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Das „Weihnachtsevangelium“ nach Markus

Homilie am Fest der Taufe des Herrn 2012 B Eckhard Frick sj

Markus 1:1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes:
2 Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den
Weg für dich bahnen.
3 Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
4 So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung
der Sünden.
5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und
ließen sich im Jordan von ihm taufen.
6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er
lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken,
um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
8 Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
9 In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
10 Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, daß der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine
Taube auf ihn herabkam.
11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen
gefunden.

Das kürzeste und wohl auch älteste der Evangelien beginnt nicht mit Kindheitserzählungen,
wie wir sie mit Weihnachten in Verbindung bringen, sondern mit der strengen Gestalt
Johannes des Täufers.
Zu diesem Bußprediger strömen die Menschen, um sich taufen zu lassen: mit Wasser und zur
Vergebung der Sünden. Johannes erwartet das Ende der Zeiten, wer sich auf seine Predigt hin,
also recht-zeitig!, bekehrt, wird mit der Taufe versiegelt, damit er das Weltgericht gut
übersteht. Auch Jesus reiht sich in die Schlange der Wartenden ein, auch Jesus lässt sich
taufen.

Zwischen Jesus und Johannes gibt es große Unterschiede und große Übereinstimmungen.
•Die Unterschiede:
Johannes tauft – Jesus tauft nicht
Johannes predigt in der Wüste – Jesus predigt in den Städten, Dörfern und Höusern
Johannes tauft mit Wasser – Jesus tauft mit dem Geist.
Darüber müssen wir noch sprechen: Was meint Johannes damit: „Er wird euch mit dem hl.
Geist taufen“?
• Die Übereinstimmungen:
Jesus und Johannes predigen das Reich Gottes
Jesus und Johannes sind Boten, die Gott dem Herrn einen Weg bereiten
Jesus und Johannes scharen Jünger um sich.

Auch dieses Evangelium ist eine „Weihnachtsgeschichte“, wenn auch ohne Maria, den Engel,
ohne Josef, ohne Krippe, Ochs und Esel. Wenn wir den Bericht einmal ganz naiv hören, ihn
hören lesen wie einer der ersten Leser des Markusevangeliums, was erfahren wir dann über
Jesus?

• Die Ankündigung im Mund des Täufers: nach mir kommt ein größerer, der mit dem Geist
taufen wird.
• Der Leser weiß von Jesus genauso wenig wie die Leute, die mit ihm in langer Reihe auf die
Taufe warten. Es ist irgendeiner namens Jesus aus einem unbekannten Dorf namens Nazaret.
Erst durch das Evangelium wird klarer, wer er ist. Auch, was „Taufe“ ist, weiß der Leser
nicht, jedenfalls nicht in unserem heutigen Sinn.
• Nur Jesus selbst hat eine Vision: die Himmel öffnen sich, er wird Sohn Gottes genannt, der
Geist erfüllt ihn wie die alten Propheten, die für ihren Gott und seine Gerechtigkeit ihr Leben
einsetzten.

• In diesem Moment geschehen gewissermaßen gleichzeitig: Die Verkündigung, die Ankunft


des Erlösers, sein Ursprung aus dem Vater durch den Heiligen Geist.
Das Alles bleibt verborgen in der persönlichen Berufung Jesu, es gibt bei Markus keinen
Dialog mit dem Täufer, keine Reaktion der Menge. Und doch steht die Menschwerdung des
Gottessohnes als Thema über dem ganzen Evangelium. Jesus selbst wird dieses Geheimnis
immer wieder verschweigen, erst ganz am Schluss des Evangeliums (15:39) wird der
römische Hauptmann ausrufen: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“.

Liebe Schwestern und Brüder: Was geschieht hier, und was hat das mit uns zu tun? Wir hören
an den Sonntagen dieses Jahres aus dem Markusevangelium, und wir haben gerade eine
kurzgefasste Schilderung der Menschwerdung des Gottessohnes gehört, die
„Weihnachtsgeschichte“ dieses Evangeliums.

Jesus ist der geliebte Sohn des Vaters, an dem Gott „sein Gefallen gefunden hat“. Fragen wir
uns kurz, wie in unserer Zeit Menschen beliebt sind, wie sie gefallen. In der Politik kann das
durch Wahlkampf, Medienwerbung und demokratische Entscheidung geschehen. Wir erleben
gerade an unserem Bundespräsidenten, wie das hohe Ansehen auch wieder in die Kritik
geraten, vielleicht verloren gehen kann. In der Kirche werden besonders angesehene Priester
vom Papst mit dem Kardinalspurpur ausgestattet wie jetzt gerade der Berliner Erzbischof
Rainer Maria Woelki und der Jesuitentheologe Karl Josef Becker. Durch die rote Farbe sind
sie herausgehoben, und das besondere Wohlgefallen des Papstes wird sichtbar.

Nun werden die wenigsten von uns jemals Bundespräsident oder Kardinal werden. Aber
getauft worden sind wir alle. Aus dem Mund des Vorläufers Johannes haben wir es gehört:
„Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen“.
Durch die Taufe sind wir im Heiligen Geist mit Jesus dem Christus verbunden. Unsere
Berufung richtet sich nach seiner: das geknickte Rohr nicht zu brechen und den glimmenden
Docht nicht auszulöschen
Der Geist, der Jesus zum Christus macht, zum Sohn Gottes, macht uns zu seinen Jüngerinnen
und Jüngern.
„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“. Das sagt der Vater zum
Sohn. In der Taufe sagt er zu jedem und jeder von uns „Du bist meine geliebte Tochter, mein
geliebter Sohn!“.

Die Leute, die mit Jesus in der Schlange stehen, wissen noch nicht, wen sie da vor sich oder
hinter sich haben. Er steht noch unerkannt unter ihnen, der Geist wird ihn in die Einsamkeit,
in die Wüste führen. Jesus lässt sich vom Geist führen.
Wenn ich mich an meine Taufe erinnere, an die bedingungslose Annahme als Kind, dann höre
ich auch: „Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn!“.

Bitten wir darum, dass wir dem Geist dorthin folgen, wohin er uns führen will.