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ZUKUNFT Statusbericht zum aktuellen Stand der Verwendung von Holz und Holz-

H O L Z produkten im Bauwesen und Evaluierung künftiger Entwicklungspotentiale

Auszug bestehend aus:


Kapitel 10 – Verbindungstechniken
ZUKUNFT 743 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN
H O L Z INHALTSVERZEICHNIS
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN 744 ZUKUNFT
INHALTSVERZEICHNIS H O L Z

10 Verbindungstechniken
Inhaltsverzeichnis

10.1 Verbindungsmittel
Holz-Stahl-Klebeverbund S. 749
HSK-Systeme S. 757
Ausziehwiderstand von in Brettschichtholz eingeklebten Gewindestangen S. 761
GSA – Technologie S. 769
Holzrahmenbauten sicher auf Zug verankern S. 773
Moderne Verbindungsmittel S. 775
Der Jumbo - Wellennagel als tragendes Verbindungselement S. 777
Bemessungsvorschläge für Verbindungsmittel in Brettsperrholz S. 785
Korrosionsverhalten von Baumetallen bei Holzkontakt S. 797

10.2 Klebstoffe
Kleben im Holzbau - Stand der Technik und Qualitätssicherung S. 807
Lignofast – ein Quantensprung in der Klebstofftechnologie S. 815
Elastisch nachgiebige Klebefuge für Brettschichtholz S. 819
Optimierung geklebter Holzverbindungen S. 825
Verklebung von wärmebehandeltem Buchenholz S. 833
Blockverleimung S. 839

10.3 Fügetechniken
Schweißen von Holz S. 845
Textile Verbindungen S. 851
ZUKUNFT 745 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN
H O L Z EINLEITUNG

10 Verbindungstechniken
Einleitung

Auf den Zusatzprodukten wie Kleber und Verbin- daher entfällt eine zeitaufwendige Konditionie-
dungsmitteln gründet heute ein großer Teil des rung und Rückkühlung des Holzes.
technischen Anwendungspotenzials des Baustof-
fes Holz. Ohne den Einsatz von Klebern und die Während der Entwicklung des oben genannten
damit verbundene Brettschichtholzentwicklung Zweikomponenten-Klebers wurde rasch klar, dass
wären weit gespannte Konstruktionen nicht die hohe Reaktionsgeschwindigkeit der neuen
denkbar. Ähnliches gilt für Verbindungsmittel aus Klebstoffe auch neue Misch- und Verfahrenspro-
Stahl. Jedoch scheint das Entwicklungspotential zesse bedingen. Herkömmliche Methoden und
vieler Verbindungstechniken – seien es eingeführ- Anlagen sind dafür ungeeignet. Gefragt sind spe-
te Produkte oder Neuentwicklungen – noch lange zielle Mischer für die zwei Komponenten und
nicht ausgeschöpft. kontinuierliche Pressprozesse beim Fügen. Damit
sind bereits kommerzielle Anwendungsgebiete
definiert: Polyurea-Klebstoffe eignen sich nicht
für eine manuelle Verarbeitung, zeigen aber ein
viel versprechendes Potential für automatisierte
Hochgeschwindigkeitsprozesse. Gefragt ist u.a.
ein schneller Reinigungsmechanismus für die
Mischkammer. Die notwendigerweise modifizier-
ten Verarbeitungsanlagen für diese neue Kleb-
stoffgeneration sollen ab 2010 zur Verfügung
stehen.

Abb. 1: Leimaufgabe auf Brettschichtholz-Lamel- Neue Klebereigenschaften für tragende Holzbau-


len [Derix] teile untersucht auch der Beitrag „Elastisch nach-
giebige Klebefuge für Brettschichtholz“ (Marc
Kleber Donzé, Maurice Brunner). Verwendete die Holz-
Die innovativen Ansätze im Bereich der Verkle- industrie bisher fast ausschließlich steife Klebstof-
bung von Vollhölzern sind derzeit vielfältig. Die fe, werden hier die Festigkeitseigenschaften einer
technischen Neuerungen resultieren aus den Mo- elastischen Klebefuge untersucht. Bei Brett-
difikationen des Vollholzes (vgl. Kapitel 8), der schichtholz bedeutet dies, dass sich eine Brettlage
Verbindung mit anderen Baustoffen wie Beton gegenüber der anderen leicht verschieben kann.
und Textil (vgl. Kapitel 9) und nicht zuletzt aus Berechnungen der Biegewiderstände ergaben ei-
der Weiterentwicklung der Kleber selbst. ne Biegetragfähigkeit, die bis zu 20 % über dem
klassischen Balken liegt. In Zusammenarbeit von
Leimen mit Hochgeschwindigkeit Forschung und Industrie konnte auch ein ent-
Ein Beispiel für eine neue Kleber- und Applikati- sprechender Klebstoff entwickelt werden.
onsgeneration für die Leimholzindustrie zeichnet
sich im Beitrag „Lignofast – ein Quantensprung An entsprechenden Holzproben konnten die er-
in der Klebstofftechnologie“ (Hans-Peter Luthi- rechneten Ergebnisse der erhöhten Tragfähigkeit
ger) ab. Ein Zweikomponenten-Kleber aus Isocy- im Experiment bestätigt werden. Damit zeigt sich
anat und Polyamin-Komponenten erlaubt kurze eine neue Möglichkeit zur Leistungssteigerung
Presszeiten im Sekundenbereich. Zudem kommt von Holzkonstruktionen. Weitere Versuche mit
der Schnellkleber mit einer kalten Pressung aus, Bauholz sollen nun die eher theoretischen Ansät-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN 746 ZUKUNFT
EINLEITUNG H O L Z

ze bestätigen. Vor allem die neuen Klebefugen durch Aufsprühen auf die Fügeteiloberfläche bei-
müssen beweisen, dass sie den vielfältigen An- gefügt werden muss, um eine genügende Aus-
forderungen der Baupraxis – wie zum Beispiel der härtung zu erreichen. Wird Thermoholz zusam-
Dauerhaftigkeit bei Bewitterung – gewachsen men mit unbehandeltem Holz verwendet, sind
sind. erhöhte Spannungen in den Klebfugen zu be-
rücksichtigen. Versuche zur natürlichen Bewitte-
Thermoholz aus Buche gut verklebbar rung, die an Fensterprofilen aus thermisch be-
Vermehrt wird bei Bauten und Ausbauten ther- handeltem und unbehandeltem Buchenholz
misch vergütetes Holz eingesetzt. Seine Eigen- durchgeführt wurden, zeigen nach einer einjähri-
schaften werden durch diese Wärmebehandlung gen Bewitterung den deutlichsten Unterschied
beeinflusst, die veränderten Eigenschaften hän- der verringerten Spannungen zwischen thermisch
gen wesentlich von Art und Intensität der Be- behandeltem und unbehandeltem Holz. Insge-
handlung ab. Die deutlichsten Änderungen sind samt weisen thermisch behandelte Bauteile wie
die Reduzierung der Gleichgewichtsfeuchte, der zum Beispiel Fensterelemente der Holzart Buche
Festigkeit, der Quellung/Schwindung und des pH- einen richtigen Weg.
Wertes und die damit verbundene Erhöhung der
natürlichen Resistenz. Einige dieser Eigenschaft- „Kleben“ mit holzeigenen Substanzen
enänderungen haben einen Einfluss auf die Ver- Einen ganz anderen Ansatz der klebenden Holz-
klebung von wärmebehandeltem Holz. Der Bei- fügung verfolgt der Beitrag „Holzschweißen“
trag „Verklebung von wärmebehandeltem Bu- (Christelle Ganne-Chédeville). Bereits in den
chenholz“ (Thomas Schnider, Peter Niemz, And- 1990er Jahren wurden Untersuchungen über die
reas Hurst) untersucht Thermoholz auf seine reibungsinduzierte Aktivierung von thermoplasti-
Verklebbarkeit. schen und duroplastischen Klebstoffen durchge-
führt. Im Jahr 2002 wurde erstmals eine Verbin-
Im Rahmen dieser vorliegenden Arbeit wurde in- dung von Holzteilen ohne Bindemittel unter dem
dustriell im Autoklav wärmebehandeltes Buchen- Einsatz der so genannten Linearvibrations-Tech-
holz (Fagus sylvatica L.) mit unterschiedlichen Be- nologie untersucht. Dabei konnte durch die vibra-
handlungsintensitäten und zu Vergleichszwecken tionsbedingte Wärmeentwicklung auf den Holz-
unbehandeltes Buchenholz mit verschiedenen oberflächen eine intensive thermoplastische Ver-
Klebstoffen verklebt. Anschließend wurde die änderung des Lignins erzeugt werden. Die Ver-
Scherfestigkeit im Normalklima, bei verschiedener flüssigung der Bestandteile der Mittellamellen im
Holzfeuchte (Verklebung und Prüfung) und nach Holzgewebe tritt ein, wenn innerhalb kurzer Zeit
einer mehrwöchigen Wechselklimalagerung eine Temperatur von über 200°C in der Schweiß-
(feucht/trocken) geprüft. Durch die Feuchteände- fuge erreicht wird.
rung entstanden erhebliche Spannungen in den
Klebfugen, zurückzuführen auf das allgemein Das geschmolzene Lignin kann sich an der Ver-
eingeschränkte Stehvermögen des Holzart Buche. bindungsstelle wie ein Klebstoff verteilen und
härtet nach der Abkühlung aus. Mit diesem Ver-
Generell wiesen die 1K-PUR-Klebstoffe eine gute fahren können hochwertige und umweltfreundli-
Verklebungsgüte des thermisch behandelten Hol- che Holzverbindungen ohne Klebstoff oder zu-
zes auf. Dabei ist zu beachten, dass bei der Ver- sätzliche Additive hergestellt werden. Die Vorteile
wendung von 1K-PUR auf dem feuchtereduzier- der Holzschweiß-Technologie liegen in den kur-
ten Thermoholz dem Klebstoff Zusatzwasser zen Prozesszeiten und sehr guten Ökobilanz der
ZUKUNFT 747 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN
H O L Z EINLEITUNG

damit produzierten Produkte. Der erwartete Nut- Stahlquerschnitte in das Holz eingeklebt, wobei
zen beim Einsatz dieser Technologie in der Holz der Einsatz von Stahlstäben bereits in der Holz-
verarbeitenden Industrie sind eine deutliche Re- bau-Norm DIN 1052 angeführt wird. Jüngste Ver-
duktion der Produktionskosten und eine Verbes- suche zeigten, dass Gewindestangen, die z.B. in
serung der Konkurrenzfähigkeit der Holzverarbei- Brettschichtholz eingeklebt wurden, höhere Aus-
tung. ziehwiderstände aufweisen als international pub-
lizierte Bemessungsansätze zulassen würden. In
Kraftschlüssige Holz-Beton-Elemente die Praxis umgesetzt wären danach künftig weni-
Die bereits in Kapitel 9 beschriebenen Holz-Be- ger Verbindungsmittel vonnöten mit der Folge,
ton-Verbundelemente erfreuen sich z.B. aufgrund dass die Kosten bestimmter Holzkonstruktionen
Ihrer geringen Schwingungsanfälligkeit wachsen- gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit zu ande-
der Beliebtheit. Der Beitrag „Holz-Beton-Platten ren Baustoffen erhöht werden könnte.
mit Klebeverbund“ (Maurice Brunner, Marco
Schnüriger, Michael Roemer) greift diese positive Ebenfalls erforscht wird derzeit die Verklebung
Entwicklung auf und beschreibt als aktuelle Ent- nicht-stabförmiger Metallteile wie zum Beispiel
wicklungsvariante die kraftschlüssige Verklebung Lochbleche oder Rohrverbinder. Das Potenzial
von Holz und Beton. In einer ersten Projektphase dieser eingeklebten Stahlteile als innovative Ver-
wurde die Herstellungstechnik des “Nass-in-nass- bindungsmittel im Holzbau ist hoch und ihre Vor-
Verfahrens“ untersucht und optimiert. Dabei teile liegen auf der Hand: Über nur kurze Einkle-
konnte ein geeigneter Zweikomponenten-Epoxid- belängen können hohe Lasten aufgenommen
Klebstoff gefunden werden, der 90 Minuten vor werden, und dies bei einer minimalen Schwä-
Eingießen des Ortbeton auf die Holzelemente chung des Holzquerschnitts.
aufgebracht wird.

In einer zweiten Projektphase wurden Großversu-


che mit Holz-Beton-Platten mit Klebeverbund
durchgeführt. Sowohl Platten mit vollflächiger
Verklebung wie auch mit einer 50 %en Verkle-
bung wurden getestet. Die gemessenen Bruchlas-
ten entsprachen weitgehend den berechneten
Werten, d.h. bis zum Bruch konnte keine relative
Verschiebung des Betons gegenüber dem Holz-
träger festgestellt werden. Dies bestätigt die star-
re wie auch funktionierende Verklebung, deren
Einführung in die Praxis kurz bevor steht. Abb. 2: GSA-Verbindung

Verbindungsmittel Eine Innovation aus der Schweiz beschäftigt sich


Eine Kombination aus Klebstoff und Verbin- ebenfalls mit der Verklebung von Stahlteilen, er-
dungsmittel beschreiben die Beiträge „Auszieh- läutert im Beitrag „GSA-Technologie“ (Thomas
widerstand von Gewindestangen“ (René Steiger, Strahm). GSA steht für Gewinde-Stangen-Anker.
Robert Widmann) und „Holz-Stahl-Klebever- Es handelt sich dabei um ein Verbindungssystem
bund“ (Leander Bathon, Oliver Bletz, Jens im Ingenieurholzbau mit eingeklebten Stahlstä-
Schmidt). Beim Holz-Stahl-Klebeverbund werden ben. Das System zeichnet sich durch eine hohe
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EINLEITUNG H O L Z

Tragfestigkeit und Steifigkeit sowie durch sein „Korrosionsverhalten von Baumetallen bei Holz-
„duktiles“ Verhalten aus. Duktile Konstruktions- kontakt“ (Beate Gläser, Dirk Kruse, Norbert
details sind im Bauwesen insofern wichtig, da ei- Rüther). Die Möglichkeiten des Korrosionsschut-
ne duktile Verbindung ihr Versagen frühzeitig zes sind im Holzbau bisher nur sehr bedingt an-
und gut sichtbar „ankündigt“. Insgesamt zeigen gekommen. Dies liegt auch an der diesbezüglich
die Verbindungen mittels Gewinde-Stangen- veralteten Norm (DIN 1052:2004-08), welche vie-
Anker, wie große Lasten mit wenig Stahleinsatz le Techniken, wie beispielsweise die Nanopartikel
ein- und umgeleitet werden können bei gleichzei- basierten Schutzschichten, nicht einschließt. Die-
tiger Ausschöpfung der Leistungsfähigkeit des se normative Lücke stellt ein echtes Innovations-
Holzes. hindernis dar und nur wenige Planer und Bau-
herrn bewegen sich auf dieses „juristische Glatt-
Korrosionsschutz im Holzbau eis“.
Einen ganz anderen Blickwinkel auf Metalle als
Verbindungsmittel im Holzbau liefert der Beitrag
ZUKUNFT 749 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND

10.1 Verbindungsmittel
Holz-Stahl-Klebeverbund

Leander Bathon, Oliver Bletz, Jens Schmidt Für den Einsatz von Holz-Stahl-Klebeverbin-
dungen ist es grundsätzlich erforderlich, die in
1 Allgemeines DIN 1052: 2008 geforderte Temperaturbestän-
Unter Holz-Stahl-Klebverbund wird eine Techno- digkeit der Klebeverbindung bei mindestens 60°C
logie verstanden, bei der Stahlquerschnitte in nachzuweisen. In Abb. 2 ist hierfür exemplarisch
Holz eingeklebt werden. Hierbei dürfen gemäß ein im Rahmen solcher Temperaturbeständig-
DIN 1052:2008 Stahlstäbe eingesetzt werden. An keitsuntersuchungen vorgenommener Zugver-
der MPA Wiesbaden hat man zudem zahlreiche such (GEWI) dargestellt.
Untersuchungen zu nicht stabförmigen Metalltei-
len durchgeführt, die in Holz eingeklebt wurden
(z.B. Streckmetalle, Rohrverbinder, Lochbleche).
Die positiven Untersuchungsergebnisse konnten
in ersten Pilotprojekten umgesetzt werden (z.B.
Abb. 1).

Abb. 2: Zugversuch zur Ermittlung der Tempera-


turbeständigkeit von in Holz eingeklebten GEWI
Abb. 1: BSH-Träger mit oberseitig eingeklebten
Streckmetallen sowie am Kopfende eingeklebten Bei solchen Versuchen wird i.d.R. folgendes Be-
Stahlstäben [Holzbau Gröber GmbH] lastungsregime aufgebracht. In einem ersten Ver-
suchsabschnitt wird auf den Versuchskörper un-
2 Eingeklebte Stahlstäbe ter Normalklima 20°C / 65r.F. eine definierte
Mit der Berücksichtigung des Einklebens von Zugkraft aufgebracht. Anschließend wird um die
Stahlstäben in Holz gemäß DIN 1052:2008 trägt Prüfvorrichtung herum ein Klimaschrank aufge-
der Normenausschuss der Tatsache Rechnung, stellt, in dem – nachdem er verschlossen wurde –
dass die Holz-Stahl-Klebetechnologie im Holzbau schrittweise die Lufttemperatur erhöht wurde, bis
schon längere Zeit tägliche Praxis ist. Eingeklebte die Klebefuge eine Temperatur von 60°C erreicht
Stahlstäbe haben sich bei zahlreichen Anwen- hat. Während der Versuchsdurchführung werden
dungen als probates Mittel bewiesen. Seit Kur- hierbei in definierten Zeitabständen die Lufttem-
zem liegt für ein erstes Klebstoffsystem zudem peratur, die Klebefugentemperatur sowie die Ver-
eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für formungszunahmen der Holz-Stahl-Klebeverbin-
das Einkleben von Stahlstäben in Holzbaustoffe dung infolge Dauerlast und Temperaturbean-
vor. spruchung gemessen. Als Ergebnis der Untersu-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 750 ZUKUNFT
HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND H O L Z

Abb. 3: Temperatur-Verformungs-Diagramm für


in Holz eingeklebte GEWI

chungen werden schließlich so genannte Tempe- Klebefugentemperaturen von 60°C gewährleistet


ratur-Verformungs-Diagramme für die Verbin- ist.
dung erstellt. Aus diesen kann abgelesen werden,
ob und in welchem Maße es unter einer Tempe- 3 Eingeklebte Rohrverbindungen
raturbeanspruchung zu Verformungszunahmen Neben dem Einkleben von Stahlstäben besteht
(infolge einer wachsenden Nachgiebigkeit der grundsätzlich auch die Möglichkeit des Einkle-
Verbindung) kommt. In Abb. 3 sind exemplarisch bens von anderen als stabförmigen Metallteilen.
die Versuchsergebnisse für einen Prüfkörper mit An der MPA Wiesbaden hat man sich dieser
einer eingeklebten Gewindestange (lad = 10 cm, d Thematik in den letzten Jahren angenommen
= 8 mm, Klebstoffsystem C) dargestellt. Auf den und mit eingeklebten Rohrverbindern ein Verbin-
Prüfkörper wurde eine Zugkraft von 10 kN aufge- dungsmittel entwickelt, welches die Vorzüge der
bracht (dies entspricht dem charakteristischen eingeklebten Stahlstäbe aufweist, jedoch gleich-
Ausziehwiderstand der eingeklebten Gewinde- zeitig über deutlich höhere Tragfähigkeiten ver-
stange gemäß DIN 1052: 2008). Es zeigte sich, fügt.
dass es während der anfänglichen Aufheizungs-
phase zu ausgeprägten Verformungszunahmen Rohrverbinder sind rohrförmige Verbundanker,
des Prüfkörpers kommt. Bei Erreichen der Klebe- die in eine Ringnut im Holz eingeklebt werden.
fugentemperatur von 60°C wurde die Tempera- An eingeklebten Rohrverbindern werden an der
tur für ca. 120 Minuten gehalten. In dieser Phase MPA Wiesbaden seit längerer Zeit Untersuchun-
kam es zu keinen weiteren signifikanten Verfor- gen durchgeführt. Die Untersuchungen behan-
mungszunahmen des Prüfkörpers. Das Versuchs- deln dabei im wesentlichen die Themenfelder
ergebnis zeigt somit, dass die Funktionsweise der Geometriefindung, Oberflächenbeschaffenheit,
Holz-Stahl-Klebeverbindung mit in Holz einge- Materialart, Belastungsart, Randabstände und
klebten Gewindestangen (Klebstoffsystem C) bei Anordnung der Rohrverbinder. Die zuletzt zum
ZUKUNFT 751 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND

Einsatz gekommenen Rohrverbinder vom Typ sehr ästhetisch, da sie von außen in der Regel
HSK-RV-T5 bestehen aus Stahl S235JR, die aus ei- nicht sichtbar sind. Das Stahlbauteil ist letztlich
nem 3 mm starken Stahlrohr heraus gefräst wer- durch die innen liegende Positionierung im Holz-
den und mit einem doppelseitigem Gewinde mit bauteil sowie die umgebende Klebstoffschicht vor
einer Steigung von 3 mm versehen sind. Die Korrosion geschützt. Wie durch praktische Unter-
Kopfplatte enthält ein M16 Gewinde für mögli- suchungen an der MPA Wiesbaden gezeigt wer-
che Schraubenanschlüsse. Die 3 mm breiten und den konnte, sind mit Holz-Stahl-Klebeverbin-
100 mm langen Längsschlitze in dem Mantel des dungen mit Rohrverbindern grundsätzlich nahezu
Rohrverbinders dienen einer guten Verteilung des 100%ige Krafteinleitungen in Holzquerschnitte
Klebers und der Minimierung von Luftblasen. Die erzielbar. Zusätzlicher Vorteil der eingeklebten
Rohrverbinder sind galvanisch verzinkt. Abb. 4 Stahlanschlüsse: Das Bauen der Tragkonstruktion
zeigt exemplarisch Rohrverbinder mit unter- „in Holz“ bei gleichzeitiger Berechnung der Ver-
schiedlichen Oberflächenstrukturen. bindungsmittel „in Stahl“.

5 Vergleich eingeklebter Stahlstab vs. einge-


klebter Rohrverbinder
Das Einkleben von Gewindestangen oder Beton-
rippenstählen in Holz, z.B. zur Querzugverstär-
kung oder zur Querdruckverstärkung, ist gemäß
DIN 1052:2008 geregelt. Durch die verhältnismä-
ßig „dünnen“ Stahlstäbe sind jedoch die über-
tragbaren Kräfte begrenzt.

Das Hauptziel bei der Entwicklung der geklebten


Rohrverbindungen liegt in der Optimierung von
Anschlüssen im Holzbau. Dabei sollen möglichst
hohe Kräfte übertragen werden können, ohne
Abb. 4: Varianten von Rohrverbindern
Querschnittsverluste der Holzkonstruktion durch
eingesetzte Verbindungsmittel hinnehmen zu
4 Vorteile von Holz-Stahl-Klebeverbindung-
müssen. Daher wurde ein rohrförmiges Verbin-
en mit Rohrverbindern
dungsmittel entwickelt, das eine wesentlich hö-
Grundsätzlich wird durch die Verwendung der
here Oberfläche für eine Klebeverbindung liefert.
innovativen Holz-Stahl-Klebeverbundtechnologie
In das Holz wird eine Ringnut gefräst - der innere
die Möglichkeit geschaffen, starre und gleichzei-
Kernquerschnitt wird nicht entfernt, sondern zur
tig duktile Verbindungen auf einfache und kos-
Kraftübertragung mit aktiviert. Hierdurch ist es
tengünstige Art auszuführen. Ein zusätzlicher po-
möglich, eine 3 bis 4-fach höhere Kraft im Ver-
sitiver Aspekt ergibt sich zudem aus der Eigen-
gleich zu eingeklebten Stahlstäben in einen Holz-
schaft, dass Holz-Stahl-Klebeverbindungen bei-
querschnitt einzuleiten. Unter Berücksichtigung
nahe den vollen Holzquerschnitt mit nur minima-
der geometrischen Verhältnisse der Verbin-
len Querschnittsschwächungen aktivieren kön-
dungsmittel „Stahlstab“ bzw. „Rohrverbinder“
nen. Dies ist bei herkömmlichen nachgiebigen
lässt sich folgende Abschätzung zur Ermittlung
mechanischen Verbindungsmitteln nicht der Fall.
der Tragfähigkeit von Rohrverbindern herleiten.
Weiterhin sind Holz-Stahl-Klebeverbindungen
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 752 ZUKUNFT
HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND H O L Z

Holzquerschnitte b/h = 8/8 cm eingeklebt wur-


den, ergeben in Abhängigkeit der genannten Pa-
rameter Zugkapazitäten von 80 kN bis 115 kN.
Nach den Versuchen mit der singulären Rohrver-
binderanordnung wurden auch Verbindungsmit-
telgruppen mit bis zu 4 Rohrverbindungen getes-
tet. Der kleinste Holzquerschnitt von 8/8 cm wur-
de hierbei entsprechend vervielfacht. (es kam ein
Abb. 5: Vergleich Stahlstab vs. Rohrverbinder BSH-Querschnitt 16/16/90 cm zum Einsatz, in
den stirnseitig jeweils 4 Stück Rohrverbindungen
6 Versuche zu eingeklebten Rohrverbindern eingeklebt wurden). Anschließend wurden an
An Prüfkörpern mit eingeklebten Rohrverbindern diesem Prüfkörper Zugversuche mit drei verschie-
wurden an der MPA Wiesbaden zahlreiche prak- denen Schraubenfestigkeiten durchgeführt. Bei
tische Untersuchungen durchgeführt. Abb. 6 den Schrauben der Güte 4.6 und 5.6 begann der
zeigt exemplarisch einen in einem Zugversuch ge- Stahl ab einem Lastniveau von ca. 325 kN zu flie-
testeten Probekörper. An diesem wurden auf der ßen und führte zu einem Abriss der Schrauben.
einen Seite ein Schlitzblech mit Stabdübeln ein- Die Schrauben der Güte 8.8 hielten einer Zug-
gesetzt, auf der anderen Seite zwei eingeklebte kraft von ca. 450 kN stand, das Versagensbild des
Rohrverbindungen. Es stellte sich ein spröder Holzes (Abb. 7) zeigte bei diesem Versuch ein
Holzbruch auf der Seite der Stabdübelverbindung Blockscheren. Somit stellt sich bei Einhaltung von
ein. Mindestabständen – pro Rohrverbinder Mindest-
fläche b/h = 8/8 cm – eine Linearität hinsichtlich
der Zugkapazität ein.

Abb. 6: Prüfkörper

Weiterhin wurden einige Versuchsserien (Zugver-


suche) an in Holz eingeklebten Rohrverbindern
durchgeführt, wobei verschiedene Klebstoffsys-
teme und Oberflächengeometrien getestet wur-
den. Die Versuche haben in der Summe gezeigt,
dass die oben genannten Parameter wesentlichen
Einfluss auf die Verbindungsmittelkapazität ha- Abb. 7: Blockscheren als Versagensursache auf
ben. Zugversuche an den Rohrverbindern, die in einem Lastniveau von ca. 450 kN
ZUKUNFT 753 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND

7 Eingeklebte Lochbleche dung bei Rahmenecken sind danach z.B. nach-


In weiteren an der MPA Wiesbaden durchgeführ- zuweisen und zu dimensionieren:
ten Untersuchungen wurden in Holz eingeklebte - Abmessungen der Stiele und der Halbriegel
Lochbleche getestet [2]. - Anzahl und Länge der eingesetzten Loch-
blechstreifen, wobei ein eingeklebter Loch-
blechstreifen der Länge 100 cm eine charakte-
ristische Tragfähigkeit von ca. 290 kN aufweist
(Abb. 9)
- Abmessungen (Dicke, Länge, Breite) und Ma-
terialgüte der Stahlflansche in Abhängigkeit
der vorliegenden Zugkraft
- Blockscheren des durch die eingeklebten
Lochbleche bewehrten Holzes
- Übertragung der Querkräfte an der Innenseite
der Rahmenecke über Kontaktpressung
- Vorholzlänge
- Druckstab in der Fuge zwischen Stiel und Rie-
gel (Knicknachweis)
- Gelenkbolzen, der in die Augenstäbe einge-
führt wird (Abscheren)
- Fließmoment der Stahlplatte
Abb. 8: Prüfkörper mit in BSH eingeklebten - Selbstbohrende Schrauben auf der Außenseite
Lochblechen bei einem Druckscherversuch zur Querzugsicherung

Lochbleche sind Stahlformteile mit in Rastern


ausgestanzten Lochungen. Die gewählten Loch-
bleche besitzen eine Dicke von bis zu 2,5 mm. Sie
weisen Lochdurchmesser von 3 mm bis 12 mm
auf und sind verzinkbar und schweißbar.

Die Versuche beinhalteten u.a. Druckscherversu-


che (Abb. 8, Abb. 9), Rahmeneckenversuche
(Abb. 10) sowie Zugversuche unter einer Tempe-
raturbeanspruchung (Abb.11).
Abb. 9: Last-Verschiebungs-Diagramm der Ver-
Basierend auf den Untersuchungsergebnissen suchsreihe Druckscheren mit in BSH eingeklebten
konnte ein Bemessungsvorschlag für eingeklebte Lochblechen der Länge 100 cm
Lochbleche abgeleitet werden. Bei der Anwen-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 754 ZUKUNFT
HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND H O L Z

Abb. 10: Rahmenecke mit eingeklebten Lochble- Abb. 11: Zugversuch zur Ermittlung der Tempera-
chen turbeständigkeit von in Holz eingeklebten Loch-
blechen
Hinsichtlich der Temperaturbeständigkeit von
Verbindungen mit in Holz eingeklebten Lochble-
chen wurden erste Orientierungsversuche durch-
geführt. Hierbei kamen unterschiedliche Loch-
blechgeometrien in Kombination mit variierenden
Klebstoffsystemen zum Einsatz. Ziel der Untersu-
chungen war es, die gemäß DIN 1052:2008 ein-
zuhaltende Temperaturbeständigkeit der Holz-
Stahl-Klebeverbindung von mindestens 60°C
nachzuweisen.

In Abb. 11 ist exemplarisch ein im Rahmen dieser


Versuchsreihen durchgeführter Zugversuch dar-
gestellt (lLB = 6,5 cm, bLB = 5 cm, n = 12 Löcher).
Der Versuchsablauf erfolgte analog zu dem in Abb. 12: Temperatur-Verformungs-Diagramm für in Holz eingeklebte Loch-
Abschnitt 2 dargestellten Versuchsablauf bei der bleche
Untersuchung der Temperaturbeständigkeit von
in Holz eingeklebten Stahlstäben. Bei diesem Ver- 8 Anwendungsbeispiele für Holz-Stahl-Kle-
such wurde das aufgebrachte Zuglastniveau mit beverbindungen
8 kN festgesetzt. Das in Abb. 12 dargestellte Für eingeklebte Lochbleche finden sich Anwen-
Temperatur-Verformungs-Diagramm zeigt, dass dungen z.B. bei der Ausbildung von Rahmen-
die Funktionsweise der Holz-Stahl-Klebeverbin- ecken oder der Herstellung von Stützeneinspan-
dung mit in Holz eingeklebten Lochblechen nungen. Anwendungsmöglichkeiten für einge-
(Klebstoffsystem C) bei Klebefugentemperaturen klebte Rohrverbinder finden sich z.B. bei Knoten-
von 60°C sichergestellt ist. Auf diesem Tempera- punkten (Abb. 13), Haupt- / Nebenträgeran-
turniveau traten bei dem Prüfkörper während der schlüssen, Stützenfußpunkten oder Geländeran-
ca. 120 Minuten andauernden Haltephase keine schlüssen.
wesentlichen Verformungszunahmen auf.
ZUKUNFT 755 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND

Literatur
[1] Bathon, L.; Bletz, O. (2008), „In Holz einge-
klebte Bauteile aus Metall“, die neue quad-
riga 2/2008, Seite 13 – 18
[2] Bathon, L.; Bletz, O.; Schmidt, J. (2006),
„Untersuchungsbericht zum Holz-Stahl-Kle-
beverbundsystem mit eingeklebten Lochble-
chen“, Fachhochschule Wiesbaden
Abb. 13: Knotenpunktlösung mit eingeklebten [3] Bathon, L.; Bletz, O.; Schmidt, J. (2006):
Rohrverbindungen „Holz-Stahl-Klebeverbindungen – Neue
Möglichkeiten durch starre und duktile Ver-
9 Fazit bindungsansätze“, 7. Holzbauforum Leipzig
FuE-Tätigkeiten an der MPA Wiesbaden zeigen
das hohe Potenzial von eingeklebten Stahlteilen
als innovative Verbindungsmittel im Holzbau. Die
Vorteile dieser neuartigen Verbindungsmittel-
technologie sind klar: starr, duktil und mit mini-
maler Querschnittschwächung des Holzes.
Gleichzeitig ist das Anwendungspotenzial vielsei-
tig. Eingeklebte Rohrverbindungen können hier-
bei als Weiterentwicklung der in DIN 1052: 2008
behandelten eingeklebten Gewindestäbe ange-
sehen werden, wobei hier mit kurzen Einklebe-
längen hohe Lasten eingeleitet werden können.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 756 ZUKUNFT
HOLZ-STAHL-KLEBEVERBUND H O L Z
ZUKUNFT 757 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z HSK-SYSTEME

10.1 Verbundkonstruktionen
HSK - Systeme

Rainer Bahmer, Peter Gröber rungsvariante für Knotenpunkte bei Stahlbau-


werken dar.
1 Motivation
Die tägliche Baupraxis zeigt, dass bei Vergabever-
fahren von Hallenbauwerken Konstruktionen in
Stahlbauweise gegenüber Tragwerken in Holz-
bauweise aus Kostengründen oft den Vorzug er-
halten. Dies ist insofern erstaunlich, da der Bau-
stoff Holz im Vergleich zum Werkstoff Stahl bei
gleicher Biegesteifigkeit um den Faktor 4 - 5
preisgünstiger ist. Der Holzbau verliert somit bei
der Erstellung des Bauwerks seine werkstoffspezi-
fischen Wettbewerbsvorteile gegenüber dem
Stahlbau. Als Ursachen hierfür können u.a. ge-
ringere Knotenleistungsfähigkeiten und ungüns-
tigere statische Systemansätze im Holzbau aus-
gemacht werden. Seitens der in der Holzindustrie
beteiligten Unternehmen, Planer und Auftragge-
ber besteht aus diesem Grund ein hoher Bedarf
nach neuen, innovativen Verbindungsmitteln im
Ingenieurholzbau, um Abb. 1: Modell einer HSK-Rahmenecke
- keine nachgiebigen, sondern starre Verbin-
dungen herzustellen Es ist unumstritten, dass im Ingenieurholzbau
- Knotenpunkte mit nur geringen Querschnitts- Klebeverbindungen das Potential besitzen, in Zu-
schwächungen herzustellen kunft als Pendant zur Schweißverbindung im
- kraft- und formschlüssige Verbindungen her- Stahlbau angesehen zu werden – denn Klebever-
zustellen bindungen besitzen die Charakteristik von starren
- standardisierte und wirtschaftliche Ausfüh- sowie kraft- und formschlüssigen Verbindungen
rungen von Knotenpunktanschlüssen mit ei- ohne (heutige Anwendung: z.B. Keilzinkenver-
nem hohen Ausnutzungsgrad zu ermöglichen, bindung, Brettschichtholz) bzw. mit nur minima-
die gleichzeitig ein duktiles Systemverhalten len Querschnittsschwächungen (heutige Anwen-
im Versagensfall aufweisen dung: eingeklebte Stahlstäbe). Klebeverbindun-
gen stellen für den Holzbau wirtschaftliche und
Wird im Ingenieurholzbau ein Verbindungsmittel leistungsfähige Verbindungen dar, die erheblich
entwickelt, welches die oben genannten Kernan- höhere Steifigkeiten aufweisen als z.B. Verbin-
forderungen besitzt, verfügt der Holzbau über ein dungen mit herkömmlichen mechanischen Ver-
Instrument, dass vergleichbar ist mit dem bindungsmitteln.
Schweißen im Stahlbau – denn Schweißverbin-
dungen, die zwei Stahlbauteile miteinander ver- Eine vergleichsweise neuartige Variante der Kle-
binden, sind starr, ohne Querschnittsschwä- beverbindung stellt in diesem Zusammenhang die
chung, kraft- und formschlüssig, standardisiert, Holz-Stahl-Klebeverbindung dar. Mittels dieser
und stellen somit eine wirtschaftliche Ausfüh- können z.B. Nachteile, die im Holzbau gegenüber
dem Stahlbau bei der Ausbildung von Knoten-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 758 ZUKUNFT
HSK-SYSTEME H O L Z

punkten bestehen, eliminiert werden. Im Folgen-


den wird eine Lösung für die Ausbildung von
Rahmenecken vorgestellt, die auf der Holz-Stahl-
Klebetechnologie unter Verwendung eingekleb-
ter Lochblechstreifen (HSK-System) basiert.

2 HSK-Rahmenecke
Abb. 1 zeigt ein Modell der Rahmenecke, die die
Holz-Stahl-Klebetechnologie mit eingeklebten
Lochblechen (HSK-System) als Lösungsansatz
Abb. 3: Detaildarstellungen der Verbindungs-
nutzt. Die HSK-Rahmenecke besteht aus den
technik der HSK-Rahmenecke
werkseitig vorgefertigten Einzelbauteilen Stütze
und Riegel, die – nachdem sie als Einzelbauteile
Folgende statische Grundfunktionen sind den
zur Baustelle gebracht worden sind – dort über
einzelnen Elementen der HSK-Rahmenecke zuzu-
eine Bolzenverbindung zu einer biegesteifen
ordnen (bei einer schließenden Momentenbean-
Rahmenecke zusammengefügt werden.
spruchung):
- Die eingeklebten Lochblechstege stellen eine
Die HSK-Rahmenecke weist folgende Eigenschaf-
kraft- und formschlüssige Verbindung zum
ten auf:
Holz her
- weitgehende werkseitige Einzelteilvorferti-
- Weiterhin sorgen die eingeklebten Lochblech-
gung,
stege für eine gleichmäßige Übertragung der
- Montage vor Ort auf der Baustelle,
Kräfte aus dem Holzquerschnitt in die ange-
- Vorzüge einer wirtschaftlichen und kraft-
schweißten Stahlflansche
schlüssigen Lösung.
- Der Stahlflansch stellt auf der Außenseite ein
Zugband dar und fungiert auf der Innenseite
Herzstück der HSK-Rahmenecke sind speziell ver-
als Druckglied
zinkte Stahlbauteile, die jeweils aus einer Stahl-
- Stiel und Riegel werden über eine Bolzenver-
platte (Stahlflansch) mit mehreren senkrecht auf-
bindung biegesteif verbunden
geschweißten Lochblechstegen sowie zwei ange-
- Zwischen den Gelenkbolzen ist ein massiver
schweißten Augenstäben bestehen (Abb. 2 und
Stahldruckstab angeordnet, der die Druckkräf-
Abb. 3). Diese Stahlbauteile werden werkseitig in
te in der Fuge zwischen Stiel und Riegel über-
die geschlitzten Schmalseiten der BS-Stiele und
trägt, wodurch das Holz nicht quer zur Faser-
BS-Riegel eingeklebt.
richtung beansprucht wird
- Auf der Innenseite der Rahmenecke angeord-
nete und an die Augenstäbe angeschweißte
Stahlplatten übertragen die Querkräfte in Stiel
und Riegel über Druckkontakt ins Holz
- Rechtwinkelig zu den Stahlflanschen ange-
ordnete Stahlplatten an der Innenseite der
Rahmenecke übertragen weiterhin die Nor-
malkräfte in Stiele und Riegel
Abb. 2: Detaildarstellungen der Verbindungstech-
nik der HSK-Rahmenecke
ZUKUNFT 759 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z HSK-SYSTEME

Nachdem an der FH Wiesbaden Untersuchungen


zum Holz-Stahl-Klebeverbundsystem mit einge-
klebten Lochblechen durchgeführt wurden [1],
konnten inzwischen einige Hallenbauwerke mit
der HSK-Rahmenecke erstellt werden [2], [3].

Abb. 6: Stützeneinspannung mit dem HSK-


System

3 Fazit
Holz-Stahl-Klebeverbindungen stellen für den
Holzbau wirtschaftliche und leistungsfähige Ver-
bindungen dar. Aufgrund ihrer Charakteristik
Abb. 4: Bergehalle bei St. Moritz
sind sie vergleichbar mit Schweißverbindungen
im Stahlbau. Die in diesem Beitrag vorgestellte
Lösung für die Ausbildung einer biegesteifen
Rahmenecke auf Basis der Holz-Stahl-Klebetech-
nologie stellt einen Konstruktionsansatz dar, der
von Planern dann weiter verfolgt werden kann,
wenn die baulichen Randbedingungen eine werk-
seitige Einzelteilvorfertigung der Stiele und Riegel
mit späterer Endmontage vor Ort auf der Baustel-
le erfordern. Ausführungsbeispiele zeigen, dass
die HSK-Systemtechnologie für Stützeneinspan-
nungen eine hohe Effizienz aufweisen. Damit
Abb. 5: Bergehalle bei St. Moritz kommt der Holzbau seinem Ziel, dieselben stati-
schen Systemansätze und Knotenpunktausbil-
In der Zwischenzeit liegen eine Reihe von Ausfüh- dungen anzuwenden wie der Stahlbau, ein be-
rungsbeispielen vor, bei denen die HSK-Techno- deutendes Stück näher. Die Chance für den
logie mit eingeklebten Lochblechen erfolgreich Holzbau, bei Hallenbauwerken Marktanteile aus
im Bereich von Stützeneinspannungen eingesetzt dem Bereich des Stahlbaus hinzuzugewinnen,
wurden. scheint somit möglich.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 760 ZUKUNFT
HSK-SYSTEME H O L Z

Quellen
[1] Bathon, L.; Bletz, O.; Schmidt, J. (2006),
„Untersuchungsbericht zum Holz-Stahl-Kle-
beverbundsystem mit eingeklebten Lochble-
chen“, Fachhochschule Wiesbaden, Fachbe-
reich Architektur und Bauingenieurwesen,
Holzbaulabor
[2] Bathon, L.; Bletz, O. (2008): „Bergehalle bei
St. Moritz“, HOLZBAU – die neue quadriga
6/2008, Seite 26 - 29
[3] Jakob, S. (2007): „Rahmenecke spezial“,
bauen mit holz 11/2007, Seite 16 - 19

Linkliste
www.groeber.de
www.ticomtec.de
ZUKUNFT 761 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN

10.1 Verbindungsmittel
Ausziehwiderstand von in Brettschichtholz eingeklebten
Gewindestangen aus Stahl

René Steiger 2 Tragverhalten


2.1 Einflussparameter
1 Überblick Der Tragwiderstand von parallel oder senkrecht
Mit parallel oder rechtwinklig zur Faser in Brett- zur Faser eingeklebten Stangen ist von den fol-
schichtholz eingeklebten Gewindestangen kön- genden Parametern abhängig:
nen auf kleiner Fläche große Kräfte in Holzbautei- - Anschlussgeometrie
le eingeleitet werden. Bei Verwendung von Stahl- - Flächenverhältnis Holz / Klebfuge / Stangen-
stangen mit metrischem Gewinde ergeben sich querschnitt
besonders einfache, praxisgerechte Anschlüsse an - Verhältnis von Verankerungslänge  zu Bohr-
Beton- und Stahlteilen. Die Stangen werden ent- lochdurchmesser dh , repräsentiert durch die
weder axial beansprucht (Ausziehen) oder senk- Schlankheit  = / dh
recht zur Schaftrichtung (Abscheren).
- Rand- und Zwischenabstände der Stangen
- Anzahl der Stangen
Seit mittlerweile mehr als 30 Jahren werden Ver-
- Kraft- zu Faserwinkel (inkl. unplanmäßige
bindungen mit eingeklebten Stangen beforscht
Imperfektionen!)
und in der Praxis des Ingenieurholzbaus, vorwie-
- Steifigkeit der eingesetzten Materialien
gend bei Brettschichtholz erfolgreich eingesetzt
- Verhältnis der Elastizitäts- und Schubmoduln
[1], [2]. Einsatzbereiche sind Stützenverankerun-
von Stange, Holz und Klebstoff
gen in Fundamenten, biegesteife Verbindungen
- Verhältnis von E-Modul zu Schubmodul der
von Holzbauteilen (Trägerstöße, Rahmenecken)
einzelnen Materialien (insb. bei Holz, da die-
und Anschlüsse an Träger senkrecht oder schräg
ses sich ausgeprägt orthotrop verhält)
zur Faser, aber auch die Verstärkung von Trägern
- Festigkeit der eingesetzten Materialien
(Schub, Querzug) und die lokale Einleitung gro-
- Schub-, Querzug- und Querdruckfestigkeit
ßer Kräfte senkrecht zur Faser (Querdruck).
des Holzes
- adhäsive / kohäsive Klebstofffestigkeit
Meistens werden Stahlstangen in Form von Ar-
- Festigkeit der Stangen (bei Stahl: Fließspan-
mierungseisen oder Gewindestangen mit metri-
nung und Zugfestigkeit)
schem Gewinde verwendet. Es sind aber auch
- Bruchmechanische Eigenschaften von Holz
Anwendungen von faserverstärkten Kunststoff-
und Klebstoff
stäben bekannt, insbesondere wenn Korrosions-
- Art der Krafteinleitung
gefahr für den Stahl besteht oder wenn das Kon-
- bezüglich der Stange axiale oder senkrecht
struktionseigengewicht gering gehalten werden
zur Achse wirkende Kraft
soll.
- Zug–Zug, Zug–Druck, Zug–Balken, Zug–
Schubfeld (siehe Abb. 1)
Die Klebstoffindustrie hat speziell für das Einkle-
- Einwirkungsdauer (statisch, dynamisch)
ben von Gewindestangen in Holz optimierte
- Konstante Last oder Wechsellast
Klebstoffe entwickelt (vorwiegend 1- und 2-Kom-
- Weitere Parameter
ponenten-Epoxydharze sowie PUR-Klebstoffe),
- Holzart
welche auf einfache Weise appliziert werden
- Holzdichte
können und eine hohe Leistung bezüglich Festig-
keit, Steifigkeit und Dauerhaftigkeit aufweisen. - Art der Herstellung der Verbindung (Aushär-
tezeit des Klebstoffs, Oberflächeneigenschaf-
ten, etc.).
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 762 ZUKUNFT
AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN H O L Z


a) Zug - Zug Sämtliche Einflussparameter sind streuungsbehaf-
tet. Diese Variationen, aber auch sonstige mögli-
F F
che Imperfektionen müssen durch die Bemes-
dh d
sungsansätze in adäquater Form erfasst werden.
b) Zug - Balken F
F/2 F/2
Obwohl zwischen dem Klebstoff und der Stange
eine gewisse Haftung besteht, ist eine sichere
Kraftübertragung nur mittels mechanischer Ver-
zahnung zwischen Klebstoff und Stange möglich.
Die eingesetzten Stangen müssen daher eine Pro-
c) Zug - Druck d) Zug - Schubfeld
F
filierung aufweisen, wie z.B. Rippen (Armierungs-
F
F/2 F/2 stähle) oder aufgerollte bzw. eingeschnittene Ge-
F/2 F/2
winde.

2.2 Brucharten
"Pfähle" Bei den möglichen Versagensarten von einge-
Abb. 1: Verschiedene Arten der Beanspruchung klebten Stangen muss unterschieden werden zwi-
eingeklebter Gewindestangen (dh = Bohrloch- schen einzelnen Stäben und Verbindungen beste-
durchmesser, d = Außendurchmesser der Stange) hend aus Stabgruppen. Einzelstabanschlüsse kön-
nen versagen durch:
Die Art der Krafteinleitung beeinflusst wesentlich - Bruch / Versagen der Stange infolge:
den Tragwiderstand. In Versuchen können daher - Überschreiten der Fließgrenze bzw. der Zug-
aussagekräftige Resultate nur erhalten werden, festigkeit bei axialer Zugbelastung (Abb. 2)
wenn die Versuchsanordnung der Situation in der - Knicken außerhalb der Verankerung bei axia-
Baupraxis entspricht. Beispielsweise unterschei- ler Druckbeanspruchung
den sich Versuchsresultate aus Zug–Druck-Ver- - Ausreißen der Stange aus der Verankerung
suchen mit direkter Krafteinleitung in das Holz wegen:
(Abb. 1c) auf Grund auftretenden Querdruckver- - Klebstoffversagen (Kohäsionsbruch)
sagens deutlich von Resultaten aus Versuchen mit - Klebfugenversagen im Übergang zum Holz
kontinuierlicher Einleitung der Reaktionskraft auf (Adhäsionsbruch 1) (Abb. 3)
Schub im gesamten Holzquerschnitt nach dem - Klebfugenversagen im Übergang zur Stange
Vorbild der Pfahlfundation im Grundbau (Adhäsionsbruch 2) (Abb. 4)
(Abb. 1d). Auch sind Zug–Druck-Versuche gemäß - Holzbruch in der Nähe der Klebfuge (Abb. 5)
Abb. 1c nicht geeignet, das Verhalten der Verbin- - Ausreißen der Stange inklusive einem Teil des
dung im Fall Zug–Balken vorherzusagen. Hier lie- umgebenden Holzes (Abb. 6)
fert die Versuchsanordnung gemäß Abb. 1d aus- - Aufspalten des Holzes wegen zu geringen
sagekräftigere Resultate. Randabständen (Abb. 7) bei parallel zur Faser
eingeklebten Stangen bzw. wegen Überschrei-
Zur korrekten statistischen Auswertung von Da- tung der Querzugfestigkeit bei senkrecht zur
tensätzen aus Versuchen an symmetrischen Prüf- Faser eingeklebten Stangen
körpern (Abb. 1a) oder mit verschiedenen Bruch- - Zugbruch des Holzbauteils (Abb. 8).
arten, sind spezielle statistische Methoden erfor-
derlich [3].
ZUKUNFT 763 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN

Abb. 5: Klebefugennaher Holzbruch

Abb. 2: Zugbruch in der Stahlstange

Abb. 6: Ausreißen der Stangen inklusive eines


Abb. 3: Adhäsionsbruch Klebstoff – Holz
Teils des umgebenden Holzes

Abb. 7: Aufspalten des Holzes

Abb. 4: Adhäsionsbruch Klebstoff – Stahl

Abb. 8: Zugbruch des Holzes


10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 764 ZUKUNFT
AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN H O L Z

180
Bei aus mehreren Stangen bestehenden Verbin-
dungen und Anschlüssen treten zusätzlich die fol- 160

genden Versagensarten auf: 140


Ausziehwiderstand Rax ,90 [kN]
- Aufspalten des Holzes wegen zu geringen Ab- 120

ständen zwischen den einzelnen Stangen 100


- Ausreißen von ganzen Gruppen von Stangen. 80

60
2.3 Einfluss der Schlankheit / Oberfläche
40
Bei der Auswertung von Versuchen an Gewinde- y = 0.044 x 0.83
20 R 2 = 0.96
stangen mit Durchmesser M12, M16 und M20
welche nach dem GSA®-System [4] mit Epoxyd- 0
0 5000 10000 15000 20000
harz-Klebstoff parallel und senkrecht zur Faser in Oberfläche der Verankerungszone A g =  d h [mm2]
Brettschichtholz eingeklebt wurden, ließ sich der
Einfluss von Verankerungslänge l und Bohrloch- Abb. 10: Ausziehwiderstand (Mittelwert) von
durchmesser dh am einfachsten mit einem senkrecht zur Faser in BSH eingeklebten Gewin-
destangen (GSA®-System) in Funktion der Ober-
Schlankheitsparameter = / dh , beschreiben.
fläche der Verankerungszone.
Im geprüften Schlankheitsbereich von
7.5    15 kann der Einfluss der Schlankheit
Der Ausziehwiderstand von senkrecht zur Faser
auf den Mittelwert der Schubfestigkeit für paral-
eingeklebten Stangen war etwa 20 bis 40% grö-
lel zur Faser eingeklebte Stangen mit einem An-
ßer als derjenige von parallel zur Faser eingekleb-
satz -1/3 erfasst werden (Abb. 9).
ten Stangen und ist abhängig von der Mantelflä-
10
che der Verankerungszone (Abb. 10).
Niedrige Dichte
fv,0,mean [N/mm2]

Hohe Dichte
9 2.3 Einfluss der Dichte
y = 17.1x -0.33
R 2 = 0.71
Der Einfluss der Dichte auf den Tragwiderstand
8 bei Beanspruchung auf Ausziehen wird in der Li-
Schubfestigkeit Verankerung

teratur kontrovers diskutiert. Während im euro-


7 päischen Forschungsprojekt GIROD [5] kein Ein-
fluss der Dichte gefunden wurde, zeigen neue
Schweizer Versuche [6], [7] an Gewindestangen-
6 y = 14.5 x -0.33
R 2 = 0.88 anschlüssen nach dem GSA®-System [4], dass der
Tragwiderstand von auf Ausziehen beanspruch-
5
6 8 10 12 14 16 ten eingeklebten Stahlstangen mit metrischem
Bohrlochschlankheit  = /d h Gewinde, sofern Holzbruch maßgebend ist, sehr
Abb. 9: Schubfestigkeit (Mittelwert) in der Veran- wohl von der Dichte des Holzes abhängig ist. Die
kerungszone von parallel zur Faser in BSH einge- Autoren quantifizieren den Einfluss der Dichte bei
klebten Gewindestangen (GSA®-System) in Funk- parallel zur Faser in BSH eingeklebten Stangen
tion der Schlankheit des Bohrlochs. mit einem Exponenten von 0,5 bis 0,6. Bei senk-
recht zur Faser eingeklebten Stangen ist der Ein-
fluss geringer. Er kann vernachlässigt oder mit ei-
nem Exponenten von 0.25 erfasst werden.
ZUKUNFT 765 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN

3 Bemessungsphilosophie 4.1 Ansatz aus ENV 1995-2: 1997


Zur Gewährleistung eines ausreichenden Tragwi- In der Vornorm des Eurocode 5, Teil 2 Brücken ist
derstandes von eingeklebten Gewindestangen folgender Ansatz zur Berechnung des Ausziehwi-
(Einzelstangen oder Gruppen) müssen sämtliche derstands einer einzelnen Stahlstange für den Fall
der oben erwähnten Versagensformen unter- von Schubbruch im Holz aufgeführt:
sucht bzw. nachgewiesen werden. In der Baupra- Rax ,k    d equ    fv ,k mit
xis werden Bauteile, Verbindungen und Anschlüs-
d equ  Min(d h , 1.25  d )
se bevorzugt, welche Überbeanspruchung durch
möglichst große Deformationen vor dem Versa-  = Verankerungslänge der Stange
gen „anzeigen“, d.h. sich duktil verhalten. Da im fv ,k  1.2  103  d equ
0.2
 1.5
k

Falle von eingeklebten Gewindestangen sowohl fv,k und k sind die charakteristischen Werte der
das Holz als auch der Klebstoff ein sprödes Schubfestigkeit und der Dichte.
Bruchverhalten aufweisen, sollten Verbindungen
und Anschlüsse mit eingeklebten Stangen vor- 4.2 GIROD-Ansatz
zugsweise unter Verwendungen von Stahlstan- Im Rahmen des umfangreichen europäischen For-
gen (Gewindestäbe oder Armierungsstähle) aus- schungsprojektes GIROD wurde ein Bemessungs-
geführt werden. Die Verbindung kann dann so ansatz basierend auf quasi-nichtlinearer Bruch-
bemessen werden, dass die Stahlstange das mechanik entwickelt [5]:
schwächste Glied der Kette darstellt und bei Er-
reichen der Traglast der Verbindung zu fließen tanh 
  f mit

beginnt, bevor sprödes Holz- oder Klebstoffver-
sagen eintritt. Diese Bemessungsphilosophie hat  = mittlere Schubspannung entlang der Stange
noch nicht in alle Normen Eingang gefunden. f = lokale Schubspannung in der Klebefuge
 = Parameter in Funktion von Anschlussgeo-
Da die mechanischen Eigenschaften von Stahl metrie, die Steifigkeit von Holz / Klebstoff /
weniger streuen, als diejenigen von Klebstoff und Stange und die Bruchenergie der Klebfuge.
Holz, kann bei einer Auslegung der Verbindung
auf Stahlversagen die Traglast präziser vorausge- Anhand einer Vielzahl von Versuchen wurde dar-
sagt werden. Bei Zugverbindungen mit mehreren aus der folgende Bemessungsansatz zur Berech-
gleichzeitig wirkenden Stangen ist eine gleichmä- nung des Ausziehwiderstands entwickelt:
ßige Kraftverteilung in den einzelnen Stangen nur tanh 
Rax ,k  f ax ,k    d equ    mit
bei ausreichender Duktilität des Einzelstaban- 
schlusses und bei optimierten Steifigkeitsverhält-   0.017   / d equ
nissen Stange / Holz erreichbar [8].
= Verankerungslänge (Klebefuge)
d equ  Min(d h , 1.25  d )
4 Beispiele von Bemessungsansätzen
Sämtliche nachfolgend angegebenen Bemes- fax,k = 5.8 N/mm2.
sungsansätze sind nur bei Einhaltung bestimmter
Rand- und Zwischenabstände der Stangen gültig. 4.3 Ansatz von Riberholt
Außerdem ist der Tragwiderstand von Stangen- Riberholt schlägt einen Bemessungsansatz (auf
gruppen in der Regel geringer als das n-Fache des Mittelwertsniveau) für den Ausziehwiderstand
Tragwiderstands einer Einzelstange [8]. vor, welcher zwischen Stangen mit kurzen und
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 766 ZUKUNFT
AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN H O L Z

langen Verankerungen  unterscheidet [9]: 5 Qualitätssicherung


Die Vielzahl der Einflussparameter und die Streu-
Rax  fws    d   für   200 mm
ung derselben lässt es mit Blick auf die Qualitäts-
Rax  fwl    d   für   200 mm
sicherung als ratsam erscheinen, dass zur Abklä-
 ist dabei ein Holzdichtewert, welcher aus der rung des Tragverhaltens Vorversuche durchge-
führt werden. Dabei ist nachzuweisen, dass das
Darrmasse und dem Volumen im Feuchtzustand
Verhalten des Klebstoffs und seines Verbundes
zu ermitteln ist. Die Festigkeitsparameter fws und
mit dem profilierten Stab und mit dem Holz wäh-
fwl betragen 520 bzw. 650 N/mm1.5 und 37 bzw.
2 rend der geplanten Nutzungsdauer des Bauwerks
46 N/mm für spröde bzw. nicht-spröde versa-
innerhalb der angenommenen Temperatur- und
gende Klebstoffe.
Feuchtebereiche dauerhaft zuverlässig ist. Was
die Umgebungsfeuchte betrifft, so beschränken
Gemäß Riberholt waren die Resorcinharze und
die meisten aktuellen Bemessungsnormen auf
einige Epoxydharze der Gruppe der spröden
den Einsatz von eingeklebten profilierten Stäben
Klebstoffe zuzuweisen, während 2-K-PUR-Kleb-
bei Bauteilen, welche den Nutzungsklassen 1 und
stoffe als nicht-spröde galten. Heutzutage ist be-
2 zugeordnet sind.
kannt, dass die rheologischen Eigenschaften der
verschiedenen Klebstoffe unabhängig vom Kleb-
Zur Gewährleistung einer ausreichenden Qualität
stofftyp in einem weiten Maß „eingestellt“ wer-
einer Verbindung oder eines Anschlusses mit ein-
den können.
geklebten Stangen wird empfohlen, den System-
gedanken in den Vordergrund zu stellen. Bei er-
4.4 Ansatz aus DIN 1052:2004
folgreichen Systemen werden anhand von um-
Gemäß der aktuellen deutschen Norm
fangreichen Versuchsserien und theoretischen
DIN 1052:2004 kann der charakteristische Aus-
Überlegungen die Einflussparameter Holz (vor-
ziehwiderstand im Falle von Versagen in der Kleb-
zugsweise Brettschichtholz), Klebstoff, Stange(n)
fuge berechnet werden mit:
(vorzugsweise profilierte Stahlstangen), An-
Rax ,k    d    fk 1,k schlussgeometrie (Schlankheit, Rand- und Zwi-
schenabstände) und Applikationstechnik (Zentrie-
Der charakteristische Wert der Klebfugenfestig- rung der Stangen im Bohrloch, Klebstoffeinpres-
keit fk1,k beträgt in Abhängigkeit der Veranke- sen) derart optimiert, dass mit diesen Systemen
rungslänge: Verbindungen und Anschlüsse hoher Leistung
fk 1,k  3.5  0.0015 für 500    1000 mm hergestellt werden können.
fk 1,k  5.25  0.005 für 250    500 mm
fk 1,k  4.0 für   250 mm

Das Modell basiert auf Versuchen von Blass [10]


und lehnt sich eng an das Modell von Riberholt
[9] an (siehe Abschnitt 3.3).
ZUKUNFT 767 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN

Quellen
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2001: Joints in Timber Structures. Proceed- out strength of axially loaded steel rods
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[2] Proceedings of the Working Commission Materials and Structures 40:8. 827 – 839.
W18 "Timber Structures" of the Interna- [8] Gehri E. 2001: Ductile behaviour and group
tional Council for Research and Innovation in effect of glued-in steel rods. In: Proceedings
Building and Construction CIB. PRO 22 of the International RILEM Sympo-
[3] Steiger R., Köhler J. 2005: Paper CIB- sium on Joints in Timber Structures, Stutt-
W18/38-17-1: Analysis of censored data - gart, Germany.
Examples in timber engineering research. In: [9] Riberholt H. 1988: Paper CIB-W18/21-7-2:
Proceedings of CIB-W18 Meeting 38, Glued bolts in glulam - Proposal for CIB
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[4] www.neueholzbau.ch 21, Parksville, Vancouver Island, Canada.
[5] Gustafsson P.-J., Serrano E., Aicher S., Jo- [10] Blass H. J., Eberhart O., Ehlbeck J., Gerold M.
hansson C.-J. 2001: A strength design equa- 1996: Wirkungsweise von eingeleimten Ge-
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22 of the International RILEM Symposium on zugkräften in gekrümmten Biegeträgern und
Joints in Timber Structures, Stuttgart, Ger- Entwicklung von Bemessungsgrundlagen,
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[6] Steiger R., Gehri E., Widmann R. 2006: Pull- Steine. Universität Karlsruhe.
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bonded in glulam parallel to the grain. Mate-
rials and Structures 40:1. 69 – 78.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 768 ZUKUNFT
AUSZIEHWIDERSTAND VON GEWINDESTANGEN H O L Z
ZUKUNFT 769 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z GSA-TECHNOLOGIE

10.1 Verbindungsmittel
GSA-Technologie

Thomas Strahm 2 Entwerfen, Vorbemessen


Tragfähigkeit:
1 Einleitung Der GS-Anker zeichnet sich durch hohes Trag-
GSA steht für Gewinde-Stangen-Anker. Es han- vermögen aus. Zur Bemessung wird in der
delt sich dabei um ein Verbindungssystem im In- SIA 265 für reduzierte Fd - Werten im Stossbe-
genieurholzbau mit eingeklebten Stahlstäben. reich ausgegangen. Generell gilt: η* Fd wobei η =
Das System zeichnet sich durch eine hohe Trag- 0.8. η = Ausnutzungs- oder Wirkungsgrad eines
festigkeit und Steifigkeit sowie durch sein dukti- Anschlusses. Theoretischer Grenzwert liegt bei
les Verhalten aus. 1,0. Obwohl jede Verbindung eine Schwächung
darstellt, sind mit der GSA Technologie-Werte um
Die Entwicklung begann 1983 im Zusammen- 1 praktisch erreichbar, sofern das Holz im Stoss-
hang mit der Dörflibrücke Eggiswil, einer zwei- bereich örtlich höhere Tragfähigkeitseigenschaf-
spurigen Straßenbrücke, an der ETH Zürich (zu- ten aufweist.
erst an der Professur für Baustatik, Stahl- und
Holzbau, später an der Professur für Holztechno- Steifigkeit:
logie). Die Untersuchungen weiteten sich aus und Durch angepasste Abstimmung der Steifigkeiten
führten zu verschiedenen wissenschaftlichen Ab- von Holzstab und GS-Anker kann die Einbuße an
handlungen. Zudem erfolgten zusätzliche prakti- der Steifigkeit im Verbindungsbereich minimiert
sche Einsätze, vor allem bei Straßenbrücken und werden. Auf die Steifigkeit des Stabsystems be-
als Verstärkungsmaßnahmen in Hallenbauten. zogen, sind diese lokalen, höheren Verformun-
Ausgangspunkt war dabei ein speziell für diese gen meist vernachlässigbar. Bei globalen Mes-
Anwendung entwickeltes Epoxydharz (GSA-Harz) sungen wird der Einfluss der GSA-Verbindungen
der Firma Astorit AG Einsiedeln. Seit 2000 wird durch die Streuung des E-Moduls des Holzes
die GSA-Technologie durch die neue Holzbau AG überdeckt.
Lungern in Zusammenarbeit mit Professor Ernst
Gehri stetig weiterentwickelt. Durch umfangrei- Duktilität:
che Prüfungen wird das System weiter optimiert. Bei Zugverbindungen mit gleichzeitig wirkenden
Entstanden sind neben Bemessungsgrundlagen GS-Ankern ist eine gleichmässige Kraftverteilung
auch Normstahlteile. Diese ermöglichen, Holzteile nur bei ausreichender Duktilität des Einzelstaban-
sowohl gelenkig als auch biegesteif mit sehr ho- schlusses erreichbar. Dies wird erreicht, wenn das
hem Wirkungsgrad zu verbinden. mit grösseren Verformungen eintretende Zugver-
sagen des Stahl-Ankers mit Sicherheit vor den
anderen Versagensmöglichkeiten erfolgt.

Mit diesen drei einfachen konstruktiven Spielre-


geln ist es dem Ingenieur möglich, Holztragwerke
zu konstruieren und die Querschnitte zu dimensi-
onieren. Die Auslegung der GSA-Anschlüsse er-
folgt in der Regel über die Ingenieure der neuen
Holzbau AG Lungern.

Abb. 1: GSA-Komponenten: Gewindestangen;


GSA-Harz und Brettschichtholz
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 770 ZUKUNFT
GSA-TECHNOLOGIE H O L Z

3 Qualitätssicherung 4 Normstahlteile
Durch die hohe Leistung der GSA-Technologie Für eine ordnungsgemäße Aushärtung des GSA-
sind auch die Anforderungen an die Qualitätssi- Harzes ist ein geregeltes Raumklima mit Tempe-
cherung gestiegen. Während der Anker (Stahl) raturen über 18 °C erforderlich. Dies bedingt,
sowie das GSA-Harz sich als unproblematisch er- dass die Holztragwerke mit GS-Anker in einer ge-
wiesen haben, waren insbesondere zusätzliche heizten Halle zusammengebaut und verklebt wer-
Maßnahmen im Holz nötig. So werden heute in den. Da nicht alle Bauteile nach dem Zusammen-
Lungern sowohl die Brettlamellen als auch die bau transportfähige Abmessungen haben, ent-
Keilzinkenstösse auf extra für diese Anwendung stand schnell der Wunsch nach leistungsfähigen
hergestellten Zugprüfanlagen getestet. Nur durch und montagefreundlichen Montagestößen. Ent-
eine apparativ unterstützte Sortierung und der standen sind neben einem gelenkigen und einem
zugehörigen Qualitätssicherung ist es uns mög- biegesteifen Montagestoß auch Anschlüsse für
lich, zuverlässig Brettschichtholz zu produzieren, Verbände sowie Verbindungen zwischen Stützen
welches den hohen Leistungsanforderungen ent- und Trägern.
spricht, die durch die GSA Technologie notwen-
dig und möglich werden.

Abb. 3: GSA-Leisten-Montage-Verbinder LMV


(europäisches Patent angemeldet)

Der GSA-Leisten-Montage-Verbinder besteht aus


Stahlleisten die über eine Nut-Kamm-Verbindung
bauseitig zusammengesteckt wird. An den Leis-
ten sind GS-Anker für die Aufnahme von Zug-,
Druck- und Querkraftkomponenten angeordnet.
Der GSA-LMV kann als biegesteifer Montagever-
binder sowohl bei geraden als auch bei Stössen
unter einem Winkel (Rahmenecken) angewendet
Abb. 2: Lamellenzugprüfanlage werden. Je nach Beanspruchung und Trägerbreite
werden mehrere Leisten eingebaut.
771 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
GSA-TECHNOLOGIE

Das GSA-Gelenk besteht aus zwei Halbschalen,


die über einen Konusring und einer Bauschraube
zusammengezogen werden. Die umzuleitenden
Normal- und Querkräfte werden durch die GS-
Anker in die Halbschalen ein- und weitergeleitet.

5 Ausblick
Die GSA-Technologie eröffnet dem Ingenieur-
holzbau erweiterte Möglichkeiten. Anschlüsse mit
grossem Wirkungsgrad können einfach und effi-
zient ausgeführt werden. Bei der Bemessung wird
der Holzquerschnitt nicht mehr durch den An-
schluss, sondern durch die effektive Beanspru-
chung bestimmt. Die Leistungsfähigkeit des Hol-
zes kann voll ausgeschöpft werden, auch große
Lasten können mit wenig Stahleinsatz ein- und
umgeleitet werden.
Abb. 4: GSA-Gelenk (europäisches Patent ange-
meldet)
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 772 ZUKUNFT
GSA-TECHNOLOGIE H O L Z

Abb. 5: Firstring Aquabasilea Pratteln. Ring QS 1120 / 1760 mm, Innendurchmesser 8.60 m 3-teilig auf
die Baustelle geliefert und durch GSA-Technologie biegesteif verbunden. Ringstabilisierung durch Bin-
der (biegesteife Verbindung GSA-LMV) Lasteinleitung Ring - Stütze bis Fd = 3710 kN Anschluss mit GS-
Anker.
ZUKUNFT 773 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z HOLZRAHMENBAUTEN SICHER AUF ZUG VERANKERN

10.1 Verbindungsmittel
Holzrahmenbauten sicher auf Zug verankern

Gustav Bohrenkämper Schwelle jedoch nicht möglich. Eine Untermörte-


lung mit Quellmörtel kann das Schubproblem
Die fachgerechte Verankerung eines Holzrahmen- auch nicht lösen.
baus erfordert vom Zimmerer statische Kenntnis-
se über Kräfte in Wandscheiben, Randabstände Lastfall 2: Belastung quer zur Wandebene
von Verbindungsmitteln sowie Kenntnisse über Die Windlasten aus Druck und Sog quer zur
einschnittige Holzverbindungen. Außerdem sollte Wandebene (Wind auf Traufe) müssen ebenfalls
er wissen, welche zusätzlichen Kräfte aus einem über Verankerungen abgeleitet werden.
außermittigen Anschluss entstehen können. Bei
der Montage einer schon geschlossenen Wand Für die genaue Ermittlung der Zugverankerungs-
und bei fehlender Richtschwelle, wie im Fertigbau kräfte, die auch das Eigengewicht der Konstruk-
üblich, muss er deshalb auf eine sorgfältige Zug- tion berücksichtigen, stehen am Markt verschie-
und Schubverankerung achten. dene Statikprogramme zur Verfügung z.B. „Dia-
mo-Wind“.

Die Wahl einer geeigneten Zugverankerung sollte


der Zimmerer immer zusammen mit dem verant-
wortlichen Statiker treffen, und das nicht nur aus
Haftungsgründen.

Vor der Lösung, die Zug- und Schubkräfte ein-


fach im Schwellenbereich mit einem Rippenwin-
kel und langen Nägeln abtragen zu wollen, kann
nur gewarnt werden. Dieser Fall ist statisch nicht
Abb. 1: Der Tri-Z-Anker aus verschiedenen Per- nachweisbar und daher bedenklich.
spektiven [www.holzverbindung.de]
Folgende Problematik liegt zu Grunde: Wenn
Lastfall 1: Belastung in Wandebene Zimmerer eine Zuglasche im OSB-Plattenstoß auf-
Bei einer horizontalen Windbelastung auf den legen und mit Nägeln durch die Platte hindurch
Giebel mit Weiterleitung über die Deckenscheibe an dem dahinter liegenden Holzstiel befestigen,
in die Traufwandrähme entstehen an den Rän- müssen zum einen die erforderliche Randabstän-
dern schmaler Trauf- oder Innenwandscheiben de zum OSB-Plattenstoß eingehalten werden.
oft große vertikale Druck- und Zugkräfte. Beson- Zum anderen muss die kraftschlüssige Verklam-
ders Zugkräfte, die in Kombination mit Schub in merung der OSB-Platte mit dem Stiel im Zugla-
Wandlängsrichtung auftreten, müssen sicher ver- schenbereich nachgewiesen werden.
ankert werden. Diese Lasten treten wechselseitig
auf. Das bedeutet, dass an den beiden Rändern Statisch gesehen übernimmt der Stiel die Funkti-
der Wandscheibe eine Zug- und Schubveranke- on des Randträgers eines Schubfeldes. Die vor-
rung statisch nachgewiesen werden muss. handene Zug- oder, je nach Lastangriff, auch
Druckkraft befindet sich daher immer im Stiel
Die Schubkräfte über Reibung abzuleiten, ist auf und muss über die OSB-Zwischenlage in die Zug-
Grund der vorhandenen Montagekeile unter der lasche eingeleitet werden.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 774 ZUKUNFT
HOLZRAHMENBAUTEN SICHER AUF ZUG VERANKERN H O L Z

Ein- und Zweischnittigkeit Der Einbau gestaltet sich einfach: Das Verbin-
Dieser Anschluss ist aus statischer Sicht nicht dungsmittel wird im Fußbodenbereich einfach
zweischnittig, sondern zweimal einschnittig. Erst auf die Beplankung aufgelegt und mit Schräg-
bei einer Verleimung der Platte mit dem Stiel schrauben am Stiel und an der Schwelle befes-
würde dieser Anschluss eindeutig einschnittig tigt. Dabei ist die Verbindung in der Lage, Zug-
ausfallen. und Schubkräfte aus Lastfall 1 und 2 sicher über
die Schrägschrauben in den Zuganker und letzt-
Viele Hersteller empfehlen eine kraftschlüssige endlich über einen Dübel in die Bodenplatte ein-
Abnagelung der OSB-Platte mit dem Stiel ober- zuleiten. Die bekannten Anschlussaußermittigkei-
halb der Zuglasche, um die Zugkraft vorher in die ten und Montagetoleranzen von bis zu 3 cm zur
OSB-Platte einzuleiten. Das würde aber bedeu- Bodenplatte werden dabei berücksichtigt. Den
ten, dass die OSB-Platte genau über dem Ende Verbinder gibt es in den Versionen Tri-Z und Tri-
der Zuglasche für die volle nach oben gerichtete Z-Mini mit geringer Kraftübertragung.
Zugkraft nachgewiesen werden müsste.

Problematisch wird es dann, wenn die Zwischen-


lage nicht aus OSB-Platten, sondern aus Gipsfa-
serplatten (z.B. Fermacell) besteht. Die bisher be-
kannten Zugverankerungen stoßen bei der Einlei-
tung von zusätzlichen Schubkräften aus Lastfall
1, die immer in Kombination mit der Zugkraft
auftreten, an ihre statischen Grenzen. Das heißt,
sie reißen oder platzen aus.

Kraftzerlegung löst Probleme


Eine Lösung für dieses Problem verspricht eine
neu entwickelte Zugverbindung (ÜH-Zeichen
nach DIN 1052). Der sog. „Tri-Z-Anker“ leitet
über eine Schrägverschraubung die Kräfte aus
Zug und Schub in das Verankerungssystem ein,
ohne dass dabei die Zwischenlage (OSB oder
Gipsfaserplatte) auf Abscheren beansprucht wird.
Randabstände von Verbindungsmitteln im Plat-
tenbereich sind nicht mehr maßgebend. Die
Schrägverschraubung führt zu einer Kraftzerle-
gung, durch die die Schraube nur noch Zugkräfte
und die Zwischenlage nur noch Druckkräfte über- Abb. 2: Lastfall 1 als dreidimensionales Modell [Quelle: M.Kessel]
tragen muss.
ZUKUNFT 775 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z MODERNE VERBINDUNGSMITTEL

10.1 Verbindungsmittel
Moderne Verbindungsmittel

Arnold Wittig Die im System abgestimmte Schraubenform passt


sich den Bohrungen des Verbinders genau an, die
1 Allgemeines Kraftübertragung wird dadurch optimiert.
Zum modernen, wie auch zum traditionellen
Holzbau gehören funktionale Verbindungen. Ein weiterer Vorteil der speziellen Geometrie ist
Hierbei ist das Augenmerk auf eine vielseitige die Kraftabtragung, der Sherpa kann Zug, Druck,
Funktionserfüllung gerichtet. Die Anforderungen Querkräfte und Torsion aufnehmen, selbst eine
an die Verbindungsmittel sind, kombinierte Belastung ist möglich.
- einfache Handhabung,
- Gestaltungsmöglichkeiten
- Möglichkeit der hohen Vorfertigung,
- sichere und starke Verbindung,
- in unterschiedlichen Bereichen einsetzbar,
- vereinen verschiedener Funktionen
- systemgerecht,
- hohe Lastabtragung
Abb. 2: aufnehmbare Kraftrichtungen
- präzise und doch mit Toleranz
[Vinzenz Harrer GmbH]

Genau für diese Anforderung wurde der Sherpa


Es macht ihn dadurch zu einem umfangreichen
Verbinder entwickelt.
„Allrounder“ für viele Einsatzbereiche.

Bereits in der Erprobungsphase ist die Sherpa-


Schiene, sie besteht aus drei Teilen, mit einem
speziellen Verriegelungsprofil. Der Einsatz liegt in
der Verbindung von Gebäudeelementen in der
Ecke oder Wandverbindungen. Das Profil ist so
gewählt, dass es nicht nur die Elemente mit ein-
ander kraftschlüssig verbindet, sondern auch
Abb. 1: Sherpa Träger [Vinzenz Harrer GmbH]
Luft- und rauchdicht abdichtet.

Der Sherpa basiert auf der beliebten und traditio-


Die Vorteile,
nellen Schwalbenschwanz-Geometrie. Auch kom-
- komplette Fertigstellung der Außenhülle,
plizierte Schräg- und Diagonalverbindungen sind
- kein Abkleben notwendig,
kein Problem.
- einfache und sichere Montage.

Die optimierte Schwalbenschwanz-Verbindergeo-


metrie erlaubt bei der Montage, eine mit Tole-
ranzen mögliche Zusammenführung der Bauteile,
die aber in der Endphase einen exakten Kraft-
schluss bietet.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 776 ZUKUNFT
MODERNE VERBINDUNGSMITTEL H O L Z

Abb. 3: Anwendungsmöglichkeiten für Sherpa Verbinder [Vinzenz Harrer GmbH]

Einen neuen Weg beschreitet der Sherpa Verbin-


der, der den Hallenbau mit Holz vereinfacht,
systematisiert und in Bezug auf Überlastungen
sicherer macht. Die Vision hierbei ist, die Verbin-
der melden mittels neuer Technik, wenn durch,
- starke Schneefälle
- orkanartige Windbelastungen
Abb. 4: Sherpa Schiene [Vinzenz Harrer GmbH] - geänderte Nutzungsarten
- gealterte Konstruktion
eine Überbelastung der Verbinder vorhanden ist.
Ebenso kann bei regelmäßigen Begutachtungen
die tatsächlichen Belastungen, die auf die Ver-
binder einwirkt, festgesellt werden. Für den Brü-
ckenbau ist ähnliches Vorstellbar.

Diese neue Art von „intelligenten Verbindungs-


mittel“ erschließt für den Holzbau neue Möglich-
keiten, die permanente Sicherung und Überwa-
chung von Konstruktionen aus Holz, garantiert
Abb. 4: Anwendung Sherpa Schiene den Fortschritt.
[Vinzenz Harrer GmbH]
ZUKUNFT 777 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z DER JUMBO - WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSELEMENT

10.1 Verbindungsmittel
Der Jumbo - Wellennagel als tragendes Verbindungs-
element

Klaas Gümmer Zur einfacheren Magazinierung werden die ein-


zelnen Wellennägel in einem kontinuierlichen
1 Einleitung Vorgang gegeneinander verklebt und mit einem
Der Wellennagel ist ein flächiges Verbindungsmit- Richtungsstreifen markiert.
tel, welches aus einem 0,5 mm starken Stahlband
gedruckt und profiliert wird. An der unteren Seite Der ursprüngliche Wellennagel wurde Ende des
wird eine Spitze angeschliffen, um einen mög- 19. Jahrhunderts in den USA entwickelt und pa-
lichst geringen Eintreibwiderstand zu erlangen. tentiert. Das Haupteinsatzgebiet war damals bei
Die Profile sind so gestaltet, dass sie sich von der der Herstellung von Transportkisten die Verbin-
Schneide weg konisch verjüngen, wodurch sich dung der einzelnen Holzteile, wobei die Wellen-
beim Eintreiben des Wellennagels die zu verbin- nägel noch manuell eingetrieben wurden. An-
denden Bauteile zusammenziehen. fang der 1960er Jahre kamen dann die ersten
pneumatischen Eintreibgeräte auf den US-Markt,
womit ein genaueres und rationelleres Arbeiten
gewährleistet werden konnte. Auf dem europäi-
schen Markt wurden Wellennägel anfangs haupt-
sächlich in der Möbelindustrie eingesetzt und erst
später im Holzbaubereich zur konstruktiven Fixie-
rung des Riegelwerks verwendet.

Abb. 1: Jumbo®-Wellennagel in der Ansicht

Abb. 2: Einbauprinzip

Abb. 4: senkrechte Stossverbindung

Diese Methode der konstruktiven Verbindung


stumpfer Holzbauteile erzielte gerade durch die
Entwicklung des 35mm breiten haubold Jumbo®
Wellennagel sehr viel höhere Drehfedersteifigkei-
ten als der übliche zöllige Wellennagel [7].
Abb. 3
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 778 ZUKUNFT
DER JUMBO – WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSMITTEL H O L Z

Rippenachsen stellt sich dann ein umlaufender


Schubfluss sv,0 ein, durch den die Verbindungs-
mittel nur parallel zum Plattenrand beansprucht
werden. Der rechnerische Nachweis kann dann
nach DIN 1052 [3] unter Annahme des idealen
statischen Schubfeldmodells ohne Abminderung
der Tragfähigkeit durch den Beiwert kv1 geführt
werden.

Bestehen Tafeln aus nicht über die volle Tafelhö-


he ungestoßen durchlaufende Platten, so ist bei
Dach- und Deckentafeln die Ausführung eines
Abb. 5: Verbau mit dem Hand-Eintreibgerät
freien Plattenrandes nur quer zu den Innenrippen
und unter Einhaltung bestimmter Randbedingun-
gen zulässig (z.B. die Vergrößerung der Randab-
stände der Verbindungsmittel). Eine weitere
Verschlankung der Deckenbalken / Sparren ist
somit ausgeschlossen. Rechnerisch ist der Bemes-
sungswert für die Beanspruchbarkeit dieser Aus-
führung gegenüber einer Konstruktion ohne frei-
en Plattenrand auch um 1/3 geringer anzusetzen.
Abb. 6 und 7: Standard Wellennagel und Jumbo
Im Rahmen des vereinfachten Bemessungsverfah-
®Wellennagel
rens sind freie Plattenränder in Wandtafeln
grundsätzlich nicht zulässig.
2 Schubsteife Plattenstöße
Im Holztafelbau kann die Aussteifung eines Ge-
bäudes durch räumlich angeordnete und mitein-
ander verbundene Dach-, Decken- und Wandta-
feln erfolgen, die dann scheibenartig beansprucht
werden. Voraussetzung dafür ist die Herstellung
eines schubsteifen Verbundes von Beplankung
und Rippen, sowie den Tafeln untereinander, um
die Beanspruchungen aus Imperfektionen, Wind
und/ oder Erdbeben sicher in den Baugrund ablei-
ten zu können.

Die Tafeln sind idealer Weise so zu konstruieren,


dass die Platten der Beplankung über die volle Ta-
felhöhe ungestoßen durchlaufen und die Platten- Abb. 8: Vereinfachte Darstellung eines Schub-
ränder allseitig schubsteif mit der Unterkonstruk- feldmodells
tion durch Nägel, Klammern oder Schrauben ver-
bunden sind. Bei kontinuierlicher Lastein- und
Lastausleitung über die Rippen in Richtung der
ZUKUNFT 779 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z DER JUMBO – WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSMITTEL

Zur Vereinfachung der Ausführung eines schub-


steifen Beplankungsstoßes entstand die Idee, an-
stelle dieser indirekten Verbindung der freien
Plattenränder eine direkte Verbindung ohne
Stoßholz durch die Verwendung von haubold
Jumbo®Wellennägeln herzustellen. Mit dem Ziel
einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung
wurden die dafür nötigen Untersuchungen durch
das Labor für Holztechnik LHT der Fachhochschu-
Abb. 9: Deckenmodell
le Hildesheim durchgeführt.

Die Herstellung eines schubsteifen Plattenstoßes


mit Hilfe von Stoßhölzern gilt in der Praxis als
aufwändig. Denn bisher werden freie Plattenrän-
der innerhalb einer Wand-, Dach- oder Deckenta-
Abb. 11: Direkte Verbindung eines Schubsteifen
fel mit einem Beilageholz hinterlegt und mit Nä-
Plattenstoßes
geln / Klammern / Schrauben schubsteif verbun-
den (= indirekte Verbindung der Plattenränder).

Dieses hat nicht nur zusätzliche Arbeitsgänge


(= hoher Zeitaufwand) zur Folge, sondern auch
einen höheren Materialaufwand. Weiterhin kann
es dazu kommen, dass im Bereich der Stoßhölzer
unter Umständen ein Anpassen der Dämmung im
Gefach erforderlich wird, um Lufteinschlüsse und
daraus entstehende Wärmebrücken zu vermei-
den. Abb. 12: Direkte Verbindung eines schubsteifen
Plattenstoßes

3 Die Prüfungen
Zur Beurteilung der Trageigenschaften von Jum-
bo® Wellennägeln in OSB-Platten wurden Prüfun-
gen mit drei unterschiedlichen Plattendicken und
drei unterschiedlichen Wellennagellängen durch-
geführt. Das eigentliche Tragverhalten der direk-
ten schubsteifen Verbindung zweier Plattenrän-
der wurde dann in Kleinversuchen bestimmt.

Abb. 10: Beispiel für einen hinterlegten Platten-


stoß
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 780 ZUKUNFT
DER JUMBO – WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSMITTEL H O L Z

Abb. 13: Darstellung der Ergebnisse in einem Kraft–Weg-Diagramm

Abb. 14: Vorrichtung für die Kleinversuche Abb. 15: Versuchsaufbau


ZUKUNFT 781 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z DER JUMBO – WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSMITTEL

Tab. 1: Darstellung der Ergebnisse technischen Klasse OSB / 3 nach DIN EN 300
mit stumpfen Plattenrändern und bei planmä-
ßiger Beanspruchung des Verbundes parallel
zum Plattenrand verwendet werden.
3. Die unten genannten Mindestplattendicken
sind einzuhalten. Die Wellennägel sind so ein-
zutreiben, dass sie bündig mit der Holzwerk-
stoffoberfläche abschließen.
4. Der Abstand av der Wellennägel untereinander
ist an allen Beplankungsstößen konstant aus-
Tab. 2: Maximal zu erreichender Schubfluss [kN/m] in Abhängigkeit des zuführen. Der Verbindungsmittelabstand un-
Verbindungsmittelabstandes tereinander muss mindestens 50 mm und darf
höchstens 150 mm betragen.
5. Für das Eintreiben der Wellennägel dürfen nur
die von haubold vorgeschriebenen Einschlag-
geräte verwendet werden. Beim Eintreiben
des Wellennagels muss der Eintreibkopf des
Schussgerätes senkrecht zur Plattenoberfläche
stehen. Des Weiteren ist der Wellennagel mit-
tig und senkrecht zum Beplankungsstoß ein-
zubringen.
6. Die Platten müssen am Beplankungsstoß dicht
gestoßen sein. Der maximale Abstand der
Plattenränder muss < 2 mm betragen. Vor
Ausführung des schubsteifen Verbundes mit
Wellennägeln ist der Verbund der Platten mit
4 Bemessung nach DIN 1052 gemäß Zulas- den Rippen durch stiftförmige Verbindungs-
sung Z-9.1-608 mittel herzustellen.
Gemäß der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulas- 7. Die Beplankung von Wandtafeln darf nur
sung sind Bemessungen für schubsteif verbunde- einmal horizontal gestoßen sein.
ne OSB-Platten nach alter und neuer DIN 1052
möglich.

Unter Beachtung folgender Bestimmungen darf


die Ausführung einer schubsteifen Verbindung
von OSB-Platten mit Jumbo®-Wellennägeln erfol-
gen:
1. Da es sich um blanke Nägel handelt, darf die
Anwendung nur in der Nutzungsklasse 1 er-
folgen. Also z.B. in allseitig geschlossenen und
beheizten Bauwerken.
2. Die Wellennägel dürfen nur zum schubsteifen
Verbund von OSB-Platten mindestens der
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 782 ZUKUNFT
DER JUMBO – WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSMITTEL H O L Z

5 Darstellung des Arbeitsablaufes wirtschaftliches Arbeiten. Der Verzicht auf Stoß-


hölzer bringt neben ökonomischen und ferti-
gungstechnischen Vorteilen ebenfalls Vorteile im
Bereich der Bauphysik, wo hier nun keine Stör-
stelle mehr im schubfesten Bereich liegt und da-
mit ein gleichmäßiges Befüllen mit Dämmmaterial
erfolgen kann.

Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ)


Abb. 16 a und b: Auflegen der Platten auf den Z-9.1-608 der ITW Befestigungssysteme GmbH
Rahmen steht unter www.haubold-paslode.de zum down-
load bereit.
Aufgrund der starken Nachfrage auch andere
Werkstoffe bemessen zu können, wurden wei-
tergehende Versuche im LHT Hildesheim durch-
geführt. Mittlerweile liegt ein Zulassungsentwurf
vom DIBt für schubfeste Wellennagel-Verbin-
dungen durch kunstharzgebundene Spanplatten
mit t  15 mm und Bretter aus Nadelvollholz der
Sortierklasse S10 mit t  22 mm vor.

Abb. 17: Befestigen der Platten auf dem Rahmen


Auf der LIGNA 2007 in Hannover wurde für die-
ses neuartige Einsatzgebiet des altbewährten Ver-
bindungsmittels Jumbo®Wellennagel der Holz-
baupreis für innovative Bauprodukte durch den
Bund Deutscher Zimmermeister verliehen.

Abb. 18: Herstellen der WN-Verbindung mit dem


WN 18 XI

6 Zusammenfassung und Ausblick


Die Verwendung von Wellennägeln zur Herstel-
lung einer schubsteifen Verbindung ist eine her-
vorragende Alternative zu den nur aufwändig zu
montierenden Stoßhölzern. Die einfache Hand-
habung des Eintreibgerätes ermöglicht besonders
ZUKUNFT 783 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z DER JUMBO – WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSMITTEL

Quellen
[1] Deutsches Institut für Bautechnik, Berlin: All-
gemeine bauaufsichtliche Zulassung für die
Ausführung von schubsteifen Beplankungs-
stößen mit OSB-Platten (Z-9.1-608)
[2] DIN 1052:1988-04, Teile 1 - 3, Deutsches
Institut für Normung e.V.
[3] DIN 1052:2004-08, Deutsches Institut für
Normung e.V.
[4] Hempel M. (2003): Schubsteife Verbindung
freier Plattenränder und von Brettern mittels
Wellennägeln, Diplomarbeit, LHT Hildesheim
[5] Kessel M. H. , Polatschek T. M. (2005): Prüf-
bericht 01/P1803, Labor für Holztechnik LHT
Hildesheim
[6] Kessel M. H. , Polatschek T. M. (2005): Gut-
achtliche Stellungnahme 02/2005, Zur An-
wendbarkeit von Wellennägeln als Verbin-
dungsmittel für die Ausführung von schub-
Abb. 20: Urkunde des Deutschen Holzbaupreises steifen Beplankungsstößen, Labor für Holz-
2007 technik LHT
[7] Hildesheim Pfau, J. (1998): Gutachtliche Stel-
lungnahme vom 08.04.1998 über den Ver-
gleich verschiedener Verbindungsmittel für
die konstruktive Verbindung von Holzquer-
schnitten im Holzrahmenbau, Versuchsan-
stalt für Holz- und Trockenbau (VHT), Darm-
stadt
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 784 ZUKUNFT
DER JUMBO – WELLENNAGEL ALS TRAGENDES VERBINDUNGSMITTEL H O L Z
ZUKUNFT 785 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ

10.1 Verbindungsmittel
Bemessungsvorschläge für Verbindungsmittel in Brett-
sperrholz

Hans Joachim Blaß, Thomas Uibel ne parallelen Oberflächen bezeichnet. Diese wer-
den durch die äußeren Brettlagen gebildet. Die
1 Einleitung Oberflächen rechtwinklig zur Plattenebene wer-
Seit einigen Jahren wird der aus kreuzweise ver- den als Schmalflächen bezeichnet und begrenzen
klebten Brettern bestehende Holzwerkstoff Brett- die Brettsperrholzplatten an den jeweiligen Kan-
sperrholz (BSPH) unter verschiedenen Bezeich- ten. Die Schmalflächen enthalten sowohl Seiten-
nungen vermarktet. Brettsperrholz wird nicht nur holzflächen als auch Hirnholzflächen der einzel-
als Bestandteil eines Bauteils eingesetzt, wie die- nen Brettlagen. In Abbildung 1 sind die Flächen
ses zum Beispiel vornehmlich für Mehrschicht- entsprechend ihrer Definition gekennzeichnet.
platten zutrifft, sondern auch als eigenständiges Die Bemessung und Ausführung von Verbindun-
Bauteil. Ganze Gebäude können aus Brettsperr- gen in Brettsperrholzprodukten ist bisher nicht
holz in Form von Decken- oder Wandelementen allgemein gültig geregelt. Für die in Deutschland
errichtet werden [8]. Des Weiteren findet Brett- bauaufsichtlich zugelassenen Brettsperrholzpro-
sperrholz auch bei Brückenkonstruktionen z. B. dukte werden zum Teil Regelungen zur Bemes-
als Fahrbahnplatte Verwendung. In den letzten sung von Verbindungen in den allgemeinen bau-
Jahren hat die Massivholzbauweise insbesondere aufsichtlichen Zulassungen angegeben.
im ein- und mehrgeschossigen Wohnungs- und
Gewerbebau an Bedeutung gewonnen, so dass In den letzten Jahren wurde im Rahmen eines
immer mehr Hersteller ihr Angebot um Brett- Forschungsvorhabens das Trag- und Verfor-
sperrholzprodukte größerer Dicke erweitern. Die- mungsverhalten von stiftförmigen Verbindungs-
ses belegt auch die steigende Anzahl der durch mitteln in BSPH am Lehrstuhl für Ingenieurholz-
das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Ber- bau und Baukonstruktionen der Universität Karls-
lin erteilten allgemeinen bauaufsichtlichen Zulas- ruhe (TH) untersucht [4], [9], [10]. Innerhalb des
sungen für Brettsperrholzprodukte. Forschungsvorhabens wurden umfangreiche ex-
perimentelle Untersuchungen durchgeführt. Hier-
Das Trag- und Verformungsverhalten von Brett- auf aufbauend wurden neue Bemessungsvor-
sperrholz wurde bereits weitgehend untersucht. schläge für Verbindungen in den Seiten- und
Es kann mit unterschiedlichen Verfahren wie der Schmalflächen von Brettsperrholz entwickelt [11].
Verbundtheorie, dem Schubanalogieverfahren Diese Bemessungsvorschläge werden z.T. bereits
oder der Theorie der nachgiebig verbundenen in neueren allgemeinen bauaufsichtlichen Zulas-
Biegeträger berechnet werden, siehe auch [3], sungen berücksichtigt. Inwiefern diese Vorschlä-
[5]. ge in allgemeingültige Bemessungsregeln inner-
halb einer Bemessungsnorm einfließen, ist bisher
Der effiziente Einsatz von Brettsperrholzproduk- noch nicht abzusehen.
ten in einem Bauwerk erfordert es, diese unter-
einander oder mit anderen Bauteilen zu verbin- Neben den nationalen bzw. europäisch-techni-
den. Zur Herstellung wirtschaftlicher Verbindun- schen Zulassungen des jeweiligen Brettsperrholz-
gen bietet sich der Einsatz stiftförmiger Verbin- produktes sind für die Bemessung und Ausfüh-
dungsmittel wie u.a. Stabdübel, Schrauben oder rung von Verbindungen mit bauaufsichtlich zuge-
Nägel an. Die Verbindungsmittel können sowohl lassenen Verbindungsmitteln ggf. die Regelungen
in den Seitenflächen als auch in den Schmalflä- der jeweiligen Zulassung zu beachten.
chen von Brettsperrholzplatten angeordnet wer-
den. Als Seitenfläche werden die zur Plattenebe-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 786 ZUKUNFT
BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ H O L Z

Abb. 2: Ausbildung von Brettstößen in unter-


Abb. 1: Geöffnete Stabdübelverbindung in Sei-
schiedlichen Brettsperrholzprodukten
ten- und Schmalflächen von Brettsperrholz

Bauteile benötigt. Die Tragfähigkeit von Schrau-


2 Eigenschaften von Brettsperrholz
ben oder Nägeln, die auf Herausziehen bean-
Brettsperrholz besteht aus kreuzweise verklebten
sprucht werden, lässt sich mit den Herausziehwi-
Brettlagen, wobei eine Brettlage aus mehreren,
derständen berechnen.
nebeneinander liegenden Brettern gebildet wird.
Je nach Produkt können die Einzelbretter einer
Die Lochleibungsfestigkeit und der Herausziehwi-
Brettlage an deren Schmalseiten mit oder ohne
derstand wurden für Brettsperrholz bisher nicht
Fugen gestoßen bzw. sogar verklebt sein. Die
allgemein gültig untersucht. Beide Parameter sind
Breite der Fugen wird in bauaufsichtlichen Zulas-
nicht als reine Werkstoffeigenschaften, sondern
sungen auf einen Maximalwert von 6 mm be-
als Systemeigenschaften zu betrachten. Sie korre-
schränkt. Eine Untersuchung der Fugen an Brett-
lieren mit der Rohdichte des Holzes bzw. des
sperrholzplatten dreier Hersteller ergab einen
Holzwerkstoffes. Daher ist die Kenntnis über die
95%-Quantilwert der Fugenbreite von 1,0 bis
Rohdichte von Brettsperrholz für die Bemessung
1,6 mm für die äußeren Brettlagen und von 1,8
von Verbindungen erforderlich.
bis 4,5 mm für die inneren Brettlagen. Der größte
Mittelwert der Fugenbreite betrug 2 mm und
Zur Bestimmung der charakteristischen Rohdichte
wurde in den Mittellagen festgestellt. Einige
wurden 2299 Rohdichteproben von Brettsperr-
Brettsperrholzprodukte verfügen über Entlas-
holzplatten unterschiedlicher Hersteller und Auf-
tungsnuten, die mit einer Breite von rund 2,5 mm
bauten untersucht. Auf Grundlage dieser Unter-
in Faserlängsrichtung der Bretter eingesägt wer-
suchung kann für Brettsperrholzprodukte aus
den. Abb. 2 zeigt die Ausbildung von Brettstößen
Fichte (picea abies) eine charakteristische Roh-
und Nuten bei unterschiedlichen Brettsperrholz-
dichte von 400 kg / m³ vorgeschlagen werden.
produkten.
Die in den folgenden Abschnitten angegebenen
Gleichungen zur Berechnung der Parameter
Bei Beanspruchung auf Abscheren kann die Trag-
Lochleibungsfestigkeit und Herausziehwiderstand
fähigkeit von stiftförmigen Verbindungsmitteln
beruhen auf dieser Anforderung an die charakte-
nach der Theorie von Johansen ermittelt werden.
ristische Rohdichte.
Neben der Geometrie der Verbindung und dem
Fließmoment des Verbindungsmittels wird hierzu
als Eingangsgröße die Lochleibungsfestigkeit der
ZUKUNFT 787 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ

3 Beanspruchung in Richtung der Stiftachse 3.2 Herausziehwiderstand von Sondernägeln


3.1 Allgemeines Der charakteristische Wert Rax,n,k des Herauszieh-
Die Tragfähigkeit axial belasteter Schrauben und widerstandes von Sondernägeln (Kamm-, Rillen-,
Nägel ist abhängig von ihrem Herausziehwider- Schraubnägel) der Tragfähigkeitsklasse 3 gemäß
stand, ihrer Zugtragfähigkeit und ggf. dem Kopf- DIN 1052:2004-08 [12] in den Seitenflächen von
durchziehwiderstand. Bei einigen Brettsperrholz- Brettsperrholz kann mit Gleichung (1) berechnet
produkten wird der Herausziehwiderstand der werden.
Verbindungsmittel von ihrer Anordnung im Hin-
blick auf Fugen und Nuten beeinflusst. Auch bei Rax,n,k = 14 . d0,6 . lef in N (1)
einer ungünstigen Positionierung eines Verbin-
dungsmittels innerhalb einer Fuge oder Nut ist mit: d Nenndurchmesser des Sondernagels [mm]
eine zuverlässige Übertragung der Kräfte durch lef wirksame Einschlagtiefe [mm]
einen Anschluss zu gewährleisten. Daher sollten
innerhalb eines Anschlusses mindestens zwei Für Verbindungen in Brettsperrholzprodukten mit
Verbindungsmittel pro Verbindungsmittelreihe Fugen und Nuten sollten Nägel mit einem Min-
angeordnet werden. Bei Verbindungen in den destdurchmesser von d = 4 mm verwendet wer-
Seitenflächen sollten mindestens zwei Verbin- den. Bei diesen Produkten sollte für Nägel mit ei-
dungsmittelreihen vorgesehen werden und die nem Durchmesser von d < 6 mm der Heraus-
Eindringtiefe der Verbindungsmittel so gewählt ziehwiderstand nur zu 80% des Wertes nach
werden, dass die Verbindungsmittelspitze min- Gleichung (1) angesetzt werden. Die wirksame
destens die dritte Brettlage durchdringt. In den Einschlagtiefe lef ist größer als 8 · d zu wählen. In
Schmalflächen von Brettsperrholz können Ver- den Schmalflächen von BSPH sollten keine Nagel-
bindungsmittel faserparallel oder auch rechtwink- verbindungen ausgeführt werden.
lig zur Faserrichtung einer Brettlage eingebracht
werden. In Abb. 3 sind die möglichen Positionen 3.3 Herausziehwiderstand von selbstboh-
von Verbindungsmitteln in den Seiten- und renden Holzschrauben
Schmalflächen dargestellt. Hierbei wurde auch Der charakteristische Wert Rax,s,k des Herauszieh-
ihre Lage hinsichtlich von Fugen bzw. Nuten be- widerstandes von selbstbohrenden Holzschrau-
rücksichtigt. ben kann nach Gleichung (2) bzw. (3) berechnet
werden. Die Gleichungen gelten für selbstboh-
rende Holzschrauben mit Voll- oder Teilgewinde,
die den im Forschungsvorhaben untersuchten
Schrauben insbesondere bezüglich ihrer Geomet-
rie entsprechen. Diese erfüllten bei einer Heraus-
ziehbeanspruchung aus Vollholz mindestens die
Anforderungen an die Tragfähigkeitsklasse 3
nach DIN 1052:2004-08 [12].

Gleichung (2) erlaubt die allgemeine Ermittlung


Abb. 3: Mögliche Positionen von Verbindungs- des Herausziehwiderstandes ohne Kenntnis der
mitteln (VM) in Seiten- und Schmalflächen von genauen Schraubenposition in der Schmalfläche.
BSPH Vereinfachend wird angenommen, dass die
Schraubenachse parallel zur Faserrichtung ange-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 788 ZUKUNFT
BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ H O L Z

ordnet ist ( = 0°). Gleichzeitig wird die charakte- Langzeitversuche mit faserparallel in den Schmal-
ristische Rohdichte der Brettlage (k = flächen von BSPH angeordneten Holzschrauben
350 kg / m³) entsprechend dem Ausgangsmateri- werden zurzeit an der Universität Karlsruhe
al berücksichtigt. Für andere Schraubenpositio- durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersu-
nen in der Schmalfläche ergeben sich somit kon- chungen werden in ca. zwei Jahren vorliegen.
servative Werte für den Herausziehwiderstand. Zwischenzeitlich wird zur Übertragung von axia-
Bei Verbindungen in den Seitenflächen von BSPH len Kräften in den Schmalflächen empfohlen, die
( = 90°) wird implizit die charakteristische Roh- Schrauben in die Brettlagen einzudrehen, deren
dichte des Gesamtquerschnitts (k = 400 kg / m³) Faserrichtung rechtwinklig zur Schraubenachse
berücksichtigt. verläuft.

Bei Schraubenverbindungen dürfen Einschraub-


31 d 0,8  l ef0,9
Rax,s,k  in N (2) tiefen lef < 4 · d nicht in Rechnung gestellt wer-
1,5  cos2ε  sin2ε
den. Der Mindestdurchmesser der Schrauben soll-
te für Verbindungen in den Seitenflächen
mit: d Nenndurchmesser der Schraube in mm d = 6 mm und für Verbindungen in den Schmal-
lef wirksame Einschraubtiefe in mm flächen d = 8 mm betragen.
 für Verbindungen in den Seitenflächen:
 = 90° 4 Beanspruchung rechtwinklig zur Stiftachse
für Verbindungen in den Schmalflächen: 4.1 Allgemeines zur Berechnung der Tragfä-
 = 0° higkeit
Die Tragfähigkeit stiftförmiger Verbindungsmittel
Werden Schrauben in den Schmalflächen aus- bei Beanspruchung auf Abscheren wird im Holz-
schließlich so in die Brettlagen eingebracht, dass bau üblicherweise nach der Theorie von Johansen
die Schraubenachse rechtwinklig zur Faserrich- berechnet. Hierbei wird ein ideal-plastisches Ver-
tung angeordnet ist, darf der höhere Heraus- halten des Holzes bzw. des Holzwerkstoffes unter
ziehwiderstand nach Gleichung (3) berechnet Lochleibungsbeanspruchung und des stiftförmi-
werden. Es ist sicherzustellen, dass die Schrauben gen Verbindungsmittels unter Biegebeanspru-
jeweils in der Mitte der Brettlage angeordnet chung vorausgesetzt. Gleichungen zur Berech-
werden. nung der charakteristischen Tragfähigkeit von
Verbindungen mit stiftförmigen Verbindungsmit-
Rax,s,k  28  d 0,8  l ef0,9 in N (3) teln sind z.B. im Anhang G der DIN 1052:
2004-08 [12] angegeben. Für Verbindungsmittel,
die zudem Kräfte in Richtung der Stiftachse über-
mit: d Nenndurchmesser der Schraube in mm
tragen können (Passbolzen, Bolzen, Schrauben
lef wirksame Einschraubtiefe in mm
sowie Sondernägel in Stahlblech-Holz- und Holz-
werkstoff-Holz-Verbindungen), darf die Tragfä-
Über das Langzeitverhalten von faserparallel ein-
higkeit unter Ausnutzung des Einhängeeffektes
gedrehten Schrauben liegen bisher nur wenige
erhöht werden. Auch die Tragfähigkeit von Ver-
Erkenntnisse vor. Ergebnisse von Versuchen mit
bindungsmitteln in BSPH kann mit der Johansen-
Prüfkörpern aus Vollholz lassen vermuten, dass
Theorie und unter Ausnutzung des Einhängeef-
bei einer dauerhaften Beanspruchung mit deut-
fektes ermittelt werden. Die benötigten Lochlei-
lich geringeren Tragfähigkeiten zu rechnen ist.
bungsfestigkeiten sowie die Besonderheiten bei
ZUKUNFT 789 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ

der Berechnung der Tragfähigkeit werden fol- Bei Anordnung mehrerer Verbindungsmittel in
gend für Verbindungen in den Schmal- und Sei- einer Reihe kann ein Anschluss bei geringen Ab-
tenflächen von Brettsperrholz vorgestellt. ständen der Verbindungsmittel untereinander
durch Aufspalten versagen. Bei Verbindungen in
4.2 Verbindungen in den Schmalflächen den Schmalflächen von Brettsperrholz trifft dieses
Bei Verbindungen in den Schmalflächen kann die insbesondere auf Verbindungsmittel zu, die
Stiftachse der Verbindungsmittel sowohl recht- rechtwinklig zur Faserrichtung einer Brettlage an-
winklig als auch parallel zur Faserrichtung einer geordnet sind. Dieser spröde Versagensmecha-
Brettlage angeordnet sein. Des Weiteren kann nismus kann durch Reduzierung der tatsächlichen
sich ein Verbindungsmittel gleichzeitig in Brettla- Verbindungsmittelanzahl auf eine wirksame An-
gen unterschiedlicher Faserrichtung befinden. Um zahl nef berücksichtigt werden. Es wird empfoh-
mit den üblichen Johansen-Gleichungen die Trag- len, nef wie für Vollholz zu berechnen, siehe Ab-
fähigkeit berechnen zu können, wird die Lochlei- schnitt 12.3, Absatz (9) der DIN 1052:2004-08
bungsfestigkeit für die Verbindungsmittel in den [12].
Schmalflächen benötigt. Umfangreiche experi-
mentelle Untersuchungen [4] haben gezeigt, dass 4.3 Verbindungen in den Seitenflächen
die maßgebende Lochleibungsfestigkeit bei paral- 4.3.1 Schrauben- und Nagelverbindungen
lel zur Faserrichtung eingebrachten Verbin- Die Lochleibungsfestigkeit für Schrauben und
dungsmitteln erreicht wird. Bei den empirischen Nägel, die ohne Vorbohren eingebracht werden,
Untersuchungen wurden auch die möglichen Po- ist unabhängig vom Winkel zwischen Kraft- und
sitionen von Verbindungsmitteln bezüglich von Faserrichtung. Es wird daher auch für BSPH an-
Fugen und Nuten berücksichtigt. Unabhängig genommen, dass eine entlang der Stiftachse
von der Anordnung des Verbindungsmittels in gleichmäßig verteilte Lochleibungsfestigkeit vor-
der Schmalfläche kann daher ein konservativer, liegt. Zur Ermittlung der Verbindungsmitteltrag-
charakteristischer Wert der Lochleibungsfestigkeit fähigkeit können die üblichen Johansen-
für nicht vorgebohrte Brettsperrhölzer bei Gleichungen verwendet werden. Hierzu sind Vor-
Schrauben- und Nagelverbindungen gemäß Glei- schläge für die charakteristische Lochleibungsfes-
chung (4) berechnet werden. tigkeit in den Gleichungen (6) und (7) angege-
ben. Die Lochleibungsfestigkeit für Schrauben
fh,k = 20 . d-0,5 in N / mm² (4) und Nägel in den Seitenflächen von Brettsperr-
holz mit Brettlagendicken ti ≤ 9 mm kann mit
mit: d Nenndurchmesser der Schrauben bzw. Gleichung (6) ermittelt werden.
Nägel in mm
fh,k = 60 . d-0,5 in N/mm² (6)
Die Lochleibungsfestigkeit in den Schmalflächen
von Brettsperrholz bei Verbindungen mit Stabdü- mit: d Nenndurchmesser des Verbindungsmittels
beln, Passbolzen und Bolzen kann mit Gleichung in mm
(5) ermittelt werden.
Bei BSPH mit Brettlagendicken ti > 9 mm ist die
fh,k = 9 . (1-0,017 . d) in N / mm² (5) Lochleibungsfestigkeit wie für Vollholz zu ermit-
teln (z. B. nach Abschnitt 12 der DIN 1052:2004-
mit: d Nenndurchmesser der Stabdübel, Passbol- 08 [12]). Für die Rohdichte ist hierbei der charak-
zen oder Bolzen in mm teristische Wert des Ausgangsmaterials einzuset-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 790 ZUKUNFT
BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ H O L Z

zen. Ggf. ist der Winkel zwischen Kraftrichtung mogene Bauteile berechnet werden. Das verein-
und Faserrichtung der Decklagen zu berücksichti- fachte Modell ist bei vielen Brettsperrholzaufbau-
gen. Für selbstbohrende Holzschrauben mit Voll- ten anwendbar. Bei der Berechnung muss die
gewinde z. B. kann die Lochleibungsfestigkeit charakteristische Lochleibungsfestigkeit von Stab-
nach einem Vorschlag von Blaß und Bejtka [1], [2] dübeln und Bolzen mit Gleichung (8) ermittelt
berechnet werden: werden. Die angegebene Lochleibungsfestigkeit
ist in ihrem Gültigkeitsbereich unabhängig vom
fh,VgSr,k  0,019  B,1,24 0,3 Aufbau und den Brettlagendicken.
k d in N / mm² (7)

32  (1  0,015  d )
mit: d Außen- bzw. Nenndurchmesser der fh,k  in N / mm² (8)
1,1 sin2  cos2
Schraube in mm
B,k charakteristische Rohdichte des Aus-
mit: d Nenndurchmesser des Verbindungsmittels
gangsmaterials in kg / m³ (i. d. R. 350
in mm
kg / m³)
 Winkel zwischen Kraftrichtung und Faser-
richtung der Decklagen
4.3.2 Verbindungen mit Stabdübeln, Pass-
bolzen und Bolzen
Bei Verbindungsmitteln wie Stabdübel oder Bol- Folgende Bedingungen sollten bei der Ermittlung

zen ist die Lochleibungsfestigkeit abhängig vom der Lochleibungsfestigkeit nach Gleichung (8)

Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung. Auf- eingehalten werden:

grund der kreuzweise verklebten Brettlagen lie- - maximale Brettlagendicke ti,max ≤ 40 mm


gen für diese Verbindungsmittel entlang der - Mindestdicke / Mindesteinbindetiefe: drei
Stiftachse abschnittsweise unterschiedliche Loch- Brettlagen
leibungsfestigkeiten vor. Es sind genauere Be- - Verhältnis der Brettlagen unterschiedlicher
trachtungen notwendig, bei denen die Orientierung  nach Gleichung (9) zwischen
Versagensmechanismen nach Johansen zu erwei- 0,95 und 2,0.
tern sind. Im Rahmen des Forschungsvorhabens -

wurden entsprechende Versagensfälle für Stahl-


 
t 0,i
(9)
blech-BSPH-Verbindungen und BSPH-BSPH-Ver-
bindungen hergeleitet. Die jeweiligen Versagens-
t 90, j

fälle führen zu relativ komplexen Formulierungen,


mit denen die Tragfähigkeit zu ermitteln ist. Des mit: t0,i Dicke der einzelnen Brettlagen, parallel
Weiteren nimmt die Anzahl der zu betrachtenden zur Faserrichtung der Decklagen
Versagensfälle mit zunehmender Brettlagenan- t90,j Dicke der einzelnen Brettlagen, recht-
zahl zu. Um den Berechnungsaufwand zu redu- winklig zur Faserrichtung der Decklagen
zieren, wird ein vereinfachtes Modell vorgeschla-
gen. Hierbei wird nicht für jede Brettlage eine dif- Durch die kreuzweise verklebten Brettlagen darf
ferenzierte Lochleibungsfestigkeit angesetzt, son- für Verbindungen in den Seitenflächen von Brett-
dern die durch Versuche ermittelte Lochleibungs- sperrholz von einer Querzugverstärkung ausge-
festigkeit für den Gesamtquerschnitt von Brett- gangen werden. Eine Tragfähigkeitsreduzierung
sperrholz. Die Tragfähigkeit kann somit mit den aufgrund eines frühzeitigen, spröden Versagens
herkömmlichen Johansen-Gleichungen für ho- durch Aufspalten tritt in der Regel nicht auf. Da-
her ist es nicht erforderlich die Anzahl hinterein-
ZUKUNFT 791 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ

ander liegender Verbindungsmittel zu reduzieren, ßerst duktiles Verhalten, wie das Last-Verschie-
so dass für die wirksame Anzahl nef gilt: bungsdiagramm in Abb. 4 zeigt. In Abschnitt 5
werden Mindestabstände der Verbindungsmittel
nef = n (10)
untereinander und zum Rand angegeben. Unter
Einhaltung dieser Abstände kann der Einfluss des
Blockscherens von Decklagen auf die Tragfähig-
keit zumeist minimiert oder sogar völlig verhin-
dert werden. Die Auswirkungen des Blocksche-
rens in den Brettlagen sind jedoch noch nicht ab-
schließend geklärt. Daher wird empfohlen, bei
konzentrierten Anschlüssen mit mehreren hinter-
einander liegenden Verbindungsmitteln unter
Anwendung der kleinsten möglichen Abstände
die Tragfähigkeitsnachweise nicht völlig auszu-
nutzen. Als Richtwert kann hier ein Ausnut-
zungsgrad von ca. 80 % angegeben werden.

5 Ausbildung von Anschlüssen


Für Herausziehbeanspruchungen sind bereits in
Abschnitt 3 einige Anforderungen an die Min-
desteindringtiefen von Verbindungsmitteln sowie
an die Anzahl der Verbindungsmittel und Verbin-
dungsmittelreihen aufgeführt. Zusätzlich sind
Mindestabstände und Mindesteinbindetiefen ein-
zuhalten. Für Verbindungsmittel, die in die Sei-
tenflächen von Brettsperrholz eingebracht wer-
den, sind die Mindestabstände in Tab. 1 angege-
ben. Eine Definition der Abstände zeigt Abb. 5. In
Abb. 6 sind die Abstände von Verbindungsmit-
teln in den Schmalflächen definiert. Die zugehö-
Abb. 4: Last-Verschiebungsdiagramm für eine rigen Mindestabstände sind in Tab. 2 aufgeführt.
Stabdübelverbindung in den Seitenflächen Diese gelten bei Belastung der Verbindungsmittel
(oben), Versuchsbeobachtung: Blockscheren in in Plattenebene und sind unabhängig vom Win-
der Decklage (unten) kel zwischen Stiftachse und Faserrichtung. Für
Verbindungen in den Schmalflächen sind die An-
Bei Versuchen mit Stabdübelverbindungen in den forderungen an die Mindestdicken des Brett-
Seitenflächen konnte teilweise ein Blockscheren sperrholzes bzw. der maßgebenden Brettlagen
in einzelnen Brettlagen beobachtet werden, Abb. sowie an die Mindesteinbindetiefen der Verbin-
4. Dieses Blockscheren führt nicht zu einem völli- dungsmittel in Tab. 3 zusammengestellt. Bei Be-
gen Versagen der Verbindung, jedoch wird die lastung rechtwinklig zur Plattenebene ist darüber
rechnerische Tragfähigkeit nicht ganz erreicht. hinaus ein Aufspalten der Schmalflächen bzw. die
Insgesamt zeigten diese Verbindungen ein äu- Querzugbeanspruchung zu berücksichtigen.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 792 ZUKUNFT
BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ H O L Z

Abb. 5: Definition der Abstände von Verbindungsmitteln in den Seitenflächen

a2,c a2,c

a1,t
a1
a1,c

ti

tBSPH

Abb. 6: Definition der Abstände von Verbin-


dungsmitteln in den Schmalflächen
ZUKUNFT 793 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ

Tab. 1: Mindestabstände von Verbindungsmitteln in den Seitenflächen

Verbindungs-
a 1,t a 1,c a1 a 2,t a 2,c a2
mittel

Schrauben1) 6·d 6·d 4·d 6·d 2,5 · d 2,5 · d

Nägel (7 + 3 · cos ) · d 6·d (3 + 3 · cos ) · d (3 + 4 · sin ) · d 3·d 3·d

Stabdübel 4 · d · sin 


5·d (3 + 2 · cos ) · d 3·d 3·d 3·d
Passbolzen (min. 3 · d )

(3 + 2 · cos ) · d
Bolzen 5·d 4·d 3·d 3·d 4·d
(min. 4 · d )
 Winkel zwischen Kraftrichtung und Faserrichtung der Decklagen
1) selbstbohrende Holzschrauben

Tab. 2: Mindestabstände von Verbindungsmitteln in den Schmalflächen

Verbindungs- a 1,t a 1,c a1 a 2,c a2


mittel (in Plattenebene) (rechtwinklig zur
Plattenebene)

1)
Schrauben 12 · d 7·d 10 · d 5·d 3·d

Stabdübel
5·d 3·d 4·d 3·d 3·d
Passbolzen

Bolzen 5·d 4·d 4·d 3·d 4·d

1) selbstbohrende Holzschrauben

Tab. 3: Mindestbrettlagendicken, Mindestdicken und Mindesteinbindetiefen für Verbindungen in den


Schmalflächen
Mindestdicke Mindestdicke Mindesteinbindetiefe der VM
Verbindungs- der maßgebenden Brettlage des Brettsperrholzes in den Schmalflächen
mittel
t i in mm t BSPH in mm t 1 bzw. t 2 in mm
d > 8 mm: 3 · d
Schrauben 10 · d 10 · d
d ≤ 8 mm: 2 · d
Stabdübel
Passbolzen d 6·d 5·d
Bolzen
t 1 Mindesteinbindetiefe des Verbindungsmittels in den Schmalflächen des Seitenholzes bzw. Seitenholzdicke
t 2 Mindesteinbindetiefe des Verbindungsmittels in den Schmalflächen des Mittelholzes
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 794 ZUKUNFT
BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ H O L Z

6 Langzeitverhalten
Mit in den Schmalflächen von Brettsperrholz an-
geordneten Verbindungsmitteln lassen sich Bau-
teile wirtschaftlich verbinden. Um diese Verbin-
dungen effizient nutzen zu können, ist es erfor-
derlich, auch Einwirkungen mit ständiger oder
langer Lasteinwirkungsdauer (Eigengewicht,
Nutzlasten) zuverlässig zu übertragen. Hierzu sind
insbesondere für faserparallel angeordnete Ver-
bindungsmittel Aussagen über das Langzeitver-
halten erforderlich. Für Schraubenverbindungen
in den Schmalflächen von BSPH wird das Lang-
zeitverhalten zurzeit am Lehrstuhl für Ingenieur-
holzbau und Baukonstruktionen der Universität
Karlsruhe untersucht. Hierzu werden sowohl He-
rausziehversuche als auch Zug-Scherversuche mit
faserparallel in eine Brettlage eingedrehten,
selbstbohrenden Holzschrauben durchgeführt
(Abb. 7). Nach einem Beobachtungszeitraum von
drei Jahren sollen diese Prüfkörper entlastet und
die Resttragfähigkeit im Kurzzeitversuch ermittelt
werden. Die Klimadaten werden über den Ver-
suchszeitraum kontinuierlich erfasst. Die Versu-
che werden im Freien unter einer Überdachung
durchgeführt. Eine Bewitterung der Prüfkörper ist
Abb. 7.1: Langzeitversuch mit auf Herausziehen
somit ausgeschlossen, so dass die klimatischen
beanspruchten selbstbohrenden Holzschrauben
Verhältnisse der Nutzungsklasse 2 gemäß
DIN 1052: 2004-08 entsprechen. Die Belastung
der Prüfkörper erfolgt in Höhe des Bemessungs-
wertes der Tragfähigkeit. Hierbei wurde bei den
Versuchen mit rechtwinklig zur Stiftachse belaste-
ten Schrauben der Modifikationsbeiwert für die
Lasteinwirkungsdauer mit kmod = 0,8 berücksich-
tigt. Die Beanspruchung ist somit höher als für
die Klasse der Lasteinwirkungsdauer ständig (kmod
= 0,6). Bezogen auf die Standzeit der Versuche
von drei Jahren kann so ein konservativer Wert
für die Tragfähigkeit unter Langzeitbeanspru-
chung ermittelt werden. Bei den auf Herauszie-
hen beanspruchten Schrauben wurde die Belas-
tung auf 70 % des Bemessungswertes der Trag- Abb. 7.2: Langzeitversuch mit auf Abscheren be-
fähigkeit für einen Modifikationsbeiwert von kmod anspruchten selbstbohrenden Holzschrauben
= 0,8 reduziert.
ZUKUNFT 795 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ

7 Zusammenfassung förmigen Verbindungsmitteln in Brettsperrholz


Die effiziente Verwendung von Bauteilen aus auf kleinen Anschlussflächen vergleichsweise
Brettsperrholz erfordert es, diese untereinander große Kräfte übertragen lassen. In BSPH wird un-
und mit anderen Bauteilen zu verbinden. Eine ter Ausnutzung der Mindestabstände häufig ein
wirtschaftliche Lösung hierfür bietet der Einsatz Bauteilversagen maßgebend. Aufgrund der
von stiftförmigen Verbindungsmitteln, die in den kreuzweise verklebten Brettlagen weist BSPH eine
Seiten- und Schmalflächen von Brettsperrholz an- geringere Tragfähigkeit in Faserrichtung der
geordnet werden können. Hierdurch ist es auch Decklagen auf als ein vergleichbarer Vollholz-
möglich, die Bauteile ohne zusätzliche Verbin- querschnitt. Bei den im Holzbau üblichen stab-
dungselemente wie z.B. Stahlblech-Winkel direkt förmigen Bauteilen aus Voll- oder Brettschicht-
zu verbinden. holz wird hingegen häufig die Querschnittsdi-
mensionierung nicht durch die Bauteiltragfähig-
Auf Grundlage der Ergebnisse eines Forschungs- keit, sondern durch die Größe der Anschlussflä-
vorhabens konnten Vorschläge für die Bemes- chen bestimmt. Hier bietet sich die Möglichkeit,
sung von stiftförmigen Verbindungsmitteln in das Potential von Brettsperrholz auch für diese
Brettsperrholz entwickelt werden. Zur Berech- Bauteile wie z.B. Zugstäbe zu nutzen. Durch Re-
nung der Tragfähigkeit von Holzschrauben und duzierung der Brettdicke der Querlagen wäre es
Sondernägeln unter axialer Beanspruchung wer- möglich, den Aufbau des Brettsperrholzes zur
den Gleichungen zur Ermittlung des Herauszieh- Übertragung von Zugkräften zu optimieren. Da-
widerstandes angegeben. Die vorgestellten Be- mit können für Stabtragwerke schlankere Bautei-
rechnungsmodelle auf der Grundlage der Johan- le eingesetzt werden, bei denen ein nahezu aus-
sen-Theorie ermöglichen es, die Tragfähigkeit von geglichenes Verhältnis zwischen Bauteiltragfähig-
Verbindungen unter Beanspruchung auf Absche- keit und Anschlusstragfähigkeit besteht. Des Wei-
ren zu ermitteln. Für die meisten Verbindungs- teren verfügen stabförmige Bauteile aus Brett-
konfigurationen kann die Tragfähigkeit mit einem sperrholz über weitere positive Eigenschaften des
vereinfachten Berechnungsansatz bestimmt wer- Holzwerkstoffes wie z.B. bezüglich des Quell-
den. Die zur Ermittlung der Verbindungsmittel- und Schwindverhaltens oder der Querzugtragfä-
tragfähigkeit erforderliche charakteristische Loch- higkeit.
leibungsfestigkeit kann mit Hilfe der hierfür an-
gegeben Gleichungen berechnet werden.

In den Seitenflächen von Brettsperrholz sind ge-


ringe Abstände der Verbindungsmittel unterein-
ander und zum Rand möglich. Außerdem wird
ein Spaltversagen von Verbindungen durch die
Querlagen verhindert. Diese Querzugverstärkung
und das duktile Verhalten der Verbindung erlau-
ben es, auf die Reduzierung der tatsächlichen
Verbindungsmittelanzahl auf eine wirksame An-
zahl zu verzichten. Anschlüsse in den Seitenflä-
chen von Brettsperrholz können folglich eine hö-
here Tragfähigkeit aufweisen als in Vollholz oder
Brettschichtholz. Das bedeutet, dass sich mit stift-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 796 ZUKUNFT
BEMESSUNGSVORSCHLÄGE FÜR VERBINDUNGSMITTEL IN BRETTSPERRHOLZ H O L Z

Quellen
[1] Bejtka, I.: Verstärkungen von Bauteilen aus [7] Johansen, K. W.: Theory of timber connec-
Holz mit Vollgewindeschrauben, Karlsruher tions. International Association of bridge and
Berichte zum Ingenieurholzbau, Band 2, structural Engineering, Bern, 1949, S. 249-
Lehrstuhl für Ingenieurholzbau und Bau- 262
konstruktionen (Hrsg.), Universität Karlsruhe [8] Schickhofer, G.: Brettsperrholz – Anwen-
(TH), Karlsruhe, 2005 dungen und Konstruktionsdetails im mehr-
[2] Blaß, H. J.; Bejtka, I.; Uibel, T.: Tragfähigkeit geschossigen Wohn- und Kommunalbau. In:
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fe, Fachverlag Holz, Düsseldorf, 1995 aus: bauen mit holz 2 / 2009, S.46-53
ZUKUNFT 797 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT

10.1 Verbindungsmittel
Korrosionsverhalten von Baumetallen bei Holzkontakt

Beate Gläser, Dirk Kruse, Norbert Rüther Lösungen und Produkten bei einer gleichzeitig
verbesserten Rechtssicherheit zu erlauben, wurde
1 Allgemeines am Fraunhofer-Institut für Holzforschung in den
Nach Schätzungen der Gesellschaft für Chemi- letzten 2 Jahren ein durch den Holzabsatzfonds
sche Technik und Biotechnologie e.V. (Dechema) gefördertes Forschungsprojekt bearbeitet.
erreichen die direkten Schäden aufgrund von
Korrosion zwischen 3% - 4% des Bruttoinlands- 2 Anforderungen an den Korrosionsschutz
produktes einer Industrienation. Für die deutsche Im Holzbau existieren normativ derzeit drei Nut-
Volkswirtschaft bedeutet das jährliche Kosten in zungsklassen zur Definition an den Korrosions-
Höhe von ca. 70 – 95 Mrd. Euro (bezogen auf schutz. Diese Nutzungsklassen sind für viele prak-
das BIP 2007). Vor diesem Hintergrund ist es we- tische Bausituationen nicht ausreichend. Daher
nig verwunderlich, dass im Bereich des Korrosi- wurden die Nutzungsklassen erweitert und weiter
onsschutzes in den letzten Jahrzehnten erhebli- differenziert, um für die jeweilige praktische Bau-
che Innovationsschritte gelungen sind und eine situation besser angepasste Maßnahmen des Kor-
Vielzahl neuer, innovativer Produkte auf den rosionsschutzes zur Verfügung stellen zu können.
Markt gekommen ist. Dazu wurden die sechs Korrosivitätskategorien
für Stahl nach DIN EN ISO 12944-2:1998 in Kom-
Diese Entwicklungen sind nur sehr begrenzt im bination mit den Umgebungsbedingungen je-
Holzbau angekommen. Der Korrosionsschutz und weils für die Außennutzung und für die Sonder-
damit eine wesentliche Fragestellung für die fälle (z.B. Brückenbauwerke, Schwimmhallen,
Dauerhaftigkeit von Verbindungen tragender Verzinkereien etc.) auf ihre Übertragbarkeit auf
Holzbauteile mit metallischen Verbindungsmitteln den Holzbau hinsichtlich Belastungsart, Belas-
sind verhältnismäßig gering geregelt. Die tungsdauer, Temperatur und Luftfeuchte unter-
DIN 1052: 2004-08 fordert recht allgemein Maß- sucht und ausgewertet.
nahmen zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit
gegen Korrosion unter Beachtung der zu erwar- Die Anforderungen an den Korrosionsschutz wer-
tenden Beanspruchung. Lediglich drei Kategorien den nicht nur durch die klimatischen Umge-
hinsichtlich des Korrosionsschutzes werden hier bungsbedingungen sondern auch durch die
genannt. Holzart (vereinfacht: Eiche kritischer als Fichte)
bestimmt. Daher wurden unterschiedliche Holz-
Alternativen zu den in DIN 1052: 2004-08 aufge- bzw. Bauholzarten sowie die damit verbundenen
führten Schutzmaßnahmen sind nach heutigem Holzeigenschaften (u.a. Gerbstoffgehalt, pH-
Stand der Technik nicht nachweisbar. Dieser Um- Wert, Harzgehalt, Holzfeuchtegehalt) näher be-
stand stellt ein echtes Innovationshindernis dar. trachtet und hinsichtlich ihrer Wechselwirkungen
Eine große Bandbreite an Produkten und Techno- mit Korrosionsschutzmaßnahmen untersucht. Ne-
logien, wie beispielsweise die Nanopartikel-ba- ben den Wechselwirkungen zwischen den Holzin-
sierten anorganischen Schutzschichten, um nur haltsstoffen und den metallischen Verbindungs-
ein aktuelles Beispiel zu benennen, können aus mitteln wurden auch die Wirkungen zwischen
formalen Gründen nicht eingesetzt werden. eingesetzten Holzschutzmitteln und den metalli-
schen Verbindungsmitteln, sowie mit Legierun-
Um die bestehenden Lücken beim Korrosions- gen und Überzügen der Verbindungsmittel in die
schutz metallischer Verbindungsmittel im Holz- Arbeiten einbezogen. Im Rahmen der Arbeiten
bau zu schließen und um eine größere Vielfalt an wurden dazu existierende Untersuchungen be-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 798 ZUKUNFT
KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT H O L Z

wertet und durch weiterführende Untersuchun- Damit Hersteller und Anwender einen besseren
gen ergänzt bzw. bestätigt. Überblick aus der Vielzahl der gesammelten Er-
fahrungen erhalten, wurden diese in den folgen-
In einem in diesem Projekt entwickelten Laborver- den Tabellen (Tab. 1 und Tab. 2) zusammenge-
fahren wurden die für den Holzbau relevanten fasst und als Anpassung der Nutzungsklassen
Parameter verwertet und mit eingebunden. Es bzw. Erweiterung der Tab. 2 aus DIN 1052 vorge-
konnte nachgewiesen werden, dass z.B. Holz- stellt.
schutzmittel einen wesentlichen Beitrag zum kor-
rosiven Angriff auf die metallischen Verbindungs- Im Vergleich zur bisherigen Tab. 2 aus DIN 1052
mittel leisten. Des Weiteren ist es möglich, ver- sind die Nutzungsklassen hinsichtlich Korrosivität
schiedene innovative Korrosionsschutzbeschich- feiner aufgesplittet, so dass eine differenziertere
tungen mit den bisher üblichen Schutzmaßnah- Einordnung der einzelnen Einbau-Umgebungen
men zu vergleichen und ihre Schutzwirkung ein- erfolgen kann. Dafür wird die geplante Holzbau-
zuschätzen. In der folgenden Abb. 1 ist exempla- verbindung nach ihren Parametern - Holzart,
risch der Korrosionsgrad verschiedener Verbin- eventuell verwendetes Holzschutzmittel und der
dungsmittel nach der Belastung einmal in Verbin- direkt vorherrschenden Atmosphäre – beschrie-
dung mit Eichenholz und einmal in einer gerb- ben. Der am stärksten korrosiv wirkende Parame-
stoffhaltigen Lösung dargestellt. Bei dem Verbin- ter ist bei der Einordnung in eine Korrosivitäts-
dungsmittel A handelt es sich um ein verzinktes klasse ausschlaggebend.
Verbindungsmittel, bei Verbindungsmittel B um
ein Edelstahl-Verbindungsmittel. Mit der Be-
schichtung C konnte eine gleichwertige Schutz-
wirkung gegenüber der gerbsäurehaltigen Lö-
sung, vergleichbar Edelstahl, nachgewiesen wer-
den.

4 mit Eiche
mit Gerbsäure

3
Korrosionsgrad

0
A B C D E F G

Abb. 1: Exemplarische Darstellung des nach Evans ermittelten Korrosionsgrads von diversen Verbin-
dungsmitteln, die mit Eichenholz / mit einer gerbsäurehaltigen Lösung belastet wurden
ZUKUNFT 799 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT

Nachdem über Tabelle 1 eine Einordnung in eine Anhand des nachfolgenden Beispiels wird die
Korrosivitätsklasse erfolgt ist, wird nun in Tab. 2 Handhabung der Tabellen 1 und 2 deutlich.
die Nutzungsklasse nach DIN 1052 berücksichtigt
und es ergibt sich der erforderliche Korrosions- Es soll der Korrosionsschutz eines Verbindungs-
schutz. In Tab. 2 sind die Verbindungsmittel, an- mittels in folgender Umgebung nachgewiesen
ders als in DIN 1052 Tab. 2, nach Dicke bzw. bzw. eingeschätzt werden: Holzart der verbauten
nach dem Grad der mechanischen Ausnutzung Verbindung ist Fichte; das Holz wurde mit einem
des Metallquerschnitts im Einbauzustand aufge- Holzschutzmittel auf Basis Benzammoniumchlorid
teilt. Auch hier erfolgt nur eine Einteilung nach imprägniert; die Verbindung wird für eine Sport-
der Stärke der Verzinkung auf dem zu schützen- halle geplant; die Nutzungsklasse nach DIN 1052
den Metall. Ist dies nicht mehr zu gewährleisten, ist NKL 2. Der Einsatz einer Nagelplattenverbin-
so wird zunächst der Einsatz von Edelstahl bzw. dung mit einem Ausnutzungsgrad des Metall-
einem geeigneten nichtrostenden Stahl – hier als querschnitts von ca. 50 % wird gewünscht.
VA abgekürzt – empfohlen. Bei einem Einsatz ei-
nes Verbindungsmittels mit einer alternativen Be-
schichtung als Korrosionsschutz, ist mittels eines
eigens entwickelten Standardprüfverfahrens ein
Nachweis der Gleichwertigkeit der alternativen
Beschichtung gegenüber dem in Tab. 2 aufge-
führten Korrosionsschutz durchzuführen.

Tab. 1: Einordnung der Einwirkungen an Metall-Holz-Verbindung in fünf Korrosivitätsklassen [6]


10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 800 ZUKUNFT
KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT H O L Z

Tab. 2: überarbeiteter Entwurf „Mindestanforderungen an den Korrosionsschutz für metallische Bau-


teile und Verbindungsmittel – Mindestzinkschichtdicke in μm oder vergleichbarer Schutz“ [6]

Gemäß Tab. 1 wird Fichte als unbedeutend kor- 3 Gleichwertigkeit innovativer Korrosions-
rosiv eingeschätzt und die Atmosphäre in der schutzmaßnahmen
Sporthalle als gering korrosiv. Der am stärksten Ein wesentliches Ziel des bearbeiteten Projektes
korrosiv wirkende Parameter bei dieser Kombina- war es, die Möglichkeiten des Korrosionsschutzes
tion ist das Holzschutzmittel bzw. dessen Wirk- zu erweitern in dem in einem Nachweisverfahren
stoff. Somit erfolgt für die angegebene Holz- eine Gleichwertigkeit zu den erforderlichen Kor-
Metall-Verbindung eine Einordnung in die Korro- rosionsschutzmaßnahmen festgestellt werden
sivitätsklasse KKL 3. Im nächsten Schritt wird die kann. Insbesondere sollten neue, innovative Lö-
nach DIN 1052 vorgegebene Nutzungsklasse in sungen, die zum Schutz von Stahl bereits breite
Tab. 2 berücksichtigt. Anwendung erfahren, nicht ausgegrenzt bleiben.

Für die geplante Metall-Holz-Verbindung mit ei- Es wurden die zur Verfügung stehenden und all-
ner Nagelplattenverbindung mit einem Ausnut- gemein üblichen Testmethoden (z.B. Kesternich-
zungsgrad des Metallquerschnitts von ca. 50 % test, Salzsprühtest etc.) für die spezielle Anwen-
ist somit ein Korrosionsschutz von mindestens dung im Holzbaubereich theoretisch und mittels
55 μm Zink erforderlich. Laborversuchen untersucht. Hierbei wurde das
Zusammenspiel der Einflüsse unterschiedlicher
Holzarten, lokaler Schäden des Schutzes und un-
terschiedlicher Holzschutzmittel in die Untersu-
chungen einbezogen. Dabei stellte sich heraus,
dass nur eine Weiterentwicklung einer möglichst
einfach gehaltenen und in den Versuchsaufbau
ZUKUNFT 801 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT

und die Versuchszusammenstellung wenig ein- tungen Verwendung finden sollen, kann in einem
greifenden Testmethode bei der bestehenden weiteren Schritt durch das entwickelte Prüfver-
Problematik zweckmäßig ist. Eine intensive Zu- fahren in einer Standard- und einer individuellen
sammenarbeit und Diskussionen mit den Projekt- Variante der Korrosionsschutz nachgewiesen
partnern führten zu dem Ergebnis, dass es sinn- werden.
voll ist, zwei prinzipiell unterschiedliche Nach-
weisverfahren zu erarbeiten. Das „Standardprüfverfahren“ ist ein Vergleichs-
verfahren, mit dem ausschließlich die Gleichwer-
Auf Basis dieser Ergebnisse wurde ein Prüfverfah- tigkeit einer beliebigen Beschichtung mit einer in
ren entwickelt, mit dem beschleunigte Korrosi- DIN 1052 aufgeführten Schutzmaßnahme unter
onsuntersuchungen speziell für den Holzbaube- definierten Umgebungsbedingungen nachgewie-
reich möglich sind und mit dem die Gleichwertig- sen wird. Dieses Verfahren untersucht eine Be-
keit von Schutzmaßnahmen nachgewiesen wer- schichtung, die auf metallische Prüfkörper mit de-
den kann. Des Weiteren wird ein zweites Verfah- finierten, einfachen geometrischen Eigenschaften
ren zur Verfügung gestellt, mittels dessen Son- aufgebracht wird. Zusätzlich werden Prüfkörper
derfragestellungen zum Korrosionsschutz im mit gleichen Eigenschaften, jedoch mit einer nach
Holzbau in vertretbaren Zeiträumen beantwortet DIN 1052 erforderlichen Schutzmaßnahme, ange-
werden können. fertigt. Beide Prüfkörperserien werden unter glei-
chen Bedingungen beansprucht und nach der
Zur Beurteilung einer Bausituation wird zunächst, Beanspruchung verglichen.
wie auch bisher üblich, zur Bauplanung und Ein-
schätzung der Korrosivität DIN 1052 herangezo- Es ist immer ein Paar aus einem Prüfkörper mit
gen. Sollte die konkrete Bausituation nicht über der zu prüfenden Beschichtung und einer Refe-
DIN 1052 abgedeckt sein, kann sie mittels der in renzprobe mit einem in DIN 1052 Tabelle 2 be-
Punkt 2 beschriebenen Systematik unter Verwen- schriebenen Korrosionsschutz herzustellen. Die
dung der Tabellen 1 und 2 bewertet werden. Prüfkörper und Referenzproben bestehen immer
Sollte auch dies nicht zu einer Bewertung der aus einem Holz und einem (beschichteten) Me-
Bausituation führen, da z.B. innovative Beschich- tall.

Tab. 3: Prüfflüssigkeiten und Prüfkörper aus Holz in Abhängigkeit von den Korrosivitätsklassen [6]
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 802 ZUKUNFT
KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT H O L Z

Das Grundmaterial des zu beschichtenden Me-


talls besteht aus Baustahl, S 355 J2, und kann die
geometrische Form eines Quaders oder eines Zy-
linders aufweisen, wobei die geometrische Form
des Prüfkörpers gleich zu sein hat mit der geo-
metrischen Form der Referenzprobe.

Die zu verwendenden Holzarten und Prüfflüssig-


keiten sind in Tab. 3 beschrieben und in Abhän-
gigkeit der Korrosivitätsklasse zu wählen, für die
die zu prüfende Beschichtung einen geeigneten
Korrosionsschutz darstellen soll.

Es sind kleine, fehlerfreie Abschnitte der in Tab. 3


aufgeführten Holzarten zu verwenden. Die Hölzer
weisen eine Holzfeuchte von etwa 18 % auf und
haben die Form eines Würfels mit einer Kanten-
länge von 50 mm. In diesen Würfel ist bei Ver-
wendung einer Metallplatte von einer Stirnseite
aus ein 2 cm tiefer Schlitz einzusägen, dessen
Breite der Dicke des unbeschichteten Metalls ent-
spricht, oder bei Verwendung eines Metallzylin- Abb. 2: Probenlagerung im Temperaturschrank
ders von einer Stirnseite aus ein 2 cm tiefes Loch mit Prüfkörpern für Standardversuche [6]
zu bohren, dessen Durchmesser dem Durchmes-
ser des unbeschichteten Metalls entspricht. Die Bewertung des Korrosionsgrades der Probe-
körper erfolgt zunächst unmittelbar nach dem
Die Probekörper und die Referenzproben werden Versuch mittels optischer Bewertung nach Evans
entsprechend Tab. 4 in Glas- oder Kunststoffge- (Tab. 5) und nach Erreichen der Massekonstanz
fäße in Abhängigkeit der gewählten Nutzungs- und Entfernung der Korrosionsprodukte durch
klasse eingelegt. Bestimmung der Massedifferenz.

Die Gefäße mit den Probekörpern und den Refe-


renzproben werden im Wärmeschrank bei
50 ± 2°C gelagert.

Tab. 4: Übersicht Lagerung und Versuchsdauer [6]


ZUKUNFT 803 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT

Tab. 5: Bewertungsskala des Korrosionsgrades Die erforderlichen Beanspruchungen, Verfahren


nach Evans [6] und Auswertungen können standardisiert von
entsprechend ausgebildetem Laborpersonal an-
gewendet werden. Dieses Verfahren hat als Ziel-
gruppe die Beschichtungsmittelindustrie, die für
ihre jeweilige Beschichtung den Nachweis erbrin-
gen will, welchen Korrosionsschutz deren Be-
schichtung gewährleisten kann. Zum jetzigen
Zeitpunkt liegt die Verantwortung dafür, dass die
Beschichtung auf dem tatsächlichen Verbin-
Der Nachweis der Gleichwertigkeit gilt als er- dungsmittel appliziert werden kann, beim Her-
bracht, wenn der Korrosionsgrad der Prüfkörper steller. Das Aufbringen der erforderlichen Min-
niedriger ist, als der der Referenzproben und die destschichtdicken ist über entsprechende quali-
Massedifferenz im Vergleich zur Referenzprobe tätssichernde Maßnahmen sicherzustellen.
um max. 5 % abweicht.

Abb. 3: Dübel besonderer Bauart vor (oben) und nach (unten) der Prüfung [6]
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 804 ZUKUNFT
KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT H O L Z

Eine Erweiterung des Standardprüfverfahrens ist Die grundsätzliche Eignung des individuellen
das „individuelle Prüfverfahren“. In diesem Ver- Prüfverfahrens wurde durch einen Vergleich mit
fahren werden keine standardisierten Probekör- einer tatsächlichen Bausituation belegt. Wie in
per verwendet. Vielmehr wird eine konkrete Bau- einem vorliegenden Gutachten beschrieben, ha-
situation nachgestellt. Die Versuche nach diesem ben sich die Verbindungsmittel einer Brücke in-
Verfahren sind ingenieurmäßig zu planen, durch- nerhalb weniger Jahre nahezu aufgelöst. Mit den
zuführen und auszuwerten. Die Ergebnisse dieses innerhalb dieses Vorhabens durchgeführten Prü-
Verfahrens liefern keinen Vergleichswert, sondern fungen wurden die gleichen Resultate erzielt, wie
sollen eine Tauglichkeit einer konkreten Situation sie in [11] beschrieben sind. Die Abbildungen 3
belegen. Alle relevanten Eigenschaften sind in die und 4 zeigen Versuchsergebnisse und Abbildun-
Prüfung mit einzubeziehen. gen aus dem Gutachten und belegen deutlich die
Übereinstimmung zwischen Versuch und Realität.

Abb. 4: Zerstörter Dübel besonderer Bauart nach ca. 5-jähriger Nutzung; links: Holz, in dem der Dübel
eingebracht war, Mitte: Dübel mit Unterlegscheibe aus nichtrostendem Stahl, rechts: Stahllasche aus
nichtrostendem Stahl [11]

Abb. 5: zerstörter Dübel besonderer Bauart [6]


ZUKUNFT 805 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL
H O L Z KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT

Abb. 5 zeigt einen Aluminiumdübel, der sich


nach bereits etwa drei- monatiger Belastung
durch salzhaltige Umgebung und in Verbindung
mit Edelstahl vollkommen aufgelöst hat. Selbst
nach etwa 4 Wochen konnten relevante, tiefe
Schädigungen beobachtet werden. Eine solche
Verbindung ist zukünftig auch nur über das „in-
dividuelle Verfahren“ prüfbar, da in diesem be-
sonderen Fall ausschließlich die vorliegende
Kombination zu der massiven Schädigung ge-
führt hat.

Ein Entwurf einer Richtlinie zu den genannten


Prüfverfahren wird momentan durch den Projekt-
förderer und die Industriepartner geprüft.

4 Zusammenfassung und Ausblick


Die erfolgreiche Bearbeitung des Forschungspro-
jekts eröffnet auch im Holzbau die Möglichkeit
neue, innovative Korrosionsschutzmaßnahmen
einzusetzen. Im Laufe der Projektbearbeitung ha-
ben sich jedoch auch neue Fragestellungen auf-
getan, die im Rahmen dieses Projektes nicht ge-
löst, zumindest aber angedacht werden konnten.
Hieraus folgende Projekte befinden sich bereits in
der Planungsphase.

Es bleibt zu hoffen, dass die bereits gesammelten


Informationen und Erfahrungen, nicht zuletzt
durch die angestrebte Richtlinie, ihre notwendige
Anwendung im Holzbau finden werden und so-
mit der Bereich der durch Korrosion verursachten
Schäden weiter minimiert werden kann.

Gerade in der heutigen Zeit ist die Stärkung der


zukunftsträchtigen ökologischen Holzbauweise
wichtig und die Forschung auf diesem Gebiet un-
terstützenswert.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.1 VERBINDUNGSMITTEL 806 ZUKUNFT
KORROSIONSVERHALTEN VON BAUMETALLEN BEI HOLZKONTAKT H O L Z

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schung, Vol. 47, No. 3 (1993), S. 239-246
Berlin
ZUKUNFT 807 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG

10.2 Kleber, Bindemittel


Kleben im Holzbau
Stand der Technik und Qualitätssicherung

Borimir Radovic - Bestimmung der durchschnittlichen Antro-


ckenzeit
1 Maßgebende Parameter bei der - Bestimmung der Mindestpresszeit
Verklebung - Beurteilung des Aufschäumverhaltens
- Holzart - Bestimmung der Viskosität und der Ge-
- Holzfeuchte brauchsdauer
- Holzqualität - Zugscherprüfung bei hohen und niedrigen
- Klebefläche Temperaturen
- Klebstoffart
- Klebstoffmenge Dauerstandprüfungen:
- Offene und geschlossene Klebstoffzeit - Dauerstand-, Querzugversuche
- Pressdruck - Prüfung nach modifizierter ASTM 3535
- Pressdauer - Prüfung von Biegeproben unter Dauerlast
- Klima vor, während und nach der Verklebung
3 Voraussetzungen für die Herstellung von
verklebten Holzbauteilen
3.1 Technische Trocknung des Holzes
- Trockenkammer, Holzfeuchte 10-14%, bei
einteiligen keilgezinkten Hölzern 13-17%

3.2 Sortierung des Holzes nach der Tragfä-


higkeit:
- DIN EN 14081 bzw. DIN 4074
Kriterien: Äste, Risse, Verfärbungen, Baum-
Abb. 1: King Edward College, kanten etc.
Southhampton 1860 [1] - Visuelle Sortierung
- Maschinelle Sortierung
Bei Keilzinkenverbidungen zusätzlich: - Sortierklassen bei visueller Sortierung:
- Astfreiheit im Bereich der Zinkung C16 (S7): Bauschnittholz mit geringer Trag-
- Keilzinkengeometrie und ausreichender, fähigkeit
gleichmäßiger Klebstoffauftrag C24 (S10): Bauschnittholz mit normaler Trag-
fähigkeit
2 Prüfungsumfang bei Klebstoffen C30 (S13): Bauschnittholz mit überdurch-
Kurzzeitprüfungen: schnittlicher Tragfähigkeit
- Zugscherprüfungen (EN 302-1)
- Delaminierungsprüfungen (EN 302-2)
- Überprüfung einer eventuellen Säureschädi-
gung der Holzfaser (EN 302-3)
- Überprüfung des Verhaltens beim Schwinden
des Holzes (EN 302-4)
- Bestimmung der Abbindegeschwindigkeit (DIN
68141)
- Bestimmung des pH-Wertes Abb. 2: Visuelle Sortierung des Holzes [2]
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 808 ZUKUNFT
KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG H O L Z

3.3 Auskappen fehlerhafter Bereiche


Durch das Auskappen wird das Holz optimal aus-
genutzt.

3.4 Keilzinkenverbindung
Durch die Keilzinkenverbindung werden die Ein-
zelhölzer in der Länge kraftschlüssig miteinander
verbunden. Dadurch ist die Herstellung von Bau-
teilen in beliebiger Länge möglich.
Abb. 3: Maschinelle Sortierung des Holzes [3]

Abb. 4: Auskappen fehlerhafter Bereiche [2]

LLaufrichtung
aufrichtung
FF
Biegeprinzip :
ff

Eige nfrequenzmess ung :

Emp fänge
E mpfän r
ger Se nderer
Send
Durchstrahlung :

[a us Col li ng: Schä den i m Holz bau]

S ort ierk las sen (m aschine ll sortiert):


C16M Bausc hnittholz mi t geringer T ragfähigkeit
C24M Bausc hnittholz mi t normaler T ragfähigkeit
C30M Bausc hnittholz mi t übe rdurchs chnittlicher T ragfähigkeit
C35M Bausc hnittholz mi t besonders hoher Tragfä higke it

Abb. 5: Verfahren bei der maschinellen Sortierung des Holzes und Sortierklassen ( Festigkeitsklassen) [3]
ZUKUNFT 809 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG

3.5 Ablängen
Durch das Ablängen werden aus dem endlos
keilgezinkten Holz- bzw. Lamellenstrang Einzell-
teile mit definierter Länge hergestellt.

3.6 Hobeln der Hölzer


Wenn die Hölzer nachträglich miteinander über
die Fläche verklebt werden sollen, ist eine Hobe-
lung der zu verklebenden Flächen erforderlich,
um eine optimale Oberfläche für die Verklebung
Abb. 6: Prinzip der Keilzinkung der Bretter [2] zu schaffen.

3.7 Klebstoffauftrag
Der Klebstoff muss in der vorgeschriebenen
Menge auf die zu verklebenden Flächen aufge-
tragen werden.

Abb. 7: Beleimung der Keilzinken im Paket Abb. 9: Klebstoffauftrag auf gehobelte Lamelle
der Bretter [2] [2]

3.8 Pressen
Der Pressdruck dient der gegenseitigen Fixierung
der Hölzer bis der Klebstoff abgebunden hat und
der Erzielung möglichst gleichmäßiger dünner
Klebstofffuge (Abb. 10 bis 14).

Abb. 8: Keilzinkung in der Presse [2]


10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 810 ZUKUNFT
KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG H O L Z

Abb. 12

Abb. 10

Abb. 13

Abb. 11

Abb. 14
ZUKUNFT 811 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG

3.9 Abbund 3.10 Transport


Hier sind alle Arbeitsgänge zu verstehen, die In den Abb. 18 bis 21[2] sind die Transportmög-
notwendig sind, um die verklebten Holzbauteile lichkeiten zu sehen.
montagefertig zu machen (Abb. 15 bis 17). [2]

Abb. 15 Abb. 18

Abb. 19
Abb. 16

Abb. 17 Abb. 20
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 812 ZUKUNFT
KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG H O L Z

Abb. 21
Abb. 23
4 Schraubenpressklebung
Vorteile der Schraubenpressklebung
- Kein Abfall des Pressdrucks infolge der sehr
guten Schaftverankerung.
- Keine Erschütterungen beim Anbringen der
Schrauben, die das Abbinden des Klebstoffes
stören könnten, so dass weitere Aufklebungen
an einem Bauteil vorgenommen werden kön-
nen, bevor die schon verpressten Klebstofffu-
gen voll ausgehärtet sind.
- Eine Schraube reicht aus für eine zu ver-
klebenden Fläche von 15000 mm2
Abb. 24
In den Abb. 22 bis 28 [4] sind einige mit Hilfe der
Schraubenpressverklebung hergestellte Schirmtei-
le des Expo-Daches ersichtlich

Abb. 22 Abb. 25
ZUKUNFT 813 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG

5 Holz-Metall-Verklebungen 6 Geklebte Verbundbauteile aus Brettschicht-


Wichtigste Eigenschaften der Klebstoffe für Holz- holz (Blockverklebung)
Metall-Verklebungen:
- Gutes Adhäsionsvermögen sowohl zum Holz
als auch zum Stahl
- Beständigkeit auch in den dicken Klebstoff-
fugen
- Gutes Dauerstandverhalten
- Beständigkeit auch bei hohen Temperaturen,
wenn diese nach dem Einbau der Bauteile im
Bereich der Verbindung zu erwarten sind.

Abb. 28 [7]

Abb. 29 Pressbett für Blockträger [6]

Abb. 26: Eingeklebte Gewindestange, Versuch

Abb. 30 [5]

Abb. 27: Verklebung Holz-Stahlblech [6]


10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 814 ZUKUNFT
KLEBEN IM HOLZBAU – STAND DER TECHNIK UND QUALITÄTSSICHERUNG H O L Z

Quellen
[1] Arge Holz, Düsseldorf
[2] Studiengemeinschaft Holzleimbau,
Wuppertal
[3] Colling, Schäden im Holzbau
[4] Fa. Finnforest-Merk, Aichach
[5] Fa. Schaffitzel, Schwäbisch Hall
[6] Fa. Gröber, Füramoos
[7] Fa. Kaufmann, Reuthe A

Abb. 31: Verbundbauteile Brücken Hochstetten


[5]
ZUKUNFT 815 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z LIGNOFAST – EIN QUANTENSPRUNG IN DER KLEBSTOFFTECHNOLOGIE

10.2 Kleber, Bindemittel


Lignofast - ein Quantensprung in der Klebstofftechnologie

Hans-Peter Luthiger Lignofast®, die neue Klebstofftechnologie, die


kurze Presszeiten im Sekundenbereich erlaubt, ist
1 Einleitung deshalb ein Quantensprung für die Verarbeitung
Ein in der automatisierten Produktion von Holz- in der Holzindustrie.
elementen einsetzbarer, rasch abbindender Kleb-
stoff kann Produktionskapazitäten verdoppeln, 1.1 ultraschneller Klebstoff: Lignofast®
unter Umständen sogar verdreifachen. Forscher  Duroplast, vernetzendes 2K System;
und Entwickler der nolax AG (Collano Gruppe)  Der Klebstoff bindet sekundenschnell ab
haben eine derartige neue Klebstofftechnologie  Nach dem Fügen ist eine sofortige Weiterver-
entwickelt. Das Produkt heißt «Lignofast®» und arbeitung möglich.
steht vor der Markteinführung. Es dürfte in der  Es wird keine Zwischenlagerung und kein
Holzverarbeitenden Industrie entscheidende Neu- Konditionieren benötigt.
erungen und wesentliche Optimierungen auslö-  Die PUR-Technologie wird übertroffen.
sen.

1.2 Lignofast®: 2K PUR-Polyurea


Klebstoffe kommen in der holzverarbeitenden In-
 Die Polyaddition ergibt eine sehr hohe Reak-
dustrie immer mehr zur Anwendung. Bei struktu-
tionsgeschwindigkeit.
rellen Verklebungen führen die langen Presszei-
 vernetzt kalt;
ten in der Produktion oft zu Engpässen, aus de-
 ist ein 100% Solid System (kein Wasser);
nen sich wirtschaftliche Nachteile, kleine Losgrö-
 Klebstoffeigenschaften können eingestellt
ßen bei Ausschreibungen und eine eingeschränk-
werden, z.B. hart, elastisch, Farbe, etc..
te Flexibilität in der Produktion ergeben.
 kein Formaldehyd;
 im vernetzten/ausgehärteten Zustand keine
Emissionen vorhanden;
 UV-stabil;

Abb.1: hohe Reaktionsgeschwindigkeit. Messungen mit Trombometer. Vergleich zeigt Lignofast®


W45.3052, offene Zeit 15 Sekunden / 2K PUR-Technologie
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 816 ZUKUNFT
LIGNOFAST – EIN QUANTENSPRUNG IN DER KLEBSTOFFTECHNOLOGIE H O L Z

2 Neue Arbeitsprozesse in der Herstellung


sind notwendig
Während der Entwicklung wurde rasch klar, dass
die hohe Reaktionsgeschwindigkeit der neuen
Klebstoffe auch neue Misch- und Verfahrenspro-
zesse bedingen. Herkömmliche Methoden und
Anlagen sind dafür ungeeignet. Gefragt sind spe-
zielle Mischer für die zwei Komponenten und
kontinuierliche Pressprozesse beim Fügen. Damit
Abb. 3: Sprühauftrag
sind bereits kommerzielle Anwendungsgebiete
definiert: Polyurea-Klebstoffe eignen sich nicht
Durchgeführte Versuche zeigen, dass sich für
für eine manuelle Verarbeitung, zeigen aber ein
viele Applikationen das Hochdruck-Gegenstrom-
vielversprechendes Potential für automatisierte
Verfahren am besten eignet. Die Vorteile sind:
Hochgeschwindigkeitsprozesse.
- mechanische Reinigung, kein Reinigungsmittel
notwendig
Die Geräte zum Mischen von Isocyanat und die
- stop and go innerhalb 1 Sekunde möglich
Polyamin-Komponenten müssen spezifisch auf
die hohe Reaktionsgeschwindigkeit ausgelegt
4 Eigenschaften von Lignofast® am Beispiel
sein. Gefragt ist ein schneller Reinigungsmecha-
W45.3051
nismus für die Mischkammer. Denn falls der
Zugscherfestigkeit 12 MPa, DIN 1465 (Buche)
Mischprozess unterbrochen wird, müssen die ge-
Max. Zugspannung 25 MPa
mischten Komponenten vor der Vernetzung aus-
Shore- D- Härte 70
zustoßen sein.
Elongation 150%
E-Moduls 900 MPa
3 Lignofast® mischen und auftragen 2
Temperatur-Resistance WATT 91, 9 N/mm
Es sind derzeit folgende Verarbeitungsverfahren
möglich: dynamischer Niederdruck-Mischer oder
Hochdruck-Gegenstromverfahren.

Abb. 4: Schema eines Hochdruck-Gegenstrom-


Abb. 2: Raupenauftrag mischers
ZUKUNFT 817 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z LIGNOFAST – EIN QUANTENSPRUNG IN DER KLEBSTOFFTECHNOLOGIE

Am häufigsten werden auf solchen Pressen die


PVAc-Klebstoffe eingesetzt. Dies bedingt aber
den Einsatz eines Hochfrequenz-Elementes, um
entsprechend rasch eine genügend hohe An-
fangshaftung zu erreichen. Dies ist für ein rasches
«Handling» der Platten notwendig. Der Mischer
und das Auftragsgerät wurden seitlich, horizon-
tal, zwischen dem Lamellen-Magazin und der
Presse installiert. (Auf das Hochfrequenz-Element
konnte verzichtet werden.) An sich wäre ein ver-
tikaler Klebstoffauftrag zu bevorzugen, was aber
eine Modifikation der Presse notwendig machen
würde. Obwohl das System nur provisorisch in-
Abb. 5: Auch im Vergleich zu den heute eingesetzten Klebstofftech-
stalliert war, ließen sich Platten mit einem Vor-
nologien ergeben sich interessante Werte
schub von 60 Metern je Minute produzieren.

5 Machbarkeitsnachweis: Hochgeschwindig-
keitsproduktion von Massivholzplatten Misch- und Auf-
Technische Aspekte tragskopf
Während die einzelnen Prozessschritte im Labor
und im Pilotverfahren erfolgreich simuliert wer-
den konnten, fehlte noch der Funktionsnachweis
für das gesamte System in einer industriellen Fer-
tigungsstrasse. Für solche Versuche existierte kei-
ne kommerzielle Anlage. Deshalb war es not-
wendig, einen Hersteller von kontinuierlichen
Pressen (Grecon Dimter) zur Teilnahme am Kon-
Lamellenmagazin
sortium zu gewinnen, das aus dem Hersteller des
Mischers und Auftragsgerätes (Dosiplast) und no- Abb. 7: Beleimungsstation (Hochgeschwindig-
lax (Collano) bestand. Die Verfahrenstechnik keitsmischer)
wurde durch die Berner Fachhochschule in Biel,
begleitet. 6 Wirtschaftlichkeit
HF- Damit ein neues Verfahren vom Markt akzeptiert
Vernetzungselement wird, muss sein wirtschaftlicher Nutzen glaub-
nicht notwendig
fü würdig aufgezeigt werden. Eine Grobkalkulation
zeigt unter folgenden Annahmen ein veilverspre-
chendes Bild:
 Platten-Dimension: 1.5 m x 5 m, 21 mm dick
 Heutiges Verfahren: 1 Presse, beheizt,
2 Schichten, Jahresleistung = 500 000 m2
 Neues Verfahren: 1 Presse, 1 Schicht, Jahres-
Abb. 6: Kontinuierliche Presse leistung 1.5 Mio. m2, V 60 m
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 818 ZUKUNFT
LIGNOFAST – EIN QUANTENSPRUNG IN DER KLEBSTOFFTECHNOLOGIE H O L Z

Mit der Hälfte der heute eingesetzten Personal- 8 Zusammenfassung


kapazität lässt sich also die Produktionskapazität Die nolax AG (Collano Gruppe) besitzt heute mit
mindestens verdoppeln, wenn nicht sogar ver- Lignofast® eine neue und vielversprechende Kleb-
dreifachen. Dies selbstverständlich unter der Vor- stofftechnologie für die Holzindustrie. Derzeit
aussetzung, dass die vor- und nachgelagerten werden die Auftragsgeräte noch modifiziert. Sie
Operationen entsprechend an die Produktionsge- werden ab 2010 zur seriellen Produktion zur Ver-
schwindigkeit angepasst werden können. fügung stehen. Künftig kann so bei kontinuierli-
chen Produktionsprozessen ein bremsender Eng-
7 Gesundheit und Sicherheit pass verhindert werden, denn Lignofast® bietet
Isocyanate und Amine sind reaktive, chemische kurze Presszeiten im Sekundenbereich. Der Kleb-
Substanzen, die für Mensch und Umwelt schäd- stoff entspricht einem «Solid System», kommt
lich sein können. Um eine Kontaminierung von also ohne Wasser aus. Weil dieses neue Zwei-
Mensch und Umwelt zu verhindern, sind Polyu- Komponentensystem auf einem Kaltpressverfah-
rea-Klebstoffe in einem abgeschlossenen Bereich ren beruht, entfällt der Wärmestress für das Holz.
zu verarbeiten. Das ausreagierte Polyurea ist je- Die Produkte lassen sich ohne Zwischenlagerung
doch völlig inert, d.h. es liegen keine Emissionen sofort weiter verarbeiten, entsprechend der For-
oberhalb der Nachweisgrenzen vor. Zwei Kleb- derung einer Produktion «just in time». Ligno-
stoffformulierungen wurden bei einem akkredi- fast® verklebt zudem nicht nur Holz mit Holz,
tierten und unabhängigen Labor auf Langzeit- sondern auch mit Kunststoffen, Metall usw.
und auf Kurzzeitverhalten geprüft. Die Prüfung
erfolgte nach ISO Standard 16000-9 und 16000- Quellen
11. Die Resultate zeigen, dass die Emissionen un- [1] Bericht eurofins Nr. 760565; auf
ter der Nachweisgrenze liegen. Zusätzlich wurden Anfrage erhältlich
Arbeitsplatzbedingungen für einen Klebstoffauf-
trag mit Polyurea simuliert. Für beide Formulie-
rungen lag die Konzentration der Isocyanate und
[2] Patentantrag Lignofast,
der Amine eine Zehnerpotenz unter der erlaubten
Nr. WO 2008 / 095915 / A1
«Maximalen Arbeitsplatz Konzentration», dem
[3] World Adhesive Conference 2008, Polyu-
MAK-Wert. Dies ist selbst dann der Fall, wenn ein
reas: Ultra Fast Structural Adhesives, Dr. Willi
«worst case scenario» angenommen wird. Worst
Schwotzer
case bedeutet im vorliegenden Fall, dass sämtli-
[3] SAH-Bulletin 2-08, Polyureas Lignofast – ein
che aus dem Muster stammenden Emissionen
Quantensprung in der Klebstofftechnologie,
von einer Person innert 15 Minuten inhaliert wer-
Dr. Willi Schwotzer
den. [1]
ZUKUNFT 819 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z ELASTISCH NACHGIEBIGE KLEBEFUGE FÜR BRETTSCHICHTHOLZ

10.2 Kleber, Bindemittel


Elastisch nachgiebige Klebefuge für Brettschichtholz

Marc Donzé, Maurice Brunner 1 Einführung


Seit der Erfindung vor hundert Jahren in Deutsch-
Der Einfluss einer elastisch nachgiebigen Klebe- land wurde das Brettschichtholz kontinuierlich
fuge auf der Biegezugseite auf die Spannungsver- verbessert, wie in zahlreichen wissenschaftlichen
teilung im Holzquerschnitt wurde untersucht. Bei Studien und Publikationen bewiesen. Auch auf
einer optimalen Positionierung der speziellen Kle- der Klebstoffseite hat sich vieles geändert. Spe-
befuge im Querschnitt kann theoretisch die Bie- ziell in der High-Tech-Industrie wird eine Vielzahl
getragfähigkeit gegenüber dem klassischen Bal- von Klebstoffen mit unterschiedlichen Eigen-
ken um bis zu 20% erhöht werden. Die erforder- schaften eingesetzt. Die Holzbranche ist aller-
lichen Eigenschaften der Klebefuge werden stu- dings eher zurückhaltend und verwendet nach
diert, damit der am Projekt mitbeteiligte Kleb- wie vor fast ausschliesslich steife Klebstoffe. Die
stoffhersteller Anhaltspunkte für seine Entwick- Autoren weichen von dieser bewährten Philoso-
lungen hinsichtlich des klassischen Zug-Scher- phie ab und prüfen den Einsatz einer neuen,
Versuches mit kleinen Buchenproben erhält. Der nachgiebigen Klebefuge im Brettschichtholz, um
Klebstofffirma gelingt es, eine Klebefuge mit den dessen Biegetragverhalten günstig zu verändern.
verlangten Eigenschaften herzustellen. Damit Das Nachgeben der Klebefuge führt zu zwei Zug-
zeigt sich eine neue Möglichkeit zur Leistungs- spannungsspitzen gerade oberhalb der Klebefuge
steigerung von Holzkonstruktionen. sowie auf der unteren Balkenseite (Abb. 1).

Section a) b)
1ef,max 1o,max
EI1, EA1
- -
1 connexion totalement rigide
h1
h
1u,max 1u,max
Connexion
h2 EI2, EA2 2 + 2u,max + 2o,max
b
Abb. 1: Zur Spannungsverteilung im BSH-Balken mit einer nachgiebigen Klebefuge

EI1, EA1
1 - -
N1
h1 - M1
h
a +
h2 EI2, EA2
2 + M2 +
N2
Mv M1 + M2 Mel
b
Abb. 2: Spannungsverteilung in einem zweiteiligen Holzbalken mit elastischer Verbindung
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 820 ZUKUNFT
ELASTISCHE KLEBEFUGE FÜR BRETTSCHICHTHOLZ H O L Z

In der Biegezugzone vergrößert sich damit die to- hält man zwei Gleichungen mit zwei Unbekann-
tale Zugkraft. Mit den größeren inneren Kräften ten:
ist es möglich, den Biegewiderstand zu erhöhen.
 2,total   N 2   M 2  f md
Auf der Biegedruckseite muss mit einer Plastifizie-
rung gerechnet werden, um die Spannungsspit-
zen abzubauen. Der Einfachheit halber werden in h1 h
 1,total    M 2  2   N 2  f md
diesem Artikel die Betrachtungen mit der klassi- h2 h1
schen Annahme der linearen Spannungsvertei-
lung gemäss dem bekannten Gamma-Verfahren Dies führt zu folgenden Lösungen:
erfolgen.
 2

  h   h  1  3 h2   4 h2  
2 Optimierung des Biegewiderstandes eines 1  2 2     2   h h 
   
 M 2  fM    h   h  N2  fM   
zweiteiligen Balkens   h   h  
2   h   h 
2

1  2 2   2 2   1  2   2  
2 2
Die in Abb. 2 dargestellte, klassische Spannungs-   h   h     h   h  
verteilung in einem zweiteiligen Holzbalken kann
hinsichtlich Biegetragfähigkeit optimiert werden.
 2

Da beim Holzbalken bekanntlich die Biegezugsei-   h2     h2  1  3 h2   4 h2     h2 
1  2 h    1   h  
  h   h    h 
     
te kritisch ist, werden sie hiermit bei den beiden  M1  fM    N1  fM 
  h   h  
2   h   h     h 
2
Balkenteilen 1 und 2 genauer untersucht. Ge- 1  2 2   2 2    1  2 2   2 2    1   2 
  h   h      h   h     h 
mäss den Regeln des bekannten Gamma-  
Verfahrens [3] [4] stehen die Spannungen infolge
Biegemomenten in den beiden Teilen in einem Die Spannungen führen zu folgenden Teilmo-
festen Verhältnis wie folgt: menten:

3
M EI h3 W1 h2   h     h 
 12 1  2 2    1   2 
  13 bh 
1 1 2
 h     h 
M EI h2 W2 h2 M 1   M 1  W1  f M 
2 2 6   h   h  
2

1  2 2   2 2  
  h   h  
M i  h1
   M 1


M ,i
Wi M 2 h2 3
  h   h 
2
1  2 2     2 
bh   h   h 
M 2   M 2  W2  f M 
Auch die Spannungen infolge der Normalkraft 6   h   h  
2

1  2 2   2 2  
stehen in einem festen Verhältnis zueinander wie   h   h  
folgt:

  2 
N  h 3   1  3 h2   4 h2     h2 
       
 N ,i   N1  2 h h bh 2    h   h    h 
Ai  N 2 h1 MV  N      N 2  A2      fM  
2 2 6  2 
 1  2 h2   2 h2  
    
 h   h  
Unter der Annahme, dass die beiden Zugseiten  
gleichzeitig die Biegefestigkeit fmd erreichen, er-
ZUKUNFT 821 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z ELASTISCH NACHGIEBIGE KLEBEFUGE FÜR BRETTSCHICHTHOLZ

Schließlich erhält man das folgende Moment im Die Biegesteifigkeit des hinsichtlich Biegetragfä-
Bruchzustand: higkeit optimierten, zweiteiligen Balkens wird
gemäss Abb. 5 um ca. 20 % reduziert:

 f m ,u  b  h
2
h h 
M u  M V  M1  M 2 M u  2    g  2  Steifigkeitsverlust
 h  6  h 
1.2
1
0.8

Eieff/EIvoll
 h 
2
h  
3 0.6
1  6   2   6   2   0.4
 h  h    h2 
g h2   
0.2
0   0.5 0
 h  h  
2
 h  0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6
1  2   2   2   2  
h  h  
h1/h

Abb. 5: Steifigkeitsverlust des zweiteiligen Bal-
kens. Markiert: Optimierter Bereich
Durch das Differenzieren erhält man den maxi-

malen Wert für g(h2): g  h2  0.175   1.193 3 Erforderliche Eigenschaften der Klebefuge
 h 
  Das Tragverhalten von Klebefugen wird im klassi-
schen Zug-Scher-Versuch mit kleinen Holzklötzen
aus Buche geprüft (Abb. 6). Die Klebefuge besitzt
gemäss Eurocode eine Breite von b = 20 mm und
eine Länge von ℓC = 10 mm. Typischerweise misst
man die Kraft F (N) und die Schubdeformation 
(mm) der Klebefuge. In diesem Artikel interessiert
insbesondere die elastische Phase der Klebefuge:
Die nachfolgende Abflachung der Kraft-Defor-
mationskurve fällt weniger ins Gewicht, weil sie
in der Regel erst nach dem Bruch des Holzes er-
Abb. 3: Vergrösserungsfaktor des Biegewiderstandes eines BSH- folgt.
Balkens als Funktion der Position der nachgiebigen Klebefuge

0.9

0.8

0.7
Facteur idéal

0.6

0.5

0.4

0.3

0.2

0.1
Abb. 6: Klassischer Zug-Scher-Versuch zur Cha-
0
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8 0.9 1
rakterisierung einer Klebefuge: Links das Kraft-
Rapport h2/h1 Deformations-Verhalten.

Abb. 4: Der Gamma-Wert γidéal als Funktion von h2/h. schraffiert: Der
ideale Bereich hinsichtlich optimierter Biegetragfähigkeit
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 822 ZUKUNFT
ELASTISCHE KLEBEFUGE FÜR BRETTSCHICHTHOLZ H O L Z

Die anfängliche Neigung der Kraft-Defor- umgerechnet werden. Damit konnte dem Kleb-
mationslinie wird wie folgt ermittelt: stoffhersteller folgende Kennzahl für die Auswahl
Fel N seiner verschiedenen Mischungen gegeben wer-
K el  
 el mm den: Ke = 60 N/mm
Bei einem Biegebalken sind die Abmessungen viel
grösser als bei den kleinen Prüfkörpern. Für die Diese Angabe dient dem Klebstoffhersteller als
Umrechung des Versuchswertes auf einen Balken Grundlage für die Herstellung von verschiedenen
muss die Gleichung wie folgt umgeformt wer- Klebstoffmischungen. Über 100 Klebstoffmi-
den: schungen sind hergestellt und mit dem klassi-
k el K el schen Zug-Scher-Versuch geprüft worden. In
k el 
K el
b   Abb. 7 ist ersichtlich, dass es dem Industriepart-
Ac b Ac
ner tatsächlich gelingt, Klebefugen herzustellen,
welche den Anforderungen hinsichtlich Neigung
kel: Steifigkeit der Klebeverbindung [N/mm2]
des Kraft-Deformations-Verhaltens und der mi-
Kel: Schubmodul [N/mm]
nimalen Deformation genügen.
Ac: Klebefläche des Zug-Scher-Prüfkörpers [meist
200 mm2] 4.5
b: Breite der Klebefläche des Prüfkörpers [meist
Contraintes de cisaillement v [N/mm ]

4
2

20 mm]
3.5

Für die Entwicklung einer Klebefuge braucht der 3

Klebstoffhersteller Angaben zu Kel. Dieser kann 2.5


Exemple numérique annexe C:
aus dem kel-Wert gemäss Gamma-Verfahren calcul élastique
2
(Abb. 4) ermittelt werden, mit a=h/2:
1.5

2 1
 h    h 
2   2  E  b  h   2   1   2 
 h    h  0.5
k el 
  h  0
L2  1  2   2 
  h  0 2 4 6 8 10 12
Glissement  [mm]
L5976.030 (3mm)
2
 h    h 
2   2  E  h   2   1   2  L5976.027 (0.5mm)
k el  h    h 
 L5976.028 (3mm)
b   h 
L2  1  2   2  L5976.029 (1mm)
  h  L5976.031 (3mm)

L5976.007 (0.5mm)
Die gesuchte Steifigkeit (kel/b) der Klebefuge L5976.027 (1mm)
hängt somit von verschiedenen Faktoren ab. In Théorique
der Baupraxis liegt L / h meist zwischen 15 und L5976.029 (3mm)
25. Für (L / h)  20 gilt ein Mittelwert von
Abb. 7: Es gelingt dem Klebstoffhersteller, Klebe-
(kel/b)  0.3. Der „Balken-Wert“ muss nun durch
fugen mit ähnlichen Eigenschaften wie denjeni-
Multiplikation mit der Fläche der Klebefuge
2 gen der theoretischen Abwägungen herzustellen.
(200 mm ) für die kleinen Zug-Scher-Prüfkörper
ZUKUNFT 823 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z ELASTISCH NACHGIEBIGE KLEBEFUGE FÜR BRETTSCHICHTHOLZ

4 Schlussfolgerungen Die blaue Linie zeigt das Kraft-Deformations-


Mit den einfachen Annahmen, welche die aktuel- Verhalten eines in diesem Artikel nicht näher be-
le Holzbaunormen (EC) nicht verletzen, zeigen die schriebenen zweiteiligen Balkens mit plastischer
Berechnungen, dass mit einer elastisch nachgie- Klebefuge. Damit lässt sich der zweiteilige Balken
bigen Klebefuge die Biegetragfähigkeit von Brett- mit optimierter Klebefuge dort einsetzen, wo ei-
schichtholz erhöht werden könnte. Es ist dem am ne grössere Biegetragfähigkeit und/oder größere
Projekt mitbeteiligten Industriepartner gelungen, Deformationen gefragt sind. Da die Deformatio-
Klebefugen mit den erforderlichen Eigenschaften nen im Hochbau häufig für die Bemessung aus-
herzustellen. Dies ist ein erster Schritt zu einer schlaggebend sind, handelt es sich somit eher um
Leistungssteigerung im Holzbau. Das weitere Vor- einen Nischenmarkt, z.B. für die Haupttragele-
gehen betrifft Überlegungen für mögliche Ein- mente des Brückenbaus, für Dachkonstruktionen
satzgebiete sowie eine Auflistung der zusätzli- im Hallenbau oder bei der Instandsetzung. Eben-
chen wissenschaftlichen Abklärungen. Abb. 8 so könnten die grösseren Bruchdeformationen
vergleicht das Tragverhalten eines einfach gela- bei erdbebengefährdeten Tragelementen Vorteile
gerten Balkens unter gleichmäßiger Belastung: bringen.
Der zweiteilige Balken mit elastischer Klebefuge
weist im Vergleich zum klassischen Brettschicht- Beim Durchlaufbalken ist eine zusätzliche Steige-
holz mit dem gleichen Querschnitt eine um bis rung der Biegetragfähigkeit durch Schnittkraft-
20 % höhere Biegetragfähigkeit aber eine auf überlagerungen möglich. Dies kann z.B. durch
80 % reduzierte Steifigkeit auf. Die Bruchdefor- eine beschränkte Länge der Klebefuge über dem
mation des zweiteiligen Balkens ist auch bis zu mittleren Auflager erreicht werden, damit in die-
50% höher. sem Bereich eine grössere Rotation ermöglicht
wird (Abb. 9).

Abb. 9: Möglichkeit der Schnittkraftumlagerung


für die zusätzliche Steigerung der Tragfähigkeit
des Zweifeldbalkens mit einer nachgiebigen Kle-
befuge über dem mittleren Auflager

In weiteren Arbeiten soll der Volumeneinfluss un-


tersucht werden. Versuche mit Bauholz müssen
die theoretischen Ansätze bestätigen. Die ausge-
wählten Klebefugen müssen beweisen, dass sie
den vielfältigen Anforderungen der Baupraxis wie
z.B. Dauerhaftigkeit gewachsen sind. Dafür ist
Abb. 8: Das Tragverhalten des zweiteiligen Balkens mit optimierter
ebenfalls eine Serie von weiteren Versuchen ge-
Klebefuge im Vergleich zum klassischen Brettschichtholz.
plant.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 824 ZUKUNFT
ELASTISCHE KLEBEFUGE FÜR BRETTSCHICHTHOLZ H O L Z

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ZUKUNFT 825 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN

10.2 Kleber, Bindemittel


Optimierung geklebter Holzverbindungen unter
Berücksichtigung der zylindrischen Anisotropie

Marco Schrank, Simon Aicher genschaften des Klebstoffes (Festigkeit, Steifig-


keit, Viskosität und Dauerhaftigkeit), die grund-
1 Einführung sätzlich für alle Klebverbindungen von Bedeutung
Verbindungen im Holzbau lassen sich übergeord- sind und hier nicht näher betrachtet werden, so-
net in zimmermannsmäßige, mechanische und wie zum anderen die geometrische Ausbildung
geklebte Verbindungen unterteilen. Die beiden der Verbindung selbst [3], [4]. Hierbei ist nicht
Erstgenannten treten in den unterschiedlichsten nur der rein geometrische Aspekt zu sehen, son-
Formen auf und werden hier nicht näher bespro- dern insbesondere das Zusammenspiel von Form
chen. Innerhalb der geklebten Verbindungen sind und Jahrringlage. Die Optimierung von Holzbau-
bautechnisch besonders die Keilzinkenverbin- teilen bezüglich auftretender Spannungen bedarf
dung, die Flächenverklebung von Brettlamellen, deshalb im Gegensatz zu isotropen Werkstoffen
z.B. in Brettschichtholz (BSH) und die sogenannte wie Stahl einer Berücksichtigung der Jahrringlage.
Blockverklebung von mehreren BSH-Bauteilen re- Die Optimierung der Geometrie beispielsweise ei-
levant. Zunehmende Anwendung erlangen dane- ner Keilzinkenverbindung stellt gegenüber einer
ben eingeklebte Gewindestangen. Besonders im vergleichbaren Aufgabenstellung in isotropem
Bereich der Trägersanierung [1] und bei Durch- Material eine komplexe Aufgabe dar, da sich
brüchen können mit eingeklebten Gewinde- durch die Variation der Jahrringlage auch bei
stangen sehr gute Verbesserungen der Tragfähig- geometrisch identischen Systemen unterschied-
keit erzielt werden. Die Eigenschaften der Flä- liche Versagensmechanismen ausbilden können.
chen- und Blockverklebung hängen unter ande-
rem von den Eigenschaften der zu verklebenden 2 Einfluss der zylindrischen Anisotropie
Oberflächen ab, insbesondere von deren Rauhig- Bedingt durch die Wuchseigenschaften des Bau-
keit und Oberflächenspannung. Die Tragfähigkeit mes besitzt der Werkstoff Holz eine annähernd
eingeklebter Gewindestangen wird neben den zylindrische Anisotropie. Die Verzerrungen und
Klebstoff- und Bohrlochoberflächeneigenschaften Spannungen im Werkstoff lassen sich durch die
durch den Umfang der Stange, deren Profil sowie Tensoren
dem Lochspiel bestimmt [2]. Bei der Keilzinken- ⎡ε11 ε12 ε13 ⎤ ⎡σ 11 σ 12 σ 13 ⎤
ε

verbindung, die im Grunde eine mehrfache ⎢ ⎥ ⎢ ⎥


= ⎢ε 21 ε 22 ε 23 ⎥ , = ⎢σ 21 σ 22 σ 23 ⎥ (1)
Schäftungsverbindung darstellt, wird durch Aus- ⎢⎣ε 31 ε 32 ε 33 ⎥⎦ ⎢⎣σ 31 σ 32 σ 33 ⎥⎦
fräsen der Zinken die zu verklebende Fläche ver-
beschreiben. Die Spannungen ergeben sich im
größert. Während die mechanische Fügung meis-
linear-elastischen Fall durch die zweifache Ver-
tens bauseitig ausgeführt wird und in der Her-
stellung vergleichsweise robust gegenüber Imper- jüngung des Elastizitätstensors C mit den Verzer-
fektionen ist, erfordert die Verklebung eine werk- rungen ε zu
σ

seitige, industrielle Herstellung bei möglichst ge-


= C: , σ ij = Cijkl : ε kl (2)
nauer Einhaltung der Herstellungsparameter, u.a.
Klebstoffmischungsverhältnis und -mengen,
Die Rotation der Tensoren erfolgt durch einen
Oberflächen- und Raumtemperatur, offene und
Tensor der orthogonalen Gruppe SO3
geschlossene Antrockenzeit sowie Pressdruck.
Weiter gelten hohe Anforderungen an die Pass-
σ

ε
Q
ε
Q

~ = Q QΤ , ~= Τ
, QQ Τ = (3)
genauigkeit der Fügeteile. Für die Optimierung
von Klebeverbindungen gibt es im wesentlichen
zwei Ansatzpunkte. Zum einen die Werkstoffei-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 826 ZUKUNFT
OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN H O L Z

In Voigt-Notation ergibt sich der Elastizitätstensor durchgeführt werden, (Abb. 1 und Abb. 2) Durch
im gedrehten Materialkoordinatensystem somit das Verschieben des Koordinatenursprungs kann
zu somit eine nahezu beliebige Jahrringlage ange-
σ

σ
ε

~=Q , ~=Q , nähert werden.


σ

} } (4)
σ

~
Q Τ ~ = C Q Τ~ → ~ = QCQ Τ~ → C = QCQ Τ Im folgenden werden exemplarisch die in Abb. 3
bis Abb. 6 dargestellten Jahrringkonfigurationen
2.1 Homogenisierte Erfassung der Jahrring- Halbholz (HH), Rift (R), Halbrift (HR) und Flader (F)
lage betrachtet. Der Einfluss der Jahrringlagen läßt
Eine analytische Berechnung der Tensoren ist nur sich anschaulich am Beispiel eines prismatischen
für sehr einfache Systeme möglich. Als numeri- Prüfkörpers unter einer linienförmigen Zug- oder
sches Verfahren zur Berechnung von Strukturen Druckbeanspruchung veranschaulichen (Abb. 7).
mit komplexen Geometrie- bzw. Materialeigen- Bei den symmetrischen Konfigurationen HH, R, F
schaften hat sich die Methode der Finiten Ele- stellt sich eine quasisymmetrische Spannungsver-
mente bewährt. Um die Anisotropie des Werk- teilung ein. Im Gegensatz dazu bewirkt die struk-
stoffes zu berücksichtigen, werden die Material- turelle Asymmetrie bei dem Querschnitt HR eine
koordinatensysteme in den Integrationspunkten ausgeprägte Spannungsasymmetrie und somit
entsprechend der Jahrringstruktur transformiert. eine Verschiebung des Spannungsminimums aus
Dies kann vereinfachend auch elementweise der Querschnittsmitte.

Abb. 1 (links): Jahrringkonfiguration Abb. 2 (rechts): FE- Implementierung der Jahr-


ringkonfiguration
ZUKUNFT 827 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN

ten können, nur eine Kompromisslösung geben.


Als Beispiel wird in Abschnitt 3 die Gurt-Steg-
Keilzinkenverbindung eines Holzschalungsträgers
angeführt. Hier sind sowohl im Gurt als auch im
Abb. 3: Halbholz Abb. 4: Halbrift Steg unterschiedliche Jahrringlagen möglich; zu-
dem kann durch Anpassung der Fräswerkzeuge
die Keilzinkengeometrie in gewissem Rahmen
eingestellt werden.

Abb. 5: Rift Abb. 6: Flader 2.2 Kompositmodel


Das im Abschnitt 2.1 beschriebene Modell zur
Approximation der Holzstruktur ist einfach zu im-
plementieren und für die meisten Fragestellungen
bei entsprechend feiner Vernetzung ausreichend
genau. Es wird hierbei jedoch eine Homogenisie-
rung der Materialeigenschaften vorgenommen,
bei der die Abbildung der Jahrringstruktur und
die dadurch bewirkten periodischen Steifigkeits-
und Festigkeitsunterschiede in radialer Wuchs-
richtung verloren gehen. Eine genauere Abbil-
Abb. 7: Lagerung und Belastung eines pris- dung der Holzstruktur ermöglicht z.B. das Kom-
matischen Probekörpers positmodel [5]. Hierbei werden die Jahrringe im
FE-Model explizit abgebildet, wobei den Früh-
und Spätholzschichten der einzelnen Jahrringe
unterschiedliche Materialeigenschaften zugewie-
sen werden. Auf diese Weise können beliebige
Jahrringstrukturen abgebildet werden, siehe
Abb. 11. Betrachtet man den Zellaufbau in
Abb. 9, so erkennt man, dass auf der Mikroebene
für Früh- und Spätholz jeweils orthotropes Ma-
terialverhalten vorliegt. Für die Simulation wird
jeweils ein transversal-isotropes Materialverhalten
angenommen. Dies bedeutet, dass im Vergleich
zur zylindrischen Anisotropie statt neun Steifig-
Abb. 8: Spannungsverteilung σy in x-Richtung auf keitsbezugsgrößen nun jeweils fünf Materialpara-
halber Höhe bei unterschiedlichen Jahrringlagen meter benötigt werden. Implementierungsseitig
im Querschnitt. bestehen im Wesentlichen zwei Ansätze. Im er-
sten Fall wird das System als ein zusammenhän-
Im Hinblick auf die Verklebung bedeutet dies, gendes Kontinuum betrachtet, wobei den einzel-
dass es für jede Jahrringkonfiguration auch eine nen Jahrringen als Subzellen individuelle Material-
optimale Verklebungsgeometrie gibt. Deshalb eigenschaften zugewiesen werden. Bei dieser
kann es für Bauteile, bei denen produktionstech- Vorgehensweise werden benachbarte Bereiche
nisch unterschiedliche Jahrringstrukturen auftre- durch gemeinsame Knoten verbunden. Beim
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 828 ZUKUNFT
OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN H O L Z

zweiten Ansatz bildet jeder Jahrring ein eigen- Bei Schädigungsvorgängen im Holz in Verbin-
ständiges Kontinuum mit individueller Vernet- dung mit diskreten Rissen lassen sich die Rissbil-
zung. Die einzelnen Netze werden durch ’tied dung und der Rissfortschritt in zwei prinzipiell un-
contact’ [6] verbunden. Somit ist es möglich, an- terschiedliche Schädigungsmechanismen unter-
grenzende Bereiche unabhängig voneinander zu teilen [7]. Zum einen verläuft die Schädigung bei
vernetzen. Um eine konsistente Kinematik der lokaler Zugbeanspruchung in radialer Richtung im
beiden Flächen zu gewährleisten, werden zu- Frühholz tangential den Jahrringgrenzen folgend.
sätzliche, nichtlineare Gleichungen benötigt, die Bei Zugbeanspruchung in tangentialer Richtung
den Rechenaufwand deutlich erhöhen können ergeben sich radial verlaufende Risse in einem
[6]. Hier ist im Einzelfall die günstigere Lösung Interface zwischen den Zellwandungen. Speziell
abzuwägen. für den Fall der Schädigung bzw. Rissbildung in
der spätholznahen Frühholzschicht bietet das
Kompositmodell mit seinen definierten Jahrringen
eine gute Basis zur Weiterentwicklung der
Simulation bruchmechanischer Phänomene insbe-
sondere mittels Kohäsivelementen. Diese werden
weiter zur Simulation von Versagensphänomenen
in Klebefugen eingesetzt. In anderen Werkstoff-
bereichen, beispielsweise dem Kleben von Metal-
len oder Kunststoffen, ist die Anwendung von
Kohäsivelementen zur Simulation von Delamina-
Abb. 9: Mikroebene tionsproblemen mittlerweile eine Standardmetho-
de [8]. Interessante Anwendungen im Holzbe-
reich finden sich in [9], [10]. Zukünftiger Schwer-
punkt der Arbeit wird es sein, die Modellparame-
ter, vor allem im Hinblick auf die Anisotropie, an-
hand von Versuchen zu bestimmen und das Be-
rechnungsmodell zu verifizieren. Somit wäre es
möglich sich bei der Optimierungsrechnung auf
ein spezifisch schädigungsrelevantes Kriterium zu
beziehen.
Abb. 10: Jahrringe

Die im Rahmen dieser Arbeit vorgestellten Ergeb-


nisse wurden mit dem zuerst beschriebenen Ver-
fahren der homogenisierten Erfassung der Jahr-
ringlage durchgeführt. Im weiteren Verlauf der
Arbeiten ist ein Einbezug des Kompositmodells
sowie der Implementierung von Kohäsivzonen
zur Simulation von Schädigungsbereichen vorge-
Abb. 11: FE-Diskretisierung sehen.
ZUKUNFT 829 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN

3 Optimierung von Klebeverbindungen am Die Implementierung des Modells im Rahmen der


Beispiel einer Gurt-Steg-Keilzinkenverbin- Optimierung entspricht weitestgehend derjenigen
dung eines Schalungsträgers der Standardanalyse. Es ist hierbei jedoch not-
Im folgenden wird als Optimierung die mathema- wendig, eine Parametrisierung der Entwurfs-
tische Methode zum Auffinden eines optimalen (Design)variablen vorzunehmen, da im Optimier-
Punktes gemäß der folgenden Definition verstan- ungsprozess multiple Berechnungen mit variie-
den; renden Designvariablen durchgeführt werden.

{
f(κ ) ⎯⎯ ⎯→ min ∀κ ∈ P, mit P = κ g( κ ) ≤ 0 ∧ h( κ ) = 0
κ=κ*
} (5)
3.2 Definition des Entwurfsraumes
Hierbei gilt: Der zweite Schritt der Optimierungsrechnung be-
steht in der Definition des Entwurfsraumes. Für
Ungleichheitsrestriktion : g( κ ) ≤ 0,
(6) praxisrelevante Problemstellungen sind die tech-
Gleichheitsrestriktion : h( κ ) = 0.
nischen Randbedingungen i.d.R. vorgegeben. Im
Fall der Keilzinkung ist der Entwurfsraum im We-
Die Optimierungsaufgabe besteht somit aus der
sentlichen durch die Realisierbarkeit der Fräs-
Definition des Systems, der Bestimmung des sinn-
werkzeuge und Produktionsbedingungen einge-
vollen Entwurfsraumes in Form von Restriktionen
grenzt. So wird zum Beispiel ein Mindestflanken-
sowie der zu optimierenden Zielfunktion [11].
winkel benötigt, um den nötigen Pressdruck auf-
bringen zu können. Zudem sinkt mit zunehmen-
3.1 Definition des Systems
der Länge der Zinkung die Wirtschaftlichkeit der
Bei dem im vorliegenden Fall betrachteten System
Verbindung. Diese Randbedingungen werden in
handelt es sich um einen “äußerlich” gleichmä-
Form von Ungleichheits- bzw. Gleichheitsrestrik-
ßig druckbeanspruchten Gurt-Stegabschnitt eines
tionen definiert. In den hier durchgeführten Be-
Holzschalungsträgers (z.B. eine Auflagerdruck-
rechnungen wurden als Designvariablen die für
beanspruchung) mit einer geklebten Keilzinken-
jeden einzelnen Zinken unterschiedlich möglichen
verbindung von Gurt und Steg (Abb. 12). Der
Winkel der Klebfugen {α, β, γ}, die Zinkenlänge,
Gurt besteht aus Vollholz, der Steg aus einer
die Breite des Zinkengrundes, der Abstand der
Mehrschichtplatte. Es wird ein in Trägerlängsrich-
Zinken und das Zinkenspiel gemäß Abb. 14 ge-
tung 5 cm dicker Abschnitt des Holzschalungsträ-
wählt. Die Restriktionen der Zinkenlänge lauten
gers betrachtet. Dieser wird in einem vereinfach-
beispielsweise
ten Ansatz als ebenes Modell mit dem kommer-
ziellen FEM-Programm ANSYS gerechnet. Das g hz, min = h min
z − hz ≤ 0 und
vernetzte Modell ist in Abb. 13 dargestellt. g hz, max = h z − h max
z ≤0

Abb. 12 (li.): Probekörper mit Randbedingungen


Abb. 13 (re.): FE-Modell des Probekörpers Abb. 14: Definition der Designvariablen
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 830 ZUKUNFT
OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN H O L Z

3.3 Experimentelle Untersuchungen zum 3.4 Definition der Zielfunktion


Tragverhalten; Spannungsanalyse A priori ist es schwierig, die relevante Zielfunktion
Wie in Abschnitt 2 beschrieben, beeinflusst das zu benennen, da aufgrund der komplexen Struk-
anisotrope Werkstoffverhalten die Tragfähigkeit tur und der mechanischen Zusammenhänge viele
(globale Festigkeit) von Holzbauteilen wesentlich. Parameter betrachtet werden müssen. Im Folgen-
Anhand durchgeführter Versuche an speziellen den werden in einem ersten Schritt zwei Ansätze
Druckprüfkörpern zeigte sich, dass sich in Ab- betrachtet; jeder der zwei Ansätze kann noch-
hängigkeit der Jahrringlage sehr unterschiedliche mals bezüglich des betrachteten Bereichs unter-
mechanische Systeme ausbilden. Diese sind in teilt werden. Als erstes Kriterium wird ein quadra-
[12] näher erläutert. Abb. 15 und Abb. 16 zeigen tischer Interaktionsansatz der Form
die unterschiedlichen Spannungsverteilungen ⎡ 2 2 2⎤
i σi i
aufgrund unterschiedlicher Jahrringlagen trotz 1 ⎢ σ 11 σ 12 ⎥ ~
fσ (x) = ∑ i ⎢w 0 + w 22
1 f
+ w2 ⎥ auf ∂B (7)
n f f
identischer Geometrie. ⎢ t r tr ⎥
⎣ ⎦

gewählt. Dieser wird über die kritische Klebe-


fuge1 aufsummiert, wobei hier auch eine Be-
trachtung der gesamten Klebfuge ∂B möglich ist.
Die Größen w0, w1 und w2 sind Wichtungs-
faktoren, die dem unterschiedlichen Einfluss der
Komponenten Rechnung tragen.

Bei Gleichung (7) handelt es sich um ein soge-


nanntes ’Direct-Mode’-Kriterium, da der Einfluss
der einzelnen Spannungs-/ Festigkeitskomponen-
ten (Moden) direkt ablesbar ist. Ein naheliegen-
Abb. 15: Spannungsverlauf σx Halbholz (HH) des Kriterium wäre sicherlich auch der Höchst-
wert der Schubspannungen. Da jedoch in einer li-
near-elastischen Rechnung an den Kanten der
Zinkung Singularitäten auftreten, die am realen
Bauteil durch Plastizieren und Schädigung effek-
tiv nicht vorliegen, kann eine Zielfunktion
“Schubspannungsmaximum” nur im Rahmen ei-
nes nichtlinearen konstitutiven Materialverhaltens
berücksichtig werden. In Gleichung (7) wird der
Singularitätseinfluss durch die Summation weit-
gehend unterdrückt. Eine zweite Gruppe poten-
tiell geeigneter Versagenskriterien und damit Ziel

Abb. 16: Spannungsverlauf σx Halbholz (HH)


1 Hierbei handelt es sich um einen Pfad mit einer
konstanten Anzahl von n Stützstellen. Die kritische
Klebfuge kann anhand der Jahrringlage identifiziert
werden.
ZUKUNFT 831 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN

funktionen stellen die polynominalen Versagens- lationsläufen erwiesen sich die ’Direct-Mode’-Kri-
kriterien dar. Im vorliegenden Fall wird die Form- terien als vorteilhafter, wobei gerade im Bereich
änderungs- oder freie Energie betrachtet, wobei der kritischen Klebefuge die Schubspannungen
~ deutlich reduziert werden konnten. Eine experi-
Β ein definierter Bereich (Abb. 17) in der Umge-
bung der Keilzinkung ist: mentelle Überprüfung der Simulationsergebnisse
steht jedoch noch aus. Für unterschiedliche Jahr-
ringlagen werden zudem unterschiedliche, opti-
ε

⎡1 ⎤

fψ (x) = w = ψ dA =
~

~
⎢ 2 : C : ⎥ dA
⎣ ⎦
(8) male Parametersätze κ erhalten, die möglicher-
B B weise gegensätzlich wirken. Hier besteht eine
praktikable Lösung in der Wichtung des Einflus-
ses der einzelnen Jahrringlagen bezüglich Auftre-
tenswahrscheinlichkeit, Sicherheitsrelevanz usw.

4 Zusammenfassung und Ausblick


In dem vorliegenden Beitrag wurden Ansätze
vorgestellt, wie durch Anwendung der Finite-
Element-Methode in Kombination mit geeigneten
Optimierungsalgorithmen unter Berücksichtigung
der Anisotropie des Werkstoffes die Geometrie
geklebter Holzverbindungen, im speziellen von
keilgezinkten Gurt-Steg-Verbindungen, verbes-
Abb. 17: Bereiche der Zielfunktionen sert werden kann. Der Wahl der Zielfunktion
kommt im Rahmen der variablen Einflussgrößen,
Die Zielfunktion lässt sich auch auf den ganzen die aus untersuchten Jahrringlagen / Anisotropie-
Körper B ausdehnen (Abb. 17). Weitere polyno- verhältnissen der Gurthölzer resultieren, große
minale Kriterien wären z.B. das Tsai-Wu-Kriteri- Bedeutung zu. In der Regel ist die Steigerung der
um. Ist die Eignung einer Zielfunktion nicht im Höchstlast eines Bauteils von Interesse. Beim Er-
Voraus bekannt, so bleibt nur der Vergleich meh- reichen dieser treten massive Schädigungen auf.
rerer potentieller Zielfunktionen als Lösungsan- Daher ist es notwendig, die Einbindung der Schä-
satz. Im vorliegenden Fall sind dies die zwei ge- digungssimulation voranzutreiben sowie einen
nannten Funktionen (7) und (8) in jeweils zwei aussagekräftigen Schädigungsindikator als Ziel-
unterschiedlichen Bereichen. Die somit insgesamt funktion der Optimierung zu verwenden. Bei
vier Funktionen werden auf die Jahrringkonfigu- konkurierenden Anforderungen bedingt durch ei-
rationen HH, R, HR und F angewandt. Zur Opti- ne unterschiedliche Jahrringlage bietet sich ferner
mierung wurde der SUMT-Algorithmus ange- eine Sensitivitätsanalyse der Designparameter be-
wandt, der sich bei ähnlichen Fragestellungen als züglich der Jahrringlage an um robuste und kri-
stabil und zuverlässig erwiesen hat. In den Simu tische Parameter zu identifizieren.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 832 ZUKUNFT
OPTIMIERUNG GEKLEBTER HOLZVERBINDUNGEN H O L Z

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ZUKUNFT 833 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z VERKLEBUNG VON WÄRMEBEHANDELTEM BUCHENHOLZ

10.2 Kleber, Bindemittel


Verklebung von wärmebehandeltem Buchenholz

Thomas Schnider, Peter Niemz, Andreas Zur Verklebung von Thermoholz liegen relativ
Hurst wenige Angaben vor. Bei der Verklebung mit 1-K
PUR empfehlen viele Hersteller das vorherige Auf-
Thermisch vergütetes Holz wird zunehmend im sprühen von Wasser auf die Fügeteiloberfläche.
Bauwesen eingesetzt. Die Eigenschaften des Hol- Bei anderen Klebstoffen werden meist etwas ver-
zes werden durch die Wärmebehandlung beein- längerte Presszeiten vorgegeben.
flusst. Die Eigenschaftsänderung ist dabei abhän-
gig von der Behandlungsart und -intensität. Die Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde wär-
deutlichsten Änderungen sind die Reduzierung mebehandeltes und unbehandeltes Buchenholz
der Gleichgewichtsfeuchte und der Quellung/ (Fagus sylvatica L.) mit verschiedenen Klebstoffen
Schwindung auf bis zu 50 % des Wertes von un- verklebt. Anschließend wurde die Scherfestigkeit
behandeltem Holz. Eine thermische Behandlung bei verschiedenen Holzfeuchten (Verklebung und
von Holz bewirkt eine Beeinflussung der kapil- Prüfung) und nach einer mehrwöchigen Wechsel-
laren Wasseraufnahme, Minderung der Festig- klimalagerung (feucht / trocken) geprüft. Durch
keit, Reduzierung des pH-Wertes und eine leichte die Feuchteänderung entstehen erhebliche Span-
Verminderung der Rohdichte. All diese Eigen- nungen in den Klebefugen.
schaften haben auch Einfluss auf die Verklebung (s. auch Kapitel 8.2 Thermische Modifizierung)
von wärmebehandeltem Holz.
1 Versuchsmaterial
Die verminderte Holzfeuchte bei wärmebehandel- Als Versuchsmaterial diente industriell im Auto-
tem Holz hat auf die Verklebung mit 1-K PUR klav wärmebehandeltes Buchenholz mit unter-
(Ein-Komponenten-Polyurethan) einen großen schiedlichen Behandlungsintensitäten und zu Ver-
Einfluss, da 1-K PUR Wasser zum Aushärten be- gleichszwecken unbehandeltes Buchenholz.
nötigt. Meist wird eine minimale Holzfeuchte von
8% gefordert [1]. Bei UF (Harnstoffharzen) hat In Tab. 1 sowie Abb. 1 sind einige Eigenschaften
hingegen der veränderte pH-Wert bei Thermo- des Holzes aufgezeigt. So ist die Gleichgewichts-
holz einen negativen Einfluss auf die Verklebung. feuchte im Normalklima bei 20 °C / 65 % rel.
Zudem sinkt die Wasseraufnahmegeschwindig- Luftfeuchte nur etwa bei 6 %. Bei der Verkle-
keit sowohl bei Sorption als auch bei kapillarer bung von 1-K PUR liegt sie daher an der unteren
Wasseraufnahme bei thermisch vergütetem Holz Grenze des technisch Möglichen, da diese Kleb-
ab [2], [3]. stoffe Wasser zum Aushärten benötigen.

Tab. 1: Mechanische Eigenschaften des verwendeten Holzes (x = Mittelwert; s = Standardabweichung)

B e h a n d lu n g R oh d ich te B ie g e festig k e it B ru ch d e h n u n g B ie g e -E-M od u l

[g /cm 3] [N /m m 2] [% ] [N /m m 2]

x 0 .7 38 1 3 2 .8 2 .0 7 1 3 1 40
u n b eh an d elt
s 0 .0 18 5 .6 0 .1 7 742

x 0 .6 92 7 6 .7 0 .7 8 1 1 0 92
S tu fe II
s 0 .0 3 2 1 .8 0 .1 9 1784

x 0 .6 56 5 3 .8 0 .5 1 1 1 7 76
S tu fe III
s 0 .0 31 1 3 .2 0 .1 6 1276
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 834 ZUKUNFT
VERKLEBUNG VON WÄRMEBEHANDELTEM BUCHENHOLZ H O L Z

Abb. 1: Gleichgewichtsfeuchte des verwendeten thermisch behandelten Buchenholzes bei variabler


Behandlungsintensität

2 Versuchsmethodik
2.1 Einfluss der Verklebefeuchte und der τ = F/A nach DIN EN 205 (τ = Scherfestigkeit
2 2
Prüffeuchte [N/mm ]; F = Kraft [N]; A = Scherfläche [mm ]).
Das Holz wurde vor der Verklebung bei 20°C und
35% bzw. 65% rel. Luftfeuchte bis zum Errei- Durch die Unterschiede in der Holzfeuchte bei
chen der Gleichgewichtsfeuchte gelagert. Zur der Verklebung und der Prüfung entstehen Span-
Verklebung wurden drei verschiedene 1-K PUR nungen in den Klebefugen. Je nach Verklebe-
zweier Hersteller, sowie je ein handelsüblicher und Prüfklimadifferenz entstehen Zugspannun-
PVAc und ein UF verwendet. Bei der Verklebung gen (bei Trocknung der Proben) oder Druckspan-
des thermisch behandelten Holzes mit 1-K PUR nungen (bei Quellung der Proben). Auch die ver-
2
wurde beidseitig 50g/m Leitungswasser auf die schiedenen Materialkombinationen führen durch
Brettoberfläche gesprüht, um das zum Aushärten ihr unterschiedliches Quell- und Schwindverhal-
notwendige Wasser bereitzustellen. Nach der ten zu Eigenspannungen in den Klebefugen. All
Verklebung wurden die verklebten Platten weite- dies beeinflusst auch die Scherfestigkeit der Kle-
re sieben Tage zwecks Nachhärtung in ihrem je- befugen. Geprüft wurden folgende Materialkom-
weiligen Verklebeklima gelagert. Danach erfolgte binationen:
der Probenzuschnitt. Anschließend wurden die − unbehandeltes Holz mit unbehandeltem Holz,
Proben im vom Verklebeklima abweichenden − unbehandeltes Holz mit behandeltem Holz
Prüfklima von 20 °C und 35 %, 65 % bzw. 85 % (Behandlungsstufe III),
rel. Luftfeuchte gelagert und geprüft. Untersucht − behandeltes Holz (Behandlungsstufe III) mit
wurde die Scherfestigkeit nach der Gleichung behandeltem Holz (Behandlungsstufe III).
ZUKUNFT 835 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z VERKLEBUNG VON WÄRMEBEHANDELTEM BUCHENHOLZ

Bei der Behandlungsstufe III erfolgte eine sehr in- 3 Ergebnisse


tensive Behandlung des Holzes und bewirkt somit 3.1 Verklebung bei 20 °C / 35 % und Variati-
eine starke Reduzierung des Sorptions- und Quel- on des Prüfklimas
lungsverhaltens und der Festigkeit des Holzes. Die Ergebnisse (Abb. 2) zeigen, dass sowohl zwi-
schen den einzelnen Klebstoffen aber auch in-
2.2 Einfluss eines Wechselklimas nerhalb der gleichen Klebstoffgruppe der PUR-
Zusätzlich wurde der Einfluss einer feucht/trocken Klebstoffe deutliche Unterschiede vorliegen kön-
Wechselklimalagerung (Tab. 2) auf die Scherfes- nen. Die besten Ergebnisse erzielt PUR 2. Der An-
tigkeit untersucht. Die Proben waren mit dem 1- teil an Holzbruch liegt bei ca. 56 %. Wird das
K PUR Klebstoff PUR 2, der im Vorversuch die Holz nach einer Konditionierung bei 35 % rel.
besten Ergebnisse erzielte, verklebt. Die Verkle- Luftfeuchte verklebt und danach bei 65 % bzw.
bung dieser Proben erfolgte nach einer Klimati- 85 % rel. Luftfeuchte geprüft, kommt es durch
o
sierung im Normalklima bei 20 C/65% rel. Luft- die Feuchteerhöhung zum bekannten Abfall der
feuchte. Nach der Wechselklimalagerung erfolgte Festigkeit des Holzes. Zusätzlich entstehen bei der
eine Rückklimatisierung ins Normalklima, in dem Quellung Druckspannungen in den Klebefugen,
auch die Scherfestigkeit geprüft wurde. Bei dieser die sich mit den äußeren Belastungen überlagern.
Untersuchung wurden zusätzlich folgende Mate- So sinkt tendenziell die Scherfestigkeit bei einer
rialkombinationen untersucht: Erhöhung der Holzfeuchte.
− behandeltes Holz (Behandlungsstufe II) mit
behandeltem Holz (Behandlungsstufe II) Durch die Wärmebehandlung sinkt mit zuneh-
− unbehandeltes Holz mit behandeltem Holz mender Behandlungsintensität die Zugfestigkeit
(Behandlungsstufe II) des Holzes und es entstehen spröde Zugbrüche
(Abb. 3). Somit ist die Scherfestigkeit bei der Ma-
Tab. 2: Wechselklima feucht/trocken terialkombination I/I aus unbehandeltem Holz am
höchsten, gefolgt von den Kombinationen I/III
und III/III.

Abb. 3: Spröder Zugbruch bei thermisch behan-


deltem Holz
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 836 ZUKUNFT
VERKLEBUNG VON WÄRMEBEHANDELTEM BUCHENHOLZ H O L Z

Abb. 2: Scherfestigkeit nach der


Verklebung bei 20 °C / 35 % rel. Luftfeuchte und Variation des Prüfklimas 20 °C / 35 %, 65 %, 85 %
rel. Luftfeuchte
ZUKUNFT 837 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL
H O L Z VERKLEBUNG VON WÄRMEBEHANDELTEM BUCHENHOLZ

3.2 Verklebung bei 20 °C / 65 % und Variati-


on des Prüfklimas
Auch hier erzielte der Klebstoff PUR 2 die besten
Ergebnisse (Abb. 4). Bei einer Verklebung im Nor-
malklima kommt es bei der Prüfung im Klima
20 °C / 35 % rel. Luftfeuchte zu Druckspannun-
gen bzw. bei 20 °C / 85 % zu Zugspannungen in
der Klebefuge. Diese Spannungen überlagern
sich wiederum dem Einfluss der Holzfeuchte auf
die Festigkeit des Holzes. Dies zeigt z.B. die Prü-
fung der Proben im trockenen Klima, welches zu
einem leichten Festigkeitsanstieg führt, da mit
abnehmender Holzfeuchte die Festigkeit des Hol-
zes steigt. Auch ist ein Trend der Abnahme der
Scherfestigkeit von der Materialkombination I / I
über I / III zu III / III erkennbar. Dieser Trend spie-
gelt sich auch bei der Wechselklimalagerung wie-
der.

3.3 Einfluss eines Wechselklimas


Abb. 5 zeigt die Ergebnisse nach einer Lagerung
im feucht / trocken Wechselklima an Zugscher-
proben. Diese wurde ausschließlich mit dem 1-K
PUR Klebstoff PUR 2 verklebt. Eine Lagerung im
Wechselklima führt insbesondere bei der unbe-
handelten Buche, bedingt durch das große Quell-
und Schwindmaß der Proben, zu einem deutli-
chen Festigkeitsverlust bei einer Zunahme der Zy-
klenanzahl. Auch hier ist bei wärmebehandeltem
Holz die ermittelte Festigkeit generell geringer als
bei unbehandeltem Holz. Bei Materialkombinati-
onen aus unbehandeltem und behandeltem Bu-
chenholz bewirken die Quell- und Schwinddiffe-
renzen eine erhöhte Spannung und damit einen
höheren Festigkeitsverlust als bei Proben die nur
aus behandeltem Holz bestehen. Der mittlere
Holzbruchanteil betrug bei allen thermisch be-
handelten Varianten ca. 94 %. Der Einfluss der
Wechselklimalagerung ist allerdings durch das
Abb. 4: Scherfestigkeit nach der Verklebung bei 20 °C / 65 % rel. verminderte Quellen und Schwinden bei wärme-
Luftfeuchte und Variation des Prüfklimas 20 °C / 35 %, 65 %, 85 % behandeltem Holz deutlich geringer als bei unbe-
rel. Luftfeuchte handeltem Holz bzw. der Kombination unbehan-
delt / behandelt.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBER, BINDEMITTEL 838 ZUKUNFT
VERKLEBUNG VON WÄRMEBEHANDELTEM BUCHENHOLZ H O L Z

Abb. 5: Einfluss der Lagerung im Wechselklima auf die Scherfes-


tigkeit der Klebefuge

4 Schlussfolgerung
Generell haben die 1-K PUR Klebstoffe eine gute
Verklebungsgüte von thermisch behandeltem
Holz aufgewiesen. Hierbei ist darauf zu achten,
dass bei der Verwendung von 1-K PUR dem Kleb-
stoff Zusatzwasser durch aufsprühen auf die Fü-
geteiloberfläche beigefügt werden muss, um eine
genügende Aushärtung zu erreichen. Wird Ther-
moholz zusammen mit unbehandeltem Holz ver-
wendet, sind erhöhten Spannungen in den Kle-
befugen zu berücksichtigen. Abb. 6: Fensterprofile aus thermisch behandeltem und unbehandel-
tem Buchenholz nach 52 Tagen und einem Jahr Freibewitterung
Versuche zur natürlichen Bewitterung, die an
Fensterprofilen aus thermisch behandeltem und Quellen
unbehandeltem Buche durchgeführt wurden [1] Kägi, A.; Niemz, P.; Mandallaz, D.: Einfluss
(Abb. 6), zeigen nach einer einjährigen Bewitte- der Holzfeuchte und ausgewählter technolo-
rung den deutlichsten Unterschied der verringer- gischer Parameter auf die Verklebung mit
ten Spannungen zwischen thermisch behandel- 1K-PUR Klebstoffen unter extremen klimati-
tem Holz und unbehandeltem Holz. schen Bedingungen, Holz als Roh-Werkstoff
64 (2006) S. 261-268.
[2] Pfriem, A.; Grothe,T.; Wagenführ, A.: Ein-
fluss der thermischen Modifikation auf das
instationäre Sorptionsverhalten von Fichte
(Picea abies (L.) Karst). Holz als Roh- und
Werkstoff, 65 (2007) S. 321-323
[3] Niemz, P.; Sonderegger, W.: Untersuchun-
gen zur Wasseraufnahme von Holz und
Holzwerkstoffen. Holz, Mering (2004) 11/12;
S. 23-24
ZUKUNFT 839 10 VERBINDUNGSMITTELTECHNIKEN – 10.2 KLEBSTOFFE
H O L Z BLOCKVERLEIMUNG

10.2 Kleber, Bindemittel


Blockverleimung

Frank Miebach

1 Einleitung
Im Ingenieurholzbau hat sich ein Produkt bei na-
hezu allen größeren Konstruktionen durchgesetzt
und bewährt: Das Brettschichtholz.

Hier werden in der Regel 33 mm dicke Bretter


schichtweise übereinander verleimt. Dabei ist eine
Bauteilhöhe von 2,50 bis 3,00 m realisierbar. Die
maximale Länge der Brettschichtträger ist mittels
der Keilzinkung der Bretter endlos möglich, wür-
den nicht Transport- und demnach Press-
betthöhen eine Begrenzung zwischen 30 bis Abb. 2: Brettschichtholz, Schichtverleimung, Kle-
45 m fordern. Aus fertigungstechnischen und befugendicke 0,1mm
materialspezifischen Gründen ist die Breite der
Einzellamellen für BSH- Träger jedoch auf 22 bis
26 cm begrenzt.
2 Blockverleimung als Weiterentwicklung
Eine logische Weiterführung der Verleimungs-
technologie besteht darin, mehrere Brettschicht-
holzträger in Ihrer Breite nebeneinander zu ver-
kleben und somit einen Block zu erhalten. Ein
blockverleimter Träger kann transportbedingt ei-
ne max. Breite von 4,00 bis 4,50 m haben.

Vorteile dieser Bauweise


- kompakter Aufbau macht geringe Konstrukti-
onshöhe mögliche (filigrane Ansicht)
- freie Formgebung (zweiachsig gebogen, auch
verdrillt möglich)
Abb. 1: Keilzinkung der Einzelbretter [1]
- Bauteilreduzierung durch hohe Tragfähigkeit
(kein horizontaler Verband nötig)
- einfache Wartung (kompakte Geometrie)
- hohe Belastbarkeit durch Flächentragwirkung
- Schwingungsreduktion durch hohen Massen-
anteil
- weniger Verbindungen
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBSTOFFE 840 ZUKUNFT
BLOCKVERLEIMUNG H O L Z

Zu beachten ist:
- Kostenerhöhung durch großes Massenauf-
kommen
- Querzug als Schwachstelle bei hoher Belas-
tung (Schwerlastbrücke)
- oberseitige Abdeckung zwingend erforderlich

3 Klebstoffe
Technischer Hinweis: durch die Verarbeitung von
großformatigen Brettschichtholzträgern sind fer-
tigungsbedingt Ungenauigkeiten in der zu ver- Abb. 4: Stehende BSH- Einzelträger [2]
klebenden Oberfläche zu berücksichtigen (Hobel-
schläge o. ä.). Dies bedeutet, dass bei einer Welche Art eingesetzt wird, hängt hauptsächlich
Blockverleimung nur solche Klebstoffe verwendet von der Art der Krümmung des Blocks ab: Soll
werden dürfen, die Fugen füllende Eigenschaft das Bauteil eine Krümmung in der Draufsicht er-
besitzen. Nach DIN 1052: 2004-08 darf die ma- halten, wählt man meist die liegende Verleimung.
ximale Fugenbreite 2 mm nicht überschreiten. Bei Krümmungen in der Seitenansicht wird eine
stehende Verleimung bevorzugt. Bei zweiachsi-
Die derzeit auf dem Markt befindlichen Fugen gen Krümmungen entscheidet meist der größere
füllenden Kleber sind auf Basis von Resorcin- Radius, so dass die Blockverleimung in der weni-
Phenolharzen oder Melamin-Harnstoff herge- ger gebogenen Ebene erfolgt. Der Grund liegt im
stellt. Die Resorcin- Phenolharzkleber werden verhältnismäßig hohen Kraftaufwand, einen fer-
derzeit noch am häufigsten eingesetzt. tigen BS- Träger in seiner Breitenachse zu biegen.
Allgemein ist bei einer stehenden Verleimung die
4 Verleimungsarten Blockfuge statisch geringer belastet als bei einer
Je nach Lage im späteren eingebauten Zustand liegenden Verleimung. Insofern ist bei einer lie-
unterscheidet man bei der Herstellung zwei Ar- genden Verleimung auf die Genauigkeit der
ten: Blockfuge besonders Wert zu legen.
„liegende“ und „stehende“ Blockfugenanord-
nung der BSH- Träger

Abb. 5: Pressbett für Blockquerschnitte [2]

Abb. 3: Liegende BSH- Einzelträger [2]


ZUKUNFT 841 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBSTOFFE
H O L Z BLOCKVERLEIMUNG

5 Krümmung
Hinsichtlich der zu biegenden Radien gibt die DIN
1052:2004-08 minimale Radien für BSH- Lamel-
len vor, die auch für die Blockverleimung heran-
gezogen werden. Der minimale Radius R min liegt
bei 230 *t (Nutzungsklasse 2) bzw. 205*t (Nut-
zungsklasse 3), t ist hierbei die Einzelbauteilbrei-
te.

Abb. 8 Whs. Berlin, 6-geschossig, Stütze aus


Blockquerschnitt [3]

Abb. 6: Fertiggestelltes verdrilltes Bauteil [2]

Abb. 9 dto

Abb. 7 dto.

6 Hochbau
Bei hochbelasteten Stützen und Biegeträgern
werden zunehmend blockverleimte Querschnitte
verwendet.

Abb. 10 Hochbelasteter Biegeträger [4]


10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBSTOFFE 842 ZUKUNFT
BLOCKVERLEIMUNG H O L Z

Blockträger wird dringend empfohlen. Diese Ab-


dichtung dient zunächst als Montageschutz.

Des Weiteren wird auch eine seitliche Verklei-


dung oder zumindest ein ausreichender seitlicher
Überstand der Abdichtung, die alle tragenden
Bauteile vor Regen schützen empfohlen.

Blockträger müssen bei Brücken somit immer als


geschützte Bauteile nach DIN 1074 ausgeführt
werden.
Abb. 11 dto. Durch die umfassenden Schutzmaßnahmen kann
dann eine Einstufung in Nutzungsklasse 2 bzw. 1
erfolgen.

8 Eigenschaften für den Brückenbau


Das großformatige Holzbauteil hat aufgrund sei-
ner Plattengeometrie für den Brückenbau viele
Einsatzmöglichkeiten – für alle Brückentypen.

Abb. 12 Außenstützen Kompetenz-Zentrum Bibe-


rach

Abb. 13 Blochträger als Brückenquerschnitt


7 Holzschutz
Blockträger sind generell immer - wie BSH – nach
DIN 1074:2004-09 als geschützte Bauteile einzu-
9 Sonderform: Hohlkastenquerschnitte
bauen. Dies ist gerade wegen der großen Ober- Eine Massenreduzierung - die im Übrigen aus
flächen wichtig. Bei der Planung sind diese Ab- Sicht der Gebrauchstauglichkeit (Schwingungen)
dichtungen rechtzeitig zu berücksichtigen. Es sind eher unvorteilhaft ist die Verwendung von Hohl-
Gefälle vorzusehen. Für die Abdichtung eignen kastenkonstruktionen.
sich Bleche ebenso wie Asphaltbeläge auf Trä-
gerplatten. Es wird dabei empfohlen, auf eine Hierbei hat man sich die Erkenntnisse aus dem
Unterlüftung sicher zu stellen. Eine zweite dauer- Stahlbetonbau zunutze gemacht. Die hoch be-
hafte wasserführende Abdichtung direkt auf dem lastete Ober- und Untergurtzone wird aus liegen-
ZUKUNFT 843 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBSTOFFE
H O L Z BLOCKVERLEIMUNG

den Trägern gebildet, die Stege im Abstand von 10 Abdeckungsvarianten für Blockbrücken
ca. 40 bis 80 cm von stehenden Trägern. Flächige Blechabdeckung mit aufgeständertem
Bohlenbelag, seitlich mit Lärchen- Dreischicht-
platte hinterlüftet bekleidet (Abb. 17).

Abb. 17 Aufgeständerter Bohlenbelag, Seitliche


Abb. 14 Herstellung der Hohlkästen im Pressbett
Bekleidung aus 3-Schichtplatten [2]
[2]

Abb. 15 Typischer Querschnitt einer Hohlkasten- Abb. 18 Guss-Asphaltbelag auf Holzwerkstoff-


brücke platte [2]

Abb. 16 Brücke Weikersheim [2]


Abb. 19: Unterlüftete Betonplatten mit elasti-
scher Dehnfuge und Rinne [2]
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.2 KLEBSTOFFE 844 ZUKUNFT
BLOCKVERLEIMUNG H O L Z

11 Querzug
Die Thematik der Querzugfestigkeit bei Schwer-
lastbrücken ist durch zusätzliches Verstärken
durch Aufleimen von Baufurniersperrholzplatten
an der Ober- und Unterseite des Plattenträgers
lösbar.

Abb. 20 Aufgeleimte BFU-BU- Platten zur Quer-


zugsicherung [2]

Quellen
[1] Studiengemeinschaft Brettschichtholz, Wup-
pertal
[2] Fa. Schaffitzel, Schwäbisch-Hall
[3] HAF, Bonn
[4] Fa. Schwörer, Oberstetten
ZUKUNFT 845 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN
H O L Z SCHWEISSEN VON HOLZ

10.3 Fügetechniken
Schweißen von Holz

Christelle Ganne-Chédeville tionskosten und damit eine Verbesserung der


Konkurrenzfähigkeit der Holzverarbeitung.
Beim Verfahren des Holzschweißens werden die
thermoplastischen Eigenschaften des Lignins im Die mechanische Reibung zur Initiierung der Rei-
Holzgewebe genutzt, um eine klebstofffreie Ver- bungswärme kann auf unterschiedliche Arten er-
bindung zwischen Holzteilen herzustellen. Dieses zeugt werden. Für flächige Verbindungen kann
Verfahren, entwickelt an der Berner Fachhoch- eine lineare und orbitale Reibung, für punktuelle
schule, Architektur, Holz und Bau (BFH), wurde in Verbindungen eine rotative Reibung, eingesetzt
den letzten Jahren intensiv erforscht und opti- werden. Seit 2006 konzentrieren sich die Unter-
miert. Das Holzschweißen besticht durch kurze suchungen an der BFH auf den Einsatz der Linear-
Prozesszeiten, eine hohe Umweltverträglichkeit vibrations-Technologie. Bei diesem Verfahren
und geringe Prozesskosten. In Zusammenarbeit wird eines der zu verbindenden Teile zum linea-
mit holzverarbeitenden Unternehmen und For- ren Ausschwingen gezwungen und gleichzeitig
schungsinstituten wurde das Verfahren weiter gegen das andere starr fixierte Teil gepresst (Ab-
entwickelt und die ersten Prototypen holzge- bildung 1).
schweißter Produkte hergestellt. Die technischen
und wirtschaftlichen Vorteile der Linearvibrations-
Technologie, der jüngsten Entwicklung im Be-
reich des Holzschweißens, werden im Folgenden
vorgestellt.

1 Einführung
Bereits 1993 wurden an der BFH Untersuchungen
über die reibungsinduzierte Aktivierung von ther-
moplastischen und duroplastischen Klebstoffen
durchgeführt. Im Jahr 2002 wurde erstmals eine Abb. 1: Darstellung des Prinzips des Linearvibrati-
Verbindung von Holzteilen ohne Bindemittel un- ons-Schweißens von zwei Holzteilen
ter dem Einsatz der Linearvibrations-Technologie
untersucht. Dabei konnte durch die vibrationsbe- 2 Thermische Aktivierung
dingte Wärmeentwicklung auf den Holzoberflä- Das Verfahren des Holzschweißens basiert auf
chen eine intensive thermoplastische Verände- dem Schmelzen und der Verflüssigung amorpher
rung des Lignins erzeugt werden. Das geschmol- Polymere, hauptsächlich des Lignins, das den
zene Lignin kann sich an der Verbindungsstelle überwiegenden Anteil der zellverbindenden Mit-
wie ein Leim verteilen und härtet nach der Ab- tellamellen ausmacht [1]. Die Verflüssigung der
kühlung aus. Mit diesem Verfahren können hoch- Bestandteile der Mittellamellen im Holzgewebe
wertige und umweltfreundliche Holzverbindun- tritt ein, wenn innerhalb kurzer Zeit eine Tempe-
gen ohne Klebstoff oder zusätzliche Additive ratur von über 200°C in der Schweißfuge erreicht
hergestellt werden [1]. Die Vorteile dieser Tech- wird. Die während des Schweißvorgangs in der
nologie liegen in den kurzen Prozesszeiten und Fuge auftretenden Temperaturen können mit Hil-
einer sehr guten Ökobilanz der damit produzier- fe von Infrarot-Thermographie-Aufnahmen de-
ten Produkte. Der erwartete Nutzen beim Einsatz tektiert und abgebildet werden (siehe Abb. 2 am
dieser Technologie in der holzverarbeitenden In- Beispiel der Holzart Rotbuche) [2].
dustrie sind eine deutliche Reduktion der Produk-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN 846 ZUKUNFT
SCHWEISSEN VON HOLZ H O L Z

Beim Schweißen von Buchenholz auf einer Fläche geblich für die Gesamtfestigkeit der Verbindung
von 30 cm2 mit einem Schweiß- und Haltedruck verantwortlich ist.
2
von 1.33 N/mm , einer Schweiß- und Haltezeit
von 4 s bzw. 5 s lassen sich mit dieser Methode Darüber hinaus können aber auch Neubildungen
Temperaturen im Bereich der Schweißfuge von chemischer Bindungen zwischen Ligninen und
200-250°C detektieren, die oberhalb der Glas- dem von Kohlenhydraten abgeleiteten Furfural
übergangstemperatur des Lignins liegen. Beim mittels Kernresonanz (RMN)-Analysen beobachtet
Erreichen der gewünschten Temperatur in der werden. Diese chemischen Bindungen, die eben-
Schweißfuge wird das System für die Dauer eini- falls zur Gesamtfestigkeit der Schweißfuge beitra-
ger Sekunden ohne weitere Vibrationsreibung gen, werden hauptsächlich während der stati-
unter statischem Druck gehalten und die verflüs- schen Haltephase ausgebildet [1].
sigten Holzpolymere können wieder erkalten und
aushärten.

Abb. 2: Infrarot-Thermographie-Aufnahme einer


Schweißfuge beim Linearvibrations-Schweißen
von Buchenholz

Der Schmelzvorgang der polymeren Holzbestand-


teile führt zu einer Ablösung einzelner Fasern aus
dem Zellverbund und zur Ausbildung eines ver-
flochtenen Fasernetzes in der später wieder aus-
gehärteten Matrix. Mit Hilfe rasterelektronenmik-
roskopischer Aufnahmen an den ausgehärteten
Schweißfugen können die Änderungen in der
Holzstruktur, insbesondere aus dem Zellverbund
herausgelöste und ineinander verflochtene Fa-
sern, sichtbar gemacht werden. Zusätzlich ist da-
bei die geschmolzene Polymer-Matrix zu erken- Abb. 3: Rasterelektronenmikroskopische Aufnah-
nen, die während des Schweißvorgangs in ver- me (100-fache Vergrößerung) der Oberfläche ei-
flüssigtem Zustand aus der Schweißfuge austritt ner offenen Schweißfuge nach der mechanischen
(siehe Abb. 3 oben). Die Vernetzung einzelner Festigkeitsprüfung (oben) und Prüfkörper aus Bu-
Holzfasern in der Polymermatrix erzeugt die me- chenholz direkt nach dem Schweißprozess (un-
chanische Festigkeit der Schweißfuge, die maß- ten).
ZUKUNFT 847 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN
H O L Z SCHWEISSEN VON HOLZ

3 Lokale Verdichtung des Holzes 4 Einfluss der Holzanatomie auf die Verbin-
Die Herstellung einer geschweißten Holzverbin- dungseigenschaften
dung ist von maßgeblichen Änderungen der phy- Die für die Plastifizierung der Polymermatrix er-
sikalischen Eigenschaften des Holzes begleitet. forderliche Energie wird durch die erzeugte Rei-
Der Einfluss von Temperatur und Druck während bungsenergie bereitgestellt. Die Reibungseigen-
des Schweißens führt lokal zur Deformation des schaften von Holzoberflächen werden direkt von
Holzgewebes. Im inneren Bereich der Schweißfu- den holzanatomischen Merkmalen der Oberflä-
ge wird eine plastische Deformation hervorgeru- chen, insbesondere der Ausrichtung der Oberflä-
fen, die nach der Abkühlung und dem Abbau des chen, beeinflusst [4].
Pressdrucks bestehen bleibt. Die Veränderungen
der Dichteverteilung im Holzgewebe durch das Die verschweißten Radialflächen weisen holzar-
Holzschweißen wurde mit Hilfe der Mikrodensi- tenabhängig Unterschiede in den Festigkeiten der
tometrie anhand von Röntgenaufnahmen unter- Schweißfugen auf (Tab. 1). Werden Radialflächen
sucht [3]. mit einem Faserverlaufswinkel zueinander von
90° (wie bei der Sperrholzproduktion) miteinan-
In Abbildung 4 ist die Dichteverteilung im Holz- der verschweißt, liegen die Festigkeitswerte um
gewebe von Buchenholz-Prüpfkörpern nach dem etwa 50% niedriger. Verantwortlich hierfür ist ei-
Holzschweißen dargestellt. Die Dichteerhöhung ne deutlich weniger stark ausgeprägte Verflech-
des Holzes ist auf einen schmalen Bereich beider- tung der Faserstrukturen der beiden Holzteile im
seits der Fuge von insgesamt ca. 0,6 mm be- Bereich der Schweißfuge, wie mittels Rasterelekt-
grenzt. Die mittlere Rohdichte des Buchenholzes ronen-Mikroskopie belegt werden konnte [4].
3
von etwa 0,76 g/cm im nicht plastifizierten Be- Grundsätzlich weisen Hölzer mit vergleichsweise
reich des Holzgewebes wird im Bereich der homogenem Holzaufbau, z.B. Rotbuche und
Schweißfuge auf bis 1,10 - 1,20 g/cm3 erhöht. Ahorn höhere Festigkeiten in den Schweißverbin-
Durch die deutliche Erhöhung der Rohdichte er- dungen auf als Holzarten, die durch einen stärker
gibt sich eine damit einhergehende Veränderung ausgeprägten Dichtegradienten innerhalb der
der mechanischen Eigenschaften des Holzgewe- Jahrringe gekennzeichnet sind (z.B. Eiche). Ver-
bes, die bei dem Einsatz des Verfahrens und bei bindungen zwischen unterschiedlichen Holzarten
der Entwicklung neuer Produkte berücksichtigt können beim Holzschweißen auch hergestellt
werden muss. werden, die allerdings aufgrund holzartenspezifi-
scher holzanatomischer Eigenschaften jeweils in-
dividuelle Festigkeitseigenschaften aufweisen.

5 Abbindezeit
Im Vergleich zu klebstoffbasierten Verbindungs-
technologien weist das Linearvibrations-Schweiß-
verfahren eine extrem kurze Abbindezeit auf. Be-
reits wenige Sekunden nach Beendigung der Vib-
Abb. 4: Röntgen-mikrodensitometrische Aufnah- rationsphase und der Temperatursenkung in der
men von verschweißten Buchenholz-Prüfkörpern Schweißfuge erreicht die Verbindung ihre Endfes-
(links), Zunahme der Rohdichte im Bereich der tigkeit. Nach der Vibrationsphase ist eine Halte-
Schweißfuge (rechts) phase für die Stabiliserung der Schweißfuge von
wenigen Sekunden erforderlich, bei der der An-
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN 848 ZUKUNFT
SCHWEISSEN VON HOLZ H O L Z

pressdruck weiterhin aufrechterhalten wird. Holz- Schweißverbindungen an den Plattenkanten so-


artenabhängig liegt die optimale Dauer der Vibra- wie an den Flächen der Platten hergestellt und
tionsphase zwischen 3 und 7 Sekunden. die Festigkeit der Verbindungen anschließend im
Zugscherversuch (EN 205) bestimmt.
Zusätzlich weist jede Holzart eigene optimale
Prozessparameter auf, die anhand von Parame- Bis auf Verbindungen bei Buche/Pappel-Sperrholz
terstudien bestimmt wurden. Grundsätzlich ist es weisen Schweißverbindungen der Plattenflächen
aber möglich, die Parameter Dauer der Vibrati- höhere Festigkeitswerte als die entsprechenden
onsphase und Haltephase, Schweißdruck, Halte- Kantenverbindungen auf. Insgesamt können bei
druck und die Vibrationsamplitude zu variieren, allen Proben hohe Festigkeiten im Vergleich zu
um unterschiedliche Energiemengen über verän- den Eigenschaften des Werkstoffmaterials ge-
derbare Zeiträume in den Fugenbereich einbrin- messen werden; meist werden diese bei Quer-
gen zu können. Zur Bestimmung der Verbin- zugbeanspruchung relativ zur Plattenoberfläche
dungseigenschaften wurden Querzugversuche sogar überschritten. Lediglich beim Werkstoff
nach EN 205 durchgeführt [4]. Dabei wurden Fes- MDF werden deutlich längere Schweißzeiten be-
tigkeiten im Zugscherversuch von bis zu nötigt.
10 N/mm² gemessen, die mit den Werten von
Holz-Holz-Verbindungen mit Polyvinylacetat-Kle- Tab. 2: Prozessparameter und Festigkeitswerte von geschweißten Flächen-
bern vergleichbar sind (Tab. 1). bzw. Kantenverbindungen von Holzwerkstoffen

Tab. 1: Querzugsfestigkeit von linearvibrationsge-


schweißten Verbindungen verschiedener Holzar-
ten. Die Prüfkörper wurden mit einem Schweiß-
2
und Haltedruck von 1,3 N/mm , einer Haltezeit
von 5 s und einer Amplitude von 3 mm ver-
schweißt [4].

7 Anwendung - Geschweißter Snowboard-


6 Schweißen von Holzwerkstoffen kern
In den meisten Holzwerkstoffen sind Holzbe- Mittlerweile wird an der BFH in Zusammenarbeit
standteile in natürlichem Zustand enthalten. mit holzverarbeitenden Betrieben gezielt an einer
Grundsätzlich ist es dadurch möglich Holzwerk- Optimierung unterschiedlicher industrieller Ver-
stoffe aufgrund der thermoplastischen Eigen- fahren durch den Einsatz des Linearvibrations-
schaften der Holzbestandteile miteinander zu ver- schweißverfahrens geforscht. Unter anderem er-
schweißen. In umfassenden Studien wurde im regte die Entwicklung eines holzgeschweißten
halbtechnischen Maßstab versucht, Spanplatten, Snowboardkerns (Abb. 5) für die Fa. Nidecker SA,
OSB, Sperrholz (Okoumé und Buche/Pappel) und große Aufmerksamkeit. Dabei handelt es sich um
MDF zu verschweißen [5]. Dabei wurden jeweils einen sehr leichten, aus einzelnen Holzlamellen
ZUKUNFT 849 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN
H O L Z SCHWEISSEN VON HOLZ

verschweißten Holzkern. Erste Prototypen wur- 9 Ausblick


den hergestellt und im Winter auf den Pisten mit Seit Beginn der Forschungstätigkeit über das
Erfolg getestet. Mit diesem neuen, klebstofffreien Holzschweißen besteht eine intensive Zusammen-
und gleichzeitig wirtschaftlich rentabel produzier- arbeit der BFH und der Universität Henri Poincaré,
ten Holzkern, werden die Erwartungen des Nancy, wo das so genannte rotative Holzschwei-
Snowboard-Herstellers erfüllt, da das hochwerti- ßen, von der Grundlagenforschung bis zur Imple-
ge, leistungsfähige und umweltfreundliche Pro- mentierung in der Holzverarbeitung erforscht
dukt der Firmenphilosophie entspricht. wurde.

Die BFH erforscht zudem mit mehreren Industrie-


partnern Lösungen zur Optimierung von Produk-
tionsverfahren durch den Einsatz des Holz-
schweißens. In zukünftigen Untersuchungen soll
unter anderem das Verhalten der Schweißfuge
bei direktem Kontakt mit Wasser oder bei unter-
schiedlichen Raumfeuchtigkeiten untersucht wer-
den. Die nächsten Forschungsschritte werden die
Optimierung der Fuge für Benutzung in struktu-
rellen Anwendungen und die Modellierung des
Abb.5: Entwicklung von geschweißten Blöcken
Prozesses sein.
für die Herstellung von Snowboardkernen für den
schweizer Snowboardhersteller Fa. Nidecker.

8 Good Vibrations
Die Linearvibration-Schweißtechnologie ist ein
etabliertes Verfahren, um thermoplastische
Kunststoffteile miteinander zu verbinden. Die ers-
ten Schweißversuche an kleinen Holzprüfkörper
wurden mit einer Linearvibrations-Anlage für
Kunststoffe (Fa. Branson Ultraschall, Dietzenbach)
durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Fa.
Branson wurde ein Prototyp entwickelt (Abbil- Abb.6: Prototyp einer Linearvibrations-Schweiß-
dung 6), mit dem für Holz geeignete Parameter, maschine an der BFH
im Besonderen die höheren Reibungskräfte ein-
gestellt werden können. Zudem können mit die-
ser Pilotanlage Holzteile bis zu eine Länge von
1,6 m verschweißt werden. Aufgrund der gesam-
melten Erfahrungen kann der Hersteller nun An-
lagen zum Holzschweißen im Praxismaßstab an-
bieten, die genau an die jeweiligen Anforderun-
gen des Verfahrens adaptiert sind.
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN 850 ZUKUNFT
SCHWEISSEN VON HOLZ H O L Z

Quellen crodensitometry analysis of vibration-welded


[1] Gfeller, B.; Zanetti, M.; Properzi, M.; Pizzi, wood, (2004), J. Adhesion Sci. Technol.
A.; Pichelin, F.; Lehmann, M.; Delmotte, L.: 18(6): S. 673-685
Wood bonding by vibrational welding., [4] Properzi, M.; Leban, J-M.; Pizzi, A.; Wieland,
(2003), J. Adhesion Sci. Technol. 17(11): S. S.; Pichelin, F.; Lehmann, M.: Influence of
1573-1589 the grain direction in vibrational wood weld-
[2] Ganne-Chédeville, C.; Properzi, M.; Pizzi, A.; ing, (2005) Holzforschung 59(1): S. 23-27
Leban, J.M.; Pichelin, F.: Parameters of wood [5] Ganne-Chédeville, C.; Properzi, M.; Pizzi, A.;
welding: a study with infrared thermogra- Leban, J.M.; Pichelin F.: Edge and face linear
phy. (2006), Holzforschung 60: S. 434-438 Vibration welding of wood panels, (2007),
[3] Leban, J.-M.; Pizzi, A.; Wieland, S.; Zanetti, Holz als Roh- und Werkstoff 65: S. 83-85
M.; Properzi, M.; Pichelin, F.: X-ray mi-
ZUKUNFT 851 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN
H O L Z TEXTILE VERBINDUNGEN

10.3 Fügetechniken
Textile Verbindungen

Katharina Leitner schmalen Faltwerken. Dies bietet neue Perspekti-


ven für die Herstellung von Faltwerken aus plat-
1 Einleitung tenförmigen Holzwerkstoffen.
Das Fügen von Holzbauteilen ist im Holzbau sehr
oft die eigentliche Herausforderung. Beide Entwicklungen werden in diesem Artikel
vorgestellt.
Große Spannungen, z.B. in Faserlängsrichtung
Zug- und Druck-Spannungen müssen durch Ver- 2 Textilverstärkte Verbindungen
bindungen in das nächste Bauteil weitergeleitet Zu diesem Thema werden in diesem Artikel die
werden. Ergebnisse des Forschungsberichtes „Physikali-
sche und mechanische Untersuchungen an textil-
Hierbei kann nur selten die volle Last übertragen bewehrtem Holz und Holzbauteilen“ von Univ.-
werden, so dass die Querschnitte von Holzbautei- Prof. Dr.-Ing. Peer Haller und Dipl.-Ing. Tilo Birk
len meist nach den erforderlichen Querschnitten [1] zusammengefasst. Teilweise wird wörtlich zi-
an der Verbindungsstelle bemessen werden. tiert, die Zitate sind gekennzeichnet und stam-
men aus den Seiten 283 – 297 des Forschungsbe-
Dies liegt unter anderem daran, dass die Lasten richtes Teilprojekt C3 des SFB 528 von Peer Haller
durch die Verbindungsmittel oft punktförmig und Tilo Birk [1].
übertragen werden, was zu hohen Lochleibungs-
spannungen führt. Es besteht also das Bestreben, Die Lochleibungsfestigkeit des Holzes kann durch
das Holz an den Verbindungsstellen zu verstärken das Aufbringen von textiler Verstärkung erhöht
oder eine besser verteilte kontinuierliche Kraftein- werden.
leitung zu gewährleisten. Beide Optimierungs-
möglichkeiten lassen sich mit Textilien verwirkli- „Gleichzeitig müssen die Tragglieder aber auch
chen. den hohen gestalterischen Anforderungen des
modernen Ingenieurholzbaus genügen. Das
Am Lehrstuhl Ingenieurholzbau und baukonstruk- transluzente Erscheinungsbild von glasfaserbe-
tives Entwerfen der TU Dresden wurde unter Lei- wehrten Kunststoffen in Verbindung mit der Viel-
tung von Univ.-Prof. Dr.-Ing. P. Haller eine inno- zahl von Möglichkeiten, die sich aus dem Einsatz
vative Lösung zur Verstärkung des Holzes aus tex- von beanspruchungsgerechten Textilien ergeben,
tilen Gewirken entwickelt, die das Holz im Be- trägt beiden Forderungen Rechnung.“ [1]
reich der Krafteinleitung durch Stabdübel verstär-
ken kann. Dies bedeutet, die aufnehmbare Loch- Es wurden Lochleibungsversuche an Einzeldübeln
leibungsspannung wird erhöht. parallel und quer zur Faser durchgeführt.

Mit Textilien wird eine wirkliche kontinuierliche


Lasteinleitung möglich.

Am Lehrstuhl Baukonstruktion I (Tragwerklehre)


der RWTH Aachen wurde unter Univ.-Prof. Dr.-
Ing. W. Führer die Textile Fuge entwickelt. Die
Textile Fuge ermöglicht eine kontinuierliche
Schubkraftübertragung in den Kanten von
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN 852 ZUKUNFT
TEXTILE VERBINDUNGEN H O L Z

Abb. 1: „Versuchsaufbau zur Bestimmung der Lochleibungsfestigkeit nach DIN EN 383 längs zur Faser
(links) und quer zur Faser (rechts)“ [1] S.286 Bild 1 [P. Haller, Technische Universität Dresden]

„Neben handelsüblichen Geweben und Gelegen des Holzes erhöhen, indem sie die Holzfasern vor
aus Glasfasern (G) wurden auch Gewebe aus dem Dübel stützen, können Strukturen wie der
Hochleistungsfasern wie Aramid (AR) und Koh- Stern oder das Jojo die Spaltbruchneigung verrin-
lenstoff (C) untersucht. Ziel der Arbeit an den gern, weil sie zusätzlich auftretende Querzugkräf-
Strukturen war es, Gelege herzustellen, deren te aufnehmen.“ [1]
Fadenverlauf optimal an die Beanspruchung an-
gepasst ist. Eine erste kraftgesteuerte Versuchsreihe zeigte
folgende Ergebnisse:
Von links nach rechts sind Stern, Jojo, ungestütz- - Versagensursache ist ein sprödes Aufspalten
tes und gestütztes Auge und Schlaufe gefächert, vor dem Dübel
gekreuzt und parallel zu sehen. Sie tragen den - Stern und Jojo erhöhen die aufnehmbare
erwarteten Versagensmechanismen in unter- Lochleibungsspannung ungefähr auf das dop-
schiedlicher Weise Rechnung. Während flächig pelte derjenigen des Holzes
wirkende Strukturen die Lochleibungsfestigkeit

Abb. 2: „(a) Darstellung der textilen Strukturen: Von links nach rechts: sind Stern, Jojo, ungestütztes
und gestütztes Auge und Schlaufe gefächert, gekreuzt und parallel, (b) zeigt ausgewählte Gelege“ [1]
S.287 Bild 2 [P. Haller, Technische Universität Dresden]
ZUKUNFT 853 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN
H O L Z TEXTILE VERBINDUNGEN

- Die kraftgesteuerte Lastaufbringung führt Ergebnisse der 3. Versuchsreihe (Beanspruchung


nach Erreichen der maximalen „Spannungen senkrecht zur Holzfaser):
in den Verstärkungslagen und der Umlage- - „Das Versagen wird von einem Riss seitlich
rung von Kräften auf das Holz zu einem des Dübels eingeleitet.“ [1]
schlagartigen Versagen.“ [1] - „Textile Gelege, die die Lochleibungsbean-
- Bei den Hochleistungsfasern Aramid, und spruchung verringern und gleichzeitig Spalt-
Kohlenstoff „zeigen sich bei ungefähr glei- zugkräfte am Dübelrand aufnehmen können,
chem Bewehrungsgrad der Gelege etwa 20 % sind zur Ertüchtigung dieser Beanspruchung
höhere Traglasten bei den Hochleistungsfa- sehr geeignet.“ [1]
sern gegenüber den Glasfasern.“ [1] - Die höchste Lochleibungsspannung erzielt ei-
ne Verstärkung mit dem Stern, wobei hier
Diese Erkenntnisse dienten als Grundlage für die kein wesentlicher Unterschied zwischen Ara-
2. und 3. Versuchsreihe. Bei diesen Versuchsrei- mid und Glasfaser besteht.
hen wurde die Last weggesteuert aufgebracht.
„Zusammenfassend kann für alle Versuchsreihen
Zusätzlich zu den bisherigen Gelegen wurden aus ein signifikanter Anstieg der Traglasten infolge
Glasfaser maschinell gefertigte Multiaxialgelege der textilen Bewehrung festgestellt werden. Ne-
und Gelege aus Aramid gestestet, wobei etwa ben dem Bewehrungsgrad und damit der einge-
gleiches Flächengewicht der Gewebe angenom- setzten Menge an Verstärkungsfasern ist letztlich
men werden kann. deren Verlauf maßgebend.

Bei der 2. Versuchreihe wurde die Beanspru- So haben Nähstrukturen, bei denen man den Fa-
chung parallel zur Holzfaser getestet, bei der 3. serverlauf sehr stark variieren kann, gegenüber
Versuchreihe die Beanspruchung senkrecht zur mehrdirektionalen Geweben und Gelegen mit
Holzfaser. gestreckten Fasern einen Vorteil.

Ausgewählte Ergebnisse der 2. Versuchsreihe Das Umlenken der Rovingstränge um den Dübel
(Beanspruchung parallel zur Faser) sind: führt zu einer gleichmäßigeren Beanspruchung
- Durch die weggesteuerte Belastung kommt es der Fasern und lässt sie erst bei höherem Lastni-
zu einem anderen Versagensmechanismus: veau versagen.“ [1]
„Der Dübel wird jetzt langsam durch die hin-
tereinander liegenden Verstärkungsfäden hin- Die Versuche zeigen, dass auch die Strukturen,
durchgezogen und es kommt zu einem deut- die maschinell hergestellt wurden nahezu gleich
lich duktileren Verhalten des Verbindungsmit- wirken, so dass eine Herstellung in größeren
tels“ [1] Mengen für die Baupraxis möglich erscheint.
- Die Multiaxialgelege aus Glasfaser erreichen
etwas höhere Lochleibungsspannungen als Weitere Forschungsergebnisse werden im Bericht:
der Stern, was bedeutet, dass eine maschinelle Der Einsatz von multiaxialen Nähgewirken und
Fertigung der Gelege möglich ist. Biaxialgestricken zur Verstärkung von Holzkon-
- die Steigerung der Lochleibungsspannung der struktionen [2] vorgestellt.
Sternform aus Aramid im Vergleich zu der aus
Glasfaser beträgt ca. 30 %
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN 854 ZUKUNFT
TEXTILE VERBINDUNGEN H O L Z

Hierbei wurde die textile Verstärkung so opti-


miert, dass in der 2. Versuchsreihe dieser Unter-
suchung kein Versagen infolge zu hoher Lochlei-
bungsspannung erfolgte, obwohl der Stabdübel
einen Durchmesser von 50 mm hatte. Vielmehr
versagte der Nettoquerschnitt des Holz-Textil-
Verbundbereiches.

Abbildung 3 zeigt den Aufbau der entwickelten


gestrickten Verstärkung und einen Versuchskör-
per.

Abb.4: Zugehörige Versagensbilder [2] S.243


Bild 5 [P. Haller, Technische Universität Dresden]

Den Aufbau des Holz-Textil-Verbundes an der


Lasteinleitungsstelle, und das Versagensbild des
unbewehrten Bauteiles (Abb.4 (a) oben) und des
bewehrten Bauteiles (Abb.4 (b) unten) zeigt
Abb. 4.

In diesem Fall konnte die Traglast der Verbindung


um das dreifache gesteigert werden.

Abb. 3: Aufbau und mögliche Anordnung ge- Weitere Versuche an zyklisch belasteten Rah-
strickter Verstärkungsstrukturen [2] S.238 Bild 2 menecken zeigen, dass sich die textile Verstär-
[P. Haller, Technische Universität Dresden] kung auch positiv auf die Duktilität der Verbin-
dung auswirkt, so dass größere Stabdübeldurch-
messer genutzt werden können, als z.B. in den
jetzigen Erdbebennormen vorgegeben [3].
ZUKUNFT 855 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN
H O L Z TEXTILE VERBINDUNGEN

Die weiteren Versuche am Lehrstuhl Ingenieur- dung gefunden wird, die die Kräfte möglichst
holzbau und baukonstruktives Entwerfen der TU kontinuierlich in die Kanten einleitet. Zusätzlich
Dresden führten zur Entwicklung von textilver- zu dieser Bedingung sollte eine Kantenverbin-
stärkten Formholzprofilen [3]. Diese werden von dung gefunden werden, die einen echten Falt-
Herrn Prof. Haller in Kapitel 9.2 vorgestellt. prozess ermöglicht und deren Lesbarkeit das Be-
dürfnis der Architekten nach einer klar ablesba-
3 Textile Fuge ren Struktur unterstützt. [6] Abb. 5 zeigt die kon-
Die Textile Fuge wurde am Lehrstuhl Baukon- servativen Lösungen zur Herstellung von Falt-
struktion I (Tragwerklehre) der RWTH Aachen un- werkkanten:
ter Leitung von Univ.- Prof. Dr.-Ing. W. Führer im
Rahmen der Dissertation von Dr.-Ing. K. Leitner A und B sind nicht für die Furnierschichtholzplat-
[6] für die Konstruktion von Faltwerken aus plat- ten geeignet, C nur bedingt. Eine klare Lesbarkeit
tenförmigen Holzwerkstoffen entwickelt. Die in- der Kante ist nur bei B gewährleistet. Die Kanten
novativen Faltwerke und Tragkonstruktionen, die C, D und F sind durch die Futterhölzer gebro-
hierbei entstanden sind, sind in Kap. 15.1 Falt- chen, Bei der Lösung E verfälscht das aufgebrach-
werke aus Holzwerkstoffen in dieser Forschungs- te Stahlblech das optische Erscheinungsbild
arbeit dokumentiert.
Nach einem Forschungsprozess, in dem mit
Da Faltwerke sehr effiziente Tragstrukturen sind, Scharnieren, Klett und Textilstreifen experimen-
können die Platten, die dafür verwendet werden tiert wurde, entstand die Textile Fuge.
sehr dünn sein. Diese Schlankheit der Konstrukti-
on kann jedoch nur verwirklicht werden, wenn Die Textile Fuge erfüllt die gestellten Forderungen
eine geeignete Konstruktion der Kantenausbild- am besten.

Abb. 5: „konservative Details für Faltwerkkanten


A) BSH mit Dübel besonderer Bauart, B) BSH verleimt, C) Sperrholz auf Füllholz genagelt D) Sperrholz
mit Füllholz verleimt, E) Sperrholz mit gekanteten Stahlblechen, F) Sperrholz mit Futterholz und Dü-
beln“ [1]
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN 856 ZUKUNFT
TEXTILE VERBINDUNGEN H O L Z

Es ist eine innen liegende Verbindung, die große


Bewegungen zulässt und so einen echten Falt-
prozess ermöglicht. Sie besteht aus zwei Lagen
KERTO Q Furnierschichtholz mit einem innen lie-
gendem Textil. Die ganzen Platten werden mit
dem Textil zu einem Sandwichwerkstoff verleimt.
Dieser wird von oben gefräst, von der anderen
Seite geschlitzt, so dass nur noch das Textil mit Abb. 7: „Versuchsanordnung Textile Fuge links
einer 1 mm Holzschutzschicht bestehen bleibt Zug, rechts Schub“ [1]
und gefaltet werden kann. Zusätzlich wurde eine
Montageverbindung entwickelt. Bei dieser wer- Abb. 7 zeigt den Versuchsaufbau. Die Werkstü-
den die Platten versetzt verleimt, so dass eine cke wurden zunächst gefaltet, dann geprüft. Es
Überblattung entsteht. Das Textil läuft über beide wurde jeweils Zug und Schub parallel und senk-
Platten und bildet wieder die Fuge. recht zur Faserrichtung der Furnierschichtholz-
platte geprüft. Auf den Bildern erkennt man die
Faserrichtung recht gut. Links wird parallel der
Faser gezogen, das rechte Bild zeigt den Schub-
versuch senkrecht zur Faserrichtung.

Abb. 6: TEXTILE FUGE Modell (links) und Zeichnung (Mitte); rechts: Zeichnerische Darstellung der
Montageverbindung
Die Textile Fuge wurde mit verschiedenen Textilien und Klebstoffen getestet.
ZUKUNFT 857 10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN
H O L Z TEXTILE VERBINDUNGEN

Die ersten Versuche mit unterschiedlichen Texti- Die Auswertung der Versuche zeigt, dass Polyu-
lien (Glasfaser, Polyester, Aramid, Kohlefaser) ha- rethanklebstoff die beste Verbindung mit den
ben gezeigt, dass Polyester als Textil gut geeignet Holzfasern eingeht. Das äußert sich leider darin,
ist. Glasfaser und Kohlefaser brechen beim Falt- das bei einer Zugbeanspruchung parallel zur Fa-
prozess. Allerdings ist zu vermuten, dass mit serrichtung das Textil mit Holzfasern der Schutz-
Aramid noch bessere Ergebnisse erzielt werden schicht bricht. Bei einer Schubbelastung tritt der
können, da seine Quersprödigkeit höher ist als gleiche Effekt senkrecht zur Faser auf. Resorcin-
die von Polyester. Tabelle 1 zeigt eine Zusammen- harz zeigt durchgängig bessere Werte als Mel-
fassung der Ergebnisse mit unterschiedlichen aminharzklebstoff. Es wird vorgeschlagen eine
Klebstoffen für hochfestes Polyester. Kombination aus Resorcinharzklebstoff und
hochfestem Polyester zu verwenden.
Tab. 1: Auswertung der Versuche für hochfestes
Polyester und unterschiedliche Leime.

Abb. 8: Resorcinharz Schub II Faser (248 N/cm) Abb. 9: Resorcinharz Zug II Faser (566 N/cm)
10 VERBINDUNGSTECHNIKEN – 10.3 FÜGETECHNIKEN 858 ZUKUNFT
TEXTILE VERBINDUNGEN H O L Z

Quellen
[1] Haller, P.; Birk, T.Putzger, R.: Physikalische
und mechanische Untersuchungen an textil-
bewehrtem Holz und Holzbauteilen. Techni-
sche Universität Dresden: Eigenverlag, 2002
– Arbeitsbericht des SFB 528, S. 283-322
[2] Haller, P.; Birk, T.: Der Einsatz von multiaxia-
len Nähgewirken und Biaxial-Gestricken zur
Verstärkung von Holzkonstruktionen. in: Ta-
gungsband zum 2nd Colloquium on Textile
Abb. 10: Resorcinharz Schub I Faser (331,6 N/cm)
Reinforced Structures (CTRS2) S. 235 ff.
2003 Dresden
[3] Heiduschke , A.; Haller, P.; Kasal, B.: Zum
Tragverhalten textilbewehrt- verdichteter
Holzrahmenecken unter zyklischer Beanspru-
chung. in Bautechnik Nr. 81 S. 658 ff. Ernst
und Sohn Berlin 2004
[4] Leitner, K., Führer, W.: Faltwerk-Konstruk-
tionen aus einem neuartigen Holzwerkstoff.
detail 2001, S. 1532-34.
[5] Leitner, K.: Faltwerke mit ‚Textiler Fuge’.
Abb. 11: Resorcinharz Zug I Faser (466 N/cm) bauen mit holz 5/2003, Bruderverlag Karls-
ruhe,
Abb. 8 bis 11 zeigen die zugehörigen Kraft-Deh- [6] Leitner, K.: Tragkonstruktionen aus platten-
nungslinien. Das Versagen wird durch Delamina- förmigen Holzwerkstoffen mit der Textilen
tion, so heißt das Herausschälen des Textils, ver- Fuge. Dissertation RWTH Aachen Fakultät für
ursacht. Obwohl das Garn hochfest ist, ist die Architektur, 2004
Dehnung sehr groß. Dies ließe sich wahrschein-
lich durch die Verwendung eines Geleges verbes-
sern.

4 Zusammenfassung und Ausblick


Die untersuchten Verbindungen lassen ahnen,
welches Potential in der Verwendung von Texti-
lien im Holzbau verborgen liegt. Allerdings
scheint es für die Holzbauunternehmen ein sehr
großer Schritt zu sein, von den gewohnten Stahl-
Verbindungen hin zu der Nutzung textiler Ver-
bindungen, deren Eigenschaften in der Verarbei-
tung noch ungewohnt sind.