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Organ des Amtes Musik


beim Beauftragten des Führers für die Oberwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen

Schulung und Erziehung der N S D A P. Zugleich amtliche Zeitschrift der Ämter Feierabend und
Deutsches Volksbildungswerk in der NS·Gemeinschaft "Kraft durch Freude"

• •
emelnsc tszeitsc
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für die Dauer des Krieges vereinigt aus


A F

"Die Musik" "Zeitschrift für Musik"


110. Jahrgana
35. Johrgong
Gegründet 1834 van Robert Schumann
• •

Max Hesses Verlag, 8erlin Gustav Bosse Verlag, Regensburg


"Allgemeine Musikzeitung" "Neues Musikblatt"


,
•.. 22. Jahrgang
70. Johrgang

Breitkopf & Härtel/leipzig B. S eh 0 t t s S ö h n e, Mai n z

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Heft 1 1943 April/Mai

Ge s eh ä f t 5 S tell e: "Musik im Kriege", Berlin-Halensee, Joachim-friedridtsuoße 38


Soeben erschienen

Op.51 WALTER ABENDROTH


• DREI LIEDER,op. 2 für eine mittl ... Singsrimme und !(I~vier
SECHS STUDIEN SchlinIe, warum weinesr Du i
Ich "me, Kiiu:rJ.in
für das Pianoforte Nun der Ubermüde Tag . RM 2.$0
Preis komplett RM 4. no. DREI LlEDER,op.) für eincSingstimme(AltoclerSariton u. Klav.}
Ich woll, zu Laod lusreisen
Die Uraufführung fand Im JO. März 1943 durch Wer weiß, wo Dom das Srünnlein quillt
Prof. Friednch W ü h r e r in Wien statt. Nädldich macht cl .. Herr die Rund'
•.. Die< Op. $ I uigt seinen Meister. wie gesagt. auf der Höhe DIVERTIMENTO op. S für Flöte und SralSche RM 1.50
seine~ Genies, "einer persönJidteo An, die uns wohl längst vtr-
traur ist. aber durdr den Reiz der Unmiudbarkeit immer aufs
neue feudt und be1.aubert. So ist auc:h durch das .. weite Heft
Pfitznersmer Klav,erstüc:k. die Sm.n.kammer d.. Instruments
HUGO RASCH
.... hrhll< bereic:hert worden. . . . (.. Dresdner Anzeiger") zum 70. GeburtH"g des KomponiSten
..• Die .,sec:h. Studien für da. Pianofott., Op. $ t" .rnd eia DREI GEDICHTE
überaus .dlön.. Werk. voll blühender Roman"k und Lyrik, ein von Wllhelm Busch füt Gesang und Klavier op. 1! RM 3.-
edlter. reifer Plitzner I Jed .. der .ed!s Stüc:ke trilgt ein eigen.. im Programm VOD Kammersänger R. Boc:kelmann
• Gepräge, h.t seieen b.. onderen Zaub~r I sq,wun~volle ~e ...egu,!g,
~.m.,.".n. H~ltung. "pan. harmom,me und klanghdle WIt- und W. Domgraf"Faßbender
Irunsen. kühne Mclodiebogen, reizvoll. tedlOisdle Figut<fl lösen
eidand.r ie buOter und sinnvoll".rWeis. ab. In der be~lüc:keaden
Rundung und Gesmlos.enheit d .. G.samtwerkc, offenbart sich HERMANN ZILCHER
die ordnend. Meisterhand s.ine. Sdlöpfers..... DUETT fUr Violine und C.llo op. 89 •..• • RM 1.S0
(.. W.,tfälism. Landeszeitung, Dortrnuod") KONZERT 'ür VIolIn. und Orchester op. 9'
KlaYierauszug . . . . . • . . . . . . . . . . • . • . . • • RM 6.-
Verlag für alle Länder: (Uraufgeführt .,on Staatsrat Dr. W. Furrwiingler)

JOHANNES ..
Bedin-Grunewald 'W,fLLY MULLER
Erdener Straße 8 • Süddeutscher Musikverlag, Heide/berg

I

Neue Orchesterwerke
• •
J0 H. S E 8. 8 ACH
GERHARD STREC Orgeltoccata d-moll für großes Orchester
Orchester-Suite Nr. 2 von Alois Me I i ch 0 r
Aufführungen
Aufführungsdauer ca. Xl Min. in Magdeburg, Berlin, Stettin, München, Barcelona

J0 H. SES. B ACH
Sarabande a. d. eng!. Suite Nr. 2 für Streicharchester
. H NS BULLERI N von Georg Kr a m m
"Arablsche Märchen l i Gavottea. d. engl. SuiteNr. 3 fürStreichorchesteru. Oboe
(Sinfonische Bilder für Orchester) von Georg Kram m

Aufführungsdauer ca. 1 f Min. FRIEDRICH DER G ROSSE


Ouvertüre zum Schäferspiel "JI re pastore"
für 2 Oboen, 2 Hörner und Streicher
ULRICH SOMMERLATTE herausgegeben von G. Erb s
"Festllcher Aufruf l l FRIEDRICH SIEBERT ,
• •
AufHihrungsdauer ca. I IMin. Heldisches Vorspiel für großes Orchester
Dauer ca 5 Minuten
Material ~u allen Werken leihweise CURT MORITZ
Preise nach Vereinbarung legende - großes Orchester - Dauer ca 11 Minuten
Zu beziehen durch alle Musikalienhandluogen Partitur u. Stimmen leihweise I Preis nach Vereinbarung
Zu bedehen durch alle Musikalienhandlungen
oder direkt von
Kawi-Verlag Karl Wi
lCommandl..... II.ch.ft Heinrichshofen's Verlag / Magdeburg


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Organ des Amtes Musik .


beim Beauftragten des Führers für die Oberwachung der gesamten gen
anschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP. SU."\T-
Zugleich amtliche Musi der Ämter Feierabend und Deutsches
.,Kraft durch Freude"
Amtliches Mitteilu\1gsblott de. Musikreferoh Im Kulturamt der Rerdlutudentenführung.
; .
Herausgeber u. Hauptsc:nriftleiter Dr. phil. habil. Herbe rf Ge r i g k, stellv. Haupbchriftleiter Gustav Bosse
o


An unsere Leser.
Im Zuge der Maßnahmen der totalen Kriegsführung sind auf behördliche Anordnung mit
Wirkung vom 1. April die Zeitschriften ,,0 i eMu s i k", "Z ei t s eh r i i t für Mus i k", "A 11-
g e m ein eMu s i k z e i tun g" und "N e u e s Mus i k b I a t t'e für Kriegsdauer zu einer Ge-
meinschaftszeitschrift zusammengelegt, die den Titel "M u s i k i m Kr i e g e" fÜhrt und alle
zwei Monate erscheint. Diese einschneidende Maßnahme hat eine Vereinfachung der Herstel-
lung, also eine Einsparung an Arbeitskraft und Material zur Folge (die der totalen Kriegs-
führung nutzbar gemacht werden können), ohne daß unser gerade im Kriege so besonders
aktives Musikleben eine fühlbare Einbuße erleidet.
Unsere Leser werden weiterhin alles Wichtige.. finden, wenn auch manches in der Eigenart
der einzelnen Zeitschrift begriindete zunächst vielleicht zurücktreten muß.
Die Gestaltung des Inhalts soll von den Forderungen der Zeit abhängig gemacht werden.
Oberstes Ziel ist auch hier, daß ein Beitrag zur Stärkung der inneren Front und zur Errin-
gung des Endsieges geleistet wird.
Die Werte unserer Kultur sind ein wesentlicher Teil desseJ;l, wofür heute gekämpft wird. •
Unsere Aufgabe ist es, auf unserem Fachgebiet diese Werte in ihrem ganzen Umkreis durch
das darstellende Wort immer neu in das klare Bewußtsein treten zu lassen. Das geschieht in
Beiträgen geschichtlicher und aktueller Art und darin vor allem durch den Hinweis auf die
schöpferischen Persönlichkeiten unserer und früherer Zeit. Das große Erbe der Vergangenheit
einerseits die Auseinandersetzung mit diesem Erbe und dessen Mehrung durch lJnsere
Generation 'andererseits: das sind die Pole, zwischen denen sich unsere Arbeit bewegt.
Unsere Aufgabe ist es aber auch, das praktische Musikleben in allen seinen Erscheinungs-
formen zu spiegeln, wie es uns in Oper, Konzert, Truppenbetreuung, Ballett, Funk, Film,
Schallplatte und nicht zuletzt in den Feiern Wir haben es nicht nur wie ein
Spiegel zu reflektieren sondern zugleich durch eine fundierte weltanschauliche Betrachtung
pflegerisch zu betreuen.
Besondere Sorge gilt dem Buch und den neu erscheinenden Noten. Die Beurteilungen der
Musikliteratur erfolgen im Einvernehmen mit dem Hauptlektorat Musik im Hauptamt Schrift-
tum der Dienststelle des Reichsleiters Rosenberg.
Es wird unumgänglich sein, daß unsere Leser mehr noch als bisher Anregungen, Vorschläge
und Hinweise an uns herantragen, daß sie uns Mitteilungen von bemerkenswerten Musik-
ereignissen machen, die der Schrütleitung sonst vielleicht entgehen könnten, wobei wir be-
sonderen Wert auf eine Verbindung zu den Männel'll der Front legen.
Die Mitarbeiter werden der veränderten Situation durch äußerste Konzentration ihrer Bei-
träge Rechnung tragen müssen. Alles im Hinblick auf die vorstehend umrissene Aufgabe
Unwichtige muß sonst herausgestrichen werden. Vor allem hat sich das Berichtswesen auf die
große Zahl der zu berücksichtigenden Orte und Ereignisse einzusteHen, woraus sich von selbst
die Umfangsbeschränkung für das einzelne Referat ergibt.
Im Dienste der deutschen Musik beizutragen ;l:ur Verwirklichung des großen Reiches der
Deutschen, des Reiches des Führers. das soll unsere Verpflichtung sein I
HeToeTt Gerig'k. 1
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100 Jahre leipziger Konservatorium.

• Von ETnst HeTTmann, Leipzig.


Die Gründung des ConseTvatoTiums deT Mu- schen Ausbildungswesens für die musikalische
sik zu Leipzig am 2. April 1843 ist in dam~li- Erziehung des jugendlichen Nachwuchse!, Sor-
ger Zeit als Ereignis gewertet w:orde:r;t. "Leip- ge tragen wollte. Italien gebührt hierm der
• zlg ist eben auf dem Punkte, sich eme neue Vorrang, schon im 17. und 18. Jahrhundert
Zierde zu schaffen. Ein Conservatorium der Gesangschulen von hoher Bedeutung geschaf-
Musik wird errichtet. Rasch folgen sich in dem fen zu haben. Noch unmittelbarere Vorbilder
letzten Jahrzehnt gemeinnützige Unterneh- gewähren die 1811 in Prag eröffnete "lnstru-
mungen. Welcher andere so kurze Zeitraum mental- und Gesangschule" und die im Jahre
hätte je eine so nach allen Richtungen hinaus- 1821 zu einem "Konservatorium" umgebild~te
strahlende Tatkraft in sich gefaßt? Leipzig ist Musikschule in Wien·), ohne auf den Ausbil-
unfehlbar ein zur Errichtung einer Musik- dungscharakter des jungen Leipziger Musik-
schule geeigneter Ort, wie irgend einer. Der instituts von besonderem Einfluß geworden zu
Ehrenplatz, den unsere Stadt in Hinsicht auf sein. In Deutschland lagen die musikalischen
hohen Grad der Kunst- und Geschmackbil- Verhältnisse doch wesentlich anders als in Ita-
dung selbst den größten Städten Deutschlands lien Böhmen und österreich. Bestimmten dort
gegenüber e' . t, und die Namen der Cho~ und Oper in erster Linie das Ausbil-
Künstler, welche uns angehören und die be- dungswesen der "Gesang- und Instrumental-
reits an dem neUen Institute mitzuwirken be- schulen" so waren in Deutschland die eigent-
rufen sind, bürgen dafür." So berichtet das lichen T'räger der Musikkultur die allgemei-
"Leipziger Tageblatt" vom 23. Januar 1843. nen Schulen, die Stadtpfeifereien, die Semi-
Der Berichterstatter hat recht behalten. Als nare, die gymnasien, die Universitäten, in
"Zierde" ist das Konservatorium längst in die . deren Lehrplänen, von Staat und Wirtschaft
Geschichte der Stadt Leipzig eingegangen, abhängig, von der Persönlichkeit des betref-
• seine Bedeutlmg als Kunstinstitut mit der für fenden Lehrers bestimmt, ein mehr oder we-
Deutschland erstmaligen Zusammenfassung al- niger großer Einfluß auf die Ausbildungsmög-
ler musikpädagogischen Kräfte hat es vor der lichkeit für die heranwachsende Jugend zum
Welt bewiesen, die geeignete Lage der Musik- Ausdruck kam. Der Privatunterricht spielte
I
I stqdt Leipzig ist für die "hinausstrahlende Tat- dabei nach wie vor die Rolle der einzig mög-
, kraft" des neuen Instituts, vom Mittelpunkt lichen Unterrichtsform für den zukünftigen
aus über die Grenzen des deutschen Vaterlan- Musiker. Die Frage nach einem geregelten,
des hinweg, von hohem Wert gewesen, als vielseitigen, eigentlichen Studium haben in
dritter, bedeutender Faktor des Leipziger Mu- dieser Zeit nur wenige Musiker erschöpfend
siklebens hat es bis heute neben ThomaneT- beantworten können. Aus den verschiedensten
chor und Gewandhaus zum Ruhme der Mu- Fakultäten ging die Jugend zum Kiinstler-
sikstadt seinen Teil beigetragen. beruf über, der Lehrer- und Kantorenstand
Als ConseTvatorium der Musik hat es nach bildete bei weitem die meisten Musiker heran.
I uralten Grundsätzen, die in Italiens gleich- Von "Wegen" und "Zielen:' als Ausrichtung
namigen, hochberühmten Ausbildungsstätten für einen streng durchdachten Lehrgang ist
der Zeit geläufig waren, seinen Weg begon- kaum die Rede, die Romantik glaubt dazu, daß
nen, als königliches Conservatorium erwarb der Künstlerberuf allein schon durch die Be-
es 1876 die Anerkennung des Herrscherhauses gabung vorgezeichnet sei.
der Wettiner, dessen Könige häufig durch Wie weit aber die romantische Geistesrich-
ihre Anwesenheit höchstes Interesse an der tung, die im wesentlichen zutiefst mit der Ver-
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Entwickl ng des neuen Instituts bezeugten, gangenheit verankert ist, auch für die Gegen-
als Landeskonservatorium trat es nach dem wart zum Segen werden kann, zeigt die spon-
Weltkriege in Erschein1l ng, ausgezeichnet vor tan handelnde, phantasiereiche Persönlichkeit
anderen Konservatorien des Landes Sachsen. Robert SChumanns, der das erlösende Wort
Mit dex: Ernennung zur Staatlichen Hochschule findet und damit alte, längst vertraute Pfade

fü,T Musik durch den Herrn Reichsminister für aufsucht, um sich allen Menschen verständ-
Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung am lieh zu machen. Um 1600 hatte es Caccini
8. .Juni 1941 hat es die höchste Erhebung seit getan in seiner- Eigen:;chaft als Sänger und Pä-
semem Bestehen gefunden. Die Stetigkeit sei- ~agoge, als Mitglied einer philosophisch orien-
• ner Entwicklung, der Weitblick führender berten "Camerata" i~ Florenz, wenn er vom
Persönlichkeiten, die Folgerichtigkeit aller Wesen der "neuen Musik" berichtet. Ein zwei-
Maßnahmen, nach den jeweiligen Geistesströ- tes Mal war aus dem Durcheinander von deut-
mungen der Zeit ausgerichtet, haben das End- schem Lied und italienischer Arie um die Mit-
ziel verwirklichen lassen.
Das Ereignis, von dem die Zeit der Grün- te des J:8. Jahrhunderts ein notwendiges Theo-
~ung er~!])~ ist, find~t seine tiefe Begründung . *) .Vergl. Arnold Schering: "Das öffentliche Mu-
10 der volhg neuartigen Ausrichtung des 1n- sikblldllngswesen in Deutschland bis zur GrUn-
stituts, das nunmehr als geschlossenes Ganzes dung des Leipziger Konservatoriums" in der Fest-
2 zum ersten Male in der Geschichte des deut- schrift zum 75jährigen Bestehen des KönigliChen
Konservatoriums der Musik zu Leipzig 1918.
-
,I •

retisieren entstanden, das in Wort und Schrift Wichtigkeit für eine umfaSsende Ausbildung
für die Erneuerung einer der wichtigsten Gat- des zukünftigen Musikerstandes, wird im Zeit-
tungen unseres deutschen Musiklebens, für die alter der Romantik hier in Leipzig, zum ersten
Gestaltung des deutschen Liedes eintrat. Das Male in Deutschland, richtig gesehen und für
Verdienst der "Berliner Liederschule" ist in das ganze 19. Jahrhundert durch das Konser-
diesem Zusammenhange unvergänglich. In Ro- vatorium ' grundsätzlich formuliert. Hiermit
ben Schumann offenbart sich zum dritten Male beginnt eine neue, verheißungsvolle Zeit mu-
in der Geschichte der Musik die Kraft des sikpädagogischer Maßnahmen.
Wortes, das in seiner "Neuen Zeitschrift für Die Vorläufer des neuen Leipziger In.stituts
Musik" den Sinn des Kampfes gegen "welsche innerhalb Deutschlands lassen in ihren päda-
Kunst", gegen jede Unnatur, gegen Nur-Vir- gogischen Grundsätzen zwei Hauptrichtungen
tuosität, gegen die artistische Geschmacksrich- erkennen. Auf dem Boden des Schulgesangs,
tung der Kalkbrenner, Hiinten und anderer um die Schaffung eines wahrhaft nationalen
verwandter Zeitgenossen eindringlich verständ- Liedgutes bemüht, hat sich Johann Adam Hil-
lich macht. Und dies alles nur aus dem einen ler das Verdienst erworben, dqrch eine Ge-
Grunde, allen Menschen ein Führer durch das sangschule zur Hebung deutschen Gesanges
verständlichere Wort zu sein, in dem Glau- beigetragen zu haben. Sein Eintreten für das
ben, daß seine Musik allein es nicht vermöch- deutsche Singspiel ist auf dem gleichen Boden
te, in weiten Kreisen tiefe Wirkung und Bes- entstanden. Es sind dieselben machtvollen Be-
serung des allgemeinen Geschmacks zu erzie- strebungen, wie sie Herder mit seinen "Stim- •
len. Dieser Vorkämpfer und Idealist, dieser men der Völ.ker" beseelten, Goethe in seiner
feinsinnigste deutsche Romantiker war einer Lyrik erfüllten: das deutsche Lied, das Volks-
der ersten, wegweisenden Lehrer des neuen lied "als Bildungsgut für das deutsche Volk
Leipziger Konservatoriums, mit ihm zusam- heranzuziehen. Es erwuchs daraus die Er-
men der Thomaskantor Moritz Hauptmann, kenntnis, daß .die italienische Arie ungeeignet
der Thomasorganist Christian August Pohlenz, für die Formung nationalen Bewußtseins blei-
der Organist der Nicolaikirche Carl Ferdinand ben müsse. Johann Abraham Peter Schulz ant-
Becker. Im Laufe der ersten 25 Jahre traten wortete sinngemäß mit seinen "Liedern im
Niels W. Gade, Julius Rietz, vorübergehend Volkston", die erzieherischen Grundzüge J;>e:.
Clara Schumann, Carl Reinecke, Ferdinand stalozzis und Rousseaus fanden Eingang in die •
Wenzel, Theodor Coccius, Ernst Friedrich deutsche Schule. Zum ersten Male wird hier
Richter, Robert Papperitz, Engelbert Rönt- sogar der Gedanke wach, die musikalische
gen, Friedrich Bermann, Emil Hegar und - Ausbildung mit den ' Mitteln de~ Staates zu
Franz Brendel als Lehrer hinzu. fördern, wobei Grundsätze des Altertums,
Die hinreißenden Worte..des Erzromantikers durch den Humanismus lebendig erhalt.en, in •
Schumann entsprachen vollkommen den grUnd- ein neues Licht gerückt werden. Die Ml1Sik-
legenden Forderungen des jungen Kunstinsti- pflege und die damit eng zusamnienhängende
tuts. Zum ersten Male werden Begriffe leben- musikalische Bildung werden damit neu als
dig, die vom neuen Sinn der Musikübung, vom Grundlage für die sittliche Bildung des gesam-
Wert der Ausbildung, von der grundlegenden ten Volkes erachtet.
Frage nach Begabung erfüllt sind. Lehrplan, Die andere Form einer musikalischen Bild-
Zielsetzung, Wegbahnung, Förderung der Be- dung schuf der Dessauer Hofkapellmeister
gabung, Freistellen ein neuer Geist spricht Friedrich Schneider, der als bedeutende Per-
aus diesen Idealmaßnahmen, die so recht die sönlichkeit der Zeit eine große Zahl von Schü-
leidenschaftlichen Bildungsbestrebungen der lern um sich sammelte und schließlich seit
Zeit erkennen lassen. Die GrÜndung des Leip- 1829 in dem von ihm selbst begriindeten "Theo-
ziger Konservatoriums wird geradezu als so- retisch-praktischen Musikinstitut" lehrte, wo-
.ziale Tat auf dem Gebiete des ges~mten deut- bei die Komposition stark im Gesamtplan in •

schen Ausbildungswesens empfunden. So wird den Vordergrund rückte. Der private Charak-
das Ereignis, von dem der Rezensent im Jahre ter diese& neuartig~n Instituts und zugleich
1843 berichtet, immer mehr verständlich, denn der neue Geist der Leipziger Gründung hat
in den Grundzügen des neuzeitlichen Lehr- das Institut Friedrich Schneiders nicht zur
plans offenbaren sich von vornherein auch die Entwicklung kommen lassen.
ideellen Güter in der Ausbildungsfrage und Das neue Leipziger Institut hat demgegen-
deuten damit auf eine grundsätzliche Umwand- über den Vorzug gehabt, von Anfang an Ge-
bmg des bisher üblichen Unterrichtswesens fahren und notwendige Forderungen einer
I
hin. Die Jugend sieht den Werdegang eines musikalischen Ausbildung richtig erkannt zu
Künstlers fester umrissen, erkennt den Wert haben, und dazu das Glück, sich von den Be-
eines plan vollen, von hervorragenden Päda- hörden der Zeit gefördert zu sehen. In der
f gogen überwachten Ausbildungsweges, faßt Pflege des nationalen, sittlichen Gutes des
Vertrauen zu einer Ausbildungsform, die Re- Liedes sah es in Erinnerung an Joh. Ad. HU-
gel und Gesetzmäßigkeit vorzeigt und zum Er- ler von vornherein die besondere Bedeutung
folge im schwierigen Dasein des KÜnstler- der Gesangskunst. Die einseitigen Maßnahmen •
berufs führen kann. Die Zusammenfassung Schneiders wurden gebannt und zukunftwei-
l
• der wahrhaft wichtigen Bildungsfächer, ihre send auf eine allgemeine, fachliche Ausbil-

a

dung ausgeweitet. Die früher noch immer in Orchestern der Welt nahmen, dessen Organi-
erster Linie auf die Bildung der Kantoren und sten und Pianisten den Ruhm des Instituts
Organisten hinzielenden pädagogischen Maß- ausgemacht haben. Der sensatione~e Erf?lg
nahmen wurden auf ein großes Gesamtstreben des Gesamtunternehmens dokumentierte Sich
verdichtet, das mit seinem neuen Ausbildungs- in der Gründung ungezählter neuer Institute
system allen Aufgaben im Musikleben der Zeit ähnlichen Charakters, von denen . München
Rechnung tragen sollte. Das Leipziger Kon- 1846, Berlin 1850, Dresdep. 1856, Stuttgart 1856,
servatorium hat damit in kluger Voraussicht Frankfurt a. Main 1868, Weimar 1872, Ham-
auf eine Entwicklungsmöglichkeit einen Weg burg 1873, WÜtzburg 1875, Sondershausen 1881,
beschritten, der eine nicht hoch genug anzu- Karlsruhe 1884 entstanden sind.
schlagende Bedeutung für die Erziehung der Die Zahl der Schiller am Konservatorium zu
musikalischen Jugend nach sich gezogen hat. Leipzig stieg von 63 im Griindungsjahr auf
Von hier aus ging die Ausstrahlung durch das 6166 nach Ablauf des 50. Jahres, auf 12571
ganze 19. Jahrhundert hindurch in alle Teile nach Beendigung von 75 Jahren. Die Zahl von
des deutschen Vaterlandes und über seine 18 000 ist seitdem bei weitem überschritten.
Grenzen hinaus. Die Richtigkeit der Leipziger Von den Lehrern, die den Ruhm des Instituts
Maßnahmen war damit vollgültig erwiesen. begründet, gewahrt \lnd gemehrt haben, mö-
Der Zug zur umfassenden musikalischen Bil- gen außer den oben genannten die Namen der
dung tritt gerade hier besonders eindringlich bekanntesten angeführt werden: Friedrich Her-
in Erscheinung. Die einseitige Zweckausbil- mann, Carl Reinecke, Emil Hegar, Hermann
dung weicht dem Ideal einer Universalität, die Kretzschmar, Wilhelm Rust, Julius Klengel,
für jeden musikalischen Künstlerberuf das Adolf Brodsky, Hans Sitt, Hans Becker, Adolf
technische und geistige Fundament zu erbrin- Ruthardt, Gustav Schreck, Arno Hilf, Marie
gen sucht unter Berücksichtigung allgemeiner Hedmondt, Alfred Reisenauer, Arthur Nikisch,
Bildung durch Kenntnisse der Geschichte, der Stefan Krehl, Josef Pembaur, Arthur SeidI,
• musikalischen Form, der Aesthetik. Folgende Max Reger, Karl Straube, Arnold Schering,
, Fächer sind von Anfang an geplant, schon nach Gustav Havemann, Paul Graener, C. A. Mar-
wenigen Jahren erweitert: Komposition, Violino... tienssen, Sigfrid Karg-EIert, Elena Gerhardt,
spiel, Klavierspiel, OrgeIspiel und Gesang. Karl Hoyer, Friedrich Högner; Max Pauer,
Wissenschaftliche Vorträge über Geschichte Robert Teichmüller.
der Musik, Übungen im Zusammenspiel, Chor- Aus der unübersehbaren Reihe der Schüler
gesang u. a. Mit diesen Fächern hat der mo- seien folgende Namen genannt: Conrad An-
derne, dem Fachmusiker jeder Kunstrichtung sorge, Wilbelm Backhaus, Woldemar Bargiel,
gerecht werdende, wahrhaftige und mühevolle Felix Berber, Katharina Bosch-Möckel, Max
Ausbildungsgang begonnen. Fiedler, Gertrude Foerstel, Edvard Grieg, Paul
Daß das 19. Jahrhundert mit seinen immer Grummer, Joseph Haas, Friedrich Hegar, Fritz
mehr anwachsenden Forderungen an die Be- Heitmann, Franz von Holstein, Hans Huber,
herrschtmg jedes einzelnen Instruments das Gerhard v. Keußler, Theodor Kirchner, Franz
Ideal der anfänglich mit Recht begründeten KonwitschnYl Karl Muck, Walter Niemann,
gesanglichen Allgemeinausbildung nicht in al- Mitja Nikisch, Christian Palmer, Rudolf Ra-
len Fällen aufrecht erhalten konnte, ist durch decke, E. von Reznicek, Hugo Riemann, Oth-
den herrschenden Zeitgeist offensichtlich be- mar Schoeck, Georg Schumann, Christian Sin-
günstigt worden. Die Sorge um einen geschul- ding, Fritz Stein, Fritz und Emil Steinbach,
ten Künstlernachwuchs für die bestehenden Hermann Suter, Joh. Severin Svendsen, Kurt
Orchester, für die Gründung neuer Konzert- Thomas, Felix Weingartner, August Wilhelmy.
unternehmungen hat der Ausrichtung des In- So groß die Zeit des Virtuosenzeitalters auch
stituts selbstverständlich den Weg gewiesen. in seinen Einzelerscheinungen gewesen sein
Zudem war das Vorbild Liszts und Paganinis mag, gegen Ende des 1'9. Jahrhunderts bereits
zu lnitreißend für die musikalische Jugend, fehlte es nicht an Stimmen, die beim weite-
I
als daß sie zu allen Zeiten den tiefen Sinn der ren Fortg~ng des herrschenden Ausbildungs-
großen, allgemeinen Ausbildung hätte erfas... systems die Gefahren der Einseitigkeit wohl
sen können. Die völlige Beherrschung des Ein- bemerkt hatten. Man war vom begonnenen
zelinstruments mußte sich nnter der zwingen- Wege, der nach Universalität strebte recht
den Gewalt des Virtuosenzeitalters als das weit abgekommen. Eine Schuld kon~te nie-
höchste. erstrebenswerte Endziel für den Stu- mandem beigemessen werden die Verhältnisse
dierenden herausentwickeln. Das Institut sah waren ~~ärker als alle Vo~sichtsmaßregeln.
den neuen Weg nut klarem Blick, die fachliche Dazu blühte das Ko servatorium wie nie zu-
Ausbildung wurde für Jahrzehnte in den Vor- vor. Da kam der W tkrleg mit seinen Folgen
dergrund gestellt. Im ganzen 19. Jahrhundert lind 2:wang zum Besinnen, zum rüfen
hat kein Institut in Deutschland einen Erfolg der großen Vergangenheit. .
aufzuweisen, wie ihn das Leipziger Konserva- Ein besonders eindrucksvolles Bild vom
torium, die "Leipziger Schule", davongetragen Wes~n der jeweiligen Erziehungsmaßnahmen
hat, dessen Geiger und Cellisten, dessen Flö- gewahren stet~. die Fä~her, das Bevorzugen
tisten, Fagottisten, Oboisten, Klarinettisten und u~d Zurückdrangen emzelner Fachgruppen,
4 Horuisten den . Weg zu den internationalen die Stellung des Hauptfaches innerhalb der

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anderen Fächer, die Wertschätzung der Ne- blick ~rschienen Zweifel, ob diese gewaltige
benfächer von seiten der Studierenden, die Anzahl der Ausbildll ngsfächer überhaupt be-
Vermehrung oder Verminderung der Gesamt- wältigt werden könnte. Und welche Erfolge
zahl der allgemeinbildenden Fächer. Die Art sind schließlich durch diese Universalität er-
der Wertung der Fächer spiegelt ohne Frage zielt wordenl Viele Fächer leben heute als
den herrschenden Zeitgeist wider. Zu allen wichtige Teile der Gesamtausbildllng im Lehr-
Zeiten ist die Bede\.ltung des Faches das plan der Hochschule.
Hauptfach nicht einbezogen wandelbar. Das Zu gleicher Zeit etwa (1924) traten auch die
liegt an der Freizügigkeit der Entwicklung Prüfungskandidaten des höheren Lehramts in
eines Kunstinstituts, das um die Jahrhundert- nähere Verbindung mit dem Landeskonserva-
wende in erster Linie eine Berufsausbildung torium. Auch hier machten sich die gleichen

pflegte und häufig für die virtuose Entwick- Bestrebungen fühlbar gegenüber dem fa-
lung des Einzelnen die anderen Fächer schein- kultativen Besuch einiger Fächer in früheren
bar unbemerkt l.md doch bemerkt zurücktre- - Zeiten durch Pflichtsemester eine umfas-
tell ließ. Die alten Gesangschulen hatten mit sende und vertiefte musikalische Ausbildung
der allgemeinen Ausbildung keine Schwierig- herbeizuführen.
keiten, denn sie stellten ja keine rein musika- Dabei stand das Landeskonservatorium, dem
lischen Ausbildungsstätten dar, die Musik bil- Charakter nach längst zur Hochschule gewor-
dete nur einen Teil der Gesamtausbildung. den, mit .seinen künstlerischen Leistungen
An einem Konservatorium sind dagegen Stu-
dierende verschiedenster Ausbildungsfertig- mitten im LeipzigeT Musikleben. Walther Da-
keit, unterschiedlichster Allgemeinbild1!ng ne- visson bewährte seine Kunst der äußersten •
beneinander tätig. Was dem einen 'selbstver- Disziplinierung des Orchesterkörpers mit hin-
ständliche Begriffe sind, muß der andere mit reißendem Schwung in unvergeßlichen Auf-
Mühe erarbeiten. Gerade die Zeit nach dem führungen und romantischer Gip-
Weltkriege hat hierin eine durchgreifende felwerke bis zmn Erlebnis der Erstaufführung
Wandlung in der allgemeinen Ausbildung ent- von Joh. Nep. Davids Partita. Die alljähr-
stehen lassen in der einfachen Erkenntnis, daß lichen Opernaufführungen brachten Werke des
der einst beschrittene Weg zur Universalität 18. und 19. Jahrhunderts in einer nicht mehr
der einzig richtige gewesen war und möglichst überbietbaren Ausfeilung, bei der die jugend-
bald wieder von neuem betreten werden müsse. lichen Darsteller und Mitwirkenden ein be-
So wurde wieder einmal gerade eine Richtung sonders beglückendes Gesamterlebnis vermit-
für die Ausbildung maßgebend, die um die telten. Es ist bezeichnend für die verschie-
Vertiefung der Kenntnisse auf allen Gebieten denartigen Geistesströmll ngen in der Musik-
der Musik nachsuchte. kultur, daß gerade der Chor innerhalb der
letzten 25 Jahre von besonderer Bedeutung
Die alte Organisten ausbildung macht mit für die allgemeine Bildung des jungen Musi-
ihrer Verankerung mit dem höchsten Gut, das kers geworden ist, oder, wie man mit Recht
die deutsche Kunst mit aufzuzeigen hat, folge- sagen kann, sein altes Kulturgut mit erhöhter
richtig den Anfang zu einer neuen grund- Eindringlichkeit in den Vordergrund des all-
legenden Schulung des zukünftigen Musikers. gemeinen Interesses gerückt ist. Das Spezial-
Die von dem Thomasorganisten (;arl Piutti im studium eines Instruments verlangte früher
Jahre 1901 geplante "Organistenschule" ge- oft ein Umgehen des allgemeinen Musizierens,
langte durch den Tod Piuttis (1902) nicht zur die heutige, vertiefte Allgemeinbildung for-
Entwicklung. Auch die in Aussicht genom- dert gemeinsames Musizieren. So wirken heute
mene ,){irchenmusikalische Leh'T'anstaZt" unter die Studierenden aller Fa{:hgruppen mit und
Leitung des Thomaskantors Gustav Schreck, ermöglichen dem einzjgartigen Chol'leiter Jo-
an der Stefan Krehl, Arnold Schering und hann Nepomuk David Darbietungen aus deI'
Martin Seydel ihre Mitwirkung zugesagt hat- bedeutsamen Geschichte des Chorwesens bis
ten, fiel dem Weltkriege zum Opfer. zu Werken von Brahms, Bruckner und Richard
Alle diese Versuche und Pläne noch einmal Strauß, bis zur vollendeten Aus1egung eige-
unter schwierigsten Verhältnissen aufgegrif- ner Schöpfungen.
fen, sie zusammengefaßt und in einem Lehr- Damit aber sind wir bei der Hochschule an-
• plan sondergleichen fOlmuliert zu haben, ist gelangt, dem Sinnbild universaler Ausbildung.
die richtunggebende Tat des Thomaskantors Am 8. Juni 1941 erhob der Herr Reichsnrini-
Ka'T'Z StTaube gewesen, der im Jahre 1925 das ster 'für Wissenschaft, Erziehung und Volks-
"Kirchenmusikalische Institut" am Landeskon- bildung das "Landeskonservatorium" zur Staat-
servatorium in das Leben rief und zu unge- lichen Hochschule für Musik. Die Führung hat

ahnter Entwicklung brachte. Hier wurde noch- Johann Nepomuk David übernommen und da-
einmal der Sinn der Ausbildung sondiert, die mit zum ersten Male seit der Gründung des
I Fächer in ihrem Wert von neuem erkannt, Instituts auch die Einbeziehung anderer Hoch-
Haupt- und Nebenfächer sorgsam abgewogen, schulabtellungen. Der Grundsatz: ,,Die Hoch-
die allgemeine Ausbildung des Musikers als schule bezweckt die berufliche Ausbildung in
selbstverständliche Forderung aufgestellt. Zu allen Fächern der Tonkunst, der Musikerzie-
den früher am Landeskonservatoriulü beste- hung und der dramatischen KUDst" fordert
henden Fachern traten neue hinzu. Im Augen- die Leitung der folgenden Gliederungen in- 5


• •
nerhalb der Hochschule: 1. Hochschule für Mu- zogen oder ihr Studium fortse~zten, rüsten
I sik, 2. Hochschule für Musikerziehung, 3. ~och­ sich wieder zur Rückkehr an dIe Front, uz.n
schule für dramatische Kunst, 4. Angeglieder- unser Vaterland zu schützen. Wir in der H.~l­
te Institute (Musikschule für Jugend und Volk mat wollen mit erneuter Hingabe unsere Kräf-
u. a.). J te sammeln und sie für unsere Hochschule zur
Ein Plan von gewaltigen Ausmaß~n. 0- Verfügung halten. Möge der Frieden alle Pl~ne
hann Nepomuk David wird ?as Ins~ltut auc~ zur Ausreifung bringen und unsere aus hef-
durch die ernste Zeit des Kneges führen, mrt stem Herzen konunenden Wünsche in Erfül-
derselben Tatkraft, wie er sie in seinem schöp- lung gehen lassen, die uns am hundertsten G:-
ferischen Wirken längst bewiesen hat. _ burtstage des ehrwürdigen, berühmten Insti-
Unsere Fronturlauber, die sich nach mehr- tuts beseelen!
jähriger Abwesenheit einer Prüfung unter-

Res severa verum gaudium.


200 Jahre Leipziger Gewandhauskonzerte.
, Von Julius Goetz, Leipzig.

Auf dem Giebel des Leipziger Gewandhau- her unter der künstlerischen Obhut Johann
ses steht. als Bekenntnis und Verheißung die Sebastian Bachs gewirkt hatte, stützte sie sich

Spruchweisheit des jüngeren Seneca "Res se- auf einen festen Kreis von Hörern, die zur
vera verum gaudium" Nur die ernste Sache Bestreitung der Unkosten jeder jährlich 20 Ta-
, bringt wabre Freude. Es ist ein stolzes Wort, ler hinterlegen mußte. Auch die anfängliche
das auf das Erlebnis der Musik angewandt, Intimität des Zusammenkommens erschien ge-
Kunstler und Publikum zu ~iner idealistischen genüber den öffentlichen musikalischen Auf-
Haltung verpflichtet, die sich in Zeiten' kul- führungen studentischer Kreise als etwas
tureller Erschütterungen gegen alle zersetzen- Neues. Die Wohnung des Bergrates Schwab
den und auflösenden modischen Einflüsse zu in der Grimmischen Gasse war zunächst der
bewähren hat. Der 200jährige Bestand der Treffpunkt, dann, als dieser Raum sich als zu
Leipziger Gewandhauskonzerte, zu dere~ ein- eng erwies, siedelte die junge Musikgemeinde
zigartiger und in ihrer Gesamterschemung in das Haus Gleditzschs über.
'l durchaus gradliniger Entwicklung eine schon Die Besetzung des Orchesters liegt im Dun-
in fast mythische Beleuchtun.g gerückte mu- kel. Musikkunclige Studenten, erfahrene Stadt-
sikalische Veranstaltung am 11. März 1743 den pfeifer und vielleicht auch kunstbeflissene
ersten Antsoß gab, ist als historische Tatsache Bürger mögen mitgewirkt haben. Der Chro-
allein schon ein Beweis für die auf höhere nist begnügt sich mit der Feststellung "Die

Ziele gerichtete Regsamkeit des Leipziger Anzahl der Musizierenden waren gleichfalls
Bürgertums, das sich aus eigenem Antrieb 10 auserlesene Personen". Daß der Bach-
,. eine bodenständige musikalische Kultur auf- Schüler und spätere Thomaskantor Johann
baute, um sie von Generation zu Generation Friedrich Doles der Dirigent der ersten Kon-
bis in die Gegenwart zu tragen. zerte war, bezeugt er selbst in einer Bewer-
Keine fürstliche Gnade warf das erste Saat- bung um die Kantorenstelle der Stadt Frei-
• korn aus. Als an jenem denkwürdigen März- berg. Doch kann er nicht mit einem heutigen
tag der Leipziger Buchhändler, Erb-, Lehn- Orchesterführer verglichen werdeI;l. Er diri-
und Gerichtsherr Johann Friedrich Gleditzsch gierte noch vom Cembalo aus, soweit er nicht
mit 15 gleichgeSinnten -Personen adligen und nach dem damaligen Brauch dem Primgeiger
I bürgerlichen Standes den kühnen Entschluß . es war der Organist Johann Schneider von
verwirklichte, das "GToße Konzert" "anzu- der Nikolaikircbe die Leitung überließ.
I legen", stand hinter Cilieser tätigen Musik- Das wachsende Ansehen dieser "Kaufmanns_
begeisterung- nicht der Wunsch oder Befehl Konzerte" zieht den Kreis der Beteiligten
eines Landesherrn. Wcih.rend in deutschen schnell weiter. Schon aus - dem September
Residenzstädten der Hof aus ehrlichem Kunst- 1743, eil). halbes Jahr nach der Gründung,
bedürfnis, aus äußerlichen Standesrücksichten wird eine größere Aufführung mit Trompeten

oder Prunkliebe sich ein Musikleben schaffte, und Pauken überliefert} "wobei sich ein Kna-
kamen in Leipzig eine Anzahl Bürger, Kauf- be Von Zwölf J abren auf dem Klavicembalo in
leute wohl von Beruf und in ihrer Lebens- einem Konzert wohl hören ließ". Die Ver-
haltung echte Patrizier, auf den Gedanken, Pflichtung auswärtiger Solisten erweist eine
der von ihnen gepflegten Geselligkeit eine ge- solche Zugkraft, daß ein Monat später schon
si~h
hobenere und anregendere Form zu geben. der Saal des Rannischen Schießgrabens als
So schlossen sie zu einer Konzertgesell_ Konzertrallm benutzt wird. "Viele hiesige und
schaft zusammen, in der die in einzelnen fremde vornehme gräfliche, adlige und bür-
Leipziger Bürgerfamilien gepflegte Hausmusik gerliche Personen" bildeten das Publikum.
eine breitere Wirkungsform finden sollte. Zum ?och bleibt auch, als ein Jahr später der Saal
, ,
Unterschied von den bei den bestehenden Col- 1m.. Gasthaus zu den "Drey Schwanen" im
6 legia musica, Von denen eins einige Johre vor- Brühl das "Große KOMert" aufnimmt und
- •

mehr als drei Jahrzehnte lang von einem det im ersten Winter die sichere finanzielle
wegen seiner Vornehmheit gerühmten Publi- Grundlage. Res severa est verum gaudium -

kum aufgesucht wird, die äußere Form einer diese Sentenz, die schon die Stirnwand des
geschlossenen Gesellschaft erhalten. Nur er- wegen seiner idealen Akustik bald weltbe-
höht sich die Zahl der Zugehörigen. Den rühmten Saales schmückt, ist nun der Leit-
Gepflogenheiten des galanten Zeitalters ent- gedanke, von dem die Ausgestaltung des
sprechend konnte jedes Mitglied bei freiem anspruchsvollen, traditionsgebundenen kultu-
Eintritt beliebig viele "Frauenzimmer" mit- rellen Unternehmens in ihren markantesten
bringen. Großzügiger Leipziger Kaufmanns- Zügen bestimmt wird.

geist spricht aus der den von auswärts kom- Bis zum Ausgang des Konzertwinters 1784/
menden Kunstfreunden gewährten Vergünsti- 1785 ist Hiller Gewandhauskapellmeister und
gung, die zu den Konzert-Veranstaltungen macht seine unterschiedliche Aufgeschlossen-
gleichfalls freien Zugang haben. heit für das Tonschaffen großer und kleiner
Seine erste Blüte erlebt das "Große 'Kon- Meister aus Vergangenheit und Gegenwart
zert" mit dem Wirken Adam Hillers. Schon zur Richtschnur der von ihm ver-mittelten
der junge Rechtsstudent wirkt als Musikerlebnisse. Nach dem Weggang des er-
Flötist und verdienstlich mit. Nach sten Klassikers des deutschen Singspiels, der
den Unterbrechungen durch den siebenjähri- dann später als Thomaskantor noch einmal
gen Krieg nimmt der tatenfrohe Künstler die entscheidenden Einfluß auf das Leipziger
• abgerissenen Entwicklungsfäden auf und Musikleben gewinnt, überninuat J ohann Gott-
prägt den wieder ins Leben gerufenen regel- fried Schicht die kÜnstlerische Leitung. Sein
mäßigen Aufführungen als Dirigent seinen Wirken treibt die Musikpflege an den längst
Geschmack auf. Er verbessert das Orchester zu schöner Gewohnheit gewordenen traditio-
durch die Heranziehung 1;>esonders befähigter nellen Donnerstagen im Gewandhaus weiter in
Musiker. Er verleiht durch die dauernde Ver- ein Nachschaffen hinein, in dem sich der _Auf-
pflichtung zweier erstrangiger deutscher Sän- stieg der Musikgeschichte -zu den erhabeneh
gerinnen den Konzerten eine größere Leucht- Höhen klassischer Gefühlskraft und roman-
kraft. Und er gibt trotz mancher Einseitigkeit tischen Empfindungsreichtums bald auffallend
in der Werkauswahl durch seine lebendige zögernd, bald überraschend schnell abzeich- -
Programmgestaltung ' ein Beispiel, das von net. Unter Dirigenten, die in der liebevollen
einem zeitgenössischen Betrachter als vorbild- Wahrung vertrauten Musikgutes ihre wich-
lich für alle übrigen Konzerte in Deutschland tigste Aufgabe sehen, und Orchesterführern,
hingestellt wird. Daß Hiller, vermutlich we- die mit strahlender Musikalität sich für das
gen Unstimmigkeiten in der Zusammenarbeit Neue, unerhört Kühne und Große einsetzen,
mit der geschäftlichen DIrektion, die Leitung wächst das Leipziger Gewandhaus in seine
des "Großen Konzerts" niederlegt und nach tonangebende Stellung, verharrt dann wieder
dessen Schließung im Frühjahr 1778 in der in einer Zurückhaltung gegenüber aen stür-
von ihm gegründeten "Musikübenden Gesell- menden und drängenden zeitgenös;;ischen
schaft" die Ziele der plötzlich abgebrochenen Geistern, die seinen Ruhm fast in Gefahr
Tradition weiterverfolgt, ist von einem höhe- bringt, und ist und bleibt doch das öffent-
ren kulturgeschichtlichen Blickpunkt aus nur liche Forum, vor dem Komponisten und aus-
als eine Atempause anzusehen, als ein Kräfte- übende Musiker ihre Probe bestanden haben
sammeln zu einem neuen, noch weitergreifen- müssen, wenn sie im deutschen Musikleben
den Aufschwung tätiger bürgerlicher Musik- uneingeschränkte Geltung haben wollen. Das
freudigkeit. Geniewerk Bachs ist schon zuzeiten des "Gro-
Der Ruf Hillers nach einem würdigen Kon- ßen Konzerts" eine unbekannte Größe gewor-
zertraum läßt in dem weitschauenden Bürger- den und wird erst von romantischer Musik-
meist.er Müller fruchtbare Baupläne reifen. begeisterung aus romantischen Klangvorstel- •
Die festliche Einweihung des neuen Saales lungen neu erschlossen. Von den Wiener
"über dem Tuchboden auf dem alten Biblio-
<
Klassikern gewinnt Haydn in der Gunst des
theksgebäude" mit einem von Riller dirigier- Gewandhauses am leichtesten festen Boden.
ten Konzert am 25. November 1781 ist der Mozarts Werke finden nur allmählich Zu-
letzte Schritt. In dem nach seiner ursprüng- gang, erst nach seinem Leipziger Besuch im
lichen Zweckbestimmung Gewandhaus ge- Frühjahr 1789 trägt die Verehrung für sein
nannten Gebäude hat der legitime Nachfolger leuchtendes Genie reichere Früchte. Die Ge-
des "Großen Konzerts" seine Heimstätte ge- fühlsgewalt der Beethovenschen Symphonik,
funden. Ein auf dreißig Mann angewachsenes, die vor allem mit der aufwühlenden Erstauf-
in der Folgezeit noch weiter verstärktes Or- führung der "Eroica" im - Jahre 1807 die an
chester und ein Sängerchor von ungefähr der sanftere Töne gewöhnten musikalischen Ge·
gleichen Mitgliederzahl sind seine künstleri- müter erregt, drängt die aus der Rokoko-Zeit
schen Grundstützen, ein Publikum von 220 verbliebene Freude an .einer Musik spielerisch-
eingeschriebenen "einheimischen Mannsperso- zärtlicher Empftndsamkeiten endgültig bei-
nen" mit ihren nach der früheren Gepflogen- seite und wird neben dem klassischen Klang
heit eingeführten Familienmitgliedern und Haydns und Mozarts im Gewandhaus zum
den wiederum zugelassenen Ortsfremden bil- höchsten Maß aller kommenden musikalischen 7
-
Dinge. Diese Ehrfurcht veranlaßt. auch die tönender Farben ein ideales Ausdrucksinstru-
Gewandhausdirektion viel eher als manderen ment zur Hand. Die festliche räumliche Pracht,
deutschen Konzertsälen, eine Symphonie nur in die die Konzerte mit der Übersiedlung in
vollständig und nicht getrennt durch die sonst das am 11. Dezember 1884 eröffnete neue
üblichen musikalischen Einlagen aufzuführen. Gewandhaus gestellt wurden, bildet den wür-
Der Einbruch romantischen Gefühls in die digsten Rahmen für die von ~hm entfal~~te
Musik findet im Gewandhaus seht bald star- innere klangliche Pracht. Der emsamen Große
ken Widerhall. Gipfelwerke wie die C-dur- seiner triebhaften Musikalität entspricht die
Symphonie von Schubert, die B-dur- und die 1,miverselle Weite seines Nachschaffens. Ni-
erste Fassung der d-tnoll von Schumann kisch macht Brahms und Liszt1 Bruckner und
treten hier zuerst an die Öffentlichkeit. Vor große außerdeutsche Symphoniker im Ge-
dem durchgeistigten Ausdruck eines Brahms, wandhaus heimisch. Er setzt sich nachdrück-
der mit der Uraufführung seines Klavier- lich für Richard Strauß, Reger und ihre Zeit-
konzerts in d-moll bei dem Gewandhaus- genossen ein. Er greift über die im not-
publikum eine eisige Ablehnung erfährt, und wendigen Mittelpunkt seines künstlerischen
der tondichterischen Pathetik eines Liszt und Wirkens stehenden Klassiker und Roman-
Wagner erstarrt diese künstlerische Fort- tiker zurück bis auf die Meister des Barock.
schrittlichkeit zu einem rückwärts gerichteten Und jede Aufführung ist geadelt durch die
Konservatismus, in dessen Mauern nicht leicht magische Hoheit seines faszinierenden musi-
Bl'eschen zu schlagen sind. kalischen Miterlebens. Nach seinem Tode
Mit dem Antritt A1'thur Nikischs im Amt macht der junge Feuergeist Furtwängler, sein
des Gewandhauskapellmeisters am 10. Okto- würdigster Nachfolger; die Gewandhauskon-
ber 1895 mündet die zwischen kraftvollem zerte zum weithin strahlenden Gegenstand
Aufstieg und bedächtigem Stillstand schwan- seiner leidenschaftlichen Musikbesessenheit.
kende Entwicklung in einen künstlerischen 1
Seit 8 /2 Jahren hütet Gewandhauskapellmei-
Höhenweg ein, auf dem die musikgeschicht- ster Hermann Abendroth mit überlegener
liche Weltgeltung des Leipziger Gewandhau- künstlerischer Reife die ihm anvertrauten
ses seine glänzendste Begründung erlangt. großen musikalischen Traditionen.
Bedeutsame Wandlungen, die das Bild der Res severa verum gaudium. In einer Zeit,
Gewandhauskonzerte in der Vergangenheit die von den ernstesten Dingep. geprägt wird,
erfuhr, werden nun auf eine tiefere Notwen- hat sich auch der Sinn der Freude gewandelt.
digkeit bezogen. Die Ersetzung . der Dirigen- Sie hat nur dort eine Daseinsberechtigung, wo
ten, der, selbst Orchestermusiker, aus dieser sie den tiefen Ernst des gegenwärtigen Ge-
Spielgemeinschaft heraus das Orchester an- schehens bejaht lmd zugleich verklärt. Die hi-
führt, durch den Nur-Dirigenten, der seinen storische Erscheinung der nun zwei Jahrhun-
unumschränkten Gestaltungswi11en an das
musikalische Werk und seine ausführenden derte umfassenden Gewandhauskonzerte und
Künstler heranträgt, findet in der genialen ihre unlösbare Einordnung in den bleibenden,
musikalischen Führergewalt Nikischs seine unersetzlichen Besitz deutschen Kulturbewußt-
höchste Rechtfertigung. Die allmähliche Ver- seins weisen ihnen eine zeitnahe ethische Auf-
größerung des Orchesters gibt diesem Meister gabe zu, die sie im Sinne ihres Wahlspruchs
• von Tag zu Tag neu erfüllen müssen .


Von Hermann Blume, BeTUn .
Die AUsfÜhrungen Hermann B l u m elS, des Murikreferenten im Re.ch3arbelumintllterittm 1 g ci
Referat tUr eine Pressebesptechung zugr1!nde, die von der Pressestelle der Reichsregi run ' d a e~ Ö ~~
rung von I'ragep der Betreuung krJegsversehrter lIerutsmusiker geWidmet war. e g er r r e

In einer möglichst individuell ausgerichte- siker gewesen sein mochte, wieviele durch
ten Zusammenarbeit der verantwortlichen U-!Ds~hul~g dem Beruf erhalten geblieben,
Stellen soll das Ziel erreicht werden, den WleVlele 10 andere Berufe abgewandert sind
kriegsversehrten Musiker in irgendeiner Form und unter letzteren: wieviel qualitativ beson~
der Musik als seinem Hauptberuf zu erhalten. ders wertvolle Kräfte dem kulturellen Leben
Allein diese Einstelhmg bedeutet einen we- verloren gegangen sind.
sentlichen Fortsclu'itt gegenüber den Verhält- An der E:.:tahru~g m.eines eigenen Lebens
nissen nach Beendigung des Weltkrieges 1914 ~ernessen, mochte Ich diese Zahl sogar ziem-
bis 1918, bei denen über die allgemeinen für- heh .~och annehmen. Denn wie ich später
sorgerischen Maßnahmen hinaus ein Eingehen a en e d d
auf die Psyche des Musikers schon deshalb' w r e . ver anke ich es selbst nur
. kaum möglich war, weil er keine einhel'tlich lemern Zufall, daß ich nach meiner Kriegsver-
organisierte berufsständische Vertretung hat- etzung
N I den Weg
all zur Musik zurückfand.
te. So fehlen uns aus jener Zeit mangels einer . un. agen erdings datnals die Verhält-
Statistik jegliche Anhaltspunkte dafür wie russe. 1m musikkulturellen Leben durch di.e
8 groß etwa die Zahl der kriegsversehrte~ Mu- d ß
c a em Abwandern aus dem Musiker-


• Phot. E. Hoenisch, Leipzig

200 Jahre Gewandhaus


Das Leipziger Gewandhaus während eineS Konzerts
Es dirigiert Prof. Her man n Ab end rot h (seit 1934 Gewandhauskapellmeister)

,

Archiv Phot. E. Hoenisch, Leipzig

Johann Adam Hiller Arthur Nikisch


der erste Gewandhauskapellmeister ( 1785) 1895 1922 Gewandhauskapellmeister


Phot. E. Hoe n isch. L eipzig


100 Jahre Leipziger Konservatorium der Musik
Das Gebäude, in dem jetzt die Staatliche Hochschule für Musik
untergebracht ist.

Phot. E . Hoenisch. Leipzig


Die Leipziger Oper beging die Feier ihres 250j ä hrig e n Bestehens

Bühnenbild zu Alfano "Cyrano de Bergerac", 1. Bild
Spielleitung: Hans Schüler, Bühnenbild: Max Elten
beruf eher begrüßt als bedauert wurde. Die Hamburger Musikfreunde. Nennt man's nun
soziale Lage der Musiker ließ zudem j 111 allge- Zufall oder Impuls?: Jedenfalls erfüllt man ,
meinen noch sehr zu wünschen übrig. All diese eines Tages dem Schwerverwundeten mit dem
Gründe zusammengenommen, mögen es er- EK. I die etwas seltsame Bitte, im Orchester •
klären, daß mir in meinem privaten Leben als selbst als stmwner Zuschauer Platz nehmen zu
Künstler wie auch in meiner lOjäbrigen Tä- dürfen. Damit es nicht allzu sehr auffällt,
tigkeit als Musikreferent im Reichsarbeits- setzt man ihn hinter die Hörner. Dieser Augen-
ministerium nur eine verhältnismäßig geringe blick brachte mit der Bekanntschaft des Solo- •
Zahl von Berufskollegen begegnet ist, die als bornisten Albert Döscher - die entscheidende •

Kriegsversehrte des Weltkriegs der Musik Wende in meinem Leben. E'I' war es, der mein
treugeblieben sind. Interessant aber bleibt die Interesse für das Waldhorn zu wecken ver-
Feststellung, daß eigentlich kaulJl einer von stand, und der mir, da dieses linkshändig zu
jenen, die sich einem anderen Beruf (sprich: bedienen ist, den Rat gab, von der Geige auf
Erwerb) zugewandt hatten, jemals die innere dieses Instrument überzuweehseln. Ich griff
Befriedigung empfand, die ihm die Musik ver- danach wie der Ertrinkende nach dem Stroh-
mittelt hatte, und daß eine Vielzahl von ihnen halm, glücklich, daß sich mir die unerwartete
doch wieder zu ihrem alten Beruf zurückkehr- Möglichkeit eröffnete, zur Musik zurückzu-
ten, als der allgemeine kulturelle Aufschwung kehren. Lippen, Zähne und meine sonstige
und die Ausdehnung des Reiehes die Gelegen- Körperkonstitution waren gut, sodaß der Ver-
heit dazu boten. Das Reich der Töne ist nun such auf alle Fälle Erfolg versprach. Darum
einmal das Element, das ein Musiker von in- packte ich mit :fJ;isch erwachter Energie zu in
nerster Berufung notwendig braucht. Hier der für jeden berufshandwerklichen Wechsel
allein können siC;h seine Fähigkeiten, seine wichtigen Erkenntnis: je schneller und je in- •

Leistungskraft entfalten. Vor mancher See- tensiver ich mich damit befasse, desto kürzer
lennot wäre ich selbst einmal bewahrt geblie- wird die Übergangsspanne zur neuen Berufs-
ben, wenn ich damals, nach meiner eigenen ausübung. Und für den Orchestermusiker ist
Verwundung im ersten Weltkrieg, an berufe- jedes Jahr wichtig, das ihm etwa für den An-
ner Stelle eine entsprechende Anregung und schluß an ein neues Engagement verloren
Stütze gefunden hätte. ~eht. '
Wenn ich nun über meine Erfahrungen als So hieBes also: arbeiten,. und nochmals ar-
kriegsbeschädigter Musiker spreche, so ge- beiten! Albert Döscher wurde mein erster •

schieht dies mit dem Zweck, einmal die Psy- Lehrer am Hamburger Konservatorium, und •

che des kriegsversehrten Musikers aufgrund nur schweren lferzens verließ ich ihn bereits
eigenen Erlebens aufzuzeigen, um aus einem nach einem halben J ah:r, um meine Aufnahme-
praktischen Beispiel heraus Lehren für die prüfung an der Berliner Hochschule für Mu-
berufsfürsorgerische Betreuung der Genera- sik abzulegen. Hier wurde der 1. Hornist der
tion des gegenwärtigen Krieges zu geWinnen. Berliner Staatsoper, Prof. Rembt, mein Leh-
- , rer. In einem freiwillig auf die doppelte Zahl
Als junger, durch seine Konzerttätigkeit im der Übungsstunden a11sgedehn.ten, mit zäher
In- land Ausland nicht mehr ganz unbekann- Willens anstrengung durchgeführ.ten Studium,
ter Geiger, verließ ich, von Vaterlandsidealen das gleichzeitig die Fächer: Komposition, Mu-
. erfüllt, 1914 meinen Posten als Konzertmeister sikwissenschaft und Klavier (linkshändig) um- •
in der Bostoner Sinfonie, um mich auf schnell- schloß" brachte ich' es in nur 2 Semestern auf
stem Wege nach der vom Krieg bedrohten Hei- meinem neuen Instrument so weit, daß ich
mat einzuschiffen. Zwei Tage nach meiner An- ein Engagement im Deutschen Opernhaus,
kunft rückte ich ins Feld und zehn Monate Chatlottenburg, antreten konnte. Mein weite-
später trug ich mit zertrümmerter rechter res StudiulD, und insbesonde;e die solistische
• Hand und zerschmettertem rechtem Hand- Betätigung auf dem Gebiet der bläserischen
gelenk im Feldlazaraett meine Hoffnungen Kammermusik, befähigten mich bald zu ersten
auf eine weitere künstlerische Laufbahn zu Leistungen, sodaß mir nach erfolgreichem
Grabe. Der Schlag traf mich umso härter, als Probespiel ein Engagement an der Berliner
ich frühzeitig und fast zu einseitig auf meinen Staatsopel' ebenso sicher schien wie das mir
Musikerberuf vorbereitet worden war. Wäh- bereits angebotene Lehramt an der Berliner •
rend meiner einjährigen J.azarettzeit in Ham- Hochschule für Musik.
burg unterwerfe ich mich zwar mit Eifer, •

aber geringem Erfolg allen Versuchen, aus Wenn in meinem eben geschilderten Fall -
mir ein brauchbares Glied der Menschheit zu allerdings unter Aufbietung besonderer Ener-
machen, aber weder die kaufmännischen Lehr- gie und phYSischer Kraft, über die nicht jeder
gänge noch die chemischen Studien vermoch- Musiker verfügen mag der praktische Be-
ten mir den Auftrieb zu geben, in dieser oder weis erbracht worden ist, daß unter Umstän-
jener Richtung einen Ersatz für meinen ver- den eine Zeit von Pli Jahren ausreicht, um
lorenen Beruf zu finden. Mit magischer Ge- auf einem so heiklen lru!trument wie dem ,
walt zog es mich iTnmer wieder zur Musik; Waldhorn ejnsatzfähige HöchsUeishmgen zu
sehnsüchtig, grübelnd, bisweilen aber auch erzielen, so kann man wohl dieselbe Zeit,
verzweifelt saß ich dann zwischen den Besu- höchstens aber 2 J abre, als Durchschnittsnolll1
chern der Philharmonischen Komerte der für die Erlangung einer für den beruflicl1en 9
-

,
"
Einsatz ausreichenden Fertigkeit bei umzu- hier mit einem eigenen, diesmal heiteren Bei-
schulenden Musikern annehmen. Die Art der spiel aus meinem Leben überzeu~en. Üb
Verwundung wird die Wahl des Ins~uments Während einer meiner zahlreIchen e~­
bestimmen; Aufgabe .des zur berufsfursorge- fahrten nach Amerika in den Jahren 1923 bIS
rischen Betreuung hmzugezogenen, erfahre- 1924 auf denen ich Hilfsaktionen für das Deu~­
nen Fachmannes wird es sein, hier schnell und sehe' Studentenwerk organisierte, klagte nur
richtig zu raten.
der Kapitän des Hapag-Dampf~rs seine No~:
Sehen wir uns doch daraufhin eine Re~.he Der Trompeter, der allmorgenlich den tradi-
von Instrumenten und ihre Verwendungsmog- tionellen "Weckruf" zu blasen hatte, war er-
I lichkeiten für Körperbeschädigte einmal an: krankt, Ersatz nicht aufzutreiben! Es ~ach~e
Alle Streichinstrumente erfordern einen ge- mir Spaß, dem Verdutzten anzubiete:r;t, für. em
sunden linken Arm und alle 5 Finger der lin- paar Tage auszuhelfen, obwohl ich seIt memer
ken Hand (Griffhand); die Bogenführung der Kindheit keine Trompete in der Hand geha~t
rechten Hand erfordert ein bewegliches Hand- und außerdem nur die linke Hand zur Verf~­
und Ellenbogengelenk, jedoch nicht.. u~bedingt gung hätte. Er solle mir nur 1 bis 2 Tage ~eIt
alle Finger dieser Hand. Geringfuglge Ver- lassen und eine Trompete mit Pumpventilen
letzungen an 1 oder 2 Fingern der rechten herbeischaffen. Dies geschah, und so. versuch-
Hand würden daher bei entsprechender Um- te ich in ein paar übungsstunden, dIe Pump-
stellung der Bogenführung nicht zu einer Auf- ventile der Trompete mit der linken, statt der
gabe des Instruments zwingen. Dagegen halte rechten Hand zu bedienen, was mir dank

ich wesentliche ärztliche Eingriffe (Prothesen meiner linkshändigen Praxis auf dem Wald-
künstlicher Finger oder Hände) ~~r Experi- horn keine sonderlichen Schwierigkeiten be-
mente, die vor der Kunst der Arzte zwar reitete. Zur Überraschung des braven Kapi-
höchste Achtung abnötigen, jedoch für prak- täns ertönte denn auch schon am nächsten
tische Aufrechterhaltung einer Berufstätig- Morgen in aller Frühe an Bord ein kräftig ge-
keit als Streicher ernstlich nicht in Frage schmetterter "Weckruf". Mit einem :Rechts-
kommen können. Sie ermöglichen allenfalls klappen-Instrument alter Bauart wäre mir das
ein Musizieren aus Liebhaberei. Denn abge- natürlich nicht möglich gewesen. Und so er-
sehen von den nicht ausbleibenden körper- gibt sich hierausJ daß sich die Konstruktion
lichen Beschwerden, die durch Prothesen aller Pumpventil-Instrumente ebenso für den
ständig mehr oder weniger ausgelöst werden, Gebrauch der linken, wie den der rechten
entbehren nun einmal die künstlichen Glied- Hand .eignet; lediglich die Kleinfinger-Stütze
maßen der für die Führung eines Streich- ist je nach Bedarf zu versetzen. Es bedarf also
instruments unerläßlichen Fingerspitzen-Ner_ für: den Verletzten nur einer entsprechenden
ven. Auch die Beweglichkeit der einzelnen Übung, um die gewohnte Fertigkeit zu erlan-
• künstlichen Glieder wird in keinem Fall mit gen. Ich könnte mir nämlich auch eine Kon-
der natürlichen Schritt halten können. Beide struktion des Waldhorns denken, die es einem

sind jedoch so empfindliche Mängel, daß ein linkshändig Verletzten ermöglicht, dieses In-
einigermaßen leistungsfähiges Spiel nicht er- strument rechtshändig zu spielen. Dies alles
zielt werden kann. Einen MUSiker, dem man sind Vorschläge, die einem kriegsversehrten
auf diese Weise seinen Beruf zu erhalten ver- Bläser dazu verhelfen sollen, sein Instrument
sucht, liefert man m. E. nur unnötigen seeli- beizubehalten.
schen Depressionen aus, denn es kann ihm bei Schwieriger als ein Wechsel vom Streich-
einiger Selbstkritik nicht entgehen, daß seine Z1l m Blasinstrument ist nämlich ein solcher
Leistungen hinter den früheren seiner ges\ln- vom Blas- zum StreiChinstrument, ein Fall,
den Gliedmaßen zurückstehen. Er wähle sich der etwa für Zahn-, Kiefern-, Lippen- und
daher, wenn irgend die Voraussetzungen dazu Zungenverletzte in Frage käme. Ich würde
gegeben sind, ein Blasinstrument.
ihn auch nur empfehlenJ wenn bereits eine
Von den Blasinstrumenten schalte-n bei Hand- gewisse Fertigkeit auf einem Streichinstru-
und Fingerverletzten allerdings diejenigen ment vorhanden ist. Die Streichinstrumente
ganz aus, deren zahlreiche Klappenbedienung erfordern nun einmal eine längere Übungs-
die 10 Finger beider Hände beanspruchen. Das praxis für die berufliche Technik a]s die Blas-
I
sind alle Holzblasinstrumente: Flöte, Oboe, instr:um~nte! und wenn diese Übungspraxis
Klarinette, Fagott, ferner: das Saxophon. In- der Jugendhchen Jahre, in denen sich Finger-
dessen bieten einige BlechinStrumente, z. B. fertigkeit !Und -gelenkigkeit bilden, fehlt, ver-
Piston, Flügelhorn, Trompete, Waldhorn, Te- ~ag nOch so großer Fleiß und Ehrgeiz eines
I älteren MenSchen dieses Ziel nicht mehr zu
norhorn, Baßtrompete, Tuba, ja sogar die Zug- erreichen.
posaune bei geeigneter Handhabung und Kon-
struldion durchaus die Möglichkeit von einer Daß selbst Einarmigkeit für einen Pianisten
gesunden und einer verletzten Hand vollwertig kein Hinderungsgrund zu sein braucht sein
bedient zu werden, sodaß diese Instrumente Instrument aufzugeben, ' hat der aus ~einen
von solcht>n Beschädigten entweder durch Konzerten im Rundfunk her bekannte Rudolj
kurze Übung beibehalten oder durch Umschu- Horn bewiesen. Dieser Mann verlor im Welt-
10 lung erlernt werden können. Ich will auch krieg 1914 1918 seinen rechten Arm und hat
es durch beispiellose Energie fertiggebracht,

-
- ,


sich als linkshändiger Pianist so zu vervoll- res erforderlich, um die Anforderungen dieses
kommnen, daß er als konzertierender Solist Fachs zu bewältigen. Mußte ich lnich doch
in der breiten Öffentlichkeit einen Namen hat. mit tneiner behinderten rechten Hand von
So vereinzelt auch eine solche Leistung sein vornherein auf ein rein geistiges Erfassen der
mag: sie wird manchem Kriegsversehrten der einzelnen Lehrgegenstände einstellen, als da
heutigen Generation ein Beispiel dafür sein, sind: Partiturspiel (-lesen), Harmonielehre,
was Willenskraft zu erreichen imstande ist. Satztechnik, Modulationskunst, und das No- •

Für Beinverletzte gibt es eigentlich kaum tenschreiben ausschließlich der ungeübten


ein Instrument, das gänzlich für ihre Berufs- Linken überlassen. Eiserner Fleiß und das
ausübung ausschaltet. Ausgenommen sind viel- Glück, in Persönlichkeiten wie Humperdinck
leicht Orgel und Harfe aber das auch nur und Friedrich E. Koch ebenso verständnis-
in Fällen, wo besonders hohe künstlerische volle wie anregende Lehrer zu finden, brach-
Anforderungen gestellt werden. Auch der KO\l- ten mich jedoch auch hier zum Ziel, und ich
trabassist wird sich in solcher Lage mit dem muß es heute als eine Fügung des Schicksals
eigens konstruierten Stuhl da behelfen kön- bezeichnen, daß es mich durch meine Kriegs-
nen, wo nicht unbedingt auf dem altgeübten verletzung auf ein Gebiet leitete, das zur
Brauch bestanden wird, daß der Bassist im eigentlichen Erfüllung meines musikalischen
Orchester stehen muß. Wesens wurde. Und zwar wurde ich dessen in
Ein besonderes Kapitel ist das der kriegs- dem Augenblick gewahr, als ich mich die
bUnden Musiker. Ihrer Betreuung wird sich Gründe spielen hier keine Rolle zum zwei-
das im Einvernehmen mit dem Reichsministe- ten Male von einem mir liebgewordenen In-
riurn des Innern und dem ReichsprQpaganda- strument trennte, ohne diesen Verlust anders
ministerium schon vor Jahren als ein Glied als eine selbstgewollte Veränderung meines
der Reichsmusikkammer ins Leben gerufene Entwicklungsganges anzusehen. War ich doch
Blindenkonzertamt annehmen. Und es gilt als Komponist in der Lage, so oft ich konnte
wohl als selbstverständlich daß diese Stelle oder wollte, mir eine Welt der Klänge auf-
mit Unterstützung der übrigen maßgeblichen zubauen, die meinem Willen gehorchte. Dabei •
Ressorts alles tun wird, um gerade diese Opfer kam mir aber get;ade die genaue und prak-
des Krieges ihrem Beruf als Instrumentalisten tische Handhabung meiner beiden Haupt-
oder Sänger wenn auch vielleicht auf ver- instrumente, der Geige und des Waldhorns,
ändertem Posten zu erhalten. Die vom sehr zustatten; ich habe beiden eine Reihe -
Reichsarbeitsminister durch regelmäßige Zu- von Solis, dem letzteren sogar eigens ein in
schüsse geförderte Notenbeschaffungszentrale der Öffentlichkeit recht bE:kannt geworden es
für Blinde wird hier manch helfende Aufgabe "Konzert für Waldhorn und Orchester" ge-
zu erfüllen haben. , schrieben. So bin ich, obwohl ich mir beim
Selbstverständlich wird es nun auch Ver- Komponieren die wertvolle Stütze des Impro- •
letzungen solcher Art geben, die weder durch visierens am Klavier versagen muß und auf
Umstellung noch <;lurch Umschulung dem rein geistiges Arbeiten angewiesen bin, weit
kriegsversehrten Musiker die Rückkehr zu entfernt davon, einer jener theoretischen Ton-
einer musikausübenden Tätigkeit möglich ma- Erklügeler zu sein, deren blutlose, mathe-
chen. Bei einer Betreuung dieser Menschen matische Rechenkunststücke dem wirklichen
wird man daraur bedacht sein, sie in einer Musiker und auch dem Publikum ein
Tätigkeit linterzubringen, die ihnen die Ver- Greue! sind.
bindung zur Musik erhält. Ich denke da etwa Wenn auch dieser Weg einer künstlerisch-
an den Posten eines Orchesterinspektors, eine schöpferischen Betätigung als Ausgleich für
Tätigkeit in Noten- und Schallplatten-Archi- Verlorenes sich nur einem verhältnismäßig
ven, M1.lSikbibliotheken, oder, bei gegebenen kleinen Kreis erfolgreich erschließen wird, so
Voraussetzungen, auch im Vermittlerwesen, in kann auch diese Erfahrung manchem kriegs-
der Program,mberatung künstlerischer Insti- versehrten Musiker, der eine entsprechende
tute usf. Begabung besitzt, als Ansporn zur Entfaltung
Ich möchte zum Schluß noch das Gebiet der eigener Initiative dienen. •
schöpferischen Musik berühren als eine Quelle Ich habe nun mit diesen Ausführungen ein
tiefbefriedigender Anregungen, die sich man- paar Kapitel aus der Erlebnis- und Erfah-
chem Musikerdasein erst in dem Augenblick rungswelt eines kriegsbeschädigten Musikers
erschlossen hat, da ihn ein be1!onderes Erleb- aufgezeichnet. Mögen sie dazu beitragen, die
nis zu innerlicher Versenkung zwang. Ein Gestaltung der Betreuungsarbeit für die ver-
solches Erlebnis war um noch einmal auf sehrten Musiker dieses Krieges durch ihren
mein eigenes Leben zurückzukommen mei- praktischen Erfahrungswert ein wenig zu er-
ne Kriegsverwundung. leichtern und zu unterstützen. Der Mangel
Ich hatte schon erwähnt, daß ich bei mei- an Qualitätsmusikern und die so veränderten
nem Hochschulbesuch nach der Lazarettzeit Verhältnisse im musikkulturellenLeben schaf-
neben meinen Übungen auf dem Waldhorn fen eine gesunde Voraussetzung für den Ein-
auch das Studium der Komposition betrieb. satz von innerhalb des Musikerberufs umge-
Wenn schon das neue Instrument ein erheb- schulten Kräften und gestatten heute keines-
liches Maß an Energie und Konzentrations- wegs, daß diese etwa in andere Berufe ab-
fähigkeit beanspruchte, so war ein weit höhe- wandern. 11

,
Zur Entstehungsgeschichte von Mozarts
, . "Entführung aus dem Serail".

, Von Erich Schenk, Wien .
Mit Recht gilt der Janitscharen-Chor der und -tänze nebst einer Beschreibung ihrer
, Mozartschen "Entführung" (1,5) nicht nur als Choreographie sowie ausführliche Schilderun-
(:ines der hinreißendsten Stücke der Opern- gen griechischer und türkischer Musik be-
literatur sondern auch als besonders fesseln- inhaltet. Dem zweiten Band des Torso geblie-
des Beispiel Mozartschen Charakterisierungs- benen Werkes sind zahlreiche Proben aus den
vermögens. Der Meister selbst hatte sich genannten Volksmusikbezirken beigegeben und
selbst zwar bloß dahingehend geäußert, er sei in dem die türkischen Musikbeispiele eröff-
"für einen Janitscharenchor alles. was man nenden ,.Derwischtanz" (Tabula TI, 1) glaube
verlangen kann, kurz und lustig und ganz für ich den Ansatz für Mozarts Konzeption seines
, die Wiener geschrieben". Im Musikschrifttum' Janitscharenchores erblicken zu dürfen.
wurde jedoch schon bald die Überzeugung Es handelt sich hier um ein vierteiliges Ge-
I laut, daß Mozart hier bewußt exotisch-orien- bilde, das durch stereotype Wiederkehr kyr-
talische Töne angeschlagen habe, als da sind zer Motive wie
"die Janitscharenmusik . . . der rasselnde
Rhythmus, einzelne melodische Züge, wie z. r
. ,
,
B. das hart nebeneinander gerückte f" und
111 Hs" des sechsten Chortaktes lmd namentlich
der an die Ouverture gemahnende, scharfe bzw. in erweiterter Gestalt
Modulationswechsel" (Abert, Mozart I, 956).
Walter Preibisch meint: "Der R1'lythmus des
Chores wirkt eigentümlich exotisch durch die
immer in den nächsten Takt hinübergezoge- und rhythmischer Umformung (vergl. u.) ge':'
nen Töne und die merkwürdige, sieb immer kennzeichnet ist. Der muntere zweite Teil
wiederholende Figur", die unser Gewährs- steht in kaum zu verkennender Beziehung zum
mann auch im Finale aufweist und als von Ritornell des Mozartschen Janitscharencbores.
der Ouverture der Gluckschen "Pilgrimme Er lautet:
von Mekka" her angeregt bezeichnet (S. I, M. I I ,
G. S. 463, 476 und 445). •
I
Die Auffassung, daß Mozart mit den üb~
lichen Mitteln der "Türkenoper" orientalisiere
insbesondere wie sie sich in Glucks eben ge:
nannter Oper darboten, teilt Preibisch mit
dem Gluckbiographen A. Schmid und H.
Abert. Allerdings hatte schon früher Ulibi- I
a
I

schaff auf "gewisse russische Volksmelodien"


h~ngewies.en und d~it eine Spur aufgedeckt,
• dIe nach lhm dann rucht mehr weiter verfolgt
I wurde. Der so ungewöhnlich zündende Elan Vier Tatsachen sprechen dafür, daß sich Mo-
. des Mozartschen Chores legt in der Tat die zarts schaffender Geist von dieser Weise an-
Vermutung nahe, daß sich Mozart nicht mit regen ließ, wobei dann natürlich eine ganz
den landläufigen Requil>iten musikalischer n~ue, persönliche Lösung zustande kam und
Orientschilderung begnügte, vielmQhr aus Dlch~ etwa an eklektische Übernahme zu den-
ken 1st.
I d.~m. Quell der Volksmusik und zwar original~
turkischer Volksmusik I>chöpfte, bzw. sich an- 1. begegnet uns hier wörtlich die mozartsche
regen ließ, also bereits schon viel ausgespro- Sechzehntelfigur (a), der nach Preibisch eine

ebener im Sinne Herder nahestehender Folk- Art erinnerungsmotivische Rolle zukommt.
lore verfuhr als seine Vorgänger. Moza~ erzielt, indem er sie in die Dmparel-
Nun war im Entstehungsjahr der Entfüh- le!e ruckt, jene ~edel'h.olt gewürdigte, auf-
run~" die ,,~eschichte des transalpinischen r?tteI~de ModulationsWlrkung, die wesent-
Daclens, das 1st: der Walachey, Moldau und h~h fur den Schwung seines Stückes ist.
Be~arabiens, im Zusammenhange mit der Ge~ 2. WIrd der erste Teil durch stereotype Wie-
schichte des übrigen Daciens als ein Versuch derkehr des Motivs b im fallenden Sext-
e~e.r allgemeinen dacischen Geschichte mit rahmen erformt; der latente a-moll-Ein-
krltlscher Freyheit entworfen von FTan~ Jo- d.ruck Mozar~ .Ausgangstonart! drängt
seph. Sulzer, .ehemaligen k. k. Hauptmann und SIch dem europatschen Hörer unmittelbar
AudItor. Wien, bey Rudolph Griller 1781" auf. Auc~ Mozart bringt im Ritornell zwei-
erschienen, .die ?icht nur eine ausgez~ichnete mal den 1D den Quintra1;un-en elf a' einge-
kulturgeschichtliche Quelle für das heutige spannten, wellenförmigen Gedanken:
• :umänische Staatsgebiet bedeutet, sondern zum
12 uberhaupt erstenmal rumänische Volkslieder •
- •

den man als völlig verselbstänCUgte varia- Wesenheit fremdell Musiziergutes in melodi-
tive Umformung der von Sulzer mitgeteil- scher Beziehl l ng übertrifft ~ alle Vorgänger.
ten Weise ansprechen kann. Und diese Haltung scheint doch nur daraus
3. das Motiv b entspricht wenn schon in erklärbar, daß auch für Mozart schon Herders
anderer funktioneller Position und ohne die Geist bestimmend war, der einer noch stark
chromatische Schärfung seinem Linien- in den volksfremden Bindungen der Aufklä-
verlauf nach dem von Abert hervorgehobe- rung steckenden Zeit die Schönheiten der
nen sechsten Chortaktmelos. Volksmusik, der eigenen wie fremden, begrei-
4. endlich findet sich im ersten Teil des "Der- fen lehrte.
wischtanzes" immer wieder der von Mozart Noch gilt es einige Worte über den Verfas-
so glücklich angewandte Effekt gebundener ser der "Dacisehen Geschichte" zu sagen. Franz
Noten (s. o. Beisp, 2), auf den Preibisch be- J osef Sulzer stammt aus Laufenburg im da-
sonders aufmerksam gemacht hat. maligen Vorderösterreich. Ursprünglich für
den geistlichen Beruf bestimmt, widmete er
Mehrerlei spricht dafür, daß es sich hier sich, nachdem seine Aufnahme in den Jesui-
nicht um zufällige Übereinstimmungen ' han- tenorden aus unbekannten Gründen unterblie-
delt. Einmal war Sulzers Buch kurz vor Mo- ben war, juristischen Studien und trat 1759
zarts "Entführung" erschienen und somit ak- als Auditor in den österreichischen Militär-
tuelL Ferner entsprach es Mozarts opernästhe- dienst. Vierundzwanzig Jahre später kam er •
tischer Einstellung, das Lokalkolorit so getreu als Lehrer ..der Philosophie und Rechte in die
wie nur immer möglich zu zeichnen. Zudem •
Walachei, wo er bis an sein Lebensende ver-
sind Mozarts literarische Interessen ja viel blieb. Sulzer starb im gleichen Jahr wie Mo-
stärker gewesen, als man noch bis vor kurzem zart (1791) zu Pitest. Sein. literarisches Anden-
annehmen zu dürfen glaubte (vergI. E. Valen- ken gründet außer au:f der "Dacischen Ge-
tin in "Neues Mozartjahrbuch" I, 1941 S. 79 ff,). schichte" auf. einer Reisebeschreibung "Altes
Trifft lInsere Vermutung zu, so hätte Carl und Neues oder . . . literarische Reise durch
Maria von Weber, der bekanntlich im "übe- SiebenbÜrgen, den Temesvarer Banat, Ungarn,
ron" von Nieburr und Labore überlieferte Ori- Oesterreich, Bayern, Schwapen, Schweiz und
ginalweisen verwendet, in Mozart· einen Vor- Elsaß" (Wien 1782), die ohne des Verfassers
gänger. Und dieser wiederum rückt eben da- Wissen gedruckt heftigen. Staub aufwirbel-
durch, daß er das originale Musikgut an den te und einige Gegenschriften provozierte. Sul-
Quellen zu erfassen suchte, unmittelbar in zer war unzweifelhaft ein vielseitig interessier-
Herders Nähe.•
. ter und gebildeter Mann, wie schon die Gründ-
Überblicken wir nämlich die vormozartische lichkeit seiner Untersuchungen über Musik in
Türkenoper, so vermisS'en wir folkloristische seiner "Dacischen Geschichte" beweist. Er
Treue, d. h. das Lokalkolorit -w ird vornehm- bringt sie in sinnvollem Zusallunenhang mit
lich mit zeitüblichen Instrumentations- und dem Brauchtum der behandelten Volksstämme,
Rhythmuseffekten ges.chaffen, deren sich ja gibt ein~ genaue Beschreibung von Tonformen,
auch Mozart zum Teil in seiner "Entführung" Ton- und Taktsystemen, schildert die Instru-
bedient, von denen aber schon Sulzer (11, 452), mente und grenzt erstmalig richtig die rumä-
meinte, daß sie nichts mit original-türkischer nische Musik gegen die türkische ab. Hiedurch
Musik zu tun hätten. Wohl sieht auch Mozart schon früher ins Bewußtsein europäischer Mu-
den Türken noch in der seit der französischen sikgeschichtsbeschreibung gerückt, verdient
Aufklärung bezeichnenden janusköpfigen Wei- nach obigen Ausführungen unser Mann stär-
se, die ebenso das- Groteske (üsmin) wie das keres Interesse als einer der unzähligen An-
:Edel-Erhabene (Bassa Selim) umgreift. Aber reger für die wundervolle Synthese des Mo-
in dem ernsten Streben nach Erfassen der zartsehen Werkes. •


-
Der melodische Dreiklang als Ausdrucksmitfel. t


Von AL/red Weidemann, Berlin. •

. Der erste Teil des folgenden Aufsatzes erschien 1m Märzheft 1943 der Zeitschrift "Die MUSik" (S. 175ft.).
Die Zusammenstellung von .BelspleIbelegen, die der Verfasser hier zu ~elnem Thema gibt. ist ohne wel-
teres verständlich, so daß dieser zweite TeU des Beitrages auch In dieser Form Intel'esse finden dllrfte.
Die Schl'lftleltune.
Wir kommen zum zweiten. Teil unserer Unter- gegen den Schluß ("sie kommt und leuchtet"~
suchungen, dem Gebiet des Erhabenen, H~heits­ vom Komponisten gewiß nicht zufällig, nicht ohne
vollen Edlen in seiner Darstellung durch die Ton- Absicht verwendet; sie verleihen dem Liede nicht
folge des Dreiklangs. Ein allgemein bekanntes zuletzt mit seinen erhabenen, großzügigen Cha-
Lied mag Gruppe als erstes Beispiel ein- rakter. Auch bier hat das Bild der leuchtenden
leiten: Beethovens "Die Himmel rühmen des Sonne in der Musik die Töne des Dreiklangs ("sie
Ewigen Ehre". In diesem herrlichen, dem Aus- kommt und leucht-et") erhalten. Mit Recht darf
druck des göttlich Erhabenen und Majestätischen aus Beethovens Schaffen bier wohl ferner der
dienenden Liede sind die beiden Dreiklangswen- ,Beginn seines zweiten GelIert-Liedes- angeführt
dungen zu Beginn ("Die Himmel rühmen") und werden: 13


• Die Göttlichkeit des Heilands, des "großen
HerrIl", symbolisiert Bach im W,:ihnachtsorat~­
, rium durch dieselben Intervalle In seiner Ane
"Großer Herr und stolzer König": .

.-
I

Gottes Macht und Größe erhält auch bei Wag-


ner diesen musikalischen Ausdruck. im Gebet des
Königs ("Lohengrin", 1. Akt): "Mein Herr und
Gott, nun ruf ich Dich, daß Du dem Kampf zu- •
gegen seist! Durch Schwertes Sieg Dein Urteil f
sprich., ," (Die im Dreiklang melodisierten Wor- Die ersten WGrte, die wir in Wagners Nibelun-
te sind hier kursiv), Aus derselben Oper Wag- genwerk aus dem Munde des Gottes Wotan hören
ners verdient in diesem Zusammenhang das er- - in der zweiten Szene des "Rheingold" ,be-
habene, ernste Thema des Gottesgerichts Erwäh- wegen sich fast durchgehend in Dreiklangsinter-
nunt: . vallen, gipfelnd in dem weitausschwingenden
t Melodiebogen :


. - -,. Wwk!
Diese Worte erheben sich über dem kurz zuvor
zum ersten Male im "Ring" feierlich erklingen-
den Thema der Götterburg Walhall und damit
der Götter; auch dieses setzt wiederum mit einem
Dreiklang, einem absteigenden, ein. Zum Aus-
druck des göttlich Erhabenen zu rechnen ist
ebenso das 1m Dreiklang sich emporschwingende Auch die durch' Freias goldene Äpfel den Göt-
edle Thema Freias, der Göttin der Schönheit und tern verliehene ewige Jugend symbOlisiert ein in
Jugend, als solches gleichzeitig ein Tonsymbol seJner Gesamtlinie der Welt des Dreiklangs an- ,
dieser Eigenschaften darstellend: geßörendes Thema:

,. ........._--
Herrlich setzt in den Tönen unseres Symbols am Schluß ihrer großen Szene mit Wotan ("Die
der stolze Gesang ein, mit dem die Göttin Fricka Walküre", 2, Akt) den SChauplatz verläßt:
,

- ·r ..

Noch ein weiteres Beispiel aus der Sphäre des


Göttlich-Erhabenen sei zitiert, das Thema des Götterboten im zweiten Monolog von Richard
Strauß' "Ariadne":
,

• J

Die erhabene Würde des Göttliches verkünden-


den Priesters finden wir in "Alkeste" und Ido- sinnbildlicht; beide Male zeigt dieses unsere
meneo" durch ein besonderes Orchestermotiv"ver_ Intervalle, wobei das Idomeneo-Motiv von dem
in der "Alkeste" sichtlich beeinfiußt ist:
Alkeste
,

Idomeneo - , ,

14



-
, -

Der feierliche Priesterruf der Blasinstrumente plötzlicher harmonischer Wendung von c-moll
zu Beginn und inmitten der Zauberflöten-Ouver- nach As-dur ein feierlich langsam (adagio) empor-
türe sowie auch im zweiten Akt dieser Oper zeigt schwebender Dreiklang das Erscheinen des alten
,d ie Linie des aufsteigenden Dreiklangs. Im Finale Priesters (Sprechers): •
des ersten Aktes der "Zauberflöte" begleitet Jn •

Beachten wir ferner den AnfanK des Priester-


marsches, der den zweiten Akt des genannten
Werkes einleitet: •

,

I •
1> E

Dieser Beginn ist mit dem des feierlichen Cho- Auch die gewichtigen Stellen der Reden des
res der Priesterinnen in Glucks "Iphigenie auf frommen Eremiten im "Freischütz" sind hier un-
Taurls" identisch: ter unseren Beispielen zu nennen: •


-
,



,•

Die Größe und Erhabenheit des Königs ver- fare. Unsere Tonfolge spielt weiterhin eine Rolle
kündet im "Lohengrin" seine ganz auf den Tö- in dem -Thema des stolzen Königsmarsches, der
nen des Dreiklangs aufgebaute kraftvolle Fan-

die Schlußszene des "Lohengrin" einleitet:

• •



,

Erhabene Feierlichkeit spricht aus dem edel Musik zu den "Ruinen von Athen";
schönen Thema des Festmarsches in Beethovens • • •

• •

Menschlicner Größe und Erhabenheit eng ver.., ihrer Au rtrittsarie ("Dich, teure Halle") "sei
bunden sind Adel, Reinheit des Empfindens. E,s mir gegrüßt, sei mir gegrüßt''), an ihr ",So stehet
dürfte gewiß bezeichnend sein, daß gerade die auf, nicht dürfet Ihr hier kJ;lien" (im zweiten
tMelodik der beiden reinsten,. edelsten Frauen- "Tannhä1:lSel'''-Akt) und an die Traumerzählung
gestalten Wagners, Elisabeths und Elsas, verhält- ElSas ("Einsam in trüben Tagen'" "ergoß sich
nismäßig reich an Dreiklangsbildungen ist. Den- im Gebet" "her durch die Lüfte schwoll" ,-
ken wir nur an die entsprechenden Wendungen "In lichter Waffen Scheine ein Ritter ..." "er
von Elisab,eths _Gebet ("Allmächt'ge Jungfrau, soll mein Streiter sein" "will er Gemahl mich
hör mein Flehen" "rein und engelgleich"), von heißen"), weiterhin an ihr Gebet:
~ •

, •

• • -
Auch die Eisa zugehörigen Instrumentalmelo- "Sowie im Vorspiel zum dritten Akt sind hier nicht
dien aus der Einleitung zu ihrem Gesang an die zu vergessen: •
Lüfte und im Zug zum Münster •

15

Immer wieder atmet ihre "Melodik den Drei- opfernden Liebe, ihr sogenanntes ErlösungsmotiV"
klangszauber der Reinheit. ist eine Dreiklangsmelodie, ebenso Faus'ts ersehn-
Auch Sentas Thema der selbstlosen, sich auf- tes Ideal in Wagners Faustouvertüre:

,

Die Melodik der Musik des 18. Jahrhunderts ist Dieses Gefühl spricht auch aus dem Thema des
bekanntlich häufig auf den Tönen des Dreiklangs schönen Mittelteils von Hüons einer späteren, ro-
aufgebaut und es heißt daher vorsichtig sein in mantischen ,Zeit aniehörender iroßer Arie (.. Obe-
der Auff~ssung, Deutung des Dreiklangscharak- ro.n", 1. Akt):
ters von Musik dieser Zeit. Doch gibt es auch •
hier unbedingt zwingende Beispiele zu unserem
Thema, wie wir bereits sahen u!ld noch sehen
• werden. So scheint uns Reinheit d~s Empfindens
• dem Beginn von Oktavios Ilchöner Liebesarie
..Dal sua pace ..." ("Nur ihrem Frieden weih' ich
mein Leben") mit der Folge des G-dur und C-
dur-Dr~langs zu entströmen:

Auch Walther von Stolzings nobles Liebes-



motiv, das wir' zum' ersten Male im Vorspiel zu
• ., den "Meistersiniern" hören, offenbart ritterlich
edles Fühlen:
N'I.:r Ihnm W2.''h,' .......
• ,

-
,

• •
Ein besonders bezeichnendes, sprechendes Bei- heldische sowie sieghafte
, .
Themen llnd Melodlen
spiel für den melodischen Dreiklang als Ausdruck erklingen sämtlich in den Blechblasinstrumen-
seelischer Reinheit findet sich im Gebet des Kö- ten, die von alters her als Klänge fanfarenarti-
nigs ("Lohengrin" I) bei der Stelle "Des Reinen ger, signalhafter Art Wiedergebende Naturinstru-
Arm gib Heldenkran":
, mente mit der Eigenschaft des Kriegerischen,
heldenhaft Kämpferischen eng vetbunden sind
Die bekanntesten aller Heldenthemen, das aUB
Beethovens heroischer Sinfonie und Wagners
( - Siegfriedthema, mögen den Reigen der Beispiele
für diesen Abschnitt eröffnen. Das Eroica-Thema
I Die hierauf folgende kraftlos absteigende Wen- bildet sich in seiner markantesten Gestaltung aua
I dung ' bei "Des Falschen StArke sei erschlafft" zwei DreiklangsfoOllen, einer sich um den Grund-
I bildet hierzu einen eindringlichen Gegensat~. ton bewegenden und einer aufwärtssteigenden:
Die dritte den Ausführungen dieser Abhand-
lung ~nde gelegte Gruppe von Dreiklangs-
melodIk gilt dem Ausdruck des Heldenhaften und
der Sieghaften Kraft. Bei Melodik dieser Art
sofern sie sich in instrumentaler Musik finde~
ist freilich darauf aufmerksam zu machen daß Die erste Erwähnung Siegfrieds hören wir
hier auch assoziative Momente eine Rolle spielen: dreiklangsartig aus Brünnhildes Munde im drit-
ten Akte der "Walküre":
,

- ....... - I


Sieltrieds Thema selbst erhält durch die drei
marltenten Uauptnoten seiner ersten Hälfte die DreiklangsphysiognOmie :
,

Der Homruf des 11101160 Helden wird in seiner


16 Haltung durch einen Dreiklangsbogen, der leinen 'fri8cben Belinn bildet, beat1JnJ1lt:
,.
-

,
".. .

>- •

Auch das ~us dem Hornruf gebildete, erstmals Ein sich nach oben wölbender Dreiklangsbogen
in der zweiten Szene der "Götterdämmerung" charakterisiert das musikalische SymbOol ,Sieg-
auftretende apotheosenartige Heldenthema Sieg- frieds als "herrlicher Hort der Welt" ("Sieifried"
frieds sei zitiert: III und "Götterdämmerung"):



,


Das Motiv, mit dem Wagner Siegmund, den •
leidgestählten Vater Siegfrieds, zeichnet, ist im
Gesamtbild seines ersten Teils ein Dreiklang in
Moll:

... DemHeldischen eng verwandt ist das Ritter-


liche. So lindet sich denn auch dieses häufig
Auch das düstere Thema Hundings, der durch- durch M-elodik im Dreiklang charakterisiert: Ein
aus eine Heldennatur ist, enthält als Grundzug bekanntes Beispiel hierfür ist Lohengrins fast ,
die Töne des Molldreiklangs: stets im schimmernden A-dUr erscheinendes
Motiv:

•• •
Ein Sprung von der gennanischen Heldenwelt . •

zur antiken griechischen: Richard Strauß' knap- Das ziemlich ausgedehnte Thema ParsifalB
pes plastisches Agamemnon-Motiv in "Elektra" birgt ebenfalls melodisch den Dreiklang in sich,
zuckt im Molldrelklang empor: und zwar an zwei Stellen:
••
-.. I l

Mit einem melodischen Dreiklang in weiter '. Von ritterlichem Schwung beseelt erscheint uns
Lage setzt das Thema. des Helden in des soeben ': die im Dreiklang emporsteigende und wieder zu-
genannten Meisters Tonwerk "Ein Heldenleben" .... rückfedernde Tonfolge, mit der Tannhäuser iein
ein: l Preislied auf die Göttin Venus beginnt: t

,

Aucn das Motiv Walther Stolzings, des frän- tige Haltung in elastischem Dreiklangsschwung
kischen Ritters, setzt mit einer Drelklangswen- aus:
dung ein:


, -
Walther von Stolzings nobles Liebesnotiv, das
:wir zum ersten Male im Vorspiel zu den "Mei- . Die Fanfare im Dreiklang gilt uns meist als ein
stersingern" hören, offenbart ritterlich ' edles Symbol sieghafter Kraft; wir begegnen ihr daher
Fühlen: oft In Kriegsliedern und auch in anderen vater-
• • ländischen Gesängen, so z. B. in: Wohlauf, Ka-
meraden, aufs Pferd, aufs Pferd Als die Preu- •
ßen marschierten vor Frag Was glänzt dort
vom Walde im Sonnenschein? Flamme empor I
• 1-- Es braust ein Ruf wie Donnerhall. Daß ein

Kriegslied Beethovens eine kraftvolle Dreiklangs-
wendung bringt, wird uns gewiß nicht verwun-
Sehr prägnant drückt Mozart im Finale des er- dern. Das textlich und selbstverständlich musi-
sten Don-Juan-Aktes des Helden ritterlich mu- kalisch auch heute noch aktuelle Liel beainnt:

- 17

< \

-
. .. g
die beiden Sieges-
daß auch Mozarts Kriegslied
Bezei~hnend is~ der Kaiser sein" mit einem gest~emen. Zlmäc:t;>~~~o~ Beethovens fünfter
"Ich möchteh YlOgenden Dreiklangsbogen einsetzt: motive. aus dem
m
e:
das kraftvolle, sonnenhelle
weit aussc Will SinfOOle hi ~rhtst
und d as 1eIC , inen~astisChem Schwung empor-
strebende

In der Musik der großen Meister kom~en für


unsere Ausführungen an dieser Stelle Wlederum er inKraft
Machtvoll, im sicheren Gefühl .. ihrer der ·
in erster Linie Beethoven und Wa~?-er in Be- schreitet die Siegesmelodie ,de~ Ho~
tracht: sie sind die SChöpfer der berubmten Sie- Musik zu Goethes "Egmont' emher.

Mit einem lanien Dreiklangsjubel des ganzen beginnt die "Siegess1nfonie" in Beet-
Orchesters, in den Trompeten als reine Fanfare Schlacht bei Vittoria":
• " -
,
II.S....•

Eines der prägnantesten, markantesten Themen


von Wagners Nibelungenwerk hören wir in dem
die siegende Kraft symbolisierenden Schwert-
motiv das sich in leuchtendem Trompetenton
dreik1~ngsmäßig schlank und stolz zur Höhe kühnen rou·
Das kraftvolle Kampfthema der .. en konnte
SChwingt. Es wurde bereits zu Beginn dieser tigen SChlachtjungfrauen, der Walk~r Tonfolge
Abhandlung erwähnt: melodisch kaum anders als in unse~
gehalten sein:

• •
, •


Eine vom Sieg sprechende Stelle aus dem
prachtvollen Salam-Aleikum-Finale von Corne- Zitate zu diesem Abschnitt und zur Gesamtheit
11us' "Barbier von Bagdad" möge die Reihe der dieser Ausfühnmgen beschließen:


Es hätten sich gewiß noch so manche weiteren
I Beispiele anfUhren lassen, doch es war im Rah- sik. Die BetraChtungen dürften daher v ielleicht
in der
men dieser Abhandlung selbstverständlich "Dicht auch~ als ein Beitrag zur Symbolkunde
• beabSichtigt, etwa eine möglichst VOllständige Musik angesehen werden können.
Aufzählung von bekannteren Dreiklangsthemen •

und -melodien zu geben. Die hier angeführten
Beispiele mögen den Leser jedoch anregen, nun
J auch selbst beim Hören auf weitere derartige
• Themen und Melodien in den Schöpfungen der
deutschen Musik aufmerksam zu werden.
Die obigen Betrachtungen erwiesen sich in
mehrfacher Hinsicht als aufschlußreich. Sie zeig-
ten, welche Ausdruckskraft und auch Schönheit
DER·
dem lIns SO "einfach" dünkenden TonverhäItnis
des Dreiklangs in seinen mannigfachen melodi-
H SOLL
schen Kombinationen eigen sein kann. Sie ließen
lIns ferner zugleich diese TOnfolge so recht als
PFER D t:
ein naturhaft geheimnisvolles Symbol, als ein Ur-
symbol der Musik erkennen und offenbarten 1Jns
SEIN-
weiterhin an seinetn Beispiel eine tiefe Gesetz- •
18 mäßigkeit des Ausdrucks in der deutschen Mu-
• .


- -

• • •

Hugo Rasch.
,
Zum 10. Geburtstag eines deutscherr Kämpfers und Musikers.
,
Von Walter BeTten, BerUn.
Die vielen Berufskameraden, die im Laufe der liegen gesehen haben. Es ist die Olympiafanfare
letzten Jahre Hugo Rasch in der Reichsmusik- Paul Winters, deren heroischer, tagheller Anruf
kammer aufsuchten, um, nie vergebllch, seinen den kämpferischen Siebzigjährigen in art- UI;ld
Rat und berufsständische Hilfe zu suchen, werden wahlverwandtem Zuruf jeden Morgen bei der Ar-
• erstaunt sein zu hören, daß diese kraftvoll ge- beit begrüßen soll.
spannte, jugendlich begeisterungsfähige Persön- Damit ist manches dieser, den Vielen nicht zu-
lichkeit mit dem 7. Mai 1943 das siebente Jahr- gänglichen Persönlichkeit vielleicht angedeutet -,
zehnt vollendete. Seit langem ist er musikpoli- um mehr vEln ihr zu erfahren, besuche man ihn
tischer Führungsaufgabe verantwortungsyoll und in seinem, mit erlesenem Geschmack eingerich-
verdienstlich verbunden und immer waren es teten Heim. Wer da nach dem Maler eines der
entscheidungsvolle Aufgaben, die aus klarer Hal- vielen wertvollen Bilder fragt, dem kann passie- •
tung mit kämpferischem Elan zum besten der ren, daß der Bescheidene lächelt "Das ist von
deutschen Musik und des Musikerstandes be- mir", Und nicht jeder Besitzer einer solch stol- •
zwungen werden. zen und vielsprachigen Bibliothek kann mit Rasch
Von 1908 bis 1934 fand man den Namen Hugo so ruhig aber nachdrücklich antworten: "Fast
Rasch in der Fach- und Tagespresse unter BeI- alles von dem, was da steht, habe ich gelesen."
trägen, in welchen sich überlegene Sachkenntnis
mit einer unantastbaren und tapferen Gesinnung Talent und Temperament- dieser am bewußten
verband und einer erfreulichen, geradezu vorbild- kämpferischen und tätigen ;Leben gewordenen
lichen deutschen Schreibe, die es an Deutlichkeit Persönlichkeit entspringen blutsmäßig einer
nicht fehlen ließ, wenn es die deutsche Sache in Künstlerehe: der Vater ein Nordschleswiger, war
irrsäligen Zeitläuften verlangte. ' der Landschaftsmaler Heinrich Rasch, die Mutter,
Hugo Rasch hat sich bereits zu Beg~nn dieses Oberbayerin, Tochter von Caspar Braun (dem
Wegs ' d.en berufsständischen Führungsaufgaben Begründer der "Fliegenden Blätter" und ersten
verpflich~et. Zuerst wirkte er erfolgreich als Vor-
Förderer eines Wilhelm Busch) war Schriftstel-
standsmitglied der GDT und später als offizieller lerin. Er genoß eine universelle Erziehung, die
Vertreter von Richard Strauß im Berufsstand der ihn, wie auch das spätere Leben des öfteren und
läng~ ins Ausland führte; und hier mögen schQn
deutschen Komponisten. Ein überlegener Experte
und ung.ewÖhnlich sprachenkundiger "Musik- frühe Anstöße zur Entwioklung eines. starken po- •
litischen Sinns gegeben worden sein.
diplomat" war der Delegierte und mehrfache •
Vizepräsident Hugo Rasch bei internationalen Das Talent, daß sich neben solch aktivisti-
Kongressen. Seit der Umwandlung des Berufs- schem Einsatz für die Gemeinschaft, nicht nur
standes in die ,,Fachschaft Komponisten" - der als Musiker, nicht zuletzt auch als einsatzfroher •

RMK ist er dort für alle künstlerischen und kul- SA-Filhrer, in der Stille bildete, schenkte IIns
turellen Belange tätig. Als derzeitiges Vorstands- einen Reichtum an Liedern, der uns beglückt und
mitglied des Allgemeinen Deutschen Musikver- zugleich verpflichtet.
eins war Rasch mitwirkend bei der Oberleitung In einem prachtvollen Aufsatz üb~r den Kom-
des Vereins in die Organisation "Reichsmusik- ponisten Max Donisch, schreibt Hugo Rasch ("Die
tage", in welcher er jetzt der Verbindungsmann Musik", Heft 8/9 1941): " . . . und .e s glbt Künst-
zwischen dem Reichspropagandaministerium und ler, die an ihrem Lebensabend auf eine verhält-
der RMK. ist. nismäßig' kleine Zahl hOChwertiger Arbeiten zu-
Größtes Verdienst 'erwarb sich Hugo Rasch rückblicken können. Gradmesser des Wertes eines
stets durch seinen unbeirrbaren und unentw:eg- Künstlers ist dieses Viel- oder Wenigschreiben
ten Einsatz für das Schaffen seiner Berufskame- keinesfalls, wie wir an d~m Beispiel von Peter
raden. Nur der Eingeweihte kann die zu über- Cornelius sehen". Es sind immerhin mehrere hun-
windenden Schwierigkeiten, aber auch die dert, zum größten Teil gedruckte Lieder, die Hugo
spielgebende Bedeutung der von Rasch begrün- Rasch der deutschen Musik geschenkt hat. Wer-
deten und betreuten, nun sCRon sieben Jahre ner Egk, der Leiter der Fachschaft Komponisten
regelmäßig stattfindenden, Kammerkonzerte zeit- in der Reichsmusikkammer, sagt in seinem warm-
der genössischer Musik in der Kameradschaft der herzigen Glückwunschaufsatz in den "Mitteilun-
deutschen Künstler ermessen. gen" dieser Fachschaft: "Sein eigenes Schaffen
In dieser nur skizzenhaften Übersicht einer rei- hat Hugo Rasch ganz bewußt auf das Gebiet der
chen Lebensarbeit im Dienste der Gemeinschaft Kammermusik und besonders das des Liedes be-
fehlte ein Wichtiges, würde die fünfundzwanzig- schränkt und sich dadurch zweifell05 eine Son-
jährige gesangspädagogische Tätigkeit Raschs derstellung als Liederkomponist geschaffen. So-
nicht nachdrücklich hervorgehoben; viele Sänger wohl als Schöpfer weitgespannter Kunstlieder
von Ruf und Bedeutung zeugen heute durch ihre wie als wahrhaft echt . empfundener
Leistung für ihren Meister, der, selbst eine leben- Lieder im Volkston schöpft er aus dem Quell
dige und bei aller Universalität geschl05sene Per- einer nicht alltäglichen Erfindung. Als besonders
sönlichkeit, alles Gesangliche als Mittel des Mu- glückhaft erwiesen sich auch seine vielgesunge-
sikalischen bildete und erzog. . nen Vertqnungen von zwanzig ernsten lind hei-
Und es fehlte "das Wesentliche wäre nicht teren Gedichten von Wilhelm Busch,"
endlich die Rede vom Komponisten Hugo Rasch. Die Gradlinigkeit dieses Schaffens ist bei aller
Der anfangs erwähnte Berufskamerad, der sei- Weite des Ausdrucks organisch und die Vielheit
nen berufsständischen Führer an seinem amt- gebunden durch bleibende Qualität. Es kann hier
lichen Schreibtisch aufsuchte, wird auf diesem nicht alles El'wähnung finden. Die an philosophi-
in der klaren, großzügigen Schrift Raschs seit scher Weisheit und Dichte der Gestaltung kon-
Jahren ein immer gleiches Notenzitat unter Glas genialen Busch-Lieder brachten im Schaffen des 19

-

Komponisten immer neue mrnte .und sind es, die rische Vitalität und meisterliches Vermögen auf •
seinen Namen am nachdrücklichsten bekannt das glückliChste verbinden.
machten. Die in ihrer Gefühlskraft und saube- Wir haben hier einen bleib~nden Schaffens-
ren Echtheit so inspirierten Lieder im Volkston anteil sm Deutschen Lied zu erkennen, der von
und zehn Volkstümliche Lieder sind welt ent~ernt den Zeitgenossen nicht übersehen werden. sollte.
von billiger Glätte lind sentimentaler Volkstüme- Die überhöhung der Textaussage durch die Mit-
lei, sie lassen den melodiseben Einfall sich aus tel der Musik bei sparsamster Anwe1.ldung und
einer bewundernswerten Ökonomie zur .~~ng­ letzter Beschränkung auf das Wesenthche kenn-
lichen Gestalt entfalten und tragen alle Moghch- zeichnet hier einen Meister, der etwas zu sagen
kelt in sich, einmal Volkslieder zu werden. Da hat und ihm endgültige Form gibt. Der Wert
sind die großgeschauten, e~en~ertig g~formten dieses Schaffens liegt nicht in ~eine~ Umfa?g
Lieder nach alten Texten, dle Fünf Gesänge .des sondern in seiner Dichte. Es entsprmgt emem zeit-
Hafts und vor allem jene Lieder nach den eigen- losen, im besonderen Akzent modernen Deutsch-
wüchsJ.gen Gedichten des von Rasch entdeckten tum Ein solches Lebenswerk hat Lebensanspruch
Lyrikers Anton Stra.Bmair etwa die drei groß- auf . sich selbst und aus dem politischen. Gesetz
artigen Tenorlleder op. 24, deren kühner W~f der Rückführung aller individuell erkilmpften
und gestaltungssichere Fortschrlttlichkeit die Werte in das Volks- und Lebensganze: um dort ,
letzte Gewalt des Fühlens und die letzte Klarheit zu leben, zu erklingen und lebendig und klingend
des Denkens enthüllt, in welcher sich schöpfe- zu machen.
, ••
\

Musikliteratur und neue Noten I


WALTHER OTTENDORFF: Das Haus Simrock, HANS VOLKMANN; Beethoven in seinen Be-
ein Beitrag ZUT Geschichte der ~ulturtTagende~ ziehungen zu Dresden. Unbekannte Strecken sei- •
Familien des Rheinlandes. Rheirusche Bücherei, nes Lebens. Deutscher Literatur-Verlag, Otto
Kulturdokumente des deutschen Westens, heraus- Melchert, Dresden. 1942. 264 Seiten.
gegeben von D. H. Sarnetzki. Aloys Henn-Verlag, Beethoven ist nur im Jahr 1796 auf der Reise
I

Ratingen, 1949, 158 Seiten. nach Berlin und auf der Rückreise von dort durch
Ein unmittelbarer Nachfahr der zwei bedeu- . Dresden gekommen und hat sich beide Male nur ,-
tendsten Träger des klangvollen Namens der Sim- verhälhlismäßig wenige Tage dort aufgehalten,
rock berichtet in neun Kapiteln das Wesentlich- hauptsächliCh um sich als Klavierspieler und in
ste aus der Geschichte des rheinischen Ge- einem oder zwei öffentlichen Konzerten hören zu ,,
schlechts. über jene zwei größten: Nicolaus Sim- lassen. Außerdem verbanden ihn aber mit der
rock der sieb. vom Hornisten der Hofkapelle des sächsischen Kurfürstenstadt viele persönliche Fä- I
• Kurfürsten MaXimilian Friedrich von Köln zu den. Um nur das Wichtigste herauszugreifen:
einem Musikverleger von Weltruf hinaufarbei- In Dresden hatte sich 1794 der Hofmarschall des •
tete, und seinen Sohn Karl, den rheinischen Dich- Kurfürsten Max Franz von Köln, Baron August
ter und Künder deutscher Heldensage, lagen be- von Schall, niedergelassen, den der Tondichter
reits verschiedene Vorarbeiten vor. Ottendorff schon von Bonn her kannte; dort hatten Tiedge
hat nun alle alten überlieferungen nachgeprüft und Elisa von der Recke ihren Wohnsitz, als sie
und durch eigene Forschungen vielerlei neues - im Sommer 1811 in Teplitz mit dem Ton-
Material beigebracht. Zumal für seine Beiträge dichter in freundschaftlichem Verkehr standen;
über den Begründer des Bonner Verlags und des- von dort stammte Theodor Körner, mit welchem
I
sen Anfänge wird ihm, wer mit Musik zu tun hat, als Operntextdichter sich der Meister kiinstle-
Dank wissen. Die rein geschichtliche Darstellung, risch zu verbinden gedachte. Dresden war aber
deren einzelne Kapitel im wesentlichen nach den auch eine der regsten deutschen Pflegestätten der
Namen der wichtigsten Vertreter der Familie be- Werke Beethovens: Bereits 1815 wurde dort, wie
titelt sind, wird durch das belustigende Intel.'- Volkmann festzustellen vermochte, von der Jo-
mezzo "Alexander Dumas im ,Trierschen Hof'" seph Sekondascben Operntruppe der "Fidelio"
unterbrochen dies der Name eines Bonner erstmals aufgeführt, allerdings nicht in der end-
Gasthauses, das Franz Carl Anron Simrock, ein gültigen Fassung von 1814, sondern in der zwei-
I
Sohn von Nicolaus, vor einem Jahrhundert be- ten von 1806. (Bisher war die Beethovenwissen-
wirtschaftete. Ihr schließen sich übersichtlich an- scbaft der Ansicht, erst earl Maria von Webers
gelegte Verzeichnisse der Vorfahren und der Wiedergabe vom Jahr 1823 habe die Dresdener
Nachkommen von Nicolaus an. Zu dem Sonder- mit dem Werk bekannt gemacht.) Mehrfach ist
kapitel über "Beethoven und das Haus Simrock" aus den ~sprächhe.ften auch festzustellen, daß
seien ein paar kleine RiChtigstellungen geboten: sich der Tondichter von dem bei Dresden gebore-
Vor dem Erscheinen des Buches "Beethovenbriefe nen Fagottisten August Mittag über dessen Ton-
an Nicolaus Simrock, F. G. Wegeier, Eleonore von werkzeug Aufschlüsse geben und von ihm und
Breuning und Ferdinand Ries" von L. SChmidt andern über das Dresdener Musikleben berichten
(Berlin 1909) war nicht ein Brief des Meisters an ließ. Zu Beethovens engerem Wiener Bekannten-
Simrock, sondern drei bereits veröffentlicht, näm- kreis gehörte auch der Legationsrat bei der säch-
lich außer dem Schreiben vom 2. August 1794 die sischen Gesandtschaft Georg August Griesinger,
vom 4. Oktober 1804 und vom 18. März 1820. So- der vor allem als Mittelsmann zwischen Breitkopf
dann war der dem Buch neben 10 anderen Bil- & Härtel und dem Meister wirkte. Losere Fäden
dern auf Tafeln beigegebene Höfelsche Kupfer- zwischen diesem und Dresden spannen u. a. die
stich, der die Widmung ,;meinem Freunde Sim- Geiger G. A. P. Bridgetower und G. B. Polledro
rock, um mich zuweilen anzusehn von L. v. Beet- sowie der Operntonsetzer Fernando Paer.
hoven" enthält, doch wohl ein Geschenk des Mei- Das SchIußkapitel fÜhrt die Anfänge der Beet-
sters an Peter .Toseph Simrock, als dieser 1816 in hovenpfiege in Dresden vor Augen. Der Sonder-
Wien weilte, also schwerlich für Nicolaus be- forscher weiß aus Buch-, Zeitungs- und Zeit-
20 stimmt. Max Unger.
schriftenveröffentlichungen des Verfassers, daß





sich dieser Jahrzehnte lang in den Stoff vertieft Zusammenhang, denn der Band ist Beethoven
hat. Nun findet er einmal alles in guter Ordnung und nicht dem Dichter vorwiegend gewidmet.
zusammengefaßt, begegnet aber auch hier und da Zahlreiche Anmerkungen erhöhen den Wert der
wertvollen neuen Feststellungen, außer den Mit- Veröffentlichung.

Herbert Gerigk .
teilungen über die erste Dresdner Fidelio-Wieder- DIETRICH STOVEROCK: Mozarts J1.Lgend.
gabe beispielsweise: dem Eintrag über Beethovens 72 Seiten. Staufen-Verlag. Köln [1942].
Spiel bei Hof am 29. April 1796, der Bestim:mung
des Operntextes, den Körnet dem Meister ~ 17 LebenSjahre zeichnet Stoverock nach, indem
Vertonung vorlegte ("Die Bergknappen"), der Un- er zeitgenössische Quellen auswertet und zusam-
tersuchung der "Fidelio"-Abschrift, welche earl menstellt. Er will vor allem der Jugend die •

Maria von Weber bei seinen Aufführungen ge- liebenswerte Gestalt des Wlmderknaben Mozart
brauchte, sowie der Mitteilung eines unbekannten nahebringen. In geschickt getroffener Auswahl •

neuntaktigen Rezitativs Don Fernandos, das sich . entrollt das Bändchen ein lebensvolles Bild des
in jener Partitur kurz .vor dem Schlußchor findet, Kindes und des Künstlers Mozart. Das Schaffen
genaueren Angaben über die Ablehnung der ab- ist ja schon frÜhzeitig schicksalhafte Notwendig-
scbriftlichen Missa solemnis durch den Königshof, keit bei ihm in einem Alter, in dem gewöhnlich
der Feststellung der. Abkunft Bridgetowers usw. das kindliche Spiel der einzige Lebensinhalt zu
sein pflegt. Anmerkungen
Volkmann hat den reichen Stoff in sachlicher zeichnis der Jugendkompositionen mnden das und ein Auswahlver-
~lehrtenart dargelegt. In dem Kapitel über Bändchen ab. Herbert Gerigk.
Beethovens Besuch in Dresden gibt er seiner Dar-
stellung verschiedentlich eine scheinbar poeti- HUGO DISTLER: Funktionelle HaTmonielehre
sierende Färbung, doch ist die Erzählung auch mit Beiheft: Lösung sämtlicher Aufgaben. Bären-
hier nicht frei erfunden, sondern so gestaltet, wie reiter-Verlag, Kassel. 1941.
sie sich vermutlich zugetragen hat. Selbst der Das vorliegende Lehrbuch des zu früh
Mann vom Bau wird dem Verfasser wegen dieser verstorbenen Hugo Distler ist nach der Methode
dichterischen Freiheit nicht gram sein. H. Grabners entstande{l, der über M. Reger als
Einige kleine Verbesserungen werden für eine Mittelsmann seinerseits auf Hugo Riemanns
zweite Auflage des bereits vergriffenen Buches Funktionstheorie fußt. Von dieser unterscheidet
willkommen sein. Zu S. 159: Der ursprüngliche sich die Grabner-Distlersche Harmonielehre vor
Titel von Beethovens erstem Marsch in F-dur für allem durch die Bezeichnung aller Akkorde
Militärmusik später "Yorckscher Marsch" ge- also auch der Mollakkorde von unten nach
heißen lautet "Marcia No. 1 für ~ böhmische oben, d. h. stets mit dem tiefsten Ton als Grund-
Landwehr" (nicht "AHo." statt "No. 1 für"; vgl. ton eines Dreiklangs in der Grundlage. (Wir
Nottebohm, Thematisches Verzeichnis, S. 198). Z.u wissen, daß Riemann selbst mit solchen Kompro-
S. 179: Die Mitteilung, daß ' Gandolph Steinhausers- missen für oder vielmehr gegen sein streng-
Zeichnung nach 1800 "von 3. J. Neidl in Wien und logisch errichtetes duales Theoriegebäude nicht
von K. T. Riedel und Job. Gottfried Scheffner in einverstanden war.) Im ganzen aber stellt sich
Leipzig" in Kupfer gestochen wocden sei, scheint Distler in seinem Buch als ein sehr gewiegter
in dieser Form etwas ungenau zu sein. Offenbar Theoretiker· vor, der alles Wichtige auf äußerst
lagen den Stichen der letzten zwei der von Neidl, geringem Raum ' zusammenzufassen verstanden
hicht das Original von Steinhauser zu Grunde. hat. Die rund 70 Kleinquartseiten im Querformat
Zu S. 158: Es muß statt "Allgemeine (Wiener) enthaltende Anleitung ist, obgleich sie kein Teil-
Musikzeitung" riehtiger "Allgemeine Musikalische gebiet übergeht, eine der knappsten aller neueren
Zeitung" heißen, eine Ungenauigkeit, der man Harmonielehren. Daß sie zu wenig Aufgaben d.ar-
auch im Hinblick auf das Leipziger Fachblatt der bietet, gesteht der Verfasser selpst im Vorwort.
Zeit immer wieder begegnet. Endlich ohne un- Sie zu vermehren, ist also Sache des Lehrers. Zu
bedingte Gewähr zu S. 144: Sollte es bei Beet- dem Buch gehört ein Beiheft mit den Lösungen
hovens Abschrift der Kunde von Gerhard von aller Aufgaben. Natürlich soll es erst nach deren
Kügelgens Ermordung statt ~"Tübinger" nicht selbständiger Ausarbeitung herangezogen werden;
richtiger ..Augsburger Allgemeine Zeitung" hei- es wäre aber wohL besser, es dem Schüler über-
ßen? War es doch diese, welche sich der Meister haupt nicht in die Hand zu geben. Max Unger. \
dauernd ins Haus kommen ließ. Der Verlag hat
das Buch mit einer beträchtlichen Anzahl von
Bildern, nach alten Stichen und Originalen im M"(JSIKBLATTER DER HITLER-JUGEND, her-
Text und auf Tafeln sowie mit vielen Federzeich- ausgegeben von W. Stumme. Kallmeyer-Verlag,
nungen aus Hugo Langes Feder ansprechend vor- Wolfenbüttel und Berlin.
gelegt. Max UngeT. _ Ein Musizieren aus diesen vierseitigen Veröf-
-
ALFRED OREL: GrillpaTzer und Beethoven.
fentlichungen macht mit dem erfreulichen Bestre-
ben bekannt, Bach mit cha! akteristischen Stücken

Verlag für Wirtschaft und Kultur, Payer & Co., dem Herzen der .Tugend nahe zu bringen. Blatt
Wien 1941, 135 Seiten. 579/580 bietet als Umschriften bzw. Einrichtungen
Das Buch enthält in der Hauptsache die Doku" zwei Kanons, zwei dreistimmige Inventionen und
mente, in denen die Beziehungen zwischen .Beet" eine Fuge aus dem "Wohltemperierten"; Spiel-
hoven und Grillparxer ihren Ausdruck finden. musiken sind es geworden, die durch Transposi-
Des Dichters Erinnerungen an Beethoven, das von tion und durch Sonderung der Stimmen den
ihm für Beethoven geschriebene Operntextbuch volkstümlichen Zwecken dienstbar wurden. Bei- •

"Melusina" leiten ein. Die Gespräche gefügte Anmerkungen machen mit der Herkunft •
mit Beethoven gehen auf Übertragungen der Kompositionen. vertraut. Ähnliche Einrich-
Sauers aus den Konversationsheften zurück. Zwei tung weisen auch die Musikblätter 581/582 mit
Briete des Komponisten an den Dichter, ferner 6 Fugetten aus Bachs "Klavieri.ibung" und 583/584
Gedichte und Aufzeichnungen Grillparzers über mit zwei Sinfonien aus Kantaten des Meisters auf.
'Beethoven und schließlich die beiden Reden be- Musikblättter der Hitlerjugend Nr. 111/112, im
schließen die Dokumente. Orel ordnet in einem Verlag erschienen, legen Nordische
Schlußkapitel alles in einen musikgeschiehüichen - vor, einmal als Ausgabe fUr eine 21
,

Sineatimme allein, daneben eine andere mit Kl~­ Diese einfache Folge von 9 Tänzen diirfte mehr
vier- oder Instrumentalbegleitung ~d libitum. Dle für die Praxis des Volks~nzes a~~ ~es Kunst-
treffsicher charakterisierten Tonsätze verdienen tanzes berechnet sein. Die m landlaufiger Rhyth-
uneingeschränkte Anerkennung. Wohlmeinende mik und Figuration gehaltenen Sätze stell«:n tec.h-
AnmerklIngen empfehlen besondere Formen der nisch keine großen Anforderun~en 8;n die .. spIe-
Ausführung. Gotttried Schwei~er. lende Hand Dieserart Zyklen 1St .. eme starke~e
FRITZ KAPPEL: Die Spieldose. Tanz- und Farbigkeit und Bildhaftigkeit zu wunscheI?- als SIe
SpielstUcke für Klavier. Verlag Hochstein & Co., hier 1n entscheidenden Partien gelungen 1St.
Heidelberg. - Gottfried Schweizer.
,
Die Schallplatte
2 2

Neuaufnahmen In Auslese. •
Eine Wiedergabe der 4. Sinfonie von Brahms Guila Bustabo, die junge Gei~erin, vereinigt
unter Hermann Abendroths Leitung mit dem vollendete Virtuosität glücklich mit starkem Emp-
Gewandhaus-Orchester zeichnet sich durch groß-
zUgige Gestaltung durch den gefeierten Dirigen-
finden. Davon legt ihre Wiedergabe der Panto-
mime von de Falla ebenso Zeugnis ab wie der

ten aus. Uns liegen der 3. und 4, Satz vor, die Vortrag der Habanera von Sarasate. Eine ein- I
In der DurchsichtigkeIt des Klangbildes dem Or- drucksvolle Geigenplatte! Columbia LWX 363.
chester ein hohes Zeugnis ausstellen. Abendroth
I
weiß den raschen Satz mit leichter Hand aufzu- Mit bemel'kenswerter Virtuosität gestaltet der
I
lockern, während er dem Finale, der berühmten Pianist Cor de G.root das Impromptu in Es von
Chaconne, Wuchtigkeit und Größe verleiht. Ne- Schubert. Der Klavierklang läßt allerdings auf- •

ben den bereits vorliegenden Aufnahmen dieser nahmetechnisch hier zu wünschen übrig. Echte•
Sinfonie behauptet diejenige Abendroths ein Empfindung bricht bei der Wiedergabe von Zwel
durchaus eigenes Profil. Odeon 0 9143/45. Moments musicaux durch. Odeon 0 8777.
MOlarts Jupiter-Sinfonie (die ihren Titel übri- Benjamin Gigli singt den Bajazzo-Prolog, hö-
gens erst nach Mozarts Tode erhalten hat) ist von her transponiert, aber mit dem Schmelz ~e~
Ernest A'Il$ermet mit dem Orchester der Roma- Stimme, der eben alles kennzeichnet, das GIgll
nischen Schweiz aufgenommen worden. Für un- vorträgt. .t\us Grundsatz ist es natürlich anfecht-
sere verwöhnten Ohren hält das Orchester den bar, daß bekannte Opernarien für andere Stimm-

Vergleich mit den besten deutschen oder italieni- lagen transponiert werden. Da herrschen bisher
schen Kapellen nicht aus. Ansermet musiziert noch andere Regeln als beim Klavierlied. In die-
mit romanischer Beweglichkeit und vielen Frei- sem Falle war wohl die Forderung des Tonf~s '/ •
heiten in der Dynamik. Vor allem liebt er eigen- "La,che, Bajazzo" bestimmend, aus dem Gigli mIt , .
mächtige Sforzati. Man steht einer sicher inter- überlegener Meisterschaft Millöckers Glückswal-
essanten Auffassung Mozarts gegenüber, die eine zer gleichfalls auf die Platte bannt. (

Haltung besitzt, die unsere Achtung verdient, die . Electrola.DB 7623.


uns jedoch nicht befriedigt. Das soll keine Ver- Den Bajazzo-Prolog gestaltet auch Hans Wocke,
kleinerung der DirigentenpersBnlichkeit Anser- stark im Ausdruck, aber auf der Schallplatte
mets sein, aber der ständige Gast in den Berli- noch nicht letzte Erfüllung. Der Verzicht auf die
• ner Philharmonischen Konzerten wird selbst den BÜhnenwirkung fordert eine ungeheure Intensi-
hÖChsten Beurteilungsmaßstab auch für eine so vierung in jeder Hinsicht vom Sänger, eben eine
bedeutsame Plattenaufnahme fordern. spezifische Mikrofoneinstellung. Die große Rigo-
Odeon 0 8778/81. letto-Arie "Feile Sklaven" zeigt die sängerischen
F.)ins der meistgespielten zeitgenössischen Wer- Fähigkeiten Wockes im besten Licht.
ke, die Salzburger Hof- und Barockmusik von Odeol;1 0 3620.
WiIhelm Jerger, wurde vom Komponisten (der ein Unter den Neuaufl1ahmen nimmt das Duett aUS
vortrefflicher Dirigent ist) mit dem Kammer- Tannhäuser ,,0 Fi,i,rstin" mit Maria Reining llDd
orchester der Wiener Philharmoniker auf einer Max Lorenz eine Sonderstellung ein. Hier sind
Platte festgehalten ein liebenswürdiges Ton- zwei herrliche Stimmen für 'eine ihnen gemäße
stück, das in dieser sauberen A1.fnahme unmittel- Aufgabe eingesetzt und ihr hinreißendes Musi-
bar anspricht. Electrola E zieren wird von den Wiener Philharmonikern
Eine Suite aus Manuel de Fallas Ballett "Der unter Moralt prachtvoll ergänzt.
Dreispitz" zeigt in der fesselnden Darbietung Electrola DB 7624.
durch Fritz Lehmann die Frische dieser Musik Eine der in ihrer Zeit (frühes 17. Jahrhundert)
die in ihrem Kern auf spanische Volkskunst zu: berühmtesten Arien Claudio Monteverdis, das
ruckgreift. Das Brüsseler Radio-Orchester mei- "Lamento di Arianna" wird von Gabriella Gatti
stert die hohen Anforderungen der Partitur. Er- mit
• großer Einfühlung in den Stil des Werkes
gänzend bringt Lehmann die Pantomime "Liebes- emer versunkenen Zeit gesungen, begleitet vom
zauber" • ein in der Eigenart der Stimmung unge- Orchester der E. J. A. R. Es ist eine Aufnahme,
mein starkes Werk. Odeon 9140/41. die dem Musikfreund einen interessanten Ein-
Den l. Satz des Streichquartetts in c von Brahms blick. in die Anfänge der Oper als Kpnstgattung
spielt das Breronel-Quartett kraftvoll und doch verrmttelt und die darüber hinaus Wert als mu-
weich im Klang, überaus klar in der Phrasierung sikgeschichtiich~s Anschauungsmaterial besitzt.
kurz: es ist ein Singen auf edlen Streichjnstru~ Siemens Spezial LM 67940.
me!lten. Die Werktreue und das Vertiefen in den Mit der Arie der Marie aus Smetanas "ver-
Gelst der Brahrnschen Musik verdienen Beach- kaufter Braut" stellt sich Hilde Singenstreu erst-
22 tung. Grammophon J .M 67 malig auf der Schallplatte vor ansprechend in
der Gestaltung, aber noch nicht überzeugend in


,

der speziellen Platteneignung, die ihre eigenen Ein Wiener Stimmungssänger, Albert Emme-
Gesetze hat. Der lichte Sopran der' Künstlerin rich, erneuert das Hobellied aus Raymunds "Ver-
braucht vielleicht auch nur eine gewisse Mikre- schwender" ehemals ein Weltschlager im guten
fonerfahrung. Grammophon L 62834. Sinne. Die Vertonung Cqnradin Kreutzers hat
Ganz aus dem Geist ~ der Musik formen auch ihre eigenen Reize. Columbia DW 4915.
TreSi RudoZph und Hugo Meyer-Wel!ing zwei Leichteste Kost veredelt Trante Rose durch
Duette aus "La Traviata". Das Melos Verdis ihre gepflegte Stimme und den ebenso gepflegten \
kommt beiden Stimmen entgegen, so daß im Ver- Vortrag, während die vorgetragenen Operetten-
ein mit dem Orchester des Deutschen Opern- lieder Schröders aus "Hochzeitsnacht im Para-
hauses eine schöne Aufnahme entstanden ist. dies" in ihrer Haltung schon sehr auf der Grenze •
Odeon 0 3611. des Tragbaren stehen. Imperial 19212.
Die wundervolle Baritonstimme Sven-Olof
Sandbergs kommt in zwei Schubertliedern (Wo- Walzerlieder von Johann Strauß (Nacht in
hin? und Das. Wandern) nicht voll zur Geltung, Venedig und Zigeunerbaron) hört man von dem I
weil die Lage anscheinend für die Platte ZU tief Wiener Tenor Ernst Kurz, wobei die Reize der
gewählt ist. Dabei wird mit Raucheisen run Flü- köstlichen Musik im Vordergrund stehen. .

gel! prachtvoll musiziert. Odeon 0 4640. Imperial 19196.
Die gr.oße Gesangskunst Erna Bergers steht im Ein Querschnitt aus Nico Dostals Operette
Dienste zweier Lieder aus Franz Grothes Ton- "Manina" macht mit einem Erfolgswerk unserer
film "Die schwedische Nachtigall". Vor allem Tage bekannt. Es ist musikalisch anspruchslos
das Lied der Nachtigall ist der Stimme der KÜnst- und man ist erstaunt, wie wenig die gefeierten
lerin bestens angepaßt. Der Komponist leitet das Künstler der Operettenbühne gesanglich vor dem
begleitende Orchester, das die virtuosen Kolora- SChallplattenmikrofon standhalten (mit Ausnahme
• turen wirksam stützt. Telefunken E 3264. von Herbert Ernst Groh). Auch hier müßte ein
Die gefeierteErna Sack trägt Schuberts und strenger Maßstab angelegt werden, trotz der viel-
Mozarts WiegenlIeder vor, leider nicht einfach
I
leicht auch jetzt vorhandenen Nachfrage.
genug und bei Mozart an einigen Stellen wenig Odeon 0 • 3621.
schön geschmiert. Es scheint, daß für die Mei- Das Marschlied nimmt in der Musik des Kriegs-
sterin der Koloratur der Volkston schwerer zu alltages einen breiten Platz ein. Man tut daher
treffen ist als der Arienton. Telefunken A10454.
• gut, diese Gattung nicht zu übersehen. Uns liegt
Die lyrische Tenorstimme Anton Dermotas .ent- vor ein neues Lied der Artillerie "Kanoniere",
faltet sich in Operetten gesängen von Lehar, pu- von Norbert SchuZtze mitreißend vertont und vo~
blikumsicher, aber vom Standpunkt der Gesangs- einem Lllftllachrichten,-Musikkorps unter E. Kie-
kunst nicht in allem gerechtfertigt (Dein ist mein sap,t entsprechend vorgetragen. Kristall 2164. .
ganzes Herz). Telefunken A 10455. Besprochen von Herbert Gerigk.
• ,


Das Musikleben

, •
• Berliner Oper. -
Das bedeutendste Berliner Opernereignis der letzt- kehrerschicksal ist mit teils neuern Text auf ein
ten Zeit war die Wiederbelebung einer Nicolai- Vorspiel und zwei Akte konzentriert worden •
Oper in der Staatsoper, die als weithin beachfete lebt die unverfälscnte Atmosphäre der italieni-
Aufführung vonstatten ging. Hinter dem wohl schep vorverdischen Oper mit Kantilenenschön-
aus theaterpraktisch zweckmäßigen Gründen ge- heit, dramatischem Schwung und sicherem En-
wählten, etwas operettenhaften Titel + "Mariana" semblebaü, kündet ,sich aber auch schon we-
verbirgt sich der "Proscritto", jenes Werk aus der nigstens in nuce in der instrumentalen Durch-
italienischen Zeit des Schöpfers der "Lustigen formung, in manchen beseelten Bläserakzenten,
Weiber", mit dem der deutsche Meister noch ein- in der Ausdrucksvertiefung des GesamtgehaItes
mal jenseits der Alpen sein Glück machen wollte. eine Voralinung des -deutschen Stiles an.
Die Geschichte dieser Oper ist zum guten Teil Wir finden hier eine charakteristische Parallele
eine Geschichte des Mißgeschickll ihres SChöpfers, zu dem jungen Wagner, der mit dem "Liebes.ver- •
.angefangen von dem Fiasko der Mailänder Ur- bot" ebenfalls gleichsam mit nachtwandlerischer
aufführung bis zu der mehr oder weniger erfolg- Sicherheit sich den italienischen Stil seiner' Zeit •

losen Wiener Wiederbelebung zu Lebzeiten des aneignete und ihn mit einem dramatischen Feuer
Meisters und der langen Zeit ihrer Vergessenheit. explizierte, das seinesgleichen suchte. In beiden
Bedurfte es noch eines Beweises, das musikdra- F~men spürt man auch llDter dem fremden Ge-
matische Genie Nicolais auch vor seiner großen wande die Klaue des Löwen, aber sie schlug erst
deutschen Tat zu erhärten, so ist er mit dieser zu, als beide Meister sich ganz bewußt zum
Uraufführung, die der Reichsstelle für Musik- Deutschtum in der Musik bekannten und- damit
bearbeitungen im Reichsministerium für Volks- in die durch Weber auch stilistisch klargelegte
aufklärung und Propaganda zu danken ist, glän- nationale Richtung in der dramatischen Musik
zend gelungen. Denn inder von dem Nürnber- einreihten. Es ist ungemein aufschlußreich, an
ger Intendanten Willi Hanke und seinem Mit- solchen entwicklungsgeschichtlich wichtigen Bei-
arbeiter Dr. Max Loy besorgten Neufassung, die spielen die Unterschiede der damaligen National-
bis auf einige Nahtstellen eigener musikalischer stile zu erkennen und damit letztlich Sinn und
Zutaten und Übergänge mit Pietät und Werk- Bedeutung des langjährigen Kampfes um die
treue, außerdem aber mit Sinn für deutsche Oper. Auf der anderen Seite versteht
dramatische Straffung die nach Ita- man heute so manches Urteil der Zeitgenossen,

lien verlegte Handlung mit aus der priva- so z. B. auch das über den "Proscritto", der den
ten in die politische Sphäre gerückten Heim- einen lU deutsch, den anderen zu italienisch er- 23 •



schien. Man hatte damals zweifellos feinere Oh- die Hans Hofma,nn, Wilhelm Schmidt, Willi Sah-
ren fUr die wesensbedingten Stilmerkmale in der Zer und Franz Notholt mit geSchickt do~ierte~
Musik die von der italienischen Blickrichtung stimm- und spielfrohen Humor ga~en. DIe l~.~­
aus sich plastischer, klarer und sinnfälliger in gen und listigen Weiber w!lren bel d~r kapr1;ZlO-
. den' italJe'nischen Opern der Zeit, vom deutschen sen Ingeborg Schmidt-Stem, der naIv-drolligen
• Standpunkt aus sich eindeutiger in der romanti- Gerda Maria Cornelius, der anmutigen Gertrud
5Chen Oper dokumentierten. Lüking und der ingrimmig duldenden Gerda
über diese im wesentlichen historische Proble- Baakes-Bolitsch bestens aufgehoben..!n .dem ~n­
matik hinaus, die ein Werk wie die "Lustigen sembIe das sich in der hell und frohhch sti11-
Weiber" erst in das rechte Licht setzt, kommt sierten' Bühnenstaffage von Walter Kubbernuß
der Wiederbelebung des "italienischen" Nicolai tummelte fiel Ernst Kurz durch lyrische Tenor-
das Verdienst zu, die Schöpferkraft des Meisters Ieichtigke'it auf. Unter Ernst Senfis besc~win~~er
auch vor seInem entscheidenden Beitrag zur Stabführung musizierte das Orchester mI~ spur-
deutschen Oper hervorgehoben und einen wesent- barer Freude an dieser dankbaren und mIt herz-
lichen Einblick in die musikdrama tische Ent- lichem Beifall aufgenommenen feingliedrigen
WiCklungsgeschichte der bei den großen Musik- Klangwelt. .
nationen gegeben zu haben. Eine glanzvolle TannhäuseT-Aufführung m der
Dle Handlung, durch die trotz der Umformung Staatsoper war der Rahmen für das Jubiläum der
noch ein gut Teil der zeitgenössischen italieni- 25jährigen ununterbrochenen Zugehörigkeit von
schen Textscbablooe hindurchblickt, kristallisiert Heinrich Schl'llSnus zur Staatsoper. Der Führer
sich um jene Mariana, die Frau des Verbannten hatte seine Verbundenheit mit diesem KÜnstler
und neue Gattin seines Feindes. Beide Männer und damit d,.er ganzen deutschen KtinstlerscbB;!t
sind Häupter feindlicher Adelsgeschlechter, und durch die Verleihung der Goethe-~edaille fur
der wenig trostvolle Freitod der TitelheIdin ver- Kunst und Wissenschaft bekundet, ynd die Staa~­
söhnt die Nobili. Dieses Geschehen entbehrt oper bereitete ihrem Meistersänger, der an die- •
gleichwohl nicht starker dramatischer Span- sem Abend zum 100. Male den Wolfram sang, bei
nungselemente, die namentlich Johannes Schüler offener Biihne eine eindrucksvolle Ehrung, die in
I,
sm Dirigentpult in glutvolles musikalisches Le- .Ansprachen von Generalintendant Staatsrat Tiet-
ben umsetzte. Überhaupt war die von Wolf Völ- jen und Rudolf Bockelmann gipfelte. Die Herz-
ker mit dem Sinn für die Erfordernisse der gro- •
lichkeit, mit der Heinrich Schlusnus von dem voll
ßen Oper inszenierte und von Edmund Erpf in einen besetzten Hause gefeiert wurde, bewies, daß sich
prachtvoll-monumentalen Bildrahmen gespannte das deutsche Opernpublikum der einmaligen
Aufführung festlich, glanzvoll und in den Lei- künstlerischen Leistungen bewußt ist, die dieSer
stungen des Orchesters, der SoUsten und des von vornehme Sänger, seit Jahrzehnten Inbegriff
Gerhard Steeger betreuten Chores gleich ein- edelster deutscher 13elkantokunst, als Besitzer
drucksmäßig. Hilde Scheppanll dramatisch be- und verantwortungsbewußter Verwalter einer der
seelte, in Gesang und Spiel leidenschafterfüllte herrlichsten Baritonstimmen unserer Zeit im
Mariana, LudWig S'llthaus' strahlkräftiger Tenor ständigen Einsatz für di~ höchsten Werke der

und Willi Domgraf-Faßbaenders stimmprächtiger deutschen Musik vollbracht hat .
Bari ton sind da an erster Stelle zu nennen. Ne- Von den Operngastspielen der letzten Zeit blei-
ben ihnen verbürgten Joseph Greindl, Ericll Witte
ben eine "Maskenball"-und eine
und Benno Arnold in einem ausgeglichenen En- Aufführung im Deutschen Opernhaus haften. "Zauberflöten"-
semble den berechtigten starken Erfolg der Auf- Als Renato konnte der kroatische Bariton Dra-
führung, der auch dem Werke zugute kommen gusin Sostarko 'einen. ungewöhnlichen Erfolg bu-
dürfte. .,
,•
chen, der ebenso dem männlichen
Mit einem glücklichen Griff in die nicht gerade einer ungewöhnlich schönen Stimme wie derBaritonwohllaut
ergiebige, dafür aber stets um so dankbarer be-
grüßte Spbäre der neuen musikalischen Lust- Kultur eines dramatisch durcbbluteten Scnön-
spieloper wartete die VOlksoper auto Ermanno gesanges zu danken ist. Als Sarastro begeisterte
• Wolf-FeTTarts "Vier GrObiane", das bald 40jährige der MÜDchener Staatsopern-Bassist Georg Hann
Frühwerk des deutsch-italienischen Meisters ru- durch sein fülliges, bis in die tiefste Stimmregion
fen auch heute die Wirkung einer durch eine bald leicht und mühelos geführtes Organ !Jnd eine
kluge, den Mozart-Stil überzeugend meisternde
zärtlJch-schmeichelnde, bald spritzig-charakteri_ sängerische ~staltung.
sierende Sangl1chkeit und Instrumentation ge-
würzten musikalischen Heiterkeit hervor, die den An gleicher Stätte verlieh Mario Rossi, einer
Werken dieses vielleicht letzten Meisters der <ter führenden Operndirigenten Italiens, einer
• Buffa von jeher ihren eigenen Reiz und Schim- Rigoletto-Aufführung jene Immer wieder beglük-
mer gaben. In der beherzt, aber stets geschmack- kende Einheit einer peinlich genauen Abstim-
voll ausgespielten Komik der von Hans Harleb mung auf die Erfordernisse der Bühne und der
inszenierten Aufführung dominierte das Quartett intensiVEm Durchleuchtung des Orcbesterparts,
der polternden. schließlich aber doch durch wobei die nicht alltägliCh breiten Zeitmaße des
Schönheit und Weiberlist genasführten Grobiane, Ariengefüges hervorgehoben werden müssen.
• Harmann Killer .

ALTENBURG (Thür.). Die Spie,lzeit 1942/43


wurde unter der Stabführung G. Schwiers mit manns Leitung) Kienzls "Evangelimann", der in
I
einer "Lohengrin"-AuUührung eröffnet, die den schauspielhaft verfeinernder Spielführung unter
Gastregis~ur A. Röser als eine beachtliche nach- Dr. F. Rein eine ungemein eJq>ressive Bühnen-
schöpferische Persönlichkeit erkennbar werden form fand. Als einem Höhepunkt begegnete man
ließ. Die Aufführung gipfelte solistisch in M. Wei- zuletzt einer ,,Aida" von geradezu festspielmäJ31-
land, deren EIsa durch den ki1nstlerisch fein aus- ger Prägung. Intendant E. Bodart erweckte die
gewogenen Einsatz ihrer ausdruckspnibenden Partitur zu blühendster Klangschönheit. Ober-
Stimme bestach. Zu den gelungensten Darbietun- spielleiter A. Deuter hatte dem Werk eine be-
24 gen zählte ferner (unter Kapellmeister W. BOTT- zwingende Ausdruckstorxn gesichert. Neben einer
etwas blasseren J)Turandot" und der in


" ~,.,.. --
.
- ....
• I


J
Sonderbericht besprochenen Bodart-Oper "Der gegeben hat. Das Buch lehnt sich an eine sizilia-
leichtsinnige Herr Bandolin" begegnete man in nische Bauernkomödie von Pirandello an, in der
Lortzings "Waffenschmied" und Rossinis "Bar- der berühmte Ironiker das Thema vom "Schrei
bier von Sevilla" noch zwei Werken, deren Auf- nach dem Kinde" mit dem Motiv freiwilliger
führung als Ganzes wohl bejahenswert war, ohne " Hahnreischaft verbindet: Ein alter sizilianischer
jedoch das hochkünstlerische Niveau der oben Bauer, dessen Reichtum so groß ist wie die Kraft •
hervorgestellten Werke 2:U erreichen. seiner Lenden klein. und dessen Sehnsucht nach
Rudolt Hartmann. einem Erben über alle Vorurteile siegt, treibt sein
,
CHEMNITZ. VOl! dem Streben der zeitgenös-
- junges Weib dem Schürzenjäger Liolä in die
siSchen Komponisten, zu einem neuen Opernstil Arme; aus Dankbarkeit, daß er nun endlich Aus-
zu gelangen, zeugten die vier Neuheiten von Bor- sicht auf Kindersegen hat, baut er dem dörflichen
ries, VoUerthun, Gerster und Mute, die das Chem- Don Juan, seiner Braut und seinen Kindern (aus
nitzer Opernhaus in den vergangenen Monaten früheren Liebschaften!) ein wa I mes Nest. Mule,
der bei Palermo gebaren und jetzt Direktor des
aufführte; Wenn auch die Wege verschieden sind,
so stimmen doch die vier Opernschöpfer darin Kgl.
fehlt
Konservatorium
es nicht an
Santa
Erfindung.
Cecilia
Seine
in Rom
Musik
ist,
zeigt
I
überein, daß sie in ihren Stoffen das Außerwirk-
liche, übersinnliche meiden, in der Form sowohl manche schöne melodische Ansätze, doch weiten sie
I
die Nummernoper wie das leitmotivische Musik- sich nicht zu sich wölbenden Melodiebögen, .s ondern
drama ablehnen, daß sie ferner dem Sprechgesang gehen in ein flÜSSiges Parlando über. Auch hier
den Vorzug vor der kantablen Gesangslinie geben kein~ geschlossenen Formen, sondern locker ge- •

und das Schwergewicht auf eine reiche Orchester- baute Szenen. Nur die den Hahn und seinen
behandlung legen. . Hühnerhof entzückend sc9ildernde Ouvertüre, die
Fritz von Borries strebt in ' seiner ethisch ge- In ihrer Beschwingtheit an Wolf-Ferrari erinnert,
haltvollen Freiheitsoper "Magnus Fahtander" nach zeigt Bindung an eine größere Form. Mules Har-
. einer Synthese von volkstümlicher Erfindung und monik liebt mehrschichtige. kräftig dissonierende
fortschrittlicher Tonsprache; lebt sich jene in Akkorde, und die Manier der Sekunden-. Quar-
wuchtigen Marschweisen, hymnischen Chorszenen, ten- und Quintengänge, doch ist sie Ausdruck
einer schwungvollen Ballettmusik aus, so diese in einer freien Tonalität. Seine Instrumentation

emer von Reger inspirierten Chromatik, Modu- mischt mit feinem Farbensinn duftige Klänge mit
lationsfreude und Polyphonie und einer tre;(fsicher auftrumpfenden dramatischen Akzenten. Alles in
allem ein beachtliches Werk, ~as von einem per-
charakterisierenden Instrumentation. Wie Mag-
nusFahlander seine Mitkämpfer dazu erzieht, das sönlichen Stil zeugt. Für seine deutsche Erstauf-
, führung setzte sich GM I) Leschetizk.V ein.. nicht
"Wir" über das "Ich" zu stellen, so demütigt sich nur als sinngetreuer und den Rhythmus und Ton-
in Georg Vollerthuns neuester Oper "Das könig- fall sorgniltig beachtender übersetzer, sondern •
liche Opfer" Königin Luise vor Napoleon, um für
ihr Vaterland einen milderen Frieden zu erreichen. auch als feinfühliger Interpret der Partitur, wäh-
Oswald Schrenk hat in seinem Libretto die Vor- rend Dr. Tutenberg sich um die lebendige Insze-
gänge von Tilsit mit einer geschichtlichen Treue nierung verdient machte. Die übrigen Neuheiten

dargestellt, die sich oft bis auf den Wortlaut der "inszenierte mit reichen Mitteln Intendant Or.
Äußerungen der Hauptpersonen erstreckt. Diese Schaffner. Leschetizky dirigierte "Das königliChe
stehen also im hellen,_ ja allzu hellen Licht der Opfer", Rudolf Kempe "Magnus Fahlander" und
noch nicht weit zurückliegenden Geschichte, und "Die Hexe von Passau". -
das Politische, also das verstandesmäßige Ele- Besonderer Pflege erfreut sich die höhere Tanz-
ment herrscht so stark vor, daß sich die Musik ~unst, seitdem Ballettmeister Herbert Freund die
als Sprache des Gefühls kaum ausbreiten kann. Tanzgruppe zum anspruchsvollen Tanzspielen er-
So beschränkte sich auch Vollerthun auf eine zogen hat. Mit ihr konnte er an einem Abend
aUSdrucksgemäß deklamierende, sich selten zum neben Ovoraks Slawischen Tänzen und Schu-
Ariosen erhebende Wortmelodie, die von Chören, manns Karneval die Tanzlegende "Kinnes von I
Sololiedern, einem Septett und orchestralen Zwi- Delft" von Hermann Reutter aufführen. Wie die
schenspielen, darunter einem umfangreichen Bal- melodische und rhythmische Eigenart dieser Mu-
lett, wohltuend unterbrochen wird. Wieder in sik, ihre altertümelnden Bauerntänze, eine schöne
einer anderen Beleuchtu"n g erscheint der Gemein- Llebesballade, eine Passacaglia und sonstige Va-
schaftsgedanke in Ottmar Gersters "Hexe von riationskünste aufhorchen lassen, so fesselte auch
Passau". Auch in dieser wirkungsstarken Hand- die Choreographie Freunds, der die rhythmisChen
hmg, die Richard Billinger gestaltete, opfert sich Elemente und die melodischen Linien in aus-
eine . charaktervolle Frau, um die bäuerlichen druckhafte Geöärden umdeutete. Mit der glei-
Rebellen zum siegreiehen Kampf gegen die geist- chen, immer vom Musikalischen gesteuerten
lichen zu entflammen. Im Gegen- Phantasie inszenierte Freund auch Helmut Degens
satz zu früheren Opern verzichtet Gerster Ballett "Der flandrische Narr", de FaUas "Liebes-
auf sinnliche Melodik und führt streng eine ar- zauber" und CaseHas "Gestohlenes Bilderbuch".
chaisierende Musik durch, die, von alten Chorälen Den ersten Abend dirigierte Rudolf Franke, den
und VolksweiSen befruchtet, mit ihrer herben, zweiten Rudolf Kempe.. beide mit verständnis-
stark dissonierenden Stimmführung und ihrer voller Einfühlung. .
alles andere als klangschwelgerischen Instrumen- In guten Neueinstudierungen sahen wir noch
tation das Zeitkolorit und die tragische Grund- "Lohengrin", "Arabella", ,,Ariadne auf Naxos",

stimmung eindrucksvoll wiedergibt. Wie v. Bor- den "Liebestrank", die "Boheme" (einmal mit den
ries, so erstrebt auch Gerster Einheitlichkeit gro- Gästen Maria Laurenzi, Mario Filippeschi, Mario •
ßer Abschnitte, indem er jede Szene nach Inhalt Basiola und dem Maes.tro Angelo Questa) und
und Stimmung in sich geschlossen auskomponiert. "Rigoletto" (einmal mit Basiola in der Titelrolle
Wie weit sich auCh heutige Italiener von der und Angelo Questa am Pult). In all diesen Wer-
Pflege schöner Gesangslinien entfernt haben, er- ken, den alten Wie den neuen, leisteten
kannte man an Giuseppe Mules "Liola", einer ~ Sänger und Musiker Hervorragendes; ihre Kunst
BUffooper, der der übersetzer Ludwig Lesche- ~~im einzelnen zu würdigen, verbietet leider der
tizky den vielsagenden Titel "Hahn im KOTbe" i .. Mangel an Raum. pasche&. 25

,
KARLSRUHE. Eine völlige Neuinszenierung mit dem Zusatz. die Handlung vollziehe sich "im
von Pucc1n1s "BoMme" am Badischen staatsthea- deutschen Osten der Gegenwart", auf dem Pro-
ter verdlent vor allem vom Blickpunkt der Regie gramm zettel gekennzeichnet wird. So sehr die
und des Bühnenbildes aus erhöhte Aufmerksam- Zeitnähe natürlich zu begrüßen ist, so problema-
keit. Cnrl Heio.z KTClht ist ein durchaus eigen- tisch erscheint das Werk auf der ganzen Linie I
schöpferischer Spielleiter. der oftmals bis hart anbei genauerer Betrachtung. Nicht allein die Ver- •

die Grenze des Experiments gebt. dies jedoch im- dichtung eines Grundgedankens im schicksalhaf-
mer mit Geschick und Erfolg. Der Künstler mei- ten oder etwa im erheiternden Sinne fehlt, Tran-
det hier die naturalistische Linie. er sucht und tows Dichtergabe reicht auch nicht zur blutvol-
findet Milteu und Stimmung, wodurch die erfor- len Zeichnung der Personen. Der Vorwurf bleibt
derliche Atmosphäre geSChaffen wird, um den rein in der privaten, dabei noch psychologisch
Zuschauer vom ersten bis zum letzten Augenblick lmzureichenden Atmosphäre stecken. Diese welt-
unmittelbar zu fesseln. Ganz prachtvoll z. B. die anschaulich, wie dichterisch mißglÜCkte Unter-
vorzUglieh in den Raum hinein komponierte Be- nehmung vermag auch im Musikalischen nicht
wegung der Menge im zwei ten Bild. In gleicher über gute Ansätze hinauszukommen, von einem
Weise erfuhren aber auch die charakteristi.s chen zwingend fundierten Wort-Tonverhältnis ist
Stimmungswerte der Partitur durch Otto Matze- Trantow weit entfernt. Es bedürfte einer grund-
I
rath eine ganz hervorragende Belichtung. Matze- sätzlichen Läuterung in Thematik, Instrumentie-
rath verlieh der Interpretation eine ausgespro- rung und Kunst des Aufbaus, sollte die Sprache I
I
chen persönliche Prägung und schenkte uns eine des Komponisten künftig nicht ungehört verhal-
AuffÜhrung, die alle Erwartungen übertraf. Auf len. Die Wiedergabe des Werkes durch die Kre-
der Bühne nennen wir Else Blank als Mimi und felder Kräfte, Elly Voelket in der Titelpartie vor- I
Werner Schupp in der Partie des Rudolf. Heinz- an, zeugte von ehrlichem. Bemühen. Musik- I
I Gerhard Zirchers architektonisch gut geschaute direktor W. Richter-ReichheZm am Pult und Dr.
Bühnenbilder blldeten den künstlerischen Hin- Heinz Robertz. der szenische Leiter. versuchten,
tergrund. Richard SIevogt. Musik und Bühne in Einklang zu bringen.
KÖLN. Im Opernhause gastierte eine Wiener Die zweite ErstauffÜhrung für Krefeld hatte
Kammertanzgruppe der Reichshochschule für weit größeren Erfolg: Norbert Schultzes,. Schwar-
Musik und interpretierte Werke von Mozart bis zer Peter", den wir seit Jahren. erwarteten. Bal-
Johann Strauß nach der Choreographie Grete lettmeister W. Kujawski als Regisseur und Fritz
Wiesentats, lebensvolle und farbenfreudige Lei- Huhnen, der Biihnenbilder. riefen alle Geister
stungen, die viel Beifall fanden. Wolf-FerrariS der guten Laune lmd des Humors wach, das lie-
.,Neugierige Frauen" mit den Bildern des Leip- benswürdige, unverbildet daherfließende volks-
zigers He~ Helmdach, geleitet von GüntCD. tümliche Musiziergut zu versinnbildlichen. Das
Wand, entzückten wieder durch ihre kristallklare Entzücken .,., großen und kleinen Leute" wuchs
musikalische Sprache und die Feinheit der Ge- dl,1Tch die Hingabe der Sänger ans Werk. Als
staltung. Eröffnungsvorstellung der Spielzeit hatte es Sme-
Die Staatsoper hatte von der zum 80. Geburts- tanas "Verkaufte Braut" gegeben. es folgte im
tag von Richard Strauß bevorstehenden Gesamt- Dezember "Die Entführung aus dem Serail", die
schau seines musikdramatisehen Wirkens die sich in phantasievollem Bühnenrahmen präsen-
Ballettpantomime "Josephs-Legende" unter der tierte und feinhörig im Klanglichen (Städt. MD
klar disponierenden Stabführung Rudolt Moralts Richter-Reichhelm) ausgewogen war. Unter den
mit der noch von Heinrich Kröller herriihrenden ~arstellern fiel dem Bassisten Peter Schäfer in •
durch WUly Fränzl neu aufgefrischten Choreo~ Jedem der genannten Werke eine dankenswerte
graphie vorweggenommen und damit den vor- Aufgabe zu, in "Zar und Zimmermann" durch
bildlich gestaltenden Tanzkräften unsres Ensem- einen sehr gewandten van Bett noch gesteigert.
bles erwünSchte Gelegenheit zu schöner künstle- Fesselnd war das Auftreten des stimmbegabten,
rischer Entfaltung gegeben. Unter den zahlrei- strebsamen H. NilLitLS im "ffajazzo" und in Ca- ,,
chen verdienten Trägern der wohlgelungenen valleria rusticana". Ein großer Tanzabend" bot
Aufführung seien Erwin Pokorny (als Joseph). dem .. Ballet Gelegenheit, in vier Ur- bzw. Erst-
Hedy Pfundmayr (als das Weib Potiphar) und a~fführ~ngen (~ei einheimische Komponisten
JuUa Drapal (als Sulamith) besonders hervorge- eInbegriffen). seme spezielle Neigung zur Parodie
hoben, um die sich andre Sterne des Ballett- zu entfalten; problematisch blieb der Versuch,
ensembles gleich vorzüglich gruppierten. . , Brahms' ,!Lie~es~eder" neben dem Soloquartett
Dan,n.. aber hat die Staatsoper auch zum Verdi- tl.~d ~er vI~rha~digen .Klavierbegleitung noch zu-
Jubilaum schon vorgearbeitet, und zwar mJt dem satzllch tanzensch mterpretieren zu wollen.
neustudierten "T1'oubadour". Auch hier hatte Ru- Marg. Deneke und Peter de Heer sind die gro ...
dolf Moralt die Führung inne. Beste Kräfte wa- Ben Begabl:lIlgen der Tanzgruppe. Die leichte
ren aufgeboten: an ihrer Spitze stand Elena Ni- ~use huldigte Lehar, Kollo. KünnekE!' und Mil-
kolaidi in der Rolle der Zigeunerin Azucena, da- lo~ker. Zentral steht hier jedesmal die Soprani-
neben di.~ Leonore von HUde Konetzni, das feind- stin Trude Wüsten, die darüber hinaus ebenso in
liche Bruderpaar mit Helge Roswaenge und Carl d~r L~ge war, eine ausgezeichnete . z auf
Kronenberg. Neue Bühnenbilder (mit gewalti- dIe Buhne zu bring-en. Hermann Stoffels.
g~ Bauten, mit über die Bühne gezogenen
• Brucken und Balken) lockten das Interesse auch ROM. Die römische Königl. Oper hat. kürzlich
fürs Auge lebhaft an. Hermann Unger. den "Ring des Nibelungen" in schneller Aufein-
KREFELD. Fußte der Spielplan des Jahres anderfolge seiner vier Teile. "in glanzvoller Be-
1941/~ ausschließlich auf Werken, die von jeher setzung und unter starkem Zuspruch der Opern-
zum eIsernen Bestand einer mittleren Bühne vom freU?de ~it groß~m Erfolge herausgebracht. ~e
Range des Krefelder Hauses gehörten, so umfaßt ~USI~ le~tete mIt überlegener PartiturkenntOls,
der des laufenden Theaterjahres einige Neuhei- 10 mannhch kraftvoller Weise und mit starkem .
ten. Der erste yersuch galt einem Werk Herbert Musikgefühl Tullio Serajin, gegenwärtig einer
26 Trantows: ,,Ant1e", das als "bäuerliche Spieloper" der ~esten Wagnerdirigenten nicht nur in Italien.
ZweI tragende Rollen waren mit deutschen Kräf- t

-
.. - ._--- • --.. _ .

ten ersten Ranges besetzt: Anny Konetzni begei- klug ein und entwickelte das Spiel sichtlich aus
sterte als Brünnhilde durch ihre strahlende Stimme der Musik und nach Wagnersehen Darstellungs~
und ursprüngliche Darstellungsbegabung. Gerade- _ grimdsätzen. Leider ef1tsprach der von Nicola
zu unübertrefflich Karl Hartmann als ein Sieg- Benois entworfene Bühnenrahmen mannigfach
fried, der seinen leuchtenden Tenor immer dem den Vorschriften des Meisters nicht. Die römi-
seelischen Ausdruck dienstbar machte und in der schen Opernfreunde, deren Mehrzahl sich seit
Todesszene tief ans Herz griff. Die übrigen Rol- Jahrzehnten zu dem Grundsatz "Verdi und Wag~ ,
len stellten erste Kräfte des Hauses: An den er~ ner bekennt, ließ sich von der Tetralogie stärk-
sten zwei Abenden ~asero den Wotan mit fülli- stens fesseln und jeweils erschüttern. Der Bei-
ger Tongebung und majestätischer Haltung; im . fall war fast nach allen Akten beträchtlich, am I
Siegfried wurde er ' der Grund war nicht recht Schluß der einzelnen Abende sogar meist stür-
ersichtlich durch Giovanni Inghmeri ersetzt, misch. ,
der seinem groß~n Vorbild erfolgreich nach- Mit der Wiederaufnahme von Strawinskys Oper
eiferte. Erhaben und unwiderstehlich Maria Be- "Die Nachtigal" hatte Egks Ballettp~ntomime • I
nedettis Fricka. Die Sieglinde wurde von J 0- "Don Juan von Zarissa" in der römischen Königl. I
landa Magnoni mit jugendlichem Reiz und steti- Oper ihre erfolgreiche erste italienische Auffüh-
ger, unverbrauchter Stimme gestaltet, der Sieg- rung. Die Besucherschaft folgte den dramati-
mund von Fiorenzo Tasso lebendig gespielt und schen Begebenheiten mit großer Spannung und
mit frischem, hellem Tenor gesungen. Ausgezeich- war offenbar von der Musi~ die sich den Vor-
nete Typen waren ferner der finstere, tragisch gängen gewandt anschmiegt und durch rhythmi-
gesehene Alberich Afro p'otis, der von Giuseppe sche Mannigfaltigkeit auszeichnet, erheblich ge- I
N er! machtvoll und unheildrohend hingestellte fes!]elt. Vortrefflich die Wiedergabe, die mit Au- I
I
Hagen, Fiorenzo TasS'os beweglicher Loge, der rel M. Millos, in der Titelrolle und Attilia Radice •

von Giuseppe N essi treffend kläglich nachge- sowie Mirzda Capanna als Vertreterinnen der
schaffene Mime; dazu je drei erlesene Nornen weiteren führenden Partien in Cipriano E. Oppos
und Rheintöchter und die von Maestro Conca farbenschönen Bildern das Auge stark beein-
klangSChön und unfehlbar schlagferttg eingeüb- druckte und deren musikalischer Teil von Oli-
ten Chöre. Als Spielleiter
, wirkte wohl erst- viero de Fabritiis überlegen und beschwingt ge-
mals auf dem heißen Boden der Königl. OpeX' - leitet wurde. Der Beüall war s.e hr herzlich, 80- •
der Florenzer Generalindentant Mario Labroca, daß sich der anwesende Verfasser wiederholt zei- •

gen mußte. Bei der Vorführung waren der deut- •


der sich in dieses Fach, seit er die Leitung des
Teatro' Comunale am Arno übernommen hat, mit sche Gesandte von Mackensen und verschiedene
bemerkenswerter Begab\.l1lg eingearbeitet hat. Er namhafte- Vertreter depmusikalischen Kreise
fühlte sich in die dem Romanen an sich fern lie- Roms sowie viele Angehörige der einheimischen
gende germanische Mythenwelt fast' durchweg

deutschen Kolonie anwesend. . Max Unger.


Berliner_Konzerte •
Als Gast der Berliner Philharmoniker bestimmte tonedlen Wiedergabe durch Siegfried BOT1'ies sei-
George Ansermet, der Genfer Meister, d.?s Pro-
gl'amm und die prachtvoll inspirierte Leistung des
- .
ne empfindungstiefe und ruhevolle Schönheit.
Das Städtische Orchester setzte sich unter dem
Orchesters, das unter dieser sachlich klaren und umjiichtig führenden, hinter das Werk zurück-
doch durchbluteten Führung in dem Concertino tretenden bulgarischen Dirigenten Zanko P. Zan-
für Streichorchester von Pergolesi eine vollkom- kau für das Schaffen des befreundeten Landes mit
mene Bekundung frühklassischer Instrumental- einer romantisch-illustrativen Ballade von Bob-
kunst gab und auch Liszts Faust-Sinfonie trotz tschewsky ein. Eingänglichen Orchesterliedern
aller Problematik des Werkes zu einem musi$:a- des Dirigenten, der sich auch bei Gluck und Beet-
lischen Erlebnis eIgener Art machte. Hier waren ~ hovens 2. Sinfonie als sattelfest erwies, verhalt
auch der Tenor-Solist Henk Noort und der treff- Karip Zankov mit wohlgeschultem Sopran zu
liche Männerchor Rudolf Lamy am Erfolg betei- einem freundlichen Erfolg. Japans führender
ligt. Einen Höhepunkt meisterlichen Klavierspiels Dirigent, Gra! Hidemaro Konaye, der längst in
SChuf mit .d er Wiedergabe von Schumanns Kla- unseren Kanzertsälen Heimatrecht hat, zeigte in
vierkonzert Arturo Benedetti - Miche1angeli, in einem in Schumanns "Rheinischer" Sinfonie gip~
dem Italien seinen jüngsten und zu höchstem feInden Programm mit dem Städtischen Orchester
Ruhm berufenen Pianisten bel'litzt. seine immer wieder bewundernswerte Einfühlung
Hermann Abendroth; der .nunmehr Sechzig- in den Geist der deutschen Musik. Als- Cello-
jährige, stellte wie so oft sein 2. Philharmoni- Solist erspielte sich Ferdinand Danyi in Dvoraks
a-moll-Cello-Konzert die ve,rdiente Anerkennung •

sches Konzert bekenntnishaft auch in den Dienst
des zeitgenössischen Schaffens. . Karl HöUers der Hörer. Der jetzt als Leiter des Kiewer
"Passacaglia und Fuge nach Frescobaldi", ein für Musiklebens wirkende Wolfgang Briickner leitete •
Satzkunst und Musiziel'willen seines Schöpfers ein Meisterkonzert von KdF mit temperamentvoll
typisches Werk, brachte er in seiner kraftvoll- betonter orchestraler Sicherheit. Seine Vortrags-
wesentlichen Art ebenso zur Geltung wie Brahms folge führte von den eklektisch-tonmalerischen , •
3. Sinfonie, während er bei Chopins f-moll-Kla- "Dolomiten" des Italieners C. A. Pizzini zu Anton
vierkonzert die vor allem den Bezirken zarter Bruckners 1. Sinfonie und gab in Liszts Es-dur-
Lyrik zugewandte Klavierkunst von Hans Prieg- Klavierkonzert Dinu Lipatti Gelegenheit, gläserne
nitz feinfühlig unterstützte. Das 4. Karajan- Klarheit des Anschlages mit großliniger Virtuo-
Konzert mit der Staatskapelle bewies mit der sität zu verbinden. .
gleich überzeugend meisternden Wiedergabe von Im "Feierabend"-Zyklus des Städtischen Or-
Strauß' "Don Juan" und Schumanns 4. Sinfonie chesters ließ Erieh Orthmann in bewährter Ge·
die Spannweite und Eigenart des Dirigenten. Als staltungskraft mit der Gudrun-Ouvertüre die
lichter Mittelpunkt des Abends entfaltete Mozarts Kunst Felix Draesekes aufklingen und mit drei
D-dur-Violinkonzert (KV 218) in der bestechend maufgefiibrten illustrativ-schillernden Orcllester- 27
• •
• •

stUcken das Schaffen des kcnntnisreichen Erich Schumanns "Ruth" als ein auf altchinesischem
Mirsch-Riccim. In Mark Loth4rs fein getönten Märchenboden spielendes "Lied der Treue" dar.
Liedern der Kindheit" hatte der sorgsam for- Coorg Schünemann hat mit kundiger Hand die
~ende Bariton Walter Hauck und im vielgespiel- Neufassung geschaffen, die unter Leitung des
ten Es-dur-Klavlerkonzert von Liszt der mit KompOnisten und der bewährten Mitwirkung der
unbekümmerter Bravour spielende Erik Then- Singakademie mit den Gesangssolisten Henny
Beruh starken Erfolg. Auch Gustav Manne- Wolft, Hildegard Hennecke 'Und Paul GÜJnmer
beck, der Stettiner Musikdirektor, war als sym- dankbare Aufnahme fand. Der aus Mitgliedern I
pathischer Dirigent der Feierabend-Konzerte zu zahlreicher Berliner Vereine gebildete "Bereit-
• Gaste. Hauptwerk war Schuberts 5. Sinfonie. schaftschor" des Sängergaues Berlin stellte sein
Für Wagners "Wescndonck"-Lieder setzte Henny gemeinsam mit der FrauenChorgruppe veranstal- •

Wotlt ihre reite Sopran-Kunst ein, während der tetes Konzert überwiegend in den Dienst zeitge-
bulgarische Plantet Sava Savoff Webers f-moll- nössischen Schaffens, das mit zwei uraufgeführ- I
Klavierkonzert mit einer oft ungewohnt akzen- ten Kantaten vertreten war. Rudolf Eisenmanns
tuierenden planlstischen Brillanz spielte.
"Deutscher Weg" zeichnet in sich steigender mu-
I
Zwei Kammellllusikabende der Staatsoper stan- sikalischer Plastik auf romantischem Grunde den
den im Zeichen von Schubert und Brahms. Das
ausgeglichene, tiebthUrfende und auf klangliche Aufstieg unseres Volkes nach klar gemeißelten
Charakterisierung gestellte Musizieren der her- Worten Heinz Schauweckers, während Robert
,
I
vorragenden Instrumentalisten der Staatsoper, an Carl aus der Empfindungswelt des Krieges seine
der Spitze Konz~rtmeister Georg Kniestädt, Wal- "Mütter und Söhne" (Text: Otto Mießner) mit
ter Lutz (Cello), sowie H. Berger, W. Kireh, H;. eigenwüchsiger 'Und oft eigenwilliger Tonsprache
Wigand und der mitwirkenden Pianisten Michael Zu gestalten sucht. Unter der zielstrebigen Lei-
tung von Hanns Mießner gaben Chor und Soli-
, Rattcheisen 'Und A. M. Theopold schuf an beiden
Abenden starke Eindrücke, die durch die adlige sten (Milly Fikentscher-Willach, Hans Wocke)
ihr Bestes.
Liedkunst von Heinrich Schlusnus und den voll-
tönenden Baß VOn Josef Greindl wesentlich un- In der "Stunde der Musik" begegnete man im
terstützt wurden. Ein Trio mit berühmten Na- Stamitz-Quartett einer mit bewußt gepflegtem
men hat sich Schnell die Gunst der Hörer erspielt. Klanggefühl musizierenden Karnrnerffiusikvereini-
Max Stru b, Gaspar Cassado und mit ihnen Adrian gung, die u. a. ein Streichquartett aus den Bezir-
Aeschbacher vereinten ihr tonschönes Spiel und ken des der Brahms-Nachfolge verbundenen Ber-
ihre reiche SoUstenertahrung zu kanunermusika- liner Komponisten C. Kölle spielte. Käte Heiders-
lischer Ensemblekunst; die vorerst noch von den bach sang mit feinfühliger NaChgestaltung zur
Streichinstrumenten stärkere Impulse empfing. _ Begleitung E. Bohners Kilpinen-Lieder. In der
Einen beträChtlichen Teil kammermusikalischer gleichen Veranstaltungsreihe wirkte Else C. Kraus
Veranstaltungen bestreitet Hermann Diener mit mit. ihrem klarl~igen Klavierspie1 und die Sän~
seinem Collegium mUSicum, das je nach Bedarf germ 1rina Pirany mit, deren Sopran sich weit-
durch namhafte Künstler verstärkt wird Im Ba- g~hend die Gesetze einer klug beherrschten und
rock und in der Klassik, immer aber in den Be- emgesetzten Belcanto-Kultur dienstbar gemacht
zirken hober Kunst in gleicher Weise zu Hause hat. Auch Eva Maria Kaiser erhielt in der
gibt diese Musikvereinigung die Gewähr eine; "Stunde der Musik" Gelegenheit, sich als z~ar
werkdienenden, dem Geist und Stil der Werke noch etwas stürmisch bewegtes, aber in herz-
vertrauten WIedergabe. So entsprach auch ein haftem klanglichen Zugriff oft schon über-
Abend für KdF mit Haydns Lercbenquartett und zeugendes Klaviertalent zu zeigen während Eli-
. Beethovens Sextett der Höheblage dieser Musizier- sabet~ Schwarzkopf anmutig Pfit~er-Lieder zur
gesinnung. Die drei italienischen Künstler A
Polt~onieri (VIoline), A. Valisi (Cello) und L. M: schmiegsamen Begleitung von A. Morgenroth
~ng. Bei den "Jungen Künstlern" überraschte
1r!aQt8tTetti <Harfe), die sich zum Trio Antico lta- die Posener Sopranistin Tilla Sottau-Klesper
hano zusammengeschlossen haben, erfreuten mit durch liebevolle Einfühlung in Schumanns Ge-
stilgerecht und echt italienischer Sanglichkeit
dargebotenen Werken von Corelli bis Tartini. da!lkenwelt, wä~end der Augsburger Geiger
Ench Keller, den R. Bendler als Begleiter mit
.nI~ "Gemeinschaft junger Musiker" setzt~ ihre- 'Eifer unterstützte, über die Technik noch erst zur
Plomera~beit für zeitgent.>ssisches Schaffen durch künst1~rischen Gestaltung vordringen müßte.
die Aufführung eines Tnos für Klarinette, Brat~ 1m Zel~hen der Förderung junger Talente s~eht
sehe und Harfe von E. K. Fuchs und ein mehr
durch leidenschaftliche Getilhlsakzente als durch a?ch eme VOn KdF veranstaltete KonzertreIhe,
FOl Ulk1'aft bemerkenswertes Trio für Klarinette ~e unter der sorgsam betreuenden Orchester-
Bratsche und Cello Von Fritz Adam fort. Di~ führung von Fri~drich Jung mit dem jungen Gei-
verdienstvollen Interpreten waren Prof. M. Saal ge!ltaIent Alice SchönfeId bekannt machte. Sie
(Harte), Maria Forst-Jütte (Cello), A. Heinke spIelte das leider so selten zu hörende charakter-
(Klarinette) und H. A. Scholz (Bratsche), volle
em e-moll-Vlolinkonzert von Reznicek mit war-
n.t , geschmeidigen Ton und einer erfreulich
Zu den bleibenden Eindrjicken, die uns Chor- ~cheren Gestaltungskraft, sodaß man hier von I

veranstaltungen der letzten Monate vermittelten, eID~r Be~g sprechen kann.. Auch die
zählt die AUffi1hrung des "Deutschen Requiems"
von Brahms durch den peutschen Philharmoni_
It~henenn Pina CarmireUi meistert ihre Geige
schen Chor und das PhilharmOnische Orchester mlt so offensichtlichen Vorzügen, daß der Erfolg
unte:: der Leitung von Bruno Kittel. Hier war die der Erwartung Recht gab. Ihr großer, dunkler
ILaMtrumentalton. in dem man die Schnle ihres
ge!stige und klangliche Ausgewogenheit erreicht,
beI dem der Werkgehalt unmittelbar zutage tritt ndes er~ennt. wird mit einem Schwung des
1'1 effl,lche Solistenleistungen boten dabei 'l'1an~
,yortrags emgesetzt, der bei aller Virtuosität stets
Lemnitz (Sopran), Karl Schmitt-Walter (Bariton) h:it~rrbent ,einer. gehaltvollen Kantilenenschön-
~d. der Organist Prof. Michael Schneider. ' Mit e. Mit virtuoser Geigenkunst aller
Sc~attierungen brillierte der Rundfunkkonzert-
vo.I?g umgestalteten, d. h. von allen Hebraismen
28 freIen Text bot sich das beUebte Oratorium Ceorg meISter F .. v. Szpanowaki, den Prof. Max Saal als I
Haurfenrnelster bei Spohr Wirksam unterstützte'.

nter den KlavierkÜDstlern ist Erik TnM-
-
- - • •

Bergh schnell zum Begriff jugendlich-titanen- lung gerade japanischer Künstler in Geist, Stil
haften Spiels geworden. In der Meisterung der und Form der europäischen Musik. Da die Künst-
Technik und dem stürmischen Zugriff der Ge- lerin zudem noch über einen silber klaren Sopran
staltung selbst bei Scarlatti-Sonaten ' bewies verfügt, ersang sie sich zur Meisterbegle1tu ng
er erneut die Eigenart seines Ktinstlerwillens. - Michael Raucheisens gleichsam im Augenblick
Zu den Höhen einer von starken Kräften inner- die Herzen der deutschen Hörer.
lichen lVlitempfindens geführten Gestaltung ist Hermann Killer.
Walter Bohle vorgedrungen, der in der Welt der
Romantik "md bei Pfitzner in den fÜnf Kla- In der Reihe der Kammerorchester-Veranstal-
vierstücken durch Inbrllnllt und Formkraft tungen der Berliner Konzertgemeinde war das
überzeugte. Mit einigen der bekanntesten Beet- Gewandhauskammerorchester aus Leipzjg aber-
hovensonaten erspielte sich Hans Bock vor be- mals zu Gast. Die unter Paul Schmitz aüch dies- •
merkenswert großem Hörerkreis durch breitflä- mal feinfühlig und beschWingt musizierte klas-
chig-wirkungsvollen Voru-ag einen beachtlichen sisch~ VoMragsfolge wurde durch die zeitgenös-
Erfolg. Der "Nordischen Gesellschaft"- dankt sische Suite "Die Flöte von Sanssouci" von Paul •
man die Bekanntschaft mit dem jungen Stock- Graener wirkungsvoll aufgelockert. Im Beet-
holmer Pianisten Hans Leygraf, der mit feiner hovensaal gab die Sopranistin Carla SpLett er zur
Ansc~lagskultur und sehr bewußter Phrasierung, Begleitung Michael Raucheisens einen erfolg-
dabel kraftvoll und männlich ein überwiegend reichen Liederabend. Ihre anmutige und tem-
klassisch-romantisches Programm spielte. peramentvolle, sehr stark mit den BühnenkÜD-
Von den Liedersängern schlug Gerhard Hüsch sten der Mimik und Gestik arbeitende Vorlrags-
insofern eine neue Note an, als er in Brahms kunst fand lebhaften Beifall. ' Als erfreuliches
"Schöner Magelone", die H. U. Müller mit ge- Gesangstalent stellte sich Grete Kubbernuß, von
wohnter Zuverlässigkeit begleitete, die Kunst des Hanns Udo Müller zuverläSSig begleitet, in der
G~sanges mit der poetischen Wortwirkung der Singakademie vor. Mit einer klangvollen, tech-
Tleckschen Novelle zu einem mit echt romanti- nisch sicher beherrschten Mezzostimme begabt,
scher Stimmung gesättigten Abend vereinte. bescherte sie ihren Zuhörern neben zwei reiz-
Margarete Kloses Liederabende sind nicht nur vollen Uraufführungen von W. Jaeger eine innige
Bekundungen einer ungewöhnlichen Stimm- und ausdrucksvolle Gestaltung wertvollster Lie-
kunst, wie man sie von uns,e rer Staatsopern- der von Schuben, Wolf und Kilpinen. ' Ein viel-
Altistin erwarten darf, sondern auch einer durch seitiger und umfangreicher Liederabend des Kö- •

die Wärme und Schlichtheit des Vortrages über"7 nigsberger Sängerpaares Erwin und Marianne
zeugenden Gestaltungskraft, die sich auch jetzt ROM war in verdienstvoller Weise wenig bekann-
wieder mit einer klugen Programmgestaltung ten Meistergesängen von Wolf sowie zeitgenös-
vereinte. Liselotte Enck, die bereits in hoch- sischen Werlqm von Edmund Schroeder, Pfitzner •

dramatischen Partien in der Staatsoper beacht- und J. Haas gewidmet. Das sichere und' gediegene -
lichen Erfolg hatte, stellte sich zusammen mit Können der Vortragenden fand ebenso dankbaren
Münchens Heldentenor Julius Pölzer auch als Beifall wie die von dem virtuos-schwungvollen
temperamentvolle, ' podiumsgewandte Konzert- Begleiter Julius Dahlke als Zwischenmusik ge-
sängerin vor. In den dramatisch und publikums- spielte Urauffiihrung von. Eberhard Wenzel.
wirksam daI;gebotenen Zwiegesängen hatte der Das StabsmUSikkorps des ff-Führungshaupt-
Abend seine Höhepunkte. Joseph Greindl, eben- amtes veranstaltete im Bachsaal ein Sonderkon-
falls nun der Staatsoper verpflichtet und hier zert. Unter Leitung von ff-Sturmbannführer
durch die Fülle und Kultur eines markigen und Leander Hauck. dessen kraftvoll zupackende Art
edlen Baßes schnell bekannt und beliebt gewor- in lyrischen Episoden noch zu einem breiteren
den, gab auch auf dem zur um- Ausmusizieren finden dürfte, bewies das vortreff-
sichtigen Begleitung von Rolf Proben lich geschUlte und klanglich feinsinnig musizie-
einer bestehenden, durch einen packenden Vor- rende Orchester vor allem in dem mii unbeirr-
trag und eine bei tiefen Stimmen nicht gerade barer Sicherheit bewältigten E-dur-Klavierkon- r


häungen melodischen Linienschönheit wirksamen zert, Werk 12, von Eugen d'Albert, für das sich
Liedkunst. Im Oratorium bewährt suchte u,n d Friederike Jauner-d' Albert großzügig und mit all- '
fand Rudolf Calsow Erfolg als namentlich in ge- zu hartem Zugriff einsetzte, ihre bereits sehr
schmackvoll dargebotener Lyrik ansprechender beachtliche Spielkultur. Die Philharmoniker
Liedsänger. Elga Metzeltin begleitete. Knut beendeten ihre neu geschaffene, wertvolle Kam-
Olof Strand berg führte im deutsch-schwedischen mermusikreihe. Begeisterte Zustimmung dankte
Austau~chkonzert seinen wohltönenden und wohl- den hervocragenden, von Konzerbueister Röhn
gebildeten Bariton und dazu eine dramatisch angeführten Solisten, die das Klarinetten-Quin- ,
fesselnde Gestaltungskraft ins Treffen, die durch tett, Werk 115, von Brahms und Beethovens Sep- • •
den einfühlsamen Begleiter Tor Ahlberg durch tett mit erlesenem Können und in vorbildlichem •
trefflich dargebotene pianistische Gaben ergänzt Zusammenspiel darboten. Als sehr begabter
~urde. Mit sympathischem Alt, der bei leben- italienischer Nachwuchsdirigent stellte sich Fer-
nando Previtali in der Philharmonie vor. ~ Buso- •
dIgem Vortrag noch gewinnen würde, sang Ale-
xandrine Schnäckel ein von Hermann Hoppe be- nis "Turandot"-Suite wurde von den Philhal1I1o-
hutsam begleitetes Liedprogramm, das auch dem nikern unter ihl'em temperamentvollen Gast in
zeitgenössischen Schaffen. u. a. mit Liedern von Klang und Rhythmus hinreißend-virtuos musi-'
Max Seeboth, Achtung zollte. Ein in vieler ziert. Chopins e-moll-Konzert mit dem über-
Hinsicht erfreuliches Ereignis war der Lieder- legenen Solisten Winfried Wolf und die 2. Sin-
abend der japanischen Michiko Tanaka, fonie von Brahms folgten in einer fesselnden
die deutsche, italienische und japanische Lieder Deutung.
sang und zwar mit einer erfühlten und durch Mit dem Städtischen Orchester spielte Karl
farbige und plastische Charakterisierung ausge- Tutein eine weniger bekannte Mozart-Sinfonie
zeichneten Vortragskunst und einer vorbildlichen und die 1. Sinfonie von Brahms als wirkungs-
Beherrschung der deutschen Sprache: abelDlals volle Rahmenwerke klar und werkgerecht, zwi-
Beweis der immer wieder eIStaunlichen Einfüh- schen denen der zunkunftsreiche Geiler Helmyt 29

-
I

I •

Zern{ck Spohrs KGnzert "in Form ei~er Gesang~­ treue. . Im Beethovens-aal überraschte du~h
szene" eindrucksvoll und tonedei spIelte.. Em glänzende, zugleich vertiefter Auffas.sung ~e­
Konzert der Volksoper enthielt, lebendig ~d nende Technik die vielversprechende .Jlmge Pla-
überzeugend gesteigert musiziert unter ~nch nistin Hilde Höffmann, die auch poetisch zu ge-
Orthmann, Franz Xaver Richters vorkl,!sslsc~e stalten weiß. Schon das neuerdings viel beac~~ete
c-moll-Sinfonie und. die dritte Bruc~ner-SI?forue. 11nd auch orchestral bearbeitete Werk von Casar
Mit luarer Tongebung ,md techl}lsch slCh.~rer Franck Präludium, Choral und Fuge" ließ auf-
Beherrschung blies Heinz Hoefs, der Soloflotist horchen,"wie die jugendlich frische Bra~mssonate
der Volksoper, Mozarts unverdient selten auf- Werk 5. Es folgten Balladen von .Gr~eg, Cho-
geführtes D-dur - Konzert. Anspruchsvolle pin und Liszt, von ihr auch im ReZitativen lind
Bach-Werke hatte Schle Mf.chalke .. für ihren Malenden 'stimmungsvoll und sprechend ausge-
jüngsten Abend im Eosandersaal gewäh~t. Unt~r wertet.
Mitwirkung des Eckardt-Qu~rtetts sp~e~:e die Zwei Uraufführungen brachte Hans W. EZsc~en­
Cembalistin neben einer variierten "Ana Kon- broich: die in klaren Zügen heraus~earbeltete
zerte des Thomaskantors in klangliCh reizvoller Klaviersonate Werk 37 von Ernst SChhepe, deren
Wiedergabe, bei der allerdings die stilgerech~e •
Phrasierung nicht immer beachtet wurde. Mit drei Teile (Humoreske, Lied mit Verändel1 1?gen
ausdrucksvollem und sicher geführtem Sopran und Rondo) manch schönen Gedanken aufbhtzen
sang Marianne BNgger die Solopartie einer köst- lassen, und die etwas fließender ausgefallene So-
lichen weltlichen Kantate, die bis auf die zu stark nate Nr. 1 in C-dur von Gustav Adolf Schlemm.
geblasene Solooboe auch eine recht ansprechende Für beide in ihrer Fraktur so verschiedene Werke
instrumentale Wiedergabe erfuhr. In der setzte sich der junge Pianist mit dankenswerter
Staatlichen Musikhochschule begann das Städti- Sorgfalt und Liebe ein. Elschenbroich umrahmte
sche Orchester eine neue Reihe seiner traditio- beide Uraufführungen durch Werke von !3ac;h
nellen Beethoven-Konzerte. Unter der mitreißen- und Chopin in denkbar scharfem Abheben ihrer •

den und vorbildlich werkgerechten Leitung Fritz Gegensätzlichkeit.


Zauns musizierle das Orchester am ersten Abend Eine vielseitige Vortragsfolge sang der Berliner
sehr beschwingt die "Egmont"-Ouvertüre lind die Lehrergesangverein in der Philharmonie u?ter
Heldensinfonie. Walter Rummel war der erfolg- der plastisch gliedernden Leitung Karl Schmtdts.
reiche nur etwas hart im Anschlag gestaltende Vorbildliche ChordiSziplin, gewissenhafte Werk-
• Solist 'des c-moll-Klavierkonzerts. Der Lieder- treue und hohe Stimmkultur kamen den erwähl-
abend von Erich Zimmermann im Beethovensaal ten Proben Hugo Kauns (zu seinem 80. Geburts-
bewies, daß der gefeierte Bühnensänger auch ein tage) und im Felde Stehender wie Hans Kl~us
LIedgestalter von besonderer Prägung ist. In einer Langer und Friedr-i.ch WeIter zugute, nicht mm-
gut gewählten VOrlragSfolge entfaltete der sym- der aber auch den zahlreichen Volksliedern.
pathische Künstler zur MeisterbegIeitung Michael In der "Stunde der Musik" mit dem geschätzte!l
Raucheisens wieder alle Vorzüge seines überaus Geiger Bernhard Leßmann beanspruchten dIe
geschmeidigen und in allen dynamiSChen Graden Fünf Klavierstücke Werk 47 Hans Pfitzners be- I
mühelos beherrSChten Tenors. Erwin Völsing. sonderes Interesse, da sie noch wenig bekannt
sind. Marie Bergman..n spielt!! sie mit einer ge-
Dank der DeutsCh-Bulgarischen Gesellschaft wissen, diesen jüngsten Klavierwerken Pfitzners
machten wir die wertvolle Bekanntschaft eines sehr wohl liegenden Herbheit, die von der Milde
bulgarischen, befähigten Orchesterleiters und der Abendröte umstrahlt wird Im Schumann-
I
zweier bulgarischer Komponisten: Petky Staynow saal sang Maria Oertel-Liebermann mit Ausdruck I
(dessen sinfonisches Scherzo für großes Orchester, und Stil, wennschon bisweilen noch nicht restlos
1939 komponiert, durch rhythmische Kraft auf- intonationsrein, Lieder von Schubert und Wolf.
fiel) und Wesselin Stojanow, der sein Klavier- Cellosonaten von Henry Eccles, Beethoven, Rich.
konzert in a-moll selbst spielte. Dies jüngstvoll- Strauß lind Reger spielte Armin Lieberma-nn mit
endete Werk des hOChbegabten 40jährigen Bul- virtuosem Schwung, wennschon nicht immer ganz
garen spricht durch seine reichen Melismen und ausgeglichen. Am Flügel begleitete meisterlich
eigenartigen Rhythmen, besonders in den Eck- Prof. Hinze-Reinhold.
sätzen, wie durch die kräftigen, orchestralen Einen vorerst noch wenig gefestigten Eindruck
Klangfarben ungemein an. Beide Werke wurden hinterließ der junge Tenor Richard Vogt, der im
von dem Sofioter jungen Dirigenten Ljubomir Beethovensaal. eine sehr anspruchsvolle Folge in
Romansky (in Frankfurt a. Main tätig) wirkungs- freilich recht buntem Wechsel von Schubert- und I
voll vorgeführt, umrahmt durch zwei deutsche Richard Straußliedern bis zu Verdi und Puccini
Meisterwerke: Richard Strauß' "Don Juan" und zu beWältigen suchte. Es gelang dem jlmgen Te-
die erste Sinfonie von Brahms, denen Romansky nor noch nicht, eine störende Operettenatmo-
eine eigenartige und überzeugende Interpretation sphäre auszuschalten, ebensowenig, die stets ge-
angedeihen ließ.
fährliche Nähe zwischen Schubertliedern und
In der auffallend reich bedachten FOlge junger italienischen Opernarien zu überbrücken. Die
Pianistinnen sei Leonore Ohl zunächst genannt. schwierige Aufgabe, solches Kunterbunt am Flü-
In der Singakademie spielte die Vielversprechende gel zu begleiten, löste Erich Bohner von der
junge Künstlerin eine anspruchsvolle Folge von Staatsoper Berlin nicht ohne Geschick. Im
Beethoven bis Liszt, Brahms und Chopin. Neben Bachsaal stellte sich Elisabeth Strube ntit Lie-
der Stimmungskunst Chopins erprobte die Taran- dern von Haydn und Mozart bis zu Robert Schu-
tella (Venezia e NapoU) die Sicherheit ihrer hoch- mann und Brahms Vor. Neben manchem, das in -
entwickelten, virtuosen Technik. Als gut durch- Stimmansatz wie auch AUSdruck gelang, blieb
gebildete Pianistin erwies sich in der Singaka- anderes unbefriedigend, im Ton flackernd oder
demie Gerda Anders, die der Tonsprache Bachs im Ausdruck noch nicht genügend konzentriert.
und Beethovens Sonate Werk 110 ebenso gerecht Am Flügel begleitete mit Umsicht Kost! Vehane.n.
wurde wie der f-moll-Sonate des j11ngen Brahms. Die Jugendmusikschule des Gebietes Berlin (3)
Ihre reife AUSdeutung verbindet sieb mit einer bot in der Hochschule für Musik eine fesselnde
30 schlackenlosen Technik und beachtlicher Werk- Folge deutscher klassischer Meistexwerke von
Bach und Telemann bis zu Beethoven, denen sich

1

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noch zwei italienische Meister, Corelli und Boc- Im Bachsaal brachte sich der ungarische Mei-
cherini, beigesellten. Chor 1lnd Orchester der sterpianist Julian von Karotyi wieder in beste ....
Rundfunkspielschar des Deutschlandsenders unter Erinnerung mit Beethovens Sonate Werk 31 Nr. 2,
Leitung von Erich Steffen und Frithjof Deppe besonders mit Schumanns Carnaval in poetisch-
setzten sich mit jugendlicher Musizierfreude für virtuoser Eleganz und viel Chop in in eigenge-
die vielseitige Vortragsfolge ein. Auch Glucks prägter, technisch ungemein geschliffener Wie-
Zeitgenosse Friedrich Schwindl kam mit seiner dergabe. Im letzten der 10 "Feierabendkonzerte"
äußerst selten gehörten Sinfonie in Es-dur zu des Städtischen Orchesters im Bachsaal bot Rob.
Worte. Im Beethovensaal sang Tresi Rudolph Heger die 5. Sinfonie Dvoraks in selten gehörter
mit hoher Stirnmkultur bei glücklicher Auswahl Plastik und Farbigkeit und begleitete die hoch-
Lieder von Franz Schubert und Hugo Wolf. Für begabte Pianistin Elisabeth Fischer zu Uszts
den anwesenden jungen Komponisten Walter "Fantasie über ungarische Volksmelodien", die sie
Jentsch setzte sich die Künstlerin überzeugend mit reifer Technik und temperamentvoller Rhyth-
ein, am Flügel bestens unterstützt durch Michael mik bewältigte. Adele Kern sang mit licht-
Raucheisen. geschmeidigem Sopran die Zerbinetta-Arie aus
In der Staatsoper hatte das Konzert zugunsten "Ariadne" von R. Strauß.
des Unterstützungsfonds für Angehörige gefalle- In den Konzerten junger Kiinstler spielte Hans-
ner Polizeibeamter auch künstlerisch einen sehr Joachim Adomeit zwei Cellosonaten von Reger
erfreulichen Erfolg dank dem Einsatz und der und R. Strauß mit lyrischem Ausdruck, während ,
Hingabe erster Kräfte. Staatskapellmeister Rob. ,
Doppelgriffe bei Reger noch nicht die llnerläß- I
Heger brachte mit dem Städtischen Orchester liehe Intonationsreinheit hatten. Den Liederzyklus
R. Wagners Meistersingervorspiel und Tannhäu-
ser-Ouvertüre mitreißend und großzügig zum Er- "Vom Leben", von Rolf Unkel nicht ohne glück-
liche Einfälle vertont, und fünf Rob. Schumann-
klingen und begleitete Eva-Maria Kaiser, die mit Lieder sang Helmut Stahl mit ergiebigem Baß-
weitgediehener Technik und feinem Stilempfinden bariton, von Marlise Hansemann vorzüglich be-
Cäsar Francks "Sinfonische Variationen" mei- gleitet, die auch bel der Strauß-Sonate ungewöhn-
sterte. Wärmste Aufnahme fanden auch die Lie- liche Einfühlungsgabe und Musikalität bewährte. •
der und Arien, die in reichster Abwechslung von Ein Deutsch-Italienisches A-llstausch-Konzert
Erna Berger, Lore Hoffrnann, Emmi Leisner, wurde ein voller Erfolg des Cellisten Nerio Bru-
Tiana Lemnitz, Willi Domgraf-Faßbaender, Jaro nelli mit Riccardo SimonceUi am Flügel, die ihre
Prohaska, Helge Roswaenge und Karl Schmitt- hohe Einfühlung in zeitgenössisches deutsches
Walter in edlem Wetteifer gespendet wurden zur Schaffen an der R. Straußsonate Werk 6 erwiesen.
kongenialen Begleitung Michael Raucheisens am Ihr reiches Programm von l30ccherini bis zu AI-
Flügel. fano und Granados erfreute durch edelsten Bel-
Im Eosandersaal die Staatliche canto auf dem Cello, wie die vollendete Spiel-
Hochschule für ein sehr anregen- technik einen großen Erfolg verbürgte.
des Konzert mit Werken von Arnold Ebel, das Friedrieh Baser.
den sehr beachtlichen Komponisten in das seinem
weitausgebreiteten Schaffen gebührende Licht
rückte. Für seine lyrische Ernte setzte sich Minna Die Berliner Philharmoniker unter Karl Böhm -
.

Ebel-Wilde mit gepflegtem Sopran ein, wie Prof. boten eine mitreißende Ges.taltung von Mozl,lrts
Fred Drissen mit seiner sehr sympathischen und Jupitersinfonie. Erlch Röhn setzte sich mit blen-
klangvollen Baritonstimme. Am Flügel war Kurt dender Technik für das Violinkonzert op. 21 von
Schubert werktreuer Interpret der "Fantasia Max Trapp ein und brachte die eigenartige
espansiva" Werk 21 und brachte mit Bruno Ma- Schönheit des Werkes von zur Geltung. Ottorino
surat (Violine), Annlies Schmidt (Cello), F. Enke Respighis Sinfonische Dichtung "Römische Feste"
(Flöte) und B. Künzler (Klaripette) erwählte Pro- bildete den virtuosen Beschluß. •

ben seines Kammermusikschaffens, die einen be- Das Kammerorchester Fritz Stein erwies sich
deutsamen und geschlossenen hinter- ,mit zwei lustigen Kantaten von Telemann
ließen und den Namen des Tondichters würdig ("Schulmeister") und Joh. Seb. Bach ("Mer han
zur Geltung prachten. Das Gemeinschaftskon- en neue Oberkeet"), als vorbildliche Spielgemein-
zei't der Singgemeinschaft Rudolf Lamy und des schaft. Telemanns Konzert für Flöte, Oboe
Erkschen Männerchores in der Philharmonie um- d'amore und Viola d'amore, Bachs E-dur-Violin-
faßte ein fast zu reiches Programm mit Heimat-, konzert und eine Händelkantate bildeten den
Vaterlands-, Sagen- und Liebesliedern, die eine Rahmen. Die Gesangs- lmd Instrumentalsolisten
dankbare Aufnahme fanden. - (Kulenkampft, Wolft, Stahl, Scheck, Mahlke,
Der Reichsverband der Gemischten Chöre Lauschmann und Neumeyer) boten vorbildliche
Leistungen. ,
Deutschlands, Chorgau Berlin, führte mit 400
Stimmen Paul Höjfers verdienstvolles Oratorium Das Städtische Orchester der Reichshauptsadt
"Der reiche Tag" unter der umsichtigen Leitung lind Fritz Za,un spielten die "Finlandia" von Si-
. Rudolf Lamys auf. Zum vollen Gelingen trugen belius und Franz Liszts Es-dur-Klavierkonzert,
außer dem gutbesetzten Chor und dem Berliner durch Siegfried Grundeis meisterhaft interpre-
COllegium instrumentale der Baritonist Josef M. tiert. Besonderes Interesse galt der f-mon-Sin-
Hauschild und die Sopranistin Martha Martensen fonie von E. N. v. Reznicek, Der anwesende Kom-
bei. Philharmoniker, Chor wie Orchester, setz- ponist wurde herzlich gefeiert.
ten sich unter der hingebenden Leitung Günther
Ramins für Anton Bruckners Große Messe in Das WendUng-Quartett brachte zum ersten
f-moll ein, zu deren nachhaltigem Eindruck auch Male das Streichqartett op. 133 von Julius Weis-
die vier Solisten Adele Kern, Dagmar Freiwald, mann, ein harmonisch reizvolles, von tänzerischer
Wilhelm Koberg lind Gerhard Gröschel ihr Teil Vitalität ex'fölltes Werk. das sich dem Hörer
in diesem anspruchsvollen Rahmen beitrugen. leicht erschließt. Die Klarinettenquintette op. 146
Einleitend meisterte Günther Ramin Bachs Pas- von Max Reger und von W. A. Mozart in A-dur
sacaglia an der Orgel in klarer Linienführung (philipp Driesbach, Klarinette) bildeten den
und Registerkunst. Rahmen. 31

Der Konzertmeister des Opernhauses liannover, c-moll-Sonate, der "moments musicaux" und der
Hans GaTvens erwies sIch bei der Wiedergabe Wandererfantasie begeisterten Anklang.
der VioUnsonaten op. 108 von Brahma und op. 18 Käthe Walch-Schumann (Klavier), Franz Ne~n­
von Richard Strauß als ernsthafter Musiker von der (Violine) und Et'ich Erte! (Oboe),. fan,,:en slch
feinster Spielkultur, bei dem das virtuose Ele- im Meistersaal zu einer Kammermusik ffilt Wer-
ment nicht absolut im Vordergrund steht. Daß ken von Händel, Schumann und Brabros ~sam­
ihm dennoch ein hohes Maß technischer Voll- men, in deren Mittelpunkt die Erstaufführ~ng
endung zu GebOite steht, zeigte er bei Paganini der d.,moll-Sonate op. 16 für Violine und KlaVler,
uhd Schubert Michael Raucheisen begleitete. eines leidenschaftlich bewegten, klanglich herben
Georg von Vaaarhellii gab einen Schubertabend. Werkes, von Petar Dumicic (Kroatien) stand. Es
Der Pianist fand durch die technisch saubere, wurde frisch up.d mit Eifer und Hingabe musi-
überaus einfühlsame Gestaltun,g der posthumen ziert. . Hanna Er/mann.

AMSTERDAM. In einer im Jahre 1925 erschie- ten Werk zu Worte und man lenkte erneut die
nenen Biographie namhafter Dirigenten der abend- Blicke auf Alexander Voormolen, eine starke
landlsehen und außer-europäischen Kulturwelt kompositorische Begabung der Niederlande. Theo-
kann man noch heute die These nachlesen, WU- dor Bergers "Rondo" war ebenfalls durch Jochu~n
lem Mengelberg habe seinem "Holland" den aus der niederländischen Taufe gehoben. Dle
"Schein eines Muslkleben geschenkt". Das werde große Bescheidung, die man sich auferlegte, ~am
sein "vornehmster Ruhmestitel" sein. Man braucht jenen Werken zugute, die man fast systemattsch
sich gegen eine solche vielleicht damals gül- herausstellte. Man brachte sämtliche Sinfonien
tige These nicht wehren. Die Geschichte der von Beethoven, Brahms und Bruckner. In einem
Musik-Fflege in den Niederlanden beweist das eigenen Zyklus spielte man alle Werke von I
Gegenteil: sie ist vor allen Dingen das Ruhmes- Schubert. Man wird angesichts solcher "program-
blatt einer künstlerischen Tat Willem Mengel- matischer" Gestaltqng der Vortragsfolgen nicht
I bergs und einer Pionierarbeit für die europäische nach dem Wert, sondern nach der Ursache fragen.
Musik. Wir gehen sicherlich nicht fehl in der Annahme,
Mengelberg schloß vbr einer musikbesessenen daß man in solcher Bescheidung eine bewußte
Generation, die durch ihn aus einer "allem Kämp- Abkehr von vielfachen Experimenten der Jahr- I
ferischen abgeneigten Bourgeoisie als Zuhörer- zehnte zuvor erblicken darf, die man sich mit
schaft" zu einer aufnahmebereiten und sehr kri- einer Persönlichkeit Mengelbergs am Pult erlau-
tischen Menge geworden ist, mit einer glanzvollen ben durfte. Es waren vielfach Pioniertaten, die
IX. von Beethoven ab. Die traditionelle Auffüh- über das Experiment hinaus..vu<;hsen. Epigonen
rung der Matthäuspassion schloß sich am Palm- auf seinem Pult sind nicht berufen, auf kultureI-
sonntag an, ein Beethoven-Zyklus wird in den
Sommer hinüberführen. Mengelberg erscheint seit
fem Vorposten derartige Manöver in Szene zu
setzen. So verstanden war diese Spielzeit gleich-
II
Jahren nur noch am Ende der Spielzeit. Eine zeitig ein Atemholen. Sie bot zugleich die Mög-
bedauerliche Tatsache, die darauf hinweist, daß lichkeit der jungen Generation, sich und ihr Kön-
der nunmehr 72jährige Meisterdirigent doch eines nen in den Vordergrund ju bringen. Neben Koet-
Tages den Taktstock aus der Hand legen wird. sier muß der Pianist Cor de Groot noch genannt
So nahm man zu Beginn der Saison Eugen werden. Erich Traumann.
Jochum-Hamburg mit einem wahren Fanatismus
auf, folgte ihm willig in seiner klassischen For- BREMEN. Der "Bremer Musikauftrag 1942"
mulierung der Tonwerke 1Ind war ihm besonders war dem in Bremen-Blumenthal geborenen Ha-
dankbar für die Neuheiten (die wenigen dieser rald Genzme1' erteilt worden, der soeben nach
Spielzeit), die in ihm immer einen starken und Hannover an die T,andeSlUusikschule berufen ist,
begabten wie verantwortungsfreudigen Interpre- und unter dessen Kompositionen besonders sein
ten gefunden haben. Joch11m hat sich vor allem Konzert für Trautonium und Orchester weithin
für die junge niederländische Komponistengene- bekannt wurde. Er schrieb nunmehr seine .,Bre-
ration eingesetzt. Wenn im Vorjahre Henk Ba- mer Sinfonie", die im 10. Konzert der Philharmo-
dings durch den Hansischen Rembrandt-Preis der nischen Gesellschaft Bremen ihre UrauffOhrlln"
Universität Hamburg geehrt wurde, so ist es erlebte. Das dreisätzige Werk ist nicht so sehr •

Jochums Verdienst das Werk des jüngeren Jan in der Form wie nach Gehalt und Gestaltungs-
• Koetsier über die Grenzen des niederländischen willen sinfonisch zu nennen, und ist insofern ent-
Raumes hinausgetragen zu haben. schieden das gewichtigste unter den hier bisher
Man freut sich über die EntdeCkung, die mit im Auftrage geschriebenen. Der erste Satz be-
dem Komponisten Jan Koetsie1' gemacht wurde, ginnt "mäßig bewegt" und zeigt in seinen ruhigen
der gleicherweise eine hervorragende Dirigenten- Themen und der durchsichtigen Harmonik ge-
figur ausmacht, der auch inzwischen zum zweiten radezu romantischen Charakter der sich auch
Kapellmeister des Concertgebouws berufen wor- nicht wesentlich wandelt, wenn danach das leb-
den ist. Abgesehen von den großen Konzerten hafte" Zeitmaß einsetzt. Der zweite Satz ~teht
hat Koetsier mit einem aus Mitgliedern des Con- als "sehr lebhaft und SChwungvoll" ansteile des
certgebouw-Orchesters zusammengestellten Kam- alten Scherzos und zeigt in seiner weitausladen-
merorcheste1' in einer Sonder-Serie beachtliche den Melodik präChtige Behexrschllng der Instru-
Leistungen gezeigt, er hat außerdem neben un- mente wie deS Satzes, der bei aller Kunst durch-
bekannten niederländischen Meistern des 16. und sichtig und bleibt. Nach einem ..ruhig
17. Jahrhunderts wenig bekannte deutsche und fiießenden" Intennezzo keh.1 t der erste Tell ab-
französische Kammerororchestel'werke zu neuem gewandelt wieder. Der dritte Satz bringt umge-
Leben erweckt. kehrt ein "Langsam", dem ein lebhafter Zwi-
Diese Spielzeit war arm an eigentlichen Neuhel- schensatz eingebettet ist. Dieser Satz blt gewich-
ten. Von den Niederländern kamen neben Henk tig und in Erfindung wie Durchführung bedeutend
Badings und Jan Koetsier noch Rudolf Mengel- genug, um eInen groß angelegten Schluß darzu-
32 be1'p mit einem aUch in Hamburg erstaufgeführ- stellen, der das Werk krönt. •

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Wie die Anlage und dex: Satz, so zeigt auch die Auf eine reiche Arbeitsperiode schaut das
Instrumentation, daß der Komponist überall nach Musische Gymnasium zurück. Neben Einsätzen
Eigenheit ringt. Besonders die Anwendung der bei Partei und Wehrmacht führten zahlreiche
Holzbläser im Chorischen wie im Solistischen Reisen im Reich und den Ostgebieten die hoch-
läßt aufhorchen; aber auch die vielfältig behan- stehenden Leistungen des Chors llnd ' Orchesters •
delten Streicher und Bläser beweisen Persönlich- breiten Hörerkreisen vor, während im Heim des
keit und zuchtvolle Haltung. Im weiteren Ver- Gymnasiums, "Haus Buchenrode", Lehrer und •
lauf des Konzertes spielte Gerhard Taschner Schüler in 11 Abendmusike)1 in schönem Wett- ,
prachtvoll das Violinkonzert von Brahms, und eifer Kammermusik von der Vorbachischen Zeit
abschließend gab es die Rheinische Symphonie bis zur Gegenwart boten. Eine "Buchenroder
von Schumann in einer von GMD Helmut Festkanttte" von Kurt Thomas verlieh dem Mu-
Schnackenburg umsichtig überholten Instrumen- sizieren ein persönliches Gewicht.
tation. Clemens Cunis. Gottjried Schweizer,

FRANKFURT a. M. Es war eine besondere Ge- KÖLN. Für den erkrankti:m Leiter der , Gürze-
nugtuung für die Stadt und den Dirigenten, daß nichkonzerte GMD Prof. Eugen Papst dirigierten -
Hermann Abendroth sich an seinem 60. Geburts- - der GMD des Opernhauses Karl Dammer und
tag mit seiner Heimatstadt Frankfurt durch sein Heinz Dressel. Eine außergewöhnliChe Leistung
persönliches Wirken im Rhein-Mainischen Lan- war gleich die Interpretation des 5. Händelsehen •
desorchester aufs engste verbunden wissen kann_ concerto grosso (mit dem Komponisten Kießling
Der erwartete Zuspruch seiner Konzerte blieb am Cembalo), dann die Begleitung unsres Klari-
nicht aus. Ein neues, aufnahmewilliges Publikum nettisten Gloger in Mozarts A-dur-Konzert und
hat sich verehrend um "Seine Kunst geschart. So endlich die Wiedergabe der 5: Sinfonie Dvoraks.
brachte das 5. Konzert als HÖhepunkte Wilhelm ,E lly Ney, von Telmanyi, ein Sonatenabend Alma
Kempf'fs geschliffene, klangUch fein belichtete - Mooaies und Eduard Erdmant1s, Viktoria Svihli-
Wiedergabe des h-molI-Konzerts von Chopin und kova, Prag sind als Solisten zU nennen. Aus Prag
die in ihrem nordischen Stimmungsgehalt typi- kam auch das Bläserquintett, das im achten Rat-
sche, im Schlußsatz mitreißend ges1;ßigerte 7. Sin- hauskonzert Werke von dem Beethoven-Jugend-
fonie Kurt AtterbeTgs als Uraufführung. Ferner- genossen, Reicha, von Förster und H. K. Schmid,
genoßen wir dank deI' heute erreichten Spiel- München mit tonlicher Delikatesse vortrug. Fer- •
kultur des Orchesters die männliche, technisch ner spielten Conrad Hanse,n. Die Professoren der
souveräne Wiedergabe des' Brahmsschen d-tnoll- Hochschule, Philipp Jarnach und Walter 'Kunkel
Konzertes durch Conrad Hansen, worauf Anton (Sonaten von Beethoven, Mozart und Brahms). Die -
Dvoraks C-dur-Sinfonie eine erhebende, will- Gesellschaft für neue Mtlsik stellte eine eigene
kommene Begegnung war. Hermann Abendroths Veranstaltung unter das Zeichen des Schaffens
r
werktreue, überaus sorgsame Ausarbeitung aller Karl Hasses, der in diesen Tagen seinen 60. Ge-
stUbereiche macht die Veranstaltungen zu wahren burtstag begeht. Man hörte eine ausgezeichnete • -
Kulturhöhepunkten im ereignisreichen Kunst- Orgelfuge, Lieder, Chöre und ein Streichquartett
leben Frankfurts. nebst einem Konzert für zwei Klaviere, alles ge-
Einen leichtgeschürzten Abend mit be~chwing­ diegene und selbständige Regernachfolge, die der
ten SChöpfungen der Filmmusik bescherte das Seibstanpreis1lDg nicll.t bedarf.
Rhein-Mainische Landesorchester unter Nox'bert KdF gab im Rahmen seiner verdienstvollen
Schultze, Lebhaften Widerhall erntete das Kammermusikkonzerte einen Abend mit einhei- -
NS-Symphonie-Orchester unter GMD Franz Adam, mischen Künstlern, wobei Hannelore Pack als

der in einem Ge,rnischtprogramm die hohen Qua- Pianistin, Anneliese Beaufay als Begleiterin und .
litäten seines Orchesters und eine vorbildliche Milly Thymjan als hervorragende Interpretin der
Interpretation bewährter Orchestermusik ins hell- Haasschen "Lieder des Glücks", Rudi Eisenberg ,

ste Licht zu rücken vermochte. Eine zügige als Sänger Schubertscher Lieder sich starken und
Kundgebung militärischer Musik ließ das Musik- berechtigten Beifall holten. Im gleichen Rahmen
korps der Leibstandarte ff "Adolf Hiller" erlebe~, erlebte man das Gastspiel bulgarischer Künstler, •
das unter Obermusikmeister Hermann Mü,Uer- wobei der 16jährige Vasco Abadjiew in virtuosen
John mit übertragungen aus der Klavier- und Violinstücken erstaunliche Leistungen zeigte und
Streichmusik rhythmische Durchschlagskraft und Nuni Nanew ungarische, spani;>che und deutsche
Kla'ngfülle einzusetzen hatte. Der Soldatenchor Lieder mit schönen lyrischen Tenor Wiedergab.
der Leibstandarte steigerte den volkstümlichen Das Musikwissenschaftlicbe Institut der Univer-
. Inhalt der Vortragsfolge, sität lud zu einer . Stunde "Süddeutsche Meister
Die Frankfurter Museumsgesellschaft leitete des Barock" ein, wobei Werner Bieske Werke
ihre Konzerte weiterhin mit der Wiederbelebung von Froberger und Muffat an der Orgel mit rei- •
Händelscher Qriginal-Orgelkonzerte auf dem von fer Kunst und Gerta Mülmerstädt Violinsonaten
Helmut Walcha gespielten authentischen Orgel- Kindermanns vortrug.
positiv ein; unter neuen Werken, die GMD Franz Eine der tüchtigsten und angesehensten Kölner
Konwitschny heranzog, verdient das melödiöse, Musikerinnen, Sophie MaUT, starb nach langer
instrumental ergiebige Cellokonzert von Hermamt Krankheit. Sie war Schülerin Regers und •hatte
Zilcher empfehlende Erwäh:nung. In der Reihe mit Kompositionen, unter denen sich auch Auf- •
der Sonntagskonzerte hinterließ Enrico Mainardi tragsarbeiten der Stadt Köln befanden, verdien-
mit der Wiedergabe deS Cellokonzertes h-moll ten Erfolg. Her.mann Unger.
von Dvorak einen starken Eindruck. Zu Ehren
seines 80. Geburtstages machte eine Sonderveran- MüNCHEN. Zum ersten Mal erschien Vittorio
staltung des Rhein-Mainischen Landesorchesters GU'lJ am Pult der Tonhalle: ein Orchesterführer
unter Dr, Robert Pessen~ehneT mjt dem Schaffen voll Energie und Klangphantasie, dessen Meister-
Prinz Alexandel' 'Von Hessens bekannt, der als schaft wir vor allem an zwei verschiedenen Wer-
ehemaliger Brahmsschüler in einem Violinkon- ken bewundern konnten: an Respighis "Römi-
zert und einer Sinfonie von einer tiefgründigen, schen Brunnen" und an der vierten Sinfonie von
ernst zu nehmenden Tonsprache Zeugnis ablegte. Brahms, deren Wesen er mit einer für einen 33
3
,


Italiener erstaunlichen Kraft der Einfühlung er- Jullan von Karolyi, dem ,Bachspie1er earl See-
faßte. SeIn Programm enthielt außer diesen mann und vor allem Prof. Elly N ey .. (Beethoven-
SChöpfungen noch zwei von ihm selbst stammende Abend) starke künstlerische Eindrucke. Unter
Orchesterbearbeitungen: eine klangedie orche- den Geigern fiel uns neb~n Mari~nne Tunder ~d
strale Ausformung zweier prächtiger Melodie- Siegfried Borries der WIeder mit Rosl Schmld
stücke von Pergo!esi lmd eine zweifellos interes- konzertierte, der' mit der feinnervigen Breslauer
sante und mit kundiger Hand gestaltete, aber doch Pianistin Nora Wallossek zum Duo verbund~ne
nicht ganz überzeugende Fassung des KlaVier- Führer des Stamitz-Quartetts, Günther Wetg-
Werlts "Präludium, Arie und Finale" von Cäsar mann als ausgezeichneter Musiker besonders auf.
Franck: die Ausweitung dieser Komposition, ins Unte; den Liederabenden ragten die Konzerte
Sinfonische dünkt uns, obwohl die Originalfas- von Lea PUtti Viorica Ursuleac (mit Clemens
sung blsweUen danach zu verlangen scheint, doch Krauß als glärdendem Partner am Flügel), Hel~a
nicht ganz gerechtfertigt das Ganze gewinnt Panke Lisa Uhrmann und Julius Pölzer (der SIch
nicht, sondern verliert in dieser Klanggestalt eher wiede: für Anton Kinzl einsetzte) hervor.
etwas Von seiner Kraft und Intensität. Gewinn-
reich verllef auch ein Konzert unter HeI'mann Schließlich scheinen uns noch einige fesselnde
Abendroths innig-kraftvoller Leitung, das u. a. Einzelveranstaltllngen besonders erwähnenswert:
Bruckners Dritte und das charakteristisch erfun- so die Orgelabende von Prof. Ga~scher (Bach) und
dene und geformte Capriccio von H. Degen Dr. Alfred Zehelein und ein Konzert des neu-
brachte. Besondere HöhepUnkte des Konzertwin- gegründeten Streich-Trio-Ensemble d~r treff-
ters der Philharmoniker aber wurden die beiden lichen MÜnchner Künstler Fauß, BaumeIster ~nd
letzten Kabasta-Abende: im ersten hörte man die Braun ferner ein neuer Abend des Fiedeltrtos,
ergreifende und mit mächtiger Bildnerkraft ge- das u~ter Mitwirkung von E. C. Haase (Bariton) r
baute Vierte Sinfonie von Franz Schmidt und diesmal Musik aus der Zeit Karls V. bören ließ, I
das Brahmssche Violinkonzert in einer vollendet darunter einige sehr reizvolle Stücke aus dem
schönen Wiedergabe durch Wolfgang Schneider- spaniSChen "Canconiero musical". Mit einem
han; im zweiten Bruekners ,,Ne1lnte" (Original- eigenen Kompositions-Abend ist der bekannte
fass ung) in bewegender Deutung und zum MünChner Geiger Jakob Trapp erfolgreich her-
ersten Male nach Jahren wieder , Hans ptitz- vorgetreten: seine kleinen und größeren Werke
ners Chorphantasie "Das d1lnkle Reich<'. Die Er- für SoloVioline, zwei und drei Geigen, Geige und
griffenheit, mit der die Zuhörer das Pfitznersche Klavier und Klaviertrio fesseln vor allem durch
Werk aufgenommen haben und aus der heraus eine natürliche musikantische Haltung, bieten
dann dem anwesenden Meister herzliChster Bei- stimmungsmäßig das ·Ansprechendste im Lyrisch-
fall gespendet wurde, war ein Beweis für die Intimen und Unbeschwert-Heiteren, sind aber
innere Wahrheit und WeSenhaftIgkeit seiner Mu- auch dort besonders anziehend, wo man die Lust
sik. des komponierenden Geigers am Entfalten kapri-
Von den übrigen. Orchesterkonzerten sei noch ziös-virtuoser Violinistlseher Elemente spürt. Mit
• ein philharmonisches Volkssinfoniekonzert ge- einigen Veranstaltungen wurde endlich auch des
nannt, das unter Mennerichs Leitung eine Wieder- 40. TOdestages von Hugo WOlf gedacht: mit eine~
aufführung von Rud! Stefans "Musik für Orche- Abend des Bayer. Volksbildungsverbl}ndes, mIt
ster" sowie die erste Begegnung mit der hoch- einer Liederstunde der Sopranistin Eroa Haßler
, begabten, jungen kroatischen Pianistin Branca und wohl am schönsten mit einem Abend
Musu1in (t-moll-Konzert von Chopin) brachte. der Brucknergesellschaft, der in den Liedervor-
trägen von Frau Hüni-Mihacsek und Theodol" ,
Die chorischen Darbietungen gipfelten in einer
, ~rhebenden Auftührung der Hohen Messe von Scheidl ergreifende, beispielhafte AUSdeutungen
Bach durch den Regensburger Domchor (Leitung: Wolfseher Kunst brachte und durch eine edle
Prof. SchTems) und in einem nicht minder bewe- Ansprache Hellmuth Grohes auch die persönliche
genden Konzert der Leipziger Kantorei unter J. Gestalt des Meisters würdig vergegenwärtigte.
N. Da vi d 5 meisterlicher Führung, das u. a. eine Anton Würz. ,
herrliche Darstellung der Motette "Singet dem
Herrn ein neues LiedI" enthielt. Außerdem I
WIEN. Hans Pfitzners Kantate "Von deutscher
brachte der Chor der Akademie der Tonkunst Seele", dieses größte und mit Nichts vergleich-
unter Richard Trunk Händels "Herakles" in ein- liehe zeitgenössische Chorwerk, erfuhr im Gesell-
drucksvoller Weise zur Neuaufführung. schaftskonzert eine vorbildliche und hinreißende
Manches Besondere boten auch die Kammer- Auffübrung. Hans Knappertsbuseh an der Spitze
musikabende : so erfreute das in jeder Hinsicht des Stadtorchesters der Wiener Sintoniker und
außerordentliche Trio Santoliquido mit einer Auf- des Singvereins und einer Solistenschar: JuIius
führung des geistvollen und lebensprühenden A- Patzak, Ludwig Weber, sowie Erika Rokyta und
dur-Trios von 1. Pizzetti, und das gleichfalls sehr Else Schürhofl.
hörenswerte Prager Streichquartett vermittelte
uns die erste Bekanntschaft mit Janaceks eigen- An die 40. Wiederkehr von Hugo Wolfs' Todes-
artigem Quartett "Intime Blätter": in der eigen- tag gemahnte ein Orchesterkonzert der Gesell-
artigen und oft bezwingenden Verschmelzung schaft .der MUSikfreunde, bei dem Hans Weisbach
folkloristischer böhmischer Elemente mit sehr an der Spitze der Wiener SymphOniker die leiden-
eigenwilligen und persönlichen, bisweilen experi- schaftourchglühte "Penthesilea"-Musik und die
beiden 'witzsprühenden, feurig dahinsttirmenden
I
mentierhaft anmutenden Ausdrucks- und Klang-
formen verrät sich deutlich die Handschrift des Sinfoniefragmente "Scherzo und Finale" brachte.
Meisters der Oper "Jenufa". Die Chor-Orchesterfassung des "Feuerreiters" ist
Am dichtesten standen natürlich wieder die stets eine Glanzleistung unseres Singvereins ge_
Solistenabende im Konzertkalender. Aufsehen er- wesen und war es auch diesmal wieder. Den Lie-
regte unter den Pianisten der junge Italiener dersänger Wolf vertraten Hans Duhan und Tiana
Lemnitz.
MichelangeH als ein wirklich überragendes neues
Talent. Daneben dankte man ViktorIa SVihlikova, Von den gar nicht wenigen Neuheiten der letz-
34 Nadina Ferreri, Ilonka v. Pathy-Schimmelpleng. ten WOChen seien vor allem Zoltan Kodalys schön \
figurierte und motivenreiehe Variationen über das •


- - ... - .,J--.-

• I
I

ungarische Volkslied "Der Pfau ist aufgeflogen" vor all-em durch eine schillernde Harmonik her-
genannt, die FU1'twängle1' im Philharmonischen vorgerufen wird und den Schöpfungen der Kom-
Konzert spielen ließ. Dem Schaffen gefallener ponistin die charakteristische Note gibt. Lieder
zeitgenössischer KompOnisten widmete die Gesell- von überschwänglicher Empfindung, deren poe-
schaft ' der Musikfrelmde ein Orchesterkonzert, tischer Gehalt auch in der Klavierbegleitung zum
das Leopold Reichwein leitete, der auch einfüh- Ausdruck kommt, und wirkungsvolle Balladen
rende Worte der Erklärung und Würdigung gab uns ,F erdinand Rebay in seinem Komposi-
sprach. Die einsätzige "Musik für Orchester" des tionsabend in der eindrucksvollen Ausdeutung
schon im Weltkriege gefallenen Rudi Stephan durch Hans Duhan zu hören. "Variationen und
war bereits öfter zu hören, sie erfreut aber immer Fuge über ein deutsches Volkslied" des Dresde-
wieder durch die bildkräftige Tonsprache, durch ners Gottfried Müller setzte Oswald Kabasta an I,
ihre reiche chromatische FÜhrung und blühende
Farbe. Karl Maria Löbl stellt seine "Sinfonietta"
die Spitze seines Sinfoniekonzerts; durch seinen
Lehrer Karl Stra,ube kommt der Komponist in-
I
mehr auf weiche Melodik und graziös zwingende direkt von Reger her und nach Anlag~ und
Rhythmen. Helmut Bräutigam baut seine "Or- Durchführung kann man auch in seinem Werk
chestermusik Werk 8" unter Annäherung an bo- eine edle Reger-Nachfolge erkennen. Das schwer-
denständige Volkstnelodik in reizvollen Sätzen mütige Thema "Morgenrot, leuchtest mir zum
auf. Die aus Tokkata, Passacaglia und Fuge be- frühen Tod" in sauberster Arbeit mit einem wah- •
stehende "Elbinger Musik" von Helmut Jörns ren Netz kontrapunktierender N-eben- und Gegen-
füllt die alten Formen wirkungsvoll mit neuem stimmen ' umgeben, wobei die schwärmerisch-
freieren Gehalt. - Ein Abend mit Werken der erhabene Grundstimmung der volkstümlichen
verstorbenen Komponistin .Johanna MülZe1'-Her- Melodie über das ga,nze Stück gebreitet bleibt und
mann bestärkte den von früheren Aufführungen ihre Krönung und Lösung in der kurzen, aber
her gewonnenen Eindruck der geistvollen Arbeit fein durchgeführten Schlußiuge zum trostreichen
und der eigenartigen vielfarbigen Tonsprache, die Aufschwung gewinnt. Victor Junk.
, t
- I
Zeitspiegel

-
Felix Draeselce 'Zum 30. Todestag sehen entscheidende, befruchtende Anregungen
um 26. Februar 1943. fürs Leben und Schaffen empfingen.
Friedrich Baser. ,
In die acht Jahrzehnte (1835 1913) seines ar-
beitsreichen Lebens voll Kampf um seine höch- Schweizerischer Takt. •

sten Ideale der Kunst und Lebensformung fielen


all die Stilumbrüche seit den ersten Auseinander- "Debussys Musik steht fest in unserer Kultur
wie ein Damm, gegen den die Wellen der teuto-
setzungen um Richard Wagners Musikdramen bis
zu den Bekenntnissen für oder gegen Anton nischen Barbarei; die uns bedroht, vergebens an- . ..
Bruckner, Brahms, Hugo Wolf und Richard rennen. .. Claude Delmssy, muSicien francais,
Strauß. In all diesen Wirren stand Felix Draeseke hat in seiner Musik dem wahrhaft europäischen
als charaktervoller Schaffender und von zahllosen Geist ein unvergängliches Denkmal gesetzt; nicht
, Schülern herzlien verehrter Musikerzieher seinen dem heute so marktschreierisch propagierten •

Mann. Wie eine knorrig~ deutsche Eiche stand neuen Europa, .." So und ähnlich, verbrämt mit ,
er im Sturm der Weltanschauungen, die auf der Worten von Thomas Mann, lesen wir in einem
Artikel, der soeben im April-Heft der "Schwei- •
Ebene der Musik aufeinanderprallten. Nie ge-
hörte er zu jenen Künstlern, die vor allem auf zerischen ~I'USikzeitung" unter dem merkwürdi- •

ihre Lorbeeren erpicht waren, über ihr eigenstes, gen Titel "Militär, Radio und Claude Debussy"
persönliches Interesse nie hloausgelangten. Viel- erschienen ist. Der bisher weitesten Kreisen un-
mehr blieb er stets zutiefst für das Gedeihen un- bekannte Verfasser Edward Staempfli orgelt Haß-
serer deutschen Musik besorgt und kämpfte schon töne, die wir deshalb registrieren, weil sie im

sehr früh für sie gegen das Überhandnehmende Verlage der Gebrüder Hug in Zürich erscheinen
Judentum. Das mag auch (!in Grund neben sei- dür'f en und weil Ger Mann, der die Verantwor- ,
ner Abneigung gegen jede Werbetrommel sein, tung dafür trägt, Dr. Willi Schuh, bis vor kurzem
weshalb sein überreiches Schaffen noch keines- noch die Stirn besaß, als "neutraler" Schriftlei-
ter zu uns ins Reich zu kommen.
wegs in dem gebübrenden Ausmaße bekannt Weshalb mag man denn in der Schweiz immer
wurde. Wer kelU)t seine vier Sinfonien, unter noch die "teutonischen Barbaren" Bach, Mozart,
ihnen die Tragica und Comica, die 12 Ouver- Haydn, Beethoven oaer Brahms aufführen, wenn
türen, 6 Opern, je 3 Streichquartette, Sonaten, man sich so gegen die Bedrohung durch diese
Q\ljntette~ seine gewaltigen Chorwerke -und Kan- •
Kultur auflehnt?
taten, über 100 Lieder?
Draeseke .wurde bie von der Gunst des Augen- Das Geschäftsjahr der Stagma.
blicks empQrgetragen, sein Lebensweg führte ge- Der Präsident der Reichsmusikkammer gibt
radeaus dUrch Dorn(!n und Gestrüpp, die seinen bekannt: .
Weg zeichneten, von dem er keinen Schritt breit
abwich. Von seiner Heimat Koburg und dem Das Ge's chäftsjahr 1941142 der Stagma hat mit
Leipziger Konservatorium, wo er bei Rietz stu- einem Bruttoaufkommen von 14770543. RM
dierte, kam er jung oft und gern zu Liszt nach (im Vorjahr 13 655 765. ) abgeschlossen. Es liegt
Weimar, um dann nach harten, einsamen Wan- somit dem Vorjahr gegenüber eine Steigerung
derjahren (Alpen, Genfer See) in Dresden seine der Einnahmen um 830000 RM vor, und zwar
ZWeite Heimat zu finden. Hier wurde er auch ohne Berücksichtigung des Staatszuschusses und
Wüllners Nachfolger am Konservatorium und bil- der Erträge aus dem Protektorat Böhmen ,md
dete in langen .Jahl'zehnten zahlreiche Schüler Mähren. Die Aufwendungen sind nicht nur pro-
aus, die von dem aufrechten, kämpferischen Men- zentual von 23,71 auf 20,56 v. H. gesunken, 80n- 35
,.
• ,
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dern auch ziffernmäßig von 3 075 054. RM auf Aufnahme von Erwachsenen mit Kindern dienen
• 2893064. . soll. Es wird erstmalig am 4. 5. 1943 eröffnet.
Die Entwicklung der Einnahmen aus den ver- c) Künst1ererholungsheim KühZungsborn, <?stsee,
schiedenen Musikverwertungsgebieten war sehr das gleichfalls nur in den Sommermonaten lD Be-
unterschiedlich. Die Einnahmen aus ernsten Kon- trieb ist und auch Kinder aufnimmt. Es wird am
zertveranstaltungen und Kurkonzerten, die im 15. 5. 1943 wiedereröffnet. d) KÜDstlererholungs-
1. Kriegsjahr 390000 RM , im zweiten 634000. heim Baden b. Wien, das ebenfalls nur während
betrugen, sind im a. Kriegsjahr auf 879000. RM der Sommermonate in Betrieb ist, wird am 1. 5.
gestiegen. Die Einnahmen aus Unterhaltungsver- 1943 wiedereröffnet.
anstaltlmgen sind dagegen aus kriegsbedingten Kulturschaffende, die zu einem der obenange-
Ursachen (Tanzverbot, Einziehung von Musikern) führten Personenkreise gehören und einen Erho-
weiterhin von 4414000. RM auf 3990000. zu- lungsaufenthalt wahrnehmen wollen, werden ge-
rückgegangen. Infolge Senkung der Unkosten beten, sich unter Angabe ihres Namens, Berufs, .
bleibt die Verteilungssumme aus U.nterhaltungs- der genauen Anschrift, Geburtsdaten und der be-
veranstaltungen jedoch bis auf einen Unterschied treffenden Personengruppe über ihren Landes-
von etwa 6000. RM die gleiche wie im Vorjahr. kulturwaZter, dessen Befürwortung erforderlich
Die Einnahmen aus Rundfunksendungen mit -Ist, bei der "Goebbels-Stiftung für Kulturschaf-
3 400 000. RM (i. V. 3 150 000. ) aus Tonfilmauf- fende", Berlin W. 15, Schlüterstr. 45, zu melden.
führungen mit 2 303 000. RM (i. V. 2 060 000) aus Die Einweisung in eines der genannten Heime
dem Ausland mit 716000. RM (i. V. 4(0000), aus erfolgt von hier aus. Besondere Wünsche bezüg-
Aufführungen mittels mechanischer Musik im lich Erholungszeit und Ort werden nach Möglich-
Alpen-, Donau- und Sudetet:lland mit 23~ 000.- keit berücksichtigt. Jedoch ist eS selbstverständ-
RM (i. V. 181 000) !lnd aus Schallplattenhzenzen lich, daß zur Entlastung der Reichsbahn unnötig
mit 1733 000. RM (i.. V. 1 (18000) weisen wesent- lange Bahnfahrten vermieden werden müßten. •
liche ~rhöhungen auf, die für die Autoren und • •

Verleger der Unterhaltungsmusik einen reich- Berlin W. 15, den 31. März 1943. ,
lichen Ausgleich für das geringfügige Absinken r gez. Owens
der Verteilungs summe aus Unterhaltungsveran:-
ehrenamtlicher Geschäftsführer
-
staltungen bringen werden.
Der Reservefonds hat mit einer letzten Zuwei- Leiter der Abteilung "Berufsständische Be-
sung von 142000. RM den in der Satzung vor- treuung" in der Hauptgeschäftsführung der
gesehenen Höchstbetrag von 1 000 000. RM er- Reichskulturkammer.
reicht, so daß keine weitere Auffüllung dieses

Fonds stattzufinden braucht. Die Rundfunkpau- An die Mitglieder der Reichskulturkammer.
schale beträgt somit für das Etatsjahr der Reichs- Die Präsidenten der nachstehend genannten
rundfunk-Gesellschaft April 1942 bis März 1943 Kammern haben für das Gebiet des Großdeut-
3650000 RM. schen Reiches mit Ausnahme des Protektorats
Eine besondere EI'Wähnung verdient der Ab- Böhmen und Mähren folgende Anordnung mit
schluß des Vertrages der Amre mit der Deutschen Datum vom 10. März 1943 erlassen:
Wochenschau G~bH, durch den nicht nur die Die Mitglieder der Reichsmusikkammer, Reichs-
Verwertung von Schallplatten mit Biem-geschütz- kammer aer bildenden Künste, Reichsschrifttums-
ten Werken, sondern allgemein die Tonfilmher- kammer, Reichstheaterkammer und Reichsfilm-
stellungsrechte, soweit sie der Stagma übertragen kammer sind verpflichtet, in ihrer kammerpflich-
wurden, zur Abgeltung gelangen. tigen Tätigkeit und in ihrem sonstigen Verhalten
• Die der Stagma gestellte Aufgabe, in einem sich der Achtung und des Ansehens als Kultur-
vergrößerten Arbeitsgebiet mit weniger Kräften schaffende würdig zu erweisen.
den gleichen Aufgaben wie in den Vorjahren ge- Insbes,ondere haben sie alles zu unterlassen,
recht zu werden, ist erfüllt worden. was der deutschen Volksgemeinschaft, Kultur
oder Wirtschaft abträglich ist, was ein anderes
Bekanntmachung Kammermitglied in seinem Ruf schädigt, es lä-
der "Goebbels-Stiftung für KuZturschaffende". cherlich oder verächtlich macht und was gegen
Betr.: Künstlererholungsheime. die guten Sitten verstößt.

Auf Weisung des Präsidenten der Reichskul- •
, Die künstlerische
turkammer, Reichsminister Dr. Goebbels, können -
,
in den der "Goebbels ... Stiftung für Kulturschaf- Seit 1938 gibt es dIe Dienstverpflichtung zur Sicher-
fende" gehörenden bzw. den ihr zur Verfügung stellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von beson-
gestellten Künstiererholllngsheimen folgende Per- derer staatspolltischer Bedeutung. In der Kriegseit ist
diese Einrichtung !lehr bedeutungsvoll geworden. Oft
sonengruppen für eine' dreiwöchige kostenlose Er- wenden sich weibliche Angehörige freier künstlerischer
holungszeit Aufnahme finden: Berufe mit der besorgten Frage an Dienststellen. ob
1. Bombengeschädigte Kulturschaffende~ 2. Kriegs-' sie etwa .:In dIe Fabrik müßten". HIerzu ist zu sagen:
beSchädigte Kulturschaffende. 3. Witwen von ge- Eine Dienstverp:flichtung kommt nur In Frage für Auf-
fallenen Mitgliedern der Reichskulturkammer. gaben. die der Beau;ftragte für den Vierjahresplan als
4. Erholungsbedürftige Kulturschaffende, deren besonders bedeutsam und unaufschiebbar bezeichpet
• Gesundheit durch Fliegeralarme, Einsatz in der hat. Sie wIrd für begrenzte oder unbegrenzte Zeit von
dem ArbeItsamt ausgesprochen, in dessen Bezirk der
Truppenbetreuung und dergleichen gelitten hat Wohnort oder der gewöhnliche AUfenthaltsort des zu
und die nicht in der Lage sind, aus eigenen Mit- Verp:flichtenden Uegt. Bel der Auswahl hat das AI-
teln einen Erholungsaufenthalt zu bestreiten. beitsamt zu beaChten, daß die Arbeitskraft des Ver-
Es handelt sich um die Heime: pfliChteten so 'zweckvoll 'l'ie möglich eInzusetzen Ist.
a) Künstlerheim Schloß Fischbach, Luxemburg, Der zu Verp:flichtende soll mögltchst vorher vom Ar-
das am 2. 7. 1942 in Betrieb genommen wurde und beitsamt gehört werden, wobel insbesondere Einsatz-
ganZjährig geöffnet ist. b) Künstlerheim Schloß tähigkeit und Tauglichkeit zu prüfen sind, In Zweifels-
Senningen, Luxemburg, das nur in den Sommer- fällen mittels Vornahme einer ärztlichen Untersuchung;
36 monaten in Betrieb ist UBd in erster Linie der
auch sind bei dieser Gelegenheit Einwendungen gegen
die Verp:flichtting entgege~ehmen und zu prü1en.
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Es ist also genügend Sorge getroffen, um Fehlvermitt- den Konzel·tmeistel'n des Orchesters, Kammervirtuose
lungen zu verhüten, und etwa l;Ietroffene Mitglieder Michael Schmid und dem SoloCellisten Philipp Schiede
der Reichsmusikkammer haben Gelegenheit, vorher die wirkte noch die Münchener Geigerin Edlth von voigt-
zuständigen Dienststellen ihrer Fachschaft zu benach- länder als Solistin in mehreren Ko,nzerten mit. Neben
richtigen, damit das Arbeitsamt in geeigneter Weise Werken von Beethoven, Schubert, Mozart, Weber, Wagner
au1geklärt wird. Sie erhalten dort auch weitergehende und Liszt gelangten an Neuaufführungennoch der Weck-
Au,skunft über Einzelheiten, auf die hier nicht einge- ruf von Albert .Jung und das symphonische Gedicht
gangen werden kann. Bei hauptberuflich im KuItur- "Psyche 1Ind Eros" von Cäsar Franck zum Vortrag.
bereich Tätigen haben sich bisher keine
, Schwlerigkei- Von den 15 Konzerten wurden drei Konzerte wieder als
ten ergeben; anders bei Nebenberuflern. Es empfiehlt Werkltonzerte in Betrie1>en durchgeführt.
I
sich in solchen Fällen, vorsorglich den kulturellen Tä-
tlgkeitsbereich im Arbeitsbuch ebenfalls kenntlich ma- Der KasseLer Lehrergesangver.ein, der vor .Jahresfrist
chen zu lassen. zum Konzertchor der Stadt Kassel erhoben wurde, ge- •

Eine solche Dienstverpflichtung kann nun aber seit


dachte seines 60jäbtigen Bestehens mit zwei Chorkon- 1
zerten, in denen sich der neue Leiter dieser fÜhrenden
dem 1. September 1942 auch für kulturschaffende Tä- Chorvereinigung des Kurhessengaues Dr. Hans Georg
tigltelt gegenÜber Mitgliedern der Reichstheaterkam- Sohmidt als würdiger NachfOlger des verstorbenen Dr.
mer, Reichsfilmkammer und Reichsmusikkammer aus- Robert Laugs erwies. Unter Mitwirkung des Staats-
gesprochen werden. Der Beauftragte für den Vleril\hres- theaterOrchesters und namhafter Solisten gelangten

Plan, vertreten durch den Generalbevollmächtigten für Bachs "Weihnachtsoratorium" und Händels "Herakies"
den Arbeitseinsatz, hat durch Erlaß vom 30. 7. 1942 mit zu eindrucksvoller Wiedergabe.
Wirkung vom 1. September 1942 von seiner Ermächti-
gung Gebrauch gemaCht, den kriegsbedingten Elnsatz Am 14. April 1843 starb in Oberdöbling bei Wien der
der Kultul'schaffenden als besonders bedeutsam und große Meister der Tanzmusik .Joseph Lanner: Die Stadt
unaufschiebbar zu bezeichnen. Der Antrag auf Dienst- Wien gedachte seiner mit einer würdigen Feier im
Verpf1.lchtung wird in solchen Fällen von der Reichs- Opernhaus. Die Wiener Städtischen Sammlungen baben
kulturkammer im Einvernehmen mit dem Reichsminl- im Neuen Rathaus eine Gedächtnisausstellung zusam-
sterium für Volks aufklärung und propaganda bei dem ' mengestellt, die Leben ,md Werk des liebenswerten
zuständigen Arbeitsamt gestellt. Eine Befragung des Tonsetzers umfaßt.
zu Verpflichtenden durch das Arbeitsamt erfolgt nicht,
weil alle Einzelheiten berelts vorher im Bereich der Vor 25 .Jahren, am 20. April 1918, ist der Arzt Hans
Breuer bei Verdun gefallen. Als Medizinstudent gab er
Reichskulturkammer . erörtert worden sind. Die Dienst-
verpfliChtung erfolgt auf die Reichskulturkammer oder die Volksliedsammlung "Der ZupfgeigenhanseI" heraus,
die in klli:zester Zeit über die damalige Wandervogel-
eine von ihr zu bezeichnende Stelle, u. U. also auch auf bewegung hinaus einen Widerhall 1m ganzen deutschen
einen privaten Betrieb. Um die DIenstverpflichtung Volke fand. Zu Beginn des Weltkrieges war dfe Samm-
mögliChst umfassend zu gestalten, soll in dem Bescheid lung bereits in 150 000 Exemplaren erschienen und jetzt
der Vermerk angebracht werden: "unter Umständen liegt sie in weit über einer Million Exemplaren vor.
auch Einsatz in den besetzten Gebieten". Sie ist nur Breuer ist einer der er.folgreichsten Wiedererwecker
fIlr bestimmte Zeit bzw. .für begrenzte Zelt auszu-
sprechen. Das Entgelt wird auch bei einer solchen des deu.t schen Volksliedes.
DienstverpfliChtung auf Vorschiag der Reichskultur- Der vom Oberbürgermeister geschaffene Kunstpreis
kammer von dem Sondertreuhänder der Arbeit für die der Stadt der Volkserhebung Graz gelangte im Dezem-
kulturSChaffenden Berufe festgesetzt und die i1ienst- ber 1943 zum ersten Male :z:ur Verteilung. Der Gesamt-
Zuverpflichtenden Kräfte unmittelbar verständigt. betrag von 10 000 Mark WUl'de an_ den aus Graz gebür-
Dienstpflichtunterstützl l ng (Trepnungszuschlag, Sonder- tigen Komponisten Joseph Marx, an die beiden 13üh-
unterstützung und Treugeld) wird in keinem Falle nenbildner der Städtischen Theater Hans Hllmann und
gewährt. Paul Mehnert, sowie an einen Maler verliehen.
Bishe.r Ist von dieser MögliChkeit vor allem Gebrauch Reichsstatthalter und Gauleiter Murr verkündete die
gemacht worden, um die MUSikversorgung der luft- Stiftung eines Würitembergischen Kulturpreises in Höhe
gefährdeten Gebiete und der kulturellen Truppen- von 10 000 RM für hervorragende Leistung lind auch
betreuung sicherzustellen. Leider sind sich eben man- .für ein ganzes Lebenswerk auf dem Gebiete des Schrift-
~he Kulturschaffenden über ihre Verpflichtung nicht •
tums, der Musik oder der bildenden K\1nste. .
klar, die Innere Wehrhaftlgkeit des deutschen Voikes
in der Kriegszeit durch besonders intensiven Einsatz Der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund verkün-
ihres Künstlertums auch unter schwierigen Bedingun- dete die Stiftung eines Dortmunder Kutturpreises, der
gen und unter Hintansetzung geldlicher Konjunktur- alljährlich für besondere Leistungen auf dem Gebiete
wünsche zu erfüllen. Infolgedessen ist diese Einrich- der Dichtung der Musik \lnd bildenden Kunst vergeben
tung notwendig geworden, deren maßvolle Handhabung werden soll. Der Preis wird erstmalig 1943 für ein dra-
durch die Vertreter der zuständigen EinZelkammern matisches Werk oder einen operntext verteilt, in denen
bzw. der Relchskulturkammer jedoch Gewähr dafür ein bedeutsames Ereignis der DortmUJlder Geschichte
bietet, daß berechtigten Wünsch,e n der BetrOffenen behandelt wird.
Rechnung getragen wird. Dr. Kurt Zimmerreimer.
Für das DeutsChe Theater in Prag hat GeneraUnten-
dant Oskar Walleck die Uraufführung des neuenBal-
lettes von Fried Walter "Kleopatra" angenommen.
Verschiedene MiHeilungen: -
Das Ballett* der Wiener Staatsoper gastierte in der
Rermann von Schmeide! brachte in einem Konzert Woche vom 23.-28. Mai. mit den Tanzwerken ".Joan
des Ungarischen Rundfunks in Budapest Bruckners von Zarissa" von Werner Egk und "Die Klrmes • von
11. Symphonie und die Haffner-Serenade von Mozart Delft" von Hermann Reutter am Nürnberger Opern-
mit dem Orchester der Königl. oper zur Aufführung. haus. ,
Von Max Seebotlt kam in einem Kammermusikabend Werner Egks "Columbus" wird zu BegiDn der neuen
der VOlksbildungsstätte Halberstadt die Sonate in g Spielzeit an der Staatsopel" Berlin herauskommen; die
durch Hermann WOlff, Violine, und Max Seeboth, Kla- Leipiger Erstaufführung ist für den 30 . .Juni geplant.
Vier, zur erfolgreichen Uraufführung. Einen starken
Eindruck hinterließ Frau Hildegard Seeboth, die Gattin Die Uraufführung des neuen Klavierkonzertes von
des Komponisten mit d,er Wiedergabe von fünf Liedern Wolfgang Fortner in Heidelberg mit Frieda Kwast-

ihres Mannes. Hodapp als Sollstin gestaltete sich zu einem sensatio-
nellen Ereignis. Die nächsten Aufführungen sind u. a.
GM j) Franz Adam war der Leiter von 15 Konzerten, In Wiesbaden, Frankfurt a. Main und Leipzig zu er-
die das NationaLSOzialistische Symphonieorchester 1m warten. .
AUftrag der NS.-Gemelnschaft "Kraft durch Freude"
in den Gauen Schwaben und Württemberg veranstal- Nach Mitteilung der Reichsml,lSikprüfsteile sind der
tete. Die erfolgreiche Reise führte durch 12 Städte die- Verkauf sowie die VerbreituDg IIDd Aufführ·u ng des
ser Gaue, u. a. nach Augsburg, Kempten, Lindau, Stutt- "U-Bahn-Fox" in der Wiedergabe des Fud Candrix-
gart, Ulm, G6ppingen und Heilbronn. Neben den bei- Tanzorchesters unerwünscht. 37
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Handschreiben seine G1ückwünsche übermittelt. Eine der Gründer und wichtigste Förderer des Steirischen
Reihe von maßgeblichen Persönlichkeiten des Musik- Musikschulwerks ist am 10. Januar 1943 bel den schwe- ,
lebens gedachte ebenfall,s vo1ler Anerkennung deI' kul- ren Kämpfen fm mittleren Don-Abschnitt als Unteroffi-
turellen Leistungen des Jubilars, der vor allem als zier und GruppenfUhrer eines Skl-BataJllons gefallen.
Freund und verleger Richard Wagners und seines Krei- Die Steiermark verliert mit ihm einen der führenden
• ses bekannt geworden ist. kulturpolitischen Männer, die Hitlerjugend einen Ihrer
Der Operettenkomponist Walter W. Goetze wurde Aktivisten. der in der illegalen Zelt für das .neue Lled-
gut in der Ostmark warb. In den Lagern des Studen- ,
kürzlich 60 Jahre alt. Seine Schöpfungen bemtlhen sich
tenbund.e s und in seinen Schriften hat sich Kelbetz für ,
um eine Erneuerung der Operetten aus dem Geiste der
komischen Oper. Sein erster großer Erfolg war: .. Ihre eine Neugestaltung der Musikhochschulen aus dem
Hoheit die Tänzerin". Seither sind zahlreiche weitere Geiste des Nationalsozialismus eingesetzt. Sein Wirken
Operetten von ihm mit mehr oder weniger Erfolg über als Musiker, Musikerzieher und Kulturpolltlker wird
die Bühnen gegangen. unvergessen bleiben.

Der Kammersänger Fritz Windgassen, seit zwei Jahr- Der Berliner Muslkwtssenschaftler Dr. Johann Wo1f~
zehnten der Leiter der Opernklasse der Stuttgarter Mu- gang Schotttitnder jst im Alter von 3'1 Jahren plötzlich
sikhochschule, wurde 60 J"ahre alt. Zugleich konnte er versto.r ben. Seit 1936 war er D02:ent für Filmmusik an
das JUbiläum seiner 20jährigen Zugehörigkeit zur würt- der HOChSChule für Musik. Seine besonderen wissen-
tembergischen Staatsoper feiern. schaftlichen Neigungen galten der Antike und Karl
Friedrich Zelter.
Der Direktor der Staatlichen Musikhochschule In
Köln, Professor Karl Hasse, vollendete das 60. Lebens- Der Komponist Serge Rachmaninow 1st in Kallfornien
jahr. Er ist sowohl als Komponist, als auch dmch im Alter von 70 Jahren verstorben. Er studierte In Mos-
schriftsteller1sche Arbeiten er.folgreich hervorgetreten. kau und war auch bis zum Ausbruch der bolschewisti-
Die ehemals sehr bekannte und gefeierte norwegische schen ReVOlution Orchester-Chef der kaiserlichen Oper.
Wagner-Sängerln Ellen Gu~bTanson konnte in 0510 Er emigrierte dann nach den Vereinigten Staaten, wo
ihren 80. Geburtstag begehen. er 1m .Laufe seines langen Lebens noch zahlreiche Kom-
positionen geschaffen hat.
In diesem Jahre sind 50 Jallre seit der Uraufführung
der Oper "Hänsel und Gretel" von Humperdinck ver- Die bekannte Geigerln Alma Moodie ist Anfang März
gangen, die am 23. 12. 1893 am damaligen Hoftheater in~ Frankfurt am Main unerwart.et gestorben. Die in
in Weimar unter Leitung des Hofkapellmeisters Richard Australien geborene Künstlerin konzertierte schon sehr
Strauß mit dessen Gattin Pauline de Ahna ais Hänsel früh in Deutschland, wo sie während des größten Teils
stattfand. Ihres Lebens ansässig war. Durch' Heirat erwarb sie dIe ,,
deutsche Staatsangehörigkeit. und s!e gehörte zu den
In der Mailänder Scala, wo vor 50 Jahren die urauf- bedeutendsten Geigerlnnen unserer Zelt. Hans pfitzner
fi1hrung von Verdis .. Falstaft''' stattfand, wurde kürz- schrieb fUr sie sein Violinkonzert. An der Staatlichen
lich das Werk zum GeAächtnis an das Ereignis In einer Musikhochschule in Frankfurt am Maln leitete sie eine
glänzenden Feslwiedergabe herausgebracht. Bel dieser Meisterklasse für Violinspiel.
Geiegenheit war Im Foyer der SChauburg auch eine
Gedächtnisschalll zu sehen, welche die Urschrift der In Neapel ist kürzli(:h nach k)Jl'zer Krankheit der
Oper, eine bibliographische Sammlung, die Szenen- und - Tonsetzer Daniele Napotitano abgeschieden. Er war in
Trachtenen~würfe, die ' Bilder der Künstler, welche das Sa'Vlano bei Nola am 4. Oktober 1872 gebOren, war SchU-
Werk a.u s dru' Taufe gehOben haben, und andere Erin- leI', später Kbntrapunktlehrer des Napolitaner Konser-
nerungsstücke verein1gte. n. vatoriums, H.erausgeber musikpädagogischer Werke und
Verfasser einer Reihe größerer lllllSikalischer Werke,
01'. Max Vnger, der den Lesern der vier vereinigten darunter der Opern .. Der Prophet von ChQrasan", "Villa
ZeitsChriften seit Jahrzehnten alS geistvoller.. Musik- Clermont", .. Bajardo", .. Der lachende Mensch", "Die
sChriftsteller bekannt iat, wurde am 28. Mai 60 Jahre eingebildete Kranke" und .. Clara d' A:rville", ferner der j
alt. Von 1911-1919 war er SchrIftleiter der ..Neuen Zeit- Hymne .,lgea", verschiedener Orchesterwerke \lSW. n.
schrift für Musik". In Taura in Sachsen geboren, stu-
dierte er in Leipzig, wo er als Schüler Hugo Riemanns Der Intendant des Salzburger Landestheaters, Dr.
mit einer Arbeit Über Muzio Clementi promOVierte. Erwln Kerber, der lange Zeit hindurch Geschäfts:flIhrer
unger lebte längere Zeit in Zürich. wo er mIt biblfothe- der Wiener Oper gewesen ist, erlag im 52. Lebensjahr
karischen arbeiten beschäftigt war. Seit einigen Jahren einem Herzleiden.
ist er in Italien ansäSSig. Als Wissenschaftler hat er
slch die Beethovenforschung zu seiner Lebensaufgabe Der französische Komponist Raoul Laparro ist Anfang
gemacht. Was er hier in zahlreichen kleineJ:en Buchver- April ein Opfer des englisch-amerikanischen Terror-
öffentllchungen -und Zeitschriftenaufsätzen vorgelegt hat, angriffs auf Paris geworden. Die Bombe der Gangster
gehört zum g.e diegensten im ganzen .Beethovenschrlft-- •
traf den 67-Jllhrigen 1n einem Sanatorium ~m BOis de
turn. Man möchte wünschen, daß Unger recht .bald die Bologne. In Bordeaux geboren, wurde er mit 2'1 Jahren
seit langem angekündigte. Gesamtausgabe der Beet- Träger des Rompreises am P"ariser Konservatorium.
hoven-Briefe und eine umfassende GesamtdarsteUung Namentlich m1t einer Reihe von Bllbnenwerken' hat
Von Leben und Schaffen Beethovens vorlegen, möge. sich dieser Künstler, der sein eigener Textdichter war
und dessen Fähigkeiten als Bpil\lleiter gerühmt wer-
Der KompOnist .Ernst Scntiepe gehört seIt dem 2~. Mai den, einen Namen in Frankreich gemacht.
zu. den FUnfzigjährigen. Neben Orchesterwerken, Kam-
mermusik und L1edern ist er vor allem durch die Opern
"Oer Herr von gegenüber" und ..Marienburg" bekannt
geworden. SChliepe ist Ostpreuße, er stammt aus Dar- Die organisatorischen und technischen Vorbereitun- • •
kehmen. In der Reichsmusikkammer leitet er die Fach- gen des ersten Heftes unserer Gemeinschaftszeitschrift
schaft SOlisten. bedl·n gten das verspätete Erscheinen. Das nllchste Heft
wird in der ersten Juli-Hlltte ausgeliefert werden.
Die Toten. Die Bezieher der Zeitschrift ,.Die Musik" erhalten auf
Dr. LUdwii Ketbetz, stellvertr. Direktor und Dozen- WÜnSCh von Mo Hesses Verlag (Berlin-Halensee) das
tenf(\hrer an der Staatlichen HOChschule :ror MUSik- l{alb;ahres,.egister :ror die Hefte 1-6 des 35. Jahrganges
erziehung in G'Taz, Leiter der steirischen Musikschulen, kostenlOS zugesandt.

lIerausgeher und Hauptschriftleiter: Dr. phll. habil. Herbert Gmgk, Berlin-Halensee; stellvertr. Hauptschriftleiter:
Gwstav BOBse, Regensburg. - Anzeigenleitung: Dlpl.-Kfm. Franz Schenk, Berlin. Gemelnschattsverlag der Zelt-
IIChrttten: "Zeitschrift ftLr Musik", gegtündet 1834 von Robert Schumann (Gustav Bosse Verlag, Regensburg), _
..Allgemeine Mustk%eitung", 70. Jahrgang (BreitJropf A Rlrtel, Leipzig), "NeueB Musikblatt", 22. Jahrgang B. Schotts
86hne, Malnz) und .,Die Muaik". 35. Jaht'i'&ng (MO Hesses Verlag, Berlin). - Geschllftsstelle: "Musik 1m Kriege"
BerUn-Halensee, Joachiro-Friedrlchstr. 38. - Gedruckt 10 der Graph. Kuoatanetalt Heinrich Schiele. Reiensburg. 39 •

I Gemeinschoftszeitschrift für die DOller des Krieges vereinigt aus:


,
"Die Musik"
or g a n des Amt e s l\IL u s.1 k beim Beauftragten des Führers für die überwachung der i[esamten gei- I
stigen und weltanschaullchen Schulung und Erziehung der NSDAP., zugleich amt I ich eMu s i k-
z e i t s c h r 1 f t der Ä m t e r F eie r a ben d und D e u t s ehe s V 0 1 k s b 11 dun g s wer k in der
NS-Qeme1rischaft .. Kraft durch Freude". Amtliches Mitteiluni[sblatt des Musikreferats im Kulturamt der
Reichsstudentenführung.
35. Jahrgang, AprU/Mai 1943, Heft 516.
Max Hesses verlag, Berlin-Halensee -

,

"Zeitschrift für Musik"


Monatsschrift für eine g,eistige Erneuerung der deutschen Musik. Ge g r ü n d e t 1834 als "N e u e Z ei t-
s ch r i f t für Mus i k" von Robe." Sehomaoll. Sei t 1 9 0 6 ver e.1 1:1 i g t mit dem .. M u s i k a -
I li sc he n Wo c h e n b I a t t". Herausgegeben von Gustav Bosse.
110. Jahrgang, AprUIMal 1943, Heft 4/5.

• Gustav Bosse Verlag, Regens, burg


"Allgemeine Musikzeitung"
Wochenschrift für das Muslkleben -der
Gegenwart (vereinigt mit "Rheinisch-Westfälische Musikzeltllng" u •
.. Süddeutscher Musikkurier"). Hauptschriftleiter Dr. Richard Petzoldt.
70. JShrgang AprillMal1943. ,

B r ei t k 0 P f & H ä r tel, Mus 1 k ver ta g, Lei p z I g e l , N ü r n b erg erst r a ß e 3 6 - 3 8


-
• • 1

"Neues Musikblott" •
• -
Monatsschrift für zeitgenössische Musik und aktuelles Musikleben.

,
22. Jahrgang, AprUlMai 1943 ,

B. Sc hot t s S ö h n e, Mal n z, W e i her gar t en 5,-7 , ,

Erschelnungswe1se zweimonatlich, Bezugspreis halbjährlich Mk. 7.~, Einzelheft Mk. 2.50


• Inhalt: HeR- 1 April Mai 1943 •



• •
Dr. Herb.ert Gerigk: An unsere Leser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .' . 1
Dr. ETnst Herrmann, Leipzig: 100 Jahre Leipziger Konservatorium . . . . . . . . . . . . ., 2
I
Dr. JuHus Götz, Leipzig: Res severa verum gaudium 200 Jahre Leipziger Gewandhauskonzerte . 6
Hermann Blume, Berlin: Erfahrungen und Betrachtungen eines kriegsbeschädigten Musikers . . 8
Univ.-Prof. Dr. Erich Schenk, Wien: Zur Entstehungsgeschichte vQn Mozarts "Entführung aus
dem Serail U • • • . • • • • • • .. • ... .. • • • • • • • • • • • • • • • • • · • 12
Alfred Weidemann, BerLin: Der melodische Dreiklang als Ausdrucksmittel . . • •• • • • • • • 13
WaLteT Berten, BerHn: Hugo Rasch . . . . . . . . . . . , . . . . . . . • • • • • · 19
MusUdi tera tur und neue Noten. . . . . • . . . . . . . . . . . . . • • • • • • • · 20
- Die Schallplatte . . . . . . . . . . , . . . . . . . . . . . . . .' . . • • • • • · 22
Das Musikleben . .. . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . .. . . . .. . . · 23
Zeitspiegel . . . . . . .. . . . . . . . . . . .. . . . . . ~ • • • • • • . . • 35 I • •

,
• I
Bildbeilagen:

Das Leipzigel' Gewandhaus während eines Konzerts . . . . . . • • • • · . . . . · . . . 8
J ohann Adam Hiller . .' . . . . • . . . . . . . . . . .. . . . . • •• . . . . · . ~ . 8
Artbur Nikisch . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . • • • • • • • • • ·. . . 8
Das Gebäude. in dem jetzt die Staatliche Hochschule für Musik untergebracht ist . • · . . ...
• 9-
40 Bühnenbild zu Alfano "Cyrano de Bergerac". . . • • . . . • • . . . . . . . . · . . . 9


• ,
-


Musil<~lische
Schriften
des Präsidenten der Re1chsmusiklcammer
Prof. Dr. Dr. h. c
I
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I
I
Von deutscher Musik Bond 48
Franz Ifons Wolp rt •

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11
Von deutscher Musik Bond 49
nad! Gedichten von Frieclrich Hölderlin
hlr eioe Singnimme und Klavitr
KulturwIlle Im deutschen Musikleben • WeIk 9
23. 28. Tausend. Kort. RM - .90 I. Abbille - 1. Diotima - j. Men .. henb.if.1l
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Weg. zu Webe .. Werk 7 Nr.l
208 Seilen mit 13 Bllde,n, fokslmlle- ':nd NotenbeHagen ,. Drüben geb< die Sonne sd'eiden
11. 20. Tausend. Gbd. RM 3.- 1. Trüb. wird'" die Wolk"n j.gen
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~i""kJcbtn if'j;tnd,,'it titi~ ist. Pr.il der drei Bänd. RM 10.-

MAX HESSES VERLAG, 8ERlIN


I. SCHOT"S SOHNE I MAINZ



Hans
• • •
ßtrlin 11) 50 nen tin
6aß.6aelt~", CDta!oeien, !le6er, CDrcf)tflergefönge
Pianist
MATTHJIIUS.PASSION VON J. S. BACH
In der OhriSto,pa, Cle Prof. Hauschild, .in Sanller und Ge- Berlin N 4, Chaussees!r. 9. Fernspr. 41 2704
.talter graBten Formate. mit srilistucher SIcherhe't und
geistiger Verti<fung.
TRJIIUMEREI MIT PAUL GRAINER
Höbepunkt. des AbcDds waren die ,,(jeder der Erinnerung".
Professor Haustbild. ein herrlicher Sanger , sang. Der
Xomponi!t am Plügel. Das erhob .ich zu Sph'ren eines reinen,
Soloabende
.eltenen Genusses. Und wie mje einer voUen funkelnden
Stb.l. der Empfindung entbot sie der Sänger, ein gebüni~er •
Wltner, der mir meisterlicher Kun.t des Gesange •
• elne. klangge.attlgten Organ ••, einen sitb in .trah- Orchesterkonzerte
lender Kraft entladenden larlton, leicht wie ein In-
strument einsetzt und handhabt, ibm auch hauchfeine Kopf-
tane ahzugewinnen weiß. Der wechsel.oUe Gefüh',«ltbtum der
Lieder wurde In erleb'er Form der Darbietung voll
ausge.chapft. Am Flügel mit ,orglitber Hand wal"nd:
Kammermusik
Mellter Paul Graener.
EIN MEISTER DES DEU1SCHEN LIEDES
Prof. Hau.tbild konnte in den Liedern und Salladen die gewal-
tigen, ibm ~ur Verfügung stehenden Stimmi<ttl einsetzen. In
Begleitung
allen Lagtn gl.itb trAgfähig, wird die Stimme von eiDer va' bild-
litben ",em,.chnilt jlcstü,U und einer must.rh.f"n Au"pratbe
b~l.i'et. In dynamIScher Hinsitbt glaubt man kaum, daß .iner •

lolchen Flllle ein .. Ferte die alherlsche Zartheit des Anfragen an Deutschen Veranstaltungsdienst
I P.aniuimn ~.ejenübe~Jtell, !,crden kÖnI,!'" W.s denp.rhiotungen
aber den croßttn Ren. verlleh, waren die Charaktenslerungskunst
Gm b H, Zentralreferat für Konzertwesen,
l und die individuelle Gescaltung der Scüdte.
Anfragen fOr Graener-Lied.rabend. mit dem Komponisten 2m Abteilung Einzelveranstaltungen
Flügeletbc«n an das Sekretana, von Prof. J: M. HAUSCHllD,
Bulin W jO, ~egensburger Straße j8 Fernsprecher 260701

-
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von Johann Strauß. - . . . • . - . • • 68043 LM
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Ouvertüre zur Operette "Der Zigeunerbaron" Sonntag, 27. Juni, 16 Uhr
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Sonntag, 25. Juli, 16 Ohr
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Am 5. 6. um 20 Uhr, "Neue Welt": Chorkonzerr zur Icc-J.hrfeier vOn Robert Schumanns Chotwe. k
"Das Paradies und die Peri"
Leiter: Städtischrr Musikdirej<,or Kurt Ba r th. AosführeDde: Das .erstärkte Orch.ster der St.dt Zwidtau und Chorgemeinsdoaf, Zwit:kaurr Sänger
Solisten: Hilde Sehe P pa n, Sediner Staarsoper, Sopran (Perl), Anneliese Lu et j 0 h. Dn, Kiel. Sopran, Hildegaro Hen n e dte. Serl,n. Alt,
Heinz Marten, ße:-lin, Tenor, RUJolf Waezke- t Berlin, ßaßbatiton
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• der Stadt Annaberg I Erzgebirge leitung: Städt. Musikdirektor Heinz Anraths
18. September 1943
Gesam:leitung: Mutikdirektor Kar! Pota n s k y Karl Kämpf: Romantische Sulle. Anion Dvarak: Violin-
Landesol enester Ob<rerzgebirge in Annaberg/Er zgebirge konzert. Joh. Brohms: 2. Sinfonie. - Solist: Wilfried
Hanke
7 Mefderkonzede 16. Oktober 1943 -
1, Konzert: Monta!!, den 11. Oktober 1943 Wolfg. Amadeus Mozart: Krönungskonzert. Anton
SolIStin: Maria N euß, Berlin, Violine - Ludwig Van Beethoven. Bruckner: 7. Sinfonie. - Solist: Willy H Ü I s e r
Willy Czernil<. Franz SdlUbert 6. November 1943
%. Konzert: Montag, den 8. November 1943 MOZARTABEND
Solist: Max 5 p i t z en berge r, Franlf. a. M., Cello - Luigi Che-
rubini. Ernst von DohDanyi. Max Reger 27. November 1943
3. Konzert: Mlttwoch, den 1. Dezember 1943 Hans Pfltzner: Kantate "Von deutscher Seele" -
Solist: Paul R ich art z, I. Konzertmeister d .. Städt. Orenesters Solisten: Martha Schilling, luise Richartz, Josef
Berlin, Violine-Gerhartv. Wes<ermaDn. Ma:< Bruch. L. v.Beethoven de W i tt, Prof. Johannes W i I I y
4. Konzert: Montall, den 10. Januar 1944 4. Dezember 1943
Solist: Joh.nnes Schneider-Madels, Dresden, Klavier - Joh. Klavierabend Georg von Vasarhelyi
Nep. David. Wolfgang Amadeus Mozare. Ludwig van Beetboven 15. Januar 1944
s. Konzert: Montag, den 7. februar 1944 Maurits Schoemaker : Broeghel-Suite. Eugen d' Albert:
Solist: Carl M 0 m be rg, v. Staatstb ..,er Braunschweig, Baß-B1Tilon Cello·Konzert. Anton Dvorok: Sinfonie "Aus der
- Helmut Ritthmüller. G. F. Händel. Werner Egk. Joh. Brahms neuen Welt". - Solist: Tibor de Machula
6. Konzert: Montag, den 6. März 1944
Solist c Heinx ~tanske, Berlin, Violine. - Kurt Budde. Nieolo 5. Februar 1944
Paganini. Rober< Schumann BACH-HÄNDEL-ABEND
7. Konzert; Montag, den 24. April 1944 .
Solistin : Kammersängerin Elisab.I h Reich e I t, von der Staar,oper
19. Februar 1944
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Dresden, Koloratursopran - H. Plitzn.r. W. A. Mozart. A. Bruckner 4. März 1944
% Sonderkonzerfe Josef Haydn: Sinfonie (Die Uhr). Heinz Schubert:
Vom Unendlichen (Kantate für Sopransolo und Streich-
1. Konzert: Donnerstall, den 16. MArz 1944 orchester). Richard Wagner: Wesendonklieder. L. van
SoliSt: Prof. J udwig Ho eis ch er, Münd"n. Cello - Joh. Seb. Bach. Beethoven : 5. Sinfonie - - Solistin ; A. Me rz -Tu n ne r
Karl Höller. J Gseph Haydn. Carl Mari. v. Weber ..
2. Konzert. Soli,t: Prof. WalrerSenaufuß-Bonlnl, Dresden, 25. März 1944
Klavier - Deut;ch Italienischer-Abend. Joh. Seb. Bach: Matthäus-Passion - Solisten: Sofie
Hoepfel, Berlha Maria Klaembt, Heinz Marten,
% Konzerfe "Besmwinite Musik" Rudolf Haym, Clemens Kaiser-Breme ,
1. Konzert: Mittwoch, den 29. Dezember 1943 15. April 1944
Solist: Kammer.irtuos Max Zimolong, I. Solo hornist dtrStaats- Konzert des Aachener Domchors
oper Dresden. 29. April 1944
2. Konzert: freitall, den S. Mal 19"4 RICHARD WAGNER-ABEND
Solistin : Vera Li t t n er, Dresden, Alt.
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t KODZ erl mIt Wel ken feldgrauer Komponisten Schubert-Abend. - Solist. Heinz M art e n

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Leitung: SIAdt. Musikdirektor Dr. Hans Hotfmenn
1. Konzert: 4./5. Oktober
In der Spielzeit 1043/44 Cherubini: Ouvertüre zu nA.nakreon u. Mazart: Symphonie
g-m.oll. Strauß: Don 1uan. llrahms: I. Symphonie
1. Sonntag, den S. September 1943 2. Konzert: 18./19. Ok'ober
Werke von Bee.hoven : Egmonr, Violinkor.zert, VII. Sympho .,ie
, RudiSteph.n : Musik fürOrchesrer (Erstauff.). Beethoven: Vio-
- So' ist: SdJneiderhan.
linbnzert. S.:!.umann: 4. Symphonie- Soh. tin : G u i la B u-
2. Sonntag, den 26. Sepf~mber 1943, 11 Uhr sr abo (Violine)
W.Jh<lm lerger: P, rtita, Beethoven: Klavierkonzert e·rno)),
Reger: HIUer-Vari.tionen - Solist; Hansen. 3. Konzert: 1./2. November
Max Reger: Solosuite lür Cello. Senum.nn: Cellokonzerr.
3. Sonntag, den 24. Oktober 1943, 11 Uhr Brud<ner: 7. Symphonie -Solist: Enrieo Mainardi ,Cello)
Heinz Röttger: Symph. Vorspid, F. Schubert Konz. Violon-
eoiJo, J. Rabms: 1I. SymphOnIe - Leitung: A. H.bermehl. 4. Konzert: 29./30. November
Solist: Troester Ernst Pepping: 2 Symphonie (ErStauff.). Mozare: VioUn konzert.
Brahms : Vanationen über.in Thema von Josef Haydn. C. M.
4. Sonntall, den 7, November 1943, 11 Uhr VOD Weber: Ouvertüre z.u "Euryaothe" - Solist: Georg
Alfrede Casella: Scarl.,rian., W. A. Mozart: Klavierkonzert Ku I.n kam p ff (Violine)
D-dur (K. V. Nr. 137), W. A. Mozart: Symphonie C-dur(K.V j f I)
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Mal< Trapp: Konzert für Orchester Nr. l. Beethoven: K'ovier-
S. Sonntall, den 21. November 1943, 11 Uhr konzert Nr. 1, C·dur. Anton Dvora.k.: Svmphonic Nr. 5 ,~Aus
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J. S. Badl: "lJie Kunst der Fuge" der neuen Welt" - Solist: W i I h el m K e m p ff (Klavier)
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R Senum.nn: I. Symphonie - Leitung: A. Habam.hl.- Fortner : Klavierkonzert lErstauff.). Be.lboven: S. Sl'mpbome
Solist: M. L Faini. S~list: Malt M arti n Stein (Klavier)
7. Sonntag, den U. Mirz 194", 11 Uhr 7. Konzert: 24./25. Januar
Theodor Berger: "Prinz Eugea U , ] . Sibelius: Violinkol\zert, C~r.lli: Coreeno gro"o g-moll, Vidinkonurt. Cas~lI.: .
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d-moll, L. BeethoYen: Vlll. SymphOnIe. - Soltsun : Ne y Pfi,zn«: Ouvertüre 7 U ,.Käthdlen von HeilbrOlnn". Klavier-
10. Sonlltatl. den 7. Mal 1944, 11 Uhr kon ..,·". Bruckner: 4. Symphonie Es-Jur (Urf.ssung) - Sohst:
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und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP. •
-

Zugleich amtliche Musikzeitschrift des Amtes Fe i e ra ben d in der NS·Gemeinsehoft "Kraft durch Freude"
und des Amtes D e u t s eh e 5 V 0 , k 5 b i , dun 9 s wer k in der Deutschen Arbeitsfront.


• •
emelnsc a tszeitsc •

• für die Dauer des Krieges vereinigt aus I



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D
"Ie M °k"
USI o
"Zeitschrift für Musik"
• •
110. Ja~rgang
35. Jahrgang
Gegründet 1834 van Robert Schumann
Max Hesses Verlag, Berlin Gustav Bosse Verlag, Regensburg

ll
"Allgemeine Musikzeitung "Neues Musikblatt"
... ' . 22. Jahrgang
70. Jahrgang

• Breitkopf & Härtei, Leipzig B. S eh 0 t t s S ö h n e, Mai n z


, . -----------------


lA

-

Heft 3/4 1943 Juni/Juli


°
G• 5 eh ä f t 5 S tell e: "Musik im Kriege", Berlin-Halensee, Joachim-Friedriehstraße 38



,

Konservatorium und Musikseminar der Stadt Kassel


Lellung: Direktor Dr. RlchardI G res s . \

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Begabtenförderung) Seminar für Mudkerzieher Lehrgänge für Volk.- und Spielmudk
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J\ußbllbung 1n allen lroelgen der Tonkunft biß zur künftierlld)en Reife. Studium für das fiünftlerlld)e (el)ramt
an 561)mn Sd)ulen Im Deutfd)en Reld), fad)rld)!ung mul1kmlel)ung, und für die ftaall. Prloatmullklebrerprüfung
mll den dazu gel)örlgen Semlnarlen. ftbt. fGr ftatl). filrcl)enmulik. Rn m eid u n gun d Ru s k u n f t bei
d n 0 er ro alt u n g: fi r leg 5 ft r a ~ e 110.

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des Kunsrtanzes Förderung Höd1Stbegabter
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argon des Amtes Musik - • •

beim Beauftragten des Führers für die Oberwcichung der gesamten geistigen
, •

und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP.


Zugleich amtliche Musikzeitschrift des Amtes F eie r a ben d in der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude"
_ und des Amtes 0 e u t s ch e s V 0 I k s b i I dun 9 s wer k in, der Deutschen Arbeitsfront. .

Amtliches Mitteilungsblatt des Musikreferats im Kulturamt der Reichsstudentenführung.
-
Herausgeber u. Hauptschriftleiter Dr. phi!. hbbil. Herbert G eri 9 k, stellv. Hauptschriftleiter G ustav 80sse
,
Heft 3/4 JuniIJuli • 11M3
- t

Themen des Tages. •




• Vop. Herbert Gerigk, Berlin. •

, \

Zum Gri~g-Jubiläum.
sichtigten Ausschaltung der viel zahlreicheren •

Hundert Jahre sind vergangen, seit Edvard andern aus Unkenntnis.



Grieg ist fÜr uns der
Grieg am 15. Juni 18~3 in Bergen geboren norwegische .Musiker schlechthin. Das schließt
wurde. Zu Lebzeiten bald schon zu den Höhen die Schätzung anderer Tonsetzer seines Lan-
. des Weltruhmes aufgestiegen, blieb .sich die des nicht aus, aber er hat sich als der Reprä-
Beurteilung seines Schaffens nicht in demsel- sentant seines Volkes im Ur.teil der Zeit er~
ben Maße gleich wie die · der Persönlichkeit. wiesen, Es muß die Aufgabe derjenigen, die •
Der kleine, ewig kränkliche Mann mit dem - sich mit seinem Werk beschäftigen, sein, die
guten Herzen und der glühenden Heimatliebe Wesenszüge seiner Kunst in ihrem Werden
• konnte eigentlich keine Feinde haben. Aber und in ihrem Sein zu ennitteln.
an seiner Musik hatten die Kunstrichter (die 18141 hatte Norwegen im Vertrag von Kiel
'strengsten sind im allgemeinen die Kompo- seine nationale Selbständigkeit errungen. Vön
nisten) manches zu bemängeln. Zu viel SalQu- diesem Zeitpunkt datiert das Erwachen des ,
musik wollten die einen heraushören, eine zu Bewußtseins einer eigenen Kultur und die •
starke Abhängigkeit von Vorbildern (so jm -folgenden Jahrzehnte brachten einen gewal-
1. Satz des Klavierkonzertes die Abhangigkeit tigen Aufschwung des kulturellen Lebens auf
von R. Schumann) die andern und dann wur- allen Gebieten. Voller Stolz besann sich Nor- •

de die formale Anlage der Sonaten und der wegen auf das angestammte Volkstum, auf
größeren Orchesterwerke beanstandet. Schließ- die Werte des eigenen Blutes. Griegs Eltern-
lich machte man sogar Grieg verantwortlich haus nahm Anteil an diesen geistigen Bestre-
für die unheimliche Verbreitung seiner Musik bungen und die Mutter, eine Schülerin von
in ausgefallensten Bearbeitungen und in allen, Albert Methfessel in Altona, gab dem Sohn
auch in sonst musikfremden Kreisen. In einem die ersten musikalischen Anregungen. Neben
Brief vom 22. Septbr. 1896 schreibt er: , "Die der deutschen K1~sik stand die Salonmusik,
Vermehrung meiner Werke durch Arrange- die damals (R. Schmnann!) nicht weniger heiß
ments fängt jetzt an, unheimlich zu werden. umstritten war wie manche musikalische Ent-
Ich vermisse nur noch die Peer Gynt Suite artungserscheinung heute. Der Freundeskreis
für Flöte und Posaune." Und an Julius Rönt- brachte dann aber frÜhzeitig bei Grieg die
gen, den holländischen Freund (am 25. Mai Hinwendung zur Volksmusik. Der anr!,!gendste
1906): "Glücklicher die Künstler, die nicht bei der Freunde war Richard Nordraak, eine
Lebzeiten die sogenannt~ Popularität erhalten. meteorhafte Größe unter den Musikern · Skan-
Ich kann doch nicht dafür, daß meine Musik dinaviens. 24jährig starb er bereits, und er
in Hotellen dritten Rangs und von den Back- hinterließ neben anderen Schöpfungen die zur
, fischen gespielt wird. Ich habe meine Musik nor wegischen Nationalhymne gewordene Me-
. deshalb doch eben so warm empfunden, ohne lodie. Nordraak war einer der eigenwüch-
an Publicum zu denken." sigen Norweger, der die Hinwendung zu einer
, Wie ist es heute mit der Musik Griegs? Sie volkstuIUsgebundenen Sprache der Kunst für
gehört -als ein völlig selbstverständlicher Be- notwendig hielt, um der gerade für die Skan-
standteU in unser Musikleben. Sie wird gar dinavier bestehenden Gefahr einer Verweich- .
nicht diskutiert, weil sie Teil des Ganzen ge- lichung zu entgehen. "Wir verschworen uns
worden ist mit der einen Gefahr (wie stets gegen den durch Mendelssohn verweichlichten
in solchen Fällen) deI;" Verengung des Blick- Skandinavismus und schlugen mit Begeiste-
feldes auf bestimmte Werke und der unbeab- rung den neuen Weg ein, auf dem sich noch 41
J •

, ,•
,


heute die nordische Schule befindet", schrieb salen verbunden. "Die 10 Hefte Lyrisehe •
Grieg selbst einmal über diese Auseinander- Stücke repräsentieren ein Stück meiner Le-
I setzungen, die sich vor allem auf die Schreib- bensgeschichten, schrieb er 1901 seinem Ver-
weise des ursprünglich von ihm überschweng- leger, und diese Äußerung hat Gültigkeit
lieh verehrten Dänen Niels W. Gade bezogen. auch für vieles andere seines Schaffens. Der
Mit scharfem Blick erkannte Grieg damals die .Ton bei diesen Stücken liegt auf "lyrisch" -

zersetzende jüdische Beeinflussung, der er ein die Kl~inform, das Genrestück waren die Welt,
anderes Kunstideal entgegenstellte. in der sich Grieg auslebte. So sind auch seine
I Lieder zu verstehen. Er träumte zwar mit dem
- Der Einfluß eines anderen Freundes kam ·
hinzu: mit dem 33 Jahre älteren OIe BuH, dem Freunde Björnson von einer nordländischen
e
J
großen Geiger, abenteuerte er durch sein Hei- Oper "Olaf Trygvason " an der Gri~g bereits
matland und in seiner Gesellschaft empfand eifrig komponierte, deren Text Björnson je-
er erst richtig den Gleichklang von Natur des doch nie vollendet hat. Die verbreitetste sei-
Landes und künstlerischem Ausdruck des ner Schöpfungen wurde die Bühnenmusik zu
Volkstums in Lied und Tanz. Die Volkslied- ,tPeer Gynt", obwohl er nie ein engeres
sammlungen L. M. Lindemanns waren für ihn menschliches Verhältnis zu Ibsen gewann. •

ebenso eine Fundgrube wie für eine Reihe Solveigs Lied, Ases Tod gelten in der Welt
j weniger bedeutender skandinavischer Ton- mit Recht als reinster Ausdruck norwegischen
setzer der damaligen Zeit. Vor allem nahJ;Il er Wesens in der Musik.
bei seinen Wanderungen in engster Berüh- _ Das eigene Schaffen war strengster Selbst-
rung mit den Bauern die heimatlichen Volks- kritik unterworfen. Ständig wurde gefeilt,
I tänze als ,etwas Lebendiges in sich auf und umgearbeitet, schon fertiges nicht zur Ver-
• ,
die Hardangerfiedel, das Streichinstrument öffentlichung freigegeben. Auf Anregung Ga-
jener bäuerlichen Musikübung, wirkte stark in des versuchte er sich in jungen Jahren mit
das Schaffen Griegs hinein (die' Quintenbässe einer Sinfonie. Zwei Stücke daraus hat er als
in vielen Schöpfungen Griegg gehen darauf op. 14 für Klavier zu vier Händen vorgelegt
zurück). und die Orchesterfassung blieb trotz mehr-
Entscheidend wurde aber für den jungen fachen Drängens des Verlegers in seinem
Musiker der vierjährige Studienaufenthalt in Schreibtisch, "da das Werk gar zu sehr einer
Leip:zig am Konservatorium. Hier gelangte er längst verflossenen Schumann-Periode ange-
l unter den Einfluß der deutschen Romantik hört". Das Klavierkonzert sicherte ihm die
- namentlich Robert Schumann blieb stets Bewunderung Liszts, der hier wie bei so vie-
einer seiner Götter und unter den Lehrern len anderen aufstrebenden Musikern sofort
stand ihm besonders Moritz Hauptmann nahe. den echten Künstler erkannte und förderte.
I Es darf hier vermerkt werden, daß Grieg bis Grieg schrieb: "Dies letzte [das Urteil Liszts]
an sein Lebensende für die Ideale seiner ~at für mich unendlich viel Bedeutung. Es
Kunst in Wort und Schrift eintrat. Nachdem hegt etwas darin, was ich "geweiht" nennen
er 1875 erstmalig Bayreuth besucht hatte, m~:ichte..Manchmal, wenn Enttäuschungen und
schrieb er eine Folge von Aufsätzen über BltteJ.lkelt kommen, werde ich an seine Worte
Wagner, dem er in seinem Schaffen längst denken, und die Erinnerung jener Stunde wird

verpflichtet war. Später wandte er sich aDer ~ine wunderbare Macht bewahren und mich
auch gegen jene Wagnerfanatiker, die neben m Tagen des Mißgeschicks aufrecht erhalten." •

ihm keine anderen Götter dulden wollten. Da überhaupt hatte er Deutschland viel zu ver-
trat er für Schumann und für Mozart ein . d~nken. Sein ?eutscher. Verleger schuf ihm
Probleme, die uns heute nur aus dem Fieber , die ersehnte wll'tschafthche Unabhängigkeit
des Tageskampfes erklärlich sind. im Laufe von zwei Jahrzehnten Zusammen-
, Das Ziel seines Schaffens bestand in der arbeit, so daß er 1885 sein Heim in Trold-
Herausbildung einer nationalen Tonsprache. haugen beziehen konnte das seine ständige
Grieg hatte nichts für eine Vermischung der, Zuflucht wurde. '
Stile zu einem sogenannten Skandinavismus In, allen .. Musikstädten Europas gleichmäßig
übrig. Obwohl er selbst lange in Dänemark gefelert, fÜhlte er sich in London am wenig-
wirkte, wollte er seine Kunst, also die nor- sten wohl. "Die Luft dort ist einem Musiker
• wegische Musik, klar gegenüber der dänis~hen von Go~tes .Gnaden nicht günstig. Ich würde
unterschieden wissen und Schweden, dem al- dort. me emen Ton komponieren können",
ten Feind, gegenüber war die Abgrenzung schrleb er 1894. Er, dem als Musiker die
selbstverständlich. Neben der inneren Bin- W:mrheit der Empfindung das Wichtigste in
dung an sein Norwegertum traten eine Reihe semer Kunst war, stand den verbildeten Ge-
äußerer Merkmale in Erscheinung: die Ver.. bildeten«..inner~ch ablehnend gegenüber. 'i899
wendung von Originalmelodien, die in ihrer ~agte er uber em Konzert vor Arbeitern: ..RieT
Struktur und Harmonik eigenen Gesetzmäßig- 1st das allerbeste Publikum! Dieses verdamm-
keiten unterlagen, sowie die Übernahme der te, blasierte und glasierte sogenannte feine •
harmonischen und rhythinischen Eigentüm- Publikum, sei es im Gewandhaus zu Leipzig
lichkeiten, die er der Musik seiner Heimat ab- o~er im Musikverein zu Kopenhagen! Nein,
gelauscht hat, in sein übriges Schaffen. ~e Unverdorb~nen haben die Begeisterung,
42 Sein Werk ist eIJg mit seinen Lebensschick- die anderen mcht oder höchstens ausnahms-
,
I

weise." Er war ein Musiker der als Patriot Liszt zu dem aufdringlichen Judensproß: "Von
auch am politischen Geschehen bewußt Anteil Berlin ging Anton 1846 nach Wien, wo damals •
nahm. Mit bewundernswerter Klarheit sah er Frz. Liszt im Reiche des Claviers sein unbe-
das als notwendig voraus, was sich in unseren strittenes Scepter führte. Da der ungarische
Tagen für die germanische Völkerfamilie und Maestro das russische Wunderkind bereits in -
darüber hinaus für ein neues Europa zu ver- Paris gehört, so hoffte Rubinstein bei ihm
wirklichen beginnt. Hugo Riemann bezeich- Schutz und Hilfe zu finden. Doch der magya-
nete ihn noch 1901 als "den bedeutendsten der rische }.1usikjupiter that nichts von Allem
skandinavischen Komponisten nach Gade". dem; . er erklärte dem 17jährigen JÜngling
Gade ist inzwischen in den Hintergrund ge- ganz freimütig, "daß er auf ihn nicht im Ge-
treten, während kein neuer Name den Ruhm ringsten zählen dürfe, daß ein befähigter
Griegs verdunkelt. Als ein Meister der klei- Mensch Alles selbst erreichen, sich selbst ver-
nen Form hat infolge seiner tiefen Verwur- danken müsse und nie auf fremde Unter-
zebmg im angestammten Volkstum das Höch- stützung zählen sollte. Die Abweisung war
• ste erreicht, das einem Künstler beschieden hart." Uns zeigt diese Episode den gesunden •

sein kann: er verk8rpert Norwegens Wesen in Rasseninstinkt bei Liszt.
I der Welt schlechthin und damit ein Stück Es heißt dann weiter: "An Empfehlungs-
germanischen Geistes. briefen mangelte es dem jungen Virtuosen
Sein Schaffen ist zum Inbegriff der von nicht. Die Gemahlin des damaligen Botschaf-
ihm und zahlreichen seiner Zeitgenossen an- ters in Berlin hatte ihn damit reichlich an
gestrebten nationalen Tonspracbe geworden, mehrere hochgestellte Persönlichkeiten in
in die er alle Ausdrucksmittel und alle Mög- Wien versehen, doch blieben dieselben unbe-
lichkeiten der Ausdruckssteigerung hinein- achtet, was das Mißtrauen Rubinsteins er-
genommen hat, die sich ihm aus der Musik weckte. Er öffnete indiscret einen dieser Emp-
der Romantik von Schumann bis Wagner fehlungsbriefe und fand daselbst des Rätsels
boten. Lösung; hier der Inhalt dieser kuriosen Emp..l
Etwas vom Juden Rubinstein. fehlung: "Meine liebe Gräfin! Dank der Stel-
lung und dem Range, den wir einnehmen, sind
D.er jüdische Komponist und Pianist Anton wir oft in die peinliche Lage versetzt, ver-
Rubinstein wird irrtümlich immer noch von schiedenen Landsleuten Protektion zu erwei-
manchen Musikern für einen Arier gehalten, sen, sie zu empfehlen, um ihren dringenden
zum al in der 1. Auflage des Musiklexikons Bitten zu genügen. Daher empfehle ich TImen
von H. J. Moser auf eine Äußerung H. St. den überbringer dieses, einen gewissen Rubin-
Chamberlains Bezug genommen wird. In dem stein. " Es bedarf keines Kommentares, um
Buch "Lebenswege meines Denkens" (S. 228) die jüdisohe Aufdringlichkeit zu illustrieren.
bezeichnet dieser Rubinstein als arischen Si- Das Kapitel Rubinstein darf nunmehr end- •
birier. . gültig geschlossen werden.
Als Lesefrucht ist uns im 14. Jahresbericht
des Mozarteums Salzburg (1894) ein Auszug Johann Schrammel.
des Nachrufes in die Hände gefallen, den in
~em deutschen St. Petersburger "Herold" ein Nicht nur der musikalische Laie sondern
Freund Rubinsteins anläßlich dessen Todes ebenso viele Musikfachleute werden mit Er-
(20. 11. 1894) veröffentlichte. Es heißt darin: staunen zur Kenntnis genommen haben, daß
"Anton RubinstE~in wurde jüdischen Eltern am 17. Juni vor 50 Jahren Johann Schrammel
geboren in dem Dorfe Wichwatinez, auf der in seiner Heimatstadt Wien gestorben ist, der
Grenze des podolischen Gouvernements und "Erfinder" der sogenannten Schrammel-Musik.. •

des bessarabischen Gebietes, am Ufer des Man glaubt allgemein hier an eine von der •
Dnjepr. Seine Mutter Clara, geb. Löwenstein, Technik der Tonerzeugung, von einer be-
stammte aus preußisch Schlesien. Der Vater stimmten Vortragsart hergeleitete Bezeich-
Rubinsteins, Grigorij, war aus Verditschew, nung schrammeln ist ein Tätigkeitswort .
dem russischen /Jerusalem, gebürtig, und Ar- geworden. Hackbrett (heute tritt die Zither
rendator, d. h. er pachtete eine Landzelle im an seine Stelle), Gitarre, Geige und Klarinette
genannten Dorf." Wie Juden für Juden sorg- (später durch die Ziehharmonika ersetzt) bil- .
ten, verrät der Bericht dem kundigen Leser: deten die Besetzllng des Quartetts, das Schram-
"Anton nahm in Berlin Unterricht in der mel 1877 mit seinem Bruder Josef, dem Kla-
, Theorie der Musik bei dem berÜhmten Contra- rinettisten Dänzer und dem Gitarrespieler
punktisten und musikalischen Schriftsteller, Strohmayer gründete. "D'Schramrneln" wllr-
Professor Siegf. V. Dehn [Volljude], durch den bald zu einem volkstümlichen Begriff weit
Meyerbeers Empfehlung seit 1842 Custos der über Wien hinaus. Zu dem Quartett wurden
musikalischen Abtheilung der königl. Biblio- die volkstümlichen Lieder eifrig gesungen
thek in Berlin . . . Die berühmten Tondichter und Schrammel schuf unter seinen andert-
Mendelssohn und Meyerbeer interessierten halb Hundert Kompositionen manches volks-
sich höchlichstJür Beide (Anton und seinen tihlllich gewordene Lied ("S'Herz von an
Bruder Nikolaus) und standen ihnen mit gu- echten Weana", "Wien bleibt Wien" u. a.).
tem Rathe beL" Schralrunel stanunte aus einem alten Musi-
Anders als die Juden standen der arische kantengeschlecht Wiens und es Will viel be- 43

,
• I
,
• ,
I
, . •

deuten, daß er sich in der großen Zeit der wahrer Volksmusiker, gelten, zumal sein Name
Dynastie Strauß und Lanners so durchzuset- dem Volk gleichbedeutend mit einer ganzen
• Musikgattung, mit einer in der ganzen Welt
zen vermochte, Seine "Schra.mrp.eln" legten
den Grundstein für die später als Salonorche- beliebten Spielart wurde,so daß der Träger
ster bezeichnete Besetzung. Er darf als ei~ des Namens darüber vergessen werden konnte.

• • Lübeck und seine Orgeln.



Gedanken zu ihrer Zerstörung und ihrem Aufbau. ,
• ,

• Von Heinrich Edelhoff, L'Übeck .
,
Von den fiinf Kirchen der siebentürmigen "historischen" Gestalt sich darbietenden Wer- •
Altstadt Lübecks fielen dem britischen Ten~or­ ken haben die großen Orgeln weniger die
angriff in der Palmsonntagnacht 1942 Dom, durchgreifenden stetigen Veränderungen der
St. Petri und St. Marien vollständig zum Opfer, einzelnen Jahrhunderte verleugnen können.
St. Ägidien wurde stark 'beschädigt, einzig. Die große Domorgel war bekanntlich ein Werk
, St. Jakobi blieb verschont. Die Gedanken des Arp Schnitgers aus den Jahren 1696199. Von
Musikfreundes und darüber hinaus aller diesem Werk ist die Fassade. in originaler Ge-
I

Freunde lübeckischer Kultur bangten um das stalt bis zur Zerstörung erhalten gewesen,
I' I Schicksal der herrlichen Instrumente in der während es selbt 1893 v'on Ludwig Walcker-
1 Stadt der Orgeln. Während die wertvollen Ludwigsburg nach Begriffen des damaligen
Archiv- und Notenbestände der Stadt, ins- Orgelbaus in idealer Weise modernisiert und
, besondere auch Buxtehude betreffend, völlig 1937 von Karl Kemper durch einige unwesent-
gerettet wurden, gingen 'mit unermeßlichen lichere Umbauten ergänzt wurde. Die Pläne
\I
, • Kunstschätzen in den Kirchen (erinnert sei an zu einem durchgreifendeh Umbau, der alle
den "Totentanz", die "Astronomische Uhr", Umstände ihrer Geschichte peInlich berück-
die "Gregorsmesse") auch die ,Orgeln zugrun- sichtigte und dennQch die Orgel für die Groß-
de. Von der berühmten "Totentanzorgel" fand werke der neueren Literatur spielbar erhielt,
sich buchstäblich nichts. als ein paar Klümp- von Professor Wilhelm Stahl ausgearbeitet,
chen ;zerschmolzenes Blei. Außer ihr vernich- lagen fertig vor" ihre Inangriffnahme hatte-
tete der Terror die Große Marienorgel, die nur der Krieg hinausgezögert. Es wäre da-
Lettner-Orgel in Maden, die Große D<?morgel, durch ein Orgelwerk geschaffen worden, das .
die Petri-Orgel und beschädigte die Agidien- in idealer Wei.se dem Werk Bachs und Bllxte-
, . •
. Orgel schwer. Erhalten blieben von den in hudes dienstbar hätte sein können, eine Orgel.

historische Zeit zurückragenden wertvollen also aus dem Geiste des hoch- und spätbarok-
• Orgelwerken nur die beiden in Jakobi. ken Klangideals heraus. Es sei bei dleser
Ein Rückblick (man vergleiche dazu die Gelegenheit daran erinnert, daß Dietrich Bux-
verdienstvollen Monographien von Wilhelm tehude selbst, seit 1668 Organist an St. Marien
, Stahl!) möge kurz die einzelnen Werke k~nn­ zu Lübeck, zumal während seiner ganzen
• zeichnen. Die "Totentanzorgel" wurde 1937 Amtszeit seine beiden eigenen Orgeln in
• von dem Lübecker Orgelbauer Karl Kemper schlechtem Zustande waren, mehrfach den
,

, unter exakter Beachtung ihrer historischen Wunsch geäußert hat, Arp Schnitger für
und stilistischen Bedingtheiten in den Stand Marien zu gewinnen, da er auf Grund einer
zurückversetzt, der ihrem spätgotischen Pro- eingehend~n Besichtigungsreise zur Hambur-
spekt und ihrem ursprünglichen Klangcharak- ger Nikolaiorgel diese "selbsten mit gutem

\

ter als Renaissance-Orgel Ende des 15. Jahr- . Contentement befunden und probieret" hatte. .
hunderts erbaut entspricht. Die kleine Die Schnitgerorgel entsprach also absolut sei-I
Jakobi-Orgel, von ungefähr gleichem Alter ner eigenen Klangvorstellung..
• (Anfang des 16. Jahrhunderts), unterscheidet Die Marienkirehe hatte schon um die Mitte
• sich von ihr jedoch klanglich wesentlich: ge- •
• dE!s 14. JahrhundertS-eine Orgel, denn schon
genüber dem herberen, strengeren, männliche- in den Jahren 1396199 wird eine Stiftung für
ren, asketischeren und geschlosseneren Klang ,eine neue Orgel erwähnt. Teile ihres Pfeifen-
• der "Totentanzorgel" hat sie den bunteren, werks sind beim Bau der großen Orgel (1516/
fröhlicheren und sinnlicheren, gegenüber dem , 1518) mitverwandt w'o rden, deren Fassade

relativen Schme1zklang jener, der dem Renais- Spuren von der Hand des berühmten Bild-
sance-Ideal entspricht, hat sie den Spaltklang hauers Benedikt Dreyer trägt. Der Erbauer
mit herausstechenden
- Solostimmen von teils der Orgel ist Barthold Hering, der später ihr
weiblicher Süße, teils barocker Eigenmächtig- erster Organist wurde. Sie erlag zahlreichen
keit, sie entspricht also, in der Wiederher- Umbauten, von denen die in den Jahren 15961
, stellung von 1935 (ebenfalls von Karl Kemper 1598 (Gottschalk Johannsen - Borchert), von
nach wisenschaftlichen Plänen und Bauent- 1'637/41 vor dem Amtsantritt Franz Tunders

würfen des Physikers Dr. Erich Thienhaus llnd (~~ie~rich Stellwagen), von ' 1'133 (Konrad
des Organisten Hugo Distler), dem frilhbarok- "Bllntmg aus Hamburg) die wesentlichen wa-
ken Klangideal.
. 44 Gegenüber diesen beiden in ihrer reinen
ren, während sie dann 1851154 nach damals
geltenden Vorstellungen völlig neugestaltet

- • ,


-
• , • •

wurde (von J ohann Friedrich Schulze in Pau- sentation gewese~, die in dieser Stadt wie in
linzelle). Dabei blieb der Prospekt stlllOly kaum einer anderen auch in Zeiten lebendig
erhalten, das Brustwerk wurde entfernt Mieb, die unter den Einwirkungen der fran-
und zum Bau der Lettnerorgel verwandt. In zösischen Revolution das Ideal einer atomi- •

dieser späterhin nur noch unwesentlich über- sierten Masse isolierter Individuen im locke-,
holten Gestalt ist die große Marienorgel ren Verbande einer Wohlfahrtseinrichtung
Hauptträger der 1887 von Karl Lichtwark verkündete. Mit dem Konunen d Gehen der
wieder aufgenommenen "Abendmusiken" gewe- Generationen wandelten die Lü ecker Orgeln
, sen und ungezählten Menschen aus Deutsch- ihr Gesicht, jede Zeit prägte ihnen ihren Le-
land und .Skandinavien (übrigens auch vor- benswillen auj~ ließ sichtbare und hörbare
nehmlich aus England) Inbegriff lübeckischer Spuren, die unverwischbar sind in und auf
Orgelkunst geworden, besonders seit an ihr ihnen zurück. Schon ein kurzer überblick auf
(1929) Walter Kraft
, das Amt des Organisten
. die Lübecker Orgelgeschichte eröffnet Durch~ •

verwaltete. Auch diese Orgel stand vor emem blicke in weiteste Bereiche des geistigen und
Neuaufbau, der sie im Gegensatz zu der stadtstaatIichen Lebens. Es beginnt mit dem
"Totentanzorgel", im Charakter eines mo- denkwürdigen "Abris der ' Structur", einer
dernen Riesenwerks (sie hatte vier Manuale Federzeichnung des mit Wappen und Bildern
und zwei Pedale mit zusammen 80 klingenden geschmückten Prospektes der 200jährigen Or- •

• Stimmen) erhalten, andererseits gegenüber gel im Dorn, die von den Biirgefmeistern in - •

dem Qrchesterstimmigen Durchbau, der der Auftrag gegeben wurde, 1IIn beim Abbruch
Klangvorstellung des vorigen Jahrhunderts der Orgel 1596 zu beweisen, daß das Wappen
entspricht ("Orchesterorgel"), den "Werkcha- der Stadt schon vor Jahrhunderten an der

rakter", d. h. die Aufspaltung in die Register- Orgel den Vorrang vor dem des Kapitals ge-
gruppen der einzelnen Werke, wie man sie habt hatte. Es geht über die "AQendmusiken",
unschwer aus dem Prospekt ablesen kann, die Franz TtLnder vermutlich 1642, also vor
I wieder betont haben würde. Dabei war die 300 Jahren, einrichtete, wobei er den Kauf- •

Möglichkeit gegeben, den stummen Prospekt leuten, bevor sie zur Börse gingen, "zum Ver-
mit dem einzigen erhaltenen durchgehenden gnügen und zur Zeitverkürzung etwas auf d~r
32 Fuß, den wir in Deutschland haben, wieder Orgel vorgespielt hat, UIll sich bei der Bürger-
klingend zu ;nachen. Grundlage des Umbaus schaft beliebt zu machen". Diese Abendmusi-
hätte etwa die Dispo.sition werden sollen, die ken, die heuer 'ihr 300jähriges Bestehen feiern
Mattheson 1721 in der "Musikalischen Hand- könnten, waren, vor allem in der Form, in der
leitung" gab. Er hatte die ·Orgel kennen ge- Buxtehude sie weiterentwickelte, stadtbÜl'ger-
lernt, als er 1703 mit Händel gemeinsam die liche Repräsentationsakte, Staa~kte par ex-
berühmte "Pilgerfahrt ·nach Lübeck" unter- cellence, in denen die Bürgerschaft ihr Leben
nahm und auf sämtlichen Orgeln und Kla- und Wesen "sub speziem aeternitatis" stellte.
vieren der Stadt ,spielte, vom Rate fürst)ich Sie standen 'im Gegensatz zur kirchlich-litur- •
bewirtet wurde, aber, ebenso wie Händel gisch gebundenen Musik .der Kantoren lind
selbst, eine Anstellung als Nachfolger Buxte- waren ebenso wenig Oratorienauffiihrungen•
hudes ablehnte, weil damit eine Heiratssache einer musikliebenden Gesellschaft (wie Hän-
verknüpft war. dels Oratorien in England) wie Virtuosen- •

Neben diesen Hauptorgeln sind die Orgeln konzerte eines Künstlers. Vielmehr gingen .
sie, worauf ich an anderem Orte mehrfach ••
I in St. Petri (ebenfalls ein Werk Barthold He- ,
rings, 1888 von Walcker-Ludwig!>burg moder- hingewiesen habe, auf einen im ganzen nieder-
nisiert) und St. Ägir;1ien, die von dem briti- ländisch - norddeutschen Raume verbreiteten
schen Schlag inmitten sukzessiver Erneue- Brauch zurück, der die Nähe des Organisten
rungsarbeiten betroffen wurde, zwar auch ~um städtischen Leben i !TI Gegensatz zum aka-
überaus wertyolle Instrumente, aber von we- demisch-kirchlich gebundenen Kantor bezeugt,
niger eindeutigem Charakter. ~ . eine Tatsache, auf die neuerdings (ebenfalls
Wenn auf der zweiten Freiburger Orgel- auf der zweiten Freiburger Orgeltagung) noch
tagung von 1938 das Wort von der Orgel als einmal Wilhelm Ehmann hingewiesen hat. Die
dem "politischen" Instrument in "jenem höch- Orgel stand hier als das eigentliche Repräsen-
sten Sinn des Wortes polis, wie ihn Plato und tationsinstrument der bürgel'lichen <1emein- •
Aristoteles gebrauchen, die die Musik . als schaft (nicht "Gesellschaft") stets im Mittel-
höchsten Bestandteil der Staatserziehung wer- punkt, und Karl Lichtwark handelte folge- .
\ ten" fiel, so gibt es dafür keine bessere Be- richtig, als er die durch Buxtehudes Nachfol-
stätigung als die Lübecker Orgelkultur in ger zu Oratorien-Aufführungen verengten, im
ihrem organischen und geschichtlichen Zu- Nachklang liberalistischer Auffassungen seit
sanunenklang. Eng~ wir das Wort auf seine 1810 (damals war Lübeck französisch!) zeit-
Ursprungsbedeutung des Stadtstaates als einer weise gänzlich unterbrochenen Abendmusiken
ständisch gegliederten Lebensgemeinschaft von wieder zu Orgelstunden erhob, in denen sich
bewußter politischer und kultureller Haltung das Burgertmn der Stadt wieder zur Gemein-
ein so sind die Lübecker Orgeln durch. die schaft auffangen sollte. Endlich haben das
Jahrhunderte hindurch die ~lingenden Zeu- Ostseejahr 1931 und unter erneuertem poli-
gen eines Gemeingeistes biirgerlicher Reprä- ti.schem Aspekt die großen Reichstagungen 45

• •



,

• , •

der Nordischen Gesellschaft in den Jahren vor in annähernder Vollkommenheit die "Präto-
diesem Kriege mit dem mitternächtlichen Or- rius"-Orgel der Freiburger Universität Zeuge
gelkonzert in der Marienkirche als Mittel- sein. Dieses Nebeneinander von historisch
punkt unendlich vielen Menschen aus dem reinen Typen, solchen, in denen sich die Stile
Reich und aus Skandinavien immer wieder vielfach überlagern und endlich solchen, die ,
die gemeinschaftsbindende "politische" Mäch- ganz aus dem Geist und den BedürfnissEm der
tigkeit der Orgel sinnfällig gemacht. So ging 'eigenen Zeit heraus gebaut sind, macht die
• •
von Lübeck nicht nur die stilistisch reinigende Fülle und den Spannungsreichtum unserer
I, Wirkung der Orgelbewegung mit ihren über- Gegenwart, machte/ wie wir sahen, auch den
wiegend historisierenden Akzenten aus (Ham- Reichtum der Orgelstadt Lübeck aus. Diesen
burg-Lübecker Orgeltage 1925!), sondern auch Reichtum nun gilt es, so scheint uns, zu be-
I die Wiederentdeckung der Orgel als des wahren. Man wird nicht die einzelne Orgel
"Kultff-Instruments einer politisch und kul- als den Organismus ansehen dürfen,. in dem
turen organisch geschlossenen Gemeinschaft. die Last der Traditionen und die Verantwor-
Diese Traditionszusammenhänge kann auch tung vor der Zukunft stecken müssen, son-
der künftige Wiederaufbau der Kirchen und dern die Gesamtheit aller Orgeln in ihrem
Orgeln in ihnen nicht leugnen, Man wird den ZuSammenklang. So wird man die ,,'1;'oten-
I
Kirchen ihre äußere Gestalt wiedergeben. Wie tanzorgel" in ihrer historischen Gestalt nach-
werden die Orgeln aussehen und klingen, die bauen, andererseits aber als große Marien-
in ihnen stehen? Eine Orgel ist ja als Orga- orgel das Instrument erstellen müssen, das
nismus zu begreüen, in dem die Gesamtheit wie kein anderes bisher Repräsentant stadt-
aller Zeitalter, die an ihr gebaut haben, mit- gemeindlichen Kulturwillens der Gegenwart,
I schwingt. Andererseits haben alle Zeiten aus also "politisches", Instrument per "polis" ist.
ihrer Lebensmitte heraus ein sie auszeichnen- Es wäre durchaus denkbar, daß die spät-
des Stilbewußtsein, aus diesem aber eine barocke "Schnitger"-Orgel im Dom oder einer
I Klangvorstellung und aus ihr einen ganz be- der andern Kirchen ihren Platz fände, aber
stimmten Orgeltyp entwickelt. Die Situation auch, daß die. "OrChesterorgel" des 19. Jahr-
• unserer eigenen Zeit ist nun die, daß wir hunderts und mit ihr das Orgelwerk Regers
einerseits unsern eigenen Orgeltyp gefunden und seiner Zeitgenossen seinen Platz fände.
zu haben glauben, der zugleich eine bestimmte Dabei handelt es sich nicht um die Errichtung .
Einordnung in die Gemeinschaft, als Reprä- eines Orgelraritätenkabinetts, sondern um ein
sentant dieser Gemeinschaft selbst erfuhr, . Lebendiges, das dem Leben in der Vielfalt
als solcher mag in annähernder Vollkommen- seiner geschichtlichen Wachstumsprozesse die-
heit die Orgel in der Ludwig-Siebert-Halle in nen will. Die bewußte Erweckung bestimmt~
I Bayreuth gelten, daß wir andererseits aber geschichtlicher Stilformen unterscheidet sich
auch dank jahrzehntelangen grundsätzlichen, ja vom Historismus des vorigen Jahrhunderts
technischen und historischen Bemühungen im- dur.eh ~en WiUen, durch die Aktivierung ge-
stande sind, jeden Orgel typ der Vergangenheit sohichthcher Wirklichkeiten hindurch sich
zu erkennen und nachzubauen, dafür mag selbst im Ganzen zu begreifen.


Hanns Johst über Robert Schumann .
,

Der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Banns Johst, wurde zum
Präsidenten ,der 'Anfang Juni in Zwickau begründeten Deutschen Robert Schumann- •

Gesellschaft ernannt, Er hielt im Rahmen der Gründunsfeier die folgende AnspraChe:
,
Je härter dieser Krieg wird, und je länger monie, durch die er sich selbst überwand, un-
er dauert, mit um so klarerer Eindeutigkeit ser TJost.
erleben wir die wahren Werte der Kultur. Die ,~er tiefste Sinn eines jeden Kunstwerkes
geistigen und seelischen Kräfte offenbaren 1st Immer Trost. Und Trost ist Bruderruf einer
ihren Trost, ihren Glanz und ihre Gnade. Das beseelten und beseeligenden StiImne in die
äußere Leben wird ständig einfacher, ständig E,ins~keit, in der sich Einsame ängstigen.
härter belastet von dem Verzicht des Alltages, WIr leben in einer Zeit, in der das Heroische
da erhält das innere Leben neue, junge, reiche tröstet, in der der Held seinen Ruf gründet
Bestätigung. Der innere Besitz ist durch nichts und unser aller Schicksal bestinunt. '
zu gefährden, im Gegenteil, je roher und grau- . Wir leben im Krieg. Die Feindeswelt will uns
samer die äußere Welt sich gegen Geist und Deutschen den inneren Frieden zu dem wir
Seele aufstellen mögen, nur um so erlösender uns alle durch unseren Führer berufen fühl-
beweist sich das Wunder der Künste. ten, zerstören. Sie gönnt uns das Glück der
• In diesem Zeiche~ der Erkenntnis und des Volksgemeinschaft nicht, sie will uns zerschla-
Bekenntnisses stehen die Musiktage, die dem gen und zerschmettern, bis wir wieder alle
Genius Robert Schumanns huldigen. einsam sind, und uns einzeln und vereinzelt
hilflos und wehrlos ängstigen. '
Das äußere Leben hat dieseri Mann viel ge- Wir scharen liDS um den Führer als den
quält, aber ein Gott gab ihm zu sag,en, was er Feldherrn, den Staatsmann, und in dieser
46 litt, und nun wurde sein Leiden und die Har- Stunde sei es besonders betont, den Meister.
,

, ,

,
De.r Führer wollte uns alle wie ein rechter Warum haßt uns denn die Welt! Weil wir
Künstler, wie ein Meister, erlösen. Er mußte den Schlaf der Welt zertrümmerten mit dem
mn dieses, sein Ideal zu erreichen, qen Weg Fleiß unserer Hände, mit den Erfindungen un-
des Politikers auf sich nehmen und Staats- serer Stirnen, lnit den Überzeugungen unseres
mann werd~n, und der Feind zwang ihn auch Geis.teslebens, und den Harmonien unserer
dazu, Soldaten, . seine geliebten Soldaten, als Seelen!
, Feldherr einzusetzen, aber seine tiefste und Das deutsche Weltbild, und die deutsche
\ aufwühlendste Leidenschaft ist sein Führer-' Weltanschauung, haben sie in einem dreißig-
wille als Künstler. jährigen K;riege schon einmal tödlich gehaßt.
Er; weiß wie kein Lebender, daß der letzte Und wieder ist seit 1914 die Hölle los. Die
Segen allen Daseins im Wunder der Kunst deutsche Sendung soll zerschlagen, und seit-
ruht. Man muß sein entspanntes Gesicht ge- dem sie in Adolf Hitler ihren Führer und Mei-
• sehen haben, wenn es sich in ein Bild, in ein ster fand, vernichtet werden. Aber: und wenn die
Buch, vertiefte. Man muß seine entrückten! Welt voll Teufel wäre! Wir bekennen uns, und
Gesichtszüge buchstabiert haben, wenn er sich wir jubilieren, wie es uns unsere Meister lehr-
ganz dem Trost einer Symphonie, der Voll- ten. Und weil wir uns auch gerade in den
endung einer Oper hingab, um zu wissen, zu dunklen Stunden des Kampfes und Ringens
welcher Kulturfreudigkeit er uns alle endlich auf ' sie besinnen, und sie ehren, deswegen
zu führen gedenkt. werden wir triumphieren.
Und so kommt es, daß wir des Führers in- Denn es siegt letzten Endes immer die Voll-
~

nerstem Befehl gehorchen, wenn wir einem endung, die Harmonie. Das Chaos aber, und
deutschen Meister der Töne huldigen, wenn die Dissonanzen, verfallen dem Abgrund und
wir uns stärken an der Kraft einer unsterb- dem Vergessen.
lichen Quelle! Wir scharen uns, und beken- Die mitteldeutsche Industriestadt Zwickau
nen uns zu Robert Schumann, einer kämpfe- hat uns eingeladen. Sac~sen, die Wiege so vie-
rischen Seele, einem tragischen Geist, dem ler und unsterblicher Geistesheroen, feiert den
nichts geschenkt wurde. Geburtstag eines seiner größten Söhne. So will
,
Nur eine sehr flache Kunstan.schauung ver- es der Führer, daß wir unerschrocken Be-
mag zu glauben, daß Künstler sein von der kenntnis feiern zu deu~scher -Größe, zu deut-
Gnade leben hieße. Alles, was als große Kunst scher Harmonie, zu Ideutschestem Sieg über , '

angesprochen zu werden verdient, Will errun- Mißklang der Welt. •


I gen, will durchlitten sein, Vollendung ist im- Der Lorbeer, den unsere Herzen um die
mer Sieg über Widersprüche 'und Widerstän- Schläfen des unsterblichen Robert Schumann

de, und jede Unsterblichkeit ist TriUmph über winden, ist von dem gleichen Zweig gebro- . •

tausendfaches und tägliches Sterben. ehen, der seine edle Symbolkraft für unsre'
Ruhe ist nicht in der wahren Kunst, wohl Söhne und Brüder bereit hält, die am Tage
aber schließllcher Frieden. Und dieser Frieden des Sieges Einkehr halten in der geliebten Hei- •
heißt: Harmonie. / mat, oder Einzug in unserem ewigen Walhall! ,
Aus der Einsamkeit wird das schöpferische In diesem Sinne übernehme ich das Präsi-
A11-Ein-Sein. Eins sein mit 'dem All des Ur- dium der neuen, jungen deutschen Robeit
alten, unseres Herrgotts. Um diese Harmonie Schumann-Gesellschaft
, aus den Händen mei-
ringen, heißt der Kunst dienen, als Kflnstler, nes Gauleiters Martin Mutschmann, dankbar
• aber auch als Laie. Jeder Mann ist aufgerufen, als Landsmann, und stolz als Sachse.
in den heiligen Stunden der Entscheidung sei- Ich gelobe, die Gesellschaft im ernstesten
nes Volkes seine Kräfte einzusetzen. Und wo und gewissenhaftesten Sinne einer feierlichen
könnte er sich unwiderstehlicher machen, als .V erpflichtung zu führen. Und der Stadt Zwik-
in den Werkstätten jener Künstler, die unser kau und ihrem Oberbürgermeister verspreche
aller Dasein zum Beispiel und Gleichnis der ich eifrige Mitarbeit an allen Planungen und
deutschen Unsterblichkeit adelten. Anreg1lngen,

die mir vorgelegt werden!

Bericht über die Robert Schumann-Musiktage in Zwickau ."


;,Keine andere Stadt könnte Robert Schumann chester unter MD Kurt Barth meisterhaft ge-
so sehr als ihr eigen betrachten als ZWickau, das staltet, gab den Auftakt. Oberbürgermeister Dost
bis zuletzt dem Meister der ruhende Punkt im schilderte ÜJ. großen Zügen die Geschichte de.r
bewegten geschichtlichen Leben gewesen ist", so Zwickauer Schumannpflege von den ersten Schu-
betonte Operbürgermeister Dost bei der Grün- mannfesten von 1847 (Robert und Clara Schu-
dungsfeier der Deutschen Ro:l>ert Schumann- mann) und 1860 (Franz Liszt) bis zur 800-Jahr-
Gesellschaft am 3. Juni in Zwick(u.~. Ein festlicher feier der Stadt von 1935 und den Schumann-
Rahmen war für die Feier gezogen worden. Nam- Musiktagen der letzten Jahre. Den Verdiensten
hafte Qäste aus Partei, Staat, Wehrmacht und von Martin Kreisig um das Schumannmuseum
dem Kulturleben waren aus allen Gauen des Rei- und von Prof, Vollhardt um die SChumannpflege
ches gekommen, um mit der Bürgerschaft der schenkte er besondere Beachtung. Mit der Erwei-
Schumannstadt den denkwürdigen Akt zu be- terung der 1920 gegründeten Schumann-Gesetl-
gehen. Die Ouvertüre zu "Käthchen von Heil- schaft in eine Deutsche Robert Schumann-Gesell-
bronn" von Hans PfitzneT, vom Städtischen 01'- schaft ruckt die Vaterstadt des Meisters in ' Qie 47
,

J ,

• •
• •

Reihe der großen


-
MuSIkstädte des Reiches ein. NSDAP mit einer Ansprache des Schumannpreis-
Die Planungen für eine Neugestaltung des Schu- trägers Dr. Wolfgang Boetticher, BerI4J" über
mann-Denkmals sind durch den Krieg zwar ge- Schumanns kulturpolitische Sendung. Er ging
I
hemmt, aber nicht aufgehoben worden. vom Begriff der Tragik und des Kampfes aus,
•, I Nach dem Kassenbericht von Amtmann Leich- die ~ beide zur Grundlage des deutschen Kunst-
senring wurde diehSatzungsänderung beschlossen. schaffens wurden. Auch in Schumanns Leben und ,
Reichsstatthalter Martin Mutschmann, der Schirm- Werk ist der Kampf das tragende 'Element. Die
.I herr der Schumann-Musiktage 1943, hatte. als _ Ausführungen wurden von OrchesteIlDusik WD-
ersten Präsident Staatsrat Hanns Johst, als ersten rahmt. Barth spielte mit dem verstärkten Or-
'I
Vizepräsident den OberbürgermEi!ister der Stadt chester die Ouvertüre zu 'den Faustszenen lind die
Zwickau, als zweiten Vizepräsident einen Ver- d-lDoll-Sinfonie, beide in ganz prächtiger Ge-
treter des Reichspropagandaministeriums (Ober- staltung. .
regierungsrat von Bornes) bestimmt. Mit einer Zu Mittag fand ein ~olkssingen mit Liedern
kulturpolitisch bedeutsamen Rede wandte sich . von Schutnann und Brahms am Musiktempel
der Dichter Hanns Johst an die Mitglieder der statt. Es sangen 400 Choristen der Zwickauer

Gesellschaft. • Schulen (Faul Eibisch) und der Kammerchor


von Borries sprach im Auf- (Faul Kröhne). Die Einwohnerschaft nahm star- .
Er würdigte ken Anteil. Der Ausklang des Festes war ein
esensmerkmal der deutschen Gastkonzert der Dresdner Philharmoniker mit
Musik und umriß die musikpolitischen Ziele der Prof. Hel'lOann .Abendroth, Leipzig. Der über •
Deutschen Robert Schumann - Gesellschaft. Re- ausgewähltes Materi~ verfügende Klangkörper
gierungsdirektor Graefe überbrachte die Grüße spielte erst, ganz im Sinne SChumanris, ein neues •
. von. Reichsstatthalter Mutschmann. Er feierte Werk: das "Konzert für Orchester", Werk 32, von
Robert Schumann als einen der hervorragendsten Max Trapp. Die aus neuromantischem Geiste
[ Vertreter des sächsischen Kulturkreises. In die geborene und mit maßvoller Harmonienherbheit
I
Beiräte der DRSG wurden markante Träger des verschmolzene Komposition des Berliner Meisters
deutschen MusiklebenlL berufen. Das General- wurde von den Gästen mit allen Vorzügen aus-
, sekretariat übernahm aer Direktor des Landes- gestattet, deren ein Kulturorchester fähig ist.
konservatoriums Dr. Meyer - Giesow. Mit dem Abendroth arbeitete mit einer überaus reichen
Schumannpreis 1943 der Stadt Zwickau wurde Ausdrucksskala und. einer rhythmischen Präzision
Dr. Wolfgang Boetticher, Berlin, für seine grund- - ohnegleichen. Hohe Ausdruckskultur ließ er der
legende Darstellung "Robert Schumann, .Einfü.h- Es-dur-Sinfonie von Schumann angedeihen. Prof.
rung in Personlichkeit und W.erk", Berlm 1941, Abendroth und die Philharmoniker wurden stür-
ausgezeichnet. Am Schluß der erhebenden Feier- misch umjubelt. Die gleiche Begeisterung er-
stunde erklang unter Barths Leitung Schumanns weckte auch der jugendliche Meisterpianist Erk
Frühlingssinfonie. '. _ Then-Bergh, Berlin. Die Kennzeichen seiner Ge-
Die musikalischen Veranstaltungen vom 5. und staltung des a-moll-Konzerts waren jugendliches
6. Juni wirkten wie eine Bestätigung der Worte Draufgängertum, technische Meisterschaft ' lind

von Banns Johst. Nie haben Schumannsche Kom- seelische Reife. Was sich in vielen anderen Fällen
positionen ergreifender, aber auch tt:ostreic~er gegenseitig auszuschließen pflegt, war hier glück-

gewirkt wie in diesen Tagen. Allen KriegsschWle- haft vereinigt und bewies damit die Besonderheit
rigkeiten zum Trotz waren Aufführungen heraus- einer Erscheinung, auf die es achtzuhaben gilt.
gebracht worden, die als überragend bezeichnet - - - PauZ Eibisch.
werden müSsen. Am ersten Abend erklang das
vor genau 100 Jahren entstandene Oratorium Ein unbekanntes Bildnis der Schwester Mozarts.
,Das Paradies und die Peri", und zwar in der Auf einer Versteigerung in Wien wurde für
Neufassung von Max Gebn.ard. Die Frage nach Salzburg eine Bleistiftzeichnung erworben, die •
des Himmels liebster Gabe Wird nunmehr so be- ein junges Mädchen (KniestÜCk) im Rokokokleid
antwortet daß ' der Heldentod als das größte darstellt, mit in dem Schoß gekreuzten Händen
Opfer an~rkannt wird, das weit schwerer wiegt die eitle Notenrolle halten. Das Blatt ist signiert
als die Träne eines zu innerer Einkehr gelangten mit "J. E. lleinsius" und einer Jahreszahl deren
Sünders oder der letzte Seufzer einer dem tod- erste drei Ziffern 176 lauten, indes die vie;te Zif-
geweihten Bräutigam in die Ewigkeit nachfolgen- fer verwischt ist. Die GeSiChtszüge der Darge-
den Jungfrau. Auch rein musikalisch erweist sich stellten weisen auffallende Ähnlichkeit auf mit
die Neufassung als ein Gewinn, weil der gewal- einem 1784 entstandenen authentischen Bilde der

tige Schlußsatz des bisher ersten Teiles ans Ende Schwest~r Mozart~, Marianne, genanrit Nannerl,
rückt 'md so zu einem imposanten Finale wird. damals"'Jungverherratet mit dem RE\ichsfreiherrn
An der Aufführung ' waren mehr als 300 Mitwir- Berchthold zu Sonnenburg. In -beiden Fällen sind
kende beteiligt. MI) Kurt Barth brachte eine e.s die gleichen, lustigen Augen, die lange rriozar-
Aufführung heraus, die zu den eindruckvollsten tische Nase und der in seinen Winkeln leicht nach
Chordarbietungen gehört, die in Zwickau erklan- aufwärts. gez?gene Mund. Heinsins (1740 1812)
gen. Ein hochwertiges Solistenquintett stand zur war wßlmanscher und französischer Hofmaler
Verfügung: Hilde Scheppan, Anne1iese Luet- und h~t zvv:ischen Deutschland, Holland und
• johann, Hildegard Henhecke, Heinz Marten- und F~anIo::~lc.h el?- bewegtes Wand~leben geführt .
Rudolf Watzke. Die Chorgemeinschaft der Zwik- DIe Mogllchkelt, daß er Vater Moza,l't mit seinen
kauer Sänger löste alle chorischen Aufgaben mit beiden konzertierenden Kindern Nannerl und
sicherem Können und nuancenreichem Ausdruck. Wolfgang auf deren großen 1663 66
Auch das städtische Orchester war mit großer , die durch Süd- und Westdeutschland Holland'
Hingabe und stetem Gelingen am Werk. Der Auf- Belgien, Frankreich und England führte, begeg~
fühnmg wohnten gegen 2000 Zuhörer bei, die nete, ist gegeben. Allerdings wäre es in diesem
allen Aufführenden begeisterten Beifall dar- Falle wahrscheinlich, daß er auch den jungen

brachten. Mozart gezeichnet hat. Marianne Mozart war
Der Sonntagmorgen brachte eine weltanschau- 1751 geboren, damals also beiläutig 14 .Jahre alt.
48 liche Feiershinde der Kreisleitung Zwickau der Otto Kunz .

, •
• •


• •
- •

Eine unbekannte Zeichnung der


-
Schwester Mozarts

• • - - _. - ..... .. - •
- - •

I

I

-- •
Foto: Jul. Scherb, Wien Foto: Gr omme, Salzburg

Bleistiftzeichnung Marianne als ver.beir. Reichsfreiin Berchtold


(angeblich Marianne Mozart darstellend) im Alter von 34 Jahren
von J. E. Heinsius Bildnis eines unbekannten Malers um 1795
Mozarteum Salzburg

, • •

1

,

-----_...--/

,
...........0..... c.&I't../ r


Privata1Jfnahme

• •• Widmung Hans Richters


Hans Richter
im Alter von 21 Jahren ..
• an seinen Jugendfreund Camillo Sitte
• Von deutschen Opernbühnen


N Ü r n b erg. Wolf-Ferrari: "Die vier Grooiane", 2. Bild


Inszenierung von Hans Herbert Pudor .

Fra n k f ur t am Mai n. Hermann Reutter: "Odysseus"; "Troja"


ne b
SUq l1 ildentwurf von Helmut Jürgens, Bühnengestaltung Hans Meißner


, •
• ,
• •
• ,
• •
, Holland in der !europäischen Musik des 19. Jahrhunderts.
• •
- Von Karl Gustav FeUereT. Köln~ z. Zt. bei der Wehrmacht. •
, _ I
Das europäische Musikleben hat. zu allen Zeiten, satz,
. Schumann-Brahms : Wagner-Bruckner gab
künstlerische Richtungen, die in einem bestimm- der deutschen Musik eine besondere Stellung im
ten Volkstum entwickelt wurden, in den Vorder- europäischen Musikleben, die erst durch den Im-
grund treten lassen und nach diesem Muster den pressionism\fs der Franzosen die Orientierung des

Strom des großen Musiklebens ausgerichtet. Im europäischen Musiklebens von deutscher Kunst -
16. Jahrhundert hatten so flämische und walloni- abwandte. Unter den holländischen Komponisten • ,
I
sehe Künstler die . Füb,rung im europäischen hat B. Zweers (1854 1924) der Wagnersehen
Musikleben; die Italiener beherrschten im 17. und Klang- und Ausdruckswelt als erster breiten
18. Jahrhundert Oper und Musik an den euro- Raum gegeben. In seiner 3. Symphonie "An mein
päischen Kunstzentren. Die deutsche Klassik . Vaterland" schuf er für sein Land das, was Sin-
aber hat um die Wende des 18J19. Jahrhunderts ding, Smetana u. a. ihren Ländern schenkten.
ein neues kÜnstlerisches Ideal geschaffen, das die Wagnerseher Klangsinn verstärkte seine Gestal-
Weltgeltung der deutschen Musik festigte und im tung nationalen Kolorits. Noch deutlicher zeigen
besonderen in seiner romantischen Weiterfüh- sich diese Bestr.ebungen bei A. Diepenbrock (1862
. rung den stärksten Einfluß auf die
-
gesamteuro- bis 1921). Er geht aus vom GestaltungSideal R.
, - •
päische Musikentwicklung gewann. Die meisten Wagners und verfolgt die Klangkunst seiner
Musiker der verschiedenen europäischen Ländep - Nachfolget. Wenn er sich in späterer Zeit dem
führten ihre musikalischen Studien um die Mitte französischen Imp,ressionismus zuwandte, so liegt
des 19. Jahrhunderts in Deutschland durch, wäh- dies in der allgemeinen RiChtung der Entwicklung
rend zu Beginn des 19. Jahrhunderts Paris die der holländischen Kunst. Debussy löst Schumann
groBe Ausbildungsstätte der europäischen Musiker und Wagner im musikalischen Ideal Hollands ab.
war. - Die feinsinnige Gestaltungsweise Diepenhrocks,
In dieser Zeit gewann in Holland Johannes die sich besonders in seiner Kirchenmusik und
Verhulst (1816 18~1) seine Stellung. Seine Stu- seinen Bühnenmusiken entfaltet, fuängte zu den
dien erweiterte er in Deutschland, in Köln unter neuen impreSSionistischen

Ausdrucksmitteln. War
J. Klein und in Leipzig, wo er selbst als Dirigent es bei Diepenbrock ein mystisches Versenken, das
wirkte. Leipzig war damals das Zentrum der seiner Kunst besonderen Reiz gab, so war die
musikalischen Romantik. In den zahlreichen Wer- Musik C. Doppers durch die andere Seite des
ken Verhulsts ist die deutsche Romantik von volksgegebenen Ausdrucks bestimmt: die Schlicht-
nachhaltigster Wirkung geblieben; als Dirigent heit und Nüchternheit. Die Farbigkeit des Klangs .
v.erbreitete" er weitgehend die neuen deutschen ·gibt der Einfachheit seiner Grundgestaltung be-
Werke, die damit in den Mittelpunkt des hol- sonderen Reiz. Die Verbundenheit mit der Hei-
ländischen Musiklebens !raten und neue Anre- mat, die seine Programm-Symphonien "Rem-
. gungen gaben. Auf dieser Grundlage seines Wir- brandt", ..Zuydersee-Symphonie" und viele an-
kens entwickelte Verhulst seine eigene nationale dere schon im Titel zeigen, läßt das Volkstiim-
Kunst. Schumann, mit dem ihn persönliche liehe in voller Derbheit gestalten" holländische ,

Freundschaft verband, gewann stärksten Einfluß Volksweisen thematisch verarbeiten und durch
auf sein Schaffen. In dieser Richtung wirkten die Echtheit dieser Ges\altung diese Kunst über
mit ihm W. F. Nicolai (1829 1896), R. Hol (1825 das lokale Interesse erheben. Wie die rueder-
bis 1904) ,md der 1850 aus Leipzig nach Holland ländischen Maler aller Zeiten volkstümliche Züge
gekommene G. A. Heinze (1820 1904). In der bis zur Burleske steigerten, .so wird dieser Zug
"Cäcilia" fand dieser Kreis das Organ einer Al1S- auch in Doppers Werk deutlich. Seine Jahr-
I sprache. markts- (6. Sy, ophpnie) lmd Bauernszenen sind •

Die Volksmusik gab {lieser Komponistengruppe von realistischer Lebendigkeit, die seinen zahl- .
I besondere Anr~gungen. Wie in den slavischen reichen Chor- und Orchesterw/e rken, wie seinen
. und nordischen Ländern wurde auch in Holland Opern .eine besondere Stellung gibt. ,
zu dieser Zeit das "nationale Kolorit" im musi- Diese volkstümlich-derbe Lebendigkeit zeichnet
kalischen Schaffen bestimmend. J. Röntgen hat auch das Werk J. Wagenaars aus. In Fortfiih-
die Sammlung des holländischen Volkslieds be- rung der Richtung seines Lehrers R. Hol hat
sonders gefördert, in seiner Komposition blieb er Wagenaar besonders in der Oper eine eigene,
in der Richtung Schumann-Brahms. Stärker tritt realistisch-burleske Kunst geschaffen, die zoon
das nationale Kolorit bei Cornelis Dopper (geb. besonderen Ausdruck des Volkstums wurde.
1870) und J. Wagenaar (geb. 1862) auf. R. Wagners Die deutsche Romantik hat den Sinn für das
Steigerung des Klangs und des dramatischen Aus- eigene Volkstum und seine Gestaltlmg in der
drucks wirkt in ihrem Werk nach. Doppers "Rat- Musik geweckt. Das Suchen nach musikalischem
c1iff" (1909), Wagenaars "Doge von Venedig" Volkstum wie der Versuch, eine vielfach ideali-
(1901), "Cid" (1914) zeigen diese Richtung. Mit sierende Koloritzeichnung des nationalen Aus-
R. Wagner mußte sich in Streit, Anerkennung drucks zu schaffen. waren die Folgen, die· auch
und Ablehnung das gesamte europäische Musik- die holländische Musik in vielen ihrer wertvoll-
leben auseinandersetzen. Seine Anregungen aber -sten Erscheinungen erlaBten. Neben dieser Er-
wirkten selbst dort, wo man sich ihnen ver- starkung einer eigenen natioualen Knnst, die
schließen wollte, bedeutsam nach. Der Gegen- nach der Anregung durch die deutsche Romantik 49
. • -


durch R. Wagners Ausdruckskunst gesteigert und fand damit einen engeren Anschluß an die fran-
in weiterer Steigerung zu den Ausdrucksmitteln zösische Musik. Die allgemeinen Nivellierungs-

des französischen Impressionismus abg~bogen erscheinungen dieser Kunst drange~ somit auch
wurde tritt die jüngere Generation der hollän- nach Holland. Nur wenige konnten, wie H. D.
dische~ Musiker des 19. Jahrhunderts in eine vnn GoudoeveT (geb. 1898), in stärkerem 'Maße
deutlich unterschiedene engere Abhängigkeit von eigenen volksgebundenen Ausdruck mit diesen
, der deutschen, wie franzosischen Kunst. Das Strömungen verbinden. Den farbenreichen, rhyth-
Orchester R. Strauß' zog die nach Deutschland misch vielgestaltigen impressionistischen Strö-
orientierten holländisch~n Komponisten ebenso mungen, die der jungen Generation holländischer
. an, wie die klassizistische deutsche Kammer- und Musiker vor allem durch die Schule Ravels und
Klaviermusik. Dirk Schiife", (geb. 1873) war 1891 Roussels vermittelt wurden, tritt eine Richtung
bis 1894 Schüler des Kölner Konservatoriums und abstrakter Sachlichkeit und künstlichen Kon-
I blieb im besonderen in selnen Kammermusik- struktivismus gegenüber, die über Willem Pijper
werken an die deutsche neuromantische Musik (geb. 1894) zu den Komponisten der Gegenwart
gebunden. In gleicher Weise schließt sich Gerard führt. .
van Bruken-Fock in seiner Kammermusik der Während bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahr-
Richtung seiner deutschen Lehrer Kiel und Bar- hunderts die holländische Musik fast ausschließ-
giel an. Jan Ingenhoven (gab. 1876) und Jan lich nach Deutschland orientiert war, hat sie am
van GilBe (geb. 1881), Schüler des Kölner Kon- Ende des Jahrhunderts eine starke Wendung nach
• servatoriums und Humperdincks, lassen die deut- dem Westen vollzogen. Diese Wendung macht •

sche Grundlage ihrer Kunst nicht verkennen. J. sich auch im holländischen Musikleben bemerk-
Ingenhoven fand in einer historisierenden Kunst . bar, in dem französische Werke nun in stärkerem
starke Anregungen, die sich auch in seiner Ver- Maße hervortr~en. Im Gegensatz zu Norwegen,
wendung des Kammerorchesters zeigt. J. Gilse wo Griegs Nationalkunst zu übernationaler Be- •
, • . hat in seinem symphonischen Schaffen die deut- deutung gelangte, waren in Holland die betont
sche Grundlage seines Werkes besonders offen- nationalen Strömungen nicht so stark. eine solche
gelegt. Der Opernkomponist Jan Brandts-Buys das gesamte europäische Musikleben befruchtende
• (geb. 1868), dessen komische Oper "Die Schneider Stellung zu erringen. Die Sammlung niederlän-

von Schönau" größten Erfolg fand, ist von der discher Volkslieder und'" ihre Bearbeitung (Julius
nachwagner~cben Oper bestimmt. F. E. A. Koe-
, Röntgen), sowie die Besinnung auf die altnieder-
berg (geb. 1876), der seine Studien in Berlin fort-
ländische Musik haben in Einzelfällen wertvolle
• setzte. war zunächst im Banne der deutschen Anregungen gegeben .
Musik, bis er sich in seinen späteren Werken
stärker vom französischen Impressionismus be- Die durch Willem Mengelberg geschaffene Or-
herrscht zeigt. Ebenso blieb Willem Landre (geb. chesterkultur konnte ni~ht ohne nachhaltige Wir-
1874) von deutschen neuromantisehen Strömungen kung auf das orchestrale Schaffen Hollands blei- •
peeinflußt. Er war Schüler Bernhard ZweeTs ben. Vielleicht hat gerade diese großartige Dar-
(1854 1924), dessen Studien in Leipzig in seinem stellungsmöglichkeit einerseits die große Kunst.
Werk nachwirken. Die feinempfundene LiedkuDst aller Völker in Holland heimisch gemacht und
der Catharina van Rennes (geb. 1858) und der volkstumsgebundenes Eigenschaffen durch immer
Hendrika van TussenbToek steht dem deutschen neue Anregungen um- und abgepogen, anderer-
Liedschaffen nahe. Volkstümliche Züge, manch- seits aber gerade die Orchesterkompositionen ge-
mal in sentimentaler Em.l?findung übersteigert fördert.
oder auch fremdes Pathos, bezeichnen diese Wer- Der Anschluß der holländischen Musik an die
ke. Peter van AnTooy (geb. 1879), ein Schüler deutsche Romantik hatte im 19. Jahrhundert enge •
Wagenaars, besonders bekannt durch seihe "Hol- WechselbeZiehungen im Musikleben geschaffen.
I ländische Rhapsodie Piet Hein" läßt die deutsche
I Die Orientierung nach der .. KlInst Westens,
~usik, für die er als Dirigent in besonderem am Ende des Jahrhunderts ließ diese Beziehungen
I
Maße eintrat, in seinem Werke nachklingen. erkalten und gewann auf der anderen Seite nicht
,
Der französische hat gegen die gleiche Stellung für das eigene musikalische
Ende des 19. Jahrhunderts die holländischen Schaffen im französischen Musikl~ben.

.Komponisten in gesteigertem Maße gefangen ge- zismus und Zwiespältigkeit bezeichnen die Lage
I nommen und sie ebenso von der deutschen neu- des musikalischen Schaffens Hollands um die
romantischen Richt1l ng, wie von den Bestrebungen Jahrhundertwende. Neue Kräfte sind in der Ge-
eines eigenen na,tionalen Ausdrucks in der Musik genwart am Werk. Ihr Schaffen wird die Stellung
entfernt. Die junge Generation V(ar zunächst vor- der Musik Hollands im europäischen Musikleben
wiegend vom Impressionismus beherrscht und der kommenden Zeit bestimmen.
\
• Der »bürgerliche« Brahms. •

Eine notwendige Korrektur. •


• •

Von Richa'Td Litte1'Scheid, Essen. I


Nicht nur damals, als Joham.es Brahms noch (

charakterisiert. Selbst bei manchen aufrichtigen


- im lebhaften Kreuzfeuer erregten Meinungsstrei-
Freunden der Brahmsschen Musik hat sich bis in
50 tes stand, wurde sein Schaffen als "bürgerlich" unsere Tage hinein eine solche Bewertung erhal-


ten, obgleich inzwischen die allgemeine Unsicher- ist es uns eine Gewißheit, daß das Schöpferische
heit des Urteils über die Musik des neunzehnten im deutschen Menschen vielerlei Gestalt anneh-
Jahrhunderts einer klaren Auffassung gewichen men kann und daß das Vorwärtsdrängende wie
ist. Abgesehen davon, daß längst die Spreu vom das Rückblickende nur Spielarten ein und der-
Weizen geschieden wurde und die großen Be-
-
selben deutschen Volksseele sind. Entscheidend •
gabungen der Vergangenheit ihren unverrück- ffu1 die Bedeutung einer küllsUerischen Leistung
baren Platz in der Musikgeschichte erhielten, hat ist weniger die Blickrichtung als die Kraft des
unsere Zeit den notwendigen Abstand gewonnen, Schöpferischen. Wie wäre es sonst möglich, die
über das einstmals Trennende des künstlerischen gewaltige Krönung der mittelalterlichen Musik im
Parteienkampfes hinweg das Gemeinsame und Werk Bachs so llneingeschrän)tt in ihrer ganzen
wirklich Bleibende zu erfassen.- Der Begriff des Höhe zu verstehen wie das in die Zukunft grei-
• Bürgerlichen, "mit dem man früher das Schaffen fenäe titanische Schaffen Beethovens?
des niedel;deutschen Meisters behaftete, bedeutete •
Auch Brahms gegenüber werden wir uns end-
ohne Zweifel eine gewisse Geringschätzung, mit •
gültig zu einer Auffassung bekehren müssen, die
der man seine LeistuOf gegenüber dem nach sein Werk frei von dem Vorwurf des Bürgerlichen
außen hin wirkungsvollen revolutionären Auf- ' versteht. 'Zwar begrüßte einstmals schon Hans
bruch der Neudeutschen unter der Führung Liszts
v. Bülow Brahms' erste Sinfonie als die "Zehnte"
und gegenüber dem musikdramatischen . Werk
von Beethoven, um damit auszusagen, daß hier
Richard Wagners abgrenzen und absetzen wollte.
eine KompOSition von Beethovensche,r Größe des
Aus der Sicht des vorigen Jahrhunderts mo/chte
Ausdrucks und der Formkraft und in der heroi-
diese Anschauung einen Schein von Berechtigung
schen 'Grundhaltung sogar eine echte Nachfolge
haben. Denn im Gegensatz zu Wagner, der in
kühnem Zugriff aus dem Reiche seiner Phantasie vorlag, doch barg eine solche Kennzeichnung eine
\ völlig neue Formen und Inhalte musikalischer schwerwiegende Gefahr in sich, die späterhin
Gestaltung~ beschwor, war Brahms durchaus Be-
nicht leicht auszuräumen war. Denn die Gegner
wahrer der, Tradition. Er war alles andere als
des Niederdeutschen veranlaßte eine solche Cha- ,

ein Revolutionär, wenngleich er in. seinen ersten rakterisierung zu einer schroffen Feststellung
Sonaten, mit denen er als Jüngling Robert Schu.. mancher Unterschiede zwischen den Sinfonien
mann begeisterte lind zu der berühmten Ankün- Beethovens und der ersten Sinfonie von Brahms,
,digung unter dem M.o tto "Neue Bahnen" anregte.. und eben dadurch wurde der Verdacht wach-
ein beinahe eroberungsfreudiges Temperament gerufen. Brahms wäre von der Riesenhaftjgkeit ,
offenbarte. Sein "Sturm und Drang" war nur die Beethovens weit entfernt. Außerdem glaubte man
~ natiirliche Äußerung seiner Jugend. Mit zuneh- aus der Bemerkung Bülows herauslesen zu kön- •

mender Reife brach SIch sein urtümlicher Cha- nen, daß Brahms eher, ein Nachahmer seines •

rakter Bahn, der mehr der Beharrung als dem großen Vorbildes als ein eigenschöpferischer Mei-
Angriff .zugewandt war. So wurde eI;' in ähnlicher ster wäre. Heute haben wir den Tatsachenbestand
Art wie früher Johann Sebastian Bach Verwalter . gerechter zu beurteilen gelernt. Wir vermögen
und Mehrer des musikgeschichtIichen Erbes. Er Brahms' erste Sinfonie sowohl inmitten ihrer
riß 'nichts Bestehendes ein, sondern baute es aus. schöpferischen Umwelt als auch für sich selbst
Er -wagte keine Experimente, sondern hielt seine bestehendes Werk zu würdigen, Wir wissen, um
schöpferischen Kräfte in maßvoller Bändigung. seine Eigengesetzlichkeit, wir erkennen genau ,
Darin zeigte er sich ganz als ein Sohn des nie- das, was wirklich anders als bei Beethoven ist,
• •

derdeutschell- Landes. Seine Verschlossenheit, und vOl'"--al]em: wir gehen davon aus, was diese
seine Gefühlsverhaltenheit, seine Unbeirrbarkeit Sinfonie als ein unabhängiger künstlerischer Or-
und Gradlinigkeit waren durch seine Herkunft

ganismus uns zu geben hat und im Verhältnis zu
bedingte Charaktereigens~haften, die sowohl in großen musikalischen Schöpfungen anderer be-
seiner Persönlichkeit wie in seinem Werk beherr- deutender Meister uns vermittelt! Aus einer
schend blieben. Aber mit dieser Wesensanlage solchen Verhältnissetzung erfahren wir den wirk-
brauchte nicht notwendig eine bürgerliche Enge lichen Rang des Brahmsschen Lebenswerkes . .
verbunden zu sein und war es auch tatsächlich Die Verdienste des großen niederdeutschen
nicht. Läge es schon nahe, das Bürgerliche grund- Meisters gehen aber noch viel weiter. Nicht nur

sätzlich nicht geringschätzig, vielmehr in seinem schenkte er uns Schöpfungen von einmaliger
tie~sten Sinn und seiner bedeutsamsten ErfÜllung Großartigkeit streng gebändigten Formausdrucks,

- nämlich als Würde des am Volkstum wahrhaft nicht nur hinterließ er uns , ein Lied- und Kam- ,

teilhaftigen Menschen zu werten. so müßte das mermusikwerk von geradezu einmaliger Zartheit
Schöpferische in seinem vollen Umfange und sei- und keusch verhaltener Innigkeit; er hielt in
nen reichen Möglichkeiten \lDd nicht in einer einem Augenblick, da der Strudel ungewisser
willkürlichen Beschränkung auf den künstleri- musikalischer Revolutionierung die Grenzen und
schen "Umsturz" erkannt werden. Denn auch in Dämme der Musik einzureißen drohte, an dem
der Rückschau , vermag sich echtes , Schöpfertum ewig unveränderlichen musikalischen Gut des
nicht als Nachahmung, sondern immer irgendwie deutschen Volkes, an dem Votkslied, fest und ,
als Neugestaltung zu zeigen! Wer aber wollte stabilisierte förmlich die Gesetze der reinen Ton- .
behaupten, daß dem rückschauend schaffenden kunst gegenüber einer Musik aus außermusikali-
Künstler gegenüber dem vorwärtsschrei tenden der schen Vorstellungen, EindrÜCken und Gedanken,
Zug ins Große, Weite fehlen müsse? Nach den wie sie überragend in den Musikdramen Wagners -
Erfahrungen unserer kulturellen Vergangenheit verwirklicht wurde. Auch in diesem Vorgehen 51

• •

I äußerte sich nichts eng Bürgerliches, sondern nur Kunst Brahms' als bürgerlich anzusehen, wie ja
ein instinktsicheres Festhalten an dem unversieg- auch seine Briefe und die Lebensberichte seiner
lichen Born der Musik, an den echten Keim- Umwelt längst seine von schönen, aber erfunde- -
lo;äften musikalischer Formwerdung. So erhielt nen Anekdoten verschleierte Persönlichkeit ent- .
Brahms' Beharren in den Gestaltnngsformen der hüllten und sie in der ganzen Persönlichkeit ihrer
I Klassik, vornehmlich in der Sonaten- \lnd drei- Gesinnu~ und Haltung der Nachwelt lebendig
teiligen Liedforrn, ja, sogar in den strengen älte- erhielten. Die scheinbare Einseitigkeit seiner '
ren Formen der Polyphonie einen tiefen musik- Kunst eben das Niederde~tsche darin wird
geschichtlichen Sinn. Durch die kraftvolle Spra- hßute nicht als Mangel, vielmehr als Vorzug er-
che seines Werkes hindurch trug er den Reichtum kannt, wie ja auch niemand auf den Gedanken
, absoluter Musik hinüber in eine neue Zeit, die kommen würde, etwa in der süddeutschen Aus-
I
nach den genialen Vorstößen und Abirrungen in drucksweise und Inbrunst des äußerlich ein Leben
Bezirke einer außermusikalisch bestimmten Ton- "bürgerlichster" Bescheidepheit und Einfachheit
kunst wieder zu den Eigengesetzlichkeiten der lebenden Anton Bruckner eine Schwäche zu er-
Musik zurückfindet und a1,1.f einer neuen blicken. Bruckner und Brabms mochten ihrer
neue' Gestalten aufzurichten versucht. eigenen- Zeit als Gegensätze erschein~n, uns sind
Brahms begründete keine SChule, aber auf sei- sie Verwanote, und beide Meister stehen uns
I
nen Schultern stand kein Geringerer als Max heute gleich nahe. Denn wir lieben sie beide um
I

I Reger, wenn man davon absieht, daß anfängliCh der Kraft ihrer künstlerischen Aussage willen,
sogar Richard Strauß, mehr noch ptitzner wich- wir sehen und erleben an ihnen zuallererst und
,, •
tige Anregungen aus d~m Brahmsschen Schaffen immer wieder das Deutsche, das dem Herzen
in ihr Werk aufnahmen. Von Reger aus aber unseres Volkes Nahestehende. Und vor der Fülle
, führt ein. vielfach verzweigter Weg hin zu man- ihres Schaffens erfahren wir beschämt, daß von
chem jungen Komponisten unserer Tage, und es außen kommende Einseitigkeit eines zeitgebunde-

ist bezeichnend, daß ni:1::ht nur Norddeutsche das nen Urteils und \nicht eine als Enge zu ver-
Erbe des großen Meisters aufgegriffen haben. stehende Einseitigkeit bei den Meistern selbst· 4

• Niemand 1!nter ihnen zudem hat sich den Irrtum uns den' freien Zugang zu ihrem wahren Wesen
des vorigen Jahrhunderts zu eigen gemacht, die lange genug versperrten. '
I • •


I

• Ein Deutscher kämpft um sein Werk.



• Max

Neger wäre am 19. März 75 Jahre alt geworden. •
,
Von Karl Dreyer, Weiden. • •

Siebzig Jahre sind es nun, seit Max Reger im lichkeit, die Max Reger als ein "mächtig sicb er-
oberfränkischen Dörfchen Brand das Licht der hebendes Talent" schilderte, ohne die Schwierig-
Welt erblickte und 27 Jahre pereits deckt den keit dieser Musik zu übersehen. Die Wiesbade-
überraschend aus dem Leben geschiedenen Mei- ner Zeit brachte für den Emporstrebenden viel-
ster, erst 43jährig, der grÜne Rasen. fältige Widrigkeiten, doch Reger verzagte rocht.
Zwanzig Jahre seines kurzen, übeI"m'mäßig' schaf- Er schritt auf seinem eingeschlagenen Weg. un-
fensreichen Lebens, verbrachte der Frühvoll- abl41derlich voran. "Ich verliere den Mut nicht" •
endete in Weiden (Opf.), das ihm zu seiner Hei- so schrieb er an Lindner in der Überzeugung, daß
mat wurde. Dort erhielt er den ersten gründ- sich "seine Sachen einstmals durchfressen wer-
lichen Unterricht von dem heute noch lebenden den.". Mit Johannes Brahms, Eugen d'Afbert,
Hauptlehrer .Adalbert Lindner, dem alten Men- BusoDi und Richard Strauß naher bekannt ge-
tor, Freund und Biographen . des großen Ton- worden, freute den Verkannten, daß die jüngeren
schöpfers. Weiden ist jene Stadt, in die Max Re- musikalischen Persönlichkeiten besseres Ver- .
ger nach der Wiesbadener Krisenzeit 1898 noch- ständnis bewiesen,
mals zurückkehrte, um in einer dreijährigen Hatte die Wiesbadener Zeit eine Kriseilzeit
• ernsten Schaffensperiode zu .reifen, seine Voll- dcu'gestellt, so fOlgte · den stürmischen Jahren
endung im eigenen Stil zu finden. nun in rweiden im Schutze des 'Elternhauses ein
Die Erbgüter des Elternhauses, die VeJ'sta~- dreijähriges ernstes Schaffen. Im Hause an der
1:1esschärfe, das heitere und tiefinnerliche Wesen Bürgermeister-Prechtlstraße fand Max Reger zu
der Mutter, der Schafiensgeist des Vaters in sel- sich selbst zurück. Dort entstanden die Werke
tener GrÜndlichkeit 1,]Da äußerstes Pflichtbewußt- op. 20-59. Dann wagte" er den Schritt in das
sein, sie paarten sich in einer seelisch und geistig Musikzentrum MÜnchen. Die damaligen Verhält-
gesunden Kraftnatur zu unbändiger Willens- und nisse ermöglichten es ihm fast nicht, sich durch-
Schaffenskraft. Echt deutsche Gründlichkeit, zuset;zen. Der Meister, der seinen Stil ohne Kom-
verbunden mit einer sieghaften Seele und einem proomisse selbst prägte, warb fÜr die Vielfalt
unbeugsamen Willen, machte sich auf zu einem seiner Werke unermüdlich in Briefen an Künst-
, kurzen Lebensweg eines Verkannten voller Hin- ler, Kapellmeister und Verleger. Reger, der als -
dernisse, unab"anderlich einem großen Ziele zu- Klavierspieler Aufseben erregte, fand in seinem
strebend. Max Neger führte einen Kampf um
sein Werk, wie' ihn die Musikgeschichte seit Ri- Landsmann Josef Hösl undSchmid-Lindner treue
chard Wagner nicht mehr kennt. FreuDde, denen sich bald mehrere anschlossen.
Riemanns Betreuter, der mit seinen ersten Immer wieder mußte er sich vieler Angriffe er-
Werken wenig Anklang fand, sah 1894 in Prof. wehren, schließlich griff er zur Feder und ver-
teidigte sich in Aufsätzen "Ich bitte ums Wort" •
52 Reimann eine ausnehmend verständige Persön- und "Mehr Licht"

.
,
• ,



• •

,
-

Max Hehemann-Essen und Philipp Wolfrum- Komponist wuchs stetig. Erste Dirigenten wie
Heidelberg traten warm für Max Reger. ein, der Schuch-Dresden, Dohrn-Breslau setzten sich be-
heute 70jährige Kar! Straube warb in Reger- sonders warm für die Uraufführung von Reger-
abenden; treue Anhänger fanden sich in Heidel- werken ein.
berg, Marburg, Gießen und Jena. Neue Werke Der König von Sachsen verlieh Reger den Pro-
in abgeklärter Tonsprache entstanden und Felix fessorentltel, Holland und Schweden ernannten
Mottl berief den jungen Tonschöpfer in Würdi- · ihn· zum Mitglied der Akademie, die Universitä-
g'Ung seiner VercUenste als Lehrer für Orge1y.und ten Jena und Berlin verliehen ihm den Titel
Komposition an die Münchener Akademie der , eines Ehrendoktors, während seine Brust der
• Tonkunst. Die "Sinfonietta", die in Berlin und großherzoglich-hessische Orden für Kunst und •
München eine kühle ' Aufnahme fand, rief in Hei- Wissenschaft schmückte.
delberg helle Begeisterung' hervor, di,a ihren Ab- •
Große und kleinere Werke wurden aus der
schluß in einem Triumphzug zum Bahnhof fand. TaUfe gehoben, das Tonkünstlerfest . in Zürich ,
Die Konzertverpflichtungen mehrten si[!h bedenk- und das erste Max-Regerfest in Dortmund braeh-
iich, trotzdem sehaffte der Meister nach kurzer ten begeisterte Huldigungen; Rom, Warschau
Erholung' weiter. Die "Orchesterserenade" op. 95 und ' Berlin riefen nach dem hochstrebenden
wurde . anläßlich der Uraufführung in Köln zu Meister.
einem gewaltigen Erfolg, der seinen Widerhall in Da erging an Max Reger der Ruf, . die Leitung
, der Meininger Hofkapelle zu übernehmen, die er
Reger und Wagner. - von Erfolg zu Erfolg führte. BerUn, Frankfurt,
. , Kassel, Darmstadt, Heidelberg, Danzig, Königs-
Als Max Reger einst mit mehreren Verwand- , berg und 'Posen, überall waren die Komertsäle
ten und guten Bekannten, musikalischen Laien, aus'llerkauft. "Ich rase von Stadt zu Stadt", "Ich •
in einem Gartenlokal saß, in dem eine Militär- sitze hunderttausend Meilen tief in Arbeit", "Ich
kapelle- konzertierte, wurde der bekannte, seiner-' habe bis zum 1. Mai (1914) fast jeden Tag Kon-
zeit sehr beliebte Marsch "Unter dem Doppel- zert", so zeugen seine Briefe von der Unrast sei-
adler" des österreichischen Militärkapellmeisters nes Schaffens, von dem Unmaß seiner Verpflich-
Joset Wagner gespielt. Als der Marsch verklun- '. tungen, die seine Gesundheit stark angriffen. Im
gen war, meinte einer der Tischnachbarn Regers, Januar 1914 errangen die "Hiller-Variationen",
auf das ,Programm blickend: "Ein- hübscher die ;,Böcklin-Suite" und die "Ballett-Suite" in
Marsch < von Wagner." , Reger aber, mit ern- MÜnchen, Stuttgart und Nürnberg riesige Er-
stem Gesicht, erklärte hierauf: "Ja, Wagner bleibt folge, dann sucht Max Reger Heilung von einer
\ Wagner!" A. W. Nervenlähmung in der Sorine des Südens.
. Im Juli 1914 trat Reger von seinen Meininger
zahlreichen deutschen Städten fand. Diese sicht- Verpflichtungen zurück und erwarb in Jena ein
lichen Erfolge gaben Reger neuen Auftrieb, er Haus, um seinem kompositorischen Schaffen al-
eilte von Konzert zu ' Konzert, sodaß er seine lein zu leben, ohne Leipzig zu vernachlässigen. •
Lehrtätigkeit an der Münchener Akademie auf- In! Berliner Opernhaus errangen die "Mozart-
geben mußte. Durch ganz Deutschland , führte Variationen" und die "Vaterländische Ouverture" •
ihn der Weg, in die Schweiz und nach Holland, durchschlagende Erfolge, dann sch~fte der Mei-
um im Haag den größten Triumph zu feiern. ster im Jenaer Heim in idealer Ruhe, trat mit
Auch Belgien bekannte sich zu Max Reger u;nd berühmten Männern in persönliche Beziehungen
in Brüssel wurden reine Regerabende durch- 'Und nahm am Kriegsgeschehen lebhaften Anteil.
geführt, die für Meister und Werk volle Erfolge l\1:ahnend tritt ein Satz Regers gerade jetzt in die
bedeuteten. Erinnerung zurück: "Was England durch seine
Neben Marteau setzten sich Karl Wendling, Politik d,e r weißen Rasse schadet, wird in Jahr-
Felix Berber, Eldering, Havemann, Hugo Becker- hunderten kaum wieder gutzumachen sein!"
Frankfurt und die Berliner Artur Egide, Walter Mit großen Plänen für das künftige Schaffen
Fischer und Ludwig Heß besonders für Reger schied der Meister überraschend aus dem Leben.
ein. Karl Straube schuf 1904 eine Regergemeinde t,Der ,Mensch lebt und besteht nur eine kurze Zeit, I

und Artur Nikisch,Klara Birgfeld, Klara Rahn Und alle Welt vergeht mit ihrer Herrlichkeit!"
und die Gewandhaus-Kammermusik unter Woll- Das war der Text der letzten Arbeit, die auf dem
I gandt traten in Regerwerken auf, die für die Tisch des Leipziger Sterbezimmers lag. Mit phä-
Künstler zu Festen der Freude wurden. nomenaler Kraft hat :tVIax Reger geschafft und
Reger folgte dem Rufe als U:niversitätsmusik- in einer kurzen Zeit wie kein anderer Werke ge-
direktor nach Leipzig, Die bedeutsamen ",Hil- schaffen, die ihre Unsterblichkeit verbürgen und
ler-Variationen" op. 100 begeisterten in Köln, von den heutigen und künftigen Konzertpro-
Prag, Wien und Basel. Das "Violinkonzert" grammen nicht mehr wegzudenken sind. Und
op. 101, das Trio" op. 102, der erste Teil wenn Max RegfilI; lebte? Man würde aufsehen zu
des ,,100. op. 106 und der "Symphonische ihm, den letzt~n Großmeister der deutschen
Prolog" op. 108 entstanden, der Ruf Regers als Musik! -

• • Hanns Kötzschke.



Von Günther Haußwald, Dresden .


Einmal den Blick auf einen Musiker der Stille werden. Kötzschke ist kein Neuerer, kein Um-
zu lenken, das ist der Sinn dieser Zeilen . . Hctnns stürzler, der an d~n Grundfesten der musikali-
Kötzschke genießt in seiner Vaterstadt Dresden schen Substanz rüttelt und um jeden Preis eigen-
einen geachteten Ruf. Doch darüber hinaus ken- wüchsig llnm originell sein will. Er verkörpert
nen ihn wenige. Sehr zu unrecht, denn sein mu- vielmehr jenen typischen feinsinnigen Stil, der
sikalisches Schaffen verdient, einmal in einen seine stärksten Triebkräfte aus romantischer Um- -
weiteren und größeren Blickkreis gerückt ' zu •
welt empfängt, ohne in platte Nachahmung zu 53
- • •
• t

• •

,

• • •

verfallen. Er gehört nicht mehr zu den Jüngsten, Beweis. Sehr hübsch ist ihm auch ein Klavier-
obwohl er sich jung und beweglich fühlt, ganz zyklus "Der Dresdner Große Garten" gelungen.
der schöpferischen Freude hingegeben. Um so Verbindende Worte verleihen diesen stimmungs-
klarer und eindeutiger lassen sich vielleicht in vollen Pastorell-Miniaturen echte Spitzweg-Stim-
seinem Leben wie in seinem Werk gewisse Leit- mungen. Von straffen rhythmischen Impulsen
• linien erkennen. lebt eine Folge "Der Kunsttanz", die körperlichen
Aus einer Musiker-Familie stammt Hanns Bewegungsformen reiche Möglichkeiten der Ent-
Kötzschke. Am 31. Dezember 1870 wurde er in faltung bietet. Violinsonaten, eine Cellosonate,
Dresden geboren. Sein Vater amtierte als Kam- eine Klarinettensonate, mehrere Streichtrios, ein
mermusiker, seine Mutter war eine Pfarrers- Klaviertrio, zwei Streichquartette, zwei Klavier-
tochter. Die Brüder wurden Wissenschaftler, quartette, zwei Quintette, ein Konzert für Kla-
Lebrer und Geistlicher, er selbst aber Musiker. rinette und Orchester lassen ahnen, aus welch
Mit dem Reifezeugnis des Dresdner Kreuzgymna- übervollem Herzen Kötzschke geschaffen hat.
siums in der Tasche studierte er am heimischen ( Seine Orgelvorspiele zeichnen sich durch vor-
Konservatorium. Von seinen Lehrern verdient nehme Gediegenheit in. ihrer kontrapunktischen
neben Krantz und Rischbieter vor allem Felix Führung wie in ihrer klanglichen Farbigkeit aus.
Draeseke hervorgehoben zu werden, denn etwas Endlich das Li~dschaffen. Kötzschke ist ein ge-
von dessen Ausdruckswlllen lebt auch im Schaf- borener Lyriker, ungewöhnlich begabt, der me ...
fen Kötzschkes weiter. Als Kantor und Organist, lodischen Schönheit nachzugehen. So spinnt er
als Klavierlehrer und Komponist arbeitete er viel denn in wundersamem romantischem Ebenmaß
und emsig. Als junger Soldat folgte er dem Ruf seine Linien aus \lnd nntel'malt sie mit glitzern-
der Fahne. Einen ausgedehnten WirkungSkreis den Akkorden. Voll und ganz schöpft er aus
fand er als Organist am Dresdner Vereinshaus, einem urtümlichen Gefühl der Anmut. Die
wo er regelmäßig Kunstabende veranstaltete, die t!..Jung-Mädchenlieder" runden Sich aus diesem
I seinerzeit sehr geschätzt wurden. Im Weltkrieg Hlickwinkel heraus zu einer besinnlichen FoIge
erfüllt Hanns Kötzschke seine Pflicht als Soldat von fesselnder Eigenart.
an den verschiedenen Fronten. Seine eigentliche Selbst der Oper hat sich Hanns Kötzschke zu-
Heimstatt, seinen ihm ans Herz gewachsenen Wir- gewandt. "Das Turmschloß", so heißt das Büh-
knngskreis fand er jedoch an der Dresdner Chri- n.7nwerk, d~ssen textliche Prägung auf die Er-
stuskirche, wo er Orgel und Chor in tausendfäl- zählung "DIe Sage von Chateau-Latonr" von
tigen Zungen erklingen ließ. Richard Euringer zurückgeht. Die dramatische
Geradezu überraschend mannigfaltig erscheint Handlung erfährt ohne Zweifel eine zündende
das Schaffen Kötzschkes. Fast alle Gattungen hat klangliche Untelmalung. Wohl bevol'Zugt der
er erfol'greich bearbeitet. Unter seinen sinfoni- Komponist die groß angelegte Szene doch blei-
schen Werken findet sich eine groß angelegte Sin- ben seine Formen immer lied- und ;;rienhaft ge-
fonie in Es-Dur, deren Klänge bis nach Amerika schlossen. Die Schönheit der melodischen FüB-
• r~ng der ganz kantabel behandelten Stimmen
drangen. Sie besticht durch eine formale R~­
dung, durch wirksame thematische Einfälle, durch fällt auf. Auch in harmonischer Hinsicht herrscht
gewählte Klangfarben. Der Uraufführung harrt eine g~wä~te musikalische Sprache, die aber
noch eine sinfonische Dichtung, die in ihrem ge- immer 10 ihrer Substanz natürlich und fließend
danklichen Vorwurf den Flug unserer Fan- bleibt.
schirmjäger nach Kreta behandelt, nach einer So hat Ranns Kötzschke durchaus als ein Kom-
dramatischen Schilderung seines Sohnes. Erstaun- pon~t mit eigener Handschrift zu gelten. Schon
lich, wie Kötzschke hier seine Musik ganz in den arbeItet er an einem neuen Oratorium. Die
Ausdntck eines lapidaren Stiles zwingt, ohne da- Weltschöp~ung" liegt bereits im Entwurf '~or.
bei auf eine gewählte Klangsprache zu verzich- Immer dra~gt es ihn, Wesenhaftes zu schaffen.
• ten. Ein Tanzspiel ..Tag- und Nachtgeister" mag Das .. le~endI~ sprudelnde Temperament seiner
den weitgespannten Bogen sinfonischen Willens PersonhchkeIt verleiht auch seiner Musik ein
• abrunden. Von den größeren Werken für Cho!' c~araktervolles Gepräge. Es wird in seinem gei-

und Orchester soll eine Hymne "Zum. Erntedank- stig~n Zus~~e~an~e von jener Stilrichtung
fest" sowie die Ohoralkantate "Wunderbarer Kö- b~stI~~t, die ~mer Im Melos wie in der Far-
I
nig" hervorgehoben werden. blgkelt. ihre Kronung sah. Gerade dieses deutsch-
romantIsche Erbe übernimmt Kötzscbke und führt
Intimeren Geist atmet Kötzschkes Kammer- es fru~htbar weiter. Lauterkeit seIner Gesin-
musik. Da findet sich wirklich manche feine nung, mneres Verantwortungsbewußtsein nicht
Komposition darunter, die durch Lauterkeit der zuletzt ein gediegenes handwerkliches Können
Gesinnung, durch harmonische Farbigkeit auf- werden sein~~ Schaffen zu allen Zeiten Achtung •
fällt. Drei Klaviersonaten sind dafür sichtbarer und Wertschatzung sichern.

Jugendfreund Hans Richter •


\


• ,

Von Heinrich Sitte, Innsbruck.


,
Im gleIchen Monat des Jahres 1843 kamen dIe beiden •
Freunde zur Welt: am 4. April wurde Hans Richter in dem alle Knnst und Geisteswissenschaft von Rorner an
Raab geboren - kaum 14 Tage später. am 17. April, glückliCh vertreten war. Altphilologen waren Adolf
erblickte CamiUo Sitte in Wien das Licht der Welt Lichtenheld und KarI Lindemayr; deutsChe Dichtung
I Nahezu volle Gieichaltrigkeit und ihre deutsche VOlks~ pflegte Ludwig Blume, dessen SChwester Leopoldine
I, gemeinschaft, ihre wahlverwandten kUnstlerIschen An- ~ammo Sitte dann heiratete, der die Freunde in alle
lagen ließen dllnn eIne Freundschaft entstehen; deren ereIche aller bildenden Künste als Sohn eines Archi-
einstige Wärme und Festigkeit In alle :iukunft wohl- tekten einführte; Musiker waren Johann Falstenberger,
nachmallger Gesangsmeister In ' Wien und berühmter
tuend We!ter\ylrken mllg als Vorbild deutscher Treue!
Das weithin berühmte Plarlsten-Gyrnnaslum In der Pauker der Wiener Philharmoniker, der jene Stelle
Scherzo der "Neunten" wunderschön spielte" _ rocht
un
Josephstadt In Wien hllt die Freunde mit einem K~Is
54 gleich ideal gesinnter Kameraden zusammengeführt, in .. schlug"; Leopold Landskron, später" Klavlerplidagoge
, am Wtel]er Konservatorium und MItredakteur der Wie-

- •
J
{


-
ner Klassikerausgaben; Josef Sucher, der es bis zum Drohbrief afi- Freund Camlllo, der im letzten Moment
HOfopernkapellmeister in Berlin bracb,te - und eben Bedenken gehabt zu haben schien Zllm Fest zu kom-
Hans RicÄter, damals Hofkapellsängerknabe, Geiger und men. Nach aUen unmöglichen Anreden - nur im Fak-
bald WaldhornJst, welch letztere Laufbahn er, wie. aus simile l!:önnte man den Erguß richtig würdigen - heißt
dem Freundeskreise neuerdings erst berichtet wurde, es: "Aber her kommen muß t Du, und daß Du
deshalb ergreifen mußte, weil sie Ihm, dem völlig mit- hin ein kommst, dafür stehe ich Dir gut: ich heiße •
tellosen, ein leichteres Vorwärtskommen ermögllchte. Hans Richter ..... Du kom m s t 1 Wenn einer dabei
In diesem urkräftigen Freundeskreis wurde nun auch seln .m u ß, so bist Du's! - llu hast mir wlI:klich wehe
das Quartettspiel gepflegt, wobei Richter ll. Geige oder gethän und kannst Dein Unrecht nicht anGers büßen,
Braische, Sitte Cello spielte, auf welchem Instrument als daß Du mir h ,i er, in Bayreuth, bei einem Schop-
er es zu besonderer Fertlgkeit 'g ebracht hatte, wie er pen Rheinwein Deine Rechte giebst und einsiehst, daß ,
auch an Sonntagen mit seinem Vater oft auf dem Chor ... mein lieber CamUlo nicht von ... Wagner-Vereins~
der Minoriten-Kirche in Wien als Cellist mitwirkte. Waiselbub~n abhängen muß, um in die Nibelungen-Auf-
Oft wurden auch warme SommernäChte durchSChwärmt, führungen zu kommen, die doch keiner s 0 versteht,
auf allen Buden der verschiedenen Freunde durchphilo- wie eben dieser Camlllo! •... Dein alter Hans. Du hast
sophlert lind zuletzt an den Stufen der Denkmäler auf Deinem Sohn ein schlechtes Beispiel von Freundesver-
dem Heldenplatz in Wien unter lebhafter Besprechung trauen gegeben 1 - " - \
aller letzten Weisheitsprobleme der Sonnenaufgang er- Meine Eltern kamen damals beide nach Bayreuth.
wartet. Es war ein unbändiger, ein schier unbegrenzter Jahre vergingen. Aber die Jugendfreundschaft über-
Geisteshort I .
Am engsten schiossen sich Hans Richter und mein . Wagner über Kürzungen im "Tristan".
Vater Camillo Sitte zusammen, deren Freundschaft Die deutschen Opernbühnen sehen es bereits
weit übers Grab hinaus bis heute noch nachwirkt, wie seit längerer Zeit mit Recht als eine Ehrenpßicht
wir sehen werden. Brachte auch der Beruf beide auf so an, die BÜhnenwerke Richard Wagners vom "Hol-
verschiedenen Gebieten tätigen Männer auseinander -
die Freundschatt hielt über alle Weiten und Zelten - länder" ab dem Publikum ungekürzt vorzuführen.
, und mit Recht konnte Richter von Sitte sagen: "Der Doch zuweilen machen hierin selbst die größten •
Camillo ist mein bester Freund - wir seh'n uns alle Operntheater hier und da eine Ausnahme, vor
fünf Jahre nur eJnmal"t - Scherzwelse unterzeichnete allem bei den Aufführungen von "Tristan und
Richter später einmal, als er schon in Pest als Kapell- Isolde". Dies ist wo,hl verständlich, stell~ doch
meister wirkte, einen Brief mit: "Besten Gruß! Deln dieses sublimste Werk der Opernwelt an die
b(p)ester Freund Hans"t Künstler wie an die Hörer die höchsten Anfor-
Aus dieser köstlichen Jugendzeit Ist noch ein Bild derungen. Wie wenig hier Kürzungen vom SChÖp-
Hans Richters erhalten (s. Abbildung), im Alter von
21 Jahren, 1864 aufgenommen, schon etwas .verblassend, fer selbst als Sünde gegen sein Werk, das er ein-
aber mit einer Widmung des damaligen Waldhornisten, mal als eine "Extravaganz" bezeichnete, empfun-
die mit Glaubensbekenntnis an die Ewigkeit des Beet- den wurden, offenbart uns eine von seiner Gattin
hovenschen .. Eroica"-Mötlves auch die Freundschaft Cosima mitgeteilte interessante Äußerung des
zu CamllJo Sitte verewigt, gleichsam ipotheosiert. So Meisters, die wohl so gut wie Unbekannt sein
hielten, SQ halten die Beiden heroisch an Ihrer Freund- dürfte. Diese Äußerung verdient größte Beach-
schaft fest, woran wir uns noch heute freuen können! tung, da Wagner, wie bekannt, allgemein Kür-
Die "HOhe Zeit" ihres Lebeqs kam bald heran. Rich- zungen in seinen Werken aufs schärfste ablehnte.
ter wurde an die Seite Richa1'd Wagners berufen. Er
übersiedelte dann bald als Dirigent nach Budapest. Als der Meister in seiner späteren Zeit einmal .
Am 4. März 1873 schrieb er von dort: "Lieber Camillol abends seiner Gattin aus. dem "Tristan" vorspielt.
Du beschämst mich. - (Unser Vater hatte Ihm wohi ruft erwährend des Vortrags der LiebeSSzene aus:
Seine Verlobung mitgeteilt. - Morgen Mittwoch habe "Nein, ist das tolles Zeug! Sich zu denken: das
• ich mein erstes Concert: Leonoren-Ouvertüre No. 2; als Oper auf dem Repertoire / es ist zu toll! Das
Spohr's lltes Violonconcert , . . ; ,,Jm Walde" Sympho- kann niemals populär werden."
nie von Dir oder auch Joachim "Raff. Ein sehr bedeu- Am anderen Tage kommt Wagner, wie Cosima
tendes Werk aus der "neuen Schule". Schöne frische
Gedanken, musterhafte Arbeit, herrliche Instrumenta- schreibt, durch den vergangenen Abend anger'egt,
tion. Am 9. April IX. S Y m P h 0 nie. - Unabänder- wieder einmal auf den Gedanken zurück, Kür-
lich! - Ihr kommt doch? - Dein tiefbeschämter Hans." zungen im "Tristan" vorzunehmen, denn sowohl
In einem Brief aus dem Naßwald (bei der Rax in NIe- dem Publikum wie den Darstellern sei darin zu
der-Donau) heißt es, wohl auch aus dieser Zeit, " ... vdn viel zugemutet. Diese Kürzungen wolle er im
wo ich aUf 8 Tage nach Bayreuth gehe, um mit unse- zweiten wie auch im dritten Akte vornehmen, um
rem Meister mich :fUr die Zukunft zu besprechen ... - es sich vorZUbehalten, das Werk im Festspiel-
Bayreuth kommt immer näher! -
hause vollständig zu geben.
Beide Freunde heiraten. Am . 9. Dezember 1875 schreibt Unsere Opernbühnen begehen also kein Sakri-
Richter im Telegramm-Stil: "Gratullert mir! Ich bin
Vater 1 Mutter und TÖchterChen befinden sich wohl 1 leg, wenn sie im zweiten Akte das Gespräch der •

Euer Hllns Richter." Die nach Richard Wagner benann- beiden Liebenden vom Tage fortlassen.
. te erste TOChter RichardJs war zur Welt gekommen. ALfred Weidema.nn •
Am 29. April 1876 konnte Sitte melden, daß Ihm sein brückte sie in starkem Bogen. 1893 brachte die gemein-
erster Sohn Siegfried geschenkt wurde. Ein witziges s~me Feier des ~o. Wi€genfestes die Freunde, mehr noch
Mitglied des Freundeskreises gab damals im Scherz die ihre Famillen, wieder näher zusammen. Oft kam Rich-
Nachricht herum: "Richardis Richter und Cosima Sitte ter vom nahen MusikvereinsgebäUde herüber in unser
empfehlen sich als Verlobte". - Muslkztmmer und spielte noch 'heiß von den !'roben
18761 Wir alle wissen, daß aUf jener Marmortalel im der Philhaxnlonlker die schönsten Stellen aus Schuberts
Festspielhaus Hans Richter als Leiter des Orchesters und Schumanns Symphonien - in der HOfkapelle hör-
genannt ist - wir alle wissen mehr noch durch Wag- ten wir Beethovens "Missa solemnis" - 1896 führte
ners "Rückblick auf die Bühnenfesispiele des Jahres mich ,.Onkel Hans" nach Bayreuth, wo ich, einzig in
1876", daß er In ihm eben seinen .. Unmögllches , lelsten- ' meinem Leben, den .,Ring" an vier geschlossen aufein-
den, viel erprobten, für alles einstehenden H ans ander folgenden Tagen hören du'rfte vom 16. bis 19. Au-
R i CI h t e r" hatte. Aber niemand ahnt, daß das auch gust! Unvergeßllch - Später lernte ich die Klaviel"-
beinahe anders hätte kommen können, daß Intriguen lehrerin der Kinder Richters, eine Liszt-Schülerin und
der allernäChsten UmgebWlg des Meisters Richter so dann Substitutin von Leschetitzky kennen, eine Russin
verstimmt hatten, daß er am 21. junI 1785 seinem Ju- namens Alexandrlne Paramonoff, die auch mein Kla-
gendfreund schrieb: .. Ich bin schon /10 weit gekommen, vierspiel in richtigere Bahnen lenkte. - Bruckner,
daß es mir wirklich lieber wäre, wenn ein Anderer Brahms und Richard Strauß konnten wir aUln'h1jch
dirigieren möchte . . ."1 Wir w1ssen, wie gesagt, daß näher kennen.
, Da starb unser Vater 1903 bald nach
alles doch gut ging und freuen uns nun unsererseits seinem 60. Geburtstag.
auch heute noch herzlich über elnen fürchterlichen Aller das Andenken an die JugendfreundsChaft blieb. 55
,
, •



\

1811 hörte Ich, 11112 meine Mutter noch ein letztesmal Aber die Jugendfreunc1schaft blelt, was sie 1m festen
, I In Bayreuth die .. Meistersinger" unter Richters Leitung. Glauben 8D die Unsterblichkeit Beethovens versprochen
Der erste Weltkrieg brach los. Richter stellte alle hatte:
• seine englischen lind russischen Auszeicbnungen lind "ich glaube, sie wird niemals schwinden"•
Ehrengaben zur Verfü~. Über diese ..Niederlage"
- schrieb "Onkel Hans" an meinen Bruder: "Bayreuth.
22. IX. 1914. Konnte der Jugendfreund Deines Vaters
Sie ist auch nicht geschwunden! Sie hat sich viel-
mehr Immer neu bewährt durch die Kraft jhrer Erinne'-
anders handEiln? Diese "Niederlage" war die Folge sei- rung, die alle, welche die Jugendfreunde kannten oder
nes Einflusses auf meine Jugend: er hat uns alle ge- durch Nachrichten über ihr beispielhaftes, deutsches
• stllrkt und veredelt. Dank und Ehre seinem Andenkeni"
Am glelcllen Tag kam aus Bayreuth auch an mich die Leben kennen lernen, immer neu "stärken und ver-
gleiche Versicherung: "Der Jugendfreund Deines un- edeln" Wird, allen Immer und überall "Lehrer und Vor-
vergeBlichen Vaters konnte nicht anders bandeln; ja, bild" sein wirdl Und ·so gedenkt heuer im April Wien.
diese . .. Niederlage" danke ich eigentlich Ihm, der nns die uralte deutSche Kulturstadt an der Donau, auch
Lehrer und Vorbild war. Jetzt ge.ht's selbst hier leb- wieder belder• Jugendfreunde an ihrem 100. Wiegenfest:
haft her: die deutschen Truppen gehen Im .festen . alle Freunde der bildenden Künste feiern Camma Sitte
• Schritt der Bässe in der "Eroica" einher. • • ."1 als den "Begründer des modernen Städtebaues" und
In der ..Eroica" 1914 - "Eroica" 1864 - 50 Jahre 1 alle MusikfrellDde nehmen Tell an der Fest-Aufführung
Gegen Mitternacht des 125. Todestages Mozarts, am der "Meistersinger" zu Ehren des einst f~' Wagner
" 5. Dezember 1916, schloB auch Hans Richter Seine hell- "Unmögliches leistenden, viel erprobten, für alles ein-
blauen deutschen Augen für immer. stehenden Hans Richter'"


Musikliteratur und neue Noten , .

Die Drehorgel. orthographische Texte gebändigt, in Sammlungen
I Ein Liederbuch für fröhliche Kreise. zu veröffentlichen. Wem ist im Grunde damit ge- -
Wahrhaft ausgelassene Fröhlichkeit ist ein ech- dient? Zieht man etwa Wirklich, wenn die Wogen
I tes Gemeinschaftsprodukt. Sie kann nur dort des Frohsinns überschäumen, ein solches Buch
I aus der Tasche und buchstabiert einen dort kon-
I entstehen und bestehen, wo ein Kreis. gleich-
, • gestimmter Menschen beisammen ist. Sie setzt servierten Humor? Nein! Also wären diese mit
weiier voraus, daß Ratio und Intellekt auf einige so viel Fleiß und Geschick zusammengetragenen
Z~it ihren festen Griff um das Bewußtsein lok-
Werke ohne einen praktiscben Wert? Abermals
kern und sich höchstens noch als bescheidel).e, nein! Immer finden sich nämlich einige genügen-
aber belustigte Zuschauer bemerkbar machen. de Begeistel1lngsfähige (und der Verfasser bekennt
• Solchen Zustand der Ekstase (al,s eines Außer- sich ohne Erröten als zu ihnen gehörig), die "so
- sicH-seins), eines gelinden Rausches auch ohne etwas" lesen, aufnehmen, vielleicht verarbeiten
äußere Veranlassung zu erleben ist eins der gött- oder ganz einfach lernen und dann, als ~chte Be-
r
lichen Vorrechte der Jugend: Sie is~ ;,Trunkenheit reicherung, in ihrem Kreis neu zum Leben brin-
•• gen. Von dort aus kann es, wenn es artverwandt

ohne Wein". Und in ihren Händen lag und liegt .
daher an sich die Pflege all des blühenden Blöd- ist, bald wie eine "Gehimpest" um sich gre\!en
sinns, der in verschwiegenen Winkeln des Ge- und ganze Gruppen, ganze Formationen in seinen
I
dächtnisses schamhaft verborgen' aut-solche tollen Bann ziehen. Wer hat nicht schon Ähnliches er-
• Gelegenheiten wartet. Da aber auch cler reifste lebt?
I Mann (wir haben es hier mit einem geradezu · So ist vieles aus den ganz vortrefflichen Samm-
prototypischen Ausdruck der Männlichkeit ZU lungen "Der Kilometerstein" und "Der Pott", die
tun!) glücklicherweise nie ganz frei wird von sol- im wesentlichen aus den Be'Ständen der früheren
• chen juvenialen Anwandlungen, sehen wir hier Jugendbewegung schöpften, ' wieder Allgemeingut
tatsächlich eine durch alle Altersschichten
, rei- der HJ und des JV geworden. Hier war jene
chenden geheime Gemeinschaft vor uns. Als Zeu- Grundbedingung erfüllt: Ein bestimmter Lebens-
gen eines lebendigen Brauchtums wandern in ihr kreis wurde, angesprochen und das in seiner ur-
die Scherz- und Rüpellieder, der Edelquatsch und eigenen Sprache. 'Schon mit ihren Titeln ver- ,
I die tränenselige Schauerballade, di.e Umba-Umba- setzten sie symbolisch mitten ins frohe Leben
lieder und das Schnadahüpfel noch immer wie von Fahrt und Lager.
einst von Mund zu Mund. Das jüng~te "Liederbuch für fröhliche Kreise"
Wahllos? 0 nein! Sie haben ein sehr ' feines nennt sich: ,,Die Drehorgel" (herausgegeben 'Von
Gefühl für soziologische Schichtungen und be- Erwin Schwarz-Reifiingen, Verlag Hans C. Sikor-
trachten sich selbst keineswegs als eine Art het- , ski, Leipzig). Der Name dieses umfangreichen
. renlosen Gutes. Die Wirksamkeit des einzelnen Bandes (fast 300 Seiten) erinnert an manche frü-
Sätzchens ist weitestgehend abhängig von der here Sammlung, so besonders an die imn rund
Artung.. des Kreises, in dem. es erklingt. Als grobe 100 Jahre alten "Musen klänge aus Deutschlands
• Beispiele: Der beliebteste Studentenulk verpufft Leyerkasten" oder den Brandtschen "Singsang zu
wirkungslos in der fröhlichen Runde etwa einer Drehorgel und Zupfgeige" aus den ersten Jahren .
alpenländischen GaststUbe, die Scherzlieder der nach. der Jab rhllndertwende. Diese beiden waren
Spinnstube nötigen dem Städter höchstens ein deutlich einem Kreis bestimmter Prägung zu-
gewisses literarisches Interesse ab. Und keiner gedacht, nämlich der akademischen Jugend. An
kann unsere herrlichen Klotzlieder ganz nach- wen wendet sich. aber diese neue "Drehorgel"?
empfinden, der nicht selbst, auf endlosen Straßen Man' hat versucht, den Inhalt auf breiteste Flä-
tippelnd, gesungen hätte: che zu stellen und ist dabei zu einem gefährlichen

"Klotz, Klotz, • "multa j non multllm" abgeglitten. Nicht alle •
Klotz am Bein; Nummern sind überzeugend' auch durch Kürzung
Klavier 'Vor'm Bauch. um einzelne Strophen ließe ~ich der Gesamtgebalt
Wie lang ist die Chaussee?" . straffer zusammerifassen. Leider ist-der Notentext
Es hat niCht an Versuchen gefehlt, solche när- nicht fehlerfrei. Besonders häufig ist der.Punkt
56 rischen Wildlinge, fein säuberlich in Noten lind bei den punktierten Werten vergesgep worden.
Trotz allem sei jedem, der Verständnis für deut-
• •


I


sehen Volkshumor besitzt, empfohlen, dieses Buch ERNST BüCKEN: Musik der Deutschen. 315 S.
zur Hand zu nehmen. Wenngleich es nicht die und Bilderanhang. Staufen-Verlag Köln 1941.
letzte Eignung zu einem rechten Singebuch zeigt, Dies volkstümliche Buch will nicht eine neue
so kann ihm doch der Leser manche vergnügte "Musikgeschichte" unter vielen anderen sein,
Minute entnehmen. Dietz Degen • sondern entwickelt eine "Kulturgeschichte" der

OSKAR LANG: Anton Bruckner. Wesen und Musik unseres Volkes. Es liegt dem Verfasser
Bedeutung. 144 Seiten. 2. Auflage. Verlag C. H. weniger an einzelnen Namen und Begebenbeiten,
Beck, München, 1943. sondern am Zusammenhang mit den großen gei-
Die glühende Brucknerverehrung Oskar Langs stigen Wendepunkten unserer künstlerischen
erschien in d~r ersten Auflage des Buches vom Vergangenheit. Mit dem Blick aufs Ganze wer- •

Jahr~ 1928 den meisten Lesern gar zu über- den die wichtigsten Fragen der Instrumenten-
schwenglich. Es mag für den Verfasser eine kunde, der völkischen Musikübung, der Oper, der
schöne Genugtuung sein, daß viele der von ihm neueren Musikorganisation erörtert und an Mu-
kiihn formulierten Feststellungen von damals sterbeispielen verdeutlicht. Nach Landschaften,
heute selbstverständlich geworden sind. Man muß Städten und politischen Ereignissen ist das Ge-
allerdin,ps auch Verständnis dafür haben, daß schehen gegliedert. Manche unbeachtete Beleben-
mancher von dem Sektierertum der Kreise ab- h'eit ruckt so in ein neu es Licht. Dabei ist aller
gestoßen wurde, die Bruckner für sich gepachtet stoffliche Ballast verInieden, sodaß die Einfüh-
zu haben glaubten. In gewisser Hinsicht ist da- rungsschrift für jeden verständlich bleibt. Wir
von nicht einmal der verdienstvolle August Halm haben wenig solche Bücher, die zugleich wissen- •
auszunehmen. Lang hat sich von abseitigen Theo- schaftlichen Rang beanspruchen dürfen. Hier
rien im allgemeinen ferngehalten und würdigt finden sich alle Vorzüge in glücklicher Weise
den Musiker Bruckller. Zwar philosophiert auch vereint. Ein 24 Tafeln umfassender Bilderanhang
er über den "Sinn" der Musik: "l':licht Abklat- beschließt das empfehlenswerte Buch.
schen, Abkonterfeien von psychischen Wirklich- Wo!jga.ng Boetticher.
keiten ... , nicht bloße Reproduzierung von CLEMENS BRENTANO UND FRAU MUSlKA.
Stimmungen . . . kann Sinn wahrer Kunst sein Eine Auslese von Wilhelm Fraenger. 48 Seiten .
. . . , sondern die Einreihung in ein höheres Wert- Gesellschaft der Bibliophilen, Weimar 1943.
system, das dauernd verbindlich bleibt". Folge- Zum 100. Todestag des Dichters Clemens Bren-
richtig bezeichnet Lang die Großen Bach Beet- tano wurde diese kleme bibliophile Kostbarkeit •
hoven Bruckner (den er in eine Linie mit jenen vorgeleg~. Die besondere Verbundenheit des Ro- •
stellt) als die großen Metaphysiker der deutschen mantikers Brentano mit der Musik klingt in sei-
Musik. Das ist eine Spielerei mit vorbelasteten nen Versen immer wieder an. "Sprich Deine
Begriffen, die in Denkweisen wurzeln, die zu Worte in meine Akkorde" sagt die Gitarre zum
überwinden wir uns bemühen und dazu eine Lied in einem der. frühen Gedichte. Es dauerte
Spielerei, die zu nichts nütze ist. Die Schöpfun- lange, bis die musikgesättigte Lyrik Brentanos
gen der Großen auf allen Gebieten bedeuten für Komponisten fand. Nach E. T. A. Hoifmann
uns eben den reinsten Ausdruck unserer Rassen-. J. Fr. -Reichardt nahm das Liedschaffen erst
seele. Es sind die höchsten Verkörperungen des- mit Brahms wieder' Kenntnis von ihm. Im Re-
sen, wozu der Mensch unseres Blutes in seinen gister sind die Vertonungen der einzelnen Ge-
kulturellen Äußerungen fähig ist. Nur der darf dichte vermerkt. Die Liebhaber schöner Bücher
nach Lang sagen, Bruckner erfaßt zu haben, der werden ihre Freude an dem Bändchen haben:
"in die metaphysische Geisteswelt, die in seinen Herbert Gerigk.
Tonfol'men Ausdruck fand", eingedrungen ist.
Auch das sind Spiele mit Worten, die etwas ALFRED B.ERGER: Homogenitätsuntersuchun-
superlatiVisch vergrößern und auf die Ebene des gen aw. Joh. Seb. Bacm Fugentnemen .. Hansischer
Ungewöhnlichen emporheben sollen, das auch Gildenverlag Hamburg. 1939. 37. S. u. Tabellen.
ohne scholastische Begriffskrücken von normalen über ein Viertelhundert Ausgaben ' hat Bachs
Menschen richtig erfaßt wird. Wohltemperiertes Klavier erlebt, angefangen von
Aber trotz dieser Einschränkungen, die ähnlich Czernys "wirklich albernen Vortragsbezeichnun-
für große Teile des Musikschrifttums Geltung gen" (Schumann) bis hin zu den umstrittenen
haben, ist das Buch von Lang eine gediegene Lesarten Riemanns und Busonis. In dieser Ham-
HInführung zum Verständnis der Eigenart Anton burger Dissertation bemüht sich Berger, den "Be-
Bruckners. Namentlich was der Praktiker in wegungstypus" für Bach zu ermitteln, um so zum
einem umfangreichen Kapitel über Probleme der alten Stil Unter Bewegungs-
Wiedergabe sagt, ist wegweisend. Die neu hinzu- typus wird die von Rutz-Sievers beschriebene •
gekommene Stellungnahme zu den sogenannten Grundform musikalischen Erlebens verstanden.
Originalfassungen ist in ihrer Leidenschaftslosig- . Berger sucht den "biologischen Stil", da die "gei-
keit überzeugend. :jtige" überlieferung des Wohltemperierten Kla-
Wenn im übrigen Subjektive Auffassungen apo- viers schwankend sei. Tatsächlich sind die mo-
diktisch formuliert werden, wird das der Leser dernen Ausgaben so verwirrend vielfältig, daß
woh~ selbst korrigieren. Weshalb soll Griinwald jeder Versuch einer Kritik sehr zu begrüßen ist.

der "größte" deutsche Maler sein (anscheinend Mit aller Sorgfalt widmet sich Berger dieser
im Sinne einer Liste der Weltbesten)? Die "tonn- neuen Methode, die den Stil an der Atmung, der-
zerlösende" Wirkung der Musik Richard Wagners Körperhaltung und der Muskelbewegung be-
und die "stete Klippe" für die BläsersteIlen bei schreibt. Es gelingt ihm, zunächst die schlechte
Bruckner, "die Degradation zur paradeblasenden Trennung der Phrasierungs- von den Attikula-
Militärkapelle" , sind Entgleisungen, die man be- tionszeichen im modernen Notenbild nachzuwei-
seitigt sehen möchte. Militärkapellen und Sin- sen. Der Legatobogen hat bei Bach genug Un-
fonieorchester sind jede an ihrem Platz gleicher- heil gestiftet. Riemanns Auftakte sind, was mit
weise ehrenwert. feinem Stilgefühl erkannt wird, "unbachisch".
Trotzdem: ein mit Begeisterung für Bruckner Auch die abweichende Bedeutung der Pause wird
geschriebenes Buch, das geeignet sein wird, wie- untersucht. Recht anschaulich wird den 24 mo-
der Begeisterung zu entfachen. Herbert Gerigk. dernen Bezeichnungen des Wohltemperierten Kla- 51
I .

,
• •

viers die vom Verfasser ermittelte "echte" Les- füllt. Wir haben zwar über diesen Lautenisten
art gegenübergestellt, diese Tal?elle befaßt ~ic~ in des ,Großen Kurfürsten eine handschriftliche
dankenswerter Weise auch mit der schWlengen Berliner Dissertation von G. Sparmann, die be-
Tempofrage. reits die Bedeutung dieses Kleinmeisters der
Nach den gedanklichen Haarspaltereien einer deutschen Suite würdigt. Einzelne Stücke sind
bestimmten Bachästhetik wird man solche Ar- an verschiedenen Orten, zum Teil allerdings
beiten die vom Körper her sich dem Kunst- bearbeitet, bekannt gemacht worden. Ähnlich
werk ~ähern, begrüßen, zumal vom BiolOgischen schlecht stand es bisher mit dem Dresdener Kam-
neue Einblicke in Rassentypen gewonnen werden. mervirtuosen Weiß, auf dessen Lautenstücke
Bei allem Nützlichen aber ist doch manches sub- Neemann erstmalig genauer in der ZfMW. X,
jektiv, ja abwegig. Der Verfasser war seine 396 ff. hingewiesen hat, während Prusiks Wiener
eigene Versuchsperson und es bleibt offen, wie Dissertation ungedruckt geblieben ist.
weit eine Kontrolle möglich war. Die Atemkur- Neemann entwickelt im Vorbericht die äuße-
ven sind nicht verbindlich. Die "physiologische ren Lebensumstände beider Lautenmeister und
Resonanz", also das Nacherleben der Musik in nennt die wichtigsten Quellen. Bei der übertra-
körperlichen Bewegungen, dUrfte schwer auf gung aus der französischen Buchstabennotation
Echtheit zu prüfen sein. Jedenfalls bleibt zweifel- erkennen wir wieder den hervorragenden Ken-
haft, ob diese körperliche Reaktion wirklich "un- ner des Instruments, der sich ans Spiel nach der.
ter Ausschluß aller geistigen, willens- oder ge- Tabulatur gewöhnt hat. Jede übertragung in mo-
fühlsmäßigen Entscheidungen" erfolgt, was be- derne Notenschrift ist bei solchen Lautenstücken
hauptet wird. Diese ganze körperliche "Bewe- ein Problem, weil so das Wesentliche der alten
gungslehre" gründet sich, so sehr sie heute be- Griffschrift verloren geht und auch die Dauer
grifflich verfeinert ist, auf persönliche Erlebnisse, der Notenwerte, die Bindung, Betonung einzelner
mit denen die ernste Stilforschung wenig aus- Griffe u. a. nur anzudeuten sind. Neemann hat
richten kann. Gerade bei Bach, dessen Gestalt uns sich um ein möglichst getreues Abbild bemüht-
zeitlich in der Ferne entschwindet, bleiben kör- und ist älteren Vorschlägen Chilesottis, Koletsch-
perliche Experimente in einer modernen Umwelt kas, Kocsirz' und T. Norlinds offenbar gefolgt,
strittig, ebenso die vorausgesetzten "Typen". Dem ohne aber auch seine eigene Praxis zu vergessen.
nicht motorisch empfindenden Menschen rückt Namentlich Reusners Stücke haben nicht nur
manches in die Nähe einer Geheimwissenschaft, geschichtlichen, sondern künstlerischen We.rt. Sie
die auf Erlebnisse schwört, die man haben aber zeigen übrigens vieL weniger französischen Ein-
auch bezweifeln kann. über dem Glauben aber fluß, als man bisher geglaubt 'hat. Nur in den
steht das Wissen. Zudem erfahren wir nur am Suitentanzform scheint er fremden Vorbildern
Rande, worin sich eine körperliche Reaktion mit gefolgt zu sein. Der kontrapunktisch verschlun-
dem geistigen Ausdruck verbindet, vieles bleibt gene Satz schließt sich ganz deutscher über-
freie "Deutung". Es ist sicher, daß die Geschichts- lieferung an, die uns leider bis heute nur im
forschung hier auf sehr anregende und ganz neue Manuskript und spärlichen Drucken zugänglich

Stilprobleme stößt, im Grunde wird sie aber a41 ist. Während unS jungst H. Bischoff und H.
ihre alten Dokumente und Tatsachen angewiesen Zirnbauer Einblick in die Münchener Tabu1atur
bleiben und nur so ihre Exaktheit bewahren. 1512 (Schott, Mainz 1939) gegeben haben, kann
So nehmen wir Bergers Studie dankbar auf. man nur wünschen, daß uns bald auch Teile aus
Nicht nur, weil sie von einer hervorragenden dem Berliner Cod. Nauclerus und dem Lauten-
Kenntnis verzweigter Fragen des Vortrages zeugt, buch der Virgihia Renata v. Gehema vorgelegt
sondern weil sie neue Wege erschließt, deren werden. überblickt man die vielen, auf euro-
Möglichkeiten und Grenzen uns klar sichtbar päische Bibliotheken verstreuten handschrift-
• werden. Wollgang Boettiche?'. lichen QueUen, so empfindet man nach den klas-
HANS nVNNEBEIL: Schrifttum über Carl Ma- sischen Arbeiten Johannes Wolfs eine Geschichte
".ta von Weber. 2. verm. Aufl. 40 Seiten. Afa- der deutschen Lautenpraxis als dringende wis-
Musikverlag, Hans DUnnebeil, Berlin 1942. senschaftliche Aufgabe für die Zukunft. Auch

Der Verfasser hat sein Verzeichnis des Schrift- über Reusner, dessen Stücke in zahlreichen Va-
I tums über Weber in vielem verbessert, Ange- rianten in ausländischen Handschriften auftau-
sichts der musikgeschichtliChen Bedeutung We- chen, wäre eine Spezialstudie lohnend. Neemanns
bers ist das ernst zu nehmende Schrifttum über Ausgabe, die bereits das Wichtigste vermittelt
ihn zahlenmäßig gering. Manches möchte man in und an spieltechnischer Exaktheit vorbildlich ist,
dem Verzeichnis lieber gestrichen sehen. Der bringt uns diesem Ziele näher.
Jude Guido Adler gehört mit seinem Wagnerbuch Wollgang Boetticher.
-
nicht hinein (S. 14); Paul Bekker war Halbjude Neue elsässisch-Iothringische Liederbücher.
lind wurde ausgebürgert. Dagegen ist der als •

Jude bezeichnete Max Kalbeck arisch. Die biblio- Die schönsten der von L. Pinck in seiner
graphisChen Angaben lassen sich noch einheit- bändigen Sammlung "Verklingende Weisen" ent-
licher gestalten. Seitenzahlen finden sich nur haltenen lothringischen Volkslieder ergänzt durch
gelegentlich, auch Verlagsangaben fehlen teil- elsässische Lieder aus dem ,Detitschen Lieder-
weise. Wer über Weber arbeitet, wird jedoch hort" von Erk-Böhme, sind' durch zwei neue
wertvolle Hinweise durch dieses Schrifttumsver- praktische Ausgaben der Allgemeinheit zugäng-
zeichnis erhalten. Herbert Gertgk. lich gemacht worden.
Das eine dieser Liederbücher ,,0 Straßburg"
HANS NEEMANN: Lautenmusik des 17./18. (Verlag Chr. Vieweg, Berlin-Lichterfelde) bietet
Jahrhunderts. Ausgew. Werke von Esaias Reus- dank der Bearbeitungen seines Herausgebers
ner und SUvtus LeopoId Weiß. Das Erbe deut- Hennann Heiß Möglichkeiten für außerordentlich
scher Musik, hg. im Auftr. des Staatl. Instituts vielseitige Aufführungsart. Der Chorsatz ist drei-
f. deutsche Musikforschung. I. -Reihe, Band 12. Imd zweistimmig, für gleiche und ungleiche Stim-
XIX, 122 Seiten. Braunschweig (Litolff). men und dab'ei so angelegt, daß auch innerhalb
Mit der Veröffentlichung der Lauten-Suiten der Lied,e r bei den oft recht zahlreichen Gesätzen
58 Reusners wird eine empfindliche Lücke ausge- ein Wechsel in der Besetzung ohne weiteres mög-

• •
-

lich ist. Der oft sehr verschiedenartigen stilisti- liedkunst vereinigt ist: Eine in vollendeter Schön-
schen Haltung der einzelnen Lieder vermochte heit erblühende Sprache und eine sie durch weit
der Bearbeiter durch die Wahl der Ausdrucks- ausholende MelQdiebögen und bunt beschwingte
mittel gerecht zu werden und namentlich den Rhythmik ausschöpfende Vertonung.
Liedern älterer Herkunft eine in Quintenfolgen Hermann Gra~mer.
und Leerklängen reichlich (manchmal allzu reich- P AUL ZOLL: Ausgewählte Lieder für mittlere
lich) schillernde Patina zu verleihen. Sehr zu Stimme. Verlag Willy Müller, Heidelberg.
begrüßen ist, daß den Dialektliedern der Text Der kürzlich mit dem Musikpreis der Stadt
auch in ' der Hochsprache beigegeben ist. Darmstadt ausgezeichnete Komponist steht dank
Das "Lothringische Sing- und Spielbuchlein" seiner jahrelangen Tätigkeit als Leiter und Aus-
(Bärenreiter-Verlag) erhält seine Bedeutung da- übender in der Pflege der JugendmUSik dem
durch, daß es sich in erster Linie zum Anwalt schlichten, volksliedmäßigen Singen nahe. Seine
von Liedern macht, deren herbe Schönheit und Feder verleugnet diese Herkunft nicht, wie diese
Strenge sich erst nach oftmaligem Singen, bzw. charakteristische Auslese aus verschiedenen Lied-
Hören erschließt. Die von Fritz N eumeyer her- sammlungen zeigt. Mancher könnte versucht sein,
rührenden Sätze bevorzugen chorische Zwei- sie ihrer melodischen Faktur und ihrer ruhigen,
stimmigkeit, bisweilen auch Einstimmigkeit, durch tonal fließenden Begleitung wegen als "Volkston-
Blockflöte (oder andere Melodieinstrumente) fein- lieder" zu bezeicht?-en, wenn an "ein Zweiglein",
sinnig kontrapunktiert. Diese instrumentalen die "Volksweise" und die "alte Weise" gedacht
Gegenstimmen, meist imitatorisch zur Liedmelo- wird. Die beiden preisgekrönten Heidelieder und •
die geführt, schöpfen den Stimmungsgehalt der das mit unaufdringlich belebenden Taktwe.c hseln
Lieder in reizvoller W~ise aus und werden mit- stimmungsvoll wiegende "Nachtruhe" vor allem
unter auch tonmalerisch verwendet (wie z. B. im werden der empfundenen Liedkunst Paul Zolls
"Waldvöge1ein"). eine leichte Verbreitung sichern, umso mehr, als
Mit diesen beiden Liederbüchern ist unseren der Tonsetzer bewußt abseitige, problematische
Chorvereinigungen wertvollstes deutsches Kultur- Wege zu meiden scheint. Die rührige, aber kri-
gut der westlichen Grenzgaue anvertraut. Sie tische Pionierarbeit des Heidelberger Verlags ist
werden sich ihrer urnso lieber annehmen, als in auch mit dieser Sammlung ihren zeitgenös.sischen
ihnen der ganze Phantasiereichturn reifster Volks- Zielen treu geblieben. G. Schweizer. •

Das Musikleben • •

Dreimal Melodie-Oper. mehr gespielt werden dürfen, macht fast gar


Niemand wird die Bedeutung des Experiments nichts. Das törichte Volk ging ja auch früher
für die musikgellchichtliche Entwicklung verklei- nicht in diese Aufführungen. Der Plebs fand sein • •

nern wollen. Gemeint ist natürlich nur das Ex- Genüge an Verdi, Puccini, allmählich auch zu-
periment soweit es nicht das Ergebnis reiner Ge- nehmend an Wagner. "Carmen" marschierte an
hirnakrobatik ist (wie jene Versuche des -Juden der Spitze der Auffiihl'1lngsziffern, Mözart, Weber
Schönberg und seines Kreises), sondern das Ex- und sogar der bürgerlich-biedermeierliche Lort- -
periment, das mit dem Ziel der Erweiterung des zing hatten ständig stärkeren Zllspruch.
Ausdrucksvel'mögens der Musik Schaffensnotwen- Wenn dann aber solch ein Ereignis der neuen
digkeit für 'den Komponisten ist. In der Oper ist Richtung startete, worin man die Melodie müh-
das Experimentieren stets mit Schlagworten ver- sam suchen muß und die, falls überhaupt vorhan-
bunnen, die einen großen Anspruch einschließen. den, von harmoniefremden, dissonanten Klängen
Aber nU1' zu selten werden die Erwartungen er- sorgsam verhüllt wurde, dann erhoben die Pre-
diger in der Wüste, die alles ganz genau -wissen,
fÜllt, die man an die meist mit viel Beredsamkeit
und Geist vorgetragene Programmatik knüpft. laut ihre Stimmen und verkündeten die wahren -
Die letzten zwanzig Jahre sind erfüllt von den Volksopern. Stießen sie gar auf äußerste Primi-
Schlagworten vom Musiktheater (als einer idealen tivität in einzelnen Melodiefetzen (zu mehr langte
Gattung Oper, die alles und jedes in den Dienst es nicht), dann war die Verbundenheit mit dem -
der Musik stellt), von der Rezitativ-Oper (die die Volke augenscheinlich. Nur <las Drum und Dran,
Musik zur Dienerin des Wortes machen möchte, bei dem es nicht so sehr auf die Inspiration als
um eine angebliche Unterstreichung de:; Hand- die Transpiration (hervorgerufen durch Rekord-
lungsablaufs in sämtlichen Phasen zu erzielen) arbeitsleistung) ankommt, ist natürlich virtuos- •
und von der statuarischen Oper, die sich dem artistisch übersteigert. So wird dann eine kleine
Oratorium nähert. Die Grenzen sind fließend, aber Kindermelodie mit Mammut-Orchester inklusive
allen gemeinsam ist die Entthronung der Melodie Celesta und Vibraphon getarnt; auf daß etwas
aus 'i hrer Vorherrschaft, die in der Nummernoper Großes daraus werde.
und auch sonst die ganze Gattung Oper zu einer Dieselben Experten, die bei den ErzeUgnissen .
seiChten Haltung geführt hat, an der ein Mensch dieser Richtung über die Massen ins Horn stoßen,
unserer Zeit nichts Rechtes mehr finden kann. Er beltommen zusehends kalte Füße, sobald einer •
braucht andere Antriebe und Reize als die im Musik, nichts als Musik macht. Wenn ein Wer~
Laufe der Jahrhunderte reichlich abgeklapperte gesund in seiner Haltung und seiner Anlage ist,
Melodie. •
dann werden sie kühl und objektiviert. Und wenn
Man hat saubere Vorbilder: der Jude Karl einer herrlichste Melodien nur so aus dem Uber-
Ettinger schuf ja melodische Rezitativopern am fluß der Einfälle ausstreut, dann wird er mit
laufenden Band, sein Rassegenosse Manfred Gur- wohlwollender Herablassung ,jgewUrdigt" und von
litt folgte ihm auf diesem Wege. Darius Milhaud, überle~ener Warte wohlwollend mitleidig belä-
ebenfalls Jude, kam mit der statuarischen Colum- chelt. Die Theaterbesucher, die des Überschwan-
bus-Oper Strawinsky erklomm den Gipfel mit: ges der Begeisterung voll die Meinung der
"Oedipus Rex". Ja, man hat schon seine Vorbil- Schriftgelehrten zur Kenntnis nebmeI)., sind dann
der! Und daß diese und verwandte Werke nicht betroffen und behalten ihre Begeisterung für sich. 59
Z'
-



kann. Aber es
dem aus der
inspiriert. Es ist von
die jede Szene
eine
Hand)lmg ein
wird enttäuscht sein und sich
langwelleJ;L Wer aber Oper
de an scJ1Öllem an
seI von
der wird bei einer guten
Forderungen erfüllt sehen. So kann
eine VolJrsoper Niemand
in eine Linie mit den
aber die ltunst der
1st das
daß

diestralen
1m4 stets neu belichtet.
Das Deut8che OpemhClus blieb dem Werk niehts
Wllbelm ,Rode, Spielleitung war auf
der }f8ndln nl gerichfet und auf Unter-
der vielen hllmW"voll-
AIthur un<l das
an

\ •

gerundeten Aufführung unter Rudolf Krassetts (deutsche Übersetzung von Georg WinkLer). Cal-
Stabführung und Hans Winckelmanns Spielleitung derons und Malipieros Stück ist kein Charakter-
mit schönen Bildern von Preetorius eingefangen drama mit einer psychologisch durchgeführten •
zu sein, dann bot eine Ausschnittsendung des Entwicklung, sondern ein reines Ideendrama. In
Deutschlandsenders in der Besetzung der Urauf- eiper Folge von "tönenden Bildern", die natur- •

führung eine Kontrollmöglichkeit, die den starken gemäß nicht die' Spannung und Dynamik einer
Eindruck der Musik Wolf-Ferraris noch unter- echten Dramatik aufweisen können, wollte der
strich. Hilde ßingenstreu, Milly Stolle-Qarvens, Komponist in den 3 Akten die symbolische Ein-
Konrad Siegmund, Alfred Weikenmeyer und Josef kleidung einer Grundidee musikalisch gestalten.
Correck sind eine Auswahl der schönen Stimmen, Der Kern der mehr nach innen verlegten Hand-
die das Werk in Hannover zum Siege führten. lung liegt in der pSYChologisch nicht näher be-
gründeten, tiefgehenden seelischen Wandlung des
* ' Haupthelden, der in der Erkenntnis der traum-
Nach der Präambel ein kurzer Epilog: Die "ein- haften Unwirklichkeit aller• Dinge und Erlebnisse
seitige" Verherrlichung der Melodieoper mag zu veredelt und geläutert · zum Überwinder seines
Mißverständnissen Anlaß geben. Aber die Oper Schicksals wird.
im engsten Sinne lebt nun einmal von der Melo- Vermag ein solcher, an sich undramatischer
die und von deren Interpreten, den schönen S~­ Stoff den Gesetzen der Bühne auch nicht inimer •
men. Alles andere ist wichtig, aber zweitrangig zu entsprechen, so mochte das Problem der musi-
neben ' diesen Grunderfordernissen. Die beiden kalis~hen Gestaltung eines symbolhaften Aus-
Großen, jeder in seiner Art ein Vollender eines drucks im Diehste einer tragenden Idee den
Opernideals, Verdi und Wagner, trugen diesen Komponisten besonders gereizt haben. Allerdings •

Forderungen Rechnung. Verdi vor allem hatte es kann auch Malipieros stets fesselnde und ausge-
auch zu büßen. Bis in unser Jahrhundert ninein zeichnet gekonnte Partitur das textbedingte Feh-
nahmen ihn ja die hohen Kunstrichter (von niemand len einer vorwärtstreibenden Dramatik nicht im-
ermächtigt) nicht so recht ernst. Man ließ ihn wohl mer vergessen machen. Calderons Werk entstand
notgedrungen gelten,aber. nicht aus Überzeugupg, im Jahre 1635, also zu Lebzeiten des großen
sondern als großzügiges Zugeständnis an die unkul- venezianischen Komponisten Claudio Monteverdi
tivierte Masse, die merkwürdigerweise unverän- Was mochte da für Malipiero, den Betreuer der -
dert zu ihm hielt. Aber er hatte keine "Schule", Monteverdi-Gesamtausgabe, näherIiegen als der
keine Nachfolge so sagt man. Er hatte sie Versuch, im Monteverdischen Opernstil unmittel-
schon, nur ist es eb~n eine mißliche Angelegen- bare Anregungen zu .finden. Unter bewußtem
heit mit der Melodieoper (andere hat Verdi nicht Verzicht auf vokale Kantilenen und die sinnll~
geschrieben). Was eine Melodi~ ist, glaubt jeder zu chen Reize des Belcantogesanges entwickelt er
- wissen, auch wer nicht komponiert. Nur machen ein sorgfältig deklamiertes melodisches Rezitativ,
kann sie der noch lange nicht, der zu wissen glaubt. das er oft in das harmonisch altertümelnde Ge- •
was eine Melodie ist. Trotzdem waren viele der wand der Kirchentonarten kleidet. In genauester
Meinung, Melodien gemacht zu haben, aber jene Kenntnis des Monteverdischen Schaffens läßt er
"ungebildeten" Theaterbesucher (wir sagen heute den Chor im zweiten Akt zur Begrüßung des •
treffender das Volk) glaubten nicht, daß es welche heimgebrachten, in Schlaf versenkten Prinzen •
sind, und dann half auch die Assistenz der .Ä sthe- drei reizvolle Madrigale sIngen ("Pastorale",
ten nichts. Worte gegen Töne mußten versagen. "Amoroso" und "Eroico"), die bis in die äußeren
Wer begrüfen hat, wie schwer es ist, echte und Merkmale hinein den madrigalischen Stil jener
gesunde und natürliche Musik zu schreiben, also Zeit hervorragend treffe.n. Bei aller Herbh~it
das Erlernbare in nen Dienst des nicht Erlern- einer modernen, an kühnen Akkordgebilden rei-
baren zu stellen, der wird auch die kühle über- ehen Harmonik begegnen in dieser, in großen ,
legenheit den unproblematischen guten Musik- Teilen feierlich und hymnisch gehaltenen Parti-
schöpfungen gegenüber ablegen. Offiziell sind wir tur doch auch reine Dreiklänge als ruhende
davon noch weit entfernt. Im allgemeinen Ge- Grundpfei1er. Daß die Oper ungewöhnlicher-
sundungsprozeß, den unser Volk nun schon seit weise nicht mit einem reinen Dreiklang, sondern
mehr als 10 Jahren durchmacht, werden wir auch mit einem dissonant getrübten Akkord schließt,
hier weiterkommen. als sei trotz der befreienden Erkenntnisse des
Damit der Epilog sich mit ~r Präambel be- Prinzen ein unerlöster, dämonischer Rest in sel-
rühre: nichts. gegen das Experiment auch nicht ner Seele geblieben, soll no~h besond~rs vermerkt
in der Oper. Die natütliche Entwicklung braucht werden.
die kühnen Vorstöße in 'Neuland. Aber deshalb Eine begrenzt angewendete Leitmotivtechllik
keine Stellungnahme aus Prinzip gegen die Un- hebt vor allem das zu Beginn des kurzen Orche'-
problematischen, die reinen Musikanten. stervorspiels aufgestellte, zum Tonsymbol fUr dre
Herbert Gertgk. Grundidee werdende Traurnthema mit seinen ab-
wärtsgehenden und dann zu einer vermindert~n
Francesco Malipiero: "Das Leben ein Traum", Quart sich erhebenden Oktavgängen immer wie:"
Uraufführung im Breslauer Opernhaus. der plastisch lind spreChend hervor. In vielfäl-
1m Zeichen des ständig vertieften Kulturaus- tigen, oft verkleinerten Umdeutl.lngen begleitet
tauschs zwischen den heiden großen Musiknatio- dieses Thema das innere Ringen des Prinzen, bis
nen Deutschland und Italien hatte Francesco am Ende die glanzvolle Wiederkehr der ursprüng-
MtL1ipiero die Uraufführung seines neuesfen lichen Themengestalt Sieg und Überwindung
Opernwerkes einer deutschen Bühn~ anvertraut. verkündet.
Wie in seinen vorangegangenen Bühnenwerken Zu rühmen ist die wohltuende Durchsichtigkei~
hat der Komponist auch diesmal auf eine be- der klanglich niemals überladenen Stimmführung
rühmte Dichtung zurückgegriffen, indem er Cat- und die farbig und meisterlich sicher gehand-
derons symbolischem Drama "La vita e sogno" habte Instrumentation, deren schöne, sich auch
unter Beibehaltung der Grundelemente der ba- auf Englischhorn und Baßklarinette stützende
rocken Handlung in einer höchst konzentrierten Holzhläserklänge besonders in Erinnerung blei-
Art sprachlich ein~ ~eue Form ~egebe~ hat ben. Die an mancherlei Stellen im Orchester aQf- 61

,
• •

blühenden kleinen Geigen- und Holzbläserkanti- so daß schon nach dem ersten Akte der Beifall
lenen beweisen die echte Musikalität des Kompo-
• Die Bremer Oper hatte der Neuheit ausgezeich-
nisten, der durch diese kurzen, aber warm emp-
fundenen Partien die meist strenge und spar- nete Besetzung und glänzenden Rahmen gegeben.
same Zurückhaltung der nur selten ariQs geführ- Operndirektor Fritz Riege'/' ließ die Partitu: vor-
ten Singstimmen ausdrucksvoll ergänzt. trefflich klingen, und Schauspieldirekt.or Rlc~ard
Die ausgezeichnete, stilistisch sehr geschlossen DOTnseiff gestaltete die Szene von ruhiger Wurde
wirkende Aufführung im Breslauer Opernhaus bis zum . brandenden Aufruhr der großen Chor-
hatte an dem eindeutigen, durch herzlichen Bei- szenen. .
fall bestätigten Erfolg des neuen Werkes einen So ethielt das Werk eine Wiedergabe, würdtg
gewichtigen Anteil. Die wirkungsvolle Inszenie- des großen Deutschen und des Rahmens dieser
rung des Generalintendanten Hans SchZenck, die Gaukulturwoche. Clemens Cunis.
lebendige und klanglich feinfühlige musikalische
Leitung von GMD Philipp Wüst, die symbolhaft- IID~e kluge Wirtin" von Hajo Hinrichs.
stimmungsvollen Bühnenbilder von Erich DöhleT •
Uraufführung in OldenbuTg .
(a. G.) und der wohlabgestimmte Einsatz der Im Rahmen der Gaukulturwoche Weser-Ems
• Solisten mit Hannefriedel GretheTs liebreizender 1943 brachte das Staatstheater Oldenbu'/'g das
, Diana und Hanz Butzons heldischem Prinzen er- erste Werk von Hajo HinTichs heraus, dem so~e
gaben eine schöne und eindringliche Gesamtwir- des Dichters August H]nrichs. Wie der Vater 10
kung. ETwin Völsing. Volksstück und Erzählung, so ist auch der Sohn
Eine Paracelsus-Oper von Hugo Herrmann. in seiner mUsikalischen Bestrebung bodenständig
und dem gesunden volkhaften Empfinden ver-
Im Rahmen der Gaukulturwoche Weser-Ems horcht. Er hat sich mit Friedrich Lindemann zu-
brachte das Theater der Hansestadt BTemen die sammengetan, clem Schöpfer vieler erfolgreicher
Uraufführung der Oper "PaTaceZsus" von dem Romane und Theaters.tücke, aus dessen Werk
Stuttgarter Tondichter Hugo HeTTmann. Der ihm die gleiche Zielsetzung entgegenblickte. Und
Komponist hat sieben Jahre an dem Werke ge,.. als junger Tondichter fühlte er sich von einem
arbeitet, und man spürt überall die "stete heilige Jugendwerk Lindemanns besonders angesprochen,
Feierhaltung'~, die er angestrebt ha~, und d~ es das nun, in ein Opernbuch umgewandelt, den
• ihm ernst war mit "der Verherrlichung emes Untergrund seiner Musik ergab .
großen Lebens". Er schreibt eine Musik dazu, die Das Buch ist von dem romantischen Naturemp-.
der polyphonischen Haltung der neuen Volks- finden erfüllt, das den Menschen der Landschaft
musik entspricht, und die ihre stärksten Teile in
- den zahlreich eingestreuten Liedern und Chor-
ohne weiteres mit ihren Tiex;.en und Pflanzen eng
verwoben nimmt, so daß die Geister des Waldes
sätzen hat. So gelingt es ihm, auch wenn er ~it ins Menschenschicksal eingreifen können und der
Recht hier die bloße "theatralische Gebärde" ab- Mensch ohne Erschrecken ihre Wirksamkeit
lehnt, doch zu starken, im guten Sinne opernhaf- wahrnimmt, ja voraussetzt. Damit ergibt sich
'\ ten Steigerungen und Bildschlüssen zu gelangen. eine märchenhafte Handlung, die sich überall ly-
- •
Leider macht die .stete polyphone Führung das risch verdichtet, die aber nirgends im dramati-
Orchester ziemlich unruhig, und da auch die In- schen Sinne spannend oder zwangsläufig wird.
strumentation trotz mancher delikater solistischer In richtiger Erkenntnis haben die Autoren ihr
Wirkung recht dick und laut ist, so wird die Werk daher ein "heiteres OpernspieZ" genannt.
Szene oftmals Ül Wort und Stimmklang erheblich Aber es -geht von dem Buche entzückende Un-
beeinträchtigt, während die rein orchestralen befangenheit und Unmittelbarkeit einer naiven
Zwischenspiele zu schöner Wirkung kommen. Anschauung aus, und das ist für einen Tondich-
• Das Buch schrieb .Martha Sills-Fuchs. Es ist ter, der wirklich jung ist, ein unschätzbarer An-
> sicherlich aus der gleichen ernsten und verehren- knüpfungspunkt. Hajo H1nrichs geht fühlbar
den Einstellung zu seinem Helden heraus ge- von den Bestrebungen der neuen Volksmusik aus.
schrieben; aber es läßt Paracelsus ständig in Seine Erfindung stützt sich kräftig auf das alte
einer unirdischen Erhabenheit wandeln. Und da Volkslied in seiner Neigung.... zum Moll und zum
es ohnehin mit dem Weggang von Basel einsetzt, Dorischen, und sein Satzbild gibt der Melodie

so sehen wir ihn überall duldend und kampflos entweder ruhi~ ausklingende Akkorde die aus
• zurücktreten. Das ist um des Bühnenwerkes wil- dem Tongeschlecht ihren besonderen 'Reiz zie-
len sehr zu bedauern und es wird dem großem ~~n, ode~ aber .eine kontrapunktisch dagegen .ge-
Peutschen nicht einmal gerecht. Denn seine Schrif- führte LlOie, die den rhythmischen Gehalt noch
ten weisen ihn als einen Feuerkopf aus, der wohl unterstreicht. Mit dieser Schlichtheit entsteht
zu streiten wußte, und der in seiner herzhaften ein durchsichtiger Klang, der im großen -Orche-
'. Sprache Worte zu schleudern wußte "saugrob ster bezaubernd wirkt. Überhaupt möchte man.
wie Luther", um mit Arno Ho~ zu reden. Jetzt die Behandlung der Instrumente fast als das Ur-
aber gibt er notwendigerweise die Führung der sprünglichste und Eigenste bezeichnen. Denn da
Handlung an seinen Gegenspieler Dr. Johannes die Vertonung ausschließlich vom Melodischen
Faust ab, der sich aus unklax'en <!ründen dem ausgeht, so erreicht der Komponist außerordent-
Teufel verschreibt, um Paracelsus an jedem Orte lich farbige Verwendung des gesamten Appara-
unmöglich zu machen, und der ihn doch am Ende tes, indem er Melodie oder Gegenstimme
nur vernichtet, um sogleich selber zur Hölle zU! ~nbekümmert auch vom s,chweren Blech mitspie-
I fahren woran , sich endlich die Verk!.ärung des len läßt, das wirkt überraschend und bezeich-
Ermordeten schließt. nend, wenn es auch den Singstimmen nicht im-
• Was den Tondichter für das Buch begeistert mer guttut. Und so waren in dieser Hinsicht
haben mag, ist wahrscheinlich die opernhaft un- wohl die Tanzszenen die schönsten Sätze, in de-
bekümmerte Weise, In der statt Begründung ein- nen sich das Melodische, K!angliche und Formale
fach gegebene Tatsachen hingestellt werden, die einheitlich bindet. Im übrigen bietet das Buch
raschen Fortschritt erlauben und die überall eine Fülle von musikalischen Möglichkeiten, die
kraftvolle musikalische Möglichkeiten schaffen, der Tondichter hübsch und gegensätzlich aus-
62 die <ler Komponist wirksam auszugestalten weiß, nutzt, überall mit besonderer Freude zum Grup-
f

,
/

pengesang ausgreifend. Die einzelnen Nummel'n, Beethoven und im letzten Meisterkonzert den ita-
durch gesprochenen Dialog getrennt, sind klar liener Leo Petroni im glanzvoll gespielten D-
gegliedert · und oftmals strophisch gebaut, wie Konzert von Mozart. Auch an den heimischen
man überhaupt an ihnen die Entstehung aus Solisten durfte man seine Freude haben, so an •
einem vorliegenden Schauspiel deutlich empfin- Kurt Beer, der mit wohlgeschliffener Technik
det. Sie wirken als lyrische oder moralisierende und ehrlichem Einfühlen das D-Konzert von Pa-
Einschiebsel, 'in tieren Versen der . Textdichter ganini bewältigte, an Willy Ludwig, der das Con-
viel Laune und schöne Form gegeben hat, die auf certino für Klarinette von Reißiger mit warmem
den jungen Komponisten doppelt anregen mußte. Ton blies, und an Ilka Ballies (Sopran), die mit
Man lauscht den Abenteuern des jungen Mül- Kurt Becker (Bariton) aus Glatz die Solopartien
lerburschen in der deutschen Märchenwelt und der Frithjof-Sage von Bruch vor allem im Lyri-
ihrer klugen Wirtin überall mit Vergnügen, auch schen mit großem Wohlklingensang. Für die
wenn die Musik den an sich schon lyrischen Text Frithjof-Sage waren die vereinigten Männerchöre
mehr im Sinne der heutigen Kantatenschöpfer unter Gerhard ArZt mit eingesetzt, die wieder den
,
von Bresgen bis Twittenhoff ausdeutet und ihrer- Beweis bester Diszipliniertheit und gründlicher
seits also auch nicht zu dramatischen Entladun- stimmlicher Schulung erbrachten. Als Gäste von
gen a~teigt. Aber man befindet sich stets in rei- besonderer Kultur: die Kammermusikvereinigung
ner, junger und künstlerischer Sphäre dort, wo der Berliner Philharmoniker mit Brahms und
die Erneuerung der deutschen Oper schon mehr- Beethoven. Wieder kamen Gastdirigenten nach
fach angesetzt ist und wo sie gewiß artgemäß Liegnitz. Hermann Behr (Breslau) leitete ein
und notwendig erscheint. Konzert "Beschwingte Musik" mit Carola
So nahm es auch das vollbesetzte Haus und Behr als gern gehörte Solistin in Schubert- und
zeichnete das Werk und die vortreffliche Auf- Brahms-Liedern und erschloß die ganze won-
führung unter Heinrich Steiner mit starkem Bei- nige Schönheit der Frühlingssinfonie von Schu-
fall aus, Cfemens Cunis. mann. Der in Görlitz lebende Emil Kühnel diri-
gierte die Liegniter Erstaufführung seiner "Dra-
Liegnitzer Musiktage. matischen Ouvertüre", des Vorspiels der Oper
Wieder haben erfolggesegnete Musiktage die "Horand und Hilde", die man mit freudiger Be-
sechsten ihrer Art einen ereignisreichen Kon- jahung aufnahm. '
• .zertwinter beschlossen. Sie standen wieder un- Das Städt. Orchester war an den Musildagen
ter der tatfreudigen Leitung des Städt. Musik- von einer besonderen künstlerischen Aktivität. •

direktors Heinrich Weidinger. Die Matthäus- In bester Erinnerung wird bleiben, wie z. B. die
passion von Bach unter der sorgfältigen und ge- Vierte Sinfonie in Es von Bruckner in ihrer far-
wislienhaften Leitung von Kirc:henmusikdirektor bigen und weitgespannten Romantik aufgeblüht

Otto Krause stand mit der Liegnitzer Oratorien- war. Beethovens Erste wurde dann der dankbar
vereinigung, dem Städt. Orchester und den aus- und mit frohem Herzen gehörte Schlußaltkord
gewählten Solisten als eine überzeugende, •
wür- der Musiktage. Städt. Musikdirektor Heinrich
dige Aufführung am Beginn der Musiktage. Dann Weidinger hat dem Liegnitzer Konzertwinter von
erlebte Liegnitz Wilhelm Kempff in dem präch- 1942/43 den Ruf eines großen künstlerischen Fort-
tig und durchgeistet gestalteten C-Konzert von schritts gesichert. Victor Thiel.,

Oper• .
BRE'SLAU. Wenn eine Aufführung der "Wal- düstere, z. T. mystisch umwobene Geschehnis gab
küre" nur mit Hilfe von vier, des "Tfistan" mit dem jungen Komponisten Anlaß, eine von starker
drei Gästen zu ermöglichen ist, dann können die innerer Dramatik erfüllte Musik zu schreiben, in .
kriegsbedingten Schwierigkeiten, mit denen un- der vornehmlich die Seelenkämpfe der Mutter
sere Oper zu kämpfen hat, kaum klarer in Er- ergreifenden Ausdruck gefunden haben. Trotz
scheinung treten. Andererseit wird mit der über- des unleugbaren Wagner-Vorbildes wußte Bran-
windung solcher Hindernisse das Verantwor- zeu dem Werk eine eigene Note zu geben. Mit
tungsgefühl Wagners Werk gegenüber umsomehr Geschick verarbeitet er rum'ä nische Volks- und
betont. Sie konnten auch dem zielsicheren Stre- Kirchenweisen als Motive und gibt der Oper einen
ben unseres Generalintendanten Schlenck nicht schönen, auf byzantinischen Choralmelodien auf-
Einhalt gebieten, der auf weite Sicht hin sämt- gebauten versöhnenden und erlösenden Ausklang.
liche Werke Wagners neu inszenieren will und Der Komponist war seinem Werk selbst ein her-
mit den "Meistersingerh", deren Dekorationen vorragender Dirigent.
und Kostüme nach Entwürfen von Benno von Starken Beifall fand auch das Ballett "Demoi-
Arent angefertigt wurden, sogleich einen glanz- selle Mariutza" von Mihai! Jora, das zu Beginn
vollen Höhepunkt erreichte. Eingedenk ihrer be- der Spielzeit aufgeführt' wurde. Das von Apriliana
sonderen Strauß-Tradition brachte unsere Oper Medianu geschriebene humorvolle Szenarium
als dritte Bühne das "Capriecio" zu erfolgreicher schildert den Sieg der mit den 48er Freiheits-
Erstaufführung. ArthuT Schmidt.
ideen aus Paris nach Bukarest zurückkehrenden
BUKAREST. An der Spitze der Bukarester Studenten, nach ihrem Gruß die .Bonjouristen ge-
staatsoper steht der bekannte rumänische Musi- nannt. Mihail Jora schrieb dazu eine geistvolle,
ker und Komponist Tiberiu Brediceanu. Das von einem leicht spöttischen Unterton getragene
Bestreben der Opernleitung ging bei der Gestal- Musik, die das damalige noch stark patriarcha-
tung des Spielplans naturgemäß von dem Grund- lisch-orientalische Leben Bukarests und den Ein-
satz aus, in erster Reihe Werke rumänischer bruch der westlichen Moderne um 1850 dem Zu-
Komponisten herauszustellen. hörer vorzaubert und rumänische Volksweisen,
Besonderen Eindruck hinterließ die einaktige türkische Märsche, die Marseillaise und den Wie-
Oper "Die erleuchtete Woche" von Nicolae Bran- ner Walzer mit einer am französischen Impres-
zeu, die auf einem von Constantin Pavel bearbei- sionismus geschulten Orchestertechnik gewandt
teten Einakter von M. Saulescu beruht. Das Z\l einem Ganzen vereint. Die erste Solotänzerin 63
der Bukarester Staatsoper Floria Capsali ~ab dem
Werk eine überaus beschwingte und Wlrkungs- gesprochen fühltl Auch hier wurde sie mit un-
volle choreographische Gestaltung. . gewöhnlich großer Wärme aufgenomm~n.
Als letztes rumänisches Werk wurde schhe~­ Hemz Hep.
lich gegen Ende der Spielzeit das Ballett ",Pn- HEILBRONN. Eine interessante AusgrabllD.g
culiciul" ( Der WerwOl!") von Zeno Vancea aus erlebte man im Stadttheater Heilbronn. Die bel-
der Taufe" gehoben, worin der KompOnist die den schwäbischen Dichterfreunde Ludwig Uhland
Geschichte der Übertölpelung eines in der ~aske und Justinus Kerner haben im Jahre 1809 zusam-
des Werwolfs Unfug treibenden Bauern mlt ru- me n eine Posse in zwei Akten" gedichtet, der
mänischen Volkstänzen untermalt. Neben die- " "Die Bärenritter" gaben, eme
sie den Titel . kl'e~e
Ben rumänischen Erstaufführungen umfaßte . der amüsante Harmlosigkeit, in der wir erfahren, 'Yle
Spielplan noch einige Werke rumänische~, Kom- zwei Maulhelden ausziehen, einen Bären ~u ~a­
ponisten, vor allem die Opern ,,Napasta ("Das gen, bewaffnet bis an die Zähne, und wie l~r
Verhängnis") von Sabin Dragoiu, dem Rektor der Maulheldentum von einem jungen wackeren ~lt­
Musikhochschule in Temeschburg, sowie "Alexan- ter verUlkt und zunichte gemacht wird, der Sich
dru Lapusneanu" (Name eines tyrannischen Mol- damit die Hand seiher Geliebten erobert. Schon
daufürsten des Mittelalters) und das Märchen- der ganzen Ablage nach war klar, daß die bei-
spiel .Capra cu trei iezi" ("Die Ziege mit den den Dichter sieh dieses Stück vertont vorgestellt
drei Zicklein") von dem moldauischen Komponi- hatten, war doch Uhland die Rolle des Lieder-
sten Alexandru Zirra, ferner das Singspiel "La dichters, Kel'ner die des ulkigen Text~s zugefal-
seceris" (,,Das Erntefest") von Tiberiu Bredice~u. len. Sie haben auch lange nach einem Kompo-
Der übrige Spielplan brachte an Ers~U~f~~~ nisten gesucht und ihn schließlich in einem
rungen für Bukarest Gtucks "Maienkorugm! Manne des Kernerkreises gefunden, in Friedrich
FLotows ,Martha", Kienzls "Evangelimann" ,md
das Ball~tt Don Morte" von Willckens, ferner Knapp. Aber Stück und Vertonung brachten .es
on ~~an, zu keiner Aufführung. Nun hat man in Hell-
an Neueinstudierungen
" Mozart " D " W~~_ bronn das Stücklein ausgegraben, der Spielleiter
ners Lohengrin", Verdis "Othello, Puccm~s
Mano~" und Massenets "Werther", während aus Hans Viehweg hat es überarbeitet und der Jenaer
Komponist Heinrich Funk dazu eine reizende,
dem ständigen Repertoire in dieser Spielzeit vor überaus wirksame Musik geschrieben.
·allem Figaros Hochzeit", "Rigoletto", ,,Der Bar-
bier ';~n Sevilla", "Tosca" und "Lucia" sowie Diese Musik zeigt, daß der Komponist von der
die "Fledermaus" wiederholt aufgeführt wm: den .
Kammermusik herkommt (Funk hat Werke sol-
cher Art geschrieben, er ist auch als Musikpäda-
Alfred Couhn. goge und Komponist von Liedern und Chören so-
DANZIG. Trotz den wachSenden K:Iegser - wie für den Funk bekannt), sie ist melodiös und
schwernissen hat sich die Oper auf der Hohe der versteht es, die einzelnen Personen und Situatio-
letz,ten Jahre halten können. Bei d~~ a.ndauernd nen einprägsam zu apostrophieren, Namentlich
starken Besuch konnte mehr auf gnmdhche Vor- ein Vorspiel zum 2. Akte ist bemerkenswert.
bereitung als auf raschen Wechsel Wert gelegt Sie unterstützte dies auf Art der opera buffa
I
werden. So brachte Karl Tutein ,~~e Reihe von gedachte und auch inszenierte kleine Werklein,
Repertoireopern in sauberen Aufführungen her- das sich so fast der kOmischen Oper näherte. Der
aus. Besonders lange konnte sich "Figaros .Hoch- Spielleiter WUßte eine kleine Schar von Schau-
zeit" in der Inszenierung Kurt Barres, mit der spielern, di.e auch als Sänger wacker ihre Pflicht
I
liebreizenden Gräfin Hild~gard 08.tk~p-Blumers, taten, witzig und einfalIreich zu 1iihren, sodaß
der wendigen Susanne Anne Pßrschl.ngers und der Abend zu einem vollen Erfolge wurde.
dem kultiviert singenden Alexander Kolo auf
dem Spielplan halten. In "Othello", "Aida" und -- Hans Franke.
in "Cannen (mit der vortrefflichen Erica ~och
it
KÖNIGSBERG I Pr. Die Kunstpfiege im Kö-
in der Titelrolle) stand nocheinmal vor semem nigsberger Opernhaus war auch im vergangenen
Scheiden der nach Breslau verpflichtete Helden- Winter außerordentlich .rege und die Teilnahme
tenor Heinz Kraayvanger ~ seinen b~sten Par- des PUblikums stark. An Neuinszenierungen sind
tien im Mittelpunkt. Mit lhm alterruerte Hans außer Wagners "Walküre" unter der Leitung
Rockstroh Neben dem heimischen Vertreter unseres Wagner-Spezialisten Staats-KM Wilhelm
(Waldemai- Bitzer) hinterließen als Holländer Franz Reuß, in der feinfühligen szenischen Be-
Kar! Kronenberg und als Rigoletto Hans Wocke treuung des Intendanten Max SpUcker (der be-
nachhaltigere Eindrücke. Eine Neuaufführung kanntlich inZwischen nach Wiesbaden berufen
von Janaceks ,Jenuja" erwies Wiederum die wurde), mit den Bühnenbildern Prof. Wahnkes
mehr den Elem'enten der Volksmusik als dem (Dresden) hauptsächliCh zu nennen: Rossinis
originellen musikdramatischen Sprechgesang zu "Angellna" in der einfallsreichen Regie Dr. Gün-
dankende Lebenskraft dieser Oper. Kur~ vo~ ther Rennerts und die Königsberger Erstauffün-
Torschluß kam noch Sutermeisters ,,zauben7l.$el' rung von Gi~rdanos "Andre Chenier". Auch hier
in einer schönen Aufführung unter Tuteins Lei- führte Rennert die Regie, di~ ihm mit dem Hin-
tung und der über der Märehenphantastik vor tergrund der französischen Revolution reizvolle
dem Opernhaften sich nicht scheuenden Regie AUfgaben bot. Der musikalische Teil lag bei KM
I Fritz SettgQ.$ts heraus. Endlich wieder eine Oper, Henry Thiel ebenfalls in besten Händen. Am
von der sicb nicht nur ein kleiner Kreis von Schluß der Spielzeit kam noch Smetanas "Ver-
Kennern, sondern dank ihrer Sinn fälligkeit und kaufte Braut" in einer reizend beSChwingten Neu-
ihrer stellenweise fast "allzu leicht" in die Ohren inszenierung. So manche Einstudienmg der vo-
fallenden Melodik auch das breite Publikum an- rigen Spielzeit bewährte auch in der neuen
kraftvolles Leben. Otto BeBch.
Berliner Konzerte.
Mancher Leser unserer Gemeinscha!tszeitschrift
wird erstaunt Bein über die ausfÜhrliche Bertick- soll darauf hingewiesen werden, daß die "Allge-
64 sichtigung des Berliner Konzertlebens. Deshalb meine Musikzeitung" diese Sparte besonders aus-
gebaut hatte, so daß man kaum eine Veranstal-


tung ausließ und daß auch "Die Musik" über eine Format als Geiger erneut unter Beweis. Kam-
ständig größer werdende Zahl von KonzerteQ be- mermusik in der Vollendung war ein Abend, den
richtete, seit die Tagespresse infolge zunehmen- Edwin Fischer-Kulenkampff-Mainardi in der Phil-
den Raummangels und Fehlens von Fachmitarbei- harmonie bestritten. Brahms, Beethoven, Schubert
tern nur sehr lückenhaft Konzerte würdigte. Die folgten aufeinander. Es ist nur widersinnig, daß
Reichshauptstadt hat nun einmal seit langer Zeit man eine die intime Besetzung des Klaviertrios in
eine Sonderstellung im europäischen Musikleben den größten Saal Berlins verpflanzt. Branka
errungen. Sie ist auch hier zum SChaufenster Musulin fand mit ihrem Klavierabend wieder
Europas geworden. Mag es also schon für die starken Widerhall. Kraftvoll und gesund meistert
"Arrivierten" nicht unwesentlich sein, wie ihre sie auch schwierigste Aufgaben (Schubert a-moll-
Berliner Veranstaltungen aufgenommen werden, Sonate), belebt sie das spielerische Figurenwerk
so ist es unter Umständen für die neu Hinzukom- Scarlattis, währen,d .der Bachvortrag noch Vertie-

menden von entscheidender Bedeutung, welchen fung verträgt. Mit Chorwerken von Brahms be-
Widerhall das Berliner Auftreten findet. Daher stritt die Singgemeinschaft Rudolf Lamy einen
bemühen wir uns um weitgehende Einbeziehung, eindrucksvollen Abend zum 110. Geburtstag des
obwohl Vollständigkeit auch wiederum aus Raum- Meisters. Die durchweg achtbaren Leistungen gip-
und andern Gründen nicht erreicht werden kann. felten in den Gesängen für Frauenchor mit Be-
gleitung von 2 Hörnern und Harfe.
• Herbert Gerigk.
Bei Furtwängter klang die Spielzeit erst Ende
Juni mit dem traditionellen Beethovenabend aus, Der Pianist Helmut Roloff spielte mit sicherem
der infolge Erkrankung des Meisterdirigenten technischem Können zeitgenössische deutsche Kta-
um einige Monate verschoben werden mußte. viermusik. Max Trapp eröffnete mit der spiele-
4. Sinfonie, Coriolan-Ouvertüre und die Fünfte risch-bewegten, durch einen recht gehaltvollen
wurden von den Berliner Philhaunonikern, die Mittelsatz ausgezeichneten a-moll-Sonatine op. 25
gerade von Spanien und Portugal zurückgekehrt eindrucksvoll die Vortragsfolge, die neben den
waren, mit einer Besessenheit gespielt, die sich bereits gewürdigten Klavierstücken op. 22 von
nur unter Furtwänglers Führung in diesem Aus- Fritz von Borries die originellen und lebendig
maße ergibt. Einzelheiten wichen zugunsten der empfundenen Studien "Rondo und Geschwind-
Wirkung vom strengen Partiturtext ab, aber wer marsch aus den Tanzvariationen für Klavier" von
wird deshalb mit Furtwängler rechten! Es gibt Paul Hötter, fünf unbeschwert-unterhaltsame
heute im Konzertsaal keinen Musiker, der uns Tanzweisen von Ernst Pepping, die "Spinett-
stärker aufzuwühlen vermag. • •• • musik" (mit freudigem A-dur-Schluß) von R.
Von ~den vielen Veranstaltungen nur emlge In Wagner-Regeny, einen knapp geformten Tanz von
Auswahl. Ein Kammerkonzert der Staatsoper un- Gottfried von Einem und zum .ttbschluß das •
ter der Leitung von Georg Kniestädt brach~e eine freundlich-ansprechende "Rondo nach schwäbi-
köstliche konzertante Sinfonie für 7 SolOInstru- schen Volkstänzen" von Wolfgang Fortner ent-
mente und Kammerorchester von Karl Stamitz, hielt. Abzulehnen ist die Wahl des allzu schmis-
die für unser Ohr sehr in die Nähe Mozarts rück- sigen. unserem deutschen Musikempfinden zu-
te. Welche Lebenskraft steckt in vielen dieser widerlaufenden Klangexperiments der Sonatine '
Meisterwerke, die niemand kennt! Die .Künstler op. 14 Nr. 2 des Vierteljuden Borls Blacher.
der Staatskapelle boten durchweg Spitzenleistun- Ein KompositioIlSabend von Fried Walter im
gen. Die 2. Sinfonie von Max Trapp kam unter Charlottenburger Schloß, der mit Aufführungen
Hermann Abendroth mit den Berliner Philharmo- von Liedern, Balladen und Kammermusik auf-
• n.ikern in einer Neufassung heraus, die vor allem wartete, zeigte 'ein gewandt und lebendig bemüh-
eine Vereinfachung der ursprünglichen Riesen- tes Können, das hinsichtlich der Einfälle und
besetzung enthält. Die Sinfonie fand vor 20 Jah- ihrer Durchformung aber noch nicht in vollem
ren eine sensationelle Aufnahme und mit· einem Maße den liedgemäßen und kammermusikalisehen
Schlage galt Trapp als eine unserer großen Hoff- Erfordernissen gerecht wird. Den mit dem Büh-
rmngen. Heute haben wir bereits Abstand zu dem nenwerk "Andreas Wolfius" erfolgreich als Opern-
Werk gewonnen, das in seiner Klangfülle Richard komponist hervorgetretenen Tonsetzer möchte
Strauß verbunden und auf klar geprägter melodi- man vor allem noch eine Vertiefung der seeli-
scher Erfindung aufgebaut ist. Gerhard Taschner schen Ausdruckswerte wünschen. Die Soprani-
• spielte geigerisch besessen das Beethovenkonzert. stin Bep Walter, die mit ihren allzu harten und
Zum Grieg-Geburtstag widmete der Pianist Bir- offenen Fortetönen in der Höhe den Anforderun-
ger Hammer seinem Landsmann einen Klavie~­ gen des Konzertgesanges nocl). nicht zu entspre-
abend dessen Höhepunkte eine Folge norwegI- chen vermag, der Tenor A. F. Buschmann, Lise-
scher 'Bauerntänze und die Ballade in Form von lotte Weiske (Violine), Dora Wagner (Harfe) und
Variationen waren. Günther Ramin am Cem-
balo bedeutet gesunden Zusammenklang von höch- R. Jauch (Bratsche) und der mehr solistisch-
ster Virtuosität und bestem Musikantentum. Ein kraftbetont als feinfühlig-begleitend mitwirkende
Solowerk von J. L. Kr.ebs und dann das Zusam- Komponist setzten sich mit hingebendem Bemü-
menspiel mit der Gambe von Sylvia Griimmer hen für die Wiedergabe der schwierigen und oft
ließen alte Musik lebendig erstehen. problematischen Werke ein.
Der neue Operndirektor des Deutschen Opern- Im AUSlandspresseklub bot Conrad Hansen ein-
hauses Hans Schmidt-Isserstedt wurde bei seinem drUCksvolle Proben seiner leidenschaftlich-kraft-
Antrittskonzert in der Philharmonie von den Ber- vollen, auf monumentale Wirkungen bedachten •

linern stÜrmisch ge~eiert. Das Orchester des Deut- Klavierkunst, _die in Schumanns "Davidsbünd-
schen Opernhauses war in seiner Hand ein hoch- ler"-Tänzen und in Werken von Schubert und
wertiges Werkzeug. Schmidt-Isserstedt zeichnet Chopin glanzvoll zur Geltung kam.
sich am Pult durch unbedingte Klarheit aus. So Eugen J ochum und die Philharrnonikerhörte
gegensätzliche Werke wie Beethovens 2. Sinfonie man mit der für den jungen, anwesenden Kom-
und "Macbeth" von Richard Strauß wurden i.n ponisten Jan Koetsier erfolgreichen Erstauffüh-
ihrer Eigenart vortrefflich erlaßt. Wolig. Schne.t- rung einer "Sinfonischen Musik", die den sinfoni-
derhaft. stellte mit Mozarts A-dur-Konzert sem schen Gedanken in einsätziger Form eigengeprägt 65


• •

und mit beachtlicher Instrumentationskunst be- weltanschaulich völlig unzeitgemäßen Text des
bandelt und als kraftvoll-musikantische Talent- zweiten Liedes abgesehen in diesem mit be-
probe Beachtung verdient. Als überlegene und achtlichem Können geformten Zyklus recht ein-
ungewöhnlich begabte Solistin des schwierigep drucksvolle Proben einer freundlichen und an-
Violinkonzerts von Sibelius, das Jochum und die sprechenden Lyrik gibt.
prachtvoll sich einfühlenden Philharmoniker mei- Für den erkrankten rumänischen Dirigenten
sterlich begleiteten, wurde Guila Bustabo mit GeQrgescu, der ein Konzert der Philharmoniker
Recht stürmisch gefeiert. Die letzte Veranstal- leiten sollte~ war Richard Kraus eingesprungen;
tung der "Konzerte junger Künstler" galt dem mit bewundernswerter Einfühlung und Sicher-
Streben der beiden jungen Künstlerinnen Hilde- heit fÜhrte der mit den hervorragend mitgehen-
gal'd Mayerweg (Rom) und Cläre LangeT (Katto- den Philharmonikern bereits vertraute G.ast aus
witz), einer mit einem reizvollen und beweglichen Halle die vorgesehene Vortragsfolge durch, die
Sopran begabten, musikalisch bemerkenswert si- mit der unbeschwert-schwungvollen, von rumä-
cheren Sängerin, die vor allem als Opernsoubrette nischem Volksgut angeregten Rumänischen Rhap-
und im Vortrag anmutig-humorvoller Lieder noch sodie A-dur von Enesco wirkungsvoll eröffnet
Treffliches leisten wird, und einer fortgeschrit- und von der sehr klar wiedergegebenen 1. Brahms-
tenen, bereits sehr tüchtigen Pianistin von zuver- sinfonie beschlossen wurde. Meisterlich Ludwig
lässiger Technik. Hoelscher mit dem Cellokonzert von Schumann!
Zu Ehren des siebzigjälu:igen Hugo Rasch fand Im 3. Beethoyenkonzert des Städtischen Or-
auf Einladung der Fachschaft Komponisten in der chesters entfaltete Max Strub im Violinkonzert
Reich.musikkammer in den Räumen der KddK. seine große, reife Geigenkunst, begeisternd. In
ein Konzert statt, das dem reichhaltigen Lied- engster Werkverbundenheit musizierte Fritz Zaun
schaffen des Jubilars gewidmet war. In den zehn mit seinem verdienten Orchester die "Fidelio"-
Jahren seiner unermüdlichen Arbeit für die Fach- Ouvertüre und die 5. Sinfonie als mitreißende
schaft Komponisten hat sich Hugo Rasch durc~ Rahmenwerke. Im Bachsaal hörte man Mary
die seit sieben Jahren planmäßig ausgebauten Hannikainen mit einer ansprechenden und treff-
Konzerte zur Pflege der zeitgenössischen Kam- lich geschulten, zwischen Sopran und Mezzo-
mermusik, in denen bi~her 215 Komponisten mit sopran einzuordnenden Stimme. Zur vollendeten
517 Kompositionen aufgeführt wurden, besondere Begleitung Michael Raucheisens gab es neben
Verdienste erworben. Die treffliche Auswahl aus Schubert, Reger, Kilpinen, Sibelius Proben einer
dem Liedwerk Hugo Raschs, für die sich zur freundlichen, mitunter Schumann verpflichteten
Meisterbegleitung Michael Raucheisen, Tiana Lyrik von Peter Heise. Mit löblicher Einsatz-
Lemnitz, Willi Domgraf-Faßbaender und Helmut bereitschaft für das zeitgenössische Schaffen hatte
Neugebauer mit überlegener Vortragskunst ein- Kurt Schuben die Uraufführung der v:ier Kla-
setzten, fand mit ihrer melodiebetonten Dekla- vierstücke opus 22 von Fritz vön BOTries über-
mation, ihrer reizvollen Harmonik und ihrer nommen, die als wohl gekonnte tecMische und
schlichten Ausdruckskraft den lebhaften Beifall kl~~lic~e Studien auf der Grundlage einer eigen-
der zahlreichen Hörer. willIg-dissonanten Harmonik reizvolle Einzelzüge
Die vor kurzem gegründete Deutsch-Rumäni- aufweisen. Kurt Schubert erwies sich wieder als
sche GeseLLschaft hatte in dem neuen, schönen bewährter, techniscb-brillanter Spieler.
und würdigen Heim in Dahlem zu ihrem ersten In der Philharmonie gab Karl GeTbert einen'
Hauskonzert eingeladen, das auch der kgl. rumä- Bruckner-Morgen. Mit einem eigens zusammen-
nische Geschäftsträger in Berlin, Gesandter Sta- gestellten, tüchtigen Sinfonieorchester, den wir-

neset', mit seinem Besuch beehrte. Das von Pro- kungsvollen Gesangssolisten Aenny Siben 001'0-
fessor Theodorescu geführte, an den übrigen Pul- thee Neumann-Winkter, Gustav Rödin und Niko-
ten mit den Herren J etescu, Radulescu und Fotino laus Sahajda, und einer aus dem Städtischen Chor
besetzte ausgezeichnete rumänische Streichquar- Potsdam, ' dem Potsdamer Männergesangverein
tett bot mit dem beschwingten und ausdrucks- und dem Chor des Konservatoriums Klindworth-
vollen Vortrag des gehaltvollen, harmonisch küh- Scharwenka g.ebildeten, hingebungsvoll singen-
• nen Streichquartetts opus 9 des jetzigen Konser- derl Chorgememschaft konnte der Dirigent mit
vatoriumsdireJ,rtors in Bukarest, M. Jora, und der Klarheit und zuverläSSiger Werkkenntnis zwei so
bewl1ndernswert einfühlsamen Wiedergabe eines anspruchsvollen Werken wie der 3. Sinfonie und
Mozartquartetts begeisternde Proben seiner mei- ~em glanzvolle~ "Te Deum" -eine würdige I und
sterlichen Kammerkunst. Im AUfgabenbereich hebevolle Auffuhrung bereiten. Die Finnin
der Truppenbetreuung der SS. ver~nstaltete das Aune Antti, die ihrem schönen, hell strahlenden
SS.-HatLptamt mit dem NS.-Symphonieorchester Sopran alle Feinheiten tief erfühlter und erleb-
,
aus München ein mit sehr anspruchsvollen Wer- ~er Au~.drucksgestaltllng zu geben vermag, feierte
ken aufwartendes Sonderkonzert in der Philhar- m Gesangen ,von Händel, Beethoven, Brahms, R.
monie. Unter der kundigen und Lei- Strauß und m Werken ihrer Landsleute Kuula
tung von Erlch Kloß bestätigte das oft bewährte Sibelius und Kilpinen neue Triumphe. Oe;
Orchester mit den virtuos gekonnten Verdi· Cello-Abend von Chrystja Kotessa im Beethoven-
Variationen von Robert Heger und der 4. Brahms- saal, der zur sicher angepaßten Begleitung Ger-
sinfonie erneut seine ausgezeichneten Fähigkei· h~rt Puchetts zum Teil seltene Werke von Res-
ten. Emmy Braun fügte sich als Solistin des G- plghi, Beethoven, Brahms, Boccherini, Granados
dur-Klavierkonzerts von Beethoven trefflich iri und Dvorak vermittelte, bestätigte aufs neue das
den Rahmen des erfolgreicben Abends ein. In bedeutende, durch sicherste technische Beherr-
der SIngakademie warb Corry Nera-Lothar, die schung, sehr schöne Tongebung und feinsinnige
ihren klaren Sopran sicher und ausdrucksvoll be- Werkdeutung ausgezeichnete Können der jungen
herrscht, mit bestem Gelingen für eine Folge zeit- Cellistin.
genössischer Liedkunst. Neben den reizvoll-an- In der Philhannonie wurde das Sonderkonzert
mutigen "Toskanischen Liebesliedern" von E. der Wiener PhiZharmpniker- zu einem künstleri-
Wotf-Fe1'Tari und Gesängen von Richard Strauß schen Ereignis. Die Tradition höchster deut-
hörte man als fesselnde Uraufführung sechs Alt- scher Musikkultur von Haydn bis Bruckner lebt
66 deutsche Lieder von Mark Lothar, der von dem in diesem herrlichen Orchester fort, das den Geist


und den Ruhm der Musikstadt Wien weit über Gesamtschaffens, von dem der Abend einen gut- ,
die Grenzen unseres Vaterlandes hinausträgt. Die gewählten Querschnitt bot. In ihm brachte Henny
mit,eißend musikantische Hingabe jedes einzel- WoltJ sein Liedschaffen würdig zur Gelt1Jng, am
nen Spielers und die begeisternde Schönheit des Flügel umsichtig begleitet von Sebastian Peschko.
beseelten, bei aller Weichheit doch prachtvoll Edelste GUitarrenkunst bot der spanische Mei-
großen Streicherklangs, dem die unübertrefflich ster Sanchez GTanada in der Singakademie. Seine
edlen Holz- und Blechbläser an Ausdruckskraft hohe Klangkultur kam den erwählten Menuetten,
ebenbürtig zur Seite stehen, ließ Wilhelm Fort- Gavotten und Liedern Sors (eines Zeitgenossen
wängZer als überragender Meister dieses feinfüh- Schuberts), Bachs und Mozarts zugute, wie auch
ligen Instruments im idealem Zusammenwirken Grieg und den Zeitgenossen Albeniz und Sanchez
zur letzten Entfaltung gelangen. Die vielgerühmte Granada selbst.
Orchesterkultur erwuchs in· der Ouvertüre zu In einem Konzert der Gemeinschaft junger Mu-
Kleists "Käthchen von HeHbronn" von Hans siker setzte sich Hans Beltz mit dem lyrisch aus-
Pfitzner, in Schuberts "Unvollendeter" und in der drucksbetonten Geiger Rudolf Schutz für Kom-
wahrhaft aufwühlend musizierten "Eroica" von mas Sonate, mit dem klangvollen Cello Walter
Beethoven zu der Höhe absoluter Vollendung. Der Lutz' für K)lrt Hessenbergs noch eindrucksvolle-
stürmische Beifall wurde durch die zwar stili- res op. 23 erfolgreich ein, das überzeugendes Pa-
stisch kühne, hier aber durchaus mögliche Zu- thos entwickelte, wenn auch schon im Rahmen
gab~ des mit allen Reizen Wiener Musikanten- neuzeitlicher Haltung und Tonsprache. Karl Mi-
turns gespielten "Kaiserwalzer" von Joh. Strauß chael Komma dagegen baut seine vier Sätze ledig-
reich belohnt. Erwin Völsing. lich aus dem Musikantischen seiner sudetendeut-

• .s chen Heimat gesund und kraftvoll-schlicht auf.
Der Oratorienverein brachte, von seinem alt- Beide dankbar aufgenommenen Neuheiten wur- •
bewährten Leiter MD Joh. Stehmann sicher und den durch Trios von Mozart und Beethoven um-
• rahmt.
ruhig geleitet,- Haydns "Jahreszeiten" mit chori-
scher Disziplin und Sicherheit besonders in den Karin Bünte-Ohlsen sang in 'der Singakademie
Fugen und anspruchsvolleren Chorsätzen. Neben mit vollentwickelter, dunkeltöniger und anspre-
• beiden Solisten Erich Zimmermann und , Kurt chend timbrierter Stimme sehr ausdrucksvoll je
Wiehmann begeisterte besonders Lore HotJmann Wnf Robert Franz-, Schubert- und Brahmslieder •

dutch das Schmiegsame und Tragende ihres hel- mit weiteren Zigeunerliedern, deren Haltung so
len Soprans. erlebt nordisch war, daß man gern jene Paprika-
würze vermißte, die ja Brahms selbst nicht ei-
In der Philharmonie fügte das Kölner Kammer- gentlich wollte. So rundete sich der Abend zu si-
orchester sich ein weiteres Ruhmesblatt bei durch cher festgehaltener Grundstimmung, zu der auch
• eine sehr eindrucksvolle Aufführung der "Kunst die Begleitung- Prof. eh. Büntes viel beitrug .
de,r Fuge" Bachs in der Bearbeitung der Urfas- Den Schumannsaal füllten Freunde selten ge-
sung durch ErichKraack, der zugleich als stil- hörter Klavierduos, um dem schönen Zusammen-
sicherer Leiter dies wunderbare Ensemble leitete, wirken von Lore und Heidi Walterspiel zu lau-
das sich den Musiziergeist seines früheren Be- schen. In schwesterlicher Einstimmung bis auf
seelers Hermann Abendroth zu bewahren wußte. die ~einste Schattierung und Feinheit kammer-
Im Bachsaal bewiesen drei blinde Musiker, musikalischen Ausdrucks brachten sie Werke von
welch hohes Künstlertu1'l;l trotz allem von ihnen Mozart, Schubert und Reger. ,
erreicht werden konnte. Virtuos geigte Maximi- Die ideale Zweisamkeit Elly Ney Ludwig Höl-
lian Hennig zwei Konzertsätze Dvo];aJ(s und die scher füllte den Beethovensaal zu beiden Kon-
Corellivariationen TartiniS, zeigte sondere beson- zerten, die Beethovens sämtliche fünf Cellosona-
dere Stärke aber in der Bewältigung all der Griff- ten und drei Variations-Duette unvergleichlich
brett- und Bogenschwierigkeiten der 24. Paga- boten.
nini-Caprice. Seinen in Atem, Treffsicherheit und In der Singakademie errang sich die Geigerin
lyrischen Ausdruck gleichgut durchgebildeten Te- Helene Mikulaschek nach langsamem Erwarmen
nor bewies Alfred StoeekeZ an Schubert- lind sicher und überzeugend mit der Cäsar Frank-
Straußliedern, von Franz Bollon begleitet. Ein Sonate eine Gemeinde. Gerhard Puchelt beglei-
nicht minder aus dem Innersten beseeltes Musi- tete stilsicher die Sonaten von Porpora, Sibelius
zieren bot Adolf Weiß mit Klavierwerken Beet- und Beethoven, bei denen cUe Violinistin hohes
hovens und Brahms wie Regers, selbst in verwe- technisches Können und sich bald freispielende
gener Sprungtechnik sicher und gestaltet.
Gestaltungskraft bewies. lIelene GreU sang
Das Eckardt-Quartett errang einen wohlver- mit guter Aussprache und feinem Stilgefühl Lie-
dienten Erfolg mit den Streichquartetten von Dvo- der von R. Strauß, Hugo Wolf, Armin Knab und
rak und Mozart, zu dessen A-dur-Quartett sich Sibelius zur Begleitung Ferdinand Leitners, wo-
noch Prof. Gustav Scheck mit seiner Flöte ge- bei auch die Proben des finnischen Komponisten
sellte. Alle fünf Künst'er setzten sich für die Ur- wirksamst zUr Geltung kamen. Elisabeth Eiche
aufführung eines Quintetts von H. Lange eip, das •
entwickelte klar drei Präludien und Fugen aus
fOl'msicher und handwerklich gut aufgebaut ist,
im Melodischen aber noch kein genügendes Ge-
Bachs "Wohltemperierten Klavier", _erprobte sich -
mit Erfolg an Beethovens As-dur"'Sonate uQd
gengewicht zu der stark, fast obstinat betonten überzeugte besonders in Schumanns Kinderszenen
Rhythmik (besonders der Ecksätze) aufbrachte. - und bei Chopin. Mit dem Dresdner Kreuzchor
Die NSG "Kraft durch Freude" Gau Berlin be- setzte sich Kreuzkantor Prof. RudoU Mauersber-
ging den 70. Geburtstag Max Regers mit einer ger für Ernst Peppings Liederkreis "Der Wagen"
Gedächtnisfeier in der Staat!. Hochschule. Prof. (nach Josef Weinheber) ein, ohne diesem neue-
Heinrich Boell umrahmte das Ganze mit Orgel- rungssüchtigen Chorsatz zu überzeugendem Er-
werken, der gewaltigen Bach-Fuge U. a., während folg helfen zu können. Weinhebers Sprachmusik
das Fehse-Quartett des unvergänglichen Meisters und Peppings seltsame Vertonung stellten glelch
E-dur-Quartett rein und beseelt zu Gehör brach- eine ganze Zahl von Problemen zur Diskussion.
te. Prof. Fritz Stein sprach über die seit Regers Ilse Petersen sang im Beethovensaal eine reiche
allzufühem Tode (1916) mächtig und stetig an- 1Jnd feinwertende Auswahl von Hugo Wolfliedern.
wachsende Bedeutung und Anerkennung seines Tiefes Einfühlen, unterstützt durch gute techni- 67



I
sehe Durchbildung gewährleistete den Erfolg, Mi- konnte mit einem dankbar bejubelten Konzert des
I
chael Raucheisen am Flügel. Leonore Predöhl Stabsmusikkorps des H-F" shauptamts ~n­
sang, unterstützt von GMD Heinrich Steiner l!'ußer ter der klargeprägten Leitung H-Obersturmfüh-
Reger, Hugo Wolf und Richard Strauß zweI Ur- rers Franz Schmidt ihre erfolgreichen Konzert-
aufführl,lngsgruppen: recht glückliche, neuere Lie- reihen der letzten sieben Monate abschließen, in
der von Richard Winzer sowie Lieder Siegfried denen 114 Konzerte 150 000 Musikfreudigen ernste
Burgstatlers, die auch durch ihre Textwahl auf- wie heitere Musik durch erste Künstler brachte.
fielen. Im Schumannsaal stellte sich Kurt Poch In diesem Abschlußkonzert sang Peter Anders
mit Liedern von Schubert bis zu Wolf-Ferrari und Mozartarien, dazu einiges von Puccini.
, I
Paul Graener erfolgreich vor, obwohl sich manch- Höhepunkt des Kammermusikkonzerts der Preu-
mal der Wunsch regt, der junge Sänger möge ßischen Akademie der KÜnste in der Singakade-
auch durch physische EntwiCkelung all das mit- mie war das 3. Streichquartett Hugo Kauns, das
bekommen, was der Weg zum Erfolg fordert. Ko- zu seinem 80. Geburtstag durch das Kalki-Quar-
sti Vehanen begleitete am Flügel sicher und über- tett würdig und mit a11 den feinen ülergängen
legen-führend. und Klangmischungen wiedergegeben wurde, die
Das Städtische Orchester leitete seine Sommer- seine reife Kunst kennzeichnen. Zum fesselnd ge-
• konzerte im auch akustisch recht pefriedigenden formten Sextett Otto Wittenbechers (Musikhoch-
Naturtheater Friedrichshagen schwungvoll mit schule Leipzig), der persönlich danken konnte,
Webers Euryanthe-Ouvertüre ein. GMI) Hermann wirkten noch Baß, Klarinette, Fagott und Horn
Stange wußte den ..Römischen Brunnen" von O. (Staatskapelle) in eindrucksvoller Geschlossenheit
Respighi mit ihren tonmalerischen Feinheiten ge- mit. Mit w~niger Erfolg setzten sich vier Klari-
recht zu werden, wie dem Feuer des "Don Juan" netten für ein Divertimento des jungen Wieners
, bei Richard Strauß, während Dvoraks "Scherzo Alfred Uhr ein, dessen Linienzeichnung noch kei-
capriccioso" vielleicht noch mehr Geschmeidig- neswegs für die Selbstaufgabe bunterer Farb-
keit 1md tänzerische Anmut vertragen hätte. - werte im Instrumentarium entschädigen konnte.
Das Bläserquintett Mau-Rast-Knobel-Hübner-We- - Im Schumannsaal spielte Felicitas Kukuck (am
ber setzte sich mit vollem Gelingen für die frische Flügel, auch Blockflöte) 7 eigene Kompositionen
Suite "Aus Litauen" von Max Laurtschkus -ein. mit fünf Mitwirkenden: Prof. Gustav Scheck be-
Auf dem oI'iginalen Hammerflüge1 (von 1742) gleitete auf der Flöte drei schlichte Lieder (nach
und mit dem Violinbogen der StaaUichen Insq:u- Bruno Goetz), von Margarethe von Winterfeldt in
me,ntensammlung musizierten Fritz Neumeyer und Uraufführung gesungen. Irmgardt Veidt-ZöUkau
Jost Raba an zwei Abenden im Eosandersaal alle spielte die Bratschenvariationen und begleitete
zehn Mozartsonaten in vorbildlicher Stilreinheit . die Sopranistin zur weiteren Uraufführung: den
lmd musikalischer Frische, wobei die karnmer- "Zaubersprüchen". Alle sieben Kompositionen
musikalischen Vorzüge solcher Hammerflügel (MO- bleiben in recht bescheidenem Rahmen, fanden
zart selbst allerdings bevorzugte die von Stein) aber herzlichen Beifall in ihrer Freude unver-
so überzeugten, daß ihre Verunglimpfung durch künstelten, anspruchslosen Musizierens, einmalig
Voltaire, der dem "königlichen Cembalo" den Vor- vom HallS und engeren Freundeskreise in .d en
zug gab, durchaus widerlegt wurde. Die DAF. Konzertsaal verirrt. Friedrich Basar.

ALTENBURG (Thür.). Die Staatßkapelle brach- drei Symphonien, der seltenen Chorphantasie und
te als Solistin E. Reichelt (Dresden), die mit le- dem G-dur-.Klavierkonzert heraus, von Gieseking
bensvollem Vortrag eine Reihe von Glanzstücken in endgültiger Formvollendung erschöpft; von
aus dem Repertoire des Koloraturgesanges zur Brahms wurden u. a. die Variationen des Anto-
Darbietung brachte. Gelegentlich des Gedenk- nius-Chorals in markanter Ausprägung gespielt;
tages für die Gefallenen der Bewegung stand Bruckner erschien mit seiner dritten und fünften
R Stephans "Musik für Orchester", O. Respighis Syxnphonie in der Originalfassung. 'V on Mozart
Orchesterbearbeitung von J. ·S. Bachs "Präludium stand neben dem B-dur-Klavierkonzert, das der .
und Fuge in D-dur" und R. Strauß' "Tod und hochtalentierte junge Salzburger Gilbert Schuch-
Verklärung", das Kapitel "Hektors Bestattung" ter musizierte, das Flötenkonzert in D-Dur, von
aus Homers Iliade, das von E. Sattler (Volks- Kammermusiker Hermann Bremer virtuos ge-
bühne Berlin) vor dem Hintergrunde der melo- blasen. Georg Kulenkampff kam mit dem Violin-
dramatischen Tondichtung Botho Siegwarts mit konzert von SibeHu8, Gerhard Taschnel' mit
- ausreichender sprachkünstlerischer Gestaltung Brahms und Mozart zu Erfolg. Mit dem Bruch-
gelesen wurde. Starken Beifall fand G. Taschner Konzert führte sich Giulia Bustabo vorteilhaft
als gefeierter lnterpret des Violin-Konzerts von ein. Die romanische Musik kam npr mit Ver-
Beethoven. E. Bodart. der Leiter dieser Kon- dis Requiem heraus, dessen Aufführung mit
zerte, bewies in den umrahmenden Werken (Re- einem klangSChönen, stimmlich gepflegten Chor
spighi: "Römische Fontänen", Bodart: ,,Kleine aufwarten konnte. .
Serenade" (op.- 11) und Sibelius' "Finlandia") seine
technisch vollendete, stets auf die Tiefe gerich- Durch zwei Ur- und vier ErstauffÜhrungen gab
tete und stilistisch modulationsreiche kapellmei- GM SChnackenburg Einblick in das sinfonische
sterische Künstlerschaft. Ruaolf Hartmann. Schaffen der zeitgenössischen Tondichter. Die
Resonanz im traditionsfesten Bremer Publikum
BREMEN. Sechsundzwanzig Sinfoniekonzerte zeigte bis auf die rückhaltlose Anerkennung für
vor ausverkauften Sälen, davon eines mit den Bergers "Legende vom Prinzen Eugen" ein bei
Berliner Philharmonikern unter Carl SChuTicht, aller harmonischen und instrumentalen Kurz-
gaben dem Bremer Musikleben das Rückgrat und ~ei1igke~t wirkungs echt kOnzipiertes Werk
akzentreiche Prägung. GM Hellmut Schnacken- eme typISche Reserviertheit, die aber keineswegs
burg zeigte in seiner Programmgestaltung um- in ,m usikalischer Unsicherheit oder
fassende Vielseitigkeit. Sein besonderes musik- des Geschmacks wurzelt. Von Harald Genzrner
philologisches Interesse galt den vier großen "B". erlebte die "Bremer Sinfonie" eine beifällig auf-
Von Bach wurde ,,Die Kunst der Fuge" in sub- genommene Uraufführung. Außerdem setzte sich
68 tiler Darstellung gebracht; Beethoven kam mit

GM SChnackenburg mit der Uraufführung einer


,

Orchesterphantasie (Nr. 3 in F'-dur) für den in seIner Vaterstadt aa:stierende Leopold Reich-
Rheinländer SehZbach ein, der mit starkem mu- wein bot mit Kattnigs Capriccio espagnola vor-
sikalischem Temperament und Formgefühl ein nehme Unterhaltungsmusik. Max Trapp begei-
stimml.l ngsreiches sinfonisches Gemälde schuf. sterte persönlich mit der Neufassung seiner
Gegenüber Bergers "Legeno.e", folgten mit Ab- 2. Sinfonie. Das in . Gegenwart des Komponisten
stand Hessenberg mit se.i nem thematisch inter- von Wüst erstaufgeführte virtuose Capriccio für
essanten Concerto grosso, Westermann mit der großes Orchester von 11. Degen interessierte in
geschmackvollen Serenade op. 7 und Höller mit erster J.inie durch die Kunst der Instrumentation.
seinem wohlklängerischen Cello konzert, das Höl- Der ungarische Dirigent BeJ.a von CziZlery machte
scher wirkungsvoll interpretierte. mit Pizzinis gigantischer symphonischer Dichtung
Bremens hohe kammermusikalische Tradition Dolomit! und Kodalys schillernden Tänzen aus
• (es wird wohl kaum in einer Stadt so umfang- Galanta bekannt. In einem eindrucksvollen Son-
reich und liebevoll im Kreise der Hausmusik das derkonzert verabschiedete sich GMD Wüst als
Streichquartett und -trio gepflegt wie in Bremen) Konzertdirigent von Breslau, wobei er Gegen-
hatte naturgemäß wiederum alle namhaften Kam- stand begeisterter Huldigungen war. Die von
mermusik-Vereinigungen angezQgen. Zu ihnen ihm ebenfalls geleiteten Kammer-Sinfoniekon-
traten neue wie das SChneiderhan-Quartett, das zerte im Schloß mußten wegen ihrer wertvollen
sich u. a. mit einem minutiös musizierten" präch- -Vortragsfolgen stets wiederholt werden. Sie
tig polyphonen Reger (dem opus 109 in Es-dur) schöpften aus dem kostbaren, zum Teil unbe-
einführte, und die Triogemeinschaft Aeschbacher- kannten Gut unserer Vergangenheit, ohne dabei
Strub-Cassado. Das Quartetto di Roma und das die Gegenwart zu vergessen und gaben gleich-
Poltronieri-Quartett vermittelten zeitig Mitgliedern unserer Philharmonie Gelegen-
Werke von PaesieUo und Malipiero. Durch blü- heit, ihr hohes solistisches Können unter Beweis
hende Schönheit des Klanges fiel das Jan Dah- zu stellen.
men-Quartett mit seinem Beethoven-Abend auf. Reichbedacht war auch das Gebiet der Kam-
Kammermusik in geschliffener Reinkultur bot mermusik. Neben den berühmtesten Vereini-
Georg Kulenkampff einmal mit Siegfried Schultze gungen dieser Art, die hier konzertierten, darf
(Brahms), dann mit Wilhelm Kempff (Beethoven). auch unser Schlesisches Streichquartett nicht ver-
Carl Seemann hatte mit dem im strengen Bach- gessen werden. Als Erst- bzw. Urauffiihnmg er-
Stil gespielten gesamten Suiten- und Partiten,- klangen ein gehaltvolles Sextett des Südostmär-
Werke von J. S. Bach dem Hörer eine an Umfang kers Lucerna und ein Streichquartett Carlos de
und Inhalt fast zu anspruchsvolle Aufgabe ge- Freitas. In Fortsetzung der im vergangenen Jahr
stellt. Reizvoll daneben Kempfts Bachspiel. Zu im Zeichen Schuberts begonnenen Breslauer Mu-
den HÖhepunkten der 1qlmmermusikalischen Ver- siktage widmete man die diesjährigen dem Schaf-
anstaltungen zählte das Konzert des Kölner fen Brahms', der ja zu Breslau in persönlicher •
KammerorChesters, das unter Erich Kraakes über- Beziehung stand. Zwei Sinfoniekonzerte unter
legener Leitung durch eine feinsinnig ausgewählte Leitung von Eugen Jochum (Hamburg) und Prof.
Vortragsfolge auffiel. Reichwein (Wien) wiesen zugleich auf die äußer-
In den zahlreichen Solistenkonzerten fiel bei sten Pole in Brahms' Leben hin. Dazwischen
den Vokalisten bis auf eine Ausnahme (den mit standen ein Kammermusikabend des Fehse-Quar-
natürlichen Stimmitteln reich begabten Bariton tetts und ein Liederabend von Annelies Kupper.
Horst Günter) die jüngere Generation aus, wäh- Die Wiederholung der von Oberorganist Piersig •
rend bei den Instrumentalisten die ältere Gene- im Vorjahr ins Leben gerufenen Breslauer Orgel-
ration bis auf Kempf! und Erdmann fehlte. tage, die diesmal auf neun gesteigert wurden,
Adrian Aeschbachers Auseinandersetzungen mit fanden erneut allseitige Anerkennung. Wieder-
Schubert waren eigenwillig und reizvoll. Ma- um brachten erste Organisten des Reiches auf der
rlanne Krasmann setzte sich mit beherrschender berühmten Englerorgel der Elisabethkirche eine
. u. a. für den frühverstorbenen Gesamtübersicht der Orgelmusik zu Gehör, die •

Niederdeutschen Lefmann ein, dessen kurzweilig von der Zeit der Gotiki bis in die Gegenwart
ch.araktervolles "Mosaik" zu nachhaltiger Wir- reichte. Die vielseitigen und hochrangigen Kon-
kung kam. Max SOimtag fiel durch gediegene zerte der NS-Gemeinschaft "KdF" tragen weiter-
Auffas.sung und nuancenreichen Anschlag mit hin dazu bei, breiteste Schichten zum Verständ-
Liszts h-moll-Sonate auf. Freundliche Eindrücke nis wertvollster MUsik zu erziehen.
hinterließen Then Bergh, Karolyi, Rosl Schmid, Arthur Schmidt .
. Helga Schöne. Renzo Bossi stellte sich als K'Om- DANZIG. Die von Ka.r1 Tutein dirigierten
ponist und Pianist mit dem jungen hochbegabten Städtischen Sinfoniekonzerte brachten neben Alt-
Cellisten Attilio Ranzato wieder einmal in Bre- erprobtem auch einige zeitgenössische Werke. So
men vor, beide wurden herzlich gefeiert. Un- hörte man Peppings musizierfreUdige Sinfonie,
ter den Gaben der Sänger war die "Winterreise", Harald Genzmers materialgerechtes Trautonium-
wie sie Carl Maria Zwißler mit überragender konzert (mit Oskar Sala als bewährtem Solisten)
Darstellungskunst interpretierte, ein Höhepunkt und Helmut Degens stilistisch noch etwas unent-
des Konzertwinters. Gerhard Hüsch, Schlusnus schiedenes Klavierkonzert (gespielt von Udo Dam-
und Scbmitt-Walter holten sich selbstverständ- mert). Schulz-Dornburg machte mit der ersten
liche Erfolge, und die Altistin Gertrud Tiede- Sinfonie des ostmärkischen Kontrapllnktikers J.
• Lategahn wurde für ihre gepflegte Gesangskunst N. David bekannt, während Hermann Abendroth
ungewöhnlich stark gefeiert. Walter Clages.
in seinem in Bruckners Drittel" gipfelnden Gast-
BRESLAU. In den repräsentativen Philhar- konzert sich für das zwischen Stilen vermit-
monischen Konzerten wurde von GMD Wüst, so- telnde 1. Orchesterkonzert Max Trapps einsetzte.
wie von Gastdirigenten oder dirigierenden Kom- Aus der langen Reihe gastierender Solisten hoben
ponisten stets Pionierarbeit für das Schaffen der sich auch einige hier noch unbekannte junge
Gegenwart geleistet, so daß Erst- und Urauffüh- Kräfte vorteilhaft heraus, so der über große tech-
rungen nunmehr zum festen Bestandteil eines nische Brillanz verfUgende Geiger Heinz Stanske
jeden Konzerts gehören. Seeboths vitale Sinfo- UJld die hochbegabte Pianistin 11 mgard Mietusch.
nische Suite betreute der Komponist selbst. Der Natürlich fehlten im Bilde des Konzertwinters &9



I auch die italienischen Achsenpartner nicht. Wa- tett vermittelte Werke vön Haydn, Mozart und
ren Petroni, Mainardi und das Quartetto di Roma Brahms. Das Flensburger Trio spielten Beetho-
I
hier bereit.s so gut wie heimisch, so lernte man ven, Schubert und Brahms. In zwei Konzerten
in Antonio Janigro einen neuen Cellisten von des Grenzlandorchesters Flensburg unter Otto
Rang kennen. Unter den Choraufführungen ver- Miehler gab es die c-moll-Sinfonie von J. Brahms
trat "Der reiche Tag" von Paul Häjfer sehr glück- und die Sinfonie Nr. '4 von A. Dvorak. Solisten
lich das zeitgenössische Schaffen. Die Danziger dieser Abende ware!} Enrico Mainardi. Berlin mit
Singakademie beging ihr 125. Jubiläum. mit zweI dem a-moll-Konzert von R. Volkmann und die
Festkonzerten, die unter Leitung Reinhold Koe- Pianistin Gertrud Trenktrog, die das G-dur-Kon-
nenkamps Schumanns Faustszenen und weltliche zert von Beethoven spielte. Ingeborg Scbmidt-
Kantaten Bachs brachten. In den beliebten Kam- Stein erfreute mit Liedern und Arien. , Prof. Sig-
mermusikkonzerten heimischer Kräfte im Alt- frid Grundeis gab einen Klavierabend mit Wer-
städtischen Rathaus und während der Sommer- ken von Schubert, Beethoven und Liszt, der tiefe
I
I monate im Schloß Oliva kamen verschiedene Eindrücke vermittelte. Anläßlich des 100jährigen
~ Werke des Danzigers Johannes Hannemann zum Gründungstages des Theodor Storlnschen Ge-
ersten Erklingen. Von einer sehr gekonnten Stil- sangvereins, den Theodor Storm aus kleinen an-
kopie des Barock scheint er neuerdings zu größe- fängen beginnend schon zu beachtlicher Höhe
rer Freizügigkeit zu gelangen, wie sich an den führte, und der sich in steigender Erweiterung
letzthin von Hanna von Holst mit schönem Erfolg bis in die heutige Zeit erhalten hat, wurde das
gesungenen "Liedern der Nonnen Buddhas" zeig- deutsche Requiem von J. Brahms aufgefÜhrt, das
te. Bei Veranstaltungen der Gaumusikschule be- unter der Leitung von MD Otto Miehler mit dem
währte sich die Geigerin LilU Friedemann als Grenzlandorchester Flensburg und den Solisten
feinfühlige Interpretin alter Musik. Heinz Heß. Trude-Marie Schnell und Paul GÜmmer einen
HÖhepunkt des Konzertwinters bedeutete. Außer-
I ELBING. Eine Reihe von rund zwanzig Ver- dem wurden einige Tanzabende durchgeführt von
anstaltungen, die unter dem Kennwort "Elbinger Elisabeth Müller-Brunn, Flensburg mit ihrer
Kuttu1'tage" einen Querschnitt durch das kul- Tanzgruppe, und von Kräften des Kieler Stadt-
turelle Schaffen im heutigen Europa vermittelten. theaters unter Leitung von Elisabeth Elster.
Ungefähr die Hälfte aller Veranstaltungen galt Elisabeth Raaseh.
I der Musik. Als Opernkomponisten wurden Verdi,
Wolf-Ferrari, de Falla und Schoeck mit Werken KÖNIGSBERG I Pr. In den KÖnigsberger Sin-
bezeichnender Prägung vorgestellt. In zwei Or- foniekonzerten brachte Staats-KM Reuß eine
chesterkonzerten, einer Liederstunde, einem Kam- g~~e Reihe ~emerkenswerter Erstaufführungen.
I mermusikabend und einem Meisterkonzert waren Hollers "HerOISche Musik" und Graeners Wie-
• mit Sibelius \ (Finlandia, Violinkonzert, Valse · f ome
ner S m ." f and en Zustimmung, ebenso Strieg-
"
I triste), Dragoi (Napasta), Schoemaker (Brueghel- lers farbenreiche "Romantische Fantasie'" und
die ja schon in vielen Städten erfolgreich auf-
Suite), Kodaly (Tänze aus Galanta), Moyzes (Ja-
nosik) , Gotovac (Lieder der Sehnsucht), de FaHa geführte C-dur-Sinfonie von Pepping. Großes
(Spanischer Tanz), Casella (Serenata), ferner Geschick beweist StaatS-KM Reuß in der Zusam-
Qrieg, Sinding, Kilpinen, Dohnanyi, Bartok, Al- menste1l1ll1g seiner Programme für die Be-
I
beniz, Nin u. a. wesentliche Tonschöpfer im neuen schwingte Musik". Hier findet- er selbst bei Bach
Europa vertreten, dessen kulturelle Mannigfal- und Händel Dinge, die sich in diesen Rahmen
tigkeit auch durch die Wahl der hervorragenden gut einfügen.
Solisten, des italienischen Harfenisten Magistretti, Eine wertvolle Neuerung für KÖnigsberg ist
der krotasichen Pianistin Musulin und des unga- das von KM Peter Esser gegründete Städtische
, rischen Geigers Vegh sichtbar wurde. Die Wür- Kammerorchester, das bereits die Feuertaufe er- I

I digung deutschen zeitgenössischen Schaffens folgreich bestand, Als A]:>zweigung davon war
wurde dabei absichtlich einer anderen Gelegen- das Peter Esser-Quartett ebenfalls freudig ' zu .
heit vorbehalten. Hier galt es, durch aktive und begrüßen, denn es fÜllt eine empfindliChe 'L ücke.

passive Auseinandersetzung des deutschen Gei- Die beiden ~rsten Konzerte zeigten das neue
stes mit starken nationalen Eigenwerten der Um- StreiChquartett in guter klanglicher Pflege.
> welt den Blick auf deutlich sich abzeichnende Auch die KÖnigsberger Cborvereine waren sehr '
gegenseitige kulturelle Befruchtung zu lenken rege. Die "Vereinigte Musikalische und Sing-
und damit gewissermaßen ein Bild der geistigen akadem~e" brachte unter Hugo Hartung chorisch
Ordnung im künftigen Europa anzudeuten. sehr fem ausgefeil~e Aufführungen des "Deut-
Für Aufstellung und Durchführung zeiChneten schen Requiems" von Brahms und des Feld-
Intendant Dr. Waltel' Fatk sowie der Städtische herrn" von Händel. Der "Bachverein" '~agte
Musikdirektor Walter B. Tuebben, der in -sämt- u~ter Traugott Fedtke eine Wiedergabe des Ver-
• lichen Opernaufführungen und Konzerten seinen dischen Requiems im kirchlichen Raum die zum
eindringlichen GestaltungswiUen Überzeugend mindesten als interessantes Experime~t anzu-
einsetzte. Die begabten jungen Kräfte der El- sprechen war, der Domchor vermittelte unter
binger Oper und das Städtische Orchester führ- Herbert Wilhelmi das Mozartsche Requiem und
ten ihre ungewohnten Aufgaben, mit Hingabe das Bachsche uMagnificat". Der stets auf Neues
und ]:>eachtlichem Können zum Erfolg. bedachte . Königsberger Lehrer - Gesangverein
Leo Herzog. b~achte unter Leitung von Prof. Paul Firchow
eme "Bernstein-Kantate" von Herbert Brust zu
HUSUM. Die im Konzertring von der KdF- s~hr erf~lgreicher Uraufführung. Margarete Kud-
, •
Dienststelle durchgeführten Konzerte stiegen von Dl~ schrieb dazu den teils auf historischer, teils
6 auf 10 Konzerte. Das Kammersextett der Ber- marchenhaft schillernder Grundlage geschickt
liner Staatsoper mit dem Flötisten Hans Frenz angelegten Text. Die Musik zeichnet sich aus
spielte Werke aus der Zeit Friedrich des Großen. durch melodische Frische leicht faßliche ins
Es folgten Liederabende von Ludwig Hofmann Volkstümliche spielende Einfälle, chorische' und
und Heinz Marten. Carlo Stephan. Klavier und orchestrale Klangfreudigkeit und hymnischen

Erich Meyer-Stephan, Bariton brachten an einem Auftrieb der Höhepunkte. Man darf diese Parti-
70 ,
Schubertabend die Winterreise. Das Stroßquar- tur als das beste ansprechen, was der ostpreußi-
,


I •

sehe Komponist bisher schrieb. Die A Mozart- und Schubertständchen im Brunnenhof


wurde im Frühjahr wiederholt. Der Schubert- sowohl wie die vom Kulturamt betreuten und
chor unter Heinz von Schumann brachte die von Kapellmeister Friedrich Rein dirigierten
Königsberger Erstauffuhrung des "Liedes der Bläserserenaden m~t alten und zeitgenössischen
Mutter" von Josef Haas, die des großen Erfolges Werken . im Königsbauhof. .
wegen ebenfalls wiederholt .werden mußte. In die Wochen des Ausklangs der Spielzeit
In der Fülle der Erscheinungen dürfen die 1942/43 fielen noch einige bedeutende Solisten-
vielen Konzerte berühmter auswärtiger Solisten konzerte; ein Bachabend des meisterlichen Orgel-
nicht unerwähnt bleiben. Otto 13esch. spielers Friedrich Högner, ein stürmisch bejubel-
ter Liederabend der jungen kroatischen Mezzo- ,
MONCHEN. Daß München als Stadt der deut- sopranistin der Staatsoper, Georgine von Mlinko-
schen Kunst auch während des Kriegs seine be- vie, ein Konzert der erstaunlich begabten jugend-
sonderen kulturellen Aufgaben zu erfüllen fähig lichen kroatischen Pianistin Branca Musulin und
ist, hat das reiche und gehaltvolle Gesamtpro- eine erlesene Wiedergabe der wohl noch nie
gramm der musikalischen Veranstaltungen im im Zusammenhang aufgefiibt.ten zehn geist-
Lauf der vergangenen Jahre schon deutlich genug lichen Gesänge aus dem "Spanischen Liederbuch" •

bewiesen. Nun bringt der vierte Kriegssommer durch Kammersängerin Hüni-Mihacsek und KM
aber sogar eine den Friedensverhältnissen gegen- Altmann bei einer Hugo Wolf-Feier des Richard •
über verbesserte Lage für das Münchner Musik- - Wagner-Verbands deutscher Frauen. Mit der vir-
leben. Seit langem wurde im Sommer der Mangel tuosen und feinnervigen Wiedergabe alter und
eines jederzeit für große Konzerte verfügbaren neuer Flötenmusik wußte in einem auch sonst
Orcheste:r:s hier oft schmerzlich empfunden. Nun sehr anregend verlaufenen Kammermusikabend
aber ist es den vereinigten Bemühungen des Kul- der Berliner Flötist Gustav Scheck lebhaft zu
turamts, des Gauleiters und des Oberbürgermei- interessieren. Anton Würz.
sters gelungen, die Münchner Philharmoniker, die NEISSE OSchl. Nicht nur das Stadttheater,
bisher aus wirtschaftlichen GrÜnden während der das heuer sein 90jähriges Jubiläum feiert, -\Jud
Sommerwochen als Kurorchester in Ba.d Kissin- dessen Spielplan allerdings überwiegend auf den
gen zu wirken verpflichtet waren, aus diesen Ton der leichten Muse abgestimmt ist, erzielt
Bindungen zu lösen: damit hat München jetzt dauernd ein ausverkauftes Haus, auch die der
auch in dieser Zeit ein hervorragendes Orchester ernsten Musik gewidmeten Veranstaltungen,
zur Verfügung. Das Bedürfnis nach dieser Lösung hauptsächlich von der NS-Gemeinschaft "Kraft •
ist • heute vielleicht stärker als je zuvor. Das• be- durch Freude" gesteuert, weisen gesteigerte Be-
weIst schon der ' glänzende Besuch der ersten suchsziffern auf. An der Spitze der Konzerte
großen Konzerte in der Tonhalle und im Festsaal standen das NS-Sinfonie-Orchester, Leit.ung GMIl •
des Deutschen MuseumS, mit denen der heuer Adam, und die Prager Philharmoniker, Dirigent
besonders großzügig geplante Münchner Musik- E. Biede. die glänzende Programme absolvierten.
sommer eröffnet wurde. Unter Oswald Kabasta In einem "Klassiker-Abend" des Lehrergesang-
gab es da einen köstlichen Mozartabend . mit vereins "Eintracht" in Verbindung mit dem eige-
dem jungen Geiger Walter Barylli als Solisten - nen Stadttheater-Orchester unter Chorrektor Jos.
un~ unter Adolf Mennerich einen Abend mit Thamm, fand die "Sinfonie ex C" von Dittersdorf
"Beschwingter Musik" von Cornelius, Johann und besondere Beachtung, da es sich bei dem liebens- •
Richard Strauß (Solist: Julius Patzak). würdigen viersätzigen Werkchen, das innerhalb
Die Anwesenheit der Philharmoniker in ihrem seines rokokohaft-verspielten Charakters reizvolle
"Standort" ermöglichte in den letzten Wochen humorige \Jnd einige besinnliche Züge trägt, um
auch einige weitere größere Darbietungen: zwei einen Neisser Fund handelt. Des gleichen Kom-
Aufführungen des Requiem von Verdi durch den ponisten komische Oper "Doktor und Apotheker" •
Münchner Domchor unter Prof. Berberich und erfuhr im Stadttheater eine nicht minder gelun-
eine Wiedergabe der Hohen Messe von Bach gene Wiedergabe wie die entzückende opera buffa
durch den_Regensburger Domchor unter Prof. Pergoleses "La serva padrona" (Die Magd als
Schrems, zwei überaus eindrucksvolle chorische Herrin). Zu verzeichnen ist noch Puccinis "La
Leistungen. Bemerkenswert war ferner der erste Boheme", die im Orchestralen mllhr glückte als
- .als Orchesterkonzert durchgeführte Abend im gesanglichen Part, der manche Wünsche offen
einer Konzertfolge, die von der NSG "Kraft durch ließ. Musikalisch betreut wurden sämtliche Opern-
Freude" zur Erinnerung an den 100. Geburtstag aufführungen von Heinrich Neudhart, regielich
Edvard Griegs veranstaltet wurde. GMD Schnee- von Adolf Gastl. Das verstärkte Stadttheater-
voigt, vor Jahrzehnten schon den Philharmoni- Orchester spielte unter Neudharts klare StabfÜh- • •
kern als Dirigent verbunden, erheute hier mit rung Werke von Mozart, Beethoven, Weber, Marx
der einprägsamen Darstellung einiger Werke nor- und Hans-Maria Dombrowsky (im Rahmen der •
discher, d. h. vor allem finnischer Meister (Sibe- Deutschen Eichendorff-Woche de.Ssen Konzert-
lius, Melartin, Klami). Der sehr begabte junge suite nach der Oper "Die Brautfahrt"). Als Soli- •
Pianist Hans I:.eygra! spielte an diesem Abend sten erlebten wir Georg Kulenkampff (Beethoven-
Griegs Klavierkonzert. Die beiden weiteren Kon- Konzert). Als eminenter Virtuose auf seinem In-
zerte dieser Reihe, dem Lied (Lea PUtti) und der
Kammermusik (Walter-Quartett) gewidmet (u. a.
strument brillierte der bulgarische Cellist Prof.
Slavko Popo!! mit einem seiner Art entsprechen- \
-.
StreiChquartett von Raastedt), erweiterten und den, auf artistische und klangliche Effekte hin-
vertieften unser Wissen vom Wesen nordischer zielenden Programm. Auch Siegfried Grundeis
Musik, die mit ihrer starken Naturverbundenheit im Zusammenwirken mit der Mezzosopranistin
und mit ihrem Wechsel von kraftvollem und Marianne Kolb betonte in seiner Vortragsfolge
melancholisch-verträumtem Ausdruck auch unse- mehr die virtuose Note (Liszt). Großen Beifall
rem Empfinden sehr nahe steht. erntete an einem eigenen Arien- und Liederabend •
Eine besonders reizvolle Gabe des Münchner Lea PUtti. Schließlich sei des Konzerts des "Mei-
Musiksommers ist. auch heuer wieder die aller- sterschen Gesangvereins" (Städt. Chol' Kattowitz)
dings von Wind und Wetter abhängige Folge von gedacht, das an Werken von Brabms, Schumann,
Serenaden in den Höfen der Residenz die Löwe, Bres~~n und eigenen a cappella-Chorlledern 71


I

• L_ •
- -

des Dirigenten Prof. Fritz Lubrich die ausgezeich- bieten. Es 'lag dabei die Überlegung zu Grunde,
neten Eigenschaften dieser berühmtesten ober- daß ein verantwortungsbewußter Dirigent die
schlesischen Singgemeinschaft demonstrierten. Pflicht hat, die Hörer auch mit zeitgenÖ'ssischem
Felix WandTey. Musikschaffen vertraut zu machen, daß die Ge-
genwart dem schaffenden Künstler verpflichtet
SCHWERIN i. Mecklenb. Im Mittelpunkt des ist und daß es aufschlußreich sein müßte zu er-
Schweriner Konzertlebens stehen stets die acht fahren, wie die MUSiker den Ruf der Zeit ver-
Orchester-Stammkonzerte der Mecklenburgischen stehen und in der Form des Kunstwerkes weiter-
Staatskapelle. Nicht allein bedingt dies die vor- reichen.
pildliche Programmgestaltung 'der Abende, die Das von Werner Saam, dem Städt. Musikdirek-
neben einer sorgsamen Pfiege der klassischen tor, entwickelte Programm vertrat klar umris-
und nachklassischen Meister auch dem zeitgenös- sene Gestaltungsprinzipien: RegeT und sein Kreis,
sischen Musikschaffen den ihm gebührenden ein als Huldigung der Kunst an den schaffenden
Platz einräumt. In erster Linie ist es das starke Menschen gedachtes Werkkonzert, ein Konzert
und überzeugende musikalische Fluidum, das von der HJ mit Werken von HJ-Komponisten, ein
dem Leiter der Konzerte, StKM Gahlenbeck, aus- Sinfonie- und Chorkonzert um Prof. LemacheT
geht und die Abende zu wahren künstlerischen (den aus Solingen stammenden Komponisten und
Ereignissen zu gestalten vermag. So gab es an Hochschullehrer) und seinen Schülerkreis, und
I örtlichen Neuheiten Max Regers Bach-Variatio- ein Orchester- und Chorkonzert als zusammen-
nen in einer fortreißenden Bearbeitung für Kla- fassenden Bericht über das Musikschaffen im Ge-
vier und Orchester von Prof. Pillney mit dem Be-
arbeiter am Flügel, eine zart geschwungene pa- samtraum des Reiches. Beachtlich an der mit·
storale Abendmusik von Ernst Ludwig Uray, fein geSChliffenen Musiken ausgestatteten Fest-
Pfitzners Scherzo für Orchester, ein Jugendwerk woche war der Einbau der heimatlichen Chöre
des Meisters, alte italienische Tänze aus dem 16. und das Auftreten tüchtiger Solisten. (Prof. Re-
Jahrhundert in einer freien Orchesterbearbeitung berg-Stuttgart, Hannelore Pack, Geige, Hans Hul-
von Respighi und Paul Graeners Wiener Sinfo- .verscheid, Orgel, Hans Schöne, Geige, Heinrich
nie. Mit Beethovens Violinkonzert D-dur erwies Weber, Orgel, das Goebel-Streichquartett). Die Ur-

der neue Schweriner Konzertmeister Walter Rö- aufführung der "Improvisationen für groBes Or-
der im ersten Konzert feine musikalische, viel- chester" von Heinrich Lemacher war das EreIg-
versprechende Qualitäten, während an den wei- nis der Tage. Die Hörer waren der Musik der
teren Abenden Karl Freund dem Max Bruch- Modemen. mit Aufmerksamkeit und Anteilnahme
sehen Violinkonzert g-moll seine glänzende Tech- hingegeben. •

I•
nik lieh, der jugendliche Gilbert Schuchter das . In einem schönen Gleichmaß der Werte nahm
I selten gehörte B-dur-Klavierkonzert Mozarts das Jahresprogramm seinen Fortgang. "Aus dem
leicht und anmutig spielte und Caspar Cassado Reich der Oper" ein Konzert in Ohligs (mit
Haydns Cellokonzert D-dur in klassischer Mei- Henny Neumann-Knapp und Han Johannes
sterschaft erstehen ließ. Bachs Kunst der Fuge Schocke), Arno Schellenberg erwies sich in zwei
in der Instrumentierung und ·Ergänzung von Karl Abenden als ein Liedersänger von ungewöhn-
Hermann Pillney gelangte in einem Weihnachts- ~icher Begabung. Ein Sinfoniekonzert stellte
konzert unter Gahlenbecks Stabführung zu ein- zwei Nachwuchsspielerinnen heraus: Amalie
drucksvoller Wiedergabe. Auch die klanglich ,lwan mit der vollendeten Wiedergabe des Beet-
fein abgewogene AuffÜhrung von Haydns Jah- jloven-Klavierkonzertes .Nr. 1 und Hertha Reine
reszeiten mit dem ausgeglichenen Soloterzett der mit dem Cellokonzert von Volkmann. Im Ver-
einheimischen Künstler Hildegard Kapferer, anstaltungsring der HJ brachte das Städt. Orche-
Horst Günter und des Hamburger Tenors Einar ster unter dem Titel "Im Tanzschritt durch die
Kristjansson unterstand der Leitung Gahlen- Jahrhunderte" eine bemerkenswerte entwick-
becks. Alte italienische Meister bildeten den In- lungsgeSChichtliche Darstellung der Tanzmusik
halt des schönen Programms im Konzert des bis in die jüngste Gegenwart. Prof. Schneider-
Schweriner Collegium musicum unter KM Etti. han vermittelte ein hinreißendes Brahms-Violin-
StKM Erlch Kloß brachte in seinem volkstüm- konzert. (Bruckners Vierte in der Urfassung war
lichen Sinfoniekonzert des NS-Sinfonieor.chesters Beispiel einer meisterlichen Leistung.) , Ama-
das neue, edel empfundene Divertimento op. 75 lie Merz Tunner verlieh den Soloparts in Prälu-
zur Erstaufführung. Erstaufgeführt wurde in den dium und Fuge für Streicher und Sopran von
Kammerkonzerten des Schweriner Streichquar- Heinz Schubert und in Beethovens "Hoffnung"
tetts das virtuose gestaltete neue Cellokonzert .G estalt und bewegten Ausdruck. Karl Schmitt-
op. 61 von Karl Knochenhauer vom Komponisten ,Walter erfuhr in seinem vom literarischen Erleb-
und StKM Gahlenbeck am Flügel. Auch die son- nis her gestalteten Liederabend (Schubert Schu-
stigen Schweriner Konzertveranstaltungen, wie ,mann, Wolf) stürmischen Beifall. Fe~tlicher
die Kammerkonzerte im Hause der Schweriner Anruf der Stunde und der hohen Kunst des rei-
Pianistin Elisabeth Lange, die Liederabende von nen ,~horstils war .. die J?arstellung der "Schöp-
Vasso Argiris und Arno SChellenperg, das Kon- fung durch den Stadt. Smgverein und das Städt
zert von Ernst Osterkamp und Clemens Schmal- Orchester (Werner Saam). Das SchOTn-QuaT~
stich, der Tanzapend von Ursula Deinert, die te~", Mitg1i~der des Städt. Orchest~rs, begannen
Abendmusiken des Kirchenmusikdirektors Gothe mit den StreIChquartetten Schubert 125/I, Haydn 8
im Schweriner Dom und die Hausmusikabende und dem Oboenquartett in F Nr. 30 von Mozart
der Schweriner Musikerzieher und jugendlicher ein beifällig. bea:chtetes Musizieren. Prof.
Spielscharen, fanden lebhaften Zuspruch. Kempff bestrItt emen Klavierabend.
A. E. Reinhard. Wie in jedem Jahr spielte der Meisteree11lst
!.:udwig HoeZscher in der vOl'weihnachtlichen Zeit
SOLINGEN. Die "Singende, klingende Woche eme Serie von Konzerten in den Betrieben sei-
Solingen 1942", das traditionelle Solinger Musik- ner Vaterstadt Solingen. Der Konzertvereln
fest, eröffnete das Konzert jahr mit dem für die Chorgemeinschaft und das Städt. OrcMster be-
• Gegenwart kühnen Wagnis, den Konzertbesu- schworen in einer "Musik um Weihnachten" be-
72 cherp 'einmal ausschließlich modeme Musik zu zeichneten Veranstaltung einige der Musiken



-


zwischen gestern und heute. die von dem poeti- gehoben und ins Licht gesteut erscheint. Eine
schen Zauber des Weihnachtsfestes angeregt, ihre ganze Reihe von Uraufführungen gab uns der
lebendige Kraft auch dem heutigen Menschen , städtische Trompeterchor. Gottfried R4dilWers ,
gegenüber bewahrt haben. (Händel, Bach, Co- "Deutsche Tanzfolge" besteht aus fünf schön ge-
relli, Mozart, Prätorius.) Maria Proelß, die " formten und in sich geschlossenen gehaltvollen
Berliner Pianistin. erweckte in einem Sinfonie- Sätzen. · , Länger 'ausgesponnen und reicher mit
konzert das selten gehörte d'Albert-Klaviel'kon- Schwierigkeiten der Ausführung bedacht gibt
zert zu klingendem Leben. Das Orchester bezog sich der erste Satz einer "Sinfonischen Suite" von ,
die erste Symphonie von Sibelius und Richard Friedrich Jung. Die "Zwei Capricci" von Os-
Strauß' "Don Juan" auf phantasievolle Schilde- kar Wagner bestehen aus einem von gedämpften
rung, poetischen Reiz und treffliche Charakteri- Bläsern in eigena l'Ug verschleierter Klangfarbe
sierung. Alle Vorgjinge erhielten festliches und ausgetührten Marsch und einer hell dazu kon-
eindrucksvolles Gepräge durch die Muzizierkunst trastierenden Fuge. Theodor Bergers ..Rondo
des Städt. Orchesters und ihres Dirigenten Wer- ostinato" wendet sich modernsten harmonischen
, ner Saam. Max Rosenkaimer. Kühnheiten zq und vervbllständigt das hiefür
erforderliche Bläserorchester durch ausgiebiges
,,
SONDERSHAUSEN. Das Konservatoriwn der
Musik in Sonders hausen konnte . am 5. April d. J. Schlagzeug. Ein "Parademarsch" des musika-
auf sein 60jähriges Bestehen zurückblicken, es lisch so verläßlichen Karl Hermann PUß beschloß
:wurde am 5. April 1883 von Carl Schröder be- den abwechslungsreichen Abend. dem, gleichfalls ,
gründet. Weitere Direktoren waren ' die fürst- zur Uraufführung. auch ein neuer' wertvoller
lichen Hdfkapellmeister Adolph SchuItze, Rudolf Chor für die ~J von Felix Molze1' eingefügt war,
Herfw:th, Traugott Ochs und Carl Corbach. Heute Enclllth sei der Sinfonie für Streichorchester
1
steht das Institut unter der umsichtigen Leitung von Arthur Honegger gedacht, die Ernest Anser- -
von Carl Maria Artz, der zugleich Leiter des met in vorbildlicher und bezwingender Wieder-
Staat!. Lohorchesters ist. Der Solo cellist Konzert- gabe init uoseren Philharmonikern in Wien zur
meister Hans Andrä-Weimar spielte. zur 60 jahr- deutschen Erstaufführung brachte: das Werk ist
feier die drei Solosuiten Werk 131 des genialsten stimmungsmäßig schwer belastet, aber mit. be-
Schülers des Sondershäuser Eionservatoriums Max wundernswerter Kunst ausgearbeitet, zum Teil
Reger. Auch des 70. Geburtstages Max Regers motorisch geführt, in paCkenden Rhythmen, in
am 19. März gedachte die Anstalt in festlichem ander.en Teilen wieder ganz berückend in den
Rahmen. Der Regerschüler Prof. Dr, Karl Hasse, Farb'wirkungen. Es streift freilich manchmal schon
Direktor der Kplner Hochschule für Musik, sprach an die Grenze des harmonisch zulässigen, ist aber
über das Lebe~und Wirken Max ' Regers. Werke rhythmisch und in der Themenfiihrung so wun- ,
für Klavier und für Violine und Klavier spielten derbar hinreißend. daß damit allein schon und
Professor Dr. Hasse und Konzertmeister Walter noch dazu bei dem Spiel unserer Philharmoniker
N owack von der Staatl. Lohkapelle. unter dem berühmten und gefeierten Gastdiri-
• genten der ErfOlg nicht ausbleiben konnte. -
WIEN. Vom Schluß des diesjährigen Spielwin- Ganz zuletzt gab ein Gedächtniskonzert f~ Theo- •
ters ist kurz zu berichten. Vor allem von neuen dor Streicher erwünschte Gelegenheit, diesen
Werken. Das selten zu Gehör gebrachte Streich- fruchtbaren ostmärkischen Liederkomponisten
quintett von Carl Prohaska, vom Steinbauerquar- auch mit einigen seiner Orchesterwerke. vorzu-
tett zusammen mit Karl Schreinzer vollendet führen. Auch. sie verleugnen nicht die melodi-
wiedergegeben, ragt durch seine forxnale Gestal- sche Setzweise des geborenen Lyrikers, und nach
tung wie durch die Vornehmheit seiner Erfin- den tief schwermütigen, von ernsten Kräften 110-
dung, Sicherheit im Stimmungsgehalt und Reiz serer Staatsoper (Elena Nikolaidi, Paul Schöffler,
seiner auch heute noch fortschrittlich zu nennen- Erich Kunz unter der Stabführung von Hans Du- ,
den Harlllonik hervor. Als Uraufführung hör- han) gesungenen Liedern wölbte sich in den •
ten wir das J;Conzert für Geige und Bratsche von "Faust"-Szenen ein weiter Bogen stimmungsvol-
Robert Wagner, dessen temperamentvolle musi- ler, farpig und charakteristisch malender Aus- ••
' kantische Ader und anschmiegsame Melodik in- druckskunst. Victor Junk.
nerhalb durchaus klangschöner Führung der Vir- •

tuosität der beiden solistischen Spieler (Wolfgang ZWICKAU. (Urauf{ührungen.) Im Konzert zum
Schneiderhan und Ernst Morawec) dankenswerte Heldengedenktag brachte MD Kurt , Barth zwei •

Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Spielkunst gab, bedeutsame Uraufführungen heraus. Die "Tän-
andererseits aber auch dem Orchester zur Über- zerische Suite" von Helmut Bräutigam, wenige
höhung der Steigerungen verhalf und in einer Monate vor seinem Heldentode entstanden, ist ein
wirkungsvollen hübschen Schlußkadenz endigt. heiter bescbwingtes Werk, geistreich, harmonisch
- Die Sinfonie in e-moll von Friedrich Reidinger ,und instrumental interessant und jeder formali-
besteht nur aus zwei Sätzen, einem -Allegro und stischen Enge entwachsen. In fünf Sätzen rollen •
einem Adagio. Diese ungeWÖhnliche Anlage wird Bilder von sprühendem Leben und entzückender •

durch den gedachten Zweck erklärlich, das Stück Leichtigkeit vorüber. Bräutigam betritt damit die •
dem Andenken an Anton WiLdgans zu widmen, Plattform SChöpferiSCher Meisterschaft. Diesem
wobei der langsame Satz als die eigentliche jungen Könner widmet Paul Gerhardt, sein el'ster
Trauermusik gilt, die aber schließlich doch auch Kompositionslehrer, seine "Heldenfeier und To-
wieder der lichteren Sphäre einer lebensbejahen- tenklage", eine breit angelegte und in ihren zwei
den milden Freude Raum gibt. Die Sinfonie be- Teilen zu überragenden Gipfeln stürmende sin- •
stätigt aufs Neue das große ernste Können und fonische Dichtung. Aus dunkler Trauerstimmung
die beachtenswerte Eigenart des Komponisten. - , steigt das Bild des Kämpfers auf, wird im Reich-
Von origineller Besetzung ist das "Divertimento" tum seiner Menschlichkeit gezeigt .u nd sinkt jäh
von Alfred Uhl: es ist für vit;r Klarinetten ge- zurück. Die poetischen Gedanken werden in rei-
schrieben und gewinnt dadurch eine aparte cher Hannonik und ' kunstvoll verschlungener
Klanglichkeit und reiche Farbtönung, die durch Polyphonie. gestützt auf eine wirkungsvolle In-
die echt wienerische Musizierfreudigkeit Uhls und stnunentation, dargestellt, MD Barth war beiden
gute Gegensätzlichkeit der drei Nummern noch Werken ein mitreißender Gestalter. 13
I

I

• ,
-
• •

• •

meister Kurt Striegter-Dresden führte im glei- mann-Berlin (Bariton) war der Solist des Abends,

chen Konzert seine "Heldische Musik" mit dem dem in allen Teilen ein glänzender Erfolg be-
ZwicJtauer Orchester auf. Dr. Hans-Olaf Hude- schieden war. Paul- Eibisch.
.

Die Schallplatte



Neuaufnahmen in Auslese.
Man traut seinen Ohren nicht:_eine soeben erst kraftvoll-zupackenden Art und mit feins~en ~ber­
angekündigte Aufnahme, die als Stichprobe neuer gängen und Anschlagschattierungen. DIe WI~ner •

Tanzmusik zur Besprechung angefordert wurde, Philharmoniker unterstützen ihn mit kongemaler
besteht aus allen jenen Elementen,die wir ge- Anpassung. Das Adagio und namentlich das _un-
meinhin als jüdisch und zersetzend bezeichnen. garische Rondo sind einprägsame Höhepunk~e.
Was die Brocksieper-Solisten in dem Excentric- Bemerkenswert ist die saftige Fülle des meIst
Fox bieten, ist verbotreife Jazz-Musik, die einer nur schwer vom Mikrophon einzufangenden KIa-
Welt entstammt, die nicht die unsere ist und die viertones. Elect1"ola DB 7657/58.
nichts im deutschen Volk zu suchen hat. Wieso Das Liebesduett des l. Othello-Aktes erfährt I

darf solche entartete Musik aufgenommen und durch Maria CanigHa und Giacomo La.uri-Volpi
vervielfältigt werden? Brunswick 82282. mit Marinuzzi als Dirigent eine im besten Sinne

, Da ist Tanzmusik von Ba1'nabas von Geccy und italienische Wiedergabe, wobei man allerdings
seinem Orchester anders beschaffen. Zwei Tänze etliche stimmliche Härten beim Tenor nicht über-
aus Rixners "Liebem Augustin" verkörpern zwar hören kann. Electrola DB 5417.
durchaus nicht das Ideal einer gesunden und Titanias Lied aus Verdis "Falstaff" (3. Akt) und
saUberen leichten Muse, aber in dieser Wieder- eine eindrucksvolle Szene aus Giordanos Oper
gabe erträgt man sie vielleicht gerade noch. .,TI Re" bilden für Lina Pagl-iughi Gelegenheit
Electrola EG 7286. zur Entfaltung eines hohen Soprans voller sin~­
• Der 100. Geburtstag von Grieg hat eine Reihe licher Reize. Tansini ist der zurückhaltende LeI-
guter Aufnahmen ausgelöst. Da spielt das Ber- ter des Orchesters. Siemens Spezial LM 68 044.
I liner Städtische Orchester unter Johannes ScniiJer
A
Hildegarde Ranczak hinterläßt auf der Bühne
die Lyrische Suite mit jener Differenziertheit des nachhaltigere Wirkung als auf der ßchallplatte.
Klanges, die erst diese vier Sätze zur tieferen In den Arien aus "Tosca" und .,Ein Maskenball"
Wirkung gelangen läßt. Das Notturno ist ein spürt man zwar die überlegene Gestalterin der I
schöner Beweis für die Einfühlung des Dirigenten Oper, aber die Einheitlichkeit der stimmmlichen
und die ganze Aufnahme spricht für die Lei- Durchformung läßt Wünsche offen. Mit Artur
• stungsfähigkeit des Orchesters. Rother musiziert die Sängerin in bester Abstim-
Imperial 014089/90. mung. Siemens Spezial LM 68 042.
Bewegter geht es in den "Symphonischen Tän- Die Welt der romantischen Oper klingt auf in
zen" Griegs zu, die Paul van Kempen mit · der der Ouvertüre zu Heinrich Marschners "Hans
Berliner Staatskapelle darbietet. Einiges ist man Helling". Walter Lutze und das Orchester des
etwas beschwingter g.ewohnt, flüssiger, aber man Deutschen Opernhauses treffen den rechten Ton
kann der Aufnahme eine solide Grundlage nicht für diese Musik, die jeden Hörer festhalten muß.
absprechen. Namentlich die Farbigkeit deli. Or- Tele/unken E 3272.
chestersatzes bringt van Kempen glänzend' zur Virtuose Klaviermusik zwei Sonatinen von
Geltung. Die Staatskapelle musiziert denkbar Scarlatti spielt das junge italienische Klavier-
virtuos. Siemens Pol-ydor HM 57 158/59. genie Artur Benedetto MicheZangeli. Was leicht
Vereinzelt gibt es auf der SChallplatte beson- zu bloßem Figurenwerk zerfällt, erhält unter sei-
dere Treffer, die unter glücklichen Bedingungen nen Händen Farbe und Leben: eine genußvolle
aufgenommen worden sind. Dazu gehört das Aufnahme! Tele/unken SKB 3290.
Scherzo aus den Venezianischen Szenen von Luigi
. MancineUi, das vom MaiIänder ' Scalaorchester
Dagegen möchte man die Geigenkunst von Erich
Röhn versonnen und verinnerlicht nennen. Er
unter Gino Marinuzzi hinreißend vorgetragen läßt die Beethoven-Romam:e in G richtig auf- I
wird. Eine Wiedergabe voller Spannungen und blühen. AUe · Technik ist überwunden und in
eigenartiger Reize, deren Erfolg dem überragen- idealem Zusammenklang schwebt die Sologeige
den Orchester ebenso wie dem Dirigenten zu über der Berliner Staatskapelle, die von Johan-
danken ist. Weniger eindrucksvoll ist -daneben nes Schüler geführt wird. Imperial 014080.
Malinuzzls ,eigene Schöpfung "Hochzeitliche
Bräuche" Tele/unken (La Scala) SKB 3267. Die Wiener Philhannoniker erfreuen mit einer
der beliebtesten Haydn-Sinfonien (D-dur, NI'. 104),
Alle günstigen Voraussetzungen kommen auch die in ihrem gegensätzlichen Aufbau die ganze
bei der Alceste-Ouvertüre von Gl1.l.ck zusammen, Eigenart dieses herrlichen Orchesters erkennen
die Wilhelm FuTtwängler mit den Berliner Phil- läßt. Die Streicher singen in dem köstlichen An-
harmonikern in ihrer edlen Einfachheit und dante. Markig wird das Menuett daneben gestellt
Größe erstehen läßt. Die keusche Musik Glucks und übermütig volksnah klingt das Finale aus.
ist von wahrem Klangzauber umgeben, und man Hans Weisbach tönt mit kundiger Hand die In-
bewundert das Strömen und Fließen des Spiels. strumentengruppen ab und läßt in großliniger I
Für den anspruchsvollen Musikfreund liegt hier Anlage das Melos und die Form Haydns mitre[s-
eine Muster- und Meisteraufnabme vor. send Klang werden. Imperial 014066/68. I,
Tetetunkei. SK 3266.
Weihevolle Größe atmet Pfitzners Vorspiel zu
Das viel zu selten gehörte Klavierkonzert in D "Palestrina.", das von Hans Knappertsbusch liebe-
74 von Halldn meistert Edwin Fischer in seiner voll interpretiert wird. Die Berliner Phllharmo-




....--.,..--~ . .:::.,.-..-~ - 2 I
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" • 2

niker versenken sich mit ganzer Hingabe in die gabe, die alle eigenartigen Reize des aus der fin- •

Welt Pfitzners. Aufnahmen dieser Art sind kul- nischen Landschaft empfundenen Werkes enthüllt.
turvolle Pi-anierarbeit. Etectrola DB 7677. Dr. Helmuth ThierjeZder als Dirigent bringt die
richtige Einstellung für die Deutung .dieser Musik
Die sinfonische Dichtung "Der Schwan von mit. Grammophon HM 57 128.
Tuonela" von Jean Sibelius erfährt durch das ,
Niedersaehsen-Orchester Hannover eine Wieder- Besprochen von Herbert Gerigk.

•, Zeitspiegel • •

Verbot des Jazz und ähnlich entarteter Musik schiedenartigsten Methoden versucht worden. Am
in Sachsen. einfachsten und klarsten ist naturgemäß die
Eine Anordnung von Gauleiter Mv.tschmann. Form: der Jude Mendelssohn. Namentlich den
;l3uchautoren erschien dieses Verfahren bei häu-
Gauleiter und Reichsstatthalter Martin Mutsch- f\ger Wiederkehr solcher Namen nicht zweck-
mann gibt in seiner Eigenschaft als Reichs-Ver- mäßig. Man kennzeichnete dann wohl lediglich
teidigungskommissar für Sachsen bekannt: im Register die Namen der Juden durch ein Zei-
Im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo das 'deutsche chen. Peinlich wird es, wenn in Nachschlage-
Volk alle geistigEm und materiellen Kräfte an- werken, die manches AbkUrzungsmögliche aus-
spannt, dem bar.barischen Ansturm des jüdischen schreiben, die bescheidene Einfügung eines klei-
Bolschewismus und Amerikanismus zu begegnen, nen j. die Kennzeichnung übernimmt. Heißt es
I

ist es unerträglich, wenn immer wieder durch ein- dann gar: hj., wird es wegen des Gleichklanges

zelne Musikveranstalter versucht wird, deutschen mit der Abkürzung für eine Parteigliederung.
Menschen die entarteten Jazzschlager amerikani- peinlich. Auch bloße Möglichkeiten solcher doppel-
schen Ursprungs vorzusetzen. Die deutsche Musik sinnigen Deutung ~;ollte man strikt ausschalten.
und die Musik der befreundeten Nationen, ins- Die Nürnberger Gesetze haben bestimmt, daß
besondere Italiens, sind so unendlich reich an al- jeder Jude den Vornamen Israel, jede Jüdin den
ten und neuen Opern, Operetten, Märschen, Tanz- Vornamen Sara führen müssen. Da eine ständige
weisen und Volksliedern, sie sind in Melodie und Quelle für Mißverständnisse und Irrtümer ge-
Rhythmus so vielgestaltig, daß sie unerschöpf- geben i 9t, wenn es bei den bisherigen meist
liche Möglichkeiten der Erbauung und auch Ent- schüchternen Kennzeichnungen bleibt, besteht die
spannung bieten. Diesem echten K~turgut ~!D.d Notwendigkeit, jüdische Namen bei jeder Nen-
Volksbesitz gegenÜber bedeutet es eme Beleidi- nung entweder mit dem Zusatz Jude zu versehen
gung und Schande für unser Volk; die Af!era:~ltur oder ein Zeichen vor den Namen zu stellen, das
der verjüdelten und verniggerten Jl!Ifzmuslk. uber- eindeutig und für jedermann sofort erkennbar ist.
haupt anhören zu müssen. Ungezahlte Stimmen Am geeignetsten erseheint ein Judenstern: *, der I

Von der Front und aus der Heimat wenden sich also in einer klaren Ausführung in unsere ge-
inimer wieder gegen solche Würdelosigkeit. Um bräuchlichen Druckschriften gehört. Wen aus
solchen Unfug im Gau Sachsen endgültig abzu- ästhetischen Gründen die unmißverständliche
stellen, habe ich deshalb folgendes angeordnet: t
Kennzeichnung stört, der mag auf Zitierung oder
Das Spielen aller amerikanisierenden Jazz- Nennung von Juden verzichten. •
weisen oder ähnlicher dem deutschen Kultur- Halbjuden wird man als solche nennen, so weit
, empfinden widerstrebenden "Musik" wie alle sie als Mischlinge bekannt sind. Bei deI' Kenn-
Entartungen musikalischer Darbietungen durch zeichnung durch einen Stern kann die besondere
körperverrenkende Untermalung, dekadente~ Unterscheidung der Mischlinge fortfallen und
Refraingesang lind ähnliche Effekthascherel gegebenenfalls im Register angegeben werden,
ist grundsätzLich verboten. .., Wir müssen uns daran gewöhnen, den Zusatz
Ich mache die Inbaber der Gaststatten mit Jude wie einen Vornamen dem Eigennamen hin-
Musikbetrieb SOWle die Veranstalter musikali- zuzufügen.
scher Darbietungen verantwortlich für alle Seit dem Vorliegen des "Lexikons der Juden in
künftigen Entgleisungen auf diesem Gebiete. der Musik" ist eine sichere Handhabe für die zu-
Die überwachung erfolgt durch die Kultur- verlässige Erfassung der jüdischen Namen vor-
Hauptstellenleiter der NSDAP. und die zustän- banden. - Herbert Gerigk.
digen polizeilichen Dienststellen. .
Wer in diesem uns aufgezwungenen :{{rleg, Richtlinien betreHend den Mißbrauch musikalischer
in dem wir nicht nur für unseren Lebensraum, Bearbeitungen.
sondern auch für unsere unvergänglichen Kul- Im Einvernehmen mit dem Reichsministerium für
turgüter kämpfen, die moralisch.e Haltung un- Von~saufk1ärung und Propaganda und dem Präsidenten
seres Volkes ZU untergraben Sich untersteht, der Reichsmusikkammer erlasse ich nachstehende Richt-

hat die entsprechenden Folgen zu tragen. Ilnlen betreffend den Mißbrauch musikalisCher Bear-

beiQmgen: I
* Weite Kreise des Volkes wünschen, daß volkstümliche I'
Man kann nur wünschen, daß aus dieser Ano:d:" Kompositionen ihnen unverfälscht zu Gehör gebracht
nung für das Gebiet des Gaues S~chsen eme werden. Es haben daher alle Bearbeitungen zu unter- I.
Reichsregelung werde. Die von Gauleiter Muts~h­ bleiben, dIe auf einen MIßbrauch des ursprünglichen
mann angeprangerte Musik ist eine Restdomane Musikwerkes in melodischer, rhythmischer oder harmo-
jüdischen Geistes, die endlich ausgerottet werden nischer Beziehung hinauslaufen. Dies gUt insbesQndCl'e
für das Arrangement von Melodiengut, das in seiner
muß. Kennzeichnung "'d'
IU 15eh er N amen. Ori,ginalgestalt als kulturell wertvOll anerkannt ist und
von Musikstücken, deren volkstümliche Bedeutung und"
Immer noch besteht Unklarheit da:über, in Beliebtheit nicht angetastet werden darf.
welcher Weise Namen jüdischer MUSlke:-; und Bearbeitunger> von Werken geschützter Komponisten;
Musikschriftsteller, deren Nennung in B~chern insbesondere SpezIalarrangements. dürfen öffentlich
oder Aufsätzen notwendig wird, ge~ennz71chnet nicht vorgeführt werden, · wenn der KOmpl>nist gegen 7.5
werden sollen. 1m Laufe der Jahre smd die ver- die Bearbeitung Einspruch erhebt.

• •

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Wanderkonzertorchester in Italien. fenden, der nicht nur 1m Sinne des reproduktiven


Das Faschistische Kulturinstltut bereitet in diesem }{ÜDstlers sondern auch als selbstschöpferIsche Persön-
Jahr unter Mitarbeit der zuständigen Musikerorgani- lichkeit zu den wesentlichen Erscheinungen nserer Zeit
sationen die Durchführung von etwa 100 großen Kon- gehört. Siegfrled Kattenberg.
zerten vor, die in zahlreichen größeren und kleineren
Städten Italiens und vor allem in denjenigen Orten I Verschollenes ManUSkript gesucht!
stattfinden sollen, die zwar ruhmreiche künstlerische , •
überlieferungen, aber nur geringe Möglichkeit besitzen, Beim Sichten des musikalischen Nachlasses mei-
an den großen musikalischen Veranstaltungen te!.lzu- nes für Großdeutschland gefall~nen Mannes, Hel- ,
nehmen. Die Aufführungen, die von Dirigenten, Soli- mut Jörns, vermisse ich die "Suite nach Texten
sten und OrChestern ersten Ranges, ausschließlich ita- ostpreußischer Dichter" für gemischten Chor und ,
lienischen Künstlern, veranstaltet werden, erfüllen die Orchester, die- 1936 mit so großem Erfolg beim
Aufgabe, auch den MUSikfreunden der kleineren Städte Fest der deutschen Chormusik in Augsburg ur-
die bedeutendsten ~eitgenösslscben Werke nahe zu
bringen. Die Konzertreihe, welche sich dem großen aufgeführt wurde. Die Musik soll jetzt veröffent-
Arbeitsprogramm • der FaSChistischen Kulturinstltute licht werden. Es fehlt jede Unterlage, wohin das
zur verbreitung der italienischen Kulturgüter einglie- Material verliehen wurde. Daher bitte ich auf
dert, bat bereits begonnen und Wird sich bis in den diesem Wege um zweckdienliche Nachricht oder
Sommer hinein erstrecken. n. um die Meldung des augenblicklichen Besitzers

der Musik an meine Anschrüt: Lore Jörns, Mann-
Musik ln Riga. heim, Meerwiesenstr. 31.
Der Hauptsender Rlga brachte Innerhalb einer groß
angelegten Sendereihe vOn 32 Dienstag-Konzerten fast
in jedem Musikabend eine kennzeichnende Probe aus I.
dem deutsc.h en Muslkschaffen der Gegenwart. Zu nen- • Verschiedene

nen sind folgende Werke: Jörns: Elbinger Musik, Hes- Der Generalintendant der BÜhnen der Reicbsmesse-
senberg: Concerto grosso, Hoelter: Frescobaldl-Varia- stadt Leipzig bat die Oper "casanova in der Schweiz" •
nonen, DavUi: 2. Sinfonie, Borcl<.: Thema, Variationen von PaUl BtlfkhiLrci, Text von R~chard Schweizer zur
und FInale, Berger: Rondlno giocoso, Rasch: Ostinato deutsChen ErstaUfführung angenommen.
und Toccata, P!itzner: Sinfonie und Duo für Geige und Wie aus venedtgberichtet wird, wurde bel Gedenk-
Cello, Graener: Turmwächterlled, Gotische .Sutte, Wie- feiern zum 130. TOdestag Rtchard Wagners, die Im Pa- •
ner-Sinfonie, Trapp: Cello-Konzert für Orchester. Fer- lazzo Vendramin Calergi, in dem der Meister gestorben

ner KomposlUonen vqn Richard strauß, Max Trunk, ist, in offizieller Form stattfanden, mitgeteilt, daß In
Heger, Georg Schumann, Rudl Stephan, Franz Schmldt Venedig die Arbeiten an einem geschichtl1chen FJlm
und anderen. So wurde innerhalb dieser Konzerte, die über das Leben Richard Wagners, in dem besonders sein
selbstverständlich auch eine Reihe der hauptsächlichen zweimaliger AUfenthalt in der Lagunenstadt behandelt
sinfonischen Werke aus Klassik und Romantik bl';ICh- wird, in nächster Zeit beginnen werden.· Der Hauptdar-
ten, ein entllcheidender Schritt zur Pflege und Verbrei- 'SteIler wird EmU Jami.'ings sein.
tung deulscher Musik im Ostland getan. -
Das große OrChester des Hauptsenders Ri.g a mit sei- Der Musikpreis der Stadt Rostocl<. wurde im Rahmen
nen 70 lettischen Musikern erflIDte damit ein Arbeits- der 5. Rostocker Musikwoche dem vor kurzem im Osten
programm, das einzig in seiner Art ~asteht. gefallenen Kapellmeister des Rostoc.ker Stadtthl!aters •
Horst Günther SchneU vetliehen. Im Rahmen der Feier
Franz Mikorey 70 Jahre aLt. • wurden 'TeUe aus seiner Oper "Orpheus" uraUfgeführt, I
die der Rostocker Musikdirektor Helnz Schubert nach ,
Am 3. Juni beging der Komponist und frühere GM• I J Skizzen zu einigen geschlossenen Nummern zusammen-
an der Dessauer Hofoper, Franz Mil<.orey, seinen 70. Ge- gefügt haUe. Der Hauptteil des Manuskriptes der Oper,
burtstag. Mikorey ist geborener Münchener, sein Vater sowie der übrige Nachlaß von SChnell sind englischen
war der bekannte KaIIiIDersänger Max Mikorey, der Bombenangriffen zum Opfer gefallen.

lange Jahre am Münchener Nationaltheater tätig war.
Mikorey lag seinen musikalischen Studien In MünChen Der Reichsstatthalter in Wien Reichsleiter Baldur von
SchIrach hat über Vorschlag des Direktors der Reichs- ,
bei Thuille und In Berlin bei Hj!rzogenberg Ob, Wal'
dann als Kapellmeister' in Prag, Regensburg, Elberfeld hochschUle für Musik elen aw.äßllch des 60. Geburts- I I
und Wien, und wurde 1901 an die leitende SteUe der tages des Komponisten lmd PrOfessors der Reichshoch-
besonders auch durch ihre Musikfeste berühmt gewor- schUle für Musik 01'. Josef Marx gestifteten "JosCWh-
denen Stadt Dessau berufen. Rier wie .,I!päter auch in Mar:r-Preis" dem Studierenden der Reichshochschule
Helsingfors an der dortigen StaatsQPer galt sein Wirken für Musik Wien Hans Toij'! verliehen, der ganz beson- I
ganz vorzüglich. den zeitgenössischen Werken großen dere Begabung aufWeist und verschiedene Werke -
Stils: der Symphoniker Bruekner kam durch ihn zu darunter ein Streichquartett - geschaffen hat, die be- t
Wort, die Opern von Strauß und Pfltzner, nicht zu re- reits mit .Erfolg aufgeführt wurden. !
den von Wagner, dessen Musikdramen er besonders in Der Konzertmeister :H:eImuth Zernicl<. 1st als Lehrer für •
Helsingfors den Weg bereitete. 19j4 siedelte Mikurey violinunterricht einer Meisterklasse 9,n das Konservato-
nach München über, wo er noch heute als freier Künst- - rium der Reichshauptstadt Bertin berufen.
ler lebt. J"oseph Haas hat eine komische oper in vier Akten I
Wenn Mikorey als Orchesterleiter eine allbekannte "Die Hochzeit des Jobs" vollendet. Den Text schrieb
Persönlichkeit ist, sa gilt dies leider nur in bedingtem Ludwig Andersen. Die Uraufführung des Werkes Ist
Maße für sein Wirken als Komponist, Mikorey schrieb zu Beginn der kommenden Spielzeit im Staatstheater in I
Symphonien, Chorwerke, Kammermusik und Lieder. Kassel.
Von ersteren sind durch vielfache Aufführungen am be- I
kanntesten die "Adria-symphonie" un!! "Engadiana'l Für das DeutSChe Theater in Prag hat Generalinten-
geworden, Werke, die mehr oder weniger als Ausläufer dant O!;kar Walleck die Uraufführung des neuen Bal-
der programatischen Tondichtungen zu betrachten wä- letts .. Kleopatra" von Fred Walter angenommen.
ren. Sie sind für großes Orchester geschrIeben, stim- WUhelm Furtwängler hat die kUrzlIch in ES/len urauf- •
mungsmäßig naturhaft-koloristisch empfundene Gegen- geführte Zweite Sinfonie von Ernst pepping für eines
stUcke zu der mehr faustlscbeh RiChtung eines Liszt der ersten näcbstwlnterlichen PhIlharmonischen Kon-

oder den individuell geprägten Ausdruc~stil von Ri- zerte in Bertin angenommen.
chard St:raUß. Eine MJlrChenoper .. Der Ktmig von Sa- Hermann Reutters neue Oper "Odysseus" erlebte
markand" erlebte erfolgreiche Aufführungen in Halle, an den Städtischen Billmim in Wuppertal eine ein-
Wiesbaden und Dessau. Von prägnanter Ausdrucksform drucksvolle Erstaufführung. In der Inszenierung Hein-
sind Mlkoreys l,leder. Aus ihnen sind uns besonders rich Köhler-Helffrichs mit den Bühnenbildern von-
. ein geschlossener Zyklus aus des Knaben Wunderhorn He1nz Wendel und in der musikalisch hervorragenden
in guter Erinnerung als TonbUder von weiter und rei- ,
Wiedergabe durch GM'D Fritz Lebmann kam eine Auf-
cber Innenschau. Ein Klavierquintett und Mönnerchöre fthrung von überzeugender künstlerischer Geschlos-
ergänzen nach anderer Selte hin das alld eines Schaf- senheit zustande .
• 77

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Kurt Hessenbergs kurzes und humorvolles Orchester- ponlsten Leo Justinus Kauf!1nann Auftrag für zwei neue • •
stück .,Musikantenhochzelt", das kürzl1ch im Pariser Opern erteilt. Der einen liegt el.n stoft' aus der Antike,
Sender und Im deutschen Funk als ReichSsendung zu Eurlpldes Drama "Hlppolythos" zugrunde, die andere
hören war, Ist' nach erfolgreIchen AUfführungen in soli einen modernen Stoff behandeln.
Wiesbaden und GöttIngen in Krefeld und Baden- Zum "Tag der deutschen Hausmusik'';" an dem das
Baden vorgesehen. Schaffen der zeitgen~slschen Komponisten besondere

Hltndets Orgelkonzerte wurden in Partitur und Stim- Beachtung finden wird, ver anstaUet der Großdeutsche -
men von dem bekannten Organisten und Cembalisten Rundfunk in Verbindung mit der ReichSmusikkammer
Prof. Helmut Walcha neu herausgegeben. einen Kompositions-Wettbewerb. an dem sich alie deut-
In den vom Staatl1chen Institut für Deu,tache Musik- schen Komponisten, die Mitglied der Fachschaft Kom-
forschung herausgegebenen Reichsdenkmalen "Das Erbe ponisten in der Reichsmusikkammer sind, beteiligen
deutscher Musik" erschien als Band 19 die bekannte ~ können. Die Reichsrundfllnkgesellschaft (Berlin-Chat-
LIedersammlung von Valentin Rathgeber und I. C. sey- lottenburg 9, Haus des Rundfunks, Programmgruppe:
feTt "Ohrenvergnügendes und gemüthergBtzendes Tafel- BrunQ Aulich) versendet auf Anforderung ein Merk-
confect" vom ;Tahre Die Herausgabe besorgte blatt, aus dem die Bedingungen des Wettbewerbs, auch
Dr. Hans-;Toachlm Moser. was die Art der Werke anbetrifft, genau zu ersehen
Zur Förderung des zeitgenössischen Musikschaffens sind. Wehrmachtsangehörlge, die sich im Einsatz be-
für die Konzerte hat das Natfonalsyndikat der italieni- finden, bekommen das Merkblatt unaufgefordert zuge-
schen Tonki1nstler eine Reihe Wettbewerbe für Kom- sandt. Als Schlußtermin für Einsendungen gUt der
ponisten ausgeschrieben. Es sind Preise von insgesamt 1. Oktober 1943.
30000 Liren ausgesetzt für: 1. ein symphonisches Werk Die drei besten Werke \Wrrden am "Tag der deut-
mit oder ohne Solisten In einem oder mehreren Sätzen, schen Hausmusik" über den Deutschlandsender zu bö-
2. ein Chorwerk m.lt Orchester mit oder ohne Solisten ren sein als Beitrag d.es Rundfunks zu diesem wichtigen
in einem oder mehreren Sätzen, 3. eine Komposition Musiktage.
für unbegleiteten Chor; ferner für kammermusikali- Veranstaltungen.
sche Werke, 4. für kleine BeseullDg von sechs bis zu
zwölf Spielern mit oder ohne SoUsten, 5. für Trio, Zum Abschluß der Wlnterveranstaltungen des Kon-
Quartett oder Quintett In Instrumentalbesetzung nach servatorlums- der Musik Sondershausen (TMlr.) spielte
freier Wahl, 6. für Klavier allein, 7. für Klavier und der langjährige Konzertmeister und Hofkapellmelster
ein anderes Instrument, 8. für eine Singstimme und PrOfessor Karl Corbach, unter dessen Leitung auch das
Klavier. • Konservatorium 1ast 30 ;Tahre stand, Im nunmehr 77. Le-
l bensjahre noch einmal die drei Brahmssonaten mit
Fried Walter hat eine komische Opet
~taunlicher Frische technisch sicher und mit schön-
geschrieben. Das Libretto stammt aus der
E. Tramm und P. Beyer. Die uraufführung ist für den ster· Tongebung. Er wurde mit Alfred Gallitsche am
Herbst in Wiesbaden vorgesehen. FIUgel stürmisch gefeiert.
Das Tan z- und Singspiel "Die schlaue Müllerin." von Die Staatliche HochSChule für Musikerziehung Graz
Cesar Bresgen, das kürzlich bel der Uraufführung in führte für Ihre Lehrer und StUdierenden vom 20. bis
25. Mai ihr drittes Lager für Musische Erziehung in Bad
Esser das Interesse der FachWelt auf sich gelenkt hat,
Rohitsch-Sauerbrunn durch. Als Gastdozenten wirkten
'erzlelte auch am Landestheater in Darmstadt allge-
meineZustImmung und Anerkennung. mit Dr. Hans Joachlm Mosel', Referent im Propaganda-
und Prof. Walter Weyler, Dozent am Aßt-
Gerbard Frommeis SinfonIe, die Wilhelm Furtwäng- werpener Konservatorium, mit dem aueh 20 flämische I
Jer kUrzlich in Berlin zur Uraufführung brachte, hat Musikstudierende am Lager teilgenommen haben.
GM I) Hugo Balzer Auf das Programm eines seiner Der im Vorjahr begonnene_ Kulturaustausch zwischen
, nächsten Konzerte gesetzt. der deutsch-flämischen Arbeitsgemeinschaft in Brüssel
In Gleiwttz wurde die Gründung einer Richard-Wetz- und der Steiermark erfährt dadurch wieder eine neue
Gesellschaft vollzogen, die sich der Aufgabe unterzieht, Bereicherung.
das Musikschaffen dieses 1875 In Gleiwitz geborenen und Aus Anlaß des 700jährigen Besteliens der Stadt star-
1935 . in Erfurt verstorbenen oberschlesischen Tondich- gard in Pommern wurde am 20. ;Tuni 1943 ein Festkon-
ters ;z:u verbreiten und sein Andenken durch Heraus- zert mit dem Kammerorchester der Berliner Musikhoch-
gabe seiner Werke und der über sie erschienenen LI- schule unter Leitung von Professor Fritz Stein durch-
teratur wachzuhalten und ferner eine Erlnnerungsstätte gefUhrt. Im Rahmen des KOllzertes gelangte das "Kam-
Ih der Geburtsstadt des KompOnisten zu errichten. Der . merkonzert, Stargarder Festmusik, von Paul Röf!er zur
Präsident der Reichsmusikkammer, Prof. Dr. Dr. h. c. l1rauft'UhruDg.
\ Raabe, der bel dieser Gelegenheit über Rtcbard Wetz Das MusisChe Gymnasium F'r ankfurt am Main hat
• und sein Werk sprach, hat das Präsidium über die Ge- eine zehntägtgt Konzertreise durch die Schwet z durch-
sellschaft Ubernommen. gefUhrt. Unter der Leitung von Professor Kurt Thomas
Am 4. April d. J. als dem 100. Geburtstage Hans Ric/!.- mus1z1erten 100 Jungen mit bestem ErfOlg deutsche Mu-
ters ließ die Wiener Staatsoper a1s die Stätte seiner sik aus dem 16. und 19. Jahrhundert.
längsten und bedeutsamsten Wirksamkeit eine von Pro-

fessor Tautenhalln k!lnstlerlsch ausgestattete Plakette
Am lt. ;Tun! gelangte in Sttaßburg (Elsaß) unter der •
mit dem BUdrus des Melsterdlrlgenten im großen Foyer Leitung von GMD Hans Rosbaud op. 76 "Thema und
des Op'erntbeaters anbringen. Die Gedenkworte bei der Variationen für großes Orchester" von Fellx Woyr8ch
schlichten internen Feier sprach Univ. Prof. Dl'. Victor zur AUfführung. Die Aufführung wurde vom Deutsch-
Junk, worauf Staatsoperndlrektor GMD Dr. Karl Böhm
landsender Übertragen.

die Plakette in die Obhut des Hauses übernahm. Walter Niemann (Leipzig) vollendete ein neues Kla-
Anstelle des ausgeschfedenen Erlch Walter verpflich- vierwerk .. Der Rubin", Ges.talten und Bilder aus dem
tete die Intendanz der Pfalzopet GMD Walter Beck zum Orient nach Friedrich Hebbels gleichnam.lger Novelle
op. 161.
musikalischen Oberleiter. Beck war neun Jahre. lang •
als GM I) in Magdeburg tiltlg und zuletzt in dieser EI- GMIJ Fritz Zaun bringt die kürzlich vollendete Sin-
genschaft am Staatstheater Bremen. fonie von Gustav Adolf sc~mm im September mit
Das Badische MinIsterium für Kultus und Unterricht ,dem Städtischen orChester in: Berlin zur UrauUUhrung.
,
hat den e1sässlschen · KompOnisten Leo ;Tusttus Kauf!- Karl Hasse, der seit einer Reihe von ;Tahren als Di-
mann beauHragt, ein Klavierkonzert zu schreiben, das rektor der HOChschUle für Musik in Köln wirkt, konnte
In Straßburg zur UrauffUhrung kommen wird. vor kurzem seinen 60. Geburtstag begehen. Dies wurde
Anlaß, den Meister auch als Komponisten mehr als
Dr. Hans HOf!mann, Bielefeld. ist zum städtischen sonst übllch aufs Programm zu setzen. Einen sehr wert-
Musikdirektor und zum musikalischen Oberleiter ~ des vollen Abend mit Werken von Karl Hasse brachte das
Stadttheaters ernllnnt worden. , Stroß-Quartett in TUbingen, der früheren WirkUngs-
Die Dresdener Staatsoper hat dem durch seine in stätte Karl Hasses. Das StreiChquartett Nr. 3 in a-moll
Straßburg uraufgeführte Oper ~,Die Geschichte vom opus 63 und daa Streichquintett In d-moll opus 60 wur-
schönen Annerl" und eine Reihe von Orchesterstücken den hier in hervorragender Welse interpretiert. Es zeig-
78 und Kammermusikwerken bekannt gewordenen Kom~ te sich in diesen Werken, welch nachhaltigen Eindruck
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der Komponist Karl Hasse immer wieder hinterläßt. Am 25. Juni 1843, also vor hundert Jahren, starb der
Es sind Werke, die sorgfältiger lind verantwortlicher besonders durch seine TextbÜCher zu Webers .. Fret-
gearbeitet sind, als dies vielfach heute der Fall ist, sch1ltz" und Kreutzers "Nachtlager von Granada" be-
Werke, mit denen man sich ausführlicher auseinander- kanntgewordene SChriftsteller Friedrlch Kind. Der am
setzen sollte, als dies unsere schnellebige Zelt im all- 4. März 1768 in Leipzig geborene Jurlstensohn war nach
gemeinen tut. Es zeigte sich auch in dieser A1lffilbrung, dem Rechtsstudium an der Universität Leipzig seit 1792
daß hier ein Schaffen vor uns 11egt, das von längerer In Dresden als Rechtsanwalt tätig, bis er den Juristen-
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Dauer sein wird, das aber in seinem Werte uns auch beru~ aufgab und sich ganz. seinem fruchtbaren literari-

schon heute nicht vorenthalten werden sollte. Die Kam- schen Schaffen widmete, von dem auch zahlreiche Ge-
mermusik, die Orchesterwerke, die Lieder Karl Hasses, dichte, Erzählungen und mehrere Bühnenwerke Zeugnis
von denen auch in TÜbingen eine größere Anzahl zur geben.
Aufführung gelangten, seine Kantaten sollten überall
mehr auf dem Programm erscheInen. Es' sind Werke, Die Toten.
die den Aufführenden und den ZUhörenden Freude..... Hans Neemann, der bekannte Lauten- und Theorben-
machen, und die bei öfterem Anhören immer mehr virtuose, der sich auch als Herausgeber alter Musik
Schönheiten aufzeigen. G. Bosse. einen guten Namen erworben hat, hat im Dlenstll der
Hermann Stmons .. Requiem in beUo", - Totenfeier Wehrmacht 1m Alter von 42 Jahren sm 2. Juni sein Le-
Im Kriege - ist von Günther Ramin zur Uraufführung ben hingegeben.
mit dem Brucknerchor zu LeipzIg In Aussicht genom- •
men. / In Köln verstarb als Opfer eines LuftterrorangrIffs
der weit über die Grenzen des ReiChes hinaus bekann-
Geburtstage 'und Jubiläen. - te Geiger und Viol1nlehrer Professor Bram .Iilldertng.
PrOfessor Paul Baumgarten beging am 25. Juni den Der Verstorbene, der 1865 In Groningen In Holland ge-
70. Geburtstag. Nach der1>urchführung des Opernhaus- boren wurde, studierte in Brüssel lind "BerUn und ent-
Umbaues in Charlottenburg erbaute Baumgarteh U36 faltete anschließend eine rege Konzerttätigkeit in Mel-
bis 1938 das Gautheater Westmark in Saarbrücken. Wenn nlngen, BerUn und Budapest. Im Jahre 1903 kam er
er dann Theater umbaute, 'So war das vielfach elne völ- nach Kö1n, wo er bi.s 1934 als Lehrer am Konservato-
Uge Neu-Schöpfung. Dun war übertragen der Umbau rium lind der heutigen MUSikhOChschule wirkte. Aus
des Schiller-Theaters der Relchsbauptstadt in Charlot- seiner großen geigerischen Tradition sind vieie nam-
tenburg, des Metropol-Theaters und des Admiral-Thea- hafte Solisten hervorgegangen.
ters In BerUn, des Stadttheaters in Augsburg, des Deut- Sigrid Onegin ist kürzlich In Lugano im 53. Lebens-
schen Theaters In München, des Deutschen National- jahr gestorben. Die Künstlerin war eine der gefelert-
Theaters In Weimar, des Reichsgautheaters in Posen I
sten Vertreterinnen des Alt-Faches auf der Opern-
und des Stadttheaters in Thorn. bÜhne, lind sie erntete den gleichen Ruhm Im Ronzel't-
Einer der führenden Männer auf dem Gebiete der saal. Sie hieß ursprünglich Hoffmann lind trug als
Bühnentechnik, Professor Rudolt K!etn, Technischer Di- Künstlerin den Namen ihres ersten M~nnes. Im Gegen-
rektor der Preußischen staatsthea'ter, vollendet am satz zur heute üblichen Behandlung der Altstimme trat
25. Juni sein 115. Lebensjahr und kann gleichzeitig sein sie auch mit virtuosen Koloraturarien hervor - eine
40jähriges Dienstjubiläum begehen. über DreSden führ- Technik" die vor 100 Jahren noch allgemein gepflegt
te sein weg 1911 nach der Reichshauptstadt an das Deut- wurde, die aber inzwischen einem anderen Gesangs-
sehe Opernhaus, bis er dann 1929 die technische Ober- ideal weichen mußte. ,
leitung der Prepßlschen Staatstheater als TechnIscher In Rom ist dieser Tage der Musikgelehrte und -päda-
Direktor übernahm. In Anerkennung seiner besonde- gog. Tonsetzer und Chordirektor Raffaeie Castmirt im
ren Leistungen verlieh der Führer dem Jubilar 193'7 den 63. Jahr abgeschieden. Er .hat seibst eine große Anzahl
Professortitel; das gleiche Jahr brachte als weitere Eh- geistlicher Tonwerke - Messen, Litaneien, Motetten,
rung den Grand Prix der Weitausstellung Paris für die Oratorien und "Sacrl Concentus" - verfaßt, doch lei- I

Arbeiten gelegentlich der Festaufführungen der Berli- stete er Bleibendes in der Musikwissenschaft, vor allem
ner Staatsoper In Pans. als WIedererwecker und Entdecker alter polyphoner
Der seit vielen Jahren in Brüx (Sudetengau) lebende Vokalkuhst. Zuletzt war Ihm eine neue Aufgabe der
Komponist Rudolf Enge! beging am 12. Mai seinen 60. Ge- "Opera Omnla di Palestrlna" anvertraut wo:cden, eine
burtstag in voller körperliCher und geistiger Frische. Aufgabe, die er bis zur Veröffentlichung des 17. Bandes
Als Absolvent der stuttgarter Musikhochschule anter förderte. Casimlrl war sm 3. November in Gualdo Ta- I
Max v. Pauer schrieb RudOl! Engel eine ganze Reihe dino (Umbrien) geboren, studierte in Padua, wirkte erst
bedeutsamer und mit viel Erfolg aufgeführter Orche- als Musiklehrer und Kapellmeister an San Glovannl in
ster- und Chorwerke u. a. eine Symphonie In g-moll, Laterano zu Rom. Hier grUndete er 1922 auch seine aus-
eine fünfsätzige Orchestersulte, ein Oratorium .. Jesus", gezeichnete "Societ8 Pollfonica Romana", die er In ein-
eine 1;Cufstelner Heldensuite tür Orgel und plne Missa heimischen Konzerten und auf Reisen Ins Ausland bis

solemn'ls tür SoU, gemischten Chor und Orchester. Seine nach All\erika mit Vorführungen unbeglelteter geist-
Werke zeichnen sich durch sonde Struktur und gesund- licher und weltlicher Chorrp.usik der Renaissance zu
empfundene Klangwirkung, die sich mit einer Wir- großen Erfolgen führte. Neben seiner praktiSchen Tä-
kungsvollen Orchestrierung verbrämt, aus. Rudolt En- tIgkeit, seinem eigenen Schaffen und der Wledererw.ek-
gel wirkt zurzeit als Leiter der Städtischen Musikhoch- kung alter Meistermusik gab er seit 1:901 die Zeitschrift
schule In der sudetendeutschen Bergstadt BrUx. ..Rassegna Gregoriana", selt 1907 die Monatsschrift .. Psal-
Peltegrini. terium", dann das JahrbUCh "SacTI Concentus" soWie
Am 19. Juni wurde der Generalmusikdirektor der •
seit 1924 die Vierteljahrsschrift "Note d'Archlvio poly-
Reichshauptstadt, Fritz Zaun, 50 Jahre alt. In Köln ge- phonlcae romanae repertorium" heraus und veröffent-
boren, studierte Zaun in seiner Vaterstadt am Konser- lichte außer vielen Abhandlungen, die in seinen und In
vator1um und an der Universität. Seine Studien wur- ausländischen ZeitSChriften erschienen,' biographlschf!
den durch den Weltkrieg '!nterbrochen und seit KrIegs- Schriften über Orlando di Lasso u. a. soWie Beiträge
• ende fUhrte ihn seln Weg als Dirigent nach DUTen, zur Palestrlnaforschung. n.
Köln, MUnchen-Gladuach, Zürich und dann wIeder als
Operndirektor an das Kölner Opernhaus. 1939 geiangte
er an die Spitze des BerUner Stltdtischen Orchesters, Imolge eines technischen Versehens ist Heft 1/2 nur
wo er tüchtige Erziebungsarbeit leistete. Zaun pflegt als Heft 1 bezeichnet worden. Wir bitten das zu korri-
neben der klassischen Musik auch namentlich das zeit- gieren, da das vorliegehde Heft die Nummern 3/4 um-
genössische Schaffen, wie sich überhaupt seine Pro- faßt.
gramme durch geschmackvolle Gestaltung und durch Die nächste Nummer der Zeitschrift (Heft 5/6, August!
Berücksichtigung ZU Unrecht vernachläsSigter Kompo- September) soll am 1. September zur AUSlieferung- ge-
_ nisten und Werke auszeichnet. langen. .
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Hauptschriftleiter: Dr. phl1. habil. Herbert GeTtgk, Berlin-Halensee; stellvertr. Hauptschrlitlelter: Gustav Bosse.
Regensburg. - Anzeigenleitung: Dipl.-Kfm. Franz Schenk, BerUn. Jeder Nachdruck (auch auszugsweise oder mit
Quellenangabe) ohne Genehmigung ist verboten. - Geschäftsstelle: .. MusJk Im KTlege", Berlln-Halensee, Joachlm- 79
Frledrlchstr. 38. - Gedruckt In der Graph. Kunstanstalt Heinrich SChleie, ' RegenSburg.
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GemeinschaRszeitschriR für die Dauer des Krieges vereinigt aus:

"Die Musik" '-


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o r g a n des Amt es 1111 u 8 i k beim Beauftragten des Führer!> für die Uberwachung der gesamten geI-
, stigen und weltanschaulichen schwung und Erziehung der NSDAP., zugleich amt 1 ich e fVI u s i k -
z e 1 t s c Ii r i t t des Amt e s F eie r a ben d in der NS-Gemeinschaft .. Kraft durch Freude" und des
Amtes Deutsches VolkSbildungswerk in der Deutschen Arbeitsfront. AmUiches l\IIittellungsblatt- des Muslk-

referats 1m Kulturamt der Relchsstudentenführung. Herausgeber; Dr. Herbert Gerigk.
35. Jahrgang, Juni/JuU 1943, Heft 9/10 .

Max Hesses Verlag, Berl1n-Halensee •
. ,

"Zeitschrift für Musik"


, Monatsschrltt für eine geiStige Erneuerung der deutschen Musik. Ge g r ü n d e t 1834 als "N e u e Z e I t-
schritt für Musik" von Bobert Sebumann. Seit 1906 ver 'einigt. mit dem ..Muslka-

, 1i s c h e n W 0 c he n b I a tt". Herausgegeben von Gustav Bosse.
110. Jahrgang, JunI/Juli 1943, Heft 6/7. •

Gustav Bosse. Verlag, Regensburg \

"Allgemeine Musikzeitung" • -
~

Wochenschrift für das Muslkleben der Gegenwart (vereinigt mit "Rheinisch-Westfälische Musikzeitung" u .
..Süddeutscher Musikkurier''). HauptschrlfUeiter Dr. RiChar!1 Petzoldt.
70. Jahrgang, Juni/Juli 1943.
, • •
B r e 1 t k 0 P f & H ä r tel, Mus 1 k'v er lag, Lei p z I gel, N ü r n b erg er 5t r a ß e 36-38
,


"Neues Musikblatt" • • ,

Monatsschrltt für zeitgenössische Musik und aktuelles Musikleben.


I
22. Jahrgang, JunilJuU 1943.
- ,
B. S c hot t S S ö h n e, 1111 a 1 n z, W e 1 her gar t en I) - 7

ErscheinungsweiSe zweimonatlich, :aezu.gspl\els halbjährliCh Mk. 7.-, Einzelhfft Mk. 2.50


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, Inhalt: Heft 3 4 Juni Juli 1943


Dr. Herbert Gerigk: Themen des Tages . . . . . . • • • • • • • • • • • r• • • • • • 41
. . . . .


Dr. Heinrich EdeZhoff: Lübeck und seine Orgeln. . . . • • • • • • • • • • 44
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• Staatsrat Banns Johst: Rede über Robert Schuman . . • • • • • • • • • • • · . . . . • 46 ,
FauZ Eibisch: Bericht über die Robert Schumann-Tage in Zwickau . . . .., . • , • • • • • • • 47
.... , , Dr. Otto Kunz: Ein unbekanntes Bildnis der Schwester Mozarts • • • • • • • . . . . . • 48
Prof. Dr. Karl Gustav FeUerer: Holland in der e~ropäischen Musik des 19. Jahrhunderts. . • • 49
Dr. Richard Litterscheid: Der "bürgerliche" Brahms . . . . . . . . . . . . . . • • • • 50
; . KarL Dreyer: Ein Deutscher kämpft Um sein Werk .. . . . . . . . . . . . . . ' . • • •
Dr. Gü.nther Haußwald:' Hanns Kötzschke . . . . . . . ' . , . . . . . . . . . . . •
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53

• Prof. D1'. Heinrich Sitte: Jugendfreund !lans Richtter . . . . . .. . . . . . . . . • • • • 54
Al!re(! Weidemann; Wagner über Kürzungen im ~,Tristan" . . •. . . . . . . . . . • • • 55
Musikliteratur und neue Noten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • • • • 56
• Das Musikleben . . . . . ' ,' . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • • • • 59
• Die Schallplatte. .. . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • • • • 74
Zeitspiegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • • • • 75
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Bildbeilagen: •

J. E. Heinsius: mutmaßlich Marianna Mozart (Bleistiftzeichnung) • • • • • • · ., . . . . . 48


Marianne Mozart, verehel. Reichsfrau zu Sonnenburg . . . . . . . . • • • . . . . · . . 48
Hans Richter im Alter von 21 Jahren. . . . . . . . . . . . • • • • • . . I . . . . . 48
Widmung Hans RicMers 'an seinen Jugendfreund Carrullo Sitte . . . . . . . . . . . . . 48

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Bühnenbild zu Erl'llanno Wolf-Ferrari: "Die ,vier Grobiane" (Inszenierung Hans Herbeft Pudor) .
Bühnenbild zu Hermatm Reutter: "Odysseus". UA Opernhaus Frarudurt/M. Bühnenentwurf von
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80 He1 m ut Jürgens .. . . , . . . . . . . . . . . . . . . . .

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