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Koordinaten: 38° 7′ N, 27° 9′ O

Kolophon
Kolophon (griechisch Κολοφών) war in der griechischen Antike eine der größten Städte in der
kleinasiatischen Landschaft Ionien. Sie lag beim heutigen Dorf Değirmendere im türkischen
Verwaltungsbezirk İzmir, zwischen İzmir, dem antiken Smyrna (im Norden) und Ephesos (im Süden),
nördlich der Hafenstadt Notion.

Als eine der Mutterstädte der Ionier war Kolophon Teil des Ionischen Bundes (Dodekapolis). Dreizehn
Kilometer südlich von Kolophon lag das berühmte Orakel von Klaros. Die Nadelbäume um Kolophon
lieferten das Harz Kolophonium, mit dem heute unter anderem die Rosshaarbespannung von Streichbögen
eingerieben wird.

Die Stadt wurde der Sage nach von zwei Söhnen des Kodros, eines mythischen Königs von Athen,
gegründet. Ihre berühmtesten Söhne sind der Philosoph Xenophanes, der Dichter Mimnermos und der Maler
Apelles. Kolophon war auch eine der ionischen Städte, die darum konkurrierten, Geburtsort Homers
gewesen zu sein.

Kolophon galt in archaischer Zeit als eine der reichsten Städte Ioniens – mit dem eigenen lokalen Kalender
von Kolophon – und wurde mit dem unteritalischen Sybaris verglichen, büßte ihren Wohlstand aber in
klassischer Zeit weitgehend ein. Nach 479 v. Chr. wurde die Stadt Mitglied im attischen Seebund; 430 v.
Chr. wurde sie nach Parteikämpfen persisch und trat 409 wieder auf die Seite Athens. Im Jahr 404 fiel
Kolophon erneut unter persische Oberhoheit, um dann im 4. Jahrhundert v. Chr. das allgemeine Schicksal
Ioniens zu teilen. Lysimachos, einer der Diadochen Alexanders des Großen, zwang um 300 v. Chr. die
Bevölkerung, nach Ephesos umzusiedeln, das unter seinem Befehl an neuem Ort errichtet wurde. Damit
verlor die Stadt Kolophon ihre Bedeutung, auch wenn sie nach Lysimachos’ Tod 281 v. Chr. wieder
aufgebaut wurde. Kolophon vereinigte sich mit der Hafenstadt Notion, verlor jedoch in hellenistischer Zeit
jede Bedeutung.

Es sind nur wenige Reste der Stadt erhalten. In der Nähe wurde ein vermutlich mykenisches Kuppelgrab aus
dem 13. oder 12. Jahrhundert v. Chr. (SH III B oder III C) entdeckt, in dem sich offenbar auch
submykenische Keramik fand.[1] In einem weiteren Grab kamen ein mykenisches Messer und eine Glasperle
ägäischen Stils zum Vorschein.

Literatur
William L. MacDonald: Colophon, Ionia, Turkey (http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc
=Perseus:text:1999.04.0006:id=colophon). In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton
Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-
03542-3.
George Ewart Bean: Kleinasien. Band 1. Die ägäische Türkei von Pergamon bis Didyma. 5.
Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1987, ISBN 3-17-009678-8, S. 186–188.
Leicester B. Holland: Colophon. In: Hesperia. The Journal of the American School of Classical
Studies at Athens. Band 13, Nr. 2, April–Juni 1944, S. 91–171.
Carl Schuchhardt: Kolophon, Notion und Klaros. In: Athenische Mitteilungen 11, 1886, S. 398–
434 (Textarchiv – Internet Archive (https://www.archive.org/stream/mitteilungendes03abtegoog
#page/n424/mode/1up)).
Weblinks
Inschriften von Kolophon (http://epigraphy.packhum.org/inscriptions/book?region=8&subregion
=29&bookid=503)
Münzen von Kolophon (http://snible.org/coins/hn/ionia.html#Colophon) (griechisch)

Einzelnachweise
1. Zusammenfassend zu mykenischen Funden in Kolophon: Jorrit M. Kelder: Mycenaeans in
Western Anatolia. In: J. P. Stronk, M. D. de Weerd (Hrsg.): TALANTA. Proceedings of the
Dutch Archeological and Historical Society XXXVI–XXXVII (2004–2005). 2006, S. 59, 64; zur
(sub-)mykenischen Keramik auch S. 68.

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Diese Seite wurde zuletzt am 23. September 2018 um 17:14 Uhr bearbeitet.

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