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“ Corona-Krise:
Durchatmen und Fakten
checken
Es ist schon bemerkenswert, wie die öffentlich
wohlversorgten Wissenschaftler ein Virus als
potenzielle Killerkrankheit diagnostizieren und ein
System installieren, das die ganze Schweiz lahmlegt.
2020-03-21 09:00 Franziska Laur

Beten für die Corona-Opfer: Jetzt wäre buddhistische


Gelassenheit gefragt. Foto: Barcroft Media

Franziska Laur
Uns fliegt zurzeit unser ganzes
Gesellschafts- und Wirtschaftssystem um
die Ohren. Innert dreier Wochen hat sich
die Lage dramatisch verändert, muss
man sich separieren, ist die Börse
eingebrochen, melden tausende Betriebe
Kurzarbeit an, werden Existenzen
gefährdet. Corona stellt die Welt auf den
Kopf. Was Klimaschützer seit Jahren
verlangen, schafft dieses kleine, fiese
Virus. Jetzt haben die Fische im bootlosen
Rhein wieder Ruhe, Menschen singen
vom Balkon, der Himmel wird blauer,
und in China können Kinder erstmals
durchatmen.

An der derzeitigen Gesundheits​aufregung


ist vielerlei bemerkenswert. Unter
anderem, dass die öffentlich
wohlversorgten Wissenschaftler ein
Virus, losgelöst vom Gesamtzustand des
Menschen, als potenzielle Killerkrankheit
diagnostizieren und ein System
installieren, das die ganze Schweiz
lahmlegt. War es im Jahr 2008 die
Bankenkrise, ist es heute die Krise der
Klein- und Mittelunternehmer.

Anstatt dass diese Wissenschaftler jetzt


kühlen Kopf bewahren, wird Panik
geschürt. Ich will das Virus nicht
kleinreden. Es hat Leid verursacht und
Menschen umgebracht. Jeder Tod ist ein
Schock. Und doch: Auch Hyperaktivität
und Panikmache können töten!

Es ist psychologisch

Die wirtschaftlichen und klinisch bewiesen,


Massnahmen haben dass Menschen, die
Langzeit​s chäden zur Angst haben, schneller
Folge, die mit den jetzt krank werden. Ihre
versprochenen Atmung geht flacher,
Millionen kaum ​‐ das Immunsystem
aufgefangen werden
sinkt. Ich kenne einen
können.
eigentlich gesunden
Mann, der sich für drei Wochen
krankschreiben liess, weil er so sehr
Angst vor Corona hat. Für andere ist das
Zuhausebleiben fatal. All diejenigen, die
einen Garten haben, können sich
glücklich schätzen. Doch den in der
Wohnung Eingesperrten fällt die Decke
auf den Kopf: Depressionen, Einsamkeit,
das Gefühl des Verlassenseins sind die
Folgen.

Hinzu kommen diskriminierende ​-


Tendenzen: Asiaten werden offen
gemieden und verunglimpft, ältere Leute
schräg angesehen, wenn sie einkaufen
oder am Rhein spazieren gehen. Und was
ist mit den Hunderten, Tausenden
Existenzen, die gefährdet sind?
Menschen, die ihren Job verlieren, ihr
kleines Unternehmen, das sie aufgebaut
haben, nicht mehr weiterführen können?
Das hat Langzeit​schäden zur Folge, die
mit den jetzt versprochenen Millionen
kaum ​aufgefangen werden können.

Grippewelle verursachte 2500 Todesfälle

Schauen wir mal ganz nüchtern die


Fakten an: Wir haben jedes Jahr eine
Grippewelle. So meldete das Bundesamt
für Statistik: «Die starke Grippewelle im
Frühjahr 2015 hat etwa 2500 Todesfälle
verursacht.»

Auch Anfang 2017 hat eine ausge​prägte


Grippewelle die Schweiz ​erreicht: Die
Folge: Allein in den ersten sechs Wochen
des Jahres kam es bei den über 65-
Jährigen zu beinahe 1500 zusätzlichen
Todesfällen. Damals gab es allein in
Italien 25’000 Grippetote, davon 19’400
im Alter von über 65 Jahren.

Bei jeder Grippe geht man in Ländern mit


gut ausgebautem Gesundheits​system von
einer Sterblichkeit von geschätzten 0,5
Prozent aus. Jetzt liegt die Letalität nur
mässig über der Influenza – allerdings
sind hier die Angaben noch ungenau und
schwanken in Europa von Land zu Land.
Doch etwas ist überall gleich: Fast alle
Verstorbenen sind alt und leiden an
mehreren Krankheiten, von denen jede
ebenfalls tödlich hätte verlaufen können.

Es gab und wird

Irgendwann wird ein immer wieder ​-


neues Virus aggressive,
auftauchen. Wollen wir dramatische
dann jedes Mal unsere Influenzawellen
Wirtschaft kaputt geben. Doch jetzt wird
machen und das der Mensch in Obhut
gesellschaftliche Leben
genommen, unter
lahmlegen?
grosser Anteilnahme
in seine Wohnung verbracht, der Hilfe
versichert und bekommt den schönsten
Käfig gleich neben einem kleinen
Eisbären. Der Gesundheitsdirektor
übernimmt die Patenschaft. Und alles
wird gut. Doch viele Menschen wollen das
gar nicht. Sie wollen sich lieber dem
Risiko aussetzen, zu sterben, als in
Fremdbestimmung alt zu werden. Ist das
jetzt in unserer Demokratie nicht mehr
möglich?

Schauen wir uns nochmals einige Fakten


an: Die Zahl der Erkrankten in der
Schweiz ist auf rund 4000 ​gestiegen.
Bisher sind 33 Personen gestorben. Die
Dunkelziffer ist gross, da nicht alle
Verdachtsfälle getestet werden können.
Es könnte also sein, dass viel mehr
Menschen infiziert und auch schon
erkrankt sind. Die vielen milden und
unerkannten Verläufe von Corona-
Infizierten tauchen ja in keiner Statistik
auf. Dann wären auch die
Sterblichkeitszahlen sehr gering.

Gemäss der deutschen Virologin Ulrike


Protzer sind die Sterblichkeitszahlen
ähnlich wie bei einer durchschnittlichen
Grippesaison. Betroffen sind zumeist
Menschen aus Risikogruppen wie
Krebskranke in Chemotherapie, alte
Menschen und solche mit
Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-
Erkrankungen oder auf Diabetes
zurückgehende Organschäden.
Nochmals: Dieses Virus ist nicht zu
unterschätzen, und es ist zweifellos
wichtig, seine Verbreitung einzudämmen.
Jeder Mensch, der daran stirbt, ist ein
Todesfall zu viel. Und was in Italien
abgeht, ist tatsächlich ein Drama.

Ich gehöre mit meinen 63 Jahren selber


schon fast zur Risikogruppe. Ich hatte vor
zwei Jahren eine Lungenentzündung
durchgemacht, und trotzdem – ich bin
überzeugt, dass Krankheit und auch Tod
zum Leben gehören. Mich stören die
Allmachtsfantasien von Behörden und
Wissenschaft und der Anspruch, dieses
Virus sofort aus der Welt zu schaffen und
jeden ​Menschen davor zu schützen. Mich
stört es auch aus dem Grund, weil ich
nicht glaube, dass das gelingt. Ich glaube
vielmehr, es wird ein treuer Begleiter
werden, der immer wieder mal auftaucht
und seine Zähne zeigt. Vielleicht gibt es
mal einen Impfstoff, okay. Doch es wird
ein neues Virus auftauchen. Wollen wir
dann jedes Mal unsere Wirtschaft kaputt
machen und das gesellschaftliche Leben
lahmlegen?

2020-03-21 09:00
Franziska Laur

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