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Sonderdruck © 2012 Verlag Antike, Berlin

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort............................................................................................................................ 7

Florian Leitmeir: Brüche im Kaiserbildnis von Caracalla bis Severus Alexander .......... 11

Thoralf Schröder: Porträtstilisierungen der lokalen Eliten in Athen im 2. und 3. Jh.


Kontinuität oder Umbruch in severischer Zeit? Mit einem Beitrag zur
kaiserlichen Selbstdarstellung des Jahres 193 .................................................... 34

Jochen Griesbach: Eine Krise des ,portrait habit‘? Zu den Aufstellungskontexten


von Ehren- und Porträtstatuen im 3. Jh. n. Chr. ............................................... 77

Stephan Faust: Zur Repräsentation des severischen Kaiserhauses


im Bildschmuck des Quadrifrons von Lepcis Magna ..................................... 111

Christian Russenberger: Pathos und Repräsentation. Zum veränderten Umgang


mit Mythen auf stadtrömischen Sarkophagen severischer Zeit .................... 146

Nele Schröder: Ein severisches Großprojekt:


Die Ausstattung der Caracalla-Thermen in Rom ............................................ 179

Korana Deppmeyer: Spolienbauten severischer Zeit in Rom ................................... 193

Ilse Rollé Ditzler: Senat und Severer in Rom – Formen medialer Präsenz ........... 220

Björn Schöpe: Pertinax – ein verrückt normaler Kaiser ........................................... 253

Fleur Kemmers: Out of the Shadow: Geta and Caracalla reconsidered ................. 270

Danny Schlumpf: Monster in der Männertoga. Roms junge Herrscher ................. 291

Register ........................................................................................................................ 305


Personenregister .................................................................................................. 305
Geographisches Register .................................................................................... 308
Sachregister .......................................................................................................... 310

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Eine Krise des ‚portrait habit‘?
Zu den Aufstellungskontexten von Ehren- und Porträtstatuen
im 3. Jh. n. Chr.

Jochen Griesbach

Seit einigen Jahren werden in den Altertumswissenschaften Fragen der longue


durée, d. h. langfristiger Gegebenheiten und ihrer Entwicklungen, sowie der
Grenzziehungen von Epochen besonders intensiv gestellt.1 Dabei geht es vor
al­lem um ein möglichst genaues Ausloten der historischen Faktoren, die zum
Aufkommen bzw. zum Verschwinden bestimmter kultureller Phänomene von
großer Konstanz geführt haben. So spricht man im althistorischen Jargon im­
mer häufiger vom epigraphic habit und meint damit ganz allgemein, aber auch in
selektiver Betrachtung bestimmter Orte/Regionen bzw. spezieller Gattungen
die Verbreitung des Mediums Inschrift, insbesondere als von einem repräsenta­
tiven Anspruch geleiteter Ausdrucksform sozialer Verbände.2 Dem Urheber
dieser Bezeichnung, Ramsay MacMullen, ging es dabei um die Verbreitung von
lateinischen Inschriften im römischen Reich als Indikator der Romanisierung,
verstanden als die Aneignung einer kulturspezifischen Form des ‚Sich-Mittei­
lens‘. Denn in den meisten von den Römern eroberten Gebieten war es vorher
nicht oder kaum üblich, Inschriften ‚für die Ewigkeit‘ in Stein zu meißeln, zu­
mindest nicht in der Sprache der Römer.3 Die statistische Auswertung der In­
schriftensammlungen erlaubt aus dieser Perspektive immer wieder interessante
Überlegungen zur zeitlichen Dynamik des Mediums bzw. zu den Ursachen von


1
Die folgenden Ausführungen verstehen sich lediglich als Beitrag zur laufenden Diskus-
sion über das (schleichende?) Ende antiker Ehren- bzw. Porträtstatuen als Me­dium der
Selbstdarstellung. Sie beabsichtigen keineswegs eine systematische Zusam­menstellung
rekonstruierbarer Aufstellungszusammenhänge, sondern suchen viel­mehr den exem-
plarischen Vergleich einzelner Befunde, um über die gemeinsamen Elemente Grund-
tendenzen aufzuspüren.
2
z.B. Meyer 1990; Hedrick 1999; Chaniotis 2004; Witschel 2006; zur jüngeren
Ü­bertragung des Begriffs auf antike Bildmedien s. z.B. Coates-Stephens 2007; Smith
2007b.
3
MacMullen 1982.

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Höhe- und Tiefpunkten spezifischer Inschriftengattungen, die man mit der all­
gemeinen historischen Überlieferung in Korrelation zu bringen sucht.4
Im Zusammenhang mit dem Thema des Workshop ist diese Betrachtungsweise
gleich in zweierlei Hinsicht von Interesse: Zum einen verzeichnet eine Reihe
solcher Diagramme in severischer Zeit den mit Abstand höchsten Ausschlag in
der Kurve, zum anderen stürzt die Kurve dann nach den Severern oft jäh ab,
um noch im Verlauf des 3. Jhs. dem sicheren Ende entgegen zu sehen oder sich
zumindest, langfristig gesehen, nicht mehr erheblich zu erholen.5 Es liegt auf der
Hand, dass das damit evozierte Bild dramatischer Veränderungen eine zent­rale
Rolle in der langjährigen, aber keineswegs erkalteten Diskussion zur ‚Krise‘ des
römischen Reiches im 3. Jh. übernommen hat.6

1. Das aktuelle Szenario: Medienwechsel statt ‚Krise‘

Die Entwicklung elitärer Repräsentationsformen steht seit einigen Jahren im


Fokus der oben skizzierten Fragestellungen, wobei vor allem die gemeinsamen
Überlegungen von Christian Witschel und Barbara Borg in einer vorbildlichen
Synopse von epigraphischer und archäologischer Überlieferung als Referenz­
marke im Raum stehen.7 Witschel stellt fest, dass spätestens ab der Mitte des
3. Jhs. die Aufstellung von Ehrenstatuen im öffentlichen Bereich, vor allem auf
den zentralen Platzanlagen, reichsweit drastisch abnimmt. Wo dennoch solche
Denkmäler überliefert sind, offenbaren sie den massiven Einsatz von Spolien
und passend dazu eine deutliche Nachlässigkeit in der Ausführung der Inschrif­
ten. Borg bestätigt dieses Szenario ihrerseits, indem sie einen deutlichen Rück­
gang in der Produktion rundplastischer Bildnisse und ebenfalls vermehrt Wie­

4
Allerdings betont bereits MacMullen 1982, 246 den Kontrast der quantitativen Ver­
laufskurven zu den gängigen Einschätzungen politischer und ökonomischer ‚Blüte­
zeiten‘ des römischen Reiches, der zu einer neuen (Art von) Geschichtsschreibung
herausfordere. Er folgert, dass die Abweichungen am ehesten eine psychologische
Grundstimmung der Gesellschaft widerspiegeln, indem er das Setzen von Inschrif­ten
an die Zuversicht auf eine anhaltende Rezeption, also ungebeutelt von Krisen, knüpft.
5
MacMullen 1982, 242-245 Graphiken IV und V; Meyer 1990, 92 Abb. 5; Woolf 1996;
Meyer 1990, 95f. führt den Verlauf der Kurven auf den Bedarf zur Zurschau­stellung
des römischen Bürgerstatus zurück, der nach der Constitutio Antoniniana schnell
obsolet geworden sei; dagegen und zur Fragwürdigkeit der Datierungsgrund­lagen s.
Cherry 1995; Borg – Witschel 2001, 48f. Anm. 3. 4.
6
Zur Diskussion der ‚Krise des 3. Jahrhunderts‘ in der deutschsprachigen Fachlitera­tur
s. insbesondere die Beiträge Alföldy 1975; Alföldy 1989; Strobel 1993; Witschel 1999,
bes. 60-84; Johne 2008.
7
Borg – Witschel 2001.

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derbenutzungen/Überarbeitungen von Statuenköpfen und -körpern konstatiert


sowie auf die bekannten qualitativen, vor allem stilistischen Brüche in den Kon­
ventionen von Porträtdarstellungen verweist, wobei sie sich aber im Anschluss
an Marianne Bergmann von den früheren Dekadenzvorstellungen klar distan­
ziert.8 Trotz alledem habe die Reichsaristokratie relativ unvermindert fortbe­
standen und auch sicherlich weiterhin das Bedürfnis gehabt, sich mit Mitteln
der Selbstdarstellung als solche zu definieren und zu behaupten und, das kommt
entscheidend hinzu, in Erinnerung zu bleiben. Ergo muss dieses sub­stantielle
Bedürfnis der Oberschicht neuen Ausdrucksformen den Vorzug gege­ben haben.
In Ermangelung hinreichender materieller Surrogate haben die beiden For­
scher vor allem auf eine steigende Bedeutung von Zeremoniell und inszenierten
öffentlichen Auftritten in der Spätantike, also transitorische Medien der Reprä­
sentation verwiesen.9 Diese Lösung erscheint mir, auch wenn sie wichtige
Ü­berlegungen zum Verständnis des Wandels beisteuert, in mehrfacher Hinsicht
methodisch fragwürdig:10 Einerseits müsste man die Behauptung im Hinblick
auf die Traditionen und Bedingungen ‚performativer Selbstdarstellung‘ genauer
absichern und die spätantiken Veränderungen auf diesem Gebiet zunächst ‚me­
dienimmanent‘ analysieren.11 Andererseits sind der Überprüfbarkeit der These
naturgemäß enge Grenzen gesetzt. Vor allem aber fehlt in diesem Erklärungs­
modell die kommemorative Komponente, die ja als wesentliche Funktion der
Ehrenstatuen festgestellt wurde, wie nicht zuletzt aus antiken Äußerungen selbst
hervorgeht.12
In der jüngst erschienenen Publikation des Münchner Kolloquium zu „Statuen
in der Spätantike“ von 2004 ergänzen bzw. modifizieren Borg und Witschel ihre
Einschätzungen entsprechend: Borg verweist nun nachdrücklicher und m. E.
völlig plausibel auf eine starke Verlagerung elitärer Selbstdarstellung in die pri­
vaten Kontexte von Grab und Haus, ausgelöst durch die zunehmende Mono­


8
Borg – Witschel 2001, 86-87.

9
Borg – Witschel 2001, 90-116.
10
Diese Bedenken werden z. T. bereits von Borg – Witschel 2001, 92 vorweggenom­men.
11
Borg – Witschel 2001, 93-104 zeichnen zwar am Beispiel der öffentlichen Spiele
kursorisch deren wachsende Bedeutung durch die gesamte Kaiserzeit hindurch bis
in die Spätantike nach. Es bleibt schließlich aber unklar, warum die ephemeren Ak­
klamationen das Potential erhalten, die beständigeren Ehreninschriften zu verdrän­gen.
Die Quintessenz scheint die zu sein, dass letztere das breite Publikum nicht mehr errei-
chen, weil ihre metrische Ausdrucksweise zu elaboriert ist; s. hingegen zu den Wurzeln
der Akklamationen als wichtiges politisches Instrument des Demos seit hellenistischer
Zeit: Quaß 1993, 404-421.
12
Borg – Witschel 2001, 78 Anm. 173 mit Verweis auf InscrIt X 4, 31 = ILS 6680 (Rei-
terstatue aus Tergeste); Plin. nat. 34, 17; vgl. weiter unten die spätantiken Bei­spiele.

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polisierung öffentlicher Repräsentation durch den Kaiser, wobei der performa­


tiven Selbstinszenierung nach wie vor entscheidendes Gewicht beigemessen
wird.13 Witschel lässt mehr als zuvor durchblicken, dass der Ausstieg aus der
statuarischen Selbstdarstellung auf öffentlichen Plätzen vielerorts ein Ausstieg
auf Raten ist bzw. nicht überall gleichzeitig und vollständig erfolgt; schließlich
ändere sich auch die Nutzung und Gestaltung der Platzanlagen selbst.14
Es zeichnet sich demnach ab, dass das beobachtete Phänomen sehr viel­
schichtig ist und vermutlich nicht allein durch einen einfachen Medienwechsel
erklärt werden kann. Ohne dass die quantitativen Daten in ihrem Aussagewert
heruntergespielt werden sollten, bedarf es m. E. einer eingehenderen Analyse der
qualitativen Veränderungen, soweit sie sich im Zusammenhang von Bildnis­sen,
Inschriften und ihrer gemeinsamen Verortung überhaupt nachvollziehen lassen.15
Im Folgenden soll daher der Versuch unternommen werden, anhand von mehr
oder minder konkreten Aufstellungskontexten von Porträtstatuen bzw. ihren
Basen Aufschluss darüber zu gewinnen, inwiefern sich die Praxis in severischer
Zeit von den vorhergehenden und nachfolgenden Verhältnissen ab­setzen lässt.
Dazu soll zunächst die Situation in Rom, gleichsam als urbs celeberri­ma, betrachtet
werden, um dann den Vergleich mit einer Provinzstadt heranzu­ziehen, die eine
ähnlich lang anhaltende Überlieferung von Ehrenstatuen aufzu­weisen hat: das
karische Aphrodisias.

2. Ehrenstatuen in Rom: Statistische Betrachtungen

Der gesonderte Blick auf Rom folgt der seit längerem in der Forschung
etablierten Auffassung, dass Ehrenstatuen in der Hauptstadt des Reiches viel eher

13
Borg 2007 aufbauend auf Borg – Witschel 2001, 113-116. – Einen Medienwechsel
e­litärer Repräsentation im häuslichen Kontext, der seinen Niederschlag auch in den
Grabbauten erfährt, zeichnet Muth 2007 anhand der Entwicklung der Flächenkunst
nach, wodurch deutlich wird, dass es nicht bei performativer Selbstinszenierung bleibt.
14
Witschel 2007; ähnlich schon Borg – Witschel 2001, 88. 91f. 116. Zur statuarischen
Gestaltung des Forum Romanum in der Spätantike s. Bauer 1996, 7-46. 72-79. 124-
141; Machado 2006.
15
Im Hinblick auf die Überlieferungsproblematik könnte man beispielsweise gegen die
Erhebungen zum epigraphic habit einwenden, dass in dem erst seit augusteischer Zeit
umfassend erhaltenen Material die literarisch zahlreich belegten Ehrenstatuen des
spätrepublikanischen Rom keinen entsprechenden Niederschlag finden: Plin. nat. 34,
30; Suet. Cal. 34, 1; zu diesen Textstellen und der Überlieferung republikanischer Eh-
renstatuen im Allgemeinen s. Hölscher 1978, 324-344; Sehlmeyer 1999, bes. 110. 152-
154. 270-71.

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in Konkurrenz zur kaiserlichen Repräsentation treten mussten als andernorts.16


So oblag es dem Kaiser selbst, wen er, wie z.B. auf dem Augustusforum, als
wür­dig befand, in die Reihe der von ihm ausgewählten summi viri der Vergan­
genheit aufgenommen zu werden.17 Damit war kein ausdrückliches Verbot von
vergleichbaren Initiativen seitens anderer Auftraggeber ausgesprochen, aber
jegliches Gesuch in dieser Richtung an das Wohlwollen des Princeps geknüpft,
dem das entscheidende Gremium des Senats nichts entgegenzusetzen hatte.
Da Ehreninschriften in Rom wie in seinem Umland nicht selten in sepulkra­
len und häuslichen Kontexten zutage gekommen sind,18 geht man davon aus,
dass es sich bei diesem Phänomen folglich um eine Art Ausweichen elitärer
Selbstdarstellung handelt, indem das Tabu allzu öffentlicher Denkmäler, die mit
dem Kaiserhaus in Konkurrenz treten könnten, in der allenfalls halböffentli­
chen Sphäre des Privatbesitzes kompensiert wird.19 Freilich zeigt gerade das
häufig zitierte Beispiel der Ehreninschriften aus dem Lararium der Volusiervilla
bei Lucus Feroniae, dass die Ehrung im Haus nur eine (in diesem Fall postume)
Alternative neben zahlreichen an verschiedenen öffentlichen Orten Roms wie
anderswo aufgestellten Statuen darstellt, zumal sie im Wortlaut kaum von den
anderen Inschriften zu unterscheiden ist.20
Dieser Umstand erschwert eine statistische Auswertung der Fundverteilung
von Ehreninschriften auf Statuenbasen in Rom erheblich, zumal die Überliefe­
rungsbedingungen selten so günstig sind, dass eine eindeutige Zuordnung zu
öffentlichen oder privaten Kontexten im näheren Umkreis möglich ist, außer es
wird in der Inschrift selbst explizit angegeben. Unter diesem Vorbehalt sollen
dennoch die neu vorgelegten stadtrömischen Inschriften senatorischer bzw. rit­
terlicher Ehrenstatuen aus dem 3. Jh. (genauer: spätes 2. bis spätes 3. Jh.) einer
kurzen statistischen Analyse unterzogen werden: Von den rund hundert Perso­
nen senatorischen Standes zugeschriebenen Inschriften in CIL VI 8 sind etwa
20% Grabinschriften und 30% Ehreninschriften, während bei nahezu 50% aller
Fälle keine definitive Entscheidung zugunsten einer bestimmten Funktion ge­

16
Lahusen 1983, 100-107. 125; dagegen Eck 1992, 365, obwohl er die Tendenz grund­
sätzlich ähnlich sieht: a. O. 375-376.
17
Zanker 1968, 14-16; Hofter 1988; Ungaro 2007.
18
Andermahr 1998, bes. 10-25.
19
So zuletzt auch Borg 2007, 65. Die Aufstellung von Ehrenstatuen in Privathäusern
ist allerdings seit dem späten Hellenismus gebräuchlich und scheint der Praxis im öf­
fentlichen Raum auch nie Abbruch getan zu haben: Kreeb 1988, 69-71; zur Spätanti­ke
s. unten.
20
Eck 1992, 359-363.

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troffen werden kann.21 Bei den Rittern sind es gerade mal 5 gesicherte Ehrenin­
schriften, während fast zwei Drittel mit Gewissheit sepulkralen Ursprungs sind;
dabei schlagen allerdings die Inschriften von solchen Personen, die lediglich die
Ritterwürde, aber kein Amt innehatten, deutlich zu Buche.22 Sofern es Angaben
zu den Fundorten gibt, lassen sich von den 31 senatorischen Ehreninschriften
6 eher dem öffentlichen Raum zurechnen,23 während 19 auf private Kontexte
zurückgehen dürften.24 Bei den Rittern sind vermutlich alle 5 Ehreninschriften
bis auf eventuell eine öffentlichen Ursprungs, wobei in diesen Fällen vor allem
die jeweiligen Amtslokale als Aufstellungsorte in Erwägung gezogen werden.25

21
CIL VI 8 p. 4966-5016. Vielfach erfolgt hier die Einschätzung der Funktion über die
rekonstruierbaren Formate der häufig nur sehr fragmentarisch erhaltenen Inschrif­ten.
Freilich können prinzipiell Statuenbasen auch aus Grabkontexten stammen, wie auch
breite Verkleidungsplatten für Podeste von Porträtstatuen oder -büsten gedient haben
können.
22
CIL VI 8 p. 5031-5047.
23
CIL VI 8, 41172 (FO: Abhang Kapitol, Vaterlandsaltar). 41184 (FO: Kapitol, S. Ma-
ria in Aracoeli). 41221/22 (FO: Forum Romanum). 41226 (FO: Forum Roma­num,
bei Vesta-Tempel). 41229 (FO: Trajansmärkte); in 41198 (FO: Forum Roma­num, bei
Curia) hat ein Senator vermutlich lediglich als curator bei der Aufstellung ei­ner Kaiser-
statue mitgewirkt. Um Statuenbasen handelt es sich vermutlich auch bei folgenden
Inschriften ungesicherter Funktion: 41201 (FO: Forum Romanum). 41235 (FO: Piaz-
za Cenci). Alföldy geht bei fünf der Inschriften, u.a. wohl aufgrund der Dedikanten-
angaben (Verwandte, Freunde, Angehörige der familia, Klienten bzw. Provinzstädte)
davon aus, dass sie ursprünglich aus Privathäusern stammen; s. dage­gen allerdings die
Beobachtung von Eck 1992, 367f., dass schon im benachbarten Tibur eine derartige
Regel nicht aufgestellt werden kann.
24
CIL VI 8, 41176 (FO: Esquilin, Villa Sabella). 41179 (FO: loc. Monte d’Oro, bei Por-
ta Latina, domus der Aradii). 41182 (FO: unter St. Peter). 41186 (FO: Caelius, bei
S. Stefano Rotondo, domus der Aradii?). 41190/91 (FO: Esquilin). 41193 (FO: Via
Ardeatina, Domitilla-Katakombe). 41194 (FO: Aventin). 41200 (FO: Via Casili­na, SS.
Pietro e Marcellino). 41206 (FO: am Fuß des Monte Mario). 41215 (FO: Via Appia,
zwischen Porta Metronia und Caracalla-Thermen). 41216 (FO: Via Appia, nahe Max-
entius-Villa). 41217 (FO: Caelius, Villa Casali, domus der Annii). 41225b (FO: Via XX
Settembre). 41228 (FO: Piazza Colonna). 41232a (FO: Kleiner Aven­tin). 41237 (FO:
Kallixtus-Katakombe). 41240 (FO: Kallixtus-Katakombe). 41255 (FO: Monteverde,
Via Cavallotti). 41258a (FO: Balbina-Katakombe, könnte auch für einen Ritter gesetzt
worden sein). Um Statuenbasen handelt es sich vermutlich auch bei folgenden In-
schriften ungesicherter Funktion: 41177 (FO: Via Appia, am Fuß des Caelius). 41196
(FO: unter St. Peter). 41199 (FO: Oppius, Vie Merulana/ Buonarotti). 41202/03 (FO:
Via G. Lanza/de Selci).
25
CIL VI 8, 41281 (FO: Viminal, S. Pudenziana) weist auch Alföldy einem privaten
Kontext zu. 41282 (FO: Lungotevere Testaccio). 41290 (FO: Lungotevere Testa­ccio).
41296 (FO: Forum Romanum, bei Bogen des Septimius Severus)

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Daraus lässt sich ersehen, dass die privaten Kontexte erwartungsgemäß deutlich
dominieren, aber dennoch grundsätzlich mit Ehrenstatuen im öffentlichen Raum
zu rechnen ist.26
Die Inschriften werden zwar mehrheitlich in severische Zeit datiert, verteilen
sich aber im Übrigen recht gleichmäßig über die weiteren Jahrzehnte des 3. Jhs.
Unter den von Konstantin veränderten Vorzeichen der urbs Roma scheint die Zahl
der öffentlichen Ehrenstatuen dann in den beiden anschließenden Jahr­hunderten
sogar wieder deutlich zu steigen;27 im Rahmen der oben skizzierten Auffassung
könnte man folgern: weil der Kaiser nun fort ist! Allerdings lässt die Vorliebe
für die Aufstellung von Porträtstatuen im eher privaten Bereich, ins­besondere
in den Wohnhäusern nicht nach.28 Ist demnach im Verlauf der Kai­serzeit aus
der Not eine Tugend geworden? Mehr noch scheint die Vermutung zutreffend,
dass die senatorischen Residenzen selbst im Verhältnis zu den kon­ventionellen
öffentlichen Räumen der Stadt erheblich an Bedeutung gewonnen haben, so
dass sie im Hinblick auf ihre Repräsentativität und die Erregung öf­fentlicher
Aufmerksamkeit geradezu ebenbürtig geworden sind.29
Einen ähnlichen Eindruck wie die Inschriften vermittelt die Durchsicht
der einschlägigen Katalogwerke hinsichtlich Porträts des 3. Jhs. Auch hier wird
man den Spezialisten auf dem Gebiet der Porträtforschung in der generellen

26
S. auch die – wenn auch fragwürdige – Erwähnung von Statuen der summi viri, die Severus
Alexander von überall her auf das Trajansforum verbracht haben soll: SHA Alex. 26, 4.
27
CIL VI 8, 41318 (FO: Kapitol). 41324 (FO: Nerva-Forum). 41332 (FO: Via dei Fori
Imperiali). 41336 (FO: Trajansforum). 41342a (FO: Trajansforum). 41344a (FO: Fo­
rum Romanum, vor Curia). 41345? (FO: Trajansforum). 41346 (FO: Forum Roma­
num). 41347 (FO: Trajansforum). 41348 (FO: im NW des Forum Romanum). 41357?
(FO: Forum Romanum). 41380 (FO: Trajansforum). 41381 (FO: Forum Ro­manum,
Basilica Iulia). 41389 (FO: vor neuem Eingang auf der Rückseite der Curia). 41390
(FO: Augustusforum). 41398 (FO: Forum Romanum, in Curia). s. auch die stark frag-
mentierten Inschriften 41366-371. 41373-74. 41417-18a, die überwiegend vom Tra-
jansforum stammen dürften; weitere Beispiele bei Niquet 2000, 19-25. – Auch die
Qualität des Schriftbildes lässt nicht etwa sukzessive nach, sondern fällt recht hetero-
gen aus bzw. deutet auf ein bemerkenswertes Gefälle; s. dazu Borg – Witschel 2001,
83f.; vgl. Witschel 1999, 82-84. Zumindest ergibt sich auch in dieser Hinsicht kein
klarer Trend, wie m. E. die Inschriften der führenden Schichten Roms in den folgen-
den Jahrhunderten erkennen lassen: CIL VI 8 p. 5049-5123; s. auch Ensoli – La Rocca
2000, 463-465 Nr. 66 (Basis für Q. Aurelius Symmachus). 67 (Ba­sis für Virius Nicoma-
chus Flavianus).
28
Niquet 2000, 25-31; Gehn 2010.
29
Hillner 2004, 130-142; zu den privaten Fora: Niquet 2000, 25f. 213-218; Hillner 2004,
125-127; zum Zusammenhang von Wohnhaus und memoria in der Spätantike s. auch
Griesbach 2010.

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Einschätzung, dass die Zahlen in nachseverischer Zeit stark rückläufig sind,


nicht widersprechen wollen.30 Es gilt jedoch zu bedenken, dass ein systemati­
scher Nachweis bislang nicht vorgelegt worden ist und sich die Menge qualita­
tiv anspruchsvoller Porträts des besagten Zeitraums aus Rom oder auch aus
dem nahen Ostia in jedem Fall sehen lassen kann.31 Wieviele dieser Bildnisse
dann wiederum aus eher öffentlichen oder privaten Kontexten stammen, lässt
sich bislang kaum vernünftig abschätzen,32 auch wenn man auf Anhieb mehr
Beispiele aus Wohnhäusern und Grabbauten anführen kann.33 Dass sich im pri­
vaten Ambiente auch in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. noch sehr ambitionierte
Bildwerke finden lassen, belegen beispielsweise die 1,61 m hohe Reiterstatue ei­
nes als Jäger dargestellten Knaben, vermutlich aus einer Villa bei Acilia an der Via
Ostiense,34 oder die Grabgruppe des Cornutus, der in Gestalt des Saturn seine acht
verlorenen Kinder beweint, die durch einen Jungen und ein Mädchen beiderseits
des Thronenden vertreten sind.35 Ein nachlassendes Interesse am Porträt an
sich lässt sich den genannten Beispielen kaum entnehmen, ein for­maler Wandel
vielleicht schon eher, auch wenn die Götterangleichung der Grabgruppe eine seit
langem etablierte Tradition fortsetzt. Um der Frage nach den Veränderungen in
der Auffassung von Ehrenstatuen näher zu kommen, bedarf es allerdings eines
genaueren Blicks auf aussagekräftige Gesamtbefunde.

30
Einen Ansatz zu einer derartigen Statistik liefert Bergmann 2005, 158f.; vgl. Borg
2007, 50f. Ausgangspunkt sind dabei immer die leichter greifbaren Kaiserporträts;
aufschlussreicher wäre aber eine umfassende Erschließung der Privatporträts.
31
Meischner 2001, 42-129; s. auch Ensoli – La Rocca 2000, Kat. Nr. 40. 187. 193. 201.
202. 260. 261. 264. 353; vgl. z.B. die ähnlichen Gegebenheiten in Kleinasien: Inan –
Rosenbaum 1979.
32
Z.B. Giuliano 1979, 306-308 Nr. 184 (E. Talamo; Büste eines Wagenlenkers, gallie­
nisch, FO: piazza della Chiesa Nuova, Marsfeld); 1981, 35f. Nr. 26 (L. Nista; Kopf 2.
H. 4. Jh. auf wiederbenutzter Togastatue, FO: Ministero delle Finanze, Quirinal); 1988,
392-394 Nr. 294 (Büste eines Mannes, 230 – 240 n. Chr., FO: Villa bei km 11 der Via
Cassia); S. 397f. Nr. 301 (bärtiger Kopf eines Mannes, gallienisch, FO: Os­tia, zwischen
Horrea und Decumanus); S. 410-412 Nr. 313 (alle A. L. Cesarano; männlicher Kopf,
tetrarchisch, FO: Via Cheren Nr. 6, Via Nomentana); Calza 1941 (Togatus, 1. H. 5. Jh.
n. Chr., FO: Ostia, Forumsthermen).
33
Bergmann 2005, 158 gibt an, dass die erhaltenen ganzfigurigen Porträtstatuen aus
spätantiker Zeit fast ausschließlich aus öffentlichen Kontexten stammen. Freilich ist
bei den meisten überkommenen Bildnissen weder klar, ob sie ursprünglich zu Statu­en
oder zu Büsten gehörten, noch, aus welchen Kontexten sie stammen: Meischner 2001.
34
Giuliano 1979, 126f. Nr. 90 (E. Talamo).
35
CIL VI 16483; Wrede 1981, 253f. Nr. 160.

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3. Ehrenstatuen in Rom: Spuren des Wandels

3.1. Die Inschriften der Statuen auf dem Trajansforum (2. – 5. Jh. n. Chr.)

In seinem Beitrag zu dem oben erwähnten Münchner Kolloquium hat Franz


Alto Bauer auf einige auffällige Veränderungen im Inschriftenformular öffentli­
cher Ehrenstatuen auf dem Trajansforum hingewiesen.36 Demnach findet sich
hier erstmals in einer (postumen) Statuenweihung unter Mark Aurel für den
Feldherrn M. Claudius Fronto der Hinweis auf Bildtyp (statua armata) und Auf­
stellungsort, obwohl diese dem Betrachter ohne Weiteres ersichtlich waren.37 In
wenig späteren Ehreninschriften dieser Art finden nicht nur die Statuen vor Ort
eigens Erwähnung, sondern gleichfalls zusätzliche Statuen wechselnden Bildtyps,
die an anderen prominenten Plätzen im Umkreis zur Aufstellung kommen sollten
wie z.B. in der Vorhalle des Tempels für den vergöttlichten Antoninus Pius.38
Ausgerechnet für das 3. Jh. ist die Überlieferungsreihe unterbrochen, um
dann im 4. Jh. eine Fortsetzung unter veränderten Vorzeichen zu finden: Im
Folgenden kommen nämlich unabhängig von militärischen Leistungen Magis­
trate höchster Ebene zur Ehrung, und im Verzicht auf einen ausführlichen cur­
sus honorum werden nun Tugenden aufgelistet, die mehr oder weniger unabhän­
gig von konkreten Leistungen die in den Statuen Verewigten hervorheben sol­
len, worin sie den oben erwähnten Statueninschriften aus den zeitgenössischen
senatorischen domus sehr ähneln.39 Diese Inschriften, die sich vergleichbar bis
ins 5. Jh. weiterverfolgen lassen, gehen nicht nur auf die Ikonographie der Sta­
tuen oder weitere statuarische Ehrungen ein, sondern machen sogar die eigene
Anbringung, gelegentlich in Form von Epigrammen, und den Zweck der
Denkmäler zum Thema: die Kommemoration und die Vorbildhaftigkeit des
Dargestellten.40 Bauer betont bei diesen Veränderungen vor allem die sukzessi­ve

36
Bauer 2007, 79-86.
37
CIL VI 1377 = 41142 = ILS 1098; vgl. CIL VI 41146.
38
CIL VI 1540 = 41145 = ILS 1112; CIL VI 1599 = 41141 = ILS 1326. Die Nennung
weiterer Statuen an anderen Orten begegnet schon in der oben erwähnten Inschrift
aus der Volusiervilla (wohl letztes Drittel 1. Jh. n. Chr.), wo allerdings nur die öffent­
lichen Ehrenstatuen aufgezählt werden, ohne auf die Gestaltung des Porträts vor Ort
einzugehen.
39
CIL VI 1683 = ILS 1221; CIL VI 1736 = ILS 1256; CIL VI 1698 = ILS 1257. – In­
schriften aus Privatkontexten: CIL VI 1692/1693. 1739-1742. 1751. 1752. 1755. 1756.
1768/1769. 1772/73. 1793. 32051. 41383; 41389a; zu den Hintergründen s. Niquet
2000, 26-30.
40
CIL VI 41336. 1727 = ILS 1275; CIL VI 1749 = ILS 809; CIL VI 1724 = ILS 2950;
CIL VI 1725 = ILS 1284.

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86 Jochen Griesbach

Loslösung der Inschriften von ihrem Träger, dem statuarischen Denkmal, und
zielt dabei auf die spätantike Praxis, Statueninschriften zu einem eigenstän­digen
literarischen Genre zu erheben.41 In unserem Zusammenhang ist aber e­her von
Interesse, inwieweit sich die skizzierten Veränderungen bereits im 3. Jh. greifen
lassen und wie sie langfristig einen Wandel in der Auffassung der Ehrenstatuen
selbst erkennbar machen.

3.2. Ehrenstatue für einen patronus im häuslichen Kontext

Aus der 1916 unmittelbar vis-à-vis der Markussäule freigelegten Insula-Bebau­


ung (Abb. 1) stammt die Statuenbasis des M. Pontius Eglectus Archelaus, eines
Mannes konsularischen Ranges, der in Karthago als curator rei publicae tätig war,
nach den vorhandenen Indizien etwa im Zeitraum von 250 – 270 n. Chr. (Abb.
2).42 Als Auftraggeber der Statue treten zwei Klienten aus der Familie der Vale­
rii Philostorgi in Erscheinung, die mit dem Denkmal ihrer Dankbarkeit für die
Unterstützung seitens des Patrons Ausdruck verleihen. Nach aller Wahrschein­
lichkeit stammt die Statuenbasis aus einer der aufwendiger gestalteten Erdge­
schosswohnungen der hadrianischen Insula, die mindestens bis in das 4. Jh.
hi­nein eine Reihe von Umbaumaßnahmen erfahren hat.43 Besonders herausste­
chend ist im SO der Wohnblöcke eine vor Erreichen eines abschließenden Ap­
sidensaales angeordnete Raumfolge mit Granitsäulen und marmornen Kapitel­
len sowie einer flankierenden Nymphäumsanlage.44 Bemerkenswert ist in die­sem
Zusammenhang, dass sich unter dem geborgenen Material auch der Por­trätkopf
eines Mannes befindet, der der Entstehungszeit nach in etwa zu der Statue passen
würde.45 Allerdings spricht die Beschreibung der Fußspuren auf der Oberseite
der Basis dafür, dass die zu rekonstruierende Statue aus Bronze war. Man könnte
also allenfalls darauf spekulieren, dass die beiden Stücke einst gemeinsam zu
einer Familiengalerie gehörten.46 Von besonderem Interesse sind in unserem

41
Bauer 2007, 84-105.
42
CIL VI 41228: M(arco) Pontio M(arci) f(ilio) Palatina | Eglecto Archelao c(larissimo)
v(iro) | cons(uli) curatori Cartha- | ginis unicae bonitatis | et gravitatis viro patro- |
no inconparabili | Valerii Philostorgus | senior et iunior clientes foti | semper eius
auxilis.
43
Cantarelli 1915, bes. 221f.; Fornari 1917, 22.
44
Gatti 1917, 14-15 Abb. 4-6 Faltplan: Räume H, I und L. Weitere Angaben zu den Aus-
grabungen der Insulae in Gatti 1989.
45
Fornari 1917, 20 Abb. 8.
46
Tatsächlich ist von einem nahen Verwandten, dem Vater oder Bruder des Archela­us,
M. Pontius Eglectus Iulianus, der noch vor der Mitte des 3. Jhs. u.a. Statthalter der

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Eine Krise des ‚portrait habit‘? 87

Zusammenhang die Attribute, die in der Inschrift den Senator cha­rakterisieren


sollen. Denn obwohl die Angaben von Status und Ämtern gleich zu Beginn der
Inschrift erfolgen, nimmt die Hervorhebung der zeitlosen Tu­genden des Senators
einen größeren Platz ein: Archelaus ist demnach ein Mann einzigartiger Güte
und Beständigkeit, ein unvergleichlicher Patron, der sei­nen Klienten stets helfend
beistand, die sich daher in seiner gunstvollen Obhut si­cher fühlten.

3.3. Ehrenstatuen der Vestalinnen

Eine ähnliche Verschiebung der Akzente lässt sich bei einer recht klar umrisse­
nen Gruppe von Ehrenstatuen beobachten, bei der trotz der abgeschlossenen
Unterbringung der Dargestellten (Abb. 3) von einer stärkeren öffentlichen
Wahrnehmung auszugehen ist als bei dem zuvor behandelten Beispiel. Gemeint
sind die Vestalinnen, die als vornehmste Priesterinnen des römischen Staates
und durch ihre Nähe zum Kaiser höchstes Ansehen genossen und eine wichtige
politische Mittlerrolle erfüllten.47
Die frühkaiserzeitlichen Ehreninschriften, die sowohl auf öffentliche wie
private Stiftungen zurückgehen, nennen als Anlass für die Statuensetzung allen­
falls die Frömmigkeit als Inbegriff des Priesterinnenamtes bzw. klären die sozi­
ale Verbindung zwischen dem Stifter und der Geehrten.48 Für das 3. und 4. Jh.
verfügen wir über eine recht dichte Reihe von Monumenten, die überwiegend
aus den Säulenhallen (an den Rückwänden) des Atrium Vestae bzw. aus der
Umgebung des Vesta-Tempels auf dem Forum Romanum stammen.49 Der öf­
fentliche Charakter des Vestalinnen-Hauses kommt dabei nicht nur aufgrund
seiner Lage, sondern auch durch die Präsenz einer Reihe von kaiserlichen Statu­en
zum Ausdruck.50 Zum überlieferten Material zählen sowohl Statuenbasen als auch

Provinz Asia und magister a studiis Augustorum war, ebenfalls eine stadtrömische, leider
fragmentarische Ehreninschrift erhalten: CIL VI 1608 = 37096 = 41288 = ILS 1457.
Vermutlich stammt sie vom Forum Romanum, wofür die Auffindung in einer Spolien-
mauer am Septimius-Severus-Bogen sprechen dürfte.

47
Mekacher 2006, bes. 140-153 zu den Aufstellungskontexten.

48
Mekacher 2006, 199f. 204; z.B. CIL VI 2127 = 32403: Iuniae C(ai) Silani f(iliae) | Tor-
quatae vir(gini) Vest(ali) | maximae | Iuvenio l(ibertus) (FO: nahe Balbus-Theater).
2128: Iunoni | Iuniae C(ai) Silani f(iliae) | Torquatae | sacerdoti Vestali | annis LXIIII
| caelesti patronae | Actius l(ibertus).

49
Mekacher 2006, 200-203. 204-208.

50
CIL VI 3178a. 31321. 31338a. 31369. 31370. 31372. 36775; die Inschriften für das
severische Kaiserhaus stammen nicht mehr wie früher von Priesterkollegien, son­dern
wie bei denen für die Vestalinnen von dankbaren Bittstellern; s. dazu Lindner 1996,
153-156; ebenda 140f. zu den kaiserlichen Porträtköpfen des 3. Jhs., die im Atrium

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Reste der Statuen selbst, wobei sich leider keine eindeutige Verbindung zwischen
Bildern und Inschriften herstellen lässt (Abb. 4). Seit frühseverischer Zeit
gehen die Inschriften explizit darauf ein, dass die Statuen als Gegenleistung für
erwiesene Gefälligkeiten gedacht sind.51 Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte des
3. Jhs. können die Gunsterweisungen dann sogar konkret benannt werden, sodass
wir erfahren, dass es sich wohl häufig um Fürsprachen beim Kaiser gehandelt hat,
die dem sozialen Aufstieg in den Ritterstand oder in pres­tigeträchtige öffentliche
Funktionen den Weg geebnet haben.52
Ab der spätseverischen Zeit setzen aber auch hier Lobpreisungen der Tu­
gendhaftigkeit der Geehrten ein, namentlich der Keuschheit, Frömmigkeit und
eines allgemein tadellosen wie vorbildlichen Lebenswandels (disciplina morum),
oft verbrieft durch den zusätzlichen Verweis auf die Anerkennung ihrer Amts­
führung durch den Staat oder sogar die Göttin Vesta selbst.53 Wiederum erge­hen

Vestae gefunden wurden, darunter Iulia Domna und wohl zweimal Caracal­la. Die In-
schrift CIL VI 36775, die von einem Offizier der Castra Peregrinorum zum Wohlerge-
hen des Severus Alexander gesetzt wurde, schließt nicht nur den Kaiser ein, sondern
auch seine Mutter Julia Mamea sowie seine Tante Julia Maesa.
51
CIL VI 2130: Terentiae Fla- | volae v(irgini) V(estali) ma- | ximae Aurel(ius) | Iulius
Balbil- | lus sac(erdos) Sol(is) ob | plura eius in se merita; linke Seite: d(onum) d(edit) |
pr(idie) non(as) April(is) | Laeto II et Ceriale | co(n)s(ulibus) (FO: aus dem Heiligtum
der Palmyrenischen Götter in Trastevere).
52
CIL VI 2131: Campiae Severinae | v(irgini) V(estali) max(imae) | sanctissimae be­
nignissimae | pro conlatis in se beneficiis | equestr(is) ord(inis) item secundae militi­ae
| Aemilius Pardalas trib(unatu) coh(ortis) I | Aquitanicae petito eius ornatus; lin­ke
Seite: dedicata IIII idus Maias | Sabino II et Venus[to] co(n)s(ulibus). 2132: Cam­piae
Severinae | v(irgini) V(estali) max(imae) sanctissimae | cuius sinceram pudici­tiam |
senatus comprobatam aeterna | laude publice cumulavit | Q(uintus) Veturius Calli-
stratus v(ir) e(gregius) | suffragio eius factus proc(urator) rat(ionum) | sum­m(arum)
privatarum bibliothecarum | Augusti n(ostri) et procurator eius.
53
CIL VI 2133: Fl(aviae) Mamiliae | v(irgini) V(estali) max(imae) | cuius egregiam sanc-
ti- | moniam et venerabilem | morum disciplinam in | deos quoque pervigilem | ad-
ministrationem senatus | laudando comprobavit | Aemilius Rufinus frater | et Flavii
Silvinus et Ire- | neus sororis filii a militis | ob eximiam eius erga se | pieta­tem prae-
stantiamque; rechte Seite: collocata XII kal(endas) April(is) | C(aio) Vettio Attico et |
C(aio) Asinio Praetextato co(n)s(ulibus). 2136 = 32405: Coeliae Claudia­nae | v(irgini)
V(estali) maximae | sanctissimae piissimaeque | cuius egregiam sanc­titatem | et in
deorum infatigabilem | sacrorum operationem meritis | suis laudem aeternam adhi-
bita | gravitate numen quoque Vestae | comprobavit | sacerdotes sacrae urbis; rechte
Seite: dedicata V kal(endas) Mart(iis) | M(arco) Iunio Maximo II et | Vettio Aqui-
lino co(n)s(ulibus) | curante | Fl(avio) Marciano v(iro) e(gregio) fic­tore v(irginum)
V(estalium).

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Eine Krise des ‚portrait habit‘? 89

sich die Inschriften in Superlativen und stellen die Überzeitlichkeit der Qualitäten
der geehrten Vestalinnen heraus.
Im statuarischen Repertoire zeichnen sich hingegen keine markanten Ver­
änderungen ab (Abb. 5): Bis auf ihre charakteristischen Trachtbestandteile, In­
fula und Vittae sowie das Suffibulum, sind die Priesterinnen mit den üblichen
Typen weiblicher Gewandstatuen dargestellt, wobei naturgemäß vor allem
die konventionellen Chiffren von Keuschheit und Frömmigkeit zum Einsatz
kommen.54 Die Porträtköpfe folgen einem einheitlichen Frisurenschema, das
durch ihr Priesteramt vorgegeben ist.55 Die Individualisierung der Gesichter er­
weist sich, abgesehen von gewissen Altersunterschieden, eher als gering, was wohl
in erster Linie auf die Idealisierung ihrer sozialen Rolle zurückzuführen ist; wenn
überhaupt, folgen sie auch hier dem allgemeinen Trend zu einer Her­vorhebung
der Augenpartie oder des Knochengerüsts.
Erneut sind es also eher die inschriftlichen Zeugnisse, die einen deutlichen
Wandel erkennen lassen. Dabei bleiben die Ehrwürdigkeit der Porträtierten und
die kommemorative Absicht der Standbilder im Grunde unverändert. Neu ist,
dass die Inschriften Aspekte explizit machen, die vorher gewissermaßen ‚unaus­
gesprochen‘ geblieben sind. Darin ähneln sie auffällig den oben angeführten
Denkmälern vom Trajansforum. Früher als dort aber lässt sich eine zuneh­mende
Betonung der zeitlosen Tugendhaftigkeit feststellen, die den Schwer­punkt von
der konkret zu ehrenden Leistung auf die allgemeine Erinnerungs­würdigkeit der
Person verlagert.

4. Ehrenstatuen in Aphrodisias

Zum Vergleich mit den besonderen und in vielerlei Hinsicht nicht repräsentati­
ven Verhältnissen in der Hauptstadt des römischen Reiches möchte ich als Bei­
spiel aus einer Provinz die Stadt Aphrodisias heranziehen, die bekanntlich eine
besonders reiche, lang währende und insgesamt günstige Überlieferung zu Por­
trät- und Ehrenstatuen aufzuweisen hat. Aus severischer Zeit haben sich dort zwei
Statuen erhalten, die sich aufgrund der Auffindung in Sturzlage mit Sicher­heit den
zugehörigen Basen zuordnen lassen, die ihrerseits in situ gefunden wor­den sind.
Es handelt sich um die Statuen eines lokalen Honoratioren namens L. Antonius
Claudius Dometeinos Diogenes und seiner Nichte Cl. Antonia Tatia­na (Abb. 6).56
Die beiden Denkmäler flankierten außen die Eingänge des Bouleuterion, das in

54
Mekacher 2006, 135-140.
55
Mekacher 2006, 129f. sowie zu den severischen Stücken 220-222 P9-P13; S. 224-225
P15/P16; 228f. U7?
56
Smith 1998, 66-68; Smith 2006, 69-71.

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zentraler Lage nördlich an die umlaufenden Portiken der N-Agora anschließt


(Abb. 7: D und E).57 Das Gebäude war am Ende des 2. Jhs. umfassend neu
gestaltet worden, wobei die an den Enden der Analemma­mauern beiderseits der
Orchestra angebrachten Statuenbasen vermutlich die Hauptverantwortlichen der
Baumaßnahmen anzeigen.58 Für die beiden in den Inschriften genannten Männer
lässt sich prosopographisch nachvollziehen, dass sie Söhne des Dometeinos waren,
somit das gesamte Gebäude für die Ratsver­sammlungen der Polis gewissermaßen
den Stempel einer einzigen Familie auf­gedrückt bekommen hatte.59 Freilich lässt
sich dem Bouleuterion eine Fülle weiterer Ehrenstatuen zuordnen,60 doch steht
fest, dass Dometeinos und seine Angehörigen besonders markante Punkte der
Anlage, veritable loci celeberrimi be­setzten.
Die Inschrift der Statuenbasis des Dometeinos gibt Auskunft, dass seine Hei­
matstadt die Ehrung veranlasst hat,61 dass aber ein einzelner Vertreter der loka­
len Oberschicht die Kosten dafür übernahm, namentlich Ti. Claudius Ktesias,
der auf einem eigenen Statuenträger als Redner bezeichnet wird.62 Die Angaben
zu Dometeinos erscheinen auf den ersten Blick recht knapp: Er wird als ‚Ge­
setzgeber‘ sowie Vater und Großvater von Senatoren benannt. Von einer weite­
ren Statuenbasis des Dometeinos, die jedoch aus ihrem ursprünglichen Kontext
gerissen ist, wissen wir, dass er zudem als Gymnasiarch auf Lebenszeit und Ho­
hepriester der Provinz Asia tätig war und als Euerget seiner Heimatstadt geehrt
wurde.63 Außerdem ist er als siebenmaliger Stephanephor überliefert, so dass

57
Smith 1999. 2002, Taf. 10. 11; Smith 2006, 63 Abb. 17 Taf. 1, 3.
58
J. Lenaghan – R. R. R. Smith in: Smith 2006, 218 (H 76. 87; s. Tab. a. O. 82f. und 63
Abb. 17); Bier 2008, 156f. Abb. 16; Reynolds 2008, 170f. Nr. 1. 2. Mit Ti. Clau­dius
Attalos (H 76) lässt sich sogar ganz konkret einer der senatorischen Nachkom­men des
Dometeinos fassen.
59
Bier 2008, 156f. 161.
60
In Zweitverwendung wurde hier auch eine Statuenweihung für Septimius Severus auf-
gefunden, die vermutlich mit dem zeitgenössischen Umbau des Gebäudes ver­bunden
werden kann (Aufstellung in scaenae frons?): Smith 2006, 78 Abb. 17 (H 27); Bier 2008,
163; Reynolds 2008, 177f. Nr. 9; Statuenbasen von Iulia Domna sowie zwei von Cara-
calla lassen sich aufgrund ihrer Verwendung für die spätantike Stadt­mauer nicht mehr
relokalisieren: a. O. (H 28-30) Taf. 2; allg. zu den verbauten Statu­enbasen jetzt P. De
Staebler in: Smith – Lenaghan 2008, 185-199.
61
J. M. Reynolds in: Inan – Rosenbaum 1979, 212f. Nr. 186; Smith 2006, 174 Taf. 3 (H 91);
Reynolds 2008, 184f. Nr. 18.: ἡ πατρὶς | Λ(ούκιον) Ἀντ(ώνιον) Κλ(αύδιον) | Δο- | μετεῖνον |
Διογένην | τὸν νομοθέ- | την, πατέρα | καὶ πάππον | συγκλητι- | vac. κῶν. vac. | τῆς ἀναστάσε-
| ως τοῦ ἀνδριάν- | τος προνοησα- | μένου Τιβ(ερίου) Κλ(αυδίου) | Κτήσιου πρεσβυ- | τέρου
ποιησαμέ- | νου δὲ καὶ τὸν vac. | βωμὸν αὐτῷ καὶ | τὰ λοιπὰ παρὰ ἑ- | αυτοῦ vac.
62
CIG 2797; Smith 2006, 85 (H 120).
63
CIG 2777 + p. 1111; Smith 2006, 83 (H 92).

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er als eine der einflussreichsten Gestalten im antoninischen Aphrodisias gelten


kann.64 Auch seine Nichte Tatiana ist über die Stadt hinaus als angesehene Da­
me bekannt und wird in dieser wie in einer weiteren Statueninschrift von der
Polis als bedeutende Euergetin geehrt, wobei hier noch einmal eigens auf die
Zugehörigkeit zur Stifterfamilie hingewiesen wird.65 In diesem Fall zeichnet der
Vater des Ktesias für die Aufstellung der Statue verantwortlich.66 Neben den
Inschriften liefern allerdings die Statuen von Dometeinos und Tatiana wichtige
zusätzliche Informationen zur Gesamtaussage des Ensembles:67 Der eventuell
schon verstorbene Archiereus trägt zu dem traditionellen griechischen Bürger­
gewand eine auffällige, golden zu rekonstruierende Kopfbedeckung mit appli­
zierten Miniaturbüsten, die ihn in seiner Rolle als Priester kennzeichnet, und ei­
ne üppige Haartracht, wie sie seit dem späteren 2. Jh. beliebt gewesen ist (Abb.
8). Zwischen zwei Büstenserien, die als Wiedergaben der severischen und der
antoninischen Kaiserfamilie gedeutet werden, ist in der Mitte die Stadtgöttin
Aphrodite dargestellt. Der Vergleich mit anderen Kronen dieser Art, die fast
ausschließlich im griechischen Osten, insbesondere in Kleinasien verbreitet
sind, erlaubt zudem die Vermutung, dass man Dometeinos so als Spielgeber
konnotieren konnte.68 In einer ganz anderen Umsetzung wiederholt sich der
Bezug zu Aphrodite in der Gewandstatue der Tatiana (Abb. 9), deren von einer
stephané gerahmtes Porträt eine deutliche Anlehnung an die Frisur der Iulia Domna
erkennen lässt: Geringe Reste von nackten Füßen eines Kleinkindes zur Rechten
der sinnlich bekleideten Statue führen zu der Vermutung, dass ein kleiner Eros
beigefügt war, der nicht nur die Attraktivität der Geehrten unter­streicht, sondern
ebenso dezent auf die göttliche Patronin von Aphrodisias ver­weist. Demnach

64
Jones – Smith 1994, 470f.
65
J. M. Reynolds in: Inan – Rosenbaum 1979, 215f.; Smith 2006, 218 Taf. 3 (H 246);
Reynolds 2008, 185f. Nr. 19: ἡ βουλὴ | καὶ ὁ δῆμος | Κλαυδίαν | Ἀντωνίαν | Τατιανὴν | τὴν
κρατίσ- | την ἐκ προ- | γόνων εὐ- | εργέτιν ἀ- | νεψιὰν Κλ(αυδίων) | Διογένους | καὶ Ἀττάλου
| συνκλητι- | vac. κῶν. | ἐπιμεληθέν- τος Τι(βερίου) Κλ(αυδίου) Καπε- | τωλείνου. – CIG
2819 b; Smith 2006, 95 (H 247).
66
Smith 2006, 85 (H 114).
67
Dometeinus: C. H. Hallett in: Smith 2006, 170-176 Abb. 19. 24 Taf. 40-42; – Tatiana:
J. Lenaghan – R. R. R. Smith in: Smith 2006, 216-219 Abb. 19 Taf. 76-77.
68
Rumscheid 2000, 32-34. 48-51. 118 Nr. 10 hält die Präsenz von Aphrodite im Zent­
rum der Krone für ein Indiz gegen den Zusammenhang mit dem Priesteramt auf
Provinzebene, aber die Kaiserbüsten scheinen m. E. für einen recht klaren Bezug
zwischen Aphrodisias und dem Kaiserkult – man denke auch an das hiesige Sebas­
teion, in dessen Dedikation Aphrodite und die Theoi Sebastoi nebeneinander adres­
siert sind – zu sprechen, auf den es bei dem Amt schließlich ankam: Clauss 1999,
403; so auch Hallett a. O. (zit. Anm. 66); in severischer Zeit erfreut sich das Motiv
besonderer Beliebtheit: Rumscheid 2000, 49.

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werden die Verdienste der Familie in der bildlichen Aussage der Ehrenstatuen
subtil mit dem städtischen Identitätsgefühl verknüpft.
Um sich den zeitspezifischen Charakteristika der beiden Denkmäler weiter
anzunähern, seien ihnen im Folgenden zum Vergleich weitere Ehrenstatuen
aus Aphrodisias gegenübergestellt, die deutlich früher bzw. später datieren: Zu
den bekanntesten Persönlichkeiten der erst im 2. Jh. v. Chr. gegründeten Stadt
zählt C. Iulius Zoilos, Freigelassener des Oktavian, von dem eine der beiden in­
schriftlich überlieferten Ehrenstatuen vor der Fassade der Hadrians-Thermen,
d.i. am westlichen Ende der Süd-Agora, die andere in der nördlichen Parodos
des Theaters gefunden wurde.69 In ersterer, die ursprünglich wohl aus dem Hei­
ligtum der Aphrodite stammt, wird Zoilos als Priester der Aphrodite und der
Eleutheria auf Lebenszeit von Boulè und Demos geehrt.70 Die Inschrift betont
demnach Rat und Volk von Aphrodisias als ehrende Instanzen, bleibt aber bei der
Nennung der Priesterämter ganz sachlich und schnörkellos. Im Gegensatz zu den
Bauinschriften, die Zoilos als freigebigen Stifter im Theater und im Aphrodite-
Heiligtum bezeugen, fehlt hier der Hinweis auf die zehnfache Ste­phanephorie
und auf die Epitheta als Soter und Euerget seiner Heimatstadt.71
Auch die Inschriften von Dometeinos und Tatiana listen nicht alle Ämter
und Verdienste der Geehrten auf. Wie wohl auch im Fall des Zoilos wird dem
Umstand Rechnung getragen, dass die Personen stadtbekannt sind und bei ei­nem
aufmerksamen Rundgang durch die Polis immer wieder in Inschriften be­gegnen.
Gegen die Annahme einer steigenden Bedeutung des Tugendlobs ließe sich
anführen, dass Zoilos auf den Reliefs, die seine Ehrung durch die Stadt festhalten,
gleich zwei personifizierte Tugenden beiseite gestellt sind, nament­lich Andreia
und Timè.72 Freilich ist nicht restlos geklärt, ob sie ursprünglich ein öffentliches
Denkmal oder einen Grabbau zierten. Bezeichnend erscheint mir jedoch bei den
severischen Ehrenstatuen die starke Betonung der generati­onenübergreifenden
Bedeutung der Familie, also erneut eine überzeitliche Qualität, sowie die Nähe
zum Numen der Stadt Aphrodisias, die auf dem Zoilos-Fries ganz anders, und
zwar als Personifikationen des Demos und der Polis in Erscheinung tritt.
Aus der ungewöhnlichen Fülle spätantiker Porträts aus Aphrodisias lassen
sich wiederum zwei Statuen mit den zugehörigen Basen in situ verbinden.73
Diese waren nur wenige Meter von Dometeinos und Tatiana, d. h. eben­falls

69
Reynolds 1982, 158f. Nr. 33; S. 163 Nr. 38; Smith 2006, 43f. 88 Taf. 3 (H 155/154).
70
[ἡ βουλ]ὴ καὶ ὁ δῆμος ἐτ[ε]ίμησεν | [Γά]ϊον Ἰούλιον Ζώϊλον τὸν | [ἱερ]έα τῆς Ἀφροδίτης καὶ
τῆς | [Ἐλε]υθερίας διὰ βίου. – [? vac. ὁ] δῆμος vac. [ἐτείμησεν] | Γάϊον Ἰούλιον Ζώιλ[ον...;
zum Fundort der ersteren s. Smith 2007, 209 Taf. 67 Abb. 40.
71
Reynolds 1982, 161-163 Nr. 36. 37.
72
Smith 2006, 43 Abb. 9.
73
Smith 1999, 162-167 Abb. 5-7; Smith 2002.

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in der nördlichen Stoa der Agora aufgestellt, jedoch weiter westlich beider­seits
einer Art Exedra (Abb. 7: B und C), in der einst frühkaiserzeitliche Ehren­
statuen von Statthaltern standen, und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu
einer aufwendigen domus, die von Bert Smith als Gouverneurssitz interpretiert
wird.74 Beide Statuen datieren in die Zeit um 400 n. Chr. und kennzeichnen durch
die Magistrate, die sie verkörpern, die Phase, in der Aphrodisias vor al­lem als
Provinzhauptstadt von Karien in Erscheinung tritt.75 Während das linke Denkmal
den Körper einer hochkaiserzeitlichen Himationstatue wiederverwen­det und auch
sonst umfangreichen Gebrauch von Spolien macht, ist bei dem rechten lediglich
die Basis in Zweitverwendung. Die eigens gefertigte Gewand­statue zeigt die
chlamydatus-Tracht, wie sie am kaiserlichen Hof in Konstantino­pel gebräuchlich
ist (Abb. 11). Sie unterstreicht damit schon optisch die Aussa­ge der Inschrift,
dass es sich bei dem Porträtierten um den entsandten Statthal­ter handelt, der hier
vom Stadtrat geehrt wird. Die Inschrift erweist sich bei nä­herer Betrachtung als
Epigramm, das in schönen Worten schwelgend die be­sonderen Qualitäten des
Mannes namens Oikoumenios umschreibt.76 Neben der dichterischen Verklärung,
dass sich auch hinter dieser Ehrung handfeste politische Interessen verbergen,
fallen vor allem zwei Komponenten auf: Er­neut geht es um zeitlose Tugenden,
die jetzt allerdings einen neuen Absolut­ heitsgrad erreichen, wortgemäß die
Reinheit im Geist und im Handeln. Außer­dem wird die Funktion des Denkmals
ausdrücklich erwähnt, nämlich die Hoff­nung des Geehrten, in guter Erinnerung
zu bleiben.
Nur scheinbar konkreter spricht die Inschrift der linken, „steinernen“ Eh­
renstatue (Abb. 10) von der Gerechtigkeit und der positiven Ausstrahlung des
Statthalters Alexander, um dann aber in umso schillernderen Farben die Un­
übertrefflichkeit und ewig andauernde Wirkung seiner Güte zu beschwören.77

74
Zu den beiden Basen augusteischer Statthalter s. Reynolds 1982, 171f. Nr. 45; Smith
2006, 79 Abb. 17 (H35/36).
75
Smith 2006, 74 registriert im überkommenen Material einen Wechsel zu Ehrenstatu­en
des Kaiserhauses und von Statthaltern seit der Mitte des 3. Jhs., als Aphrodisias zur
Hauptstadt der Provinz Karien/Phrygien wird. Wiederverwendung von frühe­ren Ba-
sen und ein Nachlassen des Schriftbildes verzeichnet er erst nach 300 n. Chr.
76
Roueché 1989, 54f. Nr. 31; Reynolds 2008, 186f. Nr. 20: Τὸν σὲ νόμων πλή- | θοντα, τὸν
Ἰταλι- | ώτιδα Μοῦσαν v. | v. Ἀτθίδος ἡδυεπεῖ | v. κιρνάμενον μέλιτι | τῆιδ᾿ Οἰκουμένιον | τὸν
ἀοίδιμον ἡγεμο- | νῆα v. στῆσε φίλη | βουλὴ τῶν Ἀφροδισιέων· | τῶι γὰρ δὴ καθαρῶι φρέ- |
να καὶ χέρα τί πλέον | εὑρεῖν v. μνημοσύ|νης ἀγαθῆς ἄλλο πά|ρεστι γέρας; edera.
77
Roueché 1989, 55-57 Nr. 32; Reynolds 2008, 188f. Nr. 21: Εἰκόνα λαινέην μὲν | Ἀλεξάν-
δροιο δικαίου | ἡ Φρυγίης μήτηρ | μητέρι τῆι Καρίης | τῆς ζαθέης ἀρχῆς τέκμαρ | ἄμβροτον
ἐνθάδ᾿ ἔπεμψεν· | πᾶς δὲ λόγος μείων | τ᾿ ἀνδρὸς εὐφροσύνης. | vacat Εὐτυχῶς.

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94 Jochen Griesbach

5. Resümée und Ausblick

In der Synopse der angesprochenen Veränderungen erscheint es mir geboten,


bei der Frage nach dem Ende des ‚portrait habit‘ die verschiedenen geltend ge­
machten Symptome stärker voneinander zu trennen: Das mehrheitliche Ende
öffentlicher Ehrenstatuen der Oberschicht in weiten Teilen des römischen Rei­
ches und das Ende rundplastischer (nicht kaiserlicher) Porträts fallen nicht zu­
sammen. Insofern kann es sich auch nicht um eine ‚mediale‘ Wende handeln,
selbst wenn man für die späteren Porträts annehmen möchte, dass sie sich weit­
gehend auf private Kontexte beschränken.78 Auch die für unseren Begriff von
Porträt maßgebliche ‚realitätsnahe‘ Individualisierung der Köpfe nimmt nach
der Mitte des 3. Jhs. nicht gleichmäßig ab, sondern hält sich in unterschiedlich
starker Ausprägung bis zum Ende des 5. Jhs. n. Chr. Etwa hundert Jahre später
kommen rundplastische Bildnisse selbst für das Kaiserhaus, das dank seiner in
den Vordergrund gerückten Insignien auf individuelle Züge leichter verzichten
konnte, nicht mehr zur Anwendung.79 Regelmäßiger erscheint die Abnahme ei­ner
plastischen, dreidimensional konzipierten Auffassung von Köpfen und Körpern
nach den herkömmlichen ‚naturalistischen‘ Standards.
Das Phänomen der Wiederbenutzung von Statuenbasen, -körpern und –köp-
fen ist – ganz abgesehen davon, dass es zumindest seit späthellenistischer Zeit
vermehrt zu beobachten ist – regelrecht in ein ‚Zeitalter der Spolien‘ einge­bettet
und kann daher kaum überzeugend als Indiz für ein nachlassendes Inter­esse der
Eliten an statuarischer Bildnisrepräsentation herhalten. Dasselbe Phä­nomen be­
gegnet beispielsweise in der Marmorausstattung der reichen domus, an der das
Interesse zweifellos groß war.80 Außerdem zeugt eine aus heutiger Sicht man-
gelhafte Ausführung der Denkmäler – zumal wenn man Veränderungen in den
ästhetischen Maßstäben einräumt – nicht davon, dass die Auftraggeber Zweifel
daran hegten, ob die Wahl des Mediums die richtige war.81 Schließlich verläuft
auch die nachlassende Qualität des Schriftbildes nicht einheitlich und betrifft alle
Arten von Inschriften gleichermaßen.82 Es handelt sich also um un­gleichzeitige
Aufkündigungen verschiedener kultureller Traditionen und Stan­dards, die nur um

78
Zur Entwicklung des spätantiken Porträts s. zusammenfassend Bergmann 2000.
79
Meischner 2001, 130-135; Ensoli – La Rocca 2000, Kat. Nr. 269-273; s. auch Bauer
1996, 339-349.
80
Guidobaldi 1999, 63f.; vgl. Purcell 1999, 155; s. allg. Baldini 2001, 72f.
81
Vgl. Borg 2007, 44f.
82
S. dazu Illuminati 1999 aus der Perspektive der Entwicklung christlicher Inschriften.
Die berühmten Epigramme, die Papst Damasus (366–384 n. Chr.) zur repräsentati­ven
Aufwertung der Märtyrergräber in den Katakomben anbringen ließ, markieren hier in
jeder Hinsicht, besonders im Schriftbild einen Höhepunkt.

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Eine Krise des ‚portrait habit‘? 95

den Preis, dass die Ursachen im Einzelnen undeutlich blei­ben, miteinander zu


einer Einheit verwoben werden können.
Ferner kann die erfreuliche Verabschiedung überkommener Krisen- und
Deka­ denzvorstellungen nicht bedeuten, dass man soziale und ökonomische
Verän­derungen als bedeutsame Faktoren der Transformation von Vorneherein
aus­schließt.83 Das Fortbestehen öffentlicher Ehrenstatuen während des 4.
und frü­hen 5. Jhs. n. Chr. in den herangezogenen Beispielen von Rom und
Aphrodisias hängt doch offenbar damit zusammen, dass sich in beiden Fällen
eine beträcht­liche Zahl besonders traditionsverhafteter Vertreter der Oberschicht
finden lässt. Diese bewegten sich zudem jeweils in einem Milieu, das der
öffentlichen Aufrechterhaltung der Traditionen mehrheitlich sehr zugetan war.84
Dass die spätantiken Ehrenstatuen fast ausschließlich aus den höchsten Kreisen
der Aristokratie, insbesondere der Provinzverwaltung bzw. der Stadtpräfektur in
Rom stammen, legt die Vermutung nahe, dass in aller Regel nur noch die Spit­
zenämter die politische Gestaltungsmacht enthielten, entsprechende Ehrungen
zu rechtfertigen.85 Das eröffnet zwei Aspekte, die m. E. in der bisherigen Dis­
kussion zu kurz gekommen sind:
1.) Müsste man nicht zu allererst überprüfen, inwieweit die Rahmenbedin­
gungen, die das massive Aufkommen von Ehrenstatuen in hellenistischer Zeit
begründet haben, in der späten Kaiserzeit noch gegeben waren?86 Das Prinzip
des Euergetismus, das maßgeblichen Anteil daran haben dürfte, beruhte auf
dem gesellschaftlichen Konsens, dass außerordentliche individuelle Leistungen
zum Wohle der Polis durch Ehren vergolten werden, die Einzelne aus dem
‚Kollektiv‘ des Demos hervorheben. Aus dem Blickwinkel der spätantiken
Stadtentwicklung muss es jedoch fraglich erscheinen, ob ein derartiger Konsens
über das Allgemeinwohl oder zumindest eine gewisse Einbindung des Volkes
als Kommunikationsgrundlage hergebrachter Form noch hinreichend Bestand

83
Vgl. Borg – Witschel 2001, 78-90 mit ihrem Fazit 116-118.
84
In beiden Fällen gibt es aber auch klare Anzeichen dafür, dass die Oberschicht – durch
die Familien hindurch – mehr und mehr in ein konservatives und ein der kai­serlich
geförderten Kirche zugeneigtes Lager gespalten war. Zu den religiösen Kon­flikten in
Rom: Klein 1972; Niquet 2000, 227-229; in Aphrodisias: Chaniotis 2002; zur steigen-
den Attraktivität des Christentums für die Eliten s. Salzman 2002.
85
Zur wachsenden Einflussnahme der Provinzverwaltung auf die Finanzpolitik der
Städte im Osten, die zugleich einen empfindlichen Machtverlust der lokalen Hono­
ratioren markiert: Quaß 1993, 376-381; vgl. Borg – Witschel 2001, 88f.; allg. zu den
Ehrungen der Statthalter in der Spätantike s. Horster 1998.
86
Woolf 1996, 39; Smith 1999, 173; dagegen Borg 2007, 50-53.

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96 Jochen Griesbach

hatte,87 selbst wenn der äußere Schein aufrecht erhalten wurde.88 Nicht zuletzt
im Rom des 4./5. Jhs. lässt die auseinanderklaffende Schere der Wohnverhält­
nisse soziale Umstände erahnen, die sich von den Verhältnissen während der
drei zurückliegenden Jahrhunderte wesentlich unterscheiden: auf der einen Seite
die sog. squatter occupation, auf der anderen Seite reiche domus, die mehr Platz be­
anspruchen denn je, beide Extreme der Wohnform jedoch immer häufiger auf
Kosten des ehemals öffentlichen Raumes.89 Investitionen von Honoratioren in
die öffentliche Bausubstanz und vergleichbare euergetische Maßnahmen erfolg­
ten, abgesehen von der Erhaltung der unverzichtbaren Infrastruktur (vor allem
Brücken und Aquädukte) sowie einzelner Thermen und Spielstätten, nur noch
ganz selektiv an Orten, die urbanes Flair und historische Größe ausstrahlen
sollten.90 Auf der anderen Seite gibt es deutliche Hinweise darauf, dass sich die
Oberschicht in den privaten Rückzugsgebieten ihrer aufwendigen Residenzen
immer mehr vom Pöbel abgeschottet hat.91 Erst vor diesem sozialen wie öko­
nomischen Hintergrund wird nachvollziehbar, warum sich die gesellschaftliche
Kommunikation so stark von den Fora auf andere Orte, insbesondere die Are­nen
verlagert hat.92

87
Borg – Witschel 2001, 86 begreifen den Kern des Mentalitätswandels im Bereich „ver-
änderter Kommunikations- und Sehgewohnheiten“, gehen aber 89f. bei der Feststel-
lung, dass sich der Euergetismus der Eliten in der Spätantike schwerpunkt­mäßig auf
‚neue‘ Felder (Leiturgien im Spielewesen oder im christlichen Kontext) verlagert, nicht
darauf ein, warum das geschieht und welche Konsequenzen sich für das Gemeinwesen
ergeben.
88
Die spätantike Bauinschrift des Tempels der Concordia (!) in Rom beruft sich noch
auf die traditionelle Formel SPQR: CIL VI 89; ebenso die des benachbarten Saturn-
Tempels: CIL VI 937.
89
Guidobaldi 1999, 56. 58f.; Guidobaldi 2000, bes. 156f. (auch auf Kosten der übri­gen
Wohnbebauung); vgl. Manacorda 2001, 42. Aber auch unter den Häusern der honestiores
ist ein Gefälle zu verzeichnen, das auf sehr heterogene Vermögensver­hält­nisse hindeu-
tet. Dazu braucht man beispielsweise nur die Domus der Valerier mit der benachbarten
des Gaudentius auf dem Caelius zu vergleichen: Pavolini 2000, 147 Abb. 1; s. allg.
Guidobaldi 1999.
90
Niquet 2000, 203-212 (Baumaßnahmen). 219-226 (vor allem idealplastische Werke als
ornamenta urbis). Bis auf wenige Beispiele gehen diese Maßnahmen ausschließlich auf
die praefecti urbi zurück.
91
Gering 2010; zur Sozialstruktur und sozialen Interaktion der Bevölkerung Roms in der
Spätantike s. Purcell 1999.
92
Lim 1999; Hillner 2004, 132f. – Mit der ‚Kuretenstraße‘ in Ephesos ist ein promi­nentes
Beispiel dafür gegeben, wie sich die spätantike Bildnisrepräsentation von den tradi-
tionellen Plätzen der Politik entfernen konnte, um neue, vermutlich auch popu­lärere
Vorzeigeorte der Stadt zu erschließen: s. jetzt Auinger 2009, die jedoch zur Annahme
neigt, dass der Embolos auch in der Kaiserzeit entsprechend genutzt wur­de, obwohl

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Eine Krise des ‚portrait habit‘? 97

2.) Im Zentrum der obigen Überlegungen stand jedoch der mentale Wan­
del, wie er in den Denkmälern selbst zum Ausdruck kommt. Hier ließ sich be­
obachten, dass sich die Rechtfertigungen/Begründungen der Ehrer­bie­tun­gen
langfristig weitaus deutlicher ändern als die Aufstellungsorte oder die bildli­
che Gestaltung der Denkmäler. In dem Maße, wie sich die Formulierung der
Inschriften immer mehr der Hervorhebung zeitloser Qualitäten der Geehrten
widmet, entfernt sie sich von einer Benennung konkreter Verdienste gegenüber
der Gemeinschaft bzw. von einer reinen Aufzählung der durchlaufenen Ämter.
Zu allen hier berücksichtigten Zeiten müssen Tugenden herhalten, um das Ehr­
würdige durch schöne Worte zu verbrämen. Doch während es früher die Leis­
tungen waren, in denen Tugenden zum Vorschein traten, sind es später die
(vermeintlich) persönlichen, nicht selten sogar auf die Abstammung zurück­
ge­führten Eigenschaften und Befähigungen der Honoratioren,93 die deren oft
ü­berschwänglich formulierte Wertschätzung ausmachen.94 Dabei spielen häufig
Motive eine Rolle, die eher der Privatsphäre angehören oder deren Relevanz
für die Öffentlichkeit nicht ohne Weiteres ersichtlich ist.95 Insbesondere geht
der Trend dahin, die Erinnerungswürdigkeit der geehrten Personen zu betonen
oder geradezu zu beschwören. Das rückt die Texte in die Nähe von Grabin­
schriften, wozu auch die immer beliebter werdende Epigrammform besser zu
passen scheint. Der Akzent verschiebt sich demnach von der Hervorhebung in
der Gegenwart hin zur Bewahrung der postumen Erinnerung ‚auf ewig‘.96 Wo­
von man zuvor angesichts von Ehrenstatuen stillschweigend ausgegangen ist,

sie mehrfach betont, dass es dafür keine sicheren Anhaltspunkte gibt (ausgenommen
sind freilich die Porträtstatuen, die in den Fassaden der Repräsenta­tionsbauten zum
Einsatz kamen); zu den kaiserlichen Ehrenstatuen ebenda s. Roueché 2009; zur spätan-
tiken Neuinszenierung der Bauten entlang der Kureten­straße als Symbolträger städti-
scher ‚Größe‘ s. Fildhuth 2010.

93
Zur Betonung der nobilitas des Geblüts kommen in den Statuenkontexten immer
wieder Ensembles vor, die verdeutlichen, dass Status wie Tugenden von Generation
zu Generation weitervererbt werden; man denke nur an die beiden berühmten Spiel­
geber-Statuen vom Esquilin: Ensoli – La Rocca 2000, 432-434 (M. Cima); s. auch Gehn
2010 zu den Ehrenstatuen der beiden Mavortii in Puteoli.

94
Vgl. Smith 1999, 175; s. ausführlich Niquet 2000, 159-167, die herausstreicht, wie kon-
turlos und vage diese Tugendkataloge ausfallen, wenn man sie nebeneinander hält;
aus den Ausnahmen s. a. O. 143-149; 229f. folgert sie, dass hinter diesen Etiketten
die traditionellen Erwartungen an die Amtsträger, nicht aber die realen individuellen
Eigenschaften hervorscheinen. Ich sehe darin vielmehr, wie abstrakt die Begründung
der Ehren geworden ist.

95
Niquet 2000, 167-172; besonders auffällig ist die Häufigkeit, mit der dichterischer Be-
gabung (viri litterati) Bewunderung gezollt wird.

96
Vgl. die Entwicklung im sepulkralen Kontext: Griesbach 2007, 143-151.

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wird jetzt eigens thematisiert. Es fällt schwer, das zunehmend Explizite der In­
schriften nicht als Indiz für einen gewissen Wirkungsverlust des Medium Eh­
renstatue zu sehen. Eventuell hängt dieser Wirkungsverlust damit zusammen,
dass derartige Denkmäler zwar einerseits weiterhin geeignet waren, als Symbole
von Status und Macht zu fungieren. Andererseits dürften sie ihre eigentliche
Vorbildfunktion mangels individueller, leistungsorientierter Legitimation, die
ein breites Publikum nachhaltig für sich gewinnen konnte, inzwischen weitge­
hend eingebüßt haben.97 Der potentielle Rezipientenkreis war wohl tatsächlich
merklich geschrumpft, weshalb die Konzentration auf die eigenen Wohnhäuser
bzw. die Amtslokale, wo man sich mehr als sonst unter Seinesgleichen bewegte,
verständlich erscheint. Außerdem lässt die zunehmend panegyrische Verklärung
der Geehrten in den Inschriften erahnen, dass Porträts durch ihre individuali­
sierenden und ‚naturalistischen‘ Züge nicht mehr überzeugen konnten, wenn
die eigentliche Aufgabe darin bestand, zeitlose Tugenden von geradezu überna­
türlicher Qualität ins Bild zu setzen.98 Die endgültige Loslösung der Inschrif­
tentexte von den Denkmälern, wie sie Franz Alto Bauer beschreibt, könnte also
tatsächlich ein gravierendes Manko der herkömmlichen Bildnisse offenbaren:
Diese standen in der Tradition eines Menschenbildes, das Qualitäten vor allem
physisch herleitete bzw. zum Ausdruck brachte.
Aus der hier entwickelten Perspektive kommt der severischen Zeit eher ein
episodischer Charakter zu. Ein einschneidender Bruch mit den Traditionen
kann erst für die Mitte des 3. Jhs. festgestellt werden. Dabei ist auffällig, auf
wie vielen verschiedenen Feldern eine Abkehr von den kulturellen Konventionen
stattfindet. Das Band zu den Vorbildern der Vergangenheit scheint auf ideeller
wie ästhetischer Ebene einen gravierenden Riss erhalten zu haben.99 Andere
Traditionen, wie z.B. das öffentliche Interesse an sportlichen Wettkämpfen,

97
Zum ‚sense of audience‘ als Bedingung für den ,epigraphic habit‘ s. MacMullen 1982,
246; Woolf 1996, bes. 25. 38 betont, dass es dazu eines kulturellen Klimas bedarf, in
dem die Beständigkeit der Kommunikation garantiert scheint; Borg – Witschel 2001,
106-116 beschreiben selbst die fortschreitende Distanzierung der Eliten über die stei-
gende Vorführung von Reichtum (äußerliches Auftreten) und räumliche Abgrenzung.
Der repräsentative Aufwand zur Unterstreichung des Status steigt also, jedoch ohne
dass er auf herkömmliche Weise legitimiert wird; vgl. Borg 2007, 68f.
98
Die Honoratioren nähern sich durch die abundante Verwendung absoluter Tugend­
begriffe und nicht mehr steigerbarer Qualitäten immer mehr den populären Vorstel­
lungen von Heiligen an; vgl. Griesbach 2007, 73-82 zu den entsprechenden Assimi­
lationsbemühungen in der funerären Praxis.
99
S. insbesondere den Beitrag von Thoralf Schröder in diesem Band. Er datiert das Ende
von Porträts im Stile der Kosmeten, für die bekanntlich die alten griechi­schen Geistes-
größen vorbildhaft waren, um 250 n. Chr..

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Eine Krise des ‚portrait habit‘? 99

scheinen jetzt erst eine Vorrangstellung zu erlangen.100 Einige der hier themati­
sierten Veränderungen gehen bereits auf die antoninische Zeit zurück, so vor
allem das Tugendlob in den Ehreninschriften.101 Es wird also künftig darauf
an­kommen, die Zeit der Severer genauer daraufhin zu analysieren, inwieweit in
ihr die richtungsweisenden Weichen für den hier skizzierten Verlauf des 3. Jhs.
und darüber hinaus gestellt werden. Dieser und andere Bei­träge des Workshop
deuten darauf hin, dass die Jahrzehnte der severischen Dynastie insofern einen
Wendepunkt markieren, dass sie dem Vordringen privater Wertmaßstäbe in die
Sphäre der Öffentlichkeit und umge­kehrt nachhaltig den Weg geebnet haben.102

Abstract

Recent discussion about the end of the ‚portrait habit‘ has focussed on the
cessation of setting up honorary statues of the civic elites in public places all over
the Roman Empire after 250 AD. Since Roman aristocracy has obviously not
ceased to exist at that time and still needed the display of individual power and
reputation the phenomenon has been explained by a fundamental shift towards
ceremonial or transitory ways of representation. This paper in contrast highlights
primarily the changing justification of honours which appears in the phrasing of
the inscriptions before and after the Severan Period. The evidence from Rome
and Aphrodisias serves for single case studies. As much as the statements of
public merits were replaced by praising personal and finally ‚supernatural‘ virtues
of the dignitaries the portrait statues lost their function as ‚real‘ exemplary effigies
for the traditional civic community.

100
s. Van Voorhis 2008 zu den beiden Boxer-Statuen an beiden Seiten des Bühnenrandes
im Theater von Aphrodisias sowie allgemein zu den agonistischen Ehreninschriften
des 3. Jhs. im griechischen Osten.
101
Niquet 2000, 229f.
102
s. dazu auch Kampen 2009.

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100 Jochen Griesbach

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Eine Krise des ‚portrait habit‘? 105

Abbildungsnachweise

Abb. 1: Gatti 1989, 285 Abb. 2


Abb. 2: CIL VI 8, 3 p. 5000: Nr. 41228
Abb. 3: Mekacher 2006, 141 Abb. 13
Abb. 4: Mekacher 2006, 210 Abb. 33
Abb. 5: Mekacher 2006, 243 Abb. 97
Abb. 6: Smith 2006, 70 Abb. 19
Abb. 7: Smith 2002, Taf. 10
Abb. 8: Smith 2006, Taf. 40
Abb. 9: Smith 2006, Taf. 76
Abb. 10: Smith 1999, 166 Abb. 5
Abb. 11: Smith 2002, 145 Abb. 1

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Abb. 1 Grundriss der Insula-Bebauung östlich der Piazza Colonna in Rom

Abb. 2 Rom, Antiquario del Celio, Statuenbasis für den Senatoren


M. Pontius Eglectus Archelaus

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Abb. 3 Rom, Blick von SO in den Innenhof des Atrium Vestae (Aufnahme: van Deman)

Abb. 4 Rom, Atrium Vestae, Statuenbasis Abb. 5 Rom, Antiquario Forense, Por-
für die Vestalin Flavia Publicia, trätstatue einer Vestalin aus dem
247 n. Chr. (CIL VI 32414) 3. Jh. n. Chr.

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Abb. 6 Ehrenstatuen der Euergeten Dometeinos und Tatiana aus Aphrodisias,


Rekonstruktion

Abb. 7 Aphrodisias, Fundorte der Ehrenstatuen in der nördlichen Stoa der N-Agora

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Abb. 8 Oberkörper der Ehrenstatue des Abb. 9 Ehrenstatue der Tatiana,


Dometeinos, Aphrodisias-Museum Aphrodisias-Museum

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110 Jochen Griesbach

Abb. 10 Ehrenstatue des Provinzstatthal- Abb. 11 Ehrenstatue des Provinzstatthal-


ters Alexander aus Aphrodisias, ters Oikoumenios aus Aphrodisias,
Rekonstruktion Rekonstruktion

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