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REMASTERED

MATTHÆUS PIPELARE 1
the sound and the fury

paradise regained fB
THE SOUND AND THE FURY
David Erler countertenor
John Potter tenor
Christian Wegmann tenor
Hans Jörg Mammel tenor
Michael Mantaj bass
Joachim Höchbauer bass

« paradise regained » – polyphonie der renaissance


wird von MUNTEAN/ROSENBLUM unterstützt

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MATTHÆUS PIPELARE
(ca. 1450 – ca. 1515)

DISC I
MISSA DICIT DOMINUS
[1 ] KYRIE 3 : 43
[2 ] GLORIA 7 : 12
[3 ] CREDO 9 : 10
[4 ] SANCTUS 9 : 16
[5 ] AGNUS DEI 6 : 14

MISSA POUR ENTRETENIR MES AMOURS


[ 6 ] KYRIE 2 : 56
[ 7 ] GLORIA 6 : 54
[ 8 ] CREDO 10 : 23
[ 9 ] SANCTUS 7 : 51
[ 10 ] AGNUS DEI 4 : 56

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DISC II
MISSA L’HOMME ARMÉ
[1 ] KYRIE 3 : 59
[2 ] GLORIA 6 : 09
[3 ] CREDO 11 : 10
[4 ] SANCTUS 9 : 03
[5 ] AGNUS DEI 5 : 44

MISSA FORS SEULEMENT


[ 6 ] KYRIE 4 : 55
[ 7 ] GLORIA 5 : 21
[ 8 ] CREDO 7 : 02
[ 9 ] SANCTUS 8 : 39
[ 10 ] AGNUS DEI 5 : 46

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ZANGMEESTER MATTHÆUS PIPELARE

Obwohl von ihm im 16. Jahrhundert nur in höchsten Tönen geschwelgt wurde, seine
Werke in Drucken und Handschriften (auch aus dem berühmten scriptorium des Pierre
Alamire) weite Verbreitung erfuhren, über das Leben des vermutlich in Flandern (Löwen)
um die Mitte des 15. Jahrhunderts geborenen Matthæus Pipelare ranken sich bestenfalls
Gerüchte. Die Konfusion fängt dabei bereits beim Namen an. ‹Pipelare› lesen Spezialisten
sicher gleich als ‹Pipe.la.re›, was auf ein Mitglied aus einer (Stadt)Pfeifer-Familie hinweist.
Ein Pfeifer (‹Piper›) allerdings, der im Gegensatz zu seinen Vorfahren auch das musiktheo-
retische System seiner Zeit mit den Hexachorden und Solmisationssilben ut, re, mi, fa, sol,
la beherrschte.
Jedenfalls wissen wir, dass Matthæus 1498 in ’s-Hertogenbosch als Nachfolger von Nica-
sius de Clibano zum «zangmeester» der «Illustre Live Vrouwe Broederschap» ernannt
wurde. Diese wohlhabende Gilde konnte sich rühmen Namen wie Pierre de La Rue oder
Clemens non Papa als Mitglieder zu führen. Matthæus, damals bereits in mittlerem Alter,
war der bestbezahlte Musiker der Kapelle. Wieso er bereits am 1. Mai 1500 seinen Po-
sten, trotz angebotener Gehaltsaufstockung quittierte und für uns wieder ins Dunkel der
Geschichte abtauchte, lässt sich nicht einmal vermuten. Auch beim Todesjahr des Kom-
ponisten schweigt sich die Historie aus. Lediglich durch Kreuzzeichen, die den Namen
in Handschriften aus Jena umklammern und wiederum die vermutliche Entstehungszeit
dieser Manuskripte lassen uns schließen, dass Matthæus um 1515 gestorben ist.
In über sechzig Quellen werden die Werke Pipelares überliefert: neun Messen, wenige
Chansons und eine Handvoll Motetten. Über die Entstehung der Kompositionen ist eben-
so wenig bekannt wie über die Biographie ihres Schöpfers. Eindeutig lassen sich jedoch
Unterschiede in Struktur, Setzart und oder der Umgang mit dem cantus firmus in den hier
vorgestellten Messen auch für den Laien erkennen. Auffallend ist zunächst die unterschied-

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liche Klangfarbe. Während die Missa «Dicit Dominus» hell strahlt, vermitteln die drei wei-
teren Messvertonungen dieser Edition einen dunklen Eindruck. Pipelare experimentiert
in diesen Messen bewusst mit verschiedenen Verschlüsselungen. So sind die Stimmen der
fünfstimmigen Missa «Fors seulement» im Alt, Tenor, Bariton, Baß und Kontrabaßschlüs-
sel notiert. In Kenntnis der sogenannten «Chiavette» haben wir – wie bei all unseren
Interpretationen – versucht, eine Balance zwischen der Intention des Komponisten und
unseren stimmlichen Möglichkeiten zu finden. Dass sich dabei keine Art von absoluten
Stimmtonsystem einst wie heute ergeben kann, erklärt sich bereits aus den verschiedenen
geographischen Provenienzen der die Musik überliefernden Handschriften und Drucke.
Laienhaft ausgedrückt heißt dies, dass wir versuchen, den Charakter jeder Messe zu erfas-
sen, ohne dabei stur auf die Stimmlagen der anderen Messen Rücksicht zu nehmen.
Beim Hören fällt auf, dass Meister Pipelare gerne je zwei Stimmen kombiniert, denen spä-
ter zwei weitere Stimmen quasi antworten oder in den Gesang der beiden ersten Stim-
men einfallend die Musik zur Vielstimmigkeit verdichten. Hören wir genauer hin, werden
wir erkennen, dass dieses Prinzip freilich eine unendliche Vielfalt an Variationen eröffnet.
So können die beiden Stimmen homophon, verzahnt einsetzend einander imitierend aber
auch frei einherschreiten. Natürlich spielt Pipelare bei aller Freiheit in der Polyphonie auch
mit der strengen Form des Kanons, allerdings stets, nicht um eines Kunststücks Willen,
sondern um den Ausdruck der Musik zu steigern. Man wird wohl die Partitur zur Hand
nehmen müssen, um zu erkennen, dass sich die beiden untersten Stimmen im abschlie-
ßenden, fünfstimmigen «Agnus Dei» der Missa «L’homme armé» im Kanon bewegen oder
der cantus firmus in der Missa «Pour entretenir mes amours» nur in der Tenor-Stimme
vollständig zitiert wird.
Kurzum: Pipelares starke Persönlichkeit zeigt sich uns, im Gegensatz zu den spärlichen
Daten seiner Biographie, beim Hören und der Analyse seiner Messen. Er definiert quasi
bei jedem Werk das polyphone Tonsetzen neu, ohne dabei auf Vertrautes – wie dies etwa

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Jacob Obrecht macht – zurückzugreifen. Nichts klingt bekannt, scheint schon einmal oder
auch nur ähnlich gehört worden zu sein, nichts lässt sich in Schubladen schieben, alles er-
scheint neu, frisch, lebendig – eigenwillig-individuell!
the sound and the fury

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ZANGMEESTER MATTHÆUS PIPELARE

Despite being showered with only the highest of praise in the 16th century and his
works enjoying wide circulation both in printed and manuscript form (including those
from the famous Pierre Alamire scriptorium) information about the life of Matthæus
Pipelare, probably born in Flanders (Löwen) during the mid 15th century, is largely
shrouded in speculation. The confusion star ts with his name. Exper ts immediately read
«Pipelare» as «Pipe.la.re» which points to membership of a family of city waits but also
to a piper who, unlike his ancestors, nonetheless mastered the music theory system of
his day with its hexachords and solmization syllables ut, re, mi, fa, sol, la.
We do know however that Matthæus was appointed «zangmeester» of the «Illustre
Live Vrouwe Broederschap» in ’s-Her togenbosch in 1498 as successor to Nicasius de
Clibano. This wealthy guild could pride itself on counting figures such as Pierre de La
Rue and Clemens non Papa amongst its members. Matthæus, by then already in middle
age, was the best-paid musician of the company. It is impossible for us even to guess
why he quit his employment as early as May 1st 1500, despite being offered an increa-
se in salary, only to sink once more into historical oblivion. History also remains silent
about the year of the composer’s death. Only the signs of the cross which surround his
name in the Jena manuscripts together with their probable date of origin allow us to
assume that Matthæus died around 1515.
Pipelare’s works survive in over sixty sources: nine masses, a few chansons and a hand-
ful of motets. We know as little about the genesis of the compositions as about the life
of their creator, but differences in structure, type of setting and cantus firmus treatment
in the masses presented here are recognisable even to the layperson. First of all, the
use of differing tone colours: whereas the «Dicit Dominus» mass sparkles brightly, the
other three settings in this edition convey a darker impression. Pipelare consciously ex-

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periments with various ciphers in these masses. Thus the voices of the five-par t «Fors
seulement» mass are notated in alto, tenor, baritone, bass and double-bass clefs. Taking
into account the so-called «chiavette», we have attempted (as in all our performances)
to strike a balance between the composer’s intentions and our vocal resources. The
diverse geographical provenances of the surviving manuscripts and printed sources
already make it impossible to establish any kind of absolute pitch system, now or then.
In lay terms, this means that we try to capture the character of each mass without too
strict a regard for the pitches of the other masses.
On listening it becomes apparent that Master Pipelare favours a combination of two
voices which are later answered by two others or from which the music increases in
density with the addition of more voices. On more careful listening we may recognise
that this principle in fact opens up an endless multiplicity of variations, so that the two
voices can parade in homophonic, closely imitative or free manner. Of course within
this polyphonic freedom Pipelare also plays with strict canon form, yet always to inten-
sify the music’s expressivity rather than for ar t’s sake alone. One would need to look
at the score to recognise that the two lowest voices in the closing five-par t «Agnus
Dei» of the «L’homme armé» mass move in canon or that the cantus firmus in «Pour
entretenir mes amours» is only cited completely in the tenor voice.
In shor t, Pipelare’s striking personality becomes apparent through hearing and analy-
sing his masses rather than from the meagre details of his life. It is as if he redefines po-
lyphonic composition with each work, rather than rever ting to the tried and tested as
say Jakob Obrecht did. There is nothing immediately recognisable, nothing that sounds
even vaguely familiar, nothing can be categorised, rather everything sounds new, fresh,
lively – wilfully individual!
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Das Ensemble THE SOUND AND THE FURY (eine Initiative von Muntean/Rosenblum
und Bernhard Trebuch) hat in kurzer Zeit ein mustergültiges Klangkonzept und struk-
turelle Raffinesse entwickelt. Zur Stammbesetzung gehören John Potter und Richard
Wistreich. Das hochkarätige Kerntrio hat, neben herausragenden Karrieren im Solo-
fach, einige der international führenden Formationen, u. a. das Hilliard Ensemble, The
Consor t of Musicke und Singer Pur maßgeblich mitgeprägt. Der Vor tragsstil wurde in
den Salzburger Nachrichten als «außerordentlich sensibel und klangschön gestaltet»
bezeichnet. Im Rahmen der Reihe «paradise regained» entstehen derzeit mehrere Auf-
nahmen aus dem vokalen Reper toire der Renaissance.

The ensemble THE SOUND AND THE FURY (an idea by Muntean/Rosenblum and
Bernhard Trebuch) quickly developed an exemplary sound-concept of structural re-
finement. In its main crew there are John Potter and Richard Wistreich. The high quality
core-trio is renowned not only for outstanding solo-singing, but also played a decisive
role in forming some leading international groups like the Hilliard Ensemble, The Con-
sor t of Musicke and Singer Pur. The Salzburger Nachrichten appreciated their style of
singing as «being extraordinary sensitive and full-sounding.» The new series «paradise
regained» will include several recordings of the renaissance vocal reper toire.

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paradise regained – polyphonie der renaissance

THE SOUND AND THE FURY

on iTunes

Firminus Caron : Masses & Chansons


Johannes Ockeghem: Missa cuiusvis toni & Missa prolationum
Johannes Ockeghem: Missa «Ecce ancilla Domini» & Missa «My My»
Guillaume Fauges : Missa «L‘homme armé» & Missa Vinus Vina Vinum
Marbrianus de Or to: Missa «Mi Mi» & Missa «L‘homme armé»
COLOPHON

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 2014 fra bernardo
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liverecording :
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microphones :
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translations :
RODERICK SHAW (english)
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and owner of the work ­reproduced, cover & artwork :
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