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„Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle, das an der Wiege von wahrer

Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, nicht
mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge ist erloschen.“ (A. Einstein)

Information
Unser immaterielles Lebensprinzip
Den beruflichen Alltag des Heilens umgibt etwas Geheimnisvolles, das ihn so spannend
macht. Jenes subjektive Erleben, welches mit keinem objektiv beobachtbaren Mechanismus
zu erklären ist. Nach dem Menschenbild der Medizin ist es deshalb unwissenschaftlich. Für
die Berufung des Heilpersonals und für ein menschenwürdiges Leben ganz allgemein ist es
aber von entscheidender Bedeutung.
Das zeigt den Widerspruch zwischen einem naturwissenschaftlich überholten Menschenbild
und dem praktischen Alltag des Heilens. Er ist auch der Grund, weshalb komplementäre Heil-
methoden noch immer als „unwissenschaftlich“ diskriminiert werden.
Wie entstand dieser Widerspruch? Die gewaltigen Erfolge der Naturwissenschaft und Technik
sind ihren objektiven Methoden zu danken. Dabei wird das subjektiv Menschliche ausdrück-
lich ausgeschlossen. Das „Newton´sche Weltbild“ verallgemeinerte weltanschaulich diese auf
Mechanik gegründete Methodologie. Dank ihrer Erfolge hat sie auch das Menschenbild der
Medizin einseitig reduziert. Deshalb sollen nun auch wir Menschen wissenschaftlich auf ob-
jektiv beobachtbare Ereignisse reduziert werden. Alles, was nicht mit einem objektiv beob-
achtbaren, materiellen Mechanismus erklärbar ist, kann somit als unwissenschaftlich dekla-
riert werden.

Dann ist jedoch unsere pure Existenz „unwissenschaftlich“. Denn sie ist unter gar keinen Um-
ständen vollständig auf ihre objektiv beobachtbaren, materiellen Mechanismen zurückführbar.
Diese täglich erlebbare Binsenweisheit soll nachfolgend auch wissenschaftlich streng begrün-
det werden. Damit wird deutlich, wie anachronistisch und unwissenschaftlich ein materialis-
tisch reduziertes Menschenbild im Spiegel neuerer Erkenntnisse der Naturwissenschaft des
20. Jahrhunderts ist.
Wie grotesk die Behauptung der „Unwissenschaftlichkeit“ des objektiv Unbeobachtbaren für
die Medizin ist, zeigt bereits die WHO-Definition der Gesundheit als „Zustand vollkommenen
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein als das Fehlen von
Krankheiten und Gebrechen“. Das subjektive Wohlbefinden des Menschen liefert demnach
den Schlüssel für das, wofür sich die Medizin wissenschaftlich verantwortlich zu fühlen hat:
für die Gesundheit der Menschen.
Diese subjektive Befindlichkeit kann man nicht objektiv beobachten. Man kann sie „nur“
subjektiv erleben. Aber man kann sie auch kommunikativ gemeinsam erleben. Was geschieht
bei einer solchen Kommunikation? Es erfolgt ein Austausch von Information und zwar ganz
subjektiv von Mensch zu Mensch; sei es verbal, sei es non verbal. Genau das sorgt in nahezu
80% des medizinischen Alltags für eine korrekte Diagnose. Aber auch der so genannte Place-
bo-Effekt und alle anderen Wirkungen des wissenschaftlich Wirkungslosen sind unserem im-
materiellen Lebensprinzip zu danken:

Lebensinformation
Ihrer Wirkung ist sowohl die Einzigartigkeit jedes Lebewesens als auch das biosphärische
Leben insgesamt zu danken. Es ist jenes „form- und sinngebende Prinzip“ (Galen), welches
der unbelebten Materie ihr Lebenslicht gibt. In allen Kulturen und zu allen Zeiten lieferte die
tiefe Überzeugung von seiner immateriellen Existenz, die Motivation für Heilkundige, sie gab
ihrem Handeln seinen Sinn.

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Erst durch das „Newton´sche Weltbild“ wurde der wissenschaftliche Zweifel an der Existenz
dieses Qualitätsmerkmals des Lebens viel zu lange genährt. Der Grund ist schnell erkannt:
Leben kann heute auch wissenschaftlich als eine Art „Trinität“ betrachtet werden. In jedem
Lebewesen kommuniziert die Materie seines Körpers „lichtartig“ mit einem immateriellen
Informationsprinzip, mit seiner Lebensinformation. Ein Weltbild, welches nur dem Materiel-
len eine wissenschaftliche Existenzberechtigung zugesteht, muß jegliche Immaterialität
scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb liefert das immaterielle Komplement unse-
rer ganzheitlichen Welt das eigentliche Problem.
Information kann materielle Stoffe durch Energie in einer neuen Qualität, als Lebewesen ord-
nen. Für deren lebenserhaltenden Stoffwechsel sind sowohl die auszutauschenden Stoffe und
die für den Austausch erforderliche Energie, als auch die Information über den immateriellen
Zweck dieses materiellen Geschehens erforderlich.
Medizinisch folgt daraus, daß jede heilende Wirkung sowohl ein stofflich-energetisches als
auch ein immateriell-informierendes Komplement enthalten muß. Der wesentliche Unter-
schied zwischen klassischen und komplementären Heilmethoden besteht in der Gewichtung
dieser sich ergänzenden Komponenten. So steht bei der medikamentösen Behandlung die
stoffliche und bei der Strahlentherapie die energetische Komponente im Vordergrund. Hinge-
gen überwiegt bei der Homöopathie und energetischen Methoden der informierende Aspekt.
Ihr Wirkprinzip basiert auf einer Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei wird die organismische Regula-
tion über mögliche Ursachen ihrer gestörten Harmonie informiert.

Zur Diskussion dieser komplizierten Zusammenhänge sollen einige wissenschaftliche Ergeb-


nisse und Gedanken dargestellt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Wie kann ein
immaterielles Prinzip das materielle Geschehen in einer neuen Qualität ordnen und zum Le-
ben erwecken?

Ein biosphärisches Informationsprinzip formt jedes Lebewesen materiell und gibt seiner Exis-
tenz einen Sinn. Sein hochdimensionaler Informationsraum ist immateriell. In ihm sind alle
Möglichkeiten abgebildet, die das Leben in den 4 Mrd. Jahren seiner Evolution im „Kampf
ums Dasein“ erfolgreich erprobt hat. Diese immaterielle Möglichkeitswelt ist als Erbinforma-
tion in den Molekülsequenzen des Genoms materiell codiert. Sie definiert den Genotyp und
enthält alle biologischen Möglichkeiten eines Lebewesens.
Der Primärmechanismus für die materielle Verwirklichung der immateriellen Möglichkeiten
der Erbinformation ist die Genexpression. Dabei erfolgt zunächst nur eine molekulare Umco-
dierung der Information. Aus Basensequenzen der DNA entsteht in einem komplizierten
Transformationsprozeß die Primärsequenz eines Proteins. Diese verfügt wiederum über viele
immaterielle Möglichkeiten für ihre Raumstruktur. Jede hätte eine andere Bedeutung im Le-
ben der Zelle. Welche davon verwirklicht wird, entscheiden die elektromagnetischen Wech-
selwirkungen zwischen den Ladungsträgern der Zelle. Erst sie verwirklichen den individuel-
len Phänotyp durch ihre „lichtartige“ Kommunikation. Sie ist von lebenserhaltender Bedeu-
tung. Deshalb können „lichtartige“ Wirkungen energetischer Therapieverfahren als Beispiel
für ganzheitlich informierende Heilwirkungen dienen.

Die lichtartige Qualität des Lebens


Der zu erläuternde Begriff „lichtartig“ zielt ins Herz allen Lebens. Alles Leben existiert in
einer lichtartigen Qualität. Nur durch sie kann sein körperliches Dasein mit dem immateriel-
len Komplement seiner Lebensinformation kommunizieren. Wertvolle Erkenntnisse für eine
wissenschaftliche Konkretisierung dieser Aussage lieferte die nichtklassische Physik.
Sie entstand bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Ergebnis einer wissenschaftlichen Re-
volution. Ursächlich wurde sie vom Licht bewirkt. Seine außergewöhnlichen Eigenschaften
verursachten dem renommierten britischen Mathematiker Roger Penrose zufolge die „auffal-

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lende Tatsache, daß sämtliche bekannten Abweichungen vom Newtonschen Weltbild auf fun-
damentale Weise mit dem Verhalten des Lichts zu tun haben“ (Penrose).
Dem Licht verdankt auch das gesamte irdische Leben ursächlich seine Existenz. Es schenkt
der unbelebten Materie unübersehbar ihr Lebenslicht. Leben ist mit dem Licht so untrennbar
verbunden wie mit Information, denn es existiert in einer lichtartigen Qualität.
Das soll durch einen ersten Bezug auf die neuere Physik konkretisiert werden. Dabei ist im-
mer im Auge zu behalten, daß „Licht“ unser Synonym für die elektromagnetische Wechsel-
wirkung ist. Sie ist eine der vier Fundamentalkräfte der Physik, für das Leben wahrscheinlich
die wichtigste. Energetischen Verfahren liefern ihre Wellen die materielle Basis. Heilsame
„Wellenphänomene“ müssen wissenschaftlich jedoch keinesfalls darauf reduziert werden.
Einige Ergebnisse der nichtklassischen Physik für ein tieferes Verständnis möglicher Heilwir-
kungen sollen nun vorgestellt werden.
Sie ergeben sich vorrangig aus den folgenden physikalischen Einsichten:
• Komplementäre Kausalstrukturen in einer vierdimensionalen Welt
(„Einstein-Minkowski-Welt“ 1905)
• Immaterielle „Phasenwellen“ (de Broglie 1924)
• Die „Führungsfunktion Ψ“ der Wellenmechanik (Schrödinger 1926)
Im weiteren wird immer wieder auf diese physikalischen Begriffe Bezug genommen, denn für
den lebendigen Gegenstand haben sie einen Vorteil. Sie sind physikalisch streng definiert und
deshalb über jeden Verdacht von „Unwissenschaftlichkeit“ erhaben. Die von N. Bohr defi-
nierte „Komplementarität“ ist inzwischen recht verbreitet. Man begreift auch medizinisch
schnell was damit gemeint ist, wenn man an die Komplementärfarben des Lichts denkt. Ge-
nau wie sie sollten sich auch klassische und komplementäre Heilmethoden zum Wohle unse-
rer Patienten in einer Ganzheitsmedizin ergänzen.
Die „Lichtartigkeit“ ist in diesem Zusammenhang der wichtigste dieser neuen Begriffe. Er
stammt von A. Einstein. In seinem „annum mirabilis“ (1905) führte ihn das Licht zu zwei
fundamentalen Entdeckungen. Zum Einen fand er die Photonen, die Quanten des Lichts. Zum
Anderen führte ihn das Licht in seiner Speziellen Relativitätstheorie (SRT) zu völlig neuen
Erkenntnissen über Ursache-Wirkungs-Beziehungen, also über die Kausalstrukturen unserer
ganzheitlichen Welt.

Zukünftige Ereignisse t Zeitkoordinate

zeitartig
raumartig raumartig
iX/c
Bewußtsein Raum
Gegenwärtige Ereignisse (immaterielle Gegenwart)
(materielle Gegenwart) zeitartig

Vergangene Ereignisse

Lichtartiger Kausalkegel, materielle und immaterielle Gegenwart


in der vierdimensionalen „Einstein-Minkowski-Welt“

Das gestattet eine erste Vision über die „lichtartige“ Kommunikation des Lebens. Einstein
vereinigte in seiner Theorie den Raum mit der Zeit zu einer vierdimensionalen Raumzeit. Sein
mathematischer Lehrer Hermann Minkowski gab ihr die angedeutete geometrische Form. In
ihr ist das i neben der X/c-Koordinate für den dreidimensionalen Raum entscheidend. Es steht

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für die imaginäre Einheit. Sie ist mathematisch die Ursache für viele Absonderlichkeiten der
Relativitätstheorie, denn ihr Quadrat ergibt –1.
Das verändert die Kausalstruktur in der „Einstein-Minkowski-Welt“ fundamental. Denn sie
wird vom Betragsquadrat des raumzeitlichen Abstands der Ereignisse bestimmt und nach Py-
thagoras ermittelt (s2=t2+i2(X/c)2= t2 - (X/c)2). Jedem geometrischen Punkt entspricht physika-
lisch ein „Weltereignis“. Die raumzeitlichen Abstände solcher Ereignisse liefern den geomet-
rischen Ausdruck für ihre Ursache-Wirkungs-Beziehung. Vor den imaginären Komponenten
des Abstandsquadrates steht nun aber ein dickes Minus. Deshalb gibt es für getrennte Ereig-
nisse nicht mehr nur ein einziges Ergebnis, sonders statt dessen drei. Je nachdem, wie groß
die Beträge der reellen Zeitkomponente einerseits und der imaginären Raumkomponenten
andererseits sind.
Das ermöglicht die weltanschauliche Einsicht, daß zwischen Ereignissen in dieser vierdimen-
sionalen Welt drei qualitativ verschiedene Kausalbeziehungen denkbar sind:

• (s2>0): „zeitartig“- materielle


• (s2<0): „raumartig“ - immaterielle
• (s2=0): „lichtartig“ – zeitlose

Im Bild steht die zeitartig-materielle Gegenwart als „Weltereignis“ im Zentrum. Sie kann von
uns dank der geistigen Qualität unseres Gehirns bewusst wahrgenommen werden. Das ent-
spricht physikalisch einer raumartig-immateriellen Daseinsform. Unser Gehirn existiert zeitar-
tig-materiell, aber es kann raumartig-immateriell funktionieren. Das ermöglicht uns, in einer
immateriell erweiterten Gegenwart zu leben. In ihr ist die zeitartige Wirklichkeit unseres Da-
seins um eine raumartige Möglichkeitswelt bereichert.
Die Kausalstruktur zwischen zwei Ereignissen in der materiell-zeitartigen Wirklichkeit ist uns
bestens vertraut. In ihr kann nur eine frühere Ursache eine spätere Wirkung erzeugen.
Aber unser Gehirn kann die bewusst wahrgenommene Wirklichkeit durch raumartige Mög-
lichkeiten erweitern. Dadurch wird die ganz persönliche, imaginäre Gegenwart auch von zu-
künftigen Möglichkeiten gestaltet. Dabei spielen erhoffte Veränderungen eine wichtige Rolle.
Sie lassen uns Ereignisse ausdenken mit denen wir die Gegenwart so verändern, daß die er-
hofften Wirkungen eintreten. Dabei finden die erhofften Wirkungen geistig früher als die spä-
ter ausgedachten Ursachen zu ihrer Verwirklichung statt. Solche immateriellen Kausalbezie-
hungen können jedoch nicht in der reellen Wirklichkeit, sondern nur in den Imaginationen
unseres Bewußtseins erfolgen.
Bei einer solchen Kausalinversion geistiger Ereignisse dominieren formal die imaginären Ko-
ordinaten. Dem entspricht mathematisch ein negatives Abstandsquadrat. Nach der Relativi-
tätstheorie folgt daraus die Immaterialität der Kausalbeziehung zwischen den Ereignissen. Für
das Menschenbild einer ganzheitlichen Medizin begründet das die bedeutsame Aussage, daß
die Beziehungen geistiger Ereignisse keinesfalls ausschließlich auf materielle Mechanismen
reduziert werden können. Da diese Aussage physikalisch streng begründbar ist, zeigt sie auch
eine absolute Grenze für die Reduktion des Menschen auf materielle Mechanismen.
Im Leben kommunizieren die komplementären Bereiche durch die lichtartigen Ereignisse
seiner elektromagnetischen Wechselwirkungen. Sie oszillieren um eine Führungslinie der
organismischen Regulation, die der Kausalkegel symbolisiert. Die raumzeitlichen Abstände
solcher Ereignisse entsprechen der „Eigenzeit“ ihrer vierdimensionalen Bewegung. Sie bleibt
im Mittel immer gleich Null (s2=0). Dieses „lichtartige Geschehen“ integriert die Prozesse
unseres Körpers zu unserem ICH und verleiht ihm seinen zeitlosen Aspekt.
Lichtartige Prozesse sind in der gesamten Biochemie und Neurophysiologie von fundamenta-
ler Bedeutung. Elektromagnetische Wechselwirkungen bestimmen ursächlich die Faltungs-
strukturen der Proteine, der molekularen Funktionsträger des Lebens. Aber auch die primäre
Reizverarbeitung aller bekannten tierischen Nervensysteme basiert auf lediglich zwei Signal-

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typen: elektrischen Ruhe- oder Aktionspotentialen. Sie öffnen auch unser Fenster für unser
Bild von der Welt, durch den für uns sichtbaren Teil der elektromagnetischen Wechselwir-
kungen.
Ihr lichtartiges Geschehen gestaltet unser zeitartig-körperliches Dasein und informiert uns
über die Welt. Die „Eigenzeit“ seiner bewegten Ereignisse oszilliert um einen Mittelwert vom
Betrag Null. Deshalb basiert auch der Erhalt unserer ganzheitlichen Identität physikalisch auf
dieser „lichtartigen“ Kommunikation in unserem Körper.
In der lichtartigen Qualität eines Lebewesens ist sein zeitartig-materieller Körper mit
einem raumartig-immateriellen Informationsprinzip vereint.
Das gestattet eine naturwissenschaftliche Vision über die Lebensinformation unseres zeitarti-
gen Daseins. Sie wirkt in ihm in vier komplementären Qualitäten:
• als Gestalter unserer körperlichen Ordnung („zeitartig“)
• in unseren subjektiven Empfindungen („lichtartig“)
• beim Begreifen einer objektiven Ordnung („raumartig“)
• in der Kommunikation unserer sozialen Gemeinschaft („menschlich“)

Das immaterielle Komplement der Lebensinformation


Alles Materielle wird von zwei fundamentalen Prinzipien beherrscht. Der „Energieerhaltungs-
satz“ fordert, daß die Gesamtenergie konstant bleibt, nur die Arten ihres Vorkommens können
sich verwandeln. Information kann sich hingegen fast unbegrenzt vermehren. Das funktioniert
nur durch das immaterielle Komplement einer ganzheitlichen Welt. Es ermöglicht dadurch
auch eine fundamental neue Qualität: Leben.
Seine fast 4 Mrd. Jahre währende Evolution verläuft zu einem zweiten Fundamentalprinzip
der Materie antipolar. Nach dem „Entropieprinzip“ strebt Materie zu maximaler Unordnung.
Unserem Weltall prophezeit es einen „Wärmetod“. Dem körperlichen Dasein der Lebewesen
beschert es die Einbahnstraße ihrer Existenz, von der Geburt zum Tod. Dem biosphärischen
Leben als Ganzes aber wird von einem antipolaren Informations-Prinzip die Zunahme seiner
Ordnung ermöglicht. Die Reproduktion und selektive Vermehrung von Information liefert
dafür die Basis. In diesem lebendigen Geschehen ist das raumartig-immaterielle Komplement
unserer ganzheitlichen Welt unverzichtbar.
Es existiert auch als wellenmechanisches Komplement der Biochemie, als immaterieller Füh-
rungsraum unseres Stoffwechsels. Das läßt uns Leben als lichtartiges Wellenphänomen im
Spannungsfeld der polaren Ur-Prinzipien unserer Welt begreifen: dem materiellen Entropie-
oder Unordnungsprinzip und dem immateriellen Informationsprinzip der biosphärischen Evo-
lution.

Bereits im Jahr 1924 hatte der französische Marquis L. de Broglie in seiner Dissertation aus
Einsteins Theorie eine Ungeheuerlichkeit abgeleitet. Nach ihm „fordert die Relativitätstheo-
rie, der gleichförmigen Bewegung eines jeden materiellen Punktes die Ausbreitung einer ge-
wissen Welle zuzuordnen, deren Phase sich im Raum mit Überlichtgeschwindigkeit ausbrei-
tet“. Eine solche Bewegungsform ist eindeutig raumartig-immateriell. Deshalb schlußfolgerte
er, daß es sich dabei um eine „Phasenwelle“ handelt, die „die Verteilung der Phasen eines
Ereignisses im Raum darstellt“ (de Broglie).
Die Bedeutung einer Phasenwelle kann man sich mit einem Hologramm verdeutlichen. In
seinen Interferenzfiguren ist die visuelle Information realer Objekte vollständig abgebildet.
Sie entstehen durch Wellenphänomene zwischen zwei kohärenten elektromagnetischen Wel-
len. Wechselwirkt das holografische Bild mit einer Referenzwelle, dann kann sie ein virtuel-
les Objekt erzeugen, welches vom Original visuell nicht zu unterscheiden ist. Die Holografie
zeigt damit, wie bedeutsam die Phasenverteilung kohärenter Wellen auch für die materielle
Codierung von Information ist.

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De Broglie postulierte in seiner Arbeit jedoch ausdrücklich immaterielle Phasenwellen. Das
ist etwas bis heute revolutionär Neues. Deshalb schickte die französische Akademie seine
Arbeit zu Einstein nach Berlin. In seinem positiven Gutachten gebrauchte Einstein die philo-
sophische Formulierung: „Er hat einen Zipfel des großen Schleiers gelüftet“. Dafür erhielt de
Broglie 1929 den Nobelpreis für Physik. Damit fand dieses immaterielle Wellenphänomen
seinen unbestreitbaren Platz im Weltbild der nichtklassischen Physik.
Auf dieser Grundlage entwickelte Erwin Schrödinger seine Wellenmechanik und erhielt dafür
1933 den Nobelpreis. Damit war bewiesen, daß: „Die heute gesicherte Meinung ist, daß alles -
überhaupt alles – zugleich Teilchen und Welle ist“. Als Konsequenz folgerte er daraus „die
ganze Wucht des logischen Gegensatzes zwischen einem Entweder - Oder (Punktmechanik)
und einem Sowohl - als auch (Wellenmechanik)“.
Im submolekular Kleinen offenbart sich die Natur sowohl mit einem materiellen Teilchen- als
auch mit einem immateriellen Wellenaspekt. Für einen makroskopischen Beobachter tut sie
das jedoch nicht gleichzeitig. Welche Eigenschaft sie ihm zeigt, hängt von der Methodenwahl
des Beobachters ab.
Auch in der Medizin entscheidet der „Beobachter“ durch seine Methodenwahl, welche der
komplementären Seiten des Menschen von ihm beobachtet werden. Wählt er den „Goldstan-
dard“ der statistischen Studien-Methode, wird der einzelne Mensch zum Los eines statisti-
schen Ensembles idealisiert. Sein subjektives Komplement wird als Fehlerquelle sorgfältig
ausgeschlossen. Alle darauf beruhenden Wirkungen („Placebo-Effekte“) dürfen daher keines-
falls beobachtet werden. Diese Methodenwahl verursacht somit a priori die Unbeobachtbar-
keit des subjektiv Menschlichen und begründet tautologisch das Dogma von seiner unbeob-
achtbaren Unwissenschaftlichkeit.
Die komplementären Qualitäten eines Menschen offenbaren sich nur dann, wenn bei der Me-
thodenwahl sowohl seinen objektiv beobachtbaren als auch den nur subjektiv erlebbaren Sei-
ten seines Daseins ein gleichberechtigter Stellenwert zukommt. Es ist hoch an der Zeit, diese
Binsenweisheit des medizinischen Alltags auch im wissenschaftlichen Menschenbild der Me-
dizin angemessen zu berücksichtigen.
Dafür weisen die immateriellen Wellenphänomene de Broglies und Schrödingers den Weg. In
den „Schrödinger-Funktionen Ψ“ ist die vollständige Information über alle, ihrem zugehöri-
gen Quantensystem offen stehenden Möglichkeiten integriert. M. Born bezeichnete sie des-
halb als eine Art „Führungsfunktion“, da sie die materiellen Ereignisse immateriell zu führen
scheint. Sie existiert in der raumartigen Daseinform einer ganzheitlichen Welt, in einem
hochdimensional-komplexen Informationsraum (Hilbert-Raum).
Die Quantenphysik hat zweifelsfrei nachgewiesen, daß jede atomare und molekulare Ordnung
von solchen immateriellen „Führungsfunktionen“ informiert wird. Auch die gesamte Bioche-
mie des Lebens kommuniziert durch lichtartige Wellenphänomene mit dem immateriellen
Führungsraum unserer Lebensinformation.
Dieser Zusammenhang kann mit einem Schrödinger-Zitat verdeutlicht werden. Er illustrierte
1952 in einem Vortrag die Auswirkungen seiner Entdeckung für das physikalische Weltbild.
Dabei beschrieb er „was Atome wirklich sind“. Im Folgenden wird seine Beschreibung des
Atoms kursiv um die Wellenphänomene der Lebensinformation erweitert. Das ermöglicht so
auch eine Beschreibung dessen, was Lebewesen wirklich sind:

“am ehesten darf man sie sich vielleicht als mehr oder weniger vorübergehende Gebilde in-
nerhalb des Wellenfeldes der Lebensinformation denken, deren Gestalt aber, und strukturelle
Mannigfaltigkeit im weitesten Sinne des Wortes, so klar und scharf und stets in derselben
Weise wiederkehrend durch ihre Wellengesetze bestimmt ist, daß es sich abspielt, als ob es
substantielle Dauerwesen wären” (nach E. Schrödinger, 1952)

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In den einhunderttausend Milliarden Zellen unseres Körpers informiert das Wellenfeld unse-
rer Lebensinformation in jeder Sekunde 1018 (1Milliarde Milliarden) biochemischer Ereignis-
se „lichtartig“ über ihren organismischen Zweck. Seine „form- und sinngebende“ Information
bestimmt unsere Gestalt und strukturelle Mannigfaltigkeit im weitesten Sinne des Wortes, so
klar und scharf und stets in derselben Weise wiederkehrend, daß wir uns für eine begrenzte
Zeit als „substantielle Dauerwesen“ erleben dürfen.
In diesem lebendigen Geschehen haben die Proteine eine Schlüsselfunktion. Sie sind die mo-
lekularen Funktionsträger des Lebens. Dafür sind ihre Raumstrukturen entscheidend, die
durch lichtartige Wechselwirkungen entfaltet werden. Ihre unterschiedlichen biologischen
Aufgaben verwirklichen sie durch isomere Konformationen. Auch Änderungen solcher Kon-
formationen erfolgen durch elektromagnetische Wechselwirkungen. Dafür wird nur etwa 1/10
der Energie benötigt, die für einen Umbau der chemischen Konfiguration erforderlich ist. Das
gestattet hoch sensible Resonanz-Effekte mit schwachen elektrischen Feldern. Besonders in
Rezeptorproteinen, Biokatalysatoren und generell in Biomembranen können dadurch biologi-
sche Funktionen gesteuert werden.
Wenn die Eigenwerte dieser oszillierenden Molekülsysteme mit den Werten wechselwirken-
der Wellen übereinstimmen, kommt es zu Resonanzeffekten. Ein solcher Zusammenhang ist
z.B. als „Adey-Fenster“ bekannt. Es wird von zwei Proteinketten ermöglicht, die ein schwin-
gendes System bilden, das durch schwache elektrische Wechselwirkungen stabilisiert wird.
Wechselwirken sie mit Wellen zu hoher Energie kann es zu Änderungen der Konfiguration
kommen, die diese sensiblen Resonanzglieder zerstören.
Im lebendigen Geschehen hat das Wasser eine besondere Bedeutung. Es ist unser Lebensele-
xier. Seine Moleküle bestehen aus Dipolen, die über Wasserstoffbrücken polymere
Clusterstrukturen bilden. Bewegte Dipole sind kleine Antennen, die elektrische Signale emp-
fangen und senden können. Das ermöglicht sehr komplexe Wechselwirkungen mit Protein-
konformationen, besonders in den Membranen. Denken wir dabei an die „Matrix der Grund-
regulation“, so wird die Bedeutung dieses hierarchischen Systems unserer Biomembranen für
die ganzheitliche Regulation im Organismus deutlich.

Elektrische Vorgänge an Membranen wurden von der Neurophysiologie sehr detailliert er-
forscht. Dabei wurde erkannt, daß die gesamte primäre Reizverarbeitung auf der Dualität e-
lektrischer Ruhe- und Aktionspotentiale an Biomembranen beruht. Das ermöglicht die fol-
gende Darstellung der primären Kausalstruktur unserer organismischen Regulation.
Sie ist für die „lichtartige“ Kommunikation zwischen unserer zeitartig-körperlichen Daseins-
form und einer raumartig-immateriellen Lebensinformation von entscheidender Bedeutung.

Der primäre Kausalkreis der organismischen Regulation:

Zeitartig-energetische Zustandsänderung

lokaler Reiz lokale Reizantwort

zeitartige Aktionspotentiale zeitartige Aktionspotentiale

raumartige Potentialdifferenzen mit resonanter Selektion optimaler Reaktionen

Biomembranen trennen Ladungsträger und erzeugen dadurch elektrische Ruhepotentiale. Sie


ermöglichen eine Reizbarkeit, die Reaktionen auf energetische Zustandsänderungen bewirken
kann. Zwischen allen Ruhepotentialen existieren Wechselwirkungen, die zu Wellenphänome-

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nen zwischen den Potentialen führen. Jede Welle entsteht als „Eigenfunktion“ der zugehöri-
gen Matrix-Strukturen. Alle gemeinsam sind im Organismus hochdimensional integriert. Wie
ein „Biochip“ verwirklichen sie den hochdimensionalen Informationsraum aller Möglichkei-
ten unserer organismischen Regulation. Physikalisch ist er einer Schrödinger-Funktion ana-
log. Ähnlich wie diese jedes molekulare Geschehen immateriell führt, steuert ein lichtartiges,
organismisch-integriertes Ruhepotential ganzheitlich den Stoffwechsel und ermöglicht unser
individuelles Leben.
Das hochdimensionale, organismische Ruhepotential entspricht einer riesigen Parallelschal-
tung ohne Stromfluß. Seine Verbindungen sind überwiegend elektrisch inaktiv. Die unter-
schwelligen „Phasenwellen“ seiner Wechselwirkungen ermöglichen raumartige Kausalbezie-
hungen. In ihnen sind die Möglichkeiten unserer organismischen Regulation abgebildet. Sie
werden benötigt, wenn die Ruhe ihrer organismischen Harmonie gestört wird.
Das kann durch energetische Zustandsänderungen verursacht werden. Sie reizen die elektrisch
geladenen Membranen. Überschreiten diese Reize membrantypische Schwellen, entstehen
duale Aktionspotentiale. Sie führen zu Potentialdifferenzen im raumartig - integrierten Paral-
lelzustand der organismischen Ruhepotentiale. Wird deren Harmonie dadurch empfindlich
gestört, führt das zu einer reaktiven Wirkung, die einen harmonisierenden Ausgleich der Stö-
rung ermöglicht. Das geschieht wiederum durch zeitartige Aktionspotentiale in selektierten
Strukturen. Sie projizieren von den vielen Möglichkeiten eine zweckdienliche in die moleku-
lare Wirklichkeit
Diese wissenschaftlichen Zusammenhänge ermöglichen auch ein tieferes Verständnis energe-
tischer Methoden. Zunächst dürften wissenschaftlich keinerlei Zweifel mehr darüber beste-
hen, daß die einzigartige Qualität Leben auf das innigste mit seinem lichtartigen Geschehen
korreliert. Heilsame Wirkungen durch „lichtartige“ Methoden erscheinen schon dadurch
plausibel. Die vorgetragenen Details ermöglichen aber noch sehr viel differenziertere Aussa-
gen. Dafür sind folgende Erkenntnisse besonders wichtig:

• die elektrische Sensibilität von Protein-Konformationen


• die elektrische Dualität der Biomembranen
• die komplementäre Kausalstruktur der lichtartigen Qualität: Leben

Im lebendigen Wasser der Zelle funktionierende Proteine liefern den biochemischen Zugang
zum Leben. Ihr belebendes Wirken ist ihren Raumstrukturen zu danken. Diese werden ursäch-
lich durch schwache elektromagnetische Wechselwirkungen verwirklicht. Ihre isomeren Kon-
formationen reagieren besonders sensibel auf solche „lichtartigen“ Einflüsse. Das gilt für die
Regulatoren des Stoffwechsels (Biokatalysatoren und Rezeptoren) aber genauso für die ge-
samte primäre Reizverarbeitung.
Besonders die neurophysiologischen Erkenntnisse über das elektrische Verhalten von Bio-
membranen bei der Reizverarbeitung ermöglichen eine weitere Vertiefung. Im Mittelpunkt
steht dabei die duale, elektrische Funktion der Membranen. Dafür liefern Konformationen
ihrer Kanalproteine die Voraussetzung. Die durch sie ermöglichte elektrische Dualität besteht
primär aus zwei qualitativ grundverschiedenen Zuständen:
• entweder in ungestörter Harmonie und raumartig-paralleler Ruhe
• oder in gereizter Dysharmonie und zeitartigem Aktionismus
Störquellen der organismischen Harmonie können energetische Zustandsänderungen in sei-
nem Inneren und in seiner Umwelt sein. Überschreitet ihr Wert membrantypische Schwellen
reagieren sie gereizt und lösen Aktionspotentiale aus. Sie verursachen Potentialdifferenzen
zwischen den Ruhepotentialen. Werden diese dysharmonischen Spannungen groß genug, ver-
ursachen sie Ströme von Ladungsträgern, die im Normalfall die ursächlichen Störungen besei-
tigen sollen.

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Bei der Selektion der dafür optimalen Strukturen spielt das Phänomen der Resonanz eine be-
deutende Rolle. Wir alle kennen es aus der Unterhaltungselektronik. Auch bei ihr werden die
gewünschten Sender aus der Vielzahl des Angebotes durch Resonanz zwischen den Schwing-
kreisen eines Tuners und der gewünschten Sendefrequenz selektiert.
Im organismischen Geschehen geschieht etwas vergleichbares. Dabei spielt die elektrische
Dualität der Biomembranen eine entscheidende Rolle. In Ruhe ähneln sie einem Kondensator,
in Aktion einer elektrochemischen Spule. Das sind jene dualen Schaltelemente, die in den
Schwingkreisen der Informationstechnik genutzt werden. Sie ermöglichen Resonanzphäno-
mene durch inverse Beziehungen ihrer Phasen. Ihre Resonanzfrequenzen werden mittels
komplexer Zahlen berechnet. Das erinnert mathematisch sehr an die „Eigenfunktionen“ in
einer Schrödinger´schen Führungsfunktion.
Die Dualität komplexer Schaltelemente kann auch bewirken, daß die gesamte zugehörige
Schaltung dual funktioniert. Dadurch kann aus einer Parallelschaltung eine Reihenschaltung
werden. Neuronale Membranen können so durch ihre elektrische Dualität aus vielen parallel
ruhenden, neuronalen Netzen eines selektieren, das mit einer Reihe elektrischer Aktionen das
organismische Geschehen reguliert.

Über die lebendige Bedeutung jeder Sinnesinformation wird jedoch in einer komplementären
Zustandsform entschieden. Nur der immaterielle Informationsraum unserer organismischen
Regulation verfügt dafür über alle Möglichkeiten. Dank seiner raumartig-parallelen Daseins-
form können jene Strukturen lichtartig-resonant selektiert werden, die eine zweckmäßige Re-
aktion gestatten. Dabei wird von vielen imaginären Möglichkeiten immer nur eine in die
Wirklichkeit unseres zeitartigen Daseins projiziert. Das geschieht primär unbewußt und
höchst individuell. Dank energetischer Testmethoden können solche unbewußten Vorgänge
gemeinsam mit unseren Patienten erlebt und so bewusst für eine erfolgreiche Therapie genutzt
werden.
Wie bei jedem medizinischen Verfahren ist dabei das „Wie“ der Anwendung verfügbarer Me-
thoden für den Erfolg entscheidend. Sie muß „kunstgerecht“ erfolgen. Eine Kunst heißt so,
weil sie nicht jeder kann. Zu ihr sollte man sich berufen fühlen und deshalb keine Mühe
scheuen, sie sorgfältig zu erlernen. Das gilt seit mehr als 2000 Jahren für die gesamte Medizin
und natürlich auch für komplementäre Methoden.
Sie entfalten ihre heilsame Wirkung vorrangig im submolekularen Führungsraum des Lebens,
dem wellenmechanischen Komplement des Stoffwechsels. Deshalb muß man ihre Wirksam-
keit primär subjektiv erleben. Dem objektiv beobachtenden Statistiker erschließt sie sich nur
mittelbar durch die subjektiven Berichte der Patienten über ihr Erleben. Dabei wird die außer-
ordentliche Komplexität des subjektiven Erlebens in einer sehr reduzierten Form abgebildet
und endet oft in der simplen Alternative eines für oder gegen die Methode.
Wie unangemessen ein solche Einseitigkeit ist, zeigt uns der Alltag der Quantenphysik. Wenn
dort der Zustand eines Quantensystems von einem makroskopischen Beobachter objektiviert
wird, dann projiziert seine Messung von den unzähligen, raumartigen Möglichkeiten des Sys-
tems nur eine einzige in seine zeitartige Wirklichkeit. Das bezeichnen Quantenphysiker als
„Kollaps der Wellenfunktion“. Auch nach fast 100 Jahren können sie sich nicht erklären, was
dabei genau geschieht. Nicht selten beziehen sie in ihre Erklärungsversuche das Bewusstsein
des Beobachters mit ein, wahrscheinlich mit Fug und Recht. An der Wissenschaftlichkeit ih-
rer Methoden zweifelt jedoch niemand.
Im submolekular Kleinen zeigt uns die Natur die Grenzen objektiver Wissenschaftlichkeit
unübersehbar. Das hat uns die nichtklassische Physik zweifelsfrei bewiesen. Am Menschen-
bild der Medizin kann das nicht spurlos vorüber gehen. Wie tief die Kluft zwischen den ob-
jektiven Erkenntnissen der wissenschaftlichen Medizin und dem wirklichen Leben sind, hat
Sherrington, ein Nestor der modernen Neurophysiologie, sehr plastisch illustriert. Sein fol-

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gendes Beispiel verdeutlicht deshalb den Zusammenhang zwischen lichtartigen Sinnesinfor-
mationen und ihrer immateriellen Bedeutung im Leben besonders anschaulich:
„Diese pochende, strömende Menge elektrifizierter, bewegter Punkte im Netzwerk des Ge-
hirns ähnelt offensichtlich nicht dem Raummuster, und auch ihr zeitliches Muster gleicht nur
ein bisschen dem winzigen zweidimensionalen umgekehrten Bild der Aussenwelt, das der
Augapfel zu Anfang des elektrischen Sturms auf seine Nervenfasern malt ... Eine Fülle klei-
ner elektrischer Lecks zaubert für mich ... wenn ich auf das Gesicht meines Freundes blicke,
und sie mir erzählen, wie entfernt er von mir ist. Ich nehme sie beim Wort und gehe vorwärts
und meine anderen Sinne bestätigen, dass er da ist“ ( zit. nach Nicholls)
In der objektiven Wissenschaft besteht das Gesicht des Freundes aus der raum-zeitlichen
Ordnung einer riesigen Anzahl von Molekülen, davon ca. 60% Wasser. Ihre Bestandteile sind
überall vorhanden und werden ständig erneuert. Sie wechselwirken mit dem Licht. Dadurch
wird es zum materiellen Träger der Information über ihre molekulare Ordnung. Diese, dem
Licht aufmodulierte Information gelangt in der von Sherrington angedeuteten Weise ins Ge-
hirn eines lebenden Menschen. Erst in der raumartigen Ordnung seiner immateriellen Pha-
senwellen erlangt sie ihre lebendige Bedeutung in der Qualität eines Gesichts. Im Gehirn des
betrachtenden Freundes wird sie mit seinen Empfindungen assoziiert und erhält so die subjek-
tive Qualität des Gesichts eines Freundes.
Wie das Leben selbst so kann auch die lebendige Bedeutung jeder Sinnesinformation weder
auf Materie noch auf Energie reduziert werden. Das wurde hier so aufwendig begründet, da-
mit wir künftig der Versuchung widerstehen, Heilwirkungen allein mit stofflichen bzw. ener-
getischen Wirkungen, also materiell, zu erklären. Die Gesundheit und das Leben von uns
Menschen wird immer sowohl von materieller Zeitartigkeit als auch von immaterieller Raum-
artigkeit bestimmt.

Leben ist ein lichtartiges Wellenphänomen im Spannungsfeld zweier polarer Ur-


Prinzipien: dem materiellen Entropie- oder Unordnungsprinzip und einem immateriel-
len Informationsprinzip der biosphärischen Evolution.

Es ermöglicht, daß wir uns für eine begrenzte Zeit als „substantielle Dauerwesen“ fühlen dür-
fen. Über die dabei erlebte Qualität entscheiden nicht nur die gewaltigen Möglichkeiten, die
wir unserer Wissenschaft und Technik verdanken. Viel wesentlicher erscheint die Art und
Weise zu sein, wie wir damit und wie wir miteinander umgehen. Das gilt auch und besonders
für den Umgang mit jenen Menschen, die uns ihr Vertrauen schenken und von uns Hilfe er-
warten.

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Literaturhinweise

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Einführung und Originaltexte. Akademie Verlag. Berlin 1970: 237-259.
2) De Broglie L. Untersuchungen zur Quantentheorie. In: Ludwig G. Wellenmechanik.
Akademie Verlag Berlin 1970: 85-106.
3) Einstein A. Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie.
Akademie Verlag. Berlin 1970. (21. Aufl.)
4) Einstein A. Mein Weltbild. Ullstein Verlag. Frankfurt/Main 1993. (25. Aufl.)
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Gustav Fischer Verlag. Stuttgart Jena New York 1995.
6) Penrose R. Computerdenken. Spektrum Verlag. Heidelberg 1991.
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Paul Parey Verlag. Berlin und Hamburg 1984.
8) Samuel Hahnemanns Werke. Die Geburt der Homöopathie. Sonderausgabe Digitale
Bibliothek. Verlag der Directmedia Publishing GmbH. Berlin 2005.
9) Schrödinger E. Quantisierung als Eigenwertproblem.
In: Ludwig G. Wellenmechanik. Akademie Verlag. Berlin 1970: 108-45.
10) Schrödinger E. Was ist ein Naturgesetz. Oldenbourg-Verlag. München 1997
11) Schrödinger E. Was ist Leben. R. Piper & Co. Verlag. München 1999
12) Schulz S. Lebensinformation. Sinngebendes Prinzip einer Ganzheitsmedizin.
Books on Demand GmbH. Norderstedt 2007.
13) Wiener N. Cybernetics or control and communication in the animal and the machine.
The M.I.T. Press and John Wiley & Sons Inc. New York 1961 (2d ed).

Anschrift des Autors:


Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. St. Schulz
An den Rehwiesen 22
15526 Bad Saarow
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