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„Wie mache ich es richtig?“ UND: „Hab ich was falsch gemacht?


Wer mit Lehrerinnen und Lehrern zu tun hat, der weiß, dass korrigieren und benoten eines der
Hauptbeschäftigungen dieser Berufsgruppe ist. Im Volksmund gibt es dazu einen vielsagenden
Spruch: „Woran erkennt man, dass jemand von Beruf Lehrer ist? Ah, einfach! Das ist jemand der
immer recht haben muss.“

Berufskrankheit, ‚déformation professionelle‘ ?

Kann gut sein, obwohl das oft auch nur ein Vorurteil ist. Wenn man genauer hinschaut, dann zeigt
sich ein viel differenzierteres Bild.

Aber die Frage, ob etwas ‚richtig‘ und ‚falsch‘ ist, ist dennoch eine, die im Kontext Schule sehr häufig
gestellt wird.

Ich würde vorschlagen, in dieser LV diese Frage fallen zu lassen und probeweise durch eine andere zu
ersetzten: ‚Was funktioniert in dieser Situation wie, und warum?‘ und damit verbunden ‚Was
funktioniert in dieser Situation wie nicht, und warum nicht?‘

► Diese Formulierung setzt den Erfolg / Misserfolg einer Handlung in einen Kontext / Rahmen
(‚framed‘ ihn, wie man sagt), und bezieht sich auf ‚Handlungsprogramme‘, also eine algorithmisch
strukturierte Abfolge von Handlungsschritten, auch ‚coping strategies‘ genannt, um situative
Herausforderungen mehr oder weniger erfolgreich bewältigen zu können.

Wir haben hier es hier also mit folgenden 3 Faktoren (einem ‚Dreischritt‘) zu tun:

a) Wahrnehmung einer situativen Herausforderung durch einen Handelnden


b) Anwendung von Handlungsprogrammen (Können)
c) Evaluation der abgeschlossenen Handlungssequenz

‚Richtig‘ – d.h. funktional angemessen - war eine Handlung in dieser Sichtweise dann, wenn alle
situativ Beteiligten letztlich sagen, „Ok, das ist zu unser aller Zufriedenheit jetzt erledigt. Operation
gelungen, und alle sind wohlauf!“

Letzlich!

Denn eine solche Aussage ist sehr voraussetzungsvoll. Wenn es sich um eine komplexere
Herausforderung handelt, dann müssen die zahlreichen und oft unterschiedlichen
Handlungsprogramme aller Beteiligten erfolgreich aufeinander so abgestimmt werden, dass eine
sachlich angemessene Lösung erreicht werden kann. – Und das kann dauern, und mühsam sein!

Wir wollen uns in dieser LV mit dem Faktor ‚Selbst- und Fremderleben‘ der handelnden Personen
beschäftigen, der ja wesentlich darüber entscheidet, wie wir Herausforderungen erkennen und
bewältigen. Von Aldous Huxley stammt der berühmte Ausspruch: „Erfahrung ist nicht, was Dir
widerfährt, Erfahrung ist das, was Du aus dem machst, was Dir widerfährt.“

In anderen Worten: Jeder lebt ganz spontan und automatisch in ‚seiner Welt‘, und eine gegebene
Situation wird von allen Beteiligten zumeist sehr unterschiedlich erlebt / wahrgenommen. Jeder
‚tickt‘ anders und doch auch ‚gleich‘ genug, sodass wir uns dann doch ausreichend gut verständigen
können. – ► „Wie ticke ich für gewöhnlich?“ Diese Frage steht im Mittelpunkt dieser LV.