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Lothar Mertens

Lothar Mertens (* 2. Januar 1959 in Leverkusen; † 4. Dezember 2006 in Berlin) war ein deutscher
Historiker und Sozialwissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis
Leben und Werk
Kritik
Schriften
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise

Leben und Werk


Lothar Mertens studierte Geschichte, katholische Theologie und Soziologie an der Ruhr-Universität
Bochum und an der Universität zu Köln. In Bochum promovierte er 1990 mit der Arbeit Die Entwicklung
des Frauenstudiums in Deutschland im Fach Sozialwissenschaften zum Dr. rer. soc., 1996 an der Universität
Potsdam mit der Arbeit Unermüdlicher Kämpfer für Frieden und Menschenrechte. Leben und Wirken von
Kurt R. Grossmann im Fach Geschichte zum Dr. phil.

Die Habilitation erfolgte 1996 in Bochum mit der Arbeit Davidstern unter Hammer und Zirkel – Die
jüdischen Gemeinden in der SBZ/DDR und ihre Behandlung durch Partei und Staat 1945–1990.
Anschließend lehrte er in Bochum als Privatdozent. Er beschäftigte sich gemeinsam mit Wilhelm Bleek mit
dem Dissertationswesen in der DDR. Daraus entwickelte sich eine intensive Beschäftigung mit mehreren
Themenbereichen der vornehmlich geisteswissenschaftlichen Forschung in der DDR, darunter den DDR-
Historikern und der Akademie der Wissenschaften der DDR. In diesen Arbeiten setzte er sich sehr kritisch
mit der in der DDR produzierten Wissenschaft auseinander. Unter anderem übernahm er Arnulf Barings
Ansicht, das in der DDR erworbene Wissen sei „auf weite Strecken unbrauchbar“.[1]

Mertens war ein sehr produktiver Autor. Bis zu seinem frühen Tod verzeichnete die Deutsche
Nationalbibliothek 24 Bücher, an denen er als Autor, Co-Autor oder Herausgeber beteiligt war. Neben der
Geschichte der DDR und der akademischen Bildung des Landes beschäftigte er sich auch mit der
allgemeinen Bildungsgeschichte, der Geschichte des jüdischen Lebens in Deutschland im 20. Jahrhundert
und den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel.

Kritik
Mertens’ Arbeiten zur Wissenschaftsgeschichte der DDR sind vor allem von ehemaligen DDR-
Wissenschaftlern kritisiert worden. Ihm wurden dabei unsauberes Arbeiten und allzu einseitige Schlüsse
vorgeworfen. Mario Keßler kritisierte, dass Mertens die Ansprüche an angemessene und auch selbstkritische
Reflexion, die er an die Geschichtswissenschaft der DDR gestellt hatte, bei seiner eigenen Arbeit über die
DDR-Historie nicht eingehalten habe.[1]

Darüber hinaus wurden von Mertens verwendete Begriffe wie „rote Kader“ für DDR-Forscher und „rote
Denkfabrik“ für die Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED von manchen Autoren
kritisch betrachtet. Eberhard Fromm kritisierte etwa, Mertens habe fast alle Mitarbeiter der Akademie für
Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED als austauschbar beschrieben „wie einzelne Glühlampen in
einer langen Lichterkette“.[2]

Schriften
Alija. Die Emigration der sowjetischen Juden. Brockmeyer, Bochum 1991, ISBN 3-88339-940-
X.
DDR-Dissertationen. Promotionspraxis und Geheimhaltung von Doktorarbeiten im SED-Staat.
(mit Wilhelm Bleek), Westdeutscher Verlag, Opladen 1994, ISBN 3-531-12614-8.
Unermüdlicher Kämpfer für Frieden und Menschenrechte. Leben und Wirken von Kurt R.
Grossmann. Duncker und Humblot, Berlin 1996, ISBN 3-428-08914-6 (= Beiträge zur
politischen Wissenschaft, Band 97).
Davidstern unter Hammer und Zirkel. Die jüdischen Gemeinden in der SBZ/DDR und ihre
Behandlung durch Partei und Staat 1945–1990. Olms, Hildesheim u. a. 1997, ISBN 3-487-
10332-X (= Haskala, Band 18).
mit Dieter Voigt (Hrsg.): Opfer und Täter im SED-Staat (= Schriftenreihe der Gesellschaft für
Deutschlandforschung. Band 58). Duncker und Humblot, Berlin 1998, ISBN 3-428-09422-0
Wider die sozialistische Familiennorm. Ehescheidungen in der DDR 1950–1989.
Westdeutscher Verlag, Opladen-Wiesbaden 1998, ISBN 3-531-13310-1.
(Hrsg.): Soziale Ungleichheit in der DDR. Zu einem tabuisierten Strukturmerkmal der SED-
Diktatur. Duncker und Humblot, Berlin 2002, ISBN 3-428-10523-0 (= Schriftenreihe der
Gesellschaft für Deutschlandforschung. Bd. 82).[3]
(Hrsg.): Unter dem Deckel der Diktatur. Soziale und kulturelle Aspekte des DDR-Alltags.
Duncker und Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11142-7 (= Schriftenreihe der Gesellschaft für
Deutschlandforschung. Bd. 84).
mit Wilhelm Bleek (Hrsg.): Bibliographie der geheimen DDR-Dissertationen. = Bibliography of
secret dissertations in the German Democratic Republic. Saur, München 2004, ISBN 3-598-
11209-2.
„Nur politisch Würdige“. Die DFG-Forschungsförderung im Dritten Reich 1933–1937.
Akademie, Berlin 2004, ISBN 3-05-003877-2.
Rote Denkfabrik? Die Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. Lit,
Münster 2004, ISBN 3-8258-8034-6 (= Studien zur DDR-Gesellschaft. Band 10)[4].
Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den
Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München
2006, ISBN 3-598-11673-X.[5][6]
(Hrsg.): Bilanz und Perspektiven des deutschen Vereinigungsprozesses. Duncker und
Humblot, Berlin 2006, ISBN 3-428-12149-X (Schriftenreihe der Gesellschaft für
Deutschlandforschung. Bd. 90).
Priester der Klio oder Hofchronisten der Partei? Kollektivbiographische Analysen zur DDR-
Historikerschaft. V und R Unipress, Göttingen 2006, ISBN 3-89971-307-9 (Hannah-Arendt-
Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden. Berichte und Studien. Nr. 52),
Rezension (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=8835&type=rezbuecher&sor
t=datum&order=down&search=Lothar+mertens) bei H-Soz-u-Kult.
Religion und Politik. Die wechselvolle 130jährige Geschichte der jüdischen Gemeinde Adass
Jisroel zu Berlin. Köster, Berlin 2006, ISBN 3-89574-625-8 (= Karlsruher Forschungsstudien.
Deutschland und Europa. Band 1).

Literatur
Wilhelm Bleek: Ein leidenschaftlicher Wissenschaftler. Nachruf auf Lothar Mertens (1959–
2006). In: Deutschland Archiv 40 (2007), S. 211–212.

Weblinks
Literatur von und über Lothar Mertens (https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&
query=131465694) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise
1. Mario Keßler: Rezension zu: Mertens, Lothar: Priester der Klio oder Hofchronisten der Partei?
Kollektivbiographische Analysen zur DDR-Historikerschaft. Göttingen 2006 (http://hsozkult.ges
chichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-3-115). In: H-Soz-u-Kult, 14. August 2007, abgerufen
am 25. Dezember 2012.
2. Eberhard Fromm: Rezension zu Lothar Mertens: Rote Denkfabrik? Die Akademie für
Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. LIT Verlag, Münster 2004 (http://www.der-deut
sche-intellektuelle.de/html/mertens.html). In: der-deutsche-intellektuelle.de, abgerufen am 25.
Dezember 2012.
3. Peter Hübner: Rezension zu: Lothar Mertens (Hrsg.): Soziale Ungleichheit in der DDR. Zu
einem tabuisierten Strukturmerkmal der SED-Diktatur. Berlin 2002, in: H-Soz-u-Kult, 12.
November 2002 (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=1829)
4. Rezension (http://www.der-deutsche-intellektuelle.de/html/mertens.html)
5. Rezension Klahrgesellschaft (http://www.klahrgesellschaft.at/Mitteilungen/Krenn_1_07.pdf)
6. Mario Keßler. Review of Mertens, Lothar, Lexikon der DDR-Historiker: Biographien und
Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen
Republik and Mertens, Lothar, Priester der Klio oder Hofchronisten der Partei?:
Kollektivbiographische Analysen zur DDR-Historikerschaft. H-Soz-u-Kult, H-Net Reviews.
August, 2007 (http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=37859)

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Diese Seite wurde zuletzt am 29. Oktober 2019 um 17:00 Uhr bearbeitet.

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