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„Ich hob
mitkassiert, oder?“
Die polizeilichen Telefonprotokolle im Fall Grasser dürfen nun veröffentlicht werden. Sie zeigen, wie sich der Exfinanzminister
und seine Freunde besprachen, wofür Provisionen flossen, wie Dokumente vernichtet und blaue Exminister gewarnt wurden
BERICHT: FLORIAN KLENK

m Ende des Telefonats, als sie über

A geschredderte Verträge, geheime


Sparbücher, geschwätzige Geldbo-
ten und ihr gemeinsames Luxusboot auf
Ibiza sprachen, da wünschte der „Ernsti“
dem „Walli“ noch „alles Gute für morgen“,
den Tag des Polizeiverhörs.
„Das passt schon“, sagt Walli zu Ernsti,
„ich werd das schon irgendwie hinüberdre-
hen.“ Die Kriminalpolizei „kennt sich eh
nicht aus“. Er werde beim anstehenden Po-
lizeiverhör „angefressen tun“ und auf frü-
here Aussagen verweisen, um sich nicht in
Widersprüche zu verwickeln. Kein Grund
für schlaflose Nächte. „Walli“ zu „Ernsti“:
„Ich tu jetzt noch die Dinge fertiglesen und
geh dann schlafen.“
Es war der 3. Februar, zwei Uhr früh, als
dieses zweistündige Gespräch zwischen
den Grasser-Freunden Ernst Karl Plech
und Walter Meischberger zu Ende ging.
Die beiden Freunde sprachen erstaunlich
offen über die polizeilichen Ermittlungen
im Fall Buwog-Grasser und all die Honora-
re, die sie als Berater und Lobbyisten wäh-
rend dessen Amtszeit verrechnet hatten.
Die Polizei schnitt dieses und viele wei-
tere Gespräche mit. Sie wollte im Auftrag
der Staatsanwaltschaft ermitteln, wohin
jene Zehn-Millionen-Euro-Provision ge-
flossen war, die Walter Meischberger ge-
meinsam mit dem Grasser-Lobbyisten Pe-
ter Hochegger beim Verkauf von 60.000
Buwog-Wohnungen von der Immofi nanz
unversteuert über eine Scheinfirma kas-
siert hatte. Die zentrale Frage lautet: Hatte
auch Grasser mitgeschnitten? Oder war er
„supersauber“, wie er stets erklärt?
Als die Polizisten die Gespräche abge-
tippt hatten, warnten sie den Staatsanwalt.
Plech und Meischberger hätten sich „ver-
abredet“, Grasser und Meischberger hät-
ten sich „beraten“, wie man bei bevorste-
henden Einvernahmen „argumentieren
soll“. Die Untersuchungshaft wegen Ver-
dunkelungsgefahr stand kurz im Raum.
Doch die Staatsanwaltschaft sah davon ab,
sie hielt es nicht einmal für nötig, Grasser
vorzuladen. Erst im September dieses Jah-
res wurde er nach medialem Druck zum
Verhör gebeten.
Viele Beobachter haben in diesem weit-
verzweigten und politisch so wichtigen
Fall längst den Überblick verloren (für Ein-
steiger siehe Kasten Seite 21). Die Fahnder
stellen sich nun nach Auswertung der Te-
lefonate eine wichtige Frage: Wofür floss
das viele Geld auf Meischbergers Kon-
ten? War es redlich erworben? Oder war
Meischberger der Kassenwart Grassers,
Auszüge aus den Telefonprotokollen: Meischberger – Plech und Meischberger – Grasser ein Hintermann, der Schmiergeld einfor-

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derte, verwaltete und verteilte. Er bestrei- bei „Aussiedlungen“ von Finanzbeamten sichtsrat Plech Meischberger eine Insi-
tet dies. Und was wusste der Finanzmi- aus Staatsgebäuden in private Hochhäu- derinformation verkaufte, wie die Polizei
nister, der sich von seinen Freunden an- ser der Porr viel Geld, vermutlich Schmier- vermutet? Meischberger sagte zunächst
geblich abwandte, wirklich über seinen geld, in die Taschen von Grassers Freunden auch aus, Plech habe an der Provision mit-
Trauzeugen? gelossen sein könnte. verdient. Dann, nach einem Telefonat mit
Plech und Meischberger wurden be- Plech, änderte er seine Verantwortung.
reits zu Beginn dieses Jahres einvernom- Da ist zum Beispiel das „Faktum Brehmstraße“. Plech habe nur mit „gutem Rat“ geholfen,
men. Meischberger hatte grobe Gedächt- 400 Finanzbeamte mussten ein staatliches Die grüne Abge- aber nichts kassiert.
nislücken, als es um die enormen Honorare Bürogebäude der Bundesimmobilienge- ordnete Gabriela In der parlamentarischen Anfrage wird
an ihn ging. So wie Plech beteuerte er seine sellschaft (BIG) in Erdberg verlassen, um in Moser witerte nun öffentlich, wie Meischberger mit Plech
Unschuld. Hochegger gab sich gesprächi- ein neuerrichtetes Gebäude der Porr in der Korruption bereits über den Deal sprach – ehe er vor der Poli-
ger und belastete Meischberger mit klei- Simmeringer Brehmstraße zu ziehen. Die im Jahr 2002 zei seine Aussage änderte:
nen Hinweisen. Meischberger, so sagte es Opposition witterte Verschwendung. Wer
zumindest Hochegger, habe wertvolle In- hat von dem Deal proitiert? Meischberger: „Ahhh jo. Du, ahm, noch
fos aus dem Finanzministerium erhalten. Zunächst einmal die Porr, die ihr Ge- schnell zu den andern Geschichten. Wir
Die Polizei rückte Meischberger auf die bäude vermieten konnte. Wie der Zufall es hobn gemeinsam die ..., wie wor die Nord-
Pelle, sperrte seine Konten, beschlagnahm- wollte, kassierte aber auch Walter Meisch- bergstraße, wie wor des, des wor ahh, vom
te sein Notizbuch und zapfte seine Telefone bergers PR-Firma zehnvierzig zu jener Zeit Rechnungsablauf, host du des no im Kopf?“
an. Die Polizisten erfuhren schon bald, dass rund 600.000 Euro von einer Tochterir- Plech: „Jo, des is, des is glaufen über die, bei
sich Meischberger mit Grasser im Hinter- ma der Porr. Ofizieller Grund der Provisi- der Nordbergstraße hob ich eigentlich nix,
zimmer seines Büros traf. Man besprach, on: die Vermittlung eines Immobiliendeals also wie gsogt, ih hob mitkassiert oder hob
so notierte es Meischberger zumindest in in München. So steht es auf einer sicherge- ich, do tauch ih net auf, net?“
seinem Tagebuch, dass Grasser mit „Geri“, stellten Rechnung. Meischberger: „Jaaaaa, okay.“
dem Anwalt Meischbergers, nach Zürich Die Polizei ging der Rechnung nach. Plech: „Versteh.“
liegen werde, um dort „die Dinge zu re- Sie fand in München kein einziges Doku- Meischberger: „Ober, ober daun, no, dass
geln“, weil es dort noch „Gefahrenpotenzi- ment, das auf Meischberger hinwies. War ma sogst, wirs glaufen is. Ih hob a Rechnung
al“ gab. In Zürich saßen die Vermögensver- die Rechnung also eine Scheinrechnung? gstellt.“
walter von Grasser und Meischberger. Wenn ja, wofür? Hatte Plech, der die BIG Plech: „Jo.“
Im Juni wurde besagter „Geri“ selbst beaufsichtigen sollte, mitgeschnitten? In Meischberger: „Weil ih was getan hab?“
unter Verdacht gestellt. Er soll Treuhand- der parlamentarischen Anfrage kann nun Plech: „Jo, du host, du host zusammen-
verträge in der Causa gefälscht haben. Bei jeder das Telefonat zwischen Meischberger brocht, du host es mir zugschrieben im Un-
einer Hausdurchsuchung beschlagnahm- und Plech zu diesem Fall nachlesen: terrichtsministerium, des stimmt ober net,
te die Polizei den gesamten Server der aber du host.“
Kanzlei. Auch für Anwalt „Geri“ gilt die Meischberger: „Weißt du noch, was hinter Meischberger: „Genau, genau, ober ih will
Unschuldsvermutung. Er bestreitet alle der Münchner Geschichte war, eigentlich?“ nur, was war das Projekt selbst, des war ein
Vorwürfe. Plech: „Des von der Münchner Geschich- Telekom, ein Telekomgebäude?“
Das ist die Kulisse, vor der die abgehör- te war der 11. Bezirk, die Aussiedlung von Plech: „Ein Telekomgebäude, das verkauft
ten Telefonate zu bewerten sind. Etwa je- Teile von der Finanz.“ wurde an die Porr. Die Porr hat’s ausgebaut,
nes vom 2. Februar dieses Jahres. Da rief Meischberger: „Brehmstraße.“ entwickelt und ...“
Meischberger seinen Freund, den Immobi- Plech: „Brehmstraße.“ Meischberger: „Ja, und wer is do einzogn?“
lienmann Plech, an, um über die kassier- Meischberger: „Okay, gut. Hm.“ Plech: „Do is einzogn die Wirtschafts-
ten Honorare zu plaudern. Tags zuvor hat- universität.“
te Meischberger auch Karl-Heinz Grasser Eine Verabredung, nennen das die Ermitt- Meischberger: „Okay, und mit wem hob ich
am Apparat, den Mann, der von nichts ge- ler vom Bundeskriminalamt. Oft kommen do kontaktiert? (....) Wos hob ih daun zsam-
wusst haben will. Beschuldigte wegen solcher Gespräche menbrocht? (...) Wo woar mei Leistung?“
wegen „Verdunkelungsgefahr“ in Untersu- Plech: „Deine Leistung war, ah, deine Leis-
Die Veröfentlichung von Telefonprotokollen chungshaft. Nicht so die Freunde Grassers. tung woar, ahhhh, dass du, ich bin jetzt
ist rechtlich und ethisch heikel. Das Me- Es war nicht die einzige Rechnung, die völlig durcheinander wegen der anderen
dienrecht sieht strenge Entschädigungs- Grassers Freunde erörterten. Wenn es um Gschicht do, vollkommen, weil ih hob des
zahlungen vor, die Privatsphäre ist zu die Porr ging, hatte Meischberger noch ahhh.“
schützen. Allerdings nur, wenn „schutz- weitere Gedächtnislücken. Einmal sag- Meischberger: „Ja denk kurz nach bitte.“
würdige Interessen“ verletzt werden. Eine te er zu Plech: „Und in der Porr-Geschich-
Veröffentlichung ist weiters erlaubt, wenn te hätt ich mit dir noch einmal gern, ich hab Grasser: „Da So geht’s dahin. Plech, Grassers Freund,
die Protokolle entweder bei Gericht öffent- mir das jetzt alles durchgelesen, es ist ja un- würd ich halt instruiert offenbar Meischberger, ihn zu
lich verlesen oder Gegenstand des parla- glaublich, was ich schon alles ausgesagt habe. ein bisschen decken. In einem weiteren Telefonat zeigt
mentarischen Geschehens werden – etwa Das hätt ich dich noch gern … weil da bin ich eine Recherche sich, dass Meischberger nicht einmal weiß,
weil sie auf grobe Missstände in der Politik am schwächsten … weil ich da einfach nichts machen“ wo die Nordbergstraße, diese von ihm so
hindeuten, die ein Mitglied des National- weiß und für relativ viel Geld wenig gesagt hab teuer vermittelte Immobilie, liegt. In der
rats mittels parlamentarischer Anfragen und ich nichts weiß, sagen wir einmal so.“ parlamentarischen Anfrage kann man das
und unter Schutz der Immunität aufklären „Für relativ viel Geld wenig gesagt“, Telefonat nachlesen:
will. Die Berichterstattung darüber ist vom Meischberger bringt sein Dilemma selbst
Gesetz ausdrücklich erlaubt. auf den Punkt. Erinnerungslücken hatte er Meischberger: „Wo ist denn des eigentlich?“
FOTOS: APA/G. HOCHMUTH, PIC TUREDESK/A. TUMA, R. PROHASK A, H. CORN

Die grüne Abgeordnete Gabriela Mo- zum Beispiel auch, als es um 708.000 Euro Plech: „Die Nordbergstraße ist, wenn du
ser, eine Wirtschaftsexpertin, die Gras- ging, die er zu jener Zeit über Umwege von den Julius-Tandler-Platz, dort wo der Franz-
sers Seilschaft schon seit dem Jahr 2002 der Porr kassierte. Dem Falter erzählte Josef-Bahnhof ist, nach rechts abbiegst.“
kontrolliert, brachte am Dienstag eine par- Meischberger damals, er habe der Porr ein Meischberger: (...)
lamentarische Anfrage an Finanz-, Justiz- Gebäude der Telekom in der Nordbergstra- „Wos hob i daun Meischberger: „Okay, gut.“
und Wirtschaftsminister ein. Darin wer- ße vermittelt, in das später die WU als Mie- zsammenbracht. Plech: „Das ist nur einen Steinwurf entfernt
den auch jene Telefonprotokolle im O-Ton ter einzog. Er habe eben Spitzenkontakte Was war mei von der Wirtschaftsuni (...) das ist ja auch
zitiert, die dem Falter seit Wochen vorlie- zur WU und zur Telekom gehabt. Leistung?“ schon sieben, acht Jahre her, so genau erin-
gen. Die Regierung muss nun Stellung neh- Ein hübscher Deal, der allerdings WU- nerst du dich nimmer mehr, nur an ein er-
men zu all den dubiosen Geschäften und Rektor Christoph Badelt verstörte. Badelt folgreiches Geschäft. Du hast die Provision
Honoraren, die an Grassers Umfeld lossen hatte, wie er dem Falter erklärte, Meisch- kassiert und versteuert. Ich glaub net dass...
– vielleicht zum Schaden der Steuerzahler. berger nie gesehen. Und eigentlich, so er- was werden die bei der Nordbergstraße
Die Telefonprotokolle bieten nun für zählte es Badelt, hätte die staatliche BIG groß machen?“
alle Einblick in die Welt von Grassers Be- (Aufsichtsrat Ernst Karl Plech) das Tele-
ratern. Sie zeigen, wie sich die Beschuldig- kom-Haus für die WU kaufen und adaptie- Plech irrt. Die Kriminalpolizei will den Fall
ten absprechen, während sie auf der politi- ren sollen. Der Vertrag zwischen der staat- WU-Nordbergstraße untersuchen. Denn
schen Vorderbühne alle Vorwürfe als Teil lichen Immo-Gesellschaft und der Telekom Plech: „Ih hob es besteht der Verdacht, dass in Wahrheit
einer linken Hetzkampagne abtun. sei de facto paktiert gewesen. Daraus wur- mitkassiert nicht Meischberger für die Porr lobbyier-
Es gibt in den Dokumenten nämlich de nichts. oder hob ich? te, sondern Ernst Plech die Fäden zog, um
Hinweise darauf, dass im Rahmen von Pri- Das Geschäft machten die Porr und Do tauch ih net
vatisierungen von Staatsimmobilien und Meischberger. Vielleicht, weil BIG-Auf- auf, net?“ Fortsetzung nächste Seite

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Fortsetzung von Seite 19

selbst zu kassieren – dabei war er zu jener Ländern, in welchen Ländern ist die Porr, in ihrer Anfrage ein paar harte Fragen:
Zeit staatlicher Aufsichtsrat der Bundesim- in welchen Projekten war sie tätig, ein biss- „Warum wurde Karl-Heinz Grasser, der so
mobiliengesellschaft. „Wir prüfen, ob er chen in die Richtung argumentieren, in die selbstlose, freundschaftliche Ratschläge
Insiderwissen verkauft und sich persönlich sie auch selber argumentieren.“ gab, obwohl er öffentlich die Freundschaft
bereichert hat“, sagt ein Justizinsider dem Meischberger: „Da bin ich jetzt zu Meischberger bereits aufgekündigt hat-
Falter. Es gilt die Unschuldsvermutung. supernackt.“ te, nicht sofort verhört oder gar wegen Ver-
Zehn Millionen für die Buwog, 600.000 Grasser: „Da würd ich halt ein bisschen eine dunkelungsgefahr inhaftiert? Warum er-
Euro für die „Münchner Geschichte“, Recherche machen.“ folgen die Ermittlungsschritte in der Causa
708.000 Euro für die Nordbergstraße. Meischberger: „Aber wie willst du denn das Buwog im Gegensatz zum Bawag-Skandal
Meischberger, der ehemalige FPÖ-Ge- machen. Da kriegst nicht einen Kontakt von so zögerlich?“ Haben Grassers Freunde
schäftsführer, war gut im Geschäft und denen.“ Zeit gewonnen? Das ist nach Lektüre der
wusste nicht, warum. Selbst den Hinter- Grasser: „Na gar nicht, aber ich würde mir Protokolle nicht auszuschließen. Plech er-
grund einer vergleichsweise läppischen Am Dienstag anschauen sozusagen, ich mein, des siehst zählt nämlich Folgendes:
Provision von 200.000 Euro brachte er brachten die eh im Internet, in welchen Ländern sind s’,
nicht mehr auf die Reihe. Grünen eine was haben sie gemacht, welche Projekte ha- Plech: „Ich muss die zwei Vereinbarungen
Diese Summe kassierte er mit Hocheg- parlamentarische ben s’ wo gemacht.“ verwechselt haben, ich habe eine andere
ger von der Porr offi ziell für „Beratungsleis- Anfrage unter Meischberger: „Des was i eh, aber ich kann Vereinbarung vom M., die habe ich offenbar
tungen Rumänien“, wie eine Rechnung an Zitierung der nicht Projekte ansprechen. Leistungen und durch den Schredder gelassen.“
eine Scheinfirma Hocheggers vermerkt. Telefonprotokolle vor allem, da sag i lieber nix.“ Meischberger: „Jetzt hör ich dich schlecht,
Doch was er dort unten genau tat, das konn- ein. Die Berichter- jetzt wart einmal, ich versuch des lauter zu
te Meischberger nicht erklären. stattung darüber Grasser, so vermerkt nun das Polizeipro- machen, jetzt noch einmal, sag’s noch ein-
Als das Geld floss, so berichtete die Pres- ist vom Gesetz tokoll, „schlägt vor, dass es gescheit wäre, mal, jetzt hör ich dich besser.“
se, zog die Finanzlandesdirektion in den ausdrücklich den P. zu treffen. Meischberger glaubt Plech: „Ich habe da noch eine andere Treu-
Linzer Terminal Tower ein, ein Hochhaus, erlaubt nicht, dass es zu spät sei, und fragt nach, ob handvereinbarung drin gehabt. Da hab ich
das von der Porr erbaut wurde – und das er den von der Baufirma meint. Grasser be- offensichtlich die falsche vernichtet und
sich angeblich nur deshalb rechnete, weil jaht. Meischberger hat überlegt, ob jemand jetzt die falsche drinnen lassen und die rich-
ein Mietvertrag mit Grassers Finanzmi- anderer Kontakt aufnehmen kann.“ tige vernichtet.“
nisterium winkte. Wurde der Vertrag, wie P., so vermuten die Ermittler, ist Horst Meischberger: „Ja ja, des ist ja jetzt Wurst,
die Presse behauptete, beschleunigt ab- Pöchhacker, der heutige ÖBB-Aufsichts- wie des passiert ist, das weiß ich eh, du hast
geschlossen, weil Schmiergeld floss? Was rat und ein Vertrauter von Kanzler Werner das nicht absichtlich gemacht.“
wussten Grasser und sein Immobilienkon- Faymann. Auch er steht unter dem Verdacht
trollor Plech davon? Wie weit war der heuti- „Da bin ich jetzt der Untreue, weil er Schmiergelder seines Noch etwas ist mysteriös. Plech und
ge ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöch- supernackt“ Konzerns abgesegnet haben soll. Pöchha- Meischberger beschließen, den ehema-
hacker eingeweiht? Er stand damals ja an Walter Meischberger cker bestreitet die Vorwürfe. Er will zu den ligen Justizminister Dieter Böhmdorfer,
der Spitze der Porr. Porr-Ermittlungen aber „generell nichts sa- lange Zeit Vertrauensanwalt von Jörg Hai-
Die Porr, die volle Aufklärung versprach, gen“, wie der ORF berichtete. der, zu warnen. Denn bei Plech wurde ein
schweigt. Fast alle Porr-Manager entschlu- 2,5-Millionen-Euro-Sparbuch gefunden,
gen sich der Aussage. Sogar Wolfgang He- Grasser: „Und daher würd ich sagen, der das in „Böhmis“ Kanzlei an Meischberger
soun, der damals im Vorstand war und nun Pöchhacker wird in der Öffentlichkeit – ich übergeben worden sein soll, um diesem im
bei Siemens Österreich auf dem Chefses- gehe davon aus – immer sagen, dass das Jahr 1999 den Abschied aus der Politik zu
sel sitzt, sagt nichts, „aus Angst vor straf- nicht so ist.“ vergolden. Schwarzgeld der Partei? Eine
rechtlicher Verfolgung“, wie das Polizei- Meischberger: „Der kann gar nichts sagen.“ Parteispende?
protokoll vermerkt. Gegenüber dem Falter Grasser: „Naja, er kann gefragt werden.“
erklärte Hesouns PR-Berater, dass der Ma- Meischberger: „Aber die Porr wird fragen.“ Meischberger: „Du, die Sache ist natürlich
nager nichts Kriminelles getan habe. In ei- Grasser: „Die STA (Staatsanwaltschaft, steuerlich heikel, grundsätzlich, aber ver-
ner öffentlichen Presseaussendung erklär- Anm.) kann ihn schon einvernehmen.“ jährt, das ist das Beruhigende, politisch su-
te die Porr, Hochegger sei als Berater der Meischberger: „Richtig, ja.“ per heikel, das wissen wir nicht, wie sie mit
Porr in Osteuropa tätig gewesen. Sein Sub- dem umgehen, logisch, ich spiel des dann
unternehmer war Meischberger. „In der Folge“, so vermerkt das Polizeipro- auf die steuerliche Ebene hinüber, bin da
Nun musste Karl-Heinz Grasser ran. tokoll, „wird darüber gesprochen, dass die ganz gelassen, und dann werden wir den
Ausgerechnet der Exminister, der sich so Linzer Geschichte natürlich etwas länger Böhmdorfer warnen.“
empört gab, weil er von nichts gewusst ha- gedauert hat.“ Was ist mit der Linzer Ge- Plech: „Das müssen wir unbedingt
ben will. Grasser und Meischberger, so schichte gemeint? Der Einzug der Finanz machen.“
vermerkt die Polizei nach dem Aufzeich- in den Terminal Tower? Wusste Grasser
nen eines weiteren, in der parlamentari- also doch davon? Nein, beteuert dessen An- Böhmdorfer taucht in den Gesprächen
schen Anfrage veröffentlichten Telefonats, walt Manfred Ainedter, der Exfi nanzmi- mehrmals auf. Auch er verschaffte Plech
„beraten, wie Meischberger bei der bevor- nister habe seinem Trauzeugen nur einen eine hübsche Provision. Als blauer Justiz-
stehenden Einvernahme argumentieren „freundschaftlichen Rat“ erteilt, er woll- minister hatte „Böhmi“ die Übersiedlung
soll“. te ihm mit ein paar Tipps „auf die Sprünge des Handelsgerichts aus einer Immobilie
Auszug aus dem helfen“. Mehr sei da nicht gewesen. der BIG in der Riemergasse in ein von der
Grasser: „... na, aber das würd ich mir ah ein Telefonprotokoll: Die grüne Abgeordnete Moser stellt Jus- Porr errichtetes Gebäude durchgesetzt–
bisserl anschauen, verstehst, in welchen „Ok, gut, hm“ tizministerin Claudia Bandion-Ortner nun gegen den Widerstand der Handelsrichter,
die Verschwendung beklagten.
Böhmdorfer versichert heute, der Deal
habe der Republik eine Menge Geld ge-
spart. Alles sei korrekt abgelaufen. Mit
Meischberger habe er nichts zu tun ge-
habt. Fest steht aber, dass Ernst Karl Plech
und Walter Meischberger eine Menge da-
ran verdienten. Offi ziell verrechnete Ple-
ch der Republik 607.476 Euro. Was damals
niemand wusste: Auch Meischberger kas-
sierte mit. Zumindest sagt Meischi das.
Denn er gab Plech den Tipp, dass die Justiz
ein Gebäude sucht. Wer gab ihm den Tipp?
Böhmdorfer, wie in den Akten angedeutet
wird?

Meischberger: „Gut, dann haben wir gehabt,


diese Geschichte, was war da noch, einfach
der Justiztower. Muss ich immer wieder
fragen, dass ich nur keinen Fehler mach.

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Justiztower hab ich verrechnet wieder die
700.000.“
Plech: „Das weiß ich jetzt nicht genau, wie
viel, 40 % vom Erlös.“
Meischberger: „Wie viel?“
Plech: „40 % vom Erlös, ich weiß es nicht
mehr genau. Weniger als die Hälfte.“
Meischberger: „Hab nicht ich da die gan-
ze Rechnung gestellt und nicht du, und
ich habe dir dann eine Rechnung gestellt.
40 % vom Erlös und mein Ding war, der
Tippgeber.“
Plech: „Ca. 40 %, du weißt es nicht genau, Karl-Heinz Grasser
38 oder so, du weißt es nicht genau.“ war als Minister für die
Meischberger: „Ja, ja, und ich war der Tipp- Buwog-Privatisierung
geber, dass das Justizministerium was verantwortlich. Er will
sucht. Der Rest war alles bei dir, oder?“ von den lukrativen
Plech: „war alles bei mir (...)“ Walter Deals seiner Berater Ernst Plech
(...) Meischberger nichts gewusst haben Immobilienmakler,
Meischberger: „Okay, alles klar, passt, weiß Grassers Trauzeuge, Ex-Haider-Sponsor und
ich, was ich sagen soll.“ Berater und Freund. Berater Grassers. Er soll
„Walli“, wie er genannt bei Privatisierungen
Das Polizeiprotokoll vermerkt nun, dass die wird, ist ein enger „mitkassiert“ haben. Er
„Erstinformation, dass die Justiz was sucht, Freund von Ernst Plech bestreitet die Vorwürfe
vom ehemaligen HBM Böhmdorfer gekom-
men ist und ob man ihn warnen soll“.
Es gibt noch andere verstörende Dia-
loge zwischen Plech und Meischberger.
Einmal geht es um Korruption in der Poli-
Grassers Freunde und ihre geheimen Telefonate:
zei. Meischberger bekam nämlich ein du-
bioses Angebot aus Kärnten. Ein Verfas-
die Afäre Karl-Heinz Grasser für Einsteiger
sungsschützer bot sich an, die Ermittlun- :: Der verschwiegene Immobilienmakler es schnell „verlebt“ wurde, wie Meischber-
gen in die gewünschte Richtung zu lenken. Ernst Karl Plech und der lotte Ex-FPÖ-Ge- ger es nennt.
Meischberger berichtete Grasser und Plech schäftsführer Walter Meischberger wa- Auf Teile des Vermögens durfte aber
davon. Grasser winkte ab. Und Plech? ren einst einlussreiche Berater und enge auch Plech zugreifen, wie Meischberger
Freunde von Exinanzminister Karl-Heinz gestand. Die Polizei folgt nun der Spur der
Meischberger: „... und jetzt dann hat sich Grasser. Sie stehen im Verdacht, bei Ver- Millionen. Sie durchforstet die Konten von
heut noch einiges ergeben: von dem Staats- staatlichungen und Immobiliendeals der Karl-Heinz Grasser, der von all den Deals
polizisten (...) der bietet da Dinge an, wie Republik privat mitgeschnitten und enor- seiner Freunde nichts gewusst haben will.
gesagt, des hat einen Bezug zur Staatsan- me Schmiergelder eingetrieben zu haben. Doch Grasser wurde von seinem eigenen
wältin, die, ich glaub ...Gruppenleiterin ist, Plech, der ehemalige Sponsor von Jörg Kabinettsmitarbeiter Michael Ramprecht
die man da auch noch haben könnt, um ein Haider, residiert am Trattnerhof, nahe im Proil und vor der Staatsanwaltschaft
bisserl mehr … ich habe einmal Bereitschaft dem Stephansplatz. Grasser hielt ihm in schwer belastet. Er soll Millionenaufträ-
signalisiert, dass ma mit dem in Verhand- einem Format-Interview die Stange: „Na- ge geschoben haben. Grasser bestreitet
lung treten könnten, ich will da einfach nä- türlich habe ich Plech auf die Buwog an- dies, er verklagte Ramprecht, obsiegte aber
heres wissen, will mich einfach mit dem gesprochen. Er hat mir gesagt, dass er mit nicht in allen Punkten.
treffen (...).“ keinem Euro proitiert hat und mit dem Ge- Auch der Kabinettschef von FPÖ-Inf-
Plech: „Des müss ma machen.“ schäft nichts zu tun hat.“ Alles andere wäre rastrukturminister Michael Schmid, Wil-
ja auch kriminell. Denn zu Grassers Amts- li Berner, belastet Grassers Seilschaft. Von
Zu dem Treffen kam es nicht. Der Polizist zeit saß Plech im Namen der Republik im Hochegger sei ihm nach der Wende in ei-
hatte es sich anders überlegt. Meischberger, Aufsichtsrat der staatlichen Immobilienge- nem Nobelhotel ein Masterplan präsentiert
Plech und Grasser werden weiterhin unbe- sellschaften Buwog und BIG. Er sollte diese worden, so Berner. Grassers und Jörg Hai-
stechlichen Behörden gegenüberstehen. Gesellschaften kontrollieren. ders Seilschaft sollte von Privatisierungen
Deren Ermittlungen sind nicht abge- Walter Meischberger war der PR-Bera- persönlich proitieren. Berner nannte Na-
schlossen, eine strafrechtliche Beurtei- ter von Finanzminister Grasser. Er insze- men der Proiteure: Meischberger, Hoch-
lung des Falles obliegt allein der Justiz. Ob nierte ihn als „Mister Nulldeizit“, bau- egger, Plech – und Grasser. Auf der anderen
INFOGR AFIK: ANDREAS WENK, FOTOS: APA/G. HOCHMUTH, PIC TUREDESK/A. TUMA, H. CORN

sie alle Schritte gesetzt hat, ist nach Veröf- te dessen von der Industriellenvereini- Seite sollen Haider, seine Sekretäre Karl-
fentlichung dieser Protokolle fraglich. gung gesponserte Website, schickte ihn „Dann werden wir den heinz Petritz und Berner selbst kassieren.
Meischberger muss derweil laut Format auf Roadshows und kassierte dabei gemein- Böhmdorfer warnen“ Alle bestreiten diese Vorwürfe vehement.
rund sieben Millionen Euro auftreiben, sam mit dem Grasser-Freund und PR-Proi – „Das müssen wir Es gilt die Unschuldsvermutung.
um seine Steuerschuld zu begleichen. Er Peter Hochegger ein Vermögen an Steuer- machen“ Die Justiz nahm Ermittlungen auf. Sie
ist nun um das Ansehen der blau-schwar- geldern. Meischberger war Grassers Trau- Meischberger zu Plech beschlagnahmte Konten, Dokumente, Ta-
zen Regierung besorgt. In einem Gespräch zeuge und, so wie Hochegger und Plech, gebücher und Rechnungen. Je mehr Ma-
mit Plech fühlt er sich offenbar zu Unrecht auch kurz sein Geschäftspartner. Gemein- terial gesichtet wurde, desto mysteriöser
verfolgt: „ Die Kommentatoren machen sam betrieben sie die PR-Firma Valora. wurde der Fall. Nicht nur rund um den Bu-
uns schlecht, und die schlechte Geschich- Meischberger, Exgeneralsekretär der wog-Deal loss reichlich Geld.
te will man personiizieren, in dem man die FPÖ, gab sich als Politiker stets als Sauber- Auch Glücksspielunternehmen, etwa
Leute im Umfeld vom Haider und der blau- mann. Er wetterte gegen rote und schwar- die Novomatic, sowie die Bauirma Porr
schwarzen Koalition als Verbrecher und Kor- ze Bonzen, wurde aber im Jahr 1999 we- und die Telekom hatten horrende Summen
rupte darstellt, und in diesem Radl sind wir gen eines Steuerdelikts selbst verurteilt. Er überwiesen, als wichtige Gesetze verhan-
drinnen.“ weigerte sich zurückzutreten, weil er sei- delt oder staatliche Immobiliendeals einge-
Sowohl Plech als auch Meischberger ne Politikerpension verloren hätte. Erst als fädelt wurden. Fast 800.000 Euro kassierte
und Grasser wurden über ihren Anwalt er von Plech im Namen der FPÖ 2,5 Milli- Meischberger von der Porr, 450.000 Euro
Michael Rami vom Falter um eine Stellung- onen Schilling kassierte, wie News enthüll- von Novomatic, 200.000 Euro gingen von
nahme gebeten. Erfolglos. te, überbracht in einem Sparbuch in der der Telekom als „Druckkostenzuschuss“
Grasser hat Besseres zu tun. Er verdient Kanzlei des späteren Justizministers Dieter via Meischberger an die FPÖ-Zeitung NFZ.
sein Geld nun mit Immobilien. Seine Fir- Böhmdorfer, legte er sein Mandat zurück. 708.000 Euro kassierte Meischi beim Um-
ma beindet sich in der Wiener Innenstadt. Meischberger hat sich in der Causa Bu- zug der WU in ein Gebäude der Porr. Mehr
Sein Kompagnon ist ein Mann, der das Gro- wog selbst angezeigt. Über Scheinirmen als 600.000 Euro kassierte Plech als Pro-
ße Ehrenzeichen für Verdienste um die Re- und per Geldboten aus Liechtenstein, so vision beim Umzug von Handelsrichtern.
publik an der Brust tragen darf: Ernst Karl gestand er, wurden Teile des Vermögens im Wofür das Geld gelossen ist? „Lobbying“,
Plech. F „Hotel am Stephansplatz“ überbracht, wo sagt Walter Meischberger. F

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