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BDS-Info.

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B O YKOTT – D E S I N V E S T ITION – SANKTIONEN gegen I s r a e l b i s z u m E n d e v o n A p a r t h e i d u n d B e s a t z u n g i n P a l ä s t i n a

EDITORIAL BOYKOTT, DESINVESTI-


Mit dem vorliegenden BDS-Info wollen wir die Aktivitäten der
Boykott-Desinvestitions-Sanktionen-Kampagne dokumentieren, zu TION UND SANKTIONEN
GEGEN ISRAEL
der die palästinensische Zivilgesellschaft im Juli 2005 aufgerufen
hat.
Ziel dieser Kampagne ist es, mit ökonomischem Druck
und der internationalen Ächtung und Isolation Israels die nach
internationalem Standard unbestrittenen Grundrechte der bis Israel internationales Recht und
PalästinenserInnen durchzusetzen. Sie wird den AktivistInnen
der Palästina-Solidarität zweifellos einen langen Atem, kreative die universellen Menschenrechte
Ideen und eine gute Portion Mut abfordern, zumal sie in einem
international wie regional ausgesprochen schwierigen Klima
respektiert – Aufruf der palästinen-
lanciert wurde. Angesichts der prekären Lage vor Ort ist unser sischen Zivilgesellschaft
Engagement heute dringend nötig.
Die palästinensische Gesellschaft ist extrem geschwächt, Am 7. Juli 2005 riefen 172 palästinensische Organisationen die
was wesentlich auf die von Israel diktierten Rahmenbedingungen Weltöffentlichkeit zu Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen
zurückzuführen ist. In den besetzten Gebieten einschliesslich des Israel auf. Im Folgenden der Wortlaut des Aufrufs:
Gaza-Streifens haben sich die Lebensbedingungen in den letzten
zwölf Jahren dramatisch verschlechtert; im Grossraum Jerusalem Ein Jahr nach dem historischen Rechtsgutachten des Internationalen
wird die palästinensische Bevölkerung systematisch verdrängt; in Gerichtshofes (IGH), das den israelischen Mauerbau auf besetztem
Israel steigt der Druck auf die palästinensischen StaatsbürgerInnen, palästinensischem Gebiet für illegal erklärt, setzt Israel unter
die als „demographische Gefahr” gelten; auf internationalem Parkett völliger Missachtung des Gerichtsbeschlusses den Bau der
sind die Aussichten auf eine die Grundrechte der palästinensischen Kolonialmauer fort. 38 Jahre nach Beginn der israelischen
Bevölkerung berücksichtigende Lösung angesichts der israelischen Besatzung des palästinensischen Westjordanlands (einschliesslich
Politik (Siedlungen, Mauer, Landenteignungen, Vertreibung etc.) Ostjerusalems), des Gazastreifens und der syrischen Golanhöhen
und deren Duldung durch die internationale Staatengemeinschaft setzt Israel den Ausbau jüdischer Siedlungen fort. Israel hat das
völlig geschwunden. Die westlichen Regierungen weigern sich, besetzte Ostjerusalem und die Golanhöhen einseitig annektiert
Israel auf seine internationalen Verpflichtungen zu behaften; und ist derzeit dabei, durch den Mauerbau weite Teile der
selbst das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs Westbank de facto zu annektieren. Im Rahmen des geplanten
zum Mauerbau, das die Staatengemeinschaft unmissverständlich Gaza-Rückzuges bereitet Israel zudem den Neu- und Ausbau von
zum Handeln auffordert, ist ohne jegliche Konsequenz geblieben. Siedlungen im Westjordanland vor. 57 Jahre nach Gründung des
Anstatt den Druck auf die palästinensische Gesellschaft zu erhöhen, Staates Israel, das mehrheitlich auf Land errichtet wurde, dessen
weil sie in den Wahlen dem Diktat Israels, der USA und anderer EigentümerInnen zuvor einer ethnischen Säuberung zum Opfer
Länder eine deutliche Absage erteilt hat, braucht diese unsere volle fielen, sind die PalästinenserInnen in ihrer Mehrheit Flüchtlinge,
Solidarität. Die BDS-Kampagne ist ein ausgezeichnetes Mittel, die meisten von ihnen staatenlos. Darüber hinaus besteht Israels
auch unseren Regierungen klarzumachen, dass wir eine radikale tief verankertes System der Diskriminierung der eigenen arabisch-
Kehrtwende in der Israel-Palästina-Politik hin zur Durchsetzung palästinensischen BürgerInnen unvermindert fort.
der legitimen Rechte der PalästinenserInnen wollen.
In der ersten Ausgabe des BDS-Info dokumentieren wir den Im Lichte der fortgesetzten Verletzung des Völkerrechts durch
Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft und Beispiele Israel;
von Kampagnen, setzen uns aber auch mit einem oft erhobenen angesichts der Tatsache, dass seit 1948 in über hundert UN-
Einwand gegen den Boykott auseinander. Resolutionen Israels kolonialistische und diskriminierende Politik
In den nächsten Ausgaben bringen wir weitere Berichte über als unrechtmässig verurteilt und unverzügliche, angemessene und
Möglichkeiten des Eingreifens, lassen palästinensische und effektive Gegenmassnahmen gefordert wurden;
israelische Stimmen zu Wort kommen, zeigen Parallelen zur Anti- angesichts des Scheiterns aller bisherigen Versuche, Israel durch
Apartheid-Bewegung auf und dokumentieren Debatten. internationale Intervention und friedensbildende Massnahmen
Zuletzt möchten wir noch auf unsere Website hinweisen zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts, der Achtung
(www.bds-info.ch). Zudem laden wir alle, die zum guten grundlegender Menschenrechte und der Beendigung von
Gelingen der BDS-Kampagne beitragen wollen, ein, sich mit uns Besatzung und Unterdrückung des palästinensischen Volkes zu
in Verbindung zu setzen. bewegen oder zu zwingen;
in Anbetracht der Tatsache, dass immer wieder in der Geschichte
aufrechte Menschen aus der internationalen Gemeinschaft die DEFINITIONEN von SchwarzafrikanerInnen finanziert und davon profitiert haben.
Desinvestitionskampagnen können aber auch von anderen
beteiligen und die Besatzung und Apartheid Israels stützen. Unser
Boykott zielt auf die Überwindung einer politischen Struktur
moralische Verantwortung auf sich genommen haben, Unrecht Organisationen aufgegriffen werden, um Firmen und Institutionen und fragt nicht nach ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit.
zu bekämpfen, beispielsweise im Kampf für die Abschaffung der Boykott zu zwingen, ihre Investitionen aus israelischen Firmen oder Antijüdische Stereotype und Vorurteile haben daher in dieser
Apartheid in Südafrika durch verschiedene Formen von Boykott, Unternehmen, die Israels Besatzung und Apartheid unterstützen, Kampagne keinen Platz.
Investitionsabzug und Sanktionen; Boykott-Kampagnen sind die unmittelbarste Aktionsform. Boykott- zurückzuziehen. Direkte Desinvestitionskampagnen wurden von Der Aufruf knüpft politisch an die Bewegung gegen die
inspiriert durch den Kampf der SüdafrikanerInnen gegen Apartheid aktionen helfen, das Bewusstsein der Menschen in den Strassen, Gewerkschaften, Kirchen und lokalen oder nationalen Netzwerken Apartheid in Südafrika an. Er ist ein friedliches Mittel, um Druck
und im Geist internationaler Solidarität, einer konsequenten in den Läden und in den Häusern zu schärfen. Der Boykott organisiert. auf politische Instanzen, Institutionen und die Bevölkerung Israels
moralischen Haltung und des Widerstands gegen Unrecht und ist von seinem Wesen her ein Instrument der Machtlosen auszuüben, damit die legitimen Rechte der palästinensischen
Unterdrückung gegen die Mächtigen. Boykotte stehen für Bewegungen von Bevölkerung einschliesslich der Flüchtlinge durchgesetzt und
Durchschnittsmenschen, die sich dagegen wehren, Ungerechtigkeit Sanktionen Besatzung und Apartheid beendet werden.
rufen wir, VertreterInnen der palästinensischen Zivil- zu unterstützten, und die von ihrem Recht Gebrauch machen, als
gesellschaft, die Organisationen der internationalen KonsumentInnen zu wählen, um – in diesem Fall – die palästi- Sanktionen wurden als ein Mittel entwickelt, internationales Recht
Zivilgesellschaft und aufrechte Menschen weltweit auf, nensische Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit zu durchzusetzen. Normalerweise unterbinden Sanktionen Handel
einen umfassenden Boykott gegen Israel durchzusetzen unterstützen und ihre Opposition gegen die politischen Positionen und Investitionen, sodass das betreffende Land keine Waren auf
und Initiativen nach dem Muster der während des ihrer Regierungen und Institutionen zum Ausdruck bringen. Boykott dem globalen Markt mehr kaufen und verkaufen kann. Sanktionen
Apartheidregimes gegen Südafrika verhängten Mass- ist folglich ein Hilfsmittel, um Regierungen und Institutionen können auf bestimmte Waren wie Waffen oder Öl zielen. Sie können
nahmen zu ergreifen, um Investitionen aus Israel mit Druck von unten dazu zu bringen, auf politischer Ebene zu ebenfalls den Luftverkehr unterbrechen, diplomatische Beziehungen
abzuziehen. Wir appellieren an Sie, Druck auf Ihre reagieren. Unter die verschiedenen Arten des Boykotts fallen neben abbrechen oder drastisch reduzieren, die Bewegungsfreiheit von
jeweiligen Länder auszuüben, damit sie Embargos dem Warenboykott auch akademischer und kultureller Boykott Personen einschränken, Investitionen verhindern oder nationale
und Sanktionen gegen Israel verhängen. Ebenso laden sowie Boykott im Bereich des Sports. Bankguthaben einfrieren.
wir verantwortungsvolle Israelis ein, diesen Aufruf Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen Sanktionen,
im Interesse der Gerechtigkeit und eines ernsthaften die durchgesetzt werden, um den Kampf eines unterdrückten
Friedens zu unterstützen. Volkes zu unterstützen, und Sanktionen, die durchgesetzt werden,
um ein Volk aktiv zu unterdrücken. Tatsächlich wurden Sanktionen
Diese gewaltfreien Sanktionsmassnahmen sollten fortgesetzt in den meisten Fällen durchgesetzt, um Bevölkerungen von
Kinderzeichnung
werden, bis Israel seiner Verpflichtung nachkommt, das Ländern zu unterdrücken, die als den Interessen der USA und
unveräusserliche Recht des palästinensischen Volkes auf der westlichen Welt feindselig gelten. Sie bauen also auf bereits
Selbstbestimmung anzuerkennen, und die Bestimmungen des
Völkerrechts erfüllt, indem es folgende Schritte unternimmt:
bestehenden Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnissen auf.
Dennoch waren Sanktionen in einigen Fällen spezifisch darauf KURZMELDUNGEN
ausgerichtet, den Kampf eines Volkes gegen die Unterdrückung
1. Beendigung der Besatzung und Kolonisation des gesamten zu unterstützen. Die Sanktionen gegen Südafrika bedeuteten eine
arabischen Landes und Niederreissen der Mauer; wirksame Unterstützung für den Kampf gegen die Apartheid, der im
Englische ArchitektInnen rufen zum
2. Anerkennung der Grundrechte der arabisch-palästinensischen Land selbst vom ANC geführt wurde. Boykott auf
BürgerInnen Israels auf vollständige Gleichberechtigung; und
3. Achtung, Wahrung und Unterstützung des Rechts der palästi- Weitere Infos unter: www.stopthewall.org und Eine Gruppe von englischen ArchitektInnen ruft zum wirtschaftlichen
nensischen Flüchtlinge auf Rückkehr zu ihren Wohnstätten www.badil.org Boykott der israelischen Bauindustrie auf. Damit protestieren sie
und ihrem Besitz, wie in UN-Resolution 194 vorgesehen. gegen den Bau von Siedlungen und der Apartheidsmauer in den
Boykott-Aktion beim Fussballspiel Schweiz–Israel in Basel 2005 besetzten Gebieten. (Aus Independent, 10.2.06)
Unterstützt von über 170 palästinensischen Parteien, Verbänden,
Bündnissen und Organisationen palästinensischer Flüchtlinge,
Amerikanische und englische
der PalästinenserInnen unter israelischer Besatzung und der
palästinensischen BürgerInnen Israels, die zusammen das
Desinvestition ANTISEMITISMUS Kirchen beschliessen Desinvestition
palästinensische Volk bilden. Bei Desinvestitionskampagnen versuchen Organisationen, Grup-
pen und Bewegungen gemeinsam, Firmen und Institutionen unter „Boykott” als Mittel, Druck auf Israel auszuüben, stösst in Europa Die Synode der anglikanischen Kirche in den USA hat beschlossen,
Druck zu setzen und diese zum Rückzug ihrer Investitionen in zu vielfach auf Kritik und Ablehnung, weil er mit dem Aufruf der Nazis alle ihre Investitionen von israelischen Firmen zurückzuziehen,
bewegen. assoziiert wird, jüdische Geschäfte zu boykottieren. deren Produkte in den besetzten Gebieten Verwendung finden.
Desinvestition ist ein politisches Werkzeug, das vom Den Nazis ging es um die Zerstörung der Existenzgrundlagen Auch die Church of England und das Bischoftum Canterbury haben
studentischen Flügel der Anti-Apartheid-Bewegung während der der jüdischen Bevölkerung in Europa und schliesslich um deren den Rückzug kirchlicher Gelder von Firmen beschlossen, die von
Kampagnen gegen Apartheid in Südafrika entwickelt wurde, um physische Vernichtung. Wir rufen zum Boykott israelischer Produkte, der illegalen Besatzung palästinensischer Gebiete profitieren.
grosse Unternehmen unter Druck zu setzen, die die Ausbeutung Unternehmen und Institutionen wie auch solcher Unternehmen auf, Bislang hatten die englischen Kirchen 2,5 Millionen Pfund in
die sich an der Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung Caterpillar investiert. (Aus Guardian, 7.2.06)
WEF-Magazin ruft zum Boykott von Norwegisches Lokalparlament
Israel auf beschliesst Boykott
In der Zeitung „Global Magazine”, die von den OrganisatorInnen Das norwegische Parlament der Region Sor-Trondelag verbot kurz
des World Economic Forums an alle TeilnehmerInnen verteilt vor Weihnachten aus Protest gegen die israelische Unterdrückung
wurde, war auch ein antizionistischer Artikel des amerikanischen der PalästinenserInnen den Verkauf von Produkten aus Israel.
Professors Dr. Mazin Qumsiye abgedruckt, in dem er zum Boykott Das regionale Parlament in Norwegen war auch das erste, das
von Israel aufruft. Klaus Schwab bezeichnete sich nach der Lektüre den Boykott von Produkten aus Südafrika unter der Apartheid
des Artikels in der halboffiziellen Zeitung des WEF als „geschockt”. beschlossen hatte. US-Aussenministerin Rice drohte Norwegen
Der Artikel wurde unverzüglich von der Webseite des Magazins mit “ernsthaften politischen Konsequenzen”, falls der Beschluss
gelöscht und die unverteilten Exemplare am Forum eingesammelt. nicht rückgängig gemacht wird.
(Mehr Infos unter http://www.qumsiyeh.org/boycottisrael/)
Kampagnen für Boykott und
Verfahren gegen Agrexco- Sanktionen in Quebec und Flandern
BlockiererInnen eingestellt
Anfang Dezember 2004 beschloss ein Bündnis von mehr als
Ein lokales Gericht in Uxbridge (England) hat das Strafverfahren 20 Gruppen die Unterstützung des palästinensischen Aufrufes
gegen 7 BlockiererInnen eines Agrexco-Verteilzentrums mangels für Sanktionen, Desinvestitionen und Boykott, um Israel zur
Beweisen eingestellt. Agrexco ist der grösste Exporteur von Einhaltung des internationalen Rechtes zwingen. Das Bündnis will
Landwirtschaftsprodukten aus Israel und den illegalen Siedlungen als erstes Kampagnen gegen Caterpillar, gegen den Import von
in den besetzten Gebieten. Am 11.11.04 konnte eine Gruppe israelischen Weinen aus den besetzten Golan-Höhen und gegen das
von RadfahrerInnen das Verteilzentrum während acht Stunden Freihandelsabkommen zwischen Kanada und Israel führen. (Weitere
blockieren. Infos unter http://cjpp.org) Die flämische Solidaritätsbewegung
hat eine vergleichbare Kampagne für Boykott, Sanktionen und
Desinvestition lanciert. Belgien gehört zum grössten europäischen
Abnehmer von israelischen Agrarprodukten.

Europäisches NGO-Netzwerk für


Sanktionen
Das Europäische Koordinationskomitee der NGOs zur Palästina-
Frage (ECCP) lanciert unter dem Titel „Europäische Kampagne
für Sanktionen gegen die israelische Besatzung” eine Petition, mit
der die jeweiligen AussenministerInnen, der Rat der Europäischen
Union und die Vereinten Nationen dazu aufgerufen werden,
politische und wirtschaftliche Massnahmen einschliesslich
Sanktionen zu ergreifen, um Israel an der Fortsetzung des
Mauerbaus zu hindern und es zu zwingen, das Rechtsgutachten
des Internationalen Gerichtshofes vom 9. Juli 2004 zu respektieren.
(Mehr unter http://www.against-the-wall.org/)

Impressum
Verein Boykott Apartheid – Made in Israel
Postfach 4070, 4002 Basel
Beilage zum Palästina-Info
Kontonr.: PC 40-307393-0
Plakat der flämischen Boykott-Kampagne
Besucht unsere Website: www.bds-info.ch