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Rezension: Fields Virology / Hg. David M. Knipe, Peter M.

Howley

Stichworte: Virologie, Tumorviren, RNA, MMTV, Maus-Mammatumorvirus, AIDS, Rinderleukämie, EBV, Epstein-Barr-Virus, Chemotherapie,
Resistenz, Taxane, Virusverbreitung, Reisegewohnheiten,

Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping: 31.03.2007

Bücher
Fields Virology ist ein Abenteuer für den, der gerne zu Hause sitzt und in seinem
gemütlichen Sessel die interessanten Verbreitungsstrategien der Viren analysiert.

Schwer zu entscheiden. Ich sitze noch an dem ausgezeichneten Kapitel Retroviridae von
Stephen P. Goff, das mir einen wunderbaren Überblick über das gibt, was sich über die
RNA-Tumorviren zusammentragen ließ.

Der komplizierte Lebenszyklus der RNA-Tumorviren ist gut zu verstehen und wenn man
mit diesem Buch beginnt, in dem alles leicht und ausführlich erklärt wird, und in dem
nicht auf Grund von Platzmangel sehr viel weggelassen werden muss, wird man die
grundlegenden Stolperstufen erkennen, die ein erfolgreiches Virus meistern muss:

Wie kommt das Virus in die Zelle hinein und funktioniert diese so um, dass sie
Virusproteine herstellt?

Wie kommen diese Viren in den neuen Wirt und lassen den alten Wirt mindestens so
lange leben bis alles geklappt hat?

Bei den RNA-Tumorviren ist das besonders interessant. Sie kommen ja nicht in jede
Zelle, sondern brauchen ein Rezeptor-Protein, und in Bezug auf das Rezeptor Protein sind
sie sehr speziell. Sie nehmen nicht jedes.

Das kann neue Wirte schützen, wenn Viren fremder Spezies Kontakt aufnehmen wollen.
Aber es gibt Umgehungsstrategien. Das Aids-Virus, das ein gut beschriebenes
Rezeptormolekül nutzt, kann mit Hilfe von Antikörpern auch auf anderen Wegen in die

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Zellen eindringen. Interessant zu wissen, wenn man sich mit weniger gut erforschten
Viren befasst.

Und so nützt das Buch nicht nur dem Einsteiger, sondern auch all denen, die wissen
wollen, welche Strategien haben die Verwandten der Viren drauf, für die man sich selbst
interessiert.

Beim Maus-Mammatumorvirus ist die Rolle des Superantigens für die Infektion sehr gut
untersucht, während die Erforscher der Enzootischen Rinderleukämie zwar auf ein
Phänomen stoßen, das durch die Wirkung eines Superantigens leicht zu erklären wäre,
nämlich die massive Leukozytose am Anfang der Infektion, die nicht Antigen spezifisch
ist. Und das ist typisch für Superantigene. Aber welcher Spezialist der Rinderleukose
interessiert sich schon für Tumore in der Brust der Maus?

In Fields Virology könnte er einen guten Einstieg finden, der ihn manche "unerklärlichen"
Phänomene der Rinderleukämie begreifen lässt. Auch Mediziner, die die akute T-Zell-
Leukämie des Menschen verstehen wollen, könnten sich von den sehr gut untersuchten
frühen Stadien der Maus-Mammatumorvirus-Infektion inspirieren lassen.

Die Erkenntnisse zum Maus-Mammatumorvirus sind hier vielleicht zum letzen Mal
beleuchtet, da seine Karriere als menschliches Brustkrebsvirus groß raus zu kommen ad
Acta liegen. Aber man könnte an ihnen so viel über die Pathogenese anderer Tumorviren
lesen, dass man den Einstieg hier nicht verpassen sollte. Bis jetzt richten sich bei AIDS
fast alle Medikamente nur gegen die reverse Transkriptase. Aber es gibt viele
Virusproteine, bei denen man ansetzen könnte. In Field Virology kann man sich
inspirieren lassen, neue Ansatzpunkte zu finden.

Aber die Retroviren sind nur ein sehr kleiner Bereich in diesem umfangreichen
Standardwerk, das eine breite Palette wichtiger Viren beschreibt, deren Bedeutung man
unterschätzt, wenn man in der Klinik unter Zeitdruck Entscheidungen treffen muss.

So das Epstein-Barr-Virus, das ein bescheidenes Dasein im Schatten unserer


Aufmerksamkeit fristet. Dabei macht die Infektion von Tumorzellen mit EBV diese gegen

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die Chemotherapie mit Taxanen resistent. Sie sterben einfach nicht. Da jedes Jahr
Hunderttausende von Krebspatienten mit dieser quälenden Behandlung überzogen
werden, könnte sich auch für Onkologen ein Blick in auf die Verbreitungsstrategien
dieses Tumorvirus lohnen. Auch wenn EBV anders als in Asien und Afrika bei uns keine
Tumoren macht, erleichtert er ihnen vielleicht das Leben. Ein unschöner Gedanke, der
einen Einblick in den Überblick anregen könnte. Deutlich wird der Blick auf die
ausgefallenen Strategien der Viren gerichtet. Hätten sie ein Seelenleben, Field Virology
würde helfen, sich hineinzuversetzen.

So erlebt sich staunend, wie durch schnelle Mutationen eine Anpassung an neue Wirte
gelingt, die zu Beginn neuer Lebensgemeinschaften zu hässlichen Erscheinungen wie
Krankheit und Tod führen. Was im Zeitalter der Eroberungen Millionen kolonisierter
Völker dahinraffte, trifft jetzt zuerst die Touristen, die sich in entlegenen Gegenden an
Kontakte wagen, die manch einem Virus einen neuen Wirt verschaffen.

Auch neue Lebengewohnheiten wie die Fremdmilchernährung der Säuglinge bieten


Milchviren - und das sind die RNA-Tumorviren der Säugetiere,- die grundsätzlich als
stabile DNA Proviren über die Milch weitergegeben werden, ungewollt neue
Verbreitungschancen. Wie – das beschreiben die Brüsseler Veterinärmediziner über das
Bovine Leukämie Virus (Rinderleukämie-Virus).

Man kann fast ausschließen, dass es Krankheiten auf den Menschen überträgt, außer
vielleicht Krebs. Wie wahr. Schon deshalb sollte man sich Fields Virology näher ansehen.
Ob es Abenteuer oder Genuss oder beides ist, hängt am eigenen Empfinden. Auf jeden
Fall bringt es Inspiration.

Fields Virology in Bibliotheken und Buchhandel, das Buch ist auch als elektronische Ressource verfügbar. :

Archive.org: http://web.archive.org/web/*/http://www.erieping.de/fields_virology.htm

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