Sie sind auf Seite 1von 1

Klepko Oryna

Derivation
Derivation oder deutsch auch Ableitung ist in der Linguistik die Bezeichnung für ein Verfahren
der Wortbildung. Hierbei werden aus lexikalischen Morphemen (Lexeme/Grundmorpheme) und
Affixen (grammatische Morpheme) neue Formen gebildet, die selbst nicht unbedingt Lexeme
sein müssen, es jedoch in den meisten Fällen sind. Als Derivation bezeichnet man den Prozess
ihrer Bildung. Zusammen mit der Komposition (Zusammensetzung) ist die Derivation das
wichtigste Wortbildungsmittel der deutschen Sprache.
Die Derivation unterscheidet sich von der Zusammensetzung (Komposition) dadurch, dass bei
letzterer mindestens zwei Wörter (Grundmorpheme) eine eigenständige lexikalische Bedeutung
besitzen, während bei der Derivation nur ein Wort existiert, dessen Affixe keine konkrete
lexikalische Bedeutung haben.
Unterschiede zur Flexion sind, dass bei der Derivation
 ein neues Wort (Lexem) und nicht nur eine neue Wortform entsteht: brauch-bar
(Adjektiv) versus brauch-t (Verb, 3. Person Singular Präsens von brauchen),
 die Wortart sich ändern kann (Adjektivierung, Substantivierung),
 nie alle theoretisch möglichen Grundmorpheme erfasst werden: es gibt keine *Rausch-
ung zu rausch(en), keine *Schwimm-ung zu schwimm(en).
Einige Forscher zählen auch Teile der Konversion zur Derivation. Bei der lexikalischen (auch:
morphologischen) Konversion oder der Ablautbildung (manchmal auch: implizite Derivation
oder Konversion) etwa wird die Kategorie, d. h. die Wortart, eines Grundmorphems so
verändert, dass die Wortstämme und seine Bedeutung verändert werden:
 glaube(n) (Verb) → Glaube (Substantiv): innere Haltung eines Menschen (lexikalische
Konversion); der Fall wird jedoch angemessener als Ableitung des Verbs zu einem
Substantiv mit dem Ableitungsmorphem -e beschrieben
 schieß(en) (Verb) → Schuss (Substantiv): das einzelne Ereignis, der einzelne Vorgang
(Ablautbildung)
 Andere rechnen Präfixbildungen, auch Präfigierungen genannt, nicht dazu (be-schreiben,
aus-sprechen).
Folgende drei Gruppen von Wortbildungen können – je nach grammatischer Theorie – zur
Derivation gerechnet werden:
 die explizite Derivation (auf diese beschränkt sich dieser Artikel) mit Suffigierung,
Präfigierung und Zirkumfigierung: Bildung durch Affixe (Mann → männ-lich, schön
→ un-schön, renn(en) → Ge-renn-e),
 als Sonderfall gehört auch die Motion (= Movierung: Genuswechsel durch explizite
Ableitung) dazu (König → König-in, Witw-e → Witw-er),
 die implizite Derivation: manchmal auch Bildung durch Ablautbildung ohne Affixe
genannt (küss(en) → Kuss),
 die Konversion: Bildung allein durch Wortartenwechsel, d. h. Umkategorisierung
(laufe(en) → (der) Lauf). In manchen Grammatiken wird die implizite Derivation
auch Konversion durch Ablautbildung genannt. Grund: in beiden findet eine
Umkategorisierung, d. h. ein Wortartenwechsel statt.