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DK 621.785 : 669.14 : 539.

54 DEUTSCHE NORMEN Februar 1976

warmebehandlung von Eisenwerkstoffen D N


Werkstoffauswahl 17(721
Stahlauswahl aufgrund der Héirtbarkeit Teil 1

Heat treatment of iron and steel; material selection;


steel selection according to hardenability
Traitement thermique de métaux ferreux; Sélection de métaux;
Sélection d’acier selon l’aptitude de prendre la trempe

Inhalt

Seite Seite

1 Geltungsbereich ................. 1 4.1 MaB‘zinderung, Verzug und Ril3gefahr . . . 3


2 Begriffe ....................... 1 4.2 Wirkung der Abkiihlmittel .......... 3
2.1 Harten ...................... 1 4.3 Einflufé des Anlassens beim Vergiiten . . . 3
Deutsches lnstitut fiir Normung e. V., Berlin, gestattet.

2.2 Anlassen ..................... 1 4.3.1 Allgemeine Angaben ............ 3


2.3 Vergiiten ..................... 1 4.3.2 Versprodungserscheinungen ....... 4
2-4 Hértbarkeit ------------------- 2 5 Stahlauswahl .................... 4
2.4.1 Anfnartbarkeit ................ 2 5.1 Zusammenhang zwischen den Abkiih-
2.4.2 'Iiinhartbarkeit ................ 2 lungsvorgéngen in der Stirnabschreck-
2'5 Hartung """"""""""""""" ' 2 probe und in Werkstiicken .......... 4
2'5'1 APmértung """"""""" 2 5.1.1 Grundlagen .................. 4
gnnEtirtung f """"""""" 2 5.1.2 Zusammenhang zwischen dem Ab-
2‘7 Amkifr ungs ‘9 e """""""" 2 kiihlungsverlauf von Probekorpern
' b nhlungsverlaut. ' ,' ' z """"" 2 und der Stirnabschreckprobe ...... 4
2.8 Abkuhlungsgeschwmd1gke1t ......... 2 5.2 Zusammenhang zwischen der Harte und
3 Grundséitzliches zur Hiirtbarkeit ....... 2 ‘ weiteren mechanischen Eigenschaften
3.1 Aufhartbarkeit ................. 2 beiRaumtemperatur ............. 4
3.2 EinfluB der Legierungselemente ...... 2 5.3 Beispiele fur die Stahlauswahl ....... 5
3.3 Pr'Lifen der Héirtbarkeit ............ 2 5.3.1 Auswahl fiber die Abkiihlung ....... 5
4 Einfluggrbfien bei der Stahlauswahl ,,,,, 3 5.3.2 Auswahl nach Betriebsversuchen . . . . 8
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des DIN

1 Geltungsb ereich AuBer dem Weg, die Stahlauswahl aufgrund der Hartbar-
Diese Norm gibt einen Anhalt fiir die Auswahl der Stahl- keit zu treffen, kann es erforderlich sein, eine Reihe
sorten fLir zu hartende oder zu vergiitende Werkstiicke. weiterer Eigenschaften zu beriicksichtigen, u. a. Zerspan-
Die Hinweise gelten hauptséichlich fiir Stéihle, fiir die barkeit, Umformbarkeit, F'Ligbarkeit, Dauerschwing-
nach den Normen eine Priifung der Hartbarkeit im Stim- festigkeit, Aufkohlungsverhalten, Festigkeit, Anlafiver-
abschreckversuch (siehe DIN 50 191) vorgesehen ist, halten.
nfimlich fiir die legierten Vergiitungsstéihle nach Ein entscheidender Faktor kann auch der Aufwand bei
DIN 17 200, die legierten Einsatzstéihle nach DIN 17 210, der Beschaffung und Lagerhaltung sein.
die legierten Stihle fur Flamm- und Induktionsharten
(Randschichth‘arten) nach DIN 17 212 sowie gegebenen- 2 Begriffe
falls fiir weitere Stable, fiir die das Hartbarkeitsverhalten
Die in diesem Abschnitt angegebenen Begriffe sind ent-
im Stimabschreckversuch hinreichend genau belegt ist.
sprechend DIN 17 014 Teil 1, Ausgabe M’zirz 1975, defi-
Dies sind vor allem die legierten Stéihle nach den ver-
niert.
gleichbaren Euronormen und ISO-Normen, die z. B. in
den oben angegebenen deutschen Normen aufgesucht 2.1 Harten: Austenitisieren und Abkiihlen mit solcher
werden konnen. Die Norm gilt auch fiir Nitrierstéhle nach Geschwindigkeit, (12113 in mehr oder weniger groBen Be-
DIN 17 211. reichen des Querschnittes eines Werksfijckes eine erheb-
Die vorliegende Norm gilt nicht fiir eine Stahlauswahl liche Hartesteigerung durch Martensitbildung eintritt.
aufgrund der zu erwartenden Einhfirtungstiefe bzw. Ein-
2.2 Anlassen: Erwiirmen eines gehiirteten Werksliickes
satzhartungstiefe nach Randschichthfirten bzw. Einsatz—
auf eine Temperatur zwischen Raumtemperatur und A01
héirten, fiir nur sehr gering einhéirtende, also vor allem
und Halten dieser Temperatur mit nachfolgendem zweck-
unlegierte Stable, sowie nicht fiir eine Auswahl von Stahl
entsprechendem Abk'Lihlen.
zum Umwandeln in der Bainitstufe.
Ausdriicklich ausgenommen sind auch Werkzeuge, bei 2.3 Vergiiten: Harten und danach Anlassen im oberen
denen hinsichtlich der Stahlauswahl noch andere Krite— moglichen Temperaturbereich zum Erzielen guter Zahig-
rien mafigebend sind als die Hartbarkeit. keit bei gegebener Zugfestigkeit.

Fortsemung Seite 2 bis 10


Erl‘ciuterungen Seite 10

FachnormenausschuB Warmebehandlungstechnik metallischer Werkstoffe (FW)


im DIN Deutsches Institut fiir Nonnung e. V.

Alleinverkauf der Normen durch Beuth Verlag GmbH, Berlin 30 und Koln 1 DIN 17021 Teil 1 Feb 1976 Preisgr. 7
0792 Venn-NI. 0007
Seite 2 DIN 17021 Teil 1

2.4 Hfirtbarkeit 70
Begriff, der die Aufhértbarkeit und Einhéirtbarkeit HRC
zusammenfafit: Ein gebrfiuchliches Verfahren zur Prii-
60
fung der Hfirtbarkeit ist der Stirnabschreckversuch
(siehe DIN 50 191).
T 50 0’0 l°
2.4.1 Aufhiirtbarkeit: In einem Werkstoff durch Hirten
unter optimalen Bedingungen e r r e i c h b a r e hfichste a) 961g 20/
1: // / l
Harte. :0 40
I /
Q°'°//’ % Mortensitonieil
2.4.2 Einhiirtbarkeit: In einem Werkstoff durch Harten
unter optimalen Bedingungen e r r e i c h b a r e gréfite
30 /, ./
Einhiirtungstiefe. //

20
0,1 0,2 0,3 0.4 Gew.—°/o 0.6
2.5 Hfixtung: Durch Hirten in einem Werkstiick erreich-
Kohlenstoffgeho H —>
ter Zustand erhiihter Héirte.
Bild 1. Zusammenhang zwischen Abschreckhiirte,
2.5.1 Aufhéirtung: Héchste in einem Werkstiick nach Kohlenstoffgehalt und Martensitanteil gehéirteter,
einem Héirten (unter den jeweiligen Bedingungen) legierter und unlegierter Sta'hle (nach Hodge/
erreichte Hfirte. Orehoski, Trans. AIME, 167, 627, 1946)

2.5.2 Einhéirtung: Hfirtung im Hinblick auf den von ihr


e r f a [5 t e n Querschnittsbereich eines Werkstiickes . %C
und den Hiirteverlauf. Ein Mai?) fur die Einhfirtung ist die 0.6
Einhéirtungstiefe. 0,5
0,1.
2.6 Einhfirtungstiefe: Senkrechter Abstand von der 0,3
Oberfléiche eines gehéirteten Werkstfickes bis zu dem
Punkt, an dem die Harte einem zweckentsprechend fest- 0, 2
gelegten*) Wert entspricht.

2.7 Abkiihlungsverlauf
Jeweilige Temperaturverteilung in einem Werkstiick 3030 40 50 60 7O 80 90 % 100
wfihrend einer Abkiihlung in Abhfingigkeit von der Zeit. Mortensiionieil ->
A n m e r k u n g .' [m engeren Sinne gibt Abkiihlungs- Bild 2. Zusammenhang zwischen Abschreckhfirte,
verlauf eine Gesam theit von A bkiihlungskurven fiir ver- Kohlenstoffgehalt und Martensitanteil gehéirteter,
schiedene Stellen eines Werkstiickes an. legierter und unlegierter Stéihle (nach Hodge /
Orehoski, Trans. AIME, 167, 627, 1946)
2.8 Abkiihlungsgeschwindigkeit
Zeitbezogene Temperaturabnahme fiir einen bestimmten 3.2 Einflufi der Legierungselemente
Punkt oder einen bestimmten Bereich einer Abkiihlungs- Im wesentlichen bestimmen Art und Menge der im Auste-
kurve. nit gel'dsten Legierungselemente, sowie der gelijste Koh-
A n m e r k u n g : Der Abkiihlungsverlauf ist abhiingig lenstoff und der Abkiihlungsverlauf die Einhéirtung. Mit
von der Wdrmeiibergangszahl, die durch den Werkstoff zunehmendem Mengenanteil der Legierungselemente
und das Abkiihlmittel gegeben ist und der werkstoff- steigt die einhfirtende Wirkung. Die wirksamsten Legie—
eigenen Temperaturleitzahl. Fiir die in Abschnitt 1.1 rungselemente sind Mangan, Chrom und Molybdéin.
aufgefiihrten Stz‘ihle unterschez'den sich die Temperatur- Soll ein annéihemd gleichmifiiger Verlauf der Harte iiber
leitzahlen nur wenig. den Querschnitt erreicht werden, so ist beim Héirten unter
gleichen Abkiihlungsbedingungen von bestimmten Min-
destquerschnitten an die Verwendung legierter - anstelle
3 Grundséitzliches zur Héirtbarkeit
unlegierter — Stéihle notwendig.
3.1 Aufhéirtbarkeit A n m e r k u n g: Wird z. B. eine Einhd‘rtung bis zum
Im Sinne dieser Norm hingt die Aufliértbarkeit, d. h. die Kern verlangt, diirfte die Verwendung unlegierter S tiihle
gréBte erreichbare Hfirte von dem im Austenit geltisten nur bis zu Durchmessern von etwa 20 mm in Betracht
Anteil des Kohlenstoffgehaltes des Stables ab. Die Menge kommen.
des gelésten Anteils wird durch die Austenitisierungs— Je gréifier der Querschnitt eines Bau teils ist und je gleich-
bedingungen bestimmt. méfiiger der Hiirteverlauf iiber denselben sein soll, desto
Die Beziehungen zwischen dem im Austenit gelésten gr6f3er muJ3 der Anteil geeigneter — im Austenit in Ibsung
Kohlenstoffanteil und der nach dem Abschrecken in zu bringender — Legierungselemente sein. Bei gleichen
Abhéingigkeit vom Martensitanteil erreichbaren Hiirte Anforderungen an die Einhéirtung kann der Kohlenstoff-
bei legierten und unlegierten Stfihlen sind in Bild 1 und gehalt von legierten Stéihlen niedriger als derjenige unle-
Bild 2 dargestellt. gierter Stéihle sein; die Aufhfirtbarkeit ist aber dann ge-
Die im Werksfiick erzielte Aufh‘cirtung ist auBer von der rmger.
Aufhiirtbarkeit auch noch von den Abkfihlungsbedingun—
gen abhéingig. 3.3 Priifen der Hfirtbarkeit
Allgemein wird die Hirtbarkeit durch den Stimabschreck-
versuch nach DIN 50 191 ermittelt und in Form von
*) Ermittlung der Einhiirtungstiefe siehe DIN 50 190 Stirnabstand-Héirte—Kurven dargestellt. Bei dieser Prfifung
Teil 2. wird eine Probe nach dem Austenitisieren in einer geeig-
DIN 17 021 Teil 1 Seite 3

neten Vorrichtung nur von der unteren Stirnflfiche her Je schneller die Abk'Lihlung von Hirtetemperatur und je
mit einem Wasserstrahl unter stets gleichbleibenden vielgestaltiger das Werkstiick ist, um so ungiinstiger k611-
Bedingungen abgeschreckt. Die Abkiihlungsgeschwindig— nen sich die Spannungen auswirken.
keit nimmt mit dem Abstand von der abgeschreckten Dutch eine langsamere Abkiihlung ktinnen geringere
Stimfl‘aiche ab. Sie wird durch die Abkiihldauer zwischen Spannungen entstehen. Reicht dann die H'airtbarkeit des
800 und 500 °C gekennzeichnet (siehe Bild 3). Stahles nicht mehr aus, um die geforderten Eigenschaften
zu erreichen, mufi ein Stahl hbherer Héirtbarkeit verwen-
Siirnfldche
det werden.
Abstand von der abge-

8 3 (T!O
4.2 Wirkung der Abkiihlmittel
3

Der Wfirmeentzug beim flatten wird bei gleichen Stéihlen


und Abmessungen durch das Abkiihlmittel bestimmt.
schreckfen

Seine Eigenschaften, die Temperatur und eine zus'zitzliche


Bewegung entweder des Abkiihlmittels und/oder des ab
O
N

zukiihlenden Teils beeinflussen die Abkiihlung. Dement-


sprechend kénnen auch die Mafifinderungen, der Velzug
und die RiBgefahr im Einzelfall unterschiedlich sein.
00 LO 80 120 160 s 200 Die Abkiihlmittel unterscheiden sich durch das Abkiihl-
Akhldauer von 800 ouf 500 °C—> vermégen in den fur das Harten wichtigen Temperatur-
Bild 3. Zusammenhang zwischen Abkijhldauer und bereichen.
Stirnabstand von Stirnabschreckproben aus Von den iiblicherweise verwendeten Ablo'jhlmitteln wird
umwandelnden Stéihlen (nach A. Rose, Atlas zur an Luft die langsamste, in Wasser die schnellste Ablo’jh-
Warmebehandlung der Stéihle, Band 1 und lung erreicht. Dazwischen liegt die Abkiihlung in Glen
H. Brandis/ H. Preisendanz, Das'Abkiihlverhalten oder Salzschmelzen, je nach den physikalischen Eigen-
in Stimabschreckproben, Binder, Bleche. Rohre, . schaften (z. B. Viskositiit, spez. Wéirme, Wiirmeleitfaihig-
Okt. 1963) keit).

Bei der Messung der Hfirte entlang der Probenmantel- 4.3 Einflufi des Anlassens beim Vergiiten
fléiche ergeben sich im allgemeinen abfallende Harte- 4.3.1 Allgemeine Angaben
werte. Ihr Verlauf kennzeichnet die Hfirtbarkeit. Fiir Die Wirkung des Anlassens auf die Eigenschaftsfinderun-
Stéihle, die sich zur Priifung im Stirnabschreckversuch gen, Zunahme von Ziihigkeit, Bruchdehnung und Bruch-
eignen, lassen sich auf diese Weise entsprechend der einschniirung sowie Abnahme von Hitte, Zugfestigkeit
Streuung der Schmelzen sogenannte Hfirtbarkeitsstreu- und Streckgrenze ist abhiingig von Anlafitemperatur und
binder aufstellen, Beispiel siehe Bild 4. -dauer. Beide Einflufigrb'Ben sind in gewissen Grenzen
austauschbar. Sollen Stéihle auf gleiche Hfirte oder Festig-
60 keit angelassen werden, so erfordem die legierten Stéihle
HRC normalerweise h6here AnlaBtemperaturen als die un-
legierten Stéihle. Hinweise sind den Anlafi-Schaubildem
zu entnehmen (siehe z. B. DIN 17 200). Durch eine dem
jeweiligen Anwendungsfall angepaBte Wirmebehandlung
kfinnen an Werkstiicken von den Angaben der Norm ab-
weichende mechanische Werte erreicht werden.
Aus der nach dem Anlassen geforderten Héirte und unter
Beriicksichtigung der durch das Anlassen bewirkten Ab-
nahme der Hartewerte gegen'tiber dem abgeschreckten
Zustand ergibt sich aus Bild 5 die vor dem Anlassen
O 10 20 3O 1.0 50 mm 60 erforderliche Abschreckh'airte.
Abstond von der cbge—
schreckten Stirnfldche cngelossen
600°C 60min
Bild 4. Hfirtbarkeitsstreuband fijr den Stahl 34 CrMo 4
nach DIN 17 200
—>

4 Einflufigrbfien bei der Stahlauswahl


Abschreckh'drte

4.1 Mafiiinderung, Verzug und RiBgefahr


Mafiéinderung und Verzug, Begriffe siehe DIN 17 014
Teil 1.
8

Bei der Entscheidung, welcher Stahl aufgrund der H'zirt-


barkeit fdr ein gegebenes Bauteil verwendet werden soll,
sind auch die Gesichtspunkte der Mafifinderung, des Ver- 3S ongelossen
zugs sowie die Rifigefahr zu beachten. Verzug und Rifl- 500 °C 60min
30 7
gefahr werden durch die iiber den Querschnitt unter- I
schiedlichen Volumenénderungen beim Hirten beein- 25 ‘
fluBt. Fiir eine optimale Abstimmung von Bauteilfonn, 15 20 25 30 35 LOHRCLS
Mafiéinderung, Verzug, Rifigefahr und Stahlzusammen- Anlonhdrte —>
setzung sind Versuche erforderlich. Bild 5. Zusammenhang zwischen der Héirte vor und nach
MaBgebend fiir die Gr'dBe des Verzugs und fiir die R18! dem Anlassen beim Vergiiten von Stéihlen nach
gefahr sind die durch das Hfirten in ihrer Verteilung und DIN 17 200 (nach unveréffentlichen Unter-
Grfifie sich verindernden Eigenspannungen. suchungen von H. Brandis)
Seite 4 DIN 17021 Teil 1

4.3.2 Versprfidungserscheinungen Ahnliche Abkiihlungsverlfiufe weist auch die Stirnab-


Es ist zu beachten, daB beim Anlassen bei verschiedenen schreckprobe auf. Mit hinreichender Genauigkeit lassen
Stéihlen eine Versprbdung eintreten kann, wenn sich sich daher gewisse Stellen oder Bereiche eines Bauteiles
bestimmte Temperaturbereiche nicht vermeiden lassen. bestimmten Stellen auf der Mantelfliiche der Stimab—
Diese Versprbdung ist besonders bei schlagartiger Bean- schreckprobe mit gleicher Abkijhlgeschwindigkeit zu-
spruchung der Bauteile zu beachten und wird vorzugs- ordnen. An diesen Stellen ergeben sich gleiche Hartewerte.
weise im Kerbschlagbiegeversuch nachgewiesen. Aufgrund dieses einfachen Zusammenhanges kénnen
Hierbei unterscheidet man einen Temperaturbereich um Hfirteverléiufe von abgeschreckten Bauteilen und Stim-
etwa 300 °C (,,300-Grad-Verspr'd dung“ genannt) und abschreckproben aus dem gleichen Stahl zueinander in
einen zwischen 350 und 550 °C (,,AnlaI.’>verspr6dung“ Beziehung gesetzt werden. Ist der Abkfihlverlauf an ver-
genannt). schiedenen Stellen des Bauteils bekannt, so kann die dort
Um die 300-°C-Verspr6dung zu vermeiden, sollte m‘dg- zu erwartende Harte anhand der Ergebnisse des Stirnab
lichst nicht im Bereich von 250 bis 350°C angelassen schreckversuches vorausgesagt werden.
werden. 5.1.2 Zusammenhang zwischen dem Abkiihlungsverlauf
Die Anlafiversprtidung tritt besonders bei Mn-, Cr—, MnQ-, von Probekérpem und der Stimabschreckprobe
CrV- und CrNi-legierten Stéihlen auf, wenn diese nach Den Zusammenhang zwischen dem Abkiihlungsverlauf
dem Anlassen oberhalb 600 °C1angsam abgekiihlt werden im Rand und Kern zylindrischer Bauteile his 100 mm
oder wenn zwischen 350 his 550 °C angelassen wird. Die Durchmesser in Wasser und 61 und dem Abkiihlungsver-
Versprédung kann vennindert werden (lurch niedrige lauf der Stirnabschreckprobe zeigen die Bilder 6 und 7.
Phosphorgehalte, Verwendung von Stéihlen, die mit Fiir andere Querschnitte sind Umrechnungen mfiglich
Molybdiin bis etwa 0,6 Gew.-% legiert sind oder dutch (siehe hierzu: VDI-W‘drmeatlas, Berechnungsbléitter fiir
schnelles AbkLihlen nach dem Anlassen oberhalb von den Warmeijbergang, VDI-Verlag Diisseldorf, 1963).
600 ° C.
Die in den Bildern 6 und 7 dargestellten Streubéinder
gelten bis jetzt nur néiherungsweise unter den angegebe
5 Stahlauswahl nen Abschreckbedingungen fiir das Abschrecken von
5.1 Zusammenhang zwischen den Abkiihlungsvorgingen Einzelstiicken. Werden in der Praxis nicht einzelne Teile,
in der Stirnabschreckprobe und in Werkstijcken sondern mehrere Teile gleichzeitig abgeschreckt, so sind
5.1.1 Grundlagen weitere Korrekturen notwendig.
Wird ein Werkstiick von Austenitisierungstemperatur ab-
geschreckt, so stellt sich ein von seiner Form und seinen 5.2 Zusammenhang zwischen der Harte und weiteren
Abmessungen sowie der Wirkung des Abschreckmittels mechanischen Eigenschaften bei Raumtemperatur
abhéingiger Verlauf der Abkiihlung an den verschiedenen Mit steigender Harte nehmen Zugfestigkeit, Streckgrenze
Stellen des Teiles ein. und 0,2-Grenze zu, wie es in den Bildern 8 und 9 gezeigt

80

mm

60
R undstabdurchmesser

40

0 5 10 15 20 mm 25
Absfond von der obgeschreckten Stirnfldche.—+

Bild 6. Zusammenhang zwischen in Wasser abgeschreckten Rundproben aus Stahl und der Stim-
abschreckprobe (nach A. Rose, Atlas zur W‘cirmebehandlung der Stéihle, Band 1 und H. Brandis/
H. Preisendanz, Das Abkiihlverhalten in Stimabschreckproben, Blinder, Bleche, Rohre,
Okt. 1963)
DIN 17 021 Teil 1 Seite 5

80
Oberfldche
mm (1,5mm Rand;
abstc nd)

60
‘5
U) s
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OJ 1

E \

Ea 40 J V ,.
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CC 20 1 '

O 0
(F 5 10 15 20 mm 25
Abstand von der abgeschreckten Stirnfldche ——>
Bild 7. Zusammenhang zwischen in C51 abgeschreckten Rundproben aus Stahl und der Stirnabschreck-
probe (nach A. Rose, Atlas zur Winnebehandlung der Stiihle, Band 1 und H. Brandis/H. Preisen-
danz, Das Abkfihlverhalten in Stimabschreckproben, Binder, Bleche, Rohre, Okt. 1963)

ist. Die Angaben in Bild 9 fiir die 0,2—Grenze gelten nur 5.3 Beispiele fur die Stahlauswahl*)
unter der Voraussetzung, daB im Betrachtungsquerschnitt 5.3.1 Auswahl iiber die Abkiihlung
mindestens 50 % Martensit vorliegen.
Das nachstehend beschriebene Verfahren ergibt ausrei-
A n m e r k u n g : Weitere Zusammenhiz'nge z. B. zwi— chend genaue Anhaltswerte, wobei Abschnitt 5.1.2 zu
schen Bruchdehnung, Kerbschlagziz'higkeit, Dauerschwing- beachten ist. F'Lir die nachstehenden Beispiele wurden
festigkeit und Héz’rte sind ggf. m6glich, lessen sich nach die Mittelwerte der jeweiligen Streubereiche verwendet.
den heute vorliegenden Unterlagen aber nicht fiir alle
Stdhle zahlenmc’z‘Bz’g sicher belegen. Auf ihre Wiedergabe Beispiel 1
wird deshalb an dieser Stelle verzichtet. Aufgabenstellung:
Hdrfe ————> Die Oberfléichenhéirte eines Bauteiles soll vor dem An-
20,3 30 1.0 50 60 HRC 68 lassen mindestens 40 PRO betragen. Kann hierfiir einer
1 | I | 1 der beiden im Betrieb vorhandenen Stéihle 41 Cr 4 bzw.
46 Cr 2 verwendet werden?
3000 Hinweise:
N/mm2 Der Querschnitt des Teiles kann einer Welle mit 40 mm
Durchmesser gleichgesetzt werden. Aus Verzugsgriinden
2500 // darf nicht in Wasser abgeschreckt werden.
LésungSWeg:
Es ist zu priifen, ob die Hértbarkeit der beiden Stéihle
2000
—~>

ausreicht, um bei einer Welle von 40 mm Durchmesser


und Abschrecken in 61 auf die geforderte Oberfléichen—
hiirte zu kommen.
1500 // Aus Bild 10 ergibt sich fiir einen 40 mm Rundstab flir
1,5 mm Randabstand nach dem Abschrecken in 01 die
gleiche Abkiihlungsgeschwindigkeit, wie an der Stelle der
Zugfestigkeit

1000 Stimabschreckprobe in m 9,5 mm Abstand vom Ab-


schreckende. Weil die Welle Z 40 HRC haben soll, muB
gepriift werden, welcher Stahl an der unteren Grenze des
//‘ Hfirtbatkeitsstreubandes den Punkt 40 BBC bei 9,5 mm
O
O
(J1

Stimabstand enth'allt.

*) Aus Wirtschaftlichkeitsgrlinden ist immer zu priifen,


00 200 1.00 600 800 HV 1000 ob etwa bereits im Werk in passender Abmessung vor-
Hdrte —> handene Stéihle eine fiir den vorgesehenen Fall aus-
Bild 8. Zusammenhang zwischen Zugfestigkeit und reichende Hfirtbarkeit aufweisen. Dabei ist es u. U.
Harte von Stahl giinstiger einen preislich zwar beureren, aber im Werk
A n m e r k u n g .' Bild 8 wurde auf der Grundlage dés bereits vorhandenen Stahl zu verwenden, als die Lager-
Entwurfs DIN 50 150 Ausgabe Juli 1975 erstellt. haltung um einen zusiitzlichen Stahl zu erweitern.
Seite 6 DIN 17021 Teil 1

11.00
—> Zugfestigkeit
N/mm2

1200
Zugfestlgkeit bzw. 0,2-Grenze

1000

800

600
30 20 3525 1.0 HRC 1.5
Hdrfe —>
Bild 9. Zusammenhang zwischen Zugfestigkeit, 0,2—Grenze und Hfirte fiir Stahl (nach
E. Houdremont, Handbuch der Sonderstahlkunde)

Fiir den im Betrieb vorhandenen Stahl 46 Cr 2 wurde bei


—>

der Eingangskontrolle die Hi'irtbarkeit nach dem Stim-


mm Oberfldche / abschreckversuch geptiift und verschiedene Lieferungen
Rundstobdurchmesser

(1.5mm Rand ergaben das Streuband in Bild 11.


60 obstond )\ / Zeichnet man in Bild 11 den Punkt 40 HRC bei 9,5 mm
/ Kern Stimabstand ein, so zeigt sich, daB nicht alle Lieferungen
diese Héirtbarkeitsforderung erfiillt bitten.
C8)

,/
/‘ Ergebnis:
8

/ Wegen zu geringer Hirtbarkeit kann somit der Stahl


46 Cr 2 nicht verwendet werden.
1 Aus DIN 17 200 geht hervor, daB bei dem Stahl 41 Cr4
0
0 5 .10 15 20 mm 25 der Punkt 40 HRC/9,5 mm unterhalb des Hirtbarkeits-
Abstond von der obgeschreckten Stirnfl‘dche—>
Bild 10. Zusammenhang zwischen in C31 abgeschreckten
Rundproben aus Stahl und der Stimabschreck» 60
probe (Mittelwertskurven der in Bild 7 darge—
stellten Streubéinder)

200 .10 20 30mm40 O0 .10 20 30 40mm50


Abstcnd von der obge- Abstcmd von der abge-
schreckten Stirnfldche schreckten Stirnfldche
Bild 11. Héirtbarkeitsstreuband verschiedener Bild 12. Hfirtbarkeitsstreuband fiir den Stahl 41 Cr4
Lieferungen des Stahls 46 Cr 2 (nach DIN 17 200)
DIN 17 021 Teil 1 Seite 7

streubandes liegt. Damit ist gesichert, dafi die Hfirtbarkeit Diese Hiirte muB im Kern des Werkstiickes nach dem Ver-
dieses Stahls ausreicht, um die gestellte Forderung zu giiten vorliegen. Durch das Anlassen nach dem Hfirten
erfiillen (siehe Bild 12). verringert sich der Wert fiir die Abschreckhéirte. Da die
Aus Wirtschaftlichkeitsgriinden ist zu priifen, ob nicht Anlafihéirte 23 HRC betragen soll, mufi fiir den weiteren
eine Randschichthfirtung durchgefijhrt werden kann; Gang der Auswahl die Abschreckhfirte ermittelt werden.
dann kbnnte der Stahl 46 Cr 2 verwendet werden. Aus Bild 14 ergibt sich fiir eine AnlaBtemperatur von
Beispiel 2: 600 °C und eine Anlafih‘airte von 23 HRC eine mittlere
Abschreckhéirte von 38 HRC.
Aufgabenstellung:
Um 38 HRC bei 50% Martensit zu erreichen, ist nach
Eine abgesetzte zylindrische Welle mit 40 mm Durch-
Bild 15 ein Mindest-C-Gehalt von z 0,32 Gew.-% erfor-
messer an der kritischen Stelle soll auf eine Streckgrenze
derlich.
as 2 720 N /mm2 im Kern vergiitet werden.
Hinweise:
Um die Rifigefahr méglichst gering zu halten und stérke—
70 . %c
ren Verzug wegen hoher N achbearbeitungskosten des HRC 0,5
Teiles zu vermeiden, 5011 in 01 abgeschreckt werden. Weil 60 0.5
das Teil stoBartig beansprucht wird, ist eine hohe Ziihig- 1 0,1.
keit erforderlich. Diese soll durch Anlassen bei 600 °C 0,3
erreicht werden.
3 50
:5 0,2
Aufgrund von Erfahrungswerten kann angenommen wer-
den, daB fiir den gegebenen Beanspruchungsfall ein Ge—
I 40
fiigeanteil von mindestens 50 % Martensit im Kern aus-
reichend ist. 30
Lfisungsweg: 30 40 60 70 80 90 % 100
Mortensitcnteil —>
Mafigebend fiir den L'dsungsweg ist die Streckgrenze an
der héchstbeanspruchten Stelle. Liegt keine ausgeprfigte Bild 15. Zusammenhang zwischen Abschreckhfirte,
Streckgrenze vor, wird statt dessen die 0,2-Grenze ver- Kohlenstoffgehalt und Martensitantei] gehéirteter
wendet. St'aihle (nach Hodge / Orehoski, Trans. AIME,
Aus Bild 13 kann fur eine 0,2-Grenze = 720 N/mm2 eine 167, 627, 1946)
entsprechende Harte von 23 HRC entnommen werden.
Aus Bild 16 kann fiir Abk‘dhlung in O], entsprechend den
11.00 / Beziehungen zwischen Bau teilquerschnitt und notwen—
7 Wm2 Zugfestigkeit / diger Héirtbarkeit, fiir den Kern einer Rundprobe mit
40 mm Durchmesser ein zugehbriger Stimabstand von
13 mm entnommen werden. Das bedeutet, dafé in 13 mm
-o-o C 2
ae g Abstand vom Abschreckende der Stirnabschreckprobe
in? 1000 . die gleiche Abkiihlungsgeschwindigkeit vorliegt wie im
Kern einer Rundprobe mit 40 mm Durchmesser, die in
g3 // 0,2-Grenze C51 abgeschreckt wird.
”5:; 800 / '
.33 @ , 600 7;
20 25 30 35 1.0 HRC 1.5 T 80 ,/
® Hdrte —>
,_ mm Oberfldche /
Bild 13. Zusammenhang zwischen Zugfestigkeit, 3 (1,5 mm Rond- / l
0,2-Grenze und Héirte fiir Stahl (Mittelwerts- 3 60 obsfond)\ /
Kurven der in Bild 9 dargestellten Streubéinder) E Kern
U l

60
angelossen
600°C 60min g”
HRC gé 20 //
55
D
—>

Q:
00 5 10 @ 15 20 mm 25
bun
U10
Abschreckhdrte

Abstond vom Abschreckende—>

Bild 16. , Zusammenhang zwischen in 01 abgeschreckten


6

Rundproben aus Stahl und der Stimabschreck-


probe (Mittelwerts-Kurven der in Bild 7 darge-
(A)
U1

ongelossen stellten Streubénder)


500°C 60
O
(A)

Dementsprechend werden nunmehr die Hfirtbarkeitsstreu-


2515 20 3O 35 LOHRCLS
binder verschiedener Stihle mit einem Kohlenstoffgehalt
An aflhfirte —‘> von 2 0,32 Gew.-% C daraufhin untersucht, ob die jeweils
Bild 14. Zusammenhang zwischen der Héirte vor und untere Hfirtbarkeitskurve oberhalb des Punktes 38 HRC,
nach dem Ablassen beim Vergiiten von Stéihleh 13 mm Stimabstand liegt. Nur dieser Stahl wird mit
nach DIN 17 200 (Mittelwerts-Kurven der in Sicherheit die geforderten Mindestwerte gewfihrleisten
Bild 5 dargestellten Streubfinder). (Bild 17).
Seite 8 DIN 17 021 Teil 1

5.3.2 Auswahl nach Betriebsversuchen


Ist es unmbglich oder zu schwierig, hinreichend sichere
HRC Beziehungen zwischen Abkfihlungsvorg'aingen im Bauteil
und der Stirnabschreckprobe entsprechend den Bildern
6 bzw. 7 herzustellen und entsprechend Abschnitt 3.3.1
vorzugehen, ist das nachstehend beschriebene Verfahren
anzuwenden.

40 Beispiel 3:
Aufgabenstellung:
Ein Bauteil soll an seinem kritischen Querschnitt im
Hdfle

Kern eine Zugfestigkeit von 03 g 950 N/mm2 besitzen.


/ / // Die Oberfl‘cichenhiirte soll 2 37 HRC betragen. Kann zu
diesem Zweck der im Betrieb vorhandene Stahl 38 Cr 2
/’// / verwendet werden?
/
, Zu satzbedingu ngen:
Aus Griinden der Beanspruchung soll ein Vergiiten mit
20 Anlassen bei mindestens 500 °C durchgefiihrt werden.
0 10 13 20 30 1.0 mm 50
Annahme:
Abstand von der ubgeschreckten Stirnfldche Der im Betrieb fiir andere Teile verwendete Vergijtungsv
Bild 17. Hfirtbarkeitsstreuband fiir den Stahl 41 Cr 4 stahl 38 Cr 2 ist in einer Abmessung vorhanden, aus dem
nach DIN 17 200 Versuchsproben entsprechend dem vorgesehenen Teil
hergestellt werden kb‘nnen. Die Stirnabschreck-Kurve
Ergebnis: fiir den 38 Cr 21iegt vor. Weiter ist bekannt, unter wel-
Im vorliegenden Fall trifft dies z. B. fiir den Stahl 41 Cr4 chen Bedingungen die vorgesehenen Erzeugnisteile spiiter
zu, wéihrend der Stahl 34 CrMo 4 (vgl. Bild 4) nur dann vergiitet werden sollen (ChargengréBe, Erwfirmungs- und
in Betracht kime, wenn mit dem Lieferer vereinbart Haltedauer, Abschreckung usw.).
wiirde, geméifé DIN 17 200, nur Stahlschmelzen zu lie- Lésungsweg:
fern, deren Hfirtbarkeit den oberen zwei Dritteln des
Aus Bild 20 kann fiir eine Zugfestigkeit von
Streubandes entspricht.
03 = 950 N lmm2 eine entsprechende H'airte Von
Ist es méglich, statt in C31, in einem schroffer wirkenden 28 HRC entnommen werden. Diese Harte mufi nach
Mittel abzuschrecken, wiirde dies die Héirtbarkeitsforde- _dem Vergiiten im Kern des Teiles vorliegen.
rung erheblich mindern. Aus Bild 18 ergéibe sich fiir Ab-
schrecken in Wasser, analog zu Bild 16, ein Stirnabstand Aus Bild 21 ist fiir eine Anlafihéirte von 28 HRC im Kern
von 10mm fiir den Kern bei einem Rundstab von 40mm bzw. 37 HRC an der Oberfl’ciche eine Abschreckhfirte von
Durchmesser. Dann kbnnte z. B. der Stahl 34 CrMo4 34 HRC im Kern bzw. 48 HRC an der Oberfl'aiche zu ent-
verwendet werden. nehmen, wenn beim Vergiiten auf 500 °C angelassen
werden soll.
Aus dem vorhandenen Vergiitungsstahl 38 Cr 2 werden
80 /Oberfldche / ein bzw. mehrere Stiicke hergestellt und unter den vor-
(15mm Rand- ’ gesehenen Betriebsbedingungen gehfirtet‘. Um die
5 mm abstond) / Betriebsbedingungen ausreichend genau zu treffen, kann
3m 60 es dabei notwendig sein, die Charge mit ,,B1ind“-Teilen
aufzufiillen.
E Kern
‘5’
‘0
/ 4400 T — ‘ l l
Bruchdehnung 6, BrucheinschnUrung W

‘6 3:12 4
:3 20
U —1200 .54 —
C
D 3 \‘\ /,B
0‘ 0 15 20 mm 25 ~1ooo E. — \V
0 5 @
Abstond vom Abschreckende —> 5' as)~\ \
80- :2: — “x‘ '
Kerbschlagzdhigkeit GK

Bild 18. Zusammenhang zwischen in Wasser abgeschreck-


(DVM‘Probeangs)

ten Rundproben aus Stahl und der Stim- % . w‘ — W


=\
L-§>
abschreckprobe (Mittelwertskurven der in 60 - 600 j” — > " 500
Bild 6 dargestellten Streubiinder).

Anhand des Vergiitungs- oder AnlaBschaubildes fiir den 1.0- 400 .9


m
— ' N'"
cmz
Stahl 41 Cr4 (Bild 19) kann fiberpriift werden, ob die 0
~— 6\ _
Forderung as 2720 N/mm2 erfiillt ist. 20 - 200 g— ). _ 200
N ‘ "I. —“ —"' —‘
A n m e r k u n g: In der Wd'nnebehandlungs-Anweisung
(WBA) bzw. im Fertigungsplan miissen die Angaben: .::- "0 \flx
vergiitet 0 350 400 500 °C 700
Kernhiirte i 23 HRC
angelassen 600 °C Anlantemperctur ——->
Abschreckhd'rte 2 38 HRC Bild 19. Anlafischaubild fiir den Stahl 41 Cr4 (aus dem
enthalten sein. Katalog des Stahlherstellers XY)
DIN 17 021 Teil 1 Seite 9

50
11.00 M, / HRC
T N/mm2 ; Zugfestigkeit / 1.5
gemessene i
.— C Sfirnabschreck-Kurve
E» E f 1.0
.9.<9 1000 ’
£3 ® // 0,2-Grenze g 35
g» 5' 800 /’
N .0 /
3%
30 \
600 ‘
20 25 @30 35 1.0 HRC 1.5
Hdrte —> 25 \ ,
\\

Bild 20. Zusammenhang zwischen Zugfestigkeit,


0,2-Grenze und Hiirte flit Stahl (Mittelwerts-
20
Kurven der in Bild 9 dargestellten Streubiinder) 0 5 1O 15 20 mm 25
ongelossen Abstand von der obge-
600 9C 60min schreck’ten Stirnfldche
60
HRC Bild 23 Gemessene Stirnabschreck-Kurve fiir eine
Charge des Stahles 38 Cr 2
Pew m U!
—>

eine Gerade miteinander verbunden. Dabei stellt sich


O

heraus, dafi am Versuchsteil die geforderten Hartewerte


Abschreckhdrte

nicht erreicht wurden.


U"

In Bild 23 ist die Stirnabschreck-Kurve fiir den Stahl


1.0 38 Cr 2 aufgezeichnet, und zwar fiir die Charge, aus
welcher die Versuchsmu sterteile hergestellt wurden.
@3

angelcssen Aufgrund des Zusammenhanges zwischen Bauteil und


500 °C 60 Stirnabstand-Hiirte-Kurve fiir Stellen gleicher Abkiihlungs-
O
(A)

geschwindigkeit, die zu gleichen Hartewerten fiihren,


kann nun punktweise die notwendige Stirnabstand-Harte-
2515 20 25 3 HRCAS Kurve fiir den geforderten Harteverlauf gezeichnet wer-
den. Dazu ist wie folgt zu verfahren (siehe Bild 24):
Antanhdrte—>
a) Fiir einen beliebigen Randabstand des Bauteils werden
Bild 21. Zusammenhang zwischen der Harte vor und die zugehérigen Hartewerte in den beiden Harteverlaufs-
nach dem Anlassen beim Vergiiten von Stéihlen kurven 1n Bild 24 (linkes Teilbild) aufgesucht und waage-
nach DIN 17 200 (Mittelwerts—Kurven der in recht nach rechts projiziert (Projektionsgeraden cl, c'l,
Bild 5 dargestellten Streubéinder) c2, c'z) bis zum Schnitt mit der Stirnabstand-Harbe-Kurve
des Probestucks (Schnittpunkt H'l, Hz).
Mit’teN
b) Auf der Abszisse des rechten Teilbildes lassen sich an
HRC der Stirnabstand-Héirte-Kurve des Probestiicks die zuge-
50 h6rigen Stirnabstande ablesen, welche die gleiche Abkiih-
K\\ geforderter lungsgeschwindigkeit besitzen, wie die entsprechenden
45 ~~< /Héjrteverlc1uf Stellen am Rand und im Kern des Bauteils.
\\ c) Nunmehr verlangert man die durch diese Stimabst'ande
\
40 \ \P und die Schnittpunkte H'l und H'z fiihrenden senkrechten
T \

\\ Geraden bis zum Schnitt mit den Projektionsgeraden 01
\
und c2 (Schnittpunkt H1 und H2). Diese Schnittpunkte
93 35 _____________
‘ stellen zwei Punkte der gesuchten Stimabstand-Harte-
I— _________

I
10 < . Kurve dar, mit der die gestellten Forderungen erfiillt
gemessener, werden.
30 ”Hdrieverlouf \\ d) Um die notwendige Stirnabstand—Hfirte-Kurve genauer
om Versuchsteil ' zu zeichnen, kann es erforderlich sein, weitere Punkte zu
25 — m '7 \ zeichnen, die man analog der oben beschriebenen Einzel-
schritte festlegen kann.

20 Ergebnis:
0251’
Fiir die gestellte Aufgabe reicht die Héirtbarkeit des Stah-
0.5r r les 38 Cr 2 nicht aus, um den geforderten Harteverlauf
Absfond von der Oberfldche —>
zu ermoglichen. Durch einen Vergleich der gefundenen
Stimabstand-H‘arte—Kurve mit den 2 B. in DIN 17 200
Bild 22. Harteverlaufskui'ven enthaltenen Hartbarkeitsstreub'alndern l'aISt sich der Stahl
finden, dessen untere Kurve des Streubandes mit der
An der fiir die Beanspruchung mafigebenden Stelle wird konstruierten Kurve nahezu identisch ist. Fiir das ge-
der Harteverlauf fiber den Querschnitt ermittelt und wahlte Beispiel, wire dies, neben weiteren M6glichkeiten,
graphisch, wie in Bild 22 gezeigt, dargestellt. In die gleiche fiir den Stah141 Cr4 der Fall. Es ist aber zu beachten,
Darstellung werden die nach dem Harten geforderten dais dieser Stahl wegen der Gefahr der Anlafiversprédung
Oberfl‘cichen- und Kernhfixtewerte eingetragen und durch (siehe Abschnitt 4.3.2) in Anwendungsfallen, in denen
Seite 10 DIN 17021 Teil 1

hohe Ziihigkeitswerte gefordert werden, nicht wie im Bei- Anlafitemperatur. Dann Wiederholung des Losungsgan-
spiel, bei 500°C angelassen werden darf. Abhilfe: z. B. ges, beginnend bei der Suche nach den Abschreck-I-liirte—
Verwendung des Stahles 42 CrMo4 Oder Erhohung der Werten aus Bild 21.

Mitie \
HRC HRC
50 c2 50

45
\"\"—af‘or‘ae‘rlare:
Hdrteverlouf '
— ‘*‘ ‘‘—"
1.5
— "N2
b2\
erforderlich
(gesuchte)
T—\ ____ __C2__..1 ’ Stirnobschreck-
_____“‘_— H2 ~Qfiirve
1.0
\\\ \
£2 35 \ 35 C1
>————-—-——~———-— +—»
\ H1
E @ ”— " _ “i
_ gemessener \
30 'gemessene
H'drteverlouf
Stirnobschreckx b1
um Versuchsteil\
__25 Kur_ve c'1
__ Hg—
20 20
0,25r
0 5 10 15mmZO‘
Abstond von der cbge-
0,5r schreck’ten Stirnflo'che
l r

Abstond von der Oberfldche —>


Bild 24. Zeichnerische Ermittlung der gesuchten Hartbarkeit

Erlc‘z‘uterungen

Die gewiinschten Gebrauchseigenschaften eines Werk- so erg’cinzt werden, daB es auch fiir andere als die ange-
stiickes werden nur dann durch eine Warmebehandlung gebenen Anlafibehandlungen verwendet werden kann.
mit Sicherheit erreicht, wenn sich der verwendete Werk- Die Bilder 6 und 7 (Abschnitt 5.1.2) geben lediglich die
stoff fiir die vorgesehene Behandlung eignet Bei der Werk- Zusammenhange fiir Abkiihlung in 01 bzw. Wasser und
stoffauswahl fur Werkstiicke, die gehartet oder vergiitet Rundproben an. Es bedarf noch zuséitzlicher Arbeiten,
werden, ist also neben wirtschaftlichen und fertigungs- um die Zusammenhéinge auch auf andere Querschnitte,
technischen Gesichtspunkten besonders die Hartbarkeit weitere, genauer gekennzeichnete Abkiihlmittel und
zu bei'ijcksichtigen. -bedingungen zu erweitern, bzw. entsprechende Korrek-
Flil’ die Stahlauswahl aufgrund der Hartbarkeit sind in turfaktoren anzugeben, um damit alle in der betrieb-
verschiedenen Veroffentlichungen unterschiedliche Wege lichen Praxis vorkommenden Bedingungen zu erfassen.
vorgeschlagen worden. In der vorliegenden Norm, fiir der Beim gegenwartigen Stand der Arbeiten wurde auch be-
von einem FachausschuB der Arbeitsgemeinschaft Warme- wuBt auf die Aufnahme weiterer Zusammenhange
behandlung und Werkstofftechnik (AWT) der Norm- Ent- zwischen der Harte und anderen Gebrauchseigenschaften
wurf erarbeitet wurde, wird ein in der Anwendung ein- wie Dauerschwingfestigkeit, Kerbschlagza‘higkeit, Bruch-
faches Verfahren vorgeschlagen. dehnung, Brucheinschniirung usw. in der vorliegenden
Hierbei wird der Zusammenhang zwischen den grundséitz- Norm verzichtet, da das vorliegende Zahlenmaterial eine
lich gleichen Abkiihlungsverhaltnissen in Stirnabschreck- Verarbeitung fiir eine allgemeingiiltige Norm noch nicht
proben nach DIN 50 191 und Rundproben aus Stahl be~ gestattet.
niitzt, wie er 2. B. in Metals Handbook, Vol. 1, 8. Auflage Die in den Beispielen 1 und 2 dargestellten Auswahlver—
1961, Seite 189 his 216 dargestellt ist. (Vgl. auch Rose, fahren fiihren im allgemeinen praktischen Fall zu befrie
Peter, Strafiburg und Rademacher: ,,Atlas zur Warme— digend angenéiherten Werten. Sollen die betrieblichen
behandlung der Stable“, Verlag Stahleisen mbH, Diissel- Bedingungen besser ben'icksichtigt werden, so ist das in
dorf 1961 oder Crafts, Lamont: ,,Hardenability and Beispiel 3 dargestellte Verfahren zu empfehlen. Allen
Steel-Selection“, von Riihenbeck ins Deutsche fibertragen Verfahren ist jedoch gemeinsam, dal?) sie auf die in den
und bearbeitet, Springer-Verlag 1954, sowie den Bericht verschiedenen Giitenormen fiir Stable (z. B. DIN 17 200,
iiber die Arbeit des AWT-Fachausschusses ”warme- DIN 17 210 usw.) enthaltenen H'a'rtbarkeitsstreubander
behandlungsangaben in Fertigungsunterlagen“: ,,Stahl- abzielen.
auswahl aufgrund der Hartbarkeit“, Zeitschrift fiir wirt- Im Rahmen dieser Norm sind weitere Arbeiten wie z. B.
schaftliche Fertigung, 66 (1971) 4, Seite 195 his 207). verfahrenstechnische Hinweise fiir die verschiedenen
Die International Organization for Standardization (ISO) Wannebehandlungsverfahren, sowie die Werkstoffaus—
hat bislang keine Empfehlung fiir die Stahlauswahl auf- wahl entsprechend den geforderten Gebrauchseigenschaf-
grund der Hartbarkeit aufgestellt. ten mittels Entscheidungstabellen vorgesehen.
Es ist beabsichtigt, die vorliegende Norm weiter zu ver-
vollstéindigen. Insbesondere soll Bild 5 (Abschnitt 4.3: 1)