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“Bei den Verletzungs- und Gefährdungsdelikten wird für die Auswirkungen der Tat auf das zu

schützende Rechtsgut abgestellt. Verletzungsdelikte setzen eine Beeinträchtigung des


Rechtsguts sowie eine Beeinträchtigung des dazugehörigen Tatobjekts voraus. Bei
Gefährdungsdelikten reicht dagegen eine bloße Gefährdung des Rechtsguts aus”
(Hilgendorf/Valerius Strafrecht AT, 2. Aufl. 2015, § 1 Rn. 57).

„Die dogmatische Erschließung der Gefährdungsdelikte pflegt von der Unterscheidung


zwischen abstrakten und konkreten Gefährdungstatbeständen auszugehen. Als abstrakte
Gefährdungsdelikte bezeichnet man solche, bei denen die Indizien der Gefährlichkeit vom
Gesetz selbst bestimmt werden, während bei den konkreten Gefährdungsdelikten der Eintritt
einer Gefahr Tatbestandsmerkmal ist und daher im Einzelfall vom Richter festgestellt werden
muß „(Schröder, 1967).

Gefährdungsdelikte

Gefährdungsdelikte werden in konkrete und abstrakte Gefährdungsdelikte unterteilt:

a) Konkrete Gefährdungsdelikte
Um den objektiven Tatbestand zu erfüllen, erfordert es eine konkrete Gefährdung des
Rechtsguts (Krey/Esser Strafrecht AT, 6. Aufl. 2016, Rn. 222). Eine Gefahr ist konkret,
wenn der Eintritt eines Schadens nur noch vom Zufall abhängt (Fischer StGB, 65. Aufl.
2018, § 315c Rn. 15a). Konkrete Gefährdungsdelikte sind damit Erfolgsdelikte.
Ein Beispiel für ein konkretes Gefährdungsdelikt stellt die Gefährdung des Straßenverkehrs
z.B. durch Trunkenheit am Steuer nach § 315c I Nr. 1a dar, wodurch Leib und Leben
anderer Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet werden.

b) Abstrakte Gefährdungsdelikte
Bei abstrakten Gefährdungsdelikten liegt dagegen eine gesetzliche Vermutung vor, dass
bestimmte Handlungen für das zu schützende Rechtsgut generell gefährlich sein könnten
(Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, Rn. 43; Krey/Esser Strafrecht AT, Rn. 224).
Abstrakte Gefährdungsdelikte sind damit schlichte Tätigkeitsdelikte, deren Tatbestand
also mit der Vornahme der tatbestandsmäßigen Handlung und unabhängig eines
Erfolgseintritts erfüllt ist (Krey/Esser Strafrecht AT, Rn. 224). Die Anforderungen eines
abstrakten Gefährdungsdelikts erfüllt beispielsweise die schwere Brandstiftung
nach§ 306a I.

„Das Strafgesetzbuch enthält jedoch eine Reihe von Tatbeständen, bei denen die
Entscheidung darüber, ob es sich um abstrakte oder konkrete Gefährdungsdelikte handelt,
Schwierigkeiten macht und eine allgemeine Lösung bisher nicht gefunden werden konnte.
Dazu gehört einmal die gefährliche Körperverletzung, bei der vor allem streitig ist, welche
Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit von einer das Leben gefährdenden
Behandlung die Rede sein kann. Ferner gehört in diesen Zusammenhang die Vergiftung
des § 229, die voraussetzt, dass die beigebrachten Stoffe geeignet sind, die Gesundheit zu
zerstören. Ähnliche Probleme tauchen endlich auch bei der 2. Alternative des §308 StGB
auf, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die und Brand gesetzte Sache ihrer
Beschaffenheit und Lage nach geeignet sein muss, das Feuer anderen Objekten
mitzuteilen.

In allen diesen Fällen kann zunächst nicht daran gezweifelt werden, daß die Entscheidung
über die Gefährlichkeit der Handlung nicht vom Gesetzgeber getroffen ist, sondern dem
Richter obliegt. Es handelt sich also um konkrete Gefährdungsdelikte im Sinne der oben
getroffenen Unterscheidung. Zweifelhaft und bestritten aber ist, ob der Richter bei seinem
Urteil über die Gefährlichkeit der Handlung sämtliche Umstände des Einzelfalles zu
berücksichtigen hat, oder ob er lediglich solche Situationen als gefährlich bezeichnen darf,
die nach allgemeiner Erfahrung geeignet erschein, einen schädlichen Erfolg
herbeizuführen, mag auch wegen der besonderen Konstellation der Umstände für den
konkreten Fall feststehen, daß es zu einem Schaden in Wahrheit nicht kommen kann. Der
letztgenannte Standpunkt würde bedeuten, daß immer nur ein Teil der Umstände, die für
das Urteil über die Gefährlichkeit einer Handlung maßgeblich sein können, zu
berücksichtigen wäre, dagegen atypische Tatsachen, mögen sie auch als solche feststehen,
außer Betracht zu bleiben hätten“ (Schröder, 1967).