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Wilhelm Viol.
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Freunds SchUer-Bibliothek.
Erste Mtheilung:

Präftarationen zu den griechischen und römischen


Schulklassikern.

HrKparaiittn
zu

Mrates' ausgewählten Reden.


Zum Gebrauch

für die Schule und den Privatunterricht.

Heft 1. Panegyntos, Cup. 1-35. Wogen 1-5.)

Preis 50 Pfge,

-«>K4E^»,"

Verlag von Wilhelm Violet.

Geliilligst die Rückseite zu beachten!


:. Prospcctus.
3er lernenden Jugend das Verstiindniß der berühmtesten
Geistesschöpfungen der Griechen und Römer zu erleichtern,
ihr von dem Leben und Wirten dieser beiden Völker nach
allen Richtungen Kenntniß zu verschaffen, und durch Beides
ihr das Bild jener großen, ewig mustergiltigen Vergangen
heit so klar und lebendig vor die Seele zu führen, daß es
ein ihr bleibendes Besitzthum fei für das ganze Leben: das
ist die Aufgabe, welche sich die Schülerbibliothek des
griechischen und römischen Alterthums gestellt hat.
Sie zerfällt hiernach in folgende drei Hauptabtheilungen:
I. Priipllllltlonen zu den griechischen und römischen
Schulklassikern; . ^
ii. Politische und Littletul-Geschichte der Griechen und
Römer: und endlich
m. Griechische und römische Altetthümer mit Einschluß
der Religion.
Sie soll vor Allem den Schüler in den Stand setzen,
die von ihm gelesenen Klassiker zu verstehen und den
Stoff in sich aufzunehmen, den dieselben für die Kenntniß
sowol der klassischen Sprache als der Geschichte und der
Alterthümer der klassischen Völker darbieten. Es ist daher
bei der Besprechung der einzelnen Stellen auf Grammatik,
Stilistik, Lexikologie, Geographie, Geschichte und Alterthümer
in weitester Ausdehnung Rucksicht genommen worden.
Der Kreis der mit Präparationen versehenen Klassiker
ist von uns möglichst weit gezogen worden; und indem sich
die Erklärungsweise streng nach dem Grade der Capacität
des Schülers richtet, begleiten wir denselben durch die ver
schiedenen Stufen feiner geistigen EntWickelung von Cor
nelius Nepos bis hinauf zu Horaz und Tacitus,
und ebenso von Xenophon's Anabasis bis zu Pluto,
Temosthenes und Sophokles.
Freunds Schüler -Bibliothet.

Hräparation
zu

IsoKates' Panegyritos und Areopagitikos.


Zum Gebrauch

für die Schule und den Privat-Unterricht.

5 O'

Lcipzig,
Verlag von Wilhelm Violet.
-^
Isokrates' Panegyrikos und Areopagitikos.

Einleitung.
I. Leben und Schriften des IsuKlltes.
Isokrates ('/ao^<i«r^), der Vierte in der Reihe der sogen.
'zehn attischen Redner"), aus dem attischen Demos Erchia, geb.
436 v, Chr. (also 23 Iahr jünger als Lysias), Sohn des Theodoros,
eines wohlhabenden athenischen Bürgers, der eine Flötenfabrik besaß
(Viou78. llalie., izoer. 1) und dadurch die Mittel gewann, seinem

*) Die schon im Alterthum festgestellte 'attische Rednerdekade'


(Plutarch's H/ol rcüv ckkx« ^ra'^niv) enthält folgende Redner:
1. Antiphon ('^vr^wv) aus Rhamnus in Attika, geb. um 480,
st. 411, Begründer der kunstgerechten politischen Beredsamkeit in Athen;
er unterrichtete in der Redekunst und schrieb Reden, besonders gericht
liche, für Andere, Giner seiner Schüler war Thukydides, Von seinen
35 Reden besitzen wir noch 15, von denen 12 in drei Tetralogien ge»
theilt sind.
2. Andokides (^vckox/ck^?) aus Athen, geb. um 444 v. Chr.,
sein Todesjahr ist unbekannt. Erhalten sind unter seinem Namen
4 Reden: 1! 7?k^>l rcöv /iv<7r^/lui' — 2) /7k^i rff? e«vrav x«so-
>lov — 3) /skpi l^? n^>ä? ^l«xk<l«l/iav/ov? kl^^vi/? — 4) H"«r«
'^lHxl/3l«'ckov (die Letztere wahrscheinl. unecht).
3. Lysias (^v<7l«?) aus Athen, geb. 459, st. 379 v. Chr. Er
stammte aus einer syrakusischen Familie (sein Vater, der Syrakuser Kepha»
los hatte sich auf Perikles' Wunsch in Athen niedergelafsen, s. Einleit.
2 Einleitung.

Sohne eine angemessene Erziehung und Bildung zu geben, die er ins


besondere bei den bedeutendsten Sophisten seiner Zeit Tistas, Gorgias,
Prodikos, nach Einigen auch bei Sokratcs und Theramenes, erhielt.
Wegen seiner Körperschwäche und natürlichen Schüchternheit entsagte
er der praktischen Theilnahme am Staatsleben und errichtete eine
Schule der Beredsamkeit, zuerst auf Ehios, dann zu Athen,
wo er außerordentlichen Beisall fand und zugleich ein sehr bedeutendes
Vermögen sich erwarb (nach Plutarch hatte er gegen hundert Schüler,
von denen jeder ihm ein Honorar von INNO Drachmen — 780 Reichs
mark entrichtete; außerdem stand er in Verkehr mit auswärtigen Fürsten,
die ihn zu Rathe zogen, für die er Reden verfertigte u. «gl,, dafür
aber von ihnen fürstlich bezahlt wurde; Nikokles, König von Kypern,
soll ihm 20 Talente für eine solche Rede gegeben haben). Daher über
nahm er auch die kostspielige Trierarchie und verwaltete sie aufs Glän
zendste, — Als eisriger Patriot suchte er durch seine schristlich viel ver
breiteten Reden auf die Besserung der politischen Zustände seines Vater
landes zu wirken. Nach dem unglücklichen Ausgange der Schlacht bei
Chäronea gab er sich aus Verzweiflung den Tod.

zu uns. Uebers. u. Er«, der Reden des Lysias S. 1 ff.). Erst im


reifern Mannesalter (ums I. 412) scheint er in Athen eine Redner
schule errichtet und als Lehrer der Beredsamkeit gewirkt, zugleich mit
Abfassung von gerichtlichen Reden für Andre sich beschäftigt zu haben.
Er starb in seinem achtzigsten Lebensjahre. — Im Alterthum wurden
ihm nicht weniger als 422 Reden zugeschrieben, von denen jedoch nur
etwa 230 als echt anerkannt wurden. Von diesen haben sich nur 34,
und auch diese nicht ganz vollständig, außerdem eine Anzahl von Bruch
stücken anderer Reden erhalten. Vielleicht nicht von Lysias selbst , son
dern nur nach seiner Redemanier verfaßt ist die in Plato's Dialog
'Phä'dros' lp. 230, s ff.) unter Lysias Namen enthaltene 'Liebesreoe'
(^lo/c>? ^^>curlxc>;).
4, Isokrates, s. oben im Texte.
5. Isäus ('/a«lo?), aus Chalkis auf Euböa, bl. um 370; er kam
früh nach Athen, war Schüler des Lysias und Isokrates, lehrte später
die Beredsamkeit (Demosthenes war einer seiner Schüler) und schrieb
Reden für Andere. — Von seinen 50 (ad. 56) Reden sind 11 erhalten,
meist Erbschaftsangelegenheiten !>tpt -eX^ov) betreffend. Auch ver»
Einleitung.

Isokrates bestimmte seine Reden nicht sowol für den mündlichen


Vortrag als für das Lesen derselben. Von den 28 Reden, welche im
Alterthume als echt anerkannt wurden, besitzen wir noch 21 die mit
Ausnahme von 8 für gerichtliche Zwecke in civilrechtlichcn Angelegen
heiten verfaßten, sämmtlich der politischen und epideiktischen Beredsam»
keit angehören. Am berühmtesten unter diesen sind: 1) //er^^^.
xo?, s. im Folg. die Einleit. — 2) //«»'«s!? v«<><?' 5, eine der
vorigen ähnliche Festrede zum Lobe Athens, von Isokrates im hohen
Alter (ums Iahr 340) verfaßt (nicht ganz vollständig erhalten) —
3) '^^>tlo?i«/lrlxo?, s. im Folg. die Einleit. z. d. Rede— 4)/?k^l
ki^i^? H I,v/«/««/l2o?, nach dem Anfange des Bundesgenossen»
krieges (356 v. Chr.) geschrieben, um die Athener zum Eingehen eines
Friedens mit Chios, Rhodos und Byzanz zu bewegen — 5) L^«/o'.
p«? (Fv«/öpov i/xul/<lov), Lobrede auf den 374 v. Chr. ermordeten
König von Kypern, an dessen Sohn und Nachfolger Nikokles gerichtet
— 6)'^(>/ick«^o?, geschrieben 366 v. Chr., um die Spartaner zu
veranlassen, Messene nicht wieder, aufzubauen — 7) /7^«r«'lxö?,
aus d. I. 374, eine Schutzschrist für Plataa gegen die Thebaner —

faßte er eine rhetorische Schrist: '^ckl'«l rk/ve«, welche verloren ge


gangen ist.
6. Lykurgus (^lvxoöp/o?), aus Athen, geb. 395, st. 329, Schüler
des Plato und Isokrates, ausgezeichneter Staatsmann (er war zwölf
Iahre Staatsschatzmeister) und Redner. Von seinen 15 Reden ist nur
Eine: 'gegen Leokrates' (x«r« ^tcu^«rov^) erhalten.
?. Hyperldes (^nk^tl'ck^) aus dem attischen Demos Kollytos,
geb. um 395, st. 322, Altersgenoß des Lykurgus und mit ihm Schüler
des Plato und Isokrates, langjähriger politischer Freund des (15 Iahre
jüngern) Demosthenes, Staatsmann und Redner. Von seinen 52 für
sich und Andre verfaßten Reden sind uns nur 4 (darunter nur Eine:
bn^ ^^«»'l'?l?iol', vollständig) erhalten.
8. Demosthenes (^^oaskx^;) aus dem attischen Demos Paia»
nia, geb. um 385, st. 322, der größte Redner der Griechen, unerschüt
terlicher Kämpfer für Freiheit und Recht, hochberühmt durch seinen
Feuereiser gegen die wachsende Macht Philipps von Makedonien, per»
sönlich mitkämpfend in der Schlacht bei Chärontza (338), gab sich nach
der Schlacht bei Krannon (322) den Tod durch Gist. — Von den uns

4 Einleitung.

8) /?kpl rH? «vrlcko'atlu?, geschr. 353, über den Vermögens»


tausch bei Uebernahme der Leiturgie (vgl. Hermann's Staatsalterth.
§ 162, 19) — 9> <^l'Xl?ln<,« (od. Itzö? ^l'^l?i?lov), geschr. 346 v.
Chr., Sendschreiben an Philipp von Makedonien: Aufforderung an den
selben zur Uebernahme eines Vermittleramtes unter den griechischen
Staaten und eines gemeinsamen Feldzuges gegen die Perser.
Eine Charakteristik der Beredsamkeit des Isokrates ist in der
Schrist des Dionysios v. Halikarnafsus /?t^l 5l5»' «^«l'cuv ^r6pcuv
i?l<,^»'^fl«rc<7^al (sä. I,il>8. V. p. 275—306) enthalten. In Cicero's
rhetorischen Schristen wird Isokrates wiederholentlich aufs Rühmlichste
erwähnt (äs or3,t. 2, 3, 10: ills pster slo^ueutiae. id. 2, 22, 94:
eees tidi est exortus Isoerate8, euius 6 luäo taNHUam sx sc>uo
Iroi^uo meri priueipW exieruut. Liut. 8, 32: IsoeratW, euiu8 6o-
wu8 euuetae 6i»sei»e clu»8i luäus ^uiäam p»tuit atuue olüeiu» äi-
eeuäi; maFuiis orator, <iu»mclUaN loreusi luee eaiuit intra^ue p»-
riete8 »luit ß»m Lariam, ^u»m nemo nieo c^mäsm iuäieio est po8te»

erhaltenen Reden (unter denen mehrere — vielleicht 17— unecht) sind


16 (11) Staatsreden und 2 (unechte) Prunkreden (Fnlckklxrcxol'). —
Unter den Staatsieden sind die philippischen (s. uns. Hebers, u.
Erkl. derselben), unter den Geiichtsreden die gegen seine treulosen Vor
münder, gegen Leptines, gegen Androtion und 'über den Kranz'
(/?kpl rov <7rk?'«vov, s. uns. Uebers. u. Erkl. dieser Rede) die be
rühmtesten.
9. Aeschines (^4^l'"??) der Redner (ö ^rlu^>, zum Unter
schiede vom gleichnamigen Philosophen) aus Athen, geb. um 390, st. 315,
Staatsmann und Redner, von Philipp bestochen, Führer der makedo
nischen Partei, daher Todfeind des Demosthenes; nächst diesem der
größte attische Redner. — Seine drei Reden (von den Alten H'oi'plrkss,
'die Grazien' genannt) sind uns erhalten: H«r« ?'l^«p/av — /lkpl
?r«l>«?rpk<7/?tl«? — und die bedeutendste unter ihnen H«r« ^lr^<7l-
^xü^ro? (vgl. die Einleit. zu uns. Uebers, u. Erkl. der Demosthen. Rede
'Vom Kranze').
10. Dinarchus (^kl'v«p/o?) aus Korinth, geb. 361, st. um 290,
lebte in Athen und schrieb, den Stil des Demosthenes nachahmend,
Reden für Andere im Interesse der makedonischen Partei. — Von
seinen 64 (od. 60) Reden sind nur 3 erhalten: )l«r« s^o«Xkol>? —
A«r« /l^^o^st^o^; — /l«r« '.4plttro/kirovo?.
Einleitung, 5

eonseeuws ste). Vgl. auch K. O. Müller's Gesch. d. griech. Liter. II.


S. 399 ff.: 'Isokrates war ausgezeichnet und Epoche machend als
Redekünstler. In ihm war, bei der größten Sorgfalt in der tech
nischen Ausbildung des Ausdrucks, ein entschiedenes Genie für die
Kunst der menschlichen Rede, und wir mögen ihm gern glauben, wenn
wir seine Perioden lesen, daß diese bei dem für solche Schönheiten
höchst empfänglichen athenischen Publikum eine wahre Begeisterung er
regten und Freunde und Feinde sich gleich angestrengt bemühten, ihren
Zauber sich anzueignen. Wenn man Isokrates' panegyrische Reden laut
recitirt, fühlt man sich — auch bei allen Schwächen des Inhaltes —
von einer Gewalt ergriffen, mit der kein früheres Werk der Rede auf
Ohr und Geist wirkt; man wird von einem vollen Strom der wohl
lautendsten Rede fortgetragen, der von Thucydides rauhem Satzbau
und Lysias dünnem Redetone unendlich weit entfernt ist. Isokrates'
Verdienst reicht in dieser Beziehung weit über die Grunzen seiner Schule,
ohne seine Umgestaltung des attischen Redestils wäre kein Demosthenes,
kein Cicero möglich gewesen, durch welche Isokrates' Schule ihren Ein
fluß bis auf die Beredsamkeit unserer Tage erstreckt. — Isokrates ging
auch von der Form der Rede aus, welche bis dahin am meisten aus
gebildet war, der Gegenüberstellung entsprechender Satzglieder («vri.
^k<^k»^ ^t'kl?); er selbst wandte in frühern Arbeiten auf diese sym
metrische Architektonik der Rede einen so künstlichen Fleiß, wie irgend
ein Sophist: aber er wußte in der Blüthezeit seiner Kunst die vorher
starren Mafsen in Fluß zu bringen, indem er die Gegensätze nicht ein
zeln und nach verschiedenen Seiten hin sich verbreiten läßt, sondern in
längere Reihen vereinigt und wie in einem Zuge hintereinander ein»
hertreten läßt. Isokrates hat immer einen verhältnißmäßig großen,
fruchtbaren, mit dem Verstand auch das Gefühl ansprechenden Haupt
gedanken (daher seine Liebe zu den Angelegenheiten der allgemeinen
Politik, die ihm solche Gedanken gewährten): nun faßt er in diesem
Hauptgedanken gewisse einander entgegenstehende Punkte auf, wie die
alte und neue Zeit, die Kräfte der Hellenen und Barbaren, und indem
er den Hauptgedanken in einem klaren Fortschritt von Folgerungen
und Schlüssen durchführt, läßt er auf jeder Stufe dieser Gedcmkenent»
6 Einleitung. »

Wickelung jene Gegensätze, die wieder ihre Unterabtheilungen zu haben


pflegen, anklingen und entfaltet auf diefe Weise einen Reichthum von
Variationen, worin immer derselbe Grundton wiederkehrt, und worin
auf die Weise, bei großer Mannigfaltigkeit, doch eine eben so große
Klarheit und Leichtigkeit des Ueberblicks herrscht. Dabei sorgt Isokra
tes auch für ein äußeres in das Gehör fallendes Entsprechen der im
Gedanken sich entsprechenden Satzglieder, nach Art der älteren sophisti»
schen Rhetoren: aber theils sucht er dies nicht mit solcher Kleinlichkeit
im Klange der einzelnen Worte, sondern mehr im Numerus der ganzen
Sätze; theils unterbricht er die sich genauer entsprechenden Satzglieder
auf eine ungezwungene Weise durch freiere, weniger regelmäßige Stücke;
theils endlich weiß er bei längeren Reihen antithetischer Glieder durch
eine größere Ausdehnung der Sätze, die besonders gern im dritten
Gliede und am Schlusse eintritt, ein gewisses Ansteigen und Anschwellen
des Redestromes hervorzubringen, wodurch eine ganz neue, kräftige,
lebhafte Bewegung in diesen antithetischen Satzbau gebracht wird. —
Isokrates wird von den Alten als derjenige anerkannt, der, um den
alten Ausdruck beizubehalten, den Kreis der Rede (-wxXo?, vidi8 ora-
tioui8) eingeführt, wiewol schon dem Sophisten Thrafnmachos, einem
Zeitgenossen des Antiphon, die Kunst beigelegt wird, die Gedanken zu»
sammenzuflechten und abzurunden (?) <7v<7r^k^x>v<7« r« dl«»'l"^«r«
x^l <7r(>o//v/cu? ^^,k'pol,'a« ^A?): demselben Thrafymachos, der
besonders sein Studium darauf wandte, die Zuhörer, z. V. die Richter,
bald in Zorn setzen, bald besänftigen und also wol überhaupt Affekte
nach Belieben aufregen und beruhigen zu können. Isokrates war es
indeß hauptsächlich, der durch die Wahl von Gegenständen, welche die
Brust des Redners gleichsam mit einem vollen Athem erfüllen, auch in
die Rede einen Schwung brachte, womit jener sogenannte Kreis der
Rede eng verbunden ist. Man versteht darunter eine solche Bildung
und Anlage der Perioden, daß die Theile derselben sich wie nothwen»
dige Stücke eines Ganzen aneinanderschließen, und der Abschluß des
Ganzen an der Stelle, wo er eintritt, gefordert und von dem Gehör
der Zuhörer gleichsam schon vorher empfunden wird, ehe er wirklich
eintritt. Dieser Eindruck wird theils durch die Vereinigung der ein»
Einleitung. „

zelnen Satzglieder in größere Massen, theils durch das Verhältnis


dieser Mafsen bewirkt, von dem es sich weniger messen und zählen als
beim Vortrage fühlen läßt, daß eine Harmonie darin liegt, welche
durch ein geringes Mehr oder Weniger gestört wird. Auch gilt die«
nicht bloß von Vorder» und Nachsätzen im eigentlichen Sinn, welche
sich aus der logischen Subordinirung eines Gedankens gegen den an»
dern entwickeln, sondern es gilt auch von den einander coordmirten
Massen der gegenüberstellenden Rede («vrcxkl^^?? 1,^3) (welcher Iso»
krates' größere Perioden der Mehrzahl nach angehören), wenn in diese
ein periodischer Fall gebracht werden soll. — Die Alten selbst ver
gleichen eine Periode, in welcher das richtige Gleichgewicht Herrscht,
mit einem Gewölbe (nk^lP^H? <7r^^), in welchem auch alle Steine
mit gleicher Wucht nach dem Mittelpunkte streben: Vorder» und Nach
satz sind wie zwei einander balancirende Mafsen, von denen jeder, was
ihm gegen den andern an äußerm Umfang abgeht, an Nachdruck und
innerer Kraft ersetzen muß. Klar ist, daß es dabei besonders auf die
rhetorischen Accente ankommt, die für die Redekunst dafselbe sind, was
die grammatischen Accente für die Sprache und die Arsen für die
Rhythmik; diese Accente müssen sich in gewissen regelmäßigen Verhält
nissen entsprechen und jeder seine Stelle vollkommen ausfüllen; ein
Nachlafsen an unrechter Stelle, besonders ein Ausbleiben des volleren
Tones gegen das Ende der Periode, verletzt ein feines und richtiges
Gehör auf das Empsindlichste. Die Alten haben indeß (wie die Neueren),
diesen Hauptpunkt mehr dem Gefühl überlafsen und bestimmte Regeln
mehr für untergeordnete Punkte aufgestellt, auf welche auch Isokrates
in seinen panegyrischen Reden einen unglaublichen Fleiß gewandt hat.
Wohlklingende Lautverbindungen, die Vermeidung des Hiatus, gewisse
rhythmische Füße besonders am Anfange und Schluß der Sätze sind
mit einer Sorgfalt erstrebt, wovon die Mühe weit größer ist als die
Wirkung auf den Hörer. Darin hat diese Art Prosa große Aehnlich»
keit mit der tragischen Poesie, die auch den Hiatus mehr vermeidet als
irgend eine andere Gattung der Dichtkunst, mit der sie überhaupt große
Verwandtschaft hat, dadurch, daß sie bestimmt ist, vor großen Zu
hörer»Kreisen ohne unmittelbar praktische Zwecke recitirt zu werden;
8 Einleitung. ,

daher der von Isokrates ausgebildete Stil auch von den Alten der
glatte und theatermäßige (rö ^«^>v^»ov x«l s««r^l«öv kicko?) ge»
nannt wird.'
'Isokrates hatte ein sehr richtiges Gefühl, wie nothwendig für die
Entwickelung dieses Stils auch eine bestimmte Gattung von Gegen
ständen der Rede sei. Er pflegt selbst, auf eine für unser Gefühl auf
fallende Art, Inhalt und Form seiner Redekunst zu verbinden, wie
wenn er sich zu denen rechnet, "welche keine Reden über Privathändel,
sondern hellenische, politische und panegyrische schreiben, von denen Alle
eingestehen, daß sie der musikalischen und gebundenen Dichtersprache
näher ständen, als den Reden, die man in den Gerichten höre". (Iso
krates, Ntpl «vrlckl,'<7ku,?) Der volle Strom der Isokratischen Rede
fordert durchaus gewisse durchgehende Hauptgedanken, die im Einzelnen
aufs Mannigfachste aufgezeigt und mit immer steigender Kraft der
Ueberzeugung erwiesen werden können; die Gedanken müssen von selbst
in natürlicher Uebereinstimmung zusammenstießen und sich in große ein
ander ähnliche Mafsen zu leichter Ueberstcht vereinigen. Daher ver»
schwindet mit der Herrschaft von Isokrates' Redekunst aus dem Stile
der Attiker immer mehr jene Feinheit und Schärfe, welche jeden Be»
griff theils für sich, theils in seiner Struktur und Satzverbindung,
aufs Genaueste zu bestimmen sucht und darüber gern die Ueberein
stimmung der Ausdrücke, grammatischen Formen und Satzverknüpfungen
aufopfert, woraus jene sinnvolle Ungleichheit, jene gedankenreiche In»
concinnität der Rede hervorging, durch die Sophokles und ThucydideZ
sich auszeichnen. Ifokrates' strömende Rede und viel umspannender
Periodenbau würde durch diese Inconcinnität jene Leichtigkeit des Ver»
ständnisses verlieren, ohne welche es bei ihm nicht möglich wäre, daß
der Hörer schon das, was kommen wird, voraussieht und sich durch
die Erfüllung der Erwartung befriedigt fühlt, während er bei Thucn
dides kaum den schon vollendeten Satz recht zu fassen im Stande ist.
Daher bei Isokrates alle jene ferneren Unterscheidungen, welche den
grammatischen Ausdruck variiren, wegfallen; sein Bestreben ist sichtlich
dieselbe Struktur, mit denselben Cafus, Modi, Tempora möglichst
lange fortzusetzen. Auf der andern Seite ist Isokrates' Sprache zwar
^Einleitung. 9

immer von einer gewissen Wärme des Gefühls geschwellt, aber noch
gänzlich frei von dem Einflusse jener erschütternden Leidenschaften,
welche verbunden mit einer Schlauigkeit und rafsinirten List, die dem
redlichen Isokrates auch noch nicht zur Last gelegt werben kann, die
sogenannten Figuren des Gedankens s<7/^«r« rH? ckl«»'<,i«?) erzeugen.
Daher in seinen Reden zwar lebhafte Fragen, Ausrufungen, Steige»
rungen gefunden werden, aber nichts von jenen stärkeren und unregel
mäßigen Veränderungen des Ausdrucks, wie sie durch jene Stimmungen
erzeugt weroen. Auch verlangt Isokrates' rhythmischer Periodenbau,
der nur selten ein durch Ungleichheit überrafchendes Verhältniß der
Satzglieder zuläßt, eine gewisse Ruhe der Stimmung oder wenigstens
eine Gleichheit des Affekts; tiefer aus dem Innern aufbrausende und
sich mannigfach durchkreuzende Gefühle müssen nothwendig auch die
Banden dieses regelmäßigen Periodenbaus sprengen und die zerrissenen
Glieder zu neuen kühner geformten Organismen vereinigen. Daher die
Alten darin übereinstimmen, daß dem Isokrates jene Vehemenz der
Beredsamkeit, welche die Leidenschaft der Sprechenden auf die Hörenden
einströmen läßt, welche ckklvar^? im engern Sinne heißt, noch völlig
mangelt: nicht sowol, weil der Fleiß der Ausfeilung im Einzelnen
diese Gewalt der Rede hemmt (wie Plutarch von Isokrates sagt: "Wie
hätte der sich nicht vor dem Zusammenstoßen der Phalanx fürchten
müssen, der sich scheute, Vokal auf Vokal stoßen zu lassen oder dem
Isokolon eine Silbe zu wenig zu geben"), sondern, weil die ganze
Glätte und Ebenmäßigkeit der Rede nur bei einer ruhigen, durch keine
Perturbation aus ihrer Bahn gezogenen Bewegung der Gedanken be
stehen kann. Isokrates hat daher auch, in der wohlbegründeten Ueber»
zeugung, daß der von ihm ausgebildete Stil ganz eigentlich für die
panegyrische Eloquenz bestimmt sei, diesen Stil in Gerichtsreden nur
in sehr beschränktem Maße angewandt; er nähert sich in diesen bei
weitem mehr dem Lysias. Auch war Isokrates nicht in dem Maße
Logographos, wie der eben genannte Redner; die Redenschreiber für
Gerichtshandel erscheinen ihm in Vergleich mit seinen Studien, wie
Puppenverfertigungen gegen Phidias; er hat verhältnitzmäßig nur wenig
Reden für Privatleute zu bestimmten praktischen Zwecken geschrieben.
10 Einleitung.

Die Sammlung, welche wir besitzen und die den gröhten Theil der
Reden umfaßt, die man im Alterthum für ächte Werke des Isokrates
hielt, enthält fünfzehn paränetische, panegyrische und Uebungsreden,
die alle nur für Leser, nicht für Volksversammlungen oder Gerichte,
bestimmt waren, und dahinter sechs Gerichtsreden, von denen man
keinen Grund hat zu zweiseln, daß sie geschrieben worden sind, um
wirklich im Gericht vor streitenden Parteien gehalten zu werden. Auch
hat Isokrates die Grundsätze, die er in seinem Unterricht befolgt und
durch praktische Uebung immer mehr ausgebildet hatte, später in einer
sogenannten Techne theoretisch entwickelt, welche bei den alten Rhe»
toren großes Ansehen erlangte und oft angeführt wird.'

II. Ter Pllnegyrilos.


I?«vi//vyl? (aus ?i«V-«)^l? — ö^o^«: Versammlung Aller,
des ganzen Volkes, dah. insbesond.): die allgemeine Festversamm»
lung. Solcher Festversammlungen gab es bei den Hellenen außer an
den vier Nationalfesten für die Gesammtnation (den Olym
pien zu Olympia in Elis, den Pythien zu Delphi, den Nemeen
zu Nemea in Argolis und den Isthmien auf dem Isthmos von Ko»
rinth) auch an den besonderen Festen der einzelnen Staaten
(so in Attika: an den Panathenäen, Eleusinien, Thesmopho»
rien, Dionysien u. a.; in Sparta: den Hyakinthien und Kar»
neen; in Argos: den Heräen oder Hekatombäen u. s. w., vgl. K. Fr.
Hermann's gottesd. Alterth. § 49 ff. ; Freund's Irieuu. III. S. 255 ff.
und im Folg. z 43 ff.).
Seit den achtziger Olympiaden (um 450 v. Chr.) trat die Sitte
ein, bei den Olympien vor dem versammelten Volke (aber nicht be->
hufs eines literarischen Wettkampfes) Vorträge, Schaureden (^«-
ckk/^kl?) zu halten, auch Dichtungen zu recitiren. Bekannt ist in dieser
Beziehung die (von Manchen wol mit Unrecht angezweiselte) Erzählung
von Herodot's Vorlesung einzelner Theile seines Geschichtswerkes bei
Einleitung. 11

den Olympien. Der Sophist Gorgias trug hier seinen 'W.^?llxö?


^ö/o?, bei den Pythien seinen /?l>slxoi'' vor, der Eleer Hippias
entzückte seine Zuhörer zu Olympia durch seine 'kunstvollen und wohl
ausgearbeiteten Reden' (Xo/c>l? ?r<?lxl'4ol? x«l ?lk^o»'ri<7^«voi?);
ebenso hielten Prodikos, Anaximenes, Lysias, und in späterer
Zeit noch (um IM n. Chr.) Dio Chrysostomos Vorträge bei den
Panegyreis von Olympia.
Die> allgemeine Bezeichnung für den vor einer solchen festlichen
notv^'/v^l? gehaltenen Vortrag war ?l«v^/vplKo?, näml. Ia^o?
(vgl. Huiutil, lust. 2, IN, 11: ^etinnW a<i povul»iem apt»ws äe-
lectationsm, «luals8 Isßimus pklusß^rieo8). Zweck solcher Vor»
träge war in älterer Zeit die Belebung des patriotischen Sinnes und
die Ermunterung zur Nachahmung rühmlicher Thaten der Vorfahren,
auch zur Einigkeit der hellenischen Stämme und zum gemeinsamen
Kampfe gegen die Barbaren (so Gorgias: nkl'sluv «94« noltias«l

/<üp«»'). In späterer Zeit, namentlich bei den Römern, wurden die


MiwL7riei Lobreden auf einzelne Personen (fo der berühmte
?ausF7ri<:u8 des jüngern Plinius, eine Lobrede auf den Kaiser Trajan
zum Danke für die erlangte Consulwürde, und die späteren sogen.
I^ne^ri« vstere8 I,atim, Dankadressen gallischer Städte an die Kaiser,
auf Bestellung gearbeitet von den bedeutendsten Rhetoren Galliens, vgl.
Irieuu. II. S. 321 u. 837 ff.).
Nach dem Vorgange des Gorgias verfaßte Isokrates seinen /?«v-
^vplxoz. Für welche Festversammlung (^«v^v^l«) er diesen Vor
trag bestimmt hat, ist nicht bekannt. Nach dem Iahre, in welchem
derselbe veröffentlicht worden, näml. 01. 100, 1 (^ 380 v. Chr.), und
in welchem auch eine olympische Festfeier stattfand, läßt sich vermuthen,
daß Isokrates seinen Vortrag für diefe olympische Panegyris ver
faßt hat.
Den Zweck der Rede gibt er in demselben wiederholentlich an:
'die ernste nachdrucksvolle Mahnung an die Hellenen zur Ein
tracht unter einander und zum gemeinsamen Kampfe gegen
die Barbaren (Perser)'; vgl. im Folg. § 3: ?n«» <7v/<^ovXkv<7luv
12 IsoKr2,tes, ?2,neFMKos. Oap. I.

voi«; r^? ?lpö? ^«? «örov'?; desgl. § 19: ?v« ?l«l,<7«^kvc>l r^?

<7lu^k»', u. a.
Nach Angaben der Alten hat Isokrates am /?«v^/vplxo? zehn
(oder gar fünfzehn) Iahre gearbeitet; daß er sich lange Zeit damit
beschäftigt hat, sagt er selbst im Folg. § 14: Hv ^H x«l ro5 np«/^«.

und im Sendschreiben an Philippos § 84: rork /«tzv ^«p ?l«pkxk^kv-

1. PunegiiriKos.

Oxr. l.
(1) 'Oft schon habe ich mich über diejenigen gewundert, welche die
Festversammlungen berufen und die gymnischen WetMmpfe eingerichtet
haben, daß sie glückliche Körperanlagen so großer Belohnungen für
würdig erachteten, dagegen denen, welche sich im Privatleben für das
Gemeinwesen angestrengt und ihren Geist so ausgebildet haben, daß
sie auch Anderen nützen konnten, keine Auszeichnung zuerkannten, ob»
wol sie doch eigentlich auf diese noch mehr hatten Rücksicht nehmen
sollen. (2) Denn wenn die Athleten eine doppelt so große Stärke erhiel
ten, so würden doch Andere keinen Vortheil davon haben; eines
Mannes Verstand aber können Alle genießen, die an seiner Einsicht
Theil nehmen wollen. (3) Doch wollte ich deshalb nicht muthlos werden
und die Mühe aufgeben, sondern in der Meinung, daß der aus der
Rede selbst erwachsende Ruhm ein genügender Preis für mich sein
werde, bin ich aufgetreten, um euch hinsichtlich des Krieges gegen
die Barbaren und der Eintracht unter uns selbst meinen
Rath zu ertheilen, obgleich ich wohl weiß, daß Viele von denen, welche
sich für Lehrer der Beredsamkeit ausgeben, bereits an diesen Gegen
stand in ihren Reden herangegangen sind. (4) Zugleich aber hoffte ich
einmal, mich so sehr auszuzeichnen, daß es den Andern scheinen soll,
als sei niemals etwas darüber gesprochen worden, sodann halte ich die»
jenigen Reden für die schönsten von allen, welche über die wichtigsten
Dinge handeln, und sowol die Redner am besten bewähren, als
den Zuhörern am meisten nützen; und zu diesen gehört die meinige.
(5) Ferner ist auch die pafsende Zeit dazu noch nicht vorüber, so daß
es bereits umsonst wäre, diese Dinge zu erwähnen. Denn dann muß
man aufhören zu reden, wenn entweder die Sache ihr Ende erreicht
hat, und man nicht mehr nöthig hat, darüber zu berathen; oder wenn
man die Rede so weit geführt sieht, daß den Andern keine Möglichkeit
gelafsen ist, sie zu überbieten. (6) So lange aber die Dinge ebenso
wie früher gehen, und das darüber Gesagte unbrauchbar ist: warum
sollte man da diesen Gegenstand nicht in Betracht ziehen und darüber
studiren, der, wenn er richtig ausgeführt wird, uns von dem Kriege
gegen einander und der herrschenden Unruhe und den größten Uebeln
befreien wird? (7) Ueberdies, wenn es durchaus unmöglich wäre, die
selben Sachen anders als durch eine einzige Form darzustellen, so hätte
man wol Grund anzunehmen, es sei eine überflüssige Arbeit, noch ein
mal auf dieselbe Art wie Iene zu sprechen und dadurch den Zuhörern
lästig zu werden. (8) Da aber die Beredsamkeit so beschaffen ist, daß
man über dieselben Dinge auf vielfache Arten reden kann, das Er
habene zu erniedrigen und das Unbedeutende in den Schein der Größe
zu hüllen, das Alte auf eine neue Weise darzustellen, und über das
erst kürzlich Geschehene in alterthümlicher Weise zu reden, so braucht
man dasjenige nicht mehr zu vermeiden, worüber Andere früher ge
sprochen haben, sondern muß versuchen, besser als Iene zu sprechen.
19) Denn die früher ausgeführten Thaten sind uns Allen als Gemein
gut hinterlafsen worden, sie aber zu passender Zeit anzuwenden und
bei jeder das Schickliche aufzusinden und in Worten gut auszudrücken,
das ist ein Vorzug verständiger Männer. (10) Ich glaube aber, daß
14 l8olirat«8, kans8MKo8. Oap. I, 1.

sowol die übrigen Künste als auch das Studium der Beredsamkeit dann
die meisten Fortschritte machen würde, wenn man nicht diejenigen be»
wunderte und ehrte, die zuerst ein Werk beginnen, sondern die, welche
es jedesmal am besten ausführen, und nicht die, welche über Dinge
zu reden suchen, über welche noch Niemand vorher gesprochen hat,
sondern die, welche so zu sprechen wissen, wie es kein Anderer ver
möchte.'
1. lio^clxl? ^s«^«<7« ste., ebenso beginnt Xenophon die NL-
mor»b,: /lo^«'xl? ^s«l!^«<7«, r/<7l nor« Xo^ol? sie.; vgl. ähnlich
den Anfang des ^reopazit. : no^ov? v^cüv o?/i«l s«v//«^klv, 5/v-
r«v« ?lork /vu!/«^v «/wv ete. Zur Construction an unsrer Stelle
s«v/^«^klv rcvo? mit folg, Satze vgl. Izoor. 3 § 3: suv//ü^w rcüv
r«vr^v rHv /vll>,«^v ^övrwv, 3?iw? o^ x«l röv ?i<!,oVrov x«xlü?
^,«/ov<7lv — r«? ii«v^/vpkl?, s. d. vorsieh. Einleit. S. 10 und unten
§ 43 : rcüv ro/vw r«? ^«vi/^^kl? x«r«<7r^!7«vrluv <llX«/l<>? «?l«l-
vov^kvwV orl roloi5rov kso? H/iiv ?l«^>«cko<7«v sto. — rov? ^v/i«-
xov? «^cüv«?, vgl. Freund's ^risnu. III. S. 258 ff. — <7w^«'rwv
kv«//«?, 'Glücksgaben, Vorzüge des Körpers', vgl. unten § 44:
rol? ^kv «?ll<lk/^«<7H«l r«? «vrwv kv^v^/«;. — ick/«, 'im Stillen,
daheim', näml. in geistigen (dialektischen und rhetorischen) Uebungen,
im Gegensatze zu den Athletenkämpfen in den Gymnafien — ?iov^«-
ülv, von geistiger Bemühung, vgl. unten § 186: r/? ^«^ «ö ?lov^akl
X«l ^>lX«<70^>^<7k« etC. UNd kkUHtllSU. § 11: ^?lklck^ rai5 ?l0<llLkl!k-

slllvo^sk^,', x«r«^>v/ov — rovrol? ck', nachdrucksvoll auf das


vorangehende roi? ck' hinweisend; so häusig bei Isokrates, auch mit
wiederholtem ck«; vgl. unten ß 96: « ck' ^arlv i'ckl« . . r«kr« ck'
^üv k^^ov ^<7rlv kl?lklv; so § 176: « //kv ^«^> ..«<!'.. r«i)r«
ckk eto.; vgl. auch l8oer. 7 § 63: ki ^ r« . . r«i>r« cki. Zum Haupt»
gedanken unsrer Stelle vgl. bei H,ri8tot. lilietor. III. e. 14 (von Gor<
gills im '0H,v^?il«xo?): "^?iö ?lo^^cüv «§l«,l H«v^l«^k<7s«l, <ü «v-

'/<iox^>«ri/? <l^ ^k^kl, 8r« r«? /ikv icüv aw/i«rwv «pkr«? ckw^>k«l?
k'r//«^<7«v, ro5? ck' ki) ^>^>ovov<7lv ovckki' «sXov ^?lo/^<7«v. Vgl.
I8oKrate8, ^aueZMKo8. Oap. I, 2 — 5. 15

auch yuiutil. 3, 8, 9: Izoerate8 in kausß^rioo eou^ueritur 'vlu»


liouori» eorIiorum yuam kluiiuorum virtutibu» äari'. —
«l)ioi!?, näml. roi>? x«r«ar^<7«vr«?.
2. rcüv . . «iHX^rcü^, mit Bezug auf das vorangehende rov«
/l>/<vlxoi>? «^«?v«?, und ^vo? <l' «v<l^>ö? kli ^>^>c>vi/<7«vro? mit Ve
zug auf ro5? ickl« ?iov^<7«<i! . . wark roi>? «XXov? lü^k).klv <l^«-
ss«l. — ivö? «i^ck^o?, der Genitiv von «?ioX«v<7kl«^ abhängig
(nicht absol. Genitiv).
3. «sv//^<7«? . . ^nsv^klv, Gleichklang — <7v/i/3ov).kl!aluv ?lkpl

^ff? ?i^ö? H/««g «vrov?, Angabe des Doppelinyalts der Rede: Krieg
gegen die Perser und Eintracht unter den Hellenen — rcüv nposs?«^-
all^e'vluv kiv«l <7o^l<7rlüv, zur Uebereinstimmung des Prädikats im
Cafus mit dem Nomen vgl. unten § 71: rcüv noX^k/«'wv «vv?io<7r«-
rwv oc'o/i^luv klv«l; § 95: 6ov^,«l? ö^s^v«l /kvo//^«l? und
§ 124: roc? ^.«l>sk^ol? «^loi><7lv k^v«l; vgl. auch Krüger's Spracht.
55, 2, 5. Bei <7o^>l<7rc?v nimmt Isokrates hauptsächlich auf Gorgias'
berühmten V^v/«?ll«xl!« Bezug, der ebenfalls zur Eintracht, den Bar»
baren gegenüber, ermahnte. — sni roi>rov ri>v ^ö/ov, 'auf eben
diesen, denselben Gegenstand.'
4. cklalaklv, absolut: 'sich auszeichnen'; vgl. unten § 92: ^v roi?

zu 6«xklv gehörig, näml. den Lesern oder Zuhörern scheinen — npo-


xp<>«?, 'den Vorzug gebend'; vgl. I8oer. 5 § 113: «? (?i^«5k«?) ot
?ipcl/o^ol <7«v ^«lvo^L«l x«^,X/<7r«? n<,oxpl>«vr«?, und 11 § 11:

ckkl^vvav<7l, 'sie zeigen, geben kund, lafsen erkennen'; Wolf: 'oratO-


rum iußeuia maxims äemuuztr»ut'.
5. c3<7r' ,/<l^ Mr^v k^«l, 'so daß es bereits umsonst, vergebens
wäre'; das Adverbium bei «v««, s. v. a, /U«r«lov kivc«; vgl. unten
§ 176: « /«kv (/k^«^/ikv«) . . n«^«l <lk'^vr«l x«i /««r^v ^v r«5«
<7r^'X«l? ^<7i/v '('ist längst aufgehoben und steht umsonst auf den
Säulen'); vgl. Krüger's Sprach!. 62, 2, 3 ff. — «/ovr« ni?«?, am
Ziele sich besindend, d. i. 'die höchste Vollkommenheit besitzend', 'in
16 I8oKrHtW, ?alle8^riIt08. Oap. I, 6 — 8.

höchster Vollendung', durch das folg. «/<7« ^ckk<«/«v ik^«?,s«l rol?


«^ol? i?ikp/3o^,^ genauer bezeichnet.
6. ew? ck' «v P^^r«l, solange es so (lässig, ohne besondern
Eiser) fortgeht, solange man die Sache ihren Gang gehen läßt —
P«l!^«,? k/ovr«, ungenügend, unbefriedigend, wirkungslos bleibend
— axo^kr,> x«i ^lXoao^klv, 'forschen und nachdenken'; so häusig bei
den Rednern ^>lX«<7a<pklv, vom Nachdenken, mit snnon. Verben ver
bunden; vgl. I80LI. 9 § 78: «xlXoaoPkli' x«l ?l«vk5v. ici. 12 S 11:
^?li rä ^lXo<7u^>klv xui ?lovklv x«l /p«^klv. i«i. 6 § 116: ?ipo<7-

<7Xk^k<7sk ete. iä. 15 § 121: roi5r' ^«^oao^kl x«l roVr' «?ip«r-


rkv, 3?ilU? ste. I^^8. 24 § 10: ro<oi>rav r« ^r«v x«l rovro ^>l-
^o<io^klv. — rff? r«p«/ff?, 'von der Zerrüttung, Verwirrung'.
?. ckl« ^lü« ickk«?, 'durch ein und dieselbe Darstellungsweise',
vgl. so lcki«, izoer. 5 § 143: ^X« /«p ktXo/«/v «?l«l^k<7H«« r^
rol«^r^? ickt«? ('von solcher Art der Darstellung'). — röv «6rö^
r^ö?lov ^xkl^ol?, 'auf dieselbe Weise wie Iene'.
8. r« ^kv /«k^«).« . . «^«/w? kl?iklv, doppeltgegliederte Anti
these: r« /ik/«X« r«?iklv« . . ro?? /ilx^o?? /ik/«Ho? und rü ?i«-
>!,ul« x«lvcü? . . rcüv vkw<7ri «^«llu?. Durch diese verschiedenartige
Behandlung der Redestoffe bei den Zuhörern Interesse zu erwecken ver
standen schon die älteren Sophisten, vgl. klar. ?ll»sär. p. 267, » ff.-.

kl'xor« ki<lov w? rc^i^rk« /««^^ov, r« rk «v <7//l«<^cl /ik^«^,« x«i


i« //k/«^,« <7/il?e^>« ^>«/vk<7s«l ?ioloi5<7l ckl« ^cu/«^v ^o'^ov, x«lvn

«?iklp« fii/x^ ?ikpt ?i«vr«iv «vkv^oV ('den Tisias aber und Gorgicis
wollen wir ganz ruhen lassen, welche zuerst das Scheinbare entdeckt
haben, daß es über das Wahre gehe und mehr zu ehren sei, und welche
machen, daß das Kleine groß und das Große klein erscheint durch die
Kraft der Rede, und vom Neuen auf alte, vom Alten aber auf neue
Art sprechen, und welche die Gedrängtheit der Rede, und auch die un
endliche Länge über jeden Gegenstand erfunden haben'). So rühmt sich
Hivvias bei Plato (Hipp, m»i. p. 286, b), seinen Ermahnungen an
IzoKrate8, kaue8MKo8. OaI>. 1^ 9. 10. 17

Jünglinge eine 'überaus herrliche' Einkleidung (^«^«iw?) gegeben zu


laben, indem er Nestor mit Neoptolemos sich unterhaltend eingeführt
>llbe: /5«l ?ikpl /k ^?llr^<lkv/i«rcu»» x«>llüv x«i kv«^o? «viösl kv-
lox//i^<7« cklk§llu>, « /l>^ räv v^ov F?llr^ckkl>'klV. «<7r« /«^> /iol

«k//lkv<»? x«l rol? övo^OK7l' ?i^oc7^/i« ckk /iol ^<irc x«l «^>^H

r«i5r« ck^ Xk/luv kariv o Marws x«l v?lorcs^kvo? «vrcü ?l«/«-


no^^,« vo^l<«« x«l ?l«/x«H,«. — l/>kvxr^ov r«vr«, vgl. so unten
§ 160: o ?iclpcüv x«l?«?, ov ovx «cxk^kov und H.rsc>p. S 79: ?lor«-

9. «i npll^kl? «t ?lpo/k/kv^/«kv«l, 'die früher vorgefallenen


Ereignisse', 'die Ereignisse, Begebenheiten der Vergangenheit' — x«l-
>"«/, gemeinsam, d. i. der Kenntniß und Benutzung eines Ieden zu
gänglich — rol? öv6/««<7lv kv ckl«sk<7H«l, 'mit treffenden, schönen
Ausdrücken darzustellen'; zur Sache vgl. I8oer. 13 § 16: x«i ro5? kv-

10. M//<7r^v ^?llck<K7lv ^«^^uvklv, das größte Gedeihen, den


größten Erfolg erlangen, am Besten gedeihen; vgl. vemo8ili. kliilipp. 3
K 4?: «««viluv w? k?l«? «l?iklv ?io^^v «il^c^örcov ^?il<lo<ilv und
?I»t. 8^uipo8. !>> 175, s: H <7H (<7o^>/«) ^«^?i^cc rk x«i no).^v
l'?l/äo<7lv «),ov<7« — rk/v«?, 'Kunstfertigkeiten', im Gegensatze zu
rHv ?ikpl roi>? H,o/«v« cxlH,o<7ocp/«v, 'dem Studium der Beredsam»
Kit'; bei Isokrates bezeichnet das von ihm viel gebrauchte ^lloaocMv
und PlXlx7aPl« die geistige Beschäftigung, das Studium von Wissen
schaft, Kunst oder der für das praktische und politische Leben nöthigen
Kenntnisse und Fertigkeit, vgl. nk«i «vrccko'ak«,? § 271: <sli<x7o'-

>.^ovr«l r^v r«l«vri/v c/>^>ovi?<7lv (3 r« ?l^«xrkov ^ >lkx«'oi» ^<7r/v)


— ?lk<>i «iv /i^<5«'? eto,, /«^ckk/?, nicht ovckk/? im Relativsatze von
blos Hypothetischem, vgl. unten § 189: ovckk ^<,l«i5r« X^/klv s5 wv

i
18 IsoKrates, ?au<?F7riIi05. 0»p. II.

o /?l'o? ^^ckkv (kaum etwas) ^?llcku><7tl rluv ?lk«7ft^rcuv, u, 15 § 12 :

0xr. II.
(11) 'Nun tadeln aber Einige diejenigen Reden, welche den Weniger»
gebildeten zu hoch und mit allzugroßer Sorgfalt ausgearbeitet sind,
und irren sich so sehr, daß sie die Borträge, die verfaßt sind, um An
dere zu überbieten, ebenso beurtheilen, wie die gerichtlichen über Privat»
streitigkeiten, als ob beide ebenso beschaffen sein müßten, und nicht
vielmehr die einen, um sich zu sichern, die andern aber, um sich zu
zeigen, oder als ob sie zwar das rechte Maß durchschauten, der aber,
welcher künstlich zu reden versteht, nicht auch einfach sprechen könnte.
(12) Man kann nun leicht merken, daß sie nur die loben, denen sie
selbst nahe stehen; ich aber habe mit solchen Leuten nichts zu thun,
sondern, nur mit denen, welche nichts planlos Gesagtes gut heißen,
sondern es verwerfen und suchen werden, in meinen Reden etwas von
der Art zu sehen, wie sie es bei den andern nicht sinden werden. Zu
diesen will ich noch einige freie Worte über mich selbst sprechen, und
dann sogleich über die Sache selbst reden. (13) Ich sehe nämlich, daß
die Anderen in den Einleitungen die Zuhörer sich geneigt zu machen
suchen, und sich wegen dessen, was vorgetragen werden soll, entschül^
digen, und sagen, entweder, daß sie sich aus dem Stegereis hätten vor
bereiten müssen, oder, daß es schwer sei, Worte zu sinden, die der
Wichtigkeit der Sache gleichkämen. (14) Ich aber fordere für den Fall,
daß ich nicht so spräche, wie es der Sache und meines Ruhmes und
der Zeit würdig ist, und zwar nicht nur der, welche ich auf diese Rede
verwendet, sondern der ganzen, welche ich gelebt habe, daß man keine
Nachsicht mit mir habe, sondern mich verspotte und verachte. Denn
es gibt nichts Derartiges, was ich nicht zu erdulden verdiente, wenn
ich, ohne mich von den Andern zu unterscheiden, so große Versprechungen
machte. So viel nun wollte ich vorausschicken über das, was mich per
sönlich betrifft. (15) Was aber das Allgemeine betrifft, so sagen zwar
die, welche sogleich bei ihrem Auftreten zeigen, wie wir die Feindselig
keiten unter einander aufgeben und uns gegen den Barbaren wenden:

.
IsoKrates, kaneF^riKos. Oap. II, 11. 19

ftllen, und das Unheil durchgehen, das uns aus dem Kriege gegen
einander erwachsen ist, und den Nutzen, den wir aus dem Feldzug
gegen Ienen ziehen werden, die Wahrheit, gehen aber gleichwol nicht
»on dem Punkte aus, von welchem sie Solches (Beides) am leichtesten
in Ordnung (zu Stande) bringen könnten. (16) Von den Hellenen näm
lich stehen die Einen unter uns, die Anderen unter den Lakedämomern;
denn die Verfassungen, nach denen sie ihre Staaten verwalten, haben
die Meisten von ihnen auf diese Weise geschieden. Wer nun glaubt
die Anderen würden zusammen etwas Vortheilhaftes (Nützliches, Rechtes)
ausführen, bevor er die an ihrer Spitze Stehenden mit einander aus
gesöhnt hat, ist sehr thöricht und steht dem (wahren) Sachverhalte fern.
(I7) Wer aber nicht blos eine Prunkrede halten, sondern auch etwas
ausrichten will, muß die Gründe aufsuchen, welche diese beiden Staaten
dazu bringen können, einander gleiche Rechte anzuerkennen und die
Hegemonie zu theilen, und die Vortheile, die sie jetzt von den Hellenen
zu erhalten suchen, sich von den Barbaren zu verschaffen.'
11. roi? ^?lkp roi,; ickllur«; k/a»)<7l (^ö/ol?), Reden, die über
das Vermögen der gewöhnlichen (ungebildeten) Leute hinausgehen (d. i.
welche gewöhnliche Leute nicht nachahmen können, besser als ein nicht
lunstmaßig Gebildeter glaubt reden zu können); vgl. 15 § 138: öaal
rol; ö?ikp «vroi'? ?lt^'l'xö<7lv «^soM^<il rl)/^«vov<7l»'. — rov?
ei? i?ik^>/3<iXHv ?ik?iolH/^av?, 'die, um Andere zu übertreffen, aus
gearbeitet sind' — «/cöv«; ?ik^l rcüv lckl'cuv <7l'/</?oX«lcuv, gericht
liche Reden über Vertragsangelegenheiten, über Prozesse aus dem Obli
gationenrecht (über Darlehen, Depositen, Bürgschaften u. dgl.); solche
Reden hatte besonders Lysias in größerer Anzahl verfaßt ftö/ol ntpl
Vv<«/3o1,«l'cu»', Hlneuaßii8 13 v. 611, e); vielleicht hatte Isokrates an
unsrer Stelle diese der einfachen Stilgattung angehörenden Reden des
Lysias im Sinne. — ü»'a?«? . . ckkov, 'grade als ob . . sie müßten',
aua8i ver0 ste.; so häusig cu<7Nkp mit dem Particiv, vgl. unten §53:
<"<7?ikp ov . . roi'? ^o'/ov? övr«? rolovro^?. 1^s, 24 ß 18: c3<7?ik^
ri x«Xi»v ?loll?»', iä. 25 § 31: c3<7?lk<> rcüv /^^v «^luv älllxovp-
r<uv, u. v. a. — roi!? ^^v, näml. die zuletzt erwähnten gerichtlichen
Reden; roi'? ckk, jene Prunkreden — «<^«X,lu?, 'sicher', 'vorsichtlich',
2'
20 IsoKrates, ^ane^riKos. Oap. I1^ 12 — 14.

näml. das praktische Ziel vor Augen habend und dem Gegner keine
Blöße gebend — ^n«ltlxrcxcü?, zur Schaustellung geeignet, prunk»
rednerisch, 'aä o8teut»tiouem' — o^«? ^iv, näml. die Verfasser ein
facher Gerichtsreden — r«? /«t5<>lor^r«?, 'das rechte Maß', 'die
Mittelstraße'. Der Gebrauch des Plurals der Abstrakta ist eine Eigen»
thümlichkeit der Diktion des Isokrates; vgl. ^reopllF, p. 4: <7vv«xo-
Xovskl rol? /«kv ?l^ovi<»l? x«l r«l? <ll'v«<7rkl«l? «vol« . . r«l^

r^? — nx^l/3cü?, 'mit Sorgfalt', 'mit feiner Ausbildung'; vgl. 9 §73:


ot rk/vl^cü; «^ov^t? Xo'^oe. — Der Gegensatz hierzu, «nXu?? ist-,
'schlicht', 'einfach'.
12. ov XtX^s«<7lv, negativer Ausdruck für <l^Xol' t/<7lv, 'man
weiß wol, daß sie' lc. — rovrov? ^«lvoi)<»l»' cüv ^/i,? «vrol rv),.
^«^ov^lv svrk?, zum Gedanken vgl. Perikles bei Iliue^ä. 2, 35:

vol, ki? 3<7ov «v x«l «viö; k'x«<7r<»? l««vo? tiv«l ck^>«<7«!l ri ulv
Hxovot. — rcüv kixß Xk^o/<^l!>v, 'von dem was aufs Gerathewohl
gesprochen wird'; kixß, hier s. v. a. das vorangehende «?iXcü?, und
entgegenges. «xpl/3lu? — ckvl7/kp«»'oi?vr«?, näml. r« rc>l«i)r«. —
s^>«<7vv«^kvo?, 'mich erdreistend, ermuthigend', 'ms iaetlw8'.
13. x«r«?ll»«bvovr«?, 'mild stimmend', 'sich geneigt machend' —
np<iP«<7^o/«^<»v?, 'sich entschuldigend', 'Entschuldigungen vorbringend'
— s5 v?io/vl'ov, 'aus dem Stegereis', 'fogleich', 'auf der Stelle', s,
v. a. ^x roii ?l«^>«^p^« — cu>,' X«^k?lo»' ^<7riv , . k^kv^ki»', eine
häusige Entschuldigung der Redner; vgl. Igoer. ?au»tdßu. § 36: ^«
^^v /<lxp« rcü»' ?lp«//<«rcuv ^«cklov rol? ^ö)/<»l? «v^<7«l, rol?

növ ^<7cü<s«l roi>? k?r«lvov;, und Il^eriä. NpitLpd. ß 2: rpv

14. r^? cko^? r^« ^«vroü, Isokrates war zur Zeit der Heraus
gabe des Panegyrikos (360 v. Chr.) bereits hochberühmt als Lehrer del
Beredsamkeit, s. oben Einleit. S. 2, und vgl. Sokrutes' Urtheil üb^
den noch jungen Isokrates bei ?Iat. kdasär. p. 279, »: M0? «^
^/<7ox^«r^?), o /«ivfol /<«»'rkvo/<«l x«i' «vrov, ^/tlv ^HkX<»
IsoKrates, ?ausF?riK0s. (^ap. II, 15. 21

^o«5 /«>l «/«klvluv 3) x«r« rov? ?lkpl ^v<7l'«v t!v«l ^a/ov? r«

?vk»ri «; ^'l1<,<7o^l« iß rov «vckliö; ckl«voi« ('Jung ist Uokilltes


n»ch, was mir aber von ihm ahnet, will ich sagen. Er dünkt mich zu
gut, um ihn mit des Lysias Reden zu vergleichen, was seine Natur»
gabe betrifft, auch von edlerer Mischung des Gemüthes, so daß es
nichts Wunderbares wäre, wenn er bei reiserem Alter Heils in den
Neben, auf die er jetzt seinen Fleiß wendet, Alle, die sich je mit Reden
abgegeben, weiter als Kinder hinter sich zurückließe, theils auch, wenn
ihm dieses nicht mehr genügte, ihn zu etwas Größeren ein göttlicher
Trieb hinführte. Denn von Natur schon ist etwas Philosophisches in
der Seele des Mannes'). — rcw /^o'vov . . ?lkpl röv ^<j/ov H/«lv
ckl«rpl^s^vra?, nach Angabe der Alten verwendete er auf die Aus
arbeitung des Panegyrikos eine sehr lange Zeit (angeblich zehn bis
fünfzehn Iahre) — av'M«vro? oö /3k/3lcux«, er war bei Herausgabe
des Panegyrikos bereits 56 Iahr alt. Der Wechsel des Numerus in
6/cu . . ^l»' . . /3k/?l'c-»x« sindet sich häusig bei Isokrates wie bei an
dern Rednern, — Auf die Worte dieses ß spielt Isokrates in dem
34 Iahre später (346) verfaßten Sendschreiben an Philippos § 84 an:

15. r«?v xol»'cüv, im Gegensatze zum vorangehenden r«?»' ickl'luv:


'das Allgemeine', 'die öffentlichen Fragen', mit Bezug auf das oben
D 3 angegebene Thema: Hxcu <7v^/3ov/kvo«»v ?«§>l' rk rov iioX^ov
,roii ?l^ö? ioi,« /?«^>/3«^>oV? x«l L^? o^ovoi«? ^? ?l^>ö? ^/««?
«örov?. — k^si>; ^k^so»'rk?, häusige Verbindung des tssi); mit
22 I8oKratez, kaneg^Mo8. Oap. II, 16. 17.

einem Parucipium; vgl. 15 § 12: /p^ <">> ^ik5v kvHö? e?ik).Huv-


r«? cklkXsklv, 15 § 199: kvHi>? ^^oc^k^Hov?«? <l««^«^klv, u.a. —
tNk^Hovik?, nach ihrem Auftreten als Schriststeller, s. unten zu § 74
— rü? ?l^o? ,//««c «iroi'? k/Hp«?, näml. die Streitigkeiten Spar»
ta's mit Korinth, Olynth, Theben im sogen. olynthischen Kriege (im
I. 383 ff.), an welchen auch Athen sich betheiligte — snl rüv /3«p-
/3«yov, verächtliche Bezeichnung des Perserkonigs Artaxerxes II. Mne»
mon — e'vrkvöev . . ü'skv, im Folz ., § 1? genauer angegeben: <lkl
^xkli>0l>^ roi>? iö/ov? ^rki'v, 0lr<,vk? rcü ?l<!^,^ rov'rw ?lk/<7ol><7lv
i<7o^ol^^<7«l ?i^ö? ü).).,/).«? ete. — <7v<irff<7«l r«vr«, näml. die
Herstellung der Eintracht und den Feldzug gegen die Perser; vgl. 5
§ 67: ncü? ov <7« /^>^ ?lpo<7soxöv ^«ck/lu? i« ?ipakl^^/ikv« <7v<7r?,'-
yklv, u. daf. § 41: ki x«i ruvr« ^ovo? cw<7r,/<7Nl <ll>v^Hk/i/;.
16. 5c/ ^<«lv, unter unsrer (der Athener) Führung, Hegemonie —
«t noXlrkl«l ckl' luv ete., näml. die Staaten mit demokratischer Ver
fassung traten unter die Führung Athens, die mit oligarchischer unter
Sparta's Führung. Zur Sache vgl. IKue^ä. 1, 18, 2: «olvff rk
c!?iw<7c<Mi'0l ^öv /3«c>^3«<>ov v<7rkpav oö ?io).<lcü FlkXl>l^<i«v ?lpo?

6<ec/>«v^' lc7/vuv /«j» «i /««v x«i« /,-v, oi ök p«v<7/v etc. — roi^


«).i«^?, näml, im Gegensatze zu den Athenern und Lakedümoniern —
?l«^w icüv ?lp«/^«'rwv, entfernt, fern von den Thatsachen, d. i.
von der wahren Sachlage; vgl. unten § 113: ^ oüiw ?lo^^lu rcüv

17. «?i/ckkl^lv, 'eine Prunkrcde' — rcu ?ic!X,/ ro^r«,, die maskul.


Form des Artikels und Pronomens im Dualis bei Substantiven weibl.
Geschlechts findet sich sehr häusig, vgl, unten Z 73, 75 u. 139: roiv
no^kolv; s. auch Krüger's Sprach!. 58, I, 3. — l<7o^olpffn«l, gleiche
Rechte zutheilen; vgl. 5 F 39: ov<lk?lor' uv l<7o/«»lc>^<7«l ?i^ö? «^,-
^,^).ov? — r«? H' ^k//ovl«? <l<k^,«<is«l, näml. auf die Weise, daß
die Athener tie Hegemonie zur See, die Spartaner die zu Lande haben
sollten; vgl. denselben Rath in Xeiwpu. Hellen. 7, 1, 2: rH ^tv «vv

'>.
IL0l:raw8, kansg/rilios. Oap. III. 28

c^i', III.

(18) 'Unsere Stadt nun hierzu zu bewegen, ist leicht, die Laledä»
monier aber verhalten sich jetzt noch schwer zu überreden. Denn sie
haben die irrige Meinung überkommen, die Hegemonie sei von ihren
Gätern auf sie vererbt. Wenn ihnen aber jemand nachwiese, daß diese
Ehre uns viel mehr gebührt als ihnen, so würden sie wol bald ab
lassen, darüber nachzugrübeln und sich zu dem wenden, was ihnen
Zortheil bringt. (19) Davon nun müßten auch die Ändern ausgehen,
und nicht eher über das (allgemein) Anerkannte ihren Rath mittheilen,'
uls bis sie uns über das Streitige belehrt hätten. Mir nun kommt
es aus zwei Gründen zu, mich hierbei am längsten aufzuhalten, Haupt»
sächlich damit die Sache gefördert werde, und wir unsere gegenseitige
Streitlust aufgeben und gemeinschaftlich die Barbaren bekriegen; (20) wenn
dies aber nicht möglich ist, damit ich zeige, wer dem Glücke der Hel
lenen im Wege steht, und es Allen klar werde, daß unser Staat so»
uwl früher mit vollen: Rechte die Seeherrschaft hatte, und jetzt nicht
mit Unrecht auf die Hegemonie Anspruch macht. (21) Denn wenn man
einerseits bei jeder Unternehmung diejenigen auszeichnen muß, welche
die Erfahrensten sind und die größte Macht besitzen, so kommt es un
streitig uns zu, die Hegemonie wieder zu erhalten, die wir ja schon
früher besaßen. Denn Niemand wird wol einen andern Staat auf
weisen können, der sich im Landkriege so sehr heruorthut, wie sich der
unsere in den Seekämpfen auszeichnet. (22) Andrerseits aber, wenn
Einige glauben, daß dieses Urtheil nicht gerecht sei, sondern daß viele
Veränderungen (Umwälzungen) einträten — denn die Herrschaft bleibe
ja niemals bei den Nämlichen — und (wenn dieselben) verlangen, daß
»ie Hegemonie, wie irgend eine andere Würde, entweder die haben
sollen, welchen zuerst diese Ehre zu Theil geworden, oder die, welche
den Hellenen das meiste Gute erwiesen haben, so glaube ich, daß auch
diese auf unsrer Seite sich besinden. (23) Denn aus je weiterer Ferne (in
24 IsoKrates, ?»neFxrUi0s. Oap III, 18—21.

der Vergangenheit) man seine Betrachtung über diese beiden Punkte


anstellt, desto mehr werden wir die, welche mit uns darüber streiten,
hinter uns zurücklassen.'
18. ^?ll r«<ir«, näml. zur Theilung der Hegemonie mit den La»
ledämoniern — n«p«X^«l», 'sie haben überkommen, ererbt'; hinzu
zudenken: ?r«o« r<5»' n«o^o'»'luv; vgl. so vollständig 8 § 102: ov /«a

/3av. — ^/tl<7s«l, hier im prägnanten Sinn: 'die (ungetheilte, ganze)


Führerschaft haben', s. v. a. rH»' ^/k/«o«'«v ^klv — r«vr»/v r^v
rc/«^>, näml. rö H/klvs«l, die ungetheilte Hegemonie — H 'xkl'vluv,
so ist, zur Vermeidung des Hiatus, zu schreiben, statt H Fxkl'vluv (auch
nicht H xkl'vluv) — rö ckl««<»l/3ov<7s«l, spitzsindige Untersuchungen
über diese Frage anzustellen, sich in sophistische Erörterungen darüber
einzulassen — ^nl rö <7v/«^,tpov AHolkv: 'sie möchten sich zu ihrem
wahren Vortheil (die getheilte Hegemonie) herbeilassen, verstehen'.
19. nkpl rcü»' o^o^o/ov^^cu»', näml. über die Nothwendigkeit
der Vereinigung aller Hellenen gegen die Barbaren — «/«7><,r«9ft>v
«vkx«, 'aus zwei Geünden', 'zu dem doppelten Zwecke', genauer be<
zeichnet durch das folg. /««^«7r« /^v ?v« . . xolvF roi? /3«^>/3«po<?
?lo^k/U^'<7<u/<t»', und: ki ck^ roiir' k<7rlv «ckvv«r<>»', ?v« <)^^cu<7ll»
rov? ^/U?lockcuv ö»^r«; rss rc5»' ^<l^^vlu»' kvck«l/lo»'l'«. — ?»'« ?looö^>/l»«>
ri ^kv^r«l, 'damit etwas Zweckdienliches, Förderndes geschehe'; zum
Ausdrucke vgl. 15 § 83: ro?? /«tzv rot? vo'/lov? rls^v«l ?lpo«l^>ov.

^«? «vroö? ^lXovklxl«?, 'die Streitlust mit einander'.


20. ?v« ck^iluolu ete., als zweiter Zweck des oben angegebenen

rß . . kvck«l^o»'i«, auf die Spartaner und Spartanerfteunde hin


weisend — «^lo^rkl rH; ^/t^ovi««, 'Anspruch auf die (unge»
theilte) Hegemonie macht, machen darf'; zum Genitiv bei ä^<xl<x/3^-
rkiv vgl. 5 § 82: roi? ckk ^,oc>»'kl»' k^ x«l ?it?l«l<5tii<7K«l x«!ll<?3
<l/<^l<7/?^rcü, und vsnwstli. 39 § 19: r^? «^^? H/«Pl<7/3^r«.
21. rovro ^v, dem rovro ck' im folg. entsprechend: 'einerseits
. . andrerseits' — rov'rov?, auf das folg. roi'? ^nklp<»r«rov; öv
IsoKratez, ?ane^riKos. Oäp. III, 22. 23. IV. 25

i«? hinweisend — oao»' . . ckl«^'«l>ov<7«v, zur Symmetrie mit dem


vorangehenden i?lt<»k^c>v<7«»'.
22. «Floiial 3^, zum vorangehenden tl' rlvt? gehörig — r«l!i^?
i^? rc^^?, näml. r^? ^k/<ovi«; — klv«l /«ks' ^/«cüv, auf unsrer
Seite sein, sich besinden.
23. noppcur^luskv, 'aus weiterer Ferne in der VeraMgentM',
'aus fernerer Vergangenheit'; vgl. 12 § 120: cklä rov^o z^ Trookl»

ä^^orkpluv, näml. über Verdienst und Priorität — «?ioXklU'oMv


wir werden (wie im Wettlaufe) hinter uns zurücklassen, t». i. welden
sie weit übertreffen; vgl. unten ß 50: ro<7ovrov <5' «?ro^F^<,l?lk»' ^

und 9 § 79: ^v rol? ^v/<»'lx<>^ «^cü<7lv oi sk«r«l . . ?l«l»«xkXkvov-


r«l rcü»' ck§>o/<^u<v o») roi; «?loik^kl^/<^vol? <iXX« ro5; ^rtl>l r^

<?^. IV.
(23) 'Es wird ja (von Allen) zugegeben, daß unsere Stadt die
älteste und größte und bei allen Menschen berühmteste ist; obgleich aber
schon die Grundlage so schön ist, so kommt uns doch wegen dessen, was
sich daran knüpft, noch größere Ehre zu, (24) Denn wir bewohnen sie
nicht, nachdem wir Andere daraus vertrieben oder sie als unbewohnt
in Besitz genommen haben, noch nachdem wir aus vielen Bölkern ge
mischt, uns hier gesammelt haben, sondern so edel und von edler Ab
kunft ist unser Geschlecht, daß wir alle Zeit hindurch ununterbrochen
dasselbe Land besaßen, aus dem wir entsprossen sind, als Ureingeborene
(Autochthonen), und die Stadt mit denselben Namen wie unsre nächsten
Angehörigen benennen können. (25) Denn uns allein unter den Hel
lenen kommt es zu, ein und dieselbe als Nährerin, Vaterland und
Mutter zu nennen. Diejenigen aber , welche mit gutem Grunde stolz
gesinnt sein und gerechte Ansprüche auf die Hegemonie erheben und
ihre angeerbten Vorzüge so ost erwähnen wollen, müssen offenbar einen
solchen Ursprung ihres Geschlechts haben.'
26 isoKrates> ?aneF7riKos. «üap. IV, 23—25. V.

23. «^«lor«r7»', da die Athener sich vor den übrigen Hellenen


der Autochthonie rühmten; vgl. 12 § 124: (roi'; '^s^v«l'ovc) n^cu-

161 extr. : /<c<r!/v /ä^> «v lückk ?l«ß«Xov NX^'vcuv <7r^>«röv ?iikl-


<7rov kll/^ki' k/c^M«»'ol, tl ^l>p«xc»7lc>l<7l tövrk; !<4s^v«lc>l <7V^-

^o^ol 6^ ^o'vrk? oö ^«r«v«<7r«l ^.^,^luv ete., s. die Bemerk, z.


d, St. — /<k/l'<7^v, ogl. 10 § 35: l^<7t^) rHv ?l<i^llv <7?iop«ck^»'

^?iol'^<7kv cu<7r' «il n«l vvv «?i' kxkl'voi> ^ov M<ivav /«k/l<7r^v
r«?»' N^^vlckcuv t^«l, und 15 § 299: P«<7lv ^öv^v kl»'«l r«i)r^>'
?lc>'^l»', L«; <>' «XX«? x<ü/<«; — rf? «)?lo9k<7kcu?, 'die Grundlage'
— ^ol? k/o^kvol?, was sich daran knüpft, was damit zusammen
hangt, damit in Verbindung steht.
24. i^kpov; tx/?«4o'»'rt?, mit Anspielung auf die in den Pelo»
ponnes eingewanderten Darier — ovök . . ^l/clckk? <7vX^k/«>rk?,
vgl, 12 S 124: ('^4s>?v«l'o!^) clvr«; /<^k /<l/«ck«; /<?/r' t?i,/Xvs«?

olailk^ ioi,; olxtlor«io^; ste. , durch das folg. r^v «vl^v r^»o-
^ov ste. begründet,
25. rHv «i)r^v rpo^,av . . x«X«a«l, zum Gedanken vgl. 12
§ 125: x«l r«^ri/v t/avr«? rH? /cu'^>«>' r^o^päv, k^ Ha?ikp kcpv<7«»'

?r«r^«? x«l r«; /«/rk'^«? r«; «!)rcü»' stc , und Oie^ pro ?Iaeeo
26>62: a.ul>,8 (H,t1>euieu8iuN urt>8) vstu8wte ell, est, ut ip8H ex 8Ssß
8uc>8 eivs8 genuine äicatur, ut eoruiu eaäsm terra Mreu«, »Itrix,
patriil äieatur. — 5lü»' ?l«r^>l<u^ ^k^^Mvov?, Anspielung auf die
Spartaner, die sich auf ihre Abstammung von den Herakliden viel zu
Gute thaten,

c-xr. V.
s26) 'Von solcher Bedeutung also ist das, was wir von Anfang
an besaßen und was uns von: Schicksal verliehen worden ist. Wie
große Vortheile wir aber den Andern verschafft haben, möchten wir
IsoKrates, ?2.usF7nKos. Oap. V, 26. 27. 2?

wlll auf die Art NM besten untersuchen, wenn wir die Zeit von An
fang an und die Thaten unsrer Stadt der Reihe nach durchgingen.
Denn dann werden wir sinden, daß dieselbe nicht nur in den Gefahren
des Krieges, sondern auch in den übrigen Einrichtungen, (27) unter
denen wir wohnen, und mit denen wir den Staat verwalten und durch
die wir unfern Lebensunterhalt haben können, beinahe in allen diesen
Einrichtungen vorangegangen ist. Man muß aber unter den Wohl»
thaten nicht diejenigen auswählen, welche wegen ihrer Geringfügigkeit
verborgen geblieben und verschwiegen worden sind, sondern die, welche
wegen ihrer Wichtigkeit von allen Menschen sowol früher als auch jetzt
und überall genannt und im Gedächtniß erhalten werden.'
26. r« «^ «c/H? v?l«^>^«vr«, 'was uns von Anfang an zukam,
gehörte'; zum Ausdrucke vgl. 9 S 19: r« flkv oiw ^s «?/'/? ^v«-
/o^>« ?l«^>« rcüv ?l^o/ö»'cuv V?r«^«»'r« r^.lx«vr« ro ^k/k9ö?
^<7rl»', und 6 § 24: ?i!(>l /<k»' o^v reov k^ «pX^? ,n«p^«vilu»' M?v
«^l>l^cü? /<«»' ov cki^sov. 8 K 117. — r^? «^X^? x«r«<7xkv?/?,
hierzu gehört wie zu nlvckvvluv das folg. «irl'«v o«.'<7«v. Das auf
-c«r«ontv^ Folgende bezeichnet die drei verschiedenen Lebensrichtungen,
welchen jene Einrichtungen als Forderungsmittel dienen; näml.: ^v ;/
x«rc></«,S^kv, d. i. worauf unser häusliches, cultivirtes Leben be
ruht; ^tö' ?); ?ic>Xlrkvo^ks«, d. i. unsre Gesetze und Staatseinrich
tungen; und: <5l' »/»' ^ßv ckvv«/<ks«, d. i. die Einführung des Ge
treidebaus, die Erwerbung des nöthigen Landes u. dgl. Iene drei
Lcbensrichtungen behandeln die folg. §z 28—50 in umgekehrter Reihe
folge, Näml. §§ 26—3? von <5l' ,> ^v <5vv«>ks«; §z 38—42
von <«ts' ^? noilrkvoMs«; endlich §ß 43—50 von ^v '/ xllral-

27. ?i^o«l^k?<7s«l, 'auswählen' — ckl«X«sova«?, von ckl«X«v-


H«vk<v, 'ganz verborgen fein', öfters bei Isokrates; vgl. 1 § 44: o«ickd
)<«p F/<i ravro cklkX«skv, und 3 § 16: rl'? oöx «v ck^^«lra ^cü>'
«,) ^p^ovov»'rcuv rol«vr^? ?loXlrtl'«? ^krk/tl»', t'v ^ /«^ ckl«X^<7kl
28 IsoKrates, laneßMKoZ. Oap. VI, 28.

0^1>. VI.
(28) 'Für's Erste also wurde das, was unsere Natur zuerst be
durfte, durch unsere Stadt herbeigeschafft; denn wenn die Erzählung
auch sagenhaft geworden ist, so verdient sie doch auch hier angeführt
zu werden. Als nämlich Demeter in unser Land gekommen war,
bei ihrem Umherirren nach dem Raube der Kore, und gegen unsre
Vorfahren wohlwollend gesinnt war, in Folge von jenen Dienstleistungen,
die nur die Eingeweihten hören dürfen, und sie uns Geschenke gab, die
die wichtigsten sind, die Feldfrüchte, welche die Veranlassung wurden,
daß wir nicht nach Art der wilden Thiere leben, und die Einweihung
(in die Mysterien), deren Theilhaber über das Lebensende und die ganze
Ewigkeit angenehmere Hoffnungen hegen: (29) da zeigte sich unsere
Stadt nicht nur so gottgefällig, sondern auch so menschenfreundlich,
daß sie den Besitz so großer Güter, in den sie gelangt war, nicht etwa
den Anderen misgönnte, sondern von dem, was sie empfangen hatte.
Allen mittheilte. Und die letzteren (Mysterien) zeigen wir auch jetzt
noch jedes Iahr, von jenen aber hat sie ein für allemal sowol die Be
nutzung als auch die Bearbeitung und die daraus erwachsenden Bor»
theile gelehrt. Und diesem wird Niemand den Glauben verweigern
wollen, sobald noch einiges Weniges hinzugefügt worden.'
26. n^Äiov ^v rol»'vv Kte., dieser und die folg. §H bis ein
schließlich 37 enthalten die weitere Ausführung der im Vorsieh. § 26
erwähnten xolra<7xkv?', ckl' H'v ?Hv ckv»'«/<ts«, die Einrichtungen für
Nahrung und Wohnung, oö ^<üro»' H ?lpcüiov H cxv<7l; ^cü»'
kckk^'s^. Das erste n^cüro»' dient im Allgem. als Anfang der Be
weisführung: 'fiir's Erste'; das zweite ?lpcürov bezeichnet bei kckk^'s^
das erste Bedürfniß — ^ol»?, nur so (nicht xo'p«) lautet das Wort
als nom. appell. u. proprium bei den attischen Prosaikern — o«n
öll!»' r' «^ol? H ro?; ^k/<v^^val;, d. i. als den in die eleustnischen
Mysterien Eingeweihten, vgl. K. Fr. Hermann's gottesdienstl. Alterty.
§ 55 u. Freund's ^rieun. III. S. 233 ff. — rHv rkXkry'v, 'die Ein
weihung, Weihe' in die Mysterien, vgl. vollständig unten § 157: 6v
rZ rk4rr^ rcüv ^w<7r?^l'lu»' — rov <7v/«?l«vro; «icüvo?, Bezeichnung
I8oKrate8, ?aue87rilio8. Oap. VI, 29. VII. 29

der unbegrenzten Zukunft nach dem Tode, 'Ewigkeit'; vgl. 8 § 34:


öpli> roö? ^kr' «v<ik/3kl«^ x«l cklx«loavv^? ^lüvra« kv rk rol?
?i«poi><7l /pavol? «<7^>«^,<Ü? <ll«/«vr«? x«i ?lk^>l roi5 <n!/i?l«»^ro?
«ilüvo? ^ck/ov? r«? ^?il<l«« k/ovr«;. Zur ganzen Stelle vgl. auch
Oie. äe leßß. 2, 14, 36: AlUü eum mulw eximm äiviu^ue viäeu-
tur H,tilen»e peperi88e »tc^iis in vitmn nomiuuiu «,ttuÜ88e, tum ui-
liil meIiu8 iUi8 M^8terii8, auibn8 ex »ßre8ti innn5miq.ue vit» exeulti
»ä liumkwit»teiu et mitiMi 8uum» , iuiti»«iue ut appellimtur, it«, re
ver» priueipi» vit»e eoßnovimu»; ue^ue 8ol>i!ll oum laetiti» viveu<li
r»tiouem »eeepimu8, 8eä etimu eum 8pe meli0re murieuäi.
29. Hko^lXlü?, im pafsiven Sinne: 'von der Gottheit geliebt',
mit Bezug auf das voranstehende ckovay? ckwpk«? «?nkp /«^/l<7r«l
rv/x«vov<7lv ov<7«l. (Andre nehmen Hko^lXcü? actio: die Götter
liebend, 'götterfreundlich', correspondirend mit dem folg. PlX,«vH<>lu-
ncu?, 'menschenfteundlich') — r« ^v, näml. die Mysterien der Nkv-
a/vl«, welche in jedem Iahre im Monat Boeoromion (September) neun
Tage hindurch gefeiert wurden; vgl. Irieun. III. S. 268 ff. — ckkl-evu-
/«v, 'wir zeigen', f. v. a.: 'wir weihen darin ein', vgl. Xeuopn. Helleu.
6,3,6: ^/6r«l ?pl?lro^,k//o^ ö ^/4«rkp«? ?lpo'^oi'o? r« ^M^r^o^

64?. VII.
(30) 'Erstens nämlich kann man aus dem Grunde, aus dem viel»
leicht Iemand das Gesagte gering achten wollte, weil es alt ist, aus
demselben Grunde mit Recht glauben, daß diese Dinge sich wirklich
ereignet haben. Denn da Viele es gesagt und Alle es gehört haben,
so muß man das darüber Erzählte zwar nicht für neu, wol aber für
glaubwürdig halten. Sodann brauchen wir unsre Zuflucht nicht blos
dazu zu nehmen, daß wir die Erzählung und die Sage aus alter Zeit
überkommen haben, sondern wir haben noch größere Beweise als diese,
deren wir uns dafür bedienen können. (31) Die meisten Staaten näm
lich schicken, zum Andenken an die alte Wohlthat, jedes Iahr die Erst»
linge des Getreides zu uns, denen aber, welche es unterlassen, hat die
Pnthia schon oft aufgegeben (befohlen), ihren Theil von den Feldflüchten
30 Is0Krate8, ?»UeFxriIi0s. c!ap. VII, 30. 31. VIII.
abzuliefern und gegen unsre Stadt das alte Herkommen zu wahren.
An was muß man nun aber eher glauben, als an das, was die Gott
heit erklärt und soviele der Hellenen mit uns für wahr halten, und
worin die alte Sage für die jetzigen Handlungen mitzeugt, und das,
was jetzt geschieht, mit dem von jenen Gesagten übereinstimmt?'
30. ^ cüv öv rl? . . ^x icüv «vrcüv raviu»' ete, , eine etwas
sophistische Beweisführung aus der Tradition — ^H x«l»'« <««»' ?l»7r«
ck^, 'wenn auch nicht neu, so doch glaubwürdig' — tvr«ii3«, hier,
wie öfters, bei einem Verbum der Bewegung (x«r«cxl>/«v), vgl.
Xeuopn. ^u»d. 3, 4, 11: t'vr«ös« X^kr«l H^cktl« x«^«^v/klv.
Ebenso k'vft« u. ^'s«'ckk, s. Krüger's Sprach!. 66, 3, 6.
31. ö?l<i/<»^/<« r?/? 7r«^,«l«; kvkp/k<7l«? ete., der Sage zufolge
hatte bei einer allgemeinen Hungersnoth das Delphische Orakel den
Athenern befohlen, für alle Hellenen der Demeter ein Opfer darzu
bringen, und zwar 'vor dem Pflügen' (dcch. dies Opfer npo^oal«,
8e. tkp«, genannt wurde). Da nach diesem Opfer die Hungersnoth
aufhörte, so sandten die hellenischen Städte zum Danke nach Athen die
Erstlinge aller Früchte — <i?l«l,/«?, fo hießen eigentl. die von den
Kolonien der ^r^?ioXl? zugesandten Gaben (vgl. Hermann's Staats»
alt, § 74, 4), daher in der jährlichen Zusendung der Erstlingsgoben
an Athen eine gewisse Anerkennung der Superiorität der Letztern aus
gedrückt war — r« /«^»?, näml. die" «?l«p^«l — o sko? , näml. der
Delphische Apollo durch den Mund der Pythia — «v«^«, die ge
wöhnliche Bezeichnung für Orakelsprüche; vgl, 6 § 17: o cktz sto?
?lkpl Mv cüv ^?l^clll^<7«v oix «»'klXkv, und ebendaf. ß 31: rü
«U«»'r55o»' rc>l; /<iv ovckiv «vkNkv, ^/<l»' ck' z<l^Xcu<7k ete. ^ V?i'
t^klvcu»', näml. ö?ic> skot x«l ?ic>Xilü»' N^^vcuv.

O^r. VIII.
(32) 'Hiervon aber abgesehen, wenn wir alles dieses bei Seite
lassen, und die Sache von Anfang an betrachten, fo werden wir sinden,
daß die, welche zuerst auf der Erde erschienen, den Lebensunterhalt
nicht gleich fo, wie er jetzt beschaffen ist, antrafen, sondern ihn nach
und nach sich zusammen (mit einander) verschafften. Von wem nun
5
lzoI<ratLF, ?»ns^riKo«. O»p, Vlll, 32. 33. IX. 31

muß man eher annehmen, daß sie es entweder als ein Geschenk von
den Göttern erhielten, oder daß sie durch ihr eignes Suchen darauf
gekommen seien? (33) Nicht von denen, die anerkanntermaßen zuerst
entstanden sind und die meisten Anlagen zu den Künsten haben, und
gegen das Göttliche sich am Frömmsten bewiesen? Nun aber, wie
große Ehre denjenigen zukommt, welche die Urheber so großer Vor»
theile sind, das zu zeigen, ist eine überflüssige Arbeit: denn Niemand
wir) ein Geschenk aufsinden können, das so bedeutend wäre, daß es
an Größe dem gleichkäme, was sie gethan haben.'
82. /w<>i? <!« 5o^cu»», ein von Ilokrates oft gebrauchter Ueber»
gaugsausdruck, vgl. unten § 46; 6 § 11; 12 § 150; 15 § 23« u. a.
— <<«l« /«^öv <7vi'k?io^!<7«^ro, sie haben allmälig, nach und nach
sich zusammen verschafft, zusammengebracht — ') . . H, 'sei es . . oder'.
33. ö/io).o/ov/ikvol>? mit folg. Partie, ^k^o.«kvo,)?, o>r«? und
6l«xk<^«»>ov?, vgl. I^z. 4 ß 7: o/«»).o/c>!)^kH« ?i<><>? ?i«lck«? x«i

<7k/3k<7rur« 6l«xk</ikvov?, ein von den Athenern oft wiederholtes Selbst»


lob der Frömmigkeit; vgl. 12 H 124: «il«vr« ruv /^ov«,v ,)<7^^!«>'

i?^cu'?lov?. 8up!ioel. Oeä, <üc>Ioll. 226: kl r«? / '^4s^v«? ^>«<7l


Hk«<7k^k<7r«r«? «'»»«« — ro<7«l>r^v rü /ik/eso?, 'so bedeutend an
Größe', die Beisügung von ia /ik/kso? zu den Pronominaladjektiven
ro<7«i!ro? und ^XlxoFro? sindet sich ungemein häusig bei Isokrates.

<^i>. IX.
(34) 'Von der größten der Wohlthaten nun, die zuerst vorkam und
für Alle die gemeinsamste ist, haben wir soviel zu sagen. Als sie
(Athen) aber um dieselbe Zeit sah, wie die Barbaren den größten Theil
des Landes inne hatten, die Hellenen aber auf einen kleinen Raum be
schränkt waren, und wegen des Mangels an dem nöthigen Lande ein
ander nachstellten und Feldzüge gegen einander unternahmen, und die
Einen aus Mangel am täglichen Unterhalt, die Andern durch den
Krieg umkamen, (35) übersah sie auch diese Verhältnisse nicht, sondern
schickte Führer in die Städte, welche die des Unterhalts am meisten
32 IsoKrates, ?aneF/riKos. Oap. IX, 34. 35. !

Bedürftigen zu sich nahmen, als ihre Feldherren auftraten, die N«°


baren im Kriege überwältigten und so viele Städte auf dem beider
seitigen Festlande gründeten, alle Inseln anbauten und beide, s»»«l
die, welche ihnen gefolgt, als die, welche zurückgeblieben waren, ret
teten. (36) Denn den Einen ließen sie nun zu Hause genug Land
zurück, den Andern aber verschafften sie mehr als sie vorher hatten.
Denn sie bemächtigten sich des ganzen Gebietes, das wir jetzt inne
haben, so daß sie auch denen, welche später Colonisten absenden und
unserer Stadt nachahmen wollten, eine große Erleichterung verschafften,
Denn diese brauchten sich nun nicht beim Erwerbe eines Landes Ge
fahren auszusetzen, sondern nur in das von uns losgerissene zu ziehen
und darin zu wohnen. (37) Wer kann nun aber eine Führerschast auf<
weisen, die entweder mehr angestammt sei als die, welche schon be
stand, ehe die meisten hellenischen Staaten gegründet waren, oder heil
samer, als die, welche die Barbaren aus ihren Wohnsitzen vertrieben
und die Hellenen zu einem so hohen Wohlstande gefördert hat?'
34. nkpl /<iv oüv . . ti?iklv k^oM», das bisher Gesagte ab
schließend — roü« «vroi? ^povov?, näml. in den ältesten (mythWnj
Zeiten. — <5pu?<7«, näml. ^ no^« H H/«t?^«. — rov; L«p/3«pö!l'
der Sage zufolge Leleger, Karer, Kaukonen, Thraker u. A. —
^cu^«?, näml. des später hellenischen Landes — LH? ?^?, des nöthigK
Landes, Landbesitzes.
35, ovck^ r«i's', 'auch dies, auch diese Umstände nicht', was also^
ein neues Verdienst Athens um die Hellenen war — nkpltlckk»', sie
übersah, ließ unbeachtet, vernachlässigte — ^k/«ov«?, absichtlich ge
wählter Ausdruck für 'Befehlshaber', 'Führer', um daran die H/k/«o-
vi« zu knüpfen. Isokrates denkt übrigens bei ^/k^ovk; an die unter
den Söhnen des Kodros begonnene Kolonisation der Kykladen und
Kleinafiens durch die Ionier, vgl. Irisun. III. S. 61 ff. — ^'
t^«rk^>«; r^« Hnt^ov, 'auf beiden Festlanden, Continenten', näml.
Europa und Asien (Isokrates nimmt nur diefe zwei Erdtheile an); zum
Ausdrucke vgl. 5 ß H2: rc5»' ^svc5v ilüv k'<p ix«r^p«? rH? H?ikl-
pov; und zum Ausdrucke und zur Sache 12 § 44: Mr« r«ör« no4-
X«; ?lankl? ^' ^x«rk^>« rcüv ^?ikl'^luv x«l /<k/«X«? kxri<7«»' x«l
l8oKrate8, ?8,ue87riKo8. (ÜaI>' 1^? 36. 37. X. 33

rov? /3«p/3«^>«t'? «v«<7rk!^«v «»o r^? H«^,«ri^?, u. ebendaf. § 166:

vgl. die eben citirte Stelle, und in beschränkenderer Angabe von den
Kykladen 12 § 43: ?ipcürov /«kv rä? /lvx^,«ck«? v^<70V? . . rov?
^«i<ll<7L« /3/ov rcüv N^^vcuv <lko//^ov? x«rulxl<7«v ki? «6r«?. —
v?lo^klvclvrk?, näml. im Heimatslande, wie das folg. ol'xol näher
angibt.
36. rol? Mv, näml. den Zurückgebliebenen — roi? ckk, näml. den
als Kolonisten Mitgezogenen — nkplk/3«4ovro, sie brachten an sich,
eigneten sich an, brachten in ihre Gewalt — roi? Larkpov . . «no«-
x/<7«l, näml. die Kolonien von Lakedämon in Kleinasien, vgl. Irienn.IIl.
S, 62. — rHv ?loH,lv rHv H^kr«p«v, Objekt zu //«/i^<7«<7s«l, ?lo^-
XHv ^«<7rwv^v, Objekt zu s?l«l^<7«v (ot ^/k^ovk«) — «^>o^lask5-
i«v (so ist zu lesen, nicht ?wplaskl<7«v), 'losgerissen', 'getrennt', näml.
vom Lande der Barbaren; vgl. 3 § 120: /wp«v or« ^ki<7r^v «^>-

37. ^k^ov/«v, 'Führerschaft', mit Bezug auf das obige (H 33):


g>H/k^6v«? k^iik^kv — ?i«7^l«>rkp«v, mehr väterliche, d. i. °mehr
Angestammte, ^ angeerbte'; vgl. oben § 18: w? «<7rcv «^roi? ^««-
^sllls«l ?i«rplov, und § 2b: rc3v ?i«r<>/<uv //k^v^^^ov? ('angeerbte
sielorzüge') — rff? . . ki? ro<7«vr^v kv?iop/«v ?i<>««/«/o^^?, vgl.
qe»Gen § 21: 'die . . zu solchem Wohlstande vorwärtsgebracht, ge»
,g.ßrdert hat'.

(38) 'Nachdem sie (die Stadt) nun' das Wichtigste mit ausgeführt
ltte, vernachlässigte sie das Uebrige nicht, sondern machte es zwar
im Anfang ihrer Wohlthaten, für die Bedürftigen einen Unterhalt
lfzufinden, wie es diejenigen thun müssen, die auch für das übrige
5chöne in schöner Weise sorgen wollen; weil sie aber glaubte, daß ein
i nur daraus hinausgehendes Leben noch nicht werth sei, daß man zu
34 IsoKrates, ?aUeßMK0s. (ÜaI>. X, 38. 39.

leben verlange, sorgte sie auch für das Uebrige so, daß von allen Gü
tern, die die Menschen jetzt haben, soweit wir sie nicht von den Göt
tern haben, sondern sie uns durch uns selbst zu Theil geworden sind,
nichts ohne unsere Stadt da ist, das Meiste aber durch sie uns ver
schafft worden ist. (39) Da sie nämlich die Hellenen in einem Zustande
vorfand, wo sie gesetzlos lebten und zerstreut wohnten und die Einen
von Tyrannieen mishandelt, die Anderen durch Anarchie zu Grunde
gerichtet wurden, so hat sie dieselben auch von diesen Uebeln befreit,
indem sie für die Einen die Beschützerin wurde, den Andern sich als
Muster aufstellte; denn sie hatte zuerst sich Gesetze gegeben und eine
Staatsverfafsung eingeführt. (40) Dies ersieht man aus Folgendem:
Diejenigen nämlich, welche im Anfange wegen Ermordungen klagbar
wmden und ihre gegenseitigen Streitigkeiten mit Gründen und nicht
mit Gewalt schlichten wollten, fällten das Urtheil darüber nach unseren
Gesetzen. Ja auch die Künste, sowol die, welche für die Bedürfnisse
des Lebens nützlich, als auch die, welche zum Vergnügen erdacht wor
den sind, theilte sie den Anderen zum Gebrauch mit, nachdem sie die
selben theils erfunden, theils erprobt hatte.'
38. Von hier bis einschließlich § 42 werden Athens Verdienste um
die Staatseinrichtungen entwickelt, vgl. oben zu ß 26. — ä^H»' r«v-
r^v rcüv titp)<tOlcüv, durch das unmittelbar folg. r^o^^v rc>?; ckko-
/<kvol? tvp«»', was auch im Vorhergehenden § 28 ff. angegeben worden:
ob ?lpiüro»' H Pi!al? Mcüv ^ckk»/s'? ste. — x«Xcüv x«^cü?, die auch
bei Prosaikern sehr beliebte Paronomafie — ckl<,l-e^<7klv, absolut: Ein
richtungen, Anordnungen treffen, Sorge tragen, sorgen — röv /ttov
rö»' ^?il rovrol? ^ovov, d. i. das Leben, das nur auf Erwerb des
Unterhalts beschränkt ist — <5i« 5«vryv, durch ihre Vermittlung, d. i.
durch ihr Verdienst.
39. ?l«l>«^«/3oi)<7«, übernahm (wie ein Amt), überkam; »gl. 9
§ 47: (F!!«xöp«?) ?i«^>«1«/3luv rHv ?lo^iv Fx/3k/3«p/3«pcu/<^v^»',
und Xeuopu. ä« rep. I.»eß<l2.em. 5, 2: ^lvxov^/o; rol'vw n«l,«X«-

v«?, s. v. a. roi>? «^ol>? "^^v«? — xv?l«, 'Beschützerin' —


IsoKrs,tes, ?aueF7rili0s. Oap. X, 40. XI. 35

«öiHv ?r«l>«ckkl//«« ^<,i^l7«a«, zum Gedanken vgl. I'due. 2, 14: 8v

«s«L<,, 'sie hatte sich gegeben'; zur Sache vgl. 12 § 124: n^luro,>?

40. ck^4ov ck', näml. daß Athen ein ^«pp«ckki/^« für die an»
deren hellenischen Staaten wurde — Fx«skv, aus Folgendem; vgl. 3
§ 31: rHv /^v ovv cklx«lO<7l!»''?»' ^xklKkv «v /«i^lar« x«il'ckolik.
9 § 11: /voi^ ck' «v rc? kxklskv r^/v ckv»'«/<lv «vrcüv. 12 F 224:
^voi^ <l' «v rc« ^klskv, u. a. — ^v «l,^V, '«m Anfange', 'in ältester
Zeit' — k)n«Xk<7«vrk?, 'vor Gericht klagten, klagbar wurden' —
/«kr« ^<5/ol?, 'mit Gründen', d. i. 'auf dem Wege Rechtens', im Gegen
satze zu /«kr« /?l'«;, 'mit Gewalt' — ^v ro?? vo/«ol? roi? ^kr^-
<x»l;, 'auf Grund, gemäß, zufolge unsrer Gesetze'; vgl. Itme. 1, 77:
^v rol? o/<oiol? vo^ol? iloc^«vrk? r«? xpl'<7kc?, und iä. b, 49:

x«l r<üv rk/vcüv, eine große Anzahl von Ersindungen der Athener ver
zeichnet ?Iiu. uat. di8t. 7, 194 ff.

0xi>. XI.
(41) 'Ihre übrige Einrichtung nun hat sie so gastfreundlich und
für Alle so wohlwollend veranstaltet, daß sie sowol für die, welche
Geld bedürfen, als für die, welche das vorhandene genießen wollen,
in gleicher Weise angemessen, und weder für die Wohlhabenden, noch
für die, welche in ihrer Heimat unglücklich Maren, unzweckmäßig ist,
sondern daß Iene den angenehmsten Aufenthalt, Diese die sicherste Zu
flucht bei uns sinden. (42) Da aber ferner Alle Länder besitzen, die
nicht allen Bedürfnissen genügen, fondern die an Einigem Mangel
leiden, von Anderm mehr als hinreichend ist hervorbringen, und es
eine große Verlegenheit ist, wo man das Eine absetzen (verkaufen) und
von wo man das Andre einführen soll, so hat sie auch diesen Uebel»
ständen abgeholfen. Denn sie hat mitten -in Hellas als Stapelplatz
den Peiräeus eingerichtet, der einen so großen Ueberfluß an Allem hat,
daß man von ihm alles das zusammen leicht beziehen kann, was bei
den Uebrigen von Einzelnen zu erhalten schwer ist.'
3'
36 IsoKrs,tes, ?ane^riKos. Oap. XI, 41. 42.

41. PlXo^kvcu6, vgl. Nue. 2, 39: r^v nöH,lv xoiv^v ?l«pi^o-


^kv n«l ovx t<7rlv ö^k ^t»'^1«<7<«l? cl?lkll>/c>/«kv rlv«, und 8trÄ>o
10, 3, 18: '^s^v«lc>l Pl^o^t»'oii»'^k? ckl«rkXov<7lv — oixkilu?,
'wohlwollend', so daß man sich dafelbst heimisch fühlt. In Athen lebte
beständig eine große Anzahl von Fremden als Schutzgenossen (Metöken),
nach Böckh beinahe ein Drittheil der freien Gesammtbevölkerung Athens
— roi; /^^«icuv ckko^vol?, die also des Gelderwerbes wegen (als
Handeltreibende, Handwerker lc.) in Athen lebten — «?lc>1«ii<7«c rcüv
^?l«§>^c>»'rcuv (^p^/<«rlu»') ^?llsv/«>i?<7l»', also reiche Leute, die in der
Großstadt ihr Geld verzehren wollten — ^v r«5? «vrä?»', näml. No»
Xtolv: 'in ihrer Heimath'.
42. oöx «vr«l>«^, 'nicht ausreichend', 'den Bedürfnissen nicht ge»
nügend'; zur Sache vgl. lleioä. 1, 32 gegen Ende: lu'a?«^ /«!p^ ov-

tr^ov ckk ^lckt'kr«l ste. — ckl«si<7s«l, kaufmännischer Ausdruck:


die Waaren 'absetzen', 'verkaufen'; vgl. 11 § 14: ck<«sk<,i?. Zur Sache
vgl. Idue. 2, 38: ^?lka«^kr<« cki ckl« M/kso? r^? ?lo'4kcu; k«
?l«O^? /H; r« n«vr« — Lo»' I?klp«l«, den weltberühmten Hafen
Athens; vgl. Bursian's Geogr. v. Griechen!. I. S. 266: 'Ein bedeuten
der Theil des großen Hafens diente als Handelshafen (rö ^?lo'plov):
er war daher von 5 geräumigen Hallen (<7ro«l), theils Lagerhäusern,
theils Kaufhallen umgeben, deren größte, welche am weitesten westlich,
zunächst der Landzunge Vetioneia lag, gewöhnlich ^ ^«xp« <7ro« ge
nannt, von Perikles erbaut und' besonders für den Getreidehandel be
stimmt war; eine andere, rö ckt5//l« genannt von den dafelbst aus
gestellten Waarenproben, diente als eine Art Börse, in welcher die
einheimischen und fremden Kaufleute sich versammelten und Geschäfte
abschlossen; auch saßen hier zahlreiche Wechsler hinter ihren Tischen
(rp«?lt^«l)' — vnkp/3<,^'»', 'Ueberfluß an Allem'; vgl. 8 § 90: oöi
iv ^vcktlllls ovr' ^v vnk^/3o^«i? övrkg — il«p' i««<7ro>»', parti»
tive Appositwn zu n«p« rl?v «XXluv !mit Wiederholung der Prä
position.
I8oKrate8, ?alle8XriK08. Oap. XII. 37

0x?. XII.
(43) Wenn nun aber die, welche die Festversammlungen einrichte»
ien, mit Recht gelobt werden, weil sie uns dadurch eine Sitte über»
lieferten, vermöge welcher wir, nach Verkündigung des Gottesfriedens
und nach Einstellung der bestehenden Feindseligkeiten an demselben Orte
zusammenkommen, und dann bei gemeinschaftlichen Gebeten und Opfern
uns der zwischen uns stattsindenden Verwandtschaft erinnern, und für
die Zukunft wohlwollender gegen einander gesinnt werden, die alten
Gastfreundschaften erneuern und andere neue schließen, (44) und der
Aufenthalt weder für die gewöhnlichen Menschen, noch für Solche, die
sich durch ihre Naturanlagen auszeichnen, ein müßiger (nutzloser) ist,
sondern die Einen Gelegenheit haben, vor den versammelten Hellenen
ihre glücklichen Anlagen zu zeigen, die Anderen die gegenseitigen Wett
kämpfe derselben anzusehen, und kein Theil unbehaglich seine Zeit zu
bringt, sondern beide etwas haben, worin sie eine Ehre setzen, die
Einen, wenn sie sehen, wie die Wettkämpfer sich um ihretwillen ab»
mühen, die Andern, wenn sie bedenken, daß Alle gekommen sind, um
ihnen zuzuschauen — und wenn uns nun vieles Gute aus diesen Zu
sammenkünften erwächst: so ist auch hierin unsere Stadt nicht zurück
geblieben. (4b) Denn sie besitzt die meisten und schönsten Sehens
würdigkeiten, die theils an Aufwand Alles überbieten, theils durch ihre
künstlerische Darstellung berühmt sind, theils auch sich durch Beides
auszeichnen; und die Menge der zu uns Kommenden ist so groß, daß,
wenn in der gegenseitigen Annäherung ein Vortheil liegt, auch dieses
Verdienst von ihr in Anspruch genommen wird. Außerdem kann man
bei uns die treuesten Freundschaften sinden und dem mannigfaltigsten
Verkehr begegnen ; ferner Wettkämpfe sehen nicht blos in der Schnellig
keit und Starke, sondern auch in der Beredsamkeit und geistigen Un
terhaltung und in allen übrigen Dingen (Leistungen), und in denselben
die größten Ehrenpreise. (46) Denn außer denen, die sie selbst aus
setzt, veranlaßt sie auch noch die Anderen, solche zu geben, indem das,
was von uns anerkannt worden ist, so großen Ruhm erlangt, daß es
bei allen Menschen hochgeschätzt wird. Außerdem pflegen die andern
38 I8oKrate8, ?»,uezxi'iK<i8. (?llp. XII, 43. 44.

Festversammlungen, wenn sie nach langer Zwischenzeit zusammenberufen


worden sind, sich schnell wieder aufzulösen, unsere Stadt aber ist alle
zeit für die Ankommenden eine Festversammlung.'
43. Dieser und die nächstfolgenden §ß sind ein loouz «IsWiou8
für die Bedeutung der hellenischen Festversammlungen, s. oben Einleit.
zu dieser Rede S. 10. — <7nkl<7«/^vol>c, d. i. nachdem in ganz Hellas
für die Dauer des Nationalstes der Gottesfriede oder die Waffen»
ruhe (tkpo^v/« od. ^xk/k<p/«, auch an«vck«l gen.) verkündet worden,
vgl. Irisün. III. S. 255: 'Für die Dauer der Festzeit bei großen
Festen (den Olympien, Pythien, Nemeen, Isthmien, Eleustnien), zu
welchen Theilnehmer aus dem Auslande und aus weiter Ferne zu
kommen pflegten, herrschte Waffenruhe oder Gottesfriede. Der
selbe wurde durch Friedensherolde (<7wovckoPop««) in allen Theilen
Griechenlands angekündigt, und es wurde freies Geleite für die zum
Feste Reisenden während der Ekecheirie bestimmt. Sobald die tkpo-
^v/« ('die heilige Monatszeit') verkündet war, wurden alle Fehden
und Feindseligkeiten, wenn solche grade obwalteten, zwischen den ein
zelnen Staaten suspendirt, so daß nun die Agonisten und Zuschauer
durch jegliches Gebiet nach dem Schauplatze des großen Festes wandern
konnten. Wurde der Gottesfriede gebrochen, so mußte von dem be
treffenden Staate den Betheiligten Entschädigung gewährt und außer
dem Strafe wegen Friedensbruches erlegt werden.' — k^^kvkar^w?
. . ck<««sH>«l, zur Sache vgl. ^z. 33 § 2 (von Herakles als Stister
der olympischen Panegyris): ^««ckH ck« t»«v«,? roö? rvL«iwoi>?

44. rol? icklwr«l?, 'für die gewöhnlichen Menschen', hier allge


meine Bezeichnung der Nichtkämpfer, der bloßen Zuschauer, im Gegen
satze zu ro?? cklkvk)noi5al rHv ^vl7lv, den Wettkämpfenden (sowol
gymnischen als musischen Agonen) — «sv>w« ckl«/klv, 'sich unbehaglich
IsoKrates, ?ane^riKos. Oap. XII, 45. 46. 39

fühlen', 'die Zeit in Unlust zubringen'; vgl. im Folg. ß 116: «sv-


/iorkpcu? ckl«/ov<7lv — ^' ol^ ^,lXorc^^scü<7lv, 'worauf sie sich
etwas zu Gute thun', 'worauf sie stolz sind', 'worin sie eine Ehre setzen'
u. dgl. — Fv ravrol?, näml. ro?« «/«so5«, den aus den Festver»
sammlungen erwachsenden Vortheilen.
45. x«l /üp sk«^«r« ete., Schilderung der Herrltchkettm at
tischer Feste und des lebendigen geistigen Lebens in Athen überhaupt.
«kxT^r«l, also bleibender Besitz, nicht blos wahrend der Festversamm»
lungen — ?r«vrock«?llur«r«l«, seltner Superlativ; noch zweimal von
Isokrates gebraucht, näml. 11 § 12: «cu^,« rllv'r^v ^ch? ^cu<,«»' F»'

nlurllr« ^«ptlv ckvv«^v^v, und 15 ß 295: /«,'/<»'«<7l« ?l^ki<7r« x«l


?r«vr<xl«?ln!r«r«. (Den Comparatio hat H^i8wt. dist. au. 4, 2: ?l«v-
Tock«?llu^kl>c>»') — «/cüv«? rcüv H,ö/ci>»' x«l /vlu/<^?, Wettstreit in
der Rede und in der Intelligenz, in geistreicher Unterhaltung (Isokra»,
tes denkt bei Letzterer an die politischen und philosophischen Gespräche
der gelehrten und gebildeten Athener); die Worte F«5^« . . ^vcu^?
sind Paronomasie; vgl. unten 8 91: ^«.oii^k« . . ^roilvrk?; § 111:
Povk«? . . /ov««?; ß 186: P»//«>?v ««l ^vM^v (so auch 5 Z 134:
x«! r^v ^o^^v x«l r^v ^«v^^v) — kp/cuv, hier: 'Kunstleistungen'
— Zs4« /<^/l<7r«, hier in moralischem Einn von der Anerkennung
und Achtung; vgl. 15 § 295: «sX« M/lor« rcskld«v r^v ?lo),lv

46. <7vv«»'«?lkistl, sie überredet mit, zugleich; das seltne Wort


auch Nur. 6, 88, 9: onlu; x«l ^xkivol'? (roi'? ^l«xtck«l^oviov?)

!4s^v«iov? — v^,' ^cüv «pls^vr«, das von uns Anerkannte, das,


wosür wir uns entschieden haben — ckl« no^oe ^^ovov, 'nach langem
Zwischenraume', wie die Olympien und Pythien nur alle vier, die Ne»
meen und Isthmien alle drei Iahre stattfanden — cklkXv's^5«v, eig.:
losten sich (bisher immer) auf, s. v. a. pflegen sich aufzulöfen. —
«n«vr« rö»' «icü»'«, 'zu Men Zeiten', 'allezeit', näml. wegen der
großen Anzahl der athenischen Feste, die im Jahre fast ohne Unter»
brechung auf einander folgten; vgl. Xeuopli. äe reI». H.td.ev.. 3, 8: ot
40 IsoKrates, ?ilneßMK08. Os,p. XIII.

^4s^v«loi «^ov<7lv öopr«c ckl?lX«lsl<,l>; ^ «XXc>l u. s. K. Fr. Her»


mann's gottesd. Alterth. § 54 ff. Auch bildete der beständige Zu
sammenfluß von Fremden in Athen eine Art permanenter Panegyris.

0xr. XIII.
(47) 'Die wissenschaftliche Beschäftigung aber, die alles dieses mit
erfand und mit einrichtete, und uns sowol für das praktische Leben
bildete als gegen einander milder machte, und unter den Unglücks
fällen diejenigen, welche uns durch Unwissenheit und die, welche uns
durch Naturnothwendigkeit treffen, unterschied, und die uns lehrte, vor
den einen uns zu hüten, die andern in würdiger Weise zu ertragen,
hat unsere Stadt eingeführt; und sie hat auch die Redekunst zu Ehren
gebracht, welche Alle begehren und um welche sie die sie Besitzenden be
neiden. (48) Denn sie wußte wohl, daß wir diese Fertigkeit allein
unter allen Geschöpfen von Natur eigenthümlich besitzen, und daß wir
uns durch diefen Vorzug auch in allem Andern vor ihnen auszeichnen;
und sie sah auch, wie in die übrigen Tätigkeiten der Zufall so große
Verwirrung hereinbringt, daß darin oft grade die Verständigen un
glücklich sind, und die Unverständigen Glück haben, wie aber an schönen
und kunstgemäß verfaßten Reden die Ungebildeten keinen Antheil haben,
sondern daß diese das Werk eines verständigen Geistes seien, (49) und
daß die, welche in dem Rufe der Weisheit und die, welche in dem der
Unwissenheit stehen, sich dadurch am meisten von einander unterscheiden;
ferner daß man die, welche gleich von Anfang (von früher Iugend) an
eine gute Erziehung genossen haben, nicht an der Tapferkeit, dem
Reichthum und ähnlichen Vorzügen erkenne, sondern daß sie sich am
meisten in dem, was sie sprechen, kund thun, und daß dies sich als
das sicherste Kennzeichen der Bildung eines Ieden von uns erwiesen
habe; und daß die, welche mit der Rede gut umzugehen wissen, nicht
nur in ihrer Heimat viel vermögen, sondem auch bei den Uebrigen in
Ehren stehen. (50) So weit aber hat unsere Stadt im Denken und
Reden die andern Menschen hinter sich zurückgelassen, daß ihre Schüler
die Lehrer der Andern geworden sind, und daß sie bewirkt hat, daß
der Name der Hellenen nicht mehr das Geschlecht, sondern die geistige
soKratLs, ?ane^riK08. Oap. XIII, 47 — 49. 41

Bildung zu bezeichnen scheint, und daß Hellenen mehr diejenigen ge


nannt werden, welche an unserer Bildung, als die, welche an der ge»
meinschaftlichen Abstammung Theil haben.'
47. ^,lXo<7o^,l«v, hier, wie häusig bei Isokrates, im weitesten
Sinne: 'wissenschaftliche Beschäftigung', 'Wissenschaft' mit Einschluß der
Beredsamkeit (Xö/ol) — npö? r«? n9«5«?, 'zum praktischen Leben'
— cklkNk, 'sonderte', 'unterschied', d. i. lehrte unterscheiden, welche Uebel
im menschlichen Leben unvermeidlich sind und welche durch Vernunft
und Einsicht vermieden werden können. — r«? ^öv, näml. die Erssteren;
i«? <lk, die Letzteren — xce^cü; ^vk^xki^, schön, würdig, mit Er
gebung in die Naturnothwendigkeit ertragen; vgl. ?iuä. ?^td. 3, 81 ff.:
lv ?l«^>' ^<7^,öv il^«^« <7vvckvo <5«l'avi«l /3l>c>rol;
«s«v«rol' r«: ^kv cüv c>i) ck^llvr«l v^?llol xöl7^cu tf^klv,

d. i.: 'auf Eines, das gut, theilen die Unsterblichen zwei Leiden zu;
dies jedoch vermögen die Thoren nicht mit Würde zu tragen, wol
aber die Guten, sich an das Gute haltend'. — x«r«ckkl5k, sie (die
Stadt) hat eingeführt, zur Geltung gebracht — ^o/ov? ^l'^<7kv,
's« hat die Beredsamkeit geehrt, zu Ehren gebracht'; zur Sache vgl. 15
§ 295: A^H ?ö? /«^<H ro5r<» 4«vs«vke»' ö/««?, 3re ?ieivrlu»' rcü»'
ckl>v«^vcuv ^k^klv ^ ?r«l<5k^klv ^ na^l? ^cüv ckoxk! ^k/kv^<7s«l

opcü<7l rol? r^v ckvv«/«v rllvr^v k^ol><7l.


48. <üv, sowol zu ^illsv^oilal als zu cxsovovl7l gehörig: Alle
verlangen nach der Kunst der Rede und beneiden die, welche ihrer
mächtig sind um deren Besitz.
ro<7r<,, 'diese Eigenschaft', 'diese Fertigkeit' (der Rede) — sre
' . . cklori, vgl. dieselbe Abwechslung 20 ß 7: ^vsl,^c>v/<kvc>v;, orl
na^ui«; Hck>? . . x«l cklorl ck<« rc>i'? rv?iik<v roi/«övr«; ete.,
und epi8t. 2 § 22: ?l^^v rol7oilrov ckl«^>kpc>/«k»', 8rl il^ö; <7k l<«»'

«vilüv cxcx>vklv ete. — rol« <si«v^c>l«, 'den Ungebildeten' — k'c>/ov


övr«?, näml. roö; ^ö^ov?.
49. tvsö? ^ «l»/H«, sogleich von frühester Iugend an — rovro,
42 isoKrates, ?ausßMKos. Oax. XIII, 50. XIV.

näml. r« Xk>'o^kv« — «no <lkckk l/^vov, 'was gezeigt worden, sich


erwiesen hat, anerkannt ist'; vgl. 6 § 4: ki /««^ Hv ckkckkl^kvo»',
und unten § 165: <^cktl-er«l ^«p ete.

vgl. dafselbe Lob 15 8 295: A<?H ^^ /<^ckk rovro X«vs«»'klv vM;,

<5axk? ^t/kv^<7s«l <5l<l«<7x«Xo? ste. Nue^ä. 2, 41: ^vvk^ul»' rk


^,k)<lu r^v rk ?i«<7<n' ?io'^lv r^; ^^«cko? ?l«l'<5kv<7l»' tlv«l ('eine
Bildungsstätte für Hellas'), vioäor. 13, 27: («t '^95v«l) xolvöv
?r«lckkvi^l>eo»' ?l«<7lv «vs^cuiiol?. ?I»t. krowg. p. 337, e: rc» ?l^,v-
r«vklov r^? <7o^,l«? ('der Hauptsitz, Mittelpunkt hellenischer Weis»
heit'), s. uns. Erklär, z. d. St. S. 93 und vgl. K. Fr. Hermann's
Priolltlllt. § 7, 12. — r^? ckl«»'<,l««, 'der geistigen Bildung'.

L«.. XIV.
(51) 'Damit es aber nicht scheine, als ob ich bei den Einzelheiten
verweile, da ich doch eine Rede über Gesammtthätigkeit (Gesammtver»
dienst) angekündigt habe, oder als ob ich die Stadt um jener Dinge
willen rühmte, weil ich in Verlegenheit sei, ihre Leistungen im Kriege
zu loben, so mag das Gesagte denen genügen, die in solche Dinge eine
Ehre setzen. Ich glaube aber, daß unseren Vorfahren wegen ihrer
Kampfe nicht geringere Ehre zukommt als wegen ihrer anderen Wohl»
thaten (Verdienste). (52) Denn nicht gering oder wenig oder unberühmt
sind die Kämpfe, die sie bestanden haben, sondern zahlreich und er
staunlich und bedeutend, sowol für ihr eignes Land als für die Frei»
heit der Uebrigen. Denn alle Zeit hindurch machten sie ihre Stadt
zur gemeinsamen und zu derjenigen, welche den jedesmal Bedrängten
unter den Hellenen beistand. (53) Deswegen tadeln uns nun auch
Einige, als ob wir uns nicht richtig zu berathen wüßten, weil wir ge
wohnt sind, den Schwächeren Dienste zu leisten, als ob solche Reden
nicht vielmehr denen zukämen, die uns loben wollen. Denn nicht, weil
wir nicht wußten, wie sehr die mächtigeren Bundesgenossenschaften Hin»
sichtlich der Sicherheit vorzuziehen seien, faßten wir solche Beschlüsse,
sondern, obwol wir mit den Folgen von dergleichen genauer bekannt
IsoKrates, ?ausF?riKos. (lap. XIV, 51—53. XV. 43

waren als die Anderen, zogen wir es dennoch vor, auch gegen unsern
Bortheil lieber den Schwächeren zu helfen als mit den Stärkeren des
Gewinnes wegen Unrecht zu thun.'
51. »kpl r« ^,?, über Einzelheiten (von Vorzügen, wie sie bis
her angegeben wurden), im Gegensatz zum folg. v?li? 3äluv rcüv ^«^.
<««ru,v, über die Gesammtthätigkeit, die Gesammtverdienste — ^x ^ov-
rlu»', naml. wegen der bisher geschilderten einzelnen Verdienste — r«
. . «vrHv ^n«lvklv, doppelter Accusativ bei ^«lv«ii', vgl. 8opd. H^.
1381: il«vr' i^cu <7' ^?l«l^<7«l 1,o/c>lal, und ?I»t. 87ml>. p. 221, e :

ft«v^«<7l«; vgl, auch Krüger's Sprach!. 47, 11, 2. — ^x rcüv xiv-


ckv'vluv, s. v. a. sx rcüv noX^luv : 'aus den Kämpfen, Kriegen'. Zur
Sache vgl. H,ri3ic>t, lUietor. 2, 22: ilcü; «v <5i,»'«l'^ks« ^«lvklv

<s. im Folg.) ^ rcüv «^ilui' rc rcüv rolNl!rcu»'.


52. cktlvov?, im Gegensatze zum vorangehenden «^«vti?: 'er»
staunlich', 'staunenswerth' — ^k/«1,ov?, 'groß', 'bedeutend' — xo^'v,
'gemeinsam', 'Allen gehörend', für Alle eine Zufluchtstätte — roi« «ckl-
«ov/««>ol? äkl (^>- i^llarork), denen, die jedesmal Unrecht litten.
53. /«tr« r<5»' ^«lvklv /?ovXo/^^vlu»', auf Seiten», im Sinne
derer, die uns loben wollen; zu ^ki« rivo« in diesem Sinne vgl. oben
§ 22: H/oii^«l x«l rovrol>? k?v«l z<kft' ^/«üv; und besonders 12
§ 240: Xo'/ov? ^ckiv /««Xio»' ^tr« rülv ^«lvov»'rcuv ^ rcü»'
</'k/o»'rcuv övr«;. — ?loXi' «xpl/3^<7rk^ov k^ckork? ete., d. i. ob»
gleich sie traurigere Erfahrungen als Andere in Folge der Unterstützung
der Schwächeren gemacht hatten, wie z. B. im peloponnesischen Kriege
bei der Unterstützung der Kerkyräer gegen die Korinther. — n«l>« rä
av/«^,^o»', 'gegen unfern Vortheil'.

vxr. XV.
(54) 'Man kann aber den Charakter und die Stärke unserer Stadt
auch aus den Bitten um Beistand abnehmen, die schon Manche an uns
gerichtet haben. Diejenigen nun, welche erst neulich erfolgt oder wegen
44 IsoKrates, ?aneF)^^^ <^gp. XV.

Kleinigkeiten an uns gelangt sind, will ich übergehen. Schon lange


vor dem trolschen Kriege aber — denn daher müssen die, welche über
angestammte Vorzüge streiten, ihre Beweise entlehnen — kamen die
Söhne des Herakles und kurz vor ihnen Adrastos, der Sohn des Ta»
laos, welcher König von Argos war, (55) der Letztere, jweil er durch
den Feldzug gegen Theben Unglück gehabt hatte und die unter der
Kadmßa Gefallenen nicht selbst aufheben konnte, mit der Bitte, unsere
Stadt möchte ihm für so gemeinsame Unfälle Hilfe leisten und nicht
dulden, daß die in den Kämpfen Gefallenen unbeerdigt, blieben und
eine alte Sitte und ein von den Vätern überkommenes Gesetz aufge
hoben werde; (56) die Söhne des Herakles aber, weil sie vor der Feind
schaft des Eurystheus flohen und die andern Staaten übergingen, da
sie ihrem Unglück doch nicht abhelfen konnten, und unsere Stadt allein
für fähig hielten, den Dank für die Wohlthaten abzutragen, die sich
ihr Vater um alle Menschen erworben hatte. (57) Hieraus ist leicht zu
ersehen, daß schon in jener Zeit unsre Stadt sich wie eine 'Führerin'
benahm (eine Art 'Führerschaft' ausübte). Denn wer würde sich wol
entschließen, entweder die, welche schwächer sind als er selbst, oder die,
welche unter Anderen stehen, um Beistand zu bitten, mit Uebergehung
derer, welche eine größere Macht besitzen, zumal wo es sich nicht um
Privatangelegenheiten handelt, sondern um allgemeine und solche, von
denen zu erwarten war, daß sich Niemand sonst darum kümmern würde,
als die, welche auf die Vorsteherschaft der Hellenen Anspruch machen?
(58) Ferner wurden sie auch offenbar in den Hoffnungen nicht getäuscht,
mit denen sie zu unseren Vorfahren ihre Zuflucht nahmen. Denn in
dem sie einen Krieg um der Gefallenen willen gegen die Thebaner, und
für die Söhne des Herakles gegen die Macht des Eurystheus unter
nahmen, zwangen sie die Einen, indem sie gegen sie ins Feld zogen,
die Todten ihren Angehörigen zur Bestattung herauszugeben, den Pelo»
ponnesiern aber, die mit Eurystheus in unser Land einsielen, gingen
sie entgegen, besiegten sie in einer Schlacht und machten auch dem
Uebermuthe jenes Mannes ein Ende. (59) Bewundert wegen ihrer
andern (früheren) Thaten, wurden sie durch diese Unternehmungen noch
berühmter. Denn sie führten ihre Sache nicht blos in geringem Maße
«us, sondern sie veränderten das Schicksal beider Theile so sehr, daß
der, welcher uns um Beistand zu bitten für gut befand, als er hin»
wegging, Alles, was er bedurfte, den Feinden zum Trotz durchgesetzt
hatte, Vurystheus aber, der uns zu überwältigen erwartet hatte, selbst
gefangen genommen und gezwungen wurde, als Flehender dazustehen,
(60) und daß derselbe, welcher den durch übermenschliches We^en empor»
ragenden Sohn des Zeus, der, als er noch sterblich war, ^chon gött
liche Kraft besaß, jener, der diesen alle Zeit hindurch mit seinen Auf»
tragen quälte, sobald er sich gegen uns verging, in eine so veränderte
Lage kam, daß er in die Gewalt der Söhne jenes Mannes fiel und
schmachvoll sein Leben endete.'
54. rov npo?l<»v . . rH; no4klu?, vgl. 9 ß 51: <«k/«7r<,v cktz

vklu<7rc, wie im I. 395 das Gesuch der Thebaner um Hilfe gegen die
Spartaner, vgl. Xeuopl». UsUeu. 3, 5, 7 ff. — kH,sov<7«?, die zu
uns gekommen, gelangt sind — n«p«^^«,, die bekannte, von den
Rednern häusig angewandte il«(»«^kl^'l? oder ?l«l,«<7lcu?i^<7l? (pr»s-
teritio); vgl. 5 § 22: r«iir' «xav<7«? cu? /<tz»' rc> ^lürov ^«nX«/^
. . ^«p«^kl'^cu. 8 ß 81: r« /««v illxpciroir« x«l /<«Xl<7r 2v v/««?
1«)?l»/<7c>vr« ?l«pp«^kl'^cu, /<v^<7s^<7c>/««l <5i rovrcuv /«ovov ste.
12 § 192: ?r«^>«^l?iluv cktz rc>»' ?l<!,kl<7«>»' ö/^<»v rl3v ^v ^xtl'vy» rlu

/i«l ck^Xcü<7«l ete.; vgl. Irisiui. V. S. 281. — ^«tiVk»' /«^> ckl'»


««lov ete., der Redner greift in die vortroische Zeit zurück, weil in
der troischen, während der Führerschaft der Atriden von einer Hege»
monie Athens nicht die Rede sein konnte — '54ckp«aro?, zur Sache
ogl. Heros. 9, 27: '^p^kl'ov? roö? <«kr« Ho^vvtl'xto« ^nl O^/3«?

55. ö»ö rH ^«<l^kl'«, am Fuße der Burg von Theben, vgl. 10

/3l« O^/3«l'luv s«^«l ?l«p^cku,xk, und 14 § 53: ^sovrcuv /«<>


46 isoKrates, ?ane^MKos. (^ap. XV, 56 — 59.

näml. die Men gemeinsam sind, Alle treffen können — ?l«iplo»' vo-
^ov, daß nämlich die im Kriege Gefallenen nicht unbeerdigt bleiben
dürften, daher vom Feinde ausgeliefert werden müßten.
56. ot ck' ^»«x^ov« n«lckk?, hierzu ist aus dem Vorangehen
den Häsov zu wiederholen — i^kpopcüvrk?, übersahen, d. i. über»
gingen, unbeachtet ließen, nicht um Beistand ansprachen — ^ov^v,
nachdrucksvoller Gegensatz zum folg. «n«vr«? «vsplu?l<,v? — kökp-
^kr^Okv, vgl. 5 § 76: Ä^>«xX^? «?l«<7^; x«r^<7r^ rH; ^^«cko?
«^kp/kr^?, weil er näml. die Riesen und Ungeheuer überwältigte und
die Schifffahrt sicherte; daher er jauch als ^cur^p und '^k^xem<,;
verehrt wurde, vgl. Preller's griech, Mythol. II. S. 109 u. 184.
57. ^«^o"xu?? ki/k, 'sich wie ein Vorstand benahm', d. i. die
Eigenschaft und Geltung eines ^/k/«ulv besaß, ohne ein solcher wirk»
lich zu sein — rl'? «v r<,^«^kltv, 'wer würde sich wol entschließen',
'wer möchte es über sich gewinnen'; vgl. unten § 88: <7rp«r^ü«
««r«<7r^v«l ro^/^'a«?, und § 96: ol'rc»'k? ^oX/<^<7«»' ^?ilcktl»'

58. k?lklr«, 'ferner', näml. ist ein Beweis für das ^/k^c>vlx<3?
k/klv unsrer Stadt, daß sie denen, die um Hilfe baten, diese wirklich
leistete — ^vl'x^o«v ^«/o'^vol (— /««/z?), 'sie besiegten in einer
Schlacht'; vgl. im Folg. § 65: önkp ck« r<«v n«l'ckluv rcüv /^««H,^av?

59. o6 na^>« /<lxl>ov ^?iol^a«v, 'sie vollbrachten es nicht blos


zur Noth, kümmerlich, in geringem Maße', ?l«p« ^«c^ov im Gegen
satze zum folg. ro<7oöro»', 'in so hohem Maße, so bedeutend, mit so
großem Erfolge' — /3l'y rcüv ^spcüv, zu ckl«np«^«^kvo? gehörig:
'nachdem er den Feinden zum Trotz durchgesetzt hatte', zu /3l'« «vo?
vgl. 10 § 31: /3i« O^/3«l'u»v, und das. § 32: /3i« r<5v iloXlrcüv. —
^«<7«as«l, mit Bezug auf das vorangehende /?i« — «^/««^luro?
. . tx^r^; ^v«/x«<7s^ x«r«<7r^v«l, zur Sache vgl, 12 § 194: Zv-
I8uKraw8, ?ane87rUl08. Oap. XV, 60. XVI, 61. 4?

60. vukvk/xovrc r^v «i'H^><u?ll«/v ^v«7«v, dem, der über die


menschliche Natur emporragte — ro^rlu ^k>, das vorhergehende önkp-
kvk/x«vll wiederaufnehmend — «?i«vr« röv xpövov cklkr«ika«',
nachdrucksvoll: 'alle Zeit (seines Aebens) hindurch, unaufhörlich' —
«nl ro?? ?i«l<7/, 'in die Gewalt seiner Söhne'. — Hlovkl6/<7rw? (von
Hll u. ö'vklcko«), 'schimpflich', 'schmachvoll'; nach der Sage stach ihm
Alkmene, die Mutter des Herakles, nachdem er getödtet worden, noch
die Augen aus.

Nx?. XVI.
(61) 'Obgleich wir uns aber um den Staat der Lakedämonier viele
Verdienste erworben haben, so hat es sich doch so gefügt, daß ich über
diese allein spreche. Die Vorfahren der jetzigen Könige von Lakedämon
nämlich, die Nachkommen des Herakles, nähmen die Rettung, welche
ihnen durch uns zu Theil geworden war, zum Anlaß, kehrten in den
Peloponnesos zurück, nahmen Argos, Lakedämon und Messene ein,
wurden die Gründer von Sparta, und stehen so als die Urheber ihres
ganzen gegenwärtigen Glückes da. (62) Daran sollten Iene denken,
und niemals in dasjenige Land einfallen, aus dem sie einst auszogen
und so großen Wohlstand erwarben, und nicht diejenige Stadt in Ge
fahr bringen, welche für die Söhne des Herakles sich Gefahren aus»
gesetzt hatte, noch den Abkömmlingen desselben die Königsherrschaft
geben, und die, welche für jenes Geschlecht die Ursache der Rettung
wurde, sich dienstbar machen wollen. (63) Soll ich aber die Dankbar
keit und Billigkeit bei Seite lassen, und wieder zu dem eigentlichen
Gegenstand (zum Hauptthema) meiner Rede zurückkommen, und den
triftigsten aller Gründe anführen, so ist es doch sicherlich nicht dem
Herkommen gemäß, daß die (neu) Hinzugekommenen (Eingewanderten)
über die Ureinwohner, noch die, welche Wohlthattn empfangen haben,
über ihre Wohlthäter, noch auch die, welche Schutzstehende gewesen
waren, über die, welche sie aufnahmen, die Herrschaft führen.'
61. ?io^Xcüv . . ^l«xk<l«l^ovlluv, indem die Athener ihnen im
zweiten messenischen Kriege den Tnrtäos sandten; so auch im dritten
den Kimon mit einem Hilfsheer (vgl. Mue. 1, 102). — ikpl rowry?
48 IsoKrates, ?ane^>'iK0s- 0ap. XVI, 62. 63. XVII, 64.

/«ov^?, näml. von der zuletzt erwähnten — /«ol lw^t/?^xkv, 'es hat
sich mir (in der Rede) so gefügt'; vgl. 12 § 199: ov /«Hv <7v^/?«l'v«
/<ol r««5ro ^lolkli' ^xkl'vol? — li^o^Hv ^«/3o'vrk;, 'den Ausgangs
punkt nehmend', indem näml. durch diese Rettung die spätere Einwan»
derung möglich wurde — vvv ^v ^«^k<5«l/«ovl /3«<7l^k«x>>rluv, näml.
der beiden spartanischen Königsfamilien, der Prokleiden und Eurysthe»
niden, deren Abstammung bis auf Hyllos, den Sohn des Herakles,
zurückgeführt wurde — «vro?? gehört zu ?l«pövrcuv (nicht zu x«r-

62. ki; r^v /cü^>«v rewr^v kl<7/?«Xklv, Anspielung auf die von
den Lakedämoniern, namentlich während des peloponnesischen Krieges,
öfters wiederholten Einfalle ins attische Gebiet — ckov^kvklv, näml.
durch Lysander zur Zeit der Dreißig.
63. ävkäovr«?, 'bei Seite lassen, davon absehen' (viell. ist «^t-
Xovr«? zu lesen, verglichen mit 5 § 29: H»' r«? /«tzv >5v<7^k^tl«? ..
li^k^V? ^ ^l r^v ö?losk<7lv, 'zum eigentlichen Thema, zur Haupt»
frage', näml. wegen des Anrechts Athens auf die Hegemonie — röv
«x<»l/?k<7r«rov riüv Xo'/cuv, 'den stärksten, tristigsten aller Gründe'.

<^. XVII.

(64) 'Ich kann aber die Sache noch kürzer klarstellen. Unter den
hellenischen Staaten waren nämlich außer dem unsrigen Argos, Theben
und Lakedämon schon damals die größten, und sie sind es noch jetzt
fortwährend. Offenbar aber haben unsere Vorfahren sich so sehr vor
Allen ausgezeichnet, daß sie zu Gunsten der Argeier, welche Unglück
gehabt hatten, den Thebäern zu einer Zeit, da sie am Uebermüthigsten
waren, Befehle gaben, (65) zu Gunsten der Söhne des Herakles aber
die Argeier und die übrigen Pelovonnesier in einer Schlacht besiegten,
und durch die gegen Eurystheus bestandenen Gefahren die Gründer und
Heerführer der Lakedämonier retteten, so daß ich nicht weiß, wie man
über die Oberhoheit unter den Hellenen einen deutlicheren Beweis geben
könnte.'
64. '^7c>?, als Königreich Mykenä unter der Herrschaft der Per»
I8oliiÄte8, ?auegMKuL. Oup. XVII, 65. XVIII, 66. 49

siden — Fl«reH,a5c7lv, näml. /ik)>l<7r«l ov<7«l — vn^ '^^^«wv, 'zu


Gunsten der Argeier'.
65, ?lpi>? ^l>vsss^«, 'gegenüber dem Eurnstheus, gegen Eurystheus'
— ^l«xk<l«l//ov/wv, sowol zu olxlc7r«? als zu H/k^ov«? gehörig.
o«l<7i«?, näml. ksvo»)?, vgl. Ibue. 1, 25: rö> oixl<ir^v «?ia-

X^<7l ckvv«ar«'«?, 'über das Machtverhältniß, die Oberhoheit unter


den Hellenen'.

(^r. XVIII.
(66) 'Es ziemt sich aber , wie mir scheint, auch über das, was von
unserer Stadt gegen die Barbaren geleistet wurde, zu reden, zumal ich
ja mir auch eine Rede über die Oberanführung gegen Iene zur Auf
gabe gestellt habe. Wenn ich nun alle Kämpfe aufzahlte, würde ich zu
weitläuftig werden. Ich will daher nur in Betreff der wichtigsten auf
dieselbe Weise, wie kurz vorher, auch über diesen Punkt zu sprechen
versuchen. (67) Die Völker nämlich, welche am meisten zur Herrschaft
befähigt sind und die größten Herrschergebiete inne haben, sind die
Skythen, Thraker und Perser, und grade diese alle haben Feindselig»
keiten gegen uns verübt, und unsere Stadt hat gegen alle diese (Völker)
schwere Gefahren bestanden. Was wird nun aber unsern Gegnern zu
sagen übrig bleiben, wenn nachgewiesen worden ist, daß diejenigen
Hellenen, die ihr Recht nicht erlangen konnten, uns um Hilfe zu bitten
für angemessen hielten, und diejenigen Barbaren, welche die Hellenen
unterjochen wollten, zuerst gegen uns zogen?'
66. Lss ?iöXkl, activer Dativ zu nk?l^ll/Mvwv — «^lu? r'
k?iklckch ««l, statt der häusigern Stellung «^«u? rk x«i «?iklck^, vgl.
so 9 § 7: ?ik^i <uv x«l ^e^klv <llx«««'v ^n«v, «<l^,lu? r F?iklckH
-e«i ete. — ruv Xo/ov x«5k<7r^<7«'i«>?v, 'ich habe die Rede bestimmt,
festgestellt', 'oiAtion«in, iuZtitiii'; vgl. 7 § ??: nk^l <l' wv ^E «9/^?
räv ^ö/ov x«rk<7r^6«/^v, und ?Iat. Hipp. uiiü. p. 304, K: oloV 1'

— ?ik<il r^? ^/k/«>vl«? r^? ^?i' «xk/vol>?, näml. in dem gegen die
Perser von den Hellenen gemeinsam zu führenden Kriege: 'die Ober»
50 Iz0Krate8, ?aue87riKo8. 0ap. XVIII, 67. XIX, 68.

anführung' — ^?il rcüv /ie/la^cuv, näml. Xlvckvvwv: 'bei Anlaß», in


Betreff der wichtigsten' — ?«?! rovrwv, näml. über die Kämpfe mit
den Barbaren.
87. «^lxwr«r«, 'am meisten zur Herrschaft befähigt' — rv/-
/«vovcil, mit F?«/3ov^kv<7«vik? zu verbinden — «n«^«^«"ss!, per
sönlich mit dem Partie, «^ov^rk? und io^r«« verbunden.

04?. XIX.
(68) 'Der berühmteste unter diesen Kriegen ist nun zwar der per
sische gewesen, indes bieten auch die alten Thaten denen nicht geringere
Beweise, welche über angestammte Rechte streiten. Als nämlich Hellas
noch schwach (unbedeutend, machtlos) war, kamen in unser Land die
Thraker mit Eumolpos, dem Sohne des Poseidon, und die Skythen
mit den Amazonen, den Töchtern des Ares, nicht zu derselben Zeit,
sondern wie grade jeder Theil derselben seine Herrschaft bis nach Europa
auszudehnen suchte, indem sie zwar das ganze Geschlecht der Hel»
lenen haßten, gegen uns aber besonders Beschuldigungen vorbrachten,
in der Meinung, auf diese Weise würden sie es nur mit Einer Stadt
aufzunehmen haben und doch Alle zusammen mit Einem Male be
zwingen. (69) Jedoch es gelang ihnen nicht, sondern trotzdem, daß sie
mit unseren Vorfahren allein zusammenstießen, wurden sie doch eben
so vernichtet, wie wenn sie mit der ganzen Welt Krieg geführt hätten.
Die Größe der Niederlage, die sie erlitten, ist klar; denn die Sagen
darüber würden sich nicht so lange erhalten haben, wenn sich nicht auch
die Thatsache (das Ereigniß) so sehr von allen übrigen unterschieden
hätte. (70) Von den Amazonen nun sagt man, daß von den Herge
kommenen keine wieder zurückgekehrt, die zurückgebliebenen aber in
Folge der hier erlittenen Niederlage von ihrer Herrschaft vertrieben
worden seien; von den Thrakern aber, daß sie, die sonst als Grenz»
nachbarn neben uns wohnten, in Folge des damaligen Feldzuges einen
so großen Zwischenraum ließen, daß in dem dazwischen liegenden Lande
viele Völker, verschiedene Stamme und große Städte sich anbauten.'
68. nkpi rc?v ?i«rp/cuv, d. i. über die ererbte Hegemonie, mit
Bezug auf § 18i w? «<7r«v «vro5? H/«ss«l ?i«rpcov ('ererbt', 'an»
I8oKrate8, ?ane^riKc>8. (?3p. XIX, 69. 70. 51

gestammt') — r«?iklv/7?, 'schwach', 'machtlos' — O^«xk?, nicht die


barbarischen Thraker oberhalb Makedoniens bis zum Hämus und Ister,
sondern ein mit den Hellenen stammverwandtes Urvolk, aus welchem
die Priestersänger Orpheus, Musäus, Thamyris hervorgingen (vgl.
Irismi, II. S. 87 ff.) — <««r' ^v^oX?l0v, nicht mit dem thrakischen
Priestersänger dieses Namens <s. das. S. 90), sondern mit dem Könige
von Eleusis Eumolpus, der gegen Erechtheus, König von Athen, Krieg
führte (vgl. Nue. 2, 15). — I'xvsul ^kr' '^«^ovwv, die Letzteren
kämpften gegen die Athener unter Theseus, weil dieser ihre Königin
Hippolyte entführt hatte, vgl. 22 § 193 — ^nff^ov, des Imperf. vom
Conatus: sie suchten, strebten darnach, ihre Herrschaft auszudehnen —
«/x).^«r«, 'Beschuldigungen'; zur Sache vgl. 12 ß 193: o« (näml.
FH«o^,?lo?) i^Pl<7/3'?ri/<7ki' '^pk)<Hkl r^? noXkü>? ^>«<7Xluv Ho<iklcklü

rov? ?i«p' «ö^«l? x«^vov?, ^«<7Hkl<7«v r6 O^<7kw^ x«l <7l>v-

«^««, nachdrucksvoller Ausdruck: 'alle zusammen mit Einem Male'; vgl.


so 2 § 37: //ch »kpllckV? rHv <illvrai5 ^>v<7lv «?i«<7«v «/i« ckl«^,l>-

69. ov ^^v -e«rcu'ps«us«v, 'sie hatten kein Glück', 'es gelang


ihnen nicht' — lu<7nk^ «v, näml. cklk^>s«p^<7»v — nyö? «?i«vr«?
«vHpw?lov?, rhetorische Hyperbel — ckHIov ckk, näml. aus dem folg.
o6 ^«^> «v nos' zu ersehen — ovx «v <ll^klv«v, 'sie hätten sich
wol nicht erhalten'; die hier angegebenen Sagen (wie der Kampf mit
den Amazonen) wurden später durch die plastische Kunst vielfach dar
gestellt. Scenen aus dem Amazonenkampf bildete Phidias an der äußern
Seite des Schildes am kolossalen Standbilde der Athena auf der Akro»
polis; auch befanden sich Darstellungen aus diesem Kampfe in den
Metopen an der Westseite des Parthenon (vgl. 'lrieuu. VI. S. 50
u. 52); ein Gemälde der Amazonenschlacht von Mikon befand sich in
der Poikile,
70. «t <l' vn«ikl?>skl<7«l, d. i. die zu Hause zurückgeblieben und
nicht mitgezogen waren — ik^i ck« Op«x<Fv, näml. Xi/kr«l, aus
4'
52 IsoKrates, ?aneA^iKos. O»p. XX, 71. 72.

dem Anfange des Satzes zu wiederholen — o^o^ol, 'als Grenznach»


baren', näml. in Eleusis — ro<7oiirav ckl^l?lov, sie ließen soviel, einen
so weiten Zwischenraum zwischen uns und sich, zogen sich soweit zu
rück — ^t'»'7, einzelne Stämme eines Nx»? — ?io1ki?, 'Stadt-
gemeinden'.
«>.?. XX.
(71) 'Dies Alles ist nun zwar auch schön und würdig derer, welche
auf die Hegemonie Anspruch machen, doch verwandt mit dem eben An»
geführten und so, wie es sich von den Nachkommen solcher Männer er
warten läßt, sind die Thaten derer, welche gegen Dareios und
terxes kämpften. Denn als dieser so große Krieg ausgebrochen war,
und so viele Gefahren in eine und dieselbe Zeit zusammensielen, und
als die Feinde glaubten, man könne ihnen wegen ihrer Menge nicht
Stand halten (widerstehen), unsre Bundesgenossen aber eine unüber
treffliche Tapferkeit zu besitzen meinten, (72) so gewannen sie über
Beide die Oberhand, wie es den Einen und den Anderen zukam, und,
da sie sich bei allen Gefahren ausgezeichnet hatten, wurden sie sogleich
des Preises der Tapferkeit gewürdigt, und erlangten nicht viel später
die Herrschaft zur See, welche ihnen die übrigen Hellenen zutheilten,
und die, welche sie uns jetzt zu entreißen suchen, nicht streitig machten.'
71. x«X«, nachdrucksvoll zu Anfange des Satzes gestellt: 'schon
nun ist wol' lc. — «ck«^«, 'verschwistert', sigürl. s. v. a. ?l«^>«?l^-
»l«, 'verwandt'; vgl. 10 § 23: ^ «ckkX^pcüv /k/ovork« licktX^««
x«l r«? ^?llsv^l'«? k<7^ov, und ?Iut. ^ßs8. 2 extr.: «ckt^ol ^»'

ol« nkp tlxö?, näml. ?i^«^«l — ^x rolov'rcu»', allgem.: 'von solchen


Vorfahren' — ?l<iXk/«oi, <7v<7r«^ro?, 'als der Krieg ausgebrochen war',
vgl. Ilme. 1, 15> 2: x«r« /Hv ck^ ?l<!ik/<o«, ostv rl; x«l <!v'v«/<l?
?r«l>t^tro, oöckkl; ^vv^r^ ('fand nicht statt') — «vv?i<i<7i«ru>v . .
«w?ik?/3Xyrov, Wortspiel: 'unwiderstehlich . . unübertrefflich' — »v/«-
/l«/luv, näml. der Athener; so besonders die Lakedämonier und in
Rücksicht auf Salamis die Aegineten.
72. ä/<Porkpcui', näml. rcüv noXt/«'«»' und rcüv <7v/«/l«^luv —
I8oKrate8, ?aue^riK08. <üaP. XXI^ 73. 53

«,? kx«rkpwv ?l^>o<7^xkv, näml. x^>«rklv: die Feinde überwanden sie


durch die Waffen, die Bundesgenossen hinsichtlich der Tapferkeit; nach»
geahmt von I^oure. in I,«oer. § 70 (von der Schlacht bei Salamis):

<7v^«/luv, w? ix«r^wv ?ipa!7^xk, rov? /iiv kvk^/kroVvrk?, rov?


<l^ /««^o^kvol vlxlü»^rk? — «^>l<7rklluv, 'Zuerkennung des ersten
Preises', näml. nach der Schlacht bei Artemistum (Ileroä. 8, I?) und
nach der bei Salamis (ib. 8, 93 u, 122) — ckovrwv rcüv «iH,cuv 'öll-
^,^'vluv, näml. im I. 477 wegen des Hochmuts des Pausanias (vgl.
I'inie. 1, 95 u. 130) — rcüv vvv . . ^rov^rwv, näml. die Lakedä»
monier.

ox?. XXI.

(73) 'Und glaube Niemand, ich wüßte nicht, daß auch die Lakedä»
monier in jenen Zeiten für die Hellenen die Veranlasser vieles Guten
gewesen sind; aber grade deswegen habe ich nur noch mehr Grund
unsere Stadt zu loben, daß sie mit solchen Männern den Wettstreit zu
bestehen hatte und sich doch so sehr vor ihnen auszeichnete. Ich will
aber etwas weitläuftiger über diese beiden Staaten sprechen, und nicht
zu schnell darüber hinweggehen, damit wir an Beides erinnert werden,
an die Tapferkeit unserer Vorfahren und an die Feindschaft mit den
Barbaren. (74) Es entgeht mir nun aber nicht, wie schwer es ist,
wenn man zuletzt auftritt und über Dinge spricht, die längst vorweg»
genommen sind, und über welche grade die Bürger, welche der Rede
am meisten mächtig sind, bei den öffentlichen Leichenbegängnissen oft
gesprochen haben. Denn das Bedeutendste davon muß nothwendig schon
abgenutzt und nur irgend welche Kleinigkeiten übergangen worden sein.
Gleichwol darf ich, da es der Sache nützt, nicht zögern, von diesem
Uebriggelassenen ausgehend jene Dinge zu erwähnen.'
73. rolovr«>v «vr«/cuvl<7rlüv rv^ov<7«, 'obgleich sie solche Wett
streitende, solche Gegner im Wettstreite hatte' — rolv ?i<,^<»v, zum
ßen. wl«e. des Artikels im Dualis s. ob. § 17 die Bemerk, zu rc«
no^i? rovrw S. 22 — r«^ö ^/«v für das gewöhnt. Xl«»> r«/v: 'all»
54 I8oKrate8, ?2,ue8>riKo8. c!ap. XXI, 74. XXII.

zuschnell'; vgl. ähnlich unten § 160: ?ioXä« X/«v, 9 § 48: nol.« ^/«v,
und 7 § 77: noppw Xl«v.
74. 8<7r«rov ^?lk>l,Hovr« H,k'^klv, 8<7r«rov gehört zu beiden
Verben— ^?ikiHovr«, 'auftretend', als Schriftsteller (nicht als Redner,
denn dies heißt n«^«v««), vgl, oben § 15: «<7oi <«iv kvHi? ^?lk^-

?0l?, wie namentlich in der berühmten Leichenrede (dem ^?llr«^>l<,«)


des Perikles <s. 'Niue. 2, 34 ff.) und in der des Hnpereides auf die
im lamischen Kriege Gefallenen — x«r«xkxpff<7H«l, hier in pafsiver
Bedeutung: 'abgenützt sein' — rol? ?l<>«/^«<7lv, für die vorliegende
Angelegenheit, für meinen Zweck (die Politik der Einigkeit),

o4i>. XXII.
(75) 'Ich glaube nun zwar, daß die, welche ihr Leben für Hellas
auf's Spiel fetzten, die Urheber des meisten Guten gewesen und des
größten Lobes würdig sind; doch wäre es gar nicht recht, die, welche
vor diesem Kriege lebten und in einem der beiden Staaten die Macht
in Händen hatten, unerwähnt zu lassen. Denn sie waren es, welche
die Nachkommen vorher dazu eingeübt und die Bürger zur Tapferkeit
hingeleitet und zu so schweren Gegenkämpfern für die Barbaren ge
macht haben. (76) Denn sie vernachlässigten nicht das Gemeingut; auch
benutzten sie es nicht wie das ihrige und kümmerten sich nicht darum
wie um Fremdes, sondern sie besorgten es wie ihnen Gehöriges, und
enthielten sich desselben, wie man es thun muß bei dem Nichtzugehörigen.
Auch beurtheilten sie die Glückseligkeit nicht nach dem Gelde, sondern
derjenige schien den sichersten und schönsten Neichthum zu besitzen, der
Thaten vollbrachte, durch die er nicht nur selbst am meisten berühmt
werden, sondern auch seinen Kindern den größten Ruhm hinterlassen
würde. (7?) Auch wetteiserten sie nicht in Frechheiten mit einander,
noch übten sie sich in eignen Tollkühnheiten, sondern sie glaubten, es
sei schlimmer, in einem üblen Ruf bei seinen Mitbürgern zu stehen, als
ruhmvoll für den Staat zu sterben; und sie schämten sich mehr über
gemeinsame Fehler als (man sich) jetzt über die eigenen (schämt). (78) Die
Ursache davon aber war, daß sie bei den Gesetzen darauf sahen, daß
sie genau und gut seien, nicht sowol die über die Privatstreitigkeiten
als die über das Verhalten im täglichen Leben. Denn sie wußten, daß
Ehrenmänner nicht viele geschriebene Gesetze nöthig haben, sondern daß
sie vermittels weniger Vereinbarungen sowol über die Privat» als über
die öffentlichen Angelegenheiten sich leicht einigen werden. (79) Und
ihr Verhalten im Staate war derart, daß sie sogar ihre Parteikämpfe
nicht darum führten, wer von Beiden den Andern zu Grunde richten
und dann die Uebrigen beherrschen, sondern wer dem Andern zuvor
kommen könne, sich ein Verdienst um den Staat zu erwerben. Und
ihre Genossenschaften (politischen Verbindungen) schloffen sie nicht um
ihres Privatvortheils willen, sondern zum Nutzen des Volkes. (80) Auf
dieselbe Weise behandelten sie auch ihr Verhältniß zu Anderen, indem
sie sich gegen die Hellenen dienstwillig, aber nicht übermüthig zeigten,
und sie anführen aber nicht beherrschen zu müssen glaubten, und lieber
ihre Feldherrn als ihre Herrscher und ihre Retter, nicht ihre Schadiger
genannt zu werden wünschten, indem sie die Staaten durch Wohl»
thaten für sich gewannen, und nicht mit Gewalt sich unterjochten,
(81) zuverlässiger in ihren Worten waren, als man es jetzt in Eiden
ist, an Verträge wie an Naturnothwendigkeiten sich halten zu müssen
glaubten, nicht sowol auf ihre Herrschermacht stolz waren, als auf ihr
mäßiges Leben sich etwas einbildeten, den Schwächeren gegenüber die
selbe Gesinnung für angemessen hielten, die sie von den Stärkeren sich
selbst gegenüber in Anspruch nahmen, und ihre Städte als ihre Wohn
sitze betrachteten, als ihr gemeinsames Vaterland aber Hellas ansahen.'
75. ?lXkl<7rluv «/«slüv «irc'ov?, das Prädikat nachdrucksvoll
vorangestellt: als der größten Güter Urheber . . betrachte ich zwar die,
welche «. — rol; <7lu'^«Olv, 'mit ihren Leibern', 'mit Leib und Leben',
'persönlich', im Gegensatze zu denen, welche Iene zur Tapferkeit erzogen
haben — ov ^iHv oöckt, doppelt verstärkende Negation, zum folg. <ll'-
x«lov gehörig: 'gar nicht recht' — ckvv«inkvc7«»'rlu»', 'welche die Re
gierung, die Staatsgewalt übernommen hatten', auch von den Häuptern
der Freistaaten gebraucht — r« nHi/'si?, hier: 'ihre Völkerschaften',
von den Bürgern Nthen's und Sparta's.
76. o^ck' «nkä«w<,»' ^zv . . ^k^ovv ck^ gehört zusammen: auch
56 IsoKrates, ?ane^riK0s. (>2,p. XXII, 77 — 79.

genossen sie nicht etwa das Staatsgut wie Prioateigenthum, kümmer


ten sich aber nicht darum wie um Fremdes — cu? oiicklcuv, als Gegen
satz sowol zum vorangehenden cü? «^orpl'luv als zum folg. ?u?v ^.
ckiv ?l^o<7^xövru>v — <3<7?lkl> A<"?> näml. «?i«)<k<v — ?lpo? «p/v-
^lov . . «^lvov, 'sie beurtheilten . . nach Maßgabe, nach dem Gelde';
vgl. 12 § 4: l'v« ?lpo? rHv v?l<ist<7l»' röv Xo/c>v xpl'vux7l.
77. r«? rc>^«; r«? «örcüv, ihre eignen (ihnen angeborenen) Un»
verschämtheiten, Verwegenheiten, Tollkühnheiten — H vvv, näml. «i-
aX^krlll rl? — snl r<,5? illiol?, über die eigenen, persönlichen.
78. rc>i'? vö/«>v? s<7xo?lov>' ö'^ilu; . . k^ov<7l»', das Objekt des
Nebensatzes in den Hauptsatz gezogen — nk^>l rcüv ickl'luv al,^/3o-
^«l'luv, über die Vertragsangelegenheiten, Rechtsverbindlichkeiten zwischen
Privaten, vgl. oben § 11: ?lkpl rcüv ickl'luv <7l,^/3oX«l'cuv <7xa?lov-
<7l»', s. die Bemerk, z. d. St. S. 19 — nkp! rcüv x«s' «x«<7r^v r^v
^M?«»' ^lr^ckkv^lirluv, d. i. 'über das Verhalten im täglichen Leben,
die öffentliche Zucht'; vgl. 12 § 144: icüpcuv M^ov ^<7?lovck«<s/^-
vov; rov^ ?lkpl rcüv xolvcüv ^?llr^ckkv/^urcuv ^ roö^ ?lkpl rcüv
lcke'luv <7v/</3oi«l'cu»' vö^ov?, und 7 ß 40: «'^<l« ?«p ov rovrcuv

^k^»«v ^?ilr^ckki,/««rn»v ete. — ovck^v ckki/l7tl ?ioH,^cüv /^>«/<^«-


rluv, näml. vieler geschriebener Gesetze, vgl. 7 ß 41: ckt?v ck^ rai>?
o^>scü? iloXlikvo^kvov; ov rü; <7ro«? ^/<?K?!^«»'«! )^«/</<«rluv

«X<l« rol; ^!sk<7l x«Xcü; oixk5as«l r«? ?iö>l,kl; et«.


79. oirlu »oXlrcxcü? kl^o»', 'sie waren so patriotisch' — r«?
<7r«okl?, die (aus der Geschichte bekannten) Partcikämpfe — r«? kr«l-
ptl'««, 'die Genossenschaften, Hetärien', vgl. K. Fr. Hermann's Staats»
alt. § 70: 'die Clubbs, ir«<pl«l oder avvlu^oc7l«l, zunächst und ur»
sprünglich allerdings wol nur sich bei Wahlen oder Anklagen wechsel
seitig zu unterstützen bestimmt, wurden die Sammelplätze der Vlis»
vergnügten, und was ihnen selbst an Nacht zum Umsturze der Demokratie
«ebrach, ersetzten sie durch die Verbindungen, welche sie theils in den
verschiedenen Städten mit einander, theils mit den Regierungen anti
demokratischer Staaten eingingen'.
IsoKrates, ?ane^riKos. 0ap.XXII,80.81. XXIll. 57

8V. r« r<üv «1,^cuv, näml. ihr Verhältniß zu anderen Völler»


schaften — ftkp«nkv'o»'rk? «^X' ov^ v^pi^ovrk? ete., mehrfach wie
derholte Antithesen — acur^pt; «^1« ^») ^v/«tcüvk;, vgl. denselben
Gegensatz 8 ß 141: x«Xov ^<7rl gcui^p«? «>lä« /<H ^v/«tcüv«? «v-
?cuv (rcö> 'N^^vluv) xX^s^v«l — «?lox«Xkl<7s«l , gewöhnlich nur
im Übeln Sinne gebraucht, hier wegen des nächststehenden Xvf«l3vk?,
und nur zeugmatifch auch auf aourH^k? bezüglich.
81. i) viiv, näml. /pcüvr«l — «v«/x«l?, 'Naturnothwendig»
keiten', von denen man sich nicht losmachen kann; der Plural dem
vorangehenden <7vvs»/x«l« entsprechend — H»'?«? roö? «pkl'rrol'?,
näml. «/tlv ^l'ol,v — i'ckl« /«iv «ary, Apposition zum Objekt »o-
ikl?: sie betrachteten ihre Städte nur als ihre besonderen Wohnsitze
(nicht als Vaterland), im Gegensatze zum folg. xolvHv n«rpl'ck«, als
ihr gemeinsames Vaterland.

0xr. XXIII.

(82) 'Von solchen Gesinnungen erfüllt und die Jünglinge in solchen


Grundsätzen erziehend, stellten sie in den Kämpfen gegen die Asiaten
solche Helden auf, daß noch kein Dichter und kein Redekünstler ihrer
Thaten würdig über sie zu sprechen vermocht hat. Und ich verzeihe
ihnen das gern. Denn es ist eben so schwer, die zu loben, welche die
Tugenden aller Anderen überboten haben, als die, welche gar nichts
Gutes geleistet haben; bei diesen nämlich liegen keine Thaten vor, für
jene fehlen die entsprechenden Worte. (83) Denn wie könnten sie für
solche Männer passen, die sich vor denen, welche gegen Troja ins Feld
gezogen sind, fo sehr auszeichneten, daß diese vor einer einzigen Stadt
zehn Iahre zubrachten, jene aber die Macht von ganz Asien in kurzer
Zeit niederkämpften, und nicht nur ihre eigenen Vaterstädte retteten,
sondern auch das gesammte Hellas befreiten? Welchen Unternehmungen
oder Mühen oder Gefahren würden» sich die wol entzogen haben, um
im Leben berühmt zu sein, die für den Ruhm, den sie erst nach ihrem
Tode erhalten sollten, so gern zu sterben bereit waren? (84) Ich
glaube, daß sogar einer der Götter, aus Wohlgefallen an ihrer Tapfer»
58 IsoKlÄtes, ?anLFMKos. Oap. XXIII, 82—84.

Kit, diesen Krieg über sie gebracht hat, damit nicht Männer von solcher
Art verborgen bleiben oder ruhmlos das Leben enden möchten, sondern
derselben Ehre wie die von den Göttern gezeugten sogenannten Halb
götter gewürdigt würden. Denn auch von Jenen gaben sie die Körper
der Naturnothwendigkeit Preis, das Andenken an ihre Tapferkeit aber
machten sie unsterblich.'
82. rolllv'r«l? ckl«vol«l«, 'solchen Ansichten, Gesinnungen' —
k'v ro5? ralovrol? Hsk<7l, 'in den diesen (Gesinnungen) entsprechenden
Grundsätzen' — «nkckk^«v, gewählter Ausdruck für k?lol'^<7«»'- sie
stellten dar, d. i. machten, bildeten; vgl. 15 § 205: <ililvk; «v roi?

<7o^«7rcüv, hier: 'der Redekünstler', 'Schulredner', im Gegensatze zu


den praktischen Rednern, welche zur Zeit des Isokrates noch ^ropk;
hießen, <7oPl<7r«l wie hier neben nol^r«! auch 2 § 13: ovrlu <5l«-

x«l ?loXX^v «i)rc>l? «/lu Ol>//vcu/<^v, eine von Isokrates öfters an


gewandte Phrafe; vgl. 7 § 83; 9 ß 8; 10 § 7. — ?lpö? cki rov«, zu
«p^örrovrk? gehörig: die für jene pafsenden Worte; wosür im Folg.:

83. rocwFro»' . . oaa»', 'insoweit . . als' — ^nl 2^>c>l'«v arpoirkv-


<7«/<kvluv ckl^vk/x«»' ste., zum Gedanken vgl. N^periä. Npitapli. § 28:

oi /<kv /«kr« ?r«<7^; r^? ^i«ckc>? /<i«v ?lo'^lv klXov, o ckk /<krü

84. Täv ?laXk/<c>v skcü»' rlv« <7vv«/«/kiv ste., zum Gedanken


vgl. ?Iut. I^ueuII. IN: kolxk ck« x«l rö sklov ^?ils«ppiiv«l roi?
^v^lx^voö? ll/«<7s6i' «v^cüv r^v ävckl>«/«sl'«v — ^xtl'vlu»', näml.
rlu»' ^/<ls«l»»' — «?i«ck<il7ll»', näml. ol skc>l, aus dem vorangehenden
Hkcüv rl»'« zu entnehmen; vgl. 8 § 139: ri? «vspcu?iu»' o^x Fn<-
sv/<^<7kl /Ukr«<7/k5v r^; ^,l^l'«^, or«»' op<ü<7l ete.
IsoKrates, kaueF^iKos. (Üap. XXIV, 85. 59

Oxr. XXIV.

(85) 'Immer waren nun zwar unsere Vorfahren und die Lakedä»
monier eisersüchtig auf einander, aber freilich wetteiserten sie in jenen
Zeiten um die schönsten Ehrenpreise und betrachteten sich nicht als
Feinde, sondern als Nebenbuhler, auch dienten sie den Barbaren nicht
zur Unterjochung der Hellenen, fondern, da sie über die gemeinsame
Rettung einig waren, richteten sie ihren Wettstreit nur darauf, wer
von ihnen der Urheber derselben werden könne, Sie zeigten aber ihren
Heldenmut zuerst an denen, welche von Dareios geschickt wurden.
(86) Denn als diefe in Attika landeten, warteten die Einen nicht auf
die Bundesgenossen, fondern machten den gemeinsamen Krieg zu ihrem
besondern, und zogen nur mit ihrer eigenen Streitmacht den Ver
ächtern des gesammten Hellas entgegen, sie die Wenigen gegen viele
Myriaden, als ob sie fremdes Leben aufs Spiel zu setzen hätten; die
Anderen aber hatten kaum den Krieg in Attika erfahren, als sie alles
Andere bei Seite ließen und uns zu Hilfe kamen, und zeigten dabei
einen Eiser, als ob ihr eignes Land verwüstet würde. (87) Ein Be
weis von der Schnelligkeit und dem Wetteiser aber ist Folgendes:
Unfere Vorfahren sollen nämlich an demselben Tage, da sie die Lan
dung der Barbaren erfuhren, zur Abwehr an die Grenzen des Landes
gerückt fein, in einer Schlacht gesiegt und ein Siegeszeichen errichtet
haben, Iene aber in drei Tagen und eben fo viel Nächten zwölfhundert
Stadien in geordnetem Heereszuge zurückgelegt haben. So fehr be
eilten sich die Einen, an den Gefahren Theil zu nehmen, die Anderen,
mit dem Feinde zufammenzustoßen, bevor die zu Hilfe Eilenden her
beikämen.'^!
85. o6 ^Hv «^«, im bejahenden Sinn: 'aber freilich' — ns^l
««IXlorcuv, 'um das Schönste', 'um den schönsten, höchsten Preis' —
röv ^«p/3«po»' skpllilk^ovrk?, Anspielung auf das Buhlen der zeit»
genössischen Athener >und Spartaner um die Gunst des Perserkönigs,
um durch dessen Hilfe das übrige Hellas von sich abhängig zu machen
— k»kckkl'^«vro k'v rol? . . nt^ftk««»', sie zeigten . . an denen «.;
60 IzoKrate8, ?auesTrillos. Oap. XXIV, 86. 87. XXV.

zum Ausdrucke vgl. ?I»t. Ueuou. p. 82, «,: »<>o<7x«^ksov 5cüv iroi-

86. ki? r^v '^rr«x^v, näml. bei Marathon — ot ^«v, die Athener
— aö ?lkpl^klv«v rov? <7v^«xov§ ete., zur Sache vgl. (1^8.) 2

«vx «v^/«klv«v ?ivsk<7s«l ovcki /3o^s^<7«l roi>? <7V/i^«xovc. Iso»


lrates verschweigt hier die Theilnahme der Platäer an dem Kampfe
(lleroä. S, 108; vgl. IZoer. 14 § 57), weil dieselben sich den Athenern
unterworfen hatten, also gewissermaßen zu ihnen zählten, vgl. Heroä.
I. ^.: '^<s^v«/ol<n cki 6?l^H«v /so^s^ov«? HX«r«l^k? ?i«v<l^kl'
^e«l /«^> x«l ^<lkckcl!xk<7«v <7^>^«? «vroi>? roll7l '^<si/v«l0l<7l «i
ll<l«r««^e« — «'v «^Xoro/««? ^v/««?, 'mit fremdem Leben', das sie
nicht zu schonen brauchten. Zum Ausdrucke xlvckvkvklv ?v ?«v«,
vgl. 8 § 12: l3<7?lkp ^v ä^^or^l« rzl »öXkl xlvckvvkvovik?, und 18

— ol <l', näml. die Lakedämonier — ovx «^s«a«v . . x«i, Aus»


druck der Gleichzeitigkeit: 'fast zur selben Zeit', 'kaum hatten sie er»
fahren, als sie schon' «. Uebrigens ist Isokrates' Angabe historisch
ungenau, da die Lakedämonier bekanntlich erst den Vollmond abwarte
ten, und deswegen auch zu spät kamen. — ö<^v ?ikp «v, näml.

87. rff« «vrff? ^^<,«?, ebenfalls historisch ungenau: denn die


Schlacht erfolgte erst nach mehreren Tagen, llsroä. 6, 110. — ^v
rpl<7lv ^io««? ete., vgl. Ilsroä. 6, 120: rolr«?ol ^x ^?i«pr^;
^k'^ovro ^v Lx '/lrr«ex — aroaro?l^y,, 'in geordnetem Heeres»
zuge', obgleich sonst ein Heer sich langsam bewegt. — «t ^iv, näml.
die zuletzt erwähnten Lakedämonier — ot cki, die Athener.

Oxi-. XXV.
(88) 'Als aber hierauf der spätere Feldzug unternommen wurde,
'den Xerxes selbst leitete, nachdem er seinen Königssitz verlassen, und
es über sich gewann, als Feldherr aufzutreten und alle möglichen
Menschen aus Asien um sich versammelt hatte — ein Mann, von
welchem wol Ieder, auch wenn er Uebertreibungen vorzubringen Willens

>.
IsoKrates, ?aueß?riK0s. (i^p. XXV, 88. 61

nar, weniger als wiMich geschehen ist, gesagt hat, — (89) er, der in
seinem Uebermuthe so weit ging, daß er in der Meinung, es sei eine
kleine Mühe, Hellas zu unterwerfen, und in der Absicht, ein Andenken
zu hinterlafsen, das nicht im Bereiche der menschlichen Natur liegt,
nicht eher ruhte, als bis er ersonnen und erzwungen hatte, wovon noch
alle Welt spricht, nämlich mit der Flotte durch das Festland zu schisfen
und zu Fuß durch das Meer zu gehen, indem er den Hellespont über»
brückte und den Athos durchgrub: (90) gegen ihn alfo, der so stolze
Gedanken hatte und so Gewaltiges ausführte und über so Viele herrschte,
zogen sie aus, die Gefahr theilend, die Lakedämonier nach Thermo»
pylä gegen das Landheer, nachdem sie Tausend von den Ihrigen aus
gewählt und einige Wenige von den Bundesgenossen zugezogen hatten,
um Iene in den Engpässen an weiterem Vordringen zu hindern;
unsere Väter aber nach Artemision, nachdem sie sechzig Trieren be
mannt hatten, gegen die ganze Seemacht der Feinde. (91) Dies aber
wagten sie zu thun nicht sowol, weil sie die Feinde geringschätzten, als
weil sie mit einander wetteiserten, die Lakedämonier, da sie unsere
Stadt um die Schlacht bei Marathon beneideten und ihr gleichzukommen
suchten und fürchteten, unsre Stadt möchte zweimal hintereinander die
Urheberin der Rettung für die Hellenen werden; die Unsrigen aber,
hauptsächlich, weil sie den erworbenen Ruhm bewahren und es Allen
offenbar machen wollten, daß sie auch das vorige Mal durch ihre
Tüchtigkeit und nicht durch ihr Glück gesiegt hätten; sodann aber auch,
weil sie die Hellenen zum Seekampfe bringen wollten, indem sie ihnen
zeigten, daß in den Seekämpfen ebenso wie in denen zu Lande die
Tapferkeit über die Menge obsiege.'
68. Hv «vrö; ^k^»?? H/«/k»', Hervorhebung der persönlichen
Anführung des Perserkönigs (im Gegensatze zu § 85: ^ ^<,5« öwö
^«pkl'ov ?it/<^sk«7lv), wodurch die Gefahr für die Hellenen um fo
größer wurde — roX/<^a«?, 'nachdem er es über sich gewann', näml.
gegen die Art der verweichlichten Perserkonige; zur Bedeutung von
roä/<^a«? vgl, oben §57 — «?r«vr«? rod? ^x r^c 'X<7l«?, red
nerische Hyperbel, vgl. unten § 146: /lv'pov rkXkvr^llvro? avv?/^
82 I80Krate8, ?ane^riKo8. O»p. XXV, 89—91.

v?lk<>/3«^,«? ete., eine parenthetische Bemerkung, die bis zum Ende des
§ 89 reicht, worauf die Fortsetzung des unterbrochenen Satzes durch
die Anfangsworte des § 90 erfolgt: ?ipö? ckH rov ovrw //^/« ^o-
v^<7«vr« sie. — ^«rr«, rcöv v?i«p/ovr«u^ weniger als die Wirklich»
keit gesagt hat, hinter der Wirklichkeit, Wahrheit zurückgeblieben ist;
vgl. 6 § 71: luaik ckoxklv ^xk/vov? ^«rrw rlüv vnllp^ovrcuv ki-
^>^x^v«l ?ikpl >//icüv, und ll^periä. Npitklpll. §2: röv H,ö^ov ^«riw
^)«lvkas«l rcüv k<?^wv; vgl. auch oben die Bemerk, zu § 13 S. 20.
89. rolovrov /«v^klov sto,, rhetorische Vorbereitung auf das
nachfolg. Oxymoron zur Hervorhebung des Ungewöhnlichen, Wider»
natürlichen der Leistung des Xerxes, des rn? ar^llron^cky> ?i^k^<7«l
cklü rH? ^ilk/pol> und des ?lk^kv<7«l <ll« rff? s«^«rr^?. Zur Sache
vgl. (1,^8.) 2 § 29: ocköi' /ikv ckl« ri/? s«^,«<7<7^? ^?lo^<7«io, nXoi5v
6i ckl« rff? /^? Hv«^x«<7k ^kvksss««; vgl. auch Oie. äs tm. 2, 34,
112: Xsrxe» ouin t»uti» ol»88ibu8 tanti8<iue e<ziie8trioii8 et Iie<le8tri-
bu8 'eopÜ8 , HsIIs8puuto iuuetu , H,tlious pert<>88<» , mari» aiubul»-
vi88St, terr»m u»viß»88et. — n>lki><7«l . . ?ik^ki5<7«l und ?kv§«?. .
cklo^vE«?, Paronomafien; vgl. im Folg. ß 91: ^^ovvrk? . . ^-
roi>vrk?, und § 186: Pi/'//i/i' x«l /iv^^v. — röv ck' '^lslu cklo^v^«?,
das Nähere hierüber berichtet Herodot 7, 21 ff.
9<). «?i^rcuv, näml. die Lakedämonier und Athener, wie das
Folgende genauer angibt — <5ll/ov?, näml. 400 Thebaner und 700 Thes»
pier, vgl. Hsroä. 7, 222. — «viov?, die Feinde — npö? «?i«v rö
. . v«vrcx<lv, bezieht sich noch auf das vorangehende «n^rwv.
91. «/wvllüvrk?, 'wetteisernd', 'im Wetteiser' — H/«p«su?vl,
Locativ, wie ^«X«^lvl, Nkv^lv« u. a. (s. Krüger's Spracht. 46, 1, 3);
vgl. so 5 ß 147: ^x r^? ^/«^>«Hlüvl /«i^^?. 8 § 38: rol? ^?«^>«-
Hlüvl roi>? /3«^>/3«pol>? v«x^'<i«<il, und 15 § 306: nolo? ckk r«? o
rat? /3«<p/3«<?«v? ^/«^«slüvl r^ /^«^V v««>/a«? ete. — ^l<7cü<7«<,
näml. «^rß. — ot ck' ^/ikrkyol, näml. r«i5r« ?iulkiv ^ro^/«uv, aus
dem Vorangehenden zu wiederholen — /««llar« ^v, diesem entspricht
im Folg. k?iklr« (ohne ck^); vgl. 9 § 41 ff, : n<?«?rov /«iv . . «ik««
— rHv ?i«',ov<7«v cko^«v, 'den gegenwärtigen, erworbenen Ruhm'.
l30Ki'ate8, ?3,ue8^riKo8. O»p. XXVI. 63

0^. XXVI,
(92) 'Obwol sie aber gleiche Kühnheit bewiesen, hatten sie doch
nicht gleiches Schicksal, sondern die Einen wurden vernichtet und sieg
ten zwar mit ihrem Geiste, erlagen aber mit ihrem Körper — denn
es wäre nicht recht zu sagen, sie seien überwunden worden; Keiner von
ihnen wollte ja fliehen — , die Unsrigen aber besiegten zwar die vor
ausgesegelten Schiffe; als sie aber hörten, daß die Feinde den Paß be
setzt hätten, schifften sie nach Hause, und faßten in Betreff des Wei
tern einen Beschluß der Art, daß sie trotz des vielen Herrlichen, das
sie vorher gethan, sich dennoch in den letzten Gefahren noch mehr aus
zeichneten. (93) Denn als alle Bundesgenossen muthlos waren, und
die Peloponnesier den Isthmos durch eine Mauer absperrten und nur
ihre eigene Rettung suchten, die anderen Staaten aber sich den Bar
baren unterworfen hatten und mit ihnen zogen, außer wenn einer
wegen seiner geringen Bedeutung nicht beachtet worden war; als zwölf»
hundert Trieren heransegelten und ein unzählbares Landheer in Attika
einzufallen drohte; als ihnen da keine Rettung erschien (sich zeigte),
sondern sie von den Bundesgenossen verlassen und in allen ihren Hoff
nungen gescheitert waren: da machten sie, (94) obgleich es ihnen frei
stand, nicht blos den vorhandenen Gefahren zu entgehen, sondern auch
außergewöhnliche Ehren zu erlangen, die ihnen der König anbot, weil
er glaubte, wenn er die Seemacht unserer Stadt auch noch in seiner
Gewalt hätte, so würde er sofort auch des Peloponnesos Herr werden:
da verschmähten sie dennoch seine Geschenke und schritten nicht etwa,
aus Zorn gegen die Hellenen, von denen sie preisgegeben worden
waren, freudig zu einer Vereinigung mit den Barbaren, (95) sondern
rüsteten sich, auf eigne Hand für die Freiheit zu kämpfen, und ver
ziehen den Anderen, welche die Knechtschaft vorzogen. Denn sie glaub
ten, den schwächeren (unbedeutenderen) Staaten komme es zu, auf jede
Weise ihre Rettung zu suchen, für die aber, welche die Hegemonie von
Hellas beanspruchten, sei es nicht statthaft, sich den Gefahren zu ent
ziehen, sondern, wie es Ehrenmännern wünschenswerther sei, rühmlich
zu sterben als schimpflich zu leben, so sei es auch für die hervorragen»
64 IsoKrats8, ?aus8?riK0s. LHP. XXVI^ 92—94.

den Staaten vortheilhafter, ganz von der Erde verschwunden zu sein,


als daß man sie in der Knechtschaft sehe. (96) Daß sie aber so gesinnt
waren, ist klar; denn da sie nicht im Stande waren, sich beiden Heeres»
mcichten zugleich entgegenzustellen, so nahmen sie die ganze Bevölkerung
aus der Stadt mit sich und schifften sie auf die benachbarte Insel aus,
um mit einer nach der andern den Kampf zu bestehen.'
92. ll7«? rü? ro^«?, nachdrucksvoll das Adjektiv vorangestellt,
als Gegensatz zum folg. o^ o/"»l'«l? r«i? r^«l? — k^p^'a«»'!<,,
näml. die Lakedämonier und Athener — ot /«v, die Lakedämonier bei
Thermopnlä — roi? <7cu/««<7lv «nkiilov, eigentl.: mit ihren Körpern
versagten sie, d. i. ermüdeten, erlagen, sielen sie, mildernde Bezeich»
nung ihrer Niederlage — oü ?«p . . s^l; ki?iklv, lu? ^rr^s^-
<7«v ete., vgl. Hxpeiiä. üpiwpd. 8 ß 23: rki^ovr«l ?r«lckk? ^o-
<llov kl'? ^»/v ?lpü; räv <5^/«o»' kücko^l'«»' r^v rcüv ovx «?loxu<<l,c>-

oürlu; ?lkpl ««Xcüv röv /?l'<»' ^«Xl?l<j»'r«?, und ^eur^. in I^soer.

r«; ?ipoilXov?, näml. die von den Persern vorausgesandten 2lX) Schnell»
segler, welche die Hellenen am ersten Tage der Schlacht bei Artemision
besiegten, vgl. Heroä. 8, 7 ff. — rH« ?i«pöckov, näml. des Passes
von Thermopnlä — ^/?ovXkv'<7«vra ?lt^l ^cüv ^c>l?lcüv, in § 96 ff.
genauer angegeben.
93. «sv'/<cu; /«p «?l«v?lu»' . . <ll«nkl/4«»'u>v ete. , der lange
Vordersatz reicht bis in die Mitte des folg. § zu den Worten x«l /7k-
X<i?low/'<7ov x^>«r^'<7klv, der Nachsatz beginnt mit ov^ «!n^/lklv«»'
i«; ?l«p' «xkivov <5cu^t«';. — ckl««l^l^övrcu»', näml. von Lechaion
bis Kenchreä, vgl. lleroä. 8, 20 — ?lXHv t" ^l? . . n«l»^k^s»/,
es waren dies nach lleroä. 8, 66 die Thespier, Platäer und fünf
Inseln — v?lo^'«l»'a/ik»'^, sigürl.: wie ein Lichtstrahl aufging, leuch
tete: vgl. Xsuopli. H,uHt>. 4, 2, 7: ^?ikl ck' Mkp« vTlk^lllvi^.
94. ^ov «vrol; ste., 'und obgleich es ihnen freistand' — tckl'ckol',
'er bot an', vgl. lleiocl, 8, 136 u. ?1ut. ^ri«t, 10: k?lt^k ^l>«/l<
lLoKi'at«L, ?aueA-riKo8. Oap. XXVI, 95. 96. XXVII. 65

x«r«<7r^'<7klv — <w/ ^?l«^klv«v, Anfang des Nachsatzes: sie ließen


sich nicht darauf ein, sie verschmähten, wiesen zurück, wollten nicht
darauf hören; vgl. v«M0ztu. 21 S 93: «wl<7r«^ks« Mklck/«v . . ckl-

^o<7«?lklXi/<7«vr« — ovck' lu^^<7«v gehört zusammen: noch schritten


sie zu einem Bündniß mit den Barbaren — ?lpoö<l<!s^<7«v, 'sie waren
preisgegeben worden', indem näml. die Peloponnesier sich absperrten
und die nördlichen Staaten sich mit den Persern vereinigten (vgl. im
Vorsieh. § 93: Kk<lo?lov«/slwv ^iv ckl«rk«^l^ovrwv stc).
95. ^x ?iclvrö? r^o?iov, 'auf jede Weise', ein bei Isokrates sehr
häusiger Adverbialausdruck — Xv<7lrkH,«v ^«^,X«v gehört zusammen:
'nütze mehr', 'sei vortheilhafter' — äovX««? ^kvo^kv««?, der Dativ
des Prädikats mit Bezug auf r««? nik^k/ovc7««?, vgl. oben die Be
merk, zu § 3: kiv«l <7o^>larcüv S. 15.
96. ki? rHv ^«^k'v^v vH<7«v, auf die nahe, benachbarte Infel,
näml. Salamis — kv ^pk« ?i^ö? ix«ikp«v (näml. <lvvll^lv), 'mit
einer nach der andern', näml. zuerst mit der Seemacht bei Salamis,
dann mit der Landmacht bei Platää.

0x?. XXVII.
'Und wer möchte nun wol edlere oder hellenenfreundlichere Männer
aufweisen können, als sie, die, um nicht an der Knechtschaft der Uebrigen
Schuld zu sein, es über sich gewannen, mitanzusehen, wie ihre Stadt
verödet, ihr Land verwüstet, ihre Heiligthümer geplündert, ihre Tem
pel verbrannt und der ganze Krieg über ihr Vaterland gebracht wurde?
<9?) Und nicht einmal dies genügte ihnen, sondern sie wollten gegen
zwölfhundert Trieren allein eine Seeschlacht liefern. Dies jedoch ge
stattete man ihnen nicht. Denn die Pelovonnesier, die durch ihre
Tapferkeit beschämt waren und glaubten, wenn die Unsrigen erst zu
Grunde gegangen wären, würden auch sie selbst keine Rettung sinden,
wenn sie (die Unsrigen) aber siegten (triumphirten), würden sie über
ihre Staaten Schande bringen, sahen sich genöthigt, an den Gefahren
Theil zu nehmen. Den Lärm nun, der bei dem Kampfe entstand und
das Geschrei und die Anfeuerungen, wie dies allen Seeschlachten ge»
66 is0Krates, ?aus^riKos. O»p.XXVII,96— 98. XXVIII.

mein ist — Warum ich bei der Schilderung davon mich aufhalten sollte,
sehe ich nicht ein. (98) Was aber (diesem Kampfe) eigenthümlich und
der Hegemonie würdig ist und mit dem vorher Gesagten übereinstimmt,
das zu sagen ist meine Sache. Unsere Stadt nämlich zeichnete sich so
sehr aus, als sie noch unversehrt war, daß sie noch nach ihrer Zer
störung mehr Dreiruderer zu dem Kampfe für Hellas stellte, als Alle,
die die Seeschlacht mitmachten, zusammen, und Niemand ist so feindlich
gegen uns gesinnt, daß er nicht zugeben sollte, daß wir durch diese
Seeschlacht die Oberhand im Kriege gewannen und daß unsere Stadt
die Urheberin davon gewesen ist.'
96. (Fortsetz.) c>?rcvk? er^a«»' knickk«', 'die es über sich ge
wannen mit anzusehen' — «^^np«^c>^ , von ch«-?il/«?lp^l od,
^.?ll'n^/l«, 'anzünden', 'in Brand stecken', 'verbrennen'.
97. ^^^<7«v, 'sie waren Willens, im Begriff', im Gegensatze
zum folg. ov /«Hv ti«s^l7«»' (näml. /lovol ckl«v«v/<«^kl»' — x«r«i-
<7Xl>vskvrk; . . ^Hv «^>krHv «vr<ö»' (rcüv '^ls^v«l'lu»'), nach Hsioä.
8, 75 wurden die Lakedämonier vielmehr durch die List des Themistokles
bei Salamis zurückgehalten — x«r<,^>sclx7«vrcuv, näml. rcüv HMri-
pluv — tl? «rc^l'«v . . x«r«<7r^'<7kl»', näml. /IkXo?iov»'^<7lc>l, durch
ihre Mittheilnahme am Kampfe — roi; ^kv so^l'/?<,v? sie., rhe'
torische Wendung des Uebergehens (praeteritin), vgl. 9 §31: x«l roi;

98. « ck' F<7rl»' ic5l«, näml. ru? n^«)^«rc: was diesem Kampfe
eigenthümlich ist — r«0r« ck', vgl. oben § 1 die Bemerk, zu -rov'ro,;
ck' S. 14 — ?iXkl'ov; . . »/ <7l5^?l«vrk? oi v«v/<«/^c7«vrk?, vgl. 12

<7v'/<?lllvik? ot <7v/xlvckv vti5»«vrk?. — oöcktl? <5k, das ckk entsprechend


dem ^v hinter nXklc>l);,

O^r. XXVIII.
(99) 'Wenn nun aber ein Feldzug gegen die Barbaren unternow-
men werden soll, wer muß da wol die Hegemonie erhalten? Nicht die,
IsoKrates, ?aneg^riKos. Oap. XXVIII, 99. XXIX. 67

welche in dem frühern Kriege den meisten Ruhm erlangt, und sich oft»
mals allein für die Andern in Gefahr begeben haben, in den gemein
samen Kämpfen aber des Ehrenpreises gewürdigt worden sind? Nicht
die, welche ihr eignes Land verließen für die Rettung der Anderen
und schon vor Alters die Gründer der meisten Städte geworden waren,
und hier wieder dieselben aus dem größten Unglück errettet haben?
Würde uns da nicht ein schlimmes Unrecht widerfahren, wenn wir,
die an den Uebeln den größten Antheil hatten, bei den Ehren benach»
theiligt würden, und während wir damals für Alle uns voranstellten,
jetzt Anderen nachzufolgen gezwungen würden?'
99. x«irol ^kXH,ov'<^« ete., 'wenn nun aber' lc. — rHv «irlu>,
näml. /Hv od. ?loXiv: 'ihr eignes Land' od, 'ihre eigne Stadt'; vgl.
oben § 41: iol? ckv<7rv/o«^»' ^v r«l^ «vrcü»'. § 49: roö? ^v r«l?
«örcüv ckvvll^kvov?; unten ß 146 u. 168: kv r«l« cwr<i»»' u. v. a.
— olxl<7r«?, 'Gründer', vgl. oben § 35: ^/k/«5v«? ki? rü? noXkl?
^^«?ltfl^kv, oi . . ?ioX),«9 /«iv ^<p' «x«r^«; r^ ^?lk<pov ?lankl?
kxrc<7«v ste. — k'i«rrov «/kl»', ein geringeres Maß zu erhalten, be»
nachtheiligt zu werden; vgl. 7 § 67: luark ^<>iv N«rrov «/«»'
rol'? ^x^«>lovr«? rcüv xurk^so'»'rcu»'. — «xoXovskl»', als Gegensatz
zum voranstehenden n^or«^s^rk?.

c!xr. XXIX.

(ION) 'Soweit Nun, glaub' ich, werden wol Alle zugeben, daß
unfre Stadt überaus viel Gutes gestiftet hat, und daß ihr mit Recht
die Hegemonie zukomme. Im Weitern aber beschuldigen uns jetzt
Einige, daß wir, nachdem wir die Herrschaft zur See erhalten hatten,
an vielem Unheil für die Hellenen Schuld gewesen, und werfen uns
die Sklaverei der Melier und die Vernichtung der Skionäer in
diesen ihren Reden vor. (101) Ich aber glaube erstens, es ist kein
Zeichen, daß wir schlecht herrschen, wenn Einige von denen, die mit
uns Krieg geführt haben, als schwer bestraft erscheinen, sondern es ist
ein viel stärkerer Beweis dafür, daß wir die Angelegenheiten der Bun
desgenossen gut verwalteten, daß von den unter uns stehenden Staaten

68 I8uKrate8, ?aue^i-iKo8. Oap. XXIX, 100—102.

keiner in dieses Unglück geriet!). (W2) Sodann, wenn etwa Andere


dieselben Angelegenheiten gelinder besorgt hätten, könnten sie uns mit
Recht tadeln. Wenn aber dies nicht der Fall war, und es nicht mög»
lich ist, eine solche Menge von Städten zu beherrschen, wenn man
nicht die züchtigt, welche sich vergehen: ist es da nicht billig, uns zu
loben, die wir nur gegen sehr wenige uns hart gezeigt haben und doch
die Herrschaft die längste Zeit zu behaupten vermochten?'
IM. ^x<" /«v oüv rovr«iv, d. i. soweit die bisher erwähnten
Momente, die bisher besprochenen Verdienste unsres Staates in Be
tracht kommen — Mr« cktz r«i5r« , nach diesem, weiterhin, im Weitern
aber — ?lo^cüv x«xlüv «irlol, im Gegensatze zum voranstehenden

vll/wv ö^spov, die Bewohner der kykladischen Insel Melos standen


als Dorer und Stammgenossen der Lakedümonier im peloponnesischen
Kriege auf Seiten der Letzteren, daher wurden sie, als ihre Stadt im
Iahre 416 von den Athenern erobert worden, getödtet und ihre Weiber
und Kinder zu Sklaven verkauft, vgl, Ibue^ä. 5, 116, 2: «t cke ('^4^-
v«5ol) «?ikxrklv«v M?i/wv 8<7ov? H/3«5vr«? Ä«/3ov, ?i«lck«^ <l«
x«i /vvlllx«? ^v^u?i«ckl<7«v. — Die Stadt ^xlw'v^ auf der Halb»
insel Pallene in Makedonien siel während des peloponnesischen Krieges,
im I, 423, von Athen ab, wurde aber 421 von den Athenern wieder»
erobert, worauf die Männer getödtet, Weiber und Kinder als Sklaven
verkauft wurden, «gl. lime. 4, 121; 130; 5, 32. Isokrates erwähnt
dieser Ereignisse auch im ?auatlieu»iou8 (12) § 63: x«r^/o^k5v <li

kp/k<7/«? ste. — ?i^o^>k<>ov<7lv, näml. ^lv: 'sie werfen uns vor',


'machen uns zum Vorwurfe'.
IUI. rcüv ö^>' ^5v ov<7lüv oi?ckk<«l«, also nicht, wie Skione,
welche Stadt von Athen abgefallen war und deswegen von den Athe
nern mit größter Strenge bestraft wurde.
102. rö niHso? , respectiv. Accus, zu roaovrwv, vgl. oben § 33
und unten § 136. — ?iXki<7rov /<«'v<»', näml. nach dem Folg. (§ 106)
IsoKrates, ?aneFMKos. Lap. XXX. 69

in runder Zahl siebzig Iahre lang, von 477 bis zum Ende des pelo»
ponnesischen Krieges,

L>r. XXX,

(103) 'Ich glaube aber, von Allen werden diejenigen für die besten
Vorsteher der Hellenen gehalten werden, unter welchen sich die Unter
gebenen am wohlsten befunden haben. Nun werden wir aber sinden,
daß unter unsrer Hegemonie sowol die einzelnen Familien am meisten
an Wohlstand zunahmen, als auch die Städte am größten wurden,
(104) Denn wir waren nicht neidisch auf diejenigen, welche sich ver
größerten (mächtiger wurden), und erregten keine Unruhen, indem wir
entgegengesetzte Regierungsformen (Verfafsungen) neben einander ein
führten, damit sie unter einander in Zwist gerathen und beiderseits
sich um unsre Gunst bewerben sollten, sondern, da wir die Eintracht
der Bundesgenossen für einen gemeinsamen Vortheil hielten, verwal
teten wir alle Staaten nach denselben Grundsätzen, indem wir wie
Bundesgenossen und nicht wie Herrscher über sie beriethen, und zwar
die Gesammtangelegenheiten leiteten (an der Spitze des Ganzen standen),
(105) im Besondern aber Iedem seine Freiheit ließen, und die Volts,
herrschaften unterstützten, die Gewaltherrschaften aber bekämpften, weil
wir es für ungerecht hielten, daß die Mehrzahl unter einigen Wenigen
stehe, und daß die, welche an Vermögen bedürftiger, in allem Andern
aber um nichts schlechter sind, von den Aemtern verdrängt würden,
endlich daß in einem gemeinschaftlichen Vaterlande die Einen Herrscher,
die Anderen Schutzgenossen und, obgleich durch ihre Geburt Bürger,
durch das Gesetz ihres Bürgerrechts (ihrer bürgerlichen Rechte) beraubt
seien. (106) Da wir dies und noch mehr als dies an den Oligarchien
zu tadeln hatten, führten wir dieselbe Verfafsung, wie bei uns, auch
bei den Uebrigen ein, und ich weiß nicht, warum ich dieselbe erst noch
weitläuftig loben sollte, besonders da ich mich darüber ganz kurz aus
sprechen kann. Denn unter dieser Verfassung lebten sie siebenzig Iahre
hindurch unbekannt mit Gewaltherrschaften, frei gegenüber den Bar
baren, ohne Zwist unter einander und im Frieden mit allen Menschen.'
70 I8oKrate8, ?aue8MK08. <Iax. XXX^ 103—105.

103. k^>' cüv, 'unter denen', d. i. zu deren Zeit; vgl. im Folg, :


F?il rH« ^kr^«? ^/k/i«v/«? — «plar« ?ip«5«v«?, 'sich am
wohlsten befanden', 'am Besten daran waren'; vgl. unten im ^reopaß.
ß 3: ö^«> /«p rcüv ilo>lkluv r«? «pll7r« »purrklv oio/ikv«? xci-
nar« /3ovikvo^«v«« ('die in den besten Verhältnissen zu sein glauben')
— roi^ olxol>? ioi>? i6/<,l/?, 'die einzelnen Häuser, Familien' im
Gegensatze zur Gesammtheit der Bürger, des Staates — np«? kv-
<l«l/i«v/«v ^?ilclovr«?, 'an Wohlstand zunehmen'; vgl. unten § 189:

und im ^reOMF. § 5: s?il rö /3^r«oi' r«? ?i^u^kl? ^?llcklckov<7«?.


104. «v /ü^> k^sovov^kv, Anspielung auf das Verfahren der
Lakedämonier — nu^liki«? sv«vr/«? ?iu^«x«Hl<7ruvrk?, wie näml.
die Lakedämonier thaten, welche in demokratisch regierten Städten eine
aristokratische Verfassung einführten — ?v' «iX^o«? <7r«<n«5«lkv,
näml. «i ?io^li«l, aus dem vorangehenden no'^kl? zu entnehmen, vgl.
unten H,reopa8. § 51: o>,<>k ?lo^,k/iluv ?/ N0^1? k/k^kv, a^ä npo?
«^,^«v? ^<7v^/«v ki/ov — Hk^>«?lkvolkv, uns zu Dienste stehen,
nach unsrer Gunst streben möchten — roi? «wrol« vo'/«o«?, nach den
selben, gleichen politischen Grundsätzen; zur Sache vgl. 12 § 54: ot
/«^v /«^> ^/i«rk^>0l ?l«rkpk? k?lklso»» rov? <iv^«)<oV? ?i«lk5<7s«l

/iklöv ^arc kvvol«? x«i ^>^/«?, 3r«v rlvi? ?i«^>«lvlü<7l ral? «H,-

„,, 105. r<ü ?lX^skl, dem Volke, d. i. der Volksherrschaft, Demo


kratie — ckvv«aikl«l?, Machtherrschaften, hier im Sinne von Oli
garchien, vgl. im folg. F: r«l? s^l/«^/«l? — rl>^«vvkl^ hier: 'die
Herrscher seien' — /ikrolxklv, 'Metöken, Schutzgenossen, Schutzver»
wandte seien', d. i. nur die Rechte der Schutzverwandten (nicht der
Vollbülger) genießen (vgl. 'lrieim. III. S. 131); hier Anspielung auf
die spartanischen Periöken, /K<,/<,<x«l, 'die Nachkommen der ur
sprünglichen Landesbewohner, welche bürgerlich frei, aber den Spar»
tiaten zu gewissen Abgaben, auch zum Kriegsdienste verpflichtet waren
und an den gesetzgebenden Versammlungen der Spartiaten keinen Theil
-
I8oKrate8, kaue87riKoL. Oap. XXX, 106. XXXI. 71

Hütten' (s. daf. S. 108) '— «?lo<,rkpkl<,H«l, mit Perfektbedeutung:


'b«aubt seien'.
106. rol«i5r« x«i ?i^k/w rollrwv, 'dies und mehr als dies', rhe
torische Uebergehung andrer als bekannt vorausgesetzter Gründe —
rHv «^rHv ?lo^l«luv . . x«rk<7r^'<7«^kv, näml. die am meisten auf
Gerechtigkeit bafirte Verfassung — «vx oick' 3 rc ckkl ckl« /««xao-
rk'^wv «?i«lvklv, vgl. 3 § 35: r« ckkl x«H' ^'v ix«<7rov ).k^ovr«
<ll«r^>l/3klv; 6 § 21: roö? /ikv ovv xlvckilvov? ete. . . ri <ltl ^«-
/ovr« ckl«^l/3klv; 12 ß 105: ?ikpl luv ovx ol<l' 3 rc 6kl ?l^klw
>.k'/ovr« 6l«rp//3«v, u. a. — /«r« r«^r^? ol'xovvrk«, 'unter dieser
(Verfassung) lebend' — k/3cka^i?'xovr' ir^, näml. wahrend der Zeit der
athenischen Oberherrschaft (477—404 v. Chr.), s. im Vorsteh. § 102
die Bemerk, zu ?i^kl<7rov xp«'v«»'.

o^>. xxxi.
(107) 'Und dafür müßten uns die Verständigen weit eher Dank
wissen, als daß sie uns die Vürgerkolonien vorwerfen, die wir in die
verödeten Städte der Bewachung der Plätze wegen und nicht aus Ver»
größerungssucht schickten. Ein Beweis dafür ist: Obgleich wir im Ver
hältniß zur Volksmenge sehr wenig Land, aber eine sehr große Herr
schaft haben, und doppelt fo viel Trieren besitzen als Alle zusammen,
und diese es mit zweimal so vielen aufnehmen können; (108) obgleich
ferner Euböa nahe bei Attika lag, das für die Herrschaft zur See vor
züglich geeignet ist und sich auch durch ihre anderen Vorzüge vor allen
Inseln auszeichnete; obwol wir dasselbe mehr in unserer Gewalt hatten
als unser eigenes Land und wir außerdem wußten, daß unter den
Hellenen sowol wie unter den Barbaren Diejenigen am berühmtesten
sind, welche sich durch Vertreibung ihrer Grenznachbaren ein begütertes
und müheloses Leben bereiteten: so hat uns doch nichts von alle dem
dazu gebracht, uns an den Besitzern der Insel zu vergehen, (109) son
dern wir allein unter Allen, die eine große Macht erlangten, sahen
es ruhig mit an, wie wir selbst in dürftigeren Verhältnissen lebten als
die, welchen man nachsagte, daß sie Sklaven seien. Wenn wir uns
nun aber bereichern wollten, so hätten wir doch wol nicht nach dem
72 Is0Krates, ?ane^riKos. Cap. XXXI^ 107—109.

Lande der Skionäer getrachtet, das wir bekanntlich den zu uns ge


flüchteten Platäern übergaben, und uns dagegen ein so großes Land
entgehen lassen, das uns alle hätte wohlhabender machen können,'
107. r«? ^^ovAl«?, 'die Kleruchien', 'Bürgerkolonien', b. i.
athenische Bürger, die in eroberte Länder als Kolonisten gesandt wurden,
aber zugleich athenische Bürger blieben, vgl. Iiisnu. III. S. 1?l,
'Die Kleruchie erscheint nur als eine Zugabe zum Bürgerthum in der
Mutterstadt; das persönliche Recht in dieser blieb unverändert, ward
auch nicht auf kurze Zeit förmlich aufgehoben, es fand kein gänzliches
Ausscheiden statt, der Kleruch ward ferner mitgezählt als Staatsgenoß,
sein kleruchisches Vermögen in der Staatsschatz»na, als heimisches an
gesehen; sein Gerichtsstand war in Athen; der Aufenthalt in der Kle>
ruchie war beliebig, wie der eines Städters auf seinem Landgute (da
her die Bezeichnung desselben durch /kcu<»/klv); die in der Kleruchie
geborene Nachkommenschaft behielt das athenische Bürgerrecht (so Plato
und Nristophanes, deren Väter Kleruchen in Aegina waren, so Epikm,
dessen Vater Kleruch auf Samos war)', Wachsmuth Hellen. Alterth. I,
S. 562. — «i? nl>ö? rö n^so?, 'im Vergleich, im Verhältniß zm
Volksmenge'; nach Böckh's Staatsh, I, S. 54 betrug der Flächenraum
Attikas mit Salamis nur etwas über 40 lü M. und die Bevölkerung
500,000 Seelen, alfo mehr als 10,000 Menschen auf der Quadratmeile.
108. ti/k, cklk^kpk, die Imperfecta, weil die Handlung (das un
eigennützige Verfahren der Athener) in der Vergangenheit liegt —
MXXov H rH? H/«rkp«? uvrcü»', weil sie als Seemacht die Insel
Euböa leichter schützen konnten als Attika — rcüv Mä^vcuv, wie z. N.
die Spartaner wegen Messene.
109. ?ik^>lkl'ckoMv, 'wir sehen es ruhig mit an' — lino^cur«^cuc,
dürftiger, ärmlicher', 'in dürftigeren Verhältnissen' — rcüv ckov^kvtn
«irl'cev ^övrcuv, 'derer, die beschuldigt wurden, denen man nachsagte, <
daß sie Sklaven seien'; näml. die Bewohner desjenigen Theils von!
Euböa, den die Athener durch Kleruchien nicht in Besitz nahmen und
deren Bewohner, weil sie Schutzverwandte der Athener waren, von den
Feinden Athens als Sklaven betrachtet wurden. — ^xlcuv«l'cuv /H?,
vgl. im Vorsieh. § 100 — /D.«r«lkluv . . ^«p«ckovrk?, vgl. I'duc.
iZoKratLli, ?iMeZ)'i'i1ic>8. (?ap. XXXII. 73

5, 32: x«l r?/v /^v (rc?v ^Xlluv«/wv) 7?).«r«lki)<7lv k<lo<7«v vk-

Oxr. XXXII.
(110) 'Obgleich wir uns nun so betragen und einen so großen Be»
weis davon gegeben haben, daß wir nicht nach fremdem Eigenthume
trachten, wagen uns dennoch diejenigen anzuklagen, welche an den Re
gierungen der Zehnmänner Theil genommen und ihre eignen Vater
städte geschädigt und bewirkt haben, daß die Uebelthaten der Früheren
klein erscheinen, und denen, welche sich wieder einmal als schlechte
Menschen zeigen wollen, keine Möglichkeit sie zu überbieten gelassen
haben, sondern zwar vorgaben, den Lakedämoniern nachzuahmen und
doch das Gegentheil von Ienen thun, und die das Unglück der Melier
beklagen, an ihren eigenen Mitbürgern aber heillose Thaten zu ver
üben wagten. (111) Denn welche Art von Unrecht ließen sie sich ent
gehen? welche schmachvolle oder empörende That haben sie nicht aus
geführt? sie, welche die Gesetzlosesten für die Treuesten hielten, die
Verräther wie Wohlthäter ehrten; sie, die es vorzogen, die Sklaven
irgend eines Heloten zu sein, um ihre eigenen Vaterstädte übermüthig
zu behandeln, die Mörder und Todtschläger ihrer Mitbürger mehr ehr
ten, als ihre eignen Eltern, (112) und uns Alle in einen solchen Zu
stand von Rohheit brachten, daß wir, während früher in Folge des
damaligen Wohlstandes auch bei kleinen Unglücksfällen ein Ieder von
uns Viele fand, die Mitleid mit ihm hatten, unter ihrer Herrschaft
wegen der Menge der eigenen Leiden aufhörten einander zu bedauern.
Denn Niemandem ließen sie so viel Muße, daß er mit Anderen hätte
trauern können. (113) Denn wen haben sie (mit ihrer Gewaltthätig»
keit) nicht erreicht? oder wer stand den Angelegenheiten des Staates
so fern, daß er nicht gezwungen worden wäre, mit dem Unheil in Be
rührung zu kommen, in welches solche Kreaturen uns brachten? Und
nachdem sie ihre eigenen Städte in eine so gesetzlose Lage gebracht haben,
schämen sie sich nicht, auch noch die unsrige mit Unrecht anzuklagen,
und erdreisten sich überdies auch von den Privat» und öffentlichen
Rechtshändeln, die bei uns irgend einmal vorgekommen sind, zu sprechen,
74 Isolirates, ?ans^riKos. Oap. XXXII, 110—113.

während sie selbst in drei Monaten mehr Leute ohne Urtheil umge
bracht haben, als uns« Stadt während ihrer ganzen Herrschaft ge
richtet hat. (114) Die Verbannungen aber und die inneren Zwistig»
keiten und die Verletzungen der Gesetze und die Veränderungen in den
Staatsverfafsungen, sodann die Mishandlungen von Kindern, die
Schändungen >von Weibern, und das Rauben von Geldern — wer
konnte dies herzählen? Nur soviel kann ich im Allgemeinen behaupten,
daß man das Schlimme unter unsrer Herrschaft mit Leichtigkeit durch
einen einzigen Beschluß hätte aufheben können, die Hinrichtungen aber
und die Ungesetzlichkeiten, die unter ihrer Herrschaft vorgefallen sind,
wol Niemand wieber gutzumachen vermöchte.'
110. o! rcüv cktx«^>/lcüv (so ist zu lesen statt ckkx«<5«^llü»') xai-
vu,v?/<7«v«?, 'die an der Dekarchie theilgenommen'. ckkx«l>/l'«l heißen
die von Lnsander am Ende des peloponnesischen Krieges unter der Auf
sicht eines spartanischen Harmosten in den Städten eingesetzten Regie
rungscommissionen, an welche sich von den Athenern die Oligarchisch»
gestnnten, die sogen. Lakonisten (^«xuivlar«l'), anschlossen und unter
ihrem Schutze die größten Grausamkeiten verübten; vgl, 5 ß 95 u. 12
§ 54 ff. — ^«xluvl^tlv, die Spartaner in äußeren Dingen (Tracht,
Haar und Bart, grobem Kittel :c.) nachahmen — ^«'vol?, näml.

111. Ft4lüru,»' t«, hyperbolische Bezeichnung eines Menschen


aus der niedrigsten Volksklasse; ohne Zweisel stammten einige spar
tanische Harmosten, die an der Spitze der Dekarchien standen, aus den
untersten spartanischen Bürgern. Einige glauben, Isokrates spiele hier
auf Lnsander selbst an, der von mütterlicher Seite dem Heloten
stande angehörte.
112. n^ö roi!, 'früher' — <5l« rHv ?l«^>oiill«v kvck«l/«o»'l«v,
'wegen des damals vorhandenen, damaligen Wohlstandes — rovru»v,
näml. der Dreißig in Athen und der Dekarchen in den anderen Städten.
113. ri'»'<,? (lnase.) oöx ^l'xovro; 'wen haben sie nicht erreicht?'
d. i. wen haben sie mit ihrer Gewaltthatigkeit verschont? Zum Aus
drucke vgl. unten § 187: >Fv <>' ovx tPl«vo5<««e roi' /<k/^ftl,l,5
«l'rlöv ('ich erreiche seine Größe nicht'). — «t rol«5r«l ^vakl?, ver»
IsoKrates, ?aneF7riKos. Nap.XXXII, 114. XXXIII. 75

ächUich: 'solche Kreaturen' — iv rl>l<7t /«^<7l'v, näml. während^der


Herrschaft der Dekarchen.
114. vo'^luv <7v^/v<7ke?, 'die Gesetzesverletzungen' ; vgl. ^utipkou
4, », 2: av//kl r« vo/<l^« rcüv «»'spcu?iluv — x«K' «?l«'vru,v, im
Allgemeinen; vgl. 12 H 55: oXl?« x«H' «?l«vru<v ki?ik5v — r« cktiv«,
'das Schlimme', näml. in der Lage unsier Bundesgenossen.

c^r. xxxm.
(115) Auch verdient wahrlich weder der gegenwärtige Friede, noch
die Selbständigkeit, die zwar im Staatsleben sich nicht sindet, aber
doch in den Verträgen geschrieben steht, unsrer Herrschaft vorgezogen
zu werden. Denn wer möchte wol nach einem solchen Zustande Ver
langen tragen, da Seeräuber das Meer beherrschen, Peltaften (Söld
linge) die Städte überfallen; (116) da die Burger, anstatt gegen An
dere um ihr Land Krieg zu führen, innerhalb ihrer Mauern mit
einander kämpfen, und mehr Städte mit den Waffen genommen wur»
den, als ehe wir den Frieden geschlossen hatten, und wegen der häusigen
Umwälzungen diejenigen, welche die IStädte bewohnen, in größerer
Muthlosigkeit leben, als die, welche man mit Verbannung bestraft hat ;
denn jene fürchten die Zukunft, diese aber erwarten beständig ihre Rück
kehr. (117) So weit aber sind sie von der Freiheit und Selbständig
keit entfernt, daß einige (Städte) unter Tyrannen stehen, andere von
Harmosten beherrscht werden, einige zerstört sind, über andere die Bar
baren Herren geworden sind, die wir doch, als sie nach Europa her
überzukommen wagten und nach Größerm trachteten als ihnen zukam,
so zurichteten, (118) daß sie nicht nur aufhörten, Feldzüge gegen uns
zu unternehmen, sondern auch die Verwüstung ihres eignen Landes er
tragen mußten, und die wir, als sie mit zwölfhundert Schiffen um»
hersegelten, so sehr herunterbrachten, daß sie mit keinem Kriegsschiffe
mehr diesseits Phafelis in See stechen durften, sondern sich ruhig ver
halten und ihre Zeit abwarten mußten, aber nicht auf ihre damalige
Macht bauen konnten. (119) Und daß dies durch die Tapferkeit unserer
Vorfahren so gekommen ist, haben deutlich die Unfälle unsres Staates
bewiesen. Denn sobald wir der Herrschaft beraubt waren, begann bei
76 l8oKrÄte8, kaue87riK<>8. Oap. XXXIII^ 115—117.

den Hellenen der Anfang des Unglücks. Denn als nach dem Unglück,
das uns im Hellespontos getroffen hatte, Anderen die Hegemonie über
tragen worden war, siegten die Barbaren zur See, beherrschten das
Meer, hielten die meisten Inseln besetzt, landeten in Lakonika, eroberten
Knthera mit Sturm, und fuhren, Schaden anrichtend, um den ganzen
Pelovonnesos herum.'
5 IIb, rHv ?i«j«><?<7«v klp^'v^, hierzu gehört das folg. iX«ssslll
M^ov, der Satz abhängig von «Aov. Unter dem 'gegenwärtigen
Frieden ist der berüchtigte 'antalkidische Friede' gemeint, der im
I. 387 v. Chr. (7 Iahre vor Veröffentlichung des vorliegenden Pane»
gnrikos) geschlossen wurde, und dessen Bedingungen (nach Xeuopn.
Hellen. 5, 1, 31) wörtlich also lauteten: 'König Artaxerxes hält für
angemessen, daß die Städte in Asien und von den Inseln Klazomenai
und Knvros ihm gehören, die ^übrigen hellenischen Städte aber, so
große wie kleine, unabhängig (autonom) seien mit Ausnahme von
Lemnos, Imbros und Skyros; diese sollen, wie früher, den Athenern
gehören. Welche von beiden kriegführenden Parteien diesen Frieden
nicht annehmen, diese werde ich, im Bunde mit denen, die ihn an»
nehmen, sowol zu Lande als zur See mit Schiffen und mit Geld be»
kriegen' ('^r«^kpk'?? /3«<7/).kö« vo^/^k« <l/x«l«v r«? ^v ^v rff
'^l<7/« n<5Xkl? ««Vr«i5 k^«l x«i rcüv v^<7wv H,'^«^o^kv«? x«l /^-

^«i M^«5l»>). — kv r«5? ?lo^lrk/lll?, 'in den Staatsverhältnissen',


'im Staatsleben' — x«r«?iovrc<7i«/, 'Seeräuber', welche die Meere
unsicher machten, seitdem die athenischen Flotten von ihnen nicht mehr
zu fürchten waren — ?ik^r«ar«/, im verächtlichen Sinne: 'Söldlinge',
'Miethsoldaten'.
116. ^vrö? rk</«v?, auch nach dem Frieden dauerten in den ein
zelnen Staaten die Parteikämvfe fort, wie in Mantinea, Theben u. «.,
vgl. Xeuopb. Hellen. 5, 2. — «l'x^«Xll>r«l , übertr. von Städten:
IsoKrates, ?ane^riKos. Cap. XXXIII, 118.119. XXXIV. 77

'mit Waffengewalt genommen, erobert'; vgl. ähnlich 15 § 125: rä?


ckol>v«Xnlrc>v? rulv ?io^kluv. — ot /««»', näml. die Stadtbewohner;
«i ck^, die Verbannten.
118. ^nl r«ckt ^«<7^ecko?, diesseits Phafelis, der Grenzstadt
zwischen Lykien und Pamphylien — roi? ^«l^ov?, den ihnen günstigen
Zeitpunkt, die geeignete Zeit — r^ ?l«^<»><7V, näml. r<irt: 'ihrer
damaligen Macht'.
119. rH? «??c^? - - «?)!'?> Wortspiel mit verschiedener Bedeutung
^Herrschaft . . Anfang'); vgl. so 5 ß 61: ro'rk rHv «p^»' «^rol?

Ä«^/?«vov. — ««6>cl>»', näml. die Lakedämonier — kvl^<7«»', näml.


unter Konon bei Knidos, 394 v. Chr.; vgl. Xeuopu. Hellen, 4, 8, 7 ff.

L^'. XXXIV.
(120) 'Am besten aber kann man die Größe des Umschwunges er
kennen, wenn man die unter unsrer Führung geschlossenen Verträge
und die jetzt niedergeschriebenen vergleichend durchliest. Denn dann
wird man sehen, wie wir damals der Herrschaft des Königs Schranken
setzten, und ihm einigen Tribut auferlegten, und ihn verhinderten, das
Meer (frei) zu benutzen. Ietzt aber ist er es, der die Angelegenheiten
der Hellenen leitet, und vorschreibt, was jeder thun soll, und nur noch
nicht Statthalter in den Städten einsetzt. (121) Denn was bleibt wol
außerdem noch übrig? Ist er nicht Herr über den Krieg geworden,
hat er nicht bei den Friedensunterhandlungen den Vorsitz geführt? und
ist er nicht der Vorsitzende über die gegenwärtigen Verhältnisse?
Schiffen wir nicht zu ihm wie zu unserm Herrscher, um uns gegen
seitig anzuklagen? Nennen wir ihn nicht den "Großkönig", wie wenn
wir seine Kriegsgefangene geworden wären? Setzen wir nicht in unfern
Kriegen gegen einander die Hoffnungen der Rettung auf ihn, der doch
am liebsten uns beide zu Grunde richtete? (122) Wer dies in Er
wägung zieht, sollte billigerweise unzufrieden sein mit den gegenwär
tigen Zuständen und nach unserer Hegemonie sich zurücksehnen, die
Lakedämonier aber tadeln, daß sie anfangs in den Krieg eintraten,
als ob sie die Hellenen befreien wollten, am Ende aber so Viele von
78 isoKrates, ?anesrriKos. Oap. XXXIV, 120—122.

ihnen preisgaben, und daß sie die Ionier von unserer Stadt losrissen,
aus welcher sie doch in ihre Kolonien ausgezogen sind, und durch die
sie oft gerettet worden, und sie den Barbaren auslieferten, wider deren
Willen sie das Land besitzen, und gegen welche zu kämpfen sie niemals
aufgehört haben. (123) Und damals waren sie unzufrieden, als wir
über Einige gefetzmäßig unsre Herrschaft ausüben wollten, jetzt abei,
da dieselben in solche Sklaverei gekommen sind, kümmern sie sich nicht
um sie, obwol es bei diesen schon nicht mehr genug ist, daß man ihnen
Tribut auflegt, und daß sie ihre Burgen von den Feinden besetzt sehen,
sondern zu dem gemeinsamen Unglück erleiden sie auch an ihren Per
sonen noch Schrecklicheres als bei uns die Kaufiklaven. Denn bei uns
mishandelt Niemand die Sklaven so, wie jene die Freien züchtigen.
(124) Der Uebel größtes aber ist, wenn sie gezwungen werden, für
eben diese Sklaverei ins Feld zu ziehen und mit denen, welche ihre
Freiheit wünschen, Krieg zu führen, und Gefahren von der Art zu
bestehen, daß sie im Falle ihrer Niederlage fosort ihren Untergang
sinden, wenn sie aber siegen, für die Zukunft noch mehr geknechtet
werden.'
120. ^' ^cüv, 'unter unsrer Führung', 'zu unsrer Zeit'. Unter
r«? avvH^'x«; r«? ^' H/«3v ^tvo/<«v«? versteht Isokrates dm
sogen. 'Cimonischen Frieden', den er also für wirklich abgeschlossen hält;
ebenso 12 § 60. — o ckl<iixcüv x«l ?ipoara'rrluv ste., Anspielung auf
die oben (zu § 115) angegebene Bestimmung des antalkidischen Friedens,
— ^?ll<7r«s^ov?, sarkastisches Wortspiel mit dem vorangehenden npoa-

121. ^pvr«>kv»t, 'er führte (wie der Prytane in Athen) den


Vorsitz', vgl. Irieim. III. S. 134 — ^l<7r«r^? x«sk<7^xk»', synonym
mit ^vr«»'ki,<sk: er bildete den Vorsitzenden (wie der ^?ll<7r«r^? in
der Prytanie des athenischen Raths, s. Irisim. daf.) — 6v r<,!? n«-
ä^ol? rol? ?l^ö? <Z^X^ov? sie., so besonders nach dem stcilischen
Kriege,
122. r?,»' «c/^, Adverbialaccuslltiv: 'anfangs', im Gegensatze zum
folg. ^?il rkXkvi^?, 'am Ende', 'zuletzt' — ti; röv ?röXk^o»', näm!,
den peloponnesischen; zur Sache vgl. Idue. 4, 85 (Worte des Brasidas):
I8oKrate8, ?Älie^riKo8. Oap. XXXIV, 123. 124. XXXV. 79

r^v N^,«ck« ?lo).k/«'/<7klV, und 2, 8, 4: ^ cki kövol« ?l«p« ?le>>>,v

^?lo/^<i«v, näml. an die Perser durch den antalkidischen Frieden —


roi>? '/wv«?, näml, in den kleinasiatischen Kolonien — F§ ^« «nw-
x^<7«v, vgl. oben S 34 ff. — cüv, näml. rcüv /3«<>/3«pwv — F?i«v-
<7«vr<, , näml. «i '/wvk?.
123. vo^/^«,?, 'in gesetzlicher, rechtmäßiger Form', im Gegensatze
der jetzt herrschenden Gewalt — o^ o^x k^«pxkl, näml. in den
Augen der Lakedämonier — <l«<7^<,^«/klaH«l, näml. durch die Perser
— <lklvo'rk^>« , näml. Schläge, Körperverstümmelungen :c., wie sie bei
den Persern üblich waren — kx«vol, näml. oi /3«^«?ol.
124. //k/l<7rov ckk . . «r«^, vgl, so im Folg. § 128: 8 ck« ?l«v-
rcuv ckklvor«r«v, or«v «? Uz? ste. — ^.kvs^ol? kiv««, zum prä
dikativen Dativ vgl. oben § 95: ckovX««? ö^>s^«l /kva^kvlll? u. die
Bemerk, zu § 3 S, 15. Zur Sache vgl. unten H 134.

<^r. XXXV.

(125) Wem anders muß man die Schuld hiervon zuschreiben als
den Lakedamoniern, die im Besitze einer so großen Macht es ruhig mit
ansehen, wie die, welche ihre Bundesgenossen geworden sind, so Schreck
liches erdulden, der Barbar aber mit der Kraft der Hellenen seine Herr
schaft befestigt? Und früher haben sie die Tyrannen vertrieben, und
dem Volke die nöthige Hilfe geleistet, jetzt aber haben sie sich so sehr*
geändert, daß sie die Freistaaten bekämpfen, und die Alleinherrschaften
Monarchien) aufrichten helfen. (126) Die Stadt der Mantineer we
nigstens haben sie, als der Friede bereits geschlossen war, zerstört, und
die Kadmea der Thebaner besetzt, und jetzt belagern sie die Olnnthier
und Phliasier, und helfen dem Amvntas, dem Könige der Makedonien
und dem Dionysios, dem Tyrannen von Sicilien, und dem Barbaren,
der über Asien herrscht, damit sie nur eine möglichst große Herrschaft
haben. (127) Ist es nun aber nicht ungereimt, wenn die Führer der
80 I8oKrate8, ?aue^riKo8. Oap. XXXV, 125—127.

Hellenen einen einzigen Mann zum Herren so vieler Menschen machen,


daß selbst ihre Zahl aussindig zu machen nicht leicht ist, die größten
Städte aber nicht einmal ihre eigenen Herren sein lassen, sondert sie
zur Sklaverei zwingen oder ins größte Unglück stürzen? (128) Das
Allerschlimmste aber ist, wenn man sieht, wie die, welche die Hege»
monie beanspruchen, täglich gegen die Hellenen zu Felde ziehen, mit
den Barbaren aber für alle Zeit ein Bündniß abgeschlossen haben.'
12b. rHv «^/^v rHv «^roi5 x«r«<7xkv«^o^kvov, 'seine Herr»
schaft begründet, befestigt', näml. seine einflußreiche Stellung in Hellas
— roi>? rvyu'vvov« ^/3«^ov, die Spartaner galten für M<7orv-
p«w«l, denn sie vertrieben die Kypseliden aus Korinth und Ambrakia,
den Lygdamis aus Naxos, halfen den Athenern die Pisistratiden ver>
treiben, u. dgl. (?Iut. äs maüßn. Heroäot. p. 859, e u. Ileroä. 5, 63)
— r«? /3o^sk/«?, 'die nöthige Hilfe' — r«i? ?lo^lre/««?, hier im
Sinne von 'Freistaaten', 'Demokratien', im Gegensatze des folg. ^ov-
«?//«?; vgl. 9 § 51 : ^/ov'/ikvol xov^l>or^«v x«l vo/il/«ur^«v
«»>«l ^^v ^«/opov /3«<7l).kl«v rcüv oi'xol ?io^l^klluv. Zum Ge
danken unsrer Stelle vgl. vioäor. 14, 19: r«?? ck^o^«r/«l? ?ip<,<7-
xu?irovrk? oi ^l«xkck«l/«ivlol ckl' <)Xl/«^/lN? k/sov'^ovro r«? ?iö-

126. rHv ^i«vr«vkwv ?i<>ilv . . «v«<7r«rov ^?l0l^<7«v, näml.


im I. 385 (2 Iahre nach dem Abschlusse des antalkidischen Friedens)
zwangen die Lakedämonier die blühende demokratische Stadtgemeinde
Mantinea durch Belagerung, sich in aristokratisch regierte vier Dorf»
lchaften aufzulösen, vgl. Xeuoxb. Hellen. 5, 2, 1 ff. u. Curtius' Griech.
Gesch. III. S. 230 ff . — rHv O^/3«/luv Hs«<l/«k/«v x«rk^,«/3ov, näml.
im I. 382 durch Phöbidas, vgl. Xsuupu. Nellen. 5, 2, 25 ff. u. Cur
tius a. a. O. S. 240 ff. — 'Mvvs/ov? ««i «p^,l«<7l<,v? , Xsuopli.
a. a. O. 5, 2, 12 ff.; 5, 3, 10 ff.; Curtius a. a. O. S. 245 ff. —
^lowa/tz>, näml. dem Aeltern — Aov<7lv, näml, die ebengenannten
drei Fürsten Amnntas, Dionysios und der Perserkönig.
127. i'v« ^iv «v<l<>«, näml. den zuletzt erwähnten Perserkönig
— nk^l/3«).).«v, mit etwas umgeben, umstricken, dah. hier: ins Un
glück stürzen; vgl. 5 § 50: ckkckl«'r«? ^H O^/3«5ol /ik/^o<7lv «vrov?
Der Stoff unserer Schüler-Bibliothek ist mit Sorgfalt
und Gewissenhaftigkeit aus den Ergebnissen eigener und
fremder Forschungen auf dem Gebiete des klassischen Alter-
thums entlehnt. Aus diesem Grunde dürfte die Bibliothek
auch demjenigen Lehrer, der durch seine Berufsarbeiten
den Fortschritten der philologischen Wissenschaften nach allen
Seiten zu folgen verhindert ist, eine nicht unwillkommene
"sei". ^ Wilhelm Freund.

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2)er lernenden Jugend das Verständniß der berühmtesten
Geistesschöpsungen der Griechen und Römer zu erleichtern,
ihr von dem Leben und Wirken dieser beiden Völker nach
allen Richtungen Kenntniß zu verschaffen, und durch Neides
ihr das Bild jener großen, ewig mustergiltigen Vergangen
heit so klar und lebendig vor die Seele zu sühren, daß es
ein ihr bleibendes Vesitzthum sei sür das ganze Leben: das
ist die Aufgabe, welche sich die Schülerbibliothek des
griechischen und römischen Alterthums gestellt hat.
Sie zersallt hiernach in solgende drei Hauptabtheilungen:
I. PriiMationen zu den griechischen und römischen
Schulllassikern:.,., . ) - ,-
II. Politische und Literatur-Geschichte der Griechen und
Römer; und endlich
in. Griechische und römische Alterthiimer mit Einschluß
der Religion.
Sie soll vor Allem den Schüler in den Stand sehen,
die von ihm gelesenen Klassiker zu verstehen und den
Stoff in sich auszunehmen, den dieselben sür die Kenntniß
sowol der klassischen Sprache als der Geschichte und der
Alterthiimer der klassischen Völler darbieten. Es ist daher
bei der Besprechung der einzelnen Stellen aus Grammatik,
Stilistik, Lexikologie, Geographie, Geschichte und Alterthümer
in weitester Ausdehnung Rücksicht genommen worden.
Der Kreis der mit Präparationen versehenen Klassiker
ist von uns möglichst weit gezogen worden; und indem sich
die Erklärungsweise streng nach dem Grade der Caftacität
des Schülers richtet, begleiten wir denselben durch die ver
schiedenen Stufen seiner geistigen Entwickelung von Cor
nelius Nepos bis hinaus zu Horaz und Tacitus
und ebenso von Xenophon's Anabasis bis zu Pluto'
Demosthenes und Sophokles.
IsoKratss, ?lws^riKos. (üap. XXXV, 128. XXXVI. 81

<7v/<Po<»«l? ?ik^l/3«^lu<7l , und 6 § IN: «lO/vve»; r^v ?!oXl»' ?lk^>l.

128, o ckk . . cktlvor«rov (^<7rl roi!io), ar«»' r^ ete., vgl. im


Vorsteh. § 124: /<^l<7rov ckk ru>v x«xlüv, orav ete., und ähnlich
unten § 176: c> ckk ?i«^rcuv x«r«/kX«<7ror«ro»', orl rcüv /k^^>«^.

lovrk?. — «nl /«kv . . ?i^>ü? ckk ete., eine dreisache Antithese (vgl.
unten § 179):

c>i'. XXXVI.
(129) 'Auch möge Niemand glauben, ich sei misgestimmt, weil ich
mich darüber etwas hart ausgesprochen und doch vorausgeschickt habe,
ich wollte über die Aussöhnung reden. Denn nicht um den Staat der
Lakedämonier bei den Anderen anzuschwärzen, habe ich in dieser Weise
über sie gesprochen, sondern um sie selbst, so weit es meine Rede ver
mag, von einer solchen Gesinnung (Denkungsart) abzubringen. (130) Es
ist aber nicht möglich, Iemanden von seinen Fehlern abzubringen, oder
ihn zu überreden , daß er sich einer andern Handlungsweise befleißige,
wenn man nicht seine jetzige nachdrücklich tadelt. Für eine Anklage
aber muß man es halten, wenn Iemand schmäht, um zu schaden, da»
gegen für eine Ermahnung, wenn er dergleichen thut, um zu nützen.
Denn man darf dieselben Worte nicht auf gleiche Weise auslegen,
wenn sie nicht in gleicher Absicht gesprochen sind. (131) Sodann haben
wir aber auch das an ihnen zu tadeln, daß sie zwar ihre Grenznach»
baren zwingen, ihrer Stadt als Heloten zu dienen, für die Gesammt»
heit der Bundesgenossen aber nichts von der Art unternehmen, obwol
es ihnen freisteht, sich mit uns zu versöhnen und alle Barbaren zu
Schutzbürgern des gesammten Hellas zu machen, (132) Und doch sollten
diejenigen, welche von Natur und nicht blos in Folge ihres Glückes
hohes Selbstgefühl besitzen, weit eher solche Unternehmungen versuchen,
82 IsoKrates, ?aueßMKos. «ap. XXXVI, 129—131.

als den Inselbewohnern Tribut auferlegen, mit welchen man billiger


Weise Mitleid haben muß, wenn man sieht, wie sie wegen Mangel an
Land Berge anzubauen genöthigt sind, während die Festlandbewohner
wegen Ueberfluß an Land den größten Theil desselben unbebaut liegen
lafsen, und doch von dem, was sie benützen, so großen Reichthum sich
erworben haben.'
129. <?v<7xoXcu« Akl^, misvergnügt, misgestimmt sein, vgl. 3
§ 1: ckv<7xo^uu? t/ov<7l n^ö? rov; ^o/ov?, und unten im ^reop»F.

rolv^/v t/ovr«? rHv ^Xlxl«i' — ?lpatl?lcu»', näml. oben ß 19 —


?lk^l ckl«^lX«/u<v, näml. über die Aussöhnung zwischen Athen und
Sparta — rol«v?^v rHv ^vcu^v, 'eine solche Denkungsart', 'solche
Grundsätze'.
130. rol? ?l«^>c>v<7lv, Neutrum: 'seine jetzige Handlungsweise',
'sein jetziges Betragen' — x«r^/ol>k?v, Objekt zu ^«<7s«l: 'für eine
Anklage halten' — röv ^äp «vröv 1,o^ov ste,, vgl. denselben Ge
danken 8 § 71 ff.: vvv cki ?lpö? vM^ ?i<»c>M«l rov? Lö/ov?, ov

«/kl»', «X<!,« roli^ /«^v «?il /3^«i?ss Xc>l<5o^ovvr«? /<l<7klv «!? x«-

^?r«lvtl»' x«l /3k^rl'aroo? rcüv maXlicü»' vo^l'^kl»'. Vgl. ähnlich


^due. 1, 69; 8: x«l ^l^ckkl? ^/<cüv ^?l' i/sl>« rü ?iXk<iv ^ «iris.
vo/<l<7ss r«ckk X^/k<7s«l' «lr<« /<^v /«^> ^,l'>!,luv «vck^>cüv ^<7rl»

131. t?lll x«l ^aii^' k/o^kv ete., zur Begründung des voran
gehenden k?ilrl//?/<7V : so haben wir denn auch dies noch ihnen vorzu
werfen «. — rov? ö^o^ov?, näml. die Mrsfenier — tt^curkvel,
Kraftausdruck: 'als Heloten dienstbar zu sein', als Gegensatz zum folg.
nt^>lc>l'<c<iv?, 'Periöken', 'Schutzbürger', welche bürgerlich frei und nur
zu gewissen Abgaben und zum Kriegsdienste verpflichtet waren, während
IsoKrates, ?ansF>-riKo8. 6ap. XXXVI, 132. XXXVII. 83

die L?Xcurk? Staatssklaven (ck^/«o<7eol ckov^ol od. ckoMol roö xoi-


vav) waren, vgl. Irieuu. III. S. 108 ff. Der Gedanke unsrer Stelle
ist also: während die Spartaner ihre (hellenischen) Nachbarn (die Messe»
nier) als 'Sklaven' behandeln, wollen sie die Barbaren nicht einmal
zu 'Schutzbürgern' von Hellas machen helfen — r« npö« ^«?, milder
allgemeiner Ausdruck für r«? npo? ,)^«? I/sp«?, wie es bestimmter
oben § 15 heißt: lu? ^^ ckl«XV<7«/<t»'c>V? r«? ?lpö? M«? «vrov?

132. rov? v^alcur«;, näml. den Bewohnern der Insel Kythera,


Sphakteria, Zakynthos der Kykladen u. a. — op^ /ku<p/k?v, vgl. 8
ß 117: ^/«/«^>k5? /^v /«iv ovx t^ovrk?, ?l^r§>«? <5k /klu<>/<iiivrk?.
Ebenso die Bewohner der gebirgigen Kykladen, — ^?ik^ulr«?, näml.
die das kleinafiatische Festland besitzenden Perser — rHv n^ki<7ryv
«vr^?, näml. iH? Xcu?«?, vgl. so oben ß 34: rHv ?iXtl<7r^v rH?
^cul>«? x«i«/<"'r«?, u. Krüger's Sprachl. 47, 28, 9. — ^ ^? ckF,
s. v. a. ^x r«vr^? ck^ ^v ete.

Lxr. XXXVII.
(133) 'Ich glaube aber, wenn Leute anderswoher kämen und die
gegenwärtigen Verhältnisse mitansähen, so würden sie uns Beide eines
großen Wahnsinnes beschuldigen, daß wir wegen Kleinigkeiten solche
Gefahren bestehen, während es uns doch freisteht, Vieles in Ruhe zu
besitzen, und daß wir unser eignes Land zu Grunde richten, anstatt
von Asien Ertrag zu ziehen. (134) Und für Ienen gibt es nichts
Wichtigeres als auf Mittel zu denken, wie wir niemals aufhören möch
ten, gegen einander zu kämpfen; wir aber sind so weit davon ent
fernt, seine Angelegenheiten in Unordnung zu bringen oder inner«
Z.vistigkeiten hervorzurufen, daß wir sogar die Unruhen, die zufällig
bei ihm ausgebrochen sind, mit zu beendigen versuchen, indem wir von
den beiden Kriegsheeren bei Kypros ihn das eine benutzen, das andere
belagern lafsen, obwol doch beide Hellas gehören. (135) Denn die Ab
gefallenen sind uns ebenso befreundet, wie sie sich den Lakedämoniern
hingeben, und von denen, welche mit Tiribazos auszogen, ist nicht nur
der Kern des Landheers aus diesen Gegenden gesammelt worden, son»
6'
84 IsoKr»tes, ?aneF>rHos. ciap. XXXVII, 133—136.

dern auch der größte Theil der Seemacht aus Ionien mitgeschifft, die
doch alle viel lieber gemeinschaftlich Asien verheerten, als sich gegen
seitig um Kleinigkeiten Gefahren aussetzten. (136) Aber dafür tragen
wir keine Fürsorge, sondern wir streiten um die knkladischen Inseln,
während wir so viele Städte und so bedeutende Streitkräfte dem Bar
baren so ohne Weiteres überliefert haben. Deswegen hat er nun auch
Einiges schon jetzt, Anderes wird er bald haben; noch auf Anderes
lauert er, mit Recht uns Alle verachtend. (137) Denn er hat durch»
gesetzt, was Keiner seiner Vorfahren jemals. Denn daß Asien dem
Könige gehöre, ist von uns und den Lakedämoniern anerkannt worden,
und die hellenischen Städte hat er in so unumschränkte Gewalt be
kommen, daß er einige von ihnen niederreißt, in anderen Burgen be
festigt. Und alles dieses ist durch unsern Unverstand, nicht aber durch
seine Macht geschehen.'
133. x«r«xvlüv«l /<«vi«v «^or«^«»v ^luv, uns Beiden Wahn
sinn zuerkennen, zuschreiben, uns Beide für wahnsinnig erklären; vgl, 8
§ 17: oi^«l n«vr«? ö/««? x«r«/vcu<7kas«l no^H»' «vol«v ic«l
/<«vl«v rcüv «<llx<«v ?lXkovk^«v tiv«l vo^l^ovrcuv. — ovrcu, zu
xlvckvvkvo^k»' gehörig: 'wir bestehen so große Gefahren'.
134. ry? ^kv, näml. dem Perserkönige, aus dem vorangehenden
rHv '^1<7l'«v zu entnehmen: dem Könige desselben — ro5v <7l^«io?lk-
<lolv rc,lv ?lt^l A>'?lpo»', der Fürst von Kypros Euagoras war vom
Perserkönig abgefallen (vgl. im folg. § ot ä^karci?«?) und suchte Bei
stand bei den Hellenen, den er bei Athen, aber nicht bei Sparta fand,
daher er Feind desselben wurde; ihn bekriegte Tiribazos mit ionischen
Schiffen und hellenischen Söldnern; vgl. über diesen Krieg im Folg.
§ 141 u, 161.
135. ot «Pkarcürk?, näml. Euagoras und seine Angehörigen und
Freunde — ^x rcüvckk rcüv ro?lcuv, näml. rcöv !LÄ,1^»'l«c2v — ol,
näml. die beiden feindlichen Heere npo? «^^ov«, näml. Hellenen
gegen Hellenen.
136. ?ikpl «Uiv r<üv H^x^«ckcu»' v^<7lu»' «/<Pla/^roö^kv, über
diesen Streit ist nichts Näheres bekannt — ro<7«vi«; rö n^/so« ete.,
vgl. oben zu ß 33 — «'«5, 'unüberlegt', 'leichtsinnig', 'so ohne Wei»
WIiratSs,?aueF7riKo8. Oap.XXXVII, 137. XXXVIII, 138. 85

teres' — r« <l« fik^ei, elliptisch, näml. k/kev; vgl. 10 § 26: r«?


^«^v F?l<>l>sovv, r«? ck' Mk^o»', und 12 § 103: oörk ?lll'^/ovrk?
x««öv ovcki»' ovrk MX^ovrs? oörk ckkcklörk«; vgl, auch Kriiger's
Sprachl. 55. 4, 11.
187. ckl«nk?i?«xr«l, das Medium in activer Bedeutung: 'er hat
durchgesetzt' — <5lcu/<oXo/^r«l, näml. im antalkidischen Frieden —
?lo'ikl« r«? '^^.^v/ck««, näml. in Kleinasien — x«r«<7x«?lrtlv,
näml. die Befestigungen derselben schleifen — k»' ck« r«?«, näml. «v-
rcüv, correspondirend mit dem vorangehenden r«? Mv «vrcü^ (näml.

c^r. XXXVIII.
(138) 'Nun bewundern zwar Manche die Größe der königlichen
Macht und sagen, er sei schwer zu bekriegen, indem sie aufzählen, wie
viele Umwälzungen er bei den Hellenen bewirkt hat. Ich aber glaube,
daß diejenigen, welche dieses sagen, den Feldzug nicht abwenden, son
dern beschleunigen. Denn wenn er dann, wann wir einig sind und
er in Unruhen verwickelt ist, schwer zu bekämpfen sein soll, so muß
man wahrlich jenen Zeitpunkt sehr fürchten, da die Angelegenheiten
der Barbaren Bestand gewonnen haben und in Gintracht geleitet wer»
den, wir aber, wie jetzt, in einem feindlichen Verhältnisse (feindselig)
zu einander stehen. (139) Indes auch wenn sie so für meine Behaup
tung sprechen, so haben sie dennoch keine richtige Ansicht von seiner
Macht. Denn wenn sie gezeigt hätten, daß er früher einmal beide
Staaten zugleich überwunden hat, so würden sie uns vielleicht auch
jetzt mit Recht in Furcht zu setzen suchen; wenn dies aber nicht ge
schehen ist, sondern nur, seitdem wir und die Lakedämonier einander
Feind sind, er durch seinen Beitritt zu der einen Partei die Lage der»
selben glänzender gemacht hat, so ist dies kein Zeichen seiner Stärke.
Denn unter solchen Zeitumständen haben oft schon kleine Mächte wich
tige Entscheidungen herbeigeführt; so könnte ich auch von den Chiern
die Behauptung- aufstellen, daß immer diejenigen, an welche sie sich
anschließen mochten, zur See die Oberhand hatten.'
138. rcüv /3«<7lXkluk il^>«/<««r«<v, prägnant: 'der Macht des
86 I8oKrate8, ?aueg^riKo8. ^i>. XXXVIII, 139. XXXIX.

Königs', 'der königlichen Macht' — no^«? r«? ^kr«/3o).«?, vgl.


oben § 22: no^X«? r«? /«kr«/3o>l,«? ///vk<is«l ft«? /«p ckvv«<7rkl«?
ovckk'?iork ral? «örol? ?i«p«^kvklv) — ^v i«<,«/«l?, 'in Unruhen,
in unruhigen, verwirrten Zuständen' (in Folge von Empörungen u. dgl.>
— ^«^k?iö? ?lpo<7?lo^k/iklv, so im intm. aetiv. (nicht npo<7?io1,k/Uk5-
<7s«l): 'schwer (ihn) zu bekriegen'; vgl. DemoztQ, 2 § 22: ki r^ r«?
röv ^/il?l?iov ^>o/3k<>i>v ?ipal7?loXk^^<7«l vo//^k«. — x«r«<7i^, als
Gegensatz zu t'v r«p«/«s? «vr«: 'Bestand gewonnen», sich befestigt
haben.'
139. <7vv«xo?kv<,v<7l, näml. die zu Anfange des vor. § erwähn
ten «l H«l>/i«^«vrk? ro ^^/kso? rcüv /3«<7l^,«w« ^«///«rwv —
rol? v?l' ^oi> ikxo^^oi?, näml. daß man die Perser bekriegen
müsse — oick' w?, näml. ungeachtet dieses ihres Zugeständnisses —
rolv ?lo^olv, näml. Athen und Sparta — /«/«X«? r«? ^o?i«?
^?ioi^<7«v, 'sie haben großes Gewicht in die Wagschale gelegt, große,
wichtige Entscheidungen herbeigeführt' — ?«p! ^r/«,v, nach luue. 8,
14 ff. brachte der Abfall derselben von Athen den Spartanern das
Uebergewicht zur See, nach Nioäor. 14, 94 verloren sie dasselbe wieder,
als die Chier nach Konon's Siege bei Knidos von ihnen absielen und
ihre Flotte den Athenern zu Gebote stellten,

Ox?. XXXIX.
(140) 'Aber man darf billiger Weise die Macht des Königs nicht
nach dem beurtheilen, was in Gemeinschaft mit Einem von uns ge
schehen ist, sondern nach dem, was er allein und für sich selbst im
Kriege gethan hat. Und zwar zuerst bei dem Abfalle Egnptens: was
hat er da ausgerichtet gegen die, welche es inne haben? Hat er nicht
zu diesem Kriege die berühmtesten Perser, Nbrokomas, Tithraustes und
Pharnabazos abgeschickt? und sind diese nicht, nachdem sie drei Iahre
lang dort verweilt und mehr Schaden gelitten als angerichtet hatten,
zuletzt so schmachvoll abgezogen, daß die Abgefallenen nicht mehr mit
ihrer Freiheit zufrieden waren, sondern bereits ihre Herrschaft auch
über ihre Grenznachbarn auszudehnen suchen? (141) Darauf zog er
gegen Euagoras zu Felde, der über eine einzige Stadt herrscht, in
IsoKiÄtes, ?aneß7riKos. Oap. XXXIX, 140. 141. 87

dm Verträgen preisgegeben ist und als Inselbewohner im Seekampfe


Unglück hatte, zum Schutze seines Landes aber nur dreitausend Leicht
bewaffnete hat: und dennoch kann der König eine so geringe Streit
macht im Kampfe nicht überwältigen, sondern hat schon sechs Iahre
hingebracht, und wenn man von der Vergangenheit auf die Zukunft
schließen darf, so ist weit mehr Hoffnung vorhanden, daß noch ein
Andrer abfallen werde, bevor Iener zur Uebergabe gewungen wird.
Solche Langsamkeit herrscht in den Unternehmungen des Königs. (142) In
dem bei Rhodos geführten Kriege aber, da er die Bundesgenossen der
Lakedämonier wegen der Härte ihrer Verfafsungen zu Freunden hatte
und unfre Schiffsmannschaft benutzte, da Konon fein Heer befehligte,
der von allen Feldherren der umsichtigste war, bei den Hellenen das
größte Vertrauen genoß und die Gefahren des Krieges am besten
kannte, ließ er es doch, obwol er einen solchen Mitkämpfer erhalten
hatte, drei Jahre hindurch geschehen, daß die Seemacht, die für Asien
kämpfte, von nur hundert Trieren blokirt wurde, und entzog seinen
Soldaten den Sold für fünfzehn Monate, fo daß sie, fo weit es auf
ihn ankam, sich oft aufgelöst hätten, wegen der drohenden Gefahr aber
und wegen des bei Korinth zusammengetretenen Bundes endlich mit
Mühe in einer Seeschlacht siegten. (143) Und dies ist das Königlichste
und Herrlichste, was er gethan hat, und wovon diejenigen niemals
aufhören zu reden, welche die Macht der Barbaren recht groß machen
wollen.'
140. -«?lo<7r«a^ ^l^nrov , hierüber ist sonst nichts Näheres be
kannt. Vielleicht ist aus dem Umstande, daß der König von Aegypten
Akoris den Euagoras unterstützte (vioä. 15, 3), zu entnehmen, daß dem
Kriege gegen den Letztem ein für die Perfer unglücklicher Krieg gegen
Aegypten vorangegangen war — «/«n6»', 'sich begnügten', hier mit
dem Accus, verbunden, gewöhnl, mit d. Partie, (wie 12 § 8), oder mit
dem Insinitiv (18 § 50), oder mit einem Bedingungssatze (5 § 22
7 § 52; 73 u. a.).
141. in' Lö«?l!^>«v, Konig von Salamis auf Kupros, vgl. die
Lobrede des Isokrates über denselben — /«l«? noXklu?, näml. Sala
mis; doch gewann er bald den größten Theil der Insel, vgl. 9 Z 47:
88 I8oKrate8, ?ane^riKo». Oap. XXXIX, 142. 143. XI..

r«l? <7vvs^x«l?, näml. im antalkidischen Frieden — olxcüv ck« v^-


<7ov ete., näml. als Inselbewohner bedurfte er einer starken Seemacht,
diese aber war durch eine Niederlage geschwächt — «X).' ö'^w?, Ana»
koluthie, da der Satz mit dem Participium <7^«rkl!<7«? begonnen hat
— ^«ckvrHrk?, 'Langsamkeit', 'Trägheit', 'Lahmheit'; der Plural auch
?I»t, äs leßß. p- 693, ä (entggs. r«/>?) und Vemo8tu. 18 § 246 (neben

142. rcü ?io^k/«^> rcu nkpi 'pockov, näml. in dem Seekriege, der
in der Umgegend von Rhodos zwischen den Persern und den Lakedä»
moniern geführt wurde und mit dem Siege des Konon bei Knidos,
394 v. Chr., endete. Vor diesem Siege befand sich die persische Flotte
in großer Roth und ihre Truppen erhielten 15 Monate lang keinen
Sold, Vioä. 14, 79. — rcüv ?ioil^klcüv, näml. der von den Lakedä»
moniern eingeführten Dekarchien, vgl. oben zu § 110 S. 74 — r«5«
v?ikLk<7/«l? r«?? ?l«^>' M«?v, näml. von athenischen Verbannten und
Freiwilligen, die auf der persischen Flotte dienten, vgl, ?Is,t, Neusx.
p. 245, » — ?lkplklckk, 'er sah es ruhig mit an', 'ließ es ruhig ge
schehen' — ?lollopxov^kvov, übertreibender Ausdruck: 'daß seine
Flotte drei Iahre lang blokirt wurde', statt: 'daß sie drei Iahre lang
(aus Furcht vor der lakedämonischen Flotte unter Pharax) sich auf
hoher See nicht blicken ließ' — rö <«iv ^n' ^k/v<z>, 'was, soweit es
von ihm abhing' — ckl« rHv <w////«//«v rHv ?lkpi /loplvöov <w-
<7r«<7«v, näml. wegen des Bundes, den die Böotier, Athener, Korin
ther und Argiver gegen Sparta schloffen und an dessen Spitze Korinth
stand, woselbst auch ihr Bundesheer war, vioäor. 14 § 82. Da gegen
diese Feinde Agesilaos aus Asien zurückberufen wurde, wagten endlich
die Perser eine Seeschlacht, in welcher sie siegten.
143. r«Vr«, der Seesieg bei Knidos — ^xk/vy>, näml. vom
Perserkönig.

0>i. XI..
(143) 'Daher wird wol Niemand sagen können, ich bediene mich
dieser Beispiele nicht mit Recht, oder ich halte mich bei Kleinigkeiten
IsoKrates, ?aueß^riKos. (?ap. XI^. 89

auf und übergehe die größten seiner Unternehmungen. (144) Denn


um dieser Beschuldigung zu entgehen, habe ich die schönsten von seinen
Thaten aufgezählt, ohne übrigens auch das zu vergessen, daß Derky»
lidlls mit tausend Hopliten seine Herrschaft über Neolis ausbreitete;
Diakon nach der Einnahme von Atarneus mit dreitausend Peltasten,
die er zusammengezogen hatte, die mvsische Ebene verheerte; Thibron
nur wenig Leute mehr übersetzte, und doch ganz Lndien verheerte und
Agesilaos mit Hilfe des Heeres des Cyrus beinahe des ganzen Landes
diesseits des Halns sich bemächtigte. (145) Und auch das Heer, welches
mit dem König herumzieht, und die Tapferkeit der Perser verdienen
nicht, daß man sich vor ihnen fürchtet; denn es ist von denen, welche
mit dem Kyros hinaufzogen, ganz deutlich bewiesen worden, daß auch
sie um nichts besser sind als die am Meere. Denn die anderen Schlach
ten, in denen sie unterlagen, will ich übergehen, und ich nehme an,
daß sie uneinig waren und nicht gern gegen den Bruder des Königs
kämpfen wollten. (146) Als aber nach dem Tode des Kyros alle Be
wohner Asiens sich vereinigt hatten, haben sie selbst unter so günstigen
Umständen gleichmol den Krieg so schmachvoll geführt, daß sie denen,
welche gewohnt sind, die Tapferkeit der Perser zu loben, kein Wort zu
sagen übrig ließen. Denn da sie hier auf sechstausend Hellenen trafen,
die nicht etwa mit Rücksicht auf ihre Tüchtigkeit auserlesen waren,
sondern wegen ihrer Dürftigkeit nicht mehr im Stande waren, in
ihrer Heimat zu leben, und der Gegend unkundig, von Bundesgenossen
entblößt, von denen, welche mithinaufgezogen waren, verrathen, und
des Feldherrn, dem sie gefolgt, beraubt waren, (147) unterlagen sie
denselben doch so sehr (waren ihnen so wenig gewachsen), daß der König,
in Verlegenheit wegen seiner Lage und ohne Vertrauen zu seiner eigenen
Kriegsmacht, die Anführer der Hilfstrupven ungeachtet des Vertrages
(des zugesicherten Geleites) gefangen zu nehmen sich erdreistete, um
durch diesen ungesetzlichen Schritt das Heer in Verwirrung zu bringen,
und daß er es vorzog, sich gegen die Götter zu vergehen, als gegen
Jene offen zu kämpfen. (148) Da aber seine Hinterlist fehlschlug, und
die Soldaten zusammenblieben und ihr Unglück in rühmlicher Weise
ertrugen, schickte er ihnen bei ihrem Abzuge den Tissaphernes und die
90 l80Kr3,te8, ?ÄNe8^riK08. vap. XI^, 143 — 146.

Reiterei mit, und obwol ihnen von diesen während des ganzen Marsches
Hinterhalte gelegt wurden, so vollendeten sie dennoch ihren Marsch so,
wie wenn sie von ihnen das Geleite erhielten, wobei sie sich am meisten
vor dem unbewohnten Theil des Landes fürchteten, und es für den
größten Vortheil hielten, wenn sie auf recht viele Feinde trafen.
(149) Das Ergebnis des Gesagten aber ist folgendes: Obwol Iene nicht
um Beute zu machen gekommen waren und nicht ein Dorf erobert
hatten, sondern gegen den König selbst zu Felde gezogen waren, so
zogen sie doch sicherer zurück als die, welche in Freundschaft zu ihm
gesandt werden. Deshalb scheint es mir, als ob sie (die Perser) aller»
orten ihre Feigheit deutlich gezeigt hätten. Denn sie sind an der
asiatischen Küste in vielen Schlachten unterlegen, und als sie nach
Europa herüber kamen, wurden sie dafür gestraft — denn die Einen
von ihnen gingen schimpflich zu Grunde, die Andern wurden schmählich
gerettet —, und endlich sind sie dicht unter (vor) dem Königssitze zum
Gespötte geworden.'
143. (Forts.) rovro, auf das folg. lö« ov . . /^>lü^«l ete. als
Objektsatz hinweisend,
144. ^xk/vwv, näml, rcüv ^,/wv, durch die folg. Beispiele ge
nauer bestimmt, welche die Schwäche der Perser beweisen — ^kpxv-
I/ck«?, der lakedämonische Feldherr, der im Herbste des I. 399 den
Thibron in Asien ablöste und in acht Tagen neun Städte eroberte,
XeuooK. Hellen. 3, 1, 8 ff.; 3, 2, 1 — /l^ux«,v, er wurde von Der»
kylidas als Harmost in das von ihm eroberte Atarneus (in Mysienf
eingesetzt, Xeuovn. Hellen. 3, 2, 11. — O/^wv, der später nochmals
nach Asten gesandt wurde, verwüstete das persische Gebiet, siel aber
in einem Gefechte, Xeno^I,. Hellen. 4, 8, 1? ff. — rL H^k/<«
ssrp««vMrc, näml. das Heer, das von dem verunglückten Kriegszuge
des jüngern Cyrus zurückgekehrt war, Xeuopb. Hellen. 3, 4, 20.
145. rHv /«r« rov /3«<7/).kw?, näml, als seine Leibtruppen,
Leibwache — ^kivol ^?ik<>«'/H>?<7«v, von ihnen wurde bewiesen, hin»
sichtlich ihrer wurde der Beweis geführt, daß sie :c.
146 L^ov «^kl>r^<7«vro?, näml. in der Schlacht bei Kunaxa,
401 v. Chr., Xeuonli. H,u»b. 1, 6, 19 — ^v rol'role ro5? x«<p<>l?,
IsoKrates, ?aueß?riK0s. c!ap. XL, 147—149. XIvI. 91

prägnant: 'unter so günstigen Umständen' — ^«^övrk;, 'da sie trafen,


stießen auf sie', s. v. a. r^ovrk?, ukweti; vgl. oben § 73: (^ ?lo^l?)
rolol>rcuv «vr«/luvl<7rcüv rv^oiia« — «^«xl<7XlXic>v?, absichtlich eine
geringere Zahl; nach Xsnoxu. Hv.ad. 5, 3, 4 waren es 8600 Mann
— «?l<7rc>cky»', 'nach ihrer Tüchtigkeit' — <?<« </,«vX6r^«?, zum
Plural vgl. oben ß 11 die Bemerk, zu /«tr^or^r«? S. 20. — v?li>
L«lv avv«v«/3«vrcu»', näml. von den Persern unter Ariäus, s.XeuopIi.
H^i»d. 2, 4, 2; 3, 1, 2. — rov <7rp«r^o5, näml. des Cyrus.
147. x«r«Pl>ov^<7««, 'zu gering denkend von' lc,; vgl. von dem»
selben 5 § 91i oörcu <7c/?o<5^>« ^««^o»'^<7kv c> /3«<7eXki'? r^?; ?lk^>l
llvrüi' ckvv«/<k«>?, <3<7rk ete. — v?lo<7?lovFov;, 'unter dem Ver»
trage', d. i. ungeachtet des Vertrages, des sichern Geleites — <7l>XX«-
/?kev Fro^/<>?<7kv, zur Sache vgl. Xsuopli. ^,uad. 2, 5 ff. — ^x rov
^«vkpov, 'osfen'.
148. vc/,' luv ^?ll/3ovXk,)o^k»'c>l gehört zusammen: 'von welchen
bedroht', 'durch Hinterhalte gehemmt' — cklk?r<ip5vs<?<7«v, in activer
Bedeutung: 'sie vollendeten ihren Marsch' — luank?««! n^onk^«o'.
^kvol, 'wie wenn von ihnen geleitet', 'wie wenn sie unter ihrem Ge»
leite marschirten' — rHv «ol'x^rov r^? /lup«?, 'den unbewohnten
Theil des Landes', vgl. oben § 34 u. § 132: rHv n^kl'ar^ r^? ^cu-
p«?, s. die Bemerk, zu d. Stellen,; u. vgl. 9^ß 56: rH? ckvv«Mlu?

149. xkc/,«X«lov ck« ru?v k^^^cuv, elliptisch, hinzuzudenken


io<?r' ^arlv: 'die Summe, das Ergebnis des Gesagten' — ckoxooalv,
näml. die.Perser — rkXkvrcüvrk?, hier in der Steigerung zum höchsten
Grade der Schwäche: 'endlich' — in' «ör<,?? rc>?; /?«<7lXkiol;, 'oicht
unter >den Königsmauern, dem Königssttze', weil näml, Kunaxa nur
500 Stadien von Babylon entfernt war; vgl. Xenopd,. H,u2,b. 2,4,4:

c?^i>. xi.i.
(150) 'Und hiervon ist nichts ohne Grund (wider Erwarten) ge
schehen, sondern Alles ist natürlich zugegangen. Denn es ist nicht
92 IsoKr2tes, kane^riKos. Oap. XI.I.

möglich, daß Leute, die so erzogen und regiert werden, an irgend einer
Tugend Theil haben oder in den Schlachten über die Feinde ein Sieges»
zeichen errichten (können). Denn wie könnte bei ihren Einrichtungen
sich ein tüchtiger Feldherr oder ein guter Soldat bilden, da der größte
Theil von ihnen ein ungeordneter und kampfesunkundiger Haufe ist,
für den Krieg entkräftet, zur Sklaverei aber besser als unsre Haus»
sklaven gezogen; (151) und da die, welche bei ihnen im größten An
sehen stehen, niemals, weder für das Gemeinwesen noch für ihre Mit»
bürger, auf gleichmäßige (charaktervolle) Weise gelebt haben, sondern
ihre ganze Lebenszeit damit zubringen, gegen die Einen übermüthig,
gegen die Anderen knechtisch zu handeln, wie Menschen nur immer
ihren Charakter verderben können, da sie in Folge ihres Reichthums
in körperlichen Genüssen schwelgen, geistig aber in Folge der Allein»
Herrschaft gemein und feig sind, vor dem Königspalaste sich zur Auf
wartung einsinden und sich niederwerfen und auf jede Weise sich einer
niedrigen Gesinnung befleißigen, indem sie einen sterblichen Mann fuß»
fällig (sich niederwerfend) verehren und ihn als Gottheit anreden, und
die Götter geringer achten als die Menschen. (152) Daher machen auch
diejenigen unter ihnen, welche an das Meer (an die Meeresküste) her-
unterkommen und die sie Satrapen nennen, ihrer dortigen Erziehung
keine Schande, sondern sie bleiben bei denselben Sitten, indem sie sich
gegen Freunde treulos, gegen Feinde unmännlich zeigen, und bald
kriechend, bald hochmüthig sind, die Bundesgenossen mit Verachtung
behandeln, den Feinden aber sich gefällig erweisen. (153) Das Heer
unter Agesilaos wenigstens haben sie acht Monate lang auf ihre eigenen
Kosten unterhalten, denen aber, die für sie Gefahren bestanden, haben
sie den Sold für eine doppelt so lange Zeit entzogen, und unter die,
welche Kisthßne eroberten, vertheilten sie hundert Talente, die aber,
welche mit ihnen nach Kypros zu Felde gezogen waren, behandelten
sie übermüthiger als die Kriegsgefangenen. (154) Um es aber kurz zu
sagen, und nicht über jedes Einzelne, sondern nur im Allgemeinen zu
reden: wer von denen, welche mit ihnen Krieg führten, ist nicht mit
Vortheilen aus dem Kampfe gegangen, und wer von denen, welche
unter ihre Herrschaft kamen, hat nicht sein Leben unter Mishandlungen
l8oKrats8, ?ane8^riK08. <^ÄI>. XI^I, 150 — 152. 93

geendet? Haben sie sich nicht erfrecht, den Konon, der zum Schutze
Asiens das Heer befehligte und die Herrschaft der Lakedämonier stürzte,
gefangen zu nehme», um ihn hinzurichten, während sie den Themi»
stokles, der sie zum Besten von Hellas in der Seeschlacht besiegt hatte,
der größten Geschenke gewürdigt haben? (155) Wer sollte nun aber
wol die Freundschaft mit Leuten lieben, welche ihre Wohlthäter be
strafen, denen aber, die ihnen Schande zufügen, so ausgezeichnet schmei»
cheln? Gegen wen von uns haben sie sich nicht vergangen? Zu welcher
Zeit haben sie aufgehört, den Hellenen nachzustellen? Was ist ihnen
bei uns nicht verhaßt, ihnen, die in dem frühern Kriege auch die
Götterbilder unt/ die Tempel zu plündern und zu verbrennen wagten?
(156) Deshalb verdienen auch die Ionier gelobt zu werden, daß sie
einen Fluch darauf legten, wenn Jemand etwas von den verbrannten
Heiligthümern berührte oder sie wieder in den alten Zustand versetzen
wollte, nicht aus Mangel an Mitteln, sie wiederherzustellen, sondern
damit sie den Nachgeborenen eine Erinnerung seien an die Gottlosig
keit der Barbaren, und Niemand denen Vertrauen schenke, welche solche
Frevel am Göttlichen zu begehen wagen; sondern daß man sich vor
ihnen hüte und sie fürchte, wenn man sähe, daß sie nicht blos unsere
Personen, sondern auch das den Göttern Geweihte bekriegt haben.'
150. tx^k^vMv«,?, 'abgespannt', 'erschlafft', 'entkräftet' (das Bild
vom abgespannten Bogen); vgl. 15 § 59- ?v« /«H ?i«vr«?l«<7lv sx-
X^slü — rcüv ?i«p' H/«lv «l'xkrcüv, 'als unsre Haussklaven'.
151. o/i«^,l<?? /«iv ovckkn«unar H3/wa«v gehört zusammen: sie
haben auf gleichmäßige, charaktervolle Weise niemals gelebt — w? «v
«vHplu?l«l /««Xl<7r« . . cklll^>s«pklkv, kurzer Ausdruck für: cklk7>s«p-
^k'vol w? «v «vs^lunol /i«').«7r« . . ckl«?>H«pkikv, 'so verderbt, wie
Menschen nur immer' :c. — k^kr«^ö^kvol , zur Aufwartung bei Hofe
erscheinen — <l«//iov« n^oa«/oLkv«v«?, 'als göttliches Wesen an
redend', vgl. H.e8eil7l. ker8. 155 (Worte des Chors zur Königin Atossa):

152. ov ««r«l<Nvv«v<7l rHv kx« ?l«/ckkv<7lv, ironischer Aus


druck: sie machen ihrer in der Heimat empfangenen Erziehung keine
Schande, d. i. sie beweisen sich als schlecht erzogen; vgl. ähnlich Oemo8td.
94 IsoKrate3, ?aneA-riK0s. (^ap. XI^I, 153—156. XI.II.

cle eoronH § 261 (von Aeschines): ov ^«r^^^"'«? /"« ^l' ovck«v


rcüv ?l<»oi'?l^p//<«'luv rcu /lkr« r«5i^« ^l'cu ('du machtest deinen bis
herigen Verhältnissen durch dein neues Leben keine Schande').
153. rHv /<«r '^/>?<7l),«<»v <7r^>«il«»', nach Xsuopd. UsIIeu. 3,
4, 26 schloß Tithraustes mit Agesilaos einen Vertrag, nach welchem
dieser aus seiner Satrap« in die des Pharnabazos nach Phrugien
ziehen sollte, und dafür zahlte er ihm dreißig Talente — roi? <H . .
xlvckvvkvovr«?, näml. ^v rcü nt^>l Pockov ?lo<!,k/icu, vgl. oben ß 142
— kl^ov roaol5r<»v /pavov ete., die Zahl rhetorisch übertreibend;
nach § 142 nur fünfzehn Monate lang — ^las^'v^, eine Stadt in
Aeolis am adramyttenischen Meerbusen; das hier Erwähnte ist sonst
nicht bekannt — ki? Av?l?o»', vgl. oben § 134 ff.
154. Ao»'luv« . . ^nl s«v«rcu <7v/X«/?kl»', dies war eine viel»
verbreitete Ansicht, vgl. Xep. don. 5, 3: uouniilli eum (Lonouew)
»ä regem llbäuetum ibiq.ue eiim Periisse seriptum relillueiunt;
«outr» viuou e3ußi8se seridit. — rluv ^k/l<7rcuv cklupkcü»', näml,
der Städte Magnesia, Lamvsakos und Myus, vgl. Idue. 1, 138, 5.
155. r« skluv «<l^, eigentl.: der Götter Wohnsitze, hier: 'die
Götterbilder'; vgl. 15 § 2: cuo?ikp «v ki' ri« ^klckl'«v röv r^« !4s^-
v«^ tÄo; ^^»/«^«^kvov lo^cu'ss x«X«v xo^>o?i^«ft<»v, und I^eurß.

156. roi'? '/cuv«? </^iav kn«lvk5v ete., von den Ioniern ist das
hier Erzählte sonst nicht näher bekannt; dagegen wird erzählt, daß
vor der Schlacht bei 'Platää die Hellenen schwuren, die von den Bar
baren zerstörten Tempel nicht wieder aufzubauen, vgl. I^eurg. iu
I^oer. § 81; vioä. 11, 29; ?ausaü. 10, 35, 2. — tk^cüv, partitiv.
Genitiv zu xl^'a««v gehörig; vgl. Idue, 1, 143: nlv^<7«»'rk? rcü»'
'0XD/<?ll«<7lv H //kX^,ol; ^^«iluv — ?ioskv ^?ll<7xtv«<7cul7lv, 'wo
her sie dieselben wiederherstellen sollten'.

0xr. XI.II.
(157) 'Ich kann aber auch von unfern Bürgern dergleichen Dinge
anführen. Denn auch sie vergessen bei den Anderen, mit welchen sie
Krieg führten, fobald sie sich verglichen haben, der vergangenen Feind»
IsoKr»tes, ?aneß^riIi0s. O»p. XLII, 157. 95

schaft, den Festlandbewohnern aber wissen sie nicht einmal für Wohl
taten Dank: einen so unvergeßlichen Groll hegen sie gegen dieselben.
Auch haben unsere Väter Viele wegen Hinneigung zu den Persern zum
Tode verurtheilt, und in den öffentlichen Versammlungen stößt man
noch jetzt, bevor man etwas Andres verhandelt, Verwünschungen gegen
jeden Bürger aus, der mit den Persern unterhandeln will. Die Eumol»
piden aber und die Keryken verkünden bei der Einreihung in die My
sterien aus Haß gegen diese auch den andern Barbaren, wie den Mör»
dern, sie sollten sich von der heiligen Handlung fern halten. (156) Und
so feindselig sind wir von Natur gegen sie gesinnt, daß wir selbst unter
den alten Sagen (Mythen) am liebsten bei den troischen und persischen
oerweilen, aus welchen man jene Unglücksfälle erfahren kann. Man
wird ferner sinden, daß aus dem Kriege gegen die Barbaren Hymnen
(Loblieder) gemacht worden, dagegen aus dem gegen die Hellenen Klage
lieder entstanden sind, und daß wir jene bei unseren Festen singen,
dieser aber bei Unglücksfällen gedenken. (159) Und ich glaube, daß auch
die Dichtung Homers deswegen einen größern Ruhm erlangt hat, weil
er die, welche gegen die Barbaren kämpften, so schön verherrlicht hat,
und daß unsere Vorfahren seine Kunst bei den musischen Wettkämpfen
und bei der Erziehung der Iugend deswegen so sehr geehrt wissen
wollten, damit wir durch häusiges Anhören seiner Gesänge die mit
Jenen bestehende Feindschaft kennen lernen, der Tapferkeit jener Kämpfer
nacheisern und nach denselben Thaten wie sie streben sollen'.
157. rol«iir«, näml. solche Beweise tiefen Hafses — rol? Hnkl-
plu'r«l?, 'den Festlandbewohnern', d. i. den Persern als Besitzer des
kleinasiatischen Küstenlandes, vgl. oben ß 132j — or«v tö ?ia<7^cu<7l,
wie durch Besiegung der Lakedämonier bei Knidos — ^ck«s/<oii, der
Genitiv von x«r«^cu<)«v abhängig: 'erkannten schuldig der Anhäng
lichkeit an die Perser, der Hinneigung zu den Persern'; zugleich mit
dem Accusativ der Strafe: erkannten die Todesstrafe für die Hinnei
gung zu den Persern. Als Beispiel werden angeführt Lykibas (Ileroä.
9, 5) und Kyrsilos (DemoLtb. 18 § 104). — ^v ro?? av^o'/ol«, in
den öffentlichen (Volks», Raths», Gerichts») Versammlungen; näml. vor
Beginn derselben wurden bei den herkömmlichen Opfern und Gebeten
96 IzuKrate8, kaue^riKo8. Oap. XI^II^ 158. 159.

auch Verwünschungen («?«/) gegen die Feinde des Staates ausgesprochen


(vgl. DemoM. 18 § 130; 23 § 97); seit Aristides auch gegen diejenigen,
welche mit den Persern durch Gesandte wegen eines Friedens unter
handeln wollten (^k^pvxkv'ovro); vgl. ?Iut. H,r>8t. e. 10. — Zv-
^o^?l/ck«l x«i ^'^vxk?, zwei alte Priestergeschlechter, die unter der
Aufsicht des «<,x<uv /3«<7l^kv? den Dienst bei den eleusinischen Mysterien
verrichteten, vgl. K. Fr. Hermann's gottesd. Alterth. § 53, 25.
158. <7vvckl«r?l/3o/«v, 'wir verweilen bei ihnen', näml. hörend
oder lesend; vgl. 9 § 76: ki' r<« <ispoi<7«? r«? «<>kr«? r«? ^xk/vov
x«l r«» >lo'/w xo<7^^<7«? ?l«^«<l«/^ Hkw^klv v/Ulv x«l <7vv<ll«r<>/-
/3klv «6r«l? — l!^vov« . . s^'vov?, diese treffende Bemerkung ist
aus Gorgias' Epitaphios entlehnt, in welchem der Redner, bei der Ver>
herrlichung der Siege der Hellenen über die Perser, zeigte, 3r« r« ^iv
x«r« rcüv /3«^>/3«pc<,v rpö?i«l« ü/«v«v? «?i«lrk^, r« ck^ x«r« rcüv
^X^vwv sp^'vov? (?liiloztr«,t. Vit. 8opIii8t. p. 493).
159. rol« /3«<>/3«^ol?, näml. den Troern — /3ov)^HH»»«l r«v?
?i^o/ovov? ete., zum Gedanken vgl. I^eurß iu 1<soer. S 102: ovrw
/«<> v?l^«/3ov i>/«üv o! n«rkpk? <7?lovck«!ov «>«« ?iol^r^, u/ark
vo'^ov «skvro x«l ix«<7ri/v ?ikvr«kri/p/ck« rcüv /lllvasi/vulluv /i«-

?lolov/«kvol ?i^>ö? rov? N^l/v«? , orl r« x«^,X«<7r« rcüv k^>/wi'


?ipoV<><'kvrc,. Piststratus und nach ihm Hipparch hatten angeordnet,
daß an den Panathenäen Rhapsoden die homerischen Gedichte in ge
regelter Aufeinanderfolge vortragen sollten (s. Freund's Irieuu. III.
S. 266) — rff ?i«lckk^<7kl rc5v vkwripwv, vgl. ebendaf. S. 181:
'Nachdem die Iugend eine gewisse Fertigkeit im Schreiben erlangt hatte,
wurde zu der gleichzeitig mit zum Dictiren und Memoriren verbunde
nen Lectüre der vorzüglichsten Klassiker geschritten; vor allen anderen
zu Homer, den man als den Inbegriff aller religiösen und bürger
lichen Weisheit verehrte, und den begabte Schüler oft ganz auswendig
lernten (XsuoIili. L^mpu8. 3, 5: o ?i«rHp ^l/«lov//kvo?, önw?
«VM «/«sä« /kv«//i^v, ^v«/x«<7« M ?i«vr« i« 't>/i^ov k?i^

<7ro/i«rl>? kl?ik«v)'.
(160) 'Daher scheint mir gar Vieles vorzuliegen, was uns zum
Kriege mit ihnen auffordert, befonders aber die gegenwärtigen Zeitum
stände, die man nicht vorübergehen lassen darf. Denn es wäre schmäh»
lich, dieselben während ihrer Dauer nicht zu benutzen, und ihrer erst
zu gedenken, nachdem sie vorüber sind. Denn welche Vortheile könnten
wir uns wünschen, wenn wir im Begriffe ständen, den König zu be
kriegen, außer den jetzt vorhandenen? (161) Ist nicht Aegypten und
Cnpern von ihm abgefallen, Phönizien und Syrien durch den Krieg
verheert, Tyrus, auf das er so stolz war, von seinen Feinden einge
nommen? Von den Städten in Kilikien aber sind die meisten in den
Händen derer, die es mit uns halten, und die andern zu erlangen, ist
nicht schwer. Lykien aber hat noch niemals ein Perser unterworfm
(162) und Hekatomnos, der Statthalter von Karten, ist eigentlich schon
längst abgefallen, und wird es offen erklären, fobald wir es wollen.
Von Knidos bis Sinope wohnen Hellenen längs der afiatischen Küste,
die man zum Kriege nicht zu überreden, sondern nur nicht davon ab
zuhalten braucht. Wenn uns aber so bedmtende Stützpunkte zu Ge
bote stehen und ein so großer Krieg Asien ringsum bedroht, was braucht
man da den Erfolg allzugenau zu erforschen? Denn da sie schon kleinen
Theilen unterliegen, so ist es ganz klar, in welche Lage sie versetzt wür
den, wenn sie gezwungen wären, mit uns Allen Krieg zu führen.
(163) Die Sache verhält sich nämlich so: Wenn der Barbar die Städte
am Meere mit größerer Kraftanstrengung behauptete und stärkere Be»
satzungen als jetzt in dieselben legte, so würden wol bald auch von den
Inseln die um das Festland herumliegenden, wie Rhodos, Samos und
Chios, sich seinem Geschicke anschließen; wenn wir sie aber vorher be
setzen, so ist es natürlich, daß die Bewohner Lndiens, Phrygiens und
des übrigen darüber hinaus liegenden Landes denen zufallen, welche
von dort aus angreisen. (164) Deshalb müssen wir uns beeilen und
keine Verzögerung eintreten lassen, damit uns nicht dafselbe widerfahre,
wie unfern Vätern. Da diese nämlich die Barbaren sich zuvorkommen
ließen, und einige von den Bundesgenossen preisgegeben hatten, so
Isowntss. 7
98 i l8oKrate8, kaue^riKoL. clap. XI.III, 160—162. ^

wurden sie gezwungen, in kleiner Zahl gegen Viele zu kämpfen, wäh


rend sie, wenn sie zuerst auf das Festland mit der ganzen Streitmacht
der Hellenen übergesetzt wären, jedes Volk einzeln hätten unterwerfen
können. (165) Denn es hat sich gezeigt, daß, wenn man gegen Leute
kämpft, die aus vielen Gegenden zusammengezogen werden, man nicht
warten darf, bis sie zum Angriffe bereit stehen, sondern, solange sie
noch zerstreut sind, sie angreisen muß. Iene nun haben zwar alle
Fehler, die sie zuerst begangen hatten, wieder gut gemacht, indem sie
die schwersten Kämpfe bestanden, wir aber, wenn wir klug sind, wollen
uns von Anfang an hüten und versuchen, ihnen dadurch zuvorzukom
men, daß wir ein Kriegsheer in Lydien und Ionien aufstellen, (166) da
wir wissen, daß der König auch über die Festlandbewohner nicht mit
ihrem Willen herrscht, sondern nur, weil er eine größere Macht um
sich versammelt hat als jeder Einzelne von ihnen. Wenn wir also eine
stärkere Macht hinüberbringen als diese ist, was wir, wenn wir nur
wollen, leicht thun können, so werden wir sicherlich ganz Asien uns
zinsbar machen. Viel rühmlicher aber ist es, mit Jenem um sein Reich
zu kämpfen, als mit einander um die Hegemonie zu streiten.'
160. noIX« ^/«v, statt ^«v no^«, vgl. oben § 73: r«x" ^'«v
— ov oöx «Pk«ov, zur Construction vgl. oben § 8: ^kvxrk'ov
r«i5r«, s. die Bemerk, z. d. St. S. 17.
161. «vx ^l'/vnro? x«l Hvnpo? «Pk<7r^xk; über den Abfall
von Aegypten vgl. oben § 140; über den von Kypern § 134 u. 141
— Soli'lx^ x«i Zv^l« ete., nach l8oKr. 9 § 62 eroberte Euagoras
Tyrus, verwüstete Phönizien und bewog Mikien zur Empörung gegen
den Perserkönig; vermuthlich wurde durch die benachbarte kriegerische
Bewegung auch Syrien verwüstet. — ^lnl«? . . ^p«r^<ikv, die Lykier
zahlten nur einen Tribut an den Perserkönig und leisteten ihm Heeres»
folge gegen die Hellenen (Mroä. 3, 90; 7, 92), waren aber im Uebrigen
unabhängig.
162. ^n/<7r«H/«,?, Statthalter, vgl. oben § 120: x«l /«ovov ovx
^n«7r«s/iov? ^ r«l? ?lo4k<7l x«sl<7r««. — o/4o^,o/^<7k«, er wird
es eingestehen, offen erklären. — rHv '^<7/«v ?l«<,<,lxoi5<7lv, sie wohnen
an Asien, d. i. Asiens Küste entlang, längs der Küste Asiens — rol«,v
I8oKrate8, ?ane^riKo8. Oap. XI.III, 163—166. 99

rwv op//^r^p/luv v?l«p^«vrwv, da uns solche Ausgangspunkte (Stütz


punkte) geboten sind, o^yr^lov bezeichnet in der Kriegssprache den
Ort, von welchem aus ein Feldherr seinen Angriff macht, die Operations»
basis, der militärische Stützpunkt — «nov, hier, wie öfters im cau»
salen Sinne, besonders einem Fragesatze vorausgehend: 'da', 'da schon';
vgl. so unten § 186: 8?iol> ^ü^> . . na««,v rcvcüv x<«? npossckaxsv etc.;
und 1 § 49: 8?loV /«p - . 'l ^o^ /k . . ^>>?<7w/Ukv; — /ilxplüv M-
plüv, d. i. kleinen Gebietstheilen, wie Aegnpten, Kypern u. dgl. —
«vx «ck^iov, Litotes: 'ganz klar', 'ganz offenbar'.
163, A« ä' «ilrlu«, ein zur Einführung einer nähern Erklärung
öfters angewandter Ausdruck; 'die Sache verhält sich nämlich so', 'die
Sache ist nämlich diese'; vgl. 6 § 86: Hc« s' «vrw?- k/w rov'rav?
kll»>/x« ro^? Xö/ov? et«.; 8 S 28: k/kl /«^> ovrlu? ^«i ckoxo^alv
n?i«vrk? ^kv ^lHv^klv ete.; 1b § 130: «/« <l' oörw?' kl /«kv
^«? . . <7xkM<7sk ?lkp! Lovrcuv ete. — ^?il r«? . . rv/«? «?lo-
xXivkl«v, sie würden zu seinem Geschicke sich hinneigen, sein Geschick
mit ihm theilen wollen — tvrkSskv, 'von dort aus', näml. von jenen
ionischen Küstenstädten.
164. ö<7rkpl<7«vrk? rcuv /3«L/3«'p«,v, wörtl.: sie kamen später als
die Barbaren, d. i. sie ließen die Barbaren sich zuvorkommen, ließen
sie einen Vorsprung gewinnen — r«v«? rcüv <w^«xwv, näml. die
Ionier, die von Athen vergebens Hilfe verlangten, Neroä. 5, 103 —
6i//ol, näml. ohne die kleinasiatischen Hellenen — ev /«k'pk«, 'eines
nach dem andern', 'einzeln', vgl, oben § 96: «V tv <««p« ^ö? ix«-

165, ck«ckklxrell, 'es ist (durch Erfahrung) gezeigt, dargethan, er


wiesen'; vgl. 6 § 4: ki /«kv ^v <lkckkl///ivov — t'?llarcüalv, 'vor
Einem daftehen', 'zum Angriff bereit stehen' — k'xklvol, näml, die im
vorigen § erwähnten «i n«rk^k? ^/«üv — ?«pl r^v ^lvck/«rv x«l
r^v '/wv/«v, in Lydien und Ionien umher, s. v. a.: in Lydien und
Ionien; vgl. 'lliu«. 6, 2: wxovv sol«xk? ?ikp! ?!«<i«v /«ev rHv
^iXk^l«V.
166. «üv ^?ikl^wrcüv, näml. die Bewohner Kleinasiens — nk^l
«öröv ?i«l^<i«^kvo?, 'um sich versammelt hat' — xpkirrw, 'eine (der
100 I8oKrate8, kaus87riKo8. <üap. XLIV, 167.

Zahl nach) stärkere Macht', näml. als der Perserkönig jedesmal ver
wendet — x«^>»u«7o^kH«, 'wir werden uns nutzbar, zinsbar machen'
— ?ipö? ^«« «vrov?, 'gegen einander', 'mit einander'.

0^i>. XI.IV.
(167) 'Es ist aber billig, noch während des jetzigen Zeitalters den
Feldzug zu unternehmen, damit die, welche das Unglück (die unglück
liche Zeit) gemeinschaftlich getragen haben, auch das Gute genießen und
nicht die ganze Lebenszeit im Elend zubringen. Denn grade genug
haben wir an der vergangenen Zeit, und welches Unheil hat sich in
ihr nicht ereignet? Denn obwol viele Uebel (schon) durch oje mensch
liche Natur vorhanden sind, so haben wir doch selbst noch mehr als die
nothwendigen dazu erfunden, indem wir Kriege und innere Zwistig»
keiten unter uns selbst gestiftet, (168) so daß die Einen in ihrem eige
nen Lande widerrechtlich umkommen, die Andern in der Fremde mit
Weib und Kind umherirren, und Viele aus Mangel an täglichem Un
terhalt als Söldner zu dienen und im Kampfe für ihre Feinde gegen
die Freunde zu sterben gezwungen sind. Darüber nun ist noch nie
Iemand unwillig gewesen, aber über die von den Dichtern erfundenen
Begebenheiten halten sie für recht zu weinen, während sie beim Anblick
der wirklichen vielen und schrecklichen Leiden, die durch den Krieg ent
stehen, so weit entfernt sind, Mitleid zu fühlen, daß sich Einer über
das Unglück des Andern sogar noch mehr freut als über sein eigenes
Glück. (169) Vielleicht würden auch Viele meiner Einfalt spotten,
wenn ich das Unglück einzelner Menschen beklagte in dieser Zeit, da
Italien verheert, Sicilien unterjocht, so viele Städte den Barbaren
preisgegeben und die übrigen Theile von Hellas in der größten Ge
fahr schweben.'
167. ^ni r^? vüv ^lx/«?, bei, unter dem jetzigen Geschlecht, noch
während des jetzigen Zeitalters; vgl. 12 § 148: H ^olwvo? HH,lxi«,
und daf. § 2N9 : r« ^?ll rff? ^«x/«? rH? «vrl3v ?lp«xs^« — r«?v
sv/«?>oL<Fv, der oben § 115 ff. geschilderten unglücklichen Zustände in
Hellas — l««vo?, nachdrucksvoll vorangestellt: 'grade genug' — ^v
«^ rl rl5v ete., zur Verbindung des prou. relativ, u. iuterroß. vgl. 8
l8oKratL8,?s,ue8MKo8. 0ap.XI.IV> 168.169. cap.XI.V. 101

ß 111: «i? ri rcüv ckklVlüv H /«Xk?llüv ov ?l^«<7k<7rcv; und 15 §233:

168. kni ^k'v^?, näml. /^?: 'in der Fremde'; vgl. 19 § 23: «plüv

rul<7«? — ck«' «»ckkl«v rcüv x«A' ^//kp«v, aus Mangel an dem, was
zum täglichen Leben gehört; vgl. denselben Ausdruck oben § 34 —
F?llxovpklv, absolut: für Sold dienen, Söldnerdienste thun — av?-
xkl^kv««?, 'erdichtet', 'erfunden', im Gegensatze zum folg. «1^9lv« —
«Aoi5<7lv, 'sie halten für recht' — k<poy<ö>rk?, 'vor sich sehend', 'beim
Anblicke' — ^?ii ro5« «^,i^.luv x«xol?, Einer über des Andern
Unglück."'
169. «vckp<5v 'Einzelner', 'einzelner Menschen', im Gegensatze zu
dem im Vorstehenden geschilderten Unglück ganzer Länder und Völker
schaften — '/r«)./«, wo damals Dionysios von Syrakus Kriege führte
^x<lickovr«l, näml. durch den antalkidischen Frieden, «gl. oben zu § 115
— ^v rol? ^k/larol? xlv<lvvol?, näml, völlig abhängig von Persien
zu werden.

0.«>. XI.V.
(170) 'Ich wundere mich aber über die Machthaber in unseren
Staaten, wenn sie glauben, sie dürfen stolz sein, ohne jemals im Stande
gewesen zu sein, über so wichtige Dinge etwas zu sprechen oder aus
zudenken. Denn wenn sie ihres gegenwärtigen Ansehens würdig ge
wesen wären, hätten sie alles Andere bei Seite lassen und über den
Krieg gegen die Barbaren Anträge stellen und ihren Rath ertheilen
sollen. (171) Vielleicht hätten sie etwas mit ausgerichtet; wenn sie
aber auch vorher ermattet wären, nun so hätten sie doch wenigstens
ihre Reden wie Orakelsprüche für die Zukunft hinterlassen. Ietzt aber
bemühen sich gerade die, welche im höchsten Ansehen stehen, um Kleinig
keiten und haben es uns, die außerhalb der Staatsgeschäfte stehen,
überlassen, über so hochwichtige Dinge unfern Rath zu ertheilen.
(172) Indes, je kleinmüthiger die sind, welche uns leiten, desw kräf
tiger müssen die Anderen darauf hinarbeiten, daß wir die gegenwärtige
102 l8oKrats8,I'aue87rili<i8. 6ap. XI.V, 170—1 72. Oap.Xl.VI.

Feindschaft los werden. Denn jetzt schließen wir vergeblich Friedens


verträge, weil wir unsere Kriege nicht beilegen, sondern sie nur auf»
schieben und auf den günstigen Zeitpunkt warten, da wir einander
einen unheilbaren Schaden zufügen können.'
170. rlüv <lvv«ssrkl>«>rcuv, derer, welche die Macht haben, der
Machthaber; dieselben im Folg., § 172, ?i^okar«?«? gen. — M^«
Ppovklv, nämlich auf ihre Staatsleitung, ihre Wahrnehmung der
Staatsinteressen — kia^k«7s«l, Verhandlungen einleiten, Anträge
stellen.
171. r^ov, aC0U8. usutr. des Mrtie. »or. 2 als Adverb: 'zu
fällig', 'von ungefähr', 'vielleicht'; vgl. 3 § 47: «t /«Kv ^üp rv^z?

r«l? /«kv ovv o^xklol? rv/öv «v ^<>^<7«//i^v. 8 § 60: rä ^kv /«? . .

/soX^v, u. v. a. — ?l<>o«?lkl?lov, näml. <7v^/3ov^,kvovrk? Tipii' <w^-


?lk^>«v«l r«: wenn sie früher (ehe sie etwas ausgerichtet, in ihrer
Thätigkeit) ermattet wären — «X^,' <>6v rov? ,/k ^,o/ov? ete., iro
nisch: nun so hatten doch wenigstens «. — r«?v ?io^«rc^lüv ^5k<7r^-
x«'<7l, die wir außerhalb der Staatsgeschäfte stehen, wir den Staats
geschäften Fernstehenden.
172. ov ^Hv «X^,«', 'indes', 'jedoch'; vgl. oben § 85 die Bemerk,
zu dieser Partikelverbindung S. 59 — /«^«^l^ork?«, 'kleinmüthiger',
im Gegensatze des folg. ^yw^kvkar^lu? — ?l^ok<7rlürk«, die Vor
steher, Führer der Staatsgeschäfte, im § 170 ckvv«<7rkvovrk? gen. —
rHc H^?«?, näml. die gegenseitige Feindschaft unter den Hellenen —
06 ckl«iv<5^ks«, wir legen unter einander nicht bei.

<üxi>. XI.VI,
(173) 'Wir müssen aber diese arglistigen Gesinnungen aus dem
Wege schaffen und an jene Unternehmungen gehen, durch welche wir
unsre Städte mit größerer Sicherheit bewohnen und zu uns selbst
größeres Vertrauen haben werden. Die Begründung für diefe Behaup
tung ist einfach und leicht. Es ist nämlich weder möglich in dauer
haftem Frieden zu leben, wenn wir nicht gemeinsam die Barbaren be»
IzoKrate^I'Äue^i-iKo8. Oap.XI.VI, 173. 174. Oap.XI.VII. 103

kämpfen, noch daß die Hellenen Eines Sinnes sind, bevor wir nicht
unsere Vortheile von denselben Feinden uns holen und unsere Kämpfe
gegen dieselben Feinde richten. (174) Wenn dies geschehen und die
Verlegenheit in Betreff des Lebensunterhaltes von uns genommen ist,
welche die Freundschaften auflöst und die Verwandtschaften zur Feind
schaft führt, und alle Menschen in Kriege und innere Zwistigkeiten ver»
wickelt, dann kann es nicht fehlen, daß wir einig werden und wahrhaft
freundliche Gesinnungen gegen einander hegen. Deswegen müssen wir
es für unsre wichtigste Aufgabe betrachten, daß wir den Krieg bei uns
fo schnell wie möglich auf das Festland übertragen; denn alsdann wür
den wir doch den einen Vortheil aus unfern Kämpfen gegen einander
ziehen können, wenn wir die aus denselben gewonnenen Erfahrungen
gegen die Barbaren zu verwenden uns entschlössen.'
173. r«? ^?il/sovX«?, die Nachstellungen, 'die Hinterlist', mit Be
zug auf den Schluß des vor. §, 'die hinterlistigen Gesinnungen' —
Fxnockcüv nol^<7«Mv«v?, 'aus dem Wege räumend', 'beseitigend' —
kxklvol?, auf das Folg, bezüglich — sx rcüv «vrcüv, näml. von den
Persern.
174. r«? ör«lp/«?, hier im gewöhnlichen Sinn: 'die Freund
schaften' — kvHkvckk, zusammengefaßt für rov ^s«ckk ?lo'Xk^ov k'v-
Hkvckk ckloplo^kv, über unsre Grenze nach dem Festlande übertragen
— lu? «v ünoXllv'<7lll^kv, lu? hier im causalen Sinn: denn dann
möchten wir wol Vortheil ziehen.

Ox?. XI.VII.
(175) 'Aber vielleicht sollte man wegen der Verträge noch etwas
innehalten und sich nicht beeilen, noch den Feldzug zu schnell unter
nehmen? Nun, die Städte, welche durch dieselben befreit wurden, wissen
zwar dem Könige Dank, daß sie diese Selbständigkeit durch ihn erhielten,
die aber, welche den Barbaren preisgegeben worden, machen besonders
den Lakedämoniern, dann aber auch den Andern, welche an dem Frie
den Theil nahmen, darüber Vorwürfe, daß sie von ihnen zur Knecht
schaft gezwungen worden sind. Wie sollten wir also diese Ueberein»
kunft nicht auflösen, aus der eine solche (so schimpfliche) Meinung
104 IsoKrates, ?aueFMKos. Oap. XI^VII, 175.

entstanden ist, daß der Barbar für Hellas Sorge trage und der Wächter
des Friedens sei, aber Einige von uns es seien, die dasselbe schädigen
und ihm wehe thun? (176) Das Allerlächerlichste aber ist, das wir von
dem, was in den Verträgen steht, grade das Schlimmste halten. Die
jenigen Bestimmungen nämlich, welche die Inseln und Städte in Europa
für unabhängig erklären, sind längst aufgehoben und stehen umsonst
auf den Säulen, die aber, welche uns Schande bringen und Viele von
unseren Bundesgenossen preisgegeben haben, diese behaupten ihren Platz
und wir alle halten sie für giltig, sie, die wir doch aufheben und keinen
Tag hätten stehen lafsen sollen, indem wir bedächten, daß dies Be
fehle und keine Verträge seien. Denn wer wüßte nicht, daß nur
das Verträge sind, welche sich gegen beide Theile gleich und gemeinsam
verhalten; Befehle aber, die den einen Theil widerrechtlich beeinträch
tigen? (177) Daher dürfen wir auch die Gesandten, welche diesen Frie
den unterhandelt haben, mit Recht anklagen, daß sie, abgesandt von
den Hellenen, zu Gunsten der Barbaren die Verträge abgeschlossen
haben. Denn sie mußten, sei es nun, daß man für gut fand, daß
Jeder sein eignes Gebiet behalte, oder daß er auch über das im Kriege
Eroberte herrsche, oder das beherrsche, was er zur Zeit des Friedens
grade besessen habe, sie mußten Eines davon bestimmen und ein (Allen)
gemeinsames Recht aufstellen, und dann erst den Vertrag darüber ab
fafsen. (178) Nun aber haben sie unserm Staate und dem der Lake»
dämonier keinerlei ehrende Berücksichtigung zugetheilt, den Barbaren
aber zum Herrn von ganz Asien gemacht, als ob wir für ihn gekämpft
hätten, oder als ob die Herrschaft der Perser schon längst bestände, wir
aber erst seit Kurzem unsere Städte bewohnten, und als ob nicht viel
mehr Jene erst neuerdings diese ehrenvolle Stellung einnähmen, wir
aber von jeher unter den Hellenen geherrscht hätten.'
175. «^« ^«p, wie at euiw, zur Einführung eines gegnerischen
Einwandes — ckl« r«? avvÄ^x«?, näml. des antalkidischen Friedens
— ckl' «?, näml. <w»'s!/x«?, der Relativsatz enthält die Entgegnung
auf den Einwand — ^<5kcka^kv«l, zur Snche vgl. oben § 122. —
^^«lvo^kvol, 'schädigend', 'Schaden zufügend', näml. durch das Heber»
lassen der kleinafiatischen Hellenen an Persien.
Isokrates, ?aiieFMKos. oap. XI^VII, 176—178. 105

176. r« ^kipl<7r«, das Schlimmste, d. i. die für uns ungünstig»


sten Bestimmungen des Friedensvertrages — « /«kv /«p, 'diejenigen
Bestimmungen' — r«? rk v^aov?, vgl. oben zu § 115 — ^?ll r^?
^pu>'?l^?, d. i. auf europäischem Boden, in Europa; vgl. b § 152:
ia?« F?ll r^? ^pcu?l!?« x«rolxoi?<7l ?loXk/«üv; und 12 Z 103: ?l«»

xovvr«;. Die Beisügung r«? 6?il r^^? ^pul^? an unsrer Stelle


bezieht sich übrigens nur auf r«5 no^«l?, nicht auch auf r«; v^aov;
(von denen ein Theil, wie Rhodos, Samos, Chios, zu den Inseln ?lkl>l
rHv ^!?lklpov gehören) — ^«Xvr«l, 'sie sind aufgehoben', näml. von
den Lakedämoniern, welche im Peloponnefos über die sogen. autonomen
Staaten ihrer Symmachie eine drückende Herrschaft ausübten, vgl.
Xenopli. llelleu. 5, 2 ff. — /««r^v ^»rl>, 'sie stehen umsonst', vgl.
oben § 5: cuar' Hck»? ^«r^v tiv«l ro ^k/<v^<7s«e ntpl rovrluv —
^v r«l? arboil?, näml. auf den steinernen Säulen, auf welche die
Friedensbestimmungen eingegraben und die in den Haupttempeln von
Hellas lzu Olympia od. Delphi) aufgestellt waren, vgl. im Folg. § 180:

'sie blieben auf ihrem Platze', sigürl. s. v. a.: haben noch Bestand,
blieben in voller Geltung, synonym mit dem folg. «vr« xvp<« ?lolov-
^kv und im Gegensatze zum folg. «v«lp«»', 'aufheben', 'fortschaffen' —
nj»oar«//««r«, 'Befehle', weil näml. der König die Bedingungen die»
tirt hatte — i'<7lu? x«l xolvl5?, 'gleich und gemeinsam', s. v. a. 'ge»
recht und unparteiisch'.
177. rcüv ?l^>k<7/3kv<7«»'rcuv r«v'r^v rHv ti^^'v^v, 'die als Ge
sandte diesen Frieden unterhandelten'; zum Ausdrucke vgl. ^näoe. 3 § 23:
?iol'«v «v' ovv /l«/ kip^'v^v ?lpkO/3kvo»'r«? Hx«»'; — «iö rlü»'
Ni^vluv ön^ rcüv /3«^>/3«^>cuv, nachdrucksvoll die Gegensätze neben
einander gestellt.
178. ovckk^l'«v n^'v, 'keinerlei ehrende Auszeichnung, Berück»
sichtigung'; vgl. ?I»t0 äs leßg. p. 837, e: il^Hv ovckk^l'«»' linov^cuv
r^i r^? i/'vXH? Hs« — l3<7?lkp . - <^ <""^, 'wie wenn . . und
nicht vielmehr', vgl, oben § II: lu<7?lkp ö^oi«,? ck«'ov «^or^ov?
k/klv «^X' oö roö? /<kv «^,kX<«?, Tov? ck' k?ilckkl«rcx<ü?, und
106 I8oKr2,te8, ?aue^riKo8. Oap. XI^VIII.

?lXk/ov? /^«v rpl^'pkl? i/ ckl«xa<7l«? xkxry/ikvi/? — vkw<7rc, vgl.


6 § 27: o. /3«^/3«^o? al!?lll» <ll«xo<7l' kr^ x«rk<7)^<<k r^v «^>/^v —
r«vr^v rHv r«^^v, näml. die Herrschaft in Asien.

Ox?. XI.VIII.
(179) 'Ich glaube aber die uns widerfahrene Zurücksetzung und die
Bevorzugung des Königs durch folgende Darstellung noch klarer machen
zu können. Da nämlich die ganze Erde, die unter dem gestirnten Him<
mel (unter der Sonne) liegt, in zwei Theile getheilt ist, und der eine
Asien, der andere Europa heißt, so hat er nach dem Vertrage die
Hälfte bekommen, als ob er mit Zeus die Welt getheilt und nicht mit
Menschen die Verträge geschlossen hätte. (180) Und diese (Verträge)
zwang er uns auf steinerne Säulen aufzuschreiben und in den gemein»
samen Heiligthümern niederzulegen — ein viel schöneres Siegeszeichen,
als die, welche auf den Schlachtfeldern errichtet werden. Denn diese
sind nur für kleine Thaten und einen einzigen Glücksfall (ein einziges
glückliches Ereigniß) da, jene aber sind für den ganzen Krieg und über
das gesummte Hellas aufgestellt. (181) Und darüber muß man billiger
Weise erzürnt sein, und überlegen, wie wir für das Geschehene Rache
nehmen und die künftigen Ereignisse in Ordnung bringen können.
Denn es wäre schmählich, wenn wir im Privatleben die Barbaren als
Sklaven gebrauchen wollten, im öffentlichen aber es ruhig mit ansahen,
daß so viele von den Bundesgenossen ihre Knechte sind, und wenn die,
welche zur Zeit des troischen Krieges lebten, wegen des Raubes eines
einzigen Weibes Alle mit den Beleidigten so erzürnt waren, daß sie
nicht eher aufhörten zu kämpfen, als bis sie die Stadt dessen zerstört
hatten, der den Frevel zu begehen gewagt hatte, (182) wir aber wegen
der übermüthigen Behandlung des ganzen Hellas keine gemeinsame
Rache nehmen wollten, obwol es uns freisteht, Thaten zu vollführen,
wie man sie sich nur wünschen könnte. Denn dieser Krieg ist der
einzige, der besser ist als der Friede, da er mehr einem Festzuge als
einem Feldzuge gleicht, und Beiden frommt, sowol denen, welche in
Ruhe zu leben, wie denen, welche zu kämpfen wünschen. Denn Jenen
l8oKrate8,?Äne87ri^o8. Oap.XI.VlII,179— 182. Oap.XI.lX. 107

würde es dann möglich sein, das Ihrige in Sicherheit zu genießen,


diesen aber, sich aus fremdem Eigenthum große Reichthümer zu er
werben.'
179. ^xklvll,« «l?iluv, nachdem ich Folgendes gesagt haben werde
'nach folgender Darstellung' — rHv «rc/«l«v, näml. den im vor, S
gerügten Mangel an Berücksichtigung, im Gegensatze zum folg. nXko-
?kA«v, 'Bevorzugung' — önö r«5 -co'a/««,, 'unter dem gestirnten Him»
mel', 'nnter der Sonne' — n^o? roV ^//« . . nolo^kvo?, dreisache
Antithese, wie oben § 128. Zu ?!<,«? bei Verben des Theilens vgl.
oben ß 17: o?rcv6? rcu ?io<l^ roi5rw ?lk/<7ol><7lv i<7o^«lpH<i«l ?l^ö?
«^,X^'X«? u. 12 I 255: k?lkl<l^ ckk n^ä? '^p/kl0l>? x«i ^/k^tt^v/ol>?

180. r«i'r«?, näml, r«? avvH^x«? — ^v «7r^ttl? ^ls/v««?,


vgl. im Vorsteh. § 176 zu kv r«l? <7r^«l? k<7rcv — ^v ro5« xol-
vol? rwv tk^xüv, in den allen Hellenen gemeinsamen Heiligthümern,
wie in Olympia oder Delphi — ^v r«l? ^«/««?, hier: 'auf den
Schlachtfeldern'; «gl. Xeuopb. Hnab. 2, 2, 6: «^»s^ö? r^? öckov,

r^? /U«/>?? F^k/ovro kiv«l ki? F«/3v).l5v« ete. ('bis zum Schlacht
felde . . vom Schlachtfelde' «.) — ^««« ^^i/? ^ar/v, vgl. 15 § 128:

182. kv/H« «5l«, Thaten, die eines Gelübdes an die Götter werth
sind; vgl. 5 ß 19: kv/H? «A« ckl«?lk?lp«xr«l — Hklupl«, eigentl.:
der feierlichen Festgesandtschaft zu einem Nationalfeste (vgl. Irikull. III.
S. 162), hier s. v. a. 'Festzug' im Gegensatze zu <7r?«rk/«, dem
'Feldzuge'.

t!^. XI.IX.
(163) 'So dürfte man denn bei reislicher Ueberlegung sinden, daß
diese Lage der Dinge uns in vielfacher Hinsicht (für das Unternehmen)
überaus günstig ist. Denn saget, gegen wen sollen die kämpfen. welche
keinerlei UrtheU begehren, sondern nur auf das Recht fehen? Nicht
gegen die, welche auch früher Hellas schadeten, und jetzt noch demselben
nachstellen, und sich immer so gegen uns verhalten? (184) Wir werden
108 Izolirate8,?Älle87riIl08. Oap.XI^IX,183. 184. dap.I..

natürlicherweise die beneiden, welche nicht ganz und gar unmännlichen


Sinnes sind, sondern auch nur ein ziemliches Maß jener Eigenschaft
(der Tapferkeit) besitzen? Nicht die, welche sich einer größern Herrschaft,
als Menschen zukommt, bemächtigt haben, und doch weniger werth find,
als die, welche bei uns in unglücklicher Lage sich befinden? Gegen wen
müssen die, welche zugleich tugendhaft (gerecht) sein und doch auch ihren
Nutzen bedenken wollen, zu Felde ziehen? Nicht gegen die, welche ihre
natürlichen Widersacher und Erbfeinde sind, und die meisten Güter be
sitzen, aber am wenigsten dieselben zu vertheidigen vermögen? Trifft
nun Iene nicht dies alles (das von mir Gesagte)?'
183, ?lo^«)V, MM folg. Xv<7lrk^,ov<7«? gehörig — r«^r«? r«?
?l^«ftl?, diese Lage der Dinge — ^5v, näml. den Hellenen — «vrö
rö cklxollov, s. v. a. /Ko'vov rö ckl^lllov: 'nur das Necht'.
184. /ikr^ilu; ravrcu ^«/^«r« (nämlich ?^ «vckpl«) /<xu^vovc,
'welche auch nur mäßig, in geringem Maße jene Sache, Eigenschaft (die
Tapferkeit) besitzen' — nkpl^/z^^vol?, 'die sich bemächtigt hoben',
von Eroberern; vgl. oben § 36: «n«vr« /«p ?lk^lk/s^ovro rov ro-
nov, öv .v5v r!)^«voMv xur^ovr!? — kvc7k/3«v, hier s. v. a.
<ll5«l«,v? «iv«l, mit Bezug auf die Worte des vor. §: «vrö rö <ll-
<«lov <7xo?ioi5vr«?. — oi!xol>i' k'x«lvol . . övrk?; 'gilt nun nicht
gerade von ihnen dies Alles?'

(185) 'Ia nicht einmal die Städte werden wir damit beschweren,
daß wir Soldaten aus ihnen ausheben, was jetzt bei unserm Kriege
gegen einander das Lästigste für sie ist. Denn ich glaube, daß die
viel seltener sein werden, welche zu Hause bleiben wollen, als die, welche
mitzuziehen begehren. Denn wer, jung oder alt, ist so gleichgiltig, daß
er sich nicht diesem Heere sollte anschließen wollen, das, von den Athe»
nern und Lakedämoniern angeführt, für die Freiheit der Bundesgenossen
versammelt, von dem gesammten Hellas ausgesandt wurde, und zur
Rache an den Barbaren auszöge? (186) Und wie groß wird der Ruf
und der Ruhm und die Ehre sein, welche diejenigen lebend genießen
oder sterbend hinterlassen werden, welche sich bei diesen Unternehmungen
I8oKrate8, ?auesMKo8. o^^,. ^ 185. igg. 1^. 109

ausgezeichnet haben? Denn wenn die, welche gegen Alexander kämpf»


ten und eine einzige Stadt einnahmen, solchen Lobes gewürdigt wur
den, welche Lobpreisungen haben dann die zu erwarten, welche ganz
Asien überwältigten? Denn wer, der dichten kann, oder zu reden ver
steht, wird sich nicht dafür anstrengen und geistig bemühen, in der
Absicht, zugleich von seiner eignen Gesinnung und ihrer Tapferkeit für
alle Zeit ein Denkmal zu hinterlassen?'
185. x«i ^Hv ovck«, 'und wahrlich auch nicht', 'ja nicht einmal'
— oi!rc»?, zum folg. F«sv/io? gehörig — H vka? H ?l«^,«lo?, 'jung
oder alt', Homer. Redensart (II. 14, 108; 0ä. I, 395; 2, 293; 4, 720),
auch bei Pluto (8/invo8. p. 182, b): «6x «v r«? kl'nol ovrk vko?
ovrk n«X«lo?, — ^«sv^o?, 'gleichgiltig', näml. gegen den Ruhm ;
vgl. 9 § 35: o^ckkl? /«p ovrcu ^«sl>/«o?, 8<7rl? «v <lk^«lro ?l«p«

«sp«l^o<«^^? . . ^xnk/«no^k!^? . . ?l«?kl><,^kv»??, Häufung gleicher


Participialausgänge am Satzende.
186. PM^v cki x«l /zi^'^v, Paronomafie, vgl. oben § 89: ^-
^,o^r«? . . Aroi5vrk?. — onov, causal, vgl. oben § 162 — npö?
^^,k^«vck<>ov, näml. gegen Paris im troischen Kriege, vgl. oben ß 181
— ?iolklv, 'dichten', vgl. oben § 156: v/zvov? ?ik?l0li/^vov? —
?lo^'<7kl x«l ^>^«<7o^^<7kl, häusige Verbindung bei Isokrates: 'sich
bemühen und geistig anstrengen'.

0xi>. I.I.
(187) 'Doch Habe ich in diesem Augenblicke nicht mehr dieselbe
Meinung, wie im Anfang der Rede. Denn da glaubte ich, des Gegen
standes würdig sprechen zu können, jetzt aber reiche ich an seine Be
deutung nicht hinan, sondern mir ist Vieles von dem, was ich im
Sinne hatte, entgangen. Ihr selbst müßt daher mit untersuchen, wie
großen Wohlstand wir erlangen würden, wenn wir den Krieg, der
jetzt unter uns besteht, gegen die Festlandsbewohner führten, und den
Wohlstand, der in Asien herrscht, nach Europa herüberbrächten. (188) Und
ihr dürft nicht blos zugehört haben und dann fortgehen, sondern die»
110 I80Krates, ?aue8^iKos. ^ap. LI, 187— 189.

jenigen, welche im Stande sind, zu handeln, müssen einander auf


fordern, eine Versöhnung zwischen unserm Staate und dem der Lake»
dämonier zu versuchen; die aber, welche den Ruhm der Beredsamkeit
beanspruchen, müssen aufhören über "anvertrautes Gut" und über das
Andere, worüber sie jetzt schwatzen, zu schreiben, und ihren Wettstreit
auf diesen Gegenstand richten, und zusehen, daß sie besser als ich üb«
dieselbe Sache reden, (189) in der Erwägung, daß es denjenigen,
welche Großes versprechen, nicht ziemt, sich mit Kleinigkeiten auf
zuhalten oder Dinge zu sagen, durch welche das Leben (die Lage) derer,
die man überredet hat, nichts gewinnt, sondern solche, durch deren
Erfüllung sie selbst von ihrer gegenwärtigen Armut befreit, und den
Anderen als die Urheber großer Wohlthaten erscheinen werden.'
187. ov rH»' «6rH»' cktz rv^civcu et«,, ck^ in der vierten Stelle
des Satzes, vgl. 3 § 42: ov rHv «vrH»' ck^ /»'lu'^»' k^ov. 15 §69:
ckl« rHv «FrHv ckö r«l!r^»' npo^oial»'. Xenopli. Hlsmor. 4, 1, 3:
oö röv «vröv cki r^ano»', u. v. a. — o^x ^cc'lxvc>i>l<«l roO /<k^k-
so^?, 'ich reiche an die Größe, Bedeutung nicht hinan, ich erreiche
seine Größe, Bedeutung nicht' — «vro^?, näml. ihr Zuhörer.
188. roi'; rcüv Xc>/cuv «^^lO/3^rov»'r«;, die den Ruhm bean
spruchen, Beredsamkeit zu besitzen; vgl. 6 § 91: roi? «pkrH? äl<-
Pll^l/roVolv vn^^ o^ckkvö? o?rlu <7novck«<7rkov ste. — ?lf><>? r^v
n«p«x«r«s^^»', eigentl. gegen das bei Iemand Niedergelegte, ins-
bes. das ihm anvertraute Geld, hier wahrscheinlich kurzer Ausdruck fiw
gegen eine Rede über das von Nikias bei Euthynus deponirte Geld;
es ist dies die 21. Rede des Isokrates (/Il>ö? Fisvvovv), gegen welche
(nach vic>8su. Laert. 6, I, 13) der Sophist Antisthenes schrieb. — luv>
d. i. ?ikt>l cuv — rokrov röv ^o'/ov, 'diesen Gegenstand', 'dieses
Thema', näml. das von Isokrates im Panegnrikos behandelte politische
Thema von der Einigkeit der hellmischen Staaten und dem Krieg,
gegen den Perserkönig.
189. tlk^«1' ^?llu-AvcN'/<kvov?, näml. wie die Sophisten, die ihre
Schüler zu tüchtigen Rednern zu bilden versprachen; vgl. 13 Z 9
Einleitung. 111

das äußere Leben, die äußere Lage, das zum Leben Nothwendige; vgl.
oben § 32: rö»' /3l'ov ot ?i^cüiol ^«vkvrk? ^nl ^^? o^x tvsv? ol'-
ilu? l3<7?lkp vi'»' «/ovr« x«rk^«^sov — ^?ilck«l<7kl , 'er wird zu
nehmen, wachsen, Vortheil ziehen', vgl. oben § 103, s. die Bemerk, z.
d. St. S. 70. — rH? ?l«l>ov'<7y? «na(>l«?, die Armut der Sophisten
wird von Isokrates auch 13 § 7 erwähnt: ^«ck«v x«rl'cklu<7l roi>;

rov; ?lo/^cüv ckko^«vov; ete. Zum Schluß unsrer Rede vgl. die
ähnliche Ausforderung am Schlusse der Rede 'über den Frieden' (8)
§ 145: roi? vtlurk^ol; x«l /««^ov 6x/<«^ov<7l»' ^<u n«l>«lv<» x«i
?l«p«xki«vc>^«l roi«iir« x«l Xk/«v x«l /^«^«v, ^D <üv r«? /«t-
/i<7r«? ilüv ?loXk<uv x«l r«? tis«7^k»'«; r«l? «X<>,«l^ x«x« ?l«o-

3. ÄreopagitiKos.
Einleitung. Der Areopagus, ö '^l>klo? ?l«'^oc, einer
der ältesten Gerichtshöfe Athens, benannt nach dem im Westen der
Nkropolis gelegenen 'Areshügel', auf welchem er seine Sitzungen hielt.
Ueber die Oertlichkeit vgl. Nursian in Paulu's Real»Enc. I, 2
S. 1497 u. Geogr. v. Griechenl. I. S. 284: 'Areopagus, ein form
loser, ganz kahler Felshügel in Athen, welcher sich grade westlich von
der Akropolis, nur durch eine Einsattelung von derselben getrennt,
erhebt und im Alterthum die Agora im Südwesten begrenzte. Seinen
Namen verdankte er einem an seinem nordöstlichen Fuße stehenden
Tempel des Ares, mit Statuen des Ares, der Aphrodite, Athene und
Enno. Etwas weiter gegen Süden, ebenfalls am östlichen oder süd
östlichen Fuße des Hügels, lag der heilige Bezirk der ^k^v«l'
(Eumeniden, Eiinnen), welcher das Grab des Oedipus, das als gött»
112 » Einleitung.

liches Unterpfand der Sicherheit und Macht der Stadt betrachtet


wurde, einschloß; ein tiefer Felsspalt am östlichen Fuße des Hügels
bildete wahrscheinlich das Adyton der Göttinnen, über welchem das
Heiligthum, in dem man Statuen der drei Erinyen, des Pluwn, Her
mes und der Ge sah, stand. Neben diesem heiligen Bezirk war dem
Knlon, zur Sühne der Blutschuld, welche die Athener durch seine und
seiner Gefährten Ermordung auf sich geladen hatten, ein Platz, rö
KvXluvkl<,v, geweiht. Auf dem Gipfel des Hügels besindet sich eine
künstlich geebnete Flache von geringem Umfang, auf welche eine in den
natürlichen Felsen gehauene Treppe hinaufführt; hier hielt der Rath
und Gerichtshos vom Areopag (s. im Folg.) seine Sitzungen, theils im
Freien, theils in einem einfachen aus Lehmziegeln erbauten Hauschen.
Zum Behuf der Gerichtsverhandlungen dienten als Rednerbühne für
den Kläger und den Beklagten zwei unbearbeitete Steine, der 'Stein
des Uebermutes', /lso? v/3pk«>?, und der 'Stein der Unverschämt
heit', ^l'so? üv«lckki«5, genannt, die wahrscheinlich zugleich als
eine Art Altäre der personissicirten Hybris und Anaideia galten. Ein
wirklicher Altar, der sich eben dort befand, war der Athene Are« ge»
weiht und sollte von Orestes errichtet worden sein, als er durch Ver»
mittelung der Athene vom areopagitischen Gerichte von der Schuld des
Muttermordes freigesprochen worden war (?au8an. 1, 28, 5). Endlich
befand sich dort auch eine Stele, welche die Gesetze über Bestrafung
des Mordes enthielt.
Der Ursprung des Areopagus als Gerichtshof reicht in die älteste
Mythenzeit hinauf, wie schon das, der Sage zufolge, von demselben
über den Muttermörder Orestes gefällte Urtheil (vgl. im Vorsteh.) be
weist. Nach ^eseli^I. Rumsu. 681 ff. war es Athene selbst, die
dieses Gericht eingesetzt hatte 'als Schirm des Landes und des Staates
sichern Hort'. Die Verse lauten (Worte der Athene):
Einleitung. 113

D. i.:
'Nunmehr vernehmt die Satzung, Männer Attikas,
die ihr zuerst hier richtet um vergoßnes Blut.
Den hohen Rath denn, ungerührt von Goldesglanz,
ehrwürdig, strengen Sinnes, über Schlummernden
wachsam verordn' ich also zu des Landes Hut.
Solang ihr nun gebührend ehrt solch Heiligthum,
sollt Schirm des Landes und des Staates sichrer Hort
ihr daran haben, wie der Menschen Keiner sonst,
nicht bei den Skythen, nicht in Pelov s' Landen hat.'
Die Einrichtung, Zusammensetzung und Amtsthätigkeit des Areo»
pagos vor Solon ist nicht näher bekannt. Solon richtete denselben
als Criminalgerichtshof und als oberste Sittenpolizeibe
hörde ein. Er setzte keine bestimmte Anzahl von Mitgliedern fest,
sondern ordnete nur an, daß die jedesmal abgehenden Archonten, wenn
sie ihre Pflicht gewissenhaft erfüllt hatten, in denselben eintreten soll»
ten, eine Bestimmung, an welcher auch später, soweit die Zeugnisse
reichen, nichts geändert scheint l?Iut. 8c>I. 19: ^o'^cuv <war^<7«>kv<,;
cki rHv ^v '^^>kltz» ?r«/cu /3ovXHv ^x rulv x«r' ^««orö»' H^o'v
^luv ete.). Als Gerichtshof entschied er über Mord, Mordan
schlag, Brandstiftung und Vergiftung; als oberste Polizei
behörde war ihm die Obhut der Gesetze und die oberste Aufsicht
über die gesummte Staatsverwaltung anvertraut; daher sein
Richteramt über Gottlosigkeit, Gotteslästerung, Verrath des
Vaterlands durch feige Flucht, Bestechung, falsches Zeugniß, Thier»
quälerei, Faulenzerei, wol auch Verschwendung u. dgl. 'Der
Staat sollte in diesem Rathe seiner Edelsten seine höchste Zierde und
einen Sammelpunkt der moralischen und politischen Trefflichkeit haben,
und von diesem aus das gesummte Staatsleben veredelt werden. Dies
jedoch nicht durch Einmischung des Thuns jener Auserkorenen in den
114 Einleitung.

Wirbel alltägliche! Geschäfte; sie standen außer dem Kreise der gewöhn
lichen laufenden Staatsverwaltung, als Behörde zu wachen, zu wahren
und zu bessern, als Auge des Gesetzes, erfüllten ihr Wesen nicht im
Mithandeln, sondern, gleich einem Verein von Vätern erwachsener und
selbständig handelnder Söhne, als weiser Rath, der nur in der Zeit
der äußersten Noth, oder wenn Uebereilungen des Volks gut zu machen
waren, in den Drang des öffentlichen Waltens eintrat. Als dem Ne»
wahrer der moralischen Kraft gebührte ihm daher mit Recht die
Aufsicht über die öffentliche Erziehung, zu welcher erdieSophronisten
(alu^ovlar«l', zehn Aufseher über die Zucht der Knaben und Epheben,
K. Fr. Hermann's Staatsalt. § 150, 4), über den sittlichen Bestand
(köxoa^l«), über redlichen Fleiß und Erwerb der Bürger, über Er
haltung des hergebrachten Kultus u. dgl. In dem Gebiete des Recht
lichen aber übte er allein im Staate, gleichwol im Auftrage des Volks,
eine Art Malischer Untersuchung z. B. über falsches Zeugniß und Be
stechung; als eignen und ausschließlich ihm gehörigen Beruf hatte er
den Spruch über Mord und Gefährde des Staatskultus, als wo das
Moralische am meisten hervortritt und durch Frevel gegen die Götter
der Staat mit einer Schuld (ä^o?) befleckt wurde. Nur in außer
ordentlichen Fällen (wie später bei dem Gericht über den Brandstister
Antiphon, vemaM. ü« eor. 271) gestaltete er sich wol, kraft seiner
Oberaufsicht über das, was zu des Staates Ehre und Wohlfahrt dienen
oder diesen hinderlich sein konnte, zu einem Kafsationshose über den
Ausspruch eines Rechtshoses. Wenn es heißt, er sei rechenschaftspflichtig
gewesen, so geht dies nur auf seine richterliche TlMigkeit, und auch
dies sand wol erst später statt; sein moralisches Wirken aber war
ganz und gar nicht durch Rechenschaftspflichtigkeit beschränkt; es war
eben so das Höchste in seinem Kreise, dem der moialischen Schätzung,
als das aus der Würde der Tugend hervorgehende Ansehen der Areo'
pagiten; weder die Pflicht, wo es eingreisen sollte, noch das Recht,
wie weit, war bestimmt; die Kraft der Tugend gab den stets regen
Willen, die Weisheit das Maß' (Wachsmuth's Hellen. Alterth. I.
S. 488 ff.).
Na der Areopagus seiner ganzen Natur und Bestimmung nach
Einleitung. 115

eine Schutzwehr für das Bestehende und ein entschiedenes Hemmniß


für eine freiere politische Entwicklung im demokratischen Sinne
war, so konnte es nicht fehlen, daß im Verlaufe der Zeit die Fort
schrittspartei Alles aufbot, um ihn zu beseitigen oder doch seine Macht
auf ein sehr geringes Maß zu beschränken. So wußte es denn Peri»
kl es, kurz vor 01. 80 (um 460 v. Chr.), während der Abwesenheit des
Kimon, durch seinen Parteigänger Ephialtes beim Volke durchzu»
setzen, daß der Areopagus des größten Theiles seiner Amtsbefugniß
verlustig wurde (?Iut. ksriel. 9; Lim. 15; vgl. ^.riztot. ?olit. 2, 9, 3:
rHv ^v '^k/y, n«),«, /lovlHv N^l««.ri/? ^x«Xoi«7k «e«l Hk^lx^H?).
Es verblieb ihm die Blutgerichtsbarkeit ; dagegen verlor er das con»
servative Element, sein Oberaufsichtsrecht, das Recht, die Behörden
und die Ekklesia im Interesse der stehenden Verfassung zu controliren:
womit denn der absoluten Demokratie völlig unbeschränktes Walten er»
rungen war. Erst in Folge der Verfassungswirren am und nach dem
Ende des peloponnesischen Krieges, namentlich nach der Herrschaft der
Dreißig und nach Wiederherstellung geordneter politischer Zustände er
scheint der Areopagos wieder mit einiger Competenz als obere Polizei
behörde, besonders in Handhabung der Sittenpolizei: er führt eine Art
von Controle über rechtmäßigen Erwerb und eine Art von Aufsicht
über Herumtreiber; er ertheilt Rügen wegen unsittlichen Lebenswandels,
beaufsichtigt die Hochzeits» und Opferschmäuse , schreitet ein bei unehr
erbietigen Aeußerungen über göttliche Dinge, bei Entwendung heiliger
Gegenstände, bei Ausrottung heiliger Oelbäume, die unter seiner be
sondern Obhut standen u. dgl. Auch wichtige Kriminaluntersuchungen,
besonders solche, bei welchen die Geheimhaltung der Verhandlungen
wünschenswerth erschien — und dieBerathungen der Areopagiten waren
geheime — wurden vom Volke dem Areopagus übertragen. Ebenso
wurde ihm zuweilen Vollmacht ertheilt, in einer schwebenden Angelegen
heit in letzter Instanz zu entscheiden, oder seine gutachtliche Aeußerung
über Gegenstände, welche völlig außerhalb seiner Sphäre lagen (wie
über Tributzahlung der Bundesgenossen, über Bauten u. dgl.) einge
fordert. 'So wenig bedmtend nun auch nach allem diesem der Einfluß
erscheint, welchen der Areopagus in den Zeiten, die uns genauer be»
116 Einleitung.

kannt sind, auf die Staatsangelegenheiten ausübte, so galt er doch in


der öffentlichen Meinung immer als ein hochehrwürdiges Kollegium.
Das Volk wollte sich freilich in seiner demokratischen Freiheit nicht von
ihm beschränken lafsen, aber es erwies ihm doch Achtung und Ver
trauen. Untersuchungen gegen Verbrecher, die man recht gründlich und
gewissenhaft geführt wissen wollte, wurden ihm aufgetragen, obgleich
freilich das Endurtheil den Volksgerichten vorbehalten blieb, und es
sich auch wol ereignete, daß, wer vom Areopagus schuldig befundm
war, nachher doch von jenen losgesprochen wurde (Dinarel». iu ll«-
luo8tli. § 54). Bisweilen wurde er auch mit außerordentlicher Voll»
macht bekleidet, nach seinem allgemeinen Ermessen zu verfahren (De-
uio8tk. äe eor. § 134), obgleich das, was ein Redner der demosthe»
nischen Zeit behauptet (viu»reu. a. a. O.), das Volk habe ihm oftmals
den Staat und die Demokratie in die Hände gegeben, nur eine rhe
torische Phrase ist. Nach der Schlacht bei Charonea wurden Mehrere,
die das Vaterland in der Gefahr verlassen hatten, spater vom Areo»
pagus mit dem Tode bestraft (I^eurß. iu I^oer. ß 52). Es ist aber
nicht klar, ob der Areopagus hier aus eigner Macht oder in Folge
außerordentlicher Bevollmächtigung gehandelt habe. — Uebrigens war
der Areopagus, insofern er etwa mit Geldvernmltung zu thun gehabt
hatte, gleich allen andren Behörden verpflichtet, darüber bei den Lo»
gisten Rechenschaft abzulegen (Hs8oliiu, iu OteÄpb. p. 408). Daß jeder
einzelne Areopagit wegen Vergehungen zur Verantwortung gezogen
werden konnte, versteht sich von selbst, und wie der Rath der Fünf
hundert das Recht hatte , unwürdige Mitglieder aus feiner Mitte aus
zustoßen, so stand natürlich auch dem Areopagus ein gleiches Recht
gegen seine Mitglieder zu. Doch scheint es, daß die Ausgestoßenen
durch den Spruch eines heliastischen Gerichtes wieder haben restiluirt
werden können (vmareu. a. a. O. § 56 ff,).' (Westermann in Pauly's
Real»Enc. I, 2 S. 1501 ff.; Schömann's Griech. Alterth. I. S. 498 ff.).
Unter römischer Herrschaft gelangte der Areopagus zu neuem
und erhöhtem Ansehen. Wenn auch Cicero's Angabe (äs u»t. üe0r.
2, 29, 74): ^tilsuisu8ium rem Imbliekm eouzilic> reßi ^riopagi eine
Uebertreibung enthält, so erscheint in jener Zeit der areopagitische Rath
Einleitung. 117

doch neben dem Volke und dem Rache der Fünfhundert (resp. Sechs
hundert) beinahe als dritte und bis auf einen gewissen Punkt selbstän
dige, wenn auch auf rein lokale Angelegenheiten beschränkte Staats
gewalt nach den uns erhaltenen Urkunden war die ossicielle Reihen»
folge: iH /?ov^H H ^ >^kl'av n«/ov x«l ^ LovXH rc5»' ö^«xo<7l'luv
««l o ck^o;). Er entschied (entweder allein oder in Verbindung mit
einer der beiden anderen BeHörden oder mit beiden zugleich) über die
Errichtung von Ehrenstatuen, er übte die Bau» und Marktpolizei,
erstere wol hauptsächlich unter religiösen Gesichtspunkten, letztere in
Rücksicht auf die Anwendung richtigen Maßes und Gewichts, er führte
die Aufsicht über das Unterrichtswesen (so suchte er den Peripatetiker
Kratippos als Lehrer für die athenische Iugend zu erhalten, ?Iut.
Oie. 24). (Vgl. K. Fr. Hermann' s Staatsalterth. z 176, 10 u. 24;
Westermann a. a. O. S. 1503 ff.).
Die nachfolgende, '^pklo?l«/lrlxö? betitelte und von Isokra»
tes im hohen Alter (im 83sten Lebensjahre, 01. 106, 4 ^353 v.Chr.,
2? Iahre nach dem Panegyrikos) verfaßte Rede hat zum Zwecke, den Athe»
nern, welche sich damals in Folge der Kriege und der inneren politischen
Wirren im Zustande äußerster politischer und sinanzieller Erschöpfung
befanden, überzeugend darzuthun, daß die einzig mögliche Rettung aus
ihrer zerrütteten Lage und das einzige Heil für Athen in der Her
stellung derjenigen Demokratie bestehe, wie sie Solan ge
gründet und Kleisthenes erneut hatte (vgl. im Folg. § 16), und
in welcher namentlich der ehrwürdige Areopagus von so mächtigem
Einflusse auf die Bewahrung von Recht und Sitte von Seiten der
Bürger übte. Daß diefer wohlgemeinte Rath in seinem vollen Um
fange unausführbar war, erkannte er wol selbst, da es nicht möglich
war, eine im Laufe der Zeit fo vielfach veränderte Verfassung und mit
ihr zugleich die alte Einfachheit der Sitten ohne Weiteres wiederher
zustellen.' Allein er mochte hoffen, daß seine Worte durch die Kraft
der Wahrheit wenigstens bei den Bessergesinnten unter seinen Mit
bürgern nicht ohne nachhaltige Wirkung bleiben werden und so die Er
wartung hegen, daß aus der richtigen Erkenntniß der gefahrvollen
Lage des Staates ein besserer patriotischer Geist sich erzeugen und in
118 i8oKrates, ^reopaMiKos. (^^p. I.

der Wiederherstellung von Ordnung und Sitte die nöthige Kraft zum
erfolgreichen Widerstande gegen die von außen drohenden Gefahren ge
wonnen werden könne.

0^. I.

(1) 'Viele von euch, glaub' ich, wundern sich, was ich wol im
Sinne habe, daß ich den öffentlichen Vortrag "über (Staats») Ret»
tung" angemeldet habe, als ob der Staat sich in Gefahr befände oder
seine Angelegenheiten mislich ständen, und er nicht vielmehr über
zweihundert Dreiruderer besäße, Frieden im Lande umher hätte und
auf dem Meere herrschte; (2) außerdem viele Bundesgenossen hätte, die
uns, wenn es noth thäte, mit Bereitwilligkeit beistehen würden, noch
weit mehrere aber, welche ihre Beiträge bezahlen und thun, was ihnen
befohlen wird. Unter solchen Verhältnissen, möchte Iemand sagen, sei
es vernünftig, gutes Muthes zu fein, da wir uns fern von Gefahr
besinden, dagegen komme es unferen Feinden zu, sich zu fürchten und
über ihre Rettung zu Rathe zu gehen.'
(3) 'Daß ihr nun, auf folche Erwägung gestützt, meine Rede nicht
beachtet und ganz Hellas mit dieser eurer Macht zu beherrschen hoffet,
das weiß ich, aber eben deswegen bin ich in Furcht. Denn ich sehe,
daß diejenigen Staaten, welche in den besten Verhältnissen zu fem
glauben, sich am Schlimmsten berathen, und daß die, welche am Meisten
gutes Muthes sind, den meisten Gefahren ausgesetzt sind. (4) Die Ur
sache hiervon ist, daß von dem Guten und von dem Schlimmen Nichts
für sich allein (ungemischt) den Menschen zu Theil wird, sondern es ist
verbunden und folgt nach einerseits dem Reichthum und der Macht der
Unverstand und mit diesem die Zügellosigkeit, andrerseits dem Mangel
und der Niedrigkeit Besonnenheit und große Mäßigung; (5) so daß es
schwer ist zu entscheiden, welches von diesen (Erb»)Theilen Jemand
lieber wählen wollte, seinen Kindern zu hinterlassen. Denn wir möchten
I8oKratez, H,re0paßitill08. Oap. I, 1. 2. 119

sinden, daß von dem, was das Schlimmere zu sein scheint, die Dinge
meistentheils zum Bessern fortschreiten, von dem aber, was als das
Bessere erscheint, dieselben gewöhnlich in das Schlimmere umschlagen.
(6) Und hiervon kann ich Beispiele anführen, und zwar sehr viele aus
den Angelegenheiten Einzelner (aus Privatverhältnissen) — denn diese
erfahren die häusigsten Veränderungen — bedeutendere jedoch und für
die Hörer offenkundigere aus unseren und der Lakedämonier Schicksalen.'
1. ?is^Xov? H«v/4u^klv Hvrcv« nork /vcü/«^v «tc, eine sehr
häusige Redensart, vgl. ^utipbou. 1 § 5: H«v/U«^w rov «ckk^oi5,

/Ukvol «e«lo/«^vi/v r^v ^^,«ck« ?ik<>ll>plü<7lv. XsuoIili. Nemor. I,


1, 1: ?lo^«xl? ^H«V/««<i«, r/<7l ?lor6 ^,o^o«? '^IHi/votlov? Alkl<7«v
ot ^^«v«^kvol ^w«^«^'?v ete. Vgl. auch zum Anfange des kau-
Sß^r.: no^«xl? ^s«v/i«<7« ste. — nkpl cncar^^l«? rHv ?ipö<7-
ockov ^?iol^<7«/i^v, der Verf. singirt, bei den Prntanen durch einen
schristlichen Antrag sich die Erlaubniß ausgewirkt zu haben, einen Vor
trag 'über die Staatsrettung' vor der nächsten Volksversammlung zu
halten; vgl. im Folg. § 15: vnkp H? ^/w x«i rov? Xo/ov? /ikXiw
?iolkl<7H«l x«l r^v?i<>o<7o<l«v «?lk/?«iM/^v. In Folge eines solchen
Antrags wurde dann von den Prntanen durch öffentlichen Anschlag be»
kannt gemacht, daß der angemeldete Gegenstand in der nächsten Volks
versammlung zur Verhandlung komme, npo'aocko?, eig. der Zugang,
bezeichnet das Auftreten des Redners in der Volksversammlung. —
w<7?lk<> - - ov<^? . . «^' o^ sie., 'als ob . . und nicht vielmehr' «.,
vgl. ?»usß. § 176: <3<7?lk^ v?ikp ««<k«'vov ?loXk/i^<7«vrwv H/«Fv . .
<ii^' oöx, s. die Bemerk, z, d. St. S. 105. — r« nkpl rH»» /wp«v,
d. i. in Attika und der Umgegend.
2. av^«^ov? ^ro^ov?, näml. seit der Ol. 100, 3 (— 3?«/, v. Chr.)
gestisteten zweiten attischen Bundesgenossenschaft, unter welche sich bald
mehr als siebzig Staaten begaben — avvr«T«?, 'Aufstellungen', An»
sätze', die statt des verhaßten Namens ^«yoi ('Steuern') gewählte Be
zeichnung der 'Beitrage' der Bundesgenossen in dem erwähnten zweiten
Staatenbund; vgl. Hklrpoer. p. 279: k^k/k ck« roö? ^>ll^ov? <7vv
120 IsoKrates, H,reopaM>K05. Oap. I, 3 — 6a. II.

s. Hermann's Swatsalt. § 172, 3.


3. rv//«vlu <lkckl«>'?, 'ich bin grade (deswegen) in Furcht' —
«plar« ?l<,«rrkl»', 'am Besten sich besinden — daran sein, in den
besten Verhältnissen sich besinden'; vgl. 4 ß 103: ot ?ltls«l»/^<7«v«^

4. «vrü x«s' «vro, 'für sich allein', d. i. Eines ohne das Andre,
unvermischt — roi? ?lXov'rol?, der Plural, wie auch sonst nicht selten;
vgl. ?»ueF. § 151: <5l« roi,? nXovrov? rpv^cüvrk?; daf. Z 182:
^k/«Xc>v? il^ovroo^ ««r«xr</<7«<7s«l, u. a. — «vol«, 'Unverstand',
hier im Gegensatze zum folg. <7cu^,p<,<7vv^, s. v. a. Mangel an Selbst»
beherrschung.
5. ck«5«^o s. v. a. Aolro: lieber nehmen, ^- haben, wünschen
mochte — t'x L^? ^«l^orkp«?, näml. /ltl>lcka?, aus dem vorher»
gehenden ^kp<'ckcuv zu entnehmen — cu? ^?ll ro ?«>^,v, 'zum größten
Theil', 'meistentheils', 'in den meisten Fällen' — snl rö /3^rcov r««
?ll>«Fkl« ^lcklckova«?, 'die Dinge zum Bessern fortschreiten'. — ^nl
rc> ^tlpc>v ^kr«?ll?lr«v, 'ins Schlimmere umschlagen'.
6». ^x rcüv ickl'cuv ^«/^««rcuv, 'aus den Angelegenheiten Ein
zelner', 'aus dem Leben Einzelner' — ^«^/3«»'«, 'nehmen an', 'er»
fahren'; vgl, 8 § 60: ro «/«sö»' rv/o»' «v ?i«v<7«lro x«l X«/3ol
^tr«/3oX^v und 6 § 40: r« vi'»' x«skarcür« H,^'</'kr«l rlv« /«tr«<7rll-
ilv — ov /«^v «^«', 'indes', 'jedoch', vgl. ^lmeg. § 65.

0^r. II.
(6b) 'Wir nämlich erlangten, nachdem uns« Stadt von den Bar
baren zerstört war, dadurch, daß wir in Furcht lebten und auf die
Staatsangelegenheiten unsre Aufmerksamkeit richteten, den ersten Rang
unter den Hellenen; nachdem wir aber eine unüberwindliche Macht zu
besitzen wähnten, kamen wir beinahe dahin, daß wir zu Sklaven ge-
macht wurden. (?) Andrerseits die Lakedämonier, als sie in alter Zeit
aus winzigen und unbedeutenden Städten auszogen, beherrschten sie
wegen ihres maßvollen und kriegerischen Lebens den Pelovonnesos;
IsoKrates, HieopaFiUIios. (^ap. II. 121

später aber, als sie über Gebühr hochmütig wurden und die Herrschaft
über Lan.d und Meer erlangt hatten, geriethen sie in dieselben Gefahren
wie wir.'
(8) 'Wer nun weiß, daß so große Veränderungen stattgefunden
haben und so große Gewalten (Mächte) so schnell gestürzt worden sind,
und gleichwol dem gegenwärtigen Zustande vertraut, der ist gar sehr
unverständig, zumal da unser Staat sich jetzt in viel dürftigeren Um
ständen besindet als um jene Zeit, und der Haß der Hellenen und die
Feindschaft mit dem (Perser»Mnige sich wieder erneuert hat, welche
damals uns überwunden haben.'
(9) 'Ich bin aber in Zweisel darüber, ob ich annehmen soll, daß
ihr euch um die gemeinsamen (allgemeinen Staats»Mngelegenheiten gar
nicht kümmert, oder, daß euch dieselben wol am Herzen liegen, ihr
aber so sehr in Unempsinolichkeit versunken seid, daß euch unbekannt
ist, in welche Zerrüttung der Staat gerathen ist. Gleichet ihr doch
ganz Leuten, die in solchem Zustande sich besinden. Nenn obgleich wir
alle Städte an der Küste Thrakiens verloren, mehr als tausend Ta
lente vergeblich (zwecklos) auf die Miethstruppen verwendet haben,
(10) bei den Hellenen verhaßt, mit den Barbaren verfeindet, außerdem
gezwungen worden sind, die Freunde der Thebaner zu retten, unsre
eignen Bundesgenossen aber verloren haben: ungeachtet so bedeutender
Unfälle haben wir schon zweimal wegen erhaltener guter Botschaft
Opferfeste gefeiert und berathen sorgloser über diese Angelegenheiten
in der Volksversammlung als Leute (thun), die alle ihre Pflichten er
füllen. (11) Und es ist auch ganz natürlich, daß wir so handeln und
es uns so ergeht. Denn Nichts kann auf die rechte Weise bei denen
geschehen, welche nicht vorher über die ganze Verwaltung gehörig Rath
gepflogen haben, sondern, wenn sie auch für einzelne Fälle entweder
durch Zufall oder durch die Tüchtigkeit eines Mannes das Richtige ge
troffen haben, nach kurzer Zwischenzeit wiederum in dieselben Verlegen
heiten gerathen. Und dies kann man leicht aus dem, was uns be
gegnet ist, erkennen. (12) Als nämlich das gesammte Hellas nach dem
Seetreffen des Konon und den Feldzügen des Timotheos unter die
Herrschaft unsres Staates gekommen war, konnten wir gar nicht lange
122 IsoKiÄtes, H^eopaMiKo8. Oap. II, 6 b.

das Glück festhalten, sondern untergruben und zerstörten es schnell


wieder. Denn eine Staatsverwaltung, welche die VerlMtnifse richtig
benützte, haben wir nicht, noch suchen wir sie auf richtige Weise.
(13) Und doch wissen wir allesammt, daß das Glück nicht denen zu
Theil wird und bei denen verbleibt, welche sich mit den schönsten und
größten Mauern umgeben, noch bei denen, welche sich mit den meisten
Menschen an Einem Orte versammelt haben, sondern bei denen, welche
am Besten und Vernünftigsten ihren Staat verwalten. (14) Denn die
Seele eines Staates ist nichts Anderes als die Staatsverfassung (der
innere Staatsorganismus), welche eben so große Macht besitzt, wie im
Körper die Denkkraft: sie ist es ja, die über Alles berathschlagt, die
das Gute bewahrt, die Unfälle aber fernhält; ihr müssen die Gesetze
und die Volksredner (Volksführer) und die einzelnen Bürger sich an»
bequemen, und Ieder muß sich so verhalten, wie die (Staatsverfassung)
ist, die er eben hat. (15) Wir aber kümmern uns nicht um ihre Ver»
derbniß, noch untersuchen wir, wie wir sie verbessern möchten; sondern,
bei den Werkstätten sitzend, klagen wir über das Bestehende und sagen,
daß wir niemals unter der Nolksherrschaft schlechter (als jetzt) verwaltet
worden, in der Handlungs» und Denkweise aber, die wir befolgen,
schätzen wir es mehr als das von unseren Vorfahren Hinterlafjene.
Hierüber nun will ich eine Rede halten und habe mich zum Vortrag
gemeldet.'
6b. äv«<7r«rov, näml. durch die Perser im I. 480 v. Chr. —
«vvn^/3Xyr<,v, 'unüberwindlich'— ?r«^>« ^l«cpi>v ^so/<kv, 'wir kamen
um ein Weniges, beinahe dahin', mit folg. Insinitiv; vgl. dieselbe
Redensart 8 § 78: ki? ro<7Mrov Mao? x«rt<7r^at»', luark ?r«^«
/«l«^>o»' As«v ^«vckp«?lock«7s^v«l rHv ?lo^lv. 17 § 42 U. 19 H 22 .
n«p« /«xpö»' ^sov «?ios«vkl»'. Der Gedanke an unsre Stelle be»
zieht sich auf das Ende des velovonnesischen Krieges, kurz vor Ueber»
gabe Athens (404 v.Chr.), zu welcher Zeit die Abgeordneten mehrerer
griechischer Staaten, besonders die Korinthier und Thebaner, dazu
riethen, 'mit den Athenern keinen Frieden zu schließen, sondern die
Stadt zu zerstören', wogegen die Lakedämonier erklärten, 'sie würden
eine hellenische Stadt nicht in Knechtschaft gerathen lafsen, die sich in
IsoKrates, Hreop»FitiKos. 0ap. II, 7 — 11. 123

den größten Gefahren, in welchen Hellas geschwebt, große Verdienste


erworben hätte' (Xsuopli. llsllen. 2, 2, 19 ff.). Die Sache wird von
Isokiates wiederholentlich erwähnt; 8 § 78 u. 105; 14 § 31 ff.; 15
ß 319; 18 §29.
7. ^x P«v4«>v x«l r«?lklvcüv no^kluv, näml. aus der dorischen
Tetrapolis am Oeta: 'Vpivko'?, Zolöv, Mvcko; und /lvil'vvlov; die
selben nennt Isokrates 12 § 253 no'Xtl? «cko^ov? x«l /<l«p«? x«l
ilo<l^<üv ^»'ckkll? oi!<7«? — tl; rov^ «^rsö; xivckv»'l»«)?, näml. nach
der Schlacht bei Leuktra 371 o. Chr.
8. «^lu? rk x«i, vgl. zu knueß. § 66. — rov cki ^i<7c>v? ro5
rcüv ^.^^vluv, näml. im Bundesgenossenkrieg, 357—355 v. Chr. —
rork, auf den Schluß des § 66 hinweisend.
9. «ol««rt livsl>«l?ic>l?, o?rl»'k; . . rtsvx«/<kv, Wechseln der
Personen — r«? ?io'ikl« r«; ^?ll O^«x^;, d. i. die Städte auf der
Halbinsel Chalkidike und in der Umgegend (Amphipolis, Pndna, Po»
tidäa), welche Philipp von Makedonien seit 357 erobert hatte — tic
roö? s^vov?, näml. im Bundesgenossenkriege.
10. ckl«/3k^^^«'vol, 'verhaßt'; vgl. ?lweß. § 129: ov /«l> "v«

rcu? «i^^x« iltpl «^rcüv — rH? /?«p/3«<»z» , vgl. im Vorsieh, ß 8:

O^/3«lluv ^,l'^ov« <7lü^tlv, die Athener hatten nämlich Chios , Byzan»


tion und Rhodos, die sich im I. 364 den Thebanern angeschlossen, im
I. 356 die Unabhängigkeit zugestehen müssen — roö? cki . . <7v/<»
/««^ov? «noXu^txork?, in demselben Iahre (356) näml. verloren die
Athener außer den drei genannten Bundesstaaten noch Samos, Kos
und mehrere thrakische Städte — kv«^/^l« <tt? rksvx«/«tv, näml.
zuerst wegen des Sieges des Chares über die Perser, dann wegen des
Sieges desselben Feldherrn über Philipp's Unterfeldherrn Adäos bei
Kypsela am Hebrus. k^«?/t<ll« (»eeu8. plur.) svklv, frohe Botschaft
durch ein Dankfest mit Opfern, einen Opferschmaus feiern.
11. x«rü i<x,'^ov, 'auf die rechte Weise', 'recht', 'gehörig' — ?ifpl
oXy? r^? ckloc^'l7klu?, 'über das Ganze der Staatsverwaltung' —
124 IsoKrates, ^rs0paZitiKos. Oap. II, 12 — 14.

ckl' «»'ckl>ö? äpkr^'v, Isokrlltes denkt bei «vckl>c>? namentlich an Konon,


vgl. im folg. § — ^lxpü»' <5l«Xl?lovrk?, wörtl, : ein wenig Zeit da»
zwischenlassend, d. i. nach Verlauf kurzer Zeit, nach kurzer Zwischen
zeit; vgl. denselben Ausdruck 8 § 52 u. 12 ß 93: c>6 ?loXöv /p<i'vav
ckl«4l?lövrk?; vgl. auch im Folg. § 17: /«xpov «n^il?lov roii /«^
. . ntpl?lk<7kl»' -^ x«i^ar^<7«v, gnomischer Aorist: sie pflegten zu
gerathen.
12. v?lo?lto<"!<7'??, 'als es (Hellas) sich untergeordnet hatte' —
/«kr« r,)» ^o'vluvo« v«v^«/l'«v, näml. nach der erfolgreichen See
schlacht bei Knidos, 394 v. Chr. — ^kr« rHv IV^ostov ar^«r^-
/i«v, näml. im I. 373, in welchem Timotheos am Vorgebirg Leukas
die spartanische Flotte vernichtete — oöckkv« ^o>ov, hier s. v. a. ov
?ioXi>v /^ovov: 'gar kurze Zeit' (dagegen ovckknork, 'gar nicht'); vgl.
so 6 § 87; 12 § 5; 14 § 29 u. a. — cklk<7x«plc/'ya«^ks«, seltenes
Wort (<7««l>l^,«o^«l, eigentl. vom Aufscharren der Hühner, allgem.:
aufkratzen, dah. sigürl.): 'untergraben'; dah. das folg. x«l ckl«'Xv<7«^
«vi«? keine Glossen, sondern synonyme Begriffssteigerung — 6^s<ü«
«v /p^<7«M»'^v, s. v. a. i/il? öp^cü? «>' /^>^<7«lro, von der Gegen
wart, wie aus dem folg. k^o/<kv und ^roii^kv ersichtlich ist: 'welche
richtig benützte'.
13. r« «l'/»? x«X^l<7r« x«l ^«/lar« ete., Anspielung auf die
Mauern Athens und dessen bedeutende Einwohnerzahl — ^kr« . .
<7vv^3^<,l<7/«iv<,i?, so öfters ««kr« mit <wv im Compositum verbun»
den; vgl. 2 § 27: Ms' <»v avvckl«r?l'^kl?. 4 § 146: /«tH' ov
<7l)v^xoXol>s'?<7«»'. 5 § 90: rlu»' /«kr« ^v^ov <7l«7rp«rkv<7«/«^'luv.
14. ?arl ^«^ v^X'? ?l<!^kl»? ete., derselbe Gedanke 12 Z 138
wiederholt: ?l«<7« ?loilrki« <^v/^ ?io^kcu? F<7ri, ro««vr^»' k^ovo«
ckv»'«/l«v, o<7^v ?lkl» ^»' <7<ü/««re 7,povi/<7l;' «vri? ^«p ^<7riv ^ ^sov-
Xkvo^kvy . . cklll^kv'^ova« (der letzte Theil mit denselben Worten
wie an unsrer Stelle); vgl. auch 8wb. ?Ior. tit, 43, 140: ^/«o<7K«.
v^; k^,^ ?r<i^k«<? tiv«l r^v ^'v/Hv roi,? vo'/«iv?; vgl. Ilemosrli. 24
Z 210: 8 «inklv rlv« ^«ol»', «X^s^? tiv«l ^oi ckoxk5, rov? vo-
/<ov? rl>o'?lov? r^? ?löXtlu? ki»'«l, und ^ristot. kolit. 4, 4, 3: ^
no4lrkl« /3l'o? ri? ^<7rc ?r<iXkcu? — Loi'? ^ro^»«?, hier s. v. a.
IsoKrates, H,rsop2,ZitiIi0s. Oai>. II, 15. III. 125

loö? ck^^^/o^>ovvr«?, ck^/««/cl>/ov;, Staatsmänner, im Gegensatze


zum folg. ickllu'r««, den einzelnen Bürgern.
15. ^?il rcüv ^/«<7i^^l'lu»', bei den Werkstätten, bei den Buden
der Handwerker am Markte, wo (wie auf dem Forum in Rom) die
Bürger zusammenzukommen und zu politissiren pflegten); vgl. 18 § 9:

x«r«/lkl^skl<7»/?, näml. ck^/<ox^«rc«; — i^v ?i^>l!<7c>l5ov, s. im


Vorsteh, zu § 1.

L^r. III.
(16) 'Ich sinde nämlich, daß das einzige Mittel, sowol die künf
tigen Gefahren abzuwenden als die gegenwärtigen Uebel zu entfernen,
oarin besteht, daß wir uns entschließen, wieder jene Volksherrschaft
anzunehmen, welche Solon, der größte Volksfreund, gesetzlich einge»
führt, und Kleisthenes, der die Gewaltherren verjagte und die Volks»
Partei zurückführte, von Neuem wiederhergestellt hat, (17) die volks»
thümlichste uud dem Staate ersprießlichste, die wir sinden können.
Der größte Beweis hiefür ist der: diejenigen nämlich, welche dieselbe
anwendeten, haben viel Herrliches ausgeführt, haben bei allen Menschen
in hohem Ansehen gestanden und von den Hellenen freiwillig die Führer
schaft (Hegemonie) erhalten; diejenigen aber, welche nach der jetzt be
stehenden verlangten, werden von Allen gehaßt und haben viel Schreck
liches erfahren und es fehlte wenig, daß sie nicht in das äußerste Un
glück stürzten. (18) Wie soll man nun diese Staatsverfafsung loben
oder lieben, welche schon früher die Ursache sovieler Uebel gewesen und
jetzt mit jedem Iahre dem Schlimmern zueilt? Wie muß man nicht
vielmehr fürchten, wir möchten, wenn es so fortgeht, zuletzt in noch
mislichere Lage, als die damalige war, versinken?'
(19) 'Damit ihr aber nicht blos nach oberflächlichem Hören, son
dern, nachdem ihr euch genau unterrichtet habt, eure Wahl und eure
Entscheidung darüber treffet, ist es eure Aufgabe, meinen Worten
Aufmerksamkeit zu schenken; ich aber werde so kurz wie möglich übcr
beide (Verfassungen) zu euch zu sprechen versuchen.'
126 I8oKrate8, ^reoM8itiKo8. OW. III, 16 — 19.

16. r«vr^v . . änoipo?i^v, «n«^«/,jv, daß dies . . die Ab»


wendung und Entfernung werden würde, wenn «. — «v ^kvo^iv,,»,
s. v. a. H ^ivolro «v — ^ ^oäluv //^v . . /5^k«7s«v^? <l' ete.,
zur Sache vgl. 15 § 232. — rov? rvpclvvov«, näml. den Pisistrati»
den Hippias und die Söhne von dessen Bruder Hipparchos, vgl. Ileroä.
5, 62 ss. — ?i«^,lv ^ «p)I^?, 'von Neuem wieder'.
17. ck^orcxwr^«v, 'dem Volke günstiger', 'volksthümlicher'; vgl,
im Folg. § 23: «i«r« x«l ck^/«>rcxcurkp«v ^o^l^ov kiv«l r«v-
r^v ^v x«r«<7r«<7lv — rHv ^/k/iovl«v i'X«/3ov, zum Ausdrucke
vgl. ?lMSL. § 72: ?loXX«? <l' varkpov rHv ä^^v rff? s«X«rr^?
k).«/3ov — /i«x^öv «nk^lnov roü /«^ . . ?i^l?ikaklv, 'es fehlte
wenig, daß' :c., im Griech. persönlich; vgl. so 15 § 122: rHv no'Xlv

<iv^^>op«l? ?lkpi?lk<7klv. Vgl. auch im Vorsieh. § 11 zu ^lxpöv

18. x«/rol ?i«??; eine bei Isokrates sehr hausige Partikelverbin»


dung: 'in der That, wie?', 'wie also?'; vgl. ?»usF. § 96: x«/rol
?icü? «v ^k/vwv «vck^k? «^klvov? . . «vrk? k?llckkl/sklkv; ebendas.
§ 127: xoüirol ?l<ü? oö« «ro?i<»v; u. v. a. — rol«vr^? ^?ll<lo<7kcu?
^kvo^«v^?, wenn solches Fortschreiten (zur Verschlimmerung) statt
sindet, 'wenn es so fortgeht' — Lork, näml, zu Ende des pelopon»
nesischen Krieges — ^oxk^.w^kv, 'wir möchten stranden, scheitern,
Schiffbruch leiden', k^ox^^,^w naut. tsrm. teotm.: mit dem Schisse
auf Klippen oder Untiefen treiben, stranden, scheitern, versinken.
19. avX^'Lck^v, zusammengefaßt, im Allgemeinen — rHv «?pk-
<7lv . . «vrcüv, näml. die Wahl zwischen der jetzigen und der alten
Verfassung — n«?«^«v . . ^«akxovr«? röv vavv, wörtl.: euch
darzubieten als eure Aufmerksamkeit Zuwendende, umschreibende Aus»
drucksweise für das einfache ?ipo<7«xklv röv vovv — nkpi ä//^or«-
<>luv roviwv, näml. über die beiden Verfassungen — nkpl . . ck«kX-
sklv, sehr oft bei Isokrates, vgl. 9 § 2: ki'n? ckl>v/?sk/^ ?!kpi rcüv
k?i«^ckkV/««rcuv «vrov . . «§/w« <llkXHkl»»; das. § 12: ckox« ^«il
?l^>^?ik«v x«^« ckl«^sklv nkpl «c^rcüv; ?«Msß. § 66: ?iklp«<7<»/««l
««i ?lkpt r«,l!rluv cklk^sklv, u, v. a.
IsoKrates, ^reopaßitiKos. Os,P. IV, 20. 12?

c^>. IV.

(20) 'Diejenigen nämlich, welche um jene Zeit den Staat verwalteten,


stellten nicht eine Verfafsung auf, welche zwar den gemeinsamsten (volks»
thümlichsten) und mildesten Namen (Demokratie) führte, welche die Bür
ger auf die Weise erzog, daß sie Zügellosigkeit für Volksherrschaft, Ge
setzwidrigkeit für Freiheit, Ungebundenheit für Gesetzesgleichheit, und
die Befugniß, so zu handeln, für Glückseligkeit hielten; sondern eine
solche, die die Leute der Art haßte und strafte und alle Bürger besser
und besonnener machte. (21) Das Meiste aber trug bei ihnen zur guten
Staatseinrichtung bei, daß sie von den beiden angenommenen Gleich
heiten, deren eine Iedem dasselbe, die andre Iedem das Gebüh
rende (ihm Zukommende) zutheilt, diese heilsameren nicht miskannten
(wohl erkannten), die aber, welche die Guten und die Schlechten des
Gleichen werth hält, als eine ungerechte verworfene, (22) die aber,
welche Ieden nach feinem Verdienste ehrt und straft, vorzogen und mit
ihr den Staat verwalteten, indem sie nicht unter Allen die Staats»
ämter verloosten, sondern die Besten und Tauglichsten zu jedem Ge»
schäfte auswählten. Sie hofften nämlich, auch die Anderen würden
ebenso sein wie die, welche an der Spitze der Staatsgeschäfte stehen.
(23) Ferner glaubten sie auch, daß diese Besetzung (der Aemter) volks»
thümlicher sei als die durch das Los bewirkte. Denn beim Losen werde
der Zufall entscheiden, und häusig werden diejenigen die Aemter er
halten, welche nach der Herrschaft Weniger (Oligarchie) streben; bei der
Auswahl der Tüchtigste ^Tauglichste) aber werde es dem Volke frei
stehen, diejenigen zu wählen, welche der bestehenden Verfassung am
meisten zugethan sind.'
20. ot cklolxovvrk?, näml. Solon und Kleisthenes — ry? xolvo-
r«ry,, dem gemeinsamsten, aus der Gesammtheit entnommenen, Allen
gleich gerechten, volksthümlichsten Namen; vgl. § 70: <^/«<,«<,«rl«;
ckl«lllork'^«? x«l xol»'or^pa?, und ^uätck, 4 § 13: ckM<ix^>«rc'«?,

roi? ^vrv^/«vov<7l, denen, die mit ihr in Berührung kamen — r«5r«

^
128 IsoKrates, H^eopuZitiKos. Oap. IV, 21 — 23. 0»p. V.

?iolt«', näml. «xoX«<7r«lvkl»', ?l«lillvo/zklv, ?i«p0»/<7lll^k<7s«l, aus


den vorangehenden «xoX«<7l«v ete. zu entnehmen.
21. ckvoiv l'aoi^rolv, von beiden Arten der Gleichberechtigung —
rH« /«kv . . «novk^ovll^«, d. i. welche alle Bürger (ohne Unter
scheidung hinsichtlich ihrer Befähigung oder ihres sittlichen Wertbes) zu
allen Aemtern berechtigt glaubte, also politischer Kommunismus —
rö ?l^cx7^o»' kx«<7ral?, näml. «?iovk/<av<7^? — ovx ^vool>v, Li
totes: 'sie erkannten wohl' — rHv /<"?<7l/<<urk'p«v, näml. die zuletzt
erwahnten.
22. r«? «p^«? xX^^>ovvrk?,/erst durch Aristides wurde die all»
gemeine Verlosung der Aemter unter die zu denselben sich Meldenden
eingeführt, ?Iut. ^rist. 22. Vgl. Hermann's Staatsalt. ß 112: 'Es
kann nicht auffallen, einen der reinsten Menschen, welche die Geschichte
kennt, Aristides, durch Eröffnung des Zutritts zum Archontate und den
übrigen Staatsämtern für alle Bürger, ohne Rücksicht auf Geburt oder
Schatzung, die bedeutendste Schranke wegräumen zu sehen, welche Solon
noch dem demokratischen Elemente gesetzt hatte, wenn man erwägt, daß
er es für ein Geschlecht that, wo sich Alle durch diese Theilnahme an
dem Interesse des Ganzen, durch gleichen Gehorsam gegen die Gesetze,
durch gleiche Aufopferung für das gemeine Wohl in gleichem Maße des
Herrschens würdig gemacht hatten.'
23. r«^r^v rHv x«r«l7r«<7lv, 'diese Besetzung der Aemter': vgl.
5 § 70: x«s«7r«»'«l kl? «p/«? — ^«^/«vkl»', s. v. a. xXi^oil<7s«l,
'durchs Loos erhalten'— /3?«/3tv'<7klv, 'werde entscheiden'; vgl. 5 §70:

c^r. V.
(24) 'Die Ursache aber, daß dies der großen Menge gefiel und sie sich
um die Staatsämter nicht stritt, war, weil sie gelernt hatten zu arbeiten
und zu sparen und nicht das Ihrige zu vernachlässigen, aber auch auf
fremdes Gut auszugehen, auch nicht aus dem Gemeingute des Eignen
zu versorgen, sondern mit dem, was Ieder besaß, wenn es etwa nöthig
war, dem Gemeinwesen auszuhelfen; noch auch die Einkünfte von den
Staatsämtern genauer zu kennen 'als die vom eignen Besttzthume.
IzoKrate8, H,reupa8itiKu8. Oap. V, 24. 129

(25) Und so sehr hielten sie sich vom Staatseigenthum fern, daß es
schwieriger war in jenen Zeiten Männer zu sinden, welche Staatsämter
bekleiden wollten, als jetzt Solche, die darnach nicht verlangen; denn
nicht für ein einträgliches Geschäft, sondern für eine 'Leistung fürs Volk'
ftklrov^/l«) hielten sie die Besorgung des Gemeinwesens, und nicht
sahen sie beim Amtsantritt vom ersten Tage an darauf, ob die früheren
Beamten ihnen einen Vortheil zurückgelassen, sondern vielmehr darauf,
ob sie irgend ein Geschäft vernachlässigt hatten, dessen Besorgung
dringend nothwendig sei. (26) Um es kurz zu sagen: Iene hatten er»
kannt, daß das Volk, wie ein unumschränkter Herrscher, die Staats
ämter besetzen, diejenigen (Beamten), die sich etwas zu Schulden kom
men lassen, bestrafen und über zweiselhafte Fälle entscheiden müsse;
daß diejenigen, welche in Muße leben können und ein hinreichendes
Auskommen besitzen, das Gemeinwesen besorgen müssen wie Hausgesinde;
(27) und wenn sie gerecht seien, sollten sie gelobt werden und sich mit
dieser Ehrenbelohnung begnügen; wenn sie aber schlecht (ihr Amt) ver«
walteten, keine Verzeihung erhalten, sondern in die größten Strafen
verfallen. Und wie ließe sich auch eine sichere und gerechtere Volks»
mirthschaft sinden als die, welche die Tüchtigsten dem Geschäfte vor
setzt und über diese selbst das Volk zum Herrn macht? (28) Solches
also war die Einrichtung ihrer Staatsverfassung, und man kann leicht
daraus erkennen, daß sie auch die Geschäfte des täglichen Lebens recht
und auf gesetzliche Weise verrichteten: denn nothwendig müssen bei
denen, welche in Betreff der Gesammtheit der Geschäfte gute Grund
lagen geschaffen haben, auch die einzelnen Theile wie diese (Gesammt
heit) sich besinden.'
24. ?ikpl^«/^iol>?, 'worüber man sich streitet', ein Lieblingswort
des Isokrates; vgl. 8 § 65: ckwllark/«? v?iö n«'vrwv «^w/««vy? x«t
?lkpl//«^i/rov /k/kvi/^^v^?. 9 ß 40: «?l«vrk? «v 0/«oXo^<7kl«v

<7rov x«l ««/«/«r«rov x«l ?ik<»/i«^i/ror«rov klv«l, u. m. ll. —


rlöv //^v «l««/«,v . . r«,l« ck° «^orp/ol?, vgl. 8 § 64: rwv /«ii»

<«ossi«uv . . ck«olxklv, näml. indem sie aus der Staatskasse Sold für
130 lsoKrates, H,reopaFitiKos. Lap. V, 25 — 27

das Richter» und Rathsherrenamt, für die Theilnahme an den Volks


versammlungen u. dgl. — ^x rcüv <i§>/kl'luv, näml. von den eben ei»
wähnten besoldeten Aemtern.
25. o«!rcu a?,o<?<,« gehört zusammm: 'so sehr' — roö? ^ck«v
ckko^kvov?, näml. «<,/klv: die kein Verlangen darnach tragen —
k^nopl'«v, ein gewinnbringendes, einträgliches Geschäft; vgl. 2 § 1:
ov cko<7lv «i^' ^?lopl«»' ?lolo^kvol — ^klrov^/i«»', hier nach
seiner etymologischen Bedeutung (von i«ro?, d. i. z«r<i?, X^iro;
aus ^klu«, X«ö? ---- ck^^o'<7l<,? und «^^ov): 'Volksdienst', 'Leistung
fürs Volk', (s. Irieuu. III. S. 161); zum Gedanken vgl. 12 ß 145:

/«kv, rl/«H»' ck^ rlv« ?lkplstl<7«l? «irol? — ^so'vrk?, nachdem sie


ins Amt getreten waren — X^^«, näml. ein Vortheil vom Amte;
vgl. ebendaf.: «ck« ^ä^l> roö? «^klv «ipkskvr«? rcüi' rk xri//<«r<l<»'

rol? vi3v x«sk<7r<5<7lv v?lo/<kl>tlkv; — rcüv r^o; «/«»' x«rt?ltl'


^o'vrcuv, von den Amtsgeschäften, die zum Abschluß drängten; zum
Ausdrucke ^kl'^kl»', 'drängen', vgl. 5 § 25: ntpl <7?lovck«lluv n^>«-
^/<«rluv x«l ^kl/ö»'rcuv ^ro^>tVk<7s«l, und 6 ß132: r« /««<llar<!
^?lkl'/ovr« — i«Xo? kXklv, s. v. a. rkXo? kiX^^>«»'«! , 'zu Ende ge
bracht sein'; vgl. ?aueß. § 5: rc,'rt ^«^> /p^ ?l«vk<7s«l IF/ovr«;,

26. ^«vvov, hier ohne gehässigen Nebenbegriff: unumschränkt«


Herr, Selbstherrscher, Souverain, wosür im folg. § xvplo«; vgl. ähn»
lich ckkO?iory? bei vsnio8tli. 23 § 209 : ro'rk ^kv ^«l> o ck^o« ?^

r«vovr«^, näml. «p^ovr«; — rcüv «/<^,l<7^rov^«'»'luv, 'über zweisel-


hafte Fälle', näml. in der Praxis der Beamten — lu'ankp olx^r«?,
näml. wie diese das Hauswesen besorgen.
27. x«xcü? ckl<,lx^<7«»'r«?, die ihr Amt schlecht verwalteten —
r«v'r^? . . r»/? ete., vgl. ?aueF. § 21: roirov; . . roi,? k^l?lkl^><>-
r«'rov; svr«?, und mit der ganzen Satzbildung daf. ß 87: x«l'rol i<c
Isckrates, ^rsopaFitiKos. Oap. V, 28. Oap. VI, 29. 131

^k»' /3«^>/3«pov? ^»'«<7r«rov; nol^<7«<7^?, roö? <s ^M^v«; xi?


ro<7«vr^»' kviiopl«»' ?l^xi«/«^o^a^?; — rov? ckvv«rlur«rov?, s. v. a.
lx«vlur«rove: 'die Tüchtigsten'; vgl. im Vorsieh. § 22 — «6r<Fv cktz
lovrlu»', näml. der gewählten Beamten.
28. ttv'vr«/^« r^« ?lo^irkl«§, vgl. so 12 § 151: rö avvr«//««
r^? rörk ?lo>>,lrkl'«? ^^«pxovvrlu? cktX^Xluxa/«kv. — ilkpl r<ü»'
3Xluv rcüv ?lp«)//<«rluv, in Betreff der Gesammtthätigkeit, im Gegen
satze zum folg. r« /«^j»?, vgl. ?»Uß8. § 51: ?v« cki ^H ckoxci? ?lkpl

^k?v — ^?lc>sk<7t<;, 'Grundlagen', 'Grundsätze'.


Cxr. VI.
(29) 'Was nun zunächst die Götter betrifft — denn es ziemt sich,
mit diesen zu beginnen — so verehrten und feierten sie diese nicht auf
ungleiche und ungeordnete Weise, auch führten sie nicht, wenn es ihnen
gutdünkte, dreihundert Stiere in Prozession auf und unterließen, wenn
es sich grade traf, die herkömmlichen Opfer; noch feierten sie die nun
eingeführten Feste, so ost dabei ein Schmaus stattfand, in glänzender
Ausführung, während sie an den heiligsten Festen wie im Verpacht (im
Verdung, durch die Wndestforoernden) opferten; (30) sondern darauf
allein achteten sie, daß sie Nichts von den herkömmlichen Gebräuchen
unterließen und außer dem, was eingeführt war, hinzusetzten. Denn
nicht in großem Aufwande, glaubten sie, bestehe die Frömmigkeit, son
dern darin, daß man Nichts andre von dem, was die Vorfahren über
liefert haben. Und in der That wurde ihnen auch das von den Göt
tern Kommende (die Witterung) nicht zur Unzeit und störend, sondern
zu rechter Zeit (gelegen) für die Bearbeitung des Landes und das Ein
sammeln der Früchte zu Theil.'
29. tvrkksk»' ^«p «^»Ak<7s«l cklx«lo»', vgl. den Anfang der
Olllvo^kv«: 'N« ^llö? «^lü/«k<7s« — «!^/l«^o»', hier im Allgem.:
'sie feierten die Feste mit Opfern und anderen Kultushandlungen' —
«rk^?lov, 'sie führten in feierlichem Aufzuge als Opferthiere', stehen
der Kultusausdruck — önork rv^olkv, 'wenn es sich grade traf', 'wenn
9'
132 I8oKraw8, H,reopaßitiKo8. (lap. VI, 30. OaP. VII.

der Zufall es wollte' — ^l^rov« io?r««, 'die neu eingeführten


Feste' — «i? npoak/y, 'so oft dabei stattfand, damit verbunden war'
— «nü /«l<7slu^«'rwv, 'in Verpacht, durch den Mindestfordernden'.
30. rcüv ?!«r<»'wv, der von den Vätern, Vorfahren ererbten, her
kömmlichen Gebräuche, vgl. im bald Folg.-. wv «i5?«l« oi ?lp6/ovol
?i«<>icko<7«v. — r« ?l«<>ü rcüv sklüv, 'das von den Göttern Kommende',
allgemeine Bezeichnung für die Schickungen, Gaben der Götter, hier
von der Witterung, wie aus den Beisügungen ersichtlich ist — F^-
nX^r«,?, eigentl. unbesonnen, widersinnig; übertr. von der Witterung:
'unzeitig', 'zur Unzeit', im Gegensatze vom folg. kvx«/pc<>5 — r«?«-
/««llu?, 'beunruhigend', 'störend'.

«xr. VII.
(31) 'Und auf ähnliche Weise, wie das Gesagte, besorgten sie auch
das, was sie selbst betraf (anging): Denn sie waren nicht blas hin»
sichtlich des Gemeinwesens Einer Gesinnung, sondern trugen auch im
Privatleben soviel Fürsorge für einander, wie es vernünftige Menschen,
die ein gemeinsames Vaterland haben, thun müssen. Die ärmeren
Bürger nämlich waren so weit entfernt, die Vermögenden zu beneiden,
(32) daß ihnen das große Vermögen Anderer ebenso am Herzen lag
wie ihr eigenes, indem sie glaubten, der Glücksstand jener gereiche auch
ihnen zum Heile; und diejenigen, welche Reichthümer besaßen, mis»
achteten nicht nur nicht die Bedürftigeren, sondern meinten, die Armut
ihrer Mitbürger gereiche ihnen selbst zur Schande, und halfen ihrer
Dürftigkeit ab, indem sie den Einen Ländereien gegen mäßigen Pacht»
zins übergaben, die Anderen theils in Handelsgeschäften ausschickten,
theils ihnen zu anderen Unternehmungen die Mittel darliehen. (33) Denn
sie befürchteten nicht, eines von den zwei (Uebeln) zu erfahren, nämlich
entweder Alles zu verlieren, oder mit vieler Mühe nur einen Theil
des Fortgegebenen (Ausgeliehenen) wiederzuerhalten, sondern sie waren
eben so ruhig wegen des Ausgeliehenen wie wegen dessen, was daheim
(in Kasse) geblieben war; sahen sie ja doch, daß diejenigen, welche über
die Schuldforderungen zu entscheiden hatten, keine schonenden Rücksichten
(zu Gunsten der Schuldner) walten ließen, sondern den Gesetzen gehorchten.
I8oKrate8, H,reopaßitill08. O»p. VII, 31 —33. 133

(Z4) und nicht bei fremden Streitigkeiten sich selbst die Erlaubniß zum
Unrechtthun zu verschaffen suchten, sondern gegen diejenigen, welche
Andere beraubten, weit mehr aufgebracht waren als die, welche das
Unrecht erlitten; und sie glaubten, daß durch diejenigen, welche die
Schuldverschreibungen unsicher machen, den Armen mehr als den Ver
mögenden geschadet werde: denn diese, wenn sie auszuleihen aufhören,
werden nur geringerer Einkünfte verlustig gehen; jene dagegen, wenn
es ihnen an Männern fehlt, die ihnen aushelfen, werden in den
äußersten Mangel gerathen. (35) Und wirklich, in Folge dieser Ueber»
zeugung verheimlichte Niemand sein Vermögen, und trug auch kein
Bedenken (Geld) vorzustrecken, und sie sahen diejenigen lieber, welche
von ihnen borgten, als die, welche zurückzahlten; denn sie hatten (da»
von) einen doppelten Genuß, wie ihn vernünftige Menschen nur wünschen
konnen: zugleich nämlich nützten sie ihren Mitbürgern und machten ihr
Nesitzthum einträglich. Die Hauptsache aber, daß sie gut mit einander
verkehrten, bestand darin, daß der Besitz Iedem, dem er mit Recht zu
kam, gesichert, der Gebrauch desselben aber allen Bürgern, die seiner
bedurften, gemeinsam war.'
31. r« npö? <7^«« «i>iov?, 'das, was sie selbst betraf', 'ihre
Privatverhältnisse zu einander' — x?'?, näml. ?iolkl<7H«l — ra<7oü-
rov «nkA«»' roi? . . was' ete., wie das latein. tlmtum kbluit ut
. . ut, nur ist im Griechischen das Verbum stets persönlich; vgl. 6

<uark ste. k»ueß. § 117: ro<7oi5rov ck' «?l«^ov<7l iH? ^kvscpl«?


. . c3<7rk «i /ikv vnö rvp«vvol? kls// vgl. auch unten § 8<): oi ckK

32. ov/ o^lu? . . äli«, elliptischer Ausdruck für <wx ^pw «?lw«
. . «X^«, 'ich will nicht etwa sagen, daß (nicht) . . sondern' «. —
?klu<,)<l«?, 'Ackerland', 'Ländereien' — «^o^/«^v ^«p«/ov«?, 'die
Mittel (zur Unternehmung) gewährten, darliehen'.
33. no^« ?ip«/^«r« <7^ovxk?, viele Mühe habend, d. i, mit
vieler Mühe' — rcü»» »potK^r«»' (v. ?ipoiAv«« --- ^Flckove«): des
134 I8oKratez, ^rsoM8itiK08. (ü»p. VII^ 34. 35.

Fortgegebenen, d. i. Ausgeliehenen, Verborgten, wofür im bald Folg.:


rwv k^w cklcko^kvluv ('der Außenstände'); vgl. im folg. §: ^/v n«v-
<7wvr«l ?i^olF^kvol ('wenn sie auszuleihen aufhören') — rc6v ^vckov
«llMvwv, was daheim, in Kasse lag, geblieben war, des Bankver
mögens — nkpl r<5v <7v/«/3oi«iluv, 'über die Schuldforderungen,
Schuldverschreibungen', vgl. ?»ueß. S 11: ?l^ö? rov? «/cüv«? roö?
?lkpl rcüv lck/wv <7v^/3o^,«/luv <7xo?lai5alv, s. die Bemerk, z. d. St.
— r«l? ^?llk«ek/«l?, 'Milderungsrücksichten', näml. zu Gunsten der
Schuldner auf Kosten des Rechts.
34. cwrol? äcklx«lv ste., indem sie nämlich an dem von ihnen frei
gesprochenen Schuldigen künftig für ihr eignes Unrecht einen günstigen
Richter sich zu erwerben hoffen (da in Athen die 6M0 Heimsten für
die Gerichte jährlich durchs Loos gewahlt wurden, s. Irieuu. III.
S. 144; vgl. 15 § 142: ros? //^v «cklxoi5ss« <7w«/covi^ovrecl . .
<7«u^ovrk? roi>? ö^a/ov? li^>/<7lv «vrol? /3o^A«ü' vo/«/^av<7lv —
scklx«lv F§«v<7/«v', statt des gewöhnlichern ^^ovss/«v ro<5 ä<llxklv
(vgl. im Vorfteh. § 20: rHv ^ov<7/«v rov r«kr« nolklv); wie an
unsrer Stelle auch 5 S 15: aoi ck^ /io'^tz> ?lo^X^v k'^ov<7/«v vno

ork ^v ^«^> ^ol><7l«v ^<l?ll<7«v «vro«? ^<7k<7H«l ?io«klv 3 r« «v


/3l>v^slü<7lv, u. a. — «vrwv rcüv «<llxov/U^wv, comparatiu. Ge
nitiv zu M).4ov: 'mehr als die, welche Unrecht erlitten hatten, mehr
als den Betrogenen' — roö? ^kv, näml. die Begüterten; roö? <l«,
die Armen — rcüv «?l«^>xol!vrcuv, derer, die ihnen beistehen, d. i.
ihnen darleihen.
35. oi!r «nk^^?lrkro , näml. um nicht für Darlehen und Staats
leistungen (Leiturgien) in Anspruch genommen zu werden — ev^/3«^,-
^klv, eigentl. Contracte abschließen, dah.: Geldgeschäfte machen, Geld
vorschießen — »oX/r««, wie das lotein. eivez: Mitbürger'— Fvk?/«,
'einträglich', 'Zins tragend' — xkP«X«lov . . ^«p, das Resultat . .
war, daß «.; vgl. unten H 69: rö <l' ovv x«^>«X«l«v . . rolovrov
^v «t /iiv /«^ HA'ovv ete. — xr^<7kl? . . /^ak<?, Paronomasie,
vgl. zu ?ÄveZ. § 89 u. 186.
IsoKrates, H^eopaMiKos. 0^. ^UI, 36. 135

e^. VIII.
(36) 'Vielleicht möchte nun Iemand an dem hier Gesagten tadeln,
daß ich zwar die in jenen Zeiten herrschend gewesenen Zustände lobe,
aber die Ursachen nicht angebe, warum Iene in so schönen Verhält
nissen zu einander standen und den Staat so gut verwalteten. Ich
glaube aber, etwas auch darauf Bezügliches schon ausgesprochen zu
haben, will aber gleichwol versuchen, noch ausführlicher und deutlicher
darüber zu handeln.'
(37) 'Iene hatten nämlich nicht bei ihrer Erziehung viele Aufseher
und, nachdem sie unter die Männer aufgenommen worden waren, die
Erlaubniß zu thun, was sie wollten: sondern grade in diesen reisern
Jugendjahren wurde ihnen größere Sorgfalt zu Theil, als da sie
Knaben waren. Denn so sehr waren uns« Vorfahren auf ein maß»
volles Benehmen bedacht, daß sie den Rath auf dem Areshügel
einrichteten, um für die Sittlichkeit Sorge zu tragen, an welchem
(Rathe) Niemand Theil nehmen durfte, außer wer von ehrbarer Her»
kunft war und große Tugend und Sittsamkeit im Leben bewiesen hatte,
so daß er sich natürlich vor den übrigen Rathsversammlungen unter
den Hellenen auszeichnete.'
(38) 'Als Beweise für die damaligen Zustände ließe sich das, was
in der Gegenwart sich ereignet, anführen. Denn auch jetzt noch, ob»
gleich Alles, was zur Wahl und zur Prüfung (der Mitglieder) gehört,
außer Acht gelafsen wird, können wir sehen, daß diejenigen, welche in
den übrigen Dingen nicht einmal erträglich (leidlich) sind, sobald sie
den Areshügel bestiegen haben, Anstand nehmen ihrer (wahren) Natur
zu folgen und lieber bei dem dort Herkömmlichen als bei ihren Un»
tugenden beharren. So große Furcht haben Jene den Lafterhaften ein»
geflößt und ein solches Denkmal ihrer Tugend und Selbstbeherrschung
an dem Orte hinterlafsen.'
36. r« npü? <7p«? «örov'?, in ihrem Verhältnisse zu einander,
in ihrem gegenseitigen Verhältnisse — x«4u?? auf beide folgende Verb«
ki^ov und cklylxovv bezüglich — «i^x^l» ri x«l rolovro»', etwas
auch Derartiges, darauf Bezügliches gesagt zu haben — oö <«Hv «Xiei,
136 l80Kratez, ^reoIm8itiKoz. Oap. VIII, 37. 38. IX.

elliptisch für: «v ^«Hv rovro ^ovov klp^ascu /Uol, «^«: 'jedoch,


aber auch'.
37. «öx ki^ov gehört zusammen: ihre Erziehung war nicht etwa
der Art, daß sie in ihrer frühem Iugend viele Aufseher hatten, als
mündig Erklärte aber völlig ohne Aufsicht blieben, sondern «. — «i?
«vcky«? ckoxl/««<7sklkv, d. i. nach vorangegangener Prüfung (ihrer
militärischen Tüchtigkeit und ihrer Befähigung zur Führung eines eignen
Hausstandes) unter die Männer aufgenommen, für mündig erklärt mor»,
den, in Athen mit dem 18. Iahre. Zum Ausdrucke unsrer Stelle vgl. 12
§ 28: ro?? ?lpk<7/svrk^ol? x«l rol? «'? «vckp«? ckk<lo««/i«a^v<>l?,
auch absolut 16 § 29: sox^ll<7ski? ck' oöx ^vckk^arkpo? ^/evkro
rcüv npok«^^vwv, womit zu vergleichen Harpoer. p. 62, 21 Lelli.:

<l^>« gehören zusammen zu ^<7?iov<l«^av — rHv ^ '^pk/ov ?l«i^ov


/3ov^^v, s. die Einleit. zu dies. Rede S. 113 ff. — H?, näml. LovXss?
— rol? x«^cil? /k/ovöl7l, d. i. von guter, ehrbarer Herkunft.
38. nkpl rHv «l^k<7lv x«i r^v ck«xl/««<7i«v, hinsichtlich der Wahl
und Prüfung, näml. für den Areovagus. — ki? '^«ov n«i^ov <lv«-
/3<ü<7lv, 'den Areshügel bestiegen', umschreibende Bezeichnung für: Mit-
glieder des Areopagus geworden sind; vgl. 12 § 154: nkpl rc5v ki?
^pklov ?i«/«v «v«/3^'<7kss«l ^kX^ovr«uv, und ?Iut. keriol. 9: <lo-

ihrer (wahren) Natur, ihren Meinungen zu folgen.

o^r. IX.
(39) 'Diesem Rathe also ertheilten sie, wie gesagt, die Befugniß,
für die Sittlichkeit (für Zucht und Sitte) zu forgen, ihm, der die»
jenigen, welche glauben, da seien die besten Menschen, wo die Gesetze
mit größter Genauigkeit festgestellt sind, für Menschen ohne Einsicht
hielt; denn Nichts würde hindern, daß alle Hellenen gleich (gleich gut)
seien, weil es ja leicht wäre, das Aufgeschriebene (die geschriebenen Ge
setze) von einander zu erhalten. (40) Allein nicht hieraus entspringe
der Fortschritt in der Tugend, sondern aus den täglichen Lebens«n»
richtungen: denn die Meisten bilden sich nach den Gewohnheiten, in
IsoKrates, ^rsoMßitiKos. Oap. IX. 137

denen Jeder erzogen worden. Auch sei die Menge 'und die Genauig
keit der Gesetze ein Zeichen, daß dieser Staat (der solche Gesetze hat),
schlecht eingerichtet ist; denn indem sie (die Bürger eines solchen Staa»
tes) den Vergehungen Dämme entgegensetzen wollen, werden sie ge
zwungen, viele Gesetze zu geben; (41) diejenigen aber, welche den Staat
gut verwalten, müssen nicht die Hallen mit Schriststücken (geschriebenen
Gesetzen) anfüllen, sondern das Gerechte im Herzen tragen. Denn
, nicht durch die Beschlüsse, sondern durch die Gewohnheiten werden die
Staaten gut eingerichtet, und diejenigen Menschen, welche schlecht er»
zogen sind, werden auch die genau bestimmten Gesetze zu übertreten
wagen, die Guterzogenen aber auch die einfach abgefaßten willig be
obachten. (42) Indem sie nun Solches erwogen, sahen sie nicht zuerst
darauf, womit sie die Schlechthandelnden bestraften, sondern wodurch
sie bewirken könnten, daß Niemand etwas Strafwürdiges begehe. Sie
glaubten nämlich, dies sei ihre Aufgabe, das Strafen aber sich zum
Geschäft zu machen, zieme sich für die Feinde. (43) Auf sämmtliche
Bürger also erstreckte sich ihre Sorge , am meisten aber auf die jüngeren.
Denn sie sahen, daß diese jungen Leute am meisten aufgeregt und von
fehr vielen Leidenschaften erfüllt sind, und daß ihr Geist am meisten
der Zügelung bedarf durch die Lust an edlen Beschäftigungen und durch
Anstrengungen, welche Vergnügen bereiten: denn nur in solchen ver
harren die, welche als Freie erzogen und edel zu denken gewöhnt sind.
(44) Alle nun zu denselben Beschäftigungen anzuleiten war nicht mög
lich, da sie in verschiedenen Lebensverhältnissen sich befanden; wie aber
eine (Beschäftigung) zum Vermögen paßte, so wiesen sie dieselbe einem
Ieden zu. Die minder Bemittelten nämlich wandten sie dem Landbau
und dem Handel zu, weil sie wußten, daß Mangel aus Unthätigkeit
entspringt, schlechte Handlungen aber aus dem Mangel entstehen.
(45) Indem sie also den Ursprung des Uebels beseitigten, glaubten sie
auch jene (die jüngern Bürger) von den daraus entspringenden Ver
gehungen zu entfernen. Diejenigen aber, welche ausreichendes Ver
mögen besaßen, hielten sie an (nöthigten sie), sich mit der Reitkunst,
mit den gymnaftischen (körperlichen) Hebungen, mit der Iagd und mit
Wissenschaften zu beschäftigen, weil sie erkannten, daß dadurch (mit
138 izoKratez, ^rsopa8iMo8. Oap. IX^ 39—45.

deren Hilfe) die Einen sich auszeichnen, die Anderen sich der meisten
schlechten Handlungen enthalten würden.'
39. H, auf das vorhergehende rHv iol«^v (/sov^v) bezüglich
— ^vr«FH«, d. i. l^v ^xk/vz? rS ?ioX«, 'in dem Staate' — «k//«k-
vol, f. v. a. rkskl//^vol — «^voklv, absolut: seien ohne Einsicht —
ovckkv /«? «v xw^vklv sie., d. i.: wenn es lediglich auf die ge
schriebenen Gesetze ankäme, dann stände ja nichts im Wege, daß alle
Hellenen gleich gut wären «.
40. ^?l/cko<7lv, 'der Fortschritt'; vgl. oben § 5: r«? »t>«5«? ^«-
<l«lov<7«? — ö/«olov? rol? HHkc7lv, 'entsprechend den Gewohnheiten'
— H«^«/^«r«, 'Dämme'.
41. ov r«? <7ro«? ^?ll?l^«v«l ^«////«irwv, Anspielung auf die
^ro« /3«li/>lkl<,? zu Athen, an deren Wänden die Gesetze des Diakon
und Solon angeschrieben waren, vgl. Bursian's Geogr. v. Griech. I.
S. 281 ff. — ^kl^'aklv, prägnant: 'werden gewillt sein', 'den guten,
festen Willen haben'.
42. ckl' <l>v . . ^5 wv, Neutrum: 'wodurch' . . 'womit' — /zyckH>,
nachdrucksvoll vor «vrol!« gestellt — roi? ^s^oi'?, den Privat»
feinden, da jeder athenische Vollbürger in Eriminolfällen zur Anklage
berechtigt war.
43. r«^«^wck^<7r«r« , 'am aufgeregtesten, leidenschaftlichsten'; vgl.
12 § 15: oi ?io^ol ?lk<>i ^lüv v?lkl^^cc>«<7l r«p«^lucklü? »e«i ?i«v-
r«?i«<ilv «Xo/lt7ilu? — /^ovr«? ^lsv/Ulcüv, 'voll von Leidenschaf»
ten, Begierden'; vgl. 8, 39, y<v)<«l ^/«>v<i«l nov^^wv t?»lHl>/Ulli?v
— <l«^«<7H^v«l, poet. Ausdruck: gezähmt», gebändigt zu werden —
»o'v<»l? H<wv«c i/ov<7l^, 'durch Mühen, Anstrengungen, welche Ver»
gnügen in ihrem Gefolge haben, Vergnügen bereiten'.
44. r« ?lkt»i röv /3lov, 'Lebensverhältnisse', 'Lebensumstände',
'Glücksgüter'. — r«? «no^l«? . . ckl« r«? ^nop/«?, die Redesigur
k^l^ox^ (e»teu»), in welcher ein Gedanke aus dem andern (wie in
einer Kette) hervorgeht.
45. rc3v Xtuecüv, näml. rcüv «?loplcüv x«l rcüv ««xovfi^llüv
— «^«XX«5klv, als Objekt hinzuzudenken: roö? vkwr«tiov? — rov?
<!t /3/ov tx«vöv xkxr^^vov?, als Gegensatz zum vorangegangenen

".
I80llrate8, HreopaAtiKoI. ^^p. X. 139

r«v? //kv v?i<»l«k<7rk^ov ?ipurroi'r«? — rHv ^l^,o<7o^>/«v, bei Iso»


krates häusig im allgem. Sinn: 'geistige Beschäftigung', 'Wissenschaft';
vgl. kiuwß. ß 47: Pl^,o<70Pl«v ro/vvv . . x«i ?lpo? rk r«? ^«^kl?

näml. rcüv ^ci^ckkv//lrrwv: 'mit Hilfe derselben', 'dadurch'.

Oxr. X.

(46) 'Und nachdem sie diese Gesetze gegeben hatten, ließen sie auch
für die Folgezeit Nichts ,außer Acht, «sondern theilten die Stadt in
Bezirke, das Land sin >Gemeinden ein, und beobachteten die Lebens»
weise eines jeden Einzelnen, und führten die ungebührlich Handelnden
vor den Rath. Dieser ermahnte die Einen, drohte den Anderen; wie
der Andere bestrafte er nach Gebühr. Denn sie wußten, daß es zwei
(oerschiedne) Verfahrungsarten gebe, die einerseits zu Ungesetzlichkeiten
ermuntern, andrerseits den Uebelthaten ein Ende machen. (47) Bei
denjenigen nämlich, bei welchen weder eine Aufsicht über solche besteht,
noch die Untersuchungen genau sind, würden auch die guten Naturen
verdorben; wo es aber den Uebelthätern weder leicht ist verborgen zu
bleiben, noch, wenn sie entdeckt werden, Verzeihung zu erlangen, da
würden die schlechten Sitten leicht ,verfchwinden. Weil sie dies er»
kannten, hielten sie durch Beides die Bürger in Ordnung, sowol durch
Strafen als durch Beaufsichtigung; und so wenig blieben ihnen die,
welche etwas Schlechtes gethan hatten, verborgen, daß sie selbst die
eines Vergehens Verdächtigen schon vorher kannten. (48) Darum hiel
ten sich die jungen Leute weder in den Spielhäusern, noch bei den
Flotenspielerinnen noch in solchen Gesellschaften auf, in denen sie jetzt
ihre Tage zubringen, sondern sie blieben bei den ihnen zugewiesenen
Beschäftigungen, bewunderten und nahmen zu ihren Vorbildern die
jenigen, die sich darin auszeichneten; und so sehr vermieden sie den
Markt, daß, wenn sie je einmal über denselben zu gehen gezwungen
waren, sie dies sichtbar (unverkennbar) mit großer Scheu und Beschei
denheit thaten. (49) Aelteren Leuten zu widersprechen oder sie zu
schmähen, hielten sie für schimpflicher, als jetzt sich gegen die Eltern
140 I8oKrkte8, ^reopÄsitiKo8. 6ap. X, 46 —49.

zu vergehen. In einer Schenke aber zu essen oder zu trinken, wagte


nicht einmal ein ordentlicher Sklave; denn sie bestrebten sich eines an»
ständigen Betragens und nicht der Possenreißern, und die Witzlinge
und Spaßvögel, die man jetzt "feine Köpfe" nennt, hielten jene für
armselige Thoren.'
46. vo/«>seri/<i«v«? oöckö . . <^l/«lpovv, näml. oi »«^««oi
— x«r« Xw'/«««, 'in (Stadt»)Bezirke', 'in Reviere'; x«r« «5^ov?,
'in Gemeinden', Beides behufs der leichtern polizeilichen Beaufsichtigung
— ki? rHv /sov^'v, näml. den Areopagus.
47. ?l«^>' oi? /«^v . . ?l«^>« eoviol? /««v, doppeltes ^v im
Vordersatze, dem doppeltes ck^ im Nachsatze entspricht: o»ov ckk . .
^«vs« <»k; so öfters bei Isokrates, wie 8 § 5L; 11 § 24; 12 § 132
— FAr^ovc, eigentl. von der Farbe-, leicht verblassend, dal), sigürl.:
'verschwindend', 'vergehend' — ro<7<wiov «ckkov ^«vH«v«v. . «uark ete.,
es fehlte soviel, daß sie verborgen blieben . . daß selbst «., sie blieben
so wenig verborgen, daß «.; vgl. oben § 31 die Bemerk, zu ro<7oV-
rov «?lkl^ov Tov . . <u<7rk ste. S. 133 — ^lckö^ov?, von denm
etwas erwartet wird, 'verdächtig', mit folg. Insinitiv.
48. <7x<p«Pkl«, 'Spielhäuser', 'Spielhöllen', auch xv/3«« gen.
(wo mit Würfeln gespielt wurde) — ^v r«?? «l^r^/<7lv, 'bei den
Flötenspielerinnen' (die Person für die Wohnung derselben). Zur Sache
vgl. 15 § 287: «t /«iv ^«^> «vrcüv ftlüv vkwrkplui') ^v rol? x«?l^>

^,ol <l' ^v roc? rcüv «sXi/r^>lck<uv cklck«<7x«^,kl0l? <ll«rpl/3ov<7lv.


49. i? i^v, näml. vo^^kr««, aus dem vorangehenden kvö/Ul^ov
zu entnehmen — sv xom^k/y> ckt ^«/k5v eto,, wegen eines solchen
Vergehens wurde einst Iemand von der Würde eines Areopagiten aus»
geschlossen, vgl. Hz^er. trÄZm. 164: roi>? '^4^>ko?l«//r«? ä^K7r^««-«

PVki?, 'geistreiche Menschen'; vgl. dafselbe 15 § 264: rov? /3lu^oz,o-

x«^o5<7c — <lv<7rv/kl§, 'verunglückte, armselige Menschen'.


IsoKrates, H^eopaFitiKos. Os,p. XI. 141

0x?. XI.
(50) 'Und möge Niemand glauben, ich habe eine Abneigung gegen
die, welche in diesem Alter stehen. Denn ich bin nicht der Meinung,
daß sie Schuld sind an dem, was jetzt geschieht; auch weiß ich von den
Meisten unter ihnen, daß sie sich über diesen (den jetzigen) Zustand
keineswegs freuen, durch welchen ihnen gestattet ist, in solcher Zllgel»
losigkeit zu leben. Daher könnte ich billiger Weise ihnen keine Vor.
würfe machen, sondern mit viel größerm Rechte denen, welche kurz
vor unfrer Zeit den Staat verwaltet haben: (51) denn sie waren es,
welche zu diesem leichtsinnigen Wandel aufmunterten und die Kraft des
Rathes lähmten.'
'Als dieser die Aufsicht führte, war die Stadt nicht voll Prozessen
und Verbrechen und Steuern und Armut und Krieg, sondern sie hielten
Ruhe gegen einander und Frieden mit allen Anderen. (52) Denn sie
flößten den Hellenen Vertrauen und den Barbaren Furcht ein: jene
nämlich hatten sie gerettet, an diesen aber eine solche Rache genommen,
daß dieselben zufrieden waren, wenn ihnen weiter nichts Böses wider»
fuhr. Dadurch eben befanden sie sich stets in so großer Sicherheit, daß
ihre Wohnungen und Einrichtungen auf dem Lande schöner und kost»
barer waren als die innerhalb der Mauer, und viele Bürger nicht ein»
mal zu den Festen sich in die Stadt begaben, sondern es vorzogen, bei
ihrem eignen Hab' und Gut zu bleiben als das Staatsgut zu genießen.
(53) Denn selbst die Opfer bei den Festaufzügen (Theorien), wegen
deren man hätte kommen können, verrichteten sie nicht auf verschwen
derische und prächtige, sondern auf verständige Weise. Denn nicht nach
den Festaufzügen, noch nach dem Wettstreite bei der Ausstattung der
Chöre (bei der Choregie), noch nach ähnlichen Prahlereien bcurtheilten
(schätzten) sie die Glückseligkeit, sondern nach der vernünftigen Einrich
tung (der Staatsverwaltung) und der täglichen Lebensweise, sowie dar
nach, daß kein Bürger an dem Nothwendigen Mangel leide: woran
man diejenigen erkennen muß, denen es wahrhaft wohl ergeht, und
die den Staat nicht auf großthuerische Weise verwalten. (54) Ietzt
aber — welcher Vernünftige möchte nicht über das, was jetzt geschieht,
142 I8ullrate8, H,reoM8ltiKo8. c!ap. XI, 50. 51.

Schmerz empsinden, wenn er sieht, daß viele Bürger um ihres Lebens»


bedarfs willen — sei es mit oder ohne Erfolg — vor den Gerichts
höfen lofen, diejenigen aber von den Hellenen, welche auf den Schiffen
Ruderdienste thun wollen, zu ernähren wünschen; daß sie bei den Chor«
tanzen in goldnen Gewändern erscheinen, den Winter aber in solchen
zubringen, von denen ich nicht sprechen mag; und daß noch andre der»
artige Widersprüche in ihrem Verhalten stattsinden, die dem Staate
große Schande bringen.'
(55) 'Hiervon war nichts zur Zeit jenes Rathes: denn er befreite
die Armen vom Mangel durch die Geschäfte und durch die Vortheile,
die sie von den Besitzenden zogen; die jungen Leute von der Zügel»
losigkeit durch die Beschäftigungen und durch die Beaufsichtigung der
selben (der jungen Leute); die Staatsbeamten von der Sucht nach Be
reicherung durch die Strafen und dadurch, daß die Unrechthandelnden
nicht verborgen blieben; die älteren Leute aber von der Muthlosigkeit
durch die Auszeichnungen von Seiten des Staats und durch die Ver»,
ehrung der Iüngeren. Wie könnte es also wol eine würdigere Staats»
Verwaltung geben als diese, die so schön für alle Verhältnisse forgte?'
(562) Ueber die früheren (ehemaligen) Zustände nun haben wir
das Meiste durchgenommen (besprochen); daß es sich aber mit allem
Andern, das wir übergangen haben, auf eben dieselbe Weise verhalten
hat, ist aus dem Gesagten leicht zu erkennen.'
50. x«i /«yckkl? oiiaHw ete.> eine häusige rhetorische Wendung,
vgl. unten § 76. klweF. § 129: x«i <«^<jkl? i?i«4«/3z? — ckv<7xo'äu>?
ckl«xkl<iH«l , 'gram sein', 'eine Abneigung haben' — <7l!i'ol<l« ro«?
nHk/arol? hxl<7r« /«/^ov<7l, zur Construction vgl. 6 § 83: ?i>vk«-
<!aik? '^s^vlliol? ^X«?loi5<7l rHv «vrcüv xl«<>«^; dagegen mit »eou8.
e, p»rtie. 8 § 4: <7vvklckork? no^oö^ ol'xol>? «v«<7L«irov? ^k/kv^-
^k'vov?. Vgl. Krüger's Spracht. 56, 7, 6 — 6i//w 1?0 ^<?v,
näml. um 460 (aIs die Macht des Areopagus durch Perikles und
Ephialtes geschwächt wurde, s. oben Einl. S. 115), also etwa 25 Jahre
vor Isokrates' Geburt.
51. ?lporp^«vrk?, näml. r«i>? vklKre'pov? — rff? Fov^H?,
näml. rH? ^F '^lpk/av ?i«/ov — ov cklxwv . . H nö^l? «/k//kv,
Is0Kr2.tes, H,reoMFlt,iKos. l^ap. XI, 52 — 55. 143

rhetorisch übertreibende Schilderung des frühern glücklichen Zustandes,


daher die Häufung des o6<^ — F/k^kv, 'war voll'; vgl. oben § 43:

52. ?l«pkl/av <7^«? «^roö; ?li<7rov? . . ^l,o/3kpov?, sie erwiesen


sich getreu . . furchtbar, d. i. sie flößten Vertrauen . . Furcht ein —
roö; /<kv, näml. roö? "AlX^v«?; ?i«pä ckk rcüv, näml. /3«^»/3«pluv
— <3<7rk «/«?i«v, ki ete., 'so daß sie zufrieden waren, wenn' «.;
vgl. unten § 73: ^ov/<«l cktlv ^«; oö M/« ^ovkiv ovck' «/«-
il«»', kl . . vo^l/llu'rkpol ^k/o»'«flkv. 5 § 22: /<H <e«l cko^o» rial
Xi«v «/«nüv, ki /«plkvilu? «vroi'? ^/<vv«fl^v, u. a. — rol/äl>-
rol, 'daher denn' — xll^l'ov? kiv«l . . ^?il rcü»' li^pcüv, weil sie
nämlich hoffen konnten, ungefährdet auf dem Lande wohnen zu können.
Zur Sache vgl. Ilme. 2, 65: ot <lvv«rol (ro5; ?l«sM«<s<v «^v-

?,vrkXk<7l x«r«<7xkv«l; «?loX«iL,txort? — x«r«/3«l'vklv, 'herabstiegen',


'Herabkamen', weil die Stadt nahe am Meere, also tiefer lag als das
innere attische Landgebiet — «/«so!?, 'Gütern', 'Hab und Gut' —
r<öv xolvcüv «?loX«vklv, insosern näml. die Feste aus der Staatskasse
bestritten wurden.
53. ?lkpl r«« sklul>l'«?, 'bei den festlichen Schaustellungen (Theo
rien), Processionen, Chören, Schaugeprängen, die später mit nerschwen»
derischem Aufwande hergestellt wurden (vgl. Irisim. III. S, 165) —
v<,i?»' k/c>»^«,?, 'auf verständige Weise' — <7<,^a»'<»? oi^kiv, näml.
r^»' no^lv — ^opilxc??, wie einer aus dem gemeinen Haufen (der
Lastträgerklasse), unwürdig, großthuerisch.
54. rl? r<öv kv ^c>vc>vvrcuv gehört zusammen — nkpl rcüv
«v«/x«l'cuv, die Armen drängten sich zum Richteramte (der Heliasten),
das mit drei Obolen (^- 39 Pfenn.) für den Sitzungstag (an welchem
die nöthigen Richter jedesmal neu gelost wurden) besoldet war. Vgl. 8
§ 130: roi>? li?lä rcü»' cklx«<7l^l'cu»' ^cüvr«?, uno ^,li8topli. Vß8p. 304:
«)/k vvv «l ?r«rkp, ^v /<H rö ckl)e«<7r^l<iv «p^cuv x«sl<7^ viiv,
?ios^k»' cu^<7o/<ks' «^>l<7rov; — rcüv ck' ^>!,^vcu»', s. v. ll. rcü»' Ä-
H,u,v ^^^vcuv. Zur Sache vgl. 8 § 79: <7vv^«/ov k^ «?l«<7^?
144 IsoKrates) ^,reoWFitilios. Oap. XI, 56». XII.

/<tr«^ovr«?, ?l^^^ovvrks rovrluv r«; r^l^ptl? — r^^kiv «§lovv-


r«?, d. i. sie wollen fremde Hellenen als Ruderer in Sold nehmen,
während sie selbst Mangel leiden — ^v /^lx/ol? t/««rl'ol?, diese
mußten von den Choregen geliefert werden — kv rolovrol?, näml.
ot« l'ark, in solchen, d. i. so ärmlichen, jämmerlichen Kleidern; »gl.
Xsuopd. äs ißp. Etilen. 1, 10: sasHr« lwckiv /3kXrl'lu k^kl ö ck^.

/3kXrl'ov? kl'<7l> — ?ltpl r^v cklol»^<7lv, 'in ihrem Verhalten'.

0^. XII.
(56b) 'Schon früher (bereits) haben Einige, die mich dies aufzählen
hörten, es im höchsten Grade gelobt und die Vorfahren glücklich ge
priesen, daß sie auf diese Weise den Staat verwalteten; (5?) freilich
aber glaubten sie nicht, daß ihr euch werdet überreden lassen, es euch
zu Nutze zu machen, sondern daß ihr aus Gewohnheit vorziehen werdet,
unter den bestehenden Verhältnissen lieber Uebel zu ertragen als mit
einer sorgfältigern (gewissenhaftern) Staatsverfassung ein besseres Leben
zu führen. Es sei, sagten sie, für mich sogar Gefahr vorhanden , un
geachtet ich das Beste anrathe, als Volksfeind zu erscheinen und den
Staat unter die Herrschaft Weniger (in die Oligarchie) bringen zu
wollen.'
(56) 'Ich würde, wenn ich über unbekannte und nicht offenkundige
Gegenstände gesprochen und euch aufgefordert hätte, Männer zu wählen,
welche gemeinschaftlich berathen oder Vorschläge machen sollten, wodurch
die Volksherrschaft früher aufgehoben wurde, mit Recht diese Beschul-
digung erfahren. Nun aber habe ich Nichts der Art gesagt, sondern
über eine Verfassung mich ausgesprochen, die keine geheime, fondern
eine Allen bekannte ist, (59) die, wie ihr alle wisset, von unseren Vor»
fahren herstammt, und die Ursache von sehr viel Gutem somol für
unfern Staat als für die übrigen Hellenen gewesen ist, und die über
dies von solchen Männern gesetzlich eingeführt und festgestellt wurde,
die, wie sicherlich Iedermann zugeben wird, unter allen Bürgern die
größten Volksfreunde gewesen sind. Daher würde mir das Aller»
schlimmste widerfahren, wenn ich, der ich eine solche Staatsverfassung
IsoKrates, Hrsop»FitiKos. Oap. XII, 56d. 57. 145

anempfehle, für neuerungssüchtig gehalten würde. (60) Ferner läßt


sich auch daraus meine Gesinnung leicht erkennen: in den meisten Re
den nämlich, die von mir vorgetragen (gehalten) worden, werde ich als
ein Mann erscheinen, der die Herrschaft Weniger und die Vorrechte
Einzelner tadelt, die Gleichheit (Gleichberechtigung) dagegen und die
Volksherrschaft lobt, (freilich) nicht jede, sondern die wohleingerichtete,
und nicht, wie -sie zufällig war, sondern mit Recht und Vernunft.
(61) Ich weiß ja, daß unsre Vorfahren bei diesem Rechtszustande sich
gar sehr vor Anderen auszeichneten, und daß die Lakedämonier des
wegen die beste Staatsverfassung haben, weil grade bei ihnen am
meisten die Volksherrschast (die ausgedehnteste Demokratie) in Geltung
ist. Denn bei der Wahl der Staatsbeamten (Obrigkeiten) und im täg
lichen Leben und in den übrigen Einrichtungen können wir sehen, daß
bei ihnen die Rechtsgleichheit und die volle (politische) Gleichstellung
mehr als bei Änderen in Kraft sind: Dinge, gegen welche die Herr
schaft Weniger (die Oligarchie) ankämpft, die aber diejenigen, welche
die Volksherrschaft (Demokratie) besitzen, beständig in Anwendung
bringen.'
(62) 'Und so werden wir ferner bei den anderen Staaten, wenn
wir nachforschen (untersuchen) wollen, sinden, daß den ausgezeichnetsten
und größten derselben die Demokratie zuträglicher ist als die Oligarchie.
Denn auch unsre (jetzige) Staatsverfassung, mit welcher Alle unzufrie
den sind, dürfte, wenn wir sie nicht mit der von mir geschilderten,
sondern mit der von den Dreißig eingeführten vergleichen, sicherlich
von Allen für ein Götterwerk gehalten werden.'
56 d. ^Vvka«»', näml. /«^, aus dem vorangehenden <«c>ii zu ent
nehmen — «l? olo'v rk ^«^l<7r«, aufs möglichst Höchste, im höchsten
Grade.
57. /«er« no^lrtl«? «5pe/3k<7rkp«?, 'mit einer sorgfältigen», ge
wissenhaftern Staatsverfassung' — <«l<w'<^<»?, 'Volkshasser'. 'Volks
feind' — ki? öXl/«p/l'av ^/3aXklv, es war dies der verpönteste Vor
wurf oder Verdacht, der gegen einen athenischen Bürger erhoben werden
! konnte, daher sich Snkophanten sehr häusig desselben zur Anklage von
Bürgern bedienten.
146 IsoKrates, HreopaßitiKos. lüap. XII, 58 — 62.

58. xoevlüv, 'allbekannte, offenkundige', vgl. im Folg.: ovx «no-


xkxpv^/<«'^? «iX« n«<7l ^«vtp«; — <7vx/p«Pk«?, Anspielung auf
die mit diesem Namen bezeichneten Mitglieder der Commission der
Zehnmänner, die bei Einführung der ersten Oligarchie (411 v. Chr.)
mit unbeschränkter Vollmacht zu dem Zwecke eingesetzt wurde, Anträge
zur Nenderung der demokratischen Verfassung zu stellen.
59. o^ckkl? 3<7il? ovx, Litotes: 'sicherlich Iedermann'; vgl. im
Folg. ß 62: ovcktl; o<7rl? ovx «v . . v<i/<<<7klk»' — ck^/«><7lxcur«-
Iov?, 'die größten Volksfreunde', näml. Solon und Kleisthenes; vgl.
oben H 16: r^v ck^^oxp«rl'«v «v«^«/3k5»', Hv ^oXcuv /<iv o ck^/lo.

x«r«'<7r^</kv — kl^/ov^tvo?, als Gesetzesvorschlag 'einbringend',


'vorschlagend', 'anempfehlend', — vkcurk^luv np«^«rcu»', prägnant
vom Umsturze der bestehenden Verfafsung.
60. r«l? nXkovk5l'«l?, 'die Vorrechte', vgl. so im Folg. ß 70:

in chiastischer Wortstellung zu o^l/«^^«l? ^«^ ?l/kovk^l'lll?.


61. x«^Xl<7r« ?lo^lrkvo/<kvov?, 'die schönste, beste Staatsver
fassung haben'. Was hier von den Lakedämoniern gerühmt wird, be<
zieht sich allerdings nur auf die Vollbürger Sparta's, die 8/«<ilo<,
nicht auf die Perioiken (vgl. Iriemi. III. S. 108 ff.) — ol?, Neutrum:
Dinge, gegen welche ete., näml. die i<7o'r^r«? und o/«olllr^rk?.
62. ral'vvv, 'ferner' — r«5?, zum folg. <7v^tpc>v<7«; gehörig:
den bedeutendsten Staaten zuträglich — z) »«vrk? k'?llrc/<cül7lv, vgl. ^
oben § 15: iellr^/o^oil/ltv rcüv x«sk<7rcurluv x«l Xk/o^kv cu? ov-

oöx, Litotes: 'sicherlich Iedermann', vgl. im Vorsteh. § 59. — sko-


nol'^rov, 'ein Götterwerk', ein von Isokrates neugebildetes Wort zm
Bezeichnung von etwas Vortrefflichem, wofür Isokrates die schlechteste
Demokratie gegenüber der Oligarchie hält; vgl. im Folg. § 70: rn?
l8ollrate8, H,reopa8itiKo8. Oap. XIII. 147

o^. xm.
(63) 'Ich will aber — wenn auch Manche sagen werden, ich rede
von Etwas, das außerhalb meines Themas liegt — darthun und aus
führen, wie sehr die gegenwärtige (Staatsverfafsung) vor der damaligen
(der Dreißig) sich auszeichne, damit Niemand glaube, ich spüre zwar
sehr genau nach den Fehlern des Volkes, was aber Gutes und Herr»
liches ausgeführt (vollbracht) worden, das übergehe ich. Es soll aber
diese Darstellung weder lang noch für die Zuhörer nutzlos sein.'
(64) 'Nachdem wir nämlich unsre Schisfe im Hellespontos verloren
hatten und der Staat in jene (bekannten) Unfälle gerathen war: wer
von den Aelteren weiß nicht, daß (damals) die gesummten Volksfreunde
(Demokraten) bereit waren, Alles zu dulden, um nicht thun zu müssen,
was verlangt wurde, und es für schimpflich hielten zu sehen, daß der
Staat, der über die Hellenen geherrscht hatte, Anderen unterthan sei;
daß dagegen diejenigen, welche die Herrschaft Weniger (die Oligarchie)
wünschten, bereitwillig sowol die Mauern niederrissen als die Knechtung
duldeten? (65) und daß wir damals, als das Volk Herr über die
Staatsangelegenheiten war, die Burgen der Anderen besetzt hielten,
daß aber, nachdem die Dreißig die Staatsverwaltung an sich genommen
hatten, die Feinde die unsrige innehatten? und daß zu jener Zeit die
Lakedämonier unsre Herren waren, nachdem aber die Flüchtlinge (die
Ausgewanderten) zurückgekehrt und für die Freiheit den Kampf zu be
stehen gewagt, und Konon den Seesieg errungen hatte, Gesandte von
ihnen kamen und dem Staate die Seeherrschaft übergaben? (66) Und
wer von meinen Altersgenossen erinnert sich nicht auch daran, daß die
Volksherrschaft unsre Stadt so sehr mit Heiligthümern und geweihten
Einrichtungen schmückte, daß auch jetzt noch die Ankommenden glauben,
sie sei würdig nicht blos über die Hellenen, sondern auch über alle
Andere zu herrschen; daß dagegen die Dreißig sie theils vernachlässig
ten, theils ausplünderten, und die Schiffswerfte, auf welche der Staat
nicht weniger als tausend Talente verwendet hatte, zum Abbruche für
drei Talente fortgaben? (67) Aber, wahrlich, auch ihre Milde kann
man wol nicht mit Recht mehr loben als die des Volkes. Denn als
10'
148 IsoKrates, HreopaMiKos. (^ap. XIII.

jene durch Volksbeschluß die Staatsverwaltung übernommen hatten,


tödteten sie eintausend und fünfhundert Bürger ohne Richterspruch,
und zwangen mehr als fünftausend in den Peiräeus zu fliehen. Nach
dem diese (Entflohenen) aber die Oberhand gewonnen hatten und mit
den Waffen zurückgekehrt waren, räumten sie nur eben diese, welche
die Hauptschuld an dem Unglücke trugen, aus dem Wege und brachten
das Verhältniß zu den Anderen (den in der Stadt Gebliebenen) so
schön und gesetzlich in Ordnung, daß die, welche sie vertrieben hatten,
nicht schlimmer daran waren als die Zurückgekehrten. (68) Das (Fol»
gendes) aber ist der allerschönste und größte (stärkste) Beweis für die
Billigkeit des Volkes. Da nämlich die in der Stadt Zurückgebliebenen
hundert Talente von den Lakedämoniern zur Belagerung derer, welche
den Peiräeus besetzt hielten, geliehen hatten, und obgleich in einer
wegen Rückzahlung des Geldes gehaltenen Volksversammlung Viele
äußerten, es sei billig, daß die Schuld an die Lakedämonier nicht von
den Belagerten, sondern von denen, welche das Geld entnommen hatten,
abgezahlt werde: faßt das Volk (dennoch) den Beschluß, gemeinschaft
lich die Rückzahlung zu leisten. (69) Und wirklich brachten sie durch
diesen Beschluß uns zu solcher Eintracht und bewirkten ein solches
Emporkommen des Staates, daß die Lakedämonier, welche während der
Herrschaft Weniger (während der Oligarchie) beinahe jeden Tag uns
Befehle ertheilten, während der Volksherrschaft bittend und flehend
kamen, wir möchten nicht gleichgiltig mit ansehen (geschehen lassen), daß
sie zu Grunde gerichtet würden. Die Hauptsache also bei der Absicht
beider (Parteien) war folgende: Iene (die Dreißig) wünschten, über
ihre Mitbürger zu herrschen, den Feinden aber dienstbar zu sein ; diese
(die Volksfreunde) dagegen, über die Anderen zu herrschen, mit ihren
Mitbürgern aber auf gleichem Fuße zu leben.'
(M 'Dies habe ich aber aus zwei Gründen entwickelt: erstens
weil ich zeigen wollte, daß ich nicht die Herrschaft Weniger und die
Bevorrechtung Einzelner, sondern eine gerechte und geordnete Staats»
verfassung wünsche; sodann (wollte ich zeigen), daß die Volksherrschaf
ten, auch wenn sie schlecht eingerichtet sind, weniger Unfälle veran
lassen, und daß die guten Verwaltungen darin den Vorzug haben, daß
Is0KratLs, H,reopaFitiKo3. Oap. XIII^ 63 — 67. 149

sie gerechter und gemeinnütziger und für die, welche unter ihnen leben,
augenehmer sind.'
63. Acu rH« v?lost<7tlu?, 'außerhalb meines Themas', wosür bei
den Rednern auch «5«, roi' w?«^«^?, 'außerhalb des (vorliegenden)
Gegenstandes', 'nicht zur Sache gehörig' — «vr,/, die zuletzt erwähnte
gegenwärtige demokratische Verfassung — r«iir«, auf das vorangehende
collectivische ki cki rl bezüglich.
64. r«? v«<i? . . s»luX^<7«^kv, näml. bei Aegospotamoi, 405 v.
Chr. — r«l? <7v^^c>l>«l? «xkl've«;, 'in jenen bekannten Unfällen', näml.
die Einnahme Athens durch Lysander und die für die Athener un
glücklichen Folgen derselben — r<3»' n^k<7/?vikpcuv, da nämlich dieses
Ereigniß mehr als fünfzig Iahre vor Veröffentlichung dieser Rede er»
folgt war, s. oben Einleit. geg. Ende. — roi? /««»' . . ck^orc«oi'? . .
?l«'<7/«v ete., näml. während der Belagerung Athens und vor der
Capitulation desselben — rö ?l^o<7r«rro/«t»'ov, näml. die harten
Friedensbedingungen der Spartaner — r«vr^v, nachdrücklich das vor»
angehende rH»' ?io^lv . . «^>^«<7«v hervorhebend: daß diese (Herr»
scherin) Anderen unterthan sei.
65. x«l rork . . HM? «>^ovl>oi,»'r«? . . «/ovr«; ete., die Accu»
sative abhängig von dem vorangehenden rl'? ovx o?ckt — rluv «XXcuv,
z. B. der Megaier, vgl. 8 § 92. — Hovluv v«v^l«^cüv ^l'x^c^k,
näml. bei Knidos, 394 v. Chr., nur zehn Iahre nach Sparta's Triumph
über das gedemüthigte Athen.
66. xc><7^<7«<7«»' iHv ?lo'iev, näml. unter Perikles — rol? tk^ol?
Hc«l rol? ö<7l'oll>', Ersteres die Tempel und alles der Gottheit Ge»
heiligte; Letzteres das dem Gebrauche der Menschen Geweihte, wie
Staatsgebäude, Staatsschatz u. dgl. — roü? «Plxvov/<tvav? ete.,
d. i. die Athen besuchenden Fremden, vgl. ?»neg. § 45 — rluv ^kv,
näml. die öffentlichen Gebäude; r« ckk, näml. die Tempel; ihre Plün
derung durch die Dreißig erwähnt auch Lystas 12 § 99 — rov?
vklu<7ol'xov?, 'die Schiffswerfte' — ^?ll xols«»^a«, 'zum Abbruche';
»gl. L73. a. a. O. u. 30 § 22.
67. rHv np«o'r^r«, 'ihre Milde', ironisch statt lu^cir^r«, wie
aus dem Folg. hervorgeht — ^»>l'a<««rl, 'durch Volksbeschluß', vgl.
150 IsoKrates, H^eopaFitUios. Oap. XIII, 68— 70. X
^
Xeuopli. Hellen. 2, 3, 2: tcko^k r<ü cki//iui rplüxo»^« «vckp«? «^F»
<7s«l ete. — ?lkvrll^o<7l<il^ <<«! /l^iov?, dieselbe Zahl gibt Isokrates
auch 20 § 11 an: «i,r«< «l ^v<7k<? tl<7l»' «i . . x«r«<7x«^'«l7«l ««

«rkl»'l«!«l rcüv ?loXlrul»'. — ol ckk, näml. die nach dem Peiräeus


Entflohenen — «örov? roi,; «irilur«rov?, nur eben die Schuldigsten,
näml. diejenigen von den Dreißig, die nach Eleusis geflohen waren.
— npö? rov'? «11ov?, näml. roi,? ^»' «<7rtl ^kl'v«»'T!!; — /<^<5iv
k).«riov k/kiv, 'nicht schlimmer daran waren', 'nicht schlechter standen',
d. i. gleiche Rechte hatten; vgl. im Folg., § 69: ?/^lovv rol« nok'-

68. <5«»'kl<7«flk»'lu»' . . k^«ro»' r«1«vr«, Pheidon hatte diese


INll Talente in Sparta aufgenommen, und doch wurden diese nach
Volksbeschluß aus der Staatskasse (KolvA bezahlt; die Thatsache be
richtet auch 1^8. 30 § 22 und später erwähnt ihrer auch vemostQ.
1>evtiu. ß 12 ebenfalls mit dem Ausdrucke xc>l»'N ckl«Xii<7«l /l"?/^«r«.
69. <wl>ov cktlv, 'es fehlte wenig', als Adverbium: 'beinahe, fast';
ebenso ^lx^ov ck«v — ^.sk5»' ixkrkv<7ovr«? ete., näml. nach der
Schlacht bei Leuktra (371 v. Chr.) erbaten die Spartaner von den Athe
nern Hilfe, worauf diese ihnen den Iphikrates sandten, vgl. Xeuonn.
Hellen. 6, 5, 33 ff. — «»'«<7r«rov? /kvo^vov?, 'daß sie um ihre
Heimat gebracht, zu Grunde gerichtet seien'; ^kvo^kvov?, der Aorist
nachdrucksvoll, als ob die Handlung bereits erfolgt sei — oi ^v,
näml. die Dreißig; r<,l? ck«, näml. den Volksfreunden — l'aov k^kiv,
vgl. im Vorsieh, zu § 67: ^<5«v «X«rro^ «/«l»'.
70. oöx öXl^«^lcü»' ovckk nXkovkAluv ete., vgl. im Vorsteh,
ß 60 — ck^/<oxp«rl'«? xllxcü; x«sk<7r^xvl'«; ete., zum Gedankm
vgl. im Vorsteh. § 62 die Bemerk, über sko?lc>l^rov «iv«l — ^X,«r-
rövluv <7v^^,c>pcüv, näml. als die Oligarchien.

0^. XIV.
(71) 'Vielleicht möchte sich nun Mancher wundern, was ich (damit)
wolle, daß ich statt der Staatsverfassung, die fo viel Herrliches voll
bracht hat, eine andre anzunehmen euch rathe, und weswegen ich jetzt
IsoKrates, H.re?MFitjKos. Oap. XIV. 151

die Volksherrschaft so schön gelobt habe, aber, sobald es mir einfällt,


meine Ansicht ändre und das Bestehende tadle und anklage? (72) Ich
tadle aber auch unter den Privatleuten diejenigen, welche Weniges
recht, Vieles aber fehlerhaft thun, und glaube, daß sie schlechter sind
als sie (sein) sollten; und außerdem schelte ich diejenigen, welche von
braven und edlen Männern abstammen, und die zwar um etwas besser
sind als die, welche sich durch Schlechtigkeiten auszeichnen, aber viel
schlechter als ihre Väter , und ich möchte ihnen rathen, aufzuhören so
zu sein. (73) Dieselbe Ansicht nun habe ich auch über das Gemein
wesen. Ich glaube nämlich, daß wir weder stolz darauf sein noch uns
damit begnügen dürfen, wenn wir gesetzlichere Menschen sind als Be»
sessene (Rafende) und Tolle, sondern wir müssen vielmehr unwillig und
mismuthig sein, wenn wir eben schlechter als unsre Vorfahren sind.
Denn mit ihrer Tugend, aber nicht mit der Schlechtigkeit der Dreißig
müssen wir einen Wettstreit eingehen, zumal es uns ziemt die Besten
unter allen Menschen zu sein. (74) Und diesen Gedanken habe ich nicht
jetzt zum ersten Male, sondern schon ost und vor Vielen ausgesprochen.
Ich weiß nämlich, daß, während es an anderen Orten Feldfrüchte und
Bäume und Thiere von eigenthümlicher und vor andern sich auszeich
nender Beschllffenheit gibt, unser Land Männer hervorbringen und er
ziehen kann, die nicht blos zu den Künsten und zum Handeln und
Reden vorzüglich begabt sind, sondern auch in Bezug auf Tapferkeit
und Muth in hohem Grade sich auszeichnen. (75) Den Beweis dafür
aber ngiß man billigerweise hernehmen sowol aus sämmtlichen alten
Kämpfen, die sie gegen die Amazonen und Thrakier und Peloponnester
bestanden haben, als aus den gefahrvollen Unternehmungen im Perser»
kriege, in denen sie sowol allein als mit den Peloponnesiern in Land»
und Seeschlachten die Barbaren besiegten und des Preises der Tapfer
keit würdig befunden wurden. Davon aber würden sie nichts vollbracht
haben, wenn sie sich nicht durch ihre Naturanlage in hohem Grade
ausgezeichnet hätten.'
(76) 'Und möge Niemand glauben, daß dieser Ruhm uns, den
jetzigen Bürgern des Staates zukomme, sondern bei Weitem das Gegen»
theil. Denn solche Reden sind zwar ein Lob für die, welche sich der
152 I8oKrate8, ^roopa8itiKo8. Oap. XIV, 71 — 76.

Tugend ihrer Vorfahren würdig beweisen, (sie sind) aber eine Anklage
gegen die, welche ihrer edlen Abstammung durch ihre eigne Leicht
fertigkeit und Schlechtigkeit Schande machen. Dies aber thun mir:
denn die Wahrheit muß gesagt werden. Obgleich nämlich eine solche
Naturanlage bei uns vorhanden war, haben wir dieselbe nicht bewahrt,
sondern sind in Unverstand und Verwirrung und in eine Sucht nach
schlechten Handlungen verfallen. (77») Doch, wenn ich dies noch weiter
verfolge, was daran zu tadeln und bei den obwaltenden Umständen
anzuklagen ist, so fürchte ich, allzuweit von meinem Thema abzu
schweisen.'
71. «' /soväoMv«;, 'was ich damit wolle, bezwecke, daß ich',
rhetor. Erweiterung des Gedankens wie oben § 1: Hvrcv« ^v«l^v
e^luv rHv ?ipo'<7ockov knol^<7«^v ('was ich eigentlich dabei dachte,
daß ich' lt.) — rff? no^l«/«?, d. i. der jetzigen Demokratie — irk-
<>«v, näml. die solonisch»kleisthenische Demokratie — ^kr«^,«/3k5v, 'um
zutauschen'.
73. oös' «/«n«v kl ete., noch euch begnügen, wenn :c. — x«^a-
<llll^ov^alli^wv, von x«x«ck«l^ov«v, 'unglücklich sein', hier in Ver
bindung mit /U«vkvr«,v: 'besessen sein'.
74. kl^x« LÜv ^o/ov, ich habe den Gedanken ausgesprochen —
P^<7«? ick/««, eigenthümliche Erzeugnisse — r^v^krk<>«v^w^«vete.,
zum Gedanken vgl. 8 ,ß 94: p«<5löv «'ssLl x«r«/««Hkl»» rHv ^«l^,«v
i//«lüv 3rl <lvv«r«l rpk^klv «vck^>«? «/Uk/v«l>? rcüv «^,<lluv — n^ä?
r«? rk/V«? . . kVPVk<7r«rov?, vgl. ?aneß. S 33: roi>? '^ls^v«lov?
?l^>o? r«? rk/v«? kl!^vk<7r«irov? ovr«?.
75. ?i^o? '^/i«^o'v«? x«l O^>«x«?, vgl. ?alleß. ß 68 ff. — ilk-
^oTiaw^mov?, näml. unter Eurnstheus, vgl. ?aneß. § 51 ff. —
«n«vr«?, auf «/cüv«? (nicht auf Kk^,o?iovv^lov?) bezüglich — «<,«-
<7«!«iv ^lcüs^<7«v, vgl. ?»NSF. § 72: ?ipö? «?l«vr«? ^0v? xlvckv-

76. ro?« vkv ?l<,^lrkv<,/i^ol?, den unter der jetzigen Verfassung


Lebenden, den jetzigen Bürgern des Staates — ?ioXi> roöv«i'rc'ov,
näml. Ae«<iro^ oik<isw H^lv ?lpo<7^xklv; vgl. ähnlich I0 § 15: k<7rl
IsoKratss, H,reoMFitiKos. Oap. XV. 153

und 12 ß 162: ol rork r^v nö^l»' olxovvrk? oöckkv roi5rlu»' «?ll>«r-

zum Wechsel der Cafus vgl. 9 § 29: ^^ovro? ?lXklv . . oör sxk5-

0^. XV.
(7?b) 'Ueber diese Dinge haben wir schon früher gesprochen und
werden wieder darüber sprechen, wenn wir euch nicht überreden, von
solchen Fehlern abzulafsen. Ueber das aber, worüber ich schon anfangs
zu sprechen enschlossen war, will ich mich nur noch kurz äußern, und
dann denen den Platz räumen, welche über diese Gegenstände noch
ihren Rath ertheilen wollen. (78) Wenn wir nämlich den Staat so
verwalten, wie es gegenwärtig geschieht, so ist es nicht anders möglich
als daß wir Beschlüsse fafsen und Krieg führen und leben und fast in
Allem so daran sein und handeln werden, wie im gegenwärtigen Mo
ment und in den verflossenen Zeiten; wenn wir aber die Staatsver
fafsung ändern, so ist offenbar, daß die Verhältnisse in demselben Zu»
stande, wie die bei unseren Vorfahren, ebenso sich auch bei uns besinden
werden: denn nothwendig müssen aus denselben Staatsgrundsätzen stets
die völlig gleichen Handlungen hervorgehen.'
(79) 'Wir müssen aber die wichtigsten derselben nebeneinanderstellen
und berathen, welche wir wählen füllen. Und zwar wollen wir zuerst
die Hellenen und die Barbaren betrachten, wie sie sich zu jener Staats
verfassung verhielten und wie sie jetzt mit uns stehen; denn nicht zum
geringsten Theile tragen diese Volksstämme zu unserm Glücke bei, wenn
sie im rechten Verhältnisse zu uns sich besinden.'
(80) 'Was nun die Hellenen betrifft, so hegten sie gegen die
jenigen, welche um jene Zeit den Staat leiteten, ein solches Vertrauen,
daß die Meisten von ihnen sich selbst freiwillig unserm Staate über
gaben; die Barbaren aber waren so weit entfernt, sich in die helle
nischen Angelegenheiten zu mischen, daß sie weder mit Kriegsschissen
diesseits Phaftzlis fuhren, noch mit ihren Heeren den Halnsfluß über
schritten, sondern sich völlig ruhig verhielten. (81) Ietzt aber haben
die Verhältnisse sich so sehr umgestaltet, daß Iene unfern Staat hassen,
154 I8oKrateL, H.re0M8itiKo8. Oap. XV, 77d. 76.

diese uns verachten. Ueber den Haß der Hellenen habt ihr die Feld
herren selbst gehört; wie aber der (Perser»)König gegen uns gesinnt ist,
ist aus dem von ihm gesandten Schreiben klar geworden.'
(82) 'Außerdem aber wurden unter jener wohlgeordneten Verfas
sung die Bürger so zur Tugend herangebildet, daß sie einander nichts
zu Leide thaten, diejenigen aber, welche in das Land einsielen, alle»
sammt (gemeinschaftlich) bekämpften und besiegten. Wir aber thun das
Gegentheil. Denn einander Vöses zuzufügen unterlafsen wir keinen
Tag; was aber zum Kriege gehört, haben wir sosehr vernachlässigt,
daß wir nicht einmal zu den Musterungen zu gehen uns entschließen,
wenn wir nicht Geld dafür bekommen. (83) Das Wichtigste aber ist:
damals litt kein Bürger Mangel am Nothwendigen, noch beschimpfte
er den Staat durch Anbetteln der ihm Begegnenden ; jetzt aber ist die
Zahl der Bedürftigen größer als die der Besitzenden, und es ist darum
billig, Nachsicht mit ihnen zu haben, wenn sie sich nicht um das Ge
meinwesen kümmern, sondern darnach trachten, wovon sie jedesmal den
Tag durchbringen.'
(84) 'Ich, für meinen Theil nun, habe, in der Meinung, daß
wir, wenn wir unseren Vorfahren nachahmen, sowol von diesen Uebeln
befreit als die Retter nicht blos dieses Staates, sondern auch aller
Hellenen werden, mich zum Vortrage gemeldet und diese Rede gehalten.
Ihr aber überleget alles dies und beschließet das, was euch das für
den Staat Heilsamste zu sein scheint.'
77b. »«orkaov, näml. in der Rede 'vom Frieden', bes. daf. § 49 ff,
— /3a«/k«, s. v. a. öX/^«, 'Weniges', 'in Kürze' — ^«««/w^cü,
näml. rov /3^«ro? (von der Rednerbühne), 'den Platz räumen', 'Platz
machen'; vgl. ^ezeliiu. 3 § 165: ?i«««/w^lu <70l rov /3^«ro?, AU^
«v kl?iH?; auch absolut, H,utiplic>ll 1 § 26: ««i ülw?lcü x«i ?i«^«-

78. eV rol? ?i«pkXsa»)<7l xpövol?, näml. seit der Schwächung


des Areopagus — x«r« rov «vröi' Xo/ov, in demselben Verhältnisse,
Zustande, eben so gut — nkoi H/«ü?, 'bei uns', Wechsel des Aus
drucks für ^/U5v — ö^o/«? x«l n«p«?i^<7l«?, eine häusige Verbin
dung der Synonyma; vgl. 15 § 192: «vrk /«« o^o/«v oörk n«?«-

^
IzuKrate8, H,reopaMiKo8. Oap. XV, 79 — 84. 155

?l<l^<7/«v k/kl roi)r0l? r^v 6vv«^lv. Itlue. 1, 140: oplü x«i vi!v
o^ol« x«l ?l«p«?i^^<7l« ^v^/sov^k^rk« ^<ol «,'r« (s. unsre Bemerk,
z. d. St. S. 240).
79. ?i«r«<>«? ««pkrkov, zur Construction des Neutrum des Ver-
baladjektivs mit dem Objectsaccus. vgl. ?an«ß. § 8 zu ^kvx«ov
r«5r«, s. die Bemerk, z. d. St. — roö? "MX^v«?, f. v. a. roi>?
«X<!.ov? ^M^v«? — x«r« ^o?i«v, prägnant: 'in der rechten Weise',
'im rechten Verhältnisse'.
80. k'?Aklp/a«l rZ no'Xkl <7<p«? «vrov?, näml. unter Aristides,
Vgl. 8 § 76: ftöv cki ckM0v k^pi?<7krk) ovrw ?i«<7rkT'«/Ukv«v, wark

— ro<7ovrov «?lkl/oi' roi5 . . wark, zum Ausdrucke vgl. oben 8 31


— O«<7^lcko?, Grenzstadt zwischen Lykien und Pamvhylien, vgl.
I>ausß. z 118.
81. ot /«kv, näml. die Hellenen; oi 6k, die Perser — «vrcüv,
'selbst', 'aus ihrem eignen Munde', im Gegensatze zum folg. «x r<5v
F?il<7ro^,cüv — rcüi> <7r^>«r^/cüv, näml. vom Collegium der zehn Stra
tegen, vgl. oben 8 8 — ^?nsroXlüv cüv «?ik/«>/>kv, vermuthlich in
Folge des Sieges des Chares über die persischen Truppen, s. oben §8.
— «6^w<7kv, im intransitiv. Sinne: es ist klar geworden.
82. ?r« cki nyö? rovrol?, 'und dazu noch', eine bei Isokrates
sehr beliebte Wendung, vgl. 6 §96; 7 § 62; 9 § 1 u. 6? u. a. —
<7P«? «vrov?, s. v. a. ä^^ov? — «?l«vr«?, näml. vor dem pe»
loponnesischen Kriege — rovv«v«'«v, näml. ?iolov//kv — ki? ^kr«-
<7kl?, 'zu den militärischen Musterungen', näml. in den Tagen vor
dem Ausmarsche — ro^cü^kv, 'wir gewinnen über uns', 'wir ent
schließen uns'.
84. x«l rcüv M^'vwv, näml. in Rücksicht auf die Gefahr von
Seiten der Perser — rHv n^>o<7o<lov ^ol^<7«^^v, 'habe mich zum
Vortrage gemeldet', s. oben § 1 die Bemerk, z, dies. Ausdrucke — o r«
«v . . <7v/iPipklv sto,, eine sehr häusige Schlußformel in den Staats»
reden; vgl. Vemo8tli. ktül. 1: v«x«»^ ck' 3 ?i«<7lv ö/«lv <«kX^,kl avvoi-
<7klv. Olyutli. 3: s^kcköv kl'^>^x« « vo^/^w vv/i^>^klv' vM5? ck'
Druck von Nal H Hermann in Leipzig.
Verlag von 'WilKoliu Violet in I^eipxiz.
vured »II« Luebli»näluiißell ^u belieben.

für

^adsllsll, ^ineL^aiileii uuä ?oiilisiii


Welt-, Xleeben-, l.itteezt!«'- unö Xun5tge8o!!l<:!>!e, öee I»2t!>eml>ti!<,
^leonumie, p!>>«i!l, Lbemi«, dlatul-Kuiüle un<! lleogrÄsibi«,
einer Usder^ieiit clerMaz8-, 6e^ioiit8- uuäMn2-8Meme.
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.. „ zu Htrodot's Geschichte, Lfg, 1-9 «Buch I-III).
„ „ zu Homer's Ilias, vollst, in 14 Lfgn.
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„ ,> zu Hor»z' Werken, vollst, in 16 Lfgn.
„ „ zu Ifokrlltts' ausgewählten Reben, Lfg. I u, 2.
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„ „ zu Tacitus' Germania, Agricola, Annale«,
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„ „ zu »enophon's Anabasis, vollst, in S Lfgn,
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„ „ zu Xenophon's Hellenlca, vollst, in 5 Lfgn.
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