch


die systematische anti-marxistische Propaganda versuchten die Angestell-
ten der deutschen diplomatischen Vertretung in Rumänien, der Bevölke-
rung gegenüber der Sowjetunion, Angst einzujagen;
— Germanophiles Propagandamaterial;
— Publikationen zur Förderung des Pangermanismus.
Eine der wichtigsten Publikationen die zur Förderung des Pangermanismus
und der nationalsozialistishen Ideologie in Südosteuropa diente, war die Zeitschrift
des, von der Deutschen Ethnischen Gruppe in Rumänien (DViR) verwalteten,
Forschungsinstitutes. Diese Zeitschrift hieß Deutsche Forschung in Südosten und
spielte eine entscheidende Rolle als Instrument und Vektor der nationalsozialisti-
schen, wissenschaftlich-gestalteten Propaganda. Die, in dieser Zeitschrift veröffent-
lichten Thesen, betonten die Bedeutung einer identitären Neugestaltung der
deutschen Minderheit in Südosteuropa, aus der Perspektive des Nationalsozialismus
und im Lichte der sogenannten „ewigen Werte des Blutes und der Rasse“8. Alle
Strukturen (Media-Unternehmen, Herausgeber, Presseagenturen etc.) die dazu
beigetragen haben eine germanophile, nationalsozialistische Einstellung in der
rumänischen Gesellschaft hervorzurufen, waren von der deutschen Gesandtschaft
in Bukarest finanziert.
b) Die kulturelle Propaganda. Institutionell entwickelte sich diese Propa-
gandaform besonders durch zwei, von der deutschen diplomatischen Vertretung in
Rumänien, kontrollierten Einrichtungen: Das Deutsch-Rumänische Kulturinstitut
(Institutul de Cultură Germano-Român) und der Deutsche Akademische Austausch-
dienst (Serviciul German de Schimb Academic). Zuständig für die propagan-
distische Tätigkeit der beiden Einrichtungen war der Generalsekräter der Deutschen
Gesandtschaft in Bukarest, Hans-Bernd von Haeften. Die propagandistische
Tätigkeit der beiden Institutionen bestand aus den folgenden Elemente9:
— Deutschkurse für Rumänen;
— Konferenzen über das Thema „Nationalsozialismus“;
— Lobbysmus gegenüber den Behörden zur Einführung des obligatorischen
Deutschunterrichtes in Rumänien;
— Sommerkurse an den Universitäten in Deutschland für Studenten aus
Rumänien.
Die verschiedenen Kulturvereine der deutschen Minderheit in Rumänien
arbeiteten mit den entsprechenden deutschen Organisationen eng zusammen. Diese
Kollektivarbeit hatte als Ziel die ideologische Harmonisierung der deutschen und
rumänischen Organisationen auf kultureller Ebene. Ein Vorreiter der deutsch-
rumänischen Zusammenarbeit im Bereich der kulturellen Angelegenheiten war,

8 Erhard Antoni, Zur Erforschung der deutschen Volksgeschichte im Südosten, in Deutsche Forschung

im Südosten, 1 Jahrgang, Heft 1, Januar 1942, S. 12


9 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 223.

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das stark ideologisierte „Deutsche Ausland-Institut“ aus Stuttgart. Das Institut


wurde zwischen 1933-1941 von dem, aus Siebenbürgen stammenden Literatur-
historiker (und ehemaliger Professor am Evangelischen Lyzeum in Sibiu) Richard
Csaki verwaltet.10
c) Die nationalsozialistische Filmpropaganda.11 Diese Propagandaform war
ebenfalls von der deutschen Gesandtschaft in Bukarest geleitet. Das Ziel bestand
darin, N.S.-Propagandafilme in Rumänien öffentlich aufzuführen. Die deutsche
Gesandtschaft in Bukarest befürchtete eventuelle Sabotageaktionen seitens der
rumänischen Kinobetreiber und beabsichtigte infolgedessen die Beschaffung oder
Bau eigener Kinosäle.12 Ebenfalls hatte das Zentrale Pressebüro der Deutsch
Ethnischen Gruppe in Rumänien eine spezielle Abteilung für Filmpropaganda (die
sogenannte Abteilung 2: Film). Diese Abteilung organisierte regelmäßig Filmauf-
führungen besonders in Siebenbürgen und Banat, im Rahmen der sogenannten
„Filmkolonnen“13.
Um das Ausmaß der nationalsozialistischen Filmpropaganda optimal
einzuschätzen muss man die konkreten Erscheinungsformen dieses Phänomens in
Betracht ziehen. Eine statistische Darstellung der N.S-Filmpropaganda für das
ganze Gebiet Rumäniens bleibt noch unbekannt aufgrund der komplexität eines
solchen analytischen Unternehmens. Dennoch gibt es ausreichende Informationen
für die Beschreibung dieses Phänomens auf Mikroebene, in unserem Fall in der
Region Banat. Am 10 Januar 194114 verlangte das Deutsche Auswärtige Amt in
einem Rundbrief, eine statistische Darstellung aller, im Ausland aufgeführten
Propagandafilme. Das deutsche Konsulat in Timişoara präsentierte den übergeord-
neten politischen Strukturen aus Deutschland, die folgende Zusammenfassung15
der, im Banat aufgeführten Propagandafilme16:

1. Zeitspanne: 1 Januar 1940 – 31 Dezember 1940


Spielfilme: 56
Kurzfilme und Kulturfilme: 22
Tagesschau/Nachrichten: 41 Gesamt: 119

10 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 223.


11 PA AA, R9335/201 fol. 1, S. 77 (Kulturveranstaltungen, Ausstellungen, Filmstatistiken – Konsulat
Temeswar).
12 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 224.

13 Franz Stoß, Aufgaben der Hauptabteilung Propaganda, in Jahrbuch der Deutschen Volksgruppe in

Rumänien 1942, Krafft & Drotleff , 1942 S. 122


14 PA AA, R9335/201 fol. 1, S. 105 (Kulturveranstaltungen, Ausstellungen, Filmstatistiken – Konsulat

Temeswar).
15 Es handelt sich um die folgende Zeitspanne: 1 Januar 1940 – 30 September 1943 mit einer kurzen

Unterbrechung zwischen 1 Januar 1941 – 30 Juni 1941 / 1 April 1942 – 30 September 1942.
16 PA AA, R9335/201 fol. 1, S. 65-102.

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2. Zeitspanne: 1 Juli 1941 – 31 Dezember 1941


Spielfilme: 34
Kurzfilme und Kulturfilme: 16
Tagesschau/Nachrichten: 24 Gesamt: 74

3. Zeitspanne: 1 Januar 1942 – 31 März 1942


Spielfilme: 13
Kurzfilme und Kulturfilme: 8
Tagesschau/Nachrichten: 6 Gesamt: 27

4. Zeitspanne: 1 Oktober 1942 – 31 Dezember 1942


Spielfilme: 15
Kurzfilme und Kulturfilme: 4
Tagesschau/Nachrichten: — Gesamt: 19

5. Zeitspanne: 1 Januar 1943 – 30 September 1943


Spielfilme: 55
Kurzfilme und Kulturfilme: 7
Tagesschau/Nachrichten: — Gesamt: 62

Insgesamt kann man also im Zeitraum [1 Januar 1940 – 30 September 1943],


301 nationalsozialistische Werbeträger (Spielfilme, Kurzfilme, Nachrichten) nur in
der Region Banat identifizieren. Solche Propagandafilme wurden in den wichtigsten
Ortschaften aufgeführt. Zum Beispiel der kultur-propagandistische Film Lupta şi
Lumina17 wurde zwischen 1941-1942 in den folgenden Ortschaften präsentiert:
Biled, Periam, Sânnicolau Mare, Lovrin, Jimbolia, Timişoara, Reşiţa, Anina, Bocşa,
Deta, Ciacova, Arad, Aradul Nou, Sânnicolau Mic.18
d) Propaganda durch die deutschen Reiseagenturen aus Rumänien. Zu-
ständig für die Planung dieser Propagandaart war, wie im Falle der obenerwähnten
Propagandaformen, die deutsche Gesandtschaft in Bukarest. Durch diese Propa-
gandamethode versuchte man, den Tourismus in den, von Deutschen bewohnten
Regionen Rumäniens zu fördern. Man ging davon aus dass die deutschen Touristen
als nationalsozialistische Propagandavektoren agieren können. Das beste Beispiel
dafür dass diese Propagandamethode von den politischen Entscheidungsträgern aus
Berlin als aüßerst effizient betrachtet wurde, war die Gründung und Finanzierung
der „Deutschen Reiseagentur“ in Bukarest (Calea Victoriei Nr. 114) unter der
Leitung von Fritz Pasternik.19

17 Der deutsche Originaltitel des Films konnte nicht festgestellt werden (A.d.V).
18 PA AA, R9335/201 fol. 1, S. 12.
19 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 125.

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Außenpolitik und Propaganda: Die deutsche diplomatische Vertretung in Rumänien

Die Tätigkeit der deutschen diplomatischen Vertretung in Rumänien wurde


von der rumänischen Gegenspionage ständig überwacht. Das Archivmaterial zeigt
dass die zwei wichtigsten deutschen Institutionen die in Rumänien, Propaganda
und Spionage im Auftrag des Dritten Reiches betrieben haben, waren die Gesandt-
schaft und die N.S.D.A.P./A.O.20-Rumänien. Diese Institutionen ergänzten sich
gegenseitig im Prozess der ideologischen Indoktrination verschiedener gesellschaft-
lichen Kategorien in Rumänien.21 Die Konsolidierung des Nationalsozialismus in
Deutschland besonders ab dem Jahre 1933, verursachte eine zunehmende
Ideologisierung des gesamten deutschen diplomatischen Systems. Die Diplomatie
wurde somit der Ideologie untergeordnet und als Propagandainstrument eingesetzt.
In Rumänien, das Personal der deutschen diplomatischen Vertretung agierte eifrig
und ergeben zu Gunsten der N.S.-Ideologie. Alle Angestellten des Auswärtigen
Amtes waren verpflichtet die ideologischen Richtlinien des Dritten Reiches zu
beachten. Die treue Erfüllung der ideologischen Aufgaben blieb niemals unbemerkt.
Zum Beispiel in Timisoara, wurde der ehemelige Konsul dr. Richard Kuhna für
seine geleistete politische Arbeit, von den Nationalsozialisten dekoriert.22
Sowohl die deutsche Gesandtschaft in Bukarest als auch die N.S.D.A.P./
A.O.-Rumänien arbeiteten eng zusammen und versuchten durch alle Mittel die
N.S.-Ideologie zu fördern. Die Gesandtschaft diente auch als institutionelle
Deckung für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in Rumänien wenn
man bedenkt dass den nichtamtlichen Sitz der N.S.D.A.P./A.O. in einem, von der
Gesandtschaft gekauften Gebäude war. Offiziell in diesem Gebäude (Bukarest, Bld.
Elisabeta, Nr. 65) funktionierte eine Dienststelle der Gesandtschaft nämlich die
Kriegsgräberfürsorge.23
Die rumänischen Nachrichtenstrukturen zeigten mehrmals in vershiedenen
Berichten die subversive Arbeit und die strategischen Ziele des deutschen
diplomatishen Korps auf: „Der Einsatz von systematischen Propagandamitteln um
die rumänische Öffentlichkeit zu beeinflussen, zu verwirren und um diese,
gegenüber der N.S.-Ideologie empfänglicher zu machen, durch die Ausnutzung der
einheimischen Korruptionstendenzen“ (A.d.Ü.)24. Das deutsche diplomatische
Korps in Rumänien vertrat die Interessen des Deutschen Reiches, leistete aber auch
propagandistische Arbeit unter direkter Aufsicht von N.S.D.A.P.-Beamten. Die
Auslandsorganisation der N.S.D.A.P. funktionierte unter der Leitung des General-
direktors Ernst Bohle25 und war in sogenannten Landesgruppen strukturiert.

20 N.S.D.A.P./A.O: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei/Auslandsorganisation (A. d. Hrsg.)

21 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 226.


22 Ibidem, S. 125.
23 Ibidem, S. 227.

24 Ibidem, S. 229. (Influenţarea, divizarea şi derutarea opiniei publice româneşti printr-o intensă şi

permanentă propagandă, folosind chiar corupţia pentru obţinerea unui curent pro-nazist […])
25 Ibidem, S. 230.

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Holocaust — Studii şi cercetări

Zuständig für den Aufgabenbereich der Landesgruppe Rumänien war, merkwürdi-


gerweise ein diplomatischer Beamter, und zwar der Handelsattache der deutschen
Gesandtschaft in Bukarest, Arthur Konradi.26 Man muss nachdrücklich betonen
dass in vielen Fällen, hochrangige deutsche Diplomaten die in Rumänien tätig
waren, gleichzeitig als N.S.D.A.P.-Agenten arbeiteten. Dank Ihrer diplomatischen
institutionellen Zugehörigkeit die in der Regel keinen Verdacht seitens der rumä-
nischen Behörden erweckte, konnten solche Schlüsselpersonen aus den Strukturen
der Nazi-Partei, ihre subversive propagandistische Arbeit in ganz Rumänien un-
gehindert entfalten.
Eine Hauptbeschäftigung (neben der Propaganda) des Personals beider
Institutionen war die finanzielle Mittelbeschaffung um die verschiedenen Propagan-
dakampagnen aber auch die instutionelle Entwicklung des Nationalsozialismus in
Rumänien zu unterstützen. Die Geldmittel waren in der Regel von verschiedenen
individuellen Spendern aber auch durch untergeordnete Organisationen zur Verfü-
gung gestellt. Zum Beispiel im Rechnungsjahr 1938/1939 kassierte die N.S.D.A.P./
A.O.-Rumänien, 3.911.650 Lei nur durch die Organisation „N.S.V. — National-
Sozialistische Volkswohlfahrt“27. Es gab aber auch einzelne finanziell potente
Sponsoren, wie der ehemalige deutsche Konsul in Ploieşti, Otto Braun, der jährlich
80.000 Lei auf das N.S.D.A.P.-Konto überwiesen hat.28
Der deutschen diplomatischen Vertretung in Rumänien gelang es eine
systematische nationalsozialistische Propaganda ungehindert zu betreiben, nicht
nur infolge einer gut geplanten Propagandastrategie sondern auch aufgrund der
wesentlichen Empfänglichkeit verschiedener einheimischen germanophilen Kreise
gegenüber Nationalsozialismus. In der Zwishenkriegszeit gab es in Rumänien
germanophile Einstellungen in allen gesellschaftlichen Schichten. Die einfluss-
reichsten Personen (und somit die relevantesten aus der Sicht der national-
sozialistischen Entscheidungsträger) stammten aus den elitären Kreisen.
Die Förderung der germanophilen Projekte in Rumänien (und indirekt die
Förderung der nationalsozialistischen Ideen) erfolgten in vielen Fällen durch die
Institutionalisierung der verschiedenen pro-deutschen Interessengruppen. Solche
pro-deutsche Interessengruppen oder Initiativgruppen (beispielsweise das am 25
Mai 1933 gegründete Rumänisch-Deutsches Kulturinstitut29) wurden im Laufe der
Zeit ideologisch instrumentalisiert und als Propagandamittel im Dienst des Dritten
Reiches eingesetzt. Das Rumänisch-Deutsche Kulturinstitut begann bald nach der
Gründung auch auf politischer Ebene tätig zu sein, indem es die Bedeutung der
deutsch-rumänischen Zusammenarbeit in den wichtigsten Bereichen des öffent-
lichen Lebens (Kultur, Politik, Wirtschaft, Verteidigung und Militär etc.) betonte.

26 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 230.


27 Ibidem, S. 231.
28 Ibidem.

29 Ibidem, S. 244.

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In diesen pro-deutsche Interessengruppen konnte man prominente


Persönlichkeiten identifizieren: Gheorghe Taşcă (Universitätsprofessor), Alexandru
Tzigara-Samurcaş (Universitätsprofessor), Ştefan Tătărăscu (ehemaliger rumäni-
scher Abgeordneter), Rudolf Brandsch (Staatssekretär für Minderheitenangelegen-
heiten), dr. Hans-Otto Roth (Abgeordneter), Fritz Fabritius (rumäniendeutscher
Politiker und Hauptvertreter des Nationalsozialismus in Rumänien).30 Zur Grün-
dung des Rumänisch-Deutschen Kulturinstitutes trug auch die „Carol I-Stiftung“
bei. Im Führungsausschuss des Institutes wurden die folgenden Persönlichkeiten
gewählt: G. Macarovici, Nichifor Crainic, Ştefan Tătărăscu, Friedrich Weber, Fritz
Fabritius, Gh.A. Cuza, dr. Bruckner, Martinescu-Asău, dr. A. Bonfert, Felix Fink,
V. Prelipceanu, Gh. Ciolac.31 Die Existenz des Rumänisch-Deutschen Kultur-
institutes ist im Kontext der Verbreitung der N.S.-Ideologie in Rumänien äußerst
relevant weil aus diesem Institut eine wichtige rechtsradikale politische Organi-
sation hervorgegangen ist: Die Rumänische Nationalsozialistishe Partei (Partidul
Naţional-Socialist Român).32 Die Führung dieser radikalen, antisemitischen Partei
bestand aus Persönlichkeiten die gleichzeitig Mitglieder im Führungsausschuss des
Rumänisch-Deutschen Kulturinstitutes waren: Ştefan Tătărăscu, Hans Otto Roth,
Fritz Fabritius, Gh. Taşcă.33 Die Partei vefügte über ein eigenes Propaganda-
instrument (die Zeitschrift Crez Nou) das auf gesellschaftlicher Ebene sofortige
Auswirkungen hatte. Zusätzlich, entwickelte die Rumänische Nationalsozialistishe
Partei, die paramilitärische Einsatzformation „Pavăza de Oţel“, nach deutschem
organisatorischen Muster.34 Das politische Programm der Partei beinhaltete radikale
antisemitische Elemente. Eine solche antisemitische Bestimmung forderte dass alle
nach 1916 eingewanderten Juden, aus Rumänien abgeschoben werden müssen.35
Im Prozess der Finanzierung aller nationalsozialistisch orientierten Organi-
sationen aus Rumänien spielte das deutsche Auswärtige Amt (durch die untergeord-
neten diplomatischen Strukturen) eine entscheidende Rolle. Die wichtigsten
finanziellen Mittel zur Unterstützung der nationalsozialistischen Propaganda-
kampagnen im rumänischen Raum stammten aus verschiedenen Quellen (wie in
einem anderen Teil dieser Arbeit bereits erwähnt). Die Tatsache dass die rumänische
Öffentlichkeit vorwiegend germanophil war, rechtfertigte die Durchführung
zusätzlicher Propagandakampagnen. Aus geopolitischer Sicht die Konsolidierung
der deutsch-rumänischen Partnerschaft stellte ein wichtiges strategisches Projekt

30 A.C.N.S.A.S., D 011474, S. 244.


31 Ibidem, S. 245.
32 Ibidem, S. 246.

33 Ibidem.

34 Ibidem, S. 249.

35 Ibidem, S. 246-247 (Punkt 3 im Parteiprogramm: „Populaţia evreiască emigrată la noi după 1916

să fie imediat trecută peste graniţă / Die, nach 1916 eingewanderte jüdische Bevölkerung muss sofort
abgeschoben werden A.d.Ü“).

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dar und zugleich eine außenpolitische Garantie für die beabsichtigte Neugestaltung
Europas.
Die deutsche diplomatische Vertretung in Rumänien vermittelte und be-
aufsichtigte die Finanzierung der Nazi-Propaganda in Rumänien. Der Gesandtschaft
in Bukarest standen nicht nur ausreichende finanzielle Mittel sondern auch, in
Deutschland fertiggestelltes Propagandamaterial zur Verfügung. Das Propaganda-
material wurde nach dem Empfang in Bukarest durch den diplomatischen
Kurierdienst an alle Konsulate geschickt. Man kann diese Vorgehensweise leicht
erkennen wenn man die Korrespondenz der deutschen Gesandtschaft in Bukarest
analysiert, beispielsweise die am 12 März 1940, an das deutsche Konsulat in
Timişoara, gesendete Mitteilung36:

Deutsche Gesandschaft
den 12 März 1940, Bukarest
An das Deutsche Konsulat Timişoara
Wir sandten Ihnen per Paketpost folgendes Material: 3 Pakete enthaltend verschie-
denes Propagandamaterial. Für entsprechende Verteilung bitten wir Sorge zu tragen.
Empfangsbestätigung erbeten.
Deutsche Gesandschaft
Informationsabteilung

Die deutsche Gesandschaft in Bukarest (in Zusammenarbeit mit den


untergeordneten Strukturen) sorgte auch für die Übersetzung in das Rumänische
von verschiedenen Propagandapublikationen wie z.B.37: Juden beherrschen Eng-
land von Peter Aldag, England und das Festland von Carlo Scarfoglio, Südosten,
Geschändete Neutralität, Krisenfreie Wirtschaft, Lebensraum oder Imperialismus,
Deutschland und der Südosten etc. All diese von der deutschen Gesandtschaft in
Bukarest, zur Verfügung gestellten Propagandamaterialien, wurden durch ein kom-
plexes Netz von Nazi-Aktivisten verbreitet. Im Westen Rumäniens, die Verteilung
der Propagandamaterialien war die Aufgabe der folgenden Nazi-Aktivisten38:
— in Timişoara: R. Hollinger, str. Eminescu, nr. 5 und H. Reiner, str. Bră-
tianu, nr. 4;
— in Deva: H.E. Frauenhofer, str. 6 septembrie, nr. 40;
— in Lugoj: Jakob Haas, str. Cuza Vodă;
— in Caransebeş: Hans Megay, str. Episcop Popasu;
— in Oraviţa: Franz Sittner;
— in Arad: H. Kuhn, str. Cicio Pop, nr. 9;
— in Reşiţa: H. Stürmer, str. Mihai Viteazul, nr. 22.

36 PA AA, R 9335/600, S. 19.


37 Ibidem, S. 41-46.
38 Ibidem, S. 10.

162
Außenpolitik und Propaganda: Die deutsche diplomatische Vertretung in Rumänien

Solche Aktivisten die im Auftrag der Nationalsozialisten arbeiteten, gab es


überall in Rumänien. Die meisten von ihnen waren Mitglieder der N.S.D.A.P./A.O.-
Rumänien und arbeiteten mit den deutshen diplomatischen Strukturen sehr eng
zusammen. Zusätliche finanzielle Mittel zur Förderung der nationalsozialistischen
Propagandakampagnen in Rumänien waren indirekt von den wirtschaftlichen Groß-
unternehmen aus Deutschland zur Verfügung gestellt. Man benutzte verschiedene,
von der Gesandtschaft in Bukarest organisierte Veranstaltungen (z.B. Werbekam-
pagnen) als Vorwand für die, in Rumänien ausgegebene Gelder. Zur Finanzierung
der verschiedenen Nazi-Organisationen (z.B. die Deutsch Ethnische Gruppe oder
die Deutsche Volkspartei Rumäniens) trugen u.a. die folgenden Großunternehmen
bei39:
1. Gütermann Nähseide
2. Voigtländer
3. Bosch-Werke
4. Hannomag Automobile, Hannover
5. Skrebba Büromaschinenfabrik, Freiburg im Breisgau
6. Hansa Automobile
7. Francke und Heidecke, photogr. Apparate, Braunschweig
8. Wanderer-Werke (Continental Büromaschinen), Chemnitz
9. Norddeutscher Lloyd
10. Rudolf Sack, landwirtschaftliche Maschinen
11. Deutzer-Motorenwerke
12. Telefunken
13. Viktoria, Allgemeine Versicherungs A.G., Berlin
14. Verlag Westermann, Braunschweig
Die Existenz solcher komplexen Methoden für die Planung, Finanzierung
und Durchführung der nationalsozialistischen Propagandakampagnen weist darauf
hin, dass zur Verwirklichung der Vorherrschaft des Dritten Reiches im europäischen
Südosten, die deutsch-rumänische ideologische Kompatibilität, eine strategische
Notwendigkeit ist.

Schlussfolgerung

Die Untersuchung der geopolitischen Begebenheiten im mittel-und osteuro-


päischen Raum stellt ein zentrales Anliegen in der modernen Geschichtsschreibung
dar. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte sich die interne Struktur der
mittel-und osteuropäischen Gesellschaften wesentlich, vor allem wegen der

39 PA AA, R60195, D.N, ungeordnet: Unterstützung der Deutschen Volkspartei in Rumänien seitens

reichsdeutscher industriellen Unternehmen.

163
Holocaust — Studii şi cercetări

ständigen politischen Umwälzungen. Die Bedeutung des politischen Wandels für


die Neueinstellung der ethnischen Interaktionen in bestimmten Teilen des Konti-
nents wurde systematisch von der allgemeinen Geschichtsschreibung vernachläs-
sigt. In diesem Zusammenhang wird die Notwendigkeit einer Neubewertung und
Neuinterpretierung der sozio-kulturellen Aspekte und Muster in modernen ost-
europäischen Gesellschaften wissenschaftlich relevant. Nach dem Ersten Weltkrieg
und der Großen Union stand der junge rumänische Staat verschiedenen Heraus-
forderungen gegenüber. Die neue soziale und politische Konstellation in Europa
der Zwischenkriegszeit war der Nährboden für radikale sozio-politische Erschei-
nungen mit Ursprung in den Bemühungen der europäischen Gesellschaften, die
Staatlichkeit neu zu gestalten und die nationalen Identitäten zu schaffen, vor allem
im östlichen Teil Europas.
Die Förderung der nationalen Identitäten war eine schwierige und teilweise
gefährliche politische Verpflichtung. Die politischen Eliten waren nicht in der Lage,
die sozialen Gegebenheiten der damaligen Zeit optimal zu begegnen, aufgrund der
vielen konkurrierenden Faktoren: Uneinigkeit in der Entscheidungsfindung,
ungelöste Minderheitenfragen, unterentwickelte politische Kultur, Populismus und
anfällige demokratische Systeme etc. Infolgedessen, entstanden viele strukturelle
Ungleichgewichte, die ihrer Höhepunkt in der berüchtigten ideologischen
Vorherrschaft des Nationalstaates erreichten. Die rumänische Zwischenkriegszeit
ist äußerst wichtig, vor allem wegen der Radikalisierung des sozio-politischen
Systems. Obwohl die rumänische radikale Bewegung in der Zwischenkriegszeit
viele nationale Wurzeln aufwies, hatte ihre zukünftige Entwicklung und vor allem
die Propaganda-Methoden viel gemeinsam mit dem deutschen national-sozialis-
tischen Modell. Im Laufe der Zeit hat das Thema der totalitären Regime (besonders
des Nationalsozialismus) besonderes Interesse geweckt und die Debatten zu diesem
Thema sind immer noch aktuell. Die Erforschung der Entstehung und Dynamik
totalitärer Regime muss eine Konstante der intellektuellen Beschäftigung bleiben,
um zukünftige politische Pathologien zu vermeiden und zum besseren Verständnis
der jüngeren Geschichte beizutragen.

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• Das politische Archiv des Auswärtigen Amtes (Arhiva politică a Ministerului German de
Externe), Berlin Mitte.
• PA AA, R9335/201 fol. 1 (Kulturveranstaltungen, Ausstellungen, Filmstatistiken — Kon-
sulat Temeswar).
• PA AA, R60195, D.N (Unterstützung der Deutschen Volkspartei in Rumänien seitens
reichsdeutscher industriellen Unternehmen).
• PA AA, R 9335/600 (Konsulat Temeswar. Deutsche Propaganda).
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