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Das vegetative Nervensystem

 = autonomes oder unwillkürliches Nervensystem


 Besteht aus 3 Anteilen:
 Sympathikus
 Parasympathikus
 Enterisches Nervensystem (im Darm)

 Funktion: steuert unwillkürlich die Organe (es passt unsere Organe an unsere jeweilige Situation an.
Sind wir entspannt? Sind wir aufgeregt? etc.)

 Das vegetative Nervensystem besteht nicht nur aus Efferenzen (Sympathikus und
Parasympathikus), sondern auch aus Afferenzen. Dies sind sensible Fasern, die z.B. Schmerz von
unseren Organen zum Gehirn leiten. Sie laufen mit den sympathischen und parasympathischen
Fasern, haben aber ansonsten nicht viel mit ihnen zu tun. Die Nervenkerne der sensiblen
afferenten Fasern sitzen in den Spinalganglien.

Nun zu den groben Unterschieden des vegetativen Nervensystems:

 Aufbau Sympathikus:
 Kern des Sympathikus in den Seitenhörnern des Rückenmarks (Thorakal- und
Lumbalmark)
 Von dort ziehen Fasern zu bestimmten Ganglien (entweder zum Grenzstrang oder weiter
zu den Ganglien vor der Aorta abdominalis) (=präganglionäres Neuron)
 Dort (organfern!) erfolgt die Umschaltung von präganglionäre auf postganglionäre
Fasern (=Neuron)
 Das postganglionäre Neuron läuft zum Organ und zieht dort in den Organplexus.
 Transmitter: präganglionäres Neuron Acetylcholin; postganglionäres Neuron
Noradrenalin

 Aufbau Parasympathikus:
 Kerne liegen im Hirnstamm (N. vagus) und in den Seitenhörnern des sakralen
Rückenmarks (Nn. splanchnici pelvici)
 Von dort ziehen die parasympathischen Fasern als N. vagus und Nn. splanchnici pelvici zu
den Organplexus (hier strahlen auch sympathische Fasern ein) und Ganglien, die am
Organ direkt liegen
 Erst am Organ Umschaltung auf postganglionäres Neuron (=organnah)!
 Transmitter: präganglionäres + postganglionäres Neuron Acetylcholin

Merke:
 N. vagus ist für die parasympathische Innervation der Organe bis zur linken Flexura coli
zuständig (=Cannon-Böhm-Punkt)
 Nn. splanchnici pelvici aus dem Sakralmark sind für die parasympathische Innervation ab
der linken Flexura coli zuständig

 Aufbau enterisches Nervensystem:


 Für die Peristaltik des Darmrohres zuständig
 Kann von Sympathikus und Parasympathikus beeinflusst werden
 Neurone liegen in den Wänden des Gastrointestinaltraktes:
 Plexus myentericus = Auerbach-Plexus; zwischen Längs-und Ringmuskelschicht
 Plexus submucosus = Meißner-Plexus; zwischen Mucosa und Submucosa
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1. Der Sympathikus

Funktion: „Fight, flight, fright“! (Beeinflusst alles, was man zum wegrennen braucht bzw. nicht
braucht)  Herz wird schneller, Bronchien weit, Verdauung runtergefahren, Pupillen weit

Truncus sympathikus (Grenzstrang)

 Besteht aus 22 paarigen Ganglien


 Liegt links und rechts neben der Wirbelsäule
 Verläuft von Schädelbasis bis zum Steißbein (dort vereinigt er sich zum Ganglion impar)
 Halbereich: Ganglion cervicale superius (symp. Äste mit A. carotis zum Kopf), medium (zu
Schilddrüse, Larynx und Herz) und inferius (zu Herz, Arm und Lunge)
(Das Ganglion cervicale inferius ist oft mit dem obersten Thorakalganglion verschmolzen = Ganglion
cervicothoracicum = Ganglion stellatum)
 Brustbereich: gibt N. splanchnicus major und minor ab (zu Ggl. Coeliacum, Ggl. Mestentericum
superius und Ggl. Aorticorenalia)
 Bauch-/Beckenbereich: gibt Nn. splanchnici lumbales und sacrales ab (hauptsächlich zu Plexus
hypogastricus inferior und Plexus mesentericum inferior, aber der Vollständigkeit halber auch zu
Plexus coeliacus, Plexus renalis, Plexus hypogastricus superior, Plexus sacralis)

a) Sympathische Versorgung der Organe im Thorax:

Neurone beginnen im Seitenhorn des Rückenmarks Th2-5


 Fasern ziehen von dort über die Vorderwurzel des Rückenmarks in den Spinalnerv, dann über
Ramus communicans albus zum Truncus sympathicus  hier erfolgt die Umschaltung von prä-
auf postganglionäre Fasern
 Postganglionäre Fasern strahlen in Plexus ein und ziehen zu den Organen:

 Plexus cardiacus (Herz)


Plexus pulmonalis (Lunge, Trachea, Bronchien)
Plexus oesophageus (Ösophagus)

b) Sympathische Versorgung der Organe im Abdomen bis zur linken Colonflexur:

N. splanchnicus major

 Neurone beginnen im Seitenhorn des Rückenmarks Th5-9  von dort ziehen Fasern über die
Vorderwurzel des Rückenmarks in den Spinalnerv, dann über Ramus communicans albus zum Truncus
sympathicus.
 Dort KEINE Verschaltung, sondern die Fasern ziehen gleich weiter in den N. splanchnicus
major
 Der N. splanchnicus major zieht durch das Zwerchfell (mit V. azygos bzw. hemiazygos) und dann zu
folgenden Ganglien:
 Zu Ganglion coeliacum, Ganglion mesentericum superius und Ganglia aorticorenales  erst hier
Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern!
 Fasern ziehen von den Ganglien mit den Arterien zu:
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 Ganglion coeliacum:
Plexus hepaticus (Leber, Gallenblase)
Plexus gastrici (Magen)
Plexus splenicus (Milz)
Plexus pancreaticus (Pankreas, Duodenum)
 Ganglion mesentericum superius:
Plexus mesenerticus superior zu Pankreas, Duodenum, Jejunum, Ileum, Caecum,
Colon bis Flexura coli sinistra
 Ganglia aorticorenales:
Plexus suprarenalis/renalis und uretericus (Niere, Nebenniere, nierennaher Ureter)
(Die Nebennieren stellen eine Ausnahme dar: Erst HIER - im Nebennierenmark! - erfolgt
die Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern! Die Nebennieren werden also nur
von präganglionären Fasern erreicht. Dann wird Adrenalin und Noradrenalin über Neurone
direkt ins Blut abgegeben.)

N. splanchnicus minor

 Enthält Fasern von den Rückenmarkssegmenten Th10-12


 Zieht zu Ganglion coeliacum und Ganglion mesentericum superius
 Fasern ziehen von den Ganglien mit den Arterien zu den Bauchorgangen (siehe oben, N.
splanchnicus major)

c) Sympathische Versorgung der Organe im Abdomen ab der linken Colonflexur:

Nn. Splanchnici lumbales und sacrales

 Enthalten Fasern von den Rückenmarkssegmenten L1-2 und L3-5 (lumbales) bzw. von S1-3
(pelvici)
 Fasern ziehen in den Grenzstrang, werden dort aber NICHT verschalten
 Fasern ziehen direkt weiter in folgende Ganglien: Ganglion mesentericum inferius und Plexus
hypogastricus inferior
 Dort Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern!
 Fasern ziehen von den Ganglien mit den Arterien zu:

 Ganglion mesentericum inferius:


Plexus rectalis superior (Colon ab Flexura coli sinistra, oberes Rectum)
 Plexus hypogastricus inferior:
Plexus rectalis medius und inferior (mittleres und unteres Rectum)
Plexus vesicalis (Vesica urinaria)
Plexus uretericus (Ureter, Pars abdominalis und pars pelvica)
Plexus prostaticus (Prostata, Glandulae vesiculosae, Gll. Bulbourethrales, Ductus
ejaculatorius, Penis, Urethra)
Plexus deferentialis(Ductus deferens, Epididymis)
Plexus unterovaginalis (Uterus, Tuba unterina, Vagina, Ovar)
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Merke (Zusammenfassung Sympathikus):


 Die sympathischen Fasern, die den Thorax versorgen, ziehen vom thorakalen Rückenmark zum
Truncus sympathikus. Sie haben keinen speziellen Namen. Im Truncus sympathikus werden sie
verschalten.

 Die sympathischen Fasern, die das Abdomen bis zur linken Colonflexur versorgen, entspringen
dem Thorakalmark und ziehen durch den Truncus sympathikus. Hier werden sie aber nicht
verschalten. Sie ziehen weiter als Nn. splanchnicus major und minor durch das Zwerchfell zu den
Ganglien vor der Aorta (v.a. Ganglion coeliacum, Ganglion mesentericum superius, Ganglion
aorticorenale). Hier erfolgt die Umschaltung.

 Die sympathischen Fasern, die das Abdomen ab der linken Colonflexur versorgen, entspringen
dem lumbalen und sacralen Rückenmark. Sie ziehen durch den Truncus sympathikus, werden
hier aber nicht verschalten. Sie ziehen weiter als Nn. splanchnici lumbales und sacrales zu den
Ganglien vor der Aorta (v.a. Ganglion mesentericum inferius und Plexus hypogastricus inferior).
Hier erfolgt die Umschaltung.

2. Der Parasympathikus

Funktion: „Rest and digest“ (Chillen, verdauen, entspannen…)

a) Parasympathische Innervation von den Organen in Thorax und Abdomen bis zur linken
Colonflexur:

N. vagus (Teil, der den Körper versorgt)

 10. Hirnnerv
 Verlässt Schädel durch Foramen jugulare
 Läuft im Hals in der Vagina carotica mit A. carotis interna und V. jugularis interna
 Gibt im Hals jeweils einen N. laryngeus superior ab (zum Kehlkopf)
 Beide Nn. Vagi laufen hinter dem Lungenhilum und legen sich dann dem Ösophagus an  Plexus
oesophageus  Ziehen durch das Zwerchfell im Hiatus oesophageus

 Beide Nn. Vagi geben im Brustbereich folgende Äste ab an:


Plexus cardiacus (Herz)
Plexus pulmonalis (Lunge, Trachea, Bronchien)
Plexus oesophageus (Ösophagus)

 Geben im Bauchbereich folgende Äste ab an:


Plexus hepaticus (Leber, Gallenblase)
Plexus gastrici (Magen)
Plexus splenicus (Milz)
Plexus pancreaticus (Pankreas, Duodenum)
Plexus mesenerticus superior zu Pankreas, Duodenum, Jejunum, Ileum, Caecum, Colon bis
Flexura coli sinistra)
Plexus suprarenalis/renalis und uretericus (Niere, Nebenniere, nierennaher Ureter)
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Genaue Verläufe von N. vagus dexter bzw. sinister:

N. vagus sinister:
 Tritt in Thorax ein, gibt N. laryngeus recurrens ab (dieser läuft von vorne nach hinten um den
Aortenbogen) läuft dann zwischen Trachea und Ösophagus zum Kehlkopf zurück (innerviert Trachea,
Ösophagus + Schilddrüse, Kehlkopf motorisch und sensibel)
 Verläuft weiter hinter dem Lungenhilum
 Legt sich dem Ösophagus an und zieht als Truncus vagalis (anterior) durch den Hiatus
oesophageus
 Zieht im Bauchraum über die Vorderwand des Magens  dann in Organplexus

N. vagus dexter:
 Zieht zwischen V. brachiocephalica und A. subclavia dextra in den Thorax
 Gibt N. laryngeus recurrens ab (dieser schlingt sich um A. subclavia dextra)  läuft zwischen
Trachea und Ösophagus zum Kehlkopf zurück (innerviert diese Organe + Schilddrüse, Kehlkopf motorisch
und sensibel)
 Läuft hinter dem Lungenhilum zum Ösophagus
 Zieht als Truncus vagalis (posterior) durch den Hiatus oesophageus
 Zieht im Brauchraum zur Hinterseite des Magens  dann in Organplexus

b) Parasympathische Innervation von den Organen in Thorax und Abdomen ab der linken
Colonflexur:

Nn. Splanchnici pelvici

 Enthalten Fasern von den Seitenhörnern der Rückenmarkssegmente von S2-4


 Fasern ziehen zum Plexus hypogastricus inferior oder zu Ganglien in den Organwänden (erst hier
erfolgt die Umschaltung von prä- auf postganglionäres Neuron!)
 Versorgungsgebiet:
Plexus rectalis superior (Colon ab Flexura coli sinistra, oberes Rectum)
Plexus rectalis medius und inferior (mittleres und unteres Rectum)
Plexus vesicalis (Vesica urinaria)
Plexus uretericus (Ureter, Pars abdominalis und pars pelvica)
Plexus prostaticus (Prostata, Glandulae vesiculosae, Gll. Bulbourethrales, Ductus ejaculatorius,
Penis, Urethra)
Plexus deferentialis(Ductus deferens, Epididymis)
Plexus unterovaginalis (Uterus, Tuba unterina, Vagina, Ovar)

Merke:
 N. vagus ist für die parasympathische Innervation der Organe bis zur linken Flexura coli
zuständig (=Cannon-Böhm-Punkt)
 Nn. splanchnici pelvici aus dem Sakralmark sind für die parasympathische Innervation ab
der linken Flexura coli zuständig
 Die Umschaltung von prä- auf postganglionäres Neuron erfolgt erst im Organ (organnah)