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VDA – Prüfblatt Juni 2009

Leder, Kunststoffbahnenwaren und Textilien


für Kraftfahrzeuge VDA
Bestimmung des Anschmutz- und Reinigungsverhaltens - 230-212
Verfahren mit Anschmutzgewebe

Vorwort

Dieses Verfahren wurde im Arbeitskreis Leder, Textil, Kunststoffbahnen des VDA unter Beteili-
gung der Automobilindustrie, der Lederindustrie, der Kunststoffbahnenindustrie, der Textilindust-
rie, der chemischen Industrie und von Prüfinstituten erarbeitet.

1 Anwendungsbereich

Dieses Prüfblatt beschreibt ein Prüfverfahren zur Bestimmung der Anschmutz- und Reinigungs-
verhaltens von Ledern, Kunstledern, Folien und Textilien für Kraftfahrzeuge. Das Anschmutzen
erfolgt bei diesem Verfahren unter Verwendung eines definierten Anschmutzgewebes. Die VDA
ergänzt und konkretisiert die ISO 26082.

2 Verweisungen

ISO 2231 Rubber - or plastic coated fabrics - Standard atmospheres for conditioning
and testing
ISO 2286-3 Rubber - or plastic coated fabrics - Method for determination of thickness
ISO 2418 Leather - Sampling location
ISO 2419 Leather - Sample preparation and conditioning
EN 12751 Textiles – Sampling of fibres, yarns and fabrics for testing
ISO 139 Textiles – Standard atmospheres for conditioning and testing
ISO 12945-2 Textiles - Determination of fabric propensity to surface fuzzing and to pilling
Part 2: Modified Martindale method
ISO 12947-1 Textiles - Determination of the abrasion resistance of fabrics by the
Martindale method – Part 1: Martindale abrasion testing apparatus
ISO 105-A03 Textiles – Test for colour fastness – Part A03 – Grey scale for assessing
staining
ISO 105-A04 Textiles - Tests for colour fastness Part A04: Method for the instrumental
assessment of the degree of staining of adjacent fabrics
ISO 105-B06 Textiles - Tests for colour fastness Part B06: Colour fastness and ageing to
artificial light at high temperatures: Xenon arc fading lamp test
ISO 105-F09 Textiles - Tests for colour fastness Part F09: Specification for cotton
rubbing cloth
ISO 26082 Leather – Physical and mechanical tests – Determination of soiling with
rubbing for automotive leather
VDA 203-208 Leder und Kunststoffbahnenwaren für die Kraftfahrzeuginnenausstattung -
Hydrolysealterung

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VERBAND DER AUTOMOBILINDUSTRIE E. V. (VDA) Westendstraße 61 60325 Frankfurt
Vertrieb: DOKUMENTATION KRAFTFAHRTWESEN E.V. (DKF) Ulrichstraße 14, D-74321 Bietigheim-Bissingen
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3 Kurzbeschreibung

Die Materialien werden mit einem definiert gefärbten und verschmutzten Gewebe unter Verwen-
dung eines modifizierten Martindale-Abriebprüfgerätes angeschmutzt und anschließend mit ver-
schieden Methoden gealtert. Die Bewertung des Anschmutz- und Reinigungsverhaltens erfolgt
nach der Reinigung der Materialien gemäß ISO 105-A03.

4 Begriffe

Im Sinne dieses Verfahrens werden die aufgeführten Bergriffe wie folgt definiert:

Anschmutzen

Ein Prozess bei dem eine oder mehrere unerwünschte Substanzen auf die Oberfläche eines Mate-
rials übertragen werden.

Anfärben

Ein Spezialfall des Anschmutzens, bei dem ein oder mehrere Farbstoffe oder Pigmente übertragen
werden.

Anschmutzverhalten

Die Veränderungen der Eigenschaften eines Materials durch Anschmutzen.

Reinigung

Ein Prozess bei dem unerwünschte Substanzen von der Oberfläche eines Materials entfernt wer-
den.

Reinigungsverhalten

Die Eigenschaften eines Materials nach Reinigung im Vergleich zum Ursprungszustand.

5 Geräte und Materialien

5.1 Martindale-Scheuerprüfgerät, entsprechend ISO 12947-1 mit dem Belastungswicht für den
Prüfdruck von 12 kPa (gemäß 5.5 der ISO 12947-1). Es ist die Lissajous-Figur mit eine Grö-
ße von 60 x 60 mm zu verwenden.

5.2 Pilling-Probenhalter entsprechend ISO 12945-2 (5.2.7) und 260 g -Belastungsgewicht (5.2.6)
sowie Hilfsvorichtung zum Aufspannen des Anschmutzgewebes (5.2.7). Der gesamte Pilling-
Probenhalter mit der Gewichtsscheibe und dem mit 12 kPa bezeichneten Belastungsgewicht
muss 1010 ± 15 g betragen. Daraus ergibt sich ein Prüfdruck von 1,6 kPa.

Durch die Verwendung des Pilling-Probenhalters (ISO 12945-2) und der großen Lissajous-
Figur (ISO 12947-1) wird eine maximale und gleichmäßige Anschmutzung der Probenober-
fläche erzielt.

Achtung: Bei einigen vor allem älteren Martindale-Geräten ist diese Kombination nicht um-
setzbar.
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5.3 Hilfsvorrichtung entsprechend 5.2.7 der ISO 12945-2 zum Befestigen des Anschmutzgewe-
bes auf dem Pilling-Probenhalter

5.4 Runde Filzstücke entsprechend ISO 12947-1 und ISO 12945-2 mit folgenden Durchmessern:
90 mm und 140 mm

5.5 Standard-Anschmutzgewebe, Größe: mindestens 140 mm Durchmesser.


Wenn keine gesonderten Vorgaben erfolgen, ist folgendes Anschmutzgewebe zu verwen-
den: Jeansgewebe, gefärbt mit Indigo und Schwefelschwarz, angeschmutzt mit Olivenöl und
Ruß (EMPA 128).

Das Anschmutzgewebe muss kühl (4 bis 10 °C) und dunkel gelagert werden! Die Vorgaben
des Herstellers zur Haltbarkeit sind zu beachten.

Hinweis: Für die Erarbeitung der Methode wurde das Gewebe EMPA 128/1 (Meterware) EMPA 128/2 (fertig kon-
fektioniert) verwendet.

5.6 Graumaßstab zur Bewertung des Anblutens nach ISO 105-A03.

5.7 Umlufttrockenschrank, der geeignet ist, eine Temperatur von 80 ± 2 °C konstant zu halten.

5.8 Reinigunglösung: 0,5 %ige wässrige Lösung von Natriumlaurylethersulfat (Texapon NSO®)
CAS-Nr. 9004-82-4

5.9 Gewebe für die Reinigung: Baumwollgewebe entsprechend ISO 105-F09

6 Probenahme und Konditionierung

Für Leder erfolgt die Probenahme nach ISO 2418 und die Konditionierung nach ISO 2419 (23 °C,
50 % rel. Feuchte).

Für Kunstleder und Folien erfolgt die Probenahme nach ISO 7617-2 und die Konditionierung nach
ISO 2231 - Klima B.

Für Textilien erfolgt die Probenahme nach EN 12751 und die Konditionierung nach ISO 139. Die
Textilien sind in der Regel kaschiert zu prüfen. Ab einer Gesamtdicke von > 6 mm muss die Probe
rückseitig auf eine Gesamtdicke von 6 mm abgetragen werden.

Es sind mindestens zwei Probekörper (ein Probekörper für 128 und ein Probekörper für 1000 Tou-
ren) mit einem Durchmesser von 140 mm unter Verwendung einer geeigneten Schneidvorrichtung
zu entnehmen.

7 Durchführung

7.1 Vorbehandlung

In der Regel werden die Proben entsprechend Punkt 6 für 24 h klimatisiert. In besonderen
Fällen kann es aufschlussreich sein, Probekörper zu prüfen, nach dem dieser zuvor einer
simulierten Abnutzung unterzogen wurde (z. B. Biegebeanspruchung oder Abrieb oder Vor-
behandlung mit Reinigungsmittel). In diesem Fall ist die Art der Vorbehandlung im Bericht
genau zu dokumentieren.
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7.2 Das Anschmutzen erfolgt auf dem Scheuertisch des Martindale-Scheuerprüfgerätes (5.1).
Der auf der Rückseite mit dem Wollfilz (5.4) unterlegte Probekörper ist auf dem Scheuertisch
(untere Position) zu befestigen, wobei die Prüffläche des zu prüfenden Materials nach oben
weist. Es ist sicherzustellen, dass der Probekörper und der Wollfilz auf der Rückseite mittig
in der Einspannvorrichtung des Scheuertisches angeordnet sind.

Zu gleichmäßigen und glatten Einspannen der Probe werden die Unterlage aus Filz und die
Probe durch ein Aufspanngewicht von (2,5 ± 0,5) kg Masse und einen Durchmesser von
(120 ± 10) mm an den Scheuertisch gedrückt.

7.3 Das Anschmutzgewebe ist entsprechend ISO 12945-2 mit Filz als Unterlage auf dem Pil-
lingprobenhalter (5.2) zu befestigen. Es ist darauf zu achten, dass die angeschmutzte Seite
des Gewebes nach außen zeigt.

7.4 Nach dem Einspannen aller Prüfproben auf den Scheuertischen und dem Aufspannen aller
den Abschnitte des Anschmutzgewebes in den Pilling-Probenhaltern werden diese ohne
Pause nacheinander mit den Spindeln in die Lager eingesetzt und vorsichtig auf den Prüf-
probenflächen der einzelnen Scheuertische aufgesetzt. Danach wird das Martindaleprüfgerät
unverzüglich in Bewegung gesetzt.

7.5 Nach 128 Touren (16 Touren ergeben eine vollständige Lissajou-Figur) wird das Martinda-
leprüfgerät gestoppt und einer der beiden Probekörper wird mit dem dazugehörigen An-
schmutzgewebe entfernt. Danach wird das Gerät umgehend wieder gestartet bis für den wei-
teren Probekörper insgesamt 1000 Touren erreicht sind. Anschließend werden der Probe-
körper und das Anschmutzgewebe umgehend entnommen.

Je nach Vorgaben in Spezifikationen können auch nur eine der beiden bzw. abweichende
Tourenzahlen verwendet werden.

7.6 Die Anschmutzgewebe werden verworfen. Die Probekörper werden anschließend unter fol-
genden Bedingungen gealtert. Je nach Anzahl der Alterungen sind die Probekörper zu hal-
bieren, zu dritteln bzw. zu vierteln. Dabei ist zu beachten, dass ein angeschmutzter Probe-
körperabschnitt für die Bewertung des Anblutens ohne vorherige Reinigung zusätzlich benö-
tigt wird (Lagerung bis zur Bewertung dunkel im Normklima).

a) Lagerung 24 h im Normklima (Punkt 6) im Dunkeln


b) Wärmelagerung im Umlufttrockenschrank 24 h bei 80 °C mit voller Zuluft.
c) optional – Hydrolysealterung (VDA 230-208)
d) optional – Alterung durch Licht und Wärme (ISO 105-B06 + Präzisierungen nach
VDA 230-203)

Die Lagerungen muss mit der Dekorseite nach oben erfolgen. Die Probekörper dürfen nicht
im Stapel gelagert werden.

7.7 Nach der Alterung sind die Proben mindestens eine Stunde im Normklima zu lagern. An-
schließend erfolgt die Reinigung mit der Reinigungslösung. Dazu ist das Reinigungsgewebe
mit der Reinigungslösung zu tränken und leicht auszudrücken. Die Reinigung erfolgt von au-
ßen nach innen mit leicht kreisenden Bewegungen unter leichtem Druck. Die Intensität der
Reinigung ist an das Material anzupassen. Die Reinigung wird solange wiederholt, bis das
Reinigungsgewebe keinen Schmutz mehr aufnimmt.

Optional können in den Spezifikationen definierte Reinigungsmittel verwendet werden. Dabei


sind die Anwendungsempfehlungen für die entsprechenden Reinigungsmittel zu beachten.
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7.8 Nach der Reinigung sind die Proben mindestens 16 h im Normklima (Punkt 6) dunkel zu la-
gern. Die Bewertung des Anblutens erfolgt anschließend gemäß ISO 105-A03. Es sind fol-
genden Probekörperabschnitte im Vergleich zur Originalprobe zu bewerten:

a) angeschmutzter Probekörperabschnitt ohne Reinigung,


b) alle gealterten Probekörper nach Reinigung.

Mittels Abdeckschablonen ist sicher zu stellen, dass die Fläche des zu bewertenden Be-
reichs genauso groß ist wie die Fläche des verwendeten Graumaßstabes. Es ist eine mög-
lichst große Fläche für die Bewertung zu wählen (idealer weise > 3 x 4 cm).

Bei strukturierten Oberflächen (z. B. grobe Prägungen bei Leder und Kunstleder) müssen die
angeschmutzten Kuppen bewertet werden. Die Bewertung darf nicht integrierend erfolgen
(kein Mittelwert zwischen dunklen Kuppen und hellen Tälern der Prägung).

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass durch die Reinigung der Schmutz von den Kup-
pen in die Täler gewischt wird. Dieser Effekt ist im Bericht mit zu dokumentieren.

Eine Bewertung mittels Farbmessung gemäß ISO 105-A04 ist möglich, wenn dies in Spezifi-
kationen ausdrücklich gefordert wird.

8 Prüfbericht

ƒ Verweis auf die Norm mit Angabe des Verfahrens (VDA 230-xxxx),
ƒ verwendetes Klima zur Konditionierung und Prüfung,
ƒ exakte Beschreibung der Probe mit allen erforderlichen Angaben,
ƒ Anzahl der Touren, die zum Anschmutzen verwendet wurden,
ƒ Angabe des verwendeten Anschmutzgewebes,
ƒ Angabe zu den verwendeten Alterungsbedingungen,
ƒ Graumaßstabsnoten für die Probeköper nach Anschmutzen und nach Reinigung,
ƒ eventuelle Abweichungen von der Norm (weitere Alterungsmethoden bzw. Reinigungsmittel)

Beispiel für die Ergebniszusammenstellung

Anbluten der Probe – Note Graumaßstab nach ISO 105-A03


Touren zum nach nach 24 h nach 24 h nach nach
Anschmutzen Anschmutzen Klimalagerung Wärmelagerung Hydrolyse Heißbelichtung
ohne nach nach nach nach
Reinigung Reinigung Reinigung Reinigung Reinigung
128
1000
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Anhang

A Bezugsquelle für das Anschmutzgewebe: EMPA Testmaterialien AG,


Mövenstrasse 12,
CH-9015 St. Gallen

B weiterer Hinweis: In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, die Prüfung mehrfach
hintereinander durchzuführen, um z. B. festzustellen, wie permanent Antischmutz-
ausrüstungen sind.