Sie sind auf Seite 1von 4

14 14.

4 Händehygiene

▶ Ist der Patient nicht ansprechbar oder der gesetzliche Vertreter (z. B. bei minderjäh-
Chirurgische Stationen: Besonderheiten und spezielle Arbeitstechniken

rigen Patienten) nicht erreichbar, sind Eingriffe mit vitaler oder absoluter Indikation
unter dem Gesichtspunkt der mutmaßlichen Einwilligung gerechtfertigt.
▶ Eine ausführliche Dokumentation des Aufklärungsgesprächs ist essenziell!

Checkliste präoperative Vorbereitungen


▶ Labor, EKG, Röntgen-Thorax.
▶ Ggf. Blutgruppenbestimmung und Blutkonserven-Bestellung.
▶ Aufklärung und Einverständnis Anästhesie.
▶ Aufklärung und Einverständnis/Verweigerung Blutkonserven (z. B. bei Zeugen
Jehovas).
▶ Aufklärung und Einwilligung in geplante OP.
▶ Anmeldung im OP-Plan/beim OP-Manager.
▶ Ggf. Anmeldung auf Intensivstation zur postoperativen Überwachung bei grö-
ßeren Eingriffen.
▶ Markierung des Eingriffsortes am Patienten (z. B. Kreuz auf rechter Leiste).

14.4 Händehygiene
Grundlagen
▶ Bis zu 90 % der exogen übertragbaren Infektionen werden über die Hände weiter-
gegeben.
▶ Voraussetzungen für eine gute Händedesinfektion:
• Kurze Fingernägel, keine künstlichen Fingernägel, kein Nagellack (auch kein farb-
loser).
• Kein Schmuck an Händen und Unterarmen, keine Armbanduhren.
• Die Kleidung darf die Handgelenke nicht bedecken.
▶ Weitere Informationen auch unter: http://www.awmf.org/leitlinien → Händedes-
infektion und Händehygiene.

Händewaschung
▶ Prinzip:
• Säuberung der Hände und falls nötig der Unterarme mit Wasser und Seife.
• Bei verschmutzen Fingernägeln Nagelbürste benutzen (nur die Nägel bürsten,
nicht die Unterarme → erhöhtes Risiko für Hautirritationen!).
▶ Ziel: Entfernung von grobem Schmutz und Reduktion von Bakteriensporen von z. B.
Clostridum- und Bacillus-Spezies.
▶ Zeitpunkt:
• Zu Dienstbeginn (besonders wichtig bei vorhergehender Gartenarbeit).
• Nach eigener Toilettenbenutzung und nach Durchführung/Mithilfe von Kolosko-
pien.
• Bei sichtbarer Verschmutzung.
• Nach Versorgung von Patienten mit Clostridium-difficile-Diarrhoe.

Hinweis
Häufiges Waschen der Hände mit Seife trocknet die Haut aus. Es entstehen Mikro-
risse, die zum Erregerreservoir werden können. Daher sollte die Seifenwaschung
der Hände auf ein Minimum reduziert werden.

Hygienische Händedesinfektion
▶ Prinzip:
• Desinfektion des „Handschuhbereichs“, d. h. der Hände und Handgelenke für 30
Sekunden.
• Auf trockenen Händen anwenden → bessere Wirksamkeit und Hautverträglichkeit.
280 Hengesbach, Checkliste Medical Skills (ISBN 978-3-13-243025-9), © 2019 Georg Thieme Verlag KG
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!
All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license.
14.4 Händehygiene 14
▶ Ziel: Reduktion der transienten (hautfremden) Flora.

Chirurgische Stationen: Besonderheiten und spezielle Arbeitstechniken


▶ Zeitpunkt:
• Nach jeder Kontamination.
• Vor und nach jeder Patientenversorgung.
• Vor und nach aseptischen Tätigkeiten.
• Vor und nach der Verwendung von sterilen und unsterilen Handschuhen.

Händedesinfektion vs. Händewaschen


▶ Mit der hygienischen Händedesinfektion lässt sich die Keimzahl deutlich besser
herabsetzen als mit der hygienischen Händewaschung!
▶ Ausnahme: Bei V. a. Bakteriensporen ist Händewaschen indiziert (s. o.)!
■▶ Beachte: Wasserhähne und Desinfektionsmittelspender immer mit dem Ellen-
bogen bedienen, auch bei der hygienischen Händedesinfektion (nicht in allen
Kliniken praktikabel).

▶ Praktisches Vorgehen s. Abb. 14.5.

Abb. 14.5 • a – f Durchführung der hygienischen Händedesinfektion.


(aus Kirschnick O. Pflegetechniken von A-Z. 4. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2010)

Hengesbach, Checkliste Medical Skills (ISBN 978-3-13-243025-9), © 2019 Georg Thieme Verlag KG
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!
281
All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license.
14 14.4 Händehygiene

Hautpflege
Chirurgische Stationen: Besonderheiten und spezielle Arbeitstechniken

▶ Die sorgfältige Hautpflege ist Bestandteil der Infektionsprophylaxe. Bereits kleine


Risse der Haut können ein Erregerreservoir darstellen. Nur gesunde Haut lässt sich
effektiv desinfizieren.
▶ Haut mehrmals täglich eincremen.

▶ Hinweis: Die hygienische alkoholische Händedesinfektion ist hautfreundlicher als
Händewaschen! Insbesondere wenn die Maßnahme mehrmals pro Stunde gesche-
hen muss, reicht die Zeit zwischen den Waschungen nicht zur Regeneration der
Haut aus. Bei der alkoholischen Händedesinfektion werden Hautlipide zwar auch
aus ihrer ursprünglichen Anordnung gedrängt, sie verbleiben jedoch auf der Haut.

Benutzung unsteriler Handschuhe


▶ Indikation: Bei zu erwartendem Kontakt mit Krankheitserregern oder Körperaus-
scheidungen.
▶ Handschuhe nur mit vollständig trockenen Händen anziehen:
• Desinfektionsmittelreste an den Händen erhöhen das Perforationsrisiko der
Handschuhe.
• Das feuchte Milieu unter den Handschuhen kann zu Hautirritationen führen. Au-
ßerdem lassen sich Handschuhe mit feuchten Händen wesentlich schlechter an-
ziehen.
▶ Ausziehen von Schutzhandschuhen (Abb. 14.6):
Beachte: Bei unsachgemäßem Ausziehen Gefahr der Kontamination der Hände!

Hinweis
Handschuhe bieten keinen absoluten Schutz vor Kontamination, auch nicht wenn
zwei Paar übereinandergezogen werden: Denn häufig liegen sichtbare oder un-
sichtbare Perforationen der Handschuhe entweder bereits vor dem Gebrauch vor
oder entstehen während der Benutzung.

Abb. 14.6 • Richtiges Ausziehen von Handschuhen.


(aus Kirschnick O. Pflegetechniken von A-Z. 4. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2010)

282 Hengesbach, Checkliste Medical Skills (ISBN 978-3-13-243025-9), © 2019 Georg Thieme Verlag KG
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!
All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license.
14.5 Verhalten und Wissen im OP 14
14.5 Verhalten und Wissen im OP

Chirurgische Stationen: Besonderheiten und spezielle Arbeitstechniken


Rolle des Operateurs
▶ Trägt die Verantwortung für den Patienten:
• Kennt das aktuelle Krankheitsbild und etwaige Voroperationen.
• Weiß, wie die aktuelle Gerinnung ist und ob der Patient evtl. gerinnungshem-
mende Medikamente eingenommen hat.
▶ Trägt die Verantwortung für die richtige OP: Was ist zu operieren? Welche Seite ist
zu operieren?
▶ Bestimmt die Lagerung des Patienten: Ob die Arme an- oder ausgelagert sind, ob
der Patient auf der Seite, dem Rücken oder auf dem Bauch liegt.
▶ Teilt den Assistenzen die Positionen am OP-Tisch zu.

▶ Beachte: Der Operateur gibt die Kommandos. Alle Assistenten versuchen den Opera-
teur bestmöglich zu unterstützen (z. B. ihm eine gute Sicht zu verschaffen).

Rolle der OP-Schwester/des OP-Assistenten


▶ Meist sind zwei OP-Schwestern/OP-Assistenten für einen OP-Saal zuständig.
▶ „Sterile“ OP-Schwester:
• Richtet den Instrumententisch.
• Zieht den Operateur und die Assistenten steril an.
• Überwacht das sterile OP-Gebiet und die Operateure bzw. Assistenten → infor-
miert den Operateur bei Verletzung der Sterilität dass z. B. ein Handschuhwechsel
oder ein erneutes steriles Abkleben notwendig ist.
▶ „Unsterile“ OP-Schwester, auch „Springer“ genannt:
• Schließt die sterilen Kittel aller an der OP Beteiligten von hinten.
• Reicht der „sterilen“ OP-Schwester die benötigten (noch verpackten) Instrumente
an.
• Hilft beim Lagern des Patienten.

Assistenz am OP-Tisch
▶ Aufgaben:
• Dem Operateur eine gute Sicht auf das OP-Gebiet ermöglichen.
• Den Operateur nicht behindern (z. B. durch die Rückgabe von Instrumenten an
die OP-Schwester).
• Nur auf Anweisung des Operateurs handeln! Keine Eigeninitiative!
• Herausforderung Licht einstellen:
– Es kann sein, dass der Operateur verlangt, dass man das Licht neu positioniert.
– Die Lampen dürfen nur am sterilen, für jede OP neu aufgesteckten Griff ange-
fasst und dirigiert werden.
– Achten Sie darauf, den Arm beim Nachobenstrecken nicht an der eigenen oder
einer fremden Mütze/einem fremden Mundschutz unsteril zu machen.
▶ Die OP-Tischhöhe richtet sich nach der Körpergröße des Operateurs, ggf. um einen
„Antritt“ (OP-Bänkchen) bitten.
▶ Risiko-Situationen für Unsterilität sind:
• Mit dem Kopf den sterilen Lampengriff berühren.
• Sich an der Nase kratzen, die Brille zurechtrücken, an den Mülleimer stoßen.
• Mit den Händen den Rücken von Mit-Operateuren berühren → der Rücken gilt
immer als unsteril, ebenso der Bereich oberhalb der Brust und unterhalb des Kit-
telgürtels.
• Vermeiden Sie es unbedingt, Instrumente hinter dem Rücken anderer zurück-
zugeben oder dem OP-Tisch/Instrumententisch den Rücken zuzukehren.

Hengesbach, Checkliste Medical Skills (ISBN 978-3-13-243025-9), © 2019 Georg Thieme Verlag KG
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!
283
All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license.