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MP Arbeits- und Sozialrecht, April 2020

Allgemeiner Teil

Kompetenzverteilung des B-VG


• Sozialversicherung (Art 10 B-VG): in Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache
• Sozialhilfe: zT Ausführungsgesetzgebung und Vollziehung Landessache, zT ausschließliche Kompetenz der Länder
Organisation
• Sozialversicherungsträger unter einem Hauptverband der SVTr zusammengefasst (Versicherungszweig, Personenkreis)
• SVTr sind Selbstverwaltungskörper (weisungsfrei, unterliegen staatl. Aufsicht), haben hoheitliche Befugnisse (Rechtsetzung)
Verfahrensrecht
• Leistungssachen (§ 354 ASVG): Bescheid des SVTr > Landesgerichte als Arbeits- und Sozialgerichte > Berufung an das OLG
• Verwaltungssachen: Bescheid des SVTr > Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht
internationales Sozialversicherungsrecht
• Im Inland gem § 3 ASVG beschäftigt
Organisation Ausstrahlung: zB Entwicklungshelfer, bei amtlichen Vertretungen der Republik Österreich im Ausland Beschäftigte, vorübergehende Entsendung
Einstrahlung: zB Beschäftigte inländischer Betriebe, für die Zeit ihrer dauernden Beschäftigung im Ausland
• Europäische Sozialrechts-Koordinierung (Prinzip der Gleichbehandlung, des Leistungsexports und der Zusammenrechnung von Leistungen)
Prinzip des Beschäftigungsstaats, wenn mehrere MS dann Wohnsitzstaat, wenn nicht dann Sitzstaat des Arbeitgebers
• Krankheitsfall: Prinzip der aushelfenden Sachleistungserbringung (Bescheinigung auf Anspruch der Sachleistung notwendig)
bei bloß vorrübergehendem Aufenthalt nur medizinische Notwendigkeiten, andere nur bei vorheriger Genehmigung der SVTr
• Arbeitslosigkeit: Staat der letzten Beschäftigung ist zuständig; spezielle Regelung bei Wechsel in einen anderen MS
• Familienleistungen: Beschäftigungsstaat ist zuständig, auch Export; Doppelbezüge durch Prioritätsregelungen vermieden
Formen des Versicherungsverhältnisses
• Pflichtversicherung • Vollversicherung (Versicherung in allen Versicherungszweigen)
• Freiwillige (Weiter-)Versicherung • Teilversicherung
• Formalversicherung

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Versicherungsverhaltnis

Versicherungsarten
nach ASVG
Dienstnehmer (§ 4 Abs 2 ASVG)
• Persönliche Abhängigkeit des Dienstnehmers (Fremdbestimmung iSv persönlicher Weisungsgebundenheit)
persönliche Leistungspflicht, Bindung an Arbeitszeit und -ort, Abhängigkeit von Anordnungen des Dienstgebers
• Wirtschaftliche Abhängigkeit
Abhängigkeit von fremden Produktionsmitteln
• Freiwillige Begründung des Dienstverhältnisses (KV und UV von Beamten und Vertragsbediensteten unterliegen dem B-KUVG)
• Entgeltlichkeit (entscheidend ist der Entgeltanspruch, nicht die tatsächliche Entgeltleistung)
Dienstnehmerähnliche „freie“ Dienstnehmer (§ 4 Abs 4 ASVG)
• Persönliche Abhängigkeit (persönlich Unabhängige unterliegen dem GSVG)
Pflichtversicherungst • Entgeltlichkeit
atbestände • Im Wesentlichen werden die Dienste persönlich erbracht
• Keine wesentlichen eigenen Betriebsmittel
• Leistungen im Rahmen des Geschäftsbetriebs/ Gewerbeberechtigung/ berufsrechtlichen Befugnis/ statutenmäßiger
Wirkungsbereich (private freie DV unterliegen dem GSVG)
 größte Ausnahmen: bloß geringfügig beschäftigte Personen sind nur in der UV teilversichert (2020: € 460,66)
Selbstständige Erwerbstätige nach GSVG und andere
Versicherte nach dem GSVG
• Alte Selbstständige und neue Selbstständige
• Versicherungstatbestand bei betriebl. Tätigkeit: Zusammenführung der selbstständigen menschlichen Arbeit mit eigenen Betriebsmitteln
• Versicherungsgrenze (≙ Geringfügigkeitsgrenze)
nach ASVG
• Beginn (§ 10): Tag der tatsächlichen Arbeitsaufnahme
bei dienstnehmerähnlichen freien Dienstnehmern (§ 4(4) ASVG): mit Beginn der Wirksamkeit des freien Dienstvertrags
• Ende (§ 11): Ende des Beschäftigungsverhältnisses bzw Ende des Entgeltanspruchs (uU früher oder später)
Beginn und Ende nach GSVG
• Beginn bei alten Selbstständigen: Erlangung der Gewerbeberechtigung
bei neuen Selbstständigen: Aufnahme der betrieblichen Tätigkeit
• Ende: dauernde Einstellung der betrieblichen Tätigkeit
bei Unterlassung der (Ab)Meldung: Beginn/Ende mit dem jeweiligen Kalenderjahr

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Beitragsgrundlage nach dem ASVG


• Bemessungsgrundlage: Arbeitsverdienst (bei pflichtversicherten DN und Lehrlingen das Entgelt iSd § 49 ASVG)
• Beitragszeitraum: Kalendermonat (30 Tage); bei freien DN gem § 44 (8) ASVG
• Entgelt gem § 49 ASVG: konkrete Beitragsgrundlage ist der Anspruchslohn, Sonderzahlungen werden nicht zum Entgelt gezählt
(Sonderbeiträge für Sonderzahlungen (= wiederkehrende Leistungen); max das 60-fache der täglichen Höchstbeitragsgrundlage)
Beitragsgrundlagen nach dem GSVG und BSVG
• Selbstständige Erwerbstätige nach dem GSVG: Einkommensteuerbescheid (Mindestbeitragsgrundlage!)
wenn Pflichtversicherung erst neu ist dann Mindestbeitragsgrundlage ist die vorläufige Beitragsgrundlage, ansonsten das festgestellte
steuerliche Einkommen des drittvorangegangenen Kalenderjahrs
• Land- und Forstwirte: Einheitswert (Mindesteinheitswert KV, PV € 1.500; UV € 150) oder die tatsächlichen Einkünfte gem
Einkommenssteuerbescheid
Höchstbeitragspflicht
Beitragspflicht • Tägliche Höchstbeitragsgrundlage: € 166 (Stand 2017)
• Für freie Dienstnehmer: 30-fache der tägl Höchstbeitragsgrundlage; wenn sie keine Sonderzahlungen erhalten dann das 35-fache
Beitragssätze
• Je nach Versicherungszweig verschieden; in der KV und AlV sind sie von Dienstgebern und -nehmer gemeinsam zu tragen
• Höchstbelastungsgrenze nach § 53 ASVG (Unterschiedsbetrag trägt der Dienstgeber)
Abzug der Beiträge § 60 ASVG
• Beitragsschuldner ist gds der Dienstgeber (auch für vom Dienstnehmer zu tragende Beiträge): kann die Beiträge des
Dienstnehmers von dessen Entgelt in bar abziehen
bei vom Dienstnehmer verschuldeter Verzögerung verliert er sein Abzugsrecht und muss die gesamten Sozialversicherungsbeiträge leisten
• § 61 ASVG: getrennte Entrichtung möglich (wenn der Dienstgeber mit der Zahlung im Rückstand ist)
• Bei Entgeltzahlung durch Dritte: entweder Vereinbarung zwischen Dienstgeber und -nehmer, ansonsten hat der Dienstgeber
einen Erstattungsanspruch gegenüber dem Dienstnehmer

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Krankenversicherung MP Arbeits- und Sozialrecht, April 2020

• Ursache für den Eintritt ist für die Leistungspflicht irrelevant (auch selbst verursacht oder verschuldet)
Aufgaben
• Verwirkung des Leistungsanspruchs
Leistungsarten
• Sachleistungen (lediglich Organisationspflicht), Geldleistungen (gebühren aus jedem Versicherungsverhältnis), Pflichtleistungen (Gesetz/ Satzung),
freiwillige Leistungen (liegt im Ermessen des SVTr), uU satzungsmäßige Mehrleistungen
Leistungsempfänger
Leistung
• Versicherte Person (Pflichtversicherung, Selbstversicherung gem §§ 16 oder 19a ASVG), Angehörige (beitragsfrei oder Zusatzbeitrag)
Dauer des Leistungsanspruchs
• Bei aufrechtem Versicherungsverhältnis (uU auch noch später)
 Fortleistungsfälle
Krankheitsbegriff
• Krankheitsbegriff hängt von den konkreten möglichen medizinischen Möglichkeiten ab (wg ärztlicher Behandlungsmöglichkeit zur
Beeinflussung des Krankheitszustandes)
Leistungen
Krankenbehandlung § 133 ASVG: ausreichend, zweckmäßig, das Notwendige nicht überschreiten (muss objektiv geeignet sein, die beabsichtigte
Wirkung zu erzielen)
• Ärztliche Hilfe: ambulante Erbringung; auch gleichgestellte nichtärztliche Leistungen
• Heilmittel: notwendige Arzneien und sonstige Mittel (va die, die auf den inneren Organismus wirken)
• Heilbehelfe: ersetzen fehlende Körperfunktionen
Krankheit
 bei Gebrechen (Gesundheitszustand kann nicht mehr beeinflusst werden) wird der KVTr nicht leistungspflichtig
Zahnbehandlung und -ersatz § 153 ASVG
Pflege
• Medizinische Hauskrankenpflege: auf ärztliche Anordnung, durchgeführt von diplomiertem Krankenpflegepersonal, höchstens 4 Wochen
• Anstaltenpflege: in landesgesundheitlichen Krankenanstalten, erlischt im Asylierungsfall
nicht: Heim für Genesene, Pflegeanstalt für chronisch Kranke, Sonderkrankenanstalt ( weil hier die Pflegekomponente dominiert)
• Reise- und Transportkosten: bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen (nicht zB Talfahrt bei Skiunfall – die Übernahme des hohen Risikos
wäre wirtschaftlich nicht vertretbar)
• Medizinische Rehabilitation: ausreichend, zweckmäßig, das Notwendige nicht überschreitend; ev auch mit Zuzahlungen verbunden
Beziehung zu Ärzten
• Gesamtverträge (ärztlicher Stellenplan, Auswahlverfahren, Rechte und Pflichten, Honorarordnung (Grundpauschale & Einzelleistung))
Vertragsp
Einzelverträge: begründet die Verpflichtung eines konkreten Arztes
artner
• Vertragsloser Zustand: Sachleistung wandelt sich in eine Geldleistung um (80% des Vertragsarzthonorars werden ersetzt)
recht
• Bei Wahlarzt: Kostenerstattung von 80% des Betrags, dass der KVTr bei Inanspruchnahme eines Vertragsarztes aufwenden hätte müssen
• Kassenfreier Raum: Vertragsarzt kann auch als Wahlarzt tätig werden (Kostenzuschüsse orientieren sich an vergleichbaren Leistungen)

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Krankheit
• Arbeitsunfähigkeit liegt dann vor, wenn die versicherte Peron nicht mehr oder nur mit der Gefahr, ihren Zustand zu verschlimmern, in der
Lage ist, ihre bisher ausgeübte Erwerbstätigkeit zu verrichten (bezieht sich auf die umb vorher ausgeübte Tätigkeit)
• Krankengeld: 26 Wochen (52 Wochen), erst ab dem 4. Tag der Erwerbsunfähigkeit; dieselbe Krankheit innerhalb von 13 Wochen gilt als
Fortsetzung der vorausgegangenen Krankheit; 50% der Bemessungsgrundlage
 nicht, wenn die versicherte Person keine Einkommensausfälle erleidet (dann kann nichts ersetzt werden); kann auch (teilweise) ruhen
Verwirkung: Krankheit infolge schuldhafter Beteiligung an einem Raufhandel, Trunkenheit oder des Missbrauchs von Suchtgiften
Versicheru
• Rehabilitationsgeld: bei Vorliegen einer vorübergehenden (mind 6 Monate) Invalidität oder Berufsunfähigkeit
ngsfall
• Wiedereingliederungsgeld: Reduktion der bisherigen Arbeitszeit (keine zusätzlichen Kosten für den AG, er zahlt das aliquote Gehalt)
Mutterschaft
• 8 Wochen vor der voraussichtlichen Entbindung und 8 Wochen danach
• Sachleistungen, Betriebshilfe (GSVG- und BSVG-Versicherte für unaufschiebbare Arbeiten) , Wochengeld (durchschn. Entgelt der letzten 13 Wochen)
Sonstige Fälle
• Körperliches Gebrechen: KV wird gds nicht leistungspflichtig, lt Satzung aber ev Zuschüsse für die Anschaffung notwendiger Hilfsmittel
• Festigung der Gesundheit und Prävention: Jugendliche mind 1x/Jahr, versicherte Person jährliche Vorsorgeuntersuchung

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Unfallversicherung

• Verschuldensunabhängige Leistungen
• Ersatz der entstandenen Schäden
• Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung hat der Dienstgeber alleine zu tragen (dafür unfallversicherungsrechtliches
Allgemeines
Dienstgeber-Haftungsprivileg; B-KUVG kennt einen vergleichbaren Haftungsausschluss nicht)
• Kreis der versicherten Personen: §§ 4 (2), 4 (4), 7, 8, 19 ASVG
 „beitragsloser“ Versicherungsschutz kraft faktischer Ausübung bestimmter gesellschaftlich erwünschter Tätigkeiten nach § 176 ASVG
• Schaden muss: 1) durch einen Unfall entstanden sein, der sich 2) im geschützten Lebensbereich ereignet hat und der der 3)
Unfallversicherung zuzurechnen ist
• Örtlicher, zeitlicher und ursächlicher Zusammenhang mit der die Versicherung begründeten Tätigkeit
auch Tätigkeiten, die nur mehr bedingt mit der Ausübung zusammenhängen  objektive und subjektive Komponente
• Dienstnehmer: gesamte Anwesenheit im Betrieb, Betriebswege
• Selbstständige Erwerbstätige: Tätigkeiten, welche unmittelbar der Aufrechterhaltung, Förderung und Abwicklung dienen und
objektiv geeignet sind, den betrieblichen Interessen zu dienen
alte Selbstständige: mittels Gewerbeberechtigung definiert
neue Selbstständige: gewöhnliche Geschäftstätigkeit und alle in einem sinnvollen Zusammenhang mit der Tätigkeit stehenden
Versicherungsfälle Handlungen (bei völlig losgelöstem Arbeiten von örtlichen und zeitlichen Vorgaben werden auch oft Freizeitunfälle miteinbezogen)
• Wegunfälle (von der Arbeitsstätte zur Wohnung und umgekehrt, maximale Unterbrechung von 2h möglich)
 doppelte Finalität: Dienstnehmer will den bestimmten Endpunkt erreichen und dort die bestimmte Tätigkeit ausüben
• Bei Personen ohne Versicherung bietet der Versicherungsträger die Leistung mit reinem Versorgungscharakter
Zurechnung
• Zeitlicher, örtlicher, ursächlicher Zusammenhang nicht kumulativ, sondern ein bloß kausaler Zusammenhang reicht aus
 innerer Sinneszusammenhang zwischen geschützter Tätigkeit und Verletzung
• Bei kritischen Fällen entweder 1) Theorie der wesentlichen Bedingung oder 2) Lösung des betrieblichen Zusammenhangs
• Anlageschäden (überholte Verursachung): wenn die Tätigkeit nur bloße Gelegenheitsursache ist, dann gibt es keinen
Versicherungsschutz; wenn die Tätigkeit den Eintritt verfrüht/ ausgelöst hat, dann schon
Sachleistungen
• Unfallheilbehandlung (Vorleistungspflicht der Krankenversicherung, bzw „Sperre“ der UV in den ersten 2 Monaten für bestimmte Versicherte)
• Rehabilitationsmaßnahmen: medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation (bloß freiwillige Leistungen)
• Hilfsmittel
Leistungen Geldleistungen
• Kurzfristige Geldleistungen: bei Anstaltspflege Familien- bzw Taggeld, Übergangsgeld, Versehrtengeld (freiwillig)
• Versehrtenrente: wenn die Erwerbsfähigkeit mindestens 3 Monate um mindestens 20% gesenkt ist; befristet oder unbefristet
• Integritätsabgeltung: gleicht bloß ideelle Schäden aus (grob fahrlässige Außerachtlassung von Arbeitnehmerschutzvorschriften)
• Todesfall: Witwenrente, Waisenrente, sonstige Hinterbliebenenleistungen

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Pensionsversicherung

Einkommensausfälle, die aufgrund der Erreichung eines bestimmten Alters, der Minderung der Arbeitsfähigkeit oder durch den Tod der
Familienerhalter entstehen, auszugleichen
• Kapitaldeckungsverfahren/ Umlageverfahren (laufenden Ausgaben werden von laufenden Einnahmen gedeckt  Generationenvertrag)
Allgemeinen
• Beitragswahrheit (Pension soll möglichst den geleisteten Beiträgen entsprechen); System der Kontogutschrift
Teilversicherungen für bestimmte Zeiten der Nichterwerbstätigkeit (bestimmte öffentliche Träger leisten Beiträge)
• Höhe: 22,8% der Beitragsgrundlage gemeinsam vom DG und DN, Selbstständige nur 18,5%, Bauern nur 17%
Leistungen • Grundsätzlich fließen sämtliche Beitragsleistungen in die Pensionsberechnung ein (auch Zeiten ohne Einkommen)
Leistungsvoraussetzungen
• Primär: Versicherungsfall muss eintreten (Alter, Arbeitsunfall, Tod)
• Sekundär: Mindestversicherungszeit (Wartezeit) = wie viele Versicherungsmonate die Person vor dem Stichtag erworben hat
Versicherungszeiten
• Durch Erwerbstätigkeit, freiwillige Versicherung oder Teilversicherung (rückwirkende Entrichtung max 5 Jahre möglich)
Ausmaß der Pensionsleistungen
nach dem APG
• Höhe des versicherten Einkommens und Dauer des Versicherungsverhältnisses
• Gesamtgutschrift: jährlichen Teilgutschriften werden zusammengezählt (Teilgutschriften = Beitragsgrundlagen mal Kontoprozentsatz)
nach dem ASVG
• Höhe des versicherten Einkommens (Bemessungsgrundlage) und Dauer des Versicherungsverhältnisses (Steigerungsbetrag)
• Bemessungsgrundlage: Summe der 180 höchsten monatlichen Gesamtbeitragsgrundlagen (§ 242) geteilt durch 210 (2028: 480 und 560)
• Steigerungsbetrag: Prozentsatz der Bemessungsgrundlage (12 Monate ≙ 1,78 Steigerungspunkte)
erhöhte Alterspension: Erhöhung von max 4,2% je 12 Monate; Höchstgrenze 91,76% der Bemessungsgrundlage
Alterspension
nach dem APG
• 65 Jahre (Frauen bis 1.1.2024 60 Jahre) und mindestens 180 Versicherungsmonate (84 aus eigener Erwerbstätigkeit)
Korridorpension, wenn mit 62 Jahren schon mindestens 480 Versicherungsmonate erreicht wurden
Schwerarbeiterpension, wenn mit 60 Jahren mindestens 540 Versicherungsmonate, und davon 120 Schwerarbeitermonate sind, erreicht wurden
erhöhte Alterspension: 0,35% pro Monat; Höchstgrenze der Erhöhung 12,6%
gem § 253 ASVG
• Regelpensionsalter (65 bzw 60 Jahre) und 180 Versicherungsmonate in den letzten 360 Kalendermonaten
ewige Anwartschaft: Erwerb von 180 Beitragsmonaten oder 300 Versicherungsmonaten
geminderte Arbeitsfähigkeit
• Unterscheidung zwischen Angestellten (Berufsunfähigkeit) und (un)gelernten Arbeitern (Invalidität)
• Kein Anspruch bei nur zeitlich befristeter, vorübergehender Erwerbstätigkeit und wenn ein anderer Beruf noch ausgeübt werden kann
• Vorrang der Rehabilitation vor der Pension: Invalidität voraussichtlich dauern und eine berufl Rehabilitation nicht zumutbar/ zweckmäßig
 anstelle der befristeten Invaliditätspension erhält der Versicherte Rehabilitationsgeld aus der KV

Invaliditätspension

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• Formelle Voraussetzungen: dauerhafter Zustand, 60 Versicherungsmonate Wartezeit (kurze Anwartschaft) bis zu 180 Monate, ewige
Anwartschaft (180 Beitragsmonate oder 300 Versicherungsmonate)
• Materielle Voraussetzungen:
• Erlernter Beruf: wenn die Arbeitsfähigkeit auf weniger als die Hälfte sinkt ( Lohnhälfte im Verweisungsberuf); Berufsschutz (invalid, wenn sie
Vergleichsberufe nicht mehr ausüben können)
• Angelernte Berufe: gleichgestellt, da er durch praktische Arbeit gleichwertige Kenntnisse und Fähigkeiten erworben hat
• Ungelernter Arbeiter: keinen Berufsschutz; der gesamte Arbeitsmarkt ist sein Verweisungsfeld
• Nicht mehr verweisbar, wenn mind 7 Wochen/Jahr Krankenstände zu erwarten sind
• Auch Teilzeittätigkeiten (wenn sie die Hälfte des Entgelts erwerben kann, dass durchschnittlich im Verweisungsberuf vollzeitig verdient wird)
• Teilpension: wenn Erwerbseinkommen neben dem Bezug einer Invaliditätspension
Berufsunfähigkeit
• Wenn sie auf die Hälfte der Kenntnisse und Fähigkeiten herabgesunken sind
• Berufsschutz, Verweisungsfeld wird anhand des Kollektivvertrags in Gruppen eingeteilt (eine Stufe niedriger ist möglich)
ältere und behinderte Versicherte
• Erleichterter Zugang ab 60 Jahren: Tätigkeitsschutz (keine wesentliche Änderung des beruflichen Umfelds)
• Originäre Invalidität (ursprünglich behinderte Personen): Verschlechterung ist keine Anspruchsvoraussetzung
• Bauern/ Gewerbliche Selbstständige: keinen Berufsschutz (Erwerbsunfähigkeit nur bei gänzlicher Unfähigkeit)
• Ab dem 60. Lebensjahr: Tätigkeitsschutz (aber zumutbare Änderung der sachlichen/ personellen Ausstattung des Betriebs)
Tod (Hinterbliebenenpension)
Witwenpension
• Anspruchsberechtigt: Ehegatte, geschiedener Ehegatte wenn er unterhaltspflichtig war, eingetragener Partner
• Höhe 0-60% der Pension, darf aber Unterhaltsbetrag nicht überschreiten
• Anspruch erlischt bei Wiederverehelichung; wenn Auflösung ohne Verschulden des Anspruchsberechtigten lebt sie wieder auf
Waisenpension
• Anspruchsberechtigt: eheliche und legitimierte Kinder, Wahl- und Stiefkinder, uneheliche Kinder
• Bis 18 Jahre, Verlängerung bei Schuld- oder Berufsausbildung auf 27 Jahre
• Höhe: einfach verwaistes Kind 40%, doppelt verwaistes Kind 60% der Pension
 Abfindung: wenn die Hinterbliebenen keinen Anspruch haben: 6-fache der Bemessungsgrundlage (einmalige Geldleistung)
Zulagen und Zuschüsse
• Kinderzuschuss
• Ausgleichszulage: wenn das Mindesteinkommen nicht erreicht werden kann (Differenz zwischen Nettoeinkommen und Richtsatz)
Beamte
• Versorgungssystem: Dienstverhältnis auf Lebenszeit, Ruhebezug = Entgelt des Dienstgebers
• Wanderversicherung, Mehrfachversicherung
sonstiges
• Aufwertungen/ Anpassungen: Multiplikation mit der Aufwertungszahl

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Arbeitslosenversicherung

• Sachlicher Zuständigkeitsbereich des AMS (kein als Selbstverwaltungskörper organisierter Versicherungsträger)


• Beitragspflicht: je 3% Dienstgeber und Dienstnehmer
Kreis der Versicherten
Allgemeinen
• Pflichtversicherung ex lege; gesetzliche KV ist Voraussetzung
Opting-In Möglichkeit für selbstständige Erwerbstätige, die nach dem GSVG in der Pensionsversicherung pflichtversichert sind
• Keine freiwillige Versicherung
Arbeitslosengeld § 7 AlVG
• Anspruch: 1) der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht 2) Anwaltschaft erfüllt 3) Bezugsdauer noch nicht erschöpft
• Arbeitsvermittlung: 1) kann und darf eine Beschäftigung aufnehmen 2) ist arbeitsfähig 3) ist arbeitswillig 4) ist arbeitslos
Vermittelbarkeit ≙ Arbeitsfähigkeit, -losigkeit, -willigkeit
• Zumutbare Beschäftigung: mindestens 20 Stunden (16 Stunden bei Kinderbetreuungspflichten)
• Arbeitslos: nach Beendigung folgt keine neue Beschäftigung, Nach-/Umschulungen, Geringfügige
nicht arbeitslos: Umstieg von Volldienstverhältnis auf ein unter der Geringfügigkeitsgrenze liegendes Verhältnis
• Sperrfrist: wenn die Beendigung verschuldet ist, hat man 4 Wochen nach Beendigung keinen Anspruch
• Arbeitsfähig: wer nicht invalid bzw berufsunfähig ist
• Arbeitswillig: wer bereit ist, angebotene zumutbare Beschäftigungen anzunehmen
• „Berufsschutz“ (Rücksicht auf den bisherigen Beruf)
• Vereitelung: wenn der Arbeitslose sich weigert Beschäftigungen anzunehmen oder Maßnahmen zu befolgen (mind 6 Wochen)
Anwartschaft
Leistungen
• Lange Anwartschaft: bei erstmaliger Inanspruchnahme, 52 Wochen im Inland arbeitslosenversicherungspflichtig in den letzten 24 Monate
• Kurze Anwartschaft: bei wiederholter Inanspruchnahme, 28 versicherungspflichtige Wochen in den letzten 12 Monaten
Anspruch
• 20 Wochen ( Sondervorschriften für ältere Arbeitnehmer)
• Fortbezug: bei Wiedereintritt des Versicherungsfalls binnen 5 Jahre
• Grundbetrag: 55% des täglichen Nettoeinkommens
• Zuschläge für Familienangehörige
• Bei Nach- und Umschulungen und Wiedereingliederung: € 1,86/Tag
sonstige Leistungen
• Notstandshilfe: Zeitlich unbegrenzte Leistung, wenn die Befriedigung der notwendigen Lebensbedürfnisse unmöglich ist (kein Berufsschutz
mehr)
• Weiterbildungsgeld: Bildungskarenz bzw Freistellung ohne Entgelt; Erfüllung der Anwartschaft notwendig
• Altersteilzeit

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Sonstige Sozialleistungen

• subsidiär: wenn eigene Ressourcen und Leistungen von Dritten nicht mehr ausreichen, um die Führung eines menschenwürdigen
Lebens zu ermöglichen
Bedarfsorientierte
• Individuell: angepasst auf die konkrete Situation und Bedürftigkeit
Mindestsicherung
• Berücksichtigung der Verwertung des eigenen Vermögens und der eigenen Arbeitskraft (praktisch jede Beschäftigung ist zumutbar)
• Beinhaltet eine Pflichtversicherung in der Krankenversicherung
Familienbeihilfe
• Für sämtliche minderjährige Kinder; bis zum 24. Lebensjahr wenn sich das Kind in Ausbildung befindet
• Einkommensgrenze (ab dem 19. Lebensjahr): € 10.000,-
Kinderbetreuungsgeld
• Grundsätzlich ein Elternteil (jährliche Einkünfte max. € 16.200,-)
Familienlastenau
• Kinderbetreuungsgeld: bis zum vollendeten 30. Lebensmonat
sgleichsfonds
alternativ auch Kurzleistung (bis 20./15./12. Lebensmonat)
• 4-Pauschalvarianten (abgelöst durch ein Kinderbetreuungsgeld-Konto) oder einkommensabhängiges Geld iHv 80% der Letzteinkünfte
• Beihilfe zum pauschalen Kinderbetreuungsgeld: € 6,06/Tag, Einkommensgrenze € 6.800,-/Jahr
• Rückzahlungspflicht
• Papa-Monat: € 22,60/Tag bei 28-31 Tage Erwerbsunterbrechung (kein Rechtsanspruch!)
• Bei dauernder Pflegebedürftigkeit pauschalierte Geldleistungen nach 7-stufigem Pflegegeld
• Antrag beim SVTr, Bund erstatten dann diesem die Kosten
• Informations- und Kontrollrechte  Verwendung des Pflegegeldes kann überprüft werden
Pflegevorsorge • Anspruchsberechtige: 1) sämtliche Bezieher einer (bundes)sozialversicherungsrechtlichen Pension oder Rente sowie 2) Bezieher
eines Ruhe- oder sonstigen Genusses nach öffentlich-rechtlichem Dienstverhältnis
• Voraussetzung: 1) körperlich/ geistige/ psychische Behinderung 2) ständiger Betreuungs- und Hilfsbedarf 3) mindestens 6 Monate
• 12 Mal jährlich
• Entschädigung von Sonderopfern oder Belohnung für besondere Dienste
• Kausale Leistungsgewährung: Gesundheitsschaden muss mit dem jeweiligen geschützten Bereich ursächlich verknüpft werden
• Beschädigtenrente: Sach- und Geldleistungen für erlittene Körperschäden (= Dienstbeschädigungen)
Kriegsopferversorgung
• Geschädigter, Hinterbliebe, Angehörige von Vermissten und Kriegsgefangenen (der beiden Weltkriege)
andere
• Kausalität (bei Mehrfachverursachung gilt der Leidenszustand zur Gänze als Dienstbeschädigung)
Versorgungssyst
• Beschädigtenrente: wenn die Erwerbsfähigkeit um mind 20% gemindert ist
eme Schwerstbeschädigt ab 50%, Erwerbsunfähig ab 90%
• Einkommensunabhängige Grundrente von € 542,-0/monatlich und eventuelle Zulagen
Heeresopferentschädigung
Verbrechensopferversorgung
• Hilfe: bei mit mehr als 6-monatiger Freiheitsstrafe bedrohte strafbare Handlung und mind 6-monatiger MdE oder schwerer Körperverletzung

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